The Project Gutenberg EBook of Lebensbeschreibung des k. k. Kapellmeisters
Wolfgang Amadeus Mozart, by Franz Xaver Niemetschek

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Title: Lebensbeschreibung des k. k. Kapellmeisters Wolfgang Amadeus Mozart

Author: Franz Xaver Niemetschek

Release Date: July 21, 2009 [EBook #29474]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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                          Lebensbeschreibung

                                  des

                         K. K. Kapellmeisters

                       Wolfgang Amadeus Mozart,

                                  aus

                           Originalquellen,

                                  von

                        Franz Xav. Nemetschek,
                 Professor an der Universitt zu Prag.


                       Zweite vermehrte Auflage.


                              Prag 1808,
                   in der Herrlischen Buchhandlung.




Die Nachwelt hat ber den Rang bereits entschieden, der _Mozarten_ als
Knstler gebhrt. Einzig, unbertroffen steht er, ein Raphael seiner
Kunst, unter den glorreichen Genien _Hndel_, _Cimarosa_, _Gluck_,
_Hayden_, oben an; sein Ruhm erfllt die ganze gebildete Welt.

Aber _Mozart_ als Mensch ist nicht minder interessant: die frhe
Entwicklung und die schnelle Reife seines wunderbaren Genies biethet dem
Forscher der menschlichen Natur lehrreichen Stoff zum Nachdenken dar. In
beider Hinsicht darf sich diese biographische Skizze versprechen der
Aufmerksamkeit des Publikums nicht unwerth zu seyn.




                                  I.

                          Die Jugend Mozarts.


Der Vater dieses auerordentlichen Genies, Leopold Mozart, war der Sohn
eines Buchbinders zu Augsburg; er studirte zu Salzburg, und kam im Jahre
1743 als Hofmusikus in die frstl. Kapelle. Sein Talent verbunden mit
einem rechtschaffenen Charakter verschaffte ihm 1762 die Stelle des
zweiten Kapellmeisters. Er war mit Anna Bertlinn verheurathet; beyde
waren von einer so vortheilhaften Krpergestalt, da man sie zu ihrer
Zeit fr das schnste Ehepaar in Salzburg hielt.

Leopold Mozart beschftigte sich mit dem Hofdienste, die brigen Stunden
wendete er auf Komposition und Violinunterweisung. Welch ein
vorzglicher Kenner dieses Instruments er gewesen sey, beweiset die
allgemein bekannte _Violinschule_, die er 1766 herausgab, und die im
Jahre 1770, und zu unserer Zeit das drittemal in Wien aufgelegt wurde.

Er zeugte 7 Kinder; aber nur 2 blieben am Leben; ein Mdchen und ein
Knabe. Der Sohn der im Jahr 1756 am 27sten Jnner gebohren ward, hie
Wolfgang Gottlieb, oder _Amadeus_; die Schwester, die lter war, Maria
Anna.

Da der Vater bald an den beyden Kindern ein vorzgliches Talent zur
Musik bemerkte, so gab er alle Lektionen und auswrtige Geschfte auer
seinem Dienste auf, und widmete sich ausschlielich der musikalischen
Erziehung dieses Kinderpaares.

Dieser vortrefflichen Leitung mu der ungewhnlich hohe Grad der
Vollkommenheit, zu dem Mozarts Genie sich so bald empor schwang,
zugeschrieben werden. Die Natur vermag freylich viel -- aber verwahrlost,
oder zu einer andern Richtung gezwungen, verliert sie vieles von ihrer
ursprnglichen Kraft. Auf die ersten Ideenreihen und Eindrcke kommt es
bekanntermaen bey der Erziehung der Kinder am meisten an; denke man
sich nun ein so groes natrliches Talent, als Mozart besa, in so
gnstigen Umstnden, so wird man bald von dem Erstaunen, in welches uns
das Unbegreifliche seiner Aeuerungen und Begebenheiten versetzt, zurck
kommen, und den Thatsachen, die ich zu erzhlen im Begriffe bin, gern
Glauben beimessen. Die ersten Eindrcke, die sein Ohr auffate, waren
Harmonien und Gesang; Musik waren die ersten Worte und Ideen, die er
begriff! So mute der himmlische Funke, den die Gottheit in den Busen
dieses den Tnen geweihten Knaben gelegt hatte, sehr frh aufwachen und
in helle Flammen schlagen. Die grndlichen Kenntnisse seines sorgsamen
Vaters kamen berall dem aufwachenden Genie entgegen; so wuchs er auf,
so reifte er schneller, als die bloe Natur zu reifen vermag.

Mozart war eben 3Jahr alt, als seine 7jhrige Schwester den ersten
Unterricht auf dem Klaviere bekam; und hier uerte sich zuerst das
Genie des Knaben. Er setzte sich oft freywillig zu dem Klavier und
beschftigte sich stundenlang mit der Zusammenstimmung der _Terzen_, die
er dann, wenn er sie fand, anschlug, und in lebhafte Freude ausbrach.
Nun fing also der Vater an ihm leichte Stcke spielend beyzubringen; und
er fand zu seinem freudevollen Erstaunen, da der Schler alle
menschliche Erwartung bertraf; er lernte gewhnlich in einer Stunde ein
Menuet, oder ein Liedchen, und trug es dann mit dem angemessenen
Ausdrucke vor.

Jeder Leser wird es wahrscheinlich finden, wenn ich sage, da der
kleine Mozart, das lebhafteste Temperament, und ein sehr zrtliches
Gefhl hatte. Seinen kindischen Spielen ergab er sich mit einer
Innigkeit, die ihn auf alles brige vergessen lie, und Liebe fr alle
Personen die um ihn waren, oder sich mit ihm abgaben war sein
herrschender Hang; er fragte jeden, der mit ihm umgieng, ob er ihn lieb
habe, und vergo gleich Zhren, wenn man es scherzweise verneinte.

Ueberhaupt ergab sich Mozart schon als Kind und Knabe allen Dingen und
Personen, an denen sein Geist Interesse fand, mit der ganzen warmen und
lebhaften Innigkeit, deren ein so zartorganisirter Mensch fhig ist.
Dieser Zug blieb stets auch an dem Manne das unterscheidende Merkmal --
und war oft sein Unglck.

Im 6ten Jahre kam er schon in der Musik so weit, da er selbst kleine
Stcke auf dem Klavier komponirte, die dann sein Vater in Noten setzen
mute. Von diesem Zeitpunkte an empfand er nichts so lebhaft, als Tne,
und jede andere Spielerey, die sonst Kinder freut, war ihm gleichgiltig,
sobald nicht Musik dabey war.

Die tglichen Fortschritte die er darinn machte, setzten oft den Vater,
der doch bestndig um ihn war, und jeden Schritt beobachtete, in das
berraschendeste Erstaunen; denn es waren nicht Fortschritte eines
gewhnlichen geschickten Lehrlings, sondern Riesenschritte eines Genies,
dessen Gre selbst sein Vater und Erzieher nicht ahnden konnte, weil
seine Entwickelung und Aeuerung auch den grten Erwartungen zuvor kam.
Folgende Begebenheit, die auch Schlichtegroll in seinem Nekrolog
erzhlt, und die mir von mehreren Personen bestttiget wurde, mag zum
Beweise dienen.

Als Wolfgang ungefhr im 6ten Jahre seines Alters war, kam einst sein
Vater, aus der Kapelle mit einem Freunde nach Hause zurck; sie trafen
den kleinen Tonknstler mit der Feder in der Hand beschftiget an. Der
Vater fragte ihn was er denn mache.

_Wolfg._ Ein Conzert frs Klavier.

_Vat._ La sehen; das wird wohl was Sauberes seyn.

_Wolfg._ Es ist noch nicht fertig.

Nun nahm es der Vater in die Hand, und fand ein Geschmiere von Noten und
ausgewischten Tintenflecken; denn der kleine Komponist wute mit der
Feder noch nicht recht umzugehen; er tauchte sie zu tief in der Tinte
ein und machte dann freylich immer Flecke auf das Papier, die er mit der
Hand auswischte, und so weiter darauf fortschrieb. Als aber der Vater
etwas aufmerksamer die Komposition betrachtete, blieb sein Blick vom
angenehmen Erstaunen und einer unbeschreiblichen Rhrung darauf
gefesselt, und helle Thrnen der Freude traten in seine Augen.

Sehen Sie Freund! sprach er dann lchelnd, wie alles richtig und nach
den Regeln gesetzt ist; nur kann man es nicht brauchen, weil es so
schwer ist, da es sich nicht spielen lt.

_Wolfg_. Dafr ist es auch ein Konzert; man mu so lange exerzieren, bis
man es heraus bringt. Sehen Sie, so mu es gehen.

Hier fieng er es an zu spielen, konnte aber auch selbst kaum so viel
vorbringen, als man erkennen konnte, was seine Gedanken gewesen sind.
Denn er hatte die Meynung, ein Conzert spielen, und Mirakel wirken sey
alles eins.

Zu dieser Zeit hatte es der Knabe schon so weit in der Musik gebracht,
da der Vater ohne Bedenken auch das Ausland zum Zeugen der
auerordentlichen Talente seines Sohnes machen konnte.

Die erste Reise, die er mit ihm und seiner Schwester unternahm, war nach
Mnchen, im Jahre 1762. Hier spielte Wolfgang vor dem Churfrsten ein
Conzert, und erndete sammt seiner Schwester die grte Bewunderung ein.

Die zweyte Reise geschah im Herbste des nemlichen Jahres, also auch im
6ten Jahre seines Alters nach Wien, wo die beyden kleinen Virtuosen dem
kaiserlichen Hof vorgestellet wurden.

Eine verehrungswrdige Dame, die damals am Hofe war, versicherte mich,
da beyde Kinder ein allgemeines Erstaunen erregt haben; man konnte kaum
seinen Augen und Ohren trauen, wenn sie sich produzirten. Vorzglich hat
der verewigte Schtzer der Knste, Kaiser FranzI. an dem kleinen
Hexenmeister, (wie er ihn scherzweise nannte,) viel Wohlgefallen
gefunden. Er unterhielt sich vielmal mit ihm. Alle Anekdoten die Herr
Schlichtegroll bey dieser Gelegenheit erzhlet, sind mir als wahr
bestttiget worden.

Der Kaiser hat unter andern mit ihm gescherzt, es seye wohl keine so
auerordentliche Kunst zu spielen; wenn man auf die Klaviatur schauen
kann, aber bey verdeckter Klaviatur -- das wre etwas? Mozart war damit
nicht in Verlegenheit gesetzt: er lt sich die Klaviatur bedecken und
spielt eben so gut, wie vorher.

Auch die sey noch nichts besonderes, versetzte der Kaiser, wenn man mit
allen Fingern spielt; aber mit einem einzigen zu spielen, das wr erst
Kunst.

Auch diese Zumuthung machte den Knaben nichts weniger als verlegen -- er
versuchte es mit Entschlossenheit auf der Stelle, und spielte zur
Verwunderung mehrere Stcke auf diese Art mit Nettigkeit aus. Schon
damals uerte er einen Charakterzug, der ihm stets eigen geblieben
ist; nemlich die Verachtung alles _Lobes_ der Groen, und eine gewisse
Abneigung vor Ihnen, wenn sie nicht Kenner zugleich waren, zu spielen.
Mute er es dennoch, so spielte er nichts als Tndeleyen, Tanzstcke
u.d.gl. unbedeutende Sachen. Aber, wenn Kenner zugegen waren, so war
er ganz Feuer und Aufmerksamkeit.

Diese Eigenheit behielt er bis zu seinem Tode, wie wir es bey seinem
dreymaligen Aufenthalt in Prag sehr oft erfahren haben.

So geschah es auch damals bey dem Kaiser Franz. Als er sich zum Klavier
setzte um ein Konzert zu spielen, und der Kaiser bey ihm stand, sagte
Mozart: Ist Herr Wagenseil nicht hier? der versteht es. Wagenseil kam,
und der kleine Virtuose sagte: Ich spiele ein Conzert von Ihnen, Sie
mssen mir umwenden.

Auch folgende Anekdote kann vielleicht zu seiner Schilderung beitragen.

Unter allen Erzherzoginnen nahm ihn Antoinette, die nachmalige Kniginn
von Frankreich am meisten ein, und er hatte eine besondere Zrtlichkeit
fr sie. Als er einst in den Zimmern der hchstseligen Kaiserinn Maria
Theresia war, und von den kleinen Prinzen und Prinzessinnen herum
gefhrt wurde, hatte er das Unglck, des Gehens am gegltteten Fuboden
ungewohnt, zu fallen. Niemand war geschftiger ihm beyzuspringen und
aufzuhelfen, als die kleine Erzherzoginn Antoinette; die rhrte sein
kleines Herz so sehr, da er gerade zu der Monarchin eilte, und mit viel
Begeisterung die Gte des Herzens dieser Prinzessinn erhob. Wer htte
einem solchen Kinde nicht gut werden sollen?

Die beyspiellose Fertigkeit, mit welcher er das Klavier behandelte, und
der hohe Grad der Kenntni der Kunst, die er in einem Alter erreichte,
wo Kinder sonst noch kaum einen Kunsttrieb uern, war bewundernswrdig
genug; ja es lie sich wohl kaum etwas Grers erwarten. Aber der
wunderbare Geist der Tne, der in ihn von dem Schpfer gelegt ward,
schritt alle gewhnliche Schranken ber, und ging, da er einmal erwacht
war, allem Unterrichte voran. Was man ihn lehren wollte, das war seinem
Geiste schon wie bekannt, und er schien sich nur daran zu besinnen!

Der Unterricht diente ihm also nur als Reizmittel, und zur Berichtigung
des Geschmackes.

_Mozart_ spielte bisher kein anderes Instrument als das Klavier; aber er
konnte auch schon geigen, bevor es sein Vater wahrnahm, oder ihm irgend
eine Anweisung auf der Violine gegeben hatte. Ich will den Vorfall, der
dieses offenbarte mit den Worten des Nekrologes erzhlen. -- Mozart
hatte aus Wien eine kleine Geige mitgebracht, die er dort geschenkt
bekommen hatte. Kurz als die Familie wieder nach Salzburg zurck gekehrt
war, kam _Wenzl_ ein geschickter Geiger und Anfnger in der Komposition
zu dem Vater Mozart, und bath sich dessen Erinnerungen ber 6 Trios aus,
die er whrend der Abwesenheit der Mozartischen Familie gesetzt hatte.

_Schachtner_, ein noch lebender Hoftrompeter in Salzburg, den der
kleine Mozart besonders liebte, war eben gegenwrtig. Der Vater, so
erzhlte dieser glaubwrdige Augenzeuge, spielte mit der Viola den Ba,
Wenzl die erste Violin, und ich sollte die zweyte spielen. Der kleine
Wolfgang bath, da er doch die zweyte Violin spielen drfte. Aber der
Vater verwie ihm seine kindische Bitte, weil er noch keine ordentliche
Anweisung auf der Violin gehabt htte und daher unmglich etwas Gutes
herausbringen knnte. Der Kleine erwiederte, da, um die 2te Violin zu
spielen man es ja wohl nicht erst gelernet zu haben brauche; aber der
Vater hie ihn halb in Unwillen davon gehen und ihn nicht weiter stren.
Der Kleine fing an bitterlich zu weinen, und lief mit seiner kleinen
Geige davon. Ich bath, man mchte ihn doch mit mir spielen lassen;
endlich willigte der Vater ein, und sagte zu ihm: Nun so geige nur mit
Herrn Schachtner, jedoch so stille, da man dich nicht hre, sonst mut
du gleich fort. Wir spielten und der kleine Mozart geigte mit mir, doch
bald bemerkte ich, da ich da ganz berflssig sey. Ich legte meine
Geige weg und sah den Vater an, dem bey dieser Scene Thrnen der
gerhrten Zrtlichkeit aus dem vterlichen Auge ber die Wangen rollten.
So spielte Wolfgang alle 6 Trios durch. Nach deren Endigung wurde er
durch unsern Beyfall so khn, da er behauptete, auch die erste Violin
spielen zu knnen. Wir machten zum Scherz einen Versuch, und muten
herzlich lachen, als er auch diese, wiewohl mit lauter unrechten und
unregelmigen Applikaturen, doch aber so spielte, da er nie vllig
stecken blieb.

Mit welcher bewundernswrdigen Genauigkeit sein Ohr auch den feinsten
Unterschied der Tne ma, wie unglaublich sicher sein Gedchtni Tne
behielt, beweiset folgender Vorfall, der sich fast um gleiche Zeit
ereignete.

_Schachtner_, der erwhnte Freund des Mozartschen Hauses, und der
Liebling des kleinen Wolfgangs, besa eine Violin, die dieser ihres
sanften Tones wegen vorzglich liebte, und die Buttergeige nannte. Er
spielte eines Tages darauf. In einigen Tagen kam Schachtner wieder, und
traf den Wolfgang auf seiner eigenen kleinen Geige phantasirend an.

Was macht ihre Buttergeige? sagte Wolfgang und fuhr in seiner
Phantasie fort. Nach einer kleinen Pause, wo er sich auf etwas zu
besinnen schien, sagte er weiter:

Wenn sie aber nur ihre Geige immer in gleicher Stimmung lieen; sie war
das letztemal, als ich auf ihr spielte, um einen Viertelton tiefer, als
meine da. Man lchelte ber diese dreiste Behauptung in einer Sache, wo
das gebteste Knstlerohr kaum einen Unterschied zu bemerken im Stande
ist.

Der Vater aber, der schon oft durch hnliche Aeuerungen des groen
Tongefhls seines Sohnes berrascht wurde, hlt es der Mhe werth die
Angabe zu prfen. Die Geige wird gebracht, und zum allgemeinen Erstaunen
traf die Angabe mathematisch richtig ein.

Bey allen diesen Fertigkeiten, bey diesem auerordentlich groen Talent,
besa der kleine Mozart einen Flei, der fr seinen zarten Krperbau
vielleicht zu gro war. Man mute ihn Abends vom Klavier wegrufen, oft
mit Ernst wegjagen, sonst htte ihn die aufgehende Sonne vielleicht noch
bey demselben angetroffen.

Diese Vergessenheit seiner selbst, wenn er sich mit Musik beschftigte,
blieb ihm bis an sein Ende eigen; er sa tglich am Fortepiano bis in
die spte Nacht. Ein sicheres Kennzeichen des Genies, welches seinen
Gegenstand immer mit der ganzen Kraft der Seele umfate, und seiner
selbst verga.

Man darf jedoch nicht glauben, da er nicht auch zu andern Sachen fhig
war; alles was er lernte, begriff er leicht, und ergab sich dem
Gegenstande mit einem Eifer und Feuer, dessen Grund in seiner
empfindsamen Organisation lag. So bemahlte er Sthle, Tische und den
Fuboden mit Ziffern, als er rechnen lernte, und dachte und redete von
nichts andern, als von arithmetischen Aufgaben; er ward nach der Zeit
einer der gebtesten Rechenmeister.

Dabey war er so gehorsam und nachgiebig gegen seine Eltern, da man nie
sinnlicher Strafen bedurfte, und da er selbst keine Ewaare ohne
Erlaubni des Vaters annahm oder verzehrte.

Sobald sein groes Talent etwas bekannt wurde, so mute er oft ganze
Tage sich vor Fremden hren lassen: und doch zeigte er nie Unwillen,
wenn ihn der Befehl seines Vaters wieder an das Klavier gehen hie.
Gegen seine Gespielen war er immer voll Freundlichkeit und Wohlwollen,
und hieng an ihnen mit der ganzen groen Zrtlichkeit seines Herzen;
selbst in kindischen Unterhaltungen zeigte sich sein Geist der Musik,
von der immer etwas mit dabey seyn mute.

Im siebenten Jahre seines Alters, das ist, im Jahr 1763 machte Mozart
mit seinen beyden Kindern die erste grere musikalische Reise in
Deutschland. Durch diese wurde der Ruhm des jungen Meisters allgemein
verbreitet. Er zeigte seine Talente und Fertigkeiten vorzglich in
_Mnchen_, wo er auch ein Violin-Konzert vor dem Churfrsten spielte und
dazu aus dem Kopfe prambulirte; dann in _Augsburg_, _Manheim_, _Mainz_,
_Frankfurt_, _Koblenz_, _Klln_, _Achen_ und _Brssel_.

Von da giengen sie im November nach Frankreich, wo sich die Familie
21Wochen aufhielt. Zu Versailles lie sich der kleine 8jhrige Mozart
in der knigl. Kapelle vor dem Knige und dem ganzen Hofe auf der Orgel
hren. Man schtzte zu dieser Zeit sein Orgelspiel noch hher als das
Klavierspiel.

In Paris gaben sie zwei Akademien frs Publikum, wovon die Folge war,
da alsogleich der Vater sammt den beyden Kindern in Kupfer gestochen
erschienen, und da man allgemein in Bewunderung und Lobeserhebung
derselben wetteiferte. Hier gab auch Wolfgang Mozart seine ersten
Kompositionen in Stich heraus. Das erste Werk dedicirte er der Madame
Viktoire, der zweyten Tochter des Knigs, das andere der Grfinn Tesse.
Es sind Sonaten fr das Klavier.

