The Project Gutenberg EBook of Eskimomrchen, by Paul Sock

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Title: Eskimomrchen

Translator: Paul Sock

Release Date: February 24, 2012 [EBook #38972]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ESKIMOMRCHEN ***




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Anmerkungen zur Transkription

Passagen, die im Originaltext kursiv gedruckt waren, sind hier _so_,
gesperrt gedruckte Passagen +so+ gekennzeichnet. Weitere Anmerkungen
befinden sich am Ende des Textes.




[Illustration: Signet]




  ESKIMOMRCHEN

  BERSETZT
  VON
  _PAUL SOCK_

  1.-3. Tausend


  AXEL JUNCKER VERLAG
  BERLIN W15


  _FR OLGA K._




Flutlegende von St. Michael

(Aljaska)


In den ersten Tagen war die ganze Erdoberflche mit Ausnahme eines sehr
hohen Berges in ihrer Mitte berflutet. Vom Meer her stieg das Wasser und
bedeckte alles Land, mit Ausnahme dieses Berges; nur ein paar Tiere wurden
gerettet und entkamen dadurch, da sie die Berghnge hinanstiegen. Einige
wenige Leute entkamen, indem sie ein Familienboot bestiegen. Ihr Leben
fristeten sie mit Fischen, die sie bei Ebbe fingen. Als schlielich das
Wasser zurckging, gingen die Leute, die gerettet waren, auf die Berge und
lebten da; gelegentlich stiegen sie dann zur Kste herab. Auch die Tiere
kamen wieder herab und belebten die Erde mit ihrem Geschlecht. Whrend der
Flut schnitten Wogen und Strme in die Oberflche des Landes Furchen und
Risse und als dann das Wasser zurckging und immer weiter zum Meer abflo,
waren die heutigen Berge und Tler entstanden.




Die groe Flut

(Von den Zentral-Eskimos)


Vor langer Zeit begann einmal der Ozean pltzlich zu steigen, bis er das
ganze Land bedeckt hatte. Das Wasser flo ber die Gipfel der Berge und das
Eis trieb ber sie hinweg. Als die Flut sich dann zurckzog, strandete das
Eis und bildete berall auf den Gipfeln der Berge eine Eishaube. Viele
Schaltiere, Fische, Seehunde und Wale blieben hoch oben am Trocknen zurck
und da sind ihre Schalen und Knochen noch bis zum heutigen Tage sichtbar.
Eine groe Anzahl Inuit starben whrend dieses Zeitraumes, aber viele
andere, die, als das Wasser zu steigen begann, ihre Kajaks bestiegen
hatten, wurden gerettet.




Die Schpfung

(Geschichten vom Raben Tu-lu-kau-guk I.)


Es gab eine Zeit da auf der Erdoberflche noch keine Menschen waren. Die
ersten vier Tage war der erste Mensch noch eingehllt in der Schote einer
Stranderbse. Am fnften Tag streckte er seine Fe heraus, zersprengte die
Schote und fiel als vllig ausgewachsener Mann auf den Boden und stand auf.
Er sah sich um, bewegte seine Hnde und Arme, seinen Hals und seine Beine
und untersuchte sich selbst ganz neugierig. Als er sich umsah, erblickte er
die Schote, aus der er herausgefallen war, noch an der Ranke hngend und an
ihrem unteren Ende das Loch, aus dem er gekommen war. Dann sah er sich
wieder um und bemerkte, da er sich von seinem Ausgangspunkt entfernt hatte
und der Boden unter seinem Tritt nachgab und ganz weich war. Nach einiger
Zeit sprte er im Magen ein unangenehmes Gefhl und bckte sich, um aus
einer kleinen Pftze vor seinen Fen Wasser in den Mund zu schpfen. Das
Wasser lief in seinen Magen hinunter und er fhlte sich wieder wohler. Als
er wieder aufsah, bemerkte er ein schwarzes Ding mit flatternden Bewegungen
geradewegs auf sich zukommen. Wenn es anhielt und am Boden stand, sah es
ihn an. Das war der +Rabe+, und als er stehen blieb hob er einen Flgel und
schob seinen Schnabel, wie eine Maske, auf den Kopf hinauf und verwandelte
sich im selben Augenblick in einen Mann. Schon bevor er seine Maske
hochgehoben, hatte er den Menschen angestarrt und nachdem er sie
aufgehoben, glotzte er noch mehr und bewegte sich, um genauer sehen zu
knnen, hin und her. Endlich sagte er: Was bist du? Von wo bist du
gekommen? So etwas wie dich habe ich noch nie gesehen! Der Rabe blickte
den Menschen an und war immer mehr darber verwundert, da dieses fremde
Wesen ihm an Gestalt so hnlich war.

Dann lie er den Menschen ein paar Schritte gehen und rief wieder erstaunt:
Von wo bist du gekommen? Ich habe frher nie so etwas, wie dich, gesehen!
Darauf antwortete der Mensch: Ich komme aus dieser Erbsenschote, und
zeigte auf die Pflanze, aus der er gekommen war. Ah, rief der Rabe, ich
habe zwar diese Pflanze geschaffen, aber niemals geglaubt, es knnte so
etwas, wie du daraus hervorkommen. Komm mit mir auf jene Anhhe dort; ich
habe sie zwar erst ein wenig spter gemacht und sie ist noch weich und
nachgiebig, aber es ist dort doch fester und hrterer Grund als hier.

Sie gewannen bald das hher gelegene Land und hatten nun festeren Boden
unter ihren Fen. Der Rabe fragte den Menschen, ob er etwas gegessen
htte. Dieser antwortete, da er aus einer Pftze irgend ein feuchtes Zeug
zu sich genommen. Ah, sagte der Rabe, du hast Wasser getrunken. Warte
jetzt hier auf mich.

Er zog die Maske wieder vors Gesicht, verwandelte sich so in einen Vogel
und flog hoch in den Himmel, wo er verschwand. Der Mensch wartete wo er
geblieben war, bis der Rabe am vierten Tag zurckkam. In seinen Klauen
brachte er vier Beeren. Er schob seine Maske hinauf und wurde wieder ein
Mann, der ihm zwei Brombeeren und zwei schwarze Rauschbeeren entgegen hielt
und sagte: Das habe ich fr dich zum essen gebracht. Ich will auch, da
diese Beeren auf Erden hufig vorkommen; jetzt i sie aber! Der Mensch
nahm die Beeren und steckte sie nacheinander in den Mund und sie stillten
seinen Hunger, den er schon unangenehm gesprt hatte. Dann fhrte der Rabe
den Menschen zu einem kleinen Bach in der Nhe; dort lie er ihn stehen,
ging zum Rand des Wassers und formte aus ein paar Lehmpatzen ein Paar
Bergschafe und behielt sie in der Hand. Als sie getrocknet waren, forderte
er den Menschen auf, sich anzusehen, was er gemacht habe. Der Mensch fand
sie sehr schn und der Rabe befahl ihm nun, seine Augen zu schlieen. Sowie
er die Augen geschlossen hatte, nahm der Rabe wieder seine Maske vor und
machte ber den Bildwerken vier Flgelschlge, womit ihnen das Leben
eingehaucht war und als vollausgewachsene Schafe sprangen sie davon. Nun
hob er wieder seine Maske hoch und befahl dem Menschen zu sehen. Wie der
Mensch die Schafe sich so voll Leben bewegen sah, schrie er vor Freude auf,
und der Rabe sagte: Wenn diese Tiere zahlreich geworden sein werden,
werden die Menschen sehr danach trachten, sie zu bekommen. Darauf sagte
der Mensch, er hoffe, sie wrden zahlreich werden. Gut, sagte der Rabe,
es wird aber fr sie besser sein, in den hohen Felsen zu hausen, soda sie
nicht jeder tten kann, und man soll sie nur dort finden.

Dann schuf der Rabe aus Lehm noch zwei weitere Tiere, denen er wie frher
Leben einhauchte, aber da sie nur stellenweise trocken waren, als sie
belebt wurden, blieben sie braun und wei gefleckt und so entstand das
zahme Renntier mit seinem fleckigen Fell. Sie gefielen dem Mensch gut, und
der Rabe belehrte ihn, da sie sehr wertvoll werden wrden. Auf die gleiche
Weise wurde dann ein Paar wilder Renntiere geschaffen, die der Rabe nur am
Bauch trocknen und wei werden lie, bevor er sie belebte; daher kommt es,
da der Bauch der einzige weie Teil der wilden Renntiere ist. Der Rabe
verriet nun dem Menschen, da diese Tiere sehr gewhnlich sein werden und
die Menschen wrden viele von ihnen tten.

So allein wirst du dich einsam fhlen, sagte dann der Rabe, ich will dir
einen Gefhrten schaffen. Er ging nun zu einer Lacke, die etwas von der,
wo er die Tiere geschaffen hatte, entlegen war und schuf, indem er ab und
zu auf den Menschen sah, ein ihm sehr hnliches Bildwerk. Dann befestigte
er als Haar ein Bschel feinen Wassergrases an seinem Kopf, und nachdem er
in seinen Hnden das Bild getrocknet hatte, schwang er wie frher seine
Fittige ber ihm und ein wunderschnes Weib entstand neben dem Mann. Da
ist ein Gefhrte fr dich! sagte der Rabe und fhrte sie zu einem kleinen
Hgel in der Nhe weg.

In diesen Tagen gab es weit und breit keine Berge und es war ewig heller
Sonnenschein. Kein Regen fiel und keine Winde wehten. Als sie zu dem Hgel
kamen, zeigte ihnen der Rabe, wie man aus trockenem Moos ein Bett macht und
sie schliefen da gut und warm; der Rabe zog seine Maske herab und schlief
als Vogel in der Nhe. Er erhob sich vor den andern, ging wieder an den
Bach und schuf je ein Paar schen, Stichlinge und Lippfische. Als die im
Wasser herumschwammen, rief er die Menschen, sie anzusehen. Der Mensch sah
hin und wie die Stichlinge mit wirbelnden Bewegungen gegen die Strmungen
schwammen, streckte er berrascht die Hnde nach einem aus, aber der Fisch
entkam ihm. Nun zeigte ihm der Rabe die schen und belehrte ihn, da sie in
den klaren Bergflssen zu finden seien, whrend die Stichlinge an der
Meereskste leben wrden, und da diese beiden Arten gut zu essen seien.
Danach wurde die Spitzmaus geschaffen, von der der Rabe sagte, da man sie
zwar nicht essen knne, da sie aber den Boden belebe und das Land davor
bewahre, freudlos und unfruchtbar auszusehen.

So schuf der Rabe noch einige Tage lang Vgel, Fische und Sugetiere,
zeigte sie den Menschen und erklrte ihren Nutzen.

Dann flog er in den Himmel und blieb vier Tage lang weg. Als er zurckkam,
brachte er dem Menschen einen Lachs. Er sah sich um und bemerkte, da die
Pftzen und Seen still und einsam waren, und so schuf er viele
Wasserinsekten fr ihre Oberflchen, und aus dem gleichen Material machte
er den Biber und die Bisamratte, um die Ufer zu beleben. Dann wurden noch
Fliegen, Mcken und andere Land- und Wasserinsekten geschaffen, und der
Mensch dessen belehrt, da sie nur geschaffen seien, um die Erde zu beleben
und frhlich zu machen. Zu jener Zeit waren alle Mcken wie die Hausfliegen
und stachen nicht, wie heutzutage.

Er zeigte dem Menschen dann die Bisamratte und riet ihm, ihr Fell als
Kleidung zu verwenden. Er erzhlte ihm auch, da der Biber an den Flssen
hausen und starke Baue errichten werde, und da er diesem Beispiel folgen
msse und auch so schlau sein, denn ihn knnten nur gute Jger erwischen.

Um diese Zeit gebar die Frau ein Kind und der Rabe gab dem Menschen
Anleitungen, wie es zu ernhren sei und erklrte, da es auch zu so einem
Menschen, wie er sei, heranwachsen werde. Kaum war das Kind geboren, da
brachte es der Rabe mit dem Menschen an einen Bach, rieb es mit Schlamm ab
und sie kehrten dann wieder zu ihrem Aufenthaltsort am Hgel zurck. Am
anderen Morgen lief das Kind schon herum und ri Gras und andere Pflanzen
aus, die der Rabe in der Nhe wachsen lie. Am dritten Tag war es schon ein
erwachsener Mann.

Nun fiel es dem Raben ein, da die Menschen alles was er geschaffen,
zerstren wrden, wenn er nicht etwas schfe, um sie zu schrecken. Er ging
also an einen Bach in der Nhe und formte einen Bren; er belebte ihn dann
und wie der Br grimmig dreinschauend dastand, sprang er rasch zur Seite.
Dann holte er den Menschen und belehrte ihn, da der Br ganz schrecklich
sei, und wenn er ihn stre, ihn in Stcke reien werde. Dann wurden die
verschiedenen Robbenarten geschaffen und ihre Namen und Gewohnheiten dem
Menschen erklrt. Der Rabe lehrte den Menschen noch, wie man aus
Seehundsfellen ungegerbte Schnre und Schlingen fr Rotwild mache, aber er
warnte ihn davor mit dem Rotwildfang frher zu beginnen, als bis es
zahlreich genug sei.

Um diese Zeit war das Weib wieder in der Hoffnung und der Rabe erklrte, es
werde diesmal ein Mdchen werden und sobald es geboren sei, mten sie es
mit Schlamm abreiben, und wenn es erwachsen sei, msse es den Bruder
ehelichen. Dann ging der Rabe weg, zu dem Platz, wo er in der Erbsenranke
den ersten Menschen gefunden hatte. In seiner Abwesenheit wurde ein Mdchen
geboren und das Paar tat wie ihm befohlen war; am nchsten Tag lief das
Mdchen schon herum. Am dritten war es eine erwachsene Frau und wurde, wie
der Rabe befohlen hatte, dem jungen Mann vermhlt, auf da die Erde rascher
bevlkert werde.

Als der Rabe zur Erbsenschote kam, fand er drei andere Mnner, die gerade
aus der Schote, die den ersten hervorgebracht hatte, gefallen waren. Diese
Mnner sahen sich, wie der erste, verwundert um, und der Rabe fhrte sie
in einer Richtung, die jener, in der er den ersten mitgenommen hatte,
entgegengesetzt war, weg und brachte sie hart am Meer aufs Festland. Hier
blieben sie und der Rabe blieb lange Zeit bei ihnen und lehrte sie, wie sie
leben sollten. Er lehrte sie Feuerbohrer und Bogen aus einem trockenen
Holzstck und einer Saite anzufertigen; das Holz nahm er von Struchern und
kleinen Bumen, die er an geschtzten Orten in Rinnen an den Abhngen
wachsen lie. Er schuf fr jeden der Mnner ein Weib und viele Pflanzen und
Vgel, die die Seekste bewohnen; es waren aber weniger Arten, als er im
Land, wo der erste Mensch lebte, gemacht hatte. Er lehrte die Menschen
Bogen, Pfeile, Netze und alle anderen Jagdgerte machen und auch ihren
Gebrauch, besonders, wie man die Robben fngt, die jetzt im Meer massenhaft
vorkamen. Er lehrte sie Kajaks machen und zeigte ihnen, wie man aus
angeschwemmten Balken, sten und Erde gutgedeckte Huser baue. Jetzt wurden
auch die drei Frauen der Mnner schwanger und der Rabe ging wieder zum
ersten Menschen zurck, wo er die Kinder verheiratet fand. Er erzhlte dem
Menschen dann alles, was er fr die Leute an der Kste getan hatte; sah
sich dann um und fand, da die Erde kahl aussehe. Er lie also, als die
anderen schliefen, an geschtzt gelegenen Stellen Birken, Rottannen und
kanadische Pappeln wachsen und weckte dann die Leute, die sich ber den
Anblick der Bume sehr freuten. Dann lernten sie mit dem Feuerbohrer Feuer
machen, wie man den Zunderfunken in ein Bndel trockenen Grases legt und
herumfchelt bis es aufflammt und dann trockenes Holz nachlegt. Er zeigte
ihnen, wie man Fische auf einem Stock braten kann, aus Weidenrinde und
Spnen Fischfallen macht, Lachse fr den Winter trocknet und Huser baut.

Dann ging der Rabe wieder zurck zu den Kstenbewohnern. Als er weggegangen
war, ging der Mensch mit seinem Sohn hinunter zum Meer und der Sohn fing
einen Seehund, den sie dann mit den Hnden umbringen wollten; es gelang
nicht, aber schlielich ttete ihn der Sohn mit einem Faustschlag. Dann zog
ihm der Vater allein mit den Hnden das Fell ab und sie machten Riemen
daraus und trockneten sie. Aus diesen Riemen machten sie in den Wldern
Schlingen fr die Renntiere. Als sie am nchsten Morgen diese nachsehen
gingen, fanden sie die Stricke durchgebissen und die Schlingen weg, denn
damals hatten die Renntiere noch scharfe Zhne, wie die Hunde. Der Sohn
dachte eine Zeitlang nach und machte dann am Weg der Tiere ein tiefes Loch
und hngte, an der Schlinge befestigt, einen schweren Stein hinein und zwar
so, da der Stein, wenn sich ein Tier in der Schlinge fing, ins Loch
hinunterrutschen, seinen Nacken herunterziehen und es so festhalten mute.
Als sie am andern Morgen zurckkamen, fanden sie ein Renntier in der
Schlinge verwickelt. Sie nahmen es heraus, tteten es und zogen ihm das
Fell ab, das sie fr ein Bett nach Hause nahmen. Etwas von dem Fleisch
brieten sie am Feuer und fanden es ganz geniebar.--

Eines Tages ging der Mensch hinaus, um an der Kste Robben zu jagen. Er sah
sehr viele, aber jedesmal, wenn er sich vorsichtig herangeschlichen hatte,
krochen sie ins Wasser, bevor er ganz an sie heran konnte. Schlielich war
nur noch ein Tier am Strand. Der Mensch schlich sich noch vorsichtiger
heran als frher, aber auch dies entkam ihm. Nun stand er auf und ein
seltsames Gefhl bewegte seine Brust und Trnen tropften aus seinen Augen
ins Gesicht. Er hob seine Hnde und fing einige Tropfen auf, um sie
anzusehen und er entdeckte, da sie wie Wasser waren. Ohne da er es
wollte, entrangen sich ihm laute Schreie und Trnen fielen in sein Gesicht,
als er heim ging. Als sein Sohn ihn kommen sah, machte er seine Frau und
seine Mutter darauf aufmerksam, mit welch seltsamem Lrm der Mensch
daherkomme. Als er sie erreicht hatte, waren sie noch mehr erstaunt, Wasser
aus seinen Augen rinnen zu sehen. Nachdem er ihnen die Geschichte seiner
Enttuschung erzhlt hatte, wurden sie alle vom gleichen fremden Schmerz
ergriffen und klagten mit ihm, und so lernten die Menschen zum erstenmal
das Weinen. Danach fing dann der Sohn einen anderen Seehund und sie machten
noch weitere Renntierfallen aus seiner Haut.

Als diesmal das gefangene Renntier nachhause gebracht wurde, trug der
Mensch seinen Leuten auf, einen Knochensplitter von seinem Vorderfu zu
nehmen und in das breite Ende ein Loch zu bohren. In dies steckten sie
Renntiersehnen und nhten Felle ber ihren Krper, um sich fr den Winter
warm zu halten. Der Rabe hatte ihnen befohlen, das so zu machen, damit die
frischen Renntierfelle auf ihnen trockneten. Dann zeigte der Mensch, wie
man Bogen und Pfeile mache und letztere mit Hornspitzen versehe, um damit
Renntiere zu erlegen. Hiermit brachte der Sohn auch sein erstes Renntier
zur Strecke. Er schnitt es dann auf und legte seinen Speck auf ein Gebsch
und schlief daneben ein. Als er erwachte, hatten die Mcken den Speck ganz
aufgefressen. Das rgerte ihn sehr. Bis dahin hatten die Mcken nie die
Menschen gestochen, aber dieser Mensch beschimpfte sie wegen dessen, was
sie getan hatten und sagte: Nie mehr sollt ihr Speck fressen, fret lieber
noch die Menschen. Und von da an haben die Mcken immer die Menschen
gestochen.

Dort wo der erste Mensch gelebt hatte, war jetzt ein groes Dorf
entstanden, denn die Menschen taten alles, was der Rabe ihnen gezeigt
hatte, und sobald ein Kind geboren war, wurde es mit Schlamm abgerieben und
so bewirkt, da es in drei Tagen erwachsen war. Eines Tages kam nun der
Rabe zurck, setzte sich zum Menschen und sie sprachen von vielen Dingen.
Der Mensch erkundigte sich beim Raben nach dem Land, das er im Himmel
geschaffen. Der Rabe sagte, er habe dort ein sehr gutes Land gemacht und
der Mensch bat ihn, er mchte ihn dorthin mitnehmen, damit er es sehe. Der
war damit einverstanden und sie machten sich nach dem Himmel auf den Weg
und kamen dort auch in kurzer Zeit an. Da war der Mensch in einem
wunderbaren Land mit einem viel besseren Klima, als auf Erden. Die Leute,
die dort lebten, waren aber sehr klein; wenn sie neben ihm standen,
reichten ihre Kpfe ihm nur bis zum Oberschenkel. Whrend sie hier
herumzogen, erblickte der Mensch viel fremde Tiere; auch der Boden war viel
besser als der, den er verlassen hatte. Der Rabe erzhlte, da dies Land
mit seinen Tieren und Menschen das erste gewesen sei, das er erschaffen
habe.

Die Leute, die da lebten, machten schne Pelzkleider mit eingearbeiteten
Mustern, wie sie die Menschen jetzt auch auf Erden tragen, denn der Mensch
hat nach seiner Rckkehr den Leuten gezeigt solche Kleider zu machen und
die Muster haben sich allenthalben erhalten. Nach einiger Zeit kamen sie an
ein groes Haus und traten ein. Ein uralter Mann, der erste, den der Rabe
im Himmel geschaffen hatte, kam von seinem Ehrenplatz gegenber der Haustr
herab und bewillkommte sie; er beauftragte jetzt seine Leute, den Gsten
aus dem unteren Land, die seine Freunde seien, Speisen zu bringen. Es wurde
dann eine Art gesottenen Fleisches, wie es der Mensch vorher nie gesehen
hatte, gebracht. Der Rabe belehrte ihn, da es von Bergschafen und zahmen
Renntieren sei. Nachdem der Mensch gegessen hatte, wollte ihm der Rabe noch
andere Dinge, die er gemacht hatte, zeigen, warnte ihn aber davor, aus den
Seen, an denen sie vorberkommen wrden, zu trinken, denn er habe in sie
Tiere gesetzt, die ihn umbringen und zerfleischen wrden, wenn er
nherkme.

Auf ihrem Weg kamen sie an ein ausgetrocknetes Teichbett, das dicht mit
hohen Grsern bewachsen war. Auf den Grasspitzen, die sich unter der Last
aber gar nicht bogen, lag ein groes, seltsames, sechsbeiniges Tier mit
einem langen Kopf. Die beiden Hinterbeine waren ungewhnlich lang, die
vorderen waren kurz und aus dem Bauch ragte ein ganz kurzes Beinpaar
hervor. Der ganze Krper des Tieres war mit feinem, dnnem Haar bewachsen,
wie die Spitzmaus, nur war es an den Fen lnger. Am Kopf standen zwei
kurze, dicke nach rckwrts gebogene Hrner hervor. Die Augen waren klein
und die Farbe des Tieres dunkel, schwrzlich.

Danach kamen sie zu einer runden ffnung im Himmel, um deren Rand kurzes
Gras wuchs, das wie Feuer glimmte. Dies war, so sagte der Rabe, ein Stern,
Mondhund genannt. Die Spitzen des die ffnung umrahmenden Grases fehlten
und der Rabe erzhlte, da seine Mutter einmal einige, und er den Rest, um
auf Erden das erste Feuer zu machen, weggenommen habe. Er fgte noch hinzu,
da er zwar versucht habe diese Grasart auch auf Erden zu schaffen, es sei
ihm aber nicht gelungen.

Nun befahl er dem Menschen die Augen zu schlieen, er werde dann an einen
anderen Ort versetzt werden. Der Rabe nahm ihn auf seine Flgel und lie
sich durch die ffnung hindurch. Lange glitten sie dahin, bis sie an etwas
stieen, das sie in ihrer Bewegung aufhielt. Sie blieben stehen und der
Rabe sagte, sie seien jetzt am Meeresgrund. Der Mensch atmete ganz leicht
und der Rabe erklrte ihm, da der Nebelschleier ringsum durch das Wasser
hervorgerufen sei; dann sagte er: Ich werde hier einige neue Tierarten
schaffen; du darfst aber nicht herumgehen, leg dich nieder und wenn du mde
bist, so dreh dich auf die andere Seite.

Der Rabe lie den Menschen nun lange auf einer Seite liegen. Endlich
erwachte er dann, fhlte sich sehr mde und wollte sich umdrehen; es gelang
ihm aber nicht. Da dachte der Mensch bei sich: Wenn ich mich doch nur
umdrehen knnte! und im selben Augenblick drehte er sich auch schon ohne
Schwierigkeit herum. Wie er das tat, bemerkte er voll Erstaunen, da sein
ganzer Krper mit langen weien Haaren bedeckt war und seine Finger lange
Krallen bekommen hatten; er fiel aber sofort wieder in Schlaf. Noch dreimal
erwachte er und schlief dreimal wieder ein. Als er zum viertenmal erwachte,
stand der Rabe neben ihm und sagte: Ich habe dich in einen Eisbr
verwandelt; wie gefllt dir das? Der Mensch wollte antworten, konnte aber
keinen Laut von sich geben; da schwang der Rabe seine Zauberflgel ber ihm
und er antwortete nun, da es ihm nicht gefalle, denn so msse er am Meer
leben, whrend sein Sohn am Land leben knne und er werde sich hierbei
unglcklich fhlen. Da tat der Rabe einen Flgelschlag und das Brenfell
fiel vom Menschen und blieb leer am Boden liegen, whrend dieser in seiner
natrlichen Gestalt wieder aufstand. Nun nahm der Rabe eine seiner
Schwanzfedern und steckte sie als Rckgrat ins Brenfell, machte einige
Flgelschlge darber und ein Eisbr stand da. Sie gingen dann weiter; seit
dieser Zeit aber findet man am zugefrorenen Meer Bren.

Der Rabe fragte den Menschen nun, wie oft er sich umgedreht habe und er
antwortete: Viermal. Das waren vier Jahre, sagte der Rabe, denn du
hast genau vier Jahre lang dort geschlafen. Sie waren noch nicht weit
gegangen, als sie ein kleines Tier sahen, das einer Spitzmaus hnelte. Das
war ein Wi-lu-gho-yuk. Es gleicht der am Land lebenden Spitzmaus, lebt aber
am Meereis. Wenn es einen Menschen sieht, fhrt es auf ihn los, kriecht ihm
zu den Schuhen hinein und krallt ber seinen ganzen Krper. Wenn der Mann
ganz still hlt, verlt es ihn wieder und er wird dann ein erfolgreicher
Jger werden. Wenn aber der Mensch, so lang das Tier auf ihm ist, auch nur
einen Finger rhrt, beit es sich durch sein Fleisch geradewegs aufs Herz
los und ttet ihn so.

Dann schuf der Rabe den A-mi-kuk, ein groes, schleimiges Tier mit
lederartiger Haut und vier langen, weitausgreifenden Armen. Dieses wilde
Tier lebt im Meer, schlingt seine Arme um Mnner und Kajaks und zieht sie
unters Wasser. Sucht ihm der Mensch dadurch zu entrinnen, da er den Kajak
verlt und aufs Eis steigt, so taucht es unter, bricht das Eis unter
seinen Fen und es verfolgt ihn auch noch an der Kste, wo es sich unter
der Erde, genau so leicht, wie es im Wasser schwimmt, weitergrbt, soda
ihm niemand, der einmal von ihm verfolgt wird, entkommen kann.

Danach sahen sie dann zwei groe, schwarze Tiere, die um ein kleineres
herumschwammen. Der Rabe eilte voraus und setzte sich auf den Kopf des
kleineren Tieres, das nun ruhig blieb. Als der Mensch herankam, zeigte ihm
der Rabe die zwei Walrosse und sagte, das kleine, auf dessen Kopf er se,
sei ein Walrohund. Dies Tier, sagte er noch, wird immer mit den groen
Walrossen ziehen und die Leute umbringen. Es war lang, ziemlich schlank und
mit schwarzen Schuppen bedeckt, die aber nicht so hart waren, als da man
sie mit einem Speer nicht htte durchstechen knnen. Sein Kopf und seine
Zhne hatten eine gewisse hnlichkeit mit denen eines Hundes. Er hatte vier
Beine und einen langen, runden Schwanz, der, wie der Krper, mit Schuppen
bedeckt war. Durch einen einzigen Schlag mit diesem Schwanz kann es einen
Mann tten.

Sie sahen nun viele Wale und allerlei Raubtiere. Der Rabe erklrte dem
Menschen, da nur gute Jger die Wale tten knnten, wenn aber einer erlegt
sei, knne ein ganzes Dorf daran essen. Dann sahen sie den
I-mum-ka-boi-a-ga oder Seefuchs, ein Tier, das dem roten Fuchs sehr
hnlich sieht, nur im Meer lebt und so wild ist, da es den Menschen
ttet. In der Nhe waren auch zwei Seeottern, die auch den Landottern
gleichen, aber ein viel feineres Fell haben. Sie sind wei gesprenkelt,
sehr selten und nur die besten Jger sind imstande, sie zu fangen. An
vielen Fischarten kamen sie noch vorber und dann erhob sich vor ihnen die
Kste und oben konnte man das Gekrusel der Wasseroberflche sehen.
Schlie deine Augen und halte dich an mir fest, sagte der Rabe. Kaum
hatte der Mensch das getan, da stand er auch schon am Strand, in der Nhe
seines Hauses und war sehr erstaunt, da, wo er ein paar Htten verlassen
hatte, ein groes Dorf zu sehen. Seine Frau war sehr alt geworden und sein
Sohn war auch schon ein alter Mann. Als ihn die Leute sahen, bewillkommten
sie ihn und machten ihn zu ihrem Huptling. Im Festhaus wurde ihm der
Ehrenplatz eingerumt und er erzhlte dort den Leuten was er alles gesehen
hatte und lehrte die jungen Leute viele Sachen. Die Dorfbewohner wollten
dem Raben einen Sitz neben dem Alten am Ehrenplatz einrumen; er schlug es
aber aus und whlte sich seinen Platz beim gewhnlichen Volk, in der Nhe
des Eingangs.

Nach einiger Zeit wollte der erste Mensch das schne Himmelsland wieder
sehen, aber seine Leute wollten lieber, er bliebe bei ihnen. Er ermahnte
seine Kinder, in seiner Abwesenheit nicht unglcklich zu sein und kehrte
dann in Begleitung des Raben ins Himmelsland zurck. Die Zwerge nahmen sie
freundlich auf und die beiden lebten dort lange Zeit; indessen waren die
Erdbewohner sehr zahlreich geworden und tteten sehr viele Tiere. Das
rgerte den Menschen und den Raben sehr. Eines Nachts nahmen sie also ein
langes Seil und einen Korb und stiegen zur Erde herab. Der Rabe fing da
zehn Renntiere und steckte sie mit dem Menschen in den Korb. Dann
befestigte er ein Ende des Seils am Korb und erhob sich, das Ganze hinter
sich ziehend, wieder in den Himmel. Am nchsten Abend stiegen sie in der
Nhe des Menschen-Dorfes mit den Renntieren wieder herab. Den Renntieren
wurde aufgetragen, das nchste Haus, zu dem sie kmen, niederzubrechen und
die Bewohner zu vernichten, weil die Menschen zu zahlreich geworden seien.
Die Renntiere taten, wie ihnen befohlen war, fraen mit ihren scharfen
Wolfszhnen die Leute auf und kehrten dann wieder in den Himmel zurck. In
der nchsten Nacht kamen sie wieder und vernichteten in gleicher Weise ein
anderes Haus samt seinen Bewohnern. Nun waren die Dorfbewohner sehr
erschrocken und beschmierten das nchste Haus mit einer Mischung von
Renntierfett und Beeren. Als die Renntiere dieses Haus zerstren wollten,
bekamen sie die Muler voll Fett und sauere Beeren, worauf sie herumlaufen
und die Kpfe so schtteln muten, da ihnen alle Zhne ausfielen. Spter
wuchsen ihnen nur kleine Zhne, wie sie die Renntiere heute haben, nach und
diese Tiere sind seither harmlos.

Nachdem die Renntiere weggelaufen waren, gingen der Mensch und der Rabe
zurck in den Himmel und der Mensch sagte: Wenn nicht etwas geschieht, was
die Leute hindert, so viel Tiere umzubringen, werden sie es so lange
treiben, bis sie alle Wesen, die du geschaffen hast, umgebracht haben. Es
wre besser, ihnen die Sonne wegzunehmen, soda sie im Dunkeln leben und
sterben.

Darauf antwortete der Rabe: Bleib du hier, ich werde gehen und die Sonne
wegnehmen. Er ging dann fort, nahm die Sonne, steckte sie in seinen
Fellsack und trug sie weit weg, in jene Gegenden des Himmelslandes, wo
seine Eltern lebten, und es wurde sehr finster auf Erden. In dem Dorf
seines Vaters nahm er sich dann aus den Jungfern eine Frau und lebte dort;
die Sonne hielt er sorgfltig in dem Sack versteckt.

