The Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

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Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.
       Sechster Band: enthaltend Kapitel 11 und 12

Author: Thomas Babington Macaulay

Translator: Wilhelm Hartwig Beseler

Release Date: April 29, 2012 [EBook #39562]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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[Zeichen _wie so_ bedeuten Gesperrt; +wie so+ bedeuten Antiqua
(nicht-Fraktur); =wie so= bedeuten Fettschrift.]




  Thomas Babington Macaulay's

  =Geschichte von England=


  seit der

  Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.


  Aus dem Englischen.


  Vollstndige und wohlfeilste

  +Stereotyp-Ausgabe.+


  Sechster Band:

  enthaltend Kapitel 11 und 12.


  =Leipzig, 1856=
  _G. H. Friedlein._


       *       *       *       *       *
           *       *       *       *


  =Elftes Kapitel.=

  _Wilhelm von Oranien._




  =Inhalt.=

                                                               Seite
  Wilhelm und Marie                                                5
  Festlichkeiten durch ganz England                                6
  Festlichkeiten in Holland                                        6
  Unzufriedenheit der Geistlichkeit und der Armee                  6
  Reaction der ffentlichen Meinung                                7
  Stimmung der Tories                                              9
  Stimmung der Whigs                                              11
  Ministerielle Einrichtungen                                     12
  Wilhelm sein eigner Minister des Auswrtigen                    13
  Danby                                                           14
  Halifax                                                         15
  Nottingham                                                      15
  Shrewsbury                                                      17
  Die Admiralitt                                                 17
  Das Schatzamt                                                   17
  Das groe Siegel                                                18
  Die Richter                                                     18
  Der Hofstaat                                                    19
  Untergeordnete Ernennungen                                      21
  Die Convention in ein Parlament verwandelt                      22
  Die Mitglieder der beiden Huser werden aufgefordert
      die Eide zu leisten                                         25
  Fragen bezglich des Einkommens                                 26
  Abschaffung der Herdsteuer                                      28
  Entschdigung der Vereinigten Provinzen                         29
  Meuterei in Ipswich                                             29
  Die erste Meutereibill                                          32
  Suspension der Habeas-Corpus-Acte                               35
  Unpopularitt Wilhelm's                                         36
  Popularitt Mariens                                             38
  Das Hoflager wird von Whitehall nach Hampton-Court verlegt      40
  Der Hof in Kensington                                           42
  Wilhelm's auslndische Gnstlinge                               43
  Allgemeine schlechte Verwaltung                                 44
  Uneinigkeit unter den Staatsdienern                             46
  Das Departement der auswrtigen Angelegenheiten                 49
  Religionsstreitigkeiten                                         50
  Die Hochkirchenpartei                                           51
  Die Niederkirchenpartei                                         52
  Wilhelm's Plne bezglich der Kirchenverfassung                 53
  Burnet, Bischof von Salisbury                                   54
  Nottingham's Plne in Bezug auf die kirchliche Verfassung       56
  Die Toleranzbill                                                58
  Die Comprehensionsbill                                          63
  Bill zur Festsetzung der Huldigungs- und Suprematseide          69
  Die Bill zur Festsetzung des Krnungseides                      79
  Die Krnung                                                     81
  Befrderungen                                                   83
  Die Coalition gegen Frankreich                                  84
  Die Verwstung der Pfalz                                        84
  Kriegserklrung gegen Frankreich                                87


[_Wilhelm und Marie._] Die Revolution war vollendet und die Decrete der
Convention allenthalben mit Unterwerfung aufgenommen worden. London,
seit fnfzig ereignivollen Jahren treu der Sache der brgerlichen
Freiheit und des reformirten Glaubens, erklrte zuerst den neuen
Herrschern seine Ergebenheit. Nachdem der erste Wappenherold unter den
Fenstern von Whitehall den neuen Herrscher ausgerufen, ritt er mit
feierlichem Geprnge den Strand entlang bis Temple Bar. Ihm folgten die
Sceptertrger der beiden Huser, die beiden Sprecher Halifax und Powle
und ein langer Zug von Equipagen mit Cavalieren und Gentlemen. Die
Magistratsbeamten der City hielten ihre Thore geffnet und schlossen
sich der Prozession an. Vier Regimenter Miliz bildeten durch Ludgate
Hill, um die St. Paulskirche herum und Cheapside entlang Spalier. Die
Straen, die Fenster und selbst die Dcher waren mit Zuschauern gefllt.
Alle Glocken von der Westminsterabtei bis zum Tower lieen ihr
frhliches Gelute ertnen. Vor der Brse wurde die Proclamation unter
dem Jubel der versammelten Brger bei Trompetenschall zum zweiten Male
verlesen.

Am Abend war jedes Fenster von Whitechapel bis Picadilly erleuchtet.
Die Prunkgemcher des Palastes waren geffnet und mit einer glnzenden
Versammlung von Hflingen gefllt, welche gekommen waren, dem Knige und
der Knigin die Hand zu kssen. Es waren die Whigs, die sich, von Glck
und Siegesfreude strahlend, hier versammelt hatten. Einigen unter ihnen
konnte man es wohl verzeihen, wenn sich ein Gefhl befriedigter Rache in
ihre Freude mischte. Die am schwersten Gekrnkte aber von Allen, welche
die schlimmen Zeiten berlebt hatten, fehlte. Lady Russel war, whrend
ihre Freunde sich in den Gallerien von Whitehall drngten, zu Haus
geblieben, um an Den zu denken, der, wenn er noch gelebt htte, bei der
Feier dieses hochwichtigen Tages eine nicht unbedeutende Rolle gespielt
haben wrde. Ihre Tochter jedoch, welche einige Monate zuvor die
Gemahlin des Lord Cavendish geworden, lie sich durch dessen Mutter, die
Grfin von Devonshire, dem Knigspaare vorstellen. Es existirt noch ein
Brief, in welchem die junge Dame den Jubel der Bevlkerung, den
Lichterglanz in den Straen, das Gedrnge in dem Empfangszimmer, die
Schnheit Mariens und den Ausdruck, der die strengen Zge Wilhelm's
veredelte und milderte, mit groer Lebendigkeit schildert. Die
interessanteste Stelle darin ist die, wo die Verwaiste die wehmthige
Freude gesteht, mit der sie die versptete Bestrafung des Mrders ihres
Vaters mit ansah.[1]

    [Anmerkung 1: Brief von Lady Cavendish an Sylvia. Lady Cavendish
    hatte, wie die meisten jungen Damen jener Generation, bestndig
    die Romane der Scudery im Kopfe. Sie selbst ist Dorinda, ihre
    Correspondentin, in der man ihre Cousine Johanna Allington
    vermuthete, ist Sylvia; Wilhelm ist Armanzor und Maria ist
    Phenixana. +London Gazette, Febr.14. 1688/89; Narcissus
    Luttrell's Diary+. Luttrell's Tagebuch, das ich sehr oft citiren
    werde, befindet sich in der Bibliothek des Allerseelen-Collegiums,
    dessen Vorsteher ich zu groem Danke verpflichtet bin fr die
    Bereitwilligkeit, mit der er mir die Benutzung dieses werthvollen
    Manuscripts gestattete.]


[_Festlichkeiten durch ganz England._] Dem Beispiele London's folgten
auch die Provinzialstdte. Drei Wochen lang waren die Spalten der
Journale mit Berichten ber die Festlichkeiten gefllt, durch die sich
die ffentliche Freude kund gab: Cavalcaden von Gentlemen und
Freisassen, Prozessionen von Sheriffs und Bailiffs im scharlachnen
Amtskleide, Umzge eifriger Protestanten mit orangefarbenen Fahnen und
Bndern, Geschtzsalven, Freudenfeuer, Illuminationen, Musikfeste,
Blle, Gastmhler, Rinnen und Rhren in denen Ale und Claret flossen.[2]

    [Anmerkung 2: Siehe die +London Gazette+ vom Februar und Mrz
    1688/89. und N. Luttrell's Tagebuch.]


[_Festlichkeiten in Holland._] Noch herzlicher war die Freude
unter den Hollndern, als sie erfuhren, da der erste Beamte ihrer
Republik auf einen Thron erhoben worden. Wilhelm hatte am Tage
seines Regierungsantritts an die Generalstaaten geschrieben, da die
Vernderung in seiner Stellung die Liebe zu seinem Vaterlande nicht
geschmlert und da seine neue Wrde ihn hoffentlich in den Stand setzen
werde, seine lteren Pflichten wirksamer zu erfllen als je. Die
olicharchische Partei, welche den Lehren Calvin's und dem Hause Oranien
stets feindlich gesinnt gewesen, murmelte zwar leise, Sr. Majestt msse
das Statthalteramt niederlegen. Aber all' dieses Gemurmel wurde von dem
Zujauchzen eines Volks bertubt, das stolz war auf das Genie und das
Glck seines groen Landsmannes. Es ward ein Tag zu Dankesbezeigungen
bestimmt, und in allen Stdten der sieben Provinzen uerte sich die
allgemeine Freude in Festlichkeiten, deren Kosten hauptschlich durch
freiwillige Gaben bestritten wurden. Alle Klassen nahmen Theil daran;
der rmste Tagelhner konnte sich betheiligen, indem er einen
Triumphbogen errichten half oder Reisig zu einem Freudenfeuer trug.
Selbst die ruinirten Hugenotten konnten durch ihre Geschicklichkeit und
ihre Erfindungsgabe mitwirken. Eine Kunst, die sie mit sich in die
Verbannung genommen, war die Feuerwerkerei, und so erleuchteten sie
jetzt zu Ehren des siegreichen Vorkmpfers ihres Glaubens die Kanle von
Amsterdam durch prachtvolle Feuerwerke.[3]

Dem flchtigen Beobachter konnte es scheinen, als htte Wilhelm damals
einer der beneidenswerthesten Menschen sein mssen; in der That aber war
er einer der sorgenvollsten und unglcklichsten. Er wute wohl, da die
Schwierigkeiten seiner Aufgabe erst begannen. Schon war die so glnzend
angebrochene Morgenrthe seines Glcks umwlkt und viele Anzeichen
verkndeten einen dunklen, strmischen Tag.

    [Anmerkung 3: Wagenaar, 61. Er fhrt die Protokolle der
    Generalstaaten vom 2. Mrz 1689 an. +London Gazette, April 11.
    1689+; +Monthly Mercury, April 1689+.]


[_Unzufriedenheit der Geistlichkeit und der Armee._] Man machte die
Bemerkung, da zwei wichtige Stnde wenig oder keinen Theil an den
Festlichkeiten nhmen, durch welche in ganz England die Einsetzung der
neuen Regierung gefeiert wurde. Nur sehr selten sah man einen Priester
oder einen Soldaten unter den Leuten, die sich um die Marktsulen
versammelten, wo der Knig und die Knigin ausgerufen wurden. Der
Berufsstolz der Geistlichkeit und des Heeres war tief verletzt worden.
Die Lehre vom Nichtwiderstande war den anglikanischen Geistlichen theuer
gewesen; sie war ihr unterscheidendes Kennzeichen, sie war ihr
Lieblingsthema. Wenn wir nach dem auf uns gekommenen Theile ihrer
ffentlichen Vortrge urtheilen drfen, so hatten sie ber die Pflicht
des passiven Gehorsams mindestens eben so oft und eifrig gepredigt, wie
ber die Dreieinigkeit und die Shne.[4] Ihre Anhnglichkeit an ihren
politischen Glauben war zwar hart geprft und auf eine kurze Zeit
erschttert worden; aber mit Jakob's Tyrannei waren auch die bittern
Gefhle verschwunden, welche diese Tyrannei in ihnen geweckt hatte. Der
Pfarrer eines Kirchspiels war natrlich nicht geneigt, sich einer Sache
anzuschlieen, die ein thatschlicher Triumph ber die Grundstze war,
die seine Gemeinde ihn an jedem Jahrestage des Mrtyrertodes[5] und der
Restauration hatte verkndigen hren.

Auch die Soldaten waren mivergngt. Sie haten zwar den Papismus und
hatten den verbannten Knig nicht geliebt; aber sie fhlten nur zu wohl,
da sie in dem kurzen Feldzuge, der das Schicksal ihres Vaterlandes
entschieden, eine ruhmlose Rolle gespielt hatten. Vierzig schne
Regimenter, eine regulre Armee, wie noch nie zuvor eine unter dem
Banner England's gefochten, hatten sich ber Hals und Kopf vor einem
Eindringling zurckgezogen und sich ihm dann ohne Schwertstreich
unterworfen. Diese groe Streitmacht war bei der jngsten Vernderung
von gar keinem Einflusse gewesen; sie hatte eben so wenig etwas gethan,
Wilhelm abzuwehren, als ihn ins Land zu bringen. Die Bauern, welche mit
Heugabeln bewaffnet und auf Karrengulen reitend, im Gefolge Lovelace's
oder Delamere's umhergezogen waren, hatten einen greren Theil an der
Revolution genommen als jene glnzenden Haustruppen, deren Federhte,
geflickte Rcke und curbettirende Schlachtrosse die Londoner so oft in
Hyde Park bewundert. Die Verstimmung der Armee wurde noch vermehrt durch
die Sptteleien der Fremden, welche weder durch Befehle noch durch
Strafen vllig unterdrckt werden konnten.[6] An verschiedenen Orten
uerte sich der Unmuth, den man bei einer tapferen und von Ehrgefhl
beseelten Gemeinschaft von Mnnern unter solchen Umstnden wohl erwarten
darf, in beruhigender Weise. Ein in Cirencester liegendes Bataillon
lschte die Freudenfeuer aus, lie den Knig Jakob hoch leben und trank
auf den Untergang seiner Tochter und seines Neffen. Die Garnison von
Plymouth strte die Festlichkeiten in der Grafschaft Cornwall, es kam zu
Schlgereien, und ein Mann wurde dabei getdtet.[7]

    [Anmerkung 4: Ich kann mit Bestimmtheit behaupten, sagt ein
    Schriftsteller, der in der Westminsterschule erzogen war, da auf
    eine Predigt ber die Bue, den Glauben und die Erneuerung des
    heiligen Geistes, die ich hrte, drei von der andern Art kamen,
    und es ist schwer zu sagen, ob Jesus Christus oder Knig Karl I.
    fter erwhnt und gepriesen wurde. -- +Bisset's Modern Fanatick,
    1710+.]