Von Paris ging die Familie den 10. April 1764 nach England. Noch in
demselben Monate lieen sich die Kinder vor der kniglichen Familie
hren; so auch im folgenden, wobei zugleich Mozart auf der Orgel des
Knigs spielen mute. Darauf gaben sie ein groes Konzert fr das
Publikum zu ihrem Besten; ein anderes zum Nutzen des Hospitals der
Wchnerinnen: in beyden waren alle Sinfonien von der Komposition des
Sohnes. Dann spielten sie noch einmal vor dem Knig und dem vornehmsten
Adel.

Der ungewhnliche Beyfall und die Bewunderung, zu welcher solche
Wundertalente das Publikum berall hingerissen haben, waren fr den
jungen Mozart Antrieb und Reiz sich immer vollkommener zu machen. Er
sang auch mit der grten Empfindung Arien -- und es war gewi ein
rhrendes Schauspiel dieses kleine Virtuosenpaar auf 2Klavieren
konzertieren, oder im Gesange wetteifern zu hren! der Sohn war schon so
weit in der Kunst gekommen, da er die schwersten Stcke von den grten
Meistern vom Blatte wegspielen konnte; in Paris und London legte man ihm
Sachen vom _Hndel_ und _Bach_ vor, die er mit Akkuratesse und dem
angemessenen Vortrage zur Verwunderung jedes Kenners vom Blatt
wegspielte.

Als er bei dem Knige von England spielte, legte man ihm unter andern
einen _bloen Ba_ vor, wozu er auf der Stelle eine vortreffliche
Melodie erfand und zugleich vortrug.

Whrend dieses Aufenthalts in England schrieb er 6Klavier-Sonaten, die
er in London stechen lie und der Knigin dedizirte.

Den Sommer des Jahrs 1765 brachte die Familie in _Flandern_, _Brabant_
und _Holland_ zu. Whrend einer gefhrlichen Krankheit, (_Blattern waren
es_), welche die beyden Kinder einige Monathe lang auf das Krankenbette
fesselte, fing Wolfgang andere 6Klavier-Sonaten an; und als er sie nach
der Krankheit vollendet hatte, lie er sie stechen, und dedizirte sie
der Prinzessin von Nassau-Weilburg. In dieser Krankheit zeigte sich die
immer rege Thtigkeit seines harmonischen Geistes sehr auffallend: denn
da er das Bette nicht verlassen durfte, so mute man ihm ein Brett ber
das Lager richten, auf welchem er schreiben konnte; und selbst als seine
kleinen Finger noch voll Pocken waren, konnte man ihn kaum vom Spielen
und Schreiben abhalten. Diese Anekdote ist aus dem Munde eines sehr
glaubwrdigen Zeugen.

Zu dem Installationsfeste des Prinzen von Oranien, im Anfange des Jahrs
1766, setzte der junge Mozart einige Sinfonien, Variationen und Arien.

Nachdem er einigemal bey dem Erbstatthalter gespielt hatte, gieng die
Familie wieder nach Frankreich, blieb einige Zeit in _Paris_, und reiste
ber _Lyon_ und die _Schweiz_ nach _Schwaben_, wo sie einige Zeit in
Donaueschingen bey dem Frsten von Frstenberg verweilten, und dann zu
Ende des Jahrs 1766 nach einer Abwesenheit von 3Jahren wieder in
Salzburg eintrafen.

Hier blieb nun die Mozartische Familie mehr als ein Jahr in Ruhe. Diesen
Zeitraum der Musse wendete der junge Knstler auf das hhere Studium der
Komposition, deren grte Tiefen er nun bald ergrndet hatte. _Emmanuel
Bach_, _Hasse_ und _Hndel_ waren seine Mnner -- ihre Werke sein
unablssiges Studium! Er vernachlssigte auch nicht die alten
italienischen Meister, deren Vorzge in Rcksicht der Melodie und der
Grndlichkeit des Satzes so auffallend gegen die heutigen Italiener
abstechen. So schritt er immer nher zu der Stufe der Vollkommenheit,
auf der ihn bald darauf die Welt als eine seltene Erscheinung erblickte.

Im folgenden Jahre 1768 gieng Mozart nach Wien und spielte vor dem
Kaiser _Joseph_, der dem 12jhrigen Knaben den Auftrag gab, eine #Opera
buffa# zu schreiben. Sie hie #La finta semplice#, und erhielt den
Beyfall des Kapellmeisters Hasse und Metastasios, wurde aber nicht
aufgefhrt.

Bey diesem Aufenthalte zu Wien war er oft bey dem Dichter Metastasio,
der ihn sehr liebte, bey dem Kapellmeister Hasse und dem Frsten
Kaunitz; hier gab man ihm oft die erste beste italienische Arie, zu
welcher Wolfgang auf der Stelle in Gegenwart aller Anwesenden die Musik
mit allen Instrumenten setzte. Dieses Faktum bestttigen mehrere noch
lebende verehrungswrdige Zeugen, aus deren Mund ich die Anekdote gehrt
habe.

Zu der Einweihung der Kirche des Waisenhauses, welche zu dieser Zeit
gefeyert wurde, komponirte der zwlfjhrige Meister Mozart die
Kirchenmusik, und dirigirte ihre Auffhrung in Gegenwart des ganzen
kaiserlichen Hofes.

Das Jahr 1769 brachte er mit seinem Vater in Salzburg zu, theils in
vollkommener Erlernung der italienischen Sprache, theils in der
Fortsetzung des hhern Studium seiner Kunst. In demselben Jahre wurde er
zum Konzertmeister bey dem Salzburgischen Hofe ernannt.

Mozart hatte nun die ansehnlichsten Lnder Europens gesehen; der Ruhm
seines groen, frh gereiften Knstlertalents blhte bereits von den
Ufern der Donau bis zur Seine und der Themse hin; aber er war noch nicht
in dem Vaterlande der Musik gewesen. Italiens Beyfall und Bewunderung
mute erst der Urkunde seines Ruhmes das Siegel aufdrcken. Auch war es
seinem nach Vollkommenheit strebenden Geiste daran gelegen, die Blthe
der Tonkunst -- den Gesang in seinem natrlichen Boden zu beobachten, und
die vielen groen Mnner, die damals noch Italiens Ruhm in der Musik
sttzten, zu kennen -- und von ihnen zu lernen.

Im Dezember des nmlichen Jahres verlie also Mozart blos in Begleitung
seines Vaters, Salzburg. Sein erster Aufenthalt war Inspruck, wo er in
einer Akademie bey dem Grafen Knigl ein Konzert #primi vista# mit
vieler Leichtigkeit spielte. Von da giengen sie nach Mailand.

Hatte in Frankreich und England sein groes Genie und die seltenen
Kunst-Fertigkeiten Bewunderung erregt, so war es in Italien feuriger
Enthusiasmus, mit dem man ihn aufnahm und erhob! Selbst der mchtige
Nationalstolz, und das Vorurtheil des Ultramontanismus wich besiegt von
den glnzenden Talenten des 12jhrigen Knaben; er schien eine
Erscheinung vom Himmel, ein hherer Genius der Tonkunst zu seyn!

So gro war die Ueberlegenheit seines Genies, da ihm zu Mailand nach
einigen ffentlichen Proben seiner Kunst, gleich die #Scrittura# zu der
#Opera seria# fr den knftigen Karneval 1771 gegeben ward. Von da
reisete er schon im Mrz 1770 nach Bologna -- eine Stadt die nebst Neapel
den grten Ruhm der Musik hatte.

Hier fand der junge Knstler einen enthusiastischen Bewunderer an dem
berhmten Kapellmeister Pater _Martini_,[1] dem grten Kontrapunktisten
und einem berhmten Schriftsteller in der Musik. Knstler von wahrem
Verdienst ehren einander berall! Auch haben es die Italiener nicht nur
an Mozart, sondern auch an unserm Landsmann Misliweczek bewiesen, da
sie groe Talente, wenn sie auch auer Italien entsprossen sind, zu
schtzen verstehen. Wie gro war die Achtung, in der dieser berhmte
Bhme in Neapel und Rom stand?

    [Funote 1: Anmerkung: Ohne meine Erinnerung werden die Leser
    einsehen, da dieser Martini mit dem Opernkomponisten Martini,
    dem Verfasser der #Cosa rara#, nicht zu verwechseln sey.]

Abbate _Martini_ war nebst den andern Kapellmeistern auer sich vor
Bewunderung, als der junge Mozart ber jedes Fugenthema, das ihm Martini
hinschrieb, die gehrige Eintheilung und Disposition nach der ganzen
Strenge der Kunst angab, und die Fuge augenblicklich auf dem Klavier
ausfhrte.

Zu Florenz fand man bey seiner Gegenwart alles, was der Ruf von seinen
Talenten sagte, zu gering, als Mozart bey dem #Marchese Ligneville#
ebenfalls einem groen Kontrapunktisten, jedes angegebene Thema auf der
Stelle vortrefflich ausfhrte -- jede vorgelegte Fuge, mit einer
Leichtigkeit vom Blatte wegspielte, als htte er sie selbst komponirt.
Und wie wahr es ist, da treffliche Geister einander verstehen und ihre
Verwandschaft bald anerkennen, zeuget die Bekanntschaft, die Mozart hier
in Florenz mit einem jungen Englnder _Thomas Linley_, einem Knaben von
14Jahren gemacht hatte. Er war der Schler des berhmten Violonisten
Nardini, schon selbst Virtuose und Meister seines Instrumentes. Sie
wurden bald innige vertraute Freunde; ihre Freundschaft aber war nicht
Knaben Anhnglichkeit, sondern die Zrtlichkeit zweyer tieffhlenden,
bereinstimmenden Seelen! sie achteten sich als Knstler, und fhrten
sich auf wie Mnner! Wie bitter war ihnen der Tag ihrer Trennung? Linley
brachte Mozarten am Tage der Abreise noch ein Gedicht, das er von der
Dichterin _Corilla_ auf ihn hatte verfertigen lassen, schied unter
vielen Umarmungen und Thrnen von ihm, und begleitete seinen Wagen unter
bestndigen Aeuerungen der zrtlichsten Betrbni bis vor die Stadt.

Von Florenz reisete Vater und Sohn nach Rom; sie kamen eben in der
Charwoche an. Hier hatte nun Mozart Gelegenheit genug die vielen
Meisterstcke der erhabensten Kirchenmusik zu hren, die in dieser
heiligen Zeit bey der ernsten Feyer der Welterlsung aufgefhrt werden.
Den ersten Rang darunter verdiente das berhmte _Miserere_, welches
Mittwochs und Freytags diese Woche in der sixtinischen Kapelle blos von
Vokalstimmen gesungen wird, und das in dem _erhabenen, feyerlichen_
Kirchengesange das #non plus ultra# der Kunst seyn soll; so zwar da es
den ppstlichen Musikern unter der Strafe der Exkommunikation verbothen
ward, eine Kopie davon zu machen.

Die gab dem jungen Mozart den Gedanken ein, bei der Anhrung desselben
recht aufmerksam zu seyn, und es dann zu Hause aus dem Gedchtnisse
aufzuschreiben. Es gelang ihm ber alle Erwartung; er nahm den Aufsatz
am Charfreytage zur Wiederholung desselben mit, um im Stande zu seyn
Verbesserungen zu machen, und das Mangelhafte zu ergnzen.

Bald verbreitete sich der Ruf davon in Rom, und erregte allgemeines
Aufsehen und Erstaunen; besonders, da es Mozart in einer Akademie
auffhrte, wobey der Kastrat Christophori zugegen war, welcher es in der
Kapelle gesungen hatte, und durch sein Erstaunen Mozarts Triumph
vollkommen machte.

Wer es einsieht, welchen Aufwand von Kunst eine so vielstimmige,
kritische Choralmusik erfodert, der wird mit Recht durch diese
Begebenheit in Erstaunen gesetzt. Welch ein Ohr, Gedchtni, Tongefhl --
welche Kenntni des Satzes war das, die vermgend war, ein solches Werk
sogleich zu fassen und so vollkommen zu behalten? Die zu knnen, mute
ein hheres Ma von Krften vorhanden seyn, als man gewhnlich
anzutreffen pflegt.

In Neapel, wohin er sich aus Rom begab, fand Mozart nicht weniger
Bewunderer, als in den andern Stdten Italiens; denn jeder unbefangene
Zuhrer mute seinem Genie huldigen. Mozart ri spter als Mann mit der
Allgewalt seiner Kunst jedes gefhlvolle Herz hin: was mute den
Zuhrern in Italien geschehen, die einen Knaben sahen und den
vollendetesten Knstler hrten? -- Sie hielten ihn fr einen Zauberer:
der war nun Mozart freylich: aber die magische Kraft lag nicht in seinem
Ringe, wie man in Neapel whnte; denn als er ihn auf Verlangen der
Zuhrer weglegte, war sein Spiel nicht weniger bezaubernd, als zu vor.
Man denke sich nun das Erstaunen und die Bewunderung der lebhaften
Italiener? Von Neapel kehrte Mozart, mit einem Rufe, der nur _selten_
einem Knstler vorangeht, nach Rom zurck. Der Papst durch alle die
Wunder der Kunst aufmerksam gemacht, wollte den jungen Kapellmeister
sehen. Er ward ihm vorgestellt, und erhielt das Kreuz und Breve als
Ritter #militiae auratae#.

Auf seiner Rckreise von Rom nach Mayland, hielt er sich wieder eine
kurze Zeit zu Bologna auf, wo er mit einstimmiger Wahl als Mitglied und
Maestro der philharmonischen Akademie aufgenommen wurde. Zur Prfung
bekam er eine vierstimmige Fuge im Kirchenstil auszuarbeiten; man schlo
ihn deshalb in ein Zimmer ganz allein ein. Er war damit in einer halben
Stunde fertig und erhielt das Diplom.

In allen diesen Stdten wurden ihm Opern-Akkorde fr den nchsten
Fasching angetragen; da er aber bereits fr Mailand versprochen war, so
mute er sie alle ausschlagen. Daher eilte er dahin zu kommen. Seine
Oper unter dem Titel: #Mitridate# kam noch zu Ende des Jahres 1770, den
26. Dezember auf die Scene; sie erhielt allgemeinen Beyfall und ward
zwanzigmal nacheinander aufgefhrt. Eben darum wurde mit ihm alsogleich
schriftlichen Akkord auf die #Opera seria# fr den Karneval von 1773
eingegangen. Sie hie, #Lucio Sulla# und erhielt einen noch grern
Beyfall als #Mitridate#, denn sie wurde 26mal ohne Unterbrechen
aufgefhrt.

Auf seiner Rckreise aus Italien im J.1771, besuchte er noch Venedig
und Verona; hier berreichte man ihm auch das Diplom als Mitglied der
philharmonischen Gesellschaft.[2] So kam er nach einem Aufenthalte von
mehr als 15Monaten in Italien, nach Salzburg zurck. Die Ausbeute
dieser langen Reise war ein Schatz neuer Kenntnisse und Ideen, ein
geluterter Geschmack und die Bewunderung einer Nation, die von der
Natur selbst zur Richterin in der Tonkunst berufen zu seyn schien.

    [Funote 2: Anmerkung. Alle diese Diplome, so wie das Kreuz des
    ppstl. Ordens, bewahret die Wittwe zum Andenken.]

Bey seiner Ankunft in Salzburg fand Mozart einen Brief von dem Grafen
_Firmian_ aus Mayland, worinn ihm dieser im Namen der Kaiserin _Maria
Theresia_ den Auftrag machte, die groe theatralische Serenate zur
Vermhlung des Erzherzogs _Ferdinand_ zu schreiben.[3] Zu diesem Feste
schrieb _Hasse_, der lteste unter den Kapellmeistern die Opera, und
Mozart, der jngste unter ihnen, die Serenate; die Kaiserin schien das
so mit Absicht angeordnet zu haben! Diese Serenate hie: #Ascanio in
Alba#; whrend der Feyerlichkeit ward immer mit der Oper und der
Serenate abgewechselt. Bey der Wahl des neuen Erzbischofs von Salzburg,
1772, schrieb Mozart auch eine theatralische Serenate, betitelt: #Lo
sogno di Scipione.#

    [Funote 3: Serenaten waren eine Gattung Kantaten, denen zum
    Grunde ein dramatisches Sujet gelegt war; sie hatten also
    Aehnlichkeiten mit den Oratorien.]

Einige Reisen die Mozart im Jahre 1773 und 1774 nach Wien und Mnchen
machte, gaben die Gelegenheit zu mehreren Meisterwerken der Tonkunst;
hieher gehrt die komische Oper: #La finta Giardiniera#, und mehrere
Messen fr die Mnchner Hofkapelle.

Im Jahre 1775 schrieb Mozart in Salzburg die Serenate #il re pastore#,
welche auerordentlich gefiel, und unter diejenigen ltern Werke Mozarts
gehrt, die auch jetzt noch ihren groen Werth haben; denn er hatte
darinn schon den hohen Geist ahnden lassen, der in seinen sptern
Kunstwerken herrscht. Dahin gehrt das Oratorium der bssende David,
welches unter die besten Werke dieser Art gehrt, und auch jetzt noch
von Kennern bewundert wird.




                                  II.

                           Mozart als Mann.


Diesen Zeitpunkt, das heit, sein 20stes Lebensjahr knnen wir fr die
Epoche seiner Vollendung als Meister annehmen; denn von nun an zeigte er
sich immer als ein solcher im glnzendesten Lichte, und mit einer
entscheidenden Ueberlegenheit des Geschmackes und Genies; alle seine
Werke, die er seit dem geliefert hat, sind klassisch und erwarben ihm
die Krone der Unsterblichkeit. Wir fahren in der Erzhlung seiner
Lebensbegebenheiten fort, und werden die vorzglichsten seiner Werke,
aus dieser Lebensperiode, in einem besondern Abschnitte rezensiren.

Mozarts Ruhm war nun gegrndet. Jede groe Stadt, die er zu dem
Schauplatze seiner Talente gemacht htte, wrde ihn mit Freude
aufgenommen, und seine Werke mit Entzcken angehrt haben. Zu einer
solchen Erwartung berechtigte ihn im hohen Mae die groe Wirkung, die
sein zweifaches gleich groes Talent, des Klavierspielers und
Kompositors jedesmal und berall auf das Publikum gemacht hatte.

Unter diesen Stdten war wohl _Paris_ der angemessenste Platz fr das
Genie Mozarts; um so mehr, da seine Kunst dort ein schon begeistertes
Publikum gefunden htte. Aber er hatte keinen Geschmack an der
franzsischen Musik; ber die war sein gerader Charakter zu Intriguen
und Kabalen nicht gemacht, die auf diesem groen Tummelplatze
menschlicher Leidenschaften auch die Knste mit ihren Schlangenwindungen
umstrickten. Er kam also von der letzten Reise, die er im Jahre 1777 mit
seiner Mutter nach Paris zu dem Endzwecke gemacht hatte, bald wieder,
aber allein zurck; denn sie starb dort.[4] Auch die mag seinem
gefhlvollen Herzen den Aufenthalt in Paris verleidet haben. Zu Ende
des Jahres 1778 war er schon wieder in Salzburg.

    [Funote 4: Anmerkung: Diese Reise nach Paris gab der Welt die
    groe Sinfonie in #D.# die deshalb und ihres raschen Feuers
    wegen, die franzsische heit.]

Der Bayerische Hof, der schon so oft Zeuge seines Knstlertalentes war,
und insbesondere der damalige Churfrst, der groe Schtzer aller
schnen Knste, liebte Mozarts Musik im hohen Grade. Er bekam daher den
Auftrag fr den Fasching vom 1781 in Mnchen eine #Opera seria# zu
schreiben.

Da schuf Mozart das erhabene Werk, die Oper #Idomeneo#; worinn eine
Gedankenflle, eine Wrme der Empfindung herrscht, die sich nur von der
Jugendkraft eines genialischen Tonknstlers wie Mozart erwarten lie.
Diesen Aufenthalt in Mnchen rechnete Mozart unter die angenehmsten Tage
seines Lebens und verga nie auf die gefllige Freundschaft, die er da
von so vielen Mnnern vom Verdienst geno.

Aus Mnchen ward er durch einen Auftrag seines Erzbischofs nach Wien
berufen: und von dieser Zeit an, das heit von seinem 25sten Jahre,
lebte er in dieser Kaiserstadt, die eben so sehr durch den entschiedenen
Hang des Publikums zur Musik, als auch durch die Menge vortrefflicher
Tonknstler, fr Mozarts Geist wichtig seyn mute.

Von hier aus verbreiteten sich seine erstaunenswrdigen Kompositionen
zunchst nach Bhmen, dann in das brige Deutschland, und gaben dem
Geschmacke in der Musik einen groen Schwung, eine neue Richtung, die
aber seine zeitherigen Nachahmer verzerren und verderben.