Die Erdbewohner hatten groe Angst, seit ihnen die Sonne genommen war und
suchten sie zurckzubekommen, indem sie dem Raben reichliche Spenden an
Speise und Wild anboten; das war aber ohne Erfolg. Nach langen Versuchen
vershnten sie den Raben so weit, da er ihnen fr kurze Zeit Licht
gewhrte. Er holte die Sonne heraus und hielt sie zwei Tage lang in einer
Hand, soda die Leute jagen und sich Nahrung verschaffen konnten. Dann nahm
er sie wieder weg und es war wieder ganz dunkel. Nun verstrich eine lange
Zeit und es bedurfte vieler Opfer, bevor er den Menschen wieder Licht
gewhrte. Das wiederholte sich so einige Zeit.

In dem Dorf lebte ein lterer Bruder des Raben, der Mitleid mit den
Erdenkindern zu fhlen begann und der dachte nach, wie er die Sonne
bekommen und auf ihren alten Platz zurckbringen knnte. Nachdem er lange
nachgedacht hatte, stellte er sich tot und wurde in eine Grabkiste gelegt,
wie es der Brauch war. Sobald die Trauernden sein Grab verlassen hatten,
erhob er sich und ging in die Nhe des Dorfes. Hier nahm er seine
Rabenmaske vor und versteckte sich in einem Baum bei der Quelle, wo die
Dorfbewohner ihr Wasser holten, und wartete. Bald kam seines Bruders Frau,
um Wasser zu holen und fllte einen Eimer an; dann nahm sie einen
Schpflffel voll Wasser und wollte trinken. Mit Hilfe seiner Zauberkraft
verwandelte sich nun der Bruder-Rabe in ein kleines Blatt, fiel in den
Lffel und wurde mit dem Wasser verschluckt. Die Frau hustete etwas und
eilte dann nachhause, wo sie ihrem Gatten erzhlte, sie habe, als sie aus
der Quelle trank, irgend einen Fremdkrper verschluckt. Er legte dem aber
keine Bedeutung bei und sagte, es werde ein Blatt gewesen sein.

Bald darauf wurde die Frau schwanger und gebar in ein paar Tagen einen
Knaben, der sehr aufgeweckt war und gleich herumkroch; einige Tage darauf
konnte er schon laufen. Er schrie immer nach der Sonne, und da sein Vater
ganz in ihn vernarrt war, gab er sie dem Kind oft als Spielzeug, achtete
aber immer streng darauf, sie wieder zurckzunehmen. Als der Sohn dann
schon vor dem Haus zu spielen begann, schrie und bettelte er mehr denn je
um die Sonne. Lange Zeit schlug ihm der Vater seine Bitte ab, dann aber
erlaubte er ihm doch, die Sonne zu nehmen, und der Knabe spielte damit im
Haus. Als einen Augenblick niemand zusah, warf er sie hinaus, lief rasch
zum Baum, legte Rabenmaske und Gewand an und flog weit fort. Er war vom
Himmel schon weit weg, da hrte er seinen Vater hinter sich schreien:
Versteck die Sonne nicht! Gib sie aus dem Sack, damit wieder etwas Licht
ist; la es nicht immer dunkel sein! Er glaubte nmlich, sein Sohn habe
sie gestohlen, um sie fr sich zu behalten.

Der Rabe ging ins Haus und der Rabenknabe flog dorthin, wo die Sonne lag.
Dort schnitt er die Fellhlle herunter und brachte die Sonne an ihren alten
Platz. Von da fhrte ein breiter Pfad weg und er folgte ihm. Er gelangte an
eine ffnung, die von kurzem, glimmendem Gras umgeben war und er pflckte
etwas davon. Dann erinnerte er sich der Mahnung seines Vaters, es nicht
immer dunkel sein zu lassen, sondern einmal hell und dann wieder dunkel.
Dessen eingedenk verursachte er nun, da sich der Himmel um die Erde drehe,
Sonne und Sterne mit sich bewege und so Tag und Nacht einander folgen.

Als er da, gerade vor Sonnenaufgang, ganz nah am Erdrand stand, steckte er
ein Bschel des glimmenden Grases, das er in der Hand hatte, in den Himmel
und seither ist es dort geblieben und erscheint als glnzender Morgenstern.
Er ging dann weiter auf die Erde und kam schlielich zu dem Dorf, wo die
erstgeschaffenen Menschen lebten. Dort bewillkommten ihn die Leute und er
erzhlte ihnen, da der Rabe auf sie bs geworden sei und die Sonne
weggenommen, da er sie aber wieder zurckgebracht habe, und da sie nie
mehr verschwinden werde.

Unter den Leuten, die ihn empfingen, war auch der Huptling der
Himmelszwerge, der mit einigen der Seinen herabgekommen war, um auf Erden
zu leben. Ihn befragten die Leute, was aus dem ersten Menschen geworden
sei, der mit dem Raben in den Himmel hinaufgegangen war. Damals hrte der
Rabenknabe zum erstenmal von jenem Menschen und er wollte in den Himmel
hinauffliegen, um ihn zu sehen; dabei bemerkte er aber, da er sich nur
wenig ber die Erdoberflche erheben konnte. Als er gewahr wurde, da er
nie mehr in den Himmel zurckgelangen knnte, wanderte er fort, bis er an
ein Dorf kam, wo die Nachkommen jener Mnner lebten, die zuletzt aus der
Erbsenschote geboren worden waren. Da nahm er ein Weib und lebte lange
Zeit; er hatte viele Kinder, die alle Raben-Menschen waren, wie er selbst,
und ber die Erde fliegen konnten. Aber sie verloren immer mehr ihre
Zauberkrfte, bis sie ganz gewhnliche Raben wurden, genau wie jene Vgel,
die wir noch heute in der Tundra sehen.--




Der Ursprung von Land und Menschen


Ursprnglich war Wasser ber der ganzen Erde und es war sehr kalt. Das
Wasser war vom Eis bedeckt und es gab keine Menschen. Dann zog sich das Eis
zusammen und bildete lange Risse und Buckeln. Zu dieser Zeit kam ein Mann
von der anderen Seite des groen Wassers, blieb bei den Eishgeln, nahe dem
Ort, wo jetzt Pikmiktalik liegt und nahm eine Wlfin zum Weib. Nach und
nach bekam er viele Kinder, die immer paarweise geboren wurden -- ein Bub
und ein Mdchen. Jedes dieser Paare sprach seine eigene Sprache, die
verschieden von der seiner Eltern und auch verschieden von jeder jener
Sprachen war, die seine Brder und Schwestern sprachen. Sobald sie gro
genug waren, wurde jedes Paar in anderer Richtung ausgeschickt, und so
verstreute sich die Familie weit und nah von den Hgeln, die jetzt
schneebedeckte Berge waren. Als der Schnee schmolz, flo er die Hnge
herunter, Rinnen und Flubette ausschrfend, und so entstand das Land mit
seinen Strmen.

Die Zwillinge bevlkerten die Erde mit ihren Kindern, und da jedes Paar mit
seinen Kindern eine von den anderen verschiedene Sprache sprach, wurden die
verschiedenen Sprachen ber die Erde verteilt und blieben so bis zum
heutigen Tag.




Ursprung der Lebewesen


Vor langer Zeit, als das Wasser noch die Erde bedeckte, lebten die Menschen
von der Nahrung, die sie in berflu fanden. Nichts wuten sie zu jener
Zeit von Tieren am Land oder im Wasser. Schlielich ging aber das Wasser
zurck und aus den Seegrsern wurden Bume, Bsche, Strucher und Gras. Die
langen Seegrser wurden Bume, die kleineren Arten Buschwerk und Gras. Das
Gras wurde auf allerlei Art durch das Walro an die verschiedenen Orte
gebracht und erst spter kamen die Bume zum Vorschein.

Eine Frau, die ihren Mann verloren hatte, lebte bei Fremden. Als diese
ihren Wohnort verlegen wollten, entschlossen sie sich, nach einer
Landspitze in einiger Entfernung zu reisen. Die Frau, die von ihrer
Mildttigkeit abhngig war, wurde ihnen zur Last und sie wollten sie los
werden. Sie schafften nun alle ihre Habe ins Familienboot und als sie
unterwegs waren, ergriffen sie die Frau und warfen sie ber Bord. Die
strengte sich nun an, wieder ins Boot zu kommen und wie sie es ergriff,
schnitten die anderen ihr die Finger ab. Die fielen ins Wasser und
verwandelten sich in Seehunde, Walrosse, Walfische und Eisbren. Die Frau
verschrie in ihrer Verzweiflung deren Los, um sich fr die an ihr begangene
Grausamkeit zu rchen. Der Daumen wurde ein Walro, der Zeigefinger ein
Seehund und der Mittelfinger ein Eisbr. Wenn die ersten zwei dieser Tiere
einen Mann sehen, so suchen sie zu entfliehen, damit ihnen nicht geschehe
wie der Frau.

Der Eisbr lebt sowohl an Land, wie im Wasser, aber wenn er einen Mann
bemerkt, fllt ihn die Rachsucht an und er sucht ihn umzubringen, denn er
glaubt, da jener die Frau, aus deren Finger er entstanden, verstmmelt
hat.




Sonne, Mond und Sterne


Als die Erde noch in Dunkel gehllt war, wurde ein Mdchen allnchtlich von
jemandem, den sie nicht erkennen konnte, besucht. Sie bemhte sich
festzustellen, wer das gewesen sein knnte; dazu mischte sie Ru und Tran
und bemalte damit ihre Brust. Darauf entdeckte sie zu ihrem Schreck, da
ihr Bruder einen Rukreis um seinen Mund hatte. Sie machte ihm Vorwrfe, er
leugnete aber alles ab. Vater und Mutter wurden aber sehr zornig und
schimpften so heftig, da der Bruder in den Himmel rannte, um der Schwester
zu entkommen; die aber lief ihm nach. Der Bruder wurde in den Mond
verwandelt, das Mdchen aber, das sonst das Feuer bohrte, wurde die Sonne.
Die Funken, die vom Feuer stoben, wurden die Sterne. Die Sonne verfolgt
immer den Mond, der sich im Dunkeln hlt, um nicht entdeckt zu werden. Bei
einer gegenseitigen Verfinsterung haben sie sich scheinbar getroffen.




Sonne und Mond


In einem Dorf lebte eine Frau ganz allein in einer Htte. Eines Abends, als
die Leute im Tanzhaus versammelt waren, ging ein Mann zu der Frau und
lschte ihre Lampen aus. Nachher kam er jede Nacht, zur Zeit als die Leute
im Tanzhaus waren. Die Frau wollte erfahren, wer er sei. Sie fragte ihn
oft, aber er nannte seinen Namen nicht, noch gab er einen Laut von sich. Da
sie ihn nicht zum Sprechen bringen konnte, nahm sie zu einer List ihre
Zuflucht. Eines Tages, nachdem er gekommen war, rieb sie ihre Finger auf
dem Boden einer ihrer Tpfe und dann ber die linke Seite seines Gesichts.
Nach einer Weile verlie er sie. Sie folgte ihm gleich und als sie aus dem
Hause kam, hrte sie ein groes Gelchter im Tanzhaus. Sie ging hinein und
sah dort, da die Leute ber ihren eigenen Bruder lachten, der die Spuren
ihrer Finger in seiner linken Gesichtshlfte trug. Da nahm sie ein Messer,
schnitt ihre linke Brust ab und bot sie ihm an mit den Worten: I das!.
Sie hob ein Stck Holz auf, wie man es braucht, um Lampen zu putzen und
zndete es an. Er nahm auch einen Kienspan in seine Linke und folgte ihr.
Sie ging aus dem Haus, und lief, von ihrem Bruder verfolgt, darum herum.
Schlielich fiel letzterer. Die Flamme seines Spans ging aus, whrend ihrer
hell weiter brannte. Sie wurde in den Himmel erhoben und in die Sonne
verwandelt. Er wurde der Mond.--




Der Mond, die Sonne und der Bse


In einem Kstenort lebte einst ein Mann mit seiner Frau. Sie hatten zwei
Kinder, einen Knaben und ein Mdchen. Als diese Kinder so gro waren, da
der Knabe schon die Strandblcke umwlzen konnte, verliebte er sich in
seine Schwester. Die Schwester schwamm schlielich, um den Knaben, der sie
immer belstigte, los zu werden, weg bis in den Himmel und wurde der Mond.
Der Knabe, der sie immer verfolgte, wurde die Sonne und manchmal umarmt und
verdeckt er sie und verursacht so eine Mondfinsternis.

Nachdem seine Kinder nun weg waren, wurde der Vater sehr traurig und hate
sein Geschlecht; er ging herum, Krankheit und Tod unter den Menschen
verbreitend. Die Opfer der Krankheiten wurden seine Nahrung und davon wurde
er so bse, da er, wenn sein Verlangen auf diese Weise nicht mehr gestillt
wurde, auch Leute ttete und verzehrte, die ganz gesund waren.

Aus Furcht vor ihm trugen die Menschen ihre Toten vor das Dorf hinaus,
damit er sich ernhren mge, ohne die Lebenden zu belstigen. Sooft einer
dorthin kam, waren die Leichen ber Nacht verschwunden. Schlielich wurde
er so grlich, da die mchtigsten Zauberer zusammenkamen, ihn mit Hilfe
ihrer Zauberkrfte fesselten, ihm Hnde und Fe zusammenbanden, so da er
keinen weiteren Unfug stiften konnte. Und obwohl er gefesselt war und sich
nicht bewegen konnte, hatte er doch noch immer die Kraft Krankheit zu
verbreiten und die Menschen unglcklich zu machen.

Um bse Geister am Wandern zu hindern und daran, aus bser Absicht sich
toter Krper zu bemchtigen und sie so scheinbar zu beseelen und eingedenk
der Fesselung dieses einen Bsen, werden seither die Toten nicht mehr
ausgestreckt, sondern mit Hand und Fu, in der gleichen Stellung wie der
Bse, gefesselt und so in die Grabksten gelegt.




Das Sternbild Udlegdjun


Drei Mnner gingen mit einem Schlitten auf die Brenjagd und nahmen einen
kleinen Jungen mit. Als sie an den Rand der See kamen, sahen sie einen
Bren und wandten sich zur Verfolgung. Obwohl die Hunde sehr schnell
liefen, konnten sie ihm doch nicht nher kommen und pltzlich bemerkten
sie, da der Br sich in die Luft hob und ihr Schlitten ihm folgte. In
diesem Augenblick verlor der Knabe einen seiner Fustlinge, und wie er ihn
aufheben wollte, fiel er vom Schlitten. Da sah er die Mnner hher und
immer hher steigen, und schlielich wurden sie in Sterne verwandelt. Der
Br wurde der Stern Nanugdjung (Beteigeuze), die Verfolger die Sterne
Udlegdjun (der Grtel des Orion) und der Schlitten die Sterne Kamutigdjung
(das Schwert des Orion). Bis zum heutigen Tag verfolgen die Mnner noch den
Bren. Der Knabe ist jedenfalls ins Dorf zurckgekehrt und hat erzhlt, wie
die Mnner verloren gegangen sind.




Herkunft der Inuit


Ein Mann wurde geschaffen aus nichts. Im Sommer wanderte er, bis er in
einem anderen Land ein Weib fand. Die beiden wurden Mann und Frau, und von
ihnen stammt all das Volk, das hier wohnt, ab.




Die Abstammung der Indianer und Europer


Savirgong, ein alter Mann, lebte allein mit seiner Tochter. Sie hie
Niviarsiang (das Mdchen), aber weil sie keinen Mann nehmen wollte, wurde
sie auch Uinigumisuitung (die keinen Mann nehmen will) genannt. Alle ihre
Liebhaber wies sie ab, aber zuletzt gewann doch ein wei und rot gefleckter
Hund, der Jjirgang gerufen wurde, ihre Neigung und sie nahm ihn zum Gemahl.
Sie hatten zehn Kinder; fnf davon waren Adlets (Indianer) und fnf waren
Hunde. Der untere Teil des Krpers der Adlets war der eines Hundes und mit
Ausnahme der Sohlen ganz behaart; der Oberkrper glich aber dem eines
Mannes. Als die Kinder heranwuchsen, wurden sie sehr gefrig, und da der
Hund Jjirgang berhaupt nicht ausging zu jagen, sondern seinen
Schwiegervater fr die ganze Familie sorgen lie, wurde es fr Savirgong
schwierig alle zu fttern. berdies waren die Kinder sehr unruhig und
lrmend, so da der Grovater ihrer schlielich berdrssig wurde und die
ganze Familie in ein Boot steckte und auf eine Insel fhrte. Dem Hund
Jjirgang trug er auf, jeden Tag die Nahrung holen zu kommen.

Niviarsiang hing ihm ein Paar Stiefel ber den Nacken, und er schwamm dann
ber den schmalen Kanal. Aber Savirgong fllte, statt ihm Essen zu geben,
die Stiefel mit schweren Steinen, die Jjirgang ertrnkten, als er versuchte
zurckzukehren.

Die Tochter sann auf Rache fr den Tod ihres Mannes. Sie schickte die
jungen Hunde zur Htte ihres Vaters und hie sie seine Fe und Hnde
annagen. Dafr warf wieder Savirgong Niviarsiang, als sie einmal zufllig
in seinem Boot war, ber Bord und schnitt ihr, als sie sich an den Planken
hielt, die Finger ab; wie die ins Wasser fielen, wurden sie in Seehunde und
Wale verwandelt. Schlielich erlaubte er ihr aber doch ins Boot zu steigen.

Da sie befrchtete, ihr Vater werde ihre Kinder tten, oder verstmmeln,
schickte sie die Adlet ins Binnenland, wo sie dann die Vorfahren eines
zahlreichen Volkes wurden. Fr die jungen Hunde machte sie ein Boot,
steckte zwei Stangen als Maste in die Sohlen ihrer Schuhe und schickte sie
ber den Ozean. Sie sang dazu: Angnaija, wenn ihr drben ber dem Ozean
ankommt, werdet ihr viele Dinge machen, die euch Freude bereiten,
Angnaija! Sie erreichten das Land jenseits der See und wurden die Ahnen
der Europer.




Sednamythe


Auf einer Insel lebte einst ein Eskimo mit seiner Tochter Sedna. Seine Frau
war schon vor geraumer Zeit gestorben und die beiden fhrten ein
beschauliches Leben. Sedna wuchs zu einem hbschen Mdchen heran und von
berall her kamen Freier, die um ihre Hand anhielten, keiner aber konnte
ihr stolzes Herz rhren. Als dann im Frhling das Eis aufbrach, kam ein
Eissturmvogel bers Eis geflogen und freite um Sedna, indem er sang: Komm
zu mir! Komm ins Land der Vgel, wo nie Hungersnot herrscht, wo mein Zelt
aus den allerschnsten Fellen errichtet ist. Auf weichen Brenfellen wirst
du ruhen, was dein Herz nur begehren mag, werden meine Gefhrten, die
Eissturmvgel, herbeibringen; ihre Vter werden dich kleiden, deine Lampe
wird immer mit Fett gefllt sein, deine Schsseln immer mit Speisen!
Solchem Werben konnte Sedna nicht lange widerstehen und sie zogen zusammen
ber das weite Meer.

Als sie schlielich nach langer, beschwerlicher Reise ins Land der
Eissturmvgel kamen, entdeckte Sedna bald, da ihre Hoffnungen schmerzlich
getuscht worden. Ihr neues Heim war nicht aus schnen Fellen, sondern mit
erbrmlichen Fischhuten, voll von Lchern, die Wind und Schnee freien
Eintritt lieen, gedeckt. Statt aus weichen Fellen, bestand ihr Lager aus
harter Walrohaut, und sie mute von schlechten Fischen, die ihr die Vgel
brachten, leben. Zu bald nur erkannte sie, da sie mit ihren Eskimofreiern
ihr Glck abgewiesen hatte. In ihrem Kummer sang sie: Aja! O Vater, wenn
du wtest, wie unglcklich ich bin, wrdest du in deinem Boot bers Wasser
herbeieilen. Unfreundlich sehen die Vgel auf mich, die Fremde, herab;
kalte Winde rtteln an meinem Bett; nur schlechte Nahrung gibt man mir. O
komm und nimm mich in die Heimat zurck, Aja!

Nachdem ein Jahr verstrichen war und die warmen Winde wieder das Meer
bewegten, verlie der Vater seine Heimat, um Sedna zu besuchen. Voll Freude
begrte ihn seine Tochter und beschwor ihn, sie doch wieder nach Hause zu
nehmen. Als der Vater von der Schmach, die seiner Tochter angetan worden
war, hrte, sann er auf Rache. Er ttete den Eissturmvogel, nahm Sedna in
sein Boot und sie verlieen rasch das Land, das Sedna so viel schmerzliche
Enttuschung gebracht hatte. Als die anderen Eissturmvgel zurckkamen und
ihren Genossen tot fanden und sahen, da sein Weib entflohen war, flogen
sie alle auf, um die Flchtige zu suchen. Aus Trauer ber den Tod ihres
armen ermordeten Kameraden, klagten und schrien sie den ganzen Tag.

Nachdem sie eine kurze Strecke geflogen waren, entdeckten sie das Boot und
beschworen einen schweren Sturm herauf. Die See erhob sich zu gewaltigen
Wogen und Untergang drohte den beiden. In dieser Todesgefahr beschlo der
Vater Sedna den Vgeln zu opfern und warf sie ber Bord. Mit schwachem
Griff klammerte sie sich an den Bootsrand an. Da nahm der grausame Vater
ein Messer und schnitt ihr die Fingerspitzen ab; als die ins Meer fielen,
verwandelten sie sich in Wale, und die Fingerngel wurden die Knochen der
Wale. Da hielt sich Sedna noch fester am Boot an und auch die zweiten
Fingerglieder fielen unter dem scharfen Messer und schwammen als Seehunde
weg, und als der Vater die letzten Fingerstmpfe abschnitt, wurden Robben
daraus. Inzwischen hatte sich der Sturm gelegt, denn die Eissturmvgel
glaubten, Sedna wre ertrunken. Jetzt erlaubte der Vater ihr wieder ins
Boot zu kommen. Von dieser Zeit an hegte sie einen tdlichen Ha gegen ihn
und schwor bittere Rache.

Nachdem sie gelandet, rief sie ihre Hunde und lie sie des Vaters Fe und
Hnde, als er schlief, abfressen. Da verfolgte er sie selbst und ihre
Hunde, die ihn verstmmelt hatten, worauf sich die Erde auftat und die
Htte, den Vater, die Tochter und die Hunde verschlang. Seither lebt Sedna
im Lande Adlivun als dessen Beherrscherin.




Das Land des Todes


In einem Dorf am unteren Yukon lebte eine junge Frau; sie wurde krank und
starb. Als der Tod ber sie kam, verlor sie fr einige Zeit das Bewutsein.
Dann schttelte sie jemand, da sie erwachte und sprach zu ihr: Steh auf,
schlafe nicht; du bist tot! Sie schlug die Augen auf, bemerkte, da sie in
einem Grabkasten lag und der Schatten ihres verstorbenen Grovaters neben
ihr stand. Er streckte die Hand aus, um ihr zu helfen, sich aus dem Grab zu
erheben und gebot ihr, sich umzusehen. Sie tat so und sah viel Leute, die
sie alle erkannte, sich im Dorf herumtreiben. Dann drehte sie der alte Mann
herum, mit dem Rcken gegen das Dorf und sie sah, da die ihr so
wohlbekannte Gegend verschwunden war; an ihrer Stelle lag ein unbekanntes
Dorf da, das sich so weit, als ihr Blick nur reichte, erstreckte. Sie
gingen in dieses Dorf und der alte Mann hie sie in eines der Huser
eintreten. Als sie eintrat, hob eine alte Frau, die da sa, ein Holzscheit,
um sie zu schlagen und fragte rgerlich: Was willst du hier? Schreiend
lief sie hinaus und erzhlte dem alten Mann von der Frau. Er erzhlte:
Dies hier ist das Dorf der Hundeschatten und du hast nun gesehen, wie es
den lebenden Hunden zumute ist, wenn sie von den Leuten geprgelt werden.

Sie gingen von da weiter und kamen an ein anderes Dorf, in dem ein groes
Haus stand. Ganz in der Nhe dieses Dorfes sahen sie einen Mann am Boden
liegen; aus allen seinen Gelenken wuchs Gras hervor und er konnte sich zwar
bewegen, aber nicht aufstehen. Der Grovater erzhlte, dieser Mann sei so
bestraft worden, weil er Gras ausgerissen und Grasstengel gekaut hatte, als
er noch auf Erden war. Nachdem sie einige Zeitlang diesen Schatten
neugierig betrachtet hatte, wandte sie sich, um etwas zu sagen, nach ihrem
Grovater. Er war aber verschwunden. Vor ihr lag ein Weg, der zu einem
weiter entfernten Dorf fhrte. Sie folgte ihm und kam bald an einen
reienden Flu, der ihren Weg versperrte. Dieser Flu waren die Trnen der
Leute, welche auf Erden die Toten beweinen. Als das Mdchen sah, da sie
nicht hinber konnte, setzte sie sich ans Ufer und begann zu weinen. Wie
sie ihre Augen trocknete, sah sie eine Menge Kehricht und Abfall, wie er
aus den Husern geworfen wird, den Flu herabschwimmen und sich gerade vor
ihr zusammenstauen. Wie auf einer Brcke berschritt sie darauf den Flu.
Kaum war sie am anderen Ufer, da verschwand das Zeug und sie ging ihren Weg
weiter. Bevor sie noch das Dorf erreichte, hatten die Schatten sie bemerkt
und riefen: Es ist jemand angekommen. Als sie hin kam, umdrngten sie die
Schatten und fragten: Wer ist sie? Von wo kommt sie? Sie besahen ihre
Kleider und fanden die Totemzeichen, die ihre Stammeszugehrigkeit
anzeigten; in alten Zeiten hatten nmlich die Leute ihre Totemzeichen an
ihren Kleidern und anderen Gegenstnden, so da man daran die Mitglieder
eines jeden Dorfes und jeder Familie erkennen konnte.

Da rief jemand: Wo ist sie, wo ist sie denn? und sie sah den Schatten
ihres Grovaters auf sich zukommen. Er nahm sie bei der Hand und fhrte sie
in der Nhe in ein Haus. An der Rckwand sa eine alte Frau, die etwas
murmelte und dann sagte: Komm und setze dich zu mir! Es war ihre
Gromutter und sie fragte das Mdchen, ob es nicht etwas trinken wolle und
fing gleichzeitig an zu weinen. Das Mdchen wurde ganz traurig, sah sich um
und bemerkte einige ganz merkwrdige Wassereimer, von denen nur ein
einziger, der fast leer war, so wie die in ihrem Dorf aussah.

Die Gromutter riet ihr, nur aus diesem zu trinken, denn darin sei ihr
gewohntes Yukonwasser, whrend die anderen alle mit dem Wasser des
Totendorfes gefllt seien. Als sie dann hungrig wurde, gab ihr die
Gromutter ein Stck Renntierfleisch, das ihr Sohn, der Vater des Mdchens,
ihr einst bei einem Totenfest zugleich mit dem Wassereimer, aus dem sie
eben getrunken habe, gegeben.

Die Gromutter erzhlte dem Mdchen noch, da ihr Grovater ihr Fhrer
geworden sei, weil sie im Sterben an ihn gedacht hatte. Wenn ein Sterbender
nmlich an seine verstorbenen Verwandten denkt, vernimmt man das im
Schattenreich und derjenige, dessen der Sterbende gedenkt, beeilt sich, dem
neuen Schatten den Weg zu weisen.

Als fr das Heimatdorf des toten Mdchens die Zeit des Totenfestes kam,
wurden, wie gewhnlich, zwei Boten ausgesandt, um die Bewohner der
Nachbardrfer einzuladen. Nach einem der Drfer gingen die Boten lange
Zeit, und bevor sie es noch erreichten, berraschte sie die Dunkelheit;
endlich hrten sie aber vom Festhaus her Tanzlrm und Trommelschlag. Sie
traten ein und berbrachten den Leuten ihre Einladung zum Totenfest.

Hier saen die Schatten des Grovaters und der Gromutter und zwischen
ihnen der des Mdchens unsichtbar bei den Leuten und als am nchsten Tag
die Boten in ihr Heimatdorf zurckkehrten, folgten ihnen, immer unsichtbar,
die Schatten. Als da das Fest schon fast zu Ende war, wurde der Mutter des
toten Mdchens Wasser gereicht und sie trank davon. Dann gingen die
Schatten aus dem Festhaus, um zu warten, bis bei der Zeremonie, bei welcher
die Namensvetter der Toten ihre Kleider annehmen, ihre Namen aufgerufen
wrden.

Wie die Schatten dazu also aus dem Haus gingen, gab der alte Mann dem
Mdchen im Eingang einen Sto, soda sie umfiel und ihr Bewutsein verlor.
Als sie wieder erwachte, sah sie sich um und fand sich allein. Sie erhob
sich, stellte sich im Eingang unter die Lampe und wartete auf die anderen
beiden Schatten, um sich ihnen anzuschlieen. Sie wartete da, bis alle
Lebenden in den schnen neuen Kleidern herauskamen, aber von ihren
Schattengefhrten sah sie keinen.

Bald darauf kam ein alter Mann mit einem Stock hereingehumpelt, und als er
aufsah, bemerkte er den Schatten, dessen Fe mehr als eine Spanne hoch
ber dem Boden schwebten. Er fragte, ob das eine Lebende oder ein Schatten
sei, bekam aber keine Antwort und ging rasch ins Haus hinein. Hier sagte er
den Mnnern, sie sollten rasch hinauslaufen und das fremde Wesen im
Eingang, dessen Fe den Boden nicht berhren, und das nicht aus dem Dorf
sei, ansehen. Alle liefen hinaus und als sie sie sahen, stellten einige
ihre Lampen nieder und in ihrem Schein wurde sie erkannt und lief nun ins
Haus ihrer Eltern.

Wie man sie da eintreten sah, glich sie in Gestalt und Farbe vllig einer
Lebenden, aber sowie sie sich niedersetzte, erblate ihre Farbe und sie
schwand dahin, bis sie nichts war als Haut und Knochen und zu schwach war,
um sprechen zu knnen.

Frhmorgens des nchsten Tages starb ihre Namensvetterin, eine Frau aus
demselben Dorf und ihr Schatten ging anstelle des Mdchens, welches wieder
zu Krften kam und noch viele Jahre lebte, ins Land des Todes.




Die Entstehung der Winde


In einem Dorf am unteren Yukon lebte ein Mann mit seiner Frau; sie hatten
aber keine Kinder. Nach langer Zeit sprach eines Tages die Frau zu ihrem
Mann: Ich kann nicht verstehen, wieso wir keine Kinder haben. Kannst du
es? Darauf antwortete der Mann, er knne es nicht verstehen. Sie bat dann
ihren Mann in die Tundra zu gehen und ein Stck vom Stamm eines einsamen
Baumes, der dort stehe, zu bringen und daraus eine Puppe zu machen. Der
Mann ging aus dem Haus und sah einen langen Lichtstreifen, wie Mondschein
am Schnee, ber die Tundra in der Richtung, die er einschlagen mute,
scheinen. Diesem Lichtschein folgend wanderte er lange, bis er vor sich in
hellem Licht einen glnzenden Gegenstand sah. Als er auf ihn zuging,
bemerkte er, da es der Baum war, nach dem er ausgegangen war. Da der Baum
dnn war, nahm er sein Jagdmesser, schnitt ein Stck seines Stammes ab und
brachte es nach Hause.

Nachhause gekommen, setzte er sich nieder und schnitzte aus dem Holz einen
kleinen Knaben; seine Frau machte fr ihn Pelzkleider und kleidete damit
die Puppe an. Auf Gehei seiner Frau schnitzte der Mann dann noch eine
Anzahl ganz kleiner Schsseln aus dem Holz, sagte aber, er knne in all dem
keinen Nutzen sehen, denn es werde sie nicht glcklicher machen, als sie es
frher gewesen. Darauf erwiderte die Frau, da die Puppe sie zerstreuen
und ihnen Gesprchsstoff geben werde, wenn sie einmal von nichts anderem,
als sich selbst, zu reden wten. Dann setzte sie die Puppe auf den
Ehrenplatz, gegenber dem Eingang und stellte die Spielzeugschsseln voll
Essen davor.

Als das Paar diese Nacht zu Bett gegangen und es im Raum ganz finster war,
hrten sie verschiedene leise pfeifende Laute. Die Frau rttelte ihren Mann
auf und sagte: Hrst du das? Das war die Puppe! und er stimmte dem bei.
Sie standen sofort auf, machten Licht und sahen, da die Puppe die Speisen
gegessen und das Wasser getrunken hatte und konnten noch bemerken, da sie
die Augen bewegte. Die Frau nahm sie zrtlich auf, liebkoste sie und
spielte lange Zeit mit ihr. Als sie dessen berdrssig wurde, setzte sie
sie wieder zurck auf die Bank und sie gingen wieder zu Bett.

Wie das Paar am Morgen erwachte, bemerkten sie, da die Puppe weg war. Sie
suchten sie im ganzen Haus, konnten aber keine Spur von ihr finden, und als
sie hinausgingen, sahen sie Spuren, die von der Tr wegfhrten. Von der Tr
gingen diese Spuren den Strand einer kleinen Bucht entlang, bis etwas
auerhalb des Dorfes, wo sie aufhrten, da die Puppe von dieser Stelle aus
dem Lichtschein entlang gegangen war, dem der Mann gefolgt war, um den Baum
zu finden.