    [Anmerkung 5: Karl's I. -- D. bersetzer.]

    [Anmerkung 6: +Gazette de Paris+, 26. Jan. (5. Febr.) 1689;
    +Orange Gazette, Jan.10. 1688/89+.]

    [Anmerkung 7: +Grey's Debates+, Howe's Rede vom 26. Febr. 1688/89;
    Boscawen's Rede vom 1. Mrz; +Narcissus Luttrell's Diary+, 23--27.
    Febr.]


[_Reaction der ffentlichen Meinung._] Die Mistimmung der Geistlichkeit
und der Armee konnte auch den Unaufmerksamsten nicht entgehen, denn
beide Stnde zeichneten sich von den brigen Klassen durch in die Augen
fallende Eigenthmlichkeiten in der Kleidung aus. Die Schwarzrcke und
die Rothrcke, sagte ein heftiger Whig im Hause der Gemeinen, sind der
Fluch der Nation.[8] Die Unzufriedenheit beschrnkte sich jedoch nicht
auf die Schwarzrcke und Rothrcke. Die Begeisterung, mit welcher Leute
aller Stnde Wilhelm zu Weihnachten in London bewillkommnet, hatte noch
vor Ende Februar bedeutend nachgelassen. Der neue Knig selbst hatte,
in dem Augenblicke als sein Ruhm und sein Glck den hchsten Punkt
erreicht, die kommende Reaction vorhergesagt. Diese Reaction htte
allerdings auch ein minder scharfsichtiger Beobachter der menschlichen
Dinge voraussehen knnen, denn sie mu hauptschlich einem Gesetz
zugeschrieben werden, das eben so feststeht wie die Gesetze, welche die
Aufeinanderfolge der Jahreszeiten und den Wechsel der Passatwinde
regeln. Es liegt in der Natur des Menschen, gegenwrtige bel zu hoch,
und gegenwrtiges Gute zu niedrig anzuschlagen, sich nach dem was er
nicht hat zu sehnen, und mit dem was er hat unzufrieden zu sein. Dieser
Hang, wie er sich bei dem Individuum zeigt, ist oft von lachenden und
von weinenden Philosophen besprochen worden. Er war ein Lieblingsthema
Horaz' und Pascal's, Voltaire's und Johnson's. Seinem Einflusse auf das
Schicksal groer Gemeinschaften knnen die meisten Revolutionen und
Gegenrevolutionen, von denen die Geschichte erzhlt, zugeschrieben
werden. Hundert Generationen sind seit der ersten groen nationalen
Emancipation, von welcher Nachricht auf uns gekommen ist,
vorbergegangen. In dem ltesten der Bcher lesen wir, da ein Volk,
unter einem grausamen Joche in den Staub gebeugt, von strengen
Zuchtmeistern zur Arbeit gepeitscht, ohne nur Stroh zu einem Lager zu
erhalten, und doch gezwungen die tgliche Anzahl Bausteine zu liefern,
des Lebens mde ward und einen zum Himmel schreienden Jammerruf ertnen
lie. Die Sklaven wurden wunderbar befreit, und im Augenblicke ihrer
Befreiung stimmten sie eine Dankes- und Siegeshymne an; doch schon nach
wenig Stunden begannen sie ihre Sklaverei zurckzuwnschen und gegen den
Anfhrer zu murren, der sie von dem leckeren Tische des Hauses der
Knechtschaft hinweggelockt in die de Wste, die sie noch von dem Lande
trennte, wo Milch und Honig flieen sollten. Seitdem ist die Geschichte
jedes groen Befreiers eine Wiederholung der Geschichte Moses gewesen.
Auf Freudenbezeigungen wie die am Ufer des rothen Meeres ist jederzeit,
bis auf den heutigen Tag, sehr bald ein Murren wie das an den Wassern
der Zwietracht gefolgt.[9] Die gerechteste und heilsamste Revolution mu
viele Leiden hervorbringen. Die gerechteste und heilsamste Revolution
kann nicht all' das Gute schaffen, das Leute von mangelhafter Bildung
und sanguinischem Temperament von ihr erwarteten. Selbst der Weiseste
vermag nicht, so lange sie noch neu ist, die bel, die sie
hervorgerufen, gegen die bel, die sie beseitigt, mit vollkommener
Genauigkeit abzuwgen. Denn die bel, die sie hervorgerufen, werden
gefhlt, die bel aber, die sie beseitigt, werden nicht mehr gefhlt.

So war es damals in England. Das Publikum war, wie immer whrend des
Zustandes von Abkhlung, der auf Fieberanflle folgt, mimuthig, schwer
zu befriedigen, unzufrieden mit sich selbst und unzufrieden mit denen,
welche noch krzlich seine Lieblinge gewesen. Der Waffenstillstand
zwischen den beiden groen Parteien war zu Ende. Obwohl getrennt durch
die Erinnerung an Alles was whrend eines Kampfes von einem halben
Jahrhundert gethan und gelitten worden, hatte eine gemeinsame Gefahr sie
auf einige Monate mit einander verbunden. Jetzt war die Gefahr vorber,
die Verbindung war aufgelst und der alte Groll brach wieder in seiner
ganzen Strke hervor.

    [Anmerkung 8: +Grey's Debates, Febr. 26. 1688/89.+]

    [Anmerkung 9: Dieser Vergleich findet sich in zahlreichen
    Predigten und Flugschriften aus der Zeit Wilhelm's III. Es
    existirt auch eine schwache Nachahmung von +Absalom and
    Ahitophel+, betitelt: +The Murmurers+. Wilhelm ist Moses; Cora,
    Dathan und Abiram Bischfe, die den Eid verweigern; Balaam, glaube
    ich, Dryden, und Phineas Shrewsbury.]


[_Stimmung der Tories._] Jakob war whrend der letzten Jahre seiner
Regierung von den Tories noch mehr gehat worden als von den Whigs, und
zwar nicht ohne Grund, denn den Whigs war er nur ein Feind, den Tories
aber war er ein treuloser und undankbarer Freund gewesen. Doch die alten
royalistischen Gefhle, welche in der Zeit seiner gesetzlosen Herrschaft
erloschen zu sein schienen, waren durch sein Migeschick zum Theil
wieder geweckt worden. Viele Lords und Gentlemen, welche im December fr
den Prinzen von Oranien und ein freies Parlament zu den Waffen
gegriffen, sagten zwei Monate spter, sie htten sich mit fortreien
lassen, sie htten zu groes Vertrauen in die Erklrung Sr. Hoheit
gesetzt und htten in ihm eine Uneigenntzigkeit vermuthet, die, wie es
sich jetzt zeige, nicht in seinem Charakter liege. Sie htten dem Knig
Jakob zu seinem eigenen Besten einen leichten Zwang auflegen, die
Jesuiten und Renegaten, die ihn irre geleitet, bestrafen und von ihm
eine Garantie fr die Aufrechthaltung der brgerlichen und kirchlichen
Institutionen des Reichs erlangen, nicht aber ihn entthronen und
verbannen wollen. Fr seine schlechte Verwaltung fand man
Entschuldigungsgrnde. Sei es ein Wunder, da er, durch Rebellen, welche
dem Namen Protestanten Schande machten, schon als Knabe seinem
Vaterlande entrissen, und gezwungen seine Jugend in Lndern zu verleben,
wo die rmisch-katholische Religion herrschte, durch diesen
verfhrerischen Aberglauben angezogen worden? Sei es ein Wunder,
da sein Charakter durch die Verfolgungen und Verleumdungen einer
unvershnlichen Partei hrter und strenger geworden als man anfangs
geglaubt, und da er, als die, welche es versucht hatten, seine Ehre zu
vernichten und ihn seines Geburtsrechts zu berauben, endlich in seiner
Gewalt waren, die Gerechtigkeit nicht gengend durch Nachsicht gemildert
habe? Was endlich die schlimmste ihm zur Last gelegte Anschuldigung
betreffe: da er durch Adoptirung eines untergeschobenen Kindes seinen
Tchtern ihr rechtmiges Erbe habe entziehen wollen, -- worauf grnde
sich diese Anklage? Blo auf geringfgige Umstnde, die man wohl auf
Rechnung des Zufalls oder der mit seinem Charakter nur zu sehr im
Einklang stehenden Unbesonnenheit schreiben knne. Habe wohl je der
einfltigste Dorfrichter einen Menschen ins Gefngni geworfen, ohne
strkere Beweise zu verlangen, als die, auf welche hin das englische
Volk seinen Knig des niedrigsten und abscheulichsten Betrugs schuldig
erklrt habe? Allerdings habe er einige groe Fehler begangen, und es
sei nichts gerechter und verfassunggemer, als da seine Rathgeber und
Creaturen wegen dieser Fehler zur strengen Rechenschaft gezogen wrden;
auch verdiene von allen diesen Rathgebern und Creaturen Niemand mehr
bestraft zu werden als die Rundkopf-Sectirer, deren Schmeichelei ihn
ermuthigt habe, in der verderblichen Ausbung der Dispensationsgewalt zu
beharren. Es sei ein Grundgesetz des Landes, da der Knig nicht Unrecht
thun knne und da, wenn Kraft seiner Autoritt Unrecht gethan werde,
seine Rathgeber und Werkzeuge dafr verantwortlich seien. Diese groe
und wesentliche Regel unsrer Verfassung sei jetzt umgedreht worden.
Die Speichellecker, welche von Rechtswegen zu bestrafen gewesen seien,
erfreuten sich der Straflosigkeit, und der Knig, der von Rechtswegen
nicht zu bestrafen sei, werde mit schonungsloser Strenge bestraft.
Sei es anders mglich, als da die Cavaliere England's, die Shne der
Krieger, welche unter Ruprecht gekmpft, bitteren Schmerz und Unwillen
empfnden, wenn sie an das Schicksal ihres rechtmigen Lehnsherrn
dchten, des Erben einer langen Reihe von Frsten, der erst unlngst mit
allem Glanze in Whitehall auf den Thron erhoben worden und jetzt ein
Verbannter, ein Bittender, ein Bettler sei? Sein Unglck sei grer als
selbst das des gefeierten Mrtyrers, dessen Sprling er sei. Der Vater
sei durch erklrte Todfeinde hingeschlachtet worden, der Untergang des
Sohnes sei das Werk seiner eigenen Kinder. Gewi htte die Strafe, wenn
sie auch verdient sei, durch andere Hnde auferlegt werden sollen. Und
sei sie denn wirklich ganz verdient? Sei der unglckliche Mann nicht
eher schwach und unbesonnen als schlecht? Besitze er nicht einige von
den Eigenschaften eines vortrefflichen Frsten? Man knne zwar nicht
sagen, da er ausgezeichnete Fhigkeiten habe, aber er sei thtig, er
sei sparsam, er habe tapfer gefochten, er sei sein eigner Marineminister
gewesen und habe als solcher seine Sache recht gut gemacht; er habe
ferner, bevor seine geistlichen Leiter einen verhngnivollen Einflu
auf ihn gewonnen, fr einen Mann von strenger Gerechtigkeit gegolten,
und endlich habe er, wenn er nicht von ihnen irre gefhrt worden sei,
fast immer die Wahrheit gesprochen und ehrlich gehandelt. Bei so vielen
Tugenden habe er, wenn er ein Protestant, ja selbst wenn er ein
gemigter Katholik gewesen wre, glcklich und ruhmvoll regieren
knnen. Vielleicht sei es noch nicht zu spt fr ihn, seine Fehler
wieder gut zu machen. Man knne ihn wohl schwerlich fr so verblendet
und verderbt halten, da er aus der empfangenen furchtbaren Lehre nicht
Nutzen ziehen sollte, und wenn diese Lehre die Wirkung gehabt habe,
die man vernnftigerweise davon erwarten drfe, so werde England unter
seinem rechtmigen Herrscher noch immer ein greres Ma von Glck und
Ruhe genieen knnen, als es von der Verwaltung des besten und
tchtigsten Usurpators zu erwarten habe.

Wir wrden denen, welche diese Sprache fhrten, sehr Unrecht thun, wenn
wir annhmen, da sie, als Gesammtheit, aufgehrt htten, den Papismus
und Despotismus mit Abscheu zu betrachten. Wohl mag es einige Zeloten
darunter gegeben haben, welche den Gedanken, ihrem Knige Bedingungen
vorzuschreiben, nicht ertragen konnten und die bereit waren, ihn
zurckzurufen ohne die geringste Zusicherung von seiner Seite, da nicht
augenblicklich die Indulgenzerklrung wieder publicirt, die hohe
Commission wieder eingesetzt, Petre wieder in den Staatsrath berufen und
die Fellows des Magdalenencollegiums wieder vertrieben werden sollten.
Allein die Zahl dieser Mnner war klein. Um so grer war dagegen die
Zahl derjenigen Royalisten, welche bereit gewesen wren, sich aufs neue
um Jakob zu schaaren, wenn er seine Irrthmer eingesehen und versprochen
htte, die Gesetze zu beobachten. Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache,
da zwei talentvolle und erfahrene Staatsmnner, welche eine Hauptrolle
in der Revolution gespielt hatten, wenige Tage nach derselben offen ihre
Besorgni uerten, da eine Restauration nahe bevorstehe. Wenn Knig
Jakob ein Protestant wre, sagte Halifax zu Reresby, so knnten wir
ihn keine vier Monate auer Landes halten. -- Wenn Knig Jakob, sagte
Danby um dieselbe Zeit zu dem nmlichen Manne, dem Lande in Sachen der
Religion nur einige Genugthuung geben wollte, was er leicht thun knnte,
so wrde es sehr schwer sein, ihm die Spitze zu bieten.[10] Zum Glck
fr England war Jakob, wie immer, sein eigener schlimmster Feind. Kein
Wort, aus dem man htte abnehmen knnen, da er sich wegen der
Vergangenheit tadele oder da er in Zukunft verfassunggem zu regieren
gedenke, war aus ihm heraus zu bringen. Jeder Brief, jedes Gercht, das
seinen Weg von Saint-Germains nach England fand, lie einsichtsvolle
Mnner frchten, da, wenn er in seiner gegenwrtigen Stimmung wieder
zur Macht gelangen sollte, die zweite Tyrannei schlimmer sein wrde,
als die erste. So muten denn die Tories in ihrer Gesammtheit, wenn auch
ungern, eingestehen, da sie fr den Augenblick nur die Wahl hatten
zwischen Wilhelm und dem ffentlichen Ruin. Daher lieen sie sich die
neue Regierung unmuthig gefallen, ohne jedoch die Hoffnung ganz
aufzugeben, da der eigentlich rechtmige Knig frher oder spter der
Stimme der Vernunft noch Gehr geben werde, und ohne fr den factischen
Knig eine Spur von Loyalitt zu empfinden.

