The Project Gutenberg EBook of Die moderne Ehe, by Maud Ch. Braby

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Title: Die moderne Ehe
       und wie man sie ertragen soll

Author: Maud Ch. Braby

Translator: Clara Sokolowsky-Theumann

Release Date: January 26, 2009 [EBook #27891]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE MODERNE EHE ***




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Die moderne Ehe

und wie man sie ertragen soll


Von

Maud Ch. Braby


Drittes Tausend


Erich Rei Verlag  Berlin 1911




  Autorisierte bersetzung
  von _Clara Sokolowsky-Theumann_
  Umschlagzeichnung von _Wolf Schmidt_


  Copyright 1911 by Erich Rei Verlag, Berlin




  Herrn C. Stanley-Churton

  dem besten Vater der Welt, in
  tiefer Dankbarkeit fr ein Leben
  voll Liebe und Gte




Inhaltsverzeichnis


  I. Teil
  _Zeichen der Unruhe_

    I. Die Unbefriedigtheit der Geschlechter                       3
   II. Warum die Mnner nicht heiraten                            14
  III. Warum die Frauen nicht heiraten                            27
   IV. Die Tragdie der Unbegehrten                               42

  II. Teil
  _Warum Ehen miglcken_

    I. Die verschiedenen Arten der Ehe                            57
   II. Warum Mann und Frau auseinandergeraten:
         verschiedene Zwistigkeiten                               68
  III. Das Heiratsalter                                           86
   IV. Das Sichausleben fr die Frauen                          91
    V. Einige Worte fr eine vernnftigere Mdchenerziehung      103
   VI. Und wahre ihr die eheliche Treue --
         der wunde Punkt in der Ehe                              112

  III. Teil
  _Vorgeschlagene Alternativen_

    I. Die Probeehe  la Meredith                                123
   II. Die Probeehe in der Praxis: ein Dialog im Jahre 1999      133
  III. Das Fiasko der freien Liebe                               146
   IV. Die Polygamie an einer hflichen Tafelrunde               152
    V. Ist die legalisierte Polyandrie die Lsung?               165
   VI. Ein Wort fr die Duogamie                                 167
  VII. Die Vorteile der Ehe auf Sicht                          177

  IV. Teil
  _Die Kinder -- die Sackgasse aller Reformen_

    I. Kinder oder keine Kinder -- die Frage des Tages           183
   II. Das Fr und Wider des beschrnkten Nachwuchses            191
  III. Die Elternschaft -- die hchste Bestimmung                200

  V. Teil
  _Wie man, obgleich verheiratet, glcklich werden kann_

    I. Einige Reformvorschlge                                   211
   II. Einige praktische Winke fr Ehemnner -- und Frauen       217




Erster Teil

Zeichen der Unruhe


  Das Thema der Ehe wird zu sehr im Dunkel gehalten. Lat freie Luft
  ein! Lat freie Luft ein!

    _George Meredith._




I. Die Unbefriedigtheit der Geschlechter

  Das Gespenst der Ehe harrt, entschlossen und furchtbar, an den
  Kreuzwegen.

    _R. L. Stevenson._


Seit Frau Mona Caird die Institution der Ehe in der Westminster Review
angriff und der groen Diskussion im Daily Telegraph ber die Frage:
Ist die Ehe ein Migriff? Bahn brach, ist die Ehe die immerwhrende,
unversiegbare Quelle fr Zeitungsbriefecken und verbrauchte
Subredakteure gewesen. In der flauen, sauren Gurkenzeit braucht der
niedrigste Zeitungsskribent nur eine Spalte ber dieses Thema
loszulassen und gleichviel, ob es eine ernste Abhandlung ber Die
Vollkommenheit der Polygamie oder eine banale Diskussion ber das
Thema: Sollen die Ehemnner den Tee zu Hause trinken? ist, es wird
unvermeidlich das gewnschte Resultat erzielen und die unzhligen
Spalten der Zeitung wochenlang mit Zuschriften versehen. Die Leute
interessieren sich immer fr die Ehe, entweder vom objektiven oder
subjektiven Standpunkt aus, und das mag mich entschuldigen, wenn ich
noch ein Buch ber dieses abgedroschene, jedoch immer fruchtbare Thema
wage.

Das Ehethema scheint jetzt mehr denn je in der Luft zu liegen, berall
wird es diskutiert, und sehr wenige Leute haben etwas Gutes darber zu
sagen. Der oberflchlichste Beobachter mu gemerkt haben, da in der
Mehrheit eine wachsende Furcht vor dem Ehejoch, besonders unter den
Mnnern besteht, und eine wesentliche Unzufriedenheit und Unruhe unter
den verheirateten Leuten, besonders unter den Frauen. Was ist mit dieser
Generation geschehen, da die Ehe in ihren Augen so abschreckend wirkt?
Von allen Seiten hrt man, wie sie herabgesetzt und ihre Notwendigkeit
in Frage gestellt wird. Von der Kanzel bemht sich die Geistlichkeit,
die Heiligkeit der Institution aufrecht zu erhalten, und ermahnt
unaufhrlich jede Gemeinde, sie zu achten und heilig zu halten. Aber die
Berichte der Ehegerichtshfe liefern eine bedenkliche Lektre, und jeder
Rechtsanwalt wird aus seinen persnlichen Erlebnissen erzhlen, da die
glcklichen Verbindungen bedeutend in Abnahme begriffen sind, und einige
der grten zeitgenssischen Denker stimmen einen Chor der Verdammung
gegen die Ehe der Jetztzeitan.

Tolstoi sagt: Die Beziehungen zwischen den Geschlechten suchen eine
neue Form, die alte zerfllt in Stcke. In dem handschriftlichen
Nachla Ibsens, jenes tiefen Kenners der menschlichen Natur, kommt die
folgende bemerkenswerte Stelle vor: Das Wort 'freigeborene Menschen'
ist eine retorische Phrase, sie existieren nicht, denn die Ehe, das
Verhltnis zwischen Mann und Weib, hat die Rasse verdorben und allen das
Zeichen der Sklaverei aufgedrckt. Vor nicht langer Zeit erregte auch
der grte Moralist des neuen England, George Meredith, eine ungeheure
Sensation durch seinen Vorschlag, da die Ehe ein zeitweises Abkommen
mit einer Minimalfrist von, sagen wir, zehn Jahren sein solle.

Es ist klar, da die Zeit fr eine solche umstrzlerische nderung noch
nicht gekommen ist, aber wenn die Anzeichen und Symptome der letzten
zwei Jahrzehnte nicht trgen, knnen wir mit Sicherheit annehmen, da
die Zeit dafr kommen wird und da die gegenwrtigen gesetzlichen
Bestimmungen des Ehebandes in irgend einer Weise abgendert werden
mssen.

Vor fnfzehn Jahren gab es eine pltzliche umstrzlerische Strmung
gegen diese Bestimmungen und ein erneutes Interesse an der sexuellen
Frage zeigte sich in dem Emporwuchern von Tendenzromanen, eine
Bezeichnung, die spter als Vorwurf angewendet wurde. Ich kann mich
erinnern, wie ich als Schulmdchen die durch ein solches Buch
hervorgerufene Erregung mitmachte und bitter enttuscht war, als meine
erzrnte Gouvernante, die sich fr dieses reizvolle Thema offenbar nicht
zu interessieren schien, mir das Buch strengstens verbot. Eine Schar von
Nachahmern folgten diesen ersten literarischen Versten. Einige davon
waren total unliterarisch, und alle boten einen unfehlbaren Wegweiser
durch das verwirrende Labyrinth der Ehe. Noch rger war die darauf
folgende unvermeidliche Reaktion, als der Realismus in der Dichtung in
Acht und Bann erklrt wurde und die krankhafte Romantik das Feld
beherrschte. Der Kultus der Familienliteratur war bald wieder in
vollster Blte. Dann folgte eine Lawine von unertrglich albernen und
kindischen Zeitschriften, in denen das Wort Geschlecht direkt verrufen
und das erstrebte Ideal offenkundig das gerade Gegenteil des wirklichen
Lebens war. Sonderbar, wie pltzlich das sexuelle Thema aus den Spalten
der Presse verschwand. Die Psychologie war abgetan und die Intriguen
waren an der Tagesordnung. Viele damals wohlbekannte und als feine
Charakterschilderer renommierte Autoren verschwanden von den
Inhaltsverzeichnissen der Zeitschriften und den Verlegerlisten,
whrend seichte Schriftsteller, die weitschweifige Detektive- und
Abenteurergeschichten erzhlen konnten, in die Halme schossen.

Es fehlt nicht an Symptomen, da das Pendel des ffentlichen Interesses
nun wieder zurckgeschwungen hat, eine Strmung des Realismus in der
Dichtung kommt auf und die Forderung der Neugestaltung der Ehebande
drfte demnchst erhoben werden. Jedoch das Pendel wird noch oft hin und
herschwingen mssen, bevor es den Beziehungen zwischen den Geschlechtern
gelingen wird, jene neue Form zu finden, von der Tolstoi spricht. Es
bleibt abzuwarten, was die eben erwhnte Wiederbelebung ausrichten wird.
Was erreichte die letzte Agitation? Im Praktischen nichts. Einige wenige
Frauen mgen zu ihrem unauslschlichen Kummer angeregt worden sein, in
den Fustapfen der Herminia aus Grant Allens Roman zu wandeln. Und eine
Menge frhreifer junger Mdchen, die die Literatur jener Tage gelesen
haben, verursachen mglicherweise ihren Eltern einige Angst durch ihre
revolutionren Ideen ber den Wert des heiligen Ehestandes. Aber welche
von jenen vorgeschrittenen Dmchen erinnerte sich an die Bergpredigt als
das fr das weibliche Herz so unwiderstehliche Trio nahte -- der Ring,
die Ausstattung und das eigene Heim -- ganz zu geschweigen von dem
zuverlssigen, gewichtigen in Aussicht stehenden Gatten? Jedoch sind in
den vierzehn Jahren, die seit dem Erscheinen der Frau, die es tat
verflossen, gewi einige nderungen vorgegangen. Vor allem ist es
offenbar noch schwerer, sich anstndig durchzubringen. Die Zeiten sind
schlecht und das Geld selten. Die Mnner sind jetzt sogar noch mehr
abgeneigt, dem trllernden Engel durch die Heirat ein Heim zu bereiten,
und es ist ein Typus von Frauen entstanden, der der Ehe scheu gegenber
steht und ihre vielen Gefahren um ihrer problematischen Freuden willen
herzlich ungern riskiert. Das Bemerkenswerteste von allem ist die
wachsende gegenseitige Unbefriedigtheit der Geschlechter. Die Mnner
vermeiden die Ehe nicht nur wegen ungnstiger finanzieller Verhltnisse
oder weil die Beschrnkungen des Ehejochs ihnen irgendwie lstiger sind
als frher, sondern weil sie die Frau nicht finden knnen, die sich
ihrem Ideal gengend nhert. Die Frau hat in den letzten zwei
Generationen solche Fortschritte gemacht, ihr Gesichtskreis hat sich so
erweitert, ihr Geist so entwickelt, da sie sich sehr weit von dem Ideal
des Mannes entfernt hat und der Mann daher zgert, sie zu heiraten. Es
liegt etwas Komisches in dieser Situation und ich bin berzeugt, da die
Gtter an der olympischen Tafel ber diese verfahrene Ehe des
zwanzigsten Jahrhunderts lachen wrden.

Ein anderer Grund, warum sich die Mnner um soviel seltener verlieben
als frher, mu zum groen Teil dem Niedergang der Phantasie
zugeschrieben werden, und obgleich die Frauen in der Hauptsache ebenso
sehr zu heiraten trachten wie nur je und es allgemein bekannt ist, da
sich die modernen jungen Frauen um den modernen jungen Mann bermig
bemhen, haben die Beweggrnde fr dieses Treiben nichts mit den durch
die Zeit geheiligten Liebesmotiven zu schaffen. Die Ehe bringt
Unabhngigkeit und eine gewisse gesellschaftliche Stellung: aus diesen
Grnden begehren die Frauen sie. Marriot Watson hat dies in knapper
Weise ausgedrckt: Die Frauen wollen _einen_ Mann heiraten, die Mnner
heiraten _das_ Weib. Nichtsdestoweniger sind die Frauen selbst jetzt
mehr geneigt, sich zu verlieben als die Mnner, weil sie jene Fhigkeit
der Einbildungskraft besser bewahrt haben, welche mglicherweise auch
den Grund der Enttuschung und der Unzufriedenheit der Frauen in der Ehe
bildet.

Das Ende von all dem ist, da die Mnner und die Frauen einander
entgegengesetzt geworden zu sein scheinen. Wie sehr sie auch das
Geschpf ihrer Phantasie lieben, scheint eine Art verhllten Mitrauens
zwischen den Geschlechtern im groen und ganzen, aber besonders auf
seiten des Mannes vorzuwalten -- vielleicht, weil der Mann der Frau
ntiger ist, als die Frau dem Mann. Diese Feindseligkeit gegen die Frau
kann man besonders in den Spalten der Tagespresse beobachten. Es vergeht
kaum eine Woche, da nicht ein Journalist des edleren Geschlechtes
seinen Spott ber das untergeordnete Geschlecht, dem seine Mutter
angehrt, in spaltenlangen, meisterhaften Schmhungen ber diese oder
jene Eigenschaft ergiet. Jedem Artikel folgt eine leidenschaftliche
Korrespondenz, in welcher ein berdrssiger Papa, ein hoffnungsloser
Ehemann, ein eingeschchterter Bruder und der unvermeidliche
Zynikus dem Verfasser die lebhafteste Zustimmung zollen, whrend eine
glckliche Mutter von sieben Tchtern und ein Verehrer des schnen
Geschlechts in verschiedenen Zuschriften seine sofortige Abschaffung
und ffentliche Ungnade verlangen.

Die Liste der Fehler, welche die Mnner an den Frauen finden, ist
endlos. Der eine behauptet, da die Frauen blo husliche Maschinen sind
und ungeeignet, einem intelligenten Mann Gefhrtin zu sein, da sie sich
nichtber die ihre Dienstboten und Kinder betreffenden Gesprche erheben
knnen; ein anderer behauptet, da sie bloe Blaustrmpfe sind, die nach
einer unerreichbaren Geistigkeit streben; ein dritter, da sie nur
leichtfertige Puppen ohne Herz und Geist sind, die in der Jagd nach
Vergngungen ganz aufgehen; und ein vierter, da sie geschlechtslose,
derbe, schlechtgekleidete mnnliche Ungeheuer sind.

Nach den Behauptungen der Verfasser der Zeitungszuschriften zu urteilen,
sind die Frauen zugleich abgeschmackt mnnlich, jmmerlich weiblich,
lcherlich geistig, abstoend athletisch und aufreizend leichtfertig.
Dem uern nach sind sie entweder drre, hagere, plattfige
Laternenpfhle, oder aufgeputzte, verschnrte, geschminkte Puppen. Ihre
Extravaganzen lassen sich nicht wiedergeben. Wenn sie zu jener Klasse
der Gesellschaft gehren, die man gewhnlich unter Gnsefchen anfhrt,
dann rauchen, trinken, spielen und fluchen sie unaufhrlich. Sie
vernachlssigen ihre Kinder und ihr Haus, sie haben wenig Prinzipien und
noch weniger Vernunft, keine Moral, kein Herz und absolut keinen Sinn
fr Humor.

Aber, wird der aufmerksame Leser vielleicht ausrufen, das ist ja
nichts Neues. Seit der erste Mann aus der ersten Klemme dadurch
herauskam, da er der einzigen verfgbaren Frau die Schuld zuschob,
ist die Frau immer das Lieblingsventil fr die Milaunigkeit des Mannes
gewesen. Allerdings kann die Zeit nicht die unendliche Mannigfaltigkeit
der weiblichen Vergehen aufheben, wie sie sich in den Augen des Mannes
spiegeln. Die Tradition hat das Thema geweiht, und die Gewohnheit erhlt
es. Und wenn die Posaune des jngsten Gerichtes erschallen wird, wird
der letzte lebende Mann darber murren, da das Weib in seinem
abscheulichen Eigennutz ihn allein gelassen hat, und der letzte Tote,
der auferstehen soll, wird beim Erwachen darber fluchen, da seine Frau
ihn nicht frher geweckt hat!

Aber frher bemngelte der Mann die Fehler der Frau mehr in Form einer
geistreichen Neckerei, so wie man die Seinen manchmal liebevoll
verlacht. Es lag in seinen Schmhartikeln fast immer etwas von guter
Laune, die jetzt fehlt. An ihrer Stelle kann man jetzt Bitterkeit und
eine direkte Animositt bemerken. Die Mnner nehmen den Aufstand der
Frauen gegen die von den Mnnern geschaffenen Bedingungen offenbar
ungndig hin, und sie revanchieren sich dafr dadurch, da sie sich weit
seltener verlieben und sich noch mehr struben, in den Hafen der Ehe
einzusegeln.

Sie kommen aber doch hinein, wenn auch in anderer Gemtsverfassung.
Furchtsam und zitternd legt der verzagte moderne Liebhaber seinen neuen
Frack an und schreitet zaudernd auf jenen Kampfplatz zu, wo ihn
strahlend und siegreich das entschlossene Wesen erwartet, dessen
Wille ihn soweit gebracht hat. Nein, nicht ihr Wille, sondern der
geheimnisvolle Wille der Natur, der, stetig und in seinen Absichten
unerschtterlich, sich nicht um unseren sexuellen Hader und den
Verlauf unserer kleinlichen Liebeleien und Gehigkeiten kmmert. Die
bombardierte, geschmhte, durch viele tausend Angriffe verwundete und
mit den Snden von Jahrhunderten befleckte Institution der Ehe blht
weiter, denn, wie Schopenhauer sagt: Die zuknftige Generation in
ihrer ganzen individuellen Bestimmtheit ist es, die sich mittelst jenes
Treibens und Mhens ins Dasein drngt. Der Wille zum Leben wird immer
das letzte Wort haben.




II. Warum Mnner nicht heiraten

  Wenn ihr die Auslese der Menschheit haben wollt, nehmt einen guten
  Hagestolz und eine brave Frau.

  Es gibt wahrscheinlich nicht Hitzkpfigeres und Tolleres in dem
  Leben eines Mannes als die Verheiratung.

    _R. L. Stevenson._

  Was immer man auch gegen die Ehe sagen mag, sie ist jedenfalls ein
  Experiment.

    _Oscar Wilde._


Alle Mnner verheiraten sich und keines der Mdchen, soll eine
flatterhafte Dame einmal gesagt haben, und man versteht, was sie damit
ausdrcken wollte. In einer Zeitungsbriefecke ber die Ehe las ich
einmal folgende bemerkenswerte Stelle: Heutzutage ist es ganz anders,
als wie ich ein Mdchen war. Damals hatte jeder Bursche seinen Schatz
und jedes Mdchen ihren Anbeter. Jetzt scheint es mir, da die Burschen
keinen Schatz brauchen, und die Mdchen keinen Anbeter finden knnen.
Auf einen jungen Mann, der die ernste Absicht hat, ein Mdchen zu
heiraten, gehen zwanzig, die mit dem Mdchen blo spielen, ohne darauf
zu achten, da es kompromittiert wird. Die Zeiten sind ungalant und
bedrfen einer Verbesserung. Dieser Brief ist unterzeichnet: Eine
Arbeiterfrau. Es ist klar, da er von einem Mitglied der Zeitungsgilde
geschrieben wurde, welches der Signatur durch Anwendung des gewhnlichen
Ausdrucks Anbeter eine gengende Wahrscheinlichkeit zu verleihen
glaubte. Aber trotz der Niederschrift auf Kommando sind die Behauptungen
darin nur zu wahr: Die Zeiten sind wirklich ungalant und werden es immer
mehr.

Vor nicht langer Zeit war ich in einer heiteren Gesellschaft, wo ber
die Tendenzen des modernen Mannes, nicht zu heiraten, diskutiert wurde.
Jemand versetzte alle anwesenden Mnner in gute Laune mit der Mahnung,
da ein Mann dadurch, da er hartnckig ledig bleibt, sich in eine
fortgesetzte ffentliche Versuchung verwandelt. Und da fnfzehn
Junggesellen anwesend waren, wurde das Gesprch natrlich persnlich.

Einer, den ich Vivian nennen will, bemerkte galanterweise, da alle
reizenden Frauen verheiratet seien, und er so gezwungenermaen ledig
bleiben msse. Ich erfuhr zufllig, da er in eine verheiratete Frau
grndlichst verliebt ist. Ein anderer, Lucian, ein sehr schner und
beliebter Mann in den Dreiigern, sagte, da er die ernste Absicht habe,
eines Tages zu heiraten, aber da er vorher noch einige Jahre der
Freiheit genieen wolle. Dorian behauptete ernstlich, da er auf meine
Tochter warten wolle (die jetzt achtzehn Monate alt ist), aber ich wei
im Vertrauen, da sein Fall hnlich dem Vivians ist. Hadrians
Verheiratung wre wegen seiner Gesundheit ein Verbrechen. Wir wuten
das alle, und so fragte ihn niemand darum. Dieselbe Diskretion wurde
in bezug auf Julian beobachtet, von dem es allbekannt ist, da er ein
unseliges Verhltnis geschlossen und praktischerweise nicht das Recht
hatte, zu heiraten. Florian hat vor einigen Jahren einen Korb bekommen
und ist nun scheu und mitrauisch gegen das schne Geschlecht, was
wirklich sehr schade ist, da er zu jener Art von Mnnern gehrt, die fr
das Heim und die Familienfreuden wie geschaffen sind, und er eine Frau
sehr glcklich machen wrde.

Von Augustin und Fabian kann man wohl behaupten, da sie zu viele
kennen gelernt haben, um bei einer bleiben zu wollen -- Und ich frchte
wirklich, da sie sich fr die Ehe verdorben haben, wenn nicht in jenem
alten Spruche Wahrheit liegt, da ein gebesserter Lebemann den besten
Ehemann abgibt. Endymion kommt alles in allem nicht in Betracht, da
seine blauen Augen und seine breiten Schultern sein einziges Vermgen
bilden. Er schlgt gengend Kapital aus diesen Beigaben, sie bringen ihm
reichlich weibliche Gunst ein, aber sie gengen kaum, um eine Frau zu
erhalten.

Claudian mchte wirklich gerne heiraten, aber er leidet unter einer
verhngnisvollen Treulosigkeit, und wie er sehr einladend erklrt,
kann er ein Mdchen nicht so lange lieben als die Vorbereitungen zur
Heirat dauern. Er ist sicher, da er eines Tages von irgend einer
entschlossenen und wahrscheinlich wenig zu ihm passenden Frau geangelt
und widerstrebend zum Altar gefhrt werden wird. Galahad will nicht
heiraten, bis er nicht die Eine, die Wahre, die Einzige gefunden haben
wird, und ich frchte, aus ihm wird kein Ehemann mehr, denn der arme
Galahad trgt schon Brillen und einen Kahlkopf. Seine Anhnglichkeit an
ein unerreichbares Ideal verspricht, ihm sein Leben zu verderben.

Als ich an Aurelian die Frage stellte, lchelte er so hmisch, da er
mehr denn je einem erbitterten Geier glich und bemerkte, da er im
Begriff sei, seine Antrge zu berdenken und sich noch nicht klar sei,
welche der beste ist. Da die Tatsache, da er von sieben Frauen
abgewiesen wurde, allen bekannt ist, so bewundern wir wirklich alle die
Hartnckigkeit seiner Pose als Herzensbrecher. Man wei sogar von ihm,
da er sich selbst leidenschaftliche Briefe in verstellter Handschrift
schreibt und geschickt fabrizierte Trnen hie und da auf sie fallen
lt, um diesen Meisterstcken von Verliebtheit, die er als Beweis
seiner vielen Eroberungsgeschichten bentzt, einen Anschein grerer
Wahrscheinlichkeit zu geben. Wenn die Trnen trocken sind, so sehen sie
uerst natrlich aus. Freilich ist es ein Kniff, den jedes Schulmdchen
kennt, aber ich habe nie zuvor einen Mann gekannt, der zu ihm Zuflucht
genommen htte, und hoffe auch nie wieder einen kennen zu lernen.

Cyprian und Valerian geben als Grund fr ihr fortgesetztes
Junggesellentum die Tatsache an, da es ihnen in dieser Verfassung zu
gut gehe, und sie nie das Bedrfnis nach einer Gattin gefhlt htten.
Der letztere fgte hinzu, da, wenn er gerade das eine Mdchen finden
wrde, er ja die Sache berdenken knnte, aber wie die Dinge stnden,
zge er die Gewiheit den Chancen vor und wolle kein Risiko eingehen.
Unter uns gesagt, sind sie beide sehr selbstbewut und egoistisch und
ich glaube nicht, da irgend eine Frau viel an ihnen verloren hat.

Der vierzehnte Junggeselle war Bayard, der zu einem sehr trostlosen
Liebhabertypus gehrt. Fast alle Frauen sind zu ihrem Leidwesen von ihm
angelangweilt worden. Er hat die lstige Gewohnheit, berall und jedem
weiblichen Wesen gegenber seiner Sehnsucht nach einer Ehe idealster
Sorte Ausdruck zu geben und jungen, im sicheren Hafen der Ehe gelandeten
Frauen in weitschweifigster Weise anzuvertrauen, wie sehr er sich
darnach sehne, einen Platz in dem Herzen einer guten Frau einzunehmen,
und welch groer, reiner, leidenschaftlicher und ungestmer Liebe er
fhig sei. Er hat geradezu etwas Sympathieerregendes und seine Haltung
ist natrlich sehr anziehend fr harmlose ltere Mdchen. Er ist immer
in hchst bedrohlicher Weise in solche Beziehungen verstrickt, paradiert
aber sehr mit seiner Armut und macht sich wieder glcklich frei, wenn
die Angelegenheit einen kritischen Punkt erreicht hat, gewhnlich ohne
irgendwelche miliebige Auseinandersetzungen. Wenn jedoch die Dinge
schon zu weit gediehen sind, um das zu ermglichen, kann er ein
Zurcktreten immer ganz leicht dadurch gestalten, da er sagt: Ich
liebe dich zu sehr, mein Schatz, um dich mit in die Armut hinein zu
ziehen. Wie viele Mdchen haben nicht, im tiefsten Herzen verwundet,
diese abgedroschene Lge mit anhren mssen, wo sie doch mehr denn je
gewillt waren, seinetwegen arm zu werden, zu kargen, zu sparen und zu
verzichten. Nicht etwa, da Bayard und seinesgleichen eine solche
Ergebung einflen! Ich meine, da die Hauptbestandteile dieser
besonderen Ausrede von sehr vielen unverheirateten Mnnern heutzutage
als der Grund ihres Junggesellentums angegeben werden. Im allgemeinen
gesprochen gibt es zwei Hauptgrnde, warum die Mnner nicht heiraten:
1. weil sie noch nicht die Frau gefunden haben, fr die sie sich
gengend interessieren, 2. -- und diese bilden die Majoritt --, weil
sie zu selbstschtig sind. Natrlich drcken die Mnner das anders aus;
wie Bayard sagen sie, sie knnen es nicht erschwingen. Sie denken an
all die Dinge, die sie aufzugeben htten, und wie schwer es ist,
heutzutage genug fr sein Vergngen zu haben, wie unmglich es dann sein
wrde, wenn man noch eine Frau und eine Familie dazu zu erhalten htte;
wie sie das Pokerspiel aufgeben, einen billigeren Schneider finden und
an Golfbllen sparen mten. Sie schaudern bei dieser Aussicht zusammen
und entscheiden in der ausdrucksvollen, blichen Sprechweise des Tages,
da sie es nicht dick genug haben. Die Dinge, welche ber allem Preis
stehen, werden gegen jene gewogen, die man mit Geld erkaufen kann und --
fr ntig findet.

Es wre jedoch die grte Tollheit, wenn man unkluge Heiraten ermutigen
wollte, die ohnedies schon eine Quelle von so viel Elend sind, und
natrlich beziehen sich meine Ausfhrungen nicht auf die echte Armut
jenes Mannes, der es sich wirklich nicht leisten kann, zu heiraten. Fr
ihn habe ich wirkliche Sympathie, denn er vermit die besten Dinge des
Lebens, wahrscheinlich ohne eigene Schuld. Das obengesagte bezieht sich
einzig und allein auf den Mann des Mittelstandes, der es sich erlauben
knnte, zu heiraten, wenn er sich selber weniger und irgend eine Frau
mehr lieben wrde. Fnfhundert Pfund im Jahr ist z.B. ein ganz nettes
Einkommen fr einen Junggesellen, der nicht direkt zur Gesellschaft
gehrt. Mit dieser Summe kann ein Mann des Mittelstandes ganz gut
auskommen, wenn er keine besonders kostspieligen Laster oder Passionen
hat. Freilich aber verlangt es Selbstverleugnung, wenn er damit fr Frau
und zwei oder drei Kinder sorgen soll. Das bedeutet ein kleines Haus in
einer der billigeren Vorstdte anstatt einer Junggesellenwohnung in der
Stadt, Omnibusse anstatt Mietwagen, Galeriesitze anstatt Sperrsitze,
einen vierzehntgigen Familienaufenthalt in Broadstairs anstatt eines
einmonatlichen Aufenthaltes zum Fischen als garon in Norway.
Es bedeutet, da man keine Soupers mehr im Savoyhotel hat, keine
Wochenenden mehr in Paris verbringt und nicht mehr auf einen Sprung nach
Monte Carlo hinber rutscht. Aber es kann durchgefhrt werden und
glcklich durchgefhrt werden, vorausgesetzt, da ein Mann die Liebe
ber den Luxus stellt. Fast jeder Mann kann es sich leisten, zu
heiraten, -- und zwar die richtige Frau.

Freilich, wenn ein Mann noch die Frau seiner Trume zu finden gedenkt,
dann ist alles gut. Aber nur die verchtliche Ausrede Bayards hat mich
so emprt. Wenn die Mnner die Wahrheit sagen wollten, wre das alles
nicht so schlecht. Aber dem alten Adam gleich, schieben sie wie
gewhnlich die Schuld den Frauen zu und sagen: Die Mdchen erwarten
heutzutage zu viel. Es ist unmglich, genug Geld zu verdienen, um sie zu
befriedigen. Das ist eine der vielen Lgen, die die Mnner ber die
Frauen ausstreuen, oder sie befinden sich vielleicht selbst in einer
Tuschung und glauben wirklich an die Wahrheit dieser Behauptung. Nun,
klren wir sie auf! Die Mdchen _erwarten_ nicht zuviel. Sie sind ganz
geneigt, arm zu sein, wie ich es vorhin sagte, wenn sie nur den Mann
genug lieb haben. Jedenfalls, sobald sie jenes Stadium erreicht haben,
wo sie der wirklichen Dinge des Lebens bedrfen, da werden sie Weibtum
und verhltnismige Armut dem Wohlstand und dem leeren Herzen in ihrem
elterlichen Heim vorziehen. Mit einem Wort, sie wrden lieber
abgearbeitete Frauen als ruhelose alte Jungfern sein.

Eine andere Tuschung, welche die Mnner ber die Frauen ausstreuen, ist
die, da sie zu vergngungsschtig sind, um daheim zu bleiben. Wie oft
hrt man Behauptungen wie folgende: Juno Jones wird keine gute Frau
sein. Sie spielt den ganzen Tag Golf. Oder: Ich knnte mir's nicht
leisten, Sappho Smith zu heiraten. Sie schwrmt zu sehr fr schne
Kleider und frs Theater. Gott helfe dem Mann! Was haben denn die armen
Mdchen anderes zu tun? Sappho hat eine Vorliebe fr feine Kleider und
frs Theater. Sie fllt ihr leeres Dasein mit diesen Dingen aus, so gut
sie kann. Juno hat den langen lieben Tag nichts zu tun, aber sie geht
sehr gern ins Freie, und so konzentriert sie ihre prchtige Kraft auf
ein Spiel mit Stock und Ball, weil jedweder ttige Anteil an dem groen
Spiel des Lebens ihr versagt ist. Heiratet sie, wenn sie euch mag, und
ihr werdet sehen, was fr einen guten Kameraden ihr an ihr haben werdet,
und was fr prchtige Kinder sie euch schenken wird. Oder heiratet
Sappho, und ihr werdet finden, da sie nie andere als einfache, in euren
Mitteln liegende Vergngungen haben will, so lange ihr gut zu ihr seid
und sie so liebt, wie sie geliebt zu werden wnscht. Sie wird sich ganz
gern ihre Kleider selbst machen und ihre grte Freude darin finden,
euer Einkommen einzuteilen und euer Heim zu schmcken.

Jeder kann sich daran erinnern, oberflchliche und vergngungsschtige
Mdchen gekannt zu haben, die prchtige Frauen geworden sind, deren
Kinderstube musterhaft und deren Haushalt ber allen Tadel erhaben ist.
Gewi prophezeiten alle ihre Freunde Unheil, als diese Schmetterlinge
zum Altar gefhrt wurden. Ich glaube aufrichtig, da die Frauen nur dann
ausgefallene Vergngungen brauchen, wenn sie innerlich elend sind. Es
sind gewhnlich die Unglcklichen, die Elenden, die ruhelosen alten
Mdchen, die berall hin laufen und das Geld zum Fenster hinauswerfen.
Sie fhlen, da das Leben sie betrgt, und mssen irgend eine
Entschdigung haben.

Aber um zu meinen fnfzehn Junggesellen zurckzukehren: nun bleibt nur
mehr Florizel, dessen Haltung gegenber den Ehefesseln gerade das
Gegenteil von der Bayards und Claudians ist. Er ist aufrichtig geneigt,
zu heiraten, glhend, warm, bestrebt, das Richtige zu tun, aber es fehlt
ihm an moralischem Mut, und er ist schauderhaft egoistisch. Ich mchte
ihn so gerne glcklich verheiratet sehen, da er dann ohne Zweifel rasch
jene heftige Selbstliebe verlieren wrde, aber ich frage mich, ob es
irgend eine anziehende Frau gibt, die selbstlos genug wre, um ihn in
dem gegenwrtigen Zustand der Selbstvergtterung zum Gefhrten zu
erwhlen. Er ist immer fr irgend eine Frau entflammt, schwebt stets
knapp ber irgend einer groen Leidenschaft und sehnt sich darnach,
kopfber in das Liebesmeer zu strzen und den Anker der Ehe auszuwerfen,
der ihn dort festhalten soll, wo er nicht mehr abschwenken kann.
Unglcklicherweise kann er sich nicht genug selbst vergessen, um den
verhngnisvollen Sprung zu wagen. Bei allen seinen Fehlern hat Florizel
etwas Liebenswertes. Ich wre froh, wenn er zur Vernunft gebracht wrde
-- obgleich es eine tapfere und geduldige Frau sein mte, die diese
Aufgabe zu unternehmen htte.

Als alle fnfzehn Junggesellen aufgehrt hatten, ber sich selbst zu
sprechen und sich mit der anderen Gesellschaft zum Bridgespiel
niedergesetzt hatten, kam eine alte Dame, die -- wie ich -- es vorzog,
Zuschauer zu bleiben, zu mir und setzte sich neben mich. Wie sie
herumreden, sagte sie. Ich aber kann Ihnen sagen, warum sie nicht
heiraten. In fnf Worten: Weil sie sich nicht verlieben. Und warum
verlieben sie sich nicht? Weil die Mdchen sich zu viel um sie bemhen.
Weil die Mdchen ihnen berall ber den Weg laufen. Ich habe sieben
Shne, und alle sind unverheiratet. Ich weiߠes.

Notiz. -- Es ist interessant, da Westermarck in seiner Geschichte der
menschlichen Ehe eine Anzahl von Autoritten erwhnt, um zu beweisen,
da bei vielen alten Nationen die Ehe eine allen zufallende religise
Pflicht war. Bei den Mohammedanern ist sie noch heute eine Pflicht. Bei
den Hebrern hrte man nichts vom Clibat und sie haben ein Sprichwort:
Wer kein Weib hat, ist kein Mann. In gypten ist es unrein und sogar
anrchig fr einen Mann, sich der Ehe zu enthalten, wenn kein richtiges
Hindernis vorliegt. Die Chinesen betrachten es als ein beklagenswertes
Unglck fr einen Jngling, wenn er unverheiratet stirbt und bei den
Hindus von heute wird ein Mann, der allein bleibt, als ein beinahe
unntzes Glied der menschlichen Gesellschaft betrachtet --, der auer
dem Bereich des Natrlichen steht.




III. Warum Frauen nicht heiraten

  Es ist Sache der Frau, sich sobald als mglich zu verheiraten, und
  die des Mannes, so lange er kann, unverheiratet zu bleiben.

    _G. Bernard Shaw._

  Die Ehe bringt der Frau solche Vorteile, erffnet ihr so viele
  Lebensmglichkeiten und stellt ihr so viel grere Freiheit und
  ntzliche Bettigung in Aussicht, da, einerlei, ob sie glcklich
  oder unglcklich verheiratet ist, sie durch sie nur gewinnen kann.

    _R. L. Stevenson._


Warum die Frauen nicht heiraten? Aber sie heiraten ja -- wenn sie nur
knnen, wird der intelligente Leser unwillkrlich ausrufen. Nicht, bei
der erst besten Gelegenheit! wohlgemerkt! Kein _intelligenter Leser_
wird diesen Irrtum begehen, obzwar es ein ziemlich allgemeiner Irrtum
bei den Nichtverstehenden ist. Die meisten ledigen Frauen ber dreiig
mssen das eine oder andere Mal zusammengezuckt sein bei der genial sein
wollenden Bemerkung irgend eines lteren Mannes: Schau, schau, noch
nicht verheiratet. Nun, da mcht ich wohl wissen, was die jungen Mnner
dazu sagen. Ich schreibe absichtlich irgend eines Mannes, denn keine
Frau, wenn sie auch noch so katzenartig veranlagt ist und noch so gern
einen Pfeil in die Brust der Rivalin abschiet, wrde eine Beleidigung
von so besonders verletzender Art ber die Lippen bringen, die
seltsamerweise von dem Mann, der einen groben Schnitzer begeht, immer
als das schmeichelhafteste Kompliment gedacht ist. Die Tatsache, da das
unglckliche, auf diese Weise attaquierte ltere Mdchen ein Dutzend
Antrge gehabt haben mag und es doch aus Grnden ihrer inneren Natur
vorzieht, ledig zu bleiben, scheint vollkommen ber das Verstndnis
dieser Leute zu gehen.

Aber der Hauptgrund, warum die Frauen nicht heiraten, ist offenkundig
der, weil die Mnner sich nicht um sie bewerben. Die meisten Frauen
werden Ja sagen, wenn ein gengend netter Mann ihnen ein gengend
angemessenes Leben bietet. Wenn die Antrge, die sie bekommen, unter ein
gewisses Niveau fallen, dann ziehen sie es vor, ledig zu bleiben, und
hoffen dabei im Stillen, da der richtige Mann noch kommen wird, bevor
es zu spt ist. Man mu auch hervorheben, da, je kultivierter die
Frauen werden, sie desto weniger geneigt sind, nur um der Verheiratung
willen zu heiraten, wie ihre Gromtter es taten.

Dann gibt es einige Frauen, eine ganz kleine Schar, die, wenn sie nicht
ihr Ideal in seiner Vollkommenheit verwirklichen knnen, sich nicht mit
dem Minderen begngen. Durch eine Ironie des Schicksals kommt es vor,
da diese Frauen oft die Edelsten ihres Geschlechts sind. Es bleibt
jedoch noch eine andere kleine Schar ledig, aus aufrichtiger Abneigung
gegen die Ehe und ihre Pflichten. Es ist vielleicht nicht zu scharf
gesagt, da eine Frau, die absolut keine innere Berufung fr Weibtum und
Mutterschaft hat, eine degenerierte sein mu, und so sehr des weiblichen
Instinkts ermangelt, da sie den Vorwurf verdient, geschlechtslos
genannt zu werden. Dieser Typus nimmt augenscheinlichzu.