Der Mann und die Frau verfolgten die Puppe nicht weiter, sondern gingen
nach Hause. Die Puppe war den glnzenden Pfad entlanggegangen, bis dorthin,
wo der Himmel zur Erde herabreicht und das Licht einschliet. Hart an der
Stelle, wo sie war -- im Osten-- sah sie eine ffnung in der Himmelswand,
dicht verschlossen mit einer Haut, die, augenscheinlich infolge irgend
einer starken Kraft, von der anderen Seite her, hervorgewlbt war. Die
Puppe blieb stehen und sagte: Es ist hier sehr ruhig. Ich glaube, ein
kleiner Wind wird gut sein. Darauf zog sie ein Messer und schnitt den
Verschlu der ffnung auf und ein starker Wind blies durch, allerlei mit
sich fhrend, unter anderem auch ein lebendes Renntier. Als die Puppe durch
das Loch sah, erblickte sie dahinter eine andere Welt, genau so wie die
Erde. Sie zog dann den Deckel wieder ber die ffnung und bat den Wind,
nicht zu stark zu blasen und sagte ihm: Manchmal blase stark, manchmal
schwach und manchmal gar nicht.

Dann wanderte sie den Himmelsrand entlang, bis sie im Sdosten zu einer
anderen ffnung kam, die auch verschlossen war und deren Deckel ausgebaucht
war, wie bei der ersten. Als sie diesen Verschlu lste, strich ein starker
Wind herein, der Renntiere und Strucher und Bume hereinwirbelte. Sie
schlo dann die ffnung wieder und bat den Wind so zu tun, wie sie dem
ersten gesagt, und ging weiter. Bald kam sie zu einer ffnung im Sden. Als
da der Verschlu geffnet war, strich ein warmer Wind herein, der Regen
und Spritzwasser vom Meer, das auf dieser Seite hinter dem Himmel liegt,
hereinfhrte.

Die Puppe schlo diese ffnung und trug ihr auf wie frher und ging weiter
nach Westen. Dort war wieder eine ffnung, durch die, sobald sie geffnet
war, der Wind einen starken Regensturm und Gischt vom Meer hereinpeitschte.
Auch diese ffnung wurde mit den gleichen Anweisungen geschlossen und die
Puppe ging weiter nach Nordwesten, wo sie eine andere ffnung fand. Als der
Verschlu von dieser aufgeschnitten war, kam ein kalter Windsto, der
Schnee und Eis mit sich fhrte, herein, so da die Puppe bis aufs Bein
erstarrt und halberfroren sich beeilte, auch diese ffnung, wie die
anderen, zu schlieen.

Weiter ging sie am Himmelsrand entlang nach Norden. Die Klte wurde so arg,
da sie ihn verlassen und einen Umweg machen mute, um erst wieder dort, wo
sie die ffnung sah, zu ihm zurckzugehen. Dort war die Klte so streng,
da sie einige Zeit zgerte, aber schlielich doch auch diesen Verschlu
aufschnitt. Sofort blies ein frchterlicher, groe Schnee-und Eismassen mit
sich fhrender Sturm herein und wehte diese ber die Erdoberflche hin. Die
Puppe schlo sehr bald die ffnung, und nachdem sie den Wind wie frher
ermahnt hatte, wanderte sie weiter bis zum Mittelpunkt der Erdoberflche.

Dort angekommen, sah sie auf und der Himmel wlbte sich oben, gesttzt von
langen, schlanken Sttzen, die, wie die eines kegelfrmigen Zeltes
angeordnet, aber aus einem unbekannten schnen Material gemacht waren. Die
Puppe wandte sich dann wieder von hier weg und wanderte weit, bis sie das
Dorf erreichte, von dem sie ausgegangen. Dort ging sie zuerst um den ganzen
Ort herum und dann in ein Haus nach dem anderen, zuletzt in ihr eigenes.
Das tat sie, damit die Leute ihre Freunde werden sollten, und fr den Fall,
da ihre Eltern strben, fr sie sorgten.

Dann lebte die Puppe lange Zeit in dem Ort. Nachdem ihre Pflegeeltern
gestorben waren, wurde sie von anderen Leuten aufgenommen und lebte so
durch viele Generationen, bis sie schlielich selbst starb. Von ihr lernten
die Leute den Gebrauch von Kleidermasken, und seit ihrem Tod haben die
Eltern die Gewohnheit, ihren Kindern Puppen zu machen, nach dem Vorbild der
Leute, die diese, von der ich erzhlt habe, angefertigt hatten.




Von Einem, der nichts finden konnte


Es war einmal ein kleiner hlicher junger Mann, der niemals das finden
konnte, was er ausfindig machen wollte. Sooft er mit einem Schlitten nach
Holz ging, kam er ohne solches zurck, denn es gelang ihm nie, etwas zu
finden, nicht das kleinste Stckchen. Dann ging er in sein Haus und setzte
sich auf seinen Platz beim Eingang, und wenn er da sa, blieb er lange Zeit
ruhig. Sein Nebenmann gab ihm manchmal Wasser zu trinken und dann wurde er
wieder ganz still.

Wenn man ihn drngte auszufahren, setzte er sein Boot aus und fuhr fort,
kam aber sehr bald wieder zurck und sa dann wie frher da. Als er einmal
durstig war, ging er hinaus, um Wasser zu holen, aber wie er zu dem Platz
kam, konnte er das Wasser nicht finden, es schien einfach verschwunden.
Dann ging er, ohne getrunken zu haben, zurck ins Haus und setzte sich auf
seinen Platz und sein Nachbar gab ihm Wasser.

Eines Nachts konnte er vor Durst nicht schlafen und ging hinaus, um das
Haus seines Bruders zu suchen. Nach langem Suchen konnte er aber die Stelle
nicht finden; so kehrte er zurck und legte sich nieder. Als er am Morgen
erwachte, nahm er einiges Fischgert und ging fischen. Wie er ans Wasser
kam, konnte er es aber nicht finden und nachdem er vergebens nach ihm
ausgesehen hatte, kehrte er, ohne gefischt zu haben, zurck. So kam er
jedesmal ohne irgend etwas heim und war hungrig, wenn er, wie gewhnlich,
auf seinem Platz sa.

Dann dachte er: Wenn ich jetzt Beeren klauben gehe, bin ich sicherlich
nicht imstand, welche zu finden. Er nahm einen Holzkbel und ging um
Beeren. Nachdem er gesucht hatte, es aber nicht gelungen war, irgendwelche
zu finden, kehrte er auf seinen Platz im Haus zurck. Den nchsten Morgen
war er hungrig, nahm seine Pfeile und ging auf die Jagd nach Wildgnsen. Da
er keine fand, und sonst nichts sah, kehrte er wieder zurck. Andere Leute
brachten Seehunde, die sie erlegt hatten. Der Nichtsfinder nahm ein Kajak,
setzte ihn ins Wasser und fuhr hinaus, Seehunde zu jagen. Er jagte lange
nach Seehunden, aber es schien, als wren keine da. Und da er nichts sah,
kehrte er wieder heim auf seinen Platz.

Der Winter kam und er dachte: Ich wei nicht, was ich mit mir anfangen
soll. Am nchsten Tag nahm er sein elendes Bett, rollte es mit seinem
schbigen Gertesack zusammen, nahm das Bndel auf den Rcken und ging
landeinwrts aus dem Dorf, ber die Huser hinaus und setzte sich nieder.
Sitzend nahm er sein Bndel vom Rcken, ffnete es und band den Gertesack
auf. Nachdem das getan war, verstreute er die Gerte um sich und warf den
Sack weg. Dann breitete er sein Bett aus, setzte sich darauf, legte sich
zurck und sagte: Hier will ich sterben.

Nchte lag er hier, ohne sich zu rhren. Als die Sonne hoch kam, hrte er
zuerst einen Raben krchzen und dann dessen Genossen. Er blieb still und
der Rabe lie sich mit seiner Schar nahe bei ihm herab. Der ihm nchste
Rabe sprach: Schaut! Hier ist etwas zu essen. Wir haben noch nichts
gefressen und warten lieber nicht; machen wir uns ber seine Augen her.
Der entfernteste antwortete: Nein, er ist nicht tot. Wieso liegt er dann
da, als ob er tot wre? sagte der erste Rabe. Nein, er ist nicht tot,
schau, es ist keine Asche vom Leichenfeuer bei ihm, erwiderte der zweite.

Da wurde der erste Rabe wtend, blies sich auf und sagte: Warum ist er
dann vertrieben? Schau, seine Sachen sind um ihn verstreut. Ich will
nichts davon, antwortete die ganze Rotte, es ist keine Asche bei ihm, wir
lassen dich da, und flog weg. Gut, du kannst weg fliegen, sagte der
erste Rabe, aber ich will seine Augen haben.

Da ffnete der Mann seine Augen etwas und blickte seitwrts nach dem Raben.
Dieser kam nher an den kleinen hlichen jungen Mann und stand da und
hatte in seinem Schnabel ein gutes, scharfes Messer. Er kam nher, und
zwischen seinen Augenwimpern hindurch sah der Mann, am Griff gehalten, das
scharfe Messer. Er dachte: Ich hatte doch kein Messer. Dann kam die
Spitze hart an ihn. Er dachte wieder: Ich hatte kein Messer. Da erfate
er es pltzlich und zog es dem Raben weg.

Der Rabe sprang zurck und der Mann setzte sich auf. Gib mir das Messer,
sagte der Rabe. Der Mann antwortete: Ich habe kein Messer und das soll
jetzt mein Messer sein. Der Rabe erwiderte: Ich will dich dafr mit
allerlei Wildpret bezahlen.

Nein, sagte der Mann, ich will es nicht zurckgeben, ich gehe immer
jagen und kann nichts finden. Dann, erwiderte der Rabe, sollst du, wenn
du zum Dorf zurck willst, es nicht erreichen, wenn du's auch versuchst.
Ich hatte kein Messer, antwortete der Mann. Da hstelte der Rabe und
sagte: Du willst es also so, behalte mein Messer, wenn du es so schtzt,
und flog davon.

Der Mann setzte sich auf und hielt noch immer das Messer. Dann brach er
auf, um ins Dorf zurckzukehren. Wie er ging, schnrte sich seine Kehle
zusammen, sein Rcken krmmte sich und er sttzte seine Hnde auf die Knie.
Pltzlich war er ein alter Mann geworden und konnte nicht gehen. Er fiel
aufs Gesicht. Er konnte nicht aufstehen. Er war tot.




Wie der Rabe das Licht brachte


In den ersten Tagen spendeten, wie jetzt, Sonne und Mond das Licht. Dann
aber wurden Sonne und Mond weggenommen und die Menschen blieben auf Erden
lange Zeit ohne jedes andere Licht, als den Schimmer der Sterne. Ohne jeden
Erfolg machten die Zauberer ihre grten Kunststcke, die Finsternis hielt
an.

In einem Dorf am unteren Yukon lebte ein Waisenknabe, der immer mit den
Dienstleuten auf der Bank beim Hauseingang sa. Die anderen Leute hielten
ihn fr nrrisch und jedermann verachtete und mihandelte ihn. Nachdem sich
die Zauberer furchtbar, aber ohne Erfolg, angestrengt hatten, Sonne und
Mond zurckzuschaffen, verspottete sie der Knabe und sagte: Was fr feine
Zauberer mt ihr doch sein, da ihr nicht einmal imstande seid, das Licht
wieder herbeizuschaffen, wenn sogar ich das tun kann.

Darauf wurden die Zauberer sehr rgerlich, prgelten ihn und warfen ihn aus
dem Haus heraus. Dieser arme Waisenknabe war nun wie jeder andere Knabe,
aber wenn er ein schwarzes Kleid, das er hatte, anzog, wurde er in einen
Raben verwandelt und blieb ein solcher, bis er das Kleid wieder auszog.

Nachdem die Zauberer den Knaben aus dem Haus geworfen hatten, ging er im
selben Dorf ins Haus seiner Tante und erzhlte ihr, was er ihnen gesagt und
wie sie ihn geschlagen und hinausgeworfen. Dann bat er sie, ihm doch zu
sagen, wo die Sonne und der Mond hingekommen seien, denn er wolle ihnen
nachgehen.

Sie behauptete, nicht zu wissen, wo sie versteckt wren, aber der Knabe
sagte: Nach deinem feingenhten Kleid zu schlieen, weit du sicher, wo
sie sind, denn du httest nie genug sehen knnen, es so zu nhen, wenn du
nicht wutest, wo das Licht ist. Nach langem berredete er endlich seine
Tante und sie sagte ihm: Gut, wenn du das Licht finden willst, mut du
deine Schneeschuhe nehmen und weit nach Sden gehen zu einem Platz, den du
schon erkennen wirst, wenn du dort bist.

Der Rabenknabe nahm sofort seine Schneeschuhe und brach nach Sden auf.
Viele Tage wanderte er und die Finsternis blieb immer gleich. Nachdem er
schon einen weiten Weg zurckgelegt hatte, sah er weit vor sich einen
Lichtblitz, was ihn sehr ermutigte. Als er weitereilte, leuchtete das Licht
wieder heller auf als vorher, und dann verschwand und erschien es
abwechselnd. Schlielich kam er an einen groen Hgel, dessen eine Seite in
vollem Licht stand, whrend die andere in finstere Nacht getaucht schien.
Vor sich, hart am Hgel, bemerkte der Knabe eine Htte und in ihrer Nhe
einen Mann, der von ihrer Vorderseite Schnee wegschaufelte.

Der Mann warf den Schnee hoch in die Luft und so oft er das tat,
verdunkelte sich das Licht, so entstand der Wechsel von Licht und
Dunkelheit, den der Knabe beim Herannahen gesehen hatte. Dicht hinter dem
Haus sah er das Licht, das zu suchen er ausgegangen war, wie einen groen
Feuerball. Dann blieb der Knabe stehen und berlegte, wie er das Licht und
des Mannes Schaufel erlangen knnte.

Nach einiger Zeit ging er dann zu dem Mann hin und sagte: Warum wirfst du
den Schnee in die Luft und entziehst unserem Dorf das Licht? Der Mann
hielt inne, sah auf und sagte: Ich rume nur den Schnee vor meiner Tre
weg und ich entziehe kein Licht. Aber wer bist du und von wo kommst du?
Es ist so finster in unserem Dorf, da ich dort nicht leben will, und so
bin ich gekommen, um bei dir zu bleiben, sagte der Knabe. Was? Fr
immer? fragte der Mann. Ja! antwortete der Knabe. Darauf der Mann: Also
gut; komme mit mir ins Haus. Und er steckte die Schaufel in den Boden und
gebckt ging er durch den unterirdischen Eingang voran ins Haus und lie,
nachdem er hindurchgegangen war, in der Meinung, der Knabe sei hinter ihm,
den Vorhang vor der Tr herunterfallen.

Im Augenblick, als hinter dem Mann, der eingetreten war, die Trklappe
herunterfiel, packte der Knabe den Feuerball und steckte ihn in die
Auenfalte seines Pelzes; dann nahm er noch die Schaufel in die Hand und
lief nach Norden weg und rannte so lange, bis seine Fe mde waren. Dann
erinnerte er sich seines Zaubergewandes, verwandelte sich in einen Raben
und flog, so rasch ihn seine Flgel nur trugen, davon. Hinter sich hrte
er das entsetzliche Gekeif und Geschrei des Mannes, der ihm rasch folgte.
Als der alte Mann merkte, da er den Raben nicht einholen konnte, schrie
er: Zum Donnerwetter! behalte meinetwegen das Licht, aber gib mir meine
Schaufel wieder!

Darauf antwortete der Knabe: Nein, du hast unser Dorf ganz verfinstert und
sollst daher auch deine Schaufel nicht haben. Und der Rabe flog weiter und
lie ihn zurck. Auf seinem Heimweg brach der Rabe ein Stck vom Licht ab
und warf es aus, und so wurde es wieder Tag. Dann zog er wieder lange Zeit
im Dunkeln weiter, warf dann wieder ein Stck Licht weg, es wurde wieder
Tag. So tat er abwechselnd, bis er in seinem Heimatdorf vor dem Haus
anlangte, wo er das letzte Stck wegwarf. Dann betrat er das Haus und
sagte: Also, ihr unntzen Zauberer, ihr seht jetzt, da ich das Licht
zurckgebracht habe und es wird von nun an hell sein und dann wieder
dunkel: Tag und Nacht. Und die Zauberer konnten ihm nichts antworten.

Daraufhin ging er hinaus aufs Eis, denn sein Haus lag an der Kste und ein
groer Wind kam auf und trieb ihn mit dem Eis ber die See zum Land an der
jenseitigen Kste. Dort fand er ein Dorf, nahm aus seiner Bewohnerschaft
eine Frau und lebte mit ihren Leuten, bis er drei Tchter und vier Shne
hatte. Mit der Zeit wurde er sehr alt und erzhlte seinen Kindern, wie er
ins Land gekommen und, nachdem er ihnen aufgetragen, wieder in jenes Land
zu ziehen, woher er gekommen, starb er.

Die Kinder des Raben zogen dann fort, wie er ihnen aufgetragen und
gelangten schlielich in ihres Vaters Land. Dort wurden sie in Raben
verwandelt und ihre Nachkmmlinge verlernten, wie sie sich in Menschen
verwandeln knnten, und so gibt es bis zum heutigen Tag Raben.

Im Dorf des Raben folgen Tag und Nacht einander, wie er gesagt hatte, da
es geschehen werde und die Lnge der einzelnen blieb ungleich, da der Rabe
manchmal lange Zeit ohne Licht auszuwerfen gewandert war und dann wieder in
krzeren Zwischenrumen das Licht ausgeworfen hatte, so da die Nchte sehr
kurz waren und dementsprechend ist es auch geblieben.




Der Kanibale Igimarasugdjuqdjuaq


Igimarasugdjuqdjuaq war ein sehr groer, schlechter Mann, der viele Morde
begangen und seine Opfer, nachdem er sie aufgeschlitzt hatte, verspeiste.
Einmal kam seine Schwgerin, um seine Frau zu besuchen, aber kaum hatte sie
die Htte betreten, als Igimarasugdjuqdjuaq sie ttete und seiner Frau
befahl, sie zu kochen.

Seine Frau war sehr erschrocken, befrchtete, da sie selbst das nchste
Opfer sein werde und beschlo zu fliehen. Als Igimarasugdjuqdjuaq auf die
Jagd ging, sammelte sie Heidekraut, stopfte damit ihre Jacke aus und setzte
die Figur aufs Bett. Dann lief sie, so rasch sie konnte, weg, bis sie ein
Dorf erreichte. Als ihr Gemahl nachhause kam und den Rock sah, glaubte er,
es sei ein Fremder zu ihm auf Besuch gekommen und erstach ihn. Wie er aber
bemerkte, da seine Frau ihn betrogen und verlassen hatte, wurde er wtend
und verfolgte sie.

Er kam ins Dorf und sagte: Habt ihr nicht meine Frau gesehen? Sie ist mir
weggelaufen. Die Inuit sagten ihm nicht, da sie sich bei ihnen aufhielt,
sondern verbargen sie vor seiner Wut. Schlielich gab sie
Igimarasugdjuqdjuaq als verloren auf und kehrte heim.

Die Inuit beschlossen, die vielen Beleidigungen, die er ihnen angetan
hatte, zu rchen. Sie suchten ihn auf und begegneten ihm auf dem Eis,
gerade unterhalb seiner Htte. Als er ihnen sagte, er ginge auf die
Brenjagd, sagten sie: La uns deinen Speer ansehen. Dieser Speer hatte
einen sehr starken, scharfen Walrozahn als Spitze. Ah! sagten sie, der
ist sehr gut, um Bren zu tten; wie scharf er ist! Du mut ihn gerade in
diese Richtung stoen. Und wie sie das sagten, stieen sie ihn ihm in die
Stirne. Die Spitze des Speeres drang ihm ins Gehirn und dann schlitzten sie
ihm mit ihren Messern den Leib auf.




Der Geist des Festhauses


Eine Frau ging einmal, als es schon ganz dunkel war, ins Festhaus. Immer
schon wollte sie den Geist dieses Hauses sehen und obwohl die Inuit sie
davor gewarnt hatten, bestand sie doch auf ihrem Vorhaben.

Mit diesen Worten rief sie den Geist an: Wenn du im Haus bist, so
erscheine! Und als sie nichts von ihm sehen konnte, schrie sie: Hier ist
ja gar kein Geist, er will nicht kommen.

Da sagte der noch immer unsichtbare Geist: Hier bin ich, dort bin ich!

Da fragte die Frau: Wo sind deine Fe, wo sind deine Schienbeine, wo sind
deine Schenkel, wo sind deine Hften, wo sind deine Lenden? Und jedesmal
antwortete der Geist: Hier sind sie, dort sind sie!

Die Frau fragte weiter: Wo ist dein Bauch? Hier ist er, antwortete der
Geist. Wo ist deine Brust, wo sind deine Schultern, wo ist dein Nacken, wo
ist dein Kopf? Hier, da ist er.

Wie aber die Frau den Kopf berhrte, fiel sie pltzlich tot um: er war
knochenlos und kahl.




Die Brengeschichte


Vor langer Zeit fand einmal eine Frau einen zwei bis drei Tage alten Bren.
Da sie so einen Liebling schon lange vermit hatte, widmete sie ihm ihre
innigste Frsorge, als ob es ihr eigener Sohn wre, htschelte ihn, machte
ihm neben ihrem eigenen ein weiches, warmes Bett zurecht und sprach mit
ihm, wie eine Mutter mit ihrem Kind. Sie hatte keine lebenden Anverwandten
mehr und bewohnte mit dem Bren allein das Haus. Als Kunikdjuaq
herangewachsen war, bewies er der Frau, da sie ihn nicht umsonst erzogen
hatte, denn er begann bald Seehunde und Lachse zu jagen, die er, bevor er
selbst davon a, seiner Mutter brachte und erst aus ihren Hnden empfing er
seinen Anteil davon. Auf einer Hgelspitze wartete sie immer auf seine
Rckkehr und wenn sie sah, da er kein Glck gehabt hatte, bettelte sie bei
den Nachbarn um Walfischspeck fr ihn. Sie konnte das von ihrem Ausguck aus
beobachten, denn wenn er Erfolg gehabt, kam er in derselben Spur zurck,
die er beim Auszug gemacht hatte, wenn er aber keinen Erfolg gehabt hatte
-- immer auf einer anderen. Da er die Inuit auf der Jagd zu bertreffen
wute, erregte er ihren Neid und so wurde nach langen Jahren treuen
Dienstes sein Tod beschlossen. Als die alte Frau das hrte, erbot sie sich,
von Gram berwltigt, ihr eigenes Leben herzugeben, wenn dafr nur der
verschont wurde, der sie so lange erhalten hatte. Ihr Angebot wurde
kurzweg abgewiesen. Als sich alle seine Feinde in ihre Htten zurckgezogen
hatten, hielt die Frau mit ihrem Sohn, der jetzt schon zu Jahren gekommen
war, ein langes Gesprch und sagte ihm, da bse Mnner darauf aus wren
ihn umzubringen, und da es fr ihn nur eine Mglichkeit gebe, sein und ihr
Leben zu retten, nmlich auf und davonzugehen und nicht mehr zurck zu
kommen. Zugleich bat sie ihn aber sich nicht weiter zu entfernen, als da
sie weggehen und ihn treffen knnte, um einen Seehund und sonst
dergleichen, was sie brauche, zu bekommen. Nachdem der Br auf das gehrt,
was sie ihm unter Trnen, die auf ihre runzeligen Wangen fielen, gesagt
hatte, legte er freundlich seine groen Tatzen auf ihren Kopf, umschlang
dann ihren Nacken und sagte: Gute Mutter, Kunikdjuaq wird immer auf
Ausschau sein nach dir und dir so gut er kann dienen. Nachdem er das
gesagt, befolgte er ihren Rat und ging zum Kummer der Dorfkinder und der
Mutter fort.

Nicht lang danach ging diese, da sie Mangel an Nahrung hatte, hinaus aufs
Meereis um zu sehen, ob sie nicht ihren Sohn treffen knnte und sie
erkannte ihn auch bald als den einen von zwei Bren, die miteinander
dalagen. Er lief zu ihr und sie patschte ihm in ihrer altgewohnten
traulichen Art auf den Kopf, verriet ihm ihre Wnsche und bat ihn
wegzueilen und etwas fr sie zu bringen. Der Br lief davon und wenige
Augenblicke darauf sah die Frau einen frchterlichen Kampf zwischen ihm
und seinem frheren Gefhrten, der zu ihrer groen Beruhigung bald damit
endete, da ihr Sohn einen leblosen Krper vor ihre Fe zerrte. Mit ihrem
Messer hutete sie rasch den toten Bren ab, gab ihrem Sohn groe
Speckscheiben und sagte ihm, sie werde bald zurckkommen, um das Fleisch,
das sie nicht auf einmal nach Hause bringen knne, zu holen und wenn es ihr
wieder an Nahrung mangle, werde sie wieder kommen. Das tat sie denn auch
noch lange, lange Zeit. Der treue Br half ihr immer und geno der gleichen
Liebe, wie in seiner Jugend.




Der rote Br Ta-ku-ka


An der Kste, dort ungefhr, wo heute Pikmiktalik liegt, lebte ein
Eskimojger namens Pi-tikh-cho-lik mit seiner Frau Ta-ku-ka. Damals waren
die Berge von groen Renntierherden bevlkert und die See war voll von
Seehunden und Fischen, so da Pi-tikh-cho-lik eine Menge Nahrung und Felle
nach Hause brachte.

Eines schnen Sommerabends stand Ta-ku-ka an der Kste und wartete auf die
Rckkehr ihres Gatten. Obwohl er ihr auseinandergesetzt hatte, da sich die
Renntiere weiter in die Berge zurckgezogen hatten und die Seehunde nur
noch weit drauen im Meer zu finden seien, war sie doch besorgt und
unruhig, da er lnger als bei seinen sonstigen Jagdausflgen fortblieb.

Nach einiger Zeit ging Ta-ku-ka ins Haus, um nach ihren Kindern zu sehen;
als sie dann wieder herauskam, war ihr Mann gerade dabei, seinen Kajak auf
das Gestell neben dem Haus zu stellen.

Sie stellte an ihn, wegen seines langen Ausbleibens, eine Menge Fragen, er
antwortete aber verdrielich, da er weit aufs Meer hinausgefahren und so
lange ausgeblieben sei, weil er ohne Beute nicht zurckkommen wollte. Sie
gingen ins Haus und Ta-ku-ka setzte ihm verschiedene Lieblingsgerichte vor,
aber er a nur wenig und war berhaupt traurig und mimutig. Seine Frau
drang in ihn, ihr doch den Grund seiner blen Laune zu sagen; schlielich
sagte er: Wenn du durchaus den Grund meiner Kmmernisse wissen willst, so
hre ihn also: ich fhle, da ich sterben mu und der dritte Tag von heute
an wird mein Todestag sein.

Darauf fing Ta-ku-ka bitterlich zu weinen an, er trstete sie aber und
sagte: Weine nicht und mach mich nicht noch unglcklich, solange ich noch
bei dir bin, sondern hre meine letzten Wnsche. Wenn ich gestorben bin,
mut du meinen Kajak ins Wasser stellen und an der Kste verankern; dann
lege mein Ruder, meine Speere und Schnre auf ihren gehrigen Platz hinein.
Kleide dann meinen Krper in die wasserdichte Jacke und setz mich in den
Kajak und binde die Jacke am Rand des Mannloches fest, wie ich es immer
getan, wenn ich aufs Meer hinausfuhr. Stelle dann noch drei Tage hindurch
jeden Abend Fische, Renntierspeck und Beeren vor mich, damit mein Schatten
zufrieden gestellt wird. Versprichst du mir das? Ta-ku-ka versprach es und
weinte still. Pi-tikh-cho-lik verlie das Haus nicht mehr und starb am
dritten Tage. Da weinte Ta-ku-ka sehr, tat aber, wie ihr befohlen war.
Jeden Morgen sah sie, da der Schatten gegessen hatte, denn alle Speisen
vor dem Krper waren weg. Als sie am vierten Tag an den Strand ging, um wie
gewhnlich ihren Toten zu beklagen, war der Kajak mit all seinem Inhalt
verschwunden. Da warf sie sich zu Boden und blieb in ihrem Schmerz lange so
liegen, schlielich erinnerte sie sich aber ihrer Kinder und ging wieder
ins Haus, um nach ihnen zu sehen. Nun arbeitete Ta-ku-ka viel, sie
sammelte Beeren, fing Fische und trocknete sie, um fr den Winter einen
Vorrat anzulegen.

Als sie so eines Tages Beeren klauben ging, entfernte sie sich weit vom
Haus und kam auf den Gipfel eines Hgels. Sie berschaute von da die Gegend
und sah noch weit entfernt Rauchwolken vom Boden aufsteigen. Es war das
erste Zeichen, das sie je von anderen Leuten gesehen und sie beschlo
hinzugehen, um zu sehen, was fr Menschen dort seien. Nach einiger Zeit kam
sie nher an die Stelle heran und kroch vorsichtig auf den Kamm eines zum
Meer steil abfallenden, landeinwrts aber sanft geneigten Hgels. Hart am
Wasser lagen drei Huser und aus dem einen stieg der Rauch, den sie gesehen
hatte.

Hier wartete Ta-ku-ka ruhig, um zu sehen was fr Leute da wren; bald kam
eine Frau heraus, hob eine Hand vor die Augen und blickte hinaus aufs Meer.
Dann lief sie zurck ins Haus und rief irgend jemanden drinnen etwas zu.
Nun kamen noch zwei andere Frauen heraus und alle gingen hinunter an den
Rand des Wassers; dort stimmten sie ein Liebeslied an und tanzten am
Sandstrand. Ta-ku-ka hatte die Frauen und ihre schnen Fellkleider so
aufmerksam betrachtet, das sie nichts anderes bemerkte; jetzt aber traf
leise der angenehme Ton einer singenden Mnnerstimme ihr Ohr und ihr Herz
schlug hher. ber die Frauen hinweg sah sie einen Mann in seinem Kajak
langsam der Kste zusteuern. Er sang und warf spielend seinen
Seehundsspeer vor sich und hob ihn, wenn er daran vorbei kam, wieder auf.

Wie er nher kam, erkannte Ta-ku-ka in seinem Gesang ein Lied, das in
frheren Tagen Pi-tikh-cho-lik ihr vorzusingen pflegte. Der Kajakmann
landete nun und die Frauen empfingen ihn mit Freudenrufen. Ta-ku-ka wollte
kaum ihren Augen traun, als sie sah, da der Mann wirklich ihr Gatte war,
den sie fr tot gehalten. Er ging mit den Frauen ins Haus und da empfand
Ta-ku-ka ein frher nie gekanntes, merkwrdig grimmes Gefhl im Herzen. Sie
stand am Hgelrand und lauschte bis tief in die Nacht hinein dem Gesang und
Gelchter, das aus dem Haus zu ihr drang.

Es wurde Morgen, Pi-tikh-cho-lik kam heraus und brachte am Kajak sein
Jagdgert in Ordnung. Nachdem er den Frauen an der Kste guten Tag
gesagt, ruderte er lustig singend aufs Meer hinaus. Als er auer Sicht war,
stieg Ta-ku-ka vom Hgel herab und folgte den Frauen in eines der Huser.
Die waren erstaunt, sie zu sehen, bewillkommten sie aber trotzdem und
stellten viele Fragen an sie. Sie bewunderten ihr Gesicht und ihre
Hautfarbe, die heller als ihre war und verschiedene ttowierte Linien in
ihrem Gesicht: eine auf- und abfhrende zwischen den Augen und drei von der
Unterlippe bers Kinn herunter, die auch anders waren, als die ihrigen. Im
Laufe des Gesprchs sagte eine der Frauen: Diese Gesichtslinien stehen dir
sehr gut; ich wrde viel dafr geben, wenn du mich lehrtest, mein Gesicht
wie deins zu machen. Ta-ku-ka antwortete: Ich will dir zeigen, wie das
gemacht wird, wenn ich dir damit einen Gefallen erweisen kann, aber ich
werde dir dabei weh tun und du wirst den Schmerz vielleicht nicht
aushalten. Ich werde den Schmerz nicht beachten und bin bereit, ihn
auszuhalten, wenn ich nur so schn werde, wie du. Wie du willst! sagte
Ta-ku-ka, geh ins Haus, znde ein Feuer an und setze einen groen irdenen
Topf mit Fett auf; wenn das Fett kocht, rufe mich, ich werde dann dein
Gesicht so schn, wie das meine, machen. Nachdem ihr die Frau gedankt
hatte, ging sie, alles fertig zu machen und nun stellten die anderen Frauen
noch eine Menge Fragen, wie: Wird es sehr weh tun? und Wird sie wirklich
so schn werden, wie du bist? und noch andere mehr. Ta-ku-ka entgegnete
darauf: Es wird ihr nicht sehr weh tun und sie wird noch schner werden,
als ich.

Die Frau kam bald zurck und meldete, das Fett sei fertig. Ta-ku-ka ging
dann mit ihr ins Haus und befahl ihr, sich vor den Topf mit dem siedenden
Fett zu knien und den Kopf darber zu beugen. So wie das geschehen war,
packte Ta-ku-ka sie bei den Haaren und stie ihren Kopf ins heie Fett und
hielt ihn drin, bis die Frau tot war; dabei sagte sie: Da! Jetzt wirst du
immer schn sein! Dann legte sie ihren Krper auf die Bettstatt, deckte
das Gesicht zu und ging hinaus zu den anderen Frauen. In ihrer Abwesenheit
hatten die beiden anderen miteinander geschwtzt und als sie zurckkam,
fragten sie, ob es ihr gelungen sei, ihre Gefhrtin zu verschnern, und
Ta-ku-ka nickte mit dem Kopf.