    [Anmerkung 10: +Reresby's Memoirs.+]


[_Stimmung der Whigs._] Es ist die Frage, ob der neuen Regierung whrend
der ersten Monate ihres Bestehens die Zuneigung der Whigs nicht
gefhrlicher war als die Abneigung der Tories. Offene Feindschaft kann
kaum nachtheiliger sein als mkelnde, eiferschtige, anspruchsvolle
Zuneigung, und solcher Art war die, welche die Whigs dem Herrscher ihrer
Wahl erwiesen. Sie lobten und priesen ihn laut, sie waren bereit, ihn
mit Gut und Blut gegen fremde und einheimische Feinde zu untersttzen.
Aber ihre Zuneigung zu ihm war eine ganz eigenthmliche. Eine Loyalitt
wie die, welche die tapferen Edelleute beseelte, die fr Karl I.
kmpften, oder wie die, welche Karl II. den durch eine zwanzigjhrige
schlechte Verwaltung hervorgerufenen Gefahren und Schwierigkeiten
entrissen: einem solchen Gefhl waren die Lehren Milton's und Sidney's
nicht gnstig, so wenig als ein durch einen Aufstand eben erst zur Macht
gelangter Frst hoffen durfte, es einzuflen. Die whiggistische
Regierungstheorie geht dahin, da der Knig fr das Volk, nicht das Volk
fr den Knig da ist; da das Recht eines Knigs in keinem andren Sinne
gttlich ist als wie das Recht eines Parlamentsmitgliedes, eines
Richters, eines Geschwornen, eines Mayors und eines Constabels; da,
so lange der erste Beamte im Staate den Gesetzen gem regiert, ihm
Gehorsam und Ehrerbietung bezeigt werden mu; da aber, sobald er die
Gesetze verletzt, ihm Widerstand geleistet werden darf, und da er, wenn
er die Gesetze grblich, systematisch und beharrlich verletzt, abgesetzt
werden mu. Von der Richtigkeit dieser Principien hing die Gerechtigkeit
von Wilhelm's Anspruch auf den Thron ab. Es liegt auf der Hand, da
zwischen Unterthanen, welche diesen Principien huldigten, und einem
Herrscher, dessen Thronbesteigung der Sieg dieser Principien gewesen
war, ein ganz andres Verhltni stattfinden mute als das, welches
zwischen den Stuarts und den Cavalieren bestand. Die Whigs liebten
Wilhelm zwar, aber sie liebten ihn nicht als Knig, sondern als
Parteifhrer, und es war nicht schwer vorauszusehen, da ihr
Enthusiasmus bald nachlassen wrde, wenn er sich etwa weigerte, der
bloe Fhrer ihrer Partei zu sein, und versuchen sollte, den Knig der
ganzen Nation zu spielen. Zum Dank fr die Hingebung, die sie seiner
Sache bewiesen, verlangten sie von ihm, da er einer der Ihrigen, ein
zuverlssiger, eifriger Whig sei, da er seine Gunst nur Whigs zu Theil
werden lasse, da er allen alten Groll und Ha der Whigs zu seinem
eignen mache, und es stand mit nur zu gutem Grunde zu befrchten, da,
wenn er diese Erwartung tuschte, der einzige Theil der Nation, der
seiner Sache eifrig zugethan war, ihm entfremdet werden wrde.[11]

Dies waren die Schwierigkeiten, von denen er sich im Augenblicke seiner
Erhebung umringt sah. Wo es einen guten Ausweg gab, hatte er selten
verfehlt, denselben zu whlen, jetzt aber hatte er nur die Wahl zwischen
Wegen, die alle mit gleicher Wahrscheinlichkeit zum Verderben fhrten.
Von der einen Partei durfte er keine aufrichtige Untersttzung erwarten,
und die aufrichtige Untersttzung der andern konnte er sich nur dadurch
erhalten, da er selbst der entschiedenste Parteimann in seinem
Knigreiche, ein Shaftesbury auf dem Throne wurde. Verfolgte er die
Tories, so verwandelte sich ihre Verstimmung unfehlbar in Wuth; gewhrte
er ihnen seine Gunst, so war es noch keineswegs gewi, ob er dadurch
ihre Zuneigung gewann, whrend es nur zu wahrscheinlich war, da er dann
seinen Halt im Herzen der Whigs verlieren werde. Etwas mute er inde
thun, etwas mute er wagen: es mute ein Geheimrath vereidigt und alle
wichtigen Staats- und Justizmter muten besetzt werden. Es hierbei
_Allen_ recht zu machen, war unmglich, es war schon schwer genug, es
_Jemandem_ recht zu machen; doch etwas mute geschehen.

    [Anmerkung 11: Hier, wie in vielen anderen Fllen, unterlasse ich
    es, meine Quellen anzufhren, weil ihrer zu viele sind. Meine
    Angaben ber die Stimmung und gegenseitige Stellung der
    politischen und religisen Parteien unter der Regierung Wilhelm's
    III. sind nicht aus einem einzelnen Werke, sondern aus Tausenden
    vergessener Abhandlungen, Predigten und Satyren, kurz aus ganzen
    Literatur geschpft, die in alten Bibliotheken modert.]


[_Ministerielle Einrichtungen._] Was man jetzt ein Ministerium nennt,
das gedachte er nicht zu bilden. berhaupt lernte England ein solches
Ministerium erst kennen, als er einige Jahre auf dem Throne sa. Unter
den Plantagenets, den Tudors und den Stuarts hatte es wohl Minister,
aber kein Ministerium gegeben. Die Diener der Krone standen nicht, wie
jetzt, in einem solidarischen Verhltnisse zu einander, man erwartete
nicht von ihnen, da sie, selbst in Fragen von hchster Bedeutung,
gleicher Meinung seien. Oft waren sie sogar politische und persnliche
Feinde und machten kein Geheimni aus ihrer Feindschaft. Es galt noch
nicht fr nachtheilig und unschicklich, da sie einander schwerer
Verbrechen beschuldigten und da Einer des Andren Kopf verlangte.
Niemand hatte den Lordkanzler Clarendon heftiger angeklagt als Coventry,
ein Mitglied der Schatzcommission. Niemand hatte den Lordschatzmeister
Danby heftiger angeklagt als Winnington, der Generalprokurator. Nur ein
Einigungspunkt war zwischen den Regierungsmitgliedern: ihr gemeinsames
Oberhaupt, der Souverain. Die Nation betrachtete ihn als das wirkliche
Oberhaupt der Verwaltung und tadelte ihn streng, wenn er seine hohen
Functionen auf einen Unterthan bertrug. Clarendon sagt uns, da den
Englndern seiner Zeit nichts so verhat gewesen sei als ein
Premierminister. Sie wrden, meint er, lieber unter einem Usurpator wie
Oliver stehen, der factisch wie nominell erster Beamter im Staate war,
als unter einem rechtmigen Knige, der sie an einen Growessier
verwies. Eine der Hauptbeschuldigungen, welche die Vaterlandspartei
gegen Karl II. erhoben, bestand darin, da er zu indolent und
vergngungsschtig sei, um die Rechnungsablagen des Staatshaushaltes und
die Inventuren der militrischen Vorrathsmagazine sorgfltig zu prfen.
Als Jakob auf den Thron kam, beschlo er, keinen Lordgroadmiral, kein
Admiralittscollegium zu ernennen, sondern die ganze Leitung der
Marineangelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen, und diese
Einrichtung, welche heutzutage von Mnnern aller Parteien fr im
hchsten Grade verfassungswidrig und nachtheilig erklrt werden wrde,
fand damals allgemeinen Beifall selbst bei Solchen, die nicht geneigt
waren, seine Handlungsweise in einem gnstigen Lichte zu betrachten. Wie
vollstndig das Verhltni, in welchem der Knig zu seinem Parlamente
und zu seinen Ministern stand, durch die Revolution verndert worden
war, erkannten anfangs selbst die erleuchtetsten Staatsmnner nicht. Man
glaubte allgemein, da die Regierung, wie in frherer Zeit, wieder durch
von einander unabhngige Beamte geleitet werden und da Wilhelm die
Oberaufsicht ber dieselben fhren werde. Auch erwartete man
zuversichtlich, da ein Frst von Wilhelm's Befhigung und Erfahrung
viele wichtige Geschfte ohne allen fremden Rath und Beistand besorgen
werde.


[_Wilhelm sein eigner Minister des Auswrtigen._] Man hatte daher nichts
zu erinnern, als man erfuhr, da Wilhelm die Leitung der auswrtigen
Angelegenheiten sich selbst vorbehalten habe. Allerdings blieb auch kaum
etwas Andres brig, denn mit der einzigen Ausnahme Sir Wilhelm Temple's,
den nichts bewogen haben wrde, aus seiner Zurckgezogenheit wieder ins
ffentliche Leben zu treten, gab es damals keinen Englnder, der sich
als fhig erwiesen hatte, eine wichtige Unterhandlung mit fremden
Mchten zu einem ersprielichen und ehrenvollen Ende zu fhren. Viele
Jahre waren verstrichen, seit England sich mit Gewicht und Wrde in die
Angelegenheiten der groen Republik der Nationen eingemischt. Die
Aufmerksamkeit der geschicktesten englischen Staatsmnner war lange fast
ausschlielich durch Zerwrfnisse in Bezug auf die brgerliche und
kirchliche Verfassung ihres eigenen Landes in Anspruch genommen worden.
Die Streitigkeiten wegen der papistischen Verschwrung und der
Ausschlieungsbill, wegen der Habeas-Corpusacte und der Testacte hatten
einen berflu, man knnte fast sagen eine Fluth von solchen Talenten
erzeugt, welche in einer durch innere Spaltungen zerrissenen
Gesellschaft Mnner zu Macht und Ansehen erheben. Das ganze Festland
hatte keine so geschickten und schlauen Parteifhrer, keine so gewandten
parlamentarischen Taktiker, keine so schlagfertigen und beredten
Wortfhrer aufzuweisen als in Westminster versammelt waren. Aber es
bedurfte einer ganz andren Schule, um einen Minister des Auswrtigen zu
bilden, und die Revolution hatte England pltzlich in eine Lage
versetzt, in welcher die Dienste eines groen Ministers fr die
auswrtigen Angelegenheiten unentbehrlich waren.

Wilhelm eignete sich ganz vorzglich zur Ausfllung dieses Postens, dem
die vollendetsten Staatsmnner seines Reiches nicht gewachsen waren. Er
hatte sich schon seit geraumer Zeit als Unterhndler ausgezeichnet. Er
war der Schpfer und die Seele der europischen Coalition gegen das
bergewicht Frankreichs. Der leitende Faden, ohne den es gefhrlich war,
das groe und verwickelte Labyrinth der festlndischen Politik zu
betreten, war in seinen Hnden. Daher wagten es seine englischen Rthe,
so talentvoll und thtig sie sonst waren, whrend seiner Regierung nur
selten, sich in den Theil der Staatsgeschfte einzumischen, die er zu
seinem speciellen Departement erwhlt hatte.[12]

Die innere Verwaltung England's konnte dagegen nur unter dem Beirathe
und der Mitwirkung englischer Minister geleitet werden. Die Wahl, welche
Wilhelm bei Ernennung dieser Minister traf, bewies, da er sich
vorgenommen hatte, keine Partei auszuschlieen, die geneigt war, seinen
Thron zu sttzen. Den Tag darauf, nachdem ihm im Bankethause die Krone
berreicht worden, wurde der Geheime Rath vereidigt. Die meisten Rthe
waren Whigs; doch standen auch die Namen mehrerer ausgezeichneter Tories
auf der Liste.[13] Die vier hchsten Staatsmter wurden vier Edelleuten
bertragen, welche die vier Hauptklassen der Politiker reprsentirten.

    [Anmerkung 12: Folgende Stelle aus einer damaligen Schrift drckt
    die allgemeine Ansicht ber diesen Punkt aus: Die auswrtigen
    Angelegenheiten kennt er besser als wir; in Bezug auf die
    einheimischen Staatsgeschfte aber bringt es ihm keine Unehre,
    wenn wir ihm ber sein Verhltni zu uns, ber die Natur desselben
    und ber das was er am zweckmigsten zu thun hat, unsre Meinung
    sagen. -- +An Honest Commoner's Speech+.]