Dann bleiben jene (ich mchte nicht gern eine Vermutung ber ihre Zahl
aufstellen), die lieber irgend einen Mann heiraten, wie wenig
begehrenswert und fr sie passend er auch sein mag, als ungeliebt zu
verblhen. Es ist eine tief betrbende Tatsache, da ein Mann noch so
hlich, noch so nrrisch, noch so brutal, noch so eingebildet und
niedertrchtig sein kann -- und doch eine Frau findet. Jeder Mann kann
irgend eine Frau finden, die ihn heiratet. Bei dieser Gelegenheit mu
man an jene berhmte Kchin denken, die, als man ihr anllich der
Treulosigkeit ihres Liebhabers sein Mitleid ausdrckte, erwiderte:
Das macht nichts, ich kann Gott sei Dank noch jeden Mann lieben.

Man kann nicht umhin, mit einer gewissen Belustigung die ernsten Artikel
ber diesen Gegenstand in den Frauenzeitschriften zu lesen. Da wird uns
berzeugendst versichert, da die Frauen heutzutage nicht heiraten, weil
sie ihre Freiheit zu hoch schtzen, weil jene, die Geld haben, es
vorziehen, unabhngig zu bleiben und ihr Leben zu genieen, und jene,
die keines haben, lieber tapfer ihr Leben durchkmpfen als die Sklavin
eines Mannes, eine bloe Magd, die ganz im Haushalt aufgeht, zu werden
usw. usw. ganze Seiten voll. All das mag ja von einem ganz kleinen Teil
der Frauen wahr sein, aber es bleibt doch eine unbestreitbare Tatsache,
da der Hauptgrund fr das Sitzenbleiben der Frauen die Gleichgltigkeit
der Mnner ist. Ich habe jede Sympathie fr die Frauen, welche die
schweren Verantwortungen der Ehe aufzuschieben wnschen, bis sie das
gehabt haben, was man beim anderen Geschlecht das Sich-Austoben nennt,
d.h. bis sie eine Periode der Freiheit genossen haben, in der sie
studieren, reisen, ihre Jugend tchtig genieen, mit verschiedenen
Mnnern verkehren, dem Leben in die Augen schauen und etwas von dessen
Sinn lernen knnen. Aber es kommt eine Zeit in dem Leben beinahe jeder
Frau -- ausgenommen der obbesagten Degenerierten --, in der sie fhlt,
da es Zeit ist, die Kindereien beiseite zu schieben und in der sich in
ihr Herz eine Sehnsucht nach den wirklichen Dingen des Lebens einnistet,
den Dingen, auf die es ankommt, den Dingen, die dauern -- die Liebe in
der Ehe, und kleine Kinder, und jenes unschtzbare Gut, ein eigenes
Heim.

Es ist heutzutage Mode, das Heim zu diskreditieren. Und Bernard Shaw hat
es scherzend das Gefngnis des Mdchens und das Arbeitshaus der Frau
genannt. Aber was fr ein wunderbares Heiligtum ist es tatschlich! Und
wieviel es fr die Frauen bedeutet, knnen nur jene erzhlen, die es
entbehrt haben.

In unserer Jugend ist das Heim der Ort der Futterkrippe, der Ort, wo es
Bindfaden, Briefmarken und Monatsschriften in Hlle und Flle gibt, --
ein Ort, wo gewhnlich Liebe ist, aber nichtsdestoweniger hauptschlich
der Ort, den wir als uns gebhrend betrachten und fr den dankbar zu
sein uns nie im Traum einfllt. Spter ist das Heim oft mit
beschwerlichen Pflichten verknpft, fr manche wird es sogar der Ort,
von dem man gerne fort mchte; aber wenn wir es verloren haben, wie
sehnen wir uns danach zurck! Wie ehrfrchtig denken wir an jedes Zimmer
und alles, was sich dort ereignete! Wie sehnen wir uns in Gedanken nach
dem alten Garten und trumen von dem geliebten Grn! Es kommt nicht in
Betracht, wie armselig das Heim gewesen sein mag, ein jedes Stckchen
davon ist einem heilig und teuer, vom Garderobezimmer an, wo man an
trben Tagen Ruber und Soldaten gespielt hat, bis zum Werkzeugschuppen,
wo man bei schnem Wetter alles mgliche im Sonnenlicht spielte. Bis zum
heutigen Tage rhrt es mich fast zu Trnen, wenn mir eine schlecht
gekochte Kartoffel unterkommt. Nicht weil sie so schlecht ist, sondern
weil sie mich an die Kartoffeln erinnert, die drei kleine Kinder in der
Asche des Feldfeuers in einem alten Garten mit ausgelassener Lustigkeit
zu kochen und mit stiller Ehrfurcht zu essen pflegten -- vor langer,
langer Zeit. Noch heute weckt der Duft eines solchen Feuers in mir das
Gefhl, ich sei, wie einstmals, wieder sieben Jahre alt.

Aber ob eine Frau ein Heim bei ihren Eltern hat oder nicht, eine jede
normale Frau sehnt sich nach ihrem eigenen Heim, und ein Mdchen, das
sogar die Blumen auf der Mittagstafel der Mutter ungerne herrichtet,
wird in der Ehe ganz unappetitliche Hausarbeit gerne tun, in jenem Heim,
das sie ihr eigen nennt.

Diese leidenschaftliche Liebe zum Heim ist eines der
charakteristischesten Merkmale der Frau. Ich meine nicht die Vorliebe
daheim zu sein, da die Neigungen der modernen Frauen gewhnlich
anderswo liegen, aber die Liebe zu dem Ort selbst, und der Wunsch, ihn
zu besitzen. Eine groe Anzahl Frauen heiraten einzig und allein um
dieses heibegehrten Besitzes willen. Und was jene anbetrifft, die es
nicht tun, so erzhlen die Spalten der Christlichen Welt und anderer
Zeitungen klgliche Geschichten ber ihre Sehnsucht darnach. Frauen von
Herkunft (eine schwulstige und unsinnige Partikel) sind fast zu allem
bereit, nur um einen bescheidenen Winkel, einen ganz untergeordneten
Platz in der fremdesten Familie zu finden. Sie wollen Haushlterinnen,
Dienerinnen, Gesellschafterinnen, Sekretrinnen, Helferinnen fr
kleinen Gehalt und ein Heim sein, und manchmal auch ganz ohne Gehalt.
Sie wollen packen, nhen, ausbessern, unterrichten, berwachen; sie
bieten ihre Kenntnisse jeder Art an, wie z.B. ihre musikalischen
Fhigkeiten, ihre Sprachen, ihre Gesundheit und Kraft, ihre
Dienstbereitschaft und alle ihre Tugenden, die angeborenen oder die
erworbenen, alles das fr ein bichen Nahrung und Wrme und das
schtzende Obdach jener vier Wnde, nach denen ihr ganzes Streben geht,
die ihren hchsten Wunsch ausmachen, ein Heim! Schne Frauen, begabte,
brave Frauen verkaufen sich tglich, um nur ein Heim zu gewinnen. Sogar
Hedda Gabler, die degenerierteste von allen modernen Heldinnen, die den
Selbstmord der Mutterschaft vorzog, verkaufte sich in einer lieblosen
Ehe nur des Heims halber. Und doch lesen wir fortwhrend eine Liste von
trivialen phantastischen Grnden, warum die Frauen nicht heiraten.

Eine Studentin, die gezwungen war, ihre meiste Zeit in einem
ungemtlichen Mietkabinett zu verbringen, erzhlte mir einst, da ihr
einziger Wunsch sei, einen Raum zu haben, der einen Kasten mit ihren
wenigen Kleidern und kleinen Besitztmern beherbergen knne. Sie gab
sich ohne ein Heim zufrieden, aber sie sehnte sich sehr nach einem
solchen Kasten. Ich werde Tony bald heiraten mssen, sagte sie, schon
wegen der Annehmlichkeit, einen Platz fr meine Kleider zu haben. Ich
habe ihn nicht gern und ich mchte noch gerne warten, bis jemand kommt,
den ich lieb habe, aber wenn ich ihn je nehme, sehen Sie, dann wird es
wegen des Platzes fr den Kasten sein. Ich mu hinzufgen, da dieser
jemand kam und da sie jetzt mehrere Kleiderksten besitzt und drei
krftige Kinderchen, und da Tony ihr ausweicht, wenn er ihr auf der
Strae begegnet.

Dieser leidenschaftliche Wunsch nach dem Heim findet sich noch hufiger
in jener Gesellschaftsklasse, die man gewhnlich die niedere nennt. Ich
habe gelegentlich eine arme Frau beschftigt, die seit dem Tode ihres
Mannes, also seit neunzehn Jahren, als Kchin diente. Whrend dieser
ganzen Zeit hat sie auf ihr Heim gehalten, d.h. auf ein einzelnes
Zimmer, das ihre Mbel beherbergt. Sie konnte kaum irgendwann das Zimmer
bentzen, hchstens ein oder zwei armselige Tage lang und mute viel von
ihren knappen Muestunden hergeben, um es rein zu halten. Durch neunzehn
Jahre hat sie lieber drei Schillinge und sechs Pfennig per Woche fr das
Zimmer gezahlt, ehe sie ihre Mbel verkauft htte. Die so ausgegebenen
einhundertzweiundsiebzig Pfund htten reichlich die Mbel berzahlt und
die Frau sieht den Unsinn vollkommen ein, aber ihre Erklrung ist: Ich
konnte mich einfach von dem Heim nicht trennen.

Noch ein Beispiel: Als ich einmal an der See wohnte, hatte ich das
Unglck, ein Gef aus dickem blauen Glas zu zerbrechen, das sein Leben
augenscheinlich als Parademarmeladeglas begonnen hatte, aber spter aus
einem mir unerfindlichen Grunde zur stolzen Rolle einer Kaminverzierung
avanciert war. Zu meiner berraschung weinte die wrdige Wirtin
bitterlich ber den Scherben und als ich prunkvolle Gegenstnde
erwhnte, mit denen ich ihren Schatz ersetzen wollte, erklrte sie mir
schnippisch: Nichts kann diesen Schaden gut machen. Denn dieses blaue
Glas war das erste Stck meines Heims.

Kehren wir nun zu unserem Gegenstand zurck. Das traurigste an der Sache
ist, da selbst, wenn jeder Mann ber fnfundzwanzig Jahren heiraten
wrde, es noch eine enorme Zahl lediger Frauen gbe. Das ist wirklich
sehr ernst und die Ursache vieler bel. Um dem so viel als mglich zu
steuern, sollte jeder Mann, jeder gesunde Mann mit gengendem Einkommen,
heiraten. Wenn es blo nicht gut fr den Mann ist, da er allein sei,
so ist es sehr schlecht fr die Frau. Jede Frau sollte einen mnnlichen
Gefhrten haben, einen Mann, mit dem sie leben knnte, wenn es auch nur
wre, um die Billets zu nehmen, das Handgepck zu tragen und in der
Nacht aufzustehen, um zu sehen, was denn da fr ein Lrm ist. Da die
Gesellschaft in ihrer jetzigen Struktur das Zusammenleben von Mann und
Frau als Gefhrten nicht hingehen lt, so ist es klar, da jede Frau
einen Gatten haben sollte.

Bernard Shaw schreibt: Gebt den Frauen das Stimmrecht, und in fnf
Jahren werden wir eine drckende Junggesellensteuer haben. Es sollte
eine solche geben, die gewissen Unterschieden von Alter und Einkommen
unterworfen wre. Das ist eine der vielen Angelegenheiten, in denen
wir von den Japanern lernen sollten, wo alle Junggesellen ber
einem gewissen Alter besteuert sind. Auch in Frankreich wird ein
diesbezgliches Gesetz diskutiert. Zur Zeit, wo ich dies schreibe, sind
die Frauen voller Zukunftstrume ber ihre baldige Befreiung, und es
wird sehr viel darber gesprochen, wie sie ihr Wahlrecht anzuwenden
gedenken. Ich mu leider sagen, da, obgleich einige unsinnige Drohungen
ber die Abschaffung jener Gabe an die Frauen -- die Mnnerklubs --
verlauten, bis jetzt, abgesehen von _einer_ Ausnahme, nichts ber die
ratsame Einfhrung einer Junggesellensteuer im Druck erschienen ist. Die
eine Ausnahme ist eine sehr interessante, anonym erschienene Novelle,
der Morgenstern, welche unter anderen wohldurchdachten Vorschlgen fr
politische Reformen auch dringend fr eine Junggesellensteuer pldiert.
Es ist offenkundig nur gerecht, da der Mann, der nichts fr den Staat
durch Grndung einer Familie tut, zugunsten desjenigen besteuert werden
sollte, der eine grndet. Wir hren so viel ber die sinkende
Geburtsziffer und die Pflicht eines jeden verheirateten Paares,
Nachwuchs zu haben, und doch wird alles getan, um jene, die einen
solchen haben, zu entmutigen. Der Gewerbsmann, der schuftet, um sagen
wir, tausend Pfund jhrlich zu verdienen und drei bis vier Kinder fr
den Staat heranzuziehen, wird genau so besteuert wie der Junggeselle,
der gar nichts fr den Staat tut und sogar die anderen Steuern dadurch
vermeiden kann, da er, wenn es ihm beliebt, im Hotel oder in einer
Pension lebt.

Aber selbst wenn wir eventuell eine vernnftige Gesetzgebung bekommen
sollten, die jenen, welche fr die Erhaltung der Geburtsziffer ihr Teil
tun, Belohnungen anstatt neue Lasten bieten wrden, selbst wenn ein
Junggeselle ber fnfundzwanzig ein so seltener Gegenstand auf unseren
Inseln wrde wie eine alte Jungfer in mohammedanischen Landen, selbst
dann wrde noch ein enormer berschu von ledigen Frauen sein. Warum ist
das so? Warum soll Grobritannien als das Paradies der alten Mdchen
betrachtet werden?

Warum sollten wir mehr alte Jungfern haben als andere Lnder? Ist es,
weil unsere Kolonien soviel junge Mnner verschlingen? Warum knnen sie
denn nicht auch eine gleiche Anzahl von Frauen verschlingen? Man knnte
wnschen, da der Staat und ein Institut der Ermunterung zur Ehe unter
staatlichen Begnstigungen diese uerst wichtige Sache in die Hand
nehmen. Eine der Pflichten dieses Instituts wre es, jhrlich eine
Anzahl Frauen zur Auswanderung zu bewegen, um so das geeignete
Gleichgewicht der Geschlechter in den heimatlichen Lndern zu erhalten
und jedem Mann in den Kolonien die Aussicht zu verschaffen, eine Frau zu
bekommen. Ich hrte neulich von einem sehr gewhnlichen Mdchen in den
Kolonien, die elf Mnner hatte, die sie alle heiraten wollten. Elf
Mnner! Und doch gibt es Scharen von reizenden englischen Mdchen, die
alt werden und versauern, ohne je einen einzigen Heiratsantrag bekommen
zu haben.

Eine andere Pflicht eines _Instituts der Ermunterung zur Ehe_ wre es,
die Tausende von einsamen Mnnern und Frauen des Mittelstandes in den
Grostdten, die den ganzen Tag in der Arbeit sind und keine Gelegenheit
haben, einander zu treffen, irgendwie zu vereinigen. Ich habe eben
Francis Gribble's sehr interessante Novelle Der Wolkenpfeiler gelesen,
in welcher er die Existenz von sechs Mdchen in Stonor House
beschreibt, einer jener dsteren Baracken fr heimatlose, den ganzen Tag
durch die Arbeit angehngte Frauen. Der rasende Wunsch dieser Mdchen,
mit Mnnern ihrer Klasse zu verkehren, ist betrbend echt, und dieser
Wunsch ist nicht so sehr der Ausdruck der natrlichen Bestrebungen des
jungen Weibes, mit jungen Mnnern zusammen zu kommen, sondern er
besteht, weil alle diese Mnner fr die Mdchen Ehemnner sein knnten,
und die Heirat die einzige Mglichkeit ist, aus Stonor House und der
freudlosen Existenz daselbst herauszukommen.

In dem vor einigen Jahren erschienenen Pfad eines Pioniers bricht Dolf
Wyllarde hnlichen Ideen Bahn, aber ihre jungen Frauen sind weniger
gesund und weniger aufrichtig bestrebt, mit Mnnern zu Heiratszwecken
zusammenzukommen. Jedoch geben einem beide Bcher eine gute Vorstellung
von dem lieblosen unnatrlichen Leben der jungen Frauen des
Mittelstandes, deren Verwandte, wenn sie welche haben, weit weg sind,
und die ihr Leben in groen Stdten verdienen mssen, fast immer durch
diese ungnstigen sozialen Bedingungen zur Altjungfernschaft verurteilt.
Da eine groe Anzahl wohlerzogener Frauen zu einem solchen Dasein
verdammt sein soll, spricht so eindringlich als nur mglich fr die
Daseinsberechtigung zweier franzsischer Institutionen, nmlich den
beschrnkten Familiennachwuchs und das System der Mitgift. In den
letzten Jahren ist die Beschrnkung des Nachwuchses auch in England
weit verbreitet und bis das System der Mitgift auch zur Regel wird,
knnte das _Institut der Ermunterung zur Ehe_ die Sache in die Hand
nehmen. Zwei oder drei auerordentlich feinsinnige Philantropen haben
diesem Gegenstand schon ihre Aufmerksamkeit gezollt, aber jede Bewegung
dieser Natur nimmt zu sehr den Charakter einer Heiratsagentur an, um von
jener Klasse beifllig aufgenommen zu werden, fr deren Wohlergehen sie
bestimmt ist. Und doch mte das _Institut der Ermunterung zur Ehe_
mit diesem Hindernisse rechnen und ihre wahre Absicht unter einem
anderen Namen verbergen. Ich bin sicher, da, wenn der Zweck so gengend
verhllt wrde, da feine Mnner und Frauen ohne Verlust der
Selbstachtung Vorteil aus ihr ziehen knnten, die Beteiligung an dieser
Institution von seiten beider Geschlechter eine enorme wre. Ein direkt
fr den sozialen Verkehr geschaffener Klub knnte die Lsung sein, und
man knnte leicht Krnzchen, Konzerte, Ausflge arrangieren, die zu
einer Quelle der Freude und Anregung in manchem dsteren Leben wrden.
Wenn Erfolge zu verzeichnen wren, so sollte man Provinzfilialen
grnden. -- Man sieht fortwhrend in den Zeitungen Beweise fr die
Tatsache, da es eine Menge junger Leute des Mittelstandes gibt, die
heiraten knnen und wollen, und denen es nur an weiblicher Bekanntschaft
in ihrer eigenen Gesellschaftsklasse fehlt, um eine Wahl zu treffen.
Unglckliche Mesallianzen sind oft die Folge davon, und es erscheint mir
trostlos und verderblich, da diese fr die Ehe geschaffenen Mnner
nicht mit einigen von jenen tausenden junger Mdchen zusammengebracht
werden knnen, deren Leben in unangemessener Plage dahin fliet und die
sich in Sehnsucht nach einem Heim und einem Gatten verzehren. Bis das
_Institut der Ermunterung zur Ehe_ Tatsache wird, gibt es noch
prchtige Arbeit fr einen Philantropen von unendlichem Takt und
warmfhlendem Herzen. Um wieviel knnte man die Summe menschlicher
Freude erhhen! Wie reich knnte der geringe Einsatz an Geld und Zeit
belohnt werden!




IV. Die Tragdie der Unbegehrten

  Und Mnner und Frauen geh'n Hand in Hand
  Bis die Fluten des Meeres vertrocknen zu Sand.

  Und eins ums andre siegt oder fllt --
  Denn der Kampf der Liebe whrt endlos fort
  Und der Liebe Wort ist des Lebens Wort.

  Und wer nimmer das Wort einem andern bot,
  Ob er scheinbar auch lebt, ist verdammt und tot.

    _W. E. Henley._


Das ist die Tragdie, von deren Existenz wenige Mnner wissen, und die
gewi kein Mann in dieser von Frauen so berfllten Insel je erfahren
haben mag. Die Mnner verhhnen die nach der Verheiratung strebenden
Frauen immer und spotten ebenso sehr ber die alte Jungfer, die sie
verpat hat. Der Himmel allein wei warum, da der Ehestand durch die
Gesetze und Traditionen der Mnner dazu gemacht worden ist, alles einer
Frau Begehrenswerte zu verkrpern und der ledige Stand gerade zum
Gegenteil. Die Leute halten die Frauen, die nicht heiraten wollen, fr
unweiblich, die Leute halten die Frauen, die nicht heiraten wollen, fr
berspannt, und sie verknpfen beide Meinungen dahin, es fr unwrdig zu
halten, wenn die Frauen den Ehestand nicht als die Hoffnung und den
Zweck ihres Lebens ersehnen, und ein weibliches Wesen ihrer
Bekanntschaft, das sie einer solchen Sehnsucht fr fhig halten,
lcherlich und verchtlich zu finden. Die Frauen sollen keine Ermutigung
gewhren, aber sie auch gewi nicht versagen, und so geht es weiter, und
jede Vorschrift hebt die vorige auf, und die meisten sind negativ
(Augusta Webster).

Bernard Shaw und George Moore haben im Druck behauptet, da die Frauen
sich hufig um die Mnner bewerben, und einige Mnner haben mir
Einzelheiten ber die Bewerbungen, welche ihnen seitens des schnen
Geschlechtes zukamen, mitgeteilt. Ich glaube, es ist einer der
Grundstze der radikalen Frauen, da das Geschlecht, welches das Kind
trgt, ein Recht darauf hat, den Gatten zu whlen; obgleich dies sich
unangenehm umstrzlerisch anhrt, scheint es doch auerordentlich
vernnftig. Da das Recht, einen Gefhrten zu whlen, jedem jugendlichen
Wesen eingerumt werden sollte, wird mglicherweise in der Zukunft
anerkannt werden, wenn die Frauenfrage ein fr allemal erledigt sein
wird.

In jenen fernen Tagen wird es, das wollen wir hoffen, keine Tragdie der
Unbegehrten mehr geben. Es scheint fast unzart, diese Bezeichnung auf
jene Scharen lediger Frauen Englands anzuwenden, die zum groen Teil Amt
und Wrden bekleiden, treffliche Frauen sind und unter denen sich
Steuerzahlerinnen, Familienvorsteherinnen, Philantropinnen befinden, die
in Kirchsprengeln unter den Armen, in Spitlern, Schulen, Asylen,
mtern, Ateliers arbeiten, in ffentlichen Krperschaften, in den
Redaktionsstuben gewhnlich gut und hilfreich sind, oft klug und
reizend, gelegentlich vielleicht ein wenig eng, aber im groen ganzen
die besten Traditionen ihres Geschlechts aufrecht erhalten und es
natrlich _nie_ zugeben, da sie gerne geheiratet htten. Jedoch mssen
sie alle im tiefsten Herzen das Traurige ihrer Unbefriedigtheit
empfinden und sich, so gut sie knnen, mit anderen Interessen trsten.
Diejenigen, welche absorbierende Beschftigungen haben, sollten dankbar
sein, denn die Frau, welche alles daran setzt, um einen Gatten zu
finden, und dieses Ziel nicht erreicht, wird gewhnlich reizbar, bitter,
enttuscht und in jeder Hinsicht unntz. Aber die Frauen, deren Herz
weit genug ist, um andere Ideale zu fassen als das eheliche, finden
andere Arbeit zu leisten und leisten sie tchtig und hingebungsvoll.
Liebevolle und warmherzige Frauen braucht man immer. Die Ehe ist im
Leben einer solchen Frau nicht die Hauptsache, obzwar sie es fr die
hchste Entwicklung ihres persnlichen Glckes sein mag.

Und die groe Zahl von Frauen, die zu heiraten Gelegenheit hatte, kann
sich damit trsten, da sie eines Ideals wegen oder aus welchem Grunde
immer den ledigen Stand gewhlt hat. Noch grer ist die Zahl jener, die
das Temperament zum Ledigbleiben besitzen und von denen Bernard Shaw
schreibt: Steril, die _Lebenskraft_ geht an ihnen vorbei. Das
beeintrchtigt sie selten. Sie haben eine Menge kleiner Vergngungen und
Interessen, welche ihnen gengen. Keinerlei Herzensstrme, keine Pein
unterdrckter Mutterschaft kruselt den glatten Spiegel ihres
Lebensmeeres. Keine von all diesen wird von der wirklichen Tragdie der
Unbegehrten berhrt. Diese harrt mit all ihrer Bitternis jener, die zu
dem Typus der +grande amoureuse+ gehren, die gewhnlich aus Mangel an
Gelegenheit, manchmal aus Mangel an Anziehungskraft davon abgehalten
wurden, das tiefste Bedrfnis ihrer Natur zu befriedigen.

Ich traf einst in einem Hotel an der Riviera ein ltliches Frulein, das
immer unglaublich verstimmt war. Wie herrlich auch die Sonne scheinen
mochte, wie schn die Welt in jenem schnsten Erdenwinkel erschien,
nichts hatte die Macht, sie aufzuheitern. Ich versuchte einmal, sie zur
Teilnahme an einem Ausflug zu bewegen, der eine Gesellschaft in ein von
Hgeln umgebenes benachbartes Dorf bringen sollte. Sie lehnte ab. Ein
anderes Mal lud ich sie ein, mich in die Spielsle nach Monte Carlo zu
begleiten, aber sie lehnte wieder ab. Nachdem mehrere wohlgemeinte
Bemhungen meinerseits, sie aufzuheitern, zu demselben Resultat gefhrt
hatten, sagte mir die arme Seele mit zgernden Worten, da sie heitere
Orte und angeregte Gesellschaften meide. Sie machen mich immer
unzufrieden und erinnern mich an das, was ich htte haben knnen. Sie
rufen in mir, wie soll ich es nennen, die Tragdie des 'Es htte sein
sollen' wach. Ich verstand, was sie meinte, und es wurde zu meiner
Erleichterung kein weiteres Wort ber dieses Thema gewechselt, denn
vertrauliche Mitteilungen dieser Art sind immer fr beide Teile sehr
peinlich. Meine Leser werden wahrscheinlich diese arme Dame als
krankhaft eigenntzig und unausgeglichen verachten. Vielleicht haben sie
recht. Aber die Trauer eines leeren Herzens, eines einsamen Lebens war
die Ursache ihres verkmmerten Wesens. Zum Glck ist ihr Fall ein
extremer. Die meisten alten Jungfern, glaube ich, knnen sich daran
freuen, junge Mdchen glcklich zu sehen und interessieren sich
gewhnlich intensiv fr die Liebesaffren der anderen. Da fllt mir eine
schne Stelle von Fiona Macleod ein, die sagt, da das in der Seele
eines andern heimlich Geschaute das Leben verklrt. Es wird gengen, um
so manche alte Jungfer glcklich zu machen: die Erinnerung an irgend
eine Liebe und Zrtlichkeit, an irgend einen Roman, um das Leben zu
versen; die Frauen brauchen das.

Um ein anderes Beispiel zu geben. Eine Frau fragte mich einst, warum die
Mnner sich verlieben. Ich bin begierig, ob Sie mir sagen knnen, was
an den Frauen ist, die die Mnner dazu veranlassen, sich um sie zu
bewerben. Ich habe eine Menge unschner verheirateter, und eine Menge
armer Frauen gekannt und eine Menge ganz entsetzlicher, ohne eine
einzige Eigenschaft, die einen Mann glcklich machen kann. Und doch
mssen sie irgend etwas anziehendes gehabt haben, irgend etwas, um
derentwillen die Mnner sich um sie bewarben.

Dann fuhr sie fort, mir in eindringlichsten Worten zu sagen, wie sehr
sie sich darnach sehne, ein eigenes Heim zu haben und einen lieben,
netten Mann, der sie betreue, und da doch noch nie ein Mann sich um sie
beworben hatte. Kein Mann hatte sie je begehrt oder sie mit
Liebesblicken angesehen. Sie hat nie die leidenschaftliche Umarmung
eines Mannes oder den verzckten Ku eines Liebhabers kennen gelernt.
Das kam mir sehr sonderbar vor. Sonderbar schmerzlich und demtigend.
Ich konnte sie kaum ansehen, whrend sie mir all das erzhlte.

Ich wrde einen Mann so glcklich machen, sagte sie, und ihre
traurigen dunklen Augen fllten sich mit Trnen. Sie hatte sogar schne
Augen, und war eine ganz hbsche Frau von anmutigem sanftem Wesen. Ich
wrde so gut gegen ihn sein, ich wrde einfach nur fr ihn leben. Ich
versuche es mir aus dem Kopf zu schlagen, aber da ich lter werde und es
immer aussichtsloser ist, denke ich immer mehr daran, und manchmal fhle
ich, da ich ber all dem Elend verrckt werde. Die Zukunft ist so
schrecklich grau fr mich. Alles ist so ungerecht. Ich bin fr die Liebe
so geschaffen, und mein Leben fliet dahin und ich habe nichts gehabt,
_nichts_.

Sie weinte bitterlich und ich weinte auch, aus Mitleid mit ihr.
Merkwrdigerweise war diese Frau nicht nur anziehend, wie ich schon
erwhnte, und bestrebt zu gefallen und durchaus weiblich, sondern sie
hatte auch genug Gelegenheit gehabt, Mnner zu treffen. Ich vermute,
es fehlte ihr das, was die schottische Buerin das in die Augen
springende nennt, jenen unbestimmten Geschlechtsmagnetismus, der jenen
unschnen, armen, entsetzlichen Frauen, von denen sie sprach, eigen
war. Oder es fehlte ihr der Wille zum Leben, und daher kam kein
Lebensgefhrte zu ihr.

Es gibt tausende von Frauen, welche dasselbe fhlen, obgleich sie
zumeist verschmhen, es einzugestehen. Wir hren eine Menge ber das
Recht des Mannes, zu leben. Was ist es denn mit dem Recht der Frau, zu
lieben? Die Frauen sind so geartet, da das Bedrfnis, zu lieben und
geliebt zu werden, das strkste Element ihres Wesens und der Kern ihres
Seins ist. berall im ganzen Land gibt es einsame Frauen in allen
Klassen, mige und arbeitende, hbsche und unhbsche, gute und
schlechte, die nach Liebe drsten, nach einem Mann, der sie betreut,
nach dem Recht des Weibtums und dem dreimal gesegneten Recht der
Mutterschaft. In den Zeitungen erschallt unaufhrlich das abgedroschene
Geschwtz der Mnner: Die Frauen sollten sich nicht in die Politik
mischen, die Frauen sollten dies oder das tun, sie sollen sich um ihr
Haus und ihre Kinder kmmern. Aber die ruhelosen Frauen, die diese
Dinge tun, haben gewhnlich kein Haus und keine Kinder, um die sie sich
kmmern knnen. Was ntzt es, ihnen die Heiligkeit der Mutterschaft zu
predigen, wenn ihr sie nicht Mutter werden lat, wozu von den Pflichten
des Weibtums schwatzen, wenn ihr sie nicht zu Frauen begehrt.

Es ist eine wohlbekannte physiologische Tatsache, da eine groe Anzahl
von Frauen in den mittleren Jahren wahnsinnig werden, bei denen das
nicht geschehen wre, wenn sie die gewhnlichen Pflichten, Freuden und
Beschftigungen der Ehe gehabt htten, wenn ihre Weibnatur nicht durch
ein unnatrliches Clibat ausgehungert worden wre. Ich kann hier nicht
darauf eingehen, aber ich empfehle es der Aufmerksamkeit meiner
nachdenklicheren Leser und jener, die sich mit der Verbesserung der
sozialen Mistnde in unserem ruhmreichen, zivilisierten zwanzigsten
Jahrhundert beschftigen.

Am schlimmsten von allen ist die Lage der Frauen, die sich nicht blo
nach der Ehe und einem lieben Mann sehnen, sondern vielmehr nach der
Mutterschaft, jener bittersen Krone des Geschlechts, welche die im
Clibat lebenden Priester unaufhrlich als das hchste Gut und die erste
Pflicht der Frauen preisen, von welcher aber tausende von Frauen in
diesem Lande ausgeschlossen sind. Es mu gewi keine Bitterkeit so
qulend sein als die Bitterkeit der Frauen, die sich nach der
Mutterschaft sehnen, in deren Ohr die _Lebenskraft_ unaufhrlich rauscht
und in deren Herz die ertrumten Kinder sich regen und unaufhrlich
rufen: Schenke uns Leben, Schenke uns Leben! ein Ruf, der Jahr um Jahr
qulender wird, da jedes Jahr die gttliche Mglichkeit unerfllt
bleibt.

Ich denke oft daran, wie alles zusammenwirkt, eine edle heibltige,
mtterlich veranlagte Frau zu qulen, deren Natur so darben mu. Sie mu
natrlich jede derartige Regung unterdrcken, den Kopf hoch tragen und
mit Lcheln die berlegenen Mienen der Mdchen erdulden, die viel jnger
sind als sie und zufllig den goldenen Zauberring tragen, der im Leben
der Frau alles ndert; sie mu gewhnlich behaupten, da sie nicht
heiraten will und nie wollte und es htte knnen, wenn sie gewollt
htte; sie mu ber diese Zeilen lachen, wenn sie sie zufllig lesen
sollte und die Verfasserin eine krankhafte Idiotin nennen -- kurz und
gut, sie mu eine Rolle spielen einer Welt gegenber, die es uerst
humorvoll findet, da eine Frau um das Geburtsrecht ihres Geschlechts
betrogen wird. Jede Zeitung und jedes Buch, das sie heutzutage zur Hand
nimmt, enthlt irgend etwas zur Verherrlichung des Weibtums und der
Mutterschaft. Die Musik, die Bilder, die Novellen, die Theaterstcke --
alles spricht ihr von dem befriedigten und siegreichen Geschlechtstrieb
und nichts von dem ausgehungerten und unterdrckten. Dasselbe Prinzip
ist berall in der Natur, der Himmel, die Blumen, der See, die grnen
Bume, das Prasseln des Sommerregens, alles Schne, alle Tne in der
Natur sind von derselben Bedeutung fr sie und enthalten denselben
scharfen Stachel, dieselbe drckende Last; wenn sie zur Krankhaftigkeit
neigt, dann reit jedes Kindergesicht, das sie auf der Strae sieht, die
Wunde in ihrem Herzen auf. Das Geplapper eines jeden sen Kindchens ist
eine Qual fr sie. Mir nicht, mir nicht, mu der ewige Kehrreim in
ihrem Gemt sein. Ihre Arme sind leer, ihr Herz ist kalt, sie gehrt zu
dem groen traurigen Heer der Unbegehrten.

_Wundert man sich da noch, da die Irrenhuser voll lediger Frauen
sind?_

Notiz. Eine gescheite und entzckende Freundin von mir, eine alte
Jungfer aus eigener Wahl, macht Einwendungen gegen meine Ansicht ber
den ledigen Stand. Es wrde mich sehr betrben, wenn irgendwelche meiner
Worte anderen Frauen Kummer verursachen sollten. Ich sagte schon frher,
da einige der besten Frauen ledig sind, was fr jemanden, der an die
Ehe so glaubt wie ich, traurig ist. Zwei der gtigsten und edelsten
Frauen, die ich kenne, sind unverheiratet. Die eine von ihnen scheint
absolut ohne irgend einen Gedanken an sich zu leben, hat ihr ganzes
Leben tchtig fr andere gearbeitet, ihre geistigen und krperlichen
Krfte bis zur uersten Grenze und die Schtze ihres edlen Herzens
freigebig und grenzenlos hergegeben. Ich bitte meine Leser, zu beachten,
da ich einen Unterschied zwischen jenen ledigen Frauen zu machen
trachte, die nicht heiraten wollen und jenen, die es wollen, zwischen
den reichen Mdchen, die ber alle Annehmlichkeiten des Lebens verfgen
knnen, und den armen, die in die Tretmhle harter unaufhrlicher und
unangemessener Arbeit eingespannt sind. Einen noch greren Unterschied
wnsche ich zu machen zwischen den gelassenen und zufriedenen Frauen,
die sich den Verhltnissen anpassen und ein ruhiges glckliches
Schicksal in irgendeiner Lebenslage finden -- und den weniger
ausgeglichenen, leidenschaftlichen Naturen mit tieferem Begehren und
zwingendem Liebesbedrfnis. Dieses unterdrckte, verdrngte und
niedergekmpfte Liebesbedrfnis erweckt mein tiefes Mitleid, von dem
meine Freundin behauptet, da es verschwendet und nicht am Platze ist.
Darber mssen meine Leser urteilen.




Zweiter Teil

Warum Ehen miglcken


  Denn die Ehe ist darin dem Leben gleich, da sie ein Schlachtfeld
  und kein Rosenlager ist.

    _R. L. Stevenson._

  Die Ehe ist fr mich Abtrnnigkeit, Entweihung des Heiligtums
  meiner Seele, Vergewaltigung meiner Mnnlichkeit, Veruerung
  meines Erstgeburtsrechtes, schndliche bergabe, schmachvolle
  Kapitulation, Annahme der Niederlage.

    _Bernard Shaw:_ Mensch und bermensch.

  Ein weiser Mann sollte der Ehe ausweichen, als ob sie ein Haufen
  glhender Kohlen wre.

    _Dhammika Sutta._




I. Die verschiedenen Arten der Ehe

  Die Ehe ist der groe Irrtum, der die kleineren Dummheiten der Liebe
  auslscht.

    _Schopenhauer._


In einem seiner Essays sagt Stevenson: Es erfllt mich so oft mit
Erstaunen, da so viele Ehen so ziemlich glcken, und es bei so wenigen
zu einem offenen Bruch kommt. Umsomehr, als es mir am Verstndnis des
Prinzips gebricht, nach welchem die Leute ihre Wahl treffen.

Aus dem Chaos, welches dieses Prinzip umhllt, ragen vier besondere
Beweggrnde hervor, und wir knnen daher die Ehen rundweg in fnf
Gruppen einteilen und zwar:

  1. die Ehe aus Leidenschaft,
  2. die Konvenienzehe,
  3. die Ehe zu bestimmtem Zweck,
  4. die Zufallsehe,
  5. die Ehe aus Neigung.

_Die Ehe aus Leidenschaft._ Eine Person in Sommerset-Maughams The
Merry-Go-Round sagt: Ich bin berzeugt, da die Ehe das schrecklichste
Ding auf der Welt ist, wenn die Leidenschaft sie nicht absolut
unvermeidlich macht. Obgleich ich eine aufrichtige Bewundererin von
Maughams Werken bin, teile ich hier seine Meinung durchaus nicht. Die
meisten der verrckten, unvernnftigen Verbindungen sind jene, welche
die Leidenschaft unvermeidlich macht. In der Theorie ist es einer der
viel versprechendsten Ehetypen, in der Praxis erweist er sich als der
unseligste und unglcklichste von allen.

Sie sind wahnsinnig ineinander verliebt, es ist eine ideale Ehe -- ist
eine Bemerkung, die man oft mit Genugtuung uern hrt. Aber es ist eine
traurige Tatsache, da diese wahnsinnige Liebe sehr hufig zu Unglck
und Scheidung fhrt. Die meisten mir persnlich bekannten unglcklichen
Ehepaare waren im Anfang wahnsinnig ineinander verliebt. Kann man sich
darber wundern, wenn man die Sache nher betrachtet? Die Natur, die
selten dort einen Irrtum begeht, wo die ursprngliche Menschheit in
Betracht kommt, ist durchaus nicht unfehlbar, sobald es sich um die
knstlichen Bedingungen unserer westeuropischen Zivilisation handelt.
Im Osten, wo eine grere Freiheit zwischen den Geschlechtern gestattet
ist, scheint es ganz gut, der Natur zu vertrauen und den von ihr
eingeimpften Trieben zu folgen; doch dem ist nicht so auf unserer
Halbkugel. Der junge Mann und das junge Mdchen, die in den Bann der
Leidenschaft geraten, sind zeitweise blind und unzurechnungsfhig. Ihr
Urteil ist getrbt, ihre Fhigkeit, zu berlegen, aufgehoben, nichts auf
der Welt scheint ihnen von Bedeutung auer der berwltigenden
Notwendigkeit, _sich hinzugeben_, das geliebte Wesen _zu besitzen_, --
das Wesen, das ihnen das Blut erhitzt hat.