Sein Spiel auf dem Pianoforte fand zuerst Bewunderer und Liebhaber; denn
obschon Wien mehrere groe Meister dieses Instrumentes, des Lieblinges
des Publikums zhlte, so kam doch keiner unserm Mozart gleich. Eine
bewundernswrdige Geschwindigkeit, die man besonders in Rcksicht der
linken Hand oder des Basses einzig nennen konnte, Feinheit und
Delikatesse, der schnste, redendeste Ausdruck und ein Gefhl, das
unwiderstehlich zum Herzen drang, sind die Vorzge seines Spieles
gewesen, die gepaart mit seiner Gedankenflle, mit der tiefen Kenntni
der Komposition natrlich jeden Hrer hinreien, und Mozarten zu dem
grten Klavierspieler seiner Zeit erheben muten.

Seine Klavierkompositionen aller Art, Sonaten, Variationen, Konzerte,
wurden bald allgemein bekannt und beliebt. Man ward bey jedem neu
erschienenen Werke berrascht durch die Neuheit des Stiles, und der
Gedanken -- man staunte ber die Hhe, zu der sich die Musik durch seine
Werke so schnell empor schwang!

In Wien fand Mozart einen Tonknstler, dessen Genie dem seinigen am
hnlichsten war; ich meine den berhmten Schpfer der Alzeste und
Iphigenie, _Ritter von Gluck_, einen Bhmen von Geburt. Der Umgang mit
ihm und das unablssige Studium seiner erhabenen Werke gab Mozarten viel
Nahrung, und hatte Einflu auf seine Opernkompositionen. Auch wurde
Mozart bald der innigste Verehrer des groen, unvergleichlichen _Joseph
Haydn_, der schon damals der Stolz der Tonkunst war, und nun, nachdem
Mozart nicht mehr ist, unser einzige Liebling, unsere Wonne bleibt.
Mozart nannte ihn oft seinen Lehrer.

Bald nachdem Mozart seinen Aufenthalt in Wien aufgeschlagen hatte, fate
der unvergeliche Kaiser _Joseph_II. den Gedanken, der eines deutschen
Kaisers so wrdig war, den Geschmack an italienischen Opern durch die
Untersttzung deutscher Singspiele und Snger zu verdrngen, und fr das
Vaterlndische mehr zu stimmen. Er versammelte daher die besten Snger
und Sngerinnen, und lie von Mozart eine deutsche Oper setzen. Fr
diese Virtuosen schrieb Mozart das allgemein bekannte, allgemein
beliebte Singspiel, die _Entfhrung aus dem Serail_ in dem Jahre 1782.

Sie machte allgemeines Aufsehen; und die schlauen Italiener sahen bald
ein, da ein solcher Kopf fr ihr welsches Geklingel bald gefhrlich
werden drfte. Der Neid erwachte nun mit der ganzen Schrfe des
italienischen Giftes! Der Monarch der im Grunde von der _neuen
tiefeindringenden_ Musik entzckt war, sagte doch zu Mozart: Gewaltig
viel Noten lieber Mozart!

Gerade so viel, Eure Majestt, als nthig ist, versetzte dieser mit
jenem edlen Stolze, und der Freymthigkeit, die groen Geistern so gut
anstehet. Er sah es ein, da die nicht eigenes Urtheil, sondern
nachgesagt war.

Ich darf hier nicht verschweigen, da Mozart zu der Zeit, als er diese
Oper schrieb, _Konstanza Weber_, seine nachmahlige Gemahlin, die
Schwester der berhmten Sngerin _Lang_, liebte und eben Brutigam war.
Den Einflu, den diese Seelenstimmung auf die Komposition dieser Oper
haben mute, wird jedermann erkennen, der sie gehrt hat; denn wer wei
es nicht, wie voll ser Gefhle, voll schmachtender Liebe sie ist?

Ich kann den Beyfall und die Sensation, die sie in Wien erregte, nicht
aus eigener Erfahrung beschreiben -- aber ich bin Zeuge des Enthusiasmus
gewesen, den sie bey ihrer Auffhrung in Prag in Kennern und
Nichtkennern verursachte! Es war, als wenn das, was man hier bisher
gehrt und gekannt hatte, keine Musik gewesen wre! Alles war
hingerissen -- alles staunte ber die neuen Harmonien, ber die
originellen, bisher ungehrten Stze der Blasinstrumente. Nun fingen die
Bhmen an seine Kompositionen zu suchen; und in eben dem Jahre hrte man
schon in allen bessern musikalischen Akademien, Mozarts Klavierstcke
und Sinfonien. Von nun an war die Vorliebe der Bhmen fr seine Werke
entschieden! Die grten Kenner und Knstler unserer Vaterstadt, waren
auch Mozarts grte Bewunderer, die feurigsten Verkndiger seines
Ruhmes.[5]

    [Funote 5: Vorzglich der verehrte Herr _Duscheck, Kucharz,
    Praupner, Johann Kozeluch, (nicht Leopold der in Wien lebt,) die
    beyden Loschek, Maschek, Caj. Vogel, Wenzel, Weber, Rsler,
    Witassek, Tomaschek_ u.a.m.]

Mozart lebte bisher, ungeachtet seines groen Ruhmes ohne _Anstellung_,
also ohne bestimmte Einknfte. Klavier-Unterricht, und abonnirte
Konzerte fr einen geschlossenen Cirkel des hohen Adels waren noch die
ausgiebigsten Quellen seiner Einknfte, wobey sich in einer Stadt, wie
Wien, sicher nichts ersparen lie.

In dieser Periode schrieb er die schnsten Sachen fr das Klavier:
Sonaten mit und ohne Begleitung, Konzerte, die nun in jedermanns Hnden
sind.

Im Jahre 1785 gab er 6 meisterhafte Violin-Quartetten im Stich heraus,
mit einer Dedikation an seinen Freund den Kapellmeister _Joseph Haydn_,
die ein schner Abdruck seiner Hochachtung fr diesen groen Mann ist;
und so wie dieselbe den Ruhm _Haydns_, durch die Huldigungen eines
Knstlers wie Mozart, vermehrt: eben so sehr gereicht sie diesem zur
Ehre, und macht uns das Herz eines Mannes liebenswrdig, dessen Talent
Bewunderung heischt.

Gewi, Mozart htte mit keinem Werke einen _Joseph Haydn_ besser ehren
knnen, als mit diesen Quartetten, die ein Schatz der schnsten
Gedanken, und das Muster und eine Schule der Komposition sind. In den
Augen des Kenners ist dies Werk eben so viel werth, als jede
Opernkomposition Mozarts. Alles darinn ist durchgedacht, und vollendet!
-- Man sieht es diesen Quartetten an, da er sich die Mhe gab _Haydns_
Beyfall zu verdienen.

Eben zu der Zeit machte das franzsische Lustspiel von Beaumarchais,
_Figaro_ sein Glck und kam auf alle Theater. Mozart ward vom Kaiser
_Joseph_ dazu bestimmt, diesem Lustspiele, nachdem es in ein Singspiel
umgegossen ward, auch auf dem italienischen Operntheater durch seine
Musik Celebritt zu verschaffen. Es wurde in Wien von der italienischen
Opern-Gesellschaft aufgefhrt. Wenn es wahr ist, was man allgemein als
wahr erzhlt, und was sich bei so vielen glaubwrdigen Zeugen freylich
nicht in Zweifel ziehen lt, da die Snger, aus Ha, Neid und
niedriger Kabale bey der ersten Vorstellung durch vorsetzliche Fehler
sich alle Mhe gegeben haben die Oper zu strzen: so kann der Leser
daraus schlieen, wie sehr diese Faktion die Ueberlegenheit des Genies
in Mozart frchtete, und wie wahr es sey, was ich kurz vorher bey
Gelegenheit der _Entfhrung aus dem Serail_ bemerkt habe. Dieser feige
Bund verdienstloser Menschen blieb bis an das frhe Ende des
unsterblichen Knstlers in voller Thtigkeit ihn zu hassen, zu
verlumden, und seine Kunst herabzusetzen. Welchen Kampf hatte Mozarts
Geist zu bestehen, bis er vollkommen triumphirte?

Man erzhlt, da die Snger durch eine ernste Warnung des seligen
Monarchen zu ihrer Pflicht gewiesen werden muten, da Mozart voll
Bestrzung zwischen dem 2ten Akte zu Ihm in die Loge kam und Ihn darauf
aufmerksam machte.

So wie jedes seiner Werke in Bhmen nach seinem wahren Werthe erkannt
und geschtzt wurde: so geschah es auch mit dieser Oper. Sie wurde im
Jahre 1786 von der Bondinischen Gesellschaft in Prag auf das Theater
gebracht und gleich bey der ersten Vorstellung mit einem Beyfall
aufgenommen, der nur mit demjenigen, welchen die Zauberflte nachher
erhielt, verglichen werden kann. Es ist die strengste Wahrheit, wenn ich
sage, da diese Oper fast ohne Unterbrechen diesen ganzen Winter
gespielt ward, und da sie den traurigen Umstnden des Unternehmers
vollkommen aufgeholfen hatte. Der Enthusiasmus, den sie bei dem Publikum
erregte, war bisher ohne Beyspiel; man konnte sich nicht genug daran
satt hren. Sie wurde bald von einem unserer besten Meister, Herrn
Kucharz in einen guten Klavier-Auszug gebracht, in blasende Parthieen,
ins Quintett fr Kammermusik, in teutsche Tnze verwandelt: kurz Figaros
Gesnge wiederhallten auf den Gssen, in Grten, ja selbst der Harfenist
auf der Bierbank mute sein #non piu andrai# tnen lassen, wenn er
gehrt werden wollte. Diese Erscheinung hat freylich grtentheils in
der Vortrefflichkeit des Werkes ihren Grund; aber nur ein Publikum,
welches so viel Sinn fr das wahre Schne in der Tonkunst und so viel
grndliche Kenner unter sich besitzt, konnte den Werth einer solchen
Kunst auf der Stelle empfinden; dazu gehrt auch das unvergleiche
Orchester der damaligen Oper, welches die Ideen Mozarts so genau und
fleiig auszufhren verstand. Denn auf diese verdienten Mnner, die zwar
grtentheils keine Konzertisten, aber desto grndlichere Kenner und
Orchestersubjekte waren, machte die neue Harmonie und der feurige Gang
des Gesanges den ersten und tiefsten Eindruck! Der nunmehr verstorbene
rhmlich bekannte Orchester-Direktor _Strobach_ versicherte oft, da er
sammt seinem Personale bey der jedesmaligen Vorstellung so sehr ins
Feuer gerathe, da er trotz der mhsamen Arbeit mit Vergngen von vorne
wieder anfangen wrde.

Die Bewunderung fr den Verfasser dieser Musik gieng so weit, da einer
unserer edelsten Kavaliere und Kenner der Musik, _Graf Johann Joseph
Thun_, der selbst eine vortreffliche Kapelle unterhielt, ihn nach Prag
zu kommen einlud, und ihm Wohnung, Kost und alle Bequemlichkeiten in
seinem Hause anboth. Mozart war zu sehr ber die Wirkung erfreut, die
seine Musik auf die Bhmen machte -- zu begierig eine Nation von einem
solchen Musikgefhle kennen zu lernen, als da er die Gelegenheit nicht
mit Freuden ergriffen htte. Er kam im Februar 1787 nach Prag: am Tage
seiner Ankunft wurde Figaro gegeben, und Mozart erschien darinn.
Alsogleich verbreitete sich der Ruf von seiner Anwesenheit im Parterre,
und so wie die Sinfonie zu Ende gieng, klatschte ihm das ganze Publikum
Beyfall und Bewillkommen zu.

Er lie sich dann auf allgemeines Verlangen in einer groen
musikalischen Akademie im Operntheater auf dem Pianoforte hren. Nie sah
man noch das Theater so voll Menschen, als bey dieser Gelegenheit; nie
ein strkeres, einstimmiges Entzcken, als sein gttliches Spiel
erweckte. Wir wuten in der That nicht, was wir mehr bewundern sollten,
ob die _auerordentliche_ Komposition, oder das _auerordentliche_
Spiel; beydes zusammen bewirkte einen Totaleindruck auf unsere Seelen,
welcher einer sen Bezauberung glich! Aber dieser Zustand lsete sich
dann, als Mozart zu Ende der Akademie allein auf dem Pianoforte mehr als
eine halbe Stunde phantasirte und unser Entzcken auf den hchsten Grad
gespannt hatte, in laute berstrmende Beyfallsuerung auf. Und in der
That bertraf dieses Phantasiren alles, was man sich vom Klavierspiele
vorstellen konnte, da der hchste Grad der Kompositionskunst mit der
vollkommensten Fertigkeit im Spiele vereinigt ward. Gewi, so wie diese
Akademie fr die Prager die einzige ihrer Art war, so zhlte Mozart
diesen Tag zu den schnsten seines Lebens.

Die Sinfonien, die er fr diese Gelegenheit setzte, sind wahre
Meisterstcke des Instrumentalsatzes, voll berraschender Uebergnge und
haben einen raschen, feurigen Gang, so, da sie alsogleich die Seele zur
Erwartung irgend etwas Erhabenen stimmen. Die gilt besonders von der
groen Sinfonie in #Ddur# und #Es#, die noch immer ein Lieblingsstck
des Prager Publikums sind, obschon sie wohl hundertmal gehrt waren.

Der Opernunternehmer Bondini schlo zugleich mit Mozart den Akkord zu
einer neuen Oper fr die Prager Bhne auf den nchsten Winter, welche
dieser gerne bernahm, weil er erfahren hatte, wie gut die Bhmen seine
Musik zu schtzen und auszufhren verstanden. Die uerte er oft gegen
seine Prager Freunde: er war berhaupt gern in Prag, wo ihn ein
gefhlvolles Publikum, und wahre Freunde so zu sagen auf den Hnden
trugen. -- Dem Opernorchester dankte er in einem Briefe an den damaligen
Direktor Herrn Strobach sehr verbindlich, und schrieb seiner geschickten
Ausfhrung den grten Theil des Beyfalls zu, den seine Musik in Prag
erhalten hatte.[6] Dieser Zug seines Herzens, so unbedeutend er scheint,
ist sehr schn; er giebt einen Beweis, da _Stolz_, _Eigendnkel_ oder
_Undankbarkeit_ seine Fehler nicht waren, wie man es so hufig an viel
geringern Virtuosen wahrnimmt.

    [Funote 6: Der Verfasser las den Brief im Original, und fand
    ihn sehr gut geschrieben.]

In dem nemlichen Jahre 1787 gegen den Winter kam Mozart vermg seines
Akkords wieder nach Prag, und vollendete da die Krone aller seiner
Meisterwerke, die Oper: #Il dissoluto punito#, oder #Don Giovanni#.

Die Bhmen sind stolz darauf, da er durch eine so erhabene und aus der
Tiefe seines Genies geschpfte Musik ihren guten Geschmack erkannte und
ehrte. _Don Juan ist fr Prag geschrieben_ -- mehr braucht man nicht zu
sagen, um zu beweisen, welchen hohen Begriff Mozart von dem
musikalischen Sinne der Bhmen hatte. Es gelang ihm auch vollkommen
diesen Sinn zu treffen und zu rhren; denn keine Oper hat sich hier in
einem gleichen Wohlgefallen so lange auf dem Theater erhalten, als _Don
Juan_. Es sind nunmehr 21Jahre, seit sie gegeben wird, und noch immer
hrt man sie mit Vergngen, noch immer lockt sie zahlreiche Versammlung
in das Parterre. Kurz _Don Juan_ ist die Lieblingsoper des bessern
Publikum in Prag. Als Mozart bey der ersten Vorstellung derselben an dem
Klavier im Orchester erschien, empfing ihn das ganze bis zum Erdrcken
volle Theater mit einem allgemeinen Beyfallklatschen. Ueberhaupt bekam
Mozart in Prag bey jeder Gelegenheit groe und unzweydeutige Beweise der
Hochachtung und Bewunderung, welche gewi ehrenvoll waren, weil nicht
Vorurtheil oder Mode, sondern reines Gefhl seiner Kunst daran Theil
hatte. Man liebte und bewunderte seine schnen Werke; wie konnte man
gegen die Person ihres groen Schpfers gleichgltig bleiben?

In dem Jahre 1789 im Monat December schrieb Mozart das italienische
komische Singspiel, #Cosi fan tutte#, oder _die Schule der Liebenden_;
man wundert sich allgemein, wie der groe Geist sich herablassen konnte,
an ein so elendes Machwerk von Text seine himmlisch sen Melodien zu
verschwenden. Es stand nicht in seiner Gewalt, den Auftrag abzulehnen,
und der Text ward ihm ausdrcklich aufgetragen. -- In diese Periode fllt
auch seine Reise ber Leipzig und Dresden nach Berlin.[7] Der groe Ruf
seines Namens gieng ihm voran, und man fand sich nirgends in der
Erwartung getuscht, die er berall erregt hatte. Der damalige Knig von
Preuen, ein freygebiger Kenner und Freund der Tonkunst, ward ganz fr
ihn eingenommen; und gab ihm ausgezeichnete Beweise seiner Achtung. Wie
wahrhaft und daurend dieselbe gewesen sey, beweiset die knigliche
Gromuth, mit welcher dieser Monarch spter die Wittwe Mozart in Berlin
aufnahm und untersttzte.

    [Funote 7: Er unternahm sie im Frhjahr des Jahrs 1789.]

Mozart war bis jetzo ohne Anstellung, ohne sichere Einknfte. So bekannt
auch sein Talent war, so sehr man seine Kompositionen suchte: so wenig
dachte man daran ihn zu belohnen, und zu untersttzen. Er hatte zwar oft
betrchtliche Einnahmen gemacht; aber bei der Unsicherheit und Unordnung
der Einknfte, bei den hufigen Kindbetten, den langwierigen Krankheiten
seiner Gattin, in einer Stadt wie Wien, mute Mozart doch im
eigentlichen Verstande darben. Er beschlo daher die _Stadt_ zu
verlassen, wo sich keine Stelle fr einen Kopf wie _Mozart_ fand. Sein
Plan war nach England zu gehen, wo er ein besseres Schicksal um so mehr
erwarten konnte, als ihm oft von da Einladungen und lockende Antrge
gemacht wurden.

Alles war zur Abreise fertig, als ihm _Kaiser Joseph_ den Titel eines
kaiserlichen Kammerkomponisten mit einem Jahrgehalt von 800Gulden und
der Zusicherung ertheilte, da auf ihn in der Zukunft Bedacht genommen
werden wrde. Mozart mochte nicht trotzen; er nahm es willig an, und
blieb. Das Anstellungsdekret ist am 7. Dec. 1787 ausgestellt.

Ich berlasse es jedem Leser darber Beobachtungen anzustellen, um die
Ursachen der langen Vernachlssigung eines so groen Knstlers
auszuforschen. An ihm lag die Schuld gewi nicht; man mte denn seinen
geraden und offenen zum Bcken und Kriechen untauglichen Charakter als
Schuld annehmen.

So viele Feinde und Neider auch jeden seiner Vorzge durch Herabsetzung
und Verlumdung zu verdunkeln bemht waren: so vollkommen war dennoch
der Triumph seiner Kunst bey unbefangenen, von dem Roste der Mode
unverletzten Seelen. Alle wahren Kenner der Tonkunst huldigten seinem
Genie. Ich will davon ein Beyspiel anfhren.

Der als Staatsmann und Gelehrter gleich verehrungswrdige _Baron von
Switten_, ein wahrer Kenner der Tonkunst, voll Gefhl fr den ernsten
Gesang des erhabenen _Hndels_, lie oft die Werke dieses berhmten
Tonknstlers, die fr den tndelnden Modegeschmack unserer Tage eine zu
einfache Kost sind, in Privatkonzerten auffhren. Er bediente sich dazu
der Talente unsers Mozarts, der die groen Ideen _Hndels_ mit der Wrme
seiner Empfindung zu beleben und durch den Zauber seines
Instrumentalsatzes fr unser Zeitalter genbar zu machen verstand.[8]
Baron von _Switten_ korrespondirte oft ber die Angelegenheit mit
Mozart, und schrieb ihm einst unter andern:

    Den 21sten Mrz 1789.

    Ihr Gedanke, den Text der kalten Arie in ein #Recitativ# zu
    bringen ist trefflich, und in der Ungewiheit ob Sie wohl die
    Worte zurckbehalten haben, schickte ich sie Ihnen hier
    abgeschrieben. Wer _Hndel_ so feyerlich und so geschmackvoll
    kleiden kann, da er einerseits auch dem Modegecken gefllt, und
    andererseits doch immer in seiner Erhabenheit sich zeiget, der
    hat seinen Werth gefhlt, der hat ihn verstanden, der ist zu der
    Quelle seines Ausdruckes gelanget und kann und wird sicher
    daraus schpfen. So sehe ich dasjenige an, was Sie leisteten,
    und nun brauche ich von keinem Zutrauen mehr zu sprechen,
    sondern nur von dem Wunsche das Rezitativ bald zu erhalten.