Daraufhin sagten die beiden Frauen: Wir wollen dir auch Geschenke geben,
wenn du uns schn machen willst. Sie war damit einverstanden. Dann gingen
sie alle zum Haus der toten Frau und Ta-ku-ka sagte zu ihren
Begleiterinnen: Strt eure Freundin nicht, sie schlft jetzt, und damit
nichts ihre Schnheit beeintrchtigt, ist ihr Gesicht zugedeckt. Wenn sie
aufwacht, wird sie sehr schn sein. Darauf brachte sie dann die beiden
anderen Frauen, wie die erste um und sagte, wie sie sie niederhielt: Ihr
werdet auch sehr schn sein. Sie fertigte nun aus Stben drei Gestelle an
und stellte sie, wo die Frauen am Abend vorher an der Kste getanzt hatten,
aufrecht in den Sand und legte die Kleider der Toten darber, soda man auf
die Entfernung glauben konnte, sie stnden dort. Dann nahm sie das Fell
eines roten Bren und ging zu ihrem Versteck in den Felsen zurck. Es wurde
Abend und der Jger kam, wie in der vorigen Nacht, singend zurck. Es drang
zwar keine Antwort zu ihm, aber er glaubte doch, seine Weiber an der Kste
stehen zu sehen, obwohl auf sein Loblied keine Antwort kam. Er wurde
rgerlich und hielt mit seinem Gesang inne. Dann begann er sie zu schelten
und beschimpfen, aber noch immer blieben sie stumm. Nachdem er gelandet,
lief er auf die schweigenden Gestalten zu und dann ins nchste Haus. Dort
und im nchsten fand er nichts, aber im dritten sah er seine Weiber tot
daliegen und Ta-ku-ka hrte die Schmerzensschreie, die er ausstie, als er
das sah.

Rasend strzte Pi-tikh-cho-lik aus dem Haus; vor Trauer klagend und aus
rger schrie er: Wenn irgendwelche bse Geister das getan haben, so
frchte ich mich gar nicht vor ihnen; sie sollen nur kommen und versuchen
auch an mir Rache zu nehmen; ich hasse und verachte sie! Alles blieb
ruhig. Wenn irgend ein Rachegeist, Mensch oder Tier, das getan hat, so
soll er nur aus seinem Versteck herauskommen und, so brllte er, es
wagen, einem Mann Trotz zu bieten, der ihm das Herz herausreien und sein
Blut trinken wird! Oh, elendiger Nichtsnutz!

Wie zur Antwort darauf hrte er vom Hgel her ein tiefes Gebrumm und sah
dort einen roten Bren aufrecht auf seinen Hinterfen stehen und seinen
Krper vor- und zurckneigen. Das war Ta-ku-ka, die sich ins Brenfell
eingewickelt, und um sich vor Pfeil-oder Speerwunden zu schtzen, darunter
an jede Krperseite flache Steine gelegt hatte.

Pi-tikh-cho-lik sah sie und glaubte, es sei wirklich ein Br und begann
alle Schimpfnamen, die er sich nur ausdenken konnte, zu rufen, whrend er
rasch einen Pfeil auf den Bogen legte und ihn losscho. Der Pfeil traf auf
einen der Steine und fiel unschdlich herab; der Br wandte ihm die andere
Seite zu. Wieder scho er einen gutgezielten Pfeil ab und wieder war er
wirkungslos. Da rutschte der Br den Abhang zu ihm herunter und als
Pi-tikh-cho-lik dem Bren den Speer in die Flanke stie, zerbrach er ihm
in der Hand. In ein paar Augenblicken hatte der Br ihn leblos
niedergeworfen, ihm das Herz herausgerissen und es aufgefressen. Daraufhin
schien die Raserei, die Ta-ku-ka ergriffen hatte, sie zu verlassen und ihre
besseren Gefhle kamen wieder zurck. Sie versuchte das Brenfell
abzustreifen, aber es sa so fest an ihr, da es ihr nicht gelang.

Auf einmal erinnerte sich Ta-ku-ka ihrer Kinder zuhause; sie nahm von der
Hgelspitze ihren Korb mit den Beeren und machte sich nach ihrer Wohnung
auf den Weg. Als sie so dahinging, bekam sie pltzlich Angst vor ihrem
merkwrdigen Blutdurst, in den sich Gedanken an ihre Kinder mischten. Sie
lief weiter, kam endlich zum Haus und lief hinein. Die beiden Kinder
schliefen, und als sie Ta-ku-ka sah, berkam sie wieder unbezhmbare
Blutgier und sie ri sie augenblicklich in Stcke. Dann ging sie hinaus und
schweifte im Land umher, voll Gier, einen jeden, der ihr entgegenkam,
umzubringen.

Bis dahin waren die roten Bren harmlos gewesen, aber Ta-ku-ka pflanzte
ihnen ihre eigene Leidenschaft ein, soda sie seither ganz wild geworden
sind. Zuletzt kam sie an den Kuskokwimflu und wurde von einem Jger
gettet, dessen Pfeil doch einen Weg durch einen Sprung in einem der Steine
an ihrer Seite gefunden hatte.




Der rote Br


In der Tundra sdlich der Yukonmndung lebte einst ein Waisenknabe mit
seiner Tante. Sie waren ganz allein und eines Sommertags nahm der Knabe
seinen Kajak und fuhr weg, um zu sehen, wo die Leute am Yukon lebten, von
denen er gehrt hatte. Als er an den Flu kam, fuhr er ihn hinauf, bis er
ein groes Dorf erreichte. Dort legte er an und die Bewohner liefen
hinunter zur Kste, packten ihn, brachen sein Kajak in Stcke, rissen ihm
die Kleider vom Leib und schlugen ihn frchterlich.

Bis zum Ende des Sommers wurde der Knabe dortbehalten, als Zielpunkt
stndiger Prgel und schlechter Behandlung. Im Herbst fate einer der
Mnner Mitleid zu ihm, baute ihm einen Kajak und sandte ihn nachhause, wo
er dann nach langer Abwesenheit eintraf. Als er zu Hause ankam, sah er, da
um das Haus seiner Tante ein groes Dorf entstanden war. Nachdem er
gelandet, ging er zum Haus seiner Tante, trat ein und erschreckte sie sehr,
da er wie ein Skelett aussah, weil er so lange gehungert hatte und so viel
geschlagen worden war.

Als seine Tante ihn endlich wiedererkannte, erzhlte er seine Geschichte
mit wehleidigen Worten, statt mit solchen des rgers ber die grausamen
Dorfbewohner. Nachdem er die Erzhlung seiner Leiden beendet, sagte sie
ihm, er solle ihr ein Stck Holz bringen. Das tat er auch. Daraus
schnitzten sie ein kleines Tier mit langen Zhnen und scharfen Klauen und
bemalten es an den Seiten rot und wei an der Kehle; dann trugen sie das
Tier ans Ufer der Bucht und setzten es ins Wasser. Dann beschwor es die
Tante zu gehen und in dem Dorf, wo ihr Knabe gewesen, jeden, den es finde,
zu tten.

Das Schnitzwerk bewegte sich aber nicht und die Frau nahm es aus dem
Wasser, beschimpfte es, lie ihre Trnen auf es herunterfallen und setzte
es dann wieder ins Wasser mit den Worten: Jetzt geh und bring die
schlechten Leute um, die meinen Buben geschlagen haben. Darauf schwamm das
Tier ber die Bucht und kroch am anderen Ufer hinauf, wo es zu wachsen
begann und bald ein roter Br von ziemlicher Gre wurde. Er wandte sich um
und sah die alte Frau an, bis sie ihm zurief zu gehen und ja niemanden zu
schonen.

Dann ging der Br fort, bis er zum Dorf am groen Flu kam. Er traf da
einen Mann, der gerade um Wasser ging und zerri ihn sogleich in Stcke;
dann blieb der Br in der Nhe des Dorfes, bis er mehr als die Hlfte aller
Leute gettet hatte und die anderen sich vorbereiteten, es zu verlassen, um
dem Verderben zu entgehen. Der Br schwamm darauf ber den Yukon zum weiter
entfernten Kuskokwimflu und ttete jeden, den er sah, denn selbst das
geringste Lebenszeichen versetzte ihn in Raserei, bis es vernichtet war.
Vom Kuskokwimflu kehrte der Br wieder zurck und stand eines Tags wieder
am anderen Ufer der Bucht, wo er einst belebt worden war. Als er am
drberen Ufer die Leute sah, wurde er wieder wild, ri mit seinen Krallen
den Boden auf, knurrte und begann dann ber die Bucht zu setzen. Als die
Dorfbewohner dies sahen, erschraken sie sehr, liefen herum und sagten: Der
Hund der alten Frau ist da; wir werden alle gettet werden; sagt der Frau,
sie soll ihren Hund aufhalten! Sie schickten sie, den Bren zu empfangen.
Der Br versuchte nicht sie zu verletzen, sondern ging vorbei, um die
anderen Leute zu erwischen, sie hielt ihn aber an seinen Nackenhaaren und
sagte: La diese Leute in Ruhe, die waren zu mir freundlich und gaben mir
Essen, wenn ich hungrig war.

Danach fhrte sie den Bren in ihr Haus, setzte sich, sagte ihm, da er
ihren Auftrag gut ausgefhrt und sie zufriedengestellt habe; er solle jetzt
aber die Leute nicht mehr angreifen, auer, wenn sie versuchten, ihn zu
mihandeln. Nachdem sie ihm das gesagt, fhrte sie ihn zur Tr und schickte
ihn weg in die Tundra. Seit dieser Zeit gibt es rote Bren.




Der Feuerball


Vor langer Zeit lebte in dem Dorf Kin-i-gim ein armer Waisenknabe, der
niemanden hatte, der fr ihn sorgte, von jedermann schlecht behandelt
wurde, und auf Gehei der Dorfbewohner immer dahin und dorthin laufen
mute. Eines Abends wurde er aus dem Haus geschickt um zu sehen, wie das
Wetter sei. Er hatte keine Fellschuhe und da es Winter war wollte er nicht
gehen, wurde aber doch hinausgejagt. Er kam gleich wieder zurck und sagte
das Wetter habe sich nicht gendert. Daraufhin sandten ihn die Leute wieder
mit demselben Auftrag hinaus, bis er schlielich zurckkam und erzhlte, er
habe einen groen Feuerball, wie den Mond, ber einem nahen Hgel
aufsteigen gesehen. Die Leute lachten ihn aus und schickten ihn wieder
hinaus und da sah er, da das Feuer herangekommen und schon ganz in der
Nhe war. Da lief der Waisenknabe hinein, erzhlte, was er gesehen und
versteckte sich, denn er hatte Angst.

Bald darauf sahen die Leute eine Feuergestalt vor der Haut, die die
Dachluke verschlo, herumtanzen und gleich darauf schlich auf den Knien und
Ellbogen ein Menschengerippe durch den Eingang in den Raum.

Wie das Gerippe herankam, machte es eine Bewegung gegen die Leute, wodurch
sie gezwungen waren, in der gleichen Stellung, wie das Gerippe, auf Knie
und Ellbogen zu fallen. Es wandte sich nun um und kroch, wie es gekommen
war, von den Leuten, die ihm nachgehen muten, gefolgt, hinaus. Drauen
kroch es weiter zum Dorf hinaus, noch immer gefolgt von den Leuten: bald
darauf verschwand es und alle waren tot. Einige Dorfbewohner waren nicht
dagewesen, als das Gerippe, der Tunghak, gekommen war und als sie
zurckkamen, sahen sie berall Leichen herumliegen. Als sie ins Haus
gingen, fanden sie den Waisenknaben und der erzhlte, wie die anderen
umgekommen waren. Sie verfolgten dann die Spuren des Tunghak und kamen
jenseits des Hgels an ein uraltes Grab, bei dem die Spuren endeten.

Einige Tage darauf ging der Bruder eines der toten Mnner aufs Meereis
hinaus, ziemlich weit weg vom Dorf, um zu fischen. Er blieb lange und die
Dunkelheit berraschte ihn, als er noch weit drauen war. Als er so
dahinging, erschien pltzlich der Tunghak vor ihm und lief immer auf seinem
Weg hin und her. Der junge Mann versuchte an ihm vorberzukommen und zu
entfliehen, konnte es aber nicht, denn der Tunghak blieb immer vor ihm und
tat immer dasselbe wie er. Als ihm nichts mehr einfiel, nahm er pltzlich
einen Fisch aus seinem Korb und warf ihn auf den Tunghak. Als er den Fisch
herauszog war er steif gefroren, aber als er in die Nhe des Tunghak kam,
kehrte er pltzlich um und fiel ber die Schultern des Jnglings zurck in
den Korb und schlug darin herum, denn er war wieder lebendig geworden.

Jetzt zog der Fischer einen seiner Hundsfellfustlinge aus und warf ihn
hin. Wie der nun in der Nhe des Tunghak niederfiel, wurde er ein Hund, der
das Gespenst anbrummte und anknurrte und so seine Aufmerksamkeit auf sich
lenkte, so da der Mann vorbei und so schnell er nur konnte zum Dorf lief.
Als er ein Stck Wegs zurckgelegt hatte, wurde er wieder vom Tunghak
aufgehalten und gleichzeitig sprach eine Stimme von oben: Bind ihm doch
seine Fe auseinander, sie sind mit einer Schnur zusammengebunden. Er
hatte aber zu groe Angst, um das auszufhren. Er warf also lieber noch
einen anderen Fustling und auch der verwandelte sich in einen Hund, der
wie der erste den Tunghak aufhielt.

Der Jngling lief so rasch er konnte davon und fiel erschpft bei der
Haustr nieder, als auch schon der Tunghak kam. Der ging, ohne ihn zu
bemerken, knapp an ihm vorber ins Haus hinein, fand aber niemand drin und
kam wieder heraus. Der junge Mann stand nun auf und ging hinein; er wagte
es aber nicht, was er gesehen hatte seiner Mutter zu erzhlen. Am folgenden
Tag ging er wieder fischen und stie unterwegs auf einen Mann, der am Weg
lag. Seine Hnde und sein Gesicht waren ganz schwarz. Als er nher kam,
forderte ihn der schwarze Mann auf, ihm auf den Rcken zu steigen und die
Augen zu schlieen. Er folgte und bald darauf durfte er die Augen wieder
ffnen. Als der Jngling dies tat, sah er gerade vor sich ein Haus und in
dessen Nhe ein schnes junges Weib. Sie sprach zu ihm: Warum hast du
vorige Nacht nicht getan, wie ich dir geraten, als der Tunghak dich
verfolgte? Er antwortete, da er sich gefrchtet habe. Das Weib gab ihm
dann einen zauberkrftigen Stein als Talisman, der ihn in Hinkunft vor den
Tunghak schtzen sollte und dann nahm ihn der schwarze Mann wieder auf den
Rcken und als er die Augen ffnete, war er zu Hause.

Seit dieser Zeit wollte der junge Mann als Zauberer angesehen werden,
dachte aber immer nur an das schne Weib, das er gesehen hatte, so da er
nicht viel Krfte besa. Schlielich sagte sein Vater zu ihm: Du bist gar
kein Zauberer! Du machst mir nur Schande; geh wo anders hin! Am nchsten
Morgen verlie der Jngling bei Tagesanbruch das Dorf und man hat nie
wieder etwas von ihm gehrt.--




Die Auswanderung der Sagdlirmiut


In der Gegend von Ussualung gibt es zwei Orte: Qerniqdjuaq und
Echaluqdjuaq. In jedem dieser Orte war ein groes Haus, in dem viele
Familien zusammenlebten. Wenn sie im Sommer Renntiere jagten, so pflegten
sie sich zusammenzugesellen, im Herbst aber kehrten sie in ihre Huser
zurck.

Einmal hatten die Leute von Qerniqdjuaq viel Erfolg, whrend die von
Echaluqdjuaq kaum ein Tier gefangen hatten. Daher waren die letzteren sehr
rgerlich und beschlossen, die andere Partei zu tten, wollten damit aber
noch bis zum Winter warten. In ziemlich vorgerckter Jahreszeit wurden dann
noch viele Renntiere erlegt und aufgespeichert; mit Schlitten sollten sie
dann in die Winterlager gebracht werden.

Eines Tags bereiteten sich beide Parteien zu einer Ausfahrt nach diesen
Vorrten vor und die Echaluqdjuaq-Mnner beschlossen, bei dieser
Gelegenheit ihre Feinde umzubringen. Sie zogen mit ihren Hunden und
Schlitten ab und als sie schon ziemlich ber Land waren, griffen sie ihre
nichtsahnenden Genossen an und tteten sie. Aus Furcht, die Frauen und
Kinder der Ermordeten knnten Verdacht schpfen, wenn die Hunde ohne ihre
Herren zurckkehrten, tteten sie diese auch noch. Bald darauf kehrten sie
heim und sagten sie htten die andere Partei verloren und wten nicht was
mit ihr geschehen sei.

Ein junger Echaluqdjuaq war der Liebhaber eines Mdchens der Qerniqdjuaq
und pflegte sie allnchtlich zu besuchen. Auch jetzt stellte er seine
Besuche nicht ein. Er wurde von ihr freundlich aufgenommen und legte sich
mit ihr schlafen.

Unter der Bank war ein kleiner Bub, der den Echaluqdjuaq kommen sah. Als
alles schlief, hrte er jemand sprechen und erkannte bald, da es die
Geister der Ermordeten waren, welche ihm erzhlten, was sich zugetragen und
ihn baten, zur Rache den jungen Mann zu tten. Der Knabe kroch unter dem
Bett hervor, nahm ein Messer und stach es dem jungen Mann in die Brust.
Obwohl er ein kleiner Knabe und noch schwach war, glitt das Messer von den
Rippen ab, drang tief ins Herz und ttete so den jungen Mann.

Dann weckte er die anderen Hausgenossen und erzhlte ihnen, da die Geister
der Toten zu ihm gekommen, von ihrer Ermordung erzhlt und ihm aufgetragen,
den jungen Mann zu tten. Die Frauen und Kinder waren sehr erschrocken und
wuten nicht was sie tun sollten. Schlielich beschlossen sie den Rat einer
alten Frau zu befolgen und vor ihren grausamen Nachbarn zu fliehen. Da ihre
Hunde gettet waren, konnten sie die Schlitten nicht verwenden. Zufllig
war aber eine Hndin mit jungen Hunden im Haus und das alte Weib, welches
eine groe Zauberin war, befahl ihnen die jungen Hunde zu schlagen, dann
wrden sie schnell wachsen. So geschah es auch und in kurzer Zeit waren
die Hunde gro und stark. Sie schirrten sie an und brachen so rasch als nur
mglich auf. Um ihre Nachbarn zu tuschen, lieen sie alles zurck und
lschten nicht einmal ihre Lichter aus, damit jene gar keinen Verdacht
schpften.

Den nchsten Tag wunderten sich die Echaluqdjuaq, da ihr Kamerad nicht
zurckgekommen und gingen zur Htte nach Qerniqdjuaq. Sie guckten durch den
Fensterspalt, sahen die Lampen brennen aber niemand darin. Schlielich
fanden sie den Krper des jungen Mannes, fanden die Schlittenspuren,
brachten schleunigst ihre Schlitten in Ordnung und verfolgten die
Flchtlinge.

Obwohl diese sehr rasch vorwrts kamen, folgten ihnen die Verfolger noch
schneller und es schien, als wrden sie sie in kurzer Zeit einholen. Da sie
die Rache der Verfolger frchteten, bekamen die Flchtigen groe Angst.

Als der Schlitten der Mnner nher kam und die Frauen sahen, da es
unmglich sei zu entkommen, fragte eine junge Frau die Zauberin: Weit du
nicht, wie man das Eis zerschneiden kann? Die Alte bejahte und zog langsam
mit ihrem Zeigefinger einen Strich ber das Eis, quer ber den Weg der
Verfolger. Das Eis gab einen lauten Krach. Noch einmal zog sie den Strich,
ein Spalt ffnete sich und erweiterte sich so rasch als sie weiterzogen.
Die Flut hob sich und als die Mnner herankamen, konnten sie nicht ber den
breiten Spalt offenen Wassers. So war die eine Partei durch die Kunst
ihrer Zauberin gerettet worden.

Viele Tage zogen sie noch hin und her und landeten endlich auf der Inseln
Sagdlirn, wo sie blieben und die Stammtter der Sagdlirmiut wurden.




Die Rivalen


Zwischen zwei Mnnern bestand scharfe Rivalitt. Jeder behauptete der
Strkere zu sein und bemhte sich, dem anderen das zu beweisen. Der eine
behauptete, er knne eine Insel machen, etwas nie dagewesenes. Er hob einen
ungeheuer groen Felsen auf und schleuderte ihn ins Meer, wo er als Insel
liegen blieb. Da gab der andere dieser Insel einen solchen Futritt, da
sie auf der Spitze einer anderen landete, die sehr weit weg war. Die Folgen
dieses Futrittes kann man bis zum heutigen Tage sehen: der Platz heit
Tu-kik-tok.




Die Geschichte von den drei Brdern


Vor langer Zeit lebten drei Brder. Zwei von ihnen waren erwachsen, der
dritte war aber noch jung; er hie Qaudjaqdjuq. Die lteren Brder hatten
ihre Heimat verlassen und zogen jahrelang herum, indes der Jngste mit
seiner Mutter in seinem Geburtsort lebte. Da er keinen Vater mehr hatte,
wurde der arme Junge von allen Mnnern des Dorfes mihandelt und niemand
war da, ihn zu beschtzen.

Schlielich hatten die lteren Brder es satt herumzustreifen und kehrten
heim; als sie hrten, da der Knabe von allen Inuits schlecht behandelt
worden sei, wurden sie rgerlich und sannen auf Rache. Zuerst taten sie so
als shen sie nichts, bauten aber ein Boot, in welchem sie entfliehen
wollten, sobald sie ihre Plne ausgefhrt hatten. Sie waren geschickte
Bootsbauer und vollendeten ihr Werk sehr bald. Als sie das Boot ausprobten,
glitt es so rasch wie eine Eiderente fliegt bers Wasser. Sie waren aber
noch nicht zufrieden mit ihrem Werk, zerstrten es wieder und bauten ein
neues Boot; das war bei der Probe so schnell, wie eine Eisente. Immer noch
waren sie unzufrieden, zerstrten auch dieses Boot und bauten ein drittes
und das war gut. Nachdem sie das Boot fertiggestellt hatten, lebten sie
friedlich mit den anderen Mnnern. Im Dorf war ein groes Festhaus, das zu
allen Festen benutzt wurde. Eines Tages gingen die drei Burschen hin,
schlossen es auf, und fingen an drin zu tanzen und zu singen, bis sie
erschpft waren. Da keine Sitzbank in dem Haus war, baten sie ihre Mutter,
eine zu bringen und als sie die Tre ffneten, um sie hereinzulassen,
entschlpfte ein Hermelin, der im Haus versteckt gewesen war.

In der Nhe des Festhauses spielten die anderen Inuit des Dorfes. Als sie
den Hermelin sahen, der mitten durchs Gedrnge lief, bemhten sie sich, ihn
zu fangen. Im Eifer der Verfolgung stolperte ein Mann, der das kleine Tier
schon fast gefangen hatte, so unglcklich ber einen Kieselstein, da er
augenblicklich tot war. Der Hermelin war, besonders ums Maul herum, ganz
mit Blut bespritzt; bei der Verwirrung, die nun ausbrach, entwischte er ins
Festhaus, wo er sich in seiner frheren Ecke versteckte.

Drinnen hatten die Brder wieder angefangen zu singen und zu tanzen. Als
sie erschpft waren, riefen sie nach ihrer Mutter, sie sollte etwas zum
Essen bringen. Wie sie nun die Tr ffnete, entwischte der Hermelin wieder
und rannte zwischen den Inuit, die noch immer drauen spielten, herum.

Als sie ihn bemerkten, glaubten sie jetzt, die Brder wollten sie dadurch
veranlassen, ihn zu verfolgen, um so nacheinander umzukommen. Der ganze
Haufen strmte daher das Festhaus, mit der Absicht die Brder zu tten. Da
die Tr geschlossen war, krochen sie aufs Dach und rissen es auf, aber als
sie ihre Speere nahmen, um die drei Mnner zu durchbohren, ffneten die
die Tr und liefen hinunter an den Strand. Ihr Boot war ganz in der Nhe
und zur Abfahrt bereit, whrend die der anderen Inuit ziemlich weit weg
lagen.

Sie schifften sich mit ihrer Mutter ein und als sie ein wenig drauen waren
und sahen, da die anderen Mnner ihre Boote noch nicht erreicht hatten,
bildeten sie sich ein, da die nie imstande wren, sie einzuholen, selbst
wenn sie mit uerster Anstrengung ruderten. Sie spielten also nur mit den
Rudern am Wasser. Einige junge Frauen und Mdchen waren am Strand und sahen
auf die Mnner, die sich mit uerster Kraft anzustrengen schienen. Der
lteste Bruder rief den Weibern zu: Wollt ihr uns helfen? Wir knnen
allein nicht weiter kommen. Zwei Mdchen sagten zu, aber sowie sie ins
Boot gekommen waren, fingen die Brder an so hart zu rudern, als sie nur
konnten. Das Boot flog dahin, schneller als eine Ente und die Mdchen
schrien vor Angst. Die anderen Inuits beeilten sich, begierig, die
Flchtigen einzuholen und bald waren ihre Boote bemannt.

Die Brder hatten nicht die mindeste Angst, da ihr Boot ja das bei weitem
schnellste war. Als die Verfolger fast auer Sehweite gekommen waren,
wurden sie pltzlich von einem hohen, steilen Landrcken aufgehalten, der
sich vor dem Boot erhob und ihren Weg versperrte. Sie wurden ganz verwirrt,
denn sie muten ein langes Stck zurck und frchteten, von den anderen
Booten berholt zu werden. Einer der Brder aber war ein groer Zauberer
und rettete sie durch seine Kunst. Er befahl ihnen:

Macht eure Augen zu und ffnet sie nicht, bevor ich es euch erlaube; dann
rudert los! Sie taten wie er befohlen und als er sie wieder aufschauen
hie, sahen sie, da sie mitten durchs Land gefahren waren, das sich nun
hinter ihnen genau so hoch und furchtbar erhob, wie es ihnen vorhin den Weg
versperrt hatte. Es hatte sich geffnet und sie waren durchgefahren.

Nachdem sie einige Zeit weiter gerudert, sahen sie einen langen schwarzen
Strich im Meer. Als sie nher kamen, erkannten sie, da es eine
undurchdringliche Masse von Seegras war; sie war so fest, da sie aus dem
Boot steigen und darauf stehen konnten. Es war ausgeschlossen das Boot
durchzubringen, obwohl es schneller als eine Ente war. Der lteste Bruder
erinnerte sich aber seiner Zauberkunst und sagte zu seiner Mutter: Nimm
deine Haarenden und peitsche das Seegras. Kaum tat sie so, da versank es
auch und gab den Weg frei.

Nachdem sie ber dieses Hindernis hinaus waren, wurden sie nicht mehr
aufgehalten und vollendeten ihre Reise in Sicherheit. Als sie ihr Ziel
erreicht hatten, gingen sie an Land und errichteten eine Htte. Die beiden
Frauen, die sie ihren Feinden entfhrt hatten, gaben die Brder
Qaudjaqdjuq.

Sie wollten ihn nun ebenso stark machen, wie sie selbst waren. Dazu fhrten
sie ihn zu einem ungeheuren Stein und sagten: Versuch' diesen Stein zu
heben! Da Qaudjaqdjuq das nicht konnte, schlugen sie ihn und sagten:
Versuch' es noch einmal! Diesmal konnte ihn Qaudjaqdjuq ein wenig von der
Stelle rcken. Die Brder waren noch nicht zufrieden und schlugen ihn
nochmals. Von den letzten Schlgen wurde er sehr stark, hob den Stein auf
und warf ihn ber die Htte.

Die Brder gaben ihm dann die Rute und sagten ihm, er solle damit die
Frauen schlagen, wenn sie ihm ungehorsam wren.




Qaudjaqdjuq


Vor langer Zeit lebte ein armer Waisenknabe, der keinen Beschtzer hatte
und von allen Dorfbewohnern mihandelt wurde. Er durfte nicht einmal in der
Htte schlafen, sondern mute drauen im kalten Eingang liegen, bei den
Hunden, die ihm Kissen und Decke waren. Er bekam auch kein Essen, sondern
man warf ihm alten zhen Walrospeck vor, den er ohne Messer verzehren
mute. Ein junges Mdchen war die einzige, die ihn bemitleidete; sie gab
ihm ein kleines Stck Eisen als Messer, bat ihn aber, es ja gut zu
verbergen, sonst wrden die Mnner es ihm wegnehmen. Er tat so und steckte
es in sein Gewand. So fhrte er ein elendes Leben und wuchs nicht einmal,
sondern blieb der arme, kleine Qaudjaqdjuq. Nicht einmal mit den anderen
Kindern konnte er spielen, da sie ihn wegen seiner Schwche ebenso qulten
und mihandelten, wie alle anderen.

Wenn die Dorfbewohner sich im Festhaus versammelten, pflegte Qaudjaqdjuq im
Eingangsflur zu liegen und ber die Schwelle zu gucken. Hie und da zog ihn
ein Mann an der Nase in die Htte und gab ihm das groe Uringef, um es
auszuschtten. Das war so gro und schwer, da er es mit beiden Hnden und
den Zhnen halten mute. Da er immer an den Nasenflgeln gezogen wurde,
waren sie sehr gro, obwohl er selbst klein und schwach blieb.

Schlielich kam der Mann im Mond, der gesehen hatte, wie schlecht sich die
Leute gegen Qaudjaqdjuq benahmen, herunter, um ihm zu helfen. Er spannte
seinen Hund Terii-tiaq vor einen Schlitten und fuhr herunter. In der Nhe
der Htte machte er Halt und schrie: Qaudjaqdjuq, komm heraus! Der
antwortete: Ich will nicht herauskommen, geh weg! Als er ihn aber ein
zweites und drittesmal herauskommen hie, gehorchte er, obwohl er groe
Angst hatte. Dann ging der Mann vom Mond mit ihm zu einem Platz, wo einige
groe Steine herumlagen und nachdem er ihn geschlagen hatte, fragte er:
Fhlst du dich jetzt strker? Ja, ich fhl' mich strker. Dann heb
diesen Stein. Da Qaudjaqdjuq ihn noch nicht heben konnte schlug er ihn
wieder und jetzt begann er pltzlich zu wachsen; zuerst wurden seine Fe
ganz auerordentlich gro. Wieder fragte ihn der Mann im Mond: Fhlst du
dich jetzt strker? Qaudjaqdjuq antwortete: Ja, ich fhle mich schon
strker. Da er aber den Stein noch immer nicht heben konnte, wurde er
nochmals geschlagen. Daraufhin bekam er riesige Krfte und hob den Stein,
als ob es ein kleiner Kiesel wre. Der Mondmann sagte: Das wird langen;
morgen werde ich drei Bren schicken, dann magst du deine Kraft beweisen.

Er kehrte in den Mond zurck; Qaudjaqdjuq, der jetzt der groe Qaudjaqdjuq
geworden war, ging nach Hause und schleuderte mit den Fen die Steine nach
rechts und links, da sie nur so flogen. Nachts legte er sich wieder zu
den Hunden. Am nchsten Morgen erwartete er die Bren und wirklich
erschienen bald drei groe Tiere und erschreckten alle Mnner so, da sie
sich nicht aus den Htten wagten.

Da zog Qaudjaqdjuq seine Stiefel an und lief hinunter aufs Eis. Ein Mann,
der aus dem Fensterspalt guckte, sagte: Schaut her, ist das nicht
Qaudjaqdjuq? Die Bren werden bald mit ihm sich auf den Weg machen. Er
aber packte den ersten bei den Hinterbeinen und schlug seinen Kopf gegen
einen Eisberg, in dessen Nhe er gerade stand. Dem anderen ergings nicht
besser. Den dritten aber trug er zum Dorf hinauf und erschlug einige seiner
Feinde mit ihm. Andere wrgte er mit den Hnden zu Tode, oder er spaltete
ihre Kpfe und schrie: Das ist dafr, da ihr mich mihandelt habt; das
ist fr eure Qulereien! Die er nicht umbrachte, liefen weg, um niemals
wiederzukehren. Nur einige, welche zum kleinen, armen Qaudjaqdjuq
freundlich gewesen waren, darunter auch das Mdchen, welches ihm das Messer
geschenkt hatte, verschonte er. Qaudjaqdjuq lebte dann als groer Jger
weiter und zog, viel Heldentaten vollbringend, durchs Land.--




Der Mann im Monde


Vor langer Zeit lebte einmal ein Mann, der seine Frau wenig gut behandelte.
Eines Tags schlug er sie wieder, obwohl sie schwanger war. Spt am Tag ging
er dann Seehunde jagen. Es war eine klare Nacht, Sterne und Mond schienen
hell. Da rief die Frau den Mann im Mond an und bat ihn herunterzukommen.
Gegen Morgen hrte sie jemand mit Hunden sprechen und sah einen von zwei
Hunden gezogenen Schlitten. Es war der Mann vom Mond und seine beiden Hunde
Terii-tiaq und Kanageak. Der Mann vom Mond rief ihr zu: Komm heraus! Sie
folgte und er hie sie sich auf seinen Schlitten setzen. Dann befahl er ihr
die Augen zu schlieen und sie nicht frher zu ffnen, als bis sie an ihrem
Bestimmungsort angekommen wren. Sie schlo die Augen und dann schwebten
sie aufwrts durch die Luft. Nach geraumer Zeit sagte der Mann vom Mond:
Mach jetzt deine Augen auf! Sie antwortete: Ich glaube, wir sind
angekommen. Sie sah sich um und bemerkte ein Schneehaus. Die beiden traten
ein. Innen war alles sehr hbsch. Der Mann lud sie ein bei ihm zu bleiben
und sagte: Du sollst auf der linken Seite gegenber der Haustre sitzen.
Er selbst setzte sich auf die rechte Seite, der Lampe gegenber. Nach
einiger Zeit bat er sie, zu ihm herber zu kommen und zeigte ihr dicht bei
seinem Sitzplatz ein Loch, durch welches sie auf die Erde hinunter sehen
konnte. Sie konnte ihren Mann in Kleidern voll Schnee und Eis vor seiner
Haustr sitzen sehen. Er war gerade vom Seehundsfang zurckgekehrt und
hatte die Abwesenheit seiner Frau entdeckt. Sie war sehr erstaunt, trotz
der groen Entfernung, alles so klar zu sehen.