    [Anmerkung 13: +London Gazette, Febr. 18. 1688/88.+]


[_Danby._] In praktischer Befhigung und geschftlicher Erfahrung war
keiner seiner Zeitgenossen Danby berlegen. Er hatte ein starkes Anrecht
auf die Dankbarkeit des neuen Herrscherpaares, denn durch seine
Geschicklichkeit war ihre Vermhlung trotz unbesiegbar scheinender
Schwierigkeiten zu Stande gebracht worden. Die Feindschaft, die er stets
gegen Frankreich gehegt, war eine kaum minder gewichtige Empfehlung. Er
hatte die Einladung vom 30. Juni unterzeichnet, hatte den Aufstand im
Norden veranstaltet und geleitet und hatte in der Convention seinen
ganzen Einflu und seine ganze Beredtsamkeit wider den Regentschaftsplan
aufgeboten. Trotzdem betrachteten ihn die Whigs mit unberwindlichem
Mitrauen und Widerwillen. Sie konnten es nicht vergessen, da er in
schlimmen Tagen der erste Minister des Staats, das Haupt der Cavaliere,
der Vorkmpfer der Prrogative, der Verfolger der Dissenters gewesen.
Selbst indem er ein Rebell wurde, hatte er nicht aufgehrt ein Tory zu
sein. Wohl hatte er das Schwert gegen die Krone gezogen, aber nur zur
Vertheidigung der Kirche. Wohl hatte er in der Convention durch seinen
Widerstand gegen den Regentschaftsplan Gutes gewirkt, auf der andren
Seite aber hatte er geschadet durch beharrliche Aufrechthaltung des
Satzes, da der Thron nicht erledigt und die Stnde nicht berechtigt
seien, ber die Besetzung desselben zu entscheiden. Die Whigs waren
daher der Meinung, er msse sich fr seine neuerlichen Verdienste
dadurch reichlich belohnt erachten, da man ihm die Strafe fr die ihm
zehn Jahre frher zur Last gelegten Vergehen erlasse. Er dagegen
schtzte seine unleugbar eminenten Talente und Dienste nach ihrem vollen
Werthe und hielt sich fr berechtigt zu dem hohen Posten eines
Lordschatzmeisters, den er frher bekleidet. Seine Erwartung wurde
jedoch getuscht. Wilhelm erachtete es grundstzlich fr wnschenswerth,
die Macht und das Patronat des Schatzamts unter mehrere Commissarien zu
theilen. Er war der erste Knig von England, der vom Beginn bis zum
Schlusse seiner Regierung den weien Stab niemals den Hnden eines
einzelnen Unterthanen anvertraute. Danby ward die Wahl freigestellt
zwischen der Prsidentschaft im Geheimen Rathe und einem
Staatssekretariat. Er entschied sich verdrlich fr die Prsidentschaft
und whrend die Whigs murrten, als sie ihn so hoch gestellt sahen,
bemhte er sich kaum, seinen Aerger darber zu verbergen, da er nicht
noch hher gestellt worden war.[14]

    [Anmerkung 14: +London Gazette, Febr. 18. 1688/89; Reresby's
    Memoirs.+]


[_Halifax._] Halifax, der Ausgezeichnetste unter der kleinen Partei die
sich rhmte, da sie zwischen den Whigs und Tories das Gleichgewicht
erhielt, bernahm das Geheimsiegel und blieb nach wie vor Sprecher im
Hause der Lords.[15] Er hatte sich durch streng gesetzliche Opposition
gegen die letzte Regierung hervorgethan und mit groer Gewandtheit gegen
die Dispensationsgewalt gesprochen und geschrieben; aber er hatte von
dem Invasionsplane nichts wissen wollen, er hatte, selbst als die
Hollnder schon auf dem vollen Marsche gegen London waren, noch darauf
hingearbeitet, eine Vershnung zu Stande zu bringen, und er hatte Jakob
erst dann verlassen, als dieser den Thron verlie. Von dem Augenblicke
der schimpflichen Flucht aber hatte der scharfblickende Trimmer in der
berzeugung, da ein gtlicher Vergleich nicht mehr mglich sei, einen
entscheidenden Entschlu gefat. Er hatte sich in der Convention
glnzend hervorgethan, und es war ein besonders glcklicher Griff, da
man ihn zu dem Ehrenamte ernannt, dem Prinzen und der Prinzessin von
Oranien im Namen aller Stnde England's die Krone zu berreichen, denn
soweit man berhaupt sagen kann, da unsre Revolution den Charakter
eines einzelnen Geistes trug, trug sie sicherlich den Charakter des
groen, aber besonnenen Geistes Halifax'. Doch die Whigs waren nicht in
der Stimmung, einen neueren Dienst als Ersatz fr ein altes Vergehen
anzunehmen, und das Vergehen Halifax' war in der That ein arges gewesen.
Vor langer Zeit hatte er whrend eines harten Freiheitskampfes in ihren
vordersten Reihen gestritten, und als sie endlich siegten, als Whitehall
in ihrer Gewalt zu sein schien, als sich eine nahe Aussicht auf
Herrschaft und Rache erffnete, da war er, und mit ihm das Glck,
ins feindliche Lager bergegangen. In der groen Debatte ber die
Ausschlieungsbill hatte seine Beredtsamkeit sie zu Boden geschmettert
und der verzagten Hofpartei neuen Lebensmuth eingeflt. Allerdings war
er, obgleich er sie in den Tagen ihres bermthigen Glcks verlassen,
zur Zeit der Noth in ihre Reihen zurckgekehrt; aber jetzt, da die Noth
vorber war, vergaen sie, da er zu ihnen zurckgekehrt, und erinnerten
sich nur noch, da er sie verlassen hatte.[16]

    [Anmerkung 15: +London Gazette, Febr. 18. 1688/89; Lords'
    Journals.+]

    [Anmerkung 16: +Burnet II. 4.+]


[_Nottingham._] Der rger, mit dem sie Danby im Staatsrathe prsidiren
und Halifax das Geheimsiegel fhren sahen, wurde nicht vermindert durch
die Nachricht, da Nottingham zum Staatssekretr ernannt sei. Einige von
den eifrigen Kirchenmnnern, welche nie aufgehrt hatten, die Lehre vom
Nichtwiderstande zu predigen, in deren Augen die Revolution nicht zu
rechtfertigen war, die fr eine Regentschaft gestimmt und bis zuletzt
bei der Behauptung geblieben waren, da der englische Thron nicht einen
Augenblick erledigt sein knne, hielten es gleichwohl fr ihre Pflicht,
sich der Entscheidung der Convention zu unterwerfen. Sie hatten, sagten
sie, sich nie gegen Jakob aufgelehnt und Wilhelm nicht gewhlt; da sie
aber jetzt einen Frsten auf dem Thron sahen, den sie allerdings nie
darauf gesetzt haben wrden, waren sie der Meinung, da kein gttliches
oder menschliches Gesetz es ihnen zur Pflicht machte, den Kampf weiter
fortzusetzen. Sie glaubten in der Bibel sowohl wie im Gesetzbuche
Vorschriften zu finden, die nicht miverstanden werden knnten. Die
Bibel befiehlt Gehorsam gegen die bestehenden Gewalten an. Das
Gesetzbuch enthlt einen Paragraphen, welcher besagt, da kein Unterthan
deshalb als ein belthter betrachtet werden solle, weil er sich dem im
factischen Besitz des Thrones befindlichen Knige anschliee. Aus diesen
Grnden glaubten Viele, die zur Einsetzung der neuen Regierung nicht
mitgewirkt hatten, da sie derselben ihre Untersttzung gewhren
knnten, ohne weder Gott noch einen Menschen zu beleidigen. Einer der
ausgezeichnetsten Staatsmnner dieser Schule war Nottingham. Auf sein
Ansuchen hatte die Convention, bevor der Thron besetzt war, den
Unterthaneneid dergestalt umgendert, da er und seine Meinungsgenossen
diesen Eid unbedenklich leisten konnten. Meine Grundstze, sagte er,
gestatten mir nicht, mich bei der Wahl eines Knigs zu betheiligen. Ist
aber ein Knig einmal gewhlt, so gebieten mir meine Grundstze, ihm
einen strengeren Gehorsam zu bezeigen, als er von Denen erwarten darf,
die ihn gewhlt haben. Zum Erstaunen einiger von Denen, die ihn am
meisten schtzten, willigte er jetzt ein, im Staatsrathe zu sitzen und
die Sekretariatssiegel anzunehmen. Wilhelm hoffte ohne Zweifel, diese
Ernennung werde von der Geistlichkeit und der toryistischen Landgentry
als eine gengende Brgschaft dafr angesehen werden, da er gegen die
Kirche nichts Bses im Sinne habe. Selbst Burnet, der spterhin eine
starke Abneigung gegen Nottingham fhlte, gestand in einigen bald nach
der Revolution geschriebenen Abhandlungen, da der Knig richtig
geurtheilt und da der zur Untersttzung der neuen Herrscher ehrlich
verwendete Einflu des toryistischen Staatssekretrs England vor groen
Calamitten bewahrt habe.[17]

    [Anmerkung 17: Diese Abhandlungen finden sich in einem
    Handschriftenbande, der zur Harley'schen Sammlung gehrt und mit
    der Nummer 6584 bezeichnet ist. Sie bilden thatschlich die ersten
    Entwrfe zu einem groen Theile von Burnet's +History of His Own
    Times+. Die Zeitpunkte, zu welchen die verschiedenen Theile dieses
    hchst merkwrdigen und interessanten Werkes abgefat wurden, sind
    angegeben. Fast das Ganze wurde vor Mariens Tode geschrieben. Erst
    zehn Jahre spter begann Burnet seine Geschichte der Regierung
    Wilhelm's fr den Druck vorzubereiten. Whrend dieses Zeitraums
    hatten sich seine Ansichten, ber Menschen sowohl als Dinge, sehr
    gendert. Deshalb ist der erste Entwurf so auerordentlich
    werthvoll, denn er enthlt manche Thatsachen, die er nachher
    auszulassen fr rthlich hielt, und einige Urtheile, welche er
    spter zu ndern Ursache fand. Ich mu jedoch gestehen, da mir
    seine ersten Ansichten gewhnlich besser gefallen. Wenn seine
    Geschichte einmal neu gedruckt wrde, sollte sie mit diesem
    Manuscriptbande sorgfltig verglichen werden. berall wo ich mich
    auf diese Handschrift beziehe, kann der Leser annehmen, da sie
    etwas enthlt, was sich in seiner gedruckten Geschichte nicht
    findet.

    ber Nottingham's Ernennung siehe +Burnet II. 8+, +London Gazette,
    March7. 1688/89+ und +Clarendon's Diary, Febr.15+.]


[_Shrewsbury._] Der andre Staatssekretr war Shrewsbury.[18] Seit
Menschengedenken hatte kein so junger Mann einen so hohen Posten bei der
Regierung bekleidet. Er hatte eben erst sein achtundzwanzigstes
Lebensjahr zurckgelegt. Gleichwohl erblickte Niemand, mit Ausnahme der
feierlichen Formalisten bei der spanischen Gesandtschaft, in seiner
Jugend ein Hinderni fr seine Ernennung.[19] Er hatte sich schon durch
die hervorragende Rolle, die er bei der Befreiung seines Vaterlandes
gespielt, einen Platz in der Geschichte gesichert. Seine Talente, seine
Kenntnisse, sein liebenswrdiges Benehmen und sein sanfter Charakter
machten ihn allgemein beliebt. Besonders die Whigs beteten ihn fast an.
Niemand ahnete, da er mit vielen groen und gewinnenden Eigenschaften
solche Fehler des Geistes und Herzens verband, welche den Rest seines
unter so gnstigen Auspicien begonnenen Lebens ihm selbst zur Last und
seinem Lande fast nutzlos machen sollten.

    [Anmerkung 18: +London Gazette, Febr. 18. 1688/89.+]

    [Anmerkung 19: Don Pedro de Ronquillo macht diese Bemerkung.]


[_Die Admiralitt._] Die Leitung der Marineangelegenheiten und der
Finanzen wurde Collegien bertragen. Herbert ward erster Commissar der
Admiralitt. Er hatte unter der vorigen Regierung Reichthum und Wrden
aufgegeben, als er sah, da er sie mit Ehren und mit gutem Gewissen
nicht behalten konnte; er hatte die denkwrdige Einladung nach dem Haag
berbracht und die hollndische Flotte auf der Fahrt von Helvoetsluys
nach Torbay befehligt. In Bezug auf Muth und Berufstchtigkeit geno er
eines hohen Rufes. Wohl wute man, da er auch seine Thorheiten und
Fehler begangen, aber sein neuerliches Benehmen in einer Zeit schwerer
Prfung hatte Alles wieder gut gemacht und berechtigte zu der Hoffnung,
da seine fernere Laufbahn eine ruhmvolle sein werde. Ihm zur Seite im
Admiralittscollegium standen zwei ausgezeichnete Mitglieder des Hauses
der Gemeinen: Wilhelm Sacheverell, ein Whigveteran, der sich bei seiner
Partei eines groen Ansehens erfreute, und Sir Johann Lowther, ein
rechtschaffener und uerst gemigter Tory, der in Bezug auf Vermgen
und parlamentarische Bedeutung unter der englischen Gentry eine der
ersten Stellen einnahm.[20]

    [Anmerkung 20: +London Gazette, March 11. 1688/89.+]


[_Das Schatzamt._] An die Spitze der Finanzen wurde Mordaunt, einer der
heftigsten Whigs, gestellt, warum, ist schwer zu sagen. Sein romanhafter
Muth, sein ruheloser Geist, seine excentrischen Einflle, sein Hang zu
verzweifelten Wagnissen und staunenerregenden Effecten waren eben keine
Eigenschaften, die ihm bei finanziellen Operationen und Unterhandlungen
von besonderem Nutzen sein konnten. Der zweite Schatzcommissar und
zugleich Kanzler der Schatzkammer war Delamere, ein womglich noch
heftigerer Whig als Mordaunt. Auerdem saen zwei whiggistische
Mitglieder des Hauses der Gemeinen in dem Collegium: Sir Heinrich Capel,
Bruder jenes Earls von Essex, der sich im Tower entleibte, und Richard
Hampden, der Sohn des groen Fhrers des Langen Parlaments. Der
Commissar aber, auf dem die Hauptlast der Geschfte ruhte, war
Godolphin. Dieser schweigsame, einsichtsvolle, fleiige und harmlose,
fr keine Regierung schwrmende, aber jeder Regierung ntzliche Mann war
nach und nach ein fast unentbehrlicher Theil der Staatsmaschiene
geworden. Obgleich ein Anhnger der Landeskirche, hatte er sich doch an
einem von Jesuiten geleiteten Hofe emporgeschwungen. Obwohl er fr eine
Regentschaft gestimmt hatte, war er doch das wirkliche Oberhaupt eines
mit Whigs angefllten Schatzamtes. Seine Fhigkeiten und Kenntnisse,
welche unter der vorigen Regierung die Mngel Bellasyse's und Dower's
ausgeglichen hatten, waren auch jetzt nthig, um die Mngel Mordaunt's
und Delamere's zu bertragen.[21]