                                                _Switten_.

    [Funote 8: Mozart bearbeitete fr ihn _Hndels Acis und
    Galathea, Messias, Cecilia, und das Fest des Alexanders_ in den
    Jahren 1788, 89, 90.]

Der Trkenkrieg und der dadurch veranlate Tod des _edelsten Monarchen_,
des unvergelichen _Josephs_, raubte auch Mozarten eine groe Sttze
seiner Hoffnungen; er blieb Kapellmeister mit 800Fl. und ohne
Wirkungskreis!

Aber auch sein Ende rckte nun heran; er sollte den groen _Monarchen_
nicht lange berleben. Das Jahr 1791, furchtbar reich an groen Todten,
ward bestimmt auch den Stolz der Tonkunst zu entreien. Mozart hatte
jedoch zuvor der Nachwelt mit vollen Hnden aus dem Reichthume seines
Geistes ausgespendet. Daher ist dieses Jahr eben so merkwrdig durch die
Schpfung seiner schnsten Werke, als es uns durch seinen unerwarteten
Tod schmerzhaft geworden ist. In demselben, ja gewissermaen nahe an dem
Ziele seines Lebens schuf er die Musik zu der _Zauberflte_, zu der
ernsthaften Oper, #La Clemenza di Tito#, und das furchtbar erhabene
#Requiem# (Seelenmesse) welches er nicht einmal mehr vollenden konnte.
So gewi es ist, da diese drey Werke allein ihm den ersten Platz unter
den Tonknstlern seines Zeitalters und unsterblichen Ruhm versichert
htten, so sehr vermehren sie die Sehnsucht nach dem Entrissenen, durch
den Gedanken, der sich dem gefhlvollen Zuhrer unter dem Genusse seiner
Werke unwiderstehlich aufdringt: _Ach! wie viel wrde der Mann noch
geleistet, welche Harmonien geschaffen haben_?

Die Zauberflte setzte er fr das Theater des bekannten _Schikaneders_,
der sein alter Bekannter war. Die Musik zu der Oper #La Clemenza di
Tito# war von den bhmischen Stnden zu der Krnung des Kaisers
_Leopold_ bestellt. Diese letzte begann er in seinem Reisewagen auf dem
Wege von Wien, und vollendete sie in dem kurzen Zeitraume von 18 Tagen
in Prag.

_Die Geschichte seines_ letzten Werkes, der erwhnten _Seelenmesse_, ist
eben so geheimnivoll als merkwrdig.

Kurz vor der Krnungszeit des Kaisers _Leopold_, bevor noch _Mozart_ den
Auftrag erhielt nach Prag zu reisen, wurde ihm ein Brief _ohne
Unterschrift_ von einem _unbekannten Bothen_ bergeben, der nebst
mehreren schmeichelhaften Aeuerungen die Anfrage enthielt, ob Mozart
eine Seelenmesse zu schreiben bernehmen wollte? um welchen Preis und
binnen welcher Zeit er sie liefern knnte?

Mozart der ohne Mitwissen seiner Gattin nicht den geringsten Schritt zu
thun pflegte, erzhlte ihr den sonderbaren Auftrag, und uerte zugleich
sein Verlangen sich in dieser Gattung auch einmal zu versuchen, um so
mehr, da der hhere pathetische Stil der Kirchenmusik immer sehr nach
seinem Genie war. Sie rieth ihm den Auftrag anzunehmen. Er schrieb also
dem unbekannten Besteller zurck, er wrde das Requiem fr eine gewisse
Belohnung verfertigen; die Zeit der Vollendung knne er nicht genau
bestimmen; er wnsche jedoch den Ort zu wissen, wohin er das Werk, wenn
es fertig seyn wrde, zu bergeben habe. In kurzer Zeit erschien
derselbe Bothe wieder, brachte nicht nur die bedungene Belohnung mit,
sondern noch das Versprechen, da er in dem Preise so billig gewesen sey,
bey der Absendung des Werkes eine betrchtliche Zugabe zu erhalten. Er
sollte brigens nach der Stimmung und Laune seines Geistes schreiben,
sich aber gar keine Mhe geben, den Besteller zu erfahren, indem es
gewi vergeblich seyn wrde.

Mittlerweile bekam Mozart den ehrenvollen und vortheilhaften Antrag fr
die Prager Krnung des Kaisers _Leopold_ die Oper Titus zu schreiben.
Nach Prag zu gehen, fr seine lieben Bhmen zu schreiben, hatte fr ihn
zu viel Reiz, als da er es htte ausschlagen knnen!

Eben als Mozart mit seiner Frau in den Reisewagen stieg, stand der Bothe
wie ein Geist da, zupfte die Frau an dem Rocke, und fragte: Wie wird es
nun mit dem Requiem aussehen?--

Mozart entschuldigte sich mit der Nothwendigkeit der Reise und der
Unmglichkeit seinem unbekannten Herrn davon Nachricht geben zu knnen:
brigens wrde es seine erste Arbeit bey der Zurckkunft seyn, und es
kme nur auf den Unbekannten an, ob er so lange warten wolle. Damit war
der Bothe gnzlich befriedigt.

Schon in Prag krnkelte und medizinirte Mozart unaufhrlich; seine Farbe
war bla und die Miene traurig, obschon sich sein munterer Humor in der
Gesellschaft seiner Freunde doch oft noch in frhlichen Scherz ergo.
Bey seinem Abschiede von dem Zirkel seiner Freunde ward er so wehmthig,
da er Thrnen vergo. Ein ahnendes Gefhl seines nahen Lebensende
schien die schwermthige Stimmung hervorgebracht zu haben -- denn schon
damals trug er den Keim der Krankheit, die ihn bald hinraffte, in sich.

Bey seiner Zurckkunft nach Wien nahm er sogleich seine Seelenmesse vor,
und arbeitete mit viel Anstrengung und einem lebhaften Interesse daran:
aber seine Unplichkeit nahm sichtbar zu, und stimmte ihn zur dstern
Schwermuth. Seine Gattin nahm es mit Betrbni wahr. Als sie eines Tages
mit ihm in den Prater fuhr, um ihm Zerstreuung und Aufmunterung zu
verschaffen, und sie da beyde einsam saen, fing Mozart an vom Tode zu
sprechen, und behauptete, da er das Requiem fr sich setze. Thrnen
standen dem empfindsamen Manne in den Augen. Ich fhle mich zu sehr,
sagte er weiter, mit mir dauert es nicht mehr lange: gewi, man hat mir
Gift gegeben! Ich kann mich von diesem Gedanken nicht los winden.--

Zentnerschwer fiel diese Rede auf das Herz seiner Gattin; sie war kaum
im Stande ihn zu trsten, und das Grundlose seiner schwermthigen
Vorstellungen zu beweisen. Da sie der Meynung war, da wohl eine
Krankheit im Anzuge wre, und das Requiem seine empfindlichen Nerven zu
sehr angreife, so rufte sie den Arzt, und nahm die Partitur der
Komposition weg.

Wirklich besserte sich sein Zustand etwas, und er war whrend desselben
fhig eine kleine Kantate, die von einer Gesellschaft fr ein Fest
bestellt wurde, zu verfertigen. Die gute Ausfhrung derselben und der
groe Beyfall, mit dem sie aufgenommen ward, gab seinem Geiste neue
Schnellkraft. Er wurde nun etwas munterer und verlangte wiederholt sein
Requiem fortzusetzen und zu vollenden. Seine Frau fand nun keinen
Anstand ihm seine Noten wieder zu geben.

Doch kurz war dieser hoffnungsvolle Zustand; in wenig Tagen verfiel er
in seine Melancholie, ward immer matter und schwcher, bis er endlich
ganz auf das Krankenlager hinsank, von dem er ach! nimmer aufstand.

Am Tage seines Todes lie er sich die Partitur an sein Bette bringen.
Hab ich es nicht vorgesagt, da ich die Requiem fr mich schreibe? so
sprach er, und sah noch einmal das Ganze mit nassen Augen aufmerksam
durch. Es war der letzte schmerzvolle Blick des Abschiedes von seiner
geliebten Kunst -- eine Ahndung seiner Unsterblichkeit!

Gleich nach seinem Tode meldete sich der Bothe, verlangte das Werk, so
wie es unvollendet war, und erhielt es. Von dem Augenblicke an sah ihn
die Wittwe nie mehr, und erfuhr nicht das mindeste, weder von der
Seelenmesse, noch von dem Besteller. Jeder Leser kann sich vorstellen,
da man sich alle Mhe gab den rthselhaften Bothen auszuforschen, aber
alle Mittel und Versuche waren fruchtlos.[9]

    [Funote 9: Der Verfasser erzhlt die Begebenheit, wie er sie
    oftmals aus dem Munde der Wittwe gehrt hatte, und berlt es
    jedem Leser Betrachtungen darber anzustellen. Er sah eines der
    Billette, die der unbekannte Besteller an Mozart schrieb. Man
    kann daraus nichts Besonders abnehmen. Es ist sehr kurz, Mozart
    wird darinn ersucht das Requiem zu senden, und eine Summe zu
    bestimmen, um welche er jhrlich eine gewisse Anzahl Quartetten
    machen knnte. Warum hat der unbekannte Verehrer der Talente
    Mozarts, (so nannte er sich,) fr gut gefunden verborgen zu
    bleiben? Was ist mit dem Requiem geschehen? Man erfuhr nie, da
    es damals irgendwo aufgefhrt worden sey. Mozarts Freunden wrde
    es ein groes Vergngen machen, einigen Aufschlu ber die Sache
    zu erhalten. Denn man kann keine gegrndete Ursache denken, die
    eine solche geheimnivolle Verborgenheit nothwendig machte.]

Mozart blieb whrend seiner Krankheit bey vollkommenem Bewutseyn bis
an sein Ende, und starb zwar gelassen, aber doch sehr ungern. Jedermann
wird die begreiflich finden, wenn er bedenkt, da Mozart kurz zuvor das
Anstellungsdekret als Kapellmeister in der St.Stephanskirche mit allen
Emolumenten, die von Alters her damit verbunden waren, bekam, und nun
erst die frohe Aussicht hatte, bei hinlnglichen Einknften ruhig, ohne
Nahrungssorgen leben zu knnen. Auch erhielt er fast zu gleicher Zeit
aus _Ungarn_ und _Amsterdam_ ansehnliche Bestellungen und Akkorde auf
periodische Lieferungen gewisser Kompositionen.

Dieses sonderbare Zusammentreffen so glcklicher Vorbothen eines
bessern Schicksales -- seine gegenwrtigen traurigen Vermgensumstnde --
der Anblick einer trostlosen Gattin -- der Gedanke an zwey unmndige
Kinder: alles dieses war nicht gemacht, einen bewunderten Knstler, der
nie Stoiker gewesen ist, in seinem 35ten Jahre die Bitterkeit des Todes
zu versen. Eben _jetzt_, so klagte er oft in seiner Krankheit, soll
ich fort, da ich ruhig leben wrde! _Jetzt_ meine Kunst verlassen, da
ich nicht mehr als Sklave der Mode, nicht mehr von Spekulanten
gefesselt, den Regungen meiner Empfindung folgen, frey und unabhngig
schreiben knnte, was mein Herz mir eingiebt! Ich soll fort von meiner
Familie, von meinen armen Kindern, in dem Augenblicke, da ich im Stande
geworden wre, fr ihr Wohl besser zu sorgen! Sein Tod erfolgte in der
Nacht am 5ten Dezember 1791. Die Aerzte waren in der Bestimmung seiner
Krankheit nicht einig. Man kann sagen, um Mozart floen unzhlbare
Thrnen; nicht in Wien allein, vielleicht mehr noch in Prag, wo man ihn
liebte und bewunderte. Jeder Kenner, jeder Freund der Tonkunst hielt
seinen Verlust fr unersetzlich; und wahrlich, bis jetzt hat man nicht
Ursache diese trostlose Meynung zurck zu nehmen! Es schien unglaublich,
da ein Mann, der so unsterbliche Werke geliefert, der unsern Herzen so
reine Entzckungen geschaffen hat, nicht mehr seyn sollte!

In Wien feyerte man sein Andenken mit Wrde; aber Prag zeichnete sich
auch hierinn durch die wrmste Theilnahme aus; die Trauer um unsern
Liebling war allgemein und ungeheuchelt. Zuerst veranstaltete der
wrdige Musik Direktor _Joseph Strobach,_ ein Freund des
Verstorbenen,[10] in seiner Pfarrkirche bey St. Niklas den 14ten
Dezember d.n.J. ein feyerliches Seelenamt fr Mozart. Nie gab es ein
so rhrendes und erhabenes Trauerbegngni. Ein Chor von 120Personen
aus den besten Knstlern Prags ausgewhlt, die alle mit wehmthigen
Eifer sich dazu angebothen hatten, unter der Direktion des braven
_Strobachs_ fhrte das meisterhafte Requiem unsers berhmten Landsmannes
Rosetti mit einem so schwermuthsvollen Ausdrucke auf, da es nothwendig
auf das versammelte Volk den tiefsten Eindruck machen mute. Mehr als
3000Menschen, vom Adel und Brgerstande, (so viel nemlich diese groe
Kirche fate,) waren da beysammen -- alle gerhrt, alle voll Wehmuth
ber den frhen Tod des entrissenen Knstlers!

    [Funote 10: Dieser als Knstler und Mensch gleich
    verehrungswrdige Mann ist im Jahr 1798 im Dezember gestorben.]

Etwas spter, den 28ten Dezember 1791 unternahm eine Gesellschaft wahrer
Verehrer des Verstorbenen, zur Untersttzung der hinterlassenen Waisen
und Wittwe ein ffentliches Konzert in dem Nationaltheater; man fhrte
einige der besten, weniger bekannten Kompositionen Mozarts auf. Eine so
edle Todtenfeier untersttzte das Prager Publikum aus allen Krften, um
so mehr, da es die Gelegenheit fand den Tribut seiner Hochachtung dem
_Genie_ Mozarts in der gromthigen Untersttzung der hilflosen Waisen
zu zollen. Das Theater war voll, und die Einnahme betrchtlich. Wie
glcklich ist ein Knstler, dessen Talent solche Freunde erwirbt!

In Wien wurde die Wittwe auf eine eben so gromthige Art untersttzt. --
Mozart hinterlie seiner Familie nichts als den Ruhm seines Namens. Alle
Hilfsmittel ihrer Erhaltung beruhten auf der Gromuth eines dankbaren
Publikums, dem Mozart so viele Stunden des reinsten Vergngens, der
edelsten Unterhaltung durch sein unerschpfliches Talent geschaffen
hatte. Und wahrlich, man kann sagen, da dieses seine Schuld redlich
abzutragen suchte. Die Wittwe lie in einem ffentlichen Konzert zu
ihrem Besten die merkwrdige _Seelenmesse_ auffhren. Der groe Ruf
dieses Meisterstckes und der Wunsch, die Waisen zu untersttzen, zog
ein zahlreiches Publikum hin, und man mu es den edlen Freunden der
Kunst in Wien zum Ruhme nachsagen, da dieselben auch nach 17Jahren
noch gegen den Mozartischen Namen nicht gleichgltig geworden sind. In
allen musikalischen Akademien, die der Wittwe zu ihrem Besten
zugestanden werden, ist das Haus voll, und die Einnahme gut.

Aber die Gromuth des sel. Kaisers _Leopold_, dieses
menschenfreundlichen, fr die Wissenschaften und Knste so frh
entrissenen Monarchen, bertraf alles, was bisher der Wittwe zum Besten
geschah.

Mozarts Feinde und Verlumder wurden besonders gegen sein Ende, und nach
seinem Tode so boshaft, so laut, da bis zu dem Ohre des Monarchen
manche nachtheilige Sage von Mozart gedrungen war. Diese Ausstreuungen
und Lgen waren so unverschmt, so emprend, da der Monarch, von
Niemanden des Gegentheiles belehrt, sehr entrstet war. Nebst einer
schndlichen Erdichtung und Vergrerung von Ausschweifungen, denen
Mozart, wie sie sagten, ergeben gewesen sey, behauptete man, da er
nicht weniger als 30,000Gulden Schulden hinterlassen habe -- eine Summe,
ber die der Monarch erschrack!

Die Wittwe war eben gesonnen den Monarchen um Pension zu bitten. Eine
edeldenkende Freundin und vortreffliche Schlerin Mozarts unterrichtete
sie von den Verlumdungen ihres Mannes bey Hofe, und gab ihr den Rath
den gtigen Monarchen bey der Audienz eines Bessern zu belehren.

Die Wittwe hatte bald Gelegenheit ihren Rath auszufhren.

=Euer Majestt=, sagte sie mit edlem Eifer bey der Audienz, jeder
Mensch hat Feinde; aber heftiger und anhaltender ist noch niemand von
den seinigen verfolgt und verlumdet worden, als mein Mann, blos weil er
ein so groes Talent war! Man hat es gewagt =Euer Majestt= viel
Unwahres ber ihn zu sagen: man hat seine hinterlassene Schulden
_zehnfach_ vergrert. Ich stehe mit meinem Leben dafr, da ich mit
einer Summe von ungefhr 3000Gulden alles bezahlen knnte, was er
schuldig ist. Und diese Schuld ist nicht muthwillig gemacht worden. Wir
hatten keine sichern Einknfte; hufige Kindbetten, eine schwere und
kostbare Krankheit von anderthalb Jahren, die ich auszustehen hatte,
werden bey dem menschenfreundlichen Herzen _meines Monarchen_ zur
Entschuldigung dienen.

Wenn es so ist, sagte der Monarch, da ist wohl noch Rath zu schaffen.
Geben sie ein Konzert von seinen hinterlassenen Werken, und ich will es
untersttzen.

Er nahm ihr die Bittschrift gndig ab; und in kurzer Zeit ward ihr eine
Pension von 260fl. angewiesen, die zwar an sich gering ist, aber da
Mozart erst 3Jahre angestellt, folglich die Wittwe noch nicht
pensionsfhig war, so bleibt es immer eine Gnade. Die Akademie ward
unternommen, und der _unsterbliche Monarch_ erfllte so gromthig sein
Versprechen, da die Wittwe dadurch in den Stand gesetzt wurde, die
Schulden ihres Mannes zu tilgen.

Aus dieser Begebenheit kann man schlieen, wie viel an den boshaften
Erzhlungen von der Unordnung seiner Haushaltung, seiner Verschwendung
und dergleichen Anschwrzungen Wahres seyn mag. Da man so wenig seiner
Gre als Knstler beyzukommen im Stande war, so suchte der grmliche
Neid seinen moralischen Charakter zu verstellen! Eine sehr leichte und
gewhnliche Taktik kleiner Seelen, denen jedes Verdienst, jede Gre
unausstehlich ist: um so mehr, wenn sie ihrem kleinen Gewerbe zu schaden
droht! Es ist nur Gerechtigkeit, die dem Verdienste gebhrt, wenn man
sich Mhe giebt _solche fremde_ Flecken aus dem Gemhlde wrdiger
Menschen zu verwischen.

Wenn gegen Mozart diejenige Billigkeit ausgebt wird, die jeder an sich
selbst zu erfahren wnschen mu, so wird er deshalb noch nicht als
Muster der Oekonomie und Sparsamkeit angepriesen. Es ist wahr; er htte
den Werth des Geldes besser schtzen sollen: aber darf ein groer Geist
keine Schwchen, keine Fehler haben? Mchten doch die, ber ihn so
streng urtheilen, auf ihr Herz greifen und sich fragen:------

    #Quid tu?
    nullane habes vitia?#

Und sind sie in irgend einem Fache _Mozarte_? -- Die Endschuldigung der
Schulden, die er hinterlie, vernahmen wir eben aus dem Munde seiner
Wittwe; und gewi, sie ist nicht ungegrndet.

Mozart hinterlie von mehreren Kindern nur zwey Shne, wovon der jngere
etwa 4Monathe alt war, als der Vater starb. Er heit Wolfgang wie sein
Vater, ist gegenwrtig 17Jahre alt, und durch die ersten Produkte
seines musikalischen Talentes dem Publikum schon vortheilhaft bekannt.
Sein Klavierspiel zeichnet sich durch feinen Ausdruck und Prcision aus.
Und so wre denn zum Theil die scherzhafte Vorhersagung seines Vaters
erfllt, da _die Kind ein Mozart werden wrde_, weil es einst weinend
in den Ton stimmte, aus dem der Vater eben auf dem Fortepiano spielte.
Offenbar lebt der Geist seines Vaters in ihm: aber dem Sohne fehlt eine
so bildende Vaterhand, wie diejenige war, die das Genie des Vaters so
trefflich leitete und entwickelte.