Da sagte der Mann im Mond zu ihr: Es wird jetzt bald eine Frau namens
Ululiernang hereinkommen. Lache ber nichts, was sie tun wird, sonst
schneidet sie dir die Eingeweide heraus; sie ist ganz versessen auf solche
Speise. Wenn du merkst, da du dir das Lachen nicht verbeien kannst, steck
deine linke Hand unters Knie und streck sie dann aus mit allen Fingern, vom
zweiten Glied an abgebogen, nur den Mittelfinger mut du ausstrecken. Kaum
hatte er das gesagt, als auch schon Ululiernang herein kam. Sie trug eine
flache Schssel und ein Frauenmesser. Sie stellte beides hin und fing eine
Menge Possen an. Sie nahm den Vorderlatz ihrer Jacke, rollte ihn zusammen
und hielt ihn vor, als wollte sie sagen: Weiche ja nicht von diesem Weg
ab! Und sie machte viele Luftsprnge, um die Frau zum Lachen zu bringen.
Als die Besucherin sich schon nah daran fhlte, herauszulachen, zog sie die
Hand unter dem Knie hervor und streckte sie gegen Ululiernang. Da sagte
diese: Ich habe groe Angst vor diesem Bren. Sie glaubte die Hand der
Frau sehe genau wie eine Brenpratze aus. Dann aen der Mann und die Frau
zu Mittag. Nach einiger Zeit sagte der Mann im Mond zur Frau, es wre jetzt
Zeit, auf die Erde zurckzugehen, und sobald dein Kind geboren sein wird,
wirst du ein Gerusch hren, als ob etwas heruntergefallen wre. Du mut
dann hinausgehen und nachsehen, was es ist. Dann brachte er sie zurck auf
die Erde; zur Htte ihres Mannes.

Ihr Mann erzhlte ihr, wie unglcklich er sich gefhlt, als er bemerkt
hatte, da sie weggegangen war. Er hatte sie schon tot geglaubt. Dann
erzhlte sie ihrem Mann, was sich alles zugetragen hatte.

Nach einiger Zeit gebar sie das Kind. Es war ein Knabe. Ihr Gatte war
wieder beim Seehundsfang und sie war allein. Da hrte sie etwas fallen und
ging hinaus, um zu sehen, was es sei. Sie fand einen Renntier-Schinken, den
sie in die Htte nahm. Am Abend kam ihr Gatte zurck und als er das
Renntierfleisch sah, fragte er, woher sie das bekommen htte. Sie erzhlte,
da es vom Himmel gefallen sei: Es ist vom Mann im Mond, der versprochen
hat, mir etwas zu schicken. Als nach einiger Zeit alles Fleisch
aufgegessen war, ging der Mann wieder auf Seehunde aus. Die Frau hatte kein
Fett fr ihre Lampe. Auf einmal sah sie Fett heruntertropfen, zuerst in die
eine, dann in die andere Lampe. Als die Lampen voll waren, rief sie: Das
ist genug! Sie wute, da auch das ein Geschenk vom Mann im Mond war.
Abends kam ihr Mann zurck. Er war erstaunt, als er das l sah und fragte,
woher es komme. Sie erzhlte: Die Lampen haben sich selbst gefllt und wie
ich sah, da genug Fett da war, sagte ich >halt<!

Den nchsten Tag ging der Gatte wieder hinaus Seehunde jagen. In seiner
Abwesenheit hrte die Frau wieder etwas fallen und als sie hinausging, fand
sie wieder einen Renntierschinken. Am Abend kam der Mann zurck und hatte
einen Seehund erlegt. Er fragte: Hast du noch Renntierfleisch? Ja!
erwiderte sie, der Mann im Mond hat mir wieder welches gegeben. Abends
sah dann der Mann, wie sich die Lampen mit l fllten.

Als er am nchsten Tag wieder auf der Seehundsjagd war, erbeutete er einen
anderen Seehund und brachte ihn nach Hause. Whrend er ihn zerlegte, sagte
er zu seiner Frau: Hier ist doch genug Seehundsfleisch, warum it du nicht
davon? Ich selbst habs ja erlegt. Die Frau hatte bisher nur
Renntierfleisch gegessen, das ihr der Mann vom Mond gegeben hatte; jetzt
verzehrte sie etwas vom Seehund ihres Mannes. Von dieser Zeit an fiel nie
mehr Renntierfleisch vom Himmel und ihre Lampen fllten sich nicht mehr mit
Fett. Bald wurde sie krank. Das Renntierfleisch war aus und sie starb. Auch
ihr Kind starb. Der bergang von Renntierfleisch zu Seehundsfleisch,
whrend das Kind noch so klein war, war so schdlich gewesen, da er den
Tod des Kindes verursacht hatte.




Der Riese


In einer dunklen Winternacht lief eine Frau durch das Dorf Nikh-tua und
hinaus in die verschneite Tundra. Sie floh vor ihrem Mann, dessen
Grausamkeit ihr unertrglich geworden war. Die ganze Nacht hindurch und
noch viele Tage wanderte sie nordwrts und machte um die Drfer, in deren
Nhe sie kam, einen Bogen, aus Furcht, entdeckt zu werden. Schlielich
hatte sie schon alle Anzeichen menschlichen Lebens hinter sich und die
Klte wurde rger und rger. Ihr geringer Mundvorrat war verbraucht und um
den Hunger zu stillen, begann sie Schnee zu essen. Eines Tags, als es schon
Nacht wurde, war sie an einen so windigen Ort gekommen, da sie gezwungen
war, weiterzugehen. Schlielich sah sie etwas wie einen Hgel mit fnf
Buckeln auf seinem Rcken vor sich, als sie nherkam, sah sie, da er einem
sehr groen Menschenfu hnelte. Nachdem sie den Schnee zwischen zwei
Erhhungen, die wie ungeheure Zehen aussahen, weggefegt, fand sie es warm
und bequem da und schlief bis zum Morgen, wo sie dann aufbrach und bis zu
einer vereinzelten Erhebung, die in der verschneiten Ebene erschien,
weiterging. Diese erreichte sie bei Einbruch der Nacht und bemerkte, da
sie wie ein groes Knie geformt war. Sie fand einen geschtzten Platz und
blieb da, bis sie Morgens weiterging. Diesen Abend schtzte sie fr die
Nacht ein Hgel, der einem groen Schenkel glich. Die nchste Nacht fand
sie in einer runden, grubenartigen Vertiefung, um die herum verstreut
Strucher wuchsen, Schutz; als sie Morgens diesen Ort verlie, erschien er
ihr wie ein groer Nabel.

Die nchste Nacht schlief sie in der Nhe zweier, wie enorme Brustmuskeln
aussehender Hgel; die folgende Nacht fand sie eine geschtzte, gerumige
Hhlung, in der sie schlief. Als sie morgens gerade daran war von hier
aufzubrechen, glaubte sie aus der Gegend, wo sie ihre Fe hatte, eine
mchtige Stimme zu vernehmen: Wer bist du? Was hat dich zu mir getrieben,
zu dem menschliche Wesen niemals kommen? Sie war sehr erschrocken, brachte
es aber doch zustande, ihre traurige Geschichte zu erzhlen und daraufhin
sprach die Stimme wieder: Gut, du kannst hier bleiben, aber du darfst
nicht mehr in der Nhe meines Mundes oder meiner Lippen schlafen, denn wenn
ich dich anhauchte, so wrde ich dich wegblasen. Du mut hungrig sein. Ich
will dir etwas zu Essen verschaffen.

Whrend sie wartete, fiel ihr pltzlich ein, da sie fnf Tage ber den
Krper des Riesen Kin-k gewandert war. Nun wurde der Himmel pltzlich
finster und eine groe schwarze Wolke kam langsam auf sie zu; wie sie nher
war, sah sie, da es die Hand des Riesen war, welche sich ffnete und ein
frisch gettetes Renntier fallen lie und die Stimme sagte ihr, sie solle
davon essen. Rasch brach sie einiges Strauchholz, das berall herumwuchs,
machte Feuer und a gierig das gebratene Fleisch. Der Riese sagte wieder:
Ich wei, du willst einen Platz, wo du bleiben kannst und da ist es am
besten fr dich, in meinen Bart zu gehen, dort, wo er am dichtesten wchst,
maen ich jetzt Atem holen will, um den angesammelten Reif, der mich qult,
aus meinen Lungen zu bringen; geh also schnell!

Sie hatte gerade noch Zeit in den Bart des Riesen hinunterzusteigen, als
ein frchterlicher Sturmwind ber ihren Kopf dahinbrauste, begleitet von
einem blendenden Schneesturm, der aber, nachdem er sich ber die Tundra
ausgebreitet, so rasch aufhrte, als er begonnen und mit einemmal wurde der
Himmel wieder hell.

Den andern Tag sagte ihr Kin-k, sie solle sich einen guten Platz suchen
und aus seinen Barthaaren eine Htte bauen. Sie sah sich um und whlte
unweit seines Nasenloches, auf der linken Seite der Nase, eine Stelle und
baute aus seinen Schnurrbarthaaren ihre Htte. Hier lebte sie lange Zeit;
der Riese half ihren Nten ab, indem er seine groe Hand ausstreckte und
Renntiere und Seehunde oder was sie sonst immer zur Nahrung wollte,
erbeutete. Aus Wolfsfellen, Fellen von braunen Vielfraen und anderen
befellten Tieren, die er fr sie fing, machte sie sich selbst nette Kleider
und bald hatte sie einen groen Vorrat von Fellen und Pelzen zurckgelegt.

Kin-k fand mit der Zeit, da sein Schnurrbart schtter werde, da sie die
Haare als Feuerholz verwandte und er verbot ihr frder, welche zu nehmen,
aber er sagte, sie knne von den Haaren nehmen, die an der Seite des
Gesichts wuchsen, wenn sie noch welche brauche. Lange Zeit verging so.

Eines Tages fragte sie Kin-k, ob sie nicht nach Hause gehen wolle. Ja,
sagte sie, nur frchte ich, mein Mann wird mich wieder schlagen und ich
werde niemand haben, der mich beschtzen wird.

Ich will dich beschtzen, sagte er. Geh, schneide die Ohrspitzen von
allen Fellen, die du hast, ab und gib sie in einen Korb. Dann setz dich
selbst vor meinen Mund und wenn du einmal in Gefahr sein solltest, vergi
nicht zu rufen: Kin-k, Kin-k, komm zu mir und ich werde dich
beschtzen. Geh jetzt und tu, wie ich dir gesagt habe. Es ist Zeit. Ich bin
schon mde, so lange an einem Platz zu liegen und will mich umdrehen, und
wenn du dann hier wrest, wrdest du zerquetscht werden. Dann tat die
Frau, wie ihr gesagt worden und kauerte sich vor seinen Mund.

Auf einmal erhob sich ein Wind und Schneewehen und die Frau fhlte sich
davongehoben bis sie schlfrig wurde und die Augen schlo; als sie
erwachte, war sie in der Gegend der Huser von Nikh-tua, konnte aber nicht
glauben, da dem so sei, bis sie das gewohnte Geheul der Hunde hrte. Sie
wartete den Abend ab und ging dann, nachdem sie den Korb mit den Ohrspitzen
ins Vorhaus gestellt, in das Haus des Gatten. Der hatte sie schon lange als
tot betrauert und seine Freude ber ihre Rckkehr war sehr gro. Dann
erzhlte sie ihre Geschichte und ihr Mann versprach, sie nie mehr schlecht
zu behandeln. Als er den nchsten Tag durch sein Vorhaus ging, war er sehr
erstaunt, es mit wertvollen Pelzen angefllt zu finden; es hatte sich jede
Ohrspitze, die seine Frau gebracht, ber Nacht in ein ganzes Fell
verwandelt.

Diese Felle machten ihn sehr reich und er wurde infolgedessen einer der
Huptlinge des Dorfes. Nach einiger Zeit aber fhlte er sich unglcklich,
denn er hatte keine Kinder und sprach daher zu seiner Frau: Was wird mit
uns sein, wenn wir alt und schwach sind und niemand haben, der fr uns
sorgt? Ja, wenn wir nur einen Sohn htten! Eines Tages hie er seine Frau
sich sorgfltig zu baden; dann tauchte er eine Feder in l und zeichnete
damit die Gestalt eines Knaben auf ihren Bauch. Nach der bestimmten Zeit
gebar sie einen Sohn und sie waren sehr glcklich. Der Knabe wuchs rasch
auf und zeichnete sich vor allen Kameraden durch Strke, Gewandtheit und
als guter Schtze aus. Zur Erinnerung an den Riesen wurde er Kin-k
genannt. Schlielich wurde der Gatte dann aber doch wieder unfreundlich und
mrrisch wie frher und eines Tages gar so aufgebracht, da er einen Stock
nahm, um seine Frau zu schlagen. Sie lief aus Angst aus dem Haus, glitt
aber drauen aus und fiel; und wie ihr Mann dicht an ihr war, erinnerte sie
sich des Riesen und rief: Kin-k! Kin-k! komm zu mir. Sie hatte diese
Worte kaum gesprochen, als ein frchterlicher Windsto ber sie wegblies
und den Mann wegfegte, da er nie mehr gesehen wurde.

Jahre vergingen und Jung-Kin-k wuchs zu einem schnen, starken jungen Mann
heran, wurde ein sehr erfolgreicher Jger, hatte aber ein wildes und
grausames Temperament. Eines Abends kam er nach Hause und erzhlte seiner
Mutter, da er mit zweien seiner Gefhrten Streit gehabt und beide gettet
habe. Seine Mutter machte ihm Vorwrfe, indem sie ihn an die Gefahren der
Blutrache seitens der Verwandten der Ermordeten erinnerte. Eine Zeit
verstrich und die Sache schien vergessen.

Wieder einmal kam Kin-k damit nach Hause, da er einen Genossen gettet
habe. Seither hatte er alle paar Tage mit jemand Streit, was immer damit
endete, da er ihn erschlug. Schlielich hatte er so viel Leute erschlagen,
da seine Mutter ihm nicht lnger erlauben wollte, mit ihr zu leben. Er
schien aber darber sehr erstaunt und sagte: Bist du denn nicht meine
Mutter? Wie kannst du mich so behandeln?

Ja, sagte sie, ich bin deine Mutter, aber dein Ungestm hat es so weit
gebracht alle unsere Freunde umzubringen, oder zu vertreiben. Jeder hat
und frchtet dich und bald wird niemand, auer alten Weibern und Kindern im
Dorf leben. Geh weg! Verla diesen Ort, das wird fr uns alle besser sein.

Kin-k sagte nichts, sondern jagte eine Zeitlang unausgesetzt, bis er
seiner Mutter Vorhaus mit Fleisch und Pelzen angefllt hatte. Dann ging er
zu ihr und sagte: Jetzt habe ich dich mit Nahrung und Pelzen versehen,
wie meine Pflicht war, ich bin bereit, dich zu verlassen und ging weg.

Zufllig schlug er die gleiche Richtung ein, die seine Mutter auf ihrer
Flucht gegangen war und kam schlielich zum Kopf des Riesen. Als der Riese
erfuhr, da er der Sohn jener Frau sei, die bei ihm gewesen, erlaubte er
dem jungen Mann dazubleiben, sagte ihm aber, er solle ja nie an seine
Lippen kommen, denn wenn er das wage, werde ihm etwas Bses zustoen.
Einige Zeit lebte Kin-k da ganz ruhig, aber zuletzt fiel ihm doch ein zu
den Lippen des Riesen zu gehen und zu sehen, was denn dort wre. Nach einem
guten Stck harter Arbeit durch das Bartdickicht auf des Riesen Kinn,
erreichte er den Mund. Im Augenblick, da er ber die Lippen schritt und zur
ffnung zwischen ihnen gelangte, blies ein mchtiger Windsto heraus,
wirbelte ihn in die Luft und er ward nicht mehr gesehen.

Der Riese lebt noch immer im Norden, obwohl bis auf den heutigen Tag seit
jener Zeit niemand dort war. Aber wenn er atmet, geben die wilden,
schneeigen Nordstrme des Winters von seinem Dasein Kunde.




Der seltsame Knabe


In einem Dorf, weit im Norden, lebte ein Mann mit Frau und Kind; das war
ein Sohn. Dieser Knabe war ganz anders als die anderen: wenn die Dorfkinder
herumliefen, schrien und miteinander spielten, sa er still und
gedankenvoll am Dach des Hauses und niemals a er oder trank er etwas
anderes, als was seine Mutter ihm gab.

Die Jahre verstrichen und er wurde mannbar, aber seine Gewohnheiten waren
noch immer die gleichen geblieben. Seine Mutter nhte ihm nun ein Paar
Fellschuhe mit sehr dicken Sohlen, einen doppelten wasserdichten Anzug, und
noch einen aus den Fellen einjhriger Renntiere. Tglich sa er am
Hausdach, ging am Abend hinein essen und schlief bis zum nchsten frhen
Morgen, ging dann wieder aufs Dach zurck und erwartete den Tagesanbruch.

Eines Tages aber ging er, nachdem die Sonne aufgegangen war, wieder nach
Hause und fand seine neuen Kleider fertig. Er versah sich mit
Lebensmitteln, zog die neuen Kleider an und erklrte dann seiner Mutter,
da er auf eine Reise nach Norden gehe. Seine Mutter weinte bitterlich und
bat ihn, doch nicht dorthin zu gehen, denn keiner von denen, die nach dem
hohen Norden gegangen, sei jemals zurckgekehrt. Er beachtete das aber
nicht, sondern nahm seinen Brenspie, verabschiedete sich und ging fort;
die Eltern lie er weinend und ohne alle Hoffnung auf seine jemalige
Heimkehr zurck, obwohl sie ihn sehr liebten und seine Mutter ihm
ausdrcklich gesagt hatte, da noch keiner ihres Dorfes, der nach Norden
gegangen, je wiedergekommen wre.

Der junge Mann wanderte weit und erreichte, als es Abend wurde, eine Htte,
aus deren Dachluke Rauch aufstieg. Er zog nun den wasserdichten Anzug aus,
legte ihn vor den Eingang und kroch dann behutsam aufs Dach und blickte
durch den Rauchabzug. In der Mitte des Raumes brannte ein Feuer und eine
alte Frau sa am Platz des Hausvaters, whrend ein alter Mann, der gerade
vor ihr sa, Pfeile schnitzte. Whrend der junge Mann noch am Dach lag,
rief der Alte ohne seinen Kopf emporzuheben: Warum liegst du da drauen?
Komm doch herein! Der Junge glaubte sich entdeckt, obwohl der Alte gar
nicht aufgesehen hatte, erhob sich und ging hinein. Als er eintrat begrte
ihn der Mann und fragte, warum er nach Norden auf die Suche nach einem Weib
gehe und fuhr dann fort: Es sind dort viele Gefahren, du ttest besser
daran, umzukehren; ich bin der Bruder deines Vaters und meine es gut mit
dir. Weiter hinaus zu sind die Leute sehr schlecht und wenn du weitergehst,
wirst du nie zurckkommen.

Der junge Mann war sehr erstaunt, den Zweck seiner Reise zu hren, da er
ihn nicht einmal seinen Eltern verraten hatte. Nachdem er hier etwas
gegessen, schlief er bis zum nchsten Morgen und schickte sich dann an,
weiter zu gehen. Der alte Mann gab ihm ein kleines schwarzes Ding, das mit
etwas gelbem, wie ein Eidotter, gefllt war und sagte dabei: Wenn du
unterwegs wenig zu essen haben wirst, soll dich das strken. Der junge
Mann schlang es mit einem Schluck hinunter, fand es sehr schmackhaft,
schpfte tief Atem und sagte: Ah, jetzt fhle ich mich stark. Dann nahm
er seinen Speer und zog los. Knapp vor Einbruch der Nacht kam er zu einer
anderen einsamen Htte und als er hineinsah, bemerkte er wieder ein Feuer,
eine alte Frau an der einen Seite sitzend und gerade unter sich einen Mann,
der Pfeile schnitzte. Wieder rief der alte Mann, ohne den Kopf zu heben
hinaus und fragte, warum er nicht hereinkomme, sondern drauen stehe.
Wieder war er erstaunt den Zweck seiner Reise zu vernehmen und abermals
wurde er gewarnt weiterzuziehen. Auf all das aber achtete der Jngling
nicht, sondern a und schlief da, wie tags zuvor. Als er am Morgen bereit
war aufzubrechen, sah der alte Mann ein, da er ihn nicht zurckhalten
knne und so gab er ihm ein kleines, rein-weies Ding und bedeutete dem
Wanderer, er werde unterwegs nicht viel zu essen bekommen und dies werde
ihm helfen. Auch dies Ding schluckte der Jngling auf einmal hinunter, fand
es aber nicht so krftigend, wie das Ding, das er am vorigen Morgen
genossen hatte. Der alte Mann gab ihm noch den Rat, wenn er unterwegs etwas
hren sollte, was ihn erschrecke, das zu tun, was ihm zuerst einfalle.

Niemand wrde, wenn mir etwas zustt, um mich weinen, sagte der
Wanderer und zog, den Speer in der Hand, davon. Ungefhr um die Mittagszeit
gelangte er in der Nhe der Kste an einen groen Teich und umging ihn auf
der Landseite. Als er schon ein Stck dieses Umwegs hinter sich hatte,
hrte er ein entsetzliches Gebrll, wie Donnerschlge; aber so laut war es,
da ihm ganz schwindlig wurde und er fr einen Augenblick gar nichts von
seiner Umgebung bemerkte. Er lief vorwrts, aber der frchterliche Lrm
wiederholte sich alle Augenblicke, so da er jedesmal stolperte, schwindlig
wurde und ganz nahe der Ohnmacht war; er hielt es aber doch aus. Der Lrm
nahm zu und schien mit jedem Schrei nher zu kommen, bis er dicht an seiner
Seite ertnte. Er sah in die Richtung, aus der er herkam und bemerkte einen
groen Korb aus Weidenruten durch die Luft auf sich zufliegen; von dem
rhrte der entsetzliche Lrm her.

Der Wanderer sprang in eine nahgelegene Erdhhle, als ein frchterlicher
Krach die Erde erschtterte und er bewutlos wurde. Einige Zeit, whrend
der Korb sich herum bewegte, als suche er ihn und frchterliche Laute von
sich gab, lag er wie tot da. Als der Jngling dann wieder zu sich kam,
horchte er erst einige Zeit auf und da alles ruhig war, stieg er aus seinem
Versteck und sah sich um. Ganz in der Nhe lag der Korb am Boden und eines
Mannes Kopf und Schultern sahen oben heraus. Wie der Jngling das sah,
schrie er: Auf was wartest du? Geh, sei nicht langweilig und mach mir
einen anstndigen Lrm, du! Dann sprang er zurck in die Hhle und wurde
von dem frchterlichen Gebrll aus dem Korb sofort wieder bewutlos. Als er
wieder genugsam zu sich gekommen war, stieg er heraus, konnte den Korb aber
nirgends sehen. Da hob er beide Hnde auf und rief Donner und Blitz an, ihm
zu Hilfe zu kommen. Da kam auch der Korb gerade wieder heran, aber oben sah
nur der Kopf des Mannes heraus. Nun hie er Donner und Blitz auf den Korb
losfahren und die machten ein derartiges Gekrach, da dem Korb-Zauberer
Angst und bange wurde und er zu Boden fiel.

Sobald der Donner aufhrte, begann der Korb sich zurckzuziehen; der
Zauberer war schon fast tot vor Angst. Da rief der junge Mann: Donner,
verfolg ihn! Geh vor ihm und hinter ihm und erschrick ihn! Der Donner tat
so und der Korb flog davon, von Zeit zu Zeit zu Boden fallend. Dann ging
der Wanderer weiter und erreichte in der Dmmerung ein Dorf. Wie er nher
kam, lief ihm ein Knabe entgegen und sagte: Wieso kommst du aus dieser
Richtung hierher! Von der Seite ist noch nie jemand hergekommen, denn der
Korbzauberer lt kein lebendes Wesen am See vorbei, gar keins, nicht
einmal eine Maus. Er bemerkt es immer, wenn irgend etwas diesen Weg daher
kommt und geht ihm entgegen, um es umzubringen.

Ich habe nichts gesehen, sagte der Wanderer. Gut, sagte der Knabe, du
bist ihm noch nicht entronnen, denn der Korbmann ist jetzt da und wird
dich umbringen, wenn du nicht umkehrst. Und als der Jngling sich umsah,
erhob sich ein groer Adler und flog auf ihn zu; der Knabe lief weg. Der
Adler kam nher, erhob sich noch ein wenig und scho dann auf ihn herab, um
ihn mit seinen Klauen zu zerreien. Wie er so herabkam, schlug sich der
Jngling mit der Hand auf die Brust und aus seinem Mund flog ein Geierfalke
schnurstracks auf den Adler los, ihm zum Hinterleib hinein und beim
Schnabel heraus und davon.

Dieser Geierfalke entstammte dem Strkungsmittel, das der erste alte Mann
dem Jngling unterwegs gegeben hatte. Whrend der Geierfalke aus dem Adler
herausflog, schlo dieser die Augen und schnappte nach Luft; diese
Gelegenheit benutzte der Jngling, um zur Seite zu springen, so da dort,
wo er gerade gestanden, des Adlers Klauen in den Boden griffen. Wieder
erhob sich der Adler und stie herab und wieder schlug sich der junge Mann
mit der Hand auf die Brust und ein Hermelin sprang aus seinem Mund, fuhr
wie ein Blitz dem Adler unter die Flgel und fast im gleichen Augenblick
hatte er sich schon zweimal durch den Leib des Vogels hin und her
hindurchgefressen, so da dieser tot niederfiel, worauf der Hermelin
verschwand. Dieser Hermelin entstammte dem Geschenk des anderen alten
Mannes, bei dem der Wanderer gerastet hatte.

Nachdem nun der Adler gefallen war, begab sich der Jngling zum Haus des
Zauberers und der Knabe schrie ihn an: Geh nicht dorthin, du wirst
umgebracht werden! Daraufhin entgegnete ihm der Wanderer: Ich habe keine
Angst, ich will das Weib dort drinnen sehen und ich mu jetzt hingehen,
denn ich bin wtend und wenn ich bis morgen warte, wird mein rger
verflogen sein und ich werde nicht so stark sein wie jetzt. Du ttest
besser daran, bis morgen zu warten, sagte der Knabe, denn es bewachen
zwei Bren den Eingang und die werden dich sicherlich umbringen. Aber wenn
du durchaus willst, so geh und la dich umbringen. Ich wollte dich nur
retten und will nun nichts mehr mit dir zu tun haben. Und rgerlich ging
der Knabe ins Haus zurck. Der Jngling ging nun zum Haus und bemerkte, als
er in den Eingangsflur hineinsah, dort einen groen weien Bren schlafend
liegen. Er schrie ihn an: Ah, Weibr! worauf dieser aufsprang und auf
ihn zulief. Der junge Mann sprang nun auf die Decke des Eingangsflurs und
als der Br hinter ihm herauslief, stie er ihm seinen Speer ins Hirn, da
er tot zusammenbrach. Den Krper wlzte er nun beiseite, sah wieder hinein
und erblickte einen roten Bren dort liegen. Wieder rief er: Ah, Rotbr!
Der rote Br rannte ihm nach und er sprang wieder auf seinen vorigen Platz.
Als der rote Br drauen war, schlug er mit seiner Vorderpratze nach ihm;
da packte der Jngling die Pratze mit der Hand und schwang den Bren ber
seinem Kopf und schlug ihn gegen den Boden, bis nichts mehr von ihm brig
war, als die linke Pratze. Die warf er weg und ging nun ohne weitere
Schwierigkeiten ins Haus. An der einen Hauswand sa ein alter Mann und eine
alte Frau und an der gegenberliegenden, ein schnes junges Weib, dessen
Antlitz er in seinen Trumen gesehen hatte und die der Anla zu seiner
langen Fahrt gewesen war. Sie weinte, als er hereinkam; er ging auf sie zu,
setzte sich neben sie und sagte: Warum weinst du? Was hast du verloren,
da du danach weinst? Sie antwortete: Du hast meinen Mann umgebracht,
aber deswegen bin ich nicht traurig, denn er war ein schlechter Mann. Aber
du hast auch die beiden Bren gettet, die meine Brder waren und um die
traure und weine ich. Weine nicht, sagte er, denn ich will dein Gatte
sein. Er blieb nun eine Zeitlang da, nahm dieses Weib zu seiner Frau und
lebte in dem Haus zusammen mit ihren Eltern. Jede vierte Nacht schlief er
im Festhaus und die brige Zeit zu Hause.

Nachdem er einige Zeit hier gelebt hatte, fiel ihm auf, da seine Frau und
ihre Eltern immer trauriger wurden und sehr oft weinten. Dann sah er Dinge
vor sich gehen, die ihn glauben machten, sie snnen darauf ihm etwas
anzutun. Als er sich hierber Gewiheit verschafft hatte, ging er eines
Tags nach Hause, legte seiner Frau die Hand auf die Stirne, drehte ihr
Gesicht zu sich herum und sagte: Ihr wollt mich umbringen, du treuloses
Weib; zur Strafe sollst du sterben! Dann nahm er sein Messer und schnitt
ihr den Hals durch. Traurig ging er nun zurck in sein Heimatsdorf, wo er
nachdem die Erinnerung an sein treuloses Weib verblat war, wie frher, bei
seinen Eltern lebte. Er nahm aus den Jungfrauen des Dorfes eine zur Frau
und verlebte mit ihr glcklich den Rest seiner Tage.




Das Land der Finsternis


Vor langer Zeit lebte auf der Insel Aziak ein Mann mit seiner Frau und
seinem kleinen Sohn. Der Mann liebte seine Frau sehr, war aber so
eiferschtig auf sie, da er sie sehr oft ohne Grund schlecht behandelte.
Nach einiger Zeit wurde die Frau so unglcklich, da sie lieber sterben,
als noch lnger mit ihm zusammenleben wollte. Sie ging zu ihrer Mutter, die
in der Nhe lebte und trug ihr ihren ganzen Kummer vor. Die alte Frau hrte
die Klagen an und gab dann der Tochter den Rat, ein Seehundsfell zu nehmen
und es mit der Losung von drei Schneehhnern und drei Fchsen einzureiben;
dann sollte sie eine Holzschssel mit Speisen fllen, das Kind auf den
Rcken nehmen und zu ihrem Mann zurckgehen; es werde vielleicht alles
wieder gut werden.

Sie tat, wie ihr geraten war und ging dann an die Kste hinunter, ihrem
Mann entgegen. Als er in Rufweite kam, fing er wieder, wie gewhnlich, an,
sie zu schmhen und zu beschimpfen und befahl ihr, sofort nach Hause zu
gehen; sowie er heimkomme, werde er sie prgeln. Als das arme Weib das
hrte, lief sie an den steilen Rand des berhngenden Ufers und warf ihr
Seehundsfell ins Wasser, gerade als ihr Mann seinen Kajak an den Strand
zog, und sprang ihm nach. Der Mann sah dem erschrocken zu und lief schnell
auf einen Hgel, um zu sehen, was mit seiner Frau geschehen sei. Er sah
sie auf dem ausgebreiteten Seehundsfell, das an jeder Ecke von einer Blase
getragen wurde, sitzen und rasch von der Kste wegtreiben. Als die Frau ins
Meer gesprungen war, hatte sich das Seehundsfell ausgebreitet und an jedem
Ende war ein Schwimmer erschienen; es fing sie auf und hielt sie unversehrt
an der Oberflche. Gleich darauf begann sie fortzutreiben, ein Sturm erhob
sich und die Nacht brachte sie ihrem Mann auer Sicht. Der ging schimpfend
nach Hause und machte alle, nur nicht sich selbst, fr seinen Verlust
verantwortlich.

Weiter und weiter trieb die Frau auf dem Zauberfell und mehrere Tage
hindurch war kein Land zu sehen. Sie hatte schon ihren ganzen Mundvorrat
verbraucht und trieb noch immer weiter, bis sie in ununterbrochene Nacht
hineinkam. Nach einiger Zeit war sie dann so erschpft, da sie einschlief.
Dann weckten sie einige heftige Ste und sie konnte die Brandung an einer
steinigen Kste hren. Sie vergegenwrtigte sich ihre Lage und fing an,
ihre Rettung zu bedenken. Sie stieg von ihrem Seehundsfell herunter und
bemerkte mit Freuden, da sie auf einem Grund aus lauter kleinen, runden
Dingern stand, in dem ihr Fu bei jedem Schritt tiefer sank. Die runden
Dinger machten sie stutzig, soda sie stehen blieb und zwei Hnde voll
davon aufhob und in ihre Eschssel legte; dann ging sie in tiefer
Finsternis langsam weiter. Sie war noch nicht weit gegangen, da stie sie
auf ein Haus. Sie tastete sich die Wnde entlang, fand den Eingang und
trat ein. Der Eingangsflur war von einer Fettlampe matt erhellt, soda man
an der einen Wand viele aufgestapelte Renntierfelle erkennen konnte; an der
anderen lagen Fleischstcke und Schluche mit Wal- und Seehundsfett. Als
sie den Innenraum betrat, brannten da zwei Lampen, je eine an einer Seite
des Raumes; es war aber niemand drinnen. ber einer der Lampen hing ein
Stck Seehundsspeck und ber der anderen ein Stck Renntierspeck; von
diesen tropfte das Fett herab und unterhielt die Flammen. In einer Ecke war
eine Bettstatt aus Renntierfellen.