Wenn das Fatum grausam ist, so lt es diese beiden sich in die Ehe
strzen. Die Natur hat ihren Willen durchgesetzt und beachtet weiter
nichts. Sie ist ganz befriedigt. Die aus solchen Ehen wahnsinniger
Verliebtheit stammenden Kinder sind gewhnlich die schnsten und
strksten, und was will die Natur denn sonst? Aber das junge Paar? ...
Nach und nach zerteilen sich die rosigen Wolken, die berauschenden
Dnste entschweben, die Verzckung lt nach, und jedes kommt von der
Wirkung des mchtigsten Giftes des Weltalls zu sich, um ein ganz
gewhnliches Wesen an seiner Seite zu finden und sich selbst in jenen
Ketten, die die Menschen mit den Worten auf ewig bezeichnen.

Diese beiden sind wirklich unglcklich, wenn sie am Grabe der
Leidenschaft einander gegenberstehen und kein anderes Band zwischen
ihnen besteht als die Erinnerung an den verflogenen Rausch. Zum Glck
ist dies durchaus nicht immer der Fall, aber wenn es so ist, dann mu
unvermeidlich ein sehr unglckliches Eheleben folgen. Schopenhauer gibt
als Grund fr das Unglck solcher Ehen die Tatsache an, da durch sie
fr die kommende Generation auf Kosten der gegenwrtigen gesorgt wird
und zitiert das spanische Sprichwort: +Quien se casa por amores, ha da
vivir con dolores.+ Wer aus Liebe heiratet, mu in Kummer leben. Vom
Standpunkt des persnlichen Interesses und nicht des Interesses der
zuknftigen Generation scheint es gewi ein Migriff, den Gegenstand
seines heftigen Begehrens zu heiraten, wenn nicht auch geistige
bereinstimmung, Interessengemeinschaft und noch viele andere
Verbindungspunkte bestehen. Aber unter dem Einflu unterdrckter
Leidenschaft verlieren die Leute die Klarheit ihres geistigen Schauens
und sind daher mehr oder weniger urteilsunfhig.

Es soll jedenfalls Leidenschaft in der Ehe sein, so weit gehe ich mit
Maugham. Aber sie soll nur die uere Hlle sein, ein Flammengewand,
dessen Berhrung Entzckung bedeutet, aber bei dem, wenn es von der Glut
aufgezehrt ist, noch die Liebe als festes Gefge von Freude und
Schnheit besteht, das aufrecht bleibt unter der Asche der Leidenschaft.
Wirkliche, auf bereinstimmung der Gesinnung gegrndete Freundschaft
tritt meistens erst dann hervor, wann die eigentliche Geschlechtsliebe
in der Befriedigung erloschen ist. (Schopenhauer, Metaphysik der
Liebe).

Von den _Konvenienzehen_ gibt es zwei Sorten. Die ganz gewinnschtige,
wo Geld, soziale Stellung oder irgend eine persnliche Erhhung auf
einer oder beiden Seiten der Beweggrund war, ohne die Grundlage irgend
einer Neigung, und die halb gewinnschtige, wo diese Grnde durch das
Vorhandensein von Zuneigung oder Sympathie gemildert werden. In diese
Kategorie gehren die Leute, die hauptschlich aus Rcksicht auf ihr
Geschft oder ihren Beruf heiraten, wie der junge Rechtsanwalt, der die
Tochter seines Chefs heiratet, oder der junge Arzt, der in die Familie
des alten Doktors einheiratet. Hier erinnert man sich an den Vater, der
seinem Sohne riet, nicht des Geldes halber zu heiraten, aber nur dort zu
lieben, wo sich Geld befindet. Zweifelsohne erhht der Besitz von ein
wenig Geld oder Einflu den Reiz eines Mdchens in den Augen des
vorwrtsstrebenden, modernen jungen Mannes. Wenn man in Betracht zieht,
wie schwer es heutzutage ist, sein Auskommen zu finden, kann man alles
in allem diese Grnde nicht tadeln, wie trostlos sie auch vom
Gefhlsstandpunkt erscheinen mgen. Ich glaube jedoch nicht, da es
auerhalb der Grenzen jener Welt, die man die Lebewelt nennt, viele
_ganz_ gewinnschtige Konvenienzehen gibt. Die Leute, welche nicht
diesen blendenden Gesellschaftskreisen angehren, sind der Ehe
gegenber zurckhaltend genug und frchten sich vor den groen, noch
hinzukommenden Hemmungen, die eine solche Ehe mit sich bringen wrde.
Natrlich sind diese Verbindungen beinahe immer trostlose Migriffe, und
ich mchte wissen, was ihre Opfer anderes erwartet haben knnen.

Wir kommen nun zur dritten Gruppe, der _Ehe zu bestimmtem Zweck_.
Diese Ehen sind mit der halb gewinnschtigen entfernt verwandt, aber
es ist nichts Gewinnschtiges an ihnen, da sie gewhnlich aus hheren
Beweggrnden eingegangen werden. In diese Klasse gehren die Witwer, die
um ihrer Kinder willen heiraten, die alten Mdchen, deren Beweggrund der
Wunsch nach Mutterschaft ist, die Mnner und Frauen, die heiraten, um
ein Heim zu besitzen oder einen Lebensgefhrten. Alle diese Grnde sind
gengende Rechtfertigungen und alle die Leute, die die Ehe mit einem
bestimmten Ziel beginnen, nehmen sie gewhnlich sehr ernst und sind
entschlossen, sie gedeihlich zu gestalten. Solche Ehen erweisen sich
gewhnlich als sehr glcklich, vielleicht gerade, weil so wenig verlangt
wird. Der Geist der Zufriedenheit hat einen ausgezeichneten Einflu im
Eheleben, da die Liebe oft durch ihre eigenen bertriebenen Forderungen,
wie ich spter zu zeigen versuchen werde, gettet wird.

Der Ausdruck _Zufallsehe_ scheint mir am besten jene Verbindungen zu
bezeichnen, in welche die Mnner ohne besonderen Grund, manchmal beinahe
gegen ihren Willen, hineintreiben. Die Natur kmmert sich nicht darum,
wie die jungen Leute zusammenkommen, so lange sie nur zusammenkommen,
und manchmal gert ein Mann in die Ehe beinahe, ohne es zu merken. Ich
schreibe absichtlich ein Mann, da eine Frau nie in den Ehestand
getrieben wird. In diesen Fllen ist es gewhnlich ihre feste und
wohlberlegte Absicht, die den Mann in den ihm unbekannten Hafen der Ehe
gelenkt hat. Er ist blo den Weg des geringsten Widerstandes gegangen,
und hat zu seiner berraschung gefunden, da er zum Altar fhrt. Bernard
Shaw hat ein sehr unterhaltendes und trotzdem berzeugendes Bild dieses
Mannvers in Mensch und bermensch entworfen, wo er auch seiner
berzeugung Ausdruck gibt, da die Mnner, um sich selbst zu schtzen,
die schwache romantische Vorstellung aufgebracht haben, da in
Geschlechtsdingen die Initiative immer vom Mann ausgehen msse. Aber
diese Behauptung ist so hohl, so unwirklich, da sie sogar auf dem
Theater, dieser letzten Zuflucht des Unwirklichen, nur den Unerfahrenen
imponiert. In den Stcken Shakespeares ergreift die Frau immer die
Initiative. In seinen Schauspielen und Lustspielen konzentriert sich
ebenfalls das Lebensinteresse darauf, zu sehen, wie die Frau den Mann zu
Tode hetzt.... Die Behauptung, da die Frauen nicht die Initiative
ergreifen, ist geradezu possenhaft. Die ganze Welt ist ja mit Schlingen,
Fallen, Netzen und Fallgruben best, mittels welcher die Frauen den Mann
einfangen. Man nimmt an, da die Frau regungslos warten mu, bis um sie
geworben wird; ja, sie wartet oft regungslos, so, wie die Spinne auf die
Fliege wartet. Die Spinne spinnt ihr Netz und wenn die Fliege gleich
meinem Helden die Kraft zeigt, sich loszumachen, wie schnell verlt da
die Spinne ihre vorgebliche Passivitt und schlgt Faden um Faden um ihr
Opfer, bis sie es fr immer gefesselt hat!

_Die Ehe aus Neigung._ Kennen Sie irgendwelche ganz glckliche
Ehepaare? wird in einem bekannten Stck gefragt.

Das ist schwer zu sagen. Oh, die Extasen sind nichts fr diese Welt,
wissen Sie, wenigstens nicht die stndigen Extasen. Man knnte ebensogut
stndige hysterische Anflle haben. Und wie Sie wohl wissen, werden die
Ehen nicht im Himmel geschlossen, und so gibt es vielleicht auch keinen
Himmel in der Ehe.

Diese Empfindungen sind geeignet, das unwissende zwanzigjhrige Mdchen
durch ihre, in ihren Augen gemtlose Unwahrheit abzustoen und zu
rgern, und die erfahrene Frau von, sagen wir, dreiig Jahren, durch
die, in ihren Augen tiefe Wahrheit zu entzcken -- so sehr ndern sich
unsere Lebensanschauungen im Laufe von ungefhr zehn Jahren.

Vor sechzig Jahren schrieb George Sand: Du fragst mich, ob du durch
Liebe und Ehe glcklich werden wirst? Du wirst es nicht werden, ich bin
fest berzeugt davon, weder durch die eine noch durch die andere. Und
doch sind Liebe, Treue, Mutterschaft, die wichtigsten, die notwendigsten
Dinge in dem Leben einer Frau.

Demselben Gedanken gibt R. L. Stevenson Ausdruck, wenn er sagt: Ich
vermute, da die Liebe wohl eine zu gewaltige Leidenschaft ist, um in
allen Fllen eine gute husliche Rolle zu spielen. Natrlich wird
niemand von den jungen Leuten das glauben wollen, aber es ist eine
schreckliche gemeine Wahrheit, da in der Regel die glcklichsten Ehen
diejenigen sind, in welchen sich die Paare nicht zu heftig lieben. Ich
spreche von dem gediegenen Alltagsglck, nicht von dem berschwang und
den Verzckungen. Die von der leidenschaftlichen Liebe erhobenen
Ansprche und der fieberhafte Gemtszustand, den sie hervorruft, sind
oft der Grund ihres Schiffbruches. Wenn ich ein Scheusal bin, mein
Schatz, sagte ein Mdchen einst zu ihrem Liebsten, als sie einen
Streit, den sie selbst heraufbeschworen hatte, wieder beilegen wollte,
so ist es nur, weil ich dich zu sehr liebe. -- Dann um Himmelswillen,
liebe mich weniger und behandle mich besser, gab der gekrnkte
Liebhaber zur Antwort, und wir knnen seine Gefhle nur teilen.

Ich habe absichtlich das Wort _Neigung_ in dieser Abteilung statt eines
Wortes gebraucht, das einen hheren Gefhlsgrad bezeichnet, und ich
konstatiere ohne Zaudern, da im allgemeinen die glcklichsten Ehen jene
sind, die sich, wenn der se Liebeszauber, jenes Se, das beinahe
Gift ist nicht mehr wirkt, zu jenen gemigteren, anspruchsloseren,
friedlichen und harmonischen Verbindungen entwickeln, die man mit
Neigungsehen bezeichnen kann. Den heibltigen jungen Leuten und jungen
Mdchen, die unermdlich nach der hchsten Lebensfreude streben, von
denen keines diesen prosaischen und unrhmlichen Rat hren mag und die
alles auf den Glauben setzen wollen, da der erste Liebeszauber ewig
dauert, denen sage ich: Trachtet eure Rosenromantik auf andere Weise zu
finden, sucht sie nicht in der Ehe, ihr werdet, wenn euer Fall keine
Ausnahme der Regel bildet, unvermeidlich einen schrecklichen Migriff
tun! O, fragt mich nicht, wie ihr es machen sollt, aber erinnert euch
dessen, was ich sage, und heiratet nicht, bis nicht die ruhige,
gemigte, schne und friedvolle Neigung, ber die ihr jetzt spottet, in
euren Augen ein Hafen des Friedens vor den Strmen und Lasten des Lebens
geworden ist, und das hchste Gut, das es euch bieten kann.

Ein anderer Grund, warum die Neigungsehe am ehesten glcklich wird, ist,
weil die gegenseitige Achtung einen so breiten Raum in ihr einnimmt, und
wie ungeheuer wichtig diese in dem heiligen Ehestand ist, kann niemand
wissen, bevor er heiratet. Ich werde ber die auerordentliche
Notwendigkeit der Achtung im Eheleben spter noch mehr zu sagen haben.




II. Warum Mann und Frau auseinandergeraten: Zwistigkeiten

  Man mag sagen, was man will: der Mann, der der Ehe ausweicht, ist
  hnlich demjenigen, der vor der Schlacht davonluft.

    _R. L. Stevenson._


Wir haben ber jene Typen von Ehen gesprochen, die von Anbeginn mehr
oder weniger zum Miraten verurteilt sind, und kommen jetzt zu den
Ursachen, warum so viele Ehen unglcklich werden, bei denen
augenscheinlich alle ueren Umstnde glcklich waren.

Ich glaube, es war Sokrates, der sagte: Ob ihr heiratet oder nicht
heiratet, ihr werdet es bereuen. Die Leute, die behaupten, da die Ehe
ein Migriff ist, scheinen aus den Augen zu verlieren, da diese Form
des Geschlechtslebens nicht des Glckes halber eingerichtet wurde,
sondern um die Bedrfnisse der Gesellschaft zu befriedigen, und solange
diese Bedrfnisse durch die Ehe befriedigt werden, mu die Institution
als erfolgreich betrachtet werden, wie unglcklich auch viele
Verheiratete sein mgen.

Wenn die Grnde, warum Mann und Frau auseinandergeraten erschpfend
behandelt werden sollten, dann wrde dieser Gegenstand einige hundert
riesenhafte Bnde fllen, ich glaube, eine ganze Bibliothek knnte mit
Bchern ber dieses Kapitel gefllt werden. Seit Adam und Eva eine
Auseinandersetzung ber ihr Dessert hatten, haben Mnner und Frauen
immer gestritten und der demtige Philosoph, der sagte, da gewisse
Leute so erbittert und regelmig stritten wie Mann und Frau, beschrieb
nur einen Zustand, den die Gewohnheit ihm vertraut gemacht hatte.

Wie berhaupt im Leben, kommt es auch in der Ehe auf die kleinen Dinge
an, und das gebrechliche Schiff ehelichen Glcks scheitert hauptschlich
an den unbedeutenden, kaum sichtbaren Felsen, an der kleinlichen
Eifersucht, dem unscheinbaren Ableugnen, den kleinen Aufregungen, den
kleinen Launen, den kleinen beienden Worten, die nach und nach so viele
kleine Lcher in die Steuerung bohren, da zum Schlu ein nicht mehr gut
zu machendes Leck entstanden ist, und das Schiff beim nchsten Sturm
scheitert. Die groen Hindernisse verursachen einen greren Krach, wenn
man auf sie stt, aber man kann sie von weitem sehen und glcklich an
ihnen vorbeikommen.

Ein unglcklicher Ehemann, bei dem es gerade zur Trennung kommen
sollte, (obzwar er zu jenen gehrt, die aus wahnsinniger Liebe
geheiratet hatten) vertraute mir einst an, da die erbittertsten und
frchterlichsten Streitigkeiten zwischen ihm und seiner Frau immer wegen
einer uerst kleinlichen Ursache begonnen hatten, gewhnlich, weil er
ihre Kleider nicht bewunderte! Kann etwas klglicher und abgeschmackter
sein! Warum, fragte ich ihn, wenn es Ihnen so darum zu tun ist, den
Frieden aufrecht zu erhalten, wagen Sie denn irgend eine Kritik an den
Kleidern? Oh, ich gebe ja nie eine ab, war die Antwort. Sie fragt
mich um mein Urteil ber ein neues Kleid, zum Beispiel, und wird bse,
wenn es abfllig ist. Dann werde ich natrlich auch bse, ich bin ja
kein Heiliger, und gleich kommt es zu Beschimpfungen und Worten, die wie
Hiebe sitzen. Dann drcke ich mich fr ein paar Tage, und dann ist
natrlich der Teufel los, wenn ich wieder heimkomme, und es beginnt von
neuem. Sehen Sie, der jetzige Streit hat ungefhr fnf Wochen gedauert,
und im Anfang war es einfach nur deshalb, weil ich sagte, die
Straufeder auf ihrem Hute gefalle mir nicht!

Noch ein Beispiel. Ich traf einst bei einem Rennen eine Schulfreundin,
die ich seit langem aus den Augen verloren hatte, das letztemal als
liebende und geliebte jung verheiratete Frau sah. Jetzt war sie sehr
verndert und hatte harte und hagere Zge. Ich fragte nach dem Mann, der
mir als strahlender Brutigam in Erinnerung war.

Oh, er ist den Weg aller Gatten gegangen, sagte sie mit einem Seufzer.
Er ist Lebemann geworden, meine Liebe.

Was Sie nicht sagen! rief ich erschrocken und bekmmert.

Ja, er hat sich zum Lebemann herausgebildet und das hat unsere Liebe
zugrunde gerichtet, war die zynische Antwort.

Es war allerdings so. Treue und Magenverstimmungen vertragen sich
schlecht miteinander, und der Gatte meiner Freundin hatte sich eine
gefhrliche Fertigkeit angeeignet, sein Mittagessen ins Feuer zu werfen,
wenn es ihm nicht schmeckte, eine allerdings das husliche Glck nicht
frdernde Gewohnheit.

Die Kost ist wirklich eine der Hauptquellen von Reibungen in der Ehe. Es
klingt possenhaft, aber ich meine es ganz im Ernst. Die Kost, ihre
Anordnung und Zubereitung und die daraus erwachsenden Kosten bedeuten
eine der grten Tragdien im Dasein einer Frau. Die Zeit, die alles
heilt, stumpft Gott sei Dank auch die Heftigkeit dieser Pein ab, und
Matronen von ungefhr fnfzig Jahren sind imstande, der tglichen Brde
der Abfassung des Speisezettels mit einer gewissen Gleichgltigkeit
entgegenzutreten. Aber fr eine Frau, welche das kritische Alter noch
nicht erreicht hat, das man charakteristischerweise mit der Bemerkung:
hm, gerade so alt wie alle andern, nmlich fnfunddreiig bezeichnet,
ist dieser Faktor das grte Kreuz, whrend so mancher Braut die erste
Zeit der jungen Ehe durch die schreckliche und stets wieder neu
erstehende Notwendigkeit, die richtige Kost fr ihren Lebensgefhrten zu
finden, total verdorben wurde. Die Mnner machen sich lustig ber die
Frauen, weil ihr Lunch, wenn sie allein sind, oft aus einer Schale Tee
und einem Ei besteht, aber die Frauen haben einen so angeborenen Ha
gegen das Anschaffen, den sie wohl von einer langen Linie leidender
weiblicher Vorfahren ererbt haben mssen, da die meisten von ihnen
lieber ganz vergngt bis zum Ende ihrer Tage von Tee und Butterbrot
leben mchten, als tglich der Notwendigkeit ins Auge zu sehen, ber
einen Speisezettel nachzudenken. Aus diesem Grunde glaube ich, da
vegetarianische Gatten besonders begehrenswert sind, da das Grundprinzip
der Ernhrungsreform die Einfachheit ist. Jene, welche darauf eingehen,
erwerben eine ganz neue Anschauung von der Bedeutung der Ernhrung und
sind rhrend leicht zufrieden zu stellen. Ich kenne eine Frau, deren
Mann Vegetarier ist, und sie erklrte, da die Ernhrungsfrage, die
einen so zerstrenden Faktor in den meisten Husern bildet, ihr nie auch
eine einzige Trne, ein Stirnrunzeln, ein bses Wort oder einen Wink
eingebracht htte. Sie versicherte mir, da ihr Mann zum Frhstck mit
einer Banane, zum zweiten Frhstck mit einem Kopf Salat, zum
Mittagessen mit einer Dattel und zum Abendessen mit einer gesalzenen
Mandel ganz zufrieden sein wrde. Als das Haus aus Anla einer groen
Abendgesellschaft auf den Kopf gestellt wurde und es nicht mglich war,
das gewhnliche Mittagessen zu bereiten, da a dieser Engel von einem
Gatten im Badezimmer Ksebrdchen anstatt des Mittagessens und war noch
dazu sehr entzckt davon. Ich konnte es zuerst kaum glauben, aber es
soll tatschlich so gewesen sein.

Unter den vielen niedrigen Ursachen der Reibung in der Ehe bildet die
verschiedene Empfindlichkeit gegen Temperaturen ganz gewi eine sehr
reiche Quelle von Zwistigkeiten. Wenn der eine bei offenem Fenster
zusammenschaudert und der andere ein Freiluftfanatiker ist und nicht
atmen kann, wenn es geschlossen ist, dann ist eine Kette von
Unglcksmglichkeiten die Folge davon. Ich glaube, es war Napoleons
zweite Frau, Marie Louise, die sich, wenn sie wollte, ihren Gatten
fernhalten konnte, blo dadurch, da sie ihre Gemcher kalt hielt. Dem
groen Mann war es nur gemtlich in einem sehr heien Zimmer mit einem
flackernden Kaminfeuer.

Der Mangel an Humor, etwas sehr Bedauerliches, ist noch eines jener
winzigen Felsenriffe, an denen das eheliche Glck so oft scheitert. Das
ist ganz natrlich, denn die Abwesenheit dieser unschtzbaren
Eigenschaft gehrt zu den rgsten Entbehrungen eines Reisenden auf der
Fahrt durch das Leben. Unter den Mnnern ist die berzeugung verbreitet,
da alle Frauen unter diesem Mangel leiden, aber ich glaube, wir knnen
es uns leisten, ihnen diese Tuschung zu belassen, da sie ihnen so viel
Befriedigung bereitet. Ich hatte einmal einen journalistischen Freund
mit einer schrecklich unverdaulichen und auergewhnlich betrbenden
literarischen Gewohnheit. Dieser arme Teufel bildete sich ein, ein
Humorist zu sein, und ich mute oft das Vorlesen vieler Seiten voll
trostloser und mhseligster Scherze ber mich ergehen lassen, die er fr
ein Blendwerk an Witz und Geist hielt. Mein geduldiges, langmtiges
Zuhren verschaffte meinem obgesagten mangelhaften Verstndnis fr Humor
nur bitteren Hohn, aber meine Kritik inspirierte den jungen Mann zur
Abfassung eines zynischen Artikels ber die Frauen und den Humor,
eines Artikels von jener Sorte, an der die Verleger -- da sie Mnner
sind -- Gefallen finden und daher schweres Geld dafr bezahlen.

Tatsache ist, da das, was die Mnner zumeist unterhlt, die Frauen
langweilt und umgekehrt. Aber es ist gewi unlogisch, daraus abzuleiten,
da der Sinn fr Humor bei den Frauen geringer ist als bei den Mnnern,
oder da er gar nicht besteht. Da jedoch diese scheinbar so unbedeutende
Sache von solcher Bedeutung im ganzen Leben ist, gleichviel ob es in
einem Palast, in einem Kloster, in einer Villa oder einem Arbeiterhaus
dahinfliet, so glaube ich, eine Frau tte gut daran, Heiterkeit zu
heucheln, wenn sie keine fhlt, mit ihrem Herrn und Gebieter zu lachen,
selbst wenn sie die Pointe nicht versteht und sich nichts daraus zu
machen, wenn er nicht mit ihr lacht.

Die Leute, die ber die Ehe geschrieben haben, scheinen diesem wichtigen
Punkt keine Bedeutung beigemessen zu haben. Stevenson bildet eine
Ausnahme, er sagt: Wenn die Leute ber denselben Spa lachen oder so
manchen alten Scherz gemeinsam haben, der durch die Zeit nicht verblat
und die Gewohnheit nicht flau wird, so wird das -- mit Verlaub gesagt --
eine bessere Vorbereitung fr das gemeinschaftliche Leben sein, als so
manche Dinge, die in der Welt einen edleren Klang haben. Man kann, wenn
man will, Kant fr sich allein lesen, aber einen Scherz mu man mit
jemandem teilen.

Und wirklich bildet ein gemeinschaftlicher Scherz, eine alte Anspielung,
ber die beide zu lachen gewohnt sind, ein mchtigeres Band als so
manches tiefere Gefhl. Man erinnert sich an diese Kleinigkeiten noch
lange, nachdem man die ergreifendsten Augenblicke der Leidenschaft, den
atemraubenden Herzschlag und die strmischen Umarmungen vergessen hat,
die einst unsterbliche Erinnerungen zu geben versprachen. Alles, alles
ist vergessen, aber der dumme kleine Spa hat noch immer die Macht,
Trnen in unsere Augen zu locken, wenn der eine, mit dem wir den Scherz
durchlebt haben, fr immer dahin ist.

Eine Menge Leute sind unglcklich, die mit einem anderen Gefhrten oder
einer anderen Gefhrtin ganz glcklich geworden wren. In der
Ungleichheit der Temperamente liegt die Hauptursache des Unglcks in der
Ehe. Mangelnde Harmonie der Geschmacksrichtungen macht viel aus, aber
das Nichtzusammenpassen des Temperaments noch mehr. Manches Paar pat
so lcherlich schlecht zusammen, da man sich wundert, wie sie je davon
getrumt haben knnen, das Glck beieinander zu finden. Daran sind
wieder zumeist die unsinnigen konventionellen Sitten schuld, die das
gegenseitige Kennenlernen der ledigen Mnner und Frauen so sehr
erschweren. Es ist jedoch in dieser Hinsicht whrend der letzten zehn
oder zwanzig Jahre um soviel besser geworden, da wir nicht murren
sollten; aber selbst jetzt, wenn ein Mann dem Beisammensein mit einem
Mdchen den entschiedenen Vorzug gibt, wird sein Name in einer Weise mit
dem ihren verknpft, die einen jungen, aller Eheabsicht ermangelnden
Mann in Unruhe zu versetzen geeignet ist. Jene Reliquie aus alten
Zeiten, der nach den ernsten Absichten fragende Verwandte, ist
durchaus nicht ausgestorben, und so manche vielversprechende
Freundschaften, die vielleicht in einer glcklichen Ehe geendet htten,
sind durch das plumpe Eingreifen dieses barbarischen Verwandten
verdorben worden.

Ein mir befreundeter Rechtsanwalt -- nennen wir ihn Anthony -- versuchte
einst aus Berufsrcksichten, sich einem tchterreichen Gerichtsrat
angenehm zu machen. Da er sehr schlau war, whlte er fr seine
Aufmerksamkeiten eines der Mdchen, die noch in der Schulstube steckten,
und entging so der Notwendigkeit, ihren ltern und heiratsfhigen
Schwestern ein besonderes Interesse zu zeigen. Sein vertrauter Verkehr
in der Familie machte gute Fortschritte, und der Vater wurde ihm ein
sehr ntzlicher Chef. Jedoch entdeckte er mit der Zeit zu seinem
Mivergngen, da seine kleine Freundin Amaryllis herangewachsen war und
er in der Familie als ihr besonderes Besitztum betrachtet wurde. Nun
bertrug er rasch seine Anhnglichkeit auf Aphrodite, das damals jngste
Schulmdchen der Familie, und dadurch rettete er sich vor den
Verpflichtungen gegen Amaryllis, wahrte sich aber doch gleichzeitig die
wertvolle Freundschaft des Vaters. In einer unglaublich kurzen Zeit war
jedoch Aphrodite auch heiratsfhig, und die Familie erwartete
neuerdings, sich Anthony als stndiges Familienmitglied zu sichern. Er
fhrte wieder dasselbe Manver aus und whlte diesmal die kleine
Andromeda, die direkt ein Kind aus der Kinderstube war. Obzwar die
Familie enttuscht war, hegte sie noch Hoffnungen und so gingen die
Jahre friedvoll dahin, brachten einige Schwiegershne mit sich und eine
Menge Bonbonniren fr die harmlose Andromeda. Als jedoch auch diese
heranwuchs, frchtete der schlaue Anthony, da seine eintrgliche
Freundschaft nun unvermeidlich ein Ende haben msse, da die einzige
brigbleibende Tochter schon das gefhrliche Alter von fnfzehn Jahren
erreichte und berdies den unsympathischen Namen Anactoria trug.

Eine lange Freundschaft und eine kurze Verlobung sind vielleicht
die beste Zusammenstellung. Eine lange Verlobung gehrt zu den
gefhrlichsten Beziehungen zwischen den Geschlechtern, die man sich
denken kann. Fr die Frau bedeutet sie die Nachteile der Ehe ohne deren
Reiz eines ruhevollen Abschlustadiums oder irgendwelche Vorteile der
Welt gegenber. Fr den Mann wieder bedeutet sie die Lstigkeit des
Ehejochs ohne seine Befriedigung und sein Behagen. Wirklich, fr den
Mann ist eine lange Verlobung besonders hart, da der Frau wenigstens die
Last der Anordnung der Speisen und der Beschftigung mit der
Dienerschaft erspart bleibt. So manche wahre Neigung ist schon durch die
Einschrnkungen und Aufreibungen einer langen Verlobung zugrunde
gerichtet worden. So manche echte Leidenschaft ist in ihrem trben Lauf
versandet, bis nur ein schwacher Schimmer der groen Flamme brig blieb,
um das Eheleben zu erhellen, und Mann und Frau das Zeichen der
niedergehaltenen Glut tragen, welche unter glcklicheren Umstnden zu
freudigem Genieen gefhrt htte. Auch ihren Kindern fehlt es oft an
Lebenskraft, und man merkt ihnen an, da die Glut erlosch, bevor sie
gezeugt wurden.

Ich wei nicht, wer zuerst das Wort von der schrecklichen Intimitt des
Ehelebens geprgt hat. Es ist gewi ein richtiger Ausdruck, und man
mchte wissen, zu welcher Zeit der Geschichte der Menschen man begonnen
hat, diese Intimitt schrecklich zu finden. Es klingt wie eine recht
moderne Klage, und man fhlt, da sie nicht von unseren Gromttern
geuert wurde, die ihre Gatten als eine Art sichtbare Verkrperung des
Willens des Herrn betrachteten und dementsprechend verehrten. Es wrde
ihnen nie beigekommen sein, das lstig zu finden, was Mrs. Lynn Linton
die enge Stubenabgeschlossenheit des englischen Heims nennt.

Es ist viel ber die Herabwrdigung der Liebe durch die Gewohnheit
gesprochen worden, und Alexander Dumas beurteilt die ganze Frage
erschpfend in einem kristallklaren Satz: Wo in der Ehe Liebe ist,
ttet die Gewohnheit sie; doch wo keine ist, da ruft sie sie wach. Das
ist durch und durch wahr und fr jede Leidenschaft, welche die
Gewohnheit erttet hat, hat sie wohl umsomehr echte Neigungen
hervorgerufen.

Der Plan der Sparter, den Eheleuten nur verstohlene Zusammenknfte zu
gestatten, zeigt ein scharfes Verstndnis fr die menschliche Natur und
hat viel fr sich, wenn es sich darum handeln sollte, die Zeit der
Leidenschaft zu verlngern. Aber wir haben es nicht mit der Leidenschaft
zu tun, sondern mit der gewhnlichen Zuneigung zwischen Leuten, die
unter den erschwerenden Verhltnissen der modernen Ehe zu leben haben,
und in diesen Verhltnissen mu man, was die durch die Gewohnheit
hervorgebrachten Wunder anbetrifft, mit Dumas bereinstimmen.

Wenn die Leute es nur anerkennen wollten: die Gewohnheit ist der Kitt,
der das Gebude der Ehe zusammenhlt. Wenn nur die leichteste Grundlage
gegenseitiger Harmonie gegeben ist, so wird einem im Lauf der Jahre der
Gefhrte ganz unentbehrlich, und zwar nicht wegen seines Zaubers und der
Liebe, die wir fr ihn hegen, sondern einfach, weil er oder sie ein Teil
unseres Lebens sind. Darum halte ich die Politik der steten Trennung fr
tricht. Sie basiert wohl auf der irrtmlichen Annahme, da die
Abwesenheit zrtlicher macht. Dort, wo die Grundlage gegenseitiger
Harmonie nicht besteht, mag es richtig sein. Und wenn zwei Leute sich
nicht mgen und schlecht miteinander auskommen, kann eine kurze
Trennung dazu dienen, die Spannung zu lsen und sie mit dem Vorsatz
zurckzufhren, in Zukunft die Dinge ruhiger zu nehmen; aber dort, wo
eine Neigung besteht, scheint mir die Trennung ein Migriff. Man gewhnt
sich, ohne einander zu leben, und jene verbindende Kette kleiner
tglicher Vertraulichkeiten, oft wiederholter Spe, teuer gewordener
Gewohnheiten ist fr eine Zeit entzweigerissen, und es ist nicht leicht,
sie wieder zusammenzufgen. Meine Freundin Miranda sagte mir vor einiger
Zeit: Wenn Lysander einen Tag von mir weg war, habe ich ihm bei seiner
Rckkehr eine Menge Sachen zu erzhlen -- aber wenn wir einen Monat
getrennt waren, fllt mir absolut nichts ein, was ich ihm sagen knnte.

Ich glaube de la Rochefoucauld sagt: Die Trennung vertieft groe
Leidenschaften und vermindert kleine, gerade wie der Wind die Kerze
auslscht und das Feuer anfacht. Das ist vom literarischen Standpunkt
aus sehr fein gesagt, aber ist es auch wahr? Meine Erfahrung sagt mir:
nein. _Whrend_ der Abwesenheit scheint dieses Aphorisma allerdings wahr
zu sein. Die Enttuschung kommt erst beim Wiedersehen. Wer erinnert sich
nicht an jene erste Trennung von dem Geliebten, die zahllosen
Briefe, die endlosen Gedanken, die unaufhrliche Sehnsucht und die
unerschpflichen Plne fr das herrliche Wiedersehen. Was fr ein
Wiedersehen das werden soll! Wie verweilt man in Gedanken bei der ersten
lieblichen Freude, durch den Blick begehrt zu werden; bei der noch
lieblicheren des Hndedrucks und bei der lieblichsten von allen: wenn
ein herrlicher Ku die Lippen verschliet und die Umarmung nicht enden
will, in deren Seligkeit alle Traurigkeiten der Trennung versinken
sollen -- und ach! Gelchter der Hlle! wie ganz anders ist es in
Wirklichkeit! Was fr eine abscheuliche Enttuschung ist das
Wiedersehen! Wie anders sieht der Liebste aus als in unseren
leidenschaftlichen Trumen; seine Haare sind schon viel zu lang; seine
Stiefel gefallen uns nicht; seine Krawatte ist nicht nach unserem
Geschmack; seine Art zu sprechen gefllt uns gar nicht; in seinem Ku
ist kein Beben; seine Bemerkungen sind langweilig; seine Anwesenheit
reizt einen: kurz und gut, _wir haben uns daran gewhnt, ohne ihn zu
sein_, und so erscheint uns nichts recht, was er tut. Armer Geliebter!
Dachtest du dasselbe von uns? Bist du auch enttuscht? Sagtest du dir
auch: Wie mde sie aussieht! Bei Gott, sie bekommt ein Doppelkinn! Ich
dachte, rosa steht ihr gut! Was hat sie mit ihrem Haar angefangen? Ihre
Stimme klingt schrfer. Warum lacht sie so? Ihre Zhne gefallen mir
nicht. Bei Gott, sie ist hlich! Kurz und gut, er hat sich auch daran
gewhnt, ohne uns zu sein. Wenn die Gatten das einmal durchgemacht
haben, dann gert das Schiff 'Eheglck' in gefhrliche Strmungen, aus
denen die Gefahr des Schiffbruchs drohend emportaucht.

Aber es ist ebenso verhngnisvoll, in das andere Extrem zu verfallen,
und ich gebe jener Schriftstellerin (wie heit sie?) ganz recht, die
sagte, da es in keinem Haus gut gehen knne, wenn die mnnlichen
Mitglieder der Familie nicht mindestens tglich sechs Stunden auswrts
sind, ausgenommen Sonntag. Ich bedaure jene Frau tief, deren Gatte durch
seinen Beruf oder in Ermanglung eines solchen den ganzen Tag zu Hause
ist. Wenn man auer seinem Frhstck und seinem Mittagessen noch seinen
Lunch zusammenzustellen und anzuschaffen hat, so mu schon das eine
harte Prfung sein. Schon aus diesem Grunde -- und noch so manchem
anderen -- sollte eine Frau nie einen Mann heiraten, der nicht _irgend
etwas_ zu tun hat. Wenn er keinen Broterwerb hat, der ihn aus dem
Bannkreis der weiblichen Ttigkeit tglich fr einige Stunden entfernt,
dann mu er eine Passion haben oder eine Spielmanier oder sonstige, ihn
in Anspruch nehmende Pflichten, die demselben Zweck dienen. Wo das nicht
der Fall ist, da mu die Frau von bermenschlicher Gte sein und
unendliche Liebe, Takt und Geduld besitzen, wenn beide glcklich
miteinander leben sollen.

Dasselbe gilt auch fr die Frauen, obzwar es nicht allgemein anerkannt
ist. Ich bin davon berzeugt, da eine groe Anzahl der Ehen des
Mittelstandes blo deshalb unglcklich werden, weil die Frau nicht
genug zu tun hat. Da sie genug Dienerschaft hat, so nehmen ihre
Wirtschaftspflichten einen sehr kleinen Teil ihrer Muestunden in
Anspruch, und wenn die Kinder in der Schule sind (oder sie hat
vielleicht keine), dann hat sie nichts Absorbierenderes zu tun als
Romane zu lesen und Besuche zu machen. Die Folge davon ist, da die
einen ihre Nerven beobachten und halbinvalide Neurasthenikerinnen
werden; die anderen sich fr das mnnliche Geschlecht interessieren und
ihre freie Zeit mit unerwnschten Liebeleien ausfllen; da die dritten
sich Launen, melancholischen Stimmungen oder eiferschtigen Phantasien
hingeben usw. -- und alle sind sie blo aus Mangel an gengender
Beschftigung untauglich geworden, die richtige Lebensgefhrtin des
Mannes zu sein.




III. Das Heiratsalter

  Das Merkwrdige fr mich ist nicht, da so viele Leute
  unverheiratet bleiben, sondern, da sich so viele in die Ehe
  strzen, wie sie auf eine Bahnstation losstrzen wrden, um einen
  Zug zu erreichen. Wenn man den falschen Zug erwischt, was dann?
  Alles, was einem zum Troste bleibt, ist die Tatsache, da man
  gereist ist.

    _Robert Hichens._


Eine groe Zahl unglcklicher Ehen knnte vermieden werden, wenn die
Leute das richtige Heiratsalter finden knnten. Da es bei jedem
Individuum ein andres ist, kann man unmglich eine Regel darber
festlegen. Manche Mnner sind imstande, mit zweiundzwanzig Jahren eine
gute Wahl zu treffen, andere wieder kennen sich selbst nicht einmal,
wenn sie doppelt so alt sind. Manche Mdchen sind schon unter zwanzig
Jahren fr den Ehestand und die Mutterschaft geeignet, andere sind es
nie.

Im Interesse der abstrakten Moral sind frhe Heiraten wnschenswert, und
in England tut das Gesetz alles, was es nur kann, um sie zu ermuntern.
In Frankreich wird die Erhaltung der Familienautoritt als hochwichtig
betrachtet, und das Gesetz versucht augenscheinlich, frhe Verbindungen
durch alle ihm zu Gebote stehenden Mittel zu verhindern, unbekmmert um
den hohen Prozentsatz der unehelichen Geburten, welche die direkte Folge
davon ist[1].

  [Anmerkung 1: Im Jahre 1903 war ein Zehntel aller in Frankreich
  geborenen Kinder unehelich, in Paris allein war der Prozentsatz
  noch weit hher, ungefhr 1 auf4.]