Mge der hoffnungsvolle Sohn in dem Bestreben nach Vollkommenheit nicht
ermden, und so wie er der Erbe des vterlichen Talentes ist, auch
seinen rastlosen Flei in dem Studium groer Meister geerbt haben! Nur
dadurch geht der Weg zum wahren Ruhme! Der ltere Sohn Karl ist
gegenwrtig in Mayland und macht ebenfalls groe Fortschritte in der
Tonkunst.

In Bhmen war Mozarts Kunstvollkommenheit noch bey seinem Leben
allgemein anerkannt und nach Werth geschtzt: aber er lebte zu kurz, um
die wahre Blthezeit seines Ruhmes zu sehen. Selbst in Wien seinem
Wohnorte waren es nur Kenner, die seinem Genie Gerechtigkeit widerfahren
lieen. Der Zauberflte, wovon Mozart die ersten Vorstellungen und
folglich auch den auerordentlichen Beyfall noch erlebte, war es
vorbehalten seine Gre dem Auslande zu verknden. Durch die
Meisterwerk begeistert suchte man seine brigen Werke auf, studierte sie
und empfand ihre Schnheit, und so ward der Name _Mozart_ bald in der
ganzen gebildeten Welt gefeyert, seine Gesnge die Lust jegliches Ohres!

Die erfuhr seine Wittwe auf ihrer Reise durch Deutschland, die sie im
J.1796 unternommen hatte. Ueberall sah sie zu ihrer innigsten Wonne,
wie gern die Teutschen wahres Verdienst erkennen und ehren, und wie tief
Mozarts Gesnge auf ihre Herzen gewirket haben.

Bey ihrem Aufenthalte zu Berlin im Febr. 1796 gab der _hchstselige
Wilhelm_II., dieser vortreffliche Freund der Tonkunst, und der ganze
knigl. Hof ausgezeichnete Beweise seiner Liebe und Achtung fr das
Genie Mozarts. Durch ein gndiges Handbillet ward ihr blos aus Rcksicht
auf die Talente ihres Mannes das knigl. Theater und die Kapelle zum
Gebrauche fr ihr Konzert berlassen; und ihre Unternehmung wurde nicht
nur von dem Monarchen, sondern auch von dem ganzen Publikum auf das
gromthigste untersttzt. Ueber alle Beschreibung gro und rhrend war
die Wirkung, welche die Auffhrung der Singstcke aus der Oper: #La
Clemenza di Tito# bey dem Konzerte auf den Knig, und das so
ungewhnlich zahlreich versammelte Publikum machte. Alles war gleich
begeistert, die groen Snger, das vortreffliche Orchester und die
Zuhrer. Der Geist des verewigten Knstlers, (so drckt sich ein
Berliner Wochenblatt aus, worinn die Akademie sehr interessant
beschrieben wurde) schien ber der Versammlung zu schweben, als zum
Anfange die Sinfonie aus der Zauberflte von dem Orchester so
meisterhaft vorgetragen, eine feyerliche, einweihende Stille
hervorbrachte. Das Handbillet worinn der Knig von Preuen einen so
rhmlichen Beweis seines guten Geschmackes und der Achtung fr teutsches
Talent gegeben, lautet wrtlich so:

    Sr. Knigliche Majestt von Preuen etc. etc. machen sich ein
    wahres Vergngen, durch die Gewhrung des Wunsches der Wittwe
    Mozart zu beweisen, wie sehr Sie das Talent ihres verstorbenen
    Mannes geschtzt und die ungnstigen Umstnde bedauert haben,
    welche ihm die Frchte seiner Werke einzuerndten verhinderten.
    Allerhchst dieselben bewilligen der Wittwe Mozart zur
    Ausfhrung dessen letzter Komposition, #La Clemenza di Tito# das
    groe Opernhaus, so wie Dero eigenes Orchester, haben auch
    dieserhalb die nthigen Befehle an den Kammerherrn Freyherrn von
    der _Reck_ erlassen, an welchen sich selbige nunmehr zu wenden
    hat, und wegen des hiezu zu bestimmenden Tages und wegen des
    brigen Details mit ihm sich gehrig zu besprechen. Berlin den
    14ten Februar 1796.

                                                Fr. Wilhelm.

Selbst der Italiener seit Jahrhunderten im unbestrittenem Besitze des
Meisterrechtes der Tonkunst berwand seinen Nationalstolz, und erkennt
nun Mozarts Ueberlegenheit in der Musik an. Seine Opern werden in Rom,
Mayland und andern Stdten mit Beyfall gegeben; die Klaviersachen von
jedermann gespielt; Meister studiren seine Partituren.

Noch frher hat Frankreich seiner Kunst gehuldiget. Der Beyfall den die
Mysterien der Isis (Zauberflte) in Paris erhielten ist ein Beweis
davon. Don Juan machte kein so groes Glck; aber die war, wie alle
Nachrichten einstimmig aussagten, die Folge der schlechten Darstellung
des Stckes. Denn der hohe Werth der Musik selbst wurde vollkommen
anerkannt. Seine Sinfonien, Klavierkonzerte, Quartetten werden allgemein
bewundert, hufig gespielt, und im Stich und Druck ohne Aufhren neu
aufgelegt.

England, welches deutsches Tonknstlerverdienst von jeher schtzte und
lohnte, kennt und bewundert auch Mozarts allgewaltigen Geist. Die
Seelenmesse ward in London fter mit dem grten Beyfalle aufgefhrt;
der Absatz seiner Werke, die bey Breitkopf und Hrtel herausgekommen,
ist nach England eben so stark, als in Deutschland und Frankreich.

Wo giebt es berhaupt Kenner und Liebhaber der sesten der Knste, wo
nicht Mozarts Tne tnten und jedes Ohr entzckten? Selbst in den
entferntesten Welttheilen, wohin kaum der Name der berhmtesten Europer
dringt, wiederhallen seine Harmonien. In den philippinischen Inseln,
(schreibt unser Landsmann, der bekannte Botaniker Hnke) werden seine
Werke mit Entzcken gehrt.




                                 III.

                    Mozart als Knstler und Mensch.


Die Krperbildung dieses auerordentlichen Menschen hatte nichts
Auszeichnendes; er war klein, sein Angesicht angenehm, aber, wenn man
das groe, feurige Auge ausnimmt, kndigte es die Gre seines Genies
auf den ersten Anblick nicht an.

Der Blick schien unstet und zerstreut, auer wenn er bey dem Klavier
sa; da nderte sich sein ganzes Antlitz! Ernst und versammelt ruhte
dann sein Auge; auf jeder Muskelbewegung drckte sich die Empfindung
aus, welche er durch sein Spiel vortrug und in dem Zuhrer so mchtig
wieder zu erwecken vermochte.

Er hatte kleine schne Hnde; bey dem Klavierspielen wute er sie so
sanft und natrlich an der Klaviatur zu bewegen, da sich das Auge
daran nicht minder, als das Ohr an den Tnen ergtzen mute. Auch darinn
zeichnete sich also Mozart vor den tummelnden Kraftgenies unserer Tage
aus!

Der kleine Wuchs seines Krpers kam von seiner frhen Geistesanstrengung
her, und von dem Mangel an freyer Bewegung in der Zeit seiner Kindheit.
Er war zwar von schnen Eltern erzeugt, und selbst ein schnes Kind
gewesen; aber von dem 6ten Lebensjahre an war er an eine sitzende
Lebensweise gebunden; um diese Zeit fing er schon an zu schreiben! Und
wie viel hat der Mann nicht in seinem Leben geschrieben? Da Mozart
bekanntermaen in der Nacht am liebsten spielte und komponirte und die
Arbeit oft dringend war: so kann sich jeder vorstellen, wie sehr ein so
fein organisirter Krper darunter leiden mute! Sein frher Tod, (_wenn
er ja nicht auch knstlich befrdert war_), mu diesen Ursachen
hauptschlich zugeschrieben werden.

_Aber in dem unansehnlichen Krper wohnte ein Genius der Kunst_, wie ihn
nur wenigen Lieblingen die Natur verlieh!

Die Gre und der Umfang seines Genies lt sich nur nach dem so frhen,
so beyspiellos schnellen Gange seiner Entwickelung, und nach der hohen
Stufe der Vollkommenheit abmessen, auf die er in seiner Kunst gestiegen
war. Kein Tonknstler vor ihm hatte das weite Gebiet seiner Kunst so
ganz umfat, und in jedem Zweige derselben so vollendete Produkte
geschaffen, als Mozart. Von der Schpfung einer Oper an, bis zu dem
einfachen Liede, von der kritischen Erhabenheit einer Sinfonie, bis zu
dem leichten Tanzstckchen herab; im Ernsten und Komischen tragen seine
Werke berall den Stempel der reichsten Phantasie, der eindringendsten
Empfindung, des feinsten Geschmackes. Sie haben eine Neuheit und
Originalitt, die eine getreue Beurkundung seines Genies ist. Selbst
dasjenige, welches man ihm als _Fehler_ vorwirft, zeuget von der Kraft
seines _freyen_, eine _neue Bahn_ gehenden Geistes. Dazu denke man noch
die _Vollkommenheit_, die er zugleich im Klavierspielen erreicht hatte!

Alle diese so seltenen, so mannigfaltigen und so innig verwebten Vorzge
bestimmen den Rang, der _ihm unter den Genien_ der Knste gebhrt. _Er
war unstreitig einer der groen, schpferischen Geister, die in ihrer
Kunst Epoche machen, weil sie dieselbe vervollkommnen, oder doch ihren
Nachfolgern neue Ansichten und Pfade erffnen; nach deren Erscheinung
aber die Kunst gewhnlich still stehet, oder rckwrts geht._

Unter den schnen Knsten ist keine so sehr Sklavin der Mode und des
Zeitgeschmackes, als die Musik. Da sie bey uns blos dem Vergngen dient,
blos Sache des _Einzelnen_ bleibt, keinen Vereinigungspunkt, keine
Anstalt hat, wodurch der Geschmack des Publikums die gehrige Richtung
bekme; da ferner ihre Theorie noch zu wenig bestimmt und entwickelt
ist, um selbst den Knstlern eine Grnze zu zeigen oder ein Ideal
vorzustellen: so mu sie immer zwischen der Laune der Mode, dem
Eigensinne eines verderbten Geschmackes und zwischen den aufgestellten
Mustern groer Knstler unstet hin und her schwanken, und erhlt nie
einen sichern Gang zur Vollkommenheit. Ueberdie sind ihre Zeichen und
Formen zu unbestimmt, und das _Ohr_, durch welches sie auf den Geist
wirket, ist ein viel zu untreuer Bothe, seine Sensationen sind zu
dunkel, als da man so deutlich bestimmen knnte, welches darinn das
wahre Schne sey. _Was dem groen Haufen gefllt_ -- heit _schn_! Das
Neue hat einen starken Reiz; daher ist es seines Sieges ber das bessere
Alte gewi; und darum gilt alte Musik und alte Mode einerley. Denn die
wenigsten Menschen haben Geschmack und Kenntni genug, um chte
Schnheit, vom Flitter zu unterscheiden. Wenn grere Geister durch ihre
Meisterwerke mehr als eine augenblickliche Rhrung hervorbringen, so
summen doch der Leyermnner der zwey _Schwestern von Prag_, des _Tyroler
Wastels_, und dergl. schnen Schelchen, so lange dem Publikum um die
Ohren, bis der Nachhall schnerer Tne verschwindet! Dann kennt man die
Namen groer Meister nur noch aus Bchern; ihre himmlischen Harmonien
sind lngst verhallt! Das ist gewhnlich das traurige Schicksal der
Musik! Wie viel Kraft, wie viel klassischen Gehalt mu also in den
Werken Mozarts liegen, wenn ihre Wirkung von dieser Erscheinung eine
Ausnahme machet? Ihre Schnheit empfindet man gewhnlich dann erst recht
lebhaft, wenn man sie fters gehrt, oder recht scharf geprfet hat.
Oder haben uns wohl _Figaro_, _Don Juan_, _Titus_, whrend ihrer
vieljhrigen Vorstellung noch jemals Langeweile gemacht? Hrt man seine
_Klavierkonzerte_, _Sonaten_, _Lieder_ das dreyigstemal nicht lieber
noch, als das erstemal? Wer hat die tiefgedachten Schnheiten seiner
Violin-Quartetten und Quintetten nach der hufigsten Wiederholung
erschpft? Dieses ist der wahre Probirstein des klassischen Werthes! Die
Meisterstcke der Rmer und Griechen gefallen bey fortgesetzter Lektre
und je reifer der Geschmack wird, immer mehr und mehr -- das nemliche
widerfhrt dem Kenner und Nichtkenner bey der Anhrung Mozartischer
Musik, besonders der dramatischen Werke. So ging es uns bey der ersten
Vorstellung des _Don Juan_ und insbesondere des Titus.

Ja eben itzt, nachdem die meisten Schpfungen seiner Kunst 20 bis 30
Jahre alt sind, gefallen sie am meisten! Wie gern hrt man nach dem
Wirrwarr neuester Kompositeurs die stillerhabenen, klaren, so einfachen
Gesnge unsers Lieblinges! Wie wohl thun sie unserm Gefhle -- es ist als
wenn man aus einem chaotischen Gewirre, aus dichter Finsterni ins Licht
und eine heitere Ordnung versetzt wrde.

Nebst den oben angefhrten Eigenheiten und Vorzgen des mozartischen
Kunsttalentes, beobachtete an ihm der aufmerksame Schtzer seiner Werke
einen gewissen _feinen Sinn_, den Charakter jeder Person, Lage und
Empfindung aufs genaueste zu treffen;

    #reddere convenientia cuique#.

Diese Eigenschaft war sein wahrer Beruf zum dramatischen Komponisten,
und ist zugleich der Erklrungsgrund des Zaubers und der groen Wirkung
seiner Werke. Daher hat jede seiner Kompositionen einen bestimmten,
eigenthmlichen Charakter, eine Individualitt, die selbst in der Wahl
der Tonart sich ankndigt. Kenner seiner Werke bedrfen keiner
besondern Beyspiele, da alle Opern von seiner Komposition diese
Eigenschaft im hohen Grade an sich haben; aber das schnste Muster davon
ist #La Clemenza di Tito#. -- Wie ganz anders bey den gewhnlichen
Kompositionen? Es sind grtentheils Gesnge von so unbestimmtem
Charakter, da sie eben so gut zu einer Messe, als #Opera buffa# taugen.

Eine andere auszeichnende Eigenheit seiner Werke ist die _Verbindung der
hchsten Kompositionskunst mit Lieblichkeit und Anmuth_. Diese
Vereinigung ist eine Aufgabe blos fr Knstler von mozartischem Genie.
Den Beweis davon giebt die Erfahrung. Wie selten trift man auf
Kompositionen, die den beyden Forderungen Genge leisteten? Entweder
sind es blos kontrapunktische Kunststcke, die wohl allen Regeln des
Satzes zusagen mgen; aber Wrme, Anmuth und Lieblichkeit, diese wahren
Zaubermittel der Rhrung, wute ihnen ihr Meister nicht anzuziffern:
oder es sind geistlose, fade Liedeleyen, ohne Sinn und Zusammenhang,
kaum im Stande dem Ohre mit ihrem bersen Geklingel einen
vorbergehenden Kitzel zu verursachen.

Wie ganz anders ist es beym Mozart? Wie schmilzt in seinen Werken das,
was man Kunst des Satzes nennt, mit Anmuth, Lieblichkeit und Wohllaut
so schn zusammen, da das eine wegen des andern da zu seyn scheint --
und beydes zur Hervorbringung des hchsten Effektes gleich wirksam ist!
Und doch, wie mig und besonnen war er in dem Gebrauche der Sigkeiten
und Gewrze? Er kannte die hohe Forderung der Kunst und der Natur. Er
schrieb was sein Genius ihm eingab, was sein richtiger Geschmack wahr
fand, unbekmmert ob es nach dem Geschmacke des Parterres seyn wrde
oder nicht; und _so bildete er sich selber das Publikum_, berzeugt, da
wahre Schnheit, wie die Wahrheit, endlich doch erkannt wird und
gefllt. Die thaten immer groe Knstler, welche die Kraft hatten einen
eigenen Weg zu gehen, und der Mode nicht zu frhnen.

Der Punkt dieser schnen Vereinigung der Grndlichkeit des Satzes mit
Anmuth und Lieblichkeit ist gewi die treffliche und vor seiner Zeit
_unbekannte Art die Blasinstrumente zu brauchen und wirken zu lassen_.
Hierinn glnzt sein erfinderisches _Genie_ ohne Beyspiel und
Nebenbuhler.

Er ma mit dem feinsten Sinne die Natur und den Umfang der Instrumente
ab, zeichnete ihnen neue Bahnen vor, und gab jedem derselben die
vortheilhafteste Rolle, um die kraftvolle Masse von Harmonie
hervorzubringen, welche die Bewunderung aller Kenner erzwingt und das
Muster und Studium der guten Kpfe bleiben wird. Wie ganz anders sehen
hierinn die Kompositionen selbst groer Meister nach Mozarts Periode,
als vor derselben aus? Wie unendlich viel haben sie gewonnen durch die
Anwendung seiner Art, die Blasinstrumente zu setzen? Selbst des groen
Haidns Werke bestttigen diese Behauptung. Man vergleiche die ltern
Sinfonien von ihm, mit den neuern? Die Schpfung schrieb Haidn erst nach
Mozarts Epoche.

Wie leise schmiegen sich die Tne der Blasinstrumente dem Hauptgesange
an? wie khn wetteifern sie bald wieder mit der Singstimme? Welche feine
Wendungen? Welche Mannichfaltigkeit und Abwechslung berall? Bald
wieder, wo es der Gegenstand oder Affekt erfordert, wie abstehend der
Kontrast? Wie gewaltig das Aufbrausen der Leidenschaft? Selbst in
Stcken ohne Singstimmen lehrte Mozart seine Instrumente einen Gesang,
der so vernehmlich zu dem Gefhle spricht, da der Zuhrer nur wenig die
Abwesenheit der Singstimme wahrnehmen kann. Man hre seine Andantes oder
Romanzen, in den Klavierkonzerten und Quartetten!

Bey dem hufigen Gebrauche der Blasinstrumente, wie vollkommen wute
doch Mozart alle Ueberladung zu vermeiden? wie richtig den Ort und den
Zeitpunkt zu treffen, wo sie Effekt machen? Nie ist ein Instrument
verschwendet oder mibraucht, und daher berflssig. Aber nur _er_
verstand die Oekonomie mit dem geringsten Aufwande, oft durch einen
einzigen Zug eines Instruments, durch einen _Akkord_, einen
Trompetensto, einen Paukenwirbel die grte Wirkung hervorzuzaubern!
Wie tief sind viele seiner Nachahmer hierinnen unter ihm?

So gro, so neu immer Mozart in der Instrumentalpartie seyn mag, so
entfaltet sich doch sein mchtiges Genie noch _reizender in dem Satze
des Gesanges fr menschliche Stimmen_. Hierinn erwarb er sich ein
zweifaches, gleich groes Verdienst. Mit richtigem Geschmacke fhrte er
ihn zu seiner anspruchslosen Mutter, der Natur und Empfindung zurck. Er
wagte es den italienischen Sngern zu trotzen,[11] alle unntzen
charakterlosen Gurgeleyen, Schnrkel und Passagen zu verbannen! Daher
ist sein Gesang berall _einfach, natrlich, kraftvoll, ein reiner
Ausdruck der Empfindung und der Individualitt_ der Person und ihrer
Lage. Der Sinn des Textes ist immer so richtig und genau getroffen, da
man ausrufen mu: Wahrlich die Musik spricht! Aber Mozart scheint sich
selbst zu bertreffen, wenn er den Gesang fr mehrere Stimmen dichtet,
_in Terzetten, Quartetten, Quintetten_ d.h. in vielstimmigen Stcken;
vorzglich in seinen unbertrefflichen, wahrlich _einzigen Operfinalen_.
Welcher Reichthum? welche Mannigfaltigkeit in Wendungen und
Vernderungen? Wie schlingt sich da eine Stimme um die andere? wie schn
vereinigen sie sich alle ein reizendes Ganze zu bilden, eine neue
Harmonie hervorzubringen? Und doch sagt jede nur ihre eigene oft
entgegengesetzte Empfindung! _Hier ist die grte Mannigfaltigkeit und
die strengste Einheit vereinigt._ Man findet wohl _schne_ Arien auch
bey andern Meistern: aber niemand wird in _vielstimmigen Sachen_
Mozarten die Palme entreien.

    [Funote 11: Auch die ist eine Ursache der Abneigung der
    welschen Snger gegen seine Werke; eine noch strkere ist die
    Mhe, die es ihrer Unwissenheit kostete seine Gesnge
    einzustudiren. Mozart hat zwar bisweilen von diesem Grundsatze
    eine Ausnahme gemacht. Aber war er denn in bestellten Sachen
    immer frey? Mute er nicht gegen Snger gefllig seyn, wenn er
    wnschte, da sie ihm die Sachen nicht verderben? Darum mte
    man immer die Snger kennen, fr die er schrieb, wenn man ein
    richtiges Urtheil ber seine dramatischen Werke fllen wollte.]