Sie ging also da hinein, setzte sich nieder und wartete, was nun geschehen
werde. Endlich hrte sie ein Gerusch im Eingang und ein Mann sagte: Ich
wittere fremde Menschen. Dann kam er herein und die Frau erschrak sehr,
denn seine Hnde und sein Gesicht waren kohlschwarz. Er sagte nichts,
sondern ging durch den Raum, geradewegs auf sein Bett zu; dort entblte er
seinen Oberkrper, nahm einen Wassereimer und wusch sich. Als die Frau sah,
da seine Brust so wei wie ihre eigene war, atmete sie erleichtert auf.
Als sie so dasa, sah sie, wie von einer unsichtbaren Person pltzlich eine
Schssel mit gekochtem Fleisch hereingestellt wurde; der Mann legte zuerst
seinem Gast vor und nahm dann selbst sein Mahl ein. Als sie gegessen
hatten, fragte er, wie sie hergekommen und sie erzhlte ihm ihre
Geschichte. Er sagte, sie solle sich nicht unglcklich fhlen, ging hinaus
und brachte einige Renntierfelle herein, damit sie daraus fr sich und ihr
Kind, das sie die ganze Zeit ber unversehrt am Rcken getragen hatte,
Kleider mache. Als sie einwandte, sie habe keine Nadel, brachte er ihr eine
kupferne, die ihr sehr gut gefiel, denn bis dahin hatte sie nur beinerne
gesehen.

Einige Zeit lebten sie nun so dahin, bis ihr der Mann erklrte, da es doch
besser fr sie wre, statt so allein weiterzuleben, seine Frau zu werden.
Sie willigte ein. Der Gemahl verbot ihr dann noch, aus dem Haus zu gehen
und sie lebten beschaulich zusammen.

Als ihr kleiner Bub eines Tages herumspielte, schrie er pltzlich vor
Vergngen auf, und wie sie sich nach ihm umwandte, bemerkte sie, da er die
Dinger ausgestreut hatte, die sie in ihre Schssel getan, als sie die Kste
betreten hatte. Es waren groe schne, blaue Perlen.

Nach einiger Zeit gebar sie einen hbschen Knaben, in den ihr Mann ganz
vernarrt war und er versicherte ihr, er werde zu ihm sehr zrtlich sein. So
lebten sie mehrere Jahre und mit der Zeit wuchs der Knabe, den sie
mitgebracht hatte, zum Jngling heran. Sein Pflegevater machte ihm Bogen
und Pfeile und nachdem der Junge einige Vgel damit gettet hatte, erlaubte
er ihm, ihn bei der Jagd zu begleiten. Eines Tages ttete der Junge zwei
Hasen und brachte sie nach Hause; sie waren wie alle Vgel und Tiere dieses
Landes ganz schwarz. Sie wurden abgezogen, ausgenommen und kurz darauf
frisch gekocht, noch dampfend, wie es immer mit den Speisen geschah, in
einer Holzschssel zur Tr hereingestellt. Diesmal bemerkte die Frau zum
erstenmal, da zwei Hnde die Schssel hereinstellten.

Das ging ihr im Kopf herum, bis sie Verdacht schpfte, ihr Gemahl sei ihr
nicht ganz treu; sie bemerkte, da irgend etwas sie beunruhige und fragte
den Mann, was das sei. Er setzte sich nieder und dachte kurz nach; dann
fragte er, ob sie nicht zu ihren Freunden zurck wollte. Sie entgegnete, es
sei unntz, etwas zu wnschen, was sie nicht tun knne. Darauf sagte er:
Gut, hre also meine Geschichte: Ich bin aus Unalaklit, wo ich eine schne
Frau hatte, die ich sehr liebte. Sie war aber von schlimmer Gemtsart und
plagte mich so, da ich mutlos und verzweifelt wurde. Ich war frher ein
guter und erfolgreicher Jger und konnte nun nichts mehr erreichen. Eines
Tages paddelte ich in meinem Kajak weit aufs Meer hinaus, voll trber
Gedanken. Da berraschte mich ein Sturm und ich konnte die Kste nicht mehr
erreichen. Der starke Wind trieb mein Kajak so frchterlich durchs Wasser,
da ich schlielich die Besinnung verlor und mich nun an nichts mehr
erinnern kann, als da ich mich schlielich zerschlagen und lahm an der
Kste fand, wo auch du angeworfen wurdest. Neben mir war eine Schssel mit
Speisen, die irgend jemand dahin gestellt haben mu und ich machte mich auf
den Weg, um die Leute zu suchen, konnte aber niemand finden. So oft ich
hungrig war, wurden Speisen hingestellt und meine Wnsche befriedigt, aber
undurchdringliches Dunkel verbarg mir alles. Ich konnte keine Menschen
finden. Als sich meine Augen an die ewige Finsternis gewhnt hatten, so da
ich ein wenig sehen konnte, baute ich dies Haus und lebte von da an hier
und der Geist, den du gesehen, bringt mir Nahrung und sorgt fr mich.
Dieser Geist hat fr gewhnlich die Gestalt eines groen Galertfisches und
so oft ich auf die Jagd gehe, sichert mir dieses Wesen meine Beute. Ich
gewhnte mich mit der Zeit an die Finsternis, aber weil ich ihr immer
ausgesetzt bin, sind meine Hnde und mein Gesicht so schwarz geworden, wie
du siehst und das ist auch der Grund, warum ich dir befohlen habe, das Haus
nicht zu verlassen.

Dann befahl ihr der Gatte, ihm zu folgen und er fhrte sie in den
Eingangsflur des Speichers, der voll von Fellen war, und ffnete dann eine
andere Tr zu einem Raum, der mit schnen Pelzen seltenster Art angefllt
war. Er trug ihr nun auf, die Ohrspitzen dieser Felle zu nehmen und sie
zusammen mit den Perlen, die sie an der Kste gefunden, in die Schssel zu
legen; sie tat das alles. Dann sagte der Mann: Du willst dein altes Heim
sehen und ich will auch meine alten Freunde sehen und so wollen wir uns
also trennen. Nimm deinen Buben auf den Rcken, schlie die Augen und mach
vier Schritte! Sie tat so, wie er ihr befohlen und als sie die Augen
ffnete, mute sie sie gleich wieder schlieen, denn sie war vom hellen
Sonnenschein ganz geblendet. Als sich ihre Augen an das Licht gewhnt
hatten, blickte sie herum und war sehr erstaunt, ganz in der Nhe ihr
altes Heim zu sehen. Sie ging gleich zur Vorratskammer ihrer Mutter und
stellte dort die Schssel mit den Ohrspitzen und den Perlen, die sie
mitgebracht hatte, nieder. Dann trat sie ins Haus und wurde freudig
empfangen. Die Neuigkeit ihrer Ankunft verbreitete sich rasch im ganzen
Dorf. Bald kam auch ihr frherer Gatte und voll Mitleid sah sie, da seine
Augen vom vielen Weinen, um sie, ganz rot waren. Er bat sie, ihm doch zu
verzeihen, da er frher gegen sie so mrrisch gewesen war und versprach,
wenn sie wieder als seine Frau zu ihm zurckkehre, sie freundlich zu
behandeln. Sie dachte lange darber nach, willigte dann schlielich ein und
lebte eine Zeitlang ganz zufrieden mit ihm. Mit der Zeit aber kamen seine
alten Gewohnheiten wieder zum Vorschein und die Frau wurde unglcklich.

Ihr Sohn wurde ein junger Mann und die Mutter zeigte ihm die Perlen, die
sie aus dem Land der Finsternis mitgebracht hatte und einen groen Haufen
wertvolle Felle, denn jede Ohrspitze, die sie heimgebracht hatte, war
inzwischen ein vollstndiges Fell geworden. Das alles schenkte sie ihrem
Sohn, ging dann fort und wurde von den ihrigen nie mehr gesehen. Ihr Sohn
wurde spter wegen seiner Erfolge als Jger und seines Reichtums an Perlen
und Pelzen, die ihm seine Mutter geschenkt hatte, der Huptling des
Dorfes.--




Die entflohenen Weiber


Vor langer Zeit zankten sich zwei schwangere Frauen mit ihren Mnnern und
verlieen ihre Familien und Freunde, um allein zu leben. Nachdem sie weit
gewandert waren, kamen sie an einen Platz, Igdluqdjuaq genannt, wo sie zu
bleiben beschlossen. Es war Sommer als sie ankamen. Sie fanden viel Rasen
und Torf und groe Walrippen, die am Strande bleichten. Sie errichteten ein
festes Gerst aus Knochen und fllten die Zwischenrume mit Rasen und
Torfstcken aus. So hatten sie bald ein gutes Haus, in dem sie leben
konnten. Um Felle zu bekommen, machten sie Fallen, in denen sie genug
Fchse fingen, um sich daraus Kleider zu machen. Manchmal fanden sie die
Leichen gestrandeter Seehunde oder Wale, die an die Kste gesplt waren;
von diesen aen sie das Fleisch und verbrannten den Speck. In der Nhe der
Htte war auch ein tiefer, schmaler Renntiersteig; ber diesen spannten sie
einen Strick, und wenn die Tiere vorbereilten, verwickelten sie sich darin
und erwrgten sich selbst. Auerdem war noch ein Bach mit Fischen in der
Nhe des Hauses und so waren sie mit reichlicher Nahrung versehen.

Im Winter kamen die Vter der Frauen auf der Suche nach den verlorenen
Tchtern. Als diese den Schlitten herankommen sahen, fingen sie an zu
schreien, da sie durchaus nicht gesonnen seien zu ihren Gatten
zurckzukehren. Die Mnner waren froh sie wohlauf zu finden und nachdem sie
zwei Nchte im Haus ihrer Tchter geblieben waren, kehrten sie heim, wo sie
die ganz merkwrdige Geschichte erzhlten, da zwei Frauen, ohne jegliche
mnnliche Gesellschaft allein leben und nie Mangel leiden.

Obwohl das schon vor langer Zeit geschehen, kann man das Haus noch sehen
und daher ist der Ort auch Igdluqdjuaq -- das reiche Haus -- benannt.




Kiviung


Eine alte Frau lebte mit ihrem Enkel in einer kleinen Htte. Sie war sehr
arm, hatte weder einen Gatten noch einen Sohn, der fr sie gesorgt htte.
Die Kleider des Knaben waren aus den Blgen von Vgeln, die sie in
Schlingen fingen. Wenn der Knabe aus der Htte kam, lachten ihn die Mnner
aus und zupften an seinem Gewand herum. Nur ein Mann, der Kiviung hie, war
freundlich zu dem kleinen Knaben; aber vor den anderen konnte er ihn nicht
schtzen. Der Knabe kam oft schreiend und weinend zu seiner Gromutter, die
ihn dann immer trstete und ihm ein neues Gewand machte. Sie bat die Mnner
doch aufzuhren, den Knaben zu qulen und seine Gewnder zu zerreien, aber
die wollten nicht auf ihre Bitten hren. Schlielich wurde sie rgerlich
und schwur an seinen Lsterern Rache zu nehmen, was sie leicht tun knne,
da sie eine groe Zauberin sei.

Sie befahl ihrem Enkel in eine Pftze, die am Boden der Htte war,
hineinzusteigen und erklrte ihm, was dann geschehen werde und wie er sich
benehmen sollte. Sobald der Knabe im Wasser stand, ffnete sich die Erde
und er verschwand; im nchsten Augenblick aber stieg er nahe der Kste als
ein einjhriger Seehund mit einem schnen Fell auf und schwamm munter
herum.

Kaum hatten die Mnner den Seehund gesehen, als sie auch schon ihre Kajaks
bestiegen, um auf das schne Tier Jagd zu machen. Der verwandelte Knabe
aber schwamm, wie seine Gromutter ihm gesagt hatte, rasch weg und die
Mnner verfolgten ihn weiter. So oft er auftauchen mute um zu atmen,
suchte er hinter den Kajaks hervorzukommen, wo ihm die Mnner mit ihren
Harpunen nicht beikommen konnten. Dort spritzte und platschte er dann
herum, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Bevor aber einer seinen
Kajak wenden konnte, war er wieder getaucht und schwamm davon. Die Mnner
waren so eifrig an der Verfolgung, da sie gar nicht bemerkten, da sie
sich weit von der Kste entfernt hatten und das Land schon gar nicht mehr
zu sehen war.

Pltzlich erhob sich ein Sturm; die See schumte und brauste und die Wellen
zerschlugen die schwachen Fahrzeuge oder warfen sie um. Nachdem alle
ertrunken zu sein schienen, wurde der Seehund wieder in den Knaben
zurckverwandelt, der, ohne seine Fe zu benetzen, nach Hause ging. Es war
jetzt niemand mehr, der seine Kleider zerreien konnte, alle seine Peiniger
waren tot.

Nur Kiviung, der ein groer Zauberer war und den Knaben niemals mihandelt
hatte, war Wind und Wogen entkommen. Tapfer kmpfte er gegen die wilde See
an, aber der Sturm nahm nicht ab. Nachdem er viele Tage auf der weiten See
herumgetrieben, schien eine dunkle Masse durch den Nebel. Seine Hoffnung
lebte wieder auf und er arbeitete hart um das vermutete Land zu erreichen.
Je nher er kam, desto aufgeregter wurde aber die See und er sah jetzt, da
er ein wildes, schwarzes Meer mit rasenden Wirbeln fr Land gehalten hatte.
Er entkam gerade noch und trieb wieder viele Tage, aber der Sturm flaute
nicht ab und er sah kein Land. Noch einmal sah er eine dunkle Masse durch
den Nebel scheinen und hatte sich wieder getuscht, denn es war ein anderer
Wirbel, der die See zu riesenhaften Wogen aufpeitschte.

Schlielich beruhigte sich der Sturm, der Seegang legte sich und in groer
Entfernung sah er das Land. Allmhlich kam er nher und der Kste folgend,
ersphte er endlich ein Steinhaus, aus dem ein Licht schimmerte. Er landete
und betrat das Haus. Es war niemand darin, als eine alte Frau, die
Arnaitiang hie. Sie nahm ihn freundlich auf und auf seine Bitte hin zog
sie ihm die Stiefel, Pantoffel und Strmpfe aus und trocknete sie auf dem
Gestell, das ber der Lampe hing. Dann ging sie hinaus, um Feuer anzufachen
und ein gutes Mahl zu kochen.

Als die Strmpfe trocken waren, reckte sich Kiviung, um sie vom Gestell zu
nehmen und anzuziehen, aber sowie er seine Hand danach ausstreckte, wich
das Gestell seinem Griff aus. Nachdem er so mehrere Male ins Leere
gegriffen, rief er Arnaitiang und bat sie ihm die Strmpfe zurckzugeben.
Sie antwortete aber: Nimm sie selbst; dort sind sie, sie sind ja dort!
und ging wieder hinaus. In Wirklichkeit war sie ein sehr bses Weib und
wollte Kiviung verspeisen.

Er griff nochmals nach seinen Strmpfen, aber ohne besseren Erfolg. Er
rief also wieder nach der Arnaitiang und bat sie ihm seine Stiefel und
Strmpfe zu geben, worauf sie sagte: Setz dich dorthin wo ich sa, als du
in mein Haus tratst, dann kannst du sie erreichen. Danach ging sie wieder
hinaus. Kiviung griff nochmals, aber das Gestell hob sich wie frher und er
konnte sie nicht erlangen.

Jetzt sah er ein, da Arnaitiang auf Unheil sann; er rief also seinen
Schutzgeist an, einen ungeheuren weien Bren, der sich brllend von unten
her zum Boden des Hauses erhob. Zuerst hrte Arnaitiang nichts; als aber
Kiviung fortfuhr ihn zu beschwren, kam der Geist nher und nher an die
Oberflche und als sie jetzt sein lautes Gebrll hrte, bekam sie Angst und
gab Kiviung was er verlangte. Hier sind deine Stiefel, schrie sie, hier
deine Pantoffel, hier deine Strmpfe; ich will dir helfen, zieh dich an.
Kiviung wollte aber nicht lnger bei dieser schrecklichen Hexe bleiben, zog
nicht einmal seine Stiefel an, sondern nahm sie nur von Arnaitiang und
strzte aus der Tr. Er war kaum drauen, als sie heftig zuschlug und
seinen Rockzipfel einklemmte. Er eilte, ohne sich umzusehen, zu seinem
Kajak und ruderte weg. Er war noch nicht weg, als Arnaitiang, die sich von
ihrer Angst erholt hatte, ein blankes Frauenmesser schwingend, herauskam,
um ihn zu tten. Er htte fast Angst bekommen und beinahe wre sein Kajak
gekentert. Er arbeitete, um ihn wieder ins Gleichgewicht zu bringen, hob
dabei seinen Speer und schrie: Ich werde dich mit meinem Speer
umbringen! Als Arnaitiang diese Worte hrte, fiel sie vor Schreck nieder
und zerbrach dabei ihr Messer. Kiviung bemerkte, da es aus einer ganz
dnnen Eisplatte bestand.

Er reiste, der Kste folgend, viele Tage und Nchte weiter. Schlielich kam
er an eine Htte, aus der wieder eine Lampe schien. Da seine Kleider na
waren und er selbst hungrig, landete er und betrat das Haus. Hier fand er
eine Frau, die mit ihrer Tochter ganz allein lebte. Ihr Schwiegersohn war
ein Treibholzklotz mit vier sten. Jeden Tag brachten sie ihn zur Ebbezeit
an den Strand und wenn die Flut kam, schwamm er weg. In der Nacht kam er
dann zurck mit acht groen Seehunden, immer zwei auf einen Ast gespiet.
So versorgte der Baumstamm seine Frau, ihre Mutter und Kiviung reichlich
mit Nahrung. Eines Tages aber, nachdem sie ihn wie gewhnlich vom Stapel
gelassen, verschwand er und kam nie mehr zurck.

Bald darauf heiratete Kiviung die junge Witwe. Jetzt ging er selbst jeden
Tag Seehunde jagen und hatte viel Erfolg. Als er einmal einige Tage
auszubleiben gedachte, war er besorgt einen gengenden Vorrat von
Fustlingen zu bekommen. Er gab also jeden Abend, wenn er von der Jagd
heimkam, vor, seine Fustlinge verloren zu haben. In Wirklichkeit hatte er
sie in der Kapuze seines Mantels versteckt.

Nach einiger Zeit wurde die alte Frau auf ihre Tochter eiferschtig, denn
der neue Gatte war ein glnzender Jger und sie wollte ihn selbst
heiraten. Als er eines Tages auf der Jagd war, ermordete sie ihre Tochter
und um ihn zu tuschen, zog sie sich die Pelze der Tochter selbst an, um
sich in ein junges Weib zu verwandeln. Als Kiviung zurckkam, ging sie ihm,
wie die Tochter zu tun pflegte, entgegen, ohne in ihm irgend einen Verdacht
zu erregen. Als er aber in die Htte trat und die Gebeine seiner Frau sah,
bemerkte er auf einmal ihren grausamen Tod und den Betrug und floh davon.

Viele Tage und Nchte reiste er, immer der Kste folgend, weiter.
Schlielich kam er wieder zu einer Htte, wo ein Licht brannte. Da seine
Kleider na und er selbst hungrig war, landete er und ging hinauf zum Haus.
Bevor er eintrat fiel ihm aber ein, da es am besten wre zuerst
auszuforschen, wer drinnen sei. Er klomm zum Fenster hinauf und sah durch
den Spalt. Am Bett sa drinnen eine alte Frau, die Aissiwang (Spinne). Als
diese die dunkle Gestalt vor dem Fenster sah, glaubte sie, es wre eine
Wolke, die an der Sonne vorberziehe und da die Beleuchtung fr ihre Arbeit
ungengend war, wurde sie wtend, schnitt sich mit ihrem Messer die
Augenbrauen ab und a sie und achtete nicht einmal auf das tropfende Blut,
sondern lie es antrocknen. Als Kiviung das sah, war er berzeugt, da sie
ein sehr bses Weib sein msse und zog fort.

Wieder reiste er Tage und Nchte. Endlich kam er in eine Gegend, die ihm
bekannt schien und bald erkannte er seine Heimat. Er war sehr froh, als er
einige Boote ihm entgegenkommen sah. Die waren auf einer Waljagd gewesen
und zogen einen groen Leichnam zum Dorf. Am Bug des einen Bootes stand ein
krftiger junger Mann, der den Wal gettet hatte. Es war Kiviungs Sohn, den
er als kleinen Jungen zurckgelassen hatte und der jetzt erwachsen und ein
groer Jger war. Seine Frau hatte einen anderen Mann genommen, kehrte
jetzt aber zu Kiviung zurck.




Die einzige Frau


Vor langer Zeit lebten viele Leute im Nordland, aber es gab keine Frau
unter ihnen. Man wute nur von einem einzigen Weib, das weit im Sden
lebte. Schlielich machte sich einer der jungen Mnner im Norden auf und
reiste gen Sden, bis er zum Haus der Frau kam, wo er blieb und bald ihr
Mann wurde. Eines Tages sa er im Haus, dachte an die Heimat und sagte:
Ah, ich hab eine Frau und der Sohn des Huptlings im Norden hat keine!
Und er gefiel sich sehr in Gedanken an sein gutes Geschick.

Indessen hatte sich der Huptlingssohn auch daran gemacht, nach dem Sden
zu reisen und whrend der Gatte gerade so zu sich sprach, stand der
Huptlingssohn am Hauseingang und belauschte ihn. Er wartete am Eingang,
bis drinnen alle eingeschlafen, kroch dann ins Haus, packte die Frau bei
den Schultern und wollte sie wegschleppen.

Wie er den Ausgang erreichte, bemerkte ihn der Gatte, der die Frau noch an
den Fen erwischte. Es kam zu einer Rauferei, welche damit endete, da die
Frau auseinandergerissen wurde. Der Dieb trug die obere Krperhlfte nach
Hause ins Nordland, whrend der Gatte mit der unteren Hlfte seiner Frau
zurckblieb. Jeder Mann sa nun und arbeitete, um die fehlenden Teile aus
Holz zu schnitzen. Nachdem sie ergnzt waren, wurde ihnen Leben eingehaucht
und so waren aus den Hlften einer Frau zwei Frauen gemacht.

Die Frau im Sden war allerdings eine schlechte Nherin, was sie der
Plumpheit ihrer Holzfinger verdankte; dafr war sie eine gute Tnzerin. Die
Frau im Norden war zwar in Nharbeiten gewandt, aber ihre hlzernen Beine
machten sie zu einer sehr schwachen Tnzerin. Jede der Frauen vererbte an
ihre Tchter diese Merkmale, soda noch heute dieser Unterschied zwischen
den Frauen des Nordens und denen des Sdens besteht -- was beweist, da die
Geschichte wahr ist.




Die Geschichte vom Mann und seiner Fuchs-Frau


Ein Jger, der ganz allein lebte, fand, als er nach einiger Abwesenheit zu
seinem Lager zurckkam, da ihn jemand besucht hatte und alles in Ordnung
gebracht, wie es ein pflichtgetreues Weib tun soll. Das geschah so oft und
ohne irgendwelche sichtbare Spuren, da der Mann beschlo, dem nachzugehen,
um zu sehen, wer denn eigentlich seine Kleider reinschabe, seine Stiefel
zum Trocknen aushnge und gutes, warmes Essen koche, bevor er zurckkam.
Eines Tags ging er weg, als ob er auf die Jagd ginge, versteckte sich aber
so, da er den Eingang des Hauses beobachten konnte. Nach einer Weile sah
er einen Fuchs hineinschlpfen. Er glaubte, der Fuchs sei auf
Nahrungssuche. Er schlich sich zur Htte und als er eintrat, sah er ein
sehr schnes Weib in Fellkleidern von wunderbarer Arbeit. In der Htte hing
an einer Leine ein Fuchsbalg. Der Mann fragte, ob sie es gewesen wre, die
das alles gemacht habe. Sie sagte, sie wre seine Frau und es sei nur ihre
Pflicht, das zu tun und sie hoffe nur, ihre Arbeit zu seiner Zufriedenheit
getan zu haben.

Nachdem sie kurze Zeit zusammengelebt, bemerkte der Mann einen
Moschusgeruch im Haus und fragte, ob der von ihr wre. Sie antwortete, da
sie es sei, die so rieche und wenn er darin einen Fehler sehe, so werde
sie ihn verlassen. Sie streifte ihre Kleider ab, nahm wieder das Fuchsfell
um und schlich davon. Und seit dieser Zeit war sie nie wieder dazu
aufgelegt, einen Mann zu besuchen.




Der Waisenknabe und der alte Mann


Outakalawaping war ein alter Mann. Ein Waisenknabe namens Elaakjewwakjew
pflegte ihn zu besuchen; sobald ihn der alte Mann sah, rief er aus: Warum
it du den Rockscho deiner Mutter? Daraufhin lief der Waisenknabe weg.
Einmal ging er in ein anderes Haus; einer der Knaben, der wute, was der
alte Mann zu sagen pflegte, verleitete ihn, dem alten Mann, wenn er wieder
sagen wrde: Warum it du den Rockscho deiner Mutter? zu antworten:
Warum hast du deine erste Frau in die Eisspalte gesteckt? Warum hast du
sie in die Meereisspalte gesteckt?--

Der Knabe ging zurck in des alten Mannes Haus und als Outakalawaping
wieder sagte: Warum it du den Rockscho deiner Mutter? erwiderte er:
Warum hast du deine erste Frau in die Eisspalte gesteckt? Warum hast du
sie in die Meereisspalte gesteckt? Da sprang der alte Mann auf und wollte
den Knaben fangen; der lief aber weg. Die beiden liefen lange Zeit, bis sie
sich in den Himmel erhoben und zwei Sterne wurden; aber der Waisenknabe
wird auch da noch immer vom alten Mann verfolgt.




Die Eule und der Rabe


Die Eule und der Rabe waren dicke Freunde. Eines Tags machte der Rabe fr
die Eule ein neues, schwarz und wei gesprenkeltes Kleid. Diese aber machte
dafr dem Raben ein Paar Schuhe aus Walknochen und begann dann auch noch
ein weies Kleid fr ihn zu machen. Als sie aber daran war, es
anzuprobieren, fing der Rabe an herumzuhpfen und wollte nicht stillhalten.
Die Eule wurde rgerlich und sagte: Jetzt sitz still, oder ich werde die
Lampe ber dich gieen! Da der Rabe aber fortfuhr, herumzuhpfen, wurde
die Eule wtend und go den Tran ber ihn. Da schrie der Rabe Yaq! Yaq!
und seit diesem Tag ist er ganz schwarz.




Der Rabe nimmt ein Weib

(Geschichten vom Raben Tu-lu-kau-guk II.)


Lange Zeit lebte der Rabe allein, aber schlielich hatte er doch genug
davon und beschlo ein Weib zu nehmen. Er sah sich also um und bemerkte,
da es schon spt im Herbst war und die Vgel schon in groen Scharen
sdwrts zogen. Der Rabe flog weg und hielt an auf dem Weg, den die Gnse
und anderes Wildgeflgel auf ihrem Zug nach dem Sommerland eingeschlagen
hatten. Er beugte sein Gesicht, sah auf die Fe herab und rief aus: Wer
will mich zum Gatten? Ich bin ein schner Mann! Ohne ihn zu beachten,
flogen die Gnse weiter und der Rabe sah ihnen nach und seufzte. Bald
danach flog eine schwarze Brandgans vorbei und der Rabe rief wie vorhin --
und mit dem gleichen Erfolg. Er blickte ihr nach und rief: Ah, was sind
das fr Leute! Die warten nicht einmal, um mir zuzuhren. Er wartete
weiter und eine Ente flog in der Nhe vorbei; als der Rabe sie anrief, sah
sie sich ein wenig nach ihm um, flog dann aber weiter. Einen Augenblick
schlug sein Herz voll Hoffnung etwas rascher, aber als auch die Ente vorbei
war, rief er: Ah, dann werde also ich nher kommen; vielleicht, da das
ntzt. Er blieb gesenkten Hauptes stehen und wartete weiter.

Bald darauf kam eine ganze Schneegnsefamilie, die Eltern, vier Brder und
eine Schwester, und der Rabe rief hinauf: Wer will mich zum Gatten? Ich
bin ein guter Jger, jung und geschickt. Als er das gesagt, lieen sich
die Schneegnse knapp neben ihm herab und er dachte sich: Jetzt werde ich
eine Frau bekommen! Nun sah er sich um und bemerkte einen schnen, weien
durchlochten Stein. Er hob ihn auf, band ihn an einen Grashalm und hngte
ihn um den Hals. Nachdem er das getan, schob er den Schnabel hoch, wie eine
Maske, da er auf den Scheitel des Kopfes rutschte und verwandelte sich so
in einen schwarzen jungen Mann, und schritt auf die Gnse zu. Zugleich
hatten auch die Gnse ihre Schnbel hinaufgeschoben und waren in gut
aussehende Leute verwandelt worden. Dem Raben gefiel der Blick des Mdchens
sehr und er ging auf sie zu, gab ihr den Stein und erwhlte sie so zu
seiner Frau und sie hngte ihn sich um den Hals. Dann schoben alle ihre
Schnbel herunter, wurden wieder Vgel und flogen nach Sden weiter.

Die Gnse schlugen langsam ihre Flgel und arbeiteten sich gemchlich
weiter. Der Rabe aber glitt mit seinen weitausgebreiteten Schwingen
schneller als seine Gefhrten dahin und die Gnse sahen ihm nach und riefen
voll Bewunderung: Wie leicht und anmutig ist er doch! Mit der Zeit wurde
der Rabe mde und sagte: Es wre besser, wir machten zeitig halt und shen
uns nach einem Schlafplatz um. Die anderen waren damit einverstanden und
so machten sie halt und schliefen bald ein.

Am nchsten Morgen waren die Gnse schon frh in Bewegung und wollten
aufbrechen, aber der Rabe schlief noch so fest, da sie ihn aufwecken
muten. Der Gnsevater drngte: Wir mssen uns beeilen, denn es wird bald
schnein. Halten wir uns nicht auf! Sowie der Rabe erwacht war, drngte er
darauf fortzukommen und wie am Tag vorher fhrte er die anderen und wurde
von seinen jungen Kameraden sehr bewundert. Er zog bald ber, bald vor
seinen Genossen dahin; diese machten anerkennende Bemerkungen, wie: Ah,
sieh, wie leicht und gewandt er ist! So zog die Schar dahin, bis sie eines
Abends an der Meereskste halt machten; hier taten sie sich an Beeren
gtlich, die in Menge herumwuchsen und legten sich dann schlafen.

Am nchsten Morgen schickten sich die Gnse in aller Frhe an, ohne
Frhstcksrast, weiterzuziehen. Der Magen des Raben aber schrie nach den
guten Beeren, die so zahlreich vorhanden waren, aber die Gnse wollten
nicht warten und er wagte es daher nicht, sich dem Aufbruch zu widersetzen.
Als sie die Kste verlieen, sagte der Gnsevater, da sie unterwegs nur
einmal rasten wrden und der nchste Weg werde sie dann an die andere Kste
bringen. Dem Raben schien es sehr zweifelhaft, ob er imstande sein werde,
die andere Kste zu erreichen, aber er schmte sich das einzugestehen und
beschlo, den Versuch zu wagen. So flogen sie alle auf. Die Gnse flogen
standhaft darauf los; nach einiger Zeit aber begann der Rabe
zurckzubleiben; seine Flgel schmerzten ihn, whrend die Gnse gemchlich
und noch unermdet weiterflogen. Mhsam flog der Rabe weiter, glitt dann
wieder eine Zeitlang mit ausgebreiteten Schwingen, um die mden Flgel
auszuruhen, aber vergebens: er blieb immer mehr zurck. Schlielich sahen
sich die Gnse um und der Gnsevater sagte: Ich dachte, er wre gebt und
krftig, aber er mu doch md geworden sein; warten wir auf ihn. Dann
lieen sich die Gnse ganz nah nebeneinander aufs Wasser nieder und der
Rabe, der mhsam herankam, sank auf ihren Rcken herab und schnappte nach
Luft. Bald hatte er sich etwas erholt und sagte, indem er dabei die Hand
auf die Brust legte: Ich habe hier eine Pfeilspitze von einem alten Kampf
her und die plagt mich sehr. Das ist der Grund, warum ich zurck blieb.

Nachdem sie gerastet hatten, zogen sie weiter, aber die anderen muten bald
wieder auf den Raben warten und er wiederholte wieder die Geschichte von
der Pfeilspitze, von der er behauptete, sie htte sein Herz durchbohrt.
Dann nahm er die Hand seiner Frau und legte sie auf seine Brust, damit sie
fhle, wie es springe. Sie tat so, konnte aber nur spren, da sein Herz
wie ein Steinhammer klopfte, aber nicht die mindeste Spur von einer
Pfeilspitze; sie sagte aber trotzdem nichts. Sie zogen also weiter und
muten bald wieder auf den Raben warten. Jetzt fingen aber die Brder schon
an ber ihn zu sprechen und sagten sich: Ich glaub an diese Geschichte mit
der Pfeilspitze nicht; wie kann er denn mit einer Pfeilspitze im Herz
leben?