Im allgemeinen sollte keine Frau heiraten, ehe sie nicht etwas vom Leben
versteht, eine Menge Mnner kennen gelernt hat, eine gewisse Kenntnis
der Physiologie und ein klares Verstndnis des wirklichen Wesens der Ehe
gewonnen hat. Keine Frau sollte heiraten, ehe sie nicht den Wert des
Geldes und die Fhrung des Haushalts kennen gelernt hat, ehe sie nicht
gengend jugendliche Heiterkeit erfahren hat, und so vorbereitet ist fr
die ernsteren Dinge des Lebens. Nicht frher ist sie geeignet, in der
Einfrmigkeit der Ehe glcklich zu sein, und ihr Herz der Notwendigkeit
der Treue fr einen Mann, in Gedanken ebenso sehr als in der Praxis,
anzupassen. Auch der Mann ist, im groen und ganzen genommen, nicht
geeignet, sich glcklich zu verheiraten, ehe er nicht gengend vom Leben
gesehen, sich eine Philosophie ausgearbeitet, und eine tchtige Kenntnis
der Frauen sowie das daraus folgende Verstndnis erworben hat, wie man
eine Frau glcklich macht. Das ist nicht so leicht geschehen, wie die
Mnner glauben, und es verlangt Lehrzeit. Wenige Mnner unter dreiig
sind geeignet, eines Weibes Hort zu sein, und der Himmel bewahre ein
Mdchen vor einem jungen Gatten, der noch ein Bengel ist. Gewi wird sie
herrliche Augenblicke haben, denn es liegt etwas Berauschendes in der
Glut sehr junger Herzen, und darum finden wir die Ehen zwischen
Jnglingen und ganz jungen Mdchen so reizend -- in der Theorie.
Manchmal, wenn es sich um ein Ausnahmspaar handelt, das besonders gut
zueinander pat, ist so eine Ehe auch wirklich reizend, und dann ist es
die schnste Ehe, die man sich denken kann: zwei junge Leute, Hand in
Hand die Lebensreise antretend, tapfer, liebend, von den hchsten
Hoffnungen geschwellt. Aber gewhnlich ist die Herrlichkeit nur auf
Augenblicke beschrnkt; junge Mdchen sind zumeist seicht und
leichtfertig. Sehr junge Mnner sind oft schrecklich egoistisch und
rcksichtslos. Sie sind so stolz darauf, der einzige Besitzer eines
reizvollen Weibes zu sein, da ihre Einbildung, die immer gro ist, zu
ungeheuerlichen Proportionen anschwillt, und sie einfach unertrglich
werden. Wenn fr das junge Paar trbe Tage kommen sollten, hat der
knabenhafte Gatte keine Philosophie, um sich aufrecht zu erhalten, keine
Kenntnis der Frauen, die ihn befhigen knnte, seine Frau zu verstehen
und mit ihr glcklich zu leben, und nicht genug Selbstbeherrschung, um
ihr zu helfen. Sie hat dieselben Fehler der Jugend, und das Resultat ist
das Fehlschlagen der Ehe. Stevenson drckt das sehr gut wie folgt aus:
In die Schule knnt ihr gut mit bloen Hoffnungen gehen, aber bevor ihr
heiratet, solltet ihr Euch die vielfltigen Lehren, die das Leben gibt,
angeeignet haben. Andererseits sagt Grant Allen, da die besten Mnner
sozusagen verheiratet auf die Welt kommen, und da nur der egoistische,
niedrige und berechnende Mann mit dem Heiraten wartet, bis er eine Frau
erhalten kann. Diese gemeine Phrase bemntelt kaum verborgene Untiefen
von Sittenverderbnis, fhrt er fort. Der richtige Mann klgelt nicht
mit sich selbst ber alle diese Dinge. Er sagt nicht mit selbstschtiger
Klte: 'Ich kann eine Frau nicht erhalten' oder: 'Wenn ich heirate,
verderbe ich mir die ganze Zukunft'; er fhlt und handelt. Er paart sich
wie der Vogel, weil er nicht anders kann.

Ich mu sagen, da jene jungen Mnner, die nicht denken, sondern nur
fhlen und handeln, meiner Ansicht nach kaum zum hchsten Typus gehren,
und da, wenn es allgemein als Zeichen edler Natur anerkannt wrde, sich
zu paaren wie die Vgel, die Adelsnaturen gewi viel weniger selten
wren, als sie es heutzutage sind.




IV. Das Sichausleben fr Frauen

  Nichts, was zu sagen der Mhe wert ist, ist schicklich.

    _G. Bernard Shaw._

  Ich glaube nicht an die Existenz der puritanischen Frauen. Ich
  glaube nicht, da es eine Frau in der Welt gibt, die sich nicht ein
  bichen geschmeichelt fhlen wrde, wenn man ihr den Hof macht. Das
  eben macht die Frauen so unwiderstehlich reizend.

    _Oscar Wilde._


Sollte es irgendwelche Leser geben, deren Feinfhligkeit bei diesen
Zitaten verletzt wrde, dann werden sie ergebenst gebeten -- nein es
wird ihnen befohlen -- nicht weiter zu lesen. Und sollte es welche
geben, deren Empfindlichkeit schwankt, ohne jedoch einen direkten Sto
erlitten zu haben, dann werden sie liebevoll -- nein flehentlichst --
ersucht, einige Male das obige Zitat aus Shaws unsterblicher Candida
zu lesen, sich dann aufzuraffen und den Sprung zu wagen. Ich kann ihnen
versprechen, da es nicht halb so schrecklich sein wird als sie hoffen,
ja, da die ausgesprochene Schicklichkeit dieser Zeilen sie
wahrscheinlich bitter enttuschen wird. -- Es ist merkwrdig genug, da
die Frauen, obgleich sie mehr als die Mnner zu heiraten bestrebt sind,
und alles in ihrer Macht stehende tun, um das zustande zu bringen,
wogegen die Mnner sich oft struben, -- trotz allem in der Ehe
gewhnlich am unzufriedensten sind. In den letzten Jahren ist ein
seltsamer Geist der Unruhe ber die verheirateten Frauen gekommen, und
sie rebellieren hufig gegen Bedingungen, ber die zu murren unseren
Gromttern nie im Traume eingefallen wre. Es gibt eine Menge Grnde
dafr: der eine ist, da die Ehe die Erwartungen der Frau sehr
enttuscht (wie ich in dem einleitenden Kapitel sagte). Ein anderer, da
sie sich nicht _nach Frauenart_ ausleben knnen. Ich bitte genau die
gesperrt gedruckten Worte nach Frauenart zu beachten und mich
freundlichst nicht miverstehen zu wollen. Ich bin nicht dafr, da die
allgemein den Mnnern zugebilligte Freiheit auch auf die Frauen
ausgedehnt wird.

Das Sichausleben dieser Art, anders gesagt, ein vorehelicher
Freiheitsrausch, war gewi keine Notwendigkeit fr unsere Gromtter.
Aber ein gewisser, ziemlich zahlreicher Typus moderner Frauen scheint
bessere Gattinen abzugeben, wenn sie dieses Stadium hinter sich haben.
Nehmt z.B. die Flle von Yvonne und Yvette, die ich beide persnlich
kenne. Yvette verlobte sich mit achtzehn Jahren und heiratete mit
einundzwanzig, im Alter von sechsundzwanzig Jahren war sie Mutter von
vier Kindern. Sie hatte kaum Zeit gehabt, die Jugend zu erkennen und zu
genieen, ehe ihre Mdchenhaftigkeit unter den Verantwortlichkeiten der
Ehe und der Mutterschaft erstickt wurde. Sie hatte ihren ersten Bewerber
genommen, und er war wirklich der einzige Mann, von dem sie irgend etwas
wute. Auer ihm hatte sie nichts von den Mnnern oder der Welt gesehen.
Sie hat gewi nie geflirtet oder Freunde gehabt, und keine andere
Bewunderung genossen als die ihres Brutigams.

Mit sechsundzwanzig Jahren begann Yvette zu erkennen, da sie um einen
sehr kostbaren Teil ihres Lebens und eine unschtzbare Erfahrung
betrogen worden war. Obzwar sie eine recht glckliche Gattin und eine
hingebungsvolle Mutter war, fhlte sie, da sie diese Gensse ebensosehr
wie die huslichen Freuden htte haben knnen, und diese Erkenntnis
emprte sie.

In ihr Herz schlich eine gefhrliche Neugier und eine noch gefhrlichere
Sehnsucht nach Abenteuern und Erregungen. Sie erkannte, da es auch noch
andere Mnner als Markus gab, die sie bewunderten, und da sie noch eine
ganz hbsche und junge Frau war. Mit dreiig Jahren war Yvette eine
Meisterin in der Kunst der Intriguen, hatte einige gefhrliche
Herzensaffren eingefdelt und htte groen Kummer heraufbeschworen,
wenn nicht Markus ein besonders kluger, zrtlicher und verstndnisvoller
Gatte gewesen wre.

Nicht, da ich ihn nicht zrtlich liebe, vertraute sie mir, als sie
sich entschlo, einen anderen Weg zu betreten, ich mchte ihn nicht fr
irgend jemand in der Welt hergeben, und du weit, was die Kinder mir
sind, aber dennoch brauche ich auch etwas anderes, etwas Erregendes. Ich
spre, da ich in meinem Leben keine Lustigkeit gehabt habe, und ich
mchte mich gerne ein bichen austoben, bevor es zu spt ist. Als ich
mich verlobte, hatte ich kaum mit jemand anderem getanzt als mit Markus,
und in den ersten vier Jahren meiner Ehe bekam ich alle achtzehn Monate
ein Kleines. Es gab nichts als kleine Kinder, das eine zu sugen, fr
das Neuankommende bereit zu sein. Ich hatte ja nichts dagegen, aber die
Reaktion mute kommen, und sie kam. Wenn ich nur dieses Erregende und
die Heiterkeit und den Zauber zuerst htte haben knnen und dann mit
ungefhr fnfundzwanzig Jahren geheiratet htte, dann wre ich ganz
zufrieden geworden wie Yvonne.

Yvonne hatte sichs wohl besser eingerichtet. Das Schicksal bewahrte sie
davor, sich zu frh zu verlieben. Sie hatte immer eine Schar von
Verehrern und konnte so die Macht ihrer Weiblichkeit vollauf genieen.
Sie reiste, schlo wunderbare Freundschaften mit beiden Geschlechtern,
lernte die Welt kennen und bildete sich eine Weltanschauung. Als sie mit
neunundzwanzig Jahren heiratete, hatte sie genug von den anderen Mnnern
gesehen, um zu wissen, welchen Mann sie fr sich brauchte, und genug
Erregung gehabt, um den Frieden und die Ruhe in der Ehe zu schtzen.

Die Geheimnisse vieler Frauen lasten schwer auf meiner Seele, whrend
ich dies schreibe, und so manche Frau, die ernsten Anla zu
Gewissensbissen hat, vertraute mir, da nur diese verhngnisvolle
Sehnsucht nach Erregung ursprnglich ihr Verderben verursachte. Ich
werde meinen Sohn lehren, ja nur eine Frau zu heiraten, die die Periode
des Sichauslebens hinter sich hat oder eine von jenem altmodischen
Typus, die das Sichausleben nicht braucht. Bei dem modernen
Temperament mu es frher oder spter kommen, und wie weit das moderne
Temperament sich entwickelt haben wird, bis der Sohn meines Sohnes
heiratsfhig ist, das wissen die ironischen Gtter allein!

Junggesellen, merkt es Euch. Eine Frau der Neuzeit, die in der halben
Welt herumgekommen ist und so manches erlebt hat, wird eine viel bessere
Gattin, eine liebevollere Freundin und ein treuerer Gefhrte sein, als
jene Mdchen, die einander so ziemlich gleichen, deren erste Erfahrung
Ihr seid und die enorme Ansprche an Eure Liebe und Geduld stellen. Ihr
werdet vielleicht sogar ein auf Romanlektre gegrndetes Ideal
verwirklichen mssen, und das wird Euch sehr lstig fallen, liebe
Freunde! Die erfahrene Frau kennt die Mnner grndlich, sie erwartet
nicht mehr von Euch, als Ihr ihr geben knnt. Sie wird Eure Tugenden
aufs Hchste schtzen und sich so gut als mglich mit Euren Untugenden
abfinden. Aber sie hat so schrecklich geflirtet, sagt Ihr. Gut. Um so
besser. Dann ist es wahrscheinlicher, da sie es nach der Verheiratung
nicht tun wird. Aber zum Teufel mit allem anderen -- sie ist von
anderen Mnnern gekt worden, wendet Ihr ein. Ganz gut, dann hat sie
kein Bedrfnis nach weiteren Erfahrungen dieser Art und wird ihre Lippen
nie wieder einem anderen Mann bieten, sobald sie die Eure geworden ist.
Wie knnen Sie dessen sicher sein? Ja, das gehrt zu dem groen
Risiko der Ehe. Wie kann denn _sie_ sicher sein, da _Ihr_ euer letztes
Verhltnis hattet? ... Oh, mein Lieber, Ihr macht mich wirklich bse;
um Himmelswillen, trachtet von den konventionellen Vorstellungen von
Recht und Unrecht loszukommen. Beurteilt einmal die Dinge fr Euch
selbst und sagen wir, wie sie auf dem Boden eines speienden Vulkans
erscheinen wrden! ... Alle Dinge, um derentwillen wir so viel
Aufhebens machen, wrden zweifelsohne rasch in ihrem wahren Lichte
erscheinen, wenn wir sie von dieser gefhrlichen Lage aus betrachteten.

Und selbst in den traurigen Fllen, wo eine Frau wirklich im
_mnnlichen_ Sinne des Wortes sich ausgelebt hat, wie anders wrden
uns die kleinen sittlichen Regeln und Gesetze, die wir fr solche
Gelegenheiten bereithalten, angesichts eines pltzlichen, gewaltsamen
Todes erscheinen! Ich hrte vor kurzem folgende sehr traurige
Geschichte. Ein Mann war knapp dem Ertrinkungstode entronnen, kurz
nachdem er seine Verlobung mit einem von ihm aufrichtig geliebten
Mdchen rckgngig gemacht hatte, als sie ihm gestand, da sie vor
vielen Jahren den Bestrmungen eines leidenschaftlichen Liebhabers
einmal nachgegeben hatte. Ich wei nicht, was er in dem schrecklichen
Augenblick empfunden hat, als das Wasser ber ihm zusammenschlug und er
jenes entsetzliche Ringen nach Luft durchmachte, das von jenen, die es
kennen lernten, als die frchterlichste Empfindung geschildert wird.
Augenscheinlich fielen ihm durch den Umstand, da er mit knapper Not dem
Tode entronnen war, die Schuppen von den Augen, und er befreite sich von
der konventionellen Meinung, die ihn bis dahin geblendet hatte. Anstatt
sich als einen tief gekrnkten Mann zu betrachten, erkannte er, da er
sich gegen das unglckliche Mdchen schrecklich benommen hatte, und sie
auf diese Weise durch sein Geschlecht doppelt gekrnkt worden war. Er
suchte sie auf und bat sie, ihn wieder anzunehmen, aber sie war eine zu
gescheite Frau und weigerte sich, sich einem Manne von so engen
Ansichten und so hartem Urteil anzuvertrauen.

Diese Behandlung steigerte seine Liebe natrlich ins Tausendfache. Sie
qulte ihn Tag und Nacht und zum Schlu gewannen seine verzweifelten
Bitten die Oberhand, und sie gab nach. Ihre Ehe wurde keine glckliche,
wie man sich's denken kann. Sie hatten einander wahnsinnig geliebt, und
das Gespenst dieser erloschenen Leidenschaft reckte sich unsichtbar
zwischen ihnen empor und vergiftete ihre Freude aneinander. Nach einer
Zeit verfiel die Frau in tiefe Melancholie und lie sich von einer
geringfgigen Krankheit so berwinden, da sie daran starb.

Als sie starb, soll sie zu ihrer treuen Freundin gesagt haben: Wenn du
je einer anderen Frau begegnest, die einen kleinen Fehltritt begangen
hat -- etwas, was ihr damals so natrlich und unvermeidlich erschien,
da es gar keine Snde war -- dann sage ihr, da sie es nie, _nie_ dem
Manne, den sie heiraten wird, gestehen soll, am allerwenigsten, wenn sie
ihn liebt. Wenn das Gestndnis sie nicht ganz trennt, dann wird es immer
zwischen ihnen sein. Man legt es ab in dem Bestreben, aufrichtig zu
sein, aber es ist der schrecklichste Irrtum, den eine Frau begehen
kann.

Ihr Bestreben, aufrichtig zu sein, hatte diese arme Frau nicht nur das
Glck ihres ganzen Lebens und ihr Leben selbst gekostet, sondern auch
das Glck des geliebten Mannes, in dessen Interesse sie das so schwere
Gestndnis gemacht hatte. Wie teuer habe ich es bezahlt! Wie teuer habe
ich es bezahlt! pflegte sie immer und immer wieder whrend ihrer
letzten Krankheit zu sagen.

Das ist eine vllig wahre Geschichte, und es scheint mir eine schreiende
Ungerechtigkeit, da eine Frau so bitter fr das leiden mu, was bei
einem Manne gar nicht beachtet wrde. Ich bin sicher, da es viele
hnliche Flle gibt, und ich erklre nachdrcklichst, da solche
Gestndnisse schdlich sind. Der konventionell denkende, in solche
Umstnde versetzte Mann wrde entweder eine Frau stehen lassen oder sie
gegen seine berzeugung heiraten. Das auergewhnliche mnnliche
Sittengesetz, das aus verschiedenen Grnden ber mein weibliches
Fassungsvermgen geht, erkennt nicht an, da ein Mdchen, das einen
Geliebten hatte, oder auch nur einen Fehltritt machte, geeignet ist,
geheiratet zu werden, und trotzdem htte kein Mann etwas dagegen, eine
Witwe zu heiraten und sehr viele Mnner heiraten auch geschiedene
Frauen.

Selbst, wenn es sich um einen selten gromtigen, einsichtigen und
verstndigen Mann handelt, der das Vergehen richtig einschtzt, wrde
eine Kenntnis desselben nur strend wirken und eine Quelle von
Unsicherheit fr das eheliche Glck bilden. Mit einem Wort: das
Gestndnis kann von keinerlei Nutzen sein und die Erleichterung, welche
es, gem dem Sprichwort, dem Snder verschaffen soll, wrde um einen
sehr hohen Preis erkauft sein.

Aber zwei ungerechte Handlungen knnen nicht eine gerechte
hervorbringen, und es kann gewi fr eine Frau nicht das Rechte sein,
den Mann ber einen so ausschlaggebenden Punkt zu tuschen, wird
der strenge Moralist ausrufen. Mglicherweise nicht, nach dem
streng-idealistischen Standpunkt der Ethik; aber vom hheren Standpunkt
des Lebens und des gesunden Menschenverstandes aus gesehen erscheint
diese Tuschung nur ratsam. Und seien Sie sicher, mein verdrielicher
Moralist (denn ich bin sicher, da Sie ein verdrielicher Mensch sind),
da die Snderin nicht so leichten Kaufes davon kommen wird, wie Sie es
zu frchten scheinen. So mancher Stich wird ihr zuteil werden, denn die
Erinnerung ist ein starkes Gift, und jeder Ausdruck der Liebe und des
Vertrauens ihres Mannes wird fr sie seinen eigenen Stachel haben,
whrend die runden unschuldigen Augen der sie vergtternden kleinen
Kinder, fr die sie ein Wesen ist, das nie unrecht tun kann, die
geeignete Strafe fr ein noch weit greres Vergehen sein wrde. Der
Mann dagegen wird aller Wahrscheinlichkeit nach durch das Schweigen der
Frau nur gewinnen; denn er ist ihr gewi doppelt teuer, eben weil der
erste Mann sie schlecht behandelte, und sie wird vielleicht eine bessere
Gattin, eine strkere und sanftere Frau, eine tchtigere Mutter sein,
eben wegen der Leiden, die sie durchgemacht hat.

Hoffentlich werden wir nun belwollende Dummkpfe nicht die
verderbenbringende Lehre unterschieben, da eine Frau mit einer
Vergangenheit die beste Gattin sei. Ich bin nur der Ansicht, da eine
brave Frau, die sich einem strmischen Liebhaber ergeben hat und nachher
von ihm verlassen worden ist, notwendigerweise soviel durchgemacht hat,
da ihr Charakter dadurch vertieft und ihre Fhigkeit, treu zu lieben,
gesteigert wurde. Und eine andere als wahr erkannte Tatsache ist es, da
es seelischer Leiden bedarf, um die besten Eigenschaften der Frauen zur
Blte zu bringen.

Auch die Mnner sollten die Einzelheiten ihrer Periode des
Sichauslebens streng fr sich behalten. Im Eheleben mu es Geheimnisse
geben, und die glcklichsten Paare sind jene, die sie zu hten wissen.
Ein sehr gutes Motto fr junge Verlobte wre das des Tom Broadbent in
John Bulls Die andere Insel: Erzhlen wir uns nichts; vollkommenes
Vertrauen, aber keine Erzhlungen aus der Vergangenheit; so vermeidet
man am besten Mihelligkeiten!




V. Einige Worte fr eine vernnftigere Mdchenerziehung


Wenn die Mdchen in bezug auf geschlechtliche Dinge vernnftiger erzogen
wren, wrde es weit weniger unglckliche Frauen in der Welt geben, und
weniger Mnner wrden dazu getrieben werden, ihr Glck auerhalb des
Heims zu suchen. Wenn man den Mdchen, sobald sie in die geeigneten
Jahre kommen, die elementarsten Umrisse der Lebensbedingungen beibringen
wrde, anstatt sie wie es jetzt geschieht, in der uersten Unwissenheit
zu lassen, dann wrden die auerordentlich falschen Anschauungen ber
das Geschlecht, die sie jetzt berall auflesen, nicht mehr vorwalten,
und viel Kummer knnte so vermieden werden. Jetzt wird den Mdchen
_schweigend_ zu verstehen gegeben, da das Geschlechtsthema abstoend
ist und sich nicht eignet, von ihnen in Betracht gezogen zu werden, und
da die Geschlechtsfunktionen widerwrtig, obgleich notwendig sind. Ich
schreibe absichtlich _schweigend_, denn den meisten Mdchen wird nicht
das Geringste ber diesen Gegenstand gesagt. Es ist wirklich merkwrdig,
wie die Vorstellungen ihnen ohne Worte beigebracht, aber dennoch auf
irgendeine Weise eingeimpft werden, und es ist schwer zu verstehen,
wie die Mtter diese Unterweisungen mit ihrem offenkundigen Wunsch
vereinigen, ihre Mdchen zu verheiraten. Das heutzutage den Mdchen
gegenber aufrecht erhaltene Ideal ist offenbar das geschlechtslose
Schicksal der Diana -- nicht blo Keuschheit, sondern Unfruchtbarkeit.

Die meisten jungen Mdchen kennen von frher Jugend auf die
gesellschaftlichen Vorteile und die gesellschaftliche Bedeutung der Ehe
und wachsen mit dem lebhaften Wunsch heran, sie in angemessener Weise zu
erreichen, obgleich sie sich insgeheim wegen ihrer absurden verkehrten
Begriffe von der physischen Seite der Ehe vor ihr frchten. Warum kann
man die Mdchen -- und auch die Knaben natrlich -- nicht die volle
Wahrheit in angemessener Sprache lehren, da das Geschlecht der
Angelpunkt ist, um den sich die Welt dreht, da die Geschlechtstriebe
und -empfindungen der ganzen Welt gemeinsam sind, an sich nicht
erniedrigend oder herabwrdigend und da es auch keine Schande ist, sie
zu besitzen, obgleich es notwendig ist, da man sie tapfer berwacht!
Warum kann man die Mdchen nicht lehren, da alle Liebe, selbst die
romantische, die einen so breiten Raum in ihren Trumen einnimmt, aus
dem _Geschlechtstrieb_ entspringt? (Schopenhauer, Metaphysik der Liebe.)
Das kann fr eine gefhrliche Lehre gehalten werden; aber die
gegenwrtige Politik des Stillschweigens ber diesen Gegenstand ist noch
gefhrlicher, da sie das Bestreben hervorbringt, ber dem verbotenen
Thema zu brten.

Ich erinnere mich, wie mir eine ungefhr fnfzehnjhrige Schulkameradin,
als ich etwas ber zehn Jahre alt war, anvertraute, da ein Mann -- er
war ein harmloser Junge von ungefhr zwanzig Jahren -- ihr die Hand
gekt hatte, als er ihr das Tennisrakett reichte. Sie zog entrstet
ihre Hand zurck und sagte: Wie knnen Sie es wagen, mir diese Schmach
anzutun? Dann verlie sie den Tennisplatz und wollte nicht mehr
spielen. Ich glaube nicht, da viele Mdchen so albern sind wie diese,
aber der Zwischenfall illustriert den in jener Schule allgemein
herrschenden, uns eingeimpften Ton. Und er zeigt, wie emphatisch dem
Gemt des Mdchens alle geschlechtlichen Angelegenheiten dargestellt
worden sein mssen, damit sie in einem ganz unschuldigen und galanten
Zeichen der Huldigung eine Schmach erblickte. Was fr eine trostlose
Vorbereitung fr die Ehe mu solch eine Unterweisung sein! Aus dieser
Art von Unterweisung entstehen jene unglcklichen Flitterwochen, von
denen man gelegentlich im geheimen hrt, und die unglcklichen Frauen,
deren verchtliche Klte den Gatten zur Verzweiflung bringt. Dieser
Mangel an Gefhl und Mangel an Verstndnis fr die Bedrfnisse strkerer
und wrmerer Naturen ist eine der tiefsten und unheilbarsten Ursachen
des Unglcks im Eheleben.

Wenn unsere Mdchen belehrt wrden, das Geschlecht sei ein etwas ganz
Natrliches, dann wrde das unendliche, aus der Auffassung, es sei
etwas Auergewhnliches und Widerwrtiges, entspringende bel
vermieden werden. Erziehen wir sie dazu, den liebenden Ehestand, die
leidenschaftliche Mutterschaft als den geeignetsten Ausdruck der
Frauennatur und die fr sie erstrebenswerteste Lebensform zu betrachten.

In einem sehr interessanten, jngst verffentlichten Buch: Die Frau im
bergangsstadium wird diese Ansicht von der Bestimmung der Frau zu
wiederholten Malen verhhnt. Die Verfasserin, Annette B. Meakin, ist
eine Assistentin am Anthropologischen Institut und offenbar eine sehr
belesene und vielgereiste Dame. Ich will einiges zitieren: In der
glcklichen Zukunft, wenn die hheren Frauenideale in unserer Umgebung
festen Fu gefat haben werden, werden alle erkennen, gleichviel welchem
Geschlecht sie angehren, da wir die Verrter an unserer eigenen Rasse
und an der Menschheit sind, wenn wir unqualifizierte Mutterschaft jedem
Mdchen als ihr hchstes Ideal vor Augen halten. ... Die englischen
Schulvorsteherinnen betrachten es, obgleich sie oft selbst unverheiratet
sind, als ihre heiligste Pflicht, den Schlerinnen einzuimpfen, da die
Mutterschaft ihre hchste Bestimmung sei, und die Schlerinnen machen
die Ehe zu ihrem hchsten Ziel, und jeder andere Erfolg im Leben mu an
zweiter Stelle stehen. Einige sehr brave Frauen in England sagen
unseren jungen Mdchen noch immer, da die Mutterschaft fr jede Frau
das hchste Ziel ist, ohne zu ahnen, da die von ihnen gepredigte Lehre
in gefhrlicher Weise zu jener gesetzlichen Prostitution fhrt, die
euphemistisch als lieblose Ehe bekannt ist, oder zu noch greren
beln. Wie kann dem Mdchen, dem man gelehrt hat, da die Mutterschaft
die einzige Bestimmung des Weibes ist, das Risiko wagen, sie zu
verpassen?

Ich antworte auf diese Einwnde: Natrlich wird kein vernnftiger Mensch
die unqualifizierte Mutterschaft den Mdchen als ihr hchstes Ideal
darstellen, und auch kein denkender Mensch wird glauben, da die
Mutterschaft die einzige Bestimmung des Weibes ist. Aber was die hchste
Bestimmung, das heit die edelste, anbetrifft, so mu ich schon sagen,
da wenn gute Mutterschaft (und in dem Wort gut mchte ich die besten
krperlichen und geistigen Eigenschaften inbegriffen sehen, durch die
gesunde, intelligente und wohlerzogene Kinder hervorgebracht werden),
nicht das Ideal erfllt, ich wohl wissen mchte, wodurch es erfllt
werden kann! Als Antwort auf diese Frage, die natrlich jeder Leser
stellen mu, gibt sich Mi Meakin mit der Konstatierung zufrieden, in
Finnland und Australien, sowie in Amerika und Norwegen lehre man den
Mdchen, da die hchste Bestimmung des Weibes von jeder Frau erreichbar
sei; da ihre hchste Bestimmung und ihr hchstes Ideal nicht von einem
Manne abhngen solle, der daher kommen mag oder nicht, und da es das
hchste Ideal des Weibes sei, eine echte Frau zu werden. Das ist ganz
schn, aber es ist viel zu vage, um als allgemeines Ideal der Frauen
hochgehalten zu werden. Das Ideal, das wir als erstrebenswert
hinstellen, mu enger umgrenzt sein. Was ist zum Beispiel im besonderen
eine _echte Frau_? Ich dchte, die Hauptbestandteile des Rstzeuges
einer echten Frau wren ihre Fhigkeiten fr Ehestand und Mutterschaft.

Mi Meakin tadelt die Lehrerinnen, weil sie ihren Schlerinnen die
Bedeutung der Mutterschaft mit dem Zusatz einprgen, jeder andere
Erfolg im Leben habe an zweiter Stelle zu stehen. Was sollte denn nach
Ansicht der Verfasserin die erste Stelle einnehmen? Glaubt sie
ernstlich, da der Erfolg der Frauen in Geschften oder in der Politik,
als Gemeindertinnen, Schriftstellerinnen, Knstlerinnen, Denkerinnen
von grerer Bedeutung ist als der Erfolg der Frauen als Mtter? _Ist
das mglich?_ Ich erinnere mich, da in einem Gedicht von W.E. Henley
ber die Frauenfrage eine Zeile lautet: Und Gott im Paradiesesgarten
lachte aus vollem Halse. Es mu heutzutage im Himmel oft schallendes
Gelchter geben, wenn die Frauenfrage auf der Erde diskutiert wird.

Dies gilt fr die Ideale +in abstractum+, aber wenn wir zu den Tatsachen
kommen, mu man zugeben, da die Folgerungen der Dame vernnftig sind.
In einem Lande, wo es um anderthalb Millionen mehr Frauen als Mnner
gibt, konstatiert sie treffend, ist es mehr als verrckt, jungen
Mdchen zu lehren, da die Mutterschaft ihre hchste Bestimmung sei.
Wenn eine solche Unterweisung hartnckig fortgesetzt wird, so wird sie
zu greren beln fhren, als wir aus der Entfernung beurteilen knnen.
Aber was fr ein greres bel kann es denn geben, als die Existenz von
30000 Prostituierten in London allein, wie es heutzutage der Fall ist.
Wenn man jeder dieser unglcklichen Frauen beigebracht htte, fest wie
an einen Glaubensartikel daran zu glauben, da die Mutterschaft ihre
hchste Bestimmung sei, dann wren weit weniger Nullen an dieser Zahl.

Mi Meakin fhrt fort: Neben den heiligen Pflichten der Mutterschaft
gibt es auch die nicht minder heiligen Pflichten der Vaterschaft;
und doch lt der Mann diese letzteren nicht in seinen geistigen
Entwicklungsgang eingreifen. Es ist auch gar nicht ntig, da die
Frauen dies tun. Von der Anschauung, da die Frau, um eine gute Gattin
und Mutter zu sein, ihre geistige Entwicklung verkmmern lassen und auf
jede Kultur verzichten msse, ist man schon lngst abgekommen.

Meiner Meinung nach entsteht das ganze bel daraus, da man die Mdchen
_eine_ Reihe von Schlagwrtern lehrt und die Knaben eine _andere_, wie
Stevenson sagt. Da die Frauen nicht durch sich allein Mtter werden
knnen, ist es nutzlos, die Mdchen zu lehren, da die Mutterschaft ihre
hchste Bestimmung sei, wenn wir nicht auch die Knaben lehren, da die
Vaterschaft ihre hchste Bestimmung ist, sondern ganz im Gegenteil ihnen
zu verstehen geben, da die Ehe etwas ist, das sie vermeiden sollen,
wenigstens im Jnglingsalter.

Wenn wir alle jungen Leute _beiderlei_ Geschlechts lehren wrden,
da eine wrdige Ehe und Elternschaft die hchste Bestimmung fr den
Durchschnitt der Sterblichen bedeutet, und sie nach dieser Vorschrift
handelten, dann wrden viele Zeitprobleme gelst, die Anzahl
berflssiger Frauen sehr vermindert, das soziale bel merklich in
Abnahme, die krperliche Beschaffenheit der Rasse besser sein, und die
Geburtsziffer wrde rasch steigen. Mit einem Wort, es gbe weniger
ironisches Lachen im Himmel und viel mehr eheliches Glck und Gesundheit
auf Erden. ber die Elternschaft als ein Ideal werde ich noch mehr im
vierten Teile zu sagen haben.




VI. Und wahre ihr die eheliche Treue -- der wunde Punkt in der Ehe

  Wir vergttern die Mnner und sie verlassen uns; andere behandeln
  sie wie die Hunde und sie kriechen ihnen nach und sind treu.

    _Oscar Wilde._


Und wahre ihr die eheliche Treue, so lange ihr lebet. Wie viele Mnner
haben dieses vielversprechende Gelbde mit dem ernsten Vorsatz abgelegt,
es zu halten? Zur Beantwortung dieser Frage stehen mir keine Daten zur
Verfgung, aber mein Glaube an die Vorherrschaft des Guten in der
menschlichen Natur ist gro genug, um anzunehmen da die meisten Leute
mit dem Vorsatz, treu zu bleiben, die Ehe beginnen. Dieser Glaube wurde
nicht einmal durch den Schrecken erschttert, den mir die Bemerkung
einer sehr modernen Braut verursachte: Max sagt, er kann mir's nicht
versprechen, treu zu bleiben, aber er wird sein mglichstes tun. Diese
erstaunliche Gengsamkeit war wohl geeignet, wenn nicht Bewunderung, so
doch Verwunderung zu erregen.

Schopenhauer behauptet, da die eheliche Treue bei Mnnern knstlich,
bei Frauen natrlich ist. Den Berichten der Ehegerichtshfe nach zu
urteilen, scheint sich dieser natrliche weibliche Zug einigermaen
abgeschwcht zu haben, da diese Ansicht vor mehr als 60 Jahren geuert
wurde. Dem Gesellschaftschroniqueur aus eigenen Gnaden zufolge gibt es
im Westend in London haufenweise gebrochene Gelbde.

Es ist gefhrlich, bei so einem Gegenstand zu verallgemeinern, aber da
die Leute der Versuchung weit seltener widerstehen, als die Ethiker es
annehmen, kann man wohl sicher behaupten, da, wenn die Mnner treu
sind, sie es hauptschlich aus Mangel an Gelegenheit, anders zu sein,
sind, oder weil sie keine Anlage dazu haben. Dies mag jene meiner
Leserinnen verstimmen, die nicht mit Prof. Lester _Ward_ anerkennen
wollen, da der Mann ein _ausschlielich polygamer Zweifler ist_;
aber die in den traurigen Dingen des Lebens Erfahreneren werden die
Wahrheit dieser Behauptung zugeben. Es geschieht andererseits, wenn eine
Frau die eheliche Treue bricht, selten blo aus leichtfertigen oder
gewinnschtigen Ursachen, sondern fast immer, weil sie in dem Bann eines
anderen Mannes steht oder uerst unglcklich in der Ehe ist und in der
Betubung durch irgendeine Liebelei Vergessen und Gleichgltigkeit
sucht. Vielleicht wird der hchste Richter, der gnadenreicher ist als
die Menschen, diese beiden Ursachen als Entschuldigung gelten lassen und
den Snderinnen verzeihen, die viel geliebt und viel gelitten haben.

Ein Doktor, der sich fr das Studium der sozialen Fragen sehr
interessierte, zeigte mir eine interessante Statistik ber diesen
Gegenstand. Von 76 aufs Geratewohl aus der Liste seiner Bekannten
herausgegriffenen Mnnern waren 14 kinderlos und mit Ausnahme von zweien
waren alle viel glcklicher als die meisten Mnner und gaben ihren
Frauen keine Ursache zur Eifersucht. Dieser hohe Prozentsatz von
glcklichen, wenn auch kinderlosen Ehen ist seltsam, und ich kann ihn
mir nicht erklren. Die brigen 62 hatten alle Familie. Fnf liebten
ihre Frauen sehr, jedoch nicht treu, zwei lebten nebenbei mit anderen
Frauen, drei andere waren unglcklich verheiratet und stritten
fortwhrend und erbittert, ber zwei weitere war mein Freund im Zweifel,
ein anderer mochte seine Frau nicht, war jedoch zu beschftigt, um sich
nach anderen Frauen umzusehen, die brigen 49 waren verhltnismig
glcklich und treu: die meisten von ihnen entgehen irgendeiner
strkeren Versuchung durch ein arbeitsreiches und regelmiges Leben,
fgte der Doktor hinzu, und jene, die besonders empfnglich fr das
schnere Geschlecht und seine Reize sind, haben schon genug Liebeleien
hinter sich, um noch welche auerhalb des Heims zu verlangen. Ich
vermute, da diese letztere Ursache bei einer groen Anzahl sogenannter
Mustergatten zutrifft.

Diese Liste kann jedoch kaum als erschpfend betrachtet werden, da sie
nur zwei Schauspieler, drei Soldaten, einen Seemann und keinen
Brsenmenschen enthielt, vier Klassen, in denen die unbestndigen
Ehegatten besonders zahlreich sind. Die Lebensbedingungen eines
Schauspielers veranlassen ihn offenkundig zur Untreue; die ungesunde
Erregung und die abwechselnde Niedergeschlagenheit im Leben eines
Brsenmenschen drften dieselbe Wirkung haben; Angehrige des Militrs
werden im allgemeinen fr weniger treu gehalten als andere Ehemnner,
aber wenn die Geschfts- und Gewerbsleute dieselbe leichte Gelegenheit
und Versuchung htten und einem hnlichen Ausma von Mue und Perioden
langer Trennung von ihren Frauen ausgesetzt wren, dann wrden sie sich
als ebenso untreu erweisen, wie man es von den Vaterlandsverteidigern
annimmt. Die Liste meines Freundes enthlt auch kein Mitglied der
Lebewelt, einer Klasse, in der man tatschlich, den Worten des Pater
Vaughan zufolge, keine treuen Ehemnner findet.

Wenn es die kleinen Dinge sind, die das eheliche Glck zerstren, so
sind es die groen, die Mann und Frau trennen, und von diesen ist die
Untreue die hufigste Ursache. Man kann sie geradezu _den wunden Punkt
der Ehe_ nennen. Nach meinem persnlichen Dafrhalten gibt es nur drei
Fehler, um derentwillen eine Frau ihren Mann verlassen sollte:
gewaltttige Trunksucht, zeitweiser oder stndiger Verkehr mit
Angehrigen des Haushaltes, und die Einfhrung einer Geliebten unter das
Dach der Frau. Wo Kinder sind, sind sogar diese Grnde nicht gengend,
wenn die Frau die Kinder nicht mitnehmen kann. Fr das letztgenannte
Vergehen allein konnte die Frau nach Justinianischem Gesetz die
Scheidung erlangen.

Kleine bertretungen der ehelichen Treue von seiten eines Gatten sollte
man am besten, wie alle anderen Trbungen, philosophisch aufnehmen.
Das ist freilich leicht gesagt -- man hrt oft, da die geschlechtliche
Eifersucht die rgste der seelischen Qualen ist. Die Mnner werden
strker von ihr befallen als die Frauen, und der Mann, dessen Frau
untreu ist, scheint rger zu leiden, selbst wenn er sie nicht gern hat,
als die Frau im umgekehrten Fall. Der Mann wird einem sagen, da das
daher kommt, weil seine Leidenschaften strker sind, oder weil er die
Mutter seiner Kinder als ein Wesen betrachtet, das ber der Snde des
Fleisches steht. Wahrscheinlich ist die wirkliche Ursache die, da der
Mann seit der Ehe im Garten Eden seine eigenen Wege gegangen ist, und
es bel aufnimmt, wenn er in seinen Gewohnheiten verkrzt wird. Die
Frauen knnen jedoch diesen Verlust leichter ertragen, da sie ja daran
gewhnt sind, ihren Herrn mit anderen zu teilen, seit ihr Geschlecht im
Gegensatz zu dem seinen so zugenommen hat. Oder haben die Frauen keinen
angeborenen Widerstand gegen die Polygamie?