Doch wer mag sie alle entwickeln, die unzhligen Vorzge, die
unerschpflichen Schnheiten seiner Kunst? Wer mag mit Worten das _Neue,
Originelle, Hinreiende, Erhabene, Volltnende seiner_ Musik
beschreiben? Seine Musik verfehlt nie ihre Wirkung, wenn sie nur
pnktlich und mit Feuer vorgetragen wird. Freylich ist es nicht leicht
seinem Geiste nachzufliegen; und da bey ihm jede Note mathematisch genau
zu der Harmonie berechnet ist: so giebt es auch kein so arges Migetn,
als wenn rohe Hnde unwissender Bierfiedler sich an seine Heiligthmer
wagen.

Die berhmtesten Tonknstler erkannten die Gre seines Genies, und
bewunderten seine Werke. _Joseph Haydn_, dieser Liebling der Grazien,
der in seinem Alter noch das Gefhl eines Jnglinges zeigte, ist gewi
vor allen _ein befugter und berufener Richter_.

Sein Urtheil ist unpartheyisch, weil er als ein redlicher Mann bekannt
ist, und Mozarts aufblhender Ruhm dem seinigen im Wege stand. Schon im
Jahre 1785 da Mozarts Vater noch lebte, sagte J. Hayden bey einer
Zusammenkunft in Wien zu ihm: _Ich sage Ihnen vor Gott und als ein
ehrlicher Mann, da ich ihren Sohn fr den grten Komponisten
anerkenne, von dem ich nur immer gehrt habe; er hat Geschmack und
besitzt die grndlichste Kenntni in der Kunst der Komposition._

Im Jahre 1787 im Dezember schrieb eben dieser groe Mann an einen
_Freund in Prag_, der mit ihm seit langer Zeit in Briefwechsel stand,
und ein Singspiel von seiner Komposition fr Prag verlangte, folgenden
merkwrdigen Brief:

    Sie verlangen eine #Opera buffa# von mir; recht herzlich gern,
    wenn Sie Lust haben von meiner Singkomposition etwas fr sich
    allein zu besitzen. Aber um sie auf dem Theater zu Prag
    aufzufhren, kann ich Ihnen diefalls nicht dienen, weil alle
    meine Opern zu viel auf unser Personale (_zu Esterhaz in
    Ungarn_) gebunden sind, und auerdem nie die Wirkung
    hervorbringen wrden, die ich nach der Lokalitt berechnet habe.
    Ganz was anders wr es, wenn ich das unschtzbare Glck htte
    ein ganz neues Buch fr das dasige Theater zu komponiren. Aber
    auch da htte ich noch viel zu wagen, in dem der _groe_ Mozart
    schwerlich jemanden andern zur Seite haben kann.

    Denn, knnt ich jedem Musikfreunde besonders aber den Groen
    die unnachahmlichen Arbeiten Mozarts _so tief und mit einem
    solchen musikalischen Verstande, mit einer so groen Empfindung
    in die Seele prgen, als ich sie begreife und empfinde_: so
    wrden die Nationen wetteifern ein solches Kleinod in ihren
    Ringmauern zu besitzen. Prag soll den theuern Mann fest halten --
    aber auch belohnen; denn ohne dieses ist die Geschichte groer
    _Genies traurig_, und giebt der Nachwelt wenig Aufmunterung zum
    fernern Bestreben; wewegen leider! so viel hoffnungsvolle
    Geister darnieder liegen. Mich zrnet es, da dieser _einzige
    Mozart_ noch nicht bey einem kaiserlichen oder kniglichen Hofe
    engagirt ist. Verzeihen Sie, wenn ich aus dem Geleise komme: ich
    habe den Mann zu lieb.

            Ich bin etc.
                                                Joseph Hayden.

    N.S. An das Prager Orchester und die dasige Virtuosen mein
    ergebenstes Kompliment.[12]

    [Funote 12: Ich habe dieses schtzbare Denkmal einer edlen
    Seele der gtigen Mittheilung des _Herrn Roth_
    Proviantoberverwalter zu Prag (an den der Brief geschrieben war)
    zu danken. Da er fr den Geist und das Herz seines Verfassers
    nicht minder ruhmvoll ist, als fr Mozart: so lie ich ihn hier
    _wrtlich nach dem Originale abdrucken_.]

Wenn ein _Haydn_ so urtheilt, so begeistert spricht -- ein Haydn, der
allein unter allen Tonknstlern ber seinen Verlust zu trsten im Stande
wre, was will dann das Gekreische einiger kleinen Geister sagen, die an
Mozarts Ruhme zu Rittern werden wollten?

Der churschsische Kapellmeister H. Naumann bezeugte bey seinem
Aufenthalte zu Prag auf eine schne Art seine Hochachtung und
Bewunderung fr Mozarts Talente und Werke in einer rhrenden Anrede an
seinen Sohn, als ihm derselbe von seiner Freundin Duschek vorgestellt
wurde. Wer die redliche anspruchslose Denkungsart dieses berhmten
Meisters kannte, wird an der Wahrheit seiner Gesinnungen gewi nicht
zweifeln.[13]

    [Funote 13: Der Verfasser hatte das Vergngen Augenzeuge der
    schnen Scene zu seyn.]

Wie sehr ihn _Gluck_ geschtzt habe, ist schon erwhnt worden.

Cherubini, dessen Geist dem Mozartischen am nchsten verwandt scheint,
ist sein grter Bewunderer, und hat seine Werke zum Gegenstande seines
bestndigen Studium gemacht. Alle Neuern, wenn sie es auch nicht
gestehen wollen, haben von Mozart gelernt, oder ahmen ihn nach!

Ein noch lebender, nicht unberhmter Tonsetzer in Wien sagte zu einem
andern bey Mozarts Tode, mit vieler Wahrheit und Aufrichtigkeit: Es ist
zwar Schade um ein so groes Genie; aber wohl uns, da er todt ist.
Denn, wrde er lnger gelebt haben, wahrlich! die Welt htte uns kein
Stck Brod mehr fr unsere Kompositionen gegeben.

Die zahlreiche Klasse grndlicher Tonknstler in Prag verdient mit Recht
unter den Richtern ber Mozarts hohen Werth einen ansehnlichen Platz.
Die meisten von ihnen sprechen mit einer Achtung von Mozarts Werken, die
ein rhmlicher Beweis ihrer Kenntnisse, und der Unbefangenheit ihres
Herzens ist. -- Einige, (lange noch nicht alle) sind in einer
vorhergehenden Anmerkung genannt worden. Der brave Duschek mit seiner
Gattin, die als Knstlerin und gebildete Frau im gleichen Mae auf
Achtung und Beyfall Anspruch machen kann, waren Freunde und Bewunderer
Mozarts. Wie viele treffliche Knstler, auf die _Bhmen_ stolz ist -- wie
viele grndliche und geschmackvolle Dilletanten vom Adel und dem
Brgerstande, die in jedem andern Lande fr Virtuosen gelten wrden,
mte ich nennen, wenn ich alle Freunde und Verehrer seiner Werke und
Talente in Bhmen herzhlen wollte?

Doch um Mozart als Tonknstler ganz kennen zu lernen, ist es nthig ihn
bey seinem Schreibpulte, wenn er die unsterblichen Werke dichtete, zu
beobachten!

Mozart schrieb alles mit einer Leichtigkeit und Geschwindigkeit, die
wohl beym ersten Anblick Flchtigkeit oder Eile scheinen konnte; auch
kam er nie whrend des Schreibens zum Klavier. Seine Imagination stellte
ihm das ganze Werk, wenn es empfangen war, deutlich und lebhaft dar. Die
groe Kenntni des Satzes erleichterte ihm den Ueberblick der gesammten
Harmonie. Selten trift man in seinen Konzeptpartituren ausgebesserte
oder berstrichene Stellen an. Daraus folgt nicht, da er seine Arbeiten
nur hingeworfen habe. In seinem Kopfe lag das Werk immer schon
vollendet, ehe er sich zum Schreibpulte setzte. Wenn er den Text zu
einer Singkomposition bekam, so ging er lange Zeit damit herum, dachte
sich ganz hinein, und erregte die Thtigkeit seiner Phantasie. Bey dem
Klavier arbeitete er dann die Gedanken vollstndig aus; und nun erst
setzte er sich zum Schreiben hin. Daher war ihm das Schreiben eine
leichte Arbeit, wobey er oft scherzte und tndelte. Es ist schon oben
gesagt worden, da er auch in seinen Mannsjahren halbe Nchte bey dem
Klavier zubrachte, die waren eigentlich die _Schpferstunden_ seiner
himmlischen Gesnge! Bey der schweigenden Ruhe der Nacht, wo kein
Gegenstand die Sinne fesselt, entglhete seine Einbildungskraft zu der
regesten Thtigkeit, und entfaltete den ganzen Reichthum der Tne,
welchen die Natur in seinen Geist gelegt hatte. Hier war _Mozart ganz_
Empfindung und Wohllaut -- hier floen von seinen Fingern die
wunderbarsten Harmonien! _Wer Mozart in solchen Stunden hrte, der nur
kannte die Tiefe, den ganzen Umfang seines musikalischen Genies: frey
und unabhngig von jeder Rcksicht durfte da sein Geist mit khnen Fluge
sich in die hchsten Regionen der Kunst schwingen._ In solchen Stunden
der dichterischen Laune schuf sich Mozart unerschpflichen Vorrath;
daraus ordnete und bildete er dann mit leichter Hand seine unsterblichen
Werke.

Uebrigens wird jeder einsehen, da eine reiche Ader der Gedanken dazu
erfodert war. Ohne diese wrde alle seine Kunst unfruchtbar geblieben
seyn. Es giebt zwar Komponisten, die durch hartnckigen Flei einige
Gedanken erzwingen: aber wie bald versiegt ihre Quelle? Dann hrt man
sie nur wiederholen: ihre sptern Werke sind gewhnlich nur die
Musterkarte der frhern.

Diese Leichtigkeit, mit der Mozart schrieb, hat er, wie wir gesehen
haben, schon als Knabe gezeigt; ein Beweis, da sie ein Werk des Genies
war. Aber wie oft berraschte er damit in seinen letzten Jahren selbst
diejenigen, die mit seinen Talenten vertraut waren? Die genievolle
Eingangssinfonie zum _Don Juan_ ist ein merkwrdiges Beyspiel davon.
Mozart schrieb diese Oper im Oktober 1787 zu Prag; sie war nun schon
vollendet, einstudirt, und sollte bermorgen aufgefhrt werden, nur die
Ouverture fehlte noch.

Die ngstliche Besorgni seiner Freunde, die mit jeder Stunde zunahm,
schien ihn zu unterhalten; je mehr sie verlegen waren, desto
leichtsinniger stellte sich Mozart. Endlich am Abende vor dem Tage der
ersten Vorstellung, nachdem er sich satt gescherzt hatte, gieng er gegen
Mitternacht auf sein Zimmer, fing an zu schreiben, und vollendete _in
einigen Stunden das bewundernswrdige Meisterstck_, welches die Kenner
nur der himmlischen Sinfonie der Zauberflte nachsetzen. Die Kopisten
wurden nur mit Mhe bis zur Vorstellung fertig, und das Opernorchester,
dessen Geschicklichkeit Mozart schon kannte, fhrte sie #prima vista#
vortrefflich auf.[14]

    [Funote 14: Die Begebenheit ist in Prag allgemein bekannt.]

Die Musik zur Zauberflte war schon im Julius 1791 fertig. In der Mitte
des _Augustus_ gieng Mozart nach Prag, schrieb da innerhalb 18Tagen #La
Clemenza di Tito#, welche am 5ten September aufs Theater kam. In der
Mitte dieses Monaths reisete er nach Wien zurck, und schrieb ein paar
Tage vor der Vorstellung der Zauberflte, die am 30. September geschah,
die beste aller Ouverturen und den _Priestermarsch_ zum Anfang des 2ten
Aktes.

Solche Beyspiele knnten hufig angefhrt werden. Sein auerordentliches
Gedchtni zeigte sich auch schon in der Jugend; das aufgefate
_Miserere_ in Rom giebt einen vollen Beweis davon. Er behielt es
ungeschwcht bis an sein Ende.

Da man seine Kompositionen unglaublich suchte: so war er nie sicher, da
ihm nicht ein neues Werk selbst whrend des Kopirens abgestohlen werde.
Er schrieb daher bey seinen Klavier-Konzerten gewhnlich nur eine Zeile
fr eine Hand auf, und spielte das brige aus dem Gedchtnisse. So hat
er einst ein Klavierkonzert, welches er schon seit geraumer Zeit nicht
in Hnden gehabt hatte, in einer musik. Akademie aus dem Gedchtnisse
gespielt, indem er die Prinzipalstimme in der Eile zu Hause verga.

Aber wie ist Mozart ein so _groer_, ja ich mchte sagen, _einziger_
Mann in seiner Kunst geworden? Hat er alles der Natur, oder seinem
Studium, seiner Ausbildung zu danken? Einige teutschen Schriftsteller
sprechen von einer _instinktartigen Beschaffenheit seines Geistes_,
welche ihn unwillkhrlich zur Hervorbringung seiner Meisterwerke
getrieben habe. Aber diese Herrn kennen sicher Mozarten gar nicht, und
scheinen die Leichtigkeit, mit welcher er, wenn die Idee des Werkes
einmal gebildet war, schrieb, fr die instinktartige Wirkung seines
Talentes zu halten. Freylich haben die Aeuerungen des Genies, in
wiefern es angeboren ist, etwas instinktartiges: aber nur Bildung und
Uebung -- Studium giebt ihm Reife und Vollendung. Mozart hatte von der
Natur ein Genie empfangen wie Shakespeare, aber er bertraf diesen an
Geschmack und Korrektheit. Er produzirte mit Verstand und Wahl. Diese so
seltene Vereinigung eines feinen Geschmackes und der richtigsten
Beurtheilung mit den grten Naturanlagen, die Mozarten unter den
Meistern seiner Kunst den ersten Rang giebt, war grtentheils sein
Werk -- das Werk seines Eifers, seines Fleies; das Werk des tiefen und
grndlichen Studiums der Kunst.

Aus der Geschichte seiner Jugend haben wir gesehen, wie sorgfltig er
jede Gelegenheit bentzte, um zu lernen; wie weise und streng ihn sein
Vater dazu leitete; wie tief er in die Geheimnisse der Kunst so frh
schon eingedrungen war. Aber wir wollen ihn selbst darber hren.

Einst -- (es war nach den ersten Proben seines Don Juan) -- gieng Mozart
mit dem damaligen Orchesterdirektor und Kapellmeister Herr Kucharz[15]
spazieren. Unter andern vertraulichen Gesprchen kam die Rede auf Don
Juan. Mozart sagte: Was halten sie von der Musik zum Don Juan? Wird sie
so gefallen, wie Figaro? Sie ist von einer andern Gattung!

    [Funote 15: Anmerkung. Ein trefflicher Schler Seegerts, und
    biederer Mann. Diese Anekdote habe ich aus seinem Munde.]

_Kuch_. Wie knnen Sie daran zweifeln? Die Musik ist schn, originell,
tief gedacht. Was von Mozart kommt wird den Bhmen gewi gefallen.

_Moz_. Ihre Versicherung beruhigt mich, sie kommt von einem Kenner. Aber
ich habe mir Mhe und Arbeit nicht verdren lassen, fr Prag etwas
vorzgliches zu leisten. Ueberhaupt irrt man, wenn man denkt, da mir
meine Kunst so leicht geworden ist. Ich versichere Sie, lieber Freund!
niemand hat so viel Mhe auf das Studium der Komposition verwendet als
ich. _Es giebt nicht leicht einen berhmten Meister in der Musik, den
ich nicht fleiig, oft mehrmal durchstudirt htte._

Und in der That, man sah die Werke groer Tonknstler, auch da noch, als
er bereits klassische Vollkommenheit erreicht hatte, auf seinem Pulte.

Sein gewandter Geist wute sich den Charakter eines jeden so anzueignen,
da er sie oft zum Scherze im Satze und Stile bis zum Tuschen
nachahmte.

Sein Gehr war so fein, fate die Verschiedenheit der Tne so gewi und
richtig auf, da er den geringsten Fehler oder Miton selbst bey dem
strksten Orchester bemerkte, und dasjenige Subjekt oder Instrument,
welches ihn begieng genau anzugeben wute. Nichts brachte ihn so sehr
auf, als Unruhe, Getse oder Geschwtz bey der Musik. Da gerieth der so
sanfte, muntere Mann in den grten Unwillen, und uerte ihn sehr
lebhaft. Es ist bekannt, da er einst mitten im Spiele unwillig von dem
Klavier aufstand, und die unaufmerksamen Zuhrer verlie. Dieses hat
man ihm vielfltig bel genommen; aber gewi mit Unrecht. Alles, was er
vortrug, empfand er selbst auf das strkste -- sein ganzes Wesen war dann
Gefhl und Aufmerksamkeit: wie konnte ihn also kalte Fhllosigkeit,
Unaufmerksamkeit: oder gar ein strendes Geschwtze in der Laune und
Fassung erhalten? Als begeisterter Knstler verga er da auf alle andere
Rcksichten.

Wie reizbar lebhaft sein Kunstsinn gewesen sey, kann man aus dem
schlieen, da er bey der Auffhrung einer guten Musik bis zu Thrnen
gerhrt wurde: vorzglich wenn er etwas von den beyden groen _Haydn_
hrte. Aber nicht allein Musik, jeder andere rhrende Gegenstand ergriff
sein ganzes Gefhl und erschtterte ihn. Seine Einbildungskraft war
immer thtig, immer mit Musik beschftigt; daher schien er oft zerstreut
und gedankenlos.

_So gro war Mozart als Knstler!_ Den Forscher der menschlichen
Natur wird es nicht befremden, wenn er sieht, da dieser als Knstler
so seltene Mensch, nicht auch in den brigen Verhltnissen des
Lebens ein _groer Mann_ war. Die Tonkunst machte die Haupt- und
Lieblingsbeschftigung seines ganzen Lebens aus -- um diese bewegte sich
sein ganzes Gedanken- und Empfindungsspiel; alle Bildung seiner Krfte,
die das Genie des Knstlers ausmachen, ging von da aus und bezog sich
darauf. Ist es ein Wunder, wenn er den brigen Dingen um sich weniger
Aufmerksamkeit widmete? Er war Knstler, war es ganz und in einer
bewundernswrdigen Gre: das ist genug! Wer mag inde die Grnzlinien
seiner Geistkrfte so genau ziehen, um behaupten zu knnen, Mozart habe
auer seiner Kunst zu nichts sonst Anlage oder Fhigkeit gehabt? Man
setzt freylich das Wesen des Knstler-Genies in eine berwiegende Strke
der untern oder sthetischen Krfte der Seele, aber man wei auch, da
die Knste besonders die Musik hufig einen scharfen Ueberblick,
Beurtheilung und Einsicht in die Lage der Dinge erfodern; welches bey
Mozart um so gewisser vorauszusetzen ist, da er kein gemeiner
mechanischer Virtuos eines Instrumentes war, sondern das ganze weite
Gebieth der Tonkunst mit seltner Kraft und Geschicklichkeit umfate.

Wie schn und beneidenswerth ist brigens der Wirkungskreis eines
Tonknstlers? Mit seinen sen Harmonien entzckt er tausend gefhlvolle
Seelen; er schafft ihnen die reinste Wonne; er erhebt, besnftiget,
trstet! Auch dann wenn er nicht mehr ist, lebt er dennoch in seinen
widerholenden Gesngen -- Tausende segnen und bewundern ihn.

_Mozart_ hatte schon in seiner Jugend zu allen Kenntnissen, die man ihm
beyzubringen fr nthig fand, eine groe Anlage gezeigt, in allen
schnelle Fortschritte gemacht; von der Arithmetik ist Erwhnung
geschehen. Auch in seinen sptern Jahren liebte er diese Kenntni sehr
und war wirklich ein ungemein geschickter Rechenmeister. Eben so gro
war sein Talent zur Sprachwissenschaft; er verstand _Franzsisch_,
_Englisch_, _Italienisch_ und _Teutsch_. Die lateinische Sprache lernte
er in sptern Jahren, und zwar nur so weit, als es zur Verstndni des
Kirchentextes, den er allenfalls in Musik zu setzen htte, erfordert
war. In allen brigen Sprachen hat er die guten Schriftsteller gelesen
und verstanden. Er machte oft selbst Verse; meistens aber nur bey
scherzhaften Gelegenheiten.[16] In den brigen Fchern hatte Mozart
wenigstens so viel historische Kenntni, als fr einen Mann von Bildung
nthig war.

    [Funote 16: Die war unter andern der Fall bey dem Tode eines
    geliebten Staares, den er in seinem gemietheten Garten ein
    ordentliches Grabmahl errichtet, und mit einer Inschrift
    versehen hatte. Thiere und insbesondere Vgel liebte er sehr.]