Als sie rasteten, sahen sie vor sich in der Ferne die Kste. Der Gnsevater
erffnete nun dem Raben, da sie, bevor das Land erreicht sei, nicht mehr
auf ihn warten wrden. Dann erhoben sich alle und flogen los. Der Rabe
bewegte seine Flgel nur langsam und selbst das fiel ihm schon schwer.
Ausdauernd flogen die Gnse der Kste zu, whrend der Rabe tiefer und
tiefer sank und dem gefrchteten Wasser nher und nher kam. Als er hart an
die Wellen kam, rief er nach seiner Frau: Gib mir den weien Stein! Gib
ihn mir zurck! Der war nmlich zauberkrftig. So schrie er bis seine
Flgel sanken und fiel hilflos ins Wasser als die Gnse gerade das Land
erreichten. Er versuchte sich vom Wasser zu erheben, aber sein Gewicht zog
ihm die Flgel herunter und er trieb der Kste entlang, vor und zurck. Die
Wellen wurden strker und bald begannen die weien Kmme ber ihn zu gehen;
er sank unter und konnte nur mit uerster Anstrengung seinen Schnabel ber
die Oberflche herausstrecken, um zwischen den Wellen nach Luft zu
schnappen. Endlich schwemmte ihn eine groe Welle ans Land. Als sie dann
zurckflutete, grub er seine Krallen in die Strandkiesel und rettete sich
nur mit schwerer Mhe davor, wieder ins Meer gesplt zu werden. Sobald er
konnte, kmpfte er sich an den Strand hinauf -- ein belzugerichteter
Patron. Das Wasser lief in Strmen von seinen durchweichten Federn und die
Flgel hingen zu Boden. Mehrmals fiel er um, bevor er endlich mit
weitaufgesperrtem Mund einige Strucher erreichte, wo er die Maske und sein
Rabenkleid ablegte und ein kleiner, dunkler Mann wurde. Dann hob er Gewand
und Maske auf, hngte sie an einen Strauch und machte sich aus einigen
Holzstcken einen Feuerbohrer; bald hatte er ein Feuer entfacht und
trocknete sich davor.




Der Rabe, der Wal und der Nrz

(Geschichten vom Raben Tu-lu-kau-guk III.)


Nachdem der Rabe sein Kleid am Feuer getrocknet hatte, sah er zufllig aufs
Meer hinaus, bemerkte einen groen Wal die Kste entlang ziehen und sagte:
Wenn du wieder emporkommst, mach deine Augen zu und das Maul weit auf.
Dann legte er rasch sein Rabengewand an, zog die Maske vor, nahm seinen
Feuerbohrer unter einen Flgel und flog hinaus bers Wasser. Der Wal kam
bald wieder an die Oberflche, und tat, wie ihm befohlen worden war und
sobald der Rabe das offene Maul sah, flog er stracks hinein und in den
Bauch des Wals. Der Wal schlo sein Maul und tauchte unter, whrend der
Rabe sich umsah und bemerkte, da er am Eingang eines schnen Raumes war,
an dessen einem Ende eine Lampe brannte. Er trat ein und war erstaunt da
ein schnes junges Weib sitzen zu sehen. Der Raum war rein und trocken;
seine Decke wurde vom Rckgrat des Wals getragen und seine Rippen formten
die Wnde. Aus einer Rhre, die sich die Wirbelsule des Wals entlang zog,
tropfte langsam Tran in die Lampe. Als der Rabe eintrat, sprang das Weib
auf und schrie: Wie kommst du daher? Du bist der erste Mann der je
hierherkam! Der Rabe erzhlte nun, wie er hereingekommen und sie lud ihn
ein, sich auf die andere Seite des Raumes zu setzen. Diese Frau war der
Geist des Wals, der ein weibliches Tier war. Dann bereitete sie ein Essen,
gab ihm Beeren und Tran und erzhlte zugleich, da sie die Beeren vor einem
Jahr gesammelt habe. Der Rabe blieb vier Tage lang als Gast des Geistes da
und wunderte sich nur immer, was denn das fr eine Rhre sei, die die Decke
entlang fhrte. So oft die Frau den Raum verlie, befahl sie ihm, sie ja
nicht anzurhren. Als sie wieder einmal hinausgegangen war, ging er zur
Lampe, steckte seine Pfote aus und fing einen groen Trantropfen auf und
leckte mit der Zunge daran. Das schmeckte so s, da er noch mehrere
Tropfen auffing und sie verschluckte, wie sie herabfielen. Es wurde ihm
aber bald zu langweilig und so kroch er hinauf, ri ein Stck von der
Rohrwand los und verzehrte es. Kaum war das geschehen, so flo auch schon
ein ganzer Sturzbach von Tran in den Raum und lschte die Lampe aus,
whrend der ganze Raum selbst wild hin und herzurollen begann. Das dauerte
fast vier Tage lang und der Rabe war halbtot vor Mdigkeit und den
Quetschungen die er erhalten hatte. Dann stand der Raum still und der Wal
war tot, denn der Rabe hatte eines seiner Herzgefe aufgerissen. Der Geist
kam nie in den Raum zurck und der Wal trieb an die Kste.

Der Rabe merkte nun, da er gefangen war und whrend er darber nachdachte,
wie er entkommen knnte, hrte er, wie sich oben auf dem Wal zwei Leute
unterhielten und den Vorschlag machten, alle ihre Dorfgenossen
herzufhren. Das war rasch geschehen und bald hatten die Leute in den
oberen Teil des Wals ein Loch gemacht. Dies Loch wurde dann erweitert, bis
der Rabe, als alle gerade eine Fleischladung an die Kste trugen,
entschlpfen und sich unbemerkt auf der Spitze eines nahen Hgels
niederlassen konnte; da fiel ihm ein, da er seinen Feuerbohrer vergessen
hatte und er rief aus: Oh, ich hab meinen guten Feuerbohrer vergessen!
Schnell streifte er die Rabenmaske und die Rabenkleider ab, wurde wieder
ein junger Mann und ging die Kste entlang auf den Wal zu. Die Leute beim
Wal sahen bald den kleinen, in ein seltsam zusammengenhtes, dunkles
Renntierfell gekleideten Mann auf sich zukommen und starrten ihn verdutzt
an. Der Rabe trat nher und sagte: Ho, ihr habt einen schnen groen Wal
gefunden, ich will euch helfen ihn zu zerlegen! Er streifte seine rmel
hoch und ging ans Werk. Bald darauf schrie ein Mann, der drinnen im
Walkrper arbeitete, herauf: Ah, seht was ich gefunden habe, einen
Feuerbohrer im Walfisch. Sofort streifte der Rabe seine rmel herunter und
sagte: Das ist sehr schlimm, denn meine Tochter hat mir gesagt, da wenn
die Leute in einem Walfisch einen Feuerbohrer finden und ihn noch weiter
aufschneiden, die meisten von ihnen sterben werden; ich lauf weg! Und er
lief weg.

Als der Rabe weg war, sahen die Leute einander an und sagten: Vielleicht
hat er doch recht, und sie liefen alle weg und beim Weggehen suchte ein
jeder den Tran von seinen Hnden abzustreifen. Der Rabe guckte aus seinem
Versteck in der Nhe zu und lachte, wie die Leute so wegliefen. Dann ging
er um seine Maske und sein Gewand. Nachdem er sie gefunden, ging er zum Wal
zurck, fing an ihn aufzuschneiden und holte das Fleisch am Strand
zusammen. Als er an den Schmaus, den dieser Vorrat fr ihn abgeben wrde,
dachte, sagte er: Danke! zu den Geistern.

Nachdem er nun Fleisch auf die Seite gebracht, wollte er auch einigen Tran
aufbewahren, aber er hatte kein Gef, um ihn hineinzutun und so ging er an
der Kste auf und ab und suchte einen Seehund. Er war noch nicht weit
gegangen, da sah er einen Nrz geschwind herumlaufen und schrie ihn an:
Wem rennst du so schnell nach? Suchst du etwas zu essen?

Der Nrz blieb stehen und schob, wie es der Rabe mit seinem Schnabel getan
hatte, seine Nase wie eine Maske hoch und verwandelte sich in einen kleinen
dunkeln Mann. Da rief der Rabe: Ah, du willst mein Freund sein? Ich habe
Nahrung im berflu, aber ich bin allein und habe niemanden mit mir. Dem
Nrz wars recht und sie gingen nun beide zum Wal zurck und machten sich an
die Arbeit. Der Nrz aber mute das meiste schaffen, denn der Rabe war sehr
faul.

Sie machten Graskrbe und Matten fr das Fleisch und den Walfischspeck und
versorgten groe Mengen davon in Bodenlchern. Nachdem das getan war,
bauten sie ein gutes Haus. Als auch das fertig war sagte der Rabe: Es ist
langweilig, geben wir ein Fest! Und er trug dem Nrz auf, Seevolk
einzuladen, das sie unterhalten sollte.

Dem Nrz wars recht und so brach er am nchsten Morgen auf; der Rabe
verfertigte indessen einen kurzen, runden Stab und bemalte ihn an dem einen
Ende mit zwei Ringen. Nachdem das getan war, sammelte er einen groen
Ballen klebriges Rottannen-Harz und legte das mit dem Stab zusammen ins
Haus.

Der Nrz kam bald zurck und meldete dem Raben, da morgen sehr viele
Seebewohner zum Fest kommen wrden. Der Rabe sagte: Danke! Frh am
nchsten Morgen rief der Nrz den Raben heraus und zeigte aufs Meer, dessen
Oberflche ganz voll von den verschiedensten Seehundsarten, die alle zum
Fest kamen, war. Der Rabe ging ins Haus zurck, whrend der Nrz hinunter
ans Wasser ging, um die Gste zu empfangen und sie zum Haus zu fhren.

Sowie jeder Seehund ans Land kam, hob er seine Maske und wurde ein kleiner
Mann und alle gingen ins Haus, bis es voll war. Der Rabe sah die Gste und
rief: Was fr eine Menge Leute? Wie soll ich denn euch allen ein Fest
geben knnen? Ausgeschlossen; gestattet aber erst, da ich einigen von euch
mit diesem Zeug die Augen einschmiere, damit ihr besser sehen knnt, denn
es ist hier etwas finster.

Mit dem Harz verschlo er nun allen Seehunden die Augen, nur einen
kleinen, der in der Nhe der Tre stand, bersah er. Der letzte Seehund,
dessen Augen verschlossen wurde, war auch ein kleiner und sowie seine Augen
verklebt waren, wollte er sie ffnen und fing an zu schreien. Der Kleine
bei der Tr rief nun den anderen zu: Der Rabe hat euch allen die Augen
zugeklebt und ihr knnt sie nicht ffnen. Nun versuchten alle Seehunde die
Augen zu ffnen, aber sie konnten es nicht. Mit dem Stock, den der Rabe
Tags zuvor vorbereitet hatte, ttete er nun alle Gste, indem er sie auf
den Kopf schlug und jeder Seehundsmann verwandelte sich, nachdem er gettet
war, in einen Seehund. Als der Kleine bei der Tr sah, da der Rabe seine
Genossen ttete, lief er hinaus und entkam als einziger ins Meer.

Nachdem er damit fertig war, wandte sich der Rabe zum Nrz und sagte: Sieh
wie viele Seehunde ich gettet habe; jetzt werden wir genug Behlter fr
den Tran haben. Dann machten sie Scke aus den Seehundsfellen und fllten
sie mit Tran fr den Winter. Seit dieser Zeit sind Rabe und Nrz immer
Freunde geblieben und darum will, bis auf den heutigen Tag, kein Rabe das
Fleisch eines Nrzes fressen und wre er noch so hungrig. Den Nrz und den
Raben findet man oft in der Tundra ganz nahe beieinander.




Der Rabe und das Murmeltier


Einst flog der Rabe in der Nhe der Kste ber ein Felsenriff; einige
Seevgel, die auf dem Felsen saen, sahen ihn und verspotteten ihn mit den
Worten: Oh, du Abfallfresser! Oh, du Aasfresser! Du Schwarzer! bis der
Rabe sich umwandte und im Wegfliegen rief: Gnak, Gnak, Gnak! Warum
verspotten mich die? Und dann flog er weit weg bers Wasser, bis er drben
zu einem Berg kam, wo er blieb.

Er blickte sich um und bemerkte gerade vor sich die Hhle eines
Murmeltiers. Der Rabe blieb vor der Hhle auf der Lauer stehen und bald kam
das Murmeltier mit etwas Nahrung zurck. Da es den Raben gerade vor seiner
Tr stehen sah, forderte es ihn auf, Platz zu machen; der Rabe wollte aber
nicht und sagte: Man schimpft mich Aasfresser und ich werde beweisen, da
ich das nicht bin und jetzt dich fressen. Darauf antwortete das
Murmeltier: Gut; ich habe aber gehrt, da du ein sehr guter Tnzer seist;
tanze jetzt, wenn du willst, ich werde dazu singen und dann magst du mich
verspeisen. Bevor ich aber sterbe, will ich dich tanzen sehen. Das gefiel
dem Raben so sehr, da er einwilligte zu tanzen und das Murmeltier sang
also: O Rabe, Rabe, Rabe, wie gut du tanzt! O Rabe, Rabe, Rabe, wie gut du
tanzt! Dann hrten sie auf, um auszuruhen und das Murmeltier sagte: Dein
Tanz gefllt mir so gut, ich will noch eins singen, du mach aber deine
Augen zu und tanze deinen besten Tanz. Der Rabe schlo seine Augen und
hpfte ungeschickt herum, whrend das Murmeltier sang: O Rabe, Rabe, Rabe,
was fr ein reizender Tnzer bist du! O Rabe, Rabe, Rabe, was fr ein
reizender Tnzer bist du! Dann huschte das Murmeltier rasch zwischen den
Beinen des Raben durch und war in seiner Hhle geborgen. Sowie das
Murmeltier aber in Sicherheit war, steckte es die Nasenspitze heraus und
sagte spttisch lachend: Chi-kik-kik, Chi-kik-kik, Chi-kik-kik: du bist
doch der grte Dummkopf, den ich je gesehen habe; was du fr eine komische
Figur beim tanzen machst; ich konnte mich kaum halten vor Lachen; schau
mich nur an, schau, wie fett ich bin! Mchtest du mich nicht gern
auffressen? und es hnselte den Raben so lang, bis er aus lauter Wut weit
wegflog.




Entstehung des Raben


Der Rabe war ein Mann, der, als die Leute sich vorbereiteten eine andere
Gegend aufzusuchen und dazu die Habseligkeiten ihres Haushaltes
zusammenkramten, zu diesen sagte, sie htten die Unterdecken aus
Hirschfellen, die man zum Bett braucht, vergessen. So ein Fell heit in der
Eskimosprache Kak. Der Mann brauchte das Wort nun so oft, da sie ihm
sagten, er werde das noch selbst werden. Er machte solchen Lrm, da er in
einen Raben verwandelt wurde und nun gebraucht er diesen Laut, um sich
bemerkbar zu machen. Gerade an dem Tag, als das Lager abgebrochen wurde,
flog der Rabe auf und krchzte Kak! Kak! oder mit anderen Worten:
Verget nicht die Bettdecken!




Der Rabe und die Mve


Vor langer Zeit kam einmal ein Jger zum Haus des Raben. Als er eintrat,
sah er da einen alten Mann; der sagte zu ihm: Kak! sicherlich bist du
hungrig. Wir sind alle hungrig, wenn wir von zu Hause wegwandern. Dann
befahl er einem Knaben etwas Menschenfleisch hereinzubringen. Der Knabe
brachte es. Der Alte schnitt ein Stck ab und gab es dem Jger. Der sagte
aber: Ich mag diese Art von Fleisch nicht worauf der alte Mann erwiderte:
Gib es mir, ich kann es schon essen. Nachdem er es aufgegessen, sagte er
zum Knaben: Bring etwas Walhaut herein. Was der brachte, war aber in
Wirklichkeit Vogelmist. Er gab es dem Eskimo, der erklrte, das knne er
nicht essen. Gib es mir, sagte der Alte, ich kann es essen. Dann hie
er den Knaben Walbeine bringen. Er bot das dem Eskimo an, der wieder
erklrte, er knne das nicht essen. Der Alte sagte wieder: Ich kann es
essen, gib es mir. Nachdem er es aber verzehrt hatte, sagte er: Mein
Magen tut mir weh und spie alles, was er gegessen hatte, aus.

Nicht weit von da war das Haus einer Mve. Der Jger wurde eingeladen,
einzutreten. Er ging hinein und die Mve gab ihm getrocknete Fische, die er
sehr zufrieden verzehrte. Dann verlie er sie, ging nach Hause und
erzhlte, wie ihn die Vgel bewirtet hatten.




Entstehung der Mven


Einige Leute in einem Boot wollten um eine Landspitze, die weit ins Wasser
ragte, herumkommen. Da das Wasser unter dem Ende der Landzunge, die in
einer hohen Klippe endete, immer sehr stark bewegt war, baten einige
Frauen, man sollte doch ber den Landrcken gehen. Eine von ihnen stieg
auch mit ihren Kindern aus, um das Boot zu erleichtern. Sie sollte ber
jene Stelle gehen und die anderen versprachen, drben auf sie zu warten.
Die Leute im Boot waren so weit gekommen, da die Rufe, welche die Richtung
angeben sollten, undeutlich wurden. Die arme Frau wurde ngstlich und hatte
die anderen im Verdacht, sie wollten sie verlassen. Sie blieb bei der
Klippe und schrie unausgesetzt die letzten Worte, die sie gehrt hatte.
Schlielich wurde sie in eine Mve verwandelt und ber den ganzen Sund
ertnt jetzt ein: Geh' rber, g-rber, gber, ber, b! und so fort.




Der Ursprung der Mcken


Ein Mann hatte eine nachlssige Frau, die nie seine Fellkleider
reinschabte, wenn er von seinen Ausflgen zurckkam. Er bemhte sich sehr,
sie zu besserem zu berreden und sich aufzufhren, wie einer Frau geziemt.
Wieder einmal sollte sie die angehufte Schmutzschicht von den Kleidern des
Mannes entfernen. Sie nahm verdrielich das Gewand und reinigte es aber so
nachlssig, da der Mann, wie er das Aussehen der Kleider bemerkte, etwas
von dem Dreck, der noch daran klebte, nahm und ihr nachwarf. Die Teilchen
verwandelten sich in Mcken und jetzt im Frhling, wenn die warmen Tage
kommen und die Frauen Arbeit haben, die Kleider zu putzen, sammeln sie sich
um sie und so werden die Frauen an das schlampige Weib erinnert und was ihr
geschehen war.




Entstehung der Schwalben


Einige kleine Kinder, die sehr gescheit waren, spielten am Ende einer hohen
Klippe, nah bei den Zelten, wo sie wohnten, indem sie Spielhuser machten.
Sie wurden bewundert wegen ihrer Klugheit und bekamen den Namen
zuluganak, wie jener Rabe, von dem man annahm, da er alle Vergangenheit
und Zukunft wisse. Whrend diese Kinder also sich vergngten, wurden sie in
kleine Vgel verwandelt und sie vergaen ihre letzte Beschftigung nicht
und bis zum heutigen Tag kommen sie zu den Klippen, nah bei dem Lager der
Leute, und machen Huser aus Lehm, die sie an einer Seite des Felsens
befestigen. Die Eskimokinder beobachten gerne die Schwalben, wie sie, wenn
der Rabe sie dabei nicht strt, ihre Iglu aus Lehm bauen.




Die Entstehung der Lummen


Einige Kinder spielten auf dem ebenen Gipfel einer ins Meer hineinragenden
Klippe und die lteren Kinder gaben auf die jngeren acht, damit sie nicht
ber den Rand fielen. Unten war die See mit Eis bedeckt und entlang der
Kste hatte sich noch kein Streifen gelockert, auf dem die Seehunde htten
aufsteigen knnen. Bald ffnete aber ein entferntes Krachen das Meer und es
war voll von Seehunden, aber die Kinder achteten nicht darauf. Der Wind war
kalt und die Kinder tobten sehr ausgelassen herum, eiferten sich bei ihren
Spielen an und schrien so laut sie nur konnten. Die Mnner sahen jetzt die
Robben und liefen zur Kste, um ihre Kajaks ins Wasser zu setzen und sie zu
verfolgen.

Daraufhin schrien die Kinder noch mehr und erschreckten die Robben so, da
sie untertauchten. Einer der Mnner wurde rgerlich und rief den anderen
zu: Ich wnschte, das Riff strzte um und begrbe diese lrmenden Kinder,
die die Robben verjagt haben. Im selben Moment strzte die Klippe ein und
die armen Kinder fielen mitten zwischen Felsen und Steinen herunter. Da
wurden sie in Lummen oder Seetauben mit roten Fen verwandelt und hausen
so bis zum heutigen Tag mitten zwischen den Steinen, hart am Wasser unter
den Riffen.




Der Hase


Der Hase war ein Kind, das von den Leuten so schlecht behandelt und
mibraucht wurde, weil es lange Ohren hatte, da es sich aufmachte, um
allein zu leben. Wenn er jemand sieht, lt er die Ohren auf den Rcken
hngen; wenn er aber das Geschrei von jemandem hrt, glaubt er, man spricht
von seinen langen Ohren. Er hat keinen Schwanz, weil er frher auch keinen
hatte.




Herkunft der viereckigen Flecken am Rcken der Tauchente


Ein Mann hatte zwei Kinder, von denen er wollte, sie sollten einander
vllig gleichsehen. Er zeichnete das eine (die Tauchente) mit einer weien
Brust und viereckigen Flecken am Rcken. Das andere (der Rabe) sah, wie
komisch die Tauchente aussah, und lachte soviel, da die Tauchente sich
schmte und ins Wasser floh, wo sie immer die weie Brust zeigt, um die
Flecken am Rcken, die zum Lachen reizen, zu verbergen. Der Rabe entging
der Aussicht in gleicher Weise angemalt zu werden, indem er sich hartnckig
weigerte, nher zu kommen.




Wie der Habicht entstand


Unter den Leuten einer Siedlung war eine Frau, die wegen der Krze ihres
Nackens auffiel. Sie wurde deswegen unausgesetzt geneckt und geqult, soda
sie oft stundenlang allein am Rand hoher Felsen sa. Sie wurde in einen
Habicht verwandelt und schreit jetzt, wenn sie jemand sieht, sofort: Kea,
kea, kea, wer, wer, wer wars, der >Kurznack< rief?




Die letzten Donnervgel


Vor langer Zeit lebten in den Bergen viele Adler oder Donnervgel. Die
waren aber schon alle verschwunden bis auf ein Paar, das auf dem Berggipfel
der bei S. den Yukon berragt, hauste. Auf der runden Kuppe dieses Berges
hatten die Adler eine Vertiefung ausgehhlt, die ihnen als Nest diente; um
den Rand herum war ein Felswall, von dem sie auf das groe Dorf am Flu
sehen konnten.

Vom Rand dieses Felswalls erhoben sich die groen Vgel auf ihren breiten
Schwingen, wie ein Wolke am Himmel, um manchmal aus vorberziehenden Herden
ein Renntier zu reien und es ihren Jungen zu bringen. Dann wieder kreisten
sie herum, mit donnerartigem Flgelschlag, lieen sich zu einem Fischer in
seinem Kanoe auf dem Flu herab und schleppten Mann und Boot zum
Berggipfel. Dort fraen die jungen Donnervgel den Mann und das Kanoe blieb
zwischen Knochen und anderem Abfall am Nestrand liegen und ging zugrund.

Jeden Herbst flogen die jungen Vgel ins Nordland weg, whrend die alten
zurckblieben. Dann kam wieder eine Zeit, wo viele Jger von den Vgeln
verschleppt wurden, soda sich nur die allerverwegensten auf den Flu
wagten. Eines Sommertags fuhr ein beherzter junger Mann hinaus, um nach
seinen Fischfallen im Flu zu sehen; bevor er aber wegging, sagte er
seiner Frau, sie solle vorsichtig sein und das Haus der Vogelgefahr wegen
ja nicht verlassen. Nachdem ihr Mann weggegangen war, bemerkte die junge
Frau, da ihr Wasserkbel leer war und nahm daher einen Eimer und ging nach
dem Flu um Wasser. Als sie zurckkehren wollte, erfllte ein rollendes
Gerusch, wie Donner, die Luft, einer der Vgel stie herab und packte sie
mit seinen Krallen. Als die Dorfleute sahen, wie sie zum Berggipfel gefhrt
wurde, schrien sie vor Schmerz und Verzweiflung auf.

Als der Jger nach Hause kam, beeilten sich die Leute, ihm von seines
Weibes Tod zu erzhlen, er sagte aber nichts. Er ging in sein leeres Haus,
nahm seinen Bogen und einen Kcher voll Kriegspfeile und brach, nachdem er
sie sorgfltig geprft hatte, nach dem Adlerberg auf. Seine Freunde hielten
ihm vor, da ihn die Vgel sicherlich umbringen wrden, aber vergebens. Er
wollte sich davon nicht berzeugen lassen, sondern eilte weiter. Mit festen
Schritten erklomm er den Rand des groen Nestes und sah hinein. Die Alten
waren weg, aber die Jungen empfingen ihn mit gellenden Schreien und
frchterlich funkelnden Augen. Des Jgers Herz war voll Zorn, er spannte
rasch seinen Bogen und scho einen Pfeil nach dem anderen ab, bis der
letzte der verhaten Vgel tot im Nest lag.

Noch immer voll Rachedurst verbarg sich der Jger hinter einem groen
Felsen in der Nhe des Nestes und wartete auf die alten Vgel. Diese kamen.
Als sie ihre Jungen tot und blutig im Nest liegen sahen, erhoben sie
solche Racheschreie, da der ganze Sund von der anderen Seite des groen
Flusses her widerhallte, whrend sie sich erhoben, um nach dem Mrder ihrer
Jungen auszusehen. Bald erblickten sie den jungen Jger hinter dem groen
Stein und der Muttervogel stie auf ihn herab und seine Schwingen rauschten
dabei, wie ein Sturm im Tannenwald. Der Jger legte rasch einen Pfeil auf
seine Sehne und als der Adler herunterkam, jagte er ihn ihm tief in die
Kehle. Mit einem rauhen Schrei wandte er sich um und flog weit ber die
Hgel nach Norden weg.

Jetzt kreiste der Vogelvater ber ihm und kam schreiend auf den Jger
herunter, der sich im richtigen Augenblick hinter den Stein drckte, soda
des Adlers scharfe Klauen nur den harten Fels faten. Als der Vogel sich
erhob, um wieder herabzustoen, sprang der Jger aus seinem Schlupfwinkel
und jagte ihm mit aller Kraft zwei schwere Pfeile tief unter seine
Schwingen. Wie eine Wolke ber den Himmel flog der Donnervogel, seine
Flgel weit ausbreitend und Racheschreie ausstoend, weit ins Nordland und
ward nie mehr gesehen.

Nachdem er so blutige Rache genommen, fhlte sich der Jger erleichtert und
stieg ins Nest hinab, wo er noch einige Reste seiner Frau fand. Er trug sie
zum Ufer, machte dort ein Feuer und brachte ihrem Schatten Speise- und
Trankopfer dar.




Die Kraniche


Es ist schon lange her, da sich eines Herbsttages die Kraniche darauf
vorbereiteten, sdwrts zu ziehen. Als sie sich in groer Schar
zusammengefunden hatten, sahen sie in der Nhe des Dorfes ein wunderschnes
junges Weib ganz allein. Sie bewunderten sie, scharten sich um sie, hoben
sie auf ihre ausgebreiteten Flgel, trugen sie hoch in die Luft und flogen
mit ihr fort. Whrend die einen sie aufhoben, kreisten die anderen unter
ihnen so dicht, da sie nicht herunterfallen konnte und ihr lautes heiseres
Geschrei bertnte alle Hilferufe, so ward das Weib fortgetragen und wurde
nie mehr gesehen. Seit dieser Zeit kreisen die Kraniche im Herbst immer
herum und whrend sie sich zum Flug nach Sden vorbereiten, schreien sie
laut herum, wie sie damals taten.




Das Echo


Ein junges Mdchen wollte keinen Mann nehmen. Schlielich wurden ihre Leute
rgerlich, brachen das Zelt ab und verlieen sie. Am Tag, nachdem sie
verlassen worden war, sah das Mdchen die Mnner in ihren Kajaks Seehunde
jagen. Sie hatte eine steile Klippe erstiegen, auf der sie die Mnner
stehen sahen. Jetzt rief sie einem der Mnner zu: Komm und hole mich! Ich
will dich heiraten! Die Mnner glaubten ihr aber nicht. Dann hrten sie
das Mdchen sagen: Ich wollte, meine Fe wrden in Stein verwandelt! und
sie verwandelten sich in Steine; ich wollte, meine Hften verwandelten
sich in Steine! und auch die verwandelten sich in Steine; ich will, da
sich meine Arme in Stein verwandeln! und beide wurden zu Stein; ich will,
da sich meine Brust in Stein verwandelt! und sie wurde zu Stein. Ich
will, da auch mein Kopf zu Stein wird! und auch der versteinerte. Jetzt
war sie ganz in einen Stein verwandelt und so ist sie auch noch jetzt. Wenn
die Leute in ihren Booten vorberkommen, so knnen sie sie hren.




Die unzufriedene Graspflanze


In der Nhe des Dorfes Pastolik, an der Yukonmndung, wchst eine hohe,
dnne Grasart. Die Frauen dieses Dorfes gehen im Herbst, knapp vor
Wintersbeginn, hinaus und sammeln eine Menge von diesem Gras ein; sie
reien es aus oder schneiden es aus dem Boden, machen groe Bndel daraus
und tragen sie am Rcken nach Hause. Das Gras wird dann getrocknet und zu
Matten, Krben oder Sitzplstern fr die Fellboote verarbeitet.

Einer dieser Grasstengel, der von einer Frau schon fast ausgerissen worden
wre, begann darber nachzudenken, wie unvorteilhaft es eigentlich sei,
nicht etwas anderes zu sein und sah sich um. Fast auf den ersten Blick sah
er ein in der Nhe wachsendes Pflanzenbschel, das so ruhig und ungestrt
aussah, da der Grashalm sich wnschte, auch so eines zu sein. Kaum hatte
er diesen Wunsch, als er auch schon in so eine Pflanze verwandelt wurde,
wie die, welche er beneidet hatte, eine war und fr kurze Zeit hatte er nun
Ruhe.

Eines Tags aber sah er die Frauen mit scharfen Spitzhacken wiederkommen und
die Pflanzen mit diesen ausjten, einige Wurzeln essen und die anderen in
Krben nach Hause bringen. Als die Frauen abends nach Hause gingen, blieb
die Verwandelte brig und wnschte, da sie das Schicksal der Gefhrten
gesehen hatte, doch eine andere Gestalt angenommen zu haben. Sie sah sich
also wieder um und bemerkte eine andere unscheinbare Kriechpflanze, die ihr
gefiel, weil sie so winzig und versteckt war. Sofort wnschte sie so eine
zu werden und das geschah auch; wieder verstrich einige Zeit ganz ruhig,
dann aber kamen die Frauen wieder und rissen die Gefhrten aus; die
Verwandelte bersahen sie. Das nchste Mal bekam sie aber Angst und wollte
in eine kleine Knollenfrucht, wie solche in der Nhe wuchsen, verwandelt
werden. Die Verwandlung war kaum geschehen, als eine Feldmaus durchs Gras
geschlichen kam, die Knolle einer hnlichen Pflanze in der Nhe auszugraben
begann, sie zwischen den Vorderpfoten hielt und daran knabberte und dann
weglief. Um in Sicherheit zu sein, mu ich eine Maus werden! dachte sich
die Wandelbare und sofort wurde sie eine Maus und lief ganz glcklich ber
die neue Verwandlung herum. Hin und wieder blieb sie stehen, um eine Knolle
auszugraben und zu verzehren, wie es die andere getan hatte, oder sie
setzte sich auf die Hinterbeine und sah sich die wechselnden Aussichten an.
Whrend die Maus so herumwanderte, sah sie pltzlich ein fremdes, weies
Ding auf sich zukommen, das am Boden herumpickte und nachdem es um irgend
etwas zu fressen stehengeblieben war, wieder aufflog. Wie es nherkam,
erkannte es die Maus als eine groe, weie Eule. In diesem Augenblick
bemerkte auch die Eule die Maus und strzte auf sie los. Whrend sie aber
noch im Flug war, gelang es der Maus glcklicherweise in ein Loch, das
eine andere gemacht hatte, zu entschlpfen, worauf die Eule wegflog.

Nach einer Weile wagte sich die Maus aus ihrem Versteck heraus, obwohl ihr
Herz noch von der letzten Angst zitterte. Ich will eine Eule sein, dachte
die Maus, auf die Art werde ich gerettet sein. Mit diesem Wunsch
verwandelte sie sich nun wieder in eine schne weie Eule und brach mit
langsamem, geruschlosem Flgelschlag nach Norden auf; hie und da rastete
sie, um eine Maus zu fangen. Nach einem langen Flug kam ihr die
Sledge-Insel in Sicht; ihre Flgel waren schon so mde, da sie nur mit
uerster Anstrengung die Kste erreichen konnte, wo sie sich auf ein im
Sande steckendes Stck Treibholz setzte. Bald darauf sah sie zwei stramme
Mnner die Kste entlang gehen und ihr altes Unzufriedenheitsgefhl
erwachte wieder. Ich will ein Mensch sein, dachte sie; mit einem
Flgelschlag war sie am Boden und wurde da in einen schnen jungen Mann
verwandelt; der war nun nackt. Bald darauf wurde es Nacht und er setzte
sich mit dem Rcken gegen das Holzstck, auf dem er kurz vorher als Eule
gesessen hatte und schlief dort bis zum Morgen. Der warme Sonnenschein
weckte ihn auf und Chun-uh-luk, so nannte er sich selbst, war, als er
aufstand, ganz steif und lahm vom Sitzen in der kalten Nachtluft.