Die Welt hat sich schon an die polygamischen Triebe des Mannes gewhnt
und sogar ihre Gesetze sind danach abgefat. In den Romanen verursacht
die Entdeckung der Untreue eines Ehegatten immer einen vollstndigen
Umsturz. Dem Leser werden seitenlang wahnsinnige Szenen aufgetischt; die
Frau verliert beinahe den Verstand; ihre Freunde und Verwandten sitzen
in dsterem Familienrat beisammen und besprechen, was zu geschehen
hat; die Neuigkeit wird in die Welt hinausposaunt, und niemand wrdigt
den abgetanen Ehemann auch nur eines Blickes.

Aber in Wirklichkeit behalten die Frauen diese Tragdien schn
fr sich und ertragen sie mit merkwrdiger Ruhe und Gelassenheit.
Glcklicherweise hat selten ein Mann so wenig Weltklugheit, um zu
erlauben, da seine Frau seine Untreue bekannt macht, und in der Regel
wrde eine Frau lieber sterben, als der Welt eine solche Wunde zu
zeigen. Die Last von der Untreue eines Ehegatten wird oft jahrelang
schweigend mit lchelnder Miene und erhobenen Hauptes von so mancher
Frau getragen, die zu stolz ist, um sich einzugestehen, da sie ihren
Mann nicht zu fesseln vermag. Erst wenn die Jahre sie an die Demtigung
gewhnt und ihrem Kummer den Stachel genommen haben, gnnt sie sich die
Erleichterung des Sichanvertrauens.

Wenige Frauen knnen verstehen, warum ein Gatte, obgleich er seine Frau
gern hat und ihr treu bleibt, doch irgendwo anders das sucht, was sie
ihm in seinen Augen nicht mehr bieten kann. Aber diejenige, die das
Leben gut genug kennt, um das zu verstehen, wei auch, da ihr Teil das
bessere ist, da sie im Leben ihres Mannes der Kern und die Triebfeder
ist, die noch lange bestehen bleiben, wenn seine zeitweiligen verliebten
Tollheiten lngst zu Asche gebrannt sind.

Nichtsdestoweniger ist vielleicht nach dem Worte allein das Wort
_untreu_ das traurigste und schrecklichste der menschlichen Sprache.
Man kann es sich in flammenden Lettern ber den Toren der Hlle
unzhlige Male geschrieben denken... Untreu, Untreu...!




Dritter Teil

Vorgeschlagene Alternativen


  Fr mich ist das einzige Heilmittel gegen die tdliche
  Ungerechtigkeit, das endlose Elend, die oft unheilbaren
  Leidenschaften, welche die Verbindung der Geschlechter stren,
  die Freiheit, die Ehefesseln zu sprengen und neue zu schmieden.

    _George Sand._

  Solange das Eheband nicht geschmeidiger geworden ist, wird die Ehe
  immer ein Risiko sein, auf welches besonders die Mnner nur mit
  Besorgnis eingehen werden.

    _H. B. Marriott-Watson._




I. Die Probeehe  la Meredith

  Nach zwanzig Jahren Liebesaffren sieht eine Frau wie ein Wrack
  aus, nach zwanzig Jahren Ehe wie ein ffentliches Gebude.

    _Oscar Wilde._


Die Probeehe war einer der Gebruche der frhrmischen Gesellschaft.
Heutzutage hat sie einen revolutionren Beigeschmack und ist so
offenkundig unanwendbar, da es kaum ntig wre, sie hier weiter zu
berhren, wenn ihr jngster und vornehmster Anwalt in der Moderne nicht
George Meredith wre. Jeder von dieser Seite kommende Vorschlag mu
sorgfltig beachtet werden. Auch ist diese Form der Ehe von dem groen
Philosophen Locke und von Milton in Betracht gezogen worden. -- Vor kaum
drei Jahren warf unser groer Romancier diese Bombe in eine entzckte,
obgleich keinen Beifall zollende Presse, aber da das Gedchtnis
heutzutage sehr kurz ist, drfte eine kurze Rekapitulation der nheren
Umstnde am Platze sein.

Der Anfang der Geschichte war ein Brief an die Times von Cloudesly
Brereton, in welchem ber die wachsenden Hemmungen der Ehe geklagt und
der Gepflogenheit gem die Frau als deren Urheberin angegriffen wurde.
Der Verfasser konstatierte, da in dem Mittelstand die Anforderungen
der modernen Frauen die Anziehungskraft der Ehe stetig untergraben.
Mit ihren stets wachsenden Ansprchen an die Zeit, die Energie und die
Geldmittel ihrer Gatten bilden die modernen Ehefrauen einen sehr
ernstlichen Hemmschuh, und in den unteren Gesellschaftsklassen erschwert
die Ehe direkt die Chancen des Mannes, Arbeit zu finden. Wie man die
Frauen fr diese letztere Ungerechtigkeit verantwortlich machen kann,
war klugerweise nicht gesagt. Es wre, glaube ich, schwer, die Anklage
zu erhrten.

Das Interessanteste an diesem Dokument war die darauffolgende Diskussion
in The Daily Mail und die gelungene Tatsache, da der Verfasser sich
wenige Wochen nach Erscheinen der Zuschrift verheiratete! Die bliche
Schmhung der Ehe im allgemeinen und der Frauen im besonderen folgte,
bis die verstorbene Mrs. Craigie sich der Diskussion anschlo und jene
besonderen Eigenschaften zarten Verstndnisses und wunderbarer Einsicht
in die Frauenseele zur Anwendung brachte, die zu den hervorragendsten
Merkmalen ihres glnzenden Werkes gehren. Es wre schade, aus einem
solchen Brief blo zu zitieren, und so gebe ich ihn denn ganz wieder:

Die Frauen sind da, wo es sich um Gefhle handelt, nicht eigenntzig
genug. Sie schlagen sich nicht zu hoch, sondern zu niedrig an. Die gegen
ihre eigene Existenz gerichtete Selbstlosigkeit der modernen Frau
ermglicht den Eigennutz des modernen Junggesellen. Die Junggesellen
sind nicht alle Weiberfeinde, und die Tatsache, da ein Mann ledig
bleibt, ist kein Beweis dafr, da er fr die Reize der weiblichen
Gesellschaft unempfnglich ist, oder da er diese Gesellschaft nicht in
unverbindlichen Beziehungen in ganz gehrigem Mae geniet. Warum soll
der junge Mann des Durchschnitts, der durch Anlagen oder Erziehung
egoistisch ist, schwer arbeiten oder Opfer bringen um einer besonderen
Frau willen, wenn so viele geneigt sind, sein Leben zu teilen, ohne da
er sich bindet, und noch so viele andere eifrig hinter ihm her sind, um
jede Ritterlichkeit oder Zrtlichkeit, die ihm angeboren sein mag, zu
zerstren? Die modernen Frauen geben den Junggesellen keine Gelegenheit,
sie zu vermissen, und keinen Anla, ihrer zu bedrfen. Ihre Hingebung
entbehrt der Selbstzucht, und sie wird eher ein Fluch als ein Segen fr
ihren Gegenstand. Warum? Weil die Frauen diese seltsame Macht der
Konzentration und Selbstverleugnung in ihrer Liebe haben. Sie knnen
sich nicht genug tun, um ihre Liebenswrdigkeit zu beweisen. Und wenn
sie alles getan und sich nicht die Mhe genommen haben, ihre eigene Lage
zu sichern, dann erkennen sie, da sie durch ein berma an Edelmut und
den Wunsch angenehm zu sein, gefehlt haben. Das ist die den Junggesellen
bezeigte Selbstlosigkeit.

In einer Antwort auf diesen Brief forderte eine andere
Romanschriftstellerin, Florence Warden, von Mrs. Craigie Auskunft ber
die Existenz solcher Frauen, aber sie erzielte keine weitere Erwiderung.
The Daily Mail erluterte dies folgendermaen: Hunderttausende
unserer Leser knnen aus eigener Erfahrung eine Antwort auf diese
bemerkenswerte Behauptung geben, und wir sind nicht im Zweifel ber den
Inhalt ihrer Antwort. Man kann sich vorstellen, da das mit Hinsicht
auf die Leser an den Frhstckstischen der Villenkolonien geschrieben
wurde; aber die Mnner und Frauen, die im Leben stehen, deren Erfahrung
nicht auf die Villenkolonien beschrnkt ist, werden die unzweifelhafte
Wahrheit der Behauptungen von Mrs. Craigie anerkennen. Wenn ich auch
zugebe, da der von ihr beschriebene Stand der Dinge zwischen den
Geschlechtern richtig ist, wage ich ergebenst ber die Ursachen dieses
bermaes an Edelmut anderer Meinung zu sein. Bei den Frauen ist
riesig viel Selbstlosigkeit angesammelt, aber sie wird meiner Meinung
nach nicht in dieser Richtung verausgabt. Das Motiv ist vielmehr der
leidenschaftliche Wunsch nach eigener Freude, Befriedigung ihrer eigenen
Eitelkeit durch den Beifall seitens des mnnlichen Geschlechts, die oft
auf Kosten ihrer Selbstachtung geht. H.B. Marriott-Watson nimmt
denselben Standpunkt in einem spteren Brief ein: Die Selbstlosigkeit
erstreckt sich nicht auf die Liebessphre. Geschlechtsanziehung ist
praktisch unvereinbar mit Altruismus, und der Grad des Verzichts ist dem
Grad der Neigung gerade entgegengesetzt. Diese Ordnung der Dinge hat die
Natur so eingerichtet, und es ntzt nichts, sie bannen zu wollen. Eine
Frau mag ihr Leben fr den Mann, den sie liebt, dahin geben, aber sie
wird ihn nicht einer Rivalin ausliefern.

Ein anderer interessanter Brief kam von Helen Mathers, die konstatierte,
da alle Frauen heiraten sollten, aber kein Mann -- da die Vorteile
des Ehestandes ihrer Meinung nach einzig und allein auf seiten der
Frauen seien.

In diesem Augenblick erschien der Beitrag von George Meredith zur
Diskussion in der weniger autoritativen Form eines Interviews, nicht als
Brief oder Artikel, wie nach diesem Zeitabschnitt sehr viele Leute zu
glauben scheinen. Als ich dieses Interview neulich wieder durchlas, war
ich von den besonders altmodischen Vorstellungen George Merediths ber
die Frauen betroffen. Wo es sich um die Frauenfrage handelt, da scheint
er um mehrere Jahrzehnte im Rckstand zu sein.

Das groe bel der Sache, behauptet er, ist, da die Frauen so
unerzogen, so unfertig sind. Die Mnner brauchen zu oft eine Sklavin und
denken hufig, da sie eine bekommen haben; nicht, weil die Frau nicht
oft gescheiter ist als ihr Mann, aber weil sie so unausgesprochen und
nicht genug dazu erzogen ist, ihren wirklichen Gedanken und Gefhlen
Ausdruck zu verleihen.

So war es, _bevor_ die Suffragettes aufkamen; aber es ist eine gengend
berraschende Behauptung fr das Jahr 1904. Er fhrt fort: Ich frage
mich, ob ein junges, des Lebens uerst unkundiges Mdchen, das, sagen
wir, mit achtzehn Jahren heiratet, wenig von dem Mann, den sie heiratet,
und noch weniger von irgend einem Mann auf der Welt versteht, dazu
verurteilt werden soll, mit ihm den Rest ihrer Tage zu verbringen. Bald
sympathisiert sie nicht mehr mit ihm, ja, sie hat keine Neigungen
gemeinschaftlich mit ihm, keine wirkliche Gemeinschaft auer einer
physischen. Das Leben ist ihr fast unertrglich, und doch fhren es
viele Frauen weiter, aus Gewohnheit oder weil die Anschauungen der Welt
sie terrorisieren.

Das ist allerdings wahr. Aber Meredith spricht, als wenn es wie zu
unserer Gromtter Zeiten noch die Regel wre, da Mdchen unter zwanzig
Jahren heiraten, whrend es doch jetzt geradezu die Ausnahme ist. Mit
jedem Jahr scheint das Heiratsalter hinauf zu gehen, und errtende
Brute im Myrtenkranz werden in einem Alter zum Altar gefhrt, in dem
sie vor fnfzig Jahren alte Jungfern mit Haube und Pulswrmern gewesen
wren. Wenn ein Mdchen verrckt genug ist, gleich nach Verlassen der
Schulstube zu heiraten, dann mu sie auf das enorme Risiko gefat sein,
das die Wahl eines Gatten in so unreifen Jahren mit sich bringt.

An anderer Stelle sagt Meredith: Die Ehe ist so schwer, ihre modernen
Bedingungen so erschwerend, da man zwei gebildeten Leuten, die sie
eingehen wollen, nichts in den Weg legen sollte... Gewi werden eines
Tages die gegenwrtigen Bedingungen der Ehe gendert werden, sie wird
auf einen bestimmten Termin, sagen wir zehn Jahre -- oder ich brauche
keinen _bestimmten_ Termin zu nennen -- gestattet sein. Der Staat wird
darauf sehen, da gengend Geld weggelegt wird, um fr die Kinder zu
sorgen und sie zu erziehen; vielleicht wird der Staat dieses Kapital
selbst verwalten. Es wird einen hllischen Aufruhr geben, bevor eine
solche nderung durchgefhrt wird; es wird eine groe Erschtterung
sein, aber blickt nur zurck und seht, was fr Erschtterungen es schon
gegeben hat, und welche Vernderungen dennoch in Ehesachen in der
Vergangenheit Platz gegriffen haben.

Die Schwierigkeit liegt darin, das Publikum daran zu gewhnen, einem
solchen Problem in die Augen zu sehen. Die Englnder brauchen es mehr
denn irgendeine Nation in der Welt, in Disziplin zu leben. Sie wollen
nicht vorwrts schauen, besonders nicht die Regierenden. Und es gehrt
Philosophie dazu; und das englische Volk dazu zu kriegen, da es das
bloe Wort Philosophie in seinen Diskussionen ber so ein Thema zult,
ist mehr, als man erhoffen kann. Immer wieder, besonders in der Kritik
Amerika gegenber, sieht man, wie die Englnder hartnckig alle neuen
Bestrebungen als Zeichen von Krankhaftigkeit betrachten, und doch sind
sie ein Zeichen von Gesundheit.

Man sieht, da Meredith den Termin von zehn Jahren als einen Vorschlag
behandelt. In einem Essay von Stevenson wird einer Dame gesagt: Nach
zehn Jahren ist einem der Gatte wenigstens ein alter Freund, und ihre
Antwort war: Ja, und man mchte, da er einem nur das und nichts
anderes wre. Der Abschnitt von zehn Jahren hat eine besondere
Bedeutung in der Ehe. Nachdem das erste kritische Jahr vorber ist,
richten sich's die meisten Paare ziemlich behaglich ein, -- bis zum
zehnten Jahre. Der Prsident des Ehegerichtshofes hat dieses Jahr den
gefhrlichen Wendepunkt im Eheleben genannt. Ein spterer Brief in der
Daily Mail, welcher dem von George Meredith zustimmte und die
gegenwrtige Form der Ehe eine Verurteilung auf Lebensdauer nannte,
schlgt einen noch krzeren Zeitabschnitt vor, z.B. fnf Jahre, da
whrend dieser Zeit ein Ehepaar Glck oder das Gegenteil gefunden haben
kann, und in letzterem Falle mte man zu lange auf die Freiheit warten.

Ein Mitarbeiter eines anderen Blattes erwhnte Amerika als ein Beispiel
der in volle Kraft getretenen Zeitehe. Es erhellt aus der Statistik
eines amerikanischen Bischofs, da die Bevlkerung der Vereinigten
Staaten schon jetzt unter den von Meredith vorgeschlagenen Bedingungen
lebt. Im Jahre 1903 wurden nicht weniger als 600000 amerikanische Ehen
geschieden. Das bedeutet eine Scheidung auf je vier Ehen. In manchen
Gegenden war das Verhltnis fast eins zu zwei, und die hufigste Ursache
der Scheidung war das Bedrfnis nach Abwechslung.

Es scheint mir, da die Einfhrung der Probeehe nur allgemeines Elend
und Verwirrung zur Folge haben wrde, dem gegenber die gegenwrtige
Summe ehelichen Unglcks nur ein Tropfen im Meere wre. Wenn unsere
Ehegesetze abgendert werden mssen, dann wollen wir hoffen, da es
nicht in dieser Richtung geschieht, ob zwar es ganz klar ist, da eine
solche nderung Tausenden von Mnnern und Frauen, die aus irgendeinem
Grunde dazu gelangten, ihre Fesseln zu verabscheuen, eine Wohltat wre.
Ob sie nicht auch die prosaische Zufriedenheit, die unter einigen
Millionen Menschen als Glck gilt, zerstren wrde, ist eine zu weit
greifende Frage, um hier mehr als gestreift zu werden.

Das Schicksal jener, die auf Lebensdauer an Mondschtige,
Verbrecherische und Trunkschtige gebunden sind, ist gewi
erbarmungswrdig; aber eine Erweiterung der Scheidungsgesetze wrde
nur die Ausnahmsflle treffen, ohne das Eheband der Normalen zu
beeintrchtigen. Ich habe getrachtet, im folgenden Kapitel auf einige
der vielen Schwierigkeiten der Probeehe hinzuweisen.




II. Die Ehe auf Probe in der Praxis

Ein Dialog im Jahre 1999

  Eines frchten die Frauen mehr als das Zlibat -- nmlich, da man
  sie verschmht.

    _Marcel Prvost._


(Katharine und Margarete, zwei reizende Frauen im kritischen Alter der
Vierziger, nehmen zusammen ihr Frhstck ein. Sie sind alte Freundinnen
und haben einander jahrelang nicht gesehen.)

Margarete: Wie hbsch ist es, wieder beisammen zu sein. Aber es tut mir
leid, da du so verndert bist. Du siehst nicht glcklich aus. Was ist
dir?

Katharine: Ich sollte glcklich aussehen. Ich habe wirklich Glck
gehabt, aber ich bin, aufrichtig gestanden, schrecklich mde. Die
Eheverhltnisse sind heutzutage entsetzlich ermdend, findest du nicht?

M.: Ja, wir entbehren freilich jenes Gefhl des Friedens und der
Sicherheit, von dem unsere Mtter sprachen, aber wir haben auch nicht
jene entsetzliche Eintnigkeit. Denke dir nur, Jahr um Jahr, dreiig,
vierzig, fnfzig Jahre mit demselben Mann zu leben! Wie wrde man seiner
Launen berdrssig werden!

K.: Das wei ich gerade nicht. Die Gleichfrmigkeit der Stimmungen ist
noch immer besser als die Abwechslung. Alle Leute haben Stimmungen. Und
dann kommt es mir vor, da mit unseren Vtern durchaus nicht so schwer
auszukommen war wie mit unseren Gatten. Sieh, in frheren Zeiten wuten
sie, da sie frs Leben gebunden waren, und das gebot ihnen Einhalt. Das
scheint ihnen heutzutage zu fehlen.

M.: Ja, ja, es ist etwas daran. Ich erinnere mich, da meine Gromutter,
die am Ende des vorigen Jahrhunderts verheiratet war, zu sagen pflegte,
ihr Mann sei ihr _Rettungsanker_, und er nannte sie seinen _Hafen des
Friedens_.

K.: Oh, wie beneide ich sie. Das brauche ich eben so sehr: einen Anker,
einen Hafen. Wie friedlich mssen sie gelebt haben, bevor dieses
schreckliche neue Ehesystem aufkam.

M.: Die Leute fanden das offenbar nicht; denn wozu sollten sie dann
Abnderungen getroffen haben? Aber was hast du gegen das System? Du hast
vier Mnner gehabt und bist von den beiden ersten fast so rasch fort als
das Gesetz es erlaubt.

K.: Ja, und ich bin erst einundvierzig Jahre alt. Ich habe zu frh
angefangen: mit achtzehn; und man nimmt die Ehe unwillkrlich leicht,
wenn man wei, da sie nur fnf Jahre zu dauern braucht. Man geht sie
ebenso gedankenlos ein, wie unsere glcklichen Mtter ihre Flirts
einzugehen pflegten.

M.: Aber die Folgen sind doch ernster. Wir sind enttuschte Frauen in
einem Alter, in dem sie noch frohmtige junge Mdchen waren.

K.: Ja, der Familiennachwuchs macht die Sache so schwer. Die Vaterschaft
ist heutzutage direkt ein Kultus geworden. Alle meine Gatten waren
Fanatiker der Nachkommenschaft, und ich habe acht Kinder gehabt.

M.: Acht Kinder! Dann ist es kein Wunder, da du herabgekommen
aussiehst.

K.: Ganz richtig. Meine Mutter wre entsetzt gewesen. Zwei oder drei,
hchstens vier war die richtige Anzahl zu ihrer Zeit, und fnf war ein
Verhngnis und sehr selten.

M.: Gut, meine Liebe, du httest doch nicht so viele haben mssen. Du
httest den Vaterschaftskultus etwas eindmmen sollen. Keine Frau kann
heutzutage gezwungen werden, Kinder zu haben, wie unsere unglcklichen
Gromtter. Hast du alle acht bei dir?

K.: Nein, das ist es eben. Ich mochte nicht so viele haben, aber wenn
sie schon einmal da sind, so mchte ich sie auch bei mir haben, und ihre
Vter wollen sie natrlich auch.

M.: Oh, meine Liebe, wie rgerlich. Wenn man heutzutage Kinder hat, ist
das das Unangenehmste daran. Manchmal bin ich froh, da ich keine habe.

K.: Dann kennst du vielleicht nicht das Gesetz ber die Kinder in
unserem jetzigen Ehesystem? Eine gewisse Summe mu jhrlich fr jedes
Kind in den groen Staatskindertrust eingezahlt werden; wenn die Ehe
gelst wird, wird blo der Mutter die Aufsicht bertragen, falls der
Vater sich nicht daran zu beteiligen wnscht. In letzterem Fall
verbringen die Kinder ein halbes Jahr bei der Mutter, ein halbes beim
Vater.

M.: Das ist schn.

K.: Das glaube ich. Aber, ach! schrecklich hart fr eine Mutter. Meine
zwei lteren Mdchen sind beinahe schon erwachsen; sie waren einige
Jahre im Pensionat, und es war fr George und mich ganz leicht, ihre
Ferien zwischen uns zu teilen. Aber jetzt kann ich sie nicht mehr in der
Schule lassen, und sie werden das halbe Jahr bei ihm verbringen. Gott
sei Dank ist er schon einige Zeit nicht verheiratet und scheint es auch
nicht zu beabsichtigen. So habe ich nicht den Einflu einer fremden Frau
zu frchten; aber wie kann ich sie leiten, wie kann ich die richtige
Kontrolle ber sie haben oder irgendeinen Einflu unter diesen Umstnden
auf sie ausben?

M.: Ja, das mu sehr traurig fr dich sein.

K.: Es ist schrecklich, aber es gibt noch etwas viel rgeres. Gordon,
der Vater von Arthur und Maggie, hat wieder geheiratet, und seine Frau
ist auf die ltesten Kinder eiferschtig und sehr rgerlich, wenn sie
bei ihm sind. Und mein kleiner Arthur ist so zart, er braucht soviel
Sorgfalt und Studium. Ich habe keinen glcklichen Augenblick, wenn er
bei ihnen ist. Er gedeiht auch nicht recht bei den anderen Kindern.
Immer, wenn er von den Besuchen zurckkommt, sieht er krank und
unglcklich aus. Ich kann dir nicht schildern, was ich wegen Arthur
gelitten habe. Oh, wenn ich an ihn denke, knnte ich dieses
niedertrchtige Ehesystem verwnschen. Es ist wider die Natur.

M.: Ach, meine Liebe, man mu ja auch die Gesetze nicht ausntzen. Warum
bist du nicht mit Gordon geblieben oder in erster Ehe mit George? Das
kommt sogar jetzt oft vor.

K.: Ich wei es, ich wei es, aber George und ich, wir paten
schrecklich schlecht zusammen. Wir heirateten als halbe Kinder. Bei dem
alten System kamen gewhnlich vernnftige Eltern dazwischen, und die
jungen Leute muten warten, bis sie ihrer selbst sicher waren. Aber du
weit ja, wie es jetzt ist. In der ersten jugendlichen Verliebtheit
glaubt man auf wenigstens fnf Jahre sicher zu sein, und darber hinaus
braucht man ja nicht zu sorgen.

M.: Gut. Also du warst vierundzwanzig, als du Gordon heiratetest; warum
hast du _ihn_ nicht vorsichtiger gewhlt?

K.: Das war zum groen Teil eine wirtschaftliche Sache, wie ich in
einem alten Stck, genannt das Frauenstimmrecht vor einiger Zeit las
-- wie wunderlich waren dazumal die Vorstellungen. Es kam auch etwas
anderes darin vor, darber da vierundzwanzig Jahre im allgemeinen
nicht so jung wre, es aber mit der Auffassung der Zeit geworden sei.
Ich war wohl alt genug, um vernnftig zu handeln, aber ich war
leichtlebig und liebte den Luxus, und ich konnte mit dem wenigen, was
George mir dem Gesetz nach auszuzahlen hatte, nicht auskommen. Ich gebe
ihm ja keine Schuld, denn es war alles, was er tun konnte, wenn er die
fr die Kinder ntige Taxe bestreiten sollte. So heiratete ich Gordon
eines Heims halber, und freilich war das abscheulich.

M.: Und dein dritter Mann starb?

K.: Ja, der eine, der htte leben sollen, stirbt gewhnlich. Ich verlor
ihn nach blo zweijhriger Ehe, aber ich kann gar nicht von ihm
sprechen. Er war fr mich das Ideal eines Gatten.

M.: Ach, es freut mich, da du das gehabt hast.

K.: Oh, ich habe noch Glck gehabt bei allen Milichkeiten, ich sagte
dir's ja. Ich blieb vier Jahre, nachdem ich meinen Liebsten verloren
hatte, ledig, und ihm wre ich gerne ewig treu geblieben. Aber ich war
nicht stark genug. Trotz der lieben Kinder war ich sehr einsam, da die
lteren immer in der Schule waren.

M.: Ja freilich, und man braucht ja auch einen Mann, der einen betreut.

K.: Das ist richtig. Das ist eine verhngnisvolle Schwche. So heiratete
ich zum Schlu meinen lieben, guten Duncan, hauptschlich um einen
Gefhrten zu haben. Ich whlte ihn vorsichtig genug. Die Erfahrung hat
mich so manches gelehrt, und ich wollte nicht mit vierzig Jahren im
Stich gelassen werden, wie es so vielen geschieht.

M.: Es freut mich, da er gut gegen dich ist. Ja, es ist wirklich
entsetzlich, wie viele Frauen verlassen sind, gerade, wenn sie die
Frsorge und die Liebe am meisten brauchen, wenn ihr jugendlich frisches
Aussehen dahin und ihre Energie geschwcht ist. Aber warum bist du
eigentlich so abgehrmt, wenn du das nicht zu frchten hast?

K.: Ich bin nicht gerade abgehrmt -- ich bin verbraucht. Zwanzig Jahre
unsichere husliche Verhltnisse sind genug, um einen zu erschpfen. Ich
konnte mich nirgends endgltig daheim fhlen oder mich einer
Anhnglichkeit fr einen Ort hingeben oder auch nur einen Garten fr
mich pflanzen. Der Freundeskreis wechselt immer, die Leute scheinen
jetzt keine Huser und Gter zu kaufen oder sich irgendwo festzuwurzeln.
Wie beklagten sie sich vor vierzig Jahren ber das gewohnheitsmige
Leben! Sie wuten wenig davon, wie elend das Leben sein kann aus Mangel
einer Gewohnheit.

M.: Ich mag die Einfrmigkeit nicht, aber sie hat gewi ihre Vorteile.
Erinnerst du dich an meinen ersten Mann, Dick? So ein schner Mensch. Er
war total vernarrt ins Golf und die Freiluftspiele, und ich nahm ganz
seine Lebensgewohnheiten an. Da war es denn eine harte Prfung fr mich,
als ich Cecil Innes heiratete, der das Freie nicht mochte und sich nur
fr Bcher und Herumstbern in Museen interessierte.

K.: Warum hast du Dick verlassen?

M.: Ich wollte ihn nicht verlassen. Wir lebten sehr traulich
miteinander. Aber er verliebte sich in eine andere Frau. Er war ganz
vernarrt in sie und verlangte, da ich ihn freigebe. Da ich keine Kinder
hatte, hielt ich es nur fr anstndig, nachzugeben. Cecil interessierte
mich im Anfang sehr, und er vergtterte mich. Aber ich hatte ein
dsteres Leben bei ihm. Du weit, ich bin nicht ein bichen literarisch
angehaucht, und er war so schngeistig und ein solcher Bcherwurm. Er
dete mich tdlich an. Ich war froh, an seiner Statt Jack zu nehmen,
meinen jetzigen Mann, aber Cecils Kummer, als ich ihn verlie, war so
entsetzlich, da ich ihn nie vergessen werde, und als er bald nachher
starb, hatte ich das Gefhl, eine Mrderin zu sein.

K.: Das mu eine schmerzliche Erfahrung gewesen sein. Aber man gewhnt
sich an diese Tragdien. Man hrt von so vielen. Immer will eines frei
sein und eines gebunden bleiben.

M.: Ja; und die stillschweigende Tradition, da es eine Ehrensache ist,
den unfreiwilligen Gefhrten nie zum Bleiben bestimmen zu wollen, hebt
das Gesetz auf, da die Ehe nur enden kann, wenn beide Teile es
wnschen.

K.: Ich bin berzeugt, da die Tragdien der Trennung, von denen man
heutzutage hrt, weit rger sind als die durch die Ehefesseln
gelegentlich hervorgerufenen Tragdien der guten alten Zeit -- und auch,
da sie viel hufiger sind.

M.: Es wre keine solche Ironie, wenn _irgend jemand_ etwas davon htte.
Aber soweit ich es beurteilen kann, leiden die Mnner fast ebensoviel
darunter wie die Frauen, besonders wenn sie alt sind. Den Zeitungen aus
dem Anfang des Jahrhunderts zufolge, konnte ein alter Junggeselle oder
ein Witwer immer eine junge und reizende Frau bekommen. Aber heute wird
niemand einen ltlichen Mann heiraten, ausgenommen eine alte Frau, und
an denen liegt den Mnnern nichts.

K.: Das ist sehr schade. Sie wrden auf diese Weise vielem Unglck
steuern, das man allerwrts sieht. Auf seine alten Tage ganz verlassen
dazustehen, mu schrecklich sein.

M.: Da wir gerade von den Zeitungen reden, mu ich dir sagen, wie
belustigend es ist, sie im British Museum zu lesen und aus ihnen zu
ersehen, was fr Wunder von dem System der Ehe auf Probe erwartet
wurden, als man es zuerst gesetzmig festlegte. Alle die Mistnde des
alten Systems sollten verschwinden: die Scheidung, der Ehebruch, die
Prostitution, die Verfhrung, mit all diesen sozialen beln sollte
grndlichst aufgerumt werden.

K.: Wie unsinnig kurzsichtig waren die Leute damals! Die Scheidung ist
allerdings abgeschafft, aber die Skandale und der Kummer, die
gebrochenen Herzen und die zerstrten Familienleben, die sie
verursachte, sind vertausendfacht. Die Untreue mag jetzt weniger hufig
sein, aber wenn die Leute dazu Lust und Gelegenheit haben, dann haben
sie keine Lust, eine gewisse Anzahl von Jahren zu warten, bis es dem
Gesetz nach keine Snde mehr ist. Ebenso ist es mit den anderen
Mistnden. Es wird immer eine groe Zahl von Mnnern geben, die die Ehe
aus finanziellen oder anderen Grnden hinausschieben, und eine groe
Zahl Frauen, die nur auf eine Weise ihr Leben zu verdienen verstehen,
und der lteste Erwerbszweig der Welt wird immer im Gang gehalten
werden. Auch die Verfhrung wird nicht aufhren, so lange die Gesetze
dieses Vergehen so milde beurteilen. Es wird immer unwissende, dumme und
unbeschtzte Mdchen geben und immer Mnner, die daraus ihren Vorteil
ziehen.

M.: Es scheint auch ebensoviele alte Jungfern zu geben wie frher; die
Frauen, welche fr die Mnner nichts Anziehendes haben, bleiben bei
jedem System dieselben, und oft sind sie die besten Frauen.

K.: Wie seltsam mu es sein, _nie einen Mann gehabt zu haben_.

M.: Es mu jedenfalls recht friedlich sein. Aber die alten Jungfern
sehen durchaus nicht glcklicher aus als die verheirateten Frauen.

K.: Ich sehe nur ein gutes Resultat des Systems der Ehe auf Probe: da
die Frauen sich jetzt ebensosehr nach der Mutterschaft sehnen als sie im
Anfang des Jahrhunderts bestrebt waren, sie zu vermeiden. Wir altern mit
der Furcht vor fast sicherer Verlassenheit und Vereinsamung, und die
einzige Hoffnung fr unser Alter sind unsere Kinder -- ach, verzeihe,
ich verga, da du keine hast.

M.: Ach geh -- ich denke ja oft daran, und wenn Jack gegen eine andere
Frau aufmerksam ist oder sie bewundert, frchte ich mich schrecklich
davor, da er eine neue Anziehungskraft gefunden hat und mich verlassen
knnte. Was fr dummes Zeug sie frher ber die Notwendigkeit der freien
Liebe zusammengeschrieben haben! Als wenn die Freiheit etwas so
Herrliches wre. Wir sind ja doch alle Sklaven irgendeiner Konvention,
einer Leidenschaft oder einer Theorie. Niemand von uns ist wirklich
frei, und wenn wir es wren, wrde es uns gar nicht befriedigen. Fr die
romantische Liebe in den Romanen mag die Freiheit in der Liebe ja ganz
schn sein; aber jenes eigene Bedrfnis der Geschlechter nacheinander,
das wir in Ermanglung eines besseren Ausdrucks im praktischen Leben
Liebe nennen, das mu in ein festes Band geschmiedet werden; oder wie
sollen wir arme schwankende Sterbliche uns sonst helfen? Die Liebe mu
ein Anker im wirklichen Leben sein -- nichts anderes ist gut fr uns!




III. Das Fiasko der freien Liebe

  Der letzte Gesichtspunkt, aus welchem alle das Betragen der Menschen
  beurteilen, ist das daraus folgende Glck oder Unglck.

  Ein Verhalten, dessen mittelbare oder unmittelbare Endresultate
  schdlich sind, ist ein schlechtes Verhalten.

    _Herbert Spencer._


Die freie Liebe ist die gefhrlichste und trgerischeste Form aller
Ehesysteme genannt worden. Sie ist auf einem ganz unmglichen ethischen
Standpunkt begrndet. In der Theorie ist sie die ideale Verbindung der
Geschlechter, aber sie wird nur dann praktisch mglich sein, wenn Mann
und Frau sich sittlich total verndert haben werden. Wenn die Leute alle
treu, bestndig, seelenrein und uerst selbstlos sind, dann mag die
freie Ehe in Betracht gezogen werden. Selbst dann htten die Unschnen
und Reizlosen keine Chancen.

Unter den gegenwrtigen Bedingungen hat noch kein in _offener_ freier
Liebe lebendes Paar dieselbe erfolgreich durchgefhrt, ich meine mit
einem gediegenen, stndigen Erfolg. Ich glaube, es gibt Paare, die ohne
ein dauerhafteres Band als ihre gegenseitige Liebe glcklich miteinander
leben, aber sie stellen sich klugerweise unter den achtunggebietenden
Schutz des Eherings und nennen sich Mann und Frau. So braucht die eben
flgge gewordene freie Liebe nicht gegen die gewaltige Kraft des
gesellschaftlichen Bannes zu kmpfen, und berdies hat man kein Mittel,
zu erfahren, wie lange diese Verbindung den Versuchungen der Zeit
widersteht. Die zwei bemerkenswerten modernen Beispiele von freier
Liebe, an die ich mich hier natrlich erinnere, sind George Eliot und
Mary Godwin. Aber bei beiden waren die Mnner schon verheiratet. Sobald
Harriet gestorben war, heiratete Mary Godwin den Dichter Shelley und als
George Lewes dahinschied, heiratete George Eliot einen anderen Mann,
eine Handlungsweise, welche die meisten Leute viel weniger verzeihlich
finden als ihr ungeregeltes Verhltnis mit Lewes. Selbst die berhmten
Perfektionisten von Oneida fielen nach dem Tode ihres Fhrers Noyes auf
seinen eigenen Wunsch in die gewhnliche Eheform zurck.

Im Ostende von London ist die Institution der freien Liebe sehr
verbreitet, aber nach den Erfahrungen der Polizeibehrde sind ihre
Resultate sicher nicht ermutigend. Ich hrte auch, da sie bei den
Kattunarbeitern von Lancashire sehr allgemein ist; das System der
+collage+ herrscht auch in den arbeitenden Klassen Frankreichs vor und
scheint sich recht gut bewhrt zu haben. Aber nur da, wo die Fhigkeit
und Gelegenheit der Frauen, sich selbst zu erhalten, vorhanden ist, ist
die freie Ehe vom konomischen Standpunkt berhaupt durchfhrbar, und
selbst dann bleibt die ernste Frage der unehelichen Kinder. Alle billig
Denkenden mssen einsehen, da die Haltung der Gesellschaft den
unehelichen Kindern gegenber uerst ungerecht und grausam ist, da sie
die vollkommen Unschuldigen straft. Aber jeder erwachsene Mensch kennt
diese Haltung, und jene, welche ihr trotzen, um ihrer Annehmlichkeit
willen oder der Befriedigung einer Experimentierlaune zuliebe, tun es im
vollen Bewutsein, da auf ihrem Kind sicher der Druck lebenslnglicher
Benachteiligung lasten wird. Vielleicht werden viele durch dieses
Bewutsein davon abgeschreckt, das Sittengesetz zu durchbrechen; aber
die Zahl der in England und Wales geborenen unehelichen Kinder war im
Jahre 1905 37300 und ich glaube, es ist im Interesse dieser
unglcklichen Opfer der Selbstsucht anderer _hchste Zeit_, da eine
gtigere und weniger engherzige Haltung ihrer entrechteten Stellung
gegenber eingenommen wird.

Ich erinnere mich, als junges Mdchen ein Stck gesehen zu haben mit dem
Titel Ein Veilchenstrau߫. -- Die Heldin entdeckt, da die frhere Frau
ihres Mannes noch lebt, und ihr Kind daher unehelich ist. Sie sagt ihrer
Tochter, sie mge zwischen ihren Eltern whlen und erklrt ihr die
Vorteile des Verbleibens bei ihrem reichen und einflureichen Vater.
Die Ansprache schliet mit den Worten: Bei mir wirst du arm und in
Schmach leben, und du kannst nie heiraten! Zweifelsohne wurde dieser
Gesichtspunkt einzig und allein in Anbetracht der jungen Mdchen im
Zuschauerraum festgehalten, aber seine Unvernunft stie mich ab. Selbst
der beschrnkten Intelligenz einer Siebzehnjhrigen ist es klar, da ein
unehelich geborenes Mdchen lieber so schnell als sie nur kann heiraten
sollte, um einen brgerlichen Namen zu erhalten, wenn schon ein Name von
solcher Bedeutung im Leben ist. Es wurde krzlich viel ber die
freie Liebe im Zusammenhang mit dem Sozialismus diskutiert, und
hchstwahrscheinlich dank der Entstellungen gewisser Zeitungen scheint
die Vorstellung Platz gegriffen zu haben, da die Abschaffung der Ehe
und ihr Ersatz durch die freie Liebe ein Teil des sozialistischen
Programms sei. Es knnte unmglich eine unwahrere Anklage erhoben
werden, wie die Umfrage bei den Fhrern der verschiedenen
sozialistischen Krperschaften rasch erweisen wird.