Zu bedauern ist es, da er nicht ber seine Kunst schrieb! Aus einem
Briefe, welchen er an F.v. Trattner, eine seiner Schlerinnen ber den
_Vortrag_ der fr sie gesetzten Klavierphantasie geschrieben hatte,
konnte man sehen, da er nicht nur die Prax, sondern auch die Theorie
seiner Kunst vollkommen verstand. Der Brief ist, leider! nicht zu finden
gewesen.

In einem Heft einer musikalischen Zeitschrift von Berlin vor einigen
Jahren wurde von Mozart behauptet, er habe eigentlich keine _hhere
Bildung_ gehabt. Es ist schwer zu errathen, was der Verfasser mit den
Worten hhere Bildung gemeint habe. Mozart hatte die Welt gesehen, er
kannte die Schriftsteller der gebildetesten Nationen, zeigte berall
einen offenen und freymthigen Geist: was fehlte ihm also zur hhern
Kultur? Mu man in Gttingen oder Jena studirt haben, um hhere Bildung
zu erlangen? Oder besteht die hhere Bildung darinn, da man wei, was
teutsche Schriftsteller sagen? da man von allen zu schwatzen verstehet?

Der _moralische Charakter Mozarts_ war _bieder_ und _liebenswrdig_.
Unbefangene _Herzensgte_ und eine _seltene Empfindlichkeit fr alle
Eindrcke_ des _Wohlwollens und der Freundschaft_ waren seine Grundzge.
Er berlie sich diesen liebenswrdigen Regungen ganz, und wurde daher
mehrmal das Opfer seines gutmthigen Zutrauens. Oft beherbergte und
pflegte er seine rgsten Feinde und Verderber bey sich.

Er hatte zwar oft mit einem schnellen Blicke auch versteckte Charaktere
aus dem Innersten ausgeholt: aber im Ganzen genommen, hatte er zu viel
Gutmthigkeit um Menschenkenntni zu erlangen. Selbst die Art seiner
_Erziehung_, die _unstte Lebensart auf Reisen_, wo er nur fr seine
Kunst lebte, machte eine wahre Kenntni des menschlichen Herzen
unmglich. Diesem Mangel mu man manche Unklugheit seines Lebens zu
schreiben.

Uebrigens hatte Mozart fr die Freuden der Geselligkeit und Freundschaft
einen offenen Sinn. Unter guten Freunden war er vertraulich wie ein
Kind, voll _munterer_ Laune; diese ergo sich dann meistentheils in den
drolligsten _Einfllen_. Mit Vergngen denken seine Freunde in Prag an
die schnen Stunden, die sie in seiner Gesellschaft verlebten; sie
knnen sein gutes argloses Herz nie genug rhmen; man verga in seiner
Gesellschaft ganz, da man _Mozart_ den bewunderten Knstler vor sich
habe.

Nie verrieth er einen gewissen _Kunst-Pedantismus_, der an manchen
Jngern Apollos so widerlich ist. Er sprach selten und wenig von seiner
Kunst, und immer mit einer liebenswrdigen Bescheidenheit. Hochschtzung
des wahren Verdienstes und Achtung fr die Person leiteten seine
Urtheile in Kunstsachen. Es war gewi rhrend, wenn er von den _beyden
Haydn_, oder andern groen Meistern sprach: man glaubte nicht dem
allgewaltigen Mozart, sondern einen ihrer begeisterten Schler zu hren.

Ich kann hier eine Anekdote nicht bergehen, die eben so sehr seinen
geraden Sinn, und den Unwillen gegen lieblose Tadelsucht, als seine
groe Achtung fr Joseph _Haydn_ beweiset. Sie sey zugleich ein Beyspiel
seiner guten Einflle.

In einer Privatgesellschaft wurde einst ein neues Werk von Joseph Haydn
gemacht. Nebst Mozart waren mehrere Tonknstler gegenwrtig, unter
andern L.K..., der noch nie jemanden gelobt hatte, als sich selbst. Er
stellte sich zum Mozart und tadelte bald dieses bald jenes. Mit Geduld
hrte ihn dieser eine Zeit an; als es ihm aber zu lang dauerte, und der
Tadler endlich wieder bey einer Stelle mit Selbstgengsamkeit ausrief:
Das htt' ich nicht gethan -- erwiederte Mozart: Ich auch nicht; wissen
Sie aber warum? Weil _wir es beyde_ nicht so gut getroffen htten! --
Durch diesen Einfall machte er sich einen unvershnlichen Feind mehr.

Mit einer solchen Bescheidenheit verband Mozart dennoch ein edles
_Bewutseyn_ seiner Knstlerwrde. Wie wre es auch mglich gewesen
nicht zu wissen, wie _gro_ er sey? Aber er jagte nie nach dem Beyfalle
der Menge; selbst als Kind rhrte ihn nur das Lob des Kenners. Daher war
ihm alles gleichgltig, was blos aus Neugierde ihn anzugaffen gekommen
war. Oft ging dieses Betragen vielleicht zu weit. Er war daher bisweilen
auch in der Gegenwart groer Herrn vom hchsten Range zum Spielen nicht
zu bewegen; oder er spielte nichts als Tndeleyen, wenn er merkte, da
sie keine Kenner oder wahre Liebhaber sind. Aber Mozart war der
geflligste Mann von der Welt, wenn er sah, da man Sinn fr seine Kunst
besitze; er spielte Stunden lang dem geringsten, oft unbekannten
Menschen. Mit aufmunternder Achtsamkeit hrte er die Versuche junger
Knstler an, und weckte durch eine liebevolle Beyfallsuerung das
schlummernde Selbstbewutseyn.

Unser beste Klavierspieler und beliebter Tonsetzer Joh. Witassek dankt
ihm diese Erweckung seines Talentes. Die wenigen Stunden die er bey
Mozart zubrachte, schtzt er nach eigenem Gestndnisse fr einen groen
Zuwachs zu seiner Ausbildung.

Menschenfreundlich und uneigenntzig war _Mozart_ im hohen Grade. Darum
sammelte er kein Vermgen. Ganz im Reiche der Tne lebend, schtzte er
den Werth des Geldes und der brigen Dinge zu wenig. Daher arbeitete er
viel umsonst, aus Geflligkeit oder Wohlthtigkeit. Jeder reisende
Virtuos war gewi, wenn er sich ihm durch Talent oder moralischen
Charakter zu empfehlen wute, eine Komposition fr sich zu erhalten. So
entstanden die Konzerte fr die brigen Instrumente, so eine Menge
einzelner Singkompositionen, unter andern die majesttischen Chre zu
dem Schauspiele, Knig Tamos, die den erhabensten Werken Hndels und
Glucks an die Seite gesetzt werden.

Aber selbst die Bezahlung, die er fr seine Arbeiten bekam, war meistens
mittelmig. Der Theaterunternehmer Guardasoni zahlte ihm fr Don Juan
nur hundert Dukaten.

_Verstellung und Schmeicheley_ war seinem arglosen Herzen gleich fremd;
jeder Zwang, den er seinem Geiste anthun mute, _unausstehlich_.
Freymthig und offen in seinen Aeuerungen und Antworten, beleidigte er
nicht selten die Empfindlichkeit der Eigenliebe, und zog sich dadurch
manchen Feind zu.

Seine hohe Kunst und der liebenswrdige Charakter verschafften ihm
Freunde, die ihn von ganzer Seele liebten und fr sein Wohl eifrig
besorgt waren. Es wrde das Zartgefhl dieser edlen Menschen beleidigen,
wenn sie hier namentlich angefhrt wrden; wie wre es auch mglich alle
zu kennen und zu nennen? Indem mir also diese Betrachtung verbiethet von
der gromthigen Freundschaft eines B.v.S**, und des Kaufmannes B** in
Wien zu reden: so sey es wenigstens erlaubt hier der ausgezeichneten
Wohlthtigkeit eines Wiener Brgers gegen Mozart zu erwhnen. Dieser
brave Mann, ein Flecksieder vom Gewerbe, ohne Mozart persnlich zu
kennen, blos von Bewunderung fr seine Kunst hingerissen, verschaffte
seiner kranken Gemahlin, (die nach der Verordnung der Aerzte wegen einer
Lhmung am Fue Bder vom gekochten Magengekre brauchen mute), die
Gelegenheit in seinem eigenen Hause durch geraume Zeit die Kur mit
vieler Bequemlichkeit brauchen zu knnen. Er lieferte ihr nicht nur die
Flecke unentgeltlich und ersparte dadurch Mozarten eine Auslage von
mehreren hundert Gulden, sondern verlangte auch fr Logis und Kost gar
nichts. Aehnliche Beyspiele eines solchen Enthusiasmus fr die hohe
Kunst Mozarts sind sehr hufig.

Aber Mozart hatte auch Feinde, zahlreiche, unvershnliche Feinde. Wie
htten ihm auch diese mangeln knnen, da er ein so _groer Knstler_ und
_ein so gerader Mann war_? Und diese waren die unlautere Quelle, aus
welcher so viele hliche _Erzhlungen_ von seinem _Leichtsinne, seinen
Ausschweifungen_ gefloen sind. Mozart war Mensch, folglich Fehlern
unterworfen wie alle Menschen. Die nemlichen Eigenschaften und Krfte,
die das Wesen seiner groen Talente ausmachten, waren zugleich Reiz und
Anla zu manchen Fehltritte: brachten Neigungen hervor, die freylich bey
Alltagsmenschen nicht angetroffen werden. Seine Erziehung und Lebensart
bis zu dem Zeitpunkte, da er sich in Wien niederlie, war auch nicht
gemacht ihm Menschenkenntni und Welterfahrung zu verschaffen. Denke man
sich einen so zart organisirten Jngling -- einen Tonknstler von seiner
Empfindung in einer Stadt, wie Wien, sich selbst berlassen? Braucht es
mehr um zur Nachsicht gegen seine Fehler gestimmt zu werden? Man mu
aber gegen diese Erzhlungen berhaupt mitrauisch seyn, da gewi der
grte Theil baare Unwahrheiten, und nichts als Schmhungen des
scheelschtigen Neides sind. Wir haben die in Rcksicht seiner
hinterlassenen Schulden schon bemerkt. Niemand wird es unbegreiflich
finden, warum die Welt diesen Ausstreuungen so leicht Glauben beymit,
wenn er sich erinnert, da man gewhnlich mit einem Tonknstler den
Begriff eines Verschwenders oder Wstlings verbindet. Aber zahlreiche
Beyspiele achtungswrdiger Knstler haben bewiesen, wie sehr dieses
Vorurtheil einzuschrnken sey.

In seiner Ehe mit _Konstanza Weber_ lebte Mozart vergngt. Er fand an
ihr ein gutes, liebevolles Weib, die sich an seine Gemthsart
vortrefflich anzuschmiegen wute, und dadurch sein ganzes Zutrauen und
eine Gewalt ber ihn gewann, welche sie nur dazu anwendete, ihn oft von
Uebereilungen abzuhalten. Er liebte sie wahrhaft, vertraute ihr alles,
selbst seine kleinen Snden -- und sie vergalt es ihm mit Zrtlichkeit
und treuer Sorgfalt. Wien war Zeuge dieser Behandlung, und die Wittwe
denkt nie ohne Rhrung an die Tage ihrer Ehe.[17]

    [Funote 17: Die achtungswrdige Frau betrgt sich in ihrem
    Wittwenstande sehr klug, und sorgt fr ihre 2Shne mtterlich.
    Sie lebt in Wien von ihrer Pension und dem kleinen Erwerbe aus
    dem Nachlasse ihres Mannes.]

Seine liebste Unterhaltung war _Musik_; wenn ihm seine Gemahlinn eine
recht angenehme Ueberraschung an einem Familienfeste machen wollte, so
veranstaltete sie in Geheim die Auffhrung einer neuen Kirchen-Komposition
von Michael oder Joseph Haydn.

Das Billardspiel liebte er leidenschaftlich, vermuthlich weil es mit
Bewegung des Krpers verbunden ist; er hatte ein eignes zu Hause, bey
dem er sich tglich mit seiner Frau unterhielt. Die Schnheit der Natur
im Sommer war fr sein tieffhlendes Herz ein entzckender Genu; er
verschaffte sich ihn, wenn er konnte, und miethete daher fast alle Jahre
Grtchen in der Vorstadt, wo er den Sommer zuzubringen pflegte.

Erstaunend ist die Arbeitsamkeit seiner letzten Lebensjahre.

Aus dem vollstndigen Verzeichnisse seiner Kompositionen seit dem Jahre
1784 bis zu seinem Tode, in welches er mit eigener Hand das Thema eines
jeden Stckes und den Tag der Vollendung eintrug, sieht man wie viel er
oft in einem Monathe gearbeitet hatte?[18] Nur die Gre und
Fruchtbarkeit seines Genies macht die Mglichkeit so vielfacher Arbeit
begreiflich. So schrieb er innerhalb der 4 letzten Monathe seines
Lebens, wo er schon krnkelte, und Reisen machte:

    [Funote 18: Der Verfasser hatte es bey der Ausarbeitung dieser
    Biographie im Originale vor sich.]

1) Eine Klavierkantate: Die ihr des unermelichen Weltalls Schpfer
ehrt.

2) Die Zauberflte.

3) #La Clemenza di Tito.#

4) Ein Klarinett-Konzert fr H. Stadler.

5) Eine Kantate fr ein ganzes Chor.

6) Das Requiem.

Eine ungeheure Anstrengung, die seine Krfte erschpfen mute!

So wurde _Mozart ein Wunder seiner Kunst_, der _Liebling_ seines
Zeitalters! Sein kurzes, aber glnzendes Knstlerleben macht in der
Geschichte der Tonkunst eine neue Epoche.

Der groe, feurige Geist, der in seinen Werken waltet und der volle
Strom der Empfindung reien jedes gefhlvolle Herz mit unwiderstehlicher
Gewalt hin. Der se Zauber seiner Harmonien entzckt das Ohr; die Flle
der Gedanken, das Neue in ihrer Ausfhrung machen das Gefallen seiner
Musik dauerhaft. Wer einmal an _Mozart_ Geschmack gefunden hat, der wird
durch andere Musik schwer zu befriedigen seyn. Und _alle_ diese
Vollkommenheiten hat er _in einem Alter_ erreicht, das fr gewhnliche
Knstler kaum der Zeitpunkt _der ersten Ausbildung_ ist! Da er starb,
hatte sein Ruhm bereits eine Gre, wie sie nur selten auch der
glcklichste Knstler hoffen darf -- und wie kurz war sein Leben? Er
hatte noch nicht das 35te Jahr vollendet, als er starb! Was wrde sein
unerschpflicher Geist der Welt noch geliefert haben?----

Wr er nach England gegangen -- sein Ruhm wrde neben _Hndels_
unsterblichem Namen glnzen: in Teutschland rang sein Geist oft mit
Mangel; seinen _Grabeshgel zeichnet nicht einmal eine schlechte
Inschrift aus_!--

Auf seinen Tod erschienen mehrere Trauer-Kantaten; darunter zeichnen
sich zwey aus, vom Herrn _Wessely_ und _Karl Kannabich_ dem jngern aus
Mnchen.

Einfach und edel war das Fest, welches die Hrer der Rechte zu Prag in
ihrer musikalischen Akademie, bey der Anwesenheit der Wittwe im Jahre
1794 Mozarts Andenken weiheten; es wurde durch ein Gedicht
verherrlichet, welches den Profess. Meinert zum Verfasser hat. Ein Paar
Stanzen daraus verdienen hier allerdings einen Platz.

    Ach! er ward uns frh entrckt,
    Der die Saiten der Empfindung,
    Wie ihr Schpfer kannt' und griff;
    In harmonische Verbindung
    Ihre khnsten Tne rief:
    Jetzt ein Gott in seines Zornes
    Donner rauschend niederfuhr,
    Itzo lispelnd wie des Wiesenbornes
    Welle flo in stiller Flur.

    Ach! schon grnt des Edlen Hgel:
    Aber ganz birgt er ihn nicht.
    Eines, das durch Grber Riegel,
    Ewig jung und gttlich bricht,
    _Eines_ lebt -- der hohe reine
    Geistesabdruck ist die _Eine_,
    Das zur Ewigkeit entblht,
    Norne! deinem Dolch entflieht.

    Fhlt ihr in der Saiten Beben,
    Im begeisternden Gesang,
    In des Herzens Sturm und Drang
    Fhlt ihr des Entschlaf'nen Leben?
    Horch! es tnen Engelharmonien,--
    Das ist Mozart! Seht ihr ihn
    Lichtbekrnzt? Mit Feentritte
    Wallt sein Geist in eurer Mitte.




                                  IV.

                     Nachricht von Mozarts Werken.


Es ist fast kein Zweig der Tonkunst, in welchem Mozart nicht mit
entschiedenem Glcke seine Krfte versucht htte.

_Dramatische Musik_, und die _Klavierkompositionen_ haben ihm am meisten
Ruhm erworben. Wenn man seine Werke besonders die theatralischen nach
der Zeitfolge ihrer Entstehung betrachtet, so merkt man deutlich den
Gang seines zur Vollkommenheit schreitenden Geistes. In den frhern,
z.B. in der Oper Idomeneo und der _Entfhrung aus dem Serail_, auch
noch zum Theil im _Figaro_ strmt das ganze Feuer einer jugendlichen
Phantasie und eine Flle ppiger Empfindung ohne Grnzen. Es ist mehr
Wrme, als Licht darinn -- die Massen des Gesanges und der Harmonie sind
nicht so bestimmt, wie in den sptern Werken, in welchen dieser Strom
der Empfindung immer sanfter sich in sein Bett zurckzieht, alles
leichter, einfacher und korrekter wird. Nirgends ist diese Reife des
Geschmackes sichtbarer, als in der #Clemenza di Tito#, und dem Requiem.
Daraus lt es sich schlieen, was man noch von Mozart zu erwarten
berechtiget war?

Einige _Kunstrichter_ haben mit sinnreicher Feinheit zwar die
Vortrefflichkeit seiner Instrumentation, d.i. den mehr mechanischen
Theil der Kunst anerkannt, aber das, was blos Sache des Genies ist, die
Singparthie getadelt, -- sie haben behauptet, Mozart sey hierinn nicht so
gro, als in der Instrumentalparthie. Die Grnzen dieser Schilderung
erlauben es nicht, die Grundlosigkeit davon zu zeigen, oder die Werke
Mozarts von dieser Ansicht zu betrachten. Die Tadler mgen indessen nur
beherzigen, da gerade diese Seite seiner Werke von grndlichen und
berufenen Richtern immer am meisten bewundert worden ist. Was konnte
denn in seinen Opern und den brigen Singkompositionen so sehr gefallen,
wenn es _der Gesang_ nicht war? Das Volk versteht wenig von der
Schnheit des Instrumentalsatzes; gerade dieser Theil seiner Werke, der
groe Geschicklichkeit der Subjekte erfodert, wird gewhnlich schlecht
aufgefhrt -- und doch brachten die meisten seiner Singkompositionen so
viel Wirkung, so viel Enthusiasmus hervor? die konnte nur der
_einfache, schne, rhythmische Gesang bewirken_. Warum singt man seine
Melodien so gern nach? Warum sind so viele davon Volksgesnge geworden?
Wie wahr, wie lebhaft wei Mozart den Sinn der Worte des Dichters
auszudrcken? Dringt sein Gesang nicht berall dem Zuhrer ans Herz?
Wenn die der hchste _Zweck_ der Tonkunst ist, wer hat ihn vollkommener
_erreicht als Mozart_?

Man knnte zahlreiche Beyspiele anfhren, wo Mozart mit einem feinen
sthetischen Sinne selbst die Worte und Ideen des Dichters durch schne
Wendungen der Melodie erhoben und verbessert hat. Sein Gesang haucht den
Worten meistentheils erst Wrme und Leben ein; fast immer liegt darinn
noch mehr Sinn und Empfindung, als in den Worten. Daher haben selbst
elende Poesien blos durch seine Komposition gefallen. Die Zauberflte
und #Cosi fan tutte# sey Beweis.

Die Gestalt, in welcher die alte #Opera seria# von Metastasio #La
Clemenza di Tito# bey seiner Musik erscheint, ist das Werk seines
richtigen Urtheiles und Geschmackes. Und ein solcher Kompositeur, der
den Geist des Textes, das eigene der Situation so fate und verstand --
ihn oft verbesserte noch fter erhob, soll keine hhere Bildung gehabt
haben?

Aber Mozarts Werke sind so _schwer_, so _kritisch_, _voll Kunst_ und so
_wenig_ fr das Gehr.