    [Anmerkung 21: +London Gazette, March 11. 1688/89.+]


[_Das groe Siegel._] Die Verleihung des groen Siegels hatte einige
Schwierigkeiten. Der Knig wnschte es zuerst Nottingham anzuvertrauen,
dessen Vater es mehrere Jahre mit groer Auszeichnung gefhrt hatte.[22]
Nottingham aber lehnte es ab, und es wurde deshalb Halifax angetragen,
der es ebenfalls ablehnte. Beide Lords fhlten ohne Zweifel, da dies
ein Amt sei, das sie nicht mit Ehren fr sich selbst und mit Nutzen fr
den Staat verwalten konnten. In alten Zeiten war das Staatssiegel zwar
grtentheils in den Hnden von Nichtjuristen gewesen. Selbst noch im
siebzehnten Jahrhundert hatten es zwei ausgezeichnete Mnner gefhrt,
welche in keinem Rechtscollegium studirt hatten. Dechant Williams war
Lordsiegelbewahrer Jakob'sI., Shaftesbury Lordkanzler Karls II.
gewesen; aber solche Ernennungen konnten nicht lnger ohne ernste
Nachtheile stattfinden. Die Billigkeit hatte sich allmlig zu einer
verwickelten Wissenschaft ausgebildet, welche kein menschlicher Verstand
ohne lange und angestrengte Studien ausben konnte, selbst Shaftesbury
hatte bei all' seinem scharfen Verstande seinen Mangel an technischen
Kenntnissen schmerzlich gefhlt,[23] und whrend der fnfzehn Jahre,
welche verstrichen waren, seitdem er das Siegel niedergelegt, waren
diese technischen Kenntnisse seinen Nachfolgern immer nothwendiger
geworden. Daher wagte es weder Nottingham, obwohl er einen Schatz
juristischer Kenntnisse besa, wie man ihn selten bei einem Manne
findet, der die Rechtswissenschaft nicht studirt hat, noch Halifax,
obgleich er bei den Gerichtssitzungen des Hauses der Lords oft die
Versammlung durch sein treffendes Urtheil und durch seine scharfe Logik
in Erstaunen gesetzt, das hchste Amt, das ein englischer Laie bekleiden
kann, anzunehmen. Nach langem Zaudern wurde das Siegel einer Commission
von ausgezeichneten Juristen, mit Maynard an der Spitze, bertragen.[24]

    [Anmerkung 22: Ich habe mich an die mir am wahrscheinlichsten
    dnkende Erzhlung der Sache gehalten. Man ist aber in Zweifel
    gewesen, ob Nottingham aufgefordert wurde, Kanzler, oder nur
    erster Commissar des groen Siegels zu werden. Vergleiche Burnet,
    II. 3, und Boyer's +History of William, 1702+. Narcissus Luttrell
    spricht zu wiederholten Malen, sogar noch am Schlusse des Jahres
    1692, von Nottingham als muthmalichem Kanzler.]

    [Anmerkung 23: Roger North erzhlt einen ergtzlichen Fall von
    Shaftesbury's Verlegenheit.]

    [Anmerkung 24: +London Gazette, March 4. 1688/89.+]


[_Die Richter._] Die Wahl der Richter machte der neuen Regierung Ehre.
Jedes Mitglied des Geheimraths wurde aufgefordert eine Liste
einzureichen. Diese Listen wurden miteinander verglichen und zwlf
Mnner von hervorragendem Talent und Verdienst ausgewhlt.[25] Pollexfen
hatte in Folge seiner juristischen Kenntnisse und seiner whiggistischen
Grundstze Anspruch auf den hchsten Platz. Aber man erinnerte sich,
da er in den westlichen Grafschaften bei den Assisen, welche auf die
Schlacht von Sedgemoor folgten, als Commissar der Krone fungirt hatte.
Es geht zwar aus den Berichten ber die Untersuchungen hervor, da er,
wenn er berhaupt von der Krone bevollmchtigt war, so wenig that als er
konnte und da er es den Richtern berlie, Zeugen und Gefangene
einzuschchtern. Dessenungeachtet aber war sein Name in der ffentlichen
Meinung mit den blutigen Assisen untrennbar verbunden. Er konnte daher
nicht fglich an die Spitze des hchsten Criminalgerichtshofes gestellt
werden.[26] Nachdem er einige Wochen als Generalfiskal fungirt, ward er
zum Oberrichter der Common Pleas ernannt. Sir John Holt, ein noch junger
Mann, aber ausgezeichnet durch Gelehrsamkeit, Rechtschaffenheit und
Muth, wurde Oberrichter der King's Bench, Sir Robert Atkyns, ein
ausgezeichneter Jurist, der einige Jahre in lndlicher Zurckgezogenheit
zugebracht, der aber in Westminster Hall noch immer eines groen Rufes
geno, wurde zum ersten Baron[27] ernannt. Powell, der wegen seiner
ehrenwerthen Erklrung zu Gunsten der Bischfe abgesetzt worden war,
nahm seinen Sitz unter den Richtern wieder ein. Treby wurde Pollexfen's
Nachfolger als Generalfiskal, und Somers wurde zum Prokurator
ernannt.[28]

    [Anmerkung 25: +Burnet II. 5.+]

    [Anmerkung 26: +The Protestant Mask taken off from the Jesuited
    Englishman, 1692+.]

    [Anmerkung 27: Die Richter der Schatzkammer werden Barons genannt.
    Der bersetzer.]

    [Anmerkung 28: Diese Ernennungen wurden erst am 6. Mai in der
    Gazette bekannt gemacht, einige derselben aber waren schon frher
    erfolgt.]


[_Der Hofstaat._] Zwei der hchsten mter im kniglichen Hofstaate
wurden mit zwei englischen Cavalieren besetzt, welche ganz geeignet
waren, die Zierde eines Hofes zu werden. Der hochherzige und
kenntnireiche Devonshire ward zum Obersthofmeister ernannt. Niemand
hatte in der entscheidenden Crisis fr England mehr gethan und gewagt.
Indem er England's Freiheiten wiederhergestellt, hatte er auch das
Vermgen seines eigenen Hauses wiedererlangt. Seine Schuldverschreibung
ber dreiigtausend Pfund wurde unter den Papieren gefunden, welche
Jakob in Whitehall zurckgelassen, und von Wilhelm vernichtet.[29]

Dorset wurde Lordkammerherr und verwendete den Einflu und das Patronat
seiner Stellung, wie schon seit langer Zeit seine Privatmittel, zur
Aufmunterung des Genies und zur Linderung des Migeschicks. Eine der
ersten Maregeln, die er zu ergreifen gezwungen war, mu einem Mann von
so edlem Charakter und so warmer Theilnahme fr alles Ausgezeichnete in
Knsten und Wissenschaften, sehr schmerzlich gewesen sein. Dryden konnte
nicht lnger Hofdichter bleiben. Das Publikum wrde es nicht geduldet
haben, unter den Dienern Sr. Majestt einen Papisten zu sehen, und
Dryden war nicht nur ein Papist, sondern ein Apostat. Auerdem hatte er
die Schuld seines Glaubensabfalls noch dadurch erschwert, da er die
Kirche, die er verlassen, verleumdet und verspottet hatte. Er hatte sie,
wie man scherzweise sagte, behandelt, wie die heidnischen Verfolger des
Alterthums ihre Kinder behandelten. Er hatte sie in die Haut eines
wilden Thieres gekleidet und sie dann zur ffentlichen Belustigung
gehetzt.[30] Er wurde entlassen, erhielt aber von der Privatgte des
freigebigen Kammerherrn eine seinem zurckgezogenen Gehalt
gleichkommende Pension. Dessenungeachtet fuhr der abgesetzte +poeta
laureatus+, der eben so arm an Edelsinn wie reich an Geistesgaben war,
Jahr aus Jahr ein fort, den nicht erlittenen Verlust zu beklagen, bis
endlich sein Gejammer uerungen wohlverdienter Verachtung von Seiten
ehrenwerther Jakobiten hervorrief, welche ihren Grundstzen Alles
aufgeopfert hatten, ohne deshalb ein bittendes oder klagendes Wort laut
werden zu lassen.[31]

Im kniglichen Hofstaat wurden auch einige von den hollndischen
Edelleuten angestellt, die sich der besonderen Gunst des Knigs
erfreuten. Bentinck bekam das hohe Amt des ersten Kammerherrn mit einem
jhrlichen Gehalt von fnftausend Pfund; Zulestein erhielt die
Oberaufsicht ber die knigliche Garderobe, und Oberstallmeister ward
Auverquerque, ein tapferer Soldat, der das Blut der Nassau und das Blut
der Horn in sich vereinigte und der mit gerechtem Stolze ein kostbares
Schwert trug, welches ihm die Generalstaaten in Anerkennung des Muthes
verliehen hatten, mit dem er an dem blutigen Tage von Saint-Denis
Wilhelm das Leben gerettet.

Das Amt des Vicekammerherrn der Knigin wurde einem Manne zu Theil, der
sich eben erst im ffentlichen Leben bemerkbar gemacht hatte und dessen
Name in der Geschichte dieser Regierung hufig vorkommen wird. Johann
Howe, oder, wie er gewhnlich genannt wurde, Jack Howe, war von dem
Burgflecken Cirencester zur Convention gesandt worden. Seine uere
Erscheinung war die eines Mannes, dessen Krper durch die unablssige
Thtigkeit eines ruhelosen und reizbaren Geistes aufgerieben worden. Er
war lang, hager und bleich, und sein unruhiges, stechendes Auge hatte
einen Ausdruck von Wildheit und Verschlagenheit. Er war seit mehreren
Jahren als kleiner Dichter bekannt, und einige der zgellosesten
Spottlieder, welche in den Kaffeehusern circulirten, wurden ihm
zugeschrieben. Im Hause der Gemeinen aber entfalteten sich seine Talente
wie sein giftiges Wesen am auffallendsten. Er war noch keine drei Wochen
Mitglied desselben, als er sich schon durch seine Sprachgewandtheit,
seine beiende Schrfe und seine Hartnckigkeit bemerkbar gemacht hatte.
Scharfsinn, Energie und Khnheit erhoben ihn bald zu dem Range eines
bevorzugten Menschen. Seine Feinde -- und er hatte viele Feinde --
sagten jedoch, da er seine persnliche Sicherheit selbst in der
heftigsten Aufregung nicht aus den Augen lasse und die Soldaten mit
einer Rcksicht behandle, die er gegen Damen oder Bischfe niemals
zeige. Aber Niemand besa in grerem Mae den gefhrlichen Muth,
der dem Widerwillen und dem Hasse trotzt und sogar darum buhlt. Keine
Schicklichkeitsgrnde vermochten ihn in Schranken zu halten, sein Ha
war unvershnlich, und er besa eine merkwrdige Geschicklichkeit darin,
die schwachen Seiten starker Geister herauszufinden. Alle seine groen
Zeitgenossen fhlten gelegentlich seinen Stachel. Einmal schlug dieser
Stachel eine Wunde, die sogar Wilhelm aus seiner ruhigen Fassung brachte
und ihm die uerung entlockte, da er wohl wnschte ein Privatmann zu
sein, damit er Mr. Howe zu einer kurzen Unterredung hinter Montague
House einladen knne. Gegenwrtig jedoch gehrte Howe zu den eifrigsten
Sttzen der neuen Regierung und richtete alle seine Sarkasmen und
Ausflle gegen die Mivergngten.[32]

    [Anmerkung 29: Kennet's +Funeral Sermon on the first Duke of
    Devonshire+, und +Memoirs of the Family of Cavendish, 1708+.]

    [Anmerkung 30: Siehe ein Gedicht betitelt: +A Votive Tablet to the
    King and Queen+.]

    [Anmerkung 31: Siehe Prior's Widmung seiner Gedichte an Dorset's
    Sohn und Nachfolger, und Dryden's +Essay on Satire+ als Einleitung
    zu den bersetzungen aus Juvenal. In Collier's +Short View of
    the Stage+ wird Dryden's weibische Klagsucht bitter verhhnt.
    In Blackmore's +Prince Arthur+, ein Gedicht, das bei aller
    seiner Werthlosigkeit einige interessante Anspielungen auf
    zeitgenssische Personen und Dinge enthlt, kommen folgende
    Strophen vor:

      Der Dichter Chor an seiner Thre stand
      Und harrt' der milden Spende seiner Hand.
      Auch Laurus zeigt sich in dem magren Schwarm,
      Der alte Barde voller Groll und Harm;
      Verlangt Gehr und drngt und stt mit Fu und Arm.
      Das Haus Sakil's, der Musen Schlo, erklang
      Von endlosem Geschrei und lautem Sang.
      Dem guten Sakil selbst Laurus gern seinen Segen schenkt,
      Doch Sakil's Frst und Gott er stets mit Flchen nur bedenkt,
      Sakil ohn' Unterschied sein Brot vertheilt,
      Den Schmeichler hasset er, des Dichters Noth er heilt.

    Ich brauche wohl nicht zu sagen, da Sakil Sackville und da
    Laurus eine Umschreibung des bekannten Spottnamens Bayes ist.]