Die Leute, welche fr die freie Liebe pldieren, fhren gern ins
Treffen, da eine so persnliche Angelegenheit nur sie selbst angeht.
Alle, die so denken, sollten sich eine +cause clbre+ der letzten Zeit
zur Warnung dienen lassen, in welcher Selbstmordversuch, krppelhafter
Nachwuchs und ein die unschuldigen Kinder bis zur dritten Generation
umstrickendes Gewirr von Elend sich als die Folgen einer vor fast
dreiig Jahren geschlossenen freien Verbindung ergaben. Diese und noch
viele andere Tragdien der freien Liebe, die von Zeit zu Zeit in den
Zeitungen verffentlicht werden, scheinen zu beweisen, wie irrtmlich
die Anschauung ist, da wir fr keine unserer Handlungen Rechenschaft
abzugeben haben. Ein Verhltnis, welches die zuknftige Generation
beeintrchtigt, kann nie eine private und persnliche Angelegenheit
sein. Vor einigen Jahren verffentlichte E.R. Chapman einen sehr
interessanten Essay ber die Ehe, in welchem er sagte: Die gesetzliche
Ehe gegen blo freiwillige Verbindungen, blo zeitweise Gemeinschaft
austauschen, heit nicht die Liebe frei machen, sondern ihr den
Todessto versetzen durch Loslsung von jenem menschlichen Faktor, der
die richtig verstandene Ehe ist und der die Rcksicht fr die Ordnung,
die Rcksicht fr das allgemeine Wohl ber das persnliche Interesse und
die bloe Selbstbefriedigung des Augenblicks stellt.




IV. Die Polygamie an einer hflichen Tafelrunde

  Am schwersten und letzten von allem ist jenes Monopol des
  menschlichen Herzens auszurotten, das als Ehe bekannt ist... Es
  ist mit jener hlichen und barbarischen Form der Hrigkeit so weit
  gekommen, da man den sonderbaren Einfall hat, sie fr direkt
  gttlichen Ursprungs zu halten.

    _Grant Allen._


Wir nennen es die hfliche Tafelrunde, weil wir in der Hitze des
Meinungsgefechtes immer rckhaltlos derb zu werden pflegen. Bei dieser
Gelegenheit war die unvermeidliche Ehediskussion, die fast immer in der
einen oder anderen Zeitung zu finden ist, der Gesprchsgegenstand. Der
'biedere Brsenmann' (unverheiratet) verteidigte herzhaft den heiligen
Ehestand. Seine sittliche Haltung ist gewi etwas langweilig, aber
nichtsdestoweniger gehrt er zu jenen Leuten, mit denen man wirklich
hflich ist. Obgleich auf dem Gesicht des 'Familienegoisten' eine
gewisse Reizbarkeit zu sehen war, hrten wir achtungsvoll zu,
ausgenommen der 'bse Brsenmann', dessen Mahlzeit einen viel zu
wichtigen Raum in seinem Lebensplan einnahm, um durch ein Gesprch ber
moralische Themen beeintrchtigt zu werden.

Der 'verlebte Rou' mu natrlich -- das ist ihm Ehrensache -- allem
widersprechen, was der 'biedere Brsenmann' sagt. Ich mu erwhnen, da
der 'verlebte Rou' ein uerst tugendhafter Mann und ein Mustergatte
und -vater ist. Er posiert eine wste Vergangenheit, was ihm den
sarkastischen Spottnamen eingetragen hat, den er durchaus nicht durch
seine Auffhrung verdient. Sie vergessen, warf er matt ein, als der
'biedere Brsenmann' eine Pause machte, da kein Geringerer als
Schopenhauer gesagt hat, da der Mann von Natur aus zur Polygamie, die
Frau zur Monogamie neigt.

Ich verneine die erste Behauptung, sagte der 'biedere Brsenmann'
erhitzt. Er geriet immer in Hitze, wenn es sich um Sittlichkeitsfragen
handelte, und wollte immer genaue Nachweise liefern, was eine
einigermaen langweilige Diskussion zu verursachen drohte, als
der 'Blaustrumpf' mit dnner, abgehackter Stimme entschlossen
dazwischenfuhr:

Wenn man Ihnen zuhrt, knnte man glauben, da die monogamische Ehe
eine gttliche Institution ist.

Lcherlich, was? grinste der 'verlebte Rou'. Der 'biedere Brsenmann'
sah bekmmert aus und rusperte sich. Bei diesem schrecklichen Signal
schickte sich der 'Familienegoist' -- dessen Gereiztheit stetig wuchs,
wie die nachgewiesene Verbreitung einer Zeitung -- an, sein Wurfgescho
auf den Kampfplatz zu schleudern. Das htte jedwede Angeregtheit des
Gesprches auf einige Stunden hinaus gehemmt, und es entrang sich allen
ein Seufzer der Erleichterung, als unser tapferer 'Blaustrumpf' sich
noch einmal dem Lauf des Gesprches entgegenwarf.

Sie machen ja geradezu einen Kultus aus der Bibel, quakte sie hhnisch
den 'biederen Brsenmann' an, -- aber Sie scheinen mit dem Alten
Testament auf keinem sehr vertrauten Fu zu stehen. Sie werden dort
reichliche Beweise finden, da die monogamische Ehe nicht gttlicher ist
als die Polygamie oder die freie Liebe, auch da sie keinen himmlischen
Ursprung hat, da sie sich je nach Rasse und Klima nderte. Sie ist
einfach ein unerllicher Schutz der Gesellschaft.

Ich setze einen Schilling drauf, murmelte der 'Tlpel' (ein
unverbesserlicher junger Mann, ganz der Winston Churchill unseres
Familienkabinetts), indem er seine bliche Formel anwendete. Ohne auf
ihn zu achten, zirpte der 'Blaustrumpf' ernst weiter: Wenn Sie je
Soziologie studiert haben, mssen Sie wissen, da die Ehe hauptschlich
ein Gesellschaftsvertrag ist, der ursprnglich auf der Selbstsucht
begrndet war. Noch jetzt hat sie etwas von ihrer halb barbarischen
Form, und jene, welche ohne Grnde ihre bewiesene Heiligkeit predigen,
sollten lieber vorschlagen, wie das jetzt in bung stehende wste Gesetz
den Notwendigkeiten der modernen Verhltnisse angepat werden knnte.

Sie machte eine Pause, um Atem zu schpfen. -- Der 'biedere Brsenmann'
war bleich, aber er hielt ihr mannhaft stand. Bravo, 'Blaustrumpf',
sagte der 'verlebte Rou'.

Eine prchtige Frau, unsere Wortfhrerin, sagte der 'Tlpel'. -- Ich
setze einen Schilling auf sie.

Der 'bse Brsenmann' nahm eine zweite Portion Salat und a unbekmmert
weiter, whrend die 'vornehme Dame' an der Spitze der Tafel den
'Familienegoisten' ngstlich beobachtete, der apoplektisch aussah und so
bedenklich mit seinem Weinglas spielte, da er dessen Laufbahn als
ntzlichen Gebrauchsgegenstand offenbar abzukrzen im Begriff war.

Mich hat man gelehrt, sagte der 'biedere Brsenmann' langsam, die Ehe
als eine geheiligte Institution, als ein heiliges Mysterium zu
betrachten.

Dann hat man Sie Unsinn gelehrt, schnauzte ihn der 'Blaustrumpf' an
und gab sich so den belsten Gewohnheiten der hflichen Tafelrunde hin;
sie bebte vor intellektueller Begeisterung.

Eine Anschuldigung, begann der 'biedere Brsenmann' -- (Gelungenes
Wort, ich setze einen Schilling darauf murmelte der 'Tlpel') -- ist
kein Beweis, setzte der 'biedere Brsenmann' fort.

Schon mglich, aber was Sie gesagt haben, war Unsinn, erwiderte der
'Blaustrumpf'. 'Ein heiliges Mysterium, eingesetzt in der Unschuldszeit
der Menschheit' -- ich erinnere mich an das Zitat. Und um welche Zeit
war das, wenn ich bitten darf? Beziehen Sie sich auf den Garten Eden
oder irgend einen Teil der Bibel? Das erwhlte Volk, die Hebrer, war
polygamisch von der Zeit des Lamech an, offenbar mit der Zustimmung der
Gottheit. Selbst der unberhrte David hatte dreizehn Frauen, und der
heilige Salomo ein rundes Tausend. Da ist nicht viel von dem heiligen
Mysterium in jenen Tagen zu spren.

Lieber 'Blaustrumpf', Sie sind aber wirklich -- murmelte die 'vornehme
Dame'.

Durchaus nicht, sie ist ganz bei Sinnen, warf der 'verlebte Rou' ein,
der sich teuflisch an dem sichtlichen rger des 'biederen Brsenmannes'
weidete.

Ich gebe es auf, sagte der letztere, wobei der 'Tlpel' und der
'verlebte Rou' in ein Freudengeheul ausbrachen. Ich kann wirklich
nicht gegen eine Dame von solch berwltigender Beredsamkeit aufkommen,
fuhr er fort, indem er sich in entzckend galanter Art verbeugte. Es
ist alles eins, ich werde immer glauben, da die Ehe eine heilige
Institution ist.

Mein lieber alter Junge, sagte der 'verlebte Rou' hastig mit einem
Seitenblick auf den 'Familienegoisten', der wirklich an jenem Abend
schlecht behandelt wurde, deine Hochherzigkeit ist geradezu
bewunderungswrdig, aber sie ist nicht am Platze. Sie pat nicht in
moderne Verhltnisse. In der Theorie ist die Ehe gewi ein heiliges
Mysterium. In der Praxis wird sie ein unheiliger Wirrwarr, oft eine
Erniedrigung. Ich persnlich glaube an die Polygamie.

Nur schwer unterdrckten alle ein Lachen bei dem Gedanken an seine
wachsame Gattin und seine verschiedenen, schon von Geburt an wachsamen
Kinder. Auch ich, einen Schilling setze ich drauf, sagte der 'Tlpel'
unentwegt. Nicht fr mich selbst natrlich, fuhr der 'verlebte Rou'
fort, ohne die Spur eines Lchelns, das heit nicht -- ich meine --
nicht jetzt, aber im allgemeinen gesprochen, und ich meine abstrakt
genommen, wre die Polygamie eine vernnftige Institution. Denken Sie
nur daran, wie sie unsere modernen Komplikationen vereinfachen und
unsere beiden rgsten sozialen bel verbessern wrde.

Ja, _denken_ Sie bitte, das wird gengen, warf die 'vornehme Dame'
hastig ein.

Und wie es die berflssige Frauenfrage lsen wrde, fuhr der
'verlebte Rou' fort. Denken Sie an die ungeheuere Zahl unglcklicher
alter Jungfern, die dann glcklich versorgt wren. Der 'Blaustrumpf'
lie ein entrstetes Gequiek vernehmen.

Denken Sie an die Ausgaben, bemerkte der 'biedere Brsenmann' trocken,
und der 'verlebte Rou' sank zusammen wie ein angestochener Gasballon.
Herbert Spencer sagt, fuhr der 'biedere Brsenmann' fort, da die
Tendenz zur Monogamie angeboren ist und alle anderen Formen der Ehe
zeitweise Verirrungen gewesen sind, von denen jede die entsprechenden
bel nach sich zog. Schlielich ist die monogamische Ehe zum Schutz der
Frauen eingesetzt und wurde in den groen und edlen Zeitaltern der
Weltgeschichte heilig gehalten. Ganz abgesehen von dem moralischen
Gesichtspunkt knnte die Polygamie jedoch nur in tropischem Klima
mglich sein, wo die Lebensbedingungen auf ein Minimum reduziert wren
und man von Datteln und Reis leben knnte. Aber der Durchschnittsmann in
unserem ruhmreichen Freihandelland kann ja nicht einmal _eine_ Frau in
angemessener Weise ernhren, geschweige denn mehrere. Ich frage, wie es
im Namen des Bankdiskonto....

Ihr Brsenmenschen seid alle so schrecklich knauserig, erwiderte der
'verlebte Rou'. Habe ich nicht gesagt, abstrakt genommen? Natrlich
wei ich, da es praktisch nicht mglich wre, jetzt noch nicht; aber
ich glaube wirklich, da es das ganze sexuelle Problem lsen knnte.

Keiner von euch scheint die Frauen in Betracht zu ziehen, piepste der
'Blaustrumpf'. Glauben Sie denn, da wir modernen Frauen mit unseren
Hilfsquellen und unserer Bildung so einen Gedanken nur einen Augenblick
ins Auge fassen wrden?

Gut, was denken Sie darber? fragte der 'verlebte Rou' mit
diplomatischer Ehrerbietung.

Zu unserer berraschung begann der 'Blaustrumpf' zu errten, und ihr
Errten ist nicht das sittsame, unverantwortliche Rotwerden eines
gewhnlichen Mdchens, sondern ein qulendes Zustrmen des Blutes ins
Gesicht unter dem Druck tiefernsten Verhaltens, jene Art von Errten,
bei der man wegschauen mu.

Nun, sagte sie mit einem Schlucken, -- ich denke, vielleicht --
vielleicht wrden sie es tun.

Es war klar, da es sie etwas gekostet hatte, dies zuzugeben. Wir waren
wie vom Donner gerhrt. Der 'Familienegoist' verga seine brennende
Redelust und hrte auf, das Weinglas zu bedrohen, die 'vornehme Dame'
war ganz aufgeregt, der 'verlebte Rou' wurde beinahe munter und der
'biedere Brsenmann' sah aus, als wenn er eben in Trnen ausbrechen
wollte.

Ich glaube, wir Frauen wren nicht gegen die Polygamie, -- nur um das
kleinere bel zu whlen, fuhr der kleine 'Blaustrumpf' tapfer fort,
denn die gegenwrtige Vergeudung der Weiblichkeit in unserem Lande ist
ein sehr ernstes bel. Natrlich machen es die finanziellen Verhltnisse
unmglich, wie der 'biedere Brsenmann' sagt, aber wenn es mglich wre,
wenn es aus ehrenwerten Motiven und in ganz ehrenwerter offener Weise
von -- ich meine, den geeigneten Persnlichkeiten -- autorisiert und
sanktioniert wre, dann glaube ich, die Frauen knnten es ohne Verlust
der Selbstachtung aufnehmen, besonders, wenn die erste jugendliche
Liebesglut vorber ist. Nach diesem Stadium, und wenn eine Frau sich
selbst vergit, dadurch, da sie sich wirklich erst in der Liebe und der
Sorge fr ihre Kinder und einer weiteren Auffassung des Lebens und
seiner Pflichten selbst gefunden hat, dann denke ich, knnten die
meisten Frauen unter solchen Umstnden glcklich sein. Ich glaube, es
wird eine Menge unsinniges Zeug ber die Qualen der menschlichen
Eifersucht zusammengeschwatzt, und ber die Eifersucht der Frau im
besonderen. Die Mnner mgen ja darunter leiden, darber kann ich nicht
urteilen, aber ich bin berzeugt, bei den Frauen ist es nicht so. Die
Demtigung, die Lieblosigkeit, die Tatsache, 'betrogen' und durch eine
andere verdrngt worden zu sein, _die_ verletzen so, wenn ein Mann
untreu ist. Aber wenn es ganz anstndig und ehrlich wre, wenn es
begriffen wrde, da die Polygamie der Natur des Mannes mehr entspricht
und der grten Anzahl von Frauen Glck zu bereiten geeignet ist, -- da
sie so in der berzahl sind, da sie nicht erwarten knnen, jede einen
Gefhrten zu finden -- dann glaube ich wirklich, nachdem die Frauen sich
diesen neuen Verhltnissen anzupassen Zeit gehabt haben -- es mag ein
oder mehrere Generationen dauern -- dann wrden sie sie ganz froh
anerkennen und Frieden und Befriedigung in ihr finden.

Der 'Blaustrumpf' machte eine Pause und sah auf die gespannten Gesichter
ringsum. Sogar der 'Tlpel' war auf ihre Worte gespannt, aber der
'biedere Brsenmann' hatte seine Blicke abgewendet, und der
'Blaustrumpf' war ganz bleich, als sie fortfuhr.

Natrlich denkt man bei dem Wort gleich an den Harem und orientalische
Frauengemcher, aber nichts von dieser Art wrde sich bewhren. Die
Frauen mten getrennt leben, nicht bei dem Manne wohnen, jede in ihrem
eigenen Heim, mit ihrem eigenen Interessen- und Pflichtenkreise, jede
mit ihrer eigenen Arbeit. Keine drfte im Miggang leben, welcher die
Ursache alles Zwistes und aller Trbungen ist. Jede Frau sollte etwas
arbeiten und irgend jemandem helfen. Ich denke jetzt natrlich nicht an
die glcklich verheirateten und zufriedenen Frauen, sondern an die
tausende, die ein elendes, dumpfes und einsames Leben fhren und
unendlich glcklicher wren, wenn sie sich auf eine bestimmte, in
regelmigen Intervallen wiederkehrende Woche freuen knnten, in der der
Mann mit ihnen leben wrde. Es wrde Liebe und menschliche Interessen
und, was das Wichtigste ist, einen _Inhalt_ in ihr Leben bringen. Ich
wei, es klingt entsetzlich unmoralisch, fuhr sie fort und errtete
wieder peinlich, aber ich meine es nicht so. Schlielich ist die
Hauptursache, warum die Leute heiraten, die Kameradschaft, und diese
hauptschlich fehlt den unverheirateten Frauen nach der heiteren Zeit
der ersten Jugend. Der natrliche Gefhrte des Weibes ist der Mann.
Daraus folgt, da nicht genug Mnner da sind, um sie glcklich zu machen,
da es ein greres bel gibt als sie zu teilen. Ich behaupte nicht, da
es so befriedigend wre, als einen treuen Gatten ganz fr sich zu haben,
aber es knnte fr das grte Wohl der grten Anzahl gut sein, und es
wrde sicherlich bis zu einem gewissen Grade die sozialen Mistnde
aufheben.

Alle klatschten, als sie etwas atemlos geendet hatte. Es war klar, da
es dem braven 'Blaustrumpf' so sehr an dem eigenen Mut der Meinung
fehlte, da sie in tdlicher Verlegenheit war, als sie ihr ffentlich
Ausdruck verleihen mute. Die 'vornehme Dame', die das taktvollste Wesen
der Welt ist, stand daher auf, bevor jemand etwas gesprochen hatte, und
die beiden Frauen verlieen zusammen das Zimmer.

Unter den Mnnern entstand ein Stimmengewirr, welches der 'biedere
Brsenmann' dazu benutzte, auch still zu verschwinden.

Gebt den Porter weiter! sagte der 'bse Brsenmann' munter: Sie ist
ein verteufelt gescheites Weib, aber wie sogar die geistreichen Frauen
von einer solchen Lebensunkenntnis sein knnen, frappiert mich, und
auch, wie ihr da solche Heuchler sein knnt!...

Heuchler! Was meinen Sie? brauste der 'Familienegoist' auf, der jetzt
vor lauter unterdrcktem Reden fast platzte.

Nicht Sie, alter Freund, aber der 'verlebte Rou' und der 'biedere
Brsenmann', die so herumschwtzen als ob bei uns zulande die Monogamie
vorherrschte und die Polygamie etwas Neues wre. Natrlich erwartet man
es von dem 'biederen Brsenmann', aber Sie, 'verlebter Rou', sollten es
wirklich besser wissen. Ja richtig, wo ist der 'biedere Brsenmann?'

Ich glaube, er hat sich um den Blaustrumpf beworben, um sie vor der
Polygamie und ihren eigenen Ansichten zu retten, nselte der 'verlebte
Rou', indem er eine Zigarette anzndete.

Ein schneidiger Kerl; ich glaube wirklich, er hat es getan, rief der
'Tlpel' aufgeregt. Ich setze einen Schilling gegen jeden von euch
darauf. Ich meine es wirklich.

Nun, und wenn er es getan hat? sagte der 'Familienegoist' gereizt.
Was macht's, wenn ein Narr mehr auf der Welt ist? Hrt auf, Unsinn zu
schwatzen, Kameraden, und lat den Porter die Runde machen!




V. Ist die legalisierte Polyandrie die Lsung?


In W. Sommerset Maughams sehr interessanter psychologischer Studie Mrs.
Craddock sagt eine der Personen: Es knnen nmlich wenige Frauen mit
nur einem Manne glcklich sein. Ich glaube, da die einzige Lsung des
Eheproblems die legalisierte Polyandrie[2] ist.

  [Anmerkung 2: Gesetzlich geregelte Vielmnnerei.]

Es ist nur ehrenwert, diese Sorte von Behauptungen mit Entsetzen
entgegenzunehmen; aber wenn die Geheimnisse des weiblichen Herzens
bekannt wren, kme heraus, da ein gut Teil dieses Entsetzens
erheuchelt ist. Ich lehne es ab, mein Geschlecht irgendwie auszuliefern.
Maugham ist ja ein im Studium des weiblichen Herzens sehr erfahrener
Mann und ich kann wohl sagen, er wei, wovon er spricht. berdies ist er
sicherlich unverheiratet. Aber selbst er verschanzt sich hinter einem
der Charaktere seiner Novelle, und warum sollte man von mir greren Mut
erwarten?

Freilich liegt in dem Wort legalisiert eine wunderbare Kraft. Die
profansten und entsetzlichsten Ehen zwischen schnen jungen Mdchen und
reichen, adeligen Mummelgreisen, Trunkenbolden oder Trotteln werden als
ganz gehrig und ehrenwert betrachtet, weil sie legalisiert sind. Und
dennoch wrden die Leute, die diese Abscheulichkeiten hinnehmen,
wahrscheinlich uerst schockiert sein bei der bloen Andeutung der
Polyandrie, eines weit schicklicheren Geschlechtsverhltnisses, weil es
durch wirkliche Geschlechtsanregung geregelt und voraussichtlich frei
von krmerischen Rcksichten wre. Aber gleichviel, ob die legalisierte
Polyandrie die eigentliche Lsung des Eheproblems ist oder nicht, sie
ist gewi eine unmgliche fr das frauenreiche England, und obgleich die
Frauen in den letzten Jahren erschreckend breit ausgegriffen und
sich von ungeahnter Lebenskraft besessen erwiesen haben, ist es
unwahrscheinlich, da sie ihre berflssigen Energien nach dieser
Richtung hin verausgaben werden.




VI. Ein Wort fr die Duogamie

  Geschaffen hat euch Gott, aber verheiraten mt ihr euch selbst.

    _R. L. Stevenson._


Am Tage nach der hflichen Tafelrunde kamen Isolda, Miranda und Amoret
zu mir zum Tee, und ich erzhlte ihnen von der Diskussion des vorigen
Abends ber die Polygamie.

Ich verstehe schon den Standpunkt des 'Blaustrumpfs', sagte Isolda
nachdenklich. Die Polygamie mag fr die berflssige Frau, die unter
den gegenwrtigen Bedingungen nicht heiraten kann, annehmbar sein, fr
das unbefriedigte alte Mdchen, das des Ledigseins so berdrssig ist,
da es sogar die Polygamie vorziehen wrde, aber nie wre sie es fr die
Frau, die sich verheiraten kann und sich verheiratet.

Und doch, wieviele verheiratete Frauen gehen heutzutage darauf ein,
sagte Miranda. Gibt es nicht so viele Frauen, die die Untreue ihres
Gatten verzeihen und sie so gut als mglich ertragen um der Kinder oder
anderer gesellschaftlicher Vorteile willen, oder weil sie ihrem Manne so
ergeben sind, da sie es vorziehen, ihn mit einer anderen zu teilen, als
allein ohne ihn zu leben? Und was ist das anderes, als die Polygamie
hinnehmen?

Ja, aber dann sind die anderen Frauen nur Geliebte, rief Isolda aus.
Das mag man unfreiwillig dulden, aber eine andere gesetzliche Frau mit
ebensolchen Rechten wie die unseren, und was noch schlimmer ist, mit
Kindern, die den unseren gleichgestellt werden -- niemals!

Gut, vielleicht nicht, gab Miranda zu, ich vermute, eine gesetzliche
und stndige Nebenbuhlerin wre etwas anderes, und schlielich kann man
ja nur von dem Mittelstand in England als ausgesprochen monogamisch
reden. Die oberen und die unteren Gesellschaftsschichten sind so
polygamisch als nur mglich. Wir tun nur in unserer britischen Heuchelei
so, als ob bei uns die Monogamie die Regel wre.

Ziehe nicht gegen die britische Heuchelei los, sagte Amoret trge.
Es ist unser kostbarstes Nationalerbe. Die Heuchelei hlt den
Gesellschaftsbau zusammen.

Zugegeben, sagte Isolda. Wir mssen des Friedens halber und dem Ideal
zuliebe so tun, als ob wir glaubten, da die Monogamie die Regel ist.
Natrlich wei jeder, da es berall eine Menge polygamer Mnner und
eben deshalb auch polyandrischer Frauen gibt, aber die Heuchelei ist
eine zu groe Sttze der Schicklichkeit, und eine Nation mu, in der
Theorie wenigstens, Schicklichkeit haben, wenn schon nicht in der
Praxis, sonst wrden wir -- hm -- dem Niedergang zusteuern wie die
Rmer.

Darauf war ich gefat, da eine von euch die Rmer erwhnen wird, warf
Amoret ein, die bei all ihrer Leichtfertigkeit eine gewisse
humoristische Verschmitztheit besitzt. Das ist ein unvermeidlicher Zug
aller Diskussionen ber die Ehe. Sowie nur jemand etwas von dem
Vorschlag verlauten lt, da die Ehebande geschmeidiger gestaltet
werden sollten, um sich den modernen Verhltnissen anzupassen, zieht
jeder der Anwesenden, ausgenommen die unglcklich Verheirateten, ein
langes Gesicht und zitiert das entsetzliche Beispiel der Rmer. Nun ist
mir eine glnzende Idee fr die Lsung des Eheproblems gekommen.

Sag sie uns, riefen die drei Anwesenden einstimmig.

Noch nicht, erledigen wir erst die Rmer. Ich vertraute neulich einem
Mann meine Idee an; nachdem er mir wie blich die Rmer vorgesetzt
hatte, ging ich und sah im Gibbon nach.

Allgemeines Lachen unterbrach sie. Die Vorstellung, da unser
Schmetterling Amoret ber dem Gibbon bffeln sollte, war zu komisch.

Ja wirklich, ich hab es getan, fuhr sie fort, und was ich
herausfinden konnte, war, da nicht ihre leichtfertigen Ideen ber die
Ehe ihren Niedergang verursachten, sondern ihre -- wie soll ich's
nennen? -- allgemeinen lockeren Sitten...

Ich wei es, sagte Isolda, ihr zu Hilfe kommend, ich las neulich ein
riesig interessantes Buch darber: Kaiserlicher Purpur. Es war das
Erlschen aller Ideale, die Freigabe aller fleischlichen Begierden, der
durch Ausschweifungen und ppiges Leben entstehende uerste Mangel an
sittlichem Halt, der die Rmer zugrunde richtete; aber wenn eine
tchtige, kaltbltige Nation wie die unserige die beengenden
Ehebedingungen lockern wollte und an der Neuerung genau festhielte, dann
ist es Unsinn, zu behaupten, da alle unsere Ideale entarten und
infolgedessen das Reich zusammenstrzen wrde!

Hrt, hrt! Ganz wie der 'Blaustrumpf'!

Gut, sagte Miranda. Ich will also auf eure Ideen ber die Rmer
eingehen, schon damit wir in unserem Thema weiterkommen. Nun la uns
deine groartige Idee hren, Amoret.

Also folgendes: Duogamie, sagte Amoret.

Duo -- zwei?

Sehr richtig -- zwei Partner fr jedes. Wir sind heutzutage alle so
kompliziert, da einer uns unmglich befriedigen kann. Zwei wrden
gerade gengen. Zwei wrden die Spannung des Ehelebens lockern, und doch
nicht zu dem fhren, was die Zeitungen Ausschweifung nennen. Jeder
htte eine zweite Chance, und was dem ersten Partner fehlt, das wrde
der zweite einem ersetzen.

Es ist keine ble Idee, sagte Isolda nachdenklich. Lancelot knnte
zur zweiten Frau eine solche whlen, die gut marschiert und Bridge
spielt, und ich wrde einen Mann zu finden trachten, der die Karten hat
und nie einen Schritt geht, wo er reiten kann.

Ich glaube, es ist eine grandiose Idee! rief Miranda begeistert.
Lysander knnte eine Frau finden, die ihn am Klavier begleitet und
Opern gern hat, und ich wrde mich nach einem Mann umsehen, der
das ernste Schauspiel pflegt und zwei stndige Sperrsitze im
Vedrenne-Barker-Theater htte.

Das wre ja geradezu die Lsung fr alles, rief Amoret verzckt.
Wenn Theodor unausstehlich gewesen ist, wrde ich auf und davon
gehen zu meinem Zweiten -- und doch mit dem Gefhl, ihn nicht zu
vernachlssigen, da er zu _seiner_ Zweiten gehen knnte! Sie wre
wahrscheinlich eine treffliche, beschrnkte, einer Sttze bedrftige
Dame, die keinen meiner Fehler htte, und wenn er von ihrer beschrnkten
Hilfsbedrftigkeit genug htte, dann wrde er zu mir zurckkehren, und
wit ihr, sogar meine Fehler wrden ihm -- dem Gesetz des Kontrastes
zufolge -- gefallen, und umgekehrt.

Es ist wirklich eine wunderbare Idee, sagte Isolda nachdenklich, es
wundert mich, da niemand frher darauf gekommen ist. Es gbe weniger
alte Jungfern, denn die Mnner wrden die Ehe nicht so scheuen, wenn sie
wten, da es noch immer eine zweite Chance gibt. Sie wrden von einer
Frau auch nicht soviel erwarten wie jetzt. Und stellt euch nur vor, was
fr eine gute Wirkung es auch auf unser Verhalten ausben wrde -- wie
lieb und hflich und beherrscht wir wren, aus Furcht, im Vergleich mit
der 'Andern' in ungnstigem Lichte zu erscheinen.

Ja, es wrde uns gewi auf einem Niveau erhalten, auf dem wir den
Erwartungen gengen wrden, bemerkte Miranda, unordentliche Frauen
wrden sich bemhen, nett zu werden, und znkische wrden ihrer Zunge
Einhalt tun. In ihrem Bestreben, den 'Andern' aus dem Felde zu schlagen,
wrden die Ehemnner galant und aufmerksam wie Liebhaber werden.

Es wrde alle Verwicklungen lsen, erklrte Amoret, nehmt nur einmal
die uns persnlich bekannten Flle. Die Smiths zum Beispiel haben schon
drei Jahre nicht miteinander gesprochen, weil Fred sich in Frulein
Brown verliebte und fast seine ganze Zeit mit ihr verbringt. Frau Smith
ist tiefbekmmert, Fred sieht recht elend aus -- ein Heim, in dem man
nichts spricht, mu ja eine Hlle sein --, und die junge Brown droht
immer, sich etwas anzutun. Die Sache hat den Smith direkt das Leben
verdorben und fr die Kinder mu es sehr hart sein, in solch einer
Atmosphre heranzuwachsen. Mein Plan wrde all diesem Elend abhelfen:
Fred htte Frulein Brown heiraten und zeitweise ganz glcklich mit Frau
Smith leben knnen.

Aber was wrde Frau Smith in den Zwischenpausen tun? Sie hat zufllig
keine 'entgegengesetzte Anziehungskraft' gefunden.

Nun vielleicht, wenn die Duogamie blich wre, htte sie sich nach
einer umgesehen, sagte Amoret, ich bin berzeugt, die meisten Frauen
knnten einen zweiten Gefhrten finden. Aber brigens ist ja kein System
vollkommen, und es gibt eine Menge Frauen, die berhaupt keinen zweiten
Mann haben mchten und nur zu froh wren mit einer Ruhepause, in der man
keine Diners anzuschaffen braucht. Nehmt dann den Fall Robinson: Dick
Jones verehrt Frau Robinson sehr und ist uerst unglcklich, weil er
ihr nicht mehr als ein Freund sein kann. Sie hat ihn sehr gern und auch
ihren Mann; sie knnte beide sehr glcklich machen, wenn sie sich teilen
wollten.

Ich habe oft empfunden, da ich zwei Mnner beglcken knnte, sagte
Isolda. Einige meiner besten Eigenschaften sind an Lancelot
verschwendet. Er wird auch nie des Landlebens und seines geliebten Golfs
berdrssig, ich aber wohl, und wenn mich wieder einmal meine Sehnsucht
nach London berkommt, wrde ich mich schnell nach der Stadt aufmachen
und eine famose Zeit mit meinem Londoner Gatten verleben.

Ohne das Gefhl, irgend ein Unrecht zu tun, ergnzte Amoret, deren
sichtliche Erfahrung in Gewissensskrupeln mir etwas verdchtig erschien.

Liebe Kinder, es tut nicht gut, sagte Miranda pltzlich. Es tut nicht
gut--aus ist's mit der Duogamie! Denkt an die Dienstboten!

Entsetzlich, die Dienstboten! sagte Isolda bestrzt.

Ja, ich frchtete, da ihr den wunden Punkt bald herausfinden wrdet,
sagte Amoret bedauernd. Natrlich wre es schrecklich, zweierlei
Dienstboten zu beaufsichtigen zu haben. Ein Gatte knnte sich vier oder
fnf leisten und der andere nur ein bis zwei, und jede Dienerschaft
wrde in Abwesenheit der Frau auer Rand und Band geraten.

So htte man anstatt eines vollstndig glcklichen Lebens mit zwei
Gatten, die uns um die Wette zu gefallen bestrebt sind, eine
frchterliche Existenz durch fortwhrendes Abrichten der Dienerschaft.
Kaum, da man A.'s Dienerschaft in Ordnung gebracht htte, wre es Zeit,
zu B. zurckzukehren und dort mit dem gleichen zu beginnen.

Nein, dafr dank ich, sagte Isolda entschieden, die Dienstboten
_eines_ Hauses sind mir gerade genug. Ich habe schon hundertmal gesagt,
da ich blo wegen der leidigen Dienstboten nicht geheiratet haben
mchte. Es wre verrckt, sich jetzt diese Plage noch zu verdoppeln. Du
kannst mich aus der Liste der Duogamistinnen streichen, Amoret, bis die
Dienstbotenfrage durch die Erfindung irgend einer neuen Maschine oder
den Import von Chinesen gelst ist.

Vielleicht, warf Amoret hoffnungsvoll ein, wrde dein 'Zweiter'
darein willigen, im Hotel zu leben?

Solches Glck habe ich nicht, sagte Isolda traurig, wenn ein Mann
heiratet, so ist es meistens wegen des Heims -- warum sollte er sonst
heiraten, abgesehen von den Kindern? Guter Gott! Ich habe ja an die
Kinder ganz vergessen. Natrlich gibt das der Sache den Rest.

Die 'Sackgasse aller Reformen'! sagte Amoret tragisch. Es ist
unmglich, irgend eine Neuerung im Ehesystem vorzuschlagen, die nicht
gleich durch die Komplikation des Nachwuchses annulliert wird.

Wie saen alle schweigsam in Gedanken versunken; Isolda schauerte
zusammen.

Mit der Duogamie ist's nichts! sagte sie pathetisch, und ich bin so
enttuscht!




VII. Die Vorteile der Ehe auf Sicht

  Die Ehe ist abschreckend, aber auch ein kaltes und verlassenes
  Alter istes.

    _R. L. Stevenson._


Von allen revolutionren Vorschlgen zur Verbesserung des gegenwrtigen
Ehesystems erscheint mir die Ehe nach Billigung -- mit anderen Worten
die Ehe auf Sicht die vernnftigste und durchfhrbarste. Das Verfahren
wre ungefhr folgendes: Ein Paar, das heiraten will, wrde einen
gesetzlichen Vertrag schlieen des Inhalts, da sie einander fr eine
begrenzte Zahl von Jahren -- sagen wir drei -- zu Gatten whlen. Dieser
Zeitraum wrde zwei Jahre Versuchszeit bieten, nachdem das abnormale und
auergewhnlich kritische erste Jahr vorber wre. Eine krzere Zeit
wre ungengend. Nach Ablauf der drei Jahre htten die Kontrahenten das
Recht auf Lsung der Ehe, die Lsung sollte aber erst nach weiteren
sechs Monaten in Kraft treten und so jede Gelegenheit bieten, die
Echtheit des Scheidungswunsches zu erhrten. Wenn keine Scheidung
gewnscht wird, wrde die Ehe durch eine religise oder endgltige
gesetzliche Zeremonie genehmigt und fr immer bindend werden.

Im Falle einer geschiedenen Ehe htte jeder Teil die Freiheit, wieder zu
heiraten; aber der zweite Versuch mte vom Anfang an endgltig und
bindend sein. Diese Einschrnkung ist absolut notwendig, wenn die Ehe
auf Sicht nicht in eine Art gesetzlich geregelter freier Liebe
ausarten soll, da es viele Mnner und manche Frauen gibt, die immer von
neuem solche Ehen schlieen wrden, und das Ende der Sache wre nichts
anderes als die Probeehe fr den kurzen Zeitraum von drei Jahren.

Man wird gegen diesen Plan einwenden, da viele Paare, die am
gefhrlichen Wendepunkte des Ehelebens -- d.i. nach ca. zehn Jahren --
Malheur haben, in den ersten Jahren vollkommen glcklich sind. Aber da
mal die menschliche Liebe so vernderlich ist und die Leute wie die
Lebensbedingungen dem Wechsel so unterworfen sind, ist es unmglich,
zu irgend einem feststehenden System zu gelangen, das darauf Rcksicht
nimmt. Es mu jedoch daran erinnert werden, da in der Mehrzahl der
unglcklichen Ehen nicht das System zu tadeln ist, sondern die
Individuen. Die Einfhrung des ehelichen Noviziates wrde jedoch die
Zahl der Scheidungen dadurch betrchtlich vermindern, da durch sie das
jetzt so hufige Nichtzusammenpassen der Temperamente weit seltener
wrde. Das eheliche Noviziat wrde jenen eine zweite Chance bieten, die
eine schlechte Wahl getroffen haben, ohne jedoch in jene Promiskuitt
auszuarten, die fr die Gesellschaft eine Gefahr und fr die hchsten
Interessen der Rasse verhngnisvoll ist. Von welchem anderen System kann
man das sagen?

Fr die im Noviziat lebenden Frauen mte man eine neue Bezeichnung
erfinden, die sie nach gelster Verbindung beibehalten wrden. Frau
wre nach wie vor die unterscheidende Bezeichnung fr jene weiblichen
Wesen, die in den endgltigen und bindenden Ehestand eingetreten sind.
Ob die Frau den Zunamen des Mannes whrend der Probezeit annehmen
sollte, wre eine andere, durch die Majoritt zu entscheidende Frage;
ich wre dafr, da sie ihren Mdchennamen mit obbesagter Bezeichnung
behielte und den Namen des Mannes nur mit dem endgltigen Titel Frau
annhme. Aber das sind bloe Details.

Was die wichtige Frage der Kinder anbetrifft, so wrde die
Nachkommenschaft aus einer Probeverbindung natrlich legitim sein,
aber ich meine, da kluge Leute darauf bedacht sein wrden, keine Kinder
zu bekommen, so lange die Ehe nicht endgltig geschlossen ist. Gewi
wrden Kinder eher die Ausnahme als die Regel sein, und die Frage ihrer
Frsorge in den Fllen gelster Ehen wrde die durchdachteste
Gesetzgebung erheischen. Den Aufenthalt des Kindes zwischen den Eltern
zu teilen, ist ein nicht wnschenswertes Auskunftsmittel, das bis zu
einem gewissen Grad nachteilig wirken mu, da ein stndiger
Aufenthaltsort mit regelmigen Gewohnheiten von ungeheurer Wichtigkeit
fr das Wohlergehen der Kinder ist. Den Vater jedoch ganz zu berauben,
ist ebenso unangebracht.

Das eheliche Noviziat ist kein neues System. Es war vor der
Reformation in Schottland unter dem Namen Hndeschtteln blich.
Die Mnner und Mdchen trafen sich bei den jhrlichen Jahrmrkten und
erklrten einander durch die Zeremonie des Hndedrucks zu Gatten auf
ein Jahr. Am Jahrestag dieser Zeremonie wurden sie -- wenn alles gut
gegangen war -- durch einen Priester gesetzlich getraut. Wenn sie die
Verbindung als einen Migriff erkannt hatten, so schieden sie.