Er sah sich um und fand einiges Gras, aus dem er sich etwas, wie einen
leichten Mantel, zum Schutz gegen die Klte, wob. Dann sah er in der Nhe
einige Renntiere weiden und bekam Lust, eines davon zu tten und zu
verzehren. Er schlich sich auf den Hnden und Knien heran, sprang auf das
nchste zu, fate es bei den Hrnern und brach ihm mit einem Ruck das
Genick; dann nahm er es auf seine Schultern, ging zurck und warf es in der
Nhe seines Schlafplatzes hin. Er griff nun den Renntierkrper ab und fand
dabei, da das Fell eine so gute Schutzdecke war, da er es mit seinen
Fingern nicht aufreien konnte. Lange dachte er nach, wie er das Fell
herunterbringen knnte; schlielich fand er einen scharfkantigen Stein, hob
ihn auf und entdeckte, da man damit das Fell durchschneiden kann. Das Tier
war rasch gehutet, aber nun fehlte ihm ein Feuer, um das Fleisch zu
kochen. Er suchte herum und fand an der Kste zwei weie Steine, die viel
Funken gaben, wenn er sie aneinander schlug. Mit ihnen und etwas trockenem
Zeug, das er an der Kste fand, gelang es ihm, ein Feuer anzufachen, ber
dem er ein Stck vom Fleisch rsten konnte. So wie er als Eule die Muse
gefressen hatte, versuchte er nun ein groes Stck herunterzuschlucken,
aber es ging nicht; er schnitt also einige kleine Stcke ab und a sie.
Noch eine Nacht verging und am Morgen fing er ein anderes Renntier und am
folgenden Tag zwei weitere; diese beiden nahm er zugleich auf die Schultern
und trug sie zugleich zu seinem Lagerplatz an der Kste. Da Chun-uh-luk in
den Nchten sehr fror, hutete er die beiden letzten Renntiere ab und
hllte sich vom Kopf bis zu den Fen in ihre Felle; sie trockneten rasch
auf ihm und saen wie angewachsen. Die Nchte wurden aber immer klter; da
sammelte Chun-uh-luk an der Kste einen Sto Treibholz zusammen und machte
sich daraus eine rohe Htte, die fr ihn schon sehr bequem war.

Nachdem er sein Haus fertiggestellt hatte, ging er eines Tages ber die
Hgel und sah ein fremdartiges schwarzes Tier bei einigen Blaubeerbschen
Beeren fressen. Chun-uh-luk wute zuerst nicht, ob er sich mit diesem
unbekannten Tier einlassen sollte oder nicht; schlielich fing er es aber
doch bei einem seiner Hinterbeine. Mit wtendem Geknurr wandte es sich um,
sah ihn an und fletschte seine weien Zhne. Da packte Chun-uh-luk den
Bren pltzlich bei seinen starken Backenhaaren, schwang ihn ber seinen
Kopf und schlug ihn mit solcher Gewalt gegen den Boden, da er tot dalag;
dann schulterte er ihn und ging nach Hause.

Als er den Bren abhutete, fand Chun-uh-luk, da er sehr fett war und er
nun Licht in seinem Haus haben knnte, wenn er nur etwas fnde, um das Fett
hineinzutun, denn in seinem Haus war es dunkel, so da er sich nur mhsam
zurechtfinden konnte. Er ging an der Kste herum und fand einen langen
flachen Stein mit etwas ausgehhlter Oberflche; hierin hielt sich das Fett
sehr gut und nachdem er noch einen Docht aus Moos hineingegeben hatte, war
sein Haus so gut, als er sich nur wnschen konnte, beleuchtet.

Vor den Eingang hngte er das Brenfell, um den kalten Wind, der manchmal
hereinblies und ihn in der Nacht ganz starr machte, abzuhalten. So lebte er
nun viele Tage, bis er sich einsam zu fhlen begann, wenn er an die beiden
Mnner zurckdachte, die er gesehen hatte, als er noch als Eule an der
Kste gestanden. Er dachte sich: Ich habe einmal zwei Mnner vorbergehen
gesehen, es knnen also andere Leute nicht gar zu weit weg wohnen. Ich will
sie suchen gehen, denn es ist hier doch sehr einsam. Er ging also aus auf
die Suche nach Leuten. Er wanderte eine ziemliche Strecke die Kste entlang
und kam schlielich zu zwei schnen Kajaks, die am Fu eines Hgels lagen
und auf ihnen lagen Speere, Schnre, Schwimmer und anderes Jagdgert.

Nachdem er diese Merkwrdigkeiten untersucht hatte, sah er in der Nhe
Spuren, die zum Gipfel des Hgels fhrten und folgte ihnen. Auf der Kuppe
des Hgels war ein Haus und in der Nhe zwei Speicher und davor lagen
mehrere frisch gettete weie Wale und die Schdel von vielen anderen lagen
herum. Er wollte nun, bevor er sich ihnen selbst zeigte, die Bewohner des
Hauses sehen und kroch daher leise in den Eingang und an die Tr heran.
Vorsichtig hob er einen Zipfel des Fells, das im Torweg hing und sah
hinein. Der Tr gegenber sa ein junger Mann und arbeitete an einigen
Pfeilen; ein Bogen lag neben ihm. Chun-uh-luk lie den Vorhang fallen und
rhrte sich eine Zeitlang nicht, denn er befrchtete, der junge Mann werde
mit den Pfeilen nach ihm schieen, wenn er eintrete, noch bevor er ihm
seine friedlichen Absichten bezeugen knne. Schlielich dachte er sich:
Wenn ich hineingehe und sage: >Ich bin gekommen, Bruder<, wird er mir
nichts tun. Er hob rasch den Vorhang und trat ein. Da spannte der Hausherr
sofort den Bogen, legte einen Pfeil an, bereit gegen seinen Kopf
loszuschieen als Chun-uh-luk gerade sagte: Ich bin gekommen, Bruder! Da
senkte der junge Mann Bogen und Pfeile und sagte freudig: Bist du mein
Bruder? Komm und setz dich neben mich. Chun-uh-luk tat so und war ganz
glcklich. Der Hausherr zeigte sich sehr erfreut und sagte: Ich freue mich
sehr, dich zu sehen, Bruder, denn immer habe ich geglaubt, ich htte
irgendwo einen Bruder, konnte ihn aber nie finden. Wo hast du gelebt? Hast
du die Eltern gekannt? Wie bist du aufgewachsen? Und so stellte er noch
viele Fragen, auf die Chun-uh-luk erwiderte, da er seine Eltern nie
gekannt habe und er beschrieb ihm sein Leben an der Kste bis zu dem
Zeitpunkt, wo er auf diese Suche ausgegangen war. Der Hausherr erzhlte
dann, da auch er die Eltern nie gekannt habe und seine erste Erinnerung
sei, da er sich ganz allein in diesem Haus gefunden habe und hier habe er
nun gelebt, indem er Wild zu seiner Nahrung erlegte.

Der Hausherr lud nun Chun-uh-luk ein, ihm zu einem der Vorratsspeicher zu
folgen; dort war eine groe Menge wertvoller Pelze, Seehundsspeck und
andere Speisen in berflu. Dann ffnete er die Tre des anderen Speichers
und zeigte dem Ankmmling eine Menge erschlagener Leute. Der Hausherr
erzhlte nun, er habe sie aus Rache fr den Tod seiner Eltern umgebracht,
denn fr ihn stnde es fest, da sie von diesen Leuten umgebracht worden
waren und so habe er keinen lebend vorberziehen lassen.

Als die Brder zum Haus zurckkehrten, waren sie schlfrig und schliefen
bis zum Morgen. Bei Tagesanbruch standen sie auf und nach dem Frhstck
sagte der Hausherr zu Chun-uh-luk, er solle, da er weder Bogen noch Pfeile
habe, zu Hause bleiben und fr sie beide kochen, whrend er selbst auf die
Jagd gehe. Er ging dann weg und kam in der Nacht zurck und brachte
Renntierfleisch mit. Chun-uh-luk hatte das Essen fertig und nachdem sie
gegessen, legten sie sich schlafen und schliefen gut. So lebten sie mehrere
Tage, bis Chun-uh-luk dessen schon berdrssig war, immer zu Hause zu
bleiben und zu kochen.

Eines Morgens bat er seinen Bruder, er mchte doch gestatten, da er mit
auf die Jagd gehe; der schlug es aber ab und ging allein. Als er bald
darauf einige Renntiere zu beschleichen begann, kam Chun-uh-luk heimlich
nachgekrochen und packte ihn beim Fu, damit sein Bruder, ohne da das Wild
aufgescheucht werde, wissen sollte, da er da sei. Der Jger wandte sich
aber um und sagte rgerlich: Was willst du denn, da du mir folgst? Du
kannst doch ohne Pfeil und Bogen nichts erlegen. Mit meinen Hnden allein
kann ich das Wild umbringen, sagte Chun-uh-luk; sein Bruder aber sagte
spttisch: Geh nach Hause und besorge deine Kocherei! Chun-uh-luk ging
weg, aber statt nach Hause zu gehen, schlich er sich an eine Renntierherde
heran und brachte zwei mit den Hnden um, wie er es getan hatte, als er
noch allein lebte. Dann stellte er sich auf und winkte seinem Bruder mit
den Hnden, er solle herbeikommen. Der kam und war sehr erstaunt, die
beiden Renntiere zu sehen, denn er hatte mit seinen Pfeilen keines erlegt.
Chun-uh-luk schulterte die beiden Tiere und trug sie nach Hause.

Mit finsterer Miene und Rachegedanken im Herzen folgte ihm sein Bruder, bis
Eifersucht und rger alle freundschaftlichen Gefhle, die er fr
Chun-uh-luk hegte, verdrngt hatten; aber er hatte auch etwas Furcht, da er
seinen Bruder so groe Strke beweisen gesehen hatte. Alle Abende sa er
still und rgerlich, rhrte die ihm vorgesetzten Speisen kaum an, bis
schlielich sein Argwohn und seine Rachegedanken in Chun-uh-luk die
gleichen Gefhle erregten. So saen sie die Nacht hindurch einander
auflauernd und irgend einen Verrat frchtend.

Der nchste Tag war ruhig und klar und der Hausherr fragte Chun-uh-luk, ob
er einen Kajak rudern knne, worauf dieser entgegnete, er glaube, er werde
es schon zustande bringen. Der Hausherr fhrte ihn nun zu den Kajaks an
die Kste, bestieg den einen und sagte Chun-uh-luk, er mchte ihm in dem
anderen folgen. Anfangs hatte Chun-uh-luk ziemliche Mhe, seinen Kajak
aufrecht zu erhalten, aber bald hatte er es weg, ihn zu beherrschen und sie
fuhren weit ins Meer hinaus. Als die Kste schon weit hinter ihnen lag,
kehrten sie um und der Hausherr sagte: La uns jetzt sehen, wer die Kste
zuerst erreichen kann! Leicht flogen die Kajaks dahin und zuerst schien
der eine, dann der andere einen Vorsprung zu haben, bis sie schlielich mit
einer letzten Anstrengung landeten und beide Wettkmpfer im selben
Augenblick ans Land sprangen. Der Hausherr machte ein finsteres Gesicht und
sagte zu Chun-uh-luk: Du bist nicht mehr lnger mein Bruder. Du, geh
dorthin, ich werde dahin gehen. Sie wandten einander den Rcken zu und
trennten sich verrgert. Wie sie auseinandergingen, wurde Chun-uh-luk in
einen braunen Vielfra und sein Bruder in einen Grauwolf verwandelt und als
solche wandern sie bis zum heutigen Tag im Land herum, aber niemals
zusammen.




Der Wurm-Mensch


Vor sehr langer Zeit lebte ein groer Wurm, den eine Frau heiratete und
beide hatten einen Sohn, der auch ein Wurm war. Als der Sohn erwachsen war,
sagte ihm der Vater, er solle nach dem Mittelpunkt der Erdflche gehen und
dort werde er in einer kleinen Htte ein Weib finden. Der Sohn machte sich
mit Hilfe seiner Zauberkrfte klein, damit er rascher vorwrts komme und
zog weg. Als er in die Nhe der Htte, von der sein Vater ihm erzhlt
hatte, kam, fhlte er unter seinen Fen die Erde wanken und zittern und
frchtete schon, er werde umkommen. Das wiederholte sich mehrmals, bis er
das Haus erreichte. Da fand er, da das Sprechen eines alten Weibes, das
mit seiner Tochter im Haus wohnte, die Ursache der Erderschtterung war.
Die Leute nahmen ihn gastfreundlich auf und da das Mdchen sehr hbsch war,
heiratete er sie.

Nachdem er hier vier Jahre gelebt hatte, erinnerte er sich seiner Eltern
und machte sich auf, sie zu besuchen. Unterwegs wurde er aber von einem
anderen Wurm-Menschen, der ein Zauberer war, gettet.

Bald darauf fhlte auch sein Vater starke Sehnsucht nach seinem Sohn und
brach auf, um ihn zu besuchen. Unterwegs fand er den Krper seines Sohnes
und als er sich umsah, gewahrte er in der Nhe ein groes Dorf. Er ging zur
Quelle, wo die Dorfbewohner ihr Wasser holten, machte sich klein und
verbarg sich darin und vermittels seiner Zauberknste brachte er aus Rache
fr den Tod seines Sohnes fast alle Bewohner um.

Als nur noch ein paar Leute brig waren, bewirkte eine alte Frau aus dem
Dorf, die wute, da irgend eine Zauberei gegen sie im Gange war, einen
groen Zauber, demzufolge die See stieg, da das Eis der Oberflche
zerbrach und es bers Land schwemmte, bis die Quelle zugedeckt war; dann
zerschellten die Eisblcke aneinander bis der Wurm-Mensch in Stcke
zerrieben und vernichtet war, so da die Leute von seinem Zauber erlst
waren.




Inhalt


                                                                 Seite

  1. Flutlegende von St. Michael (Aljaska)                          7
  2. Die groe Flut (Von den Zentral-Eskimos)                       8
  3. Die Schpfung (Geschichten vom Raben Tu-lu-kau-guk I.)         9
  4. Der Ursprung von Land und Menschen                            31
  5. Ursprung der Lebewesen                                        32
  6. Sonne, Mond und Sterne                                        34
  7. Sonne und Mond                                                35
  8. Der Mond, die Sonne und der Bse                              36
  9. Das Sternbild Udlegdjun                                       38
  10. Herkunft der Inuit                                           39
  11. Die Abstammung der Indianer und Europer                     40
  12. Sednamythe                                                   42
  13. Das Land des Todes                                           45
  14. Die Entstehung der Winde                                     50
  15. Von Einem, der nichts finden konnte                          55
  16. Wie der Rabe das Licht brachte                               59
  17. Der Kanibale Igimarasugdjuqdjuaq                             64
  18. Der Geist des Festhauses                                     66
  19. Die Brengeschichte                                          67
  20. Der rote Br Ta-ku-ka                                        70
  21. Der rote Br                                                 78
  22. Der Feuerball                                                81
  23. Die Auswanderung der Sagdlirmiut                             85
  24. Die Rivalen                                                  89
  25. Die Geschichte von den drei Brdern                          90
  26. Qaudjaqdjuq                                                  95
  27. Der Mann im Monde                                            98
  28. Der Riese                                                   102
  29. Der seltsame Knabe                                          109
  30. Das Land der Finsternis                                     118
  31. Die entflohenen Weiber                                      125
  32. Kiviung                                                     127
  33. Die einzige Frau                                            134
  34. Die Geschichte vom Mann und seiner Fuchs-Frau               136
  35. Der Waisenknabe und der alte Mann                           138
  36. Die Eule und der Rabe                                       139
  37. Der Rabe nimmt ein Weib
      (Geschichten vom Raben Tu-lu-kau-guk II.)                   140
  38. Der Rabe, der Wal und der Nrz
      (Geschichten vom Raben Tu-lu-kau-guk III.)                  146
  39. Der Rabe und das Murmeltier                                 152
  40. Entstehung des Raben                                        154
  41. Der Rabe und die Mve                                       155
  42. Entstehung der Mven                                        156
  43. Der Ursprung der Mcken                                     157
  44. Entstehung der Schwalben                                    158
  45. Die Entstehung der Lummen                                   159
  46. Der Hase                                                    160
  47. Herkunft der viereckigen Flecken am Rcken der Tauchente    161
  48. Wie der Habicht entstand                                    162
  49. Die letzten Donnervgel                                     163
  50. Die Kraniche                                                166
  51. Das Echo                                                    167
  52. Die unzufriedene Graspflanze                                168
  53. Der Wurm-Mensch                                             178
  Inhalt                                                          180
  Anmerkung                                                       183




Anmerkung


Ich habe diese Mrchen der Eskimo zwischen der Beringstrae und der
Hudsonbai aus nachstehenden Verffentlichungen bertragen und ausgewhlt:

Aus F. Boas: Central Eskimo (Annual Report of American Ethnology, Vol VI.
Washington 1888) stammen Nr. 2, 9, 11, 12, 17, 18, 19, 23, 25, 26, 31, 32,
36. Aus einer Verffentlichung desselben Autors im Bulletin of the American
Museum of natural history (Vol XV, New-York 1907) sind Nr. 7, 27, 35, 41,
51.

Aus E. W. Nelson: The Eskimo about Beringstrait (Annual Report of American
Ethnology, Vol XVIII/1, Washington 1896/97) sind die Nr. 1, 3, 4, 8, 13,
14, 15, 16, 20, 21, 22, 28, 29, 30, 33, 37, 38, 39, 49, 50, 52, 53
ausgewhlt. Aus L. Turner: Ethnology of the Ungawa district. Hudsonbay
territory (Annual Report of American Ethnology, Vol VII. Washington
1889/90) sind die brigen Mrchen: Nr. 5, 6, 10, 24, 34, 40, 41, 43, 44,
45, 46, 47, 48.




DIESES WERK WURDE IM JAHRE 1921 IN DER HOF-BUCH- UND -STEINDRUCKEREI VON
DIETSCH& BRCKNER/ WEIMAR IN DER NORDISCHEN ANTIQUA GEDRUCKT

DEN EINBAND ENTWARF BERNHARD KLEIN




Im Verlag Axel Juncker erschienen ferner:


Sagen und Mrchen Altindiens

Nachgedichtet von _Alois Essigmann_

2 Bnde, pro Band in Pappe gebunden M. 18.--, in Halbldr. M. 30.--,
Doppelb. in Halbldr. M. 50.--


Islndische Mrchen

bertragen von _Aage Avenstrup_ und _Elisabeth Treitel_

in Pappe M. 18.--, in Halbleder M. 30.--


Sijawusch

Persische Sagen

bertragen von _Alois Essigmann_

in Pappe M. 15.--, in Halbleder M. 25.--


Sawitri

Eine altindische Legende, erzhlt von _Alois Essigmann_ mit Bildern von
_Bernhard Klein_

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Legenden von _Wilhelmine Mohr_

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H. Chr. Andersen

Gesammelte Mrchen

Mit farbigen Aquarellen von _Alfred Thon_

in Halblein. M. 50.--, in Halbled. M. 85.--, in Ganzled. M. 400.--


H. Chr. Andersen

Der Glckspeter

Mit Scherenschnitten von _Alfred Thon_

gebunden M. 16.--


Eduard Mrike

Das Stuttgarter Hutzelmnnlein

Mit Scherenschnitten von _Alfred Thon_

in Ganzleder M. 250.--, in Halbleder M. 40.--, in Pappe M. 20.--


Charles Baudelaire

Gedichte in Prosa

bertragen von _Dieter Bassermann_

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Gottfried Keller

Das Tanzlegendchen

Auf den Stein gezeichnet und mit Bildern versehen von _Hannes M. Avenarius_

Einmalige Aufl. v. 500 numer. Exempl. vom Knstler signiert in Ganzled. und
Ganzseide vergriffen, in Halbled. M. 110.--

Einfache Ausgabe als Orplid-Buch in Pappe M. 4.50, in Halbled. M. 16.--, in
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Die Juncker-Bcher

Eine neue Reihe illustrierter Bcher in Pappe M. 12.--, in Halbleder M.
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1. EICHENDORFF, JOS., FREIHERR VON. Aus dem Leben eines Taugenichts.
Novelle. Mit Scherenschnitten von _Alfred Thon_.

2. SIMON, ERICH M. Das Abenteuer des Herrn Balthasar Dienegott Sieversen.
Erzhlung. Mit Bildern des Verfassers.

3. MANN, FRANZISKA. Der Schfer. Eine Geschichte aus der Stille. Mit
Scherenschnitten von _Alfr. Thon_.

4. HAUFF, WILHELM. Phantasien aus dem Bremer Ratskeller. Novelle. Mit
Bildern von _Paul Scheurich_.

5. CLAUREN, H. Mimili. Novelle. Mit Bildern von _Hugo Steiner-Prag_.

6. LUCIAN. Gttergesprche. bersetzt von _Chr. Wieland_. Mit Bildern von
_Paul Scheurich_.

7. SCHLEGEL, FRIEDR. Lucinde. Mit Radierungen von _Mart. E. Philipp_.

8. BRENTANO, CLEMENS. Das Mrchen vom Kommanditchen. Mit Bildern von _Hugo
Steiner-Prag_. In Vorbereitung.

9. MONNIER, HENRY. Die Naturgeschichte des Spiebrgers. bersetzt von
_Hans Pfeifer_. Mit Bildern nach alten Kupfern von _Monnier_.

10. HOFFMANN, E. T. A. Aus dem Leben dreier Freunde. Mit Zeichnungen von
_Felix Mller_.

11. PUSCHKIN, A. Die Reise nach Erzerum. Eine Novelle. Mit Bildern von
_Benno Wulfsohn_.

12. HENNINGSEN, AGNES. Das Glck. Eine spanische Liebesgeschichte. Mit
Zeichnungen von _Fritz Albrecht_.

Die Sammlung wird fortgesetzt


Von den Bnden 4 bis 12 sind je 300 Exemplare auf feinstem Velin gedruckt,
numeriert und in Ganzseide gebunden Preis M. 60.--




Die Orplid-Bcher

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Bisher sind erschienen:

1. J. P. JACOBSEN. Kormak und Stengerde. In bertragung von _Toni Schwabe_.

2. LIEBESLIEDER. Kleine Anthologie. Gedichte von _Anton Wildgans_, _Max
Mell_, _Max Brod_, _F. Th. Csokor_, _P. Asam_.

3. KURT TUCHOLSKY. Rheinsberg. Ein Bilderbuch fr Verliebte. Mit Bildern
von _Kurt Szafranski_.

4. MAX BROD. Der Brutigam. Eine Erzhlung.

5. REN SCHICKELE. Das Glck. Eine Erzhlung. Mit Zeichnungen von _Wilhelm
Wagner_.

6. SCHALOM ASCH. Erde. Eine Erzhlung.

7. ANDREAS HAUKLAND. Orms Shne. Neue Ansiedlergeschichten.

8. LUDWIG KAINER. Kunst und Mode. Eine Mappe mit 24 handkolorierten
Zeichnungen.

9. FRITZ WOLFF. Malerbummel. Eine Mappe mit 25 teils handkolorierten
Zeichnungen.

10. KURT MNZER. Casanovas letzte Liebe.

11. SOLDATENLIEDER. Neu gedruckt im Kriegsjahr 1914. Mit handkolorierten
Zeichnungen.

12. NEUE KRIEGSLIEDER. Mit Beitrgen von _Richard Dehmel_, _Herb.
Eulenberg_, _Carl und Gerhard Hauptmann_, _Herm. Hesse_, _Alfred Kerr_,
_Ren Schickele_ u. a. Mit handkolorierten Zeichnungen von _Willi Geiger_.

13. KURT MNZER. Taten und Krnze. Lieder zum Kriege 1914. Mit
handkolorierten Zeichnungen von _B. Mendelssohn_.

14. KASERNE UND SCHTZENGRABEN. Neue Kriegslieder zweiter Band. Mit
Beitrgen von _Hans Brennert_, _Gustav Hochstdter_, _Carl Ettlinger_,
_Hermann Kienzl_, _Karl Rosner_ u. a. Mit handkolorierten Zeichnungen von
_Oskar Nerlinger_.

15. LANDSTURM. Lieder von der Front. Zeichnungen von _Wilhelm Wagner_.

16. WILHELM WAGNER. Gefangenenlager. Eine Mappe mit Zeichnungen.

17. HANS BOHN. Das Orplid-A-B-C. Eine Mappe mit handkolorierten
Zeichnungen.

18. FRITZ WOLFF. Aus dem Dunkel der Grostadt. Eine Mappe mit Zeichnungen.

19. EMIL PIRCHAN. Das Teufelselixier. Mit kolorierten Zeichnungen des
Verfassers.

20. PIO BAROJA. Spanische Miniaturen. Mit Zeichnungen von _Bernhard Klein_.

21. FRIEDRICH SCHLEGEL. Lucinde. Mit Radierungen von _Martin E. Philipp_.

22. GUSTAV ERICH HOLSTEN. Ninon de Lenclos. Mit Zeichnungen von _Erich M.
Simon_.

23. DIETER BASSERMANN. Pierrot Dandy und der Mond. Mit Bildern von _Hilde
Widmann_.

24. FIONA MACLEOD. Das ferne Land. Zwei keltische Sagen.

25. ALOIS ESSIGMANN. Gott, Mensch u. Menschheit. Aphorismen.

26. OSC. WILDE. Ballade des Zuchthauses zu Reading. Nachdichtung von _Arth.
Holitscher_. Zeichnungen von _Otto Schmalhausen_.

27. SAWITRI. Eine Sage Alt-Indiens. Erzhlt von _Alois Essigmann_. Mit
Zeichnungen von _Bernh. Klein_.

28. MAX HOCHDORF. Ju Hei Tschu. Die Entensauce und der Mops. Erzhlungen.
Mit Bildern von _Hans Bohn_.

29. GEORG BCHNER. Wozzeck. Mit Holzschnitten von _Wilhelm Plnnecke_.

30. GOETHE. Das Tagebuch. Luxusdruck. Preis: Pappe M. 8.--; Halbleder M.
12.--; Ganzleder M. 25.--.

31. MAX HOCHDORF. Die letzte Tat des Jean Jaurs. Der Wanderungen und
Gedanken I. Teil.

32. MEYER AARON GOLDSCHMIDT. Maser. Eine Novelle. Mit Zeichnungen von
_Benno Wulfsohn_.

33. W. HEINSE. Die Kirschen. Romanze. Mit Zeichnungen von _Helmuth
Stockmann_.

34. CHR. M. WIELAND. Diana und Endymion. Ein Schferlied. Mit Zeichnungen
von _Elisabeth von Sydow_.

35. MAURICE BARRS. Eine Liebe in Thule. Eine Novelle.

36. DENIS DIDEROT. Eine wahre Geschichte. Eine Novelle. Mit Zeichnungen von
_Helmuth Stockmann_.

37. VIKTOR HADWIGER. Blanche. Fnf Kapitel einer Liebesgeschichte.

38. ALEXEY TOLSTOI. Im Nebel. Eine Novelle. Mit Holzschnitten von _Peter
List_.

39. OTTO RUNG. Die Gefngnissonate. bersetzt von _Emilie Stein_. Mit
Bildern von _Mark Kallin_.

40. BORIS SSADOWSKIJ. Der Apfelknig. bersetzt von _Alexander Eliasberg_.
Mit Bildern von _Walter Gramatt_.

41. GOTTFRIED KELLER. Das Tanzlegendchen. Mit Bildern von _Hannes M.
Avenarius_.

42. E. T. A. HOFFMANN. Das de Haus. Mit Bildern von _Karl Hutloff_.

43. VIKTOR HADWIGER. Des tragischen Affen Jogu Liebe und Hochzeit. Eine
tragikomische Geschichte. Mit Zeichnungen von _Lothar Homeyer_.

44. AAGE AVENSTRUP und ELISABETH TREITEL. Wie es Jons Seele erging.
Islndische Sagen. Mit Einbandzeichnung und Initialen des Herausgebers.

45. MAX HOCHDORF. Comte und die Gttin Clotilde. Der Wanderungen und
Gedanken II. Teil.

46. KTHE GRIESE. Kinderschuhe. Eine Rokokonovelle. Mit Zeichnungen von
_German v. Schmidt_.

47. G. E. LESSING. Der Eremit. Eine Dichtung mit Kupfern von _Chodowiecki_.


Die Sammlung wird fortgesetzt




Anmerkungen zur Transkription

Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden beibehalten,
offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.

  Seite 7: bebedeckte alles Land wurde gendert in bedeckte alles Land
  Seite 11: Der Mensch nahm die Beeren und stekte sie wurde gendert in
            Der Mensch nahm die Beeren und steckte sie
  Seite 14: und der Mensch, dessen belehrt wurde gendert in
            und der Mensch dessen belehrt
  Seite 25: ins Himmelland zurck wurde vereinheitlicht in
            ins Himmelsland zurck
  Seite 31: Pikmitalik wurde gendert in Pikmiktalik
  Seite 34: wurde die Sterne wurde gendert in wurden die Sterne
  Seite 35: als die Leute im Tanzhaus versammelt war wurde gendert in
            als die Leute im Tanzhaus versammelt waren
  Seite 35: Kienspahn wurde gendert in Kienspan
  Seite 38: die Verfolger der Sterne wurde gendert in
            die Verfolger die Sterne
  Seite 39: Herkunft der Innuit wurde gendert in Herkunft der Inuit
  Seite 40: mit Ausnahme der Sohlen ganz beharrt wurde gendert in
            mit Ausnahme der Sohlen ganz behaart
  Seite 42: bers Eis gepflogen wurde gendert in bers Eis geflogen
  Seite 42: die Wind und Schnee freiem Eintritt lieen wurde gendert in
            die Wind und Schnee freien Eintritt lieen
  Seite 52: Die Puppe blieb stehen nnd sagte wurde gendert in
            Die Puppe blieb stehen und sagte
  Seite 55: Sein Nebenmann gab ihn manchmal Wasser wurde gendert in
            Sein Nebenmann gab ihm manchmal Wasser
  Seite 59: In einem Dorf am unteren Yuson wurde gendert in
            In einem Dorf am unteren Yukon
  Seite 62: Darauf antworte der Knabe wurde gendert in
            Darauf antwortete der Knabe
  Seite 65: gerade in dieser Richtung stoen wurde gendert in
            gerade in diese Richtung stoen
  Seite 67: Sie hatte keine lebenden Anverwandte mehr wurde gendert in
            Sie hatte keine lebenden Anverwandten mehr
  Seite 76: vor Pfeil oder Speerwunden wurde gendert in
            vor Pfeil- oder Speerwunden
  Seite 84: vor den Tunght schtzen sollte wurde gendert in
            vor den Tunghak schtzen sollte
  Seite 87: Weist du nicht wurde gendert in Weit du nicht
  Seite 90: In dieser und der folgenden Geschichte wurde Qaudjaqdjug
            jeweils in Qaudjaqdjuq gendert, gem der Schreibweise im
            Inhaltsverzeichnis
  Seite 99: Sie trug ein flache Schssel wurde gendert in
            Sie trug eine flache Schssel
  Seite 100: Dann erzlte sie ihrem Mann wurde gendert in
             Dann erzhlte sie ihrem Mann
  Seite 102: Nach dem sie den Schnee wurde gendert in
             Nachdem sie den Schnee
  Seite 104: Den andern Tag sagte ihr Kun-k wurde gendert in
             Den andern Tag sagte ihr Kin-k
  Seite 107: Eine Zeit verstich wurde gendert in Eine Zeit verstrich
  Seite 113: nicht ninmal eine Maus wurde gendert in
             nicht einmal eine Maus
  Seite 116: die mein Brder waren wurde gendert in
             die meine Brder waren
  Seite 120: da seine Brust so weis wurde gendert in
             da seine Brust so wei߫
  Seite 120: und nahm dann selbst sein Mal ein wurde gendert in
             und nahm dann selbst sein Mahl ein
  Seite 122: das zwei Hnde wurde gendert in da zwei Hnde
  Seite 124: die Schssel mit den Ohrspitzeln wurde gendert in
             die Schssel mit den Ohrspitzen
  Seite 127: zupften an seinen Gewand herum wurde gendert in
             zupften an seinem Gewand herum
  Seite 129: ein gutes Mal zu kochen wurde gendert in
             ein gutes Mahl zu kochen
  Seite 135: Jede der Frau wurde gendert in Jede der Frauen
  Seite 141: wir machten zeitlich halt wurde gendert in
             wir machten zeitig halt
  Seite 145: Mehrmals viel er um wurde gendert in Mehrmals fiel er um
  Seite 164: und packte sie mit ihren Krallen wurde gendert in
             und packte sie mit seinen Krallen
  Seite 169: Hin und wider blieb sie stehen wurde gendert in
             Hin und wieder blieb sie stehen
  Seite 169: und, zu verzehren wurde gendert in und zu verzehren
  Seite 179: das das Eis der Oberflche wurde gendert in
             da das Eis der Oberflche
  Seite 183: american Museum of natural history wurde gendert in
             American Museum of natural history





End of the Project Gutenberg EBook of Eskimomrchen, by Paul Sock

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ESKIMOMRCHEN ***

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Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
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Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


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