    [Anmerkung 32: Kaum ein andrer Mann der damaligen Zeit wird in
    Flugschriften und Satiren hufiger erwhnt als Howe. In der
    berchtigten +Petition of Legion+ wird er das schamlose rgerni
    der Parlamente genannt. Merkwrdig ist auch was Mackay ber ihn
    sagt. In einem 1690 geschriebenen Gedicht, da ich nur als
    Manuscript gesehen habe, kommt folgende Stelle vor.

      Zuerst Jack Howe mit seinem furchtbaren Talent;
      Glcklich das Weib, das seinem Spottlied entgeht;
      Gegen die Damen sein Muth keine Grenzen kennt;
      Vor dem Dragoner er mit gezogenem Hute steht.]


[_Untergeordnete Ernennungen._] Die niederen Stellen bei allen
ffentlichen mtern wurden unter beide Parteien vertheilt; der grere
Antheil aber kam auf die Whigs. Einige Personen, die dem Namen Whig
wenig Ehre machten, wurden in der That glnzend fr Dienste belohnt,
die kein braver Mann geleistet haben wrde. Wildman wurde zum
Generalpostmeister ernannt, und Ferguson erhielt eine eintrgliche
Sinekure bei der Steuererhebung. Das Amt des Schatz-Prokurators war eben
so wichtig als verhat. Dieser Beamte hatte politische Prozesse zu
fhren, die Beweise zu sammeln, den Anwalt der Krone zu instruiren,
dafr zu sorgen, da die Gefangenen nicht gegen ungengende Brgschaft
in Freiheit gesetzt wurden, und darauf zu sehen, da die Juries nicht
aus regierungsfeindlichen Personen zusammengesetzt wurden. Zu den Zeiten
Karl's und Jakob's waren die Schatz-Prokuratoren mit nur zu gutem Grunde
beschuldigt worden, da sie gegen dem Hofe miliebige Personen die
emprendsten Chikanen anwendeten. Die neue Regierung htte hier eine
Wahl treffen sollen, die ber jeden Verdacht erhaben war. Leider
entschieden sich Mordaunt und Delamere fr Aaron Smith, einen hmischen
und characterlosen Politiker, der in den Tagen der papistischen
Verschwrung der Rechtsbeistand des Titus Oates und in das
Ryehousecomplot tief verwickelt gewesen war. Richard Hampden, ein Mann
von entschiedenen Ansichten, aber von gemigter Gesinnung, erhob
Einwendungen gegen diese Ernennung. Aber seine Einwrfe wurden nicht
beachtet. Die Jakobiten, welche Smith haten und auch Ursache dazu
hatten, behaupteten er habe seine Stelle dadurch erlangt, da er den
Lords des Schatzes die Hlle hei gemacht, und besonders ihnen gedroht
habe, es wrde Hampden das Leben kosten, wenn sie seine (Smith's)
gerechten Ansprche nicht befriedigten.[33]

    [Anmerkung 33: +Sprat's True Account+; +Letter to Chief Justice
    Holt, 1694+; +Letter to Secretary Trenchard, 1694.+]


[_Die Convention in ein Parlament verwandelt._] Es vergingen einige
Wochen, ehe die vorerwhnten Ernennungen ffentlich bekannt gemacht
wurden, und whrenddem hatte sich viel Wichtiges ereignet. Sobald der
neue Geheimrath vereidigt war, mute demselben eine ernste und
dringliche Frage vorgelegt werden. Konnte die gegenwrtig tagende
Convention in ein Parlament verwandelt werden? Die Whigs, welche eine
berwiegende Majoritt im Unterhause hatten, waren smmtlich fr die
Bejahung dieser Frage. Die Tories dagegen, welche wuten, da die
ffentliche Stimmung sich whrend des letzten Monats bedeutend verndert
hatte, und von einer allgemeinen Wahl eine ansehnliche Verstrkung
hofften, waren fr die Verneinung. Sie behaupteten, da zum Bestehen
eines Parlaments knigliche Ausschreiben unerllich seien. Die
Convention sei nicht durch solche Ausschreiben einberufen worden und
dieser ursprngliche Mangel knne jetzt nicht nachgeholt werden; daher
seien die beiden Huser bloe Privatklubbs und mten sofort
auseinandergehen.

Darauf wurde ihnen erwiedert, das knigliche Ausschreiben sei eine bloe
Formalitt und es wrde der unvernnftigste Irrwahn sein, wenn man um
einer hohlen Form willen das Wesen unserer Gesetze und Freiheiten
bedenklichen Zufllen aussetzen wollte. Wo immer man den Souverain, die
geistlichen und weltlichen Peers und die von den Wahlkrpern des Reichs
frei gewhlten Volksvertreter versammelt she, habe man das Wesen eines
Parlaments. Ein solches Parlament sei jetzt da, und knne es wohl etwas
Thrichteres geben, als es zu einem Zeitpunkte aufzulsen, wo jede
Stunde kostbar sei, wo zahlreiche wichtige Angelegenheiten sofortige
gesetzmige Erledigung verlangten, und wo dem Staate Gefahren drohten,
welche nur durch die vereinten Anstrengungen des Knigs, der Lords und
der Gemeinen abgewendet werden knnten? Ein Jakobit knne sich
allerdings aus haltbaren Grnden weigern, diese Convention als ein
Parlament anzuerkennen, denn er sei der Ansicht, da sie von vornherein
eine ungesetzliche Versammlung gewesen, da alle ihre Beschlsse
ungltig und die Souveraine, die sie eingesetzt, Usurpatoren seien.
Mit welcher Consequenz aber knne irgend einer von Denen, welche
behaupteten, es msse unverweilt durch Ausschreiben unter dem groen
Siegel Wilhelm's und Marien's ein neues Parlament einberufen werden,
die Autoritt in Frage stellen, welche Wilhelm und Marien auf den Thron
gesetzt habe? Wer Wilhelm als rechtmigen Knig anshe, msse
nothwendig auch die Krperschaft von der dieser Knig sein Recht habe,
als rechtmigen Groen Rath des Landes betrachten. Nach dem nmlichen
Grundsatze knnten Diejenigen, welche ihn zwar nicht als einen
rechtmigen Knig betrachteten, aber doch der berzeugung seien,
da sie ihm als factischen Knige den Huldigungseid leisten drften,
sicherlich auch die Convention als ein factisch bestehendes Parlament
anerkennen. Es liege auf der Hand, da die Convention die Urquelle sei,
aus der die Autoritt aller zuknftigen Parlamente abgeleitet werden und
da von der Rechtsgltigkeit der Beschlsse der Convention die
Rechtsgltigkeit jedes zuknftigen Gesetzes abhngen msse. Wie knne
der Strom hher steigen als die Quelle? Sei es nicht eine Absurditt,
wenn man behaupten wolle, die Convention sei die hchste Macht im
Staate, und doch eine Null, sie sei eine Legislatur fr den hchsten
aller Zwecke, und doch keine Legislatur fr die geringfgigsten Zwecke;
sie sei befugt, den Thron fr erledigt zu erklren, die Thronfolge
abzundern, die Grenzen der Verfassung zu bestimmen, und doch nicht
befugt, die unbedeutendste Verordnung zur Ausbesserung eines Hafendammes
oder zur Erbauung einer Pfarrkirche zu erlassen?

Diese Argumente wrden selbst dann von groem Gewicht gewesen sein, wenn
alle Prcedenzflle fr die entgegengesetzte Meinung gesprochen htten.
In der That aber bot unsre Geschichte nur einen Fall dar, welcher
berhaupt hier angezogen werden konnte, und dieser Fall sprach
entschieden zu Gunsten des Satzes, da knigliche Ausschreiben zum
Bestehen eines Parlaments nicht unbedingt nthig seien. Kein knigliches
Ausschreiben hatte die Convention einberufen, welche Karl II.
zurckrief. Gleichwohl war jene Convention noch nach seiner Restauration
beisammen geblieben, hatte Gesetze gegeben, das Budget aufgestellt, eine
Amnestieacte erlassen und die Lehnsdienstleistungen abgeschafft. Diese
Manahmen waren durch eine Autoritt sanctionirt worden, von der keine
Partei im Staate ohne Ehrerbietung sprechen konnte. Hale hatte
wesentlichen Theil daran genommen und hatte stets behauptet, da sie
streng gesetzlich seien. Auch Clarendon, so wenig er geneigt war, irgend
eine, die Rechte der Krone oder das Ansehen des Siegels, dessen Bewahrer
er war, beeintrchtigende Doctrin zu begnstigen, hatte erklrt, da,
wenn Gott der Nation zu einem uerst kritischen Zeitpunkte ein gutes
Parlament gegeben habe, es die grte Thorheit sein wrde, technische
Mngel in dem Instrument zu suchen, durch welches ein solches Parlament
zusammenberufen sei. Konnte irgend ein Tory behaupten, da die
Convention von 1660 ehrwrdigeren Ursprungs gewesen sei als die von
1689? War ein Schreiben, das der erste Prinz von Geblt auf Ansuchen der
gesammten Pairie und Hunderter von Gentlemen, welche Grafschaften und
Stdte vertraten, erlassen hatte, nicht eine mindestens eben so gute
Vollmacht als ein Beschlu des Rumpfparlaments?

Schwchere Grnde als diese wrden den Whigs, welche die Majoritt des
Geheimen Raths bildeten, gengt haben. Der Knig begab sich demnach am
fnften Tage nach seiner Proklamirung mit kniglichem Geprnge in das
Haus der Lords und nahm seinen Sitz auf dem Throne ein. Die Gemeinen
wurden hereingerufen und er erinnerte nun seine Zuhrer mit vielen
huldvollen Ausdrcken an die gefhrliche Lage des Landes, und ermahnte
sie, diejenigen Schritte zu thun, welche unnthigen Verzgerungen im
Gange der Staatsgeschfte vorbeugen knnten. Seine Rede wurde von den
zahlreich versammelten Gentlemen mit dem leisen Gemurmel aufgenommen,
durch welches unsere Vorfahren ihren Beifall zu erkennen zu geben
pflegten und das oft an geheiligteren Sttten als die Kammer der Peers
war, gehrt wurde.[34] Sobald er sich wieder entfernt hatte, wurde eine
die Convention fr ein Parlament erklrende Bill auf den Tisch der Lords
gelegt und ohne weiteres von ihnen angenommen. Bei den Gemeinen dagegen
gab es eine heie Debatte. Das Haus erklrte sich zu einem Comit,
und die Aufregung war so gro da, nachdem die Autoritt des Sprechers
beseitigt war, die Ordnung kaum noch aufrecht erhalten werden konnte. Es
wurden scharfe persnliche Ausflle gewechselt. Der Ausruf Hrt ihn!
den man ursprnglich nur zur Dmpfung ordnungswidrigen Gerusches und um
die Mitglieder daran zu erinnern, da es ihre Pflicht sei, der
Discussion aufmerksam zu folgen, gebraucht hatte, war nach und nach das
geworden was er jetzt ist, nmlich ein Ausruf, welcher je nach der
Betonung, die man ihm gab, Bewunderung, Zustimmung, Entrstung oder Hohn
ausdrckte. Bei dieser Gelegenheit riefen die Whigs so geruschvoll
Hrt! Hrt! da die Tories sich ber Unschicklichkeit beklagten.
Seymour, der Fhrer der Minoritt, erklrte, da von Freiheit der
Debatte nicht mehr die Rede sein knne, wenn solcher Lrm geduldet
werde. Einige alte whiggistische Mitglieder fhlten sich dadurch
veranlat, ihn zu erinnern, da, wenn er den Vorsitz fhrte, zuweilen
ein gleiches Geschrei gehrt und nicht verboten worden sei. So gereizt
und erbittert inde beide Parteien auch waren, bekundeten doch die
beiderseitigen Reden die hohe Achtung vor Gesetz und verjhrtem Recht,
welche seit langer Zeit ein characteristischer Zug der Englnder ist und
die, wenn sie auch zuweilen in Pedanterie und Aberglauben ausartet,
immerhin ihr Gutes hat. Selbst in dieser wichtigen Krisis, als die
Nation sich noch in der Ghrung einer Revolution befand, errterten
unsere Staatsmnner ausfhrlich und ernst alle Umstnde, welche bei der
Absetzung Eduard's II. und Richard's II. obgewaltet, und untersuchten
mit ngstlicher Genauigkeit, ob die Versammlung, welche, mit dem
Erzbischof Lanfranc an der Spitze, Robert von der Normandie vom Throne
ausschlo und Wilhelm den Rothen darauf setzte, nachher noch fortfuhr,
als gesetzgebender Krper des Landes zu wirken oder nicht. Es wurde viel
ber die Geschichte der Ausschreiben, viel ber die Etymologie des
Wortes Parlament gesagt. Bemerkenswerth ist es, da der alte Maynard
derjenige Redner war, der die Sache von dem staatsmnnischsten
Gesichtspunkte auffate. Er hatte whrend der brgerlichen Zwistigkeiten
von fnfzig ereignivollen Jahren gelernt, da Fragen, welche die
hchsten Interessen des Staats berhrten, nicht durch Wortklaubereien
und durch Brocken von juristischem Franzsisch und juristischem
Latein entschieden werden konnten, und da er anerkanntermaen der
scharfsinnigste und gelehrteste englische Jurist war, durfte er seine
Gedanken und Gesinnungen unumwunden aussprechen, ohne Gefahr zu laufen,
der Ignoranz oder Anmaung beschuldigt zu werden. Er verwarf die ganze
Bchergelehrsamkeit, welche einige in solchen Dingen weit weniger
erfahrene Mnner als er in die Discussion gezogen hatten, als kleinlich
und bel angebracht. Wir stehen, sagte er, in diesem Augenblicke
nicht auf dem gebahnten Wege. Wenn wir daher entschlossen sind, nur auf
diesem Wege fortzugehen, so werden wir gar nicht vorwrts kommen. Wer in
einer Revolution sich vornimmt, nichts zu thun was nicht streng der
herkmmlichen Form gem ist, gleicht einem Menschen, der sich in der
Wildni verirrt hat und bestndig nur ruft: Wo ist die Landstrae?
ich will nur auf der Landstrae gehen! -- In einer Wildni mu man
denjenigen Weg einschlagen, auf dem man nach Hause gelangt. In einer
Revolution mssen wir das hchste Gesetz, das Wohl des Staates, zur
Richtschnur nehmen. Ein andrer Rundkopfveteran, der Oberst Birch,
sprach in gleichem Sinne und argumentirte mit groer Gewandtheit und
Schrfe aus dem Prcedenzfalle von 1660. Seymour und seine Anhnger
wurden im Comit geschlagen und wagten es nicht, das Haus ber den
Bericht abstimmen zu lassen. Die Bill ging rasch durch und erhielt am
zehnten Tage nach Wilhelm's und Mariens Thronbesteigung die knigliche
Zustimmung.[35]

    [Anmerkung 34: Van Citters, 19. Febr. (1. Mrz) 1688/89.]