Vierter Teil

Die Kinder -- die Sackgasse aller Reformen


  Ein frhes Ergebnis teils des Geschlechtes, teils der passiven
  Art der ersten Urmutter ist Begrndung einer neuen und schnen
  Gemeinschaftsform -- der Huslichkeit... Eine Tages erscheint in
  diesem Raum ohne Dach jenes Wesen, das bestimmt ist, die Lehrer der
  Welt zu lehren -- ein kleines Kind.

    _Henry Drummond._

  Jede echte Frau ist von Natur aus eine Mutter und findet am besten
  in der Mutterschaft ihre soziale und sittliche Erlsung. Sie soll
  durchs Gebren erlst werden.

    _Grant Allen._

  Kinder sind eines Mannes Macht und sein Stolz.

    _Hobbes._




I. Kinder oder keine Kinder -- die Frage des Tages

  Die Ehe wurzelt daher vielmehr in der Familie als die Familie in
  der Ehe.

    _Westermarck._


Wenn wir die Kinder aus dem Spiel lassen knnten, wre die Neugestaltung
der Ehebedingungen recht einfach. Aber meine Freundin Amoret hat dieses
Problem sehr richtig die Sackgasse aller Reformen genannt. Jedes
System, sei es Probeehe, freie Liebe, Polygamie, Polyandrie, Duogamie --
jedwedes System, das die Vaterschaft des Kindes zu verschleiern oder das
Kind der erprobten Vorteile eines stndigen Heims zu berauben trachtet
-- ist von Anbeginn aussichtslos. Das bezieht sich jedoch nur auf
Ehepaare, die Kinder haben. Frher erwarteten alle jene, die heirateten,
Nachkommenschaft und waren enttuscht, wenn diese Hoffnung nicht erfllt
wurde. Da es mglich ist, die Zahl der Nachkommenschaft zu beschrnken
oder gar die Elternschaft ganz zu vermeiden, wuten sie natrlich nicht.
Heute ist das alles anders, und die Malthusianischen Lehren herrschen
berall.

Bernard Shaw sagt: Da man die Ehe knstlich unfruchtbar machen kann,
ist die revolutionrste Errungenschaft des 19. Jahrhunderts. Gewi
ermglicht sie die umstrzlerischen Vorschlge ber die Ehe oder wrde
sie vielmehr durchfhrbar machen, wenn man die Errungenschaft
allgemein in Praxis umsetzte.

So mu denn der Satz aufgestellt werden, da da, wo Kinder sind,
keinerlei nderung unseres gegenwrtigen Ehesystems ratsam ist, und da
die Leute, die es mit neuen Ehesystemen versuchen wollen, entschiedenst
die Sackgasse aller Reformen vermeiden und kinderlos bleiben mssen.

Kinder oder keine Kinder -- das ist heutzutage die Frage. Es gibt
kaum ein Thema, ber das die Ansichten mehr auseinandergehen. Manche
Leute betrachten die Elternschaft als das schrecklichste Unglck;
andere wieder meinen, da es nutzlos leben hiee, wenn man ohne
Nachkommenschaft sterben wollte. Ich hrte ein Mdchen einst sagen: Ich
hasse Kinder; es ist viel besser, sich ein paar liebe Hunde zu halten,
und das war kein unwissendes oder lebensfremdes Mdchen, sondern ein
gesundes, kluges, voll entwickeltes junges Weib von 26 Jahren. Und vor
kurzem teilte mir ein anderes Mdchen ihre Verlobung mit und fgte
gleich hinzu, da sie durchaus nicht die Absicht habe, Kinder zu
bekommen. George Moore sagt in seinem dsteren und abstoenden Buch Die
Beichte eines jungen Mannes: Mge ich kinderlos sterben, damit, wenn
meine Stunde kommt, ich mein Antlitz zur Mauer wenden und mir sagen
kann, da ich das groe Unheil menschlichen Lebens nicht vermehrt habe
-- dann werden meine Snden in Dunst vergehen wie eine Wolke -- und wre
ich auch ein Mrder, Zuhlter, Dieb und Lgner gewesen. Aber derjenige,
dessen Sterbebett Kinder umstehen -- und wre sein Leben in allem
anderen ein vortreffliches gewesen --, wird von dem wahrhaft Weisen fr
gottlos gehalten werden und der Makel wird ewig auf seinem Andenken
haften. (Bei diesen Zeilen wundert man sich, warum George Moore das
groe Unheil menschlichen Lebens in seiner eigenen Person weiter
aufrecht erhlt, wo er doch seine Existenz so leicht beenden knnte,
ohne irgend jemanden zu betrben!)

Aber ich habe viele Leute, Mnner und Frauen, ledige und verheiratete,
sagen hren, da ohne Kinder die Ehe keinen Sinn hat, welcher Meinung
ich von Herzen beipflichte. So manches warmbltige, lebensvolle, tapfere
junge Weib vertraute mir an, da sie -- gleichviel, ob sie heiraten
wrde oder nicht -- um jeden Preis Mutter zu werden wnsche. Es ist eine
der traurigen Folgen der Scheu der Mnner vor der Ehe, da solche
prchtige Frauen vorstzlich ihre herrliche Sehnsucht nach Mutterschaft
unterdrcken mssen, -- oder dafr, da sie ihr unterliegen, einen
frchterlichen Preis zahlen mssen, den nicht sie allein entrichten,
sondern auch das in die Welt gesetzte Kind. Solche Frauen trifft man
jedoch nicht oft.

Und jetzt kommen wir zu den Grnden, um deretwillen die Leute keine
Kinder haben wollen.

Wir knnen es nicht erschwingen, ist die zumeist gehrte, aber
verchtlich selbstschtige Entschuldigung. Ich sagte oben, da jeder
Mann es sich erlauben knne, zu heiraten -- wenn er die rechte Frau
findet.

Nun mu ich hinzufgen, da jeder Mann, der eine Frau erhalten, auch ein
Kind erhalten kann. Leute, die zu egoistisch sind, um fr zwei Kinder
den Unterhalt zu erbrigen (oder wenigstens fr eines, wie traurig es
auch fr das Kleine ist, weder Bruder noch Schwester zu haben), sollten
berhaupt nicht heiraten. Manche Leute sagen, da sie auch ohne Kinder
ganz glcklich sind. Sehr viele Frauen verzichten vorstzlich auf ihre
Mutterschaftschancen, weil sie ihre Vergngungen unterbrechen, die
Jagdsaison verderben, und ihrer Reiselust oder ihren Spielpassionen in
die Quere kommen wrden. Vielleicht werden sie dereinst einsehen, da
sie ihren Passionen zuliebe einen zu hohen Preis gezahlt haben. Andere
knnen Kinder wirklich nicht leiden und wten nicht, was sie mit ihnen
anfangen sollten, wenn sie welche htten. Solche Leute sollten fglich
keine Kinder haben; man merkt es den armen Kleinen immer an, wenn sie
unwillkommen waren.

Auch Schwchlichkeit fhren nervse Frauen als Entschuldigung an,
die nicht im geringsten zu schwach sind, zu gebren. Bei wirklicher
Krnklichkeit oder einer konstitutionellen Schwche oder Anomalie ist
diese Entschuldigung nur sehr angebracht. Eine sichtlich gesunde Frau
sagte mir einmal ganz im Ernst, da sie gerne ein Kind haben mchte, nur
habe sie oft im Winter einen so bsen Husten und mchte nicht riskieren,
ihn zu vererben. Ihre Lungen waren vollkommen gesund, und es
belstigte sie nur ein zeitweiser Husten. Bei derselben Gelegenheit
bemerkte eine andere anwesende Dame, da sie auch gerne ein Kind haben
mchte, nur wre nicht genug Platz in unserer Wohnung und sie ist so
passend, wir mchten nicht gerne ausziehen.

Meinem durch diese Bemerkungen erzeugten Gemtszustand htte ich nur
dadurch Ausdruck verleihen knnen, da ich diese beiden Damen zu Boden
geworfen und mit Fen getreten htte, und da diese Auffhrung bei
unserer Gastgeberin keinen Anklang gefunden htte, so mute ich mich
damit begngen, blo recht grob gegen die beiden zu sein.

Ich glaube, all das wurzelt darin, da der mtterliche Instinkt nicht
so allgemein wie frher ist. Die Grnde davon nachzuweisen, bin ich
nicht klug genug. Viel mag der greren Befreiung der Frauen, der
Erweiterung ihres Lebens und ihrer ehrgeizigen Bestrebungen, den neuen
Beschftigungen, den neuen Interessen zugeschrieben werden, welche die
weibliche Existenz so umgewandelt haben. Die Mutterschaft und die
schmerzhaften und belstigenden Vorgnge ihrer Erfllung wirken strend
auf all das ein. Der Instinkt der Mutterschaft ist gewi der Majoritt
noch angeboren; wenn die Kleinen, oft unwillkommen, das Licht der Welt
erblicken, macht sich der Instinkt in der Regel wieder geltend; aber
gewi ist es bei der heutigen Durchschnittsfrau nicht allgemein, da er
sich vor der Ehe oder der auftretenden Mutterschaft in ihr regt, und ich
bin berzeugt, da die Zahl der Frauen, die gleich der weiblichen Biene
dieses Instinktes ermangeln, jhrlich wchst. Es ist mir oft
vorgekommen, da die Mnner grere Liebe zu Kindern haben als die
Frauen. In meinem eigenen Kreise kenne ich keinen Mann, der Kinder nicht
gern hat, whrend ich viele Frauen kenne, die Kinder direkt nicht leiden
knnen und viele andere, die nur die eigenen erdulden, weil sie es eben
mssen. Ich habe auch beobachtet, da ganz zrtliche Mtter alle anderen
Kinder nicht ausstehen knnen, whrend Mnner, wenn sie berhaupt Kinder
gern haben, jedem Kind gewogen sind. Man beobachte nur einmal, wie
Mnner im Eisenbahnkupee ein gar nicht besonders reizendes Kind
beachten, whrend die anwesenden Frauen ganz gleichgltig bleiben. Eine
Dame, die viele Jahre eine Mdchenschule hatte, erzhlte mir neulich,
da ihrer Ansicht nach das Wesen der Mdchen sich ndert und die
Vorliebe fr Puppen und kleine Kinder sichtlich in Abnahme begriffen
ist. Kann man das verallgemeinern? Und wre es mglich, da die hhere
Frauenbildung solche bedenkliche Kehrseiten htte?

Zum Glck fr die Ehre und die Ideale unseres Landes ist das Nachwuchs
liebende Element noch in berwltigender Majoritt und viele Leute,
die sich aus verschiedenen Grnden gerade keine Kinder wnschen,
bewillkommnen den Storch recht herzlich, wenn er sie mit seinem Besuche
beehrt. Nach Jahren werden sie einem dann sagen, da sie sich gar
nicht vorstellen knnen, wie das Leben ohne das Getrippel kleiner
Fchen im Hause, das Geplapper der sen Stimmchen und die zarten
Kindergesichtchen gewesen wre.




II. Das Fr und Wider des beschrnkten Nachwuchses

  Das Kind -- des Himmels Gabe.

    _Tennyson._


Obgleich ich es bei legitim Verheirateten fr den grtmglichen
Migriff halte, aus irgend welchen anderen Grnden als geistiger oder
krperlicher Degeneration absichtlich kinderlos zu bleiben, bin ich
andererseits entschieden gegen die Lutheranische Doktrin von der
unbeschrnkten Vermehrung. Die Zeiten haben sich seit Luthers Tagen
gendert, und im 20. Jahrhundert sind kleine Familien -- auer bei den
sehr Wohlhabenden -- direkt notwendig. Wo das Geld keine Rolle spielt
und die Eltern durch und durch gesund sind, mag der Luxus einer
zahlreichen Familie gestattet sein. Und es ist ein Luxus, mgen die
Zyniker spotten, soviel sie wollen. Wir modernen Eltern mit unseren zwei
oder drei Kindern oder unserem einzigen Nesthkchen, das aus den
Augen zu verlieren wir uns kaum trauen, weil es unseren einzigen
Schpfungsversuch verkrpert -- wir vermissen viel von dem echten
huslichen Frohsinn, den unsere Mtter und Vter mit dreizehn bis
vierzehn lustigen Buben und Mdeln gekannt haben mssen. Unsere Kinder
knnen nicht einmal eine Partie Tennis stellen, ohne sich eins oder
mehrere von einer anderen Familie auszuborgen. So manches von der Angst
und Qual, die wir unserer sprlichen Nachkommenschaft halber erleiden,
war zu jenen Zeiten unbekannt, wo der Kindersegen reichlich war und die
Nachkommenschaft selbstverstndlich eine zweiziffrige Zahl erreichte.

Heutzutage sind diese Freuden der Luxus der Wohlhabenden, die sich
jedoch selten dieses besondere Vorrecht der Reichen zunutze machen. Wo
die Bedrfnisse des tglichen Lebens mit jedem Jahr im Preise steigen,
eine stndige Panik auf dem Geldmarkt herrscht, und der Konkurrenzkampf
bengstigende Formen annimmt, ist eine kleine Familie von zwei bis drei
Kindern alles, was der Mann mit mittlerem Einkommen sich erlauben kann.
Vier ist schon eine Ausnahmezahl, aber sie ist einige Opfer wert.
Professor E.A. Ro hat krzlich in +The American Journal of
Sociology+ konstatiert, da, obgleich die Beschrnkung des Nachwuchses
die Ausbreitung wirtschaftlichen Wohlstandes zur Folge hat, die
Kindersterblichkeit herabsetzt, die bervlkerung verhindert, welche die
Hauptursache von Krieg, Massenarmut, dem Konkurrenzkampf bis aufs Messer
und dem Klassenstreite ist, ihr dennoch beunruhigende Wirkungen
anhaften, und in Ein- oder Zweikinderfamilien den Eltern sowie den
Kindern viele der besten Lehren des Lebens abgehen; der zum Vorbild zu
erhebende Typus ist nicht die Familie mit ein bis drei, sondern mit vier
bis sechs Kindern. Auch der deutsche Gelehrte Mbius hat der Ansicht
Ausdruck gegeben, da die allgemeine Einfhrung des Zweikindersystems
zur Degeneration der Rasse fhren wrde.

Ob aber die Kinderzahl eins oder sechs ist, das ist dem Jesuitenpater
Bernard Vaughan ganz gleich, der in seinem heftigen Angriff auf die
modernen Eltern keinen Unterschied kennt zwischen dem reichen Mann, der
nur ein Kind, und dem schwer arbeitenden Gewerbsmann, der mehrere hat.
Den Familiennachwuchs berhaupt zu beschrnken ist in seinen Augen eine
abscheuliche und verwerfliche Snde, ein gemeiner Kniff, und die
Leute, die es tun, sind Verrter an der hochwichtigen Formel im
geheiligten Ehevertrag, zu dem sie Gott als Zeugen anriefen und den sie
zu halten versprachen. Das letztere ist kaum logisch -- niemand von uns
ist verantwortlich fr den Wortlaut des Ehezeremoniells, und wir knnen
ja nicht das Hersagen der barbarischen Formel mit der Erklrung
unterbrechen, da unserem Wunsche nach Vermehrung Grenzen gesteckt sind.

Der Pater Vaughan sagt auch, da diese Abneigung gegen die Fortpflanzung
das Erlschen der christlichen Sittlichkeit bedeutet und Trotz gegen
Gott darstellt. Es ist mir nicht klar, warum ein ehrsames Paar aus dem
Mittelstande, das zu dem Schlu gekommen ist, bei einem Einkommen von --
sagen wir -- 300 Pfund im Jahre drei Kinder fr angezeigter zu halten
als zwlf oder vierzehn, wegen dieses Beweises von Klugheit und
Selbstbeherrschung des Trotzes gegen Gott geziehen werden sollte.
Herrscht die Vorstellung, da die Kinder uns nur geschenkt werden, wenn
der Allmchtige sie uns zu schenken wnscht und ist es deshalb gottlos,
die Zahl zu regeln? Geradesogut knnte man ein junges Mdchen, das
einige Heiratsantrge ausschlgt, beschuldigen, Gott zu trotzen, da
ER sie offenbar zu verheiraten wnscht. Krperkrankheiten und Unflle
kommen mutmalich von derselben gttlichen Instanz, und doch hlt es
niemand fr eine Snde, gegen dieselben durch Mittel zu kmpfen, die die
Wissenschaft fr solche Zwecke in Bereitschaft hlt. Warum macht man uns
mit den Mitteln zur Beschrnkung des Nachwuchses bekannt, wenn wir sie
bei bedrohlicher bervlkerung nicht anwenden sollen? Die Lehre vom
Freien Willen wird geradezu zur Posse, wenn der Pater Vaughan recht
hat. Wenn er seine Bemerkungen auf jene beschrnken wrde, die
vorstzlich gar keine Kinder haben wollen, dann htte er viele Anhnger
gefunden, aber er wird durch die bertriebenheit seiner Anklagen unserer
Sympathie verlustig. Sogar das Bestreben, die Geburten nicht zu rasch
aufeinanderfolgen zu lassen, was fr die Gesundheit der Mutter von
solcher Wichtigkeit ist, brandmarkt er als unmoralisch. Er scheint es
angemessen zu finden, wenn eine Frau ungefhr alle elf Monate ein
Kleines bekommt, ungeachtet des beschrnkten Einkommens des Mannes, bis
sie ein krnkelndes, gebrochenes Wesen wird oder infolge der zu vielen
Geburten stirbt und eine mutterlose Kinderschar zurcklt. Seine
Bemerkungen richten sich natrlich hauptschlich an die vornehme Welt,
aber da der Pater Vaughan Mittellosigkeit nicht als Entschuldigung fr
eine vorstzliche Regulierung des Nachwuchses gelten lt, mu seine
Kritik auf alle Gesellschaftsklassen bezogen werden. Man wre versucht,
mit einer Person aus +The Merry-Go-Round+ auszurufen: In dieser Welt
sind's die Braven, die alles Unglck anrichten!

Im Jahre 1872 erschien, noch bevor die Geburtsziffer merklich zu sinken
begann, ein Artikel von Montagu Crackenthorpe in der Fortnightly
Review, der behauptete, da kleine Familien eher ein Zeichen des
Fortschrittes als des Rckschrittes seien. Dieser Artikel erschien
krzlich in einem Buche Bevlkerung und Fortschritt wieder. ber
dieses Thema gibt es eine Menge anderer Bcher, und auf sie mu ich jene
meiner Leser verweisen, die ausgebreitetere Kenntnisse ber diesen
hchst wichtigen Gegenstand zu erwerben wnschen. Der Raum hier
gestattet mir leider keine erschpfende Behandlung desselben. Die Sache
wird von den meisten von einem engen, persnlichen Standpunkt aus
betrachtet; denn man kann unmglich von Leuten, die im Daseinskampfe
stecken, erwarten, da sie imperalistisch denken und die Bedrfnisse
des Imperiums ber die Beschrnkungen ihres Einkommens setzen. Vom
volkswirtschaftlichen Standpunkt aus wurde die Frage von dem Meister der
Nationalkonomie, Sidney Webb, in einer Broschre unter dem Titel Das
Sinken der Geburtsziffer (im Verlage der Fabian Society) erschpfend
behandelt.

Ich wollte, ich knnte die Leute davon berzeugen, was fr ein Unrecht
es ist, nur ein Kind zu haben. Der Verlust fr die Eltern ist schwer und
fr das Kind unberechenbar. Alle Eltern, die in dieser Lage waren,
kennen die Nachteile bei der ersten Erziehung, wenn niemand da ist, mit
dem man spielen kann und niemand, der das Spiel wieder aufgibt und das
Kind sich selbst berlt, -- vielleicht die wichtigsten Lehren, die das
Leben uns erteilt. Zwei oder mehrere Kinder, die zusammen aufwachsen,
sind noch einmal so leicht zu lenken und zu unterrichten als eines
allein und in jeder Hinsicht unvergleichlich glcklicher. Spter fllen
Schulkameraden bis zu einem gewissen Grade die Lcke aus, aber das
einzige Kind ist ebenso wie seine Eltern noch immer zu bedauern. Alle
Hoffnungen der Eltern konzentrieren sich auf das eine Kind, und da die
Umstnde fast unausweichlich dazu beitragen, es zu verderben, werden
ihre Hoffnungen mehr oder weniger getuscht. Zu spt sehen dann die
Eltern ein, da sie einen Fehler begangen haben.

Ich war vor kurzem in einer Kindergesellschaft, wo solche einzige
Hoffnungen in der Majoritt waren. Ein herziges kleines Familientrio,
aus einem Knaben und zwei winzigen Mdchen bestehend, wurde viel
bewundert, und die Mutter geradezu beneidet. Mehrere der anwesenden
Mtter meinten, sie htten sich oft fr John oder Tommy ein Brderchen
oder Schwesterchen gewnscht; da wenige der betreffenden Kinder lter
als fnf Jahre waren, schien die Schwierigkeit nicht unberwindlich zu
sein. Aber es herrschte nur _eine_ Meinung unter den Damen: da es zu
spt sei, wieder mit der Kleinkinderstube zu beginnen. Es tte nur
gut, wenn beide zusammen aufwachsen knnten; fnf Jahre sei ein zu
groer Altersunterschied und so weiter. Gewi werden sie dereinst ihre
Zaghaftigkeit bitter bereuen, wie es bei vielen Frauen aus meiner
persnlichen Bekanntschaft der Fall war. -- John oder Tommy knnen ihnen
genommen werden, oder, was schlimmer ist, sie knnen lieblos und
ungehorsam werden, und in jener traurigen Zeit werden sie kein anderes
Kind als trstenden Ersatz haben.

Wenn die seichten Verfasser jener endlosen Zeitungsartikel ber die
Degeneration der modernen Frauen ihre Sache wirklich gut machen wollen,
dann sollten sie ihre trichten Klagen aufgeben ber die Unfhigkeit der
Frauen, das Spinnrad zu drehen oder Frchte einzulegen oder zu anderen,
durch den maschinellen Fortschritt unntig gewordenen Leistungen. Statt
dessen sollten sie ihre auf den Beweis der Degeneration zielende
Aufmerksamkeit lieber auf die seltsame Hilflosigkeit lenken, die den
Frauen des Mittelstandes bei Aufziehung ihrer Kinder eigen ist, und auf
ihr Grauen vor Komplikationen in der Kleinkinderstube. Ich kenne so
manche Frau, deren finanzielle Begabung und organisatorische Fhigkeit
ans Geniale grenzt, die gewi nicht in Verlegenheit wre, mit einem
Einbrecher zu verhandeln, jedoch unter keiner Bedingung den Schrecken
einer lngeren Eisenbahnfahrt mit ihrem zwei Jahre alten Kinde trotzen
wrde, whrend die Tatsache, das Kleine einmal whrend der Abwesenheit
der Kinderfrau nachts bernehmen zu mssen, ein nervenerschtterndes
Experiment bedeutet, das zumindest einen Tag vollstndiger Bettruhe
ntig macht.

Mit der Kleinkinderstube und ihrem vielverzweigten Apparat wieder zu
beginnen, wenn das Einzige ber das Zahnen hinaus ist, gehen, allein
essen kann und umgnglich ist, das ist eine Sache, vor der die modernen
Mtter zu verzagen scheinen. Um dem abzuhelfen, sollte man die Zahl der
kleinen Stubenbewohner vermehren, ehe Nr. 1 der Kinderstube entwachsen
ist, so da dieselbe um viele Jahre lnger belebt ist, als es heutzutage
modern, jedoch durchaus nicht eine unbegrenzte Zeit lang, wie es der
Pater Vaughan und andere im Zlibat lebende, der Kleinkinderstube und
ihrer Forderungen total unkundige Priester lehren!




III. Die Elternschaft -- die hchste Bestimmung

  O seliger Gatte! Seliges Weib!
  Der kstlichste Segen, den der Himmel gewhrt,
  Das lieblichste Kleinod aus des Lenzes Kranz,
  Wird eurem Lebenspfad beschert!

    _Gerald Massey._


Man wird mir vielleicht vorwerfen, da ich das Ehethema zu oberflchlich
behandle. Die meisten Abhandlungen, die ich gelesen habe, haben in
entgegengesetzter Richtung gefehlt und den Gegenstand von einem ermdend
transzendentalen Gesichtspunkt aus errtert. Ich habe absichtlich
versucht, ber Wirklichkeiten, Tatsachen, ber die Ehe, wie sie in der
alltglichen Welt wirklich ist -- das heit, wie sie mir wirklich
erscheint -- zu sprechen, und nicht, wie sie in einer erhabenen idealen
Welt edler Seelen sein mag.

Der Ehe -- wie sie von der groen Majoritt durchgefhrt wird -- scheint
meiner Ansicht nach wirklich nicht viel Heiliges innezuwohnen. Was ist
an zwei menschlichen Wesen Heiliges, die sich aus rein sozialen oder
huslichen Rcksichten, welche oft von stark kommerziellen Beweggrnden
durchsetzt sind, dahin einigen, zu eigenem Behagen miteinander zu leben?
Gewi liegt in jeder Liebe eine gewisse Heiligkeit, aber unter den
verschiedenen Spielarten menschlicher Liebe scheint die Geschlechtsliebe
am wenigsten Heiligkeit an sich zu haben. Die Familienliebe, bei der die
Bande des Blutes bestehen, die Liebe zwischen Freunden -- die reinste
von allen Neigungen -- sind oft im Kerne heiliger als die sogenannte
heilige Gattenliebe.

Die Ehe, die bloe soziale und physische Verbindung von Mann und Weib,
_abgesehen von der Elternschaft_, ist einfach eine Gemeinschaft -- aus
der, ich gebe es zu, eine ungeheure Steigerung an Glcksmglichkeiten
fr die beiden Teilhaber ersteht -- im groen und ganzen ein
ausgezeichneter Kontrakt, aber alles in allem ein blo weltlicher
Kontrakt. Aber wenn die Kinder kommen, wenn das gttliche und herrliche
Wunder vollbracht ist, dann ist die Ehe wohl auf einen ganz anderen
Grund gestellt, und ich streife gerne die Schuhe von den Fen, wenn ich
ihren Bereich betrete, denn es ist heilig.

Bei der Geburt eines Kindes erhlt die Ehe, der es entsprossen, eine
unsterbliche Bedeutung. Die Verbindung, die frher nur fr die beiden
Beteiligten von Wichtigkeit war, ist jetzt von Bedeutung fr den Staat
und die Nachwelt, und daher fllt den Eltern eine wirklich schreckliche
Verantwortung zu. Von dem Physischen, dem Charakter, der Intelligenz
jedes Kindes kann das Schicksal zuknftiger Generationen abhngen. Wenn
wir unser Kind nicht ordentlich ernhren, kann es rhachitisch werden,
und eine knftige Generation kann durch unsere Sorglosigkeit verkrppelt
sein. Wenn wir ihm die Pflicht der Selbstbeherrschung nicht grndlich
einprgen, kann es ein Trunkenbold oder ein Wstling werden, und der
Fluch von tausend daraus entstehenden beln kann auf unseren Enkeln
lasten. Vor der Verantwortung, das Dasein einer Rasse mit all ihren
unermelichen Mglichkeiten an Snden und Leiden fortzupflanzen, mgen
wohl die Khnsten zurckweichen. Aber das einzige tatschliche Mittel,
das Los der Menschen zu verbessern, ist, eine neue Generation von
besserer Beschaffenheit aufzuziehen. Denn die Umgehung der Elternschaft
zu erwgen, hiee die Zukunft der Brut unberlegten Sinnenfrnens
berlassen. Auf dem groen Schlachtfeld der Welt gibt es keine hhere
Pflicht, als die Reihen derer, die fr das Licht kmpfen, wohl besetzt
zu erhalten. Nicht zum Feiern sind unsere Nachkommen berufen, nein, zu
einem langen, schweren Kampf, der mit dem unvermeidlichen Tod endet.
(W.T. Stead, +Review of Reviews, January 1908+.)

Es ist sehr richtig behauptet worden, da die Kinder der Wohlstand der
Nationen sind: wenn wir unsere Elternschaft wirklich sehr ernst nehmen
wrden -- viel, viel ernster als es jetzt der Fall ist --, dann wrde
sie gewi den strksten Schutz gegen den sittlichen und physischen
Verfall bieten, von dem wir so oft hren. Ich mchte die Elternschaft
zur Wrde eines hohen geistigen Ideals erhoben sehen. Nicht, da ich der
bertriebenen Verhimmlung der bloen Fortpflanzung das Wort rede,
obgleich es eine kstliche Sache ist, schne und gesunde Kinder in die
Welt zu setzen, eine Sache, auf die Mnner und Frauen sehr stolz sein
sollten, aber: eine unsterbliche Seele ins Leben zu rufen -- was
kann sich damit vergleichen? Den neugeborenen Geist der Sonne
entgegenwachsen zu lassen, die edleren Mglichkeiten des vielfltigen
menschlichen Organismus durch stetes Bemhen zur Entwicklung zu bringen
und aus ihm einen aufrechten, himmelstrmenden Redner zu machen --,
welch besseres Lebenswerk kann ein Mann oder eine Frau zu vollenden
hoffen, welch greres Denkmal hinterlassen?

Wrde die Elternschaft ein hohes Ideal werden, dann wrde nach einiger
Zeit die ffentliche Meinung -- jene mchtige Waffe -- so stark werden,
da eine unwrdige Elternschaft von allen anstndigen Leuten miliebig
aufgenommen wrde. Die Untauglichen drften es nicht wagen, das
Verbrechen der Fortpflanzung ihrer Gattung zu begehen und der dieser
Snde gegen die Gemeinschaft anhaftende Makel wrde vielleicht sogar dem
Makel gleichkommen, der heutzutage dem schrecklichen Verbrechen des
Falschspiels anhaftet! -- Erfllt von dem Ideal edler Elternschaft,
wrden die jungen Mdchen bei ihren Bewerbern auf das vterliche Gemt
sehen, die Mnner wrden bei den Mdchen, die sie freien, die schnen,
mtterlichen Eigenschaften suchen, und die materiellen Erwgungen, die
jetzt beide Teile so sehr beeinflussen, wrden immer weniger
ausschlaggebend sein. Hundertfach wrde das Eheband befestigt werden.
Die Untreue wre seltener, denn die Gatten, die mit Kindern gesegnet
sind, wrden fhlen, da ihrer Verbindung die Weihe verliehen wurde und
sie wahrhaft unlslich geworden ist. Vater und Mutter, die sich zum
erstenmal ber dem kleinen Krper ihres ersten Kindes kssen, knnten
diesen unbeschreiblichen Augenblick nie vergessen. Der Mann und die
Frau, denen ein Kindlein zusammengehrte, die es sprechen und spielen
gelehrt und seine ersten strauchelnden Schritte gelenkt haben, knnten
nie leichthin die Schwre auer acht lassen, die sie aneinander banden.
Die sanften kleinen Kinderhnde sind dazu geschaffen worden, die Herzen
von Mann und Frau aneinander zu schmieden, und sie erfllen wunderbar
ihre Sendung!

Erst wenn wir Vter und Mtter werden, vollbringen wir all das, was
unsere Vter und Mtter fr uns getan haben -- und welche Offenbarung
ist es! Welch neuer Himmel, welch neue Erde werden uns durch den Zauber
erschlossen, den die Gegenwart eines kleinen Kindes in unserem Hause
ausbt -- des kleinen Krpers, der geheimnisvoll nach unserem Ebenbilde
geschaffen, der kleinen Seele, die unserer Frsorge anheimgegeben wurde!

Wrs nicht der Kinder wegen, die Ehe wre wirklich ein allgemeiner
Migriff. In ihrem Interesse ist sie geschaffen worden, und sie nur
machen sie mglich. Kinder machen eine glckliche Ehe vollkommen und
eine gleichgltige glcklich. Sehr oft gestalten sie eine recht
verfahrene Ehe zu einer wenigstens ertrglichen Gemeinschaft. Wenn eine
kinderlose Ehe glcklich ist, -- wirklich glcklich, dann ists
gewhnlich, weil Mann und Frau einander besonders zugetan oder Leute von
ungewhnlichem Charakter sind.

Man kennt seltene Beispiele, wo die Gatten sich eben deshalb fester und
liebevoller aneinanderschlossen, weil sie keinen anderen Gegenstand
hatten, auf den sich ihre Neigung erstrecken konnte. Die Frau, die
weniger Sorgen hat und die die Geliebte nicht in der Mutter aufgehen
lassen mu, bleibt in den Augen des Mannes jugendlicher, als es sonst
mglich wre, whrend sie an den Mann ebenso ihre mtterliche als ihre
weibliche Hingabe, verschwendet und er ihr Gatte und Kind zugleich ist.
In einer solchen Ehe kann man etwas Heiliges sehen, obzwar sie keine
Kinder hervorgebracht hat; ein solches Paar scheint die Kleinen, die nie
kommen, nicht zu vermissen. Dasselbe findet sich manchmal bei Knstlern,
deren ganze Interessen und schpferische Energien in ihrem Werke
aufgehen.

Von ganzem Herzen verachte ich jene verheirateten Leute, die, in vollem
Besitz von Gesundheit und Kraft, vorstzlich kinderlos bleiben. Von
ganzem Herzen bedauere ich die Ledigen und Jene, denen Kinder versagt
sind. Jedoch haben sie Entschdigungen; wenn ihnen die Wonne entgeht, so
bleiben ihnen auch die endlosen Sorgen, die zahllosen Kmmernisse, die
stndige Selbstaufopferung, die oft bitteren Enttuschungen erspart. Die
Kinder machen einem gar manche andere Schmerzen als die der Geburt.
Tennyson sagt: Das traurigste Wesen auf der Welt ist jene Mutter, die
ein Kind hat und es vom Pfade abirren sieht! Und doch sind durch
geheimnisvolles Naturwalten die Saiten des Mutterherzens oft fr die
Kinder, die irren, am zrtlichsten gestimmt. Zu den schnsten Versen,
die je geschrieben wurden, gehren meiner Ansicht nach jene in Stephen
Philips Marpessa: als die junge Marpessa den Gott ihres geringen
sterblichen Liebhabers halber verschmht, sagt sie von diesem:

  Und er wird warmfhlende Kinder mir schenken,
  Keinen strahlenden Gott, der die irdische Mutter verachtet,
  Nein, Wesen mit zappelnden Gliedern und kleinen Herzen, die irren!

Aber die zappelnden Glieder werden bald so gro, da man sie nicht
wieder erkennt; die kleinen Herzen werden klug und weltlich und irren
auf weniger erwnschte Weise -- unsere warmfhlenden Kinder entwachsen
uns heutzutage schnell. Das ist die wahre Tragdie der Mutterschaft --
_da die Kinder ihr entwachsen_.




Fnfter Teil

Wie man, obgleich verheiratet, glcklich werden kann


  Um glcklich miteinander zu leben, sollten sie mit den Feinheiten
  des Seelenlebens vertraut und mit der Fhigkeit geboren sein,
  nachzugeben und sich auszugleichen.

  Die Gte in der Ehe ist ein verwickelteres Problem als die bloe
  Tugend, denn es sollen in der Ehe ja zwei Ideale verwirklicht
  werden.

    _R. L. Stevenson._




I. Einige Reformvorschlge


Im Laufe der letzten 25 Jahre sind die rgsten Ungerechtigkeiten unseres
Ehegesetzes richtig gestellt worden, und im Vergleich zu ihnen
erscheinen die noch bleibenden belstnde verhltnismig gering. Es ist
in der heutigen Zeit der fortgeschrittenen Frauen kaum zu glauben, da
sich vor einigen Jahren ein Mann noch das Besitztum des Weibes aneignen
und es nach Belieben ausgeben konnte oder, was noch ungeheuerlicher ist,
einen Fremden als einzigen Vormund seiner Kinder nach seinem Tode
bestellen durfte, ohne auf die natrlichen Rechte der Mutter auch nur zu
achten.

Die schwerste noch bestehende Ungerechtigkeit ist, da die Erleichterung
durch die Scheidung den Mnnern zugnglicher ist als den Frauen. Dieses
Gesetz wurde von den Mnnern zu ihren eigenen Gunsten abgefat, aber
seine Existenz ist ein Schandfleck auf der Ehre der englischen Justiz
und der englischen Sittlichkeit, ebenso wie der Umstand, da die Untreue
eines Gatten so leicht genommen wird. Wir wollen hoffen, da die Zeit
nicht mehr fern ist, wo die Scheidungsbedingungen fr beide Parteien
genau dieselben sein werden.

Es wird heutzutage fast allgemein die Ansicht gehegt, da die Lsung der
Ehe nur erreicht werden soll, wenn einer der beiden Teile ein
ausgesprochener Trunkenbold, mondschtig oder ein zu langer Kerkerstrafe
Verurteilter ist. Wie erniedrigend ist es fr die besten Instinkte
unseres Geschlechtes, da die Frau eine Ungltigkeitserklrung der Ehe
dadurch erhalten kann, da sie eine gewisse physische Unfhigkeit des
Mannes beweist, die in keiner Weise ihr Glck, ihre Gesundheit oder ihre
Selbstachtung beeintrchtigt, aber auch nicht einmal die teilweise
Erleichterung der Trennung erreichen kann, wenn ihr Mann ein
Trunkenbold, ein Ehebrecher oder ein Verbrecher ist, solange sie nicht
noch dazu seine Grausamkeit oder sein bswilliges Verlassen beweisen
kann! Es ist ferner eine Ungerechtigkeit, da die Scheidung so
kostspielig ist, da nur reiche Leute oder die ganz armen (durch
Beibringung eines Armutszeugnisses) sich sie gestatten knnen.

Vielleicht die ntigste aller Reformen ist, da die Ehe der geistig und
physisch Ungeeigneten gesetzlich verhindert werde, oder vielmehr, da
sie verhindert werden, Kinder zu haben, was ja die Hauptsache ist. Es
wre ganz gut durchfhrbar, die Kinderlosigkeit der Ungeeigneten zu
sichern, obgleich ein Gesetz hierber die taktvollste Handhabung
erfordern wrde, und man sich kaum ein Parlament von Mnnern denken
kann, das es mit irgendeinem Erfolg durcharbeiten knnte. Vielleicht
wird das Gesetz dann durchgehen, wenn wir die ideale Regierung haben,
in der beide Geschlechter und alle Klassen vertreten sein werden. Ein
von einem in Staatsdiensten stehenden Arzt unterzeichnetes Zertifikat
sollte jedenfalls obligatorisch sein, bevor eine Heirat besttigt wird.
Wenn der Krebs, die Tuberkulose, der Wahnsinn und alle mit dem
Alkoholismus und dem ausschweifenden Leben verbundenen bel jede Familie
im Land infiziert haben werden, dann werden unsere weitsichtigen
Gesetzgeber die Notwendigkeit einer derartigen Einschrnkung einzusehen
beginnen. Gegenwrtig wird die Freiheit des Individuums als ein fr die
Rasse zu schwer wiegender Wert bewahrt.

Eine andere uerst ntige Reform ist, da die unehelich geborenen
Kinder durch die nachtrgliche Heirat der Eltern, so wie in vielen
anderen Lndern, legitimiert werden sollen. Das wrde niemandem schaden,
knnte auch nicht das Laster ermutigen und wrde sehr viel bitteres
Unrecht gut machen. Die gegenwrtige Regelung ist uerst unvernnftig.

England ist beinahe das einzige europische Land, wo es nicht angestrebt
wird, den Tchtern eine Mitgift zu geben, auer in den wohlhabenden
Klassen. Ganz bemittelte Englnder halten es fr unntig, ihren Tchtern
zu Lebzeiten irgend etwas zu geben, obgleich sie geneigt sind, sich
ernste Einschrnkungen aufzuerlegen, um ihre Shne im Leben gut zu
stellen. Die englischen Vter geben alles ihren Shnen, in vielen
Lndern des Kontinents kommen die Tchter dem Rechte nach zuerst und in
allen Klassen, den reichen und den armen, trachten die Eltern auf
irgendeine Weise fr eine Mitgift zu sorgen, indem sie vom Tage der
Geburt des Kindes an zu sparen beginnen.