Auf gleiche Art klagen oft Schulknaben ber die Dunkelheiten und
Schwierigkeiten des Horaz. Man mu darber lcheln! Wen trifft hier der
Vorwurf? Schrieb Mozart blo fr Schler? oder ist dasjenige, was er fr
sie schrieb, nicht leicht und verstndlich? Das Schwere in seinen Werken
ist nicht _Absicht_, ist _nur Folge_ der Gre und Originalitt seines
Genies. Die hat Mozart mit allen groen Knstlern gemein. _Populr_
durften alle seine Werke nicht seyn; wo Popularitt nthig war, da hat
er sie vollkommen erreicht. Findet in seinen Singspielen nicht der
Kenner und der bloe Liebhaber Gerchte fr seinen Gaum? Auch die
_erhabensten Sachen_ von seiner Hand, wo er sich in der ganzen Strke
seiner Kunst des Kontrapunktes zeigt, haben so viel Schnheit an sich,
da sie auch uneingeweihten Ohren gefallen, wenn sie _nur richtig_, und
_geschmackvoll vorgetragen werden_. Aber hier liegt _der Knoten_ -- das
ist grtentheils der Grund solcher Klagen. Ueberdie erheischt seine
Musik ein reines Gefhl, ein unverdorbenes Ohr: _wer dieses nicht
mitbringt, fr den hat Mozart nicht geschrieben._[19]

    [Funote 19: Anmerkung. Diese Bemerkungen der ersten Ausgabe,
    sind jetzt beynahe unnthig, da Mozart gegen seine Nachahmer,
    die Falichkeit und Popularitt selbst ist!]

Der Tadel einer Klasse von Menschen, denen seine Musik nicht gefllt,
entscheidet nichts gegen ihre Vortrefflichkeit; so wie Rafaels Ruhm
nicht geschmhlert wird, wenn dem ehrlichen Schneiderjungen ein buntes
Allerley von einem Schmierer besser ins Auge fllt, als Rafaels
Meisterstcke. Oder gab es nie Ohren, welchen die rauhe Pfeife des
Waldgottes entzckender schien, als die himmlischen Tne Apollos? -- Wem
_Mozarts Musik_ nicht genug frs Gehr zu seyn scheint, der drfte wohl
den Fehler eigentlich in seinen Ohren suchen. Was werden so delikate
Ohren zu der Musik der neuern Tonsetzer sagen?

Mit seinen Werken wird nun von den _Uebersetzern und Musikhndlern_ ein
wahrer Unfug getrieben, wobey das Publikum oft angefhrt, und der Name
des groen Meisters grtentheils geschndet wird. Man hngt ihn erstens
als Anempfehlungsschild so manchem Machwerk vor, das seines Geistes ganz
unwrdig ist; noch hufiger ist der Fall, da unbefugte Uebersetzer aus
seinen grern Werken _Klaviersachen_ zusammenstoppeln, die dann als
Originalwerke verkauft werden, und nothwendig schlechter seyn mssen,
als seine brigen Klavierkompositionen.

Eben so nachtheilig fr seinen Ruhm ist es, da man so hufig aus
Mangel an neuern Werken von seiner Meisterhand, ltere Kompositionen,
zum Theil aus seiner frhen Jugend herausgiebt, ohne diesen Umstand dem
Publikum zu sagen. Solche Werke sind grtentheils seinen sptern ganz
unhnlich, und knnen den Stempel der Vollkommenheit an sich nicht
haben.

Seine Werke knnen zur bessern Uebersicht in 11 verschiedene Klassen
eingetheilt werden. Zur ersten rechnen wir die _dramatischen_. Mozart
schrieb 9 italienische Opern, -- und 3 teutsche.

#La finta semplice, opera buffa# fr Kaiser Joseph 1768

#Mitridate, opera seria# fr Mayland; im Jahr 1770

#Sulla,# -- -- -- -- 1772

#Giardiniera, opera buffa# fr Kaiser Joseph im Jahr 1774

#Idomeneo, opera seria# fr Mnchen im J. 1780

#Figaro, opera buffa# fr Wien im J. 1786

#Don Giovanni, opera buffa# fr Prag 1787

#Cosi fan tutte, opera buffa# fr Wien 1790

#La Clemenza di Tito, opera seria# fr Prag 1791


_Teutsche Singspiele:_

Die Entfhrung aus dem Serail fr Wien 1782

Der Schauspieldirektor ein kleines Singspiel fr den Kaiser Joseph nach
Schnbrunn im Jahre 1786

Die Zauberflte fr das Theater Schikaneders 1791

_Idomeneo_ ist eines seiner grten, und gedankenreichesten Werke; der
Stil ist durchgehends pathetisch und athmet heroische Erhabenheit. Da er
diese Opera fr groe Snger und fr eines der besten Orchester von
Europa schrieb, so fhlte sein Geist keinen Zwang, und entfaltete sich
darinn am ppigsten. Aber Idomeneo mu besser aufgefhrt werden, als es
zu Prag vor einigen Jahren in Sommer geschah, wo ihn der
Opern-Unternehmer im eigentlichen Verstande prostituirte. Es war ein
drolligter Gedanke eine der grten Opern ohne Sngerinnen und Orchester
aufzufhren. Denn beydes fehlte, und ward durch Substituten ersetzt.
Auch hte man sich diese Opera, so wie jede von Mozart nach
mittelmigen Klavierbersetzungen zu beurtheilen!

_Figaro_ wird von Musik-Kennern am meisten geschtzt; wahr ist es, da
Mozart bey ihrer Ausarbeitung am fleiigsten studirt habe. An
Gedanken-Reichthum gleicht sie dem Idomeneo, an Originalitt weicht sie
keiner andern.

_Don Juan_ ist anerkannt das grte Meisterstck seines Genies -- die
hchste Kunst mit der grten Anmuth ist darinn in lieblicher Eintracht
gepaart. Die Rolle des Leporello ist das erste Meisterstck des
Komischen -- das Muster fr alle Opernkomponisten.

#Cosi fan tutte# oder die Schule der Liebenden ist die _lieblichste_ und
scherzhafteste Musik voll Charakter und Ausdruck.

Die Finalien sind unbertrefflich. Wenn man den schlechten Text dieser
Oper betrachtet, so mu man ber die Fruchtbarkeit seines dichterischen
Genies erstaunen, das fhig war ein so trockenes, einfltiges Sujet zu
beleben und solche Schnheiten hervor zu bringen. Es ist schon bemerkt
worden, da er in der Wahl des Buches nicht frey war.

#La Clemenza di Tito# wird in sthetischer Hinsicht, als schnes
Kunstwerk, fr die vollendeteste Arbeit Mozarts gehalten. Mit einem
feinem Sinne fate Mozart die Einfachheit, die stille Erhabenheit des
Charakters des Titus, und der ganzen Handlung auf, und bertrug sie ganz
in seine Komposition. Jeder Theil, selbst die gemigte
Instrumentalparthie trgt dieses Geprge an sich, und vereinigt sich zu
der schnsten Einheit des Ganzen. Da sie fr ein Krnungsfest, und fr
zwey ganz eigends dazu angenommene Snger aus Italien geschrieben war,
so mute er nothwendig brillante Arien fr diese zwey Rollen schreiben.
Aber welche Arien sind das? Wie hoch stehen sie ber dem gewhnlichen
Tro der Bravour-Gesnge?

Die brigen Stcke verrathen berall den groen Geist aus dem sie
gefloen. Die letzte Scene oder das Finale des 1ten Aktes ist gewi die
gelungenste Arbeit Mozarts, ja wohl aller dramatischen Tonsetzungen;
_Ausdruck_, _Charakter_, _Empfindung_, wetteifern darinn den grten
Effekt hervorzubringen. Der Gesang, die Instrumentation, die Abwechslung
der Tne, der Wiederhall der fernen Chre -- bewirkten bey jeder
Auffhrung eine Rhrung und Tuschung, die bey Opern eine so seltene
Erscheinung ist. Unter allen Chren, die ich gehrt habe, ist keiner so
flieend, so erhaben und ausdrucksvoll, als der Schluchor im 2ten Akte;
unter allen Arien, keine so lieblich, so voll ser Schwermuth, so reich
an musikalischen Schnheiten, als das vollkommene Rondo in #F#, mit dem
oblig: Baethorne, #Non piu di fiori# im 2ten Akte. Die wenigen
instrumentirten Rezitative sind von Mozart, die brigen alle -- was sehr
zu bedauern ist, -- von einer Schlerhand.

Die Oper, die jetzt noch immer mit Entzcken gehrt wird, gefiel das
erstemal bey der Krnung nicht so sehr, als sie es verdiente. Ein
Publikum, das vom Tanz, von Bllen und Vergngungen trunken war, in dem
Gerusche eines Krnungsfestes, konnte freylich an den einfachen
Schnheiten Mozartscher Kunst wenig Geschmack finden.

_Unter den teutschen Singspielen_ zeichnet sich die Entfhrung aus dem
Serail an Empfindung und Schnheit des Gesanges aus. Man sieht es ihr
an, da sie bald nach Idomeneo gedichtet ward.

Das kleine Singspiel, der _Schauspieldirektor_ ist blos ein
Gelegenheitsstck fr den kaiserl. Hof in Schnbrunn. Was soll ich von
der _Zauberflte_ sagen? Wer kennt sie in Teutschland nicht? Giebt es
ein Theater, wo sie nicht aufgefhrt ward? Sie ist unser Nationalstck.
Der Beyfall den sie berall -- berall erhielt, von dem Hoftheater an,
bis zu der wandernden Bhne des kleinen Marktfleckens, ist bisher ohne
Beyspiel. In Wien wurde sie nur im 1ten Jahre ihrer Erscheinung mehr als
_hundertmal_ aufgefhrt.

_Die 2te Klasse_ seiner Werke begreift die Kompositionen frs Klavier.
Darunter glnzen am meisten die Klavierkonzerte, worinn Mozart ohne
Nebenbuhler den ersten Rang behauptet. Hier, so wie in vielen andern
Fchern war er Erfinder einer neuen Gattung. Diese Werke enthalten
einen unerschpflichen Reichthum an den treflichsten Gedanken, die
glnzendeste Instrumentation, und erschpfen fast alle Tiefen des
Kontrapunktes.

Die Sonaten aller Art _mit und ohne_ Begleitung sind in jedermanns
Hnden. Unter denselben sind die Trio am originellsten geschrieben. Das
berhmte Quintett frs Klavier mit Begleitung einer Oboe, einer
Klarinette, eines Waldhornes und Fagottes halten Kenner fr sein
Meisterstck in Rcksicht der Instrumentation; geschrieben im J.1784
_den 30ten Mrz_. Die vielen _Variazionen_ zeichnen sich durch
Reichthum, Manigfaltigkeit und Neuheit vor allen hnlichen Werken aus.
Die letzten, die er setzte, sind die, ber das Lied: _Ein Weib ist das
herrlichste Ding_; den 15ten Mrz 1791 komponirt. Diese Klasse seiner
Werke ist die zahlreichste.

_Die 3te Klasse_ begreift die Sinfonien; die schnsten davon, die er in
den Jahren 1786 bis 1788 schrieb, sind folgende 4: in #D#, #Eb#, #G mol#
und #C# mit der Fuge im letzten Stcke. Alle knnen den schnsten von
_Hayden_ an die Seite gesetzt werden; er entfaltete darinn seine Kunst
der Komposition im hchsten Grade. Die Opernsinfonien sind bekannt und
bewundert genug.

_Zur 4ten Klasse_ gehren Gelegenheits-Kantaten mit vollstimmiger
Begleitung. In dem Verzeichnisse sind 3 aufgemerkt.

_In die 5te Klasse_ knnen die einzelnen Scenen und Arien gerechnet
werden, die er fr musikalische Akademien oder fr besondere Snger
schrieb. In dem Verzeichnisse sind 22 solche enthalten, fr allerley
Stimmen.

_6te Klasse:_ teutsche Lieder mit Klavierbegleitung allein; in dem
Verzeichnisse sind 20 Stcke aufgezeichnet, worunter _die_ so bekannte
_Abendempfindung_, _das Veilchen_ und an _Chloe_, so voll Einfachheit,
Ausdruck und Empfindung, _kurz so schn_ sind, da man sagen kann,
Mozart htte blos mit diesem sich unsterblichen Ruhm erworben. Daraus
vorzglich mgen seine Tadler sehen, ob er nicht _gro_ in der
Singkomposition war? Ob er den Worten Leben zu geben, auch ohne das
Rauschen der Instrumente nicht verstand?

_7te Klasse:_ Konzerte fr verschiedene Instrumente schrieb er am
seltensten.

In dem Verzeichnisse sind nur folgende angemerkt: 1) Ein Andante zu
einem Violinkonzert; 2) Ein Konzert fr das Waldhorn. 3) _Fr die
Harmonika_; 4) fr die Klarinette.

_8te Klasse:_ Violinquartetten und Quintetten. Unter den Quartetten sind
die 6, die er Joseph Haydn dedizirte, klassisch. Spter im Jahre 1789
im Junius schrieb er 3 konzertante Quartetten fr den verstorbenen Knig
von Preuen; nebst diesen ist noch ein einzelnes Quartett aus #D# im
Jahr 1786 geschrieben, und _eine einzelne Fuge_.

_Originalquintetten_ sind in dem Verzeichnisse nur 4 aufgezeichnet; aus
#C#, #G mol#, #D dur# und #Eb#. Er schrieb bey seinem Aufenthalte in
Mnchen 1782 einige Nachtmusiken # quadro# mit Begleitung 2er
Waldhrner, die man fglich als Violinkonzerte betrachten kann -- alle
diese Sachen sind voll Gedanken und Schnheiten. Ein konzertantes
Divertimento fr 3 Stimmen, die Violin, Bratsche und das Violoncello ist
vorzglich schn und voll hoher Kunst. Die 2 Duetten fr die Violin und
Bratsche sind bekannt und beliebt genug.

_9te Klasse:_ Parthien fr blasende Instrumente zu Tafel- und
Nachtmusiken. Hier in Prag sind mehrere bekannt. Ihre Schnheiten sind
bezaubernd, und reien auch das gefhlloseste Herz hin. Es existirt auch
eine Nachtmusik aus 13 blasenden Instrumenten von seiner Arbeit.

_10te Klasse: Tanzstcke._ Mozart schrieb mehrere Parthien, Menuetten
und teutsche Tnze fr den Kaiserl. Redouten Saal zu Wien. Wie sehr
diese Sachen von seiner Arbeit gesucht wurden, sieht man aus dem
Verzeichnisse, wo jeden Karneval eine Menge Menuetten, Teutsche, Walzer
und Kontratnze angemerkt sind.

_11te Klasse: Kirchenmusik_, war das Lieblingsfach Mozarts. Aber er
konnte sich demselben _am wenigsten_ widmen. Die Messen, die von ihm
brig sind, wurden bey verschiedenen Gelegenheiten und Einladungen
verfertigt. Alle, die wir hier in Prag gehrt haben, tragen den Stempel
seines Genies. In dem Verzeichnisse ist keine einzige Messe angezeigt --
ein Beweis, da alle, die wir haben, in frhere Zeiten seines Lebens zu
setzen sind. Nur ein Graduale auf den Text: #ave verum corpus# hat er im
Junius 1791 verfertiget.

Mozart wrde in diesem Fache der Kunst seine ganze Strke erst gezeigt
haben, wenn er die Stelle bey St. Stephan wirklich angetreten htte; er
freute sich auch sehr darauf. Wie sehr sein Genie fr den hohen Stil des
ernsten Kirchengesanges gemacht war, beweiset seine letzte Arbeit, die
_Seelenmesse_, die gewi _alles_ bertrifft, was in diesem Fache bisher
ist geleistet worden, und nicht so bald bertroffen werden wird.

Nebst diesen Gattungen seiner Werke hinterlie er 10 #Canoni# blos fr
Singstimmen; und zwar 8 vierstimmige, und 2 dreystimmige, sowohl
komische, als ernsthafte. Sie sind nicht nur Meisterstcke in der Kunst
sondern auch sehr unterhaltend.

Zum Schlusse setzen wir noch eine Anekdote her, die mehr als eine
Lobrede sagt. Ein alter italienischer Impressarius einer
Operngesellschaft in Teutschland, der es an seiner Kasse zu fhlen
schien, da seit Mozart keine andern Opern, am wenigsten die von
welschen Authoren gefallen wollen, pflegte immer, so oft er in seiner
Opernregistratur auf eine Oper von Mozart kam, mit einem Seufzer
auszurufen: _Der ist mein Unglck!_



Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf
Grundlage der 1808 erschienenen zweiten Auflage erstellt. Kleinere
Unregelmigkeiten in der Schreibweise wurden beibehalten. Die
nachfolgende Tabelle enthlt eine Auflistung aller gegenber dem
Originaltext vorgenommenen Korrekturen.

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Textauszeichnungen
wurden folgendermaen ersetzt:

Sperrung:       _gesperrter Text_
Grodruck:      =gro gedruckter Text=
Antiquaschrift: #Antiquatext#

Die Fraktur-Ligatur fr etc. wurde durch etc. ersetzt.


Transcriber's Note: This ebook has been prepared from the second edition
published in 1808. Minor spelling inconsistencies have been maintained.
The table below lists all corrections applied to the original text.

The original book is printed in Fraktur font. Marked-up text has been
replaced by:

Spaced-out:  _spaced out text_
Bigger font: =bigger font=
Antiqua:     #text in Antiqua font#

The ligature for "etc." has been replaced by etc.


p. 004: und deu Thatsacheu -> und den Thatsachen
p. 006: Es ist noch uicht fertig -> nicht
p. 009: [added period] Tanzstcke u. d. gl -> u. d. gl.
p. 011: ihn nicht weier stren -> weiter
p. 013: [added comma] in einer Sache, wo das
p. 013: auserordentlich groen Talent -> auerordentlich
p. 015: zweyten Tochter der Knigs -> des
p. 016: den 10 April 1764 -> 10. April
p. 017: konnte man ihm kaum vom Spielen -> ihn
p. 020: mit den man ihn aufnahm -> dem
p. 021: zu schatzen verstehen -> schtzen
p. 024: den vollendesten Knstler hrten -> vollendetesten
p. 025: Der Pabst durch alle die Wunder -> Papst
p. 025: [deleted period] den Karneval von 1773. eingegangen
p. 031: Mnchen eine Oper seria zu schreiben -> Opera
p. 033: der schon damal der Stolz -> damals
p. 036: [deleted comma] Man sieht, es diesen Quartetten an
p. 041: obschon sie wohl hundermal gehrt waren -> hundertmal
p. 042: empfing ihm das ganze -> ihn
p. 043: Der groe Rnf seines Namens -> Ruf
p. 044: oft von da Einladuugen -> Einladungen
p. 045: vom dem Roste der Mode -> von
p. 048: eben so geheimnivoll als merkmrdig -> merkwrdig
p. 048: sich in dieser Gattuug -> Gattung
p. 053: der Unbekannte Verehrer -> unbekannte
p. 054: [added comma] und wahrlich, bis jetzt
p. 055: ein feyrrliches Seelenamt -> feyerliches
p. 057: das Haus voll, nnd die Einnahme gut -> und
p. 057: [deleted comma] nicht weniger, als 30,000Gulden
p. 057: [added comma] eine Summe, ber die
p. 060: ber ihn so streng urtheien -> urtheilen
p. 062: so drckt sich ein Berliner Wochenblatt, worinn -> aus, worin
p. 068: [added comma] zu dem einfachen Liede, von der
p. 070: die Meisterstcke der Rmer und Griechen -> Die
p. 072: [deleted comma] 20, bis 30 Jahre alt
p. 072: bey dem gewhnlichen Kompositionen -> den
p. 072: von so unbestimmten Charakter -> unbestimmtem
p. 072: [added comma] Anmuth und Lieblichkeit, diese wahren Zaubermittel
p. 082: [added comma] damit herum, dachte sich
p. 085: die am 30 September geschah -> 30. September
p. 092: Schriftsteller der gebildesten Nationen -> gebildetesten
p. 093: Unter guten Freuden -> Freunden
p. 096: nach eigenem Gestnduisse -> Gestndnisse
p. 096: Menschrnfreundlich und uneigenntzig -> Menschenfreundlich
p. 096: den Werh des Geldes -> Werth
p. 096: nnd zog sich dadurch -> und
p. 100: [deleted period] seit dem Jahre 1784. bis -> 1784 bis
p. 101: Eine Klavierkantatate -> Klavierkantate
p. 101: das Neue in ihrer Ausfhruug -> Ausfhrung
p. 102: verdienen hier allerdings einen Plaz -> Platz
p. 102: Wie ihr Schpfer kannt' und grif -> griff
p. 107: wo Popularitt uthig war -> nthig
p. 111: in leiblicher Eintracht gepaart -> lieblicher
p. 116: auch das geflloseste Herz -> gefhlloseste
p. 116: [added comma] mehrere Parthien, Menuetten und teutsche Tnze
p. 117: sieht mau aus dem -> man
p. 117: 11te Klase: Kirchenmusik -> Klasse
p. 118: sondern auch sehr unhaltend -> unterhaltend





End of the Project Gutenberg EBook of Lebensbeschreibung des k. k.
Kapellmeisters Wolfgang Amadeus Mozart, by Franz Xaver Niemetschek

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through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
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     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

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     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
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providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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