    [Anmerkung 35: +Stat. 1 W. & M. sess. I. c. 1+. Siehe die
    Protokolle der beiden Huser und +Grey's Debates+. Die
    Beweisfhrung zu Gunsten der Bill ist in der Pariser Gazette vom
    5. und 12. Mrz 1689 gut zusammengefat.]


[_Die Mitglieder der beiden Huser werden aufgefordert die Eide zu
leisten._] Das Gesetz, welches die Convention in ein Parlament
verwandelte, enthielt einen Paragraphen, welcher bestimmte, da nach dem
1. Mrz in keinem der beiden Huser Jemand Sitz und Stimme haben solle,
der nicht dem neuen Knigspaare den Huldigungseid geleistet habe. Diese
Verordnung brachte die ganze Gesellschaft in groe Aufregung. Die
Anhnger der verbannten Dynastie hofften und sagten mit Bestimmtheit
voraus, da die Eidverweigerer zahlreich sein wrden. Die Minoritt in
beiden Husern, meinten sie, werde der Sache der erblichen Monarchie
treu bleiben. Es werde vielleicht hier und da einen Verrther geben, die
groe Masse Derer aber, welche fr eine Regentschaft gestimmt hatten,
werde fest bleiben. Zwei Bischfe hchstens wrden die Usurpatoren
anerkennen. Seymour werde sich eher aus dem ffentlichen Leben
zurckziehen, als seinen Grundstzen untreu werden, Grafton habe sich
schon vorgenommen, nach Frankreich zu entfliehen und seinem Oheim zu
Fen zu fallen. Solche Gerchte machten whrend der letzten Hlfte des
Februar durch alle Kaffeehuser die Runde. Die Aufregung im Publikum war
so gro, da, wenn ein angesehener Mann zwei Tage hintereinander an
seinen gewohnten Aufenthaltsorten vermit wurde, man sich gleich
zuraunte, er sei nach Saint-Germains entwichen.[36]

Der zweite Mrz kam heran und das Resultat schlug die Befrchtungen der
einen Partei nieder und zerstrte die Hoffnungen der andren. Der Primas
hielt sich zwar mit einigen seiner Suffraganen beharrlich fern, aber
drei Bischfe und dreiundsiebzig weltliche Peers leisteten die Eide.
Bei der nchsten Sitzung des Oberhauses fanden sich noch einige Prlaten
mehr ein; kurz, binnen einer Woche hatten ungefhr hundert Lords die
Bedingungen zur Einnahme ihrer Pltze erfllt. Andere, welche durch
Krankheit verhindert waren zu erscheinen, sandten Entschuldigungen und
Versicherungen ihrer Anhnglichkeit an Ihre Majestten. Grafton
widerlegte alle ber ihn in Umlauf gebrachten Mrchen, indem er gleich
am ersten Tage zur Eidesleistung erschien. Zwei Mitglieder der
kirchlichen Commission, Mulgrave und Sprat, beeilten sich ihren Fehler
dadurch gut zu machen, da sie Wilhelm Treue und Gehorsam schworen.
Beaufort, der lange als Typus eines Royalisten der alten Schule gegolten
hatte, unterwarf sich nach kurzem Schwanken. Aylesbury und Dartmouth,
obwohl zwei heftige Jakobiten, trugen eben so wenig Bedenken, den
Huldigungseid zu leisten, als sie nachher Bedenken trugen, ihn zu
brechen.[37] Die Hyde schlugen verschiedene Richtungen ein. Rochester
fgte sich dem Gesetz; Clarendon aber zeigte sich widerspenstig. Viele
fanden es sonderbar, da der Bruder, der so lange zu Jakob gehalten, bis
dieser flchtete, sich weniger hartnckig erwies, als der Bruder, der im
hollndischen Lager gewesen war. Die Erklrung ist vielleicht darin zu
suchen, da Rochester durch Verweigerung der Eide viel mehr verloren
haben wrde als Clarendon. Clarendon's Einknfte hingen nicht vom
Belieben der Regierung ab; Rochester aber hatte einen Jahrgehalt von
viertausend Pfund, den er fortzubeziehen nicht hoffen durfte, wenn er
sich weigerte, das neue Herrscherpaar anzuerkennen. Er hatte in der That
so viele Feinde, da es sogar einige Monate zweifelhaft schien, ob man
ihm unter irgend welchen Bedingungen die glnzende Belohnung lassen
werde, die er sich durch Verfolgung der Whigs und durch einen Sitz in
der Hohen Commission erworben hatte. Vor diesem harten Schlage fr seine
Vermgensumstnde wurde er durch die Verwendung Burnet's bewahrt, den er
schwer beleidigt und der sich jetzt rchte wie es einem christlichen
Priester ziemte.[38]

Im Unterhause wurden am zweiten Mrz vierhundert Mitglieder vereidigt,
darunter auch Seymour. Durch seinen Abfall ward der Muth der Jakobiten
gebrochen, und die Minoritt folgte mit sehr wenigen Ausnahmen seinem
Beispiele.[39]

    [Anmerkung 36: Van Citters sowohl als Ronquillo erwhnen die
    ngstliche Spannung, welche bis zum Bekanntwerden des Resultats in
    London herrschte.]

    [Anmerkung 37: +Lords' Journals, March 1688/89+.]

    [Anmerkung 38: Siehe die Briefe, welche Rochester und Lady
    Ranelagh bei dieser Gelegenheit an Burnet schrieben.]

    [Anmerkung 39: +Commons' Journals, March 2. 1688, 89+. Ronquillo
    schrieb: +Es de gran consideracion que Seimor haya tomado el
    juramento; porque es el arrengador y el director principal, en la
    casa de los Comunes, de los Anglicanos.+ 8.(18.) Mrz 1688/89.]


[_Fragen bezglich des Einkommens._] Schon vor dem zur Eidesabnahme
bestimmten Tage hatten die Gemeinen eine wichtige Frage zu berathen
begonnen, welche keinen Aufschub gestattete. Whrend des Interregnums
hatte Wilhelm als provisorisches Haupt der Verwaltung die Steuern
erhoben und sie fr den Staatsdienst verwendet, ein Verfahren, dessen
Angemessenheit von Niemandem, der die Revolution billigte, bestritten
werden konnte. Jetzt aber war die Revolution vorber, der Thron war
wieder besetzt, die Huser waren versammelt, das Gesetz war in voller
Kraft, und es wurde nthig, ohne Verzug zu entscheiden, zu welchem
Einkommen die Regierung berechtigt war.

Niemand leugnete, da alle Lndereien und erblichen Besitzungen der
Krone mit dieser auf die neuen Herrscher bergegangen waren. Eben so
wenig leugnete Jemand, da alle Einknfte, welche der Krone auf eine
bestimmte Anzahl Jahre bewilligt worden, verfassunggem bis zum Ablauf
des Termins beansprucht werden durften. Allein das Parlament hatte Jakob
groe Revenen auf Lebenszeit verwilligt und ob diese von Wilhelm und
Marien in Anspruch genommen werden konnten, so lange Jakob noch lebte,
das war eine Frage, ber welche die Ansichten getheilt waren.

Holt, Treby, Pollexfen und berhaupt alle angesehenen Whigjuristen, mit
Ausnahme Somers', meinten, diese Einknfte seien dem vorigen Knige in
seiner politischen Eigenschaft, aber auf seine natrliche Lebenszeit,
bewilligt worden, und sie seien daher, so lange er in einem fremden
Lande zubringe, an Wilhelm und Marien zu bezahlen. Aus einem sehr
gedrngten und unzusammenhngenden Berichte ber die Debatte geht
hervor, da Somers von dieser Ansicht abwich. Er war der Meinung, da,
wenn die Parlamentsacte, welche die in Rede stehenden Abgaben
aufgebrdet, ihrem Geiste nach ausgelegt wrde, das Wort Leben als
gleichbedeutend mit dem Worte Regierung betrachtet werden msse, und da
sonach die Frist, auf welche diese Abgaben der Krone bewilligt worden,
erloschen sei. Dies war unzweifelhaft die richtige Meinung, denn es war
geradezu widersinnig, Jakob's Interesse bei dieser Verwilligung als zu
gleicher Zeit mit seiner Person und auch mit seinem Amte verknpft zu
betrachten, in einem Athem zu sagen, die Kaufleute von London und
Bristol mten Geld hergeben, weil er physisch noch lebe, und seine
Nachfolger mten dieses Geld bekommen, weil er politisch todt sei. Das
Haus theilte entschieden die Ansicht Somers'. Die Mitglieder waren im
Allgemeinen fr die Vornahme einer groen Reform, denn man sah ein, da
ohne eine solche die Rechtserklrung nur eine unvollkommene Garantie fr
die ffentliche Freiheit sein wrde. Whrend des Kampfes, den fnfzehn
aufeinanderfolgende Parlamente gegen vier aufeinanderfolgende Knige
gefhrt, war die Macht des Geldes die Hauptwaffe der Gemeinen gewesen,
und wenn sich die Vertreter des Volks einmal verleiten lieen, diese
Waffe aufzugeben, hatten sie jedesmal sehr bald Ursache gehabt, ihre
allzu leichtglubige Loyalitt zu bereuen. In der Zeit der strmischen
Freude, welche auf die Restauration folgte, war Karl II. fast durch
Acclamation ein groes Einkommen auf Lebenszeit bewilligt worden. Doch
schon nach einigen Monaten gab es kaum einen ehrenwerthen Cavalier im
Lande, der sich nicht gesagt htte, da die Zahlmeister der Nation
weiser gehandelt haben wrden, wenn sie die Mittel zur Abstellung der
Mibruche, welche alle Zweige der Verwaltung schndeten, in ihrer Hand
behalten htten. Jakob II. hatte von seinem unterwrfigen Parlamente
ohne eine opponirende Stimme ein Einkommen erlangt, welches hingereicht
haben wrde, die gewhnlichen Staatsausgaben fr seine ganze Lebenszeit
zu bestreiten, und noch ehe er dieses Einkommen ein halbes Jahr
genossen, machte sich die Mehrzahl Derer, welche so freigebig gegen ihn
gewesen, bittere Vorwrfe wegen ihrer Liberalitt. Wenn man der
Erfahrung, einer langen und schmerzlichen Erfahrung, trauen durfte, so
gab es keine wirksame Sicherheit gegen schlechte Verwaltung, sobald der
Souverain nicht genthigt war, sich fters an seinen Groen Rath um
Gelduntersttzung zu wenden. Fast alle rechtschaffenen und
einsichtsvollen Mnner stimmten daher darin berein, da wenigstens ein
Theil der Zuschsse nur auf kurze Termine verwilligt werden drften. Und
welcher Zeitpunkt war wohl geeigneter zur Einfhrung dieses neuen Modus
als das Jahr 1689, der Anfang einer neuen Regierung, einer neuen
Dynastie, einer neuen ra in der constitutionellen Verwaltung? Die
Meinung ber diesen Gegenstand war so mchtig und allgemein, da die
abweichende Minoritt nachgab. Es wurde zwar kein formeller Beschlu
gefat, aber das Haus verfuhr nach der Annahme, da die Jakob auf
Lebenszeit bewilligten Einknfte durch seine Abdankung aufgehoben
seien.[40]

Es war unmglich, ohne Untersuchung und Berathung eine neue Feststellung
des Einkommens vorzunehmen. Die Schatzkammer wurde daher angewiesen, die
nthigen Vorlagen zu beschaffen, welche das Haus in den Stand setzten,
die ffentlichen Ausgaben und Einnahmen abzuschtzen. Inzwischen wurde
den augenblicklichen Bedrfnissen des Staats mit geziemender Liberalitt
gengt. Eine durch directe monatliche Besteurung zu erhebende
auerordentliche Untersttzung wurde dem Knige gewhrt. Es wurde eine
Verordnung erlassen, welche alle Diejenigen, die seit seiner Landung in
seinem Namen die Jakob zugesprochenen Abgaben erhoben, fr schuldlos
erklrte, und die erloschenen Abgaben wurden noch auf einige Monate
verlngert.