Ich bin berzeugt, da ein ungeheuerer Ansto zur Ehe gegeben wrde,
wenn die Mitgift fr die Tchter in England blich wrde und viele
Mihelligkeiten zwischen Mann und Frau knnten vermieden werden, wenn
die Frau eigene, wenn auch noch so geringe Mittel htte. Es ist gewi
uerst demtigend und unangenehm fr eine bessere Frau, von ihrem Mann
wegen jeder Omnibusfahrt und jedes Pckchens Haarnadeln abzuhngen.

Die Englnder sind jedoch darnach, sich mit ihren Fehlern zu brsten und
berdies so heillos sentimental, da sie sich's als Ehre anrechnen, in
dieser Hinsicht eine Ausnahme von allen Lndern zu bilden, und noch
damit prahlen, da bei ihnen die Ehen nur aus Liebe geschlossen werden.
Demselben unsinnigen und unfrsorglichen Geist entspringt die bliche
Abneigung, den Tchtern etwas zu vermachen. Nur bei einem sehr reichen
Mann erwartet man das, whrend es doch nur gerecht ist, da jeder Mann
seiner Frau etwas vermacht, wenn auch nur die Einrichtung oder die
Versicherungspolice.

Ein Kapitel ber die Ehereformen wre nicht vollstndig ohne Hinweis auf
unsere barbarische kirchliche Ehezeremonie. Ntzt es noch etwas, darber
Klage zu fhren? Seit ich lesen kann, lese ich Angriffe darauf. Es ist
klar, da niemand ein Wort zu ihrer Verteidigung hat, nicht einmal die
Priester, und doch bleibt sie genau so, wie sie zu Zeiten JamesI.
vorgeschrieben wurde. Wenn je eine von den Mnnern verfate religise
Formel einer Revision bedurfte, um mit den Gedanken der Zeit gleichen
Schritt zu halten, so ist es diese. Wie kann die Kirche erwarten, da
wir die Ehe als ein Sakrament betrachten, wenn ihre Bedingungen in so
roher Sprache und von einem so falschen Gesichtspunkte aus bezeichnet
werden. Ist es nicht falsch, jene Personen zu verherrlichen, die die
Gabe der Enthaltsamkeit haben, eine Gabe, die bald zum Aussterben
des Menschengeschlechtes fhren wrde, wenn sie der Majoritt eigen
wre? Diese spezielle Formel ist fr eine reine, unschuldige Braut eine
schmhliche Beleidigung und ganz unntz. Wenn schon keine andere
Verbesserung angebracht wird, so knnte diese einleitende Erklrung der
Grnde fr die Einrichtung der Ehe wohl ausgelassen werden, wenn auch
nur der Tatsache halber, da der Hauptzweck der Ehe, nmlich
gegenseitig Hilfe und Trost zu sein in ihr an letzter Stelle
erscheint. Die Kirche Englands kann von den Qukern oder der
Neu-Jerusalemer Kirche, einer auf den Schriften des groen Mystikers
Emanuel Svedenborg gegrndeten religisen Gemeinschaft, lernen. Bei dem
Freundschaftsbund ist das Verfahren uerst einfach. Nachdem eine Zeit
in stillem Gebet verbracht wird, erheben sich die Parteien und sagen
einer nach dem andern feierlich, indem sie sich bei der Hand halten:
Freunde, ich nehme diese meine Freundin A.B. zum Weibe und verspreche,
mit gttlichem Beistand ihr ein liebender und treuer Gatte zu sein, bis
es dem Herrn gefallen wird, uns durch den Tod zu trennen. Die Formel
der neuen Kirche ist lnger, aber ebenso schn und einwandfrei.




II. Einige praktische Winke fr Ehemnner und -frauen

  Man braucht in der Ehe nicht eine Menge schner Gefhle, sie ntzen
  nichts.

    _W. Sommerset-Maugham._


Der beste Rat, den man einem Paare auf den langen, geraden und
staubigen Weg der Ehe mitgeben kann, ist: Gesegnet sind die, die wenig
erwarten. Der zweitbeste ist: Trachtet euer Ideal zu verwirklichen,
aber nehmt die Niederlage philosophisch hin. Es ist schwer, mit
jemandem zu leben, der eine ideale Vorstellung von uns hat; es ruft in
uns den ruchlosen Wunsch wach, so schlecht als mglich zu sein. Miranda
sagt mir oft: Die Ursache, warum Lysander und ich so vollkommen
glcklich sind, ist, weil wir uns nie etwas daraus machen, einander
unsere schlechtesten Seiten zu zeigen, und auch nie die Notwendigkeit
fhlen, uns besser zu machen, als wir sind. Merkt euch das, Braut und
Brutigam! Bedenkt, da ein Piedestal ein sehr ungemtlicher
Aufenthaltsort ist, und weiset eurem Lebensgefhrten diesen unbequemen,
erhhten Platz nicht an. Es sind mehr Ehen daran gescheitert, da man
zuviel voneinander erwartet hat, als durch irgend welche Laster oder
Verirrungen.

Andererseits mu ich auf die Gefahr hin, trivial zu erscheinen,
wiederholen, da das Wichtigste in der Ehe die gegenseitige Achtung ist.
Sie geht ber Liebe, Vertrglichkeit, ja sogar ber den unschtzbaren
Sinn fr Humor. Die Achtung wird das schwankende Gebude der Ehe
zusammenhalten, wenn die Leidenschaft erloschen und selbst wenn die
Liebe dahin ist. Die Achtung wird sogar die entsetzliche Intimitt
ertrglich machen und ber die bedenklichsten Unannehmlichkeiten ohne
Quetschungen der Seele hinwegheben, was immer das Herz auch fr
Verwundungen davontragen mag. Darum, Brutigam und Braut, erhaltet die
gegenseitige Achtung um jeden Preis, und, Mnner und Frauen, heiratet
nie jemanden, den ihr nicht wirklich achtet, wenn ihr ihn auch noch so
leidenschaftlich liebt. Ich glaube, man kann in einer Ehe ohne Liebe
recht glcklich sein, wenn die Glut und Vernarrtheit der ersten Jugend
vorber ist, aber ohne Achtung kann man nie etwas anderes als
unglcklich werden.

Es ist immer einer, der liebt, und einer, der geliebt wird. Wenn ihr
findet, da ihr der eine seid, der liebt, dann merkt es wohl: _es ist
der bessere Teil_, besonders fr die Frauen. Ermdet euren Gefhrten
nicht mit fortwhrenden Ansprchen, Szenen, Vorwrfen, Trnen, Bitten,
es wird euch nichts ntzen, und das geliebte Wesen euch nur entfremden,
und da wir gerade bei den Trnen sind, so lat mich alle Frauen
dringendst davor warnen, dieser natrlichen weiblichen Schwche zu
frnen. Die vernnftigen, nchternen, beraus krftigen modernen Mdchen
machen sich gewhnlich darber lustig; aber in der Ehe kommen Anlsse
zum Weinen, von denen diese selbstsicheren jungen Mdchen keine Ahnung
haben. Aber die alte Vorstellung, da Trnen beim Manne den Sieg
davontragen und so oft dazu dienen, das hrtere mnnliche Herz zu
besnftigen, ist ganz erloschen. Und wenn die Frauen es nur einsehen
wollten: die Trnen erzeugen ein Gift, das auf die Liebe verhngnisvoll
irritierend wirkt und sie oft ttet. Nur im Anfang, wenn der Mann noch
ganz jung und auf der Hhe seiner Glut ist, mgen die Trnen ihn
beeinflussen, aber nicht fr lange, und sehr selten nach der
Verheiratung. Dennoch erreichen sie oft ihren Zweck, da ausnehmend
zartbesaitete Mnner oft die Trnen so frchten, da sie sofort
nachgeben, wenn dieses Warnungssignal auf der Bildflche erscheint. Aber
ihre Gereiztheit ist deshalb nicht geringer, und oft knnen sie die Frau
schlielich nicht leiden, die auf ihre Sanftmut gebaut und daraus einen
in den Augen des Mannes ungerechten Vorteil gezogen hat. Die Frau, die
fortwhrend weint, wenn etwas schief geht, flt niemandem Achtung oder
Sympathie ein und treibt ihren Mann dazu, die Gesellschaft anderer
Frauen aufzusuchen. Die Mnner knnen es nicht leiden, wenn daheim
andere Gesichter als ihr eigenes traurig sind. Wenn sie sehr unglcklich
sind, fhlen sie sich berechtigt, sich gehen zu lassen; aber ihre Frauen
drfen das nicht, und wenn sie es tun, darf es gewi nicht die Form von
Trnen annehmen. Der glnzende anonyme Verfasser von Die Wahrheit ber
den Mann schrft den Frauen ein, stets eingedenk zu sein, da man den
Mnnern nie widersprechen, nie ihnen Vorwrfe machen und sie nie
kritisieren darf. Hierzu mchte ich nachdrcklichst sagen, da man
ihnen auch nie aus irgendeinem Grunde etwas vorweinen soll.

Ist es ntig, fr die Aufrechterhaltung der vollkommensten Hflichkeit
zwischen Mann und Frau zu pldieren? Im Anfang wohl nicht, aber mit der
Zeit wird es notwendig werden. Es kann sogar die Zeit kommen, wo Perseus
seine Stimme erhebt und seine Unzufriedenheit mit Persephone
hinausposaunt. Ein gewisser Typus von Mnnern wettert bei Verdru
natrlich nicht seinen Freunden oder Kunden gegenber, sondern blo in
Anwesenheit seiner Angestellten, seiner Dienerschaft, seiner Frau und
der Leute, die sich vor ihm frchten. Das war eine hliche Gewohnheit
unserer Grovter, und moderne Frauen sind kaum sanft genug, sie lange
ruhig hinzunehmen. Sollte sich jedoch Perseus durch eine wunderlich
atavistische Laune je in dieser Hinsicht so weit vergessen, dann wird
Persephone die biblisch sanfte Antwort wirksamer finden als den
lautesten Stimmenwiderhall. Wenn man mit uerst sanfter Stimme spricht,
wird man die Schreier beiderlei Geschlechts immer beschmend zum
Schweigen bringen.

Die Hflichkeit zwischen Mann und Frau ist ntiger als in irgendwelchen
anderen Beziehungen zwischen den Menschen. Sehr viel Bitterkeit knnte
erspart bleiben, wenn man sich stets daran erinnern wollte. Nichts ist
peinlicher, als ein Ehepaar miteinander grob verkehren zu sehen, und die
Gebote der Hflichkeit wrden all jenen Bemerkungen vorbeugen, die in
die Kategorie der besser nicht gesagten gehren. Besonders die Frauen
haben manchmal die sehr tadelnswerte Gewohnheit, ihrem Manne Wahrheiten
aus dem huslichen Leben an den Kopf zu werfen, wenn ihnen der Kamm
schwillt, und die meisten Mnner sind unter ihrem Schild vornehmer
Gleichgltigkeit empfindsam genug, um das sehr bel zu nehmen und an
solche stichelnde Worte noch viele Jahre lang zu denken. Die Tatsache,
da diese Worte gewhnlich uerst zutreffend sind, macht sie nicht
weniger tadelnswert; manche Frauen, die ihren Mnnern wirklich sehr
ergeben sind, setzen sie dennoch zu Hause und vor den Leuten fortwhrend
herab, und obwohl ein Mann es selten zugeben wird, rgert ihn das mehr,
als so manche des Mnnerherzens Unkundige fr mglich halten. Es ist
nmlich Tatsache, da die Mnner Bewunderung und Lob ebenso gerne haben
wie die Frauen, obzwar es ein Teil ihres seltsamen Kodex ist, diese
Tatsache zu verbergen. Sie nehmen einen Verweis genau so bel wie die
Frauen; und warum sollten sie es auch nicht?

Da wir gerade dabei sind, so mchte ich der Persephone zuflstern,
was fr eine wunderbar besnftigende Wirkung eine leichte, vernnftige
Schmeichelei auf die Mnnerwelt ausbt und wie lautlos sich durch sie
die Rder des Ehekarrens drehen. Ich meine nicht falsche, abgeschmackte
Schmeichelei, wie sie uns die Mnner so oft vorsetzen, wenn sie uns
gefallen wollen, ohne einzusehen, da die dick aufgetragenen Komplimente
eine Beleidigung fr unsere Intelligenz sind. Also natrlich nichts von
dieser Sorte, aber zarte, feine, liebevolle Schmeichelei. Eine leise
bewundernde Haltung, mglichst gemildert fr den ffentlichen Gebrauch,
die jedoch immer die Wertschtzung durchblicken lt, wird euch
ihm nicht nur viel liebenswerter machen als es irgendwelche
Liebesbeteuerungen tten, sondern sie wird auf seinen Geist und sein
Gemt glnzend wirken. Geradeso wie ihr in Gesellschaft von Leuten, die
euch bewundern, fhlt, da ihr blendend seid, und in Gegenwart jener,
die euch fr gescheit halten, groartig sprecht, wird auch Perseus durch
eure (wirkliche oder angebliche) Bewunderung angespornt, sie zu
rechtfertigen.

Dasselbe gilt auch von dir, galanter Perseus; ein Kompliment ber
Persephones strahlende Augen, ein Wort scheuer Bewunderung fr ihren
neuen Hut, oder des Lobes fr ihre Haltung als Hausfrau wird sie nicht
nur unsinnig glcklich machen, sondern dein Kapital in der Liebesbank
dadurch bedeutend erhhen, da du Schtze fr dich in Persephones Herz
ansammelst.

Um dies zu illustrieren, will ich zwei wirkliche Gesprche erwhnen, die
ich vor kurzem hrte. Das erste war zwischen einem jungen Paar Pelleas
und Nicolette, die erst krzlich mit einem kleinen Einkommen den
Haushalt begonnen hatten. Sie gaben eine Nachmittagsgesellschaft und
alle Gste waren fort auer mir. (Ich habe nmlich ein Privilegium, wie
Sie schon bemerkt haben drften; niemand geniert sich, vor mir natrlich
zu sein.)

Nicolette stie einen Seufzer der Erleichterung aus, als sich die
Haustre zum letzten Male schlo und wandte sich mit glnzenden Augen zu
Pelleas.

War's nicht sehr _schn_? sagte sie begeistert.

Nicht bel, sagte Pelleas.

Sind die Blumen nicht wunderbar, und habe ich die Zimmer nicht reizend
hergerichtet? Findest du nicht, da alles sehr nett war, Liebster? Ich
habe mich so angestrengt, fgte sie, nach einem Wort des Lobes
schmachtend, hinzu.

Pah, nennst _du_ ein paar Kuchen aufschneiden auch sich anstrengen?
war die Antwort.

Nicolette war zufllig eine taktvolle Frau, die wei, wann man zu
schweigen hat, aber sie sah traurig aus, und ihre ganze Freude an der
kleinen Unterhaltung war verdorben. Wie froh wre sie gewesen, wenn
Pelleas sie gekt und ihr gesagt htte, da sie eine reizende Hausfrau
war und alle ihre Anordnungen aufs beste getroffen hatte. Das rgerliche
daran ist, da er es wirklich glaubte, er zerplatzte vor Stolz ber sein
Haus und seine Frau und war geneigt, sich fr einen sehr schneidigen
Kerl zu halten, da er eine so reizende und gescheite Frau erobert hatte.
Aber es lag nicht in seiner Art, es zu sagen.

Der zweite Fall ist der, wo ich Geraint und seine Frau vershnen mute.
Ich habe den lieben guten Geraint immer recht gern gehabt, und sein
schrecklich unglckliches Eheleben war fr mich eine Quelle ernster
Betrbnis. Bei dieser Gelegenheit sprachen wir uns frei aus, und aus der
Tiefe seines kummervollen Herzens brachte er mir Klage um Klage vor.

Noch ein Beispiel, sagte er schlielich. Es ist geradezu lcherlich,
aber Sie werden nicht ber mich lachen, das wei ich. Es ist ein Unsinn
von mir, da ich daran denke, aber kurz und gut, ich tue es. Sie sa
aufrecht im Bett und brstete ihr Haar, ich kam ins Zimmer, um zu
fragen, ob ich ihr etwas aus der Stadt bringen knne; ich trat zufllig
vor ihren Toilettetisch und zog meine Kravatte fester zu. Der Spiegel
warf unser Bild zurck, und sie sagte pltzlich mit leisem Lachen: Wie
hlich Du bist.... Das ist alles. Sie sagte es ganz hflich, aber
es verletzte mich wahnsinnig. Es war so teuflisch berflssig. Und ich
glaube, es ist auch wahr, frher hatte ich nie daran gedacht, aber
seither sehr oft...

Noch ein Beispiel, wie man's nicht machen soll: Wenn ich schbig
angezogen bin, erzhlte mir einmal eine verzweifelnde Frau, dann sagt
er: 'Warum siehst du nicht fein aus?' Wenn ich elegant bin, sagt er:
'Schon wieder neue Kleider, ich wei nicht, wer die zahlen wird!' Wenn
etwas Auergewhnliches zu Tische kommt, sagt er: 'Diese extravaganten
Sachen werden mich zugrunde richten', und wenn das Essen einfach ist,
dann fragt er: 'Ist das alles?'

Ich habe vorhin auf die Mnnerklubs als eine Wohltat fr die Frauen
hingewiesen, und als solche sind sie mir immer erschienen. Aber diese
Meinung wird offenbar nicht von allen geteilt, da eine Anzahl Frauen
krzlich im Druck ihre Absicht kundgaben, nach Erlangung des Stimmrechts
fr die vollkommene Abschaffung oder wenigstens obligatorisch frhe
Schlieung aller Mnnerklubs zu agitieren. Es scheint betrbend
lcherlich, da die Frauen durch einen Parlamentsakt ihre Mnner zur
bestimmten Stunde nach Hause zwingen wollen. Ich will mich bemhen, euch
irregeleitete Frauen zu bekehren, falls eine davon sich herablassen
sollte, dieses Buch zu lesen.

Meine lieben Frauen, fast alles, was euer Mann zu Hause nicht bekommen
kann, kann er im Klub bekommen -- je mehr seine Bedrfnisse befriedigt
werden, desto vergngter wird er leben, und euer Familienleben folglich
um so glcklicher sein! Wenn die Mnner eine Passion haben, so whlen
sie gewhnlich einen damit verbundenen Klub oder einen, wo sie andere,
durch hnliche Dinge gefesselte Mnner treffen knnen, mag es Politik,
Sport, Pferde, Karten, Musik, Golfspiel oder Theater sein, -- wenn es in
ihnen steckt, mu es heraus, und gescheite Frauen lassen es geschehen.
Eine unterdrckte Manie bedeutet einen verbitterten Gatten. Im Klub
knnen sie ihr Whist haben oder ihrer Emprung gegen die Regierung
freien Lauf lassen, sie knnen einen halben Sovereign als Spieleinsatz
geben und die Aufzeichnungen ber die groen Gewinste beim gestrigen
Whistspiel, ber das letzte Loch beim Golfspiel oder wie sonst der
Fachausdruck lautet, vergleichen. Im Klub knnen sie andere Mnner
treffen und eine vollkommene Abwechslung von Bureau oder Familienleben
haben, und sie kehren daher zur Arbeit und zur Frau erfrischt und
angeregt zurck.

Wenn es eurer Kchin auf die ihr eigene rtselhafte Weise gelungen ist,
ein Mittagessen zu Hause unratsam oder unmglich zu machen, dann
telephoniert es eurem Herrn und Gebieter, denn kann er im Klub nicht
kniglich und dabei konomisch speisen? Wenn ihr an einem Feiertag fort
seid, kann er dasselbe tun und einen angenehmen Abend dort verbringen,
anstatt im leeren Hause allein und gelangweilt herumzugehen. Wenn ihr
euch Unannehmlichkeiten strender Natur leistet, -- wenn ihr dies je
tut, -- so steht ihm derselbe freundliche Hafen offen, gewi fr euch
etwas Trstlicheres, als wenn er ber das Haus schimpft, whrend die
kleine Meinungsverschiedenheit beigelegt werden soll. Kurz und gut, der
Segen und die Vorteile eines Klubs fr den Ehegatten haben kein Ende und
warum ihr, liebe Frauen, sie abschaffen wollt, das kann ich mir wirklich
nicht erklren.

Freilich sollte die ntige Migkeit beobachtet werden wie bei allen
guten Dingen, und ein- oder zweimal die Woche die Nacht im Klub zu
verbringen, sollte gengen. Bei diesen Gelegenheiten kann die Frau ein
primitives Abendessen haben, was immer eine Wohltat fr die Frau ist,
mit einem Buch neben dem Teller, sie kann sich gehen lassen und ihre
Kchin ausschicken, oder wenn sie zum rastlosen Typus gehrt, kann sie
den freien Abend bentzen, um ihre Rechnungen und ihre Korrespondenz in
Ordnung zu bringen. Ist sie heiterer Natur, so kann sie mit einem
schchternen Verehrer oder auch nur mit einer Freundin ins Theater gehen
und nachher soupieren. Man mag ber den Klub denken wie man will: wenn
ein Mann ihn nicht mibraucht, so ist er ein reiner Segen frs Eheleben.

Aber vielleicht ist es das tragische Verhngnis der in Rede stehenden
Frauen, da sie ihren Mnnern nicht vertrauen knnen, und mit Recht.
Vielleicht lebt in ihrem Herzen das betrbende Bewutsein, hintergangen
zu werden, und sie frchten, da der Klub als Vorwand fr einen Abend
gebraucht wird, dessen Gesellschaft dem weiblichen Standpunkt weniger
wnschenswert erscheint. Selbst dann ist der Klub ein Segen; denn
wenigstens kann eine Frau hoffen und zu glauben trachten, da
ihr Mann wirklich dort ist, whrend, wenn er keinen Klub hat,
die Durchsichtigkeit seiner abwechselnden Ausreden ihre rgsten
Verdchtigungen bekrftigen mu. Wenn ein Mann entschlossen ist,
derartige Dinge zu tun, so kann ihn nichts aufhalten; sollte _ein_
Vorwand, seine Zeit auer Hause zu verbringen, fehlschlagen, so wird er
einen anderen vorbringen, und je weniger Aussicht seine Frau hat, die
wirkliche Sachlage zu entdecken, desto besser ist es fr ihren
Seelenfrieden.

Da die Unwissenheit ein Segen ist, ist eine tiefe Wahrheit im Eheleben,
und die Frauen sollten sich von ihr leiten lassen. Ich glaube, es gibt
Frauen, die sich's zur Gewohnheit machen, bei Gelegenheit die Taschen
ihrer Ehegatten zu durchsuchen, voraussichtlich in der Erwartung,
irgendwelche verrterische Briefe oder Rechnungen zu finden. Was sie
im Falle einer unangenehmen Entdeckung zu gewinnen hoffen, das
wei der liebe Himmel allein! Nichts als eine mehr oder weniger
verabscheuenswerte Szene, den daraus folgenden Verlust alles huslichen
Friedens, ohne die wirkliche Quelle der Betrbnis auch nur im geringsten
zu beeintrchtigen. Zum Glck sind wenige Gatten so verrckt, ihre
kompromittierenden Dokumente bei sich zu tragen. In jedem Fall ist diese
berwachung emprend, und wo gegenseitige Achtung existiert, fr deren
Notwendigkeit ich schon so energisch eingetreten bin, da knnen solche
Geschmacksverirrungen nicht vorkommen.

Um auch jenen unglcklichen Frauen gerecht zu werden, deren Mann zu
ihrem groen Kummer dem Wrfel oder Becher allzusehr ergeben ist, mu
ich hinzufgen, da die Frauen, wo das der Fall ist, das Recht haben,
durch alle ihnen zu Gebote stehenden Mittel den Mann vom Klub
fernzuhalten, der grere Gelegenheiten bietet als der Familienkreis,
diesen Lastern zu frnen.

Und jetzt noch ein spezielles Wort an die Mnner. An frherer Stelle
erwhnte ich die Mglichkeit einer verheirateten Frau, mit einem Freund
ins Theater und soupieren zu gehen. Im Londoner Leben kommt das so
hufig vor, da eine Erklrung dafr dem Eingeweihten simpel und
abgeschmackt vorkommt; aber die Eingeweihten sind ein sehr kleiner Teil
der Gesamtheit und da dieses Buch bescheiden fr jene, die sich fr die
Ehe interessieren, also fr _jeden, der es lesen will_, gedacht ist, so
will ich mich zugunsten der uneingeweihten Majoritt ein wenig ber
dieses Thema verbreiten. -- Eine groe Zahl Mnner liee sich's nicht im
Traum einfallen, ihre Frauen abends mit einem anderen Mann allein
ausgehen zu lassen. Warum, das kann ich mir nicht erklren! Denn sie
knnen gewi ihre Frau und ihren Freund nicht durch den Gedanken an
irgend etwas Unschickliches beleidigen wollen. Es entspringt das wohl
den berresten eines primitiven mnnlichen Gefhls, das sie
nicht erklren knnen, (in frheren Zeiten waren die Mnner noch
anspruchsvoller, und nach Justinianischem Gesetz konnte ein Mann sich
von seiner Frau blo deshalb scheiden lassen, weil sie ohne seine
Einwilligung mit anderen Mnnern in den Zirkus, in die Bder oder zu
Festmhlern ging). Mir erscheint es ebenso unvernnftig wie die
Mibilligung der Mnnerklubs seitens der Frauen. So wie eine vernnftige
Frau keinen Einwand gegen den Klub ihres Mannes erhebt, so erlaubt ein
gescheiter Mann seiner Frau, wenn sie es wnscht, mit einem anderen
Manne auszugehen. Wenn er etwas von der weiblichen Natur versteht -- und
kein Mann sollte heiraten, ehe er nicht soweit ist -- dann erkennt er,
da die Bewunderung anderer Mnner seiner Frau angenehm ist und ein
bichen Heiterkeit eine wunderbare Wirkung auf ihre Stimmung ausbt.

Ich erinnere mich an die Zeit, als Theodor und Amoret darber heftig
auseinandergerieten. Aber Theodor gab nach. Er pflegte es fr sehr
unrecht von mir zu halten, da ich ganz gern andere Mnner in mich ein
bichen verliebt sehe, sagte Amoret, aber ich erklrte ihm, da ich es
gern habe, weil es mir ein so schnes Machtgefhl gibt und dem Leben
eine Wrze verleiht. Dann sagte er immer, es sei fr eine verheiratete
Frau sehr gefhrlich, irgend eine andere Wrze im Leben zu haben als
ihren Mann, und ich pflegte ihm zu antworten, da er eine Menge 'Wrzen'
auer mir habe, und was ich denn die langen Abende tun solle, wo er
endlos Bridge spielt. Schlielich versprach ich, da es mich zufriedener
machen wrde und fhiger, die Eintnigkeit des Ehelebens zu ertragen,
wenn er mich ausgehen liee. Darauf meinte er, es sei schrecklich
schlecht von mir, die Ehe eintnig zu finden, und sagte, seine Mutter
wre bei einer solchen Bemerkung entsetzt gewesen. Da sagte ich ihm, es
wre nicht gut von einer jungen Frau zu erwarten, da sie sich wie seine
eigene Mutter benhme -- und er sagte, es wre ihm lieber, ich wrde es
nicht tun. Dann lachten wir beide, und der gute alte Junge gab nach und
sagte, da Eberhard ein unschuldiges Lamm sei, und da er einmal zum
Versuch mit mir ausgehen solle. Seither bin ich mit allen Freunden ins
Theater gegangen und habe Theodor um so lieber, je mehr ich andere
Mnner kennen lerne, und bin auch viel zufriedener und heiterer. Ein
Zeugnis, das fr sich selbst spricht.

Wenige Menschen scheinen die vielen Vorteile zu kennen, die es hat,
einen schweigsamen Mann zu erwhlen. Der ideale Gatte spricht wenig. Er
sieht ein, da die Frauen das lieber selbst besorgen, und da es in
einer glcklichen Familie nicht Platz fr zwei redselige Personen gibt.
Der geschwtzige Mann sollte lieber eine schweigsame Frau suchen und sie
_sofort_ heiraten, wenn er sie findet. Solche Geschpfe sind so selten
wie Kometen, und in der Regel sind sie schon mit ebenso schweigsamen
Mnnern verheiratet, was wirklich ein betrbender Schnitzer der Natur
ist. Nichts ist entsetzlicher, als ein so schweigsames Paar unterhalten
zu mssen. Ein bermig redseliges Paar ist dem weit vorzuziehen, da
man wenigstens ruhig zuhren und die anderen drauflosreden lassen kann.

Eine endlose Quelle von Mihelligkeiten zwischen Eheleuten ist die
Geldfrage. Die Frauen sind am Anfang oft verschwenderisch und gewhnlich
sndhaft unwissend in Geldsachen. Es ist ohne Zweifel richtig, wie
Isolda sagt: Geld (und Gesinde) zerstren die Ehe. ber das letztere
traue ich mich nicht zu sprechen, aber ich wei, da Geldmangel,
Geldversagen und unvernnftige Geldausgaben einen groen Teil der
Ehekonflikte verschulden. Manche Mnner scheinen zu glauben, da ihre
Frauen den Haushalt ohne Mittel fhren knnen, und diese unglcklichen
Frauen mssen schmeicheln und bitten und es sich als eine Gnade
anrechnen, bevor sie die ihnen gebhrende Summe erhalten. Selbst dann
werden sie wie Kinder behandelt und ber die Verwendung des Geldes in
hchst demtigender Weise ausgefragt, als ob es Spielraum fr knigliche
Extravaganzen bte.

Ich erinnere mich an den Fall des armen kleinen Hildebrand. Er war ein
sehr junger Gatte, und sehr altmodisch erzogen worden. Eine seiner
wunderlichen mittelalterlichen Vorstellungen war, da die Frauen keine
Fhigkeit zur Geldverwaltung haben, und da man ihnen auf keinen Fall
bares Geld anvertrauen knne. Ich glaube wirklich, er htte, wenn seine
Zeit es ihm erlaubte, seinen Haushalt allein gefhrt. Zum Glck fr den
Hausfrieden war das unmglich; dennoch berwachte er den Haushalt soviel
als mglich und revidierte sogar die Einschreibebcher. Natrlich
verstand er nicht das geringste von ihren sonderbaren Zeichen, und bot
einen komischen Anblick, wie er ber den kleinen roten Bchern sa und
in uerster Verlegenheit die Stirne runzelte. Jeden Moment wandte er
sich um Aufklrung an seine Frau, die glcklicherweise einen sehr
gesunden Sinn fr Humor besa. Schlielich mute er es ihr berlassen;
aber wenige Frauen htten Valeries Geduld bei dieser sehr berflssigen
Sache gezeigt. -- Freilich ist das ein extremer Fall; aber eine Menge
Mnner greifen in hchst aufreizender Weise in das Gebiet ihrer Frauen
ein. Nach meiner Meinung ist es am besten, das ganze Wirtschaftsbudget
der Frau, sowie das Budget des Bureaus oder des Vermgens dem Manne zu
berlassen. Ich spreche da von Leuten mit beschrnkten Mitteln. In der
Regel hat ein Mann whrend seines Arbeitstages ganz genug mit
Geldangelegenheiten zu tun und soll Ruhe vor ihnen haben, wenn er nach
Hause kommt. Abends zu Hause sitzen mssen und Rechnungen revidieren,
ist eine Aufgabe, die die rgsten Eigenschaften in einem Ehegatten
auslst. Er mag als ein hingebender Liebhaber nach Hause kommen und im
Schoe seiner Frau Abendbltter, Blumen und Schokolade anhufen, beim
Abendessen genial, witzig, liebevoll, reizend sein -- aber reicht ihm um
10 Uhr abends einen Pack Rechnungen mit der Bemerkung, da sie wirklich
durchgesehen werden mssen, und pltzlich wird er ein wildes, brummiges,
rohes, abstoendes und lsterndes Wesen. Mag seine Bankbilanz auch
noch so befriedigend sein, jede Rechnung eines seiner persnlichen
Bedrfnisse und kein einziges seiner Frau betreffen -- es ntzt alles
nichts. Rechnungen sind Rechnungen, und bei ihrem bloen Anblick werden
die Mnner wild. Wenn ich zwischen dem 7. und 8. eines Monats am
Vormittag zu Miranda komme, bin ich berzeugt, da sie mir mit roten
Augen und matter Stimme sagt: Gestern abend sagte Lysander, er msse
die Rechnungen durchnehmen, natrlich hat er seither fortwhrend
geschimpft und geflucht, obzwar sie diesen Monat lcherlich niedrig
sind. Ebenso ist es bei Isolda. Lancelot hat gestern abend die
Monatsschecks geschrieben, sagt sie, und das Umgehen mit Rechnungen
hat immer eine schreckliche Wirkung auf ihn. Es ist bei dem rmsten eine
wahre Krankheit, und ich kann nachher nie schlafen. Und doch sind
Lancelot und Lysander in jeder Hinsicht ideale Gatten.

Mein Rat an die Frauen ist daher folgender: Erledigt alle wchentlichen
und Kassazahlungen, die den Kopf der Frau belasten, kontrolliert einmal
wchentlich alle Bcher, prfet dieselben mit jenem Grade von Sorgfalt,
den der Redlichkeitsstandpunkt eurer Lieferanten erfordert. Schreibt
diese Summen in ein Haushaltungsbuch ein. Am Ende des Monats, wenn alle
Rechnungen drinnen sind, macht fr euren Mann einen Bilanzbogen. Er wird
sicher zuerst auf die Endsumme sehen, und wenn sie ihn befriedigt, nicht
weiter forschen, wenn er klug ist. Dann lat ihn einen Scheck auf die
ganze Summe ausstellen, ihn in eure Bank einzahlen, und das brige tut
selbst. Die Rechnungen, die ratenweise kommen, und was sonst noch
vierteljhrlich eingeschickt wird, schliet in eure Monatsliste ein, und
so wird euer Mann fr seinen Haushalt anstatt einer Unzahl Rechnungen
nur 12 Schecks im Jahre zu schreiben haben. Der frchterliche Anfall,
den er monatlich bekommt, wird so auf ein Minimum reduziert werden. Wenn
er Stallungen oder einen ausgedehnten Weinkeller hat, so ordnet an, da
die Rechnungen dafr und auch alle anderen, die in das Ressort des
Mannes gehren, in sein Bureau oder seinen Klub geschickt werden,
mitsamt den Schneiderrechnungen und anderen fr seine persnlichen
Bedrfnisse. So werdet ihr nicht darunter leiden, wenn ihre Erledigung
notwendig wird. Es ist eine seltsame Tatsache, da ein Mann im Bureau
wie ein Lamm dasitzt und Schecks ausstellt, whrend dieselbe
Beschftigung ihn zu Hause dazu bringen wrde, das Dach abzuheben oder
die Grundmauern zu erschttern.

Es knnten Bnde darber geschrieben werden, wie man, obgleich
verheiratet, glcklich werden kann, aber ich komme nun zum Ende. Also
fassen wir zusammen. Frauen: Wenn ihr glcklich sein wollt, merkt es
euch: Streicht euren Mann heraus, schmeichelt ihm diskret, lacht bei
seinen Witzen, versucht nicht, seinen Klub herabzusetzen, werft ihm nie
husliche Wahrheiten an den Kopf und weint nie, nie!

Ehemnner: Liebt und bewundert eure Frauen und lat auch andere Mnner
sie bewundern; greift nie in ihr Ressort ein; schreibt eure monatlichen
Schecks mit freundlicher Miene; seid in Geldsachen vernnftig, wenn ihr
schon nicht freigebig sein knnt und bezhmt eure Vorliebe fr eure
eigene Stimme!

Und ihr beiden: Seid sehr duldsam, erwartet wenig, gebt freudig, stellt
die Achtung ber alles, befleiigt euch der Hflichkeit und liebt
einander, so sehr ihr knnt. Wenn ihr all das tut, werdet ihr
sicherlich, wenn auch verheiratet, glcklich werden. Und hrt auch, was
Robert Burton in seinem wunderbaren Buch Die Anatomie der Schwermut
sagt: Hast du Mittel? Du hast keine, wenn du unverheiratet bist, um sie
zu bewahren und sie zu vermehren. Hast du keine? Dann hast du welche,
wenn du verheiratet bist, um dir zu helfen, sie zu bekommen. Bist du im
Wohlstand, so wird dein Glck mit einer Frau nur verdoppelt; bist du in
Trbsal, sie wird dich trsten und dir beistehen. Bist du zu Hause, sie
wird deine Schwermut verscheuchen. Bist du fort, ihre Wnsche werden
dich begleiten, und sie wird deine Heimkehr mit Freuden begren. Nichts
ist angenehm ohne Gesellschaft, und keine Gesellschaft ist so s wie
die der Gattin.

  Ende


  Gedruckt in der Spamerschen Buchdruckerei zu Leipzig im Jahre 1911


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Druckfehler

Der Name Sommerset Maugham ist immer mit zwei -m-, manchmal auch mit
Bindestrich, geschrieben.

  tiefer Dankbarkeit fr ein Leben  [Dankbarbeit]
  seichte Schriftsteller, die ... konnten,  [Schriftsteller die]
  da sie sich nicht ber die ihre Dienstboten und Kinder  [incht]
  fr die Milaunigkeit des Mannes gewesen  [gwesen]
  mit den Snden von Jahrhunderten  [Jahrhunderte]
  und keines der Mdchen, soll  [Mdchen,soll]
  als Grund fr ihr fortgesetztes Junggesellentum  [Jungesellentum]
  Der vierzehnte Junggeselle war Bayard  [Jungeselle]
  Das obengesagte bezieht sich  [obbesagte]
  fr sie passend er auch sein mag  [passender]
  Es ist heutzutage Mode, das Heim zu diskreditieren  [diskretieren]
  nhen, ausbessern, unterrichten, berwachen  [ausbessern unterrichten]
  das Bedrfnis, zu lieben und geliebt zu werden  [leben]
  Was ntzt es ... wenn ihr sie nicht zu Frauen begehrt.
    [_ungendert: . fr ?_]
  der See, die grnen Bume, das Prasseln  [Bume das]
  Schlingen, Fallen, Netzen und Fallgruben best  [Fallen Netzen, und]
  zu jenen gemigteren ... Verbindungen  [jenem]
  und dann ist natrlich der Teufel los  [derTeufel]
  ber die Frauen und den Humor, eines Artikels  [Humor. eines]
  [Kap. IV] ... _G. Bernard Shaw_.  [Bernhard]
  Die Geheimnisse vieler Frauen  [Geheinmisse]
  von der physischen Seite der Ehe vor ihr frchten.  [frchten]
  Wenn wir alle jungen Leute ... lehren wrden  [allen]
  eine andere Romanschriftstellerin, Florence Warden,
    [Romanschriftstellerin Florence Warden,]
  die monogamische Ehe eine gttliche Institution ist.  [ist.]
  Bravo, 'Blaustrumpf', sagte der 'verlebte Rou'.
    ['Blaustrumpf', sagte]
  'Ein heiliges Mysterium  ['Ein]
  an dem sichtlichen rger des 'biederen Brsenmannes' weidete
    [Brsenmannes]
  was die Zeitungen Ausschweifung nennen
  gehen zu meinem Zweiten
    [_anfhrungszeichen ungendert (gewhnlich 'nnn')_]
  Ich habe ja an die Kinder ganz vergessen.  [_ungendert_]
  sind noch einmal so leicht zu lenken  [ein- mal so]
  die Kinder kommen ... wenn ich ihren Bereich betrete  [ihr]
  in Stephen Philips Marpessa  [_ungendert_]
  Die Achtung wird das schwankende Gebude  [schwanke]
  man kann in einer Ehe ohne Liebe recht glcklich sein  [Lieberecht]
  Geradeso wie ihr in Gesellschaft  [wir]
  sagte pltzlich mit leisem Lachen: Wie hlich Du bist....
    [_anfhrungszeichen ungendert (gewhnlich 'nnn')_]






End of the Project Gutenberg EBook of Die moderne Ehe, by Maud Ch. Braby

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Gutenberg-tm License (available with this file or online at
http://gutenberg.net/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.net

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.net),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.net

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