    [Anmerkung 40: +Grey's Debates, Febr. 25, 26, 27. 1688/89.+]


[_Abschaffung der Herdsteuer._] Auf seinem ganzen Marsche von Torbay bis
London war Wilhelm von dem niederen Volke mit Bitten bestrmt worden,
da er es von der unertrglichen Last des Herdgeldes befreien mchte.
Diese Abgabe scheint in der That alle die schlimmsten belstnde in sich
vereinigt zu haben, die man irgend einer Steuer zur Last legen kann. Sie
war unverhltnimig, und zwar in der verderblichsten Weise, denn sie
lastete schwer auf dem Armen, und leicht auf dem Reichen. Ein Landmann,
dessen ganzes Besitzthum keine zwanzig Pfund werth war, mute zehn
Schilling bezahlen, whrend der Herzog von Ormond oder der Herzog von
Newcastle, deren Gter eine halbe Million werth waren, nur vier bis fnf
Pfund bezahlten. Die Einsammler waren ermchtigt, das Innere jedes
Hauses im Lande zu untersuchen, die Familien bei ihrer Mahlzeit zu
stren, die Thren der Schlafzimmer zu erbrechen, und, wenn die
verlangte Summe nicht pnktlich bezahlt wurde, den Tisch, auf dem den
armen Kindern ihr Gerstenbrot zugeschnitten wurde, oder das Kissen unter
dem Haupte der Wchnerin wegzunehmen und zu verkaufen. Eben so wenig
vermochte das Schatzamt den Herdgeldmann wirksam daran zu hindern, da
er seine Vollmacht mit Hrte ausbte, denn die Steuer war verpachtet und
die Regierung war in Folge dessen genthigt, die Gewaltthtigkeiten und
Erpressungen, welche zu allen Zeiten den Namen Zllner sprchwrtlich zu
dem verhatesten von der Welt gemacht haben, stillschweigend hingehen zu
lassen.

Auf Wilhelm hatten die vernommenen Klagen und Beschwerden einen so
erschtternden Eindruck gemacht, da er den Gegenstand bei einer der
ersten Sitzungen des Geheimen Raths zur Sprache brachte. Er forderte das
Haus der Gemeinen durch eine Botschaft auf, zu erwgen, ob zweckmigere
Einrichtungen den Mibruchen, welche so groe Unzufriedenheit erregt
htten, wirksam abhelfen knnten, und setzte hinzu, da er gern in die
gnzliche Abschaffung der Steuer willigen wrde, wenn es sich
herausstellen sollte, da die Mibruche von der Steuer unzertrennlich
seien.[41] Diese Mittheilung ward mit lautem Beifall aufgenommen.
Allerdings gab es einige Finanzmnner der alten Schule, welche
murmelten, da Mitleid mit den Armen wohl etwas Schnes sei, da aber
kein Theil der Staatseinknfte so pnktlich auf den Tag einginge als das
Herdgeld, da die Goldschmiede nicht immer bewogen werden knnten,
auf die Sicherheit des nchsten Quartals der Zlle oder der Accise zu
leihen, da es aber nicht schwer sei, auf eine Herdgeldverschreibung
Vorschsse zu erhalten. Im Hause der Gemeinen wagten die so Denkenden es
nicht, ihre Stimmen gegen die allgemeine Ansicht zu erheben; im Hause
der Lords aber entspann sich ein Kampf, dessen Ausgang eine Zeitlang
zweifelhaft schien. Endlich aber erwirkte der krftig angewendete
Einflu des Hofes eine Acte, kraft welcher die Kaminsteuer als ein
Zeichen von Sklaverei erklrt und unter vielen Dankesversicherungen
gegen den Knig fr alle Seiten abgeschafft wurde.[42]

    [Anmerkung 41: +Commons' Journals+ und +Grey's Debates, March 1.
    1688/89+.]

    [Anmerkung 42: +Stat. 1 W. & M. sess. I. c. 10.+; +Burnet II.
    13.+]


[_Entschdigung der Vereinigten Provinzen._] Die Gemeinen bewilligten
nach kurzer Debatte und ohne Abstimmung sechsmalhunderttausend Pfund zu
dem Zwecke, die Kosten der Expedition, welche England befreit hatte, den
Vereinigten Provinzen zurckzuerstatten. Die Leichtigkeit, mit der diese
bedeutende Summe einem schlauen, thtigen und sparsamen Volke bewilligt
ward, das in politischer Beziehung unser Bundesgenosse, in commercieller
Hinsicht aber unser gefhrlichster Nebenbuhler war, erregte auerhalb
der Kammern einiges Murren und war mehrere Jahre lang ein Lieblingsthema
fr die Sarkasmen der toryistischen Tagesschriftsteller.[43] Die
Freigebigkeit des Hauses war jedoch leicht zu erklren. An dem nmlichen
Tage, an welchem dieser Gegenstand berathen wurde, trafen in Westminster
beunruhigende Nachrichten ein und berzeugten Viele, die zu einer andren
Zeit geneigt gewesen wren, jede von den Hollndern eingeschickte
Rechnung einer strengen Prfung zu unterwerfen, da unser Land die
Dienste fremder Truppen noch nicht entbehren konnte.

    [Anmerkung 43: +Commons' Journals, March 15. 1688/89.+ Noch im
    Jahre 1713 spielte Arbuthnot im fnften Theile des +John Bull+ mit
    viel Witz auf diesen Gegenstand an. Was Euren +Venire Facias+
    betrifft, sagt John zu Nick Frog, so habe ich Euch fr einen
    schon bezahlt.]


[_Meuterei in Ipswich._] Frankreich hatte den Generalstaaten den Krieg
erklrt und die Generalstaaten hatten in Folge dessen vom Knige von
England die Untersttzung verlangt, die er durch den Vertrag von
Nimwegen zu leisten verpflichtet war.[44] Er hatte einige Bataillone
nach Harwich verordert, um sich dort zur berfahrt nach dem Festlande
bereit zu halten. Die alten Soldaten Jakob's waren meist in einer sehr
schlechten Stimmung, und dieser Befehl bte keine besnftigende Wirkung
aus. Am grten war die Unzufriedenheit in dem Regimente, das
gegenwrtig als das erste der Linie bezeichnet wird. Obgleich dieses
Regiment der englischen Armee angehrte, hatte es doch seit der Zeit,
da es zuerst unter dem groen Gustav kmpfte, fast ausschlielich aus
Schotten bestanden, und die Schotten haben nie verfehlt, in jedem Lande,
wohin ihr abenteuerlicher und ehrgeiziger Sinn sie fhrte, die geringste
ihrem Heimathlande bewiesene Geringschtzung zu fhlen und zu ahnden.
Offiziere wie Gemeine murmelten, da der Beschlu einer auslndischen
Versammlung in ihren Augen nichts gelte. Wenn sie berhaupt ihres
Treuschwurs fr Knig Jakob VII. entbunden werden knnten, so msse dies
durch die Stnde von Edinburg, nicht durch die Convention von
Westminster geschehen. Ihr Unmuth wuchs, als sie erfuhren, da Schomberg
zu ihrem Obersten ernannt war. Vielleicht htten sie es sich zur Ehre
schtzen sollen, den Namen des grten Soldaten Europa's zu fhren, aber
bei aller seiner Tapferkeit und militrischen Tchtigkeit war er doch
nicht ihr Landsmann, und whrend der sechsundfunfzig Jahre, welche
verstrichen waren, seitdem sich ihr Regiment in Deutschland seine ersten
Lorbeern verdiente, war es nie von einem Andren als einem Hopburn oder
einem Douglas commandirt worden. In dieser gereizten Stimmung erhielten
sie Befehl, zu den Streitkrften zu stoen, die sich in Harwich
sammelten. Es wurde viel gemurrt, doch kam es zu keinem Ausbruch, bis
das Regiment in Ipswich anlangte. Hier gaben zwei Hauptleute, welche
eifrige Anhnger des verbannten Knigs waren, das Zeichen zur Emprung.
Der Marktplatz fllte sich bald mit hin und her rennenden Pikenmnnern
und Musketiren. Schsse wurden aufs Gerathewohl nach allen Richtungen
hin abgefeuert. Diejenigen Offiziere, welche die Meuterer im Zaume zu
halten versuchten, wurden berwltigt und entwaffnet. Endlich gelang es
den Leitern des Aufstandes, einige Ordnung herzustellen und sie
marschirten nun an der Spitze ihrer Anhnger aus Ipswich ab. Die kleine
Armee bestand aus etwa achthundert Mann. Sie hatten vier Kanonen
mitgenommen und sich der Kriegskasse bemchtigt, die eine bedeutende
Summe Geldes enthielt. Eine halbe Meile von der Stadt wurde Halt
gemacht, eine allgemeine Berathung gepflogen und beschlossen, da die
Meuterer in ihr Heimathsland zurckeilen und mit ihrem rechtmigen
Knige leben und sterben wollten. Demgem brachen sie in Eilmrschen
nach dem Norden auf.[45]

Als die Nachricht in London eintraf, war die Bestrzung gro. Es hie,
da auch bei anderen Regimentern sich beunruhigende Symptome gezeigt
htten und besonders da ein in Harwich liegendes Fsilircorps groe
Lust zu haben scheine, dem in Ipswich gegebenen Beispiele zu folgen.
Wenn diese Schotten, sagte Halifax zu Reresby, nicht auf
Untersttzung rechnen knnen, so sind sie verloren; haben sie aber im
Einverstndni mit Anderen gehandelt, dann ist die Gefahr in der That
sehr ernst.[46] Das Wahre scheint zu sein, da eine Verschwrung
bestand, die in vielen Heerestheilen Verzweigungen hatte, da aber die
Verschwrer durch die Festigkeit der Regierung und des Parlaments im
Schach gehalten wurden. Es ward eben eine Ausschusitzung des Geheimen
Raths gehalten, als die Nachricht von dem Aufstande in London eintraf.
Wilhelm Harbord, der Vertreter des Burgfleckens Launceston, welcher
Mitglied des Ausschusses war, wurde von seinen Collegen ersucht, sich
sogleich in das Haus der Gemeinen zu begeben und dort das Vorgefallene
mitzutheilen. Er ging, erhob sich auf seinem Platze und erzhlte seine
Geschichte. Der Geist der Versammlung trug der Lage der Dinge gebhrende
Rechnung. Howe war der Erste, der krftiges Einschreiten verlangte.
Ersuchet den Knig, sagte er, seine hollndischen Truppen gegen diese
Leute zu entsenden. Ich wte nicht, wem man sonst trauen knnte. --
Die Sache ist kein Spa, sagte der alte Birch, welcher Oberst im
Dienste des Parlaments gewesen war und das mchtigste und berhmteste
Haus der Gemeinen, das es je gegeben, durch dessen eigene Soldaten
zweimal hatte subern und zweimal hatte auseinandersprengen sehen; wenn
Ihr das bel um sich greifen lat, werdet Ihr binnen wenigen Tagen eine
Armee auf dem Halse haben. Ersuchet den Knig, auf der Stelle Reiter und
Fuvolk abzusenden, und zwar seine eigenen Leute, auf die er sich
verlassen kann, damit dieses Volk mit einem Schlage niedergeworfen
wird. Jetzt fingen auch die Mnner der langen Robe Feuer. Das Wissen
meines Berufs ist hier unntz, sagte Treby. Es kommt hier darauf an,
der Gewalt mit Gewalt entgegenzutreten und im Felde das zu behaupten,
was wir im Senate gethan haben. -- Schreibt an die Sheriffs, sprach
Oberst Mildmay, Mitglied fr Essex, und lat die Miliz aufbieten. Es
sind ihrer Hundertfunfzigtausend Mann und lauter gute Englnder; sie
werden Euch nicht im Stiche lassen. Es wurde beschlossen, da alle in
der Armee angestellten Mitglieder des Hauses vom Besuche des Parlaments
dispensirt werden sollten, damit sie sich unverzglich auf ihre
militrischen Posten begeben knnten. Sodann wurde einstimmig eine
Adresse votirt, welche den Knig ersuchte, energische Maregeln zur
Unterdrckung des Aufstandes zu ergreifen und eine Proklamation zu
erlassen, welche die ffentliche Rache auf die Rebellen herabrief.
Ein Mitglied deutete darauf hin, da es vielleicht gut sei, wenn Sr.
Majestt Denen, die sich im Guten unterwrfen, Verzeihung zusichere;
allein das Haus verwarf wohlweislich diesen Vorschlag. Es ist jetzt
nicht der Augenblick, wurde sehr richtig bemerkt, zu einer Nachsicht,
die wie Furcht aussehen wrde. Die Adresse wurde sogleich ins
Haus der Lords gesandt und von diesen genehmigt. Zwei Peers, zwei
Grafschaftsvertreter und zwei Abgeordnete von Burgflecken wurden damit
an den Hof geschickt. Wilhelm empfing sie sehr gndig und sagte ihnen,
da er bereits die nthigen Befehle gegeben habe. In der That waren auch
schon mehrere Regimenter Reiterei und Dragoner unter dem Commando
Ginkell's, eines der tapfersten und geschicktesten Offiziere der
hollndischen Armee, nach dem Norden entsendet worden.[47]

Mittlerweile eilten die Aufstndischen durch die Gegend zwischen
Cambridge und dem Wash. Ihr Weg fhrte ber eine weite, de Moorstrecke,
die mit der ganzen Feuchtigkeit von dreizehn Grafschaften gesttigt war
und auf welcher den grten Theil des Jahres ein grauer Nebel lagerte,
ber den sich der viele Meilen im Umkreise sichtbare prchtige Thurm von
Ely erhob. In dieser traurigen, mit groen Schwrmen wilder Vgel
bedeckten Gegend fhrte damals ein halbwildes Volk, bekannt unter dem
Namen der Breedlings, ein amphibienartiges Leben, von einem Eiland
festen Grund und Bodens zum andren theils watend theils rudernd.[48] Die
Strae gehrte zu den schlechtesten der ganzen Insel und als sich das
Gercht von der Annherung der Rebellen verbreitete, wurden sie von dem
Landvolke absichtlich noch mehr verschlechtert. Brcken wurden
abgebrochen und Baumstmme quer ber die Straen gelegt, um das
Fortschaffen der Kanonen zu erschweren. Dessenungeachtet drangen die
schottischen Veteranen nicht nur mit groer Eil vor, sondern es gelang
ihnen auch, ihre Artillerie mit fort zu bringen. So erreichten sie die
Grafschaft Lincoln, und als sie nicht mehr weit voll Sleafort entfernt
waren, erfuhren sie, da Ginkell mit einer unberwindlichen Truppenmacht
ihnen hart auf den Fersen sei. Von Sieg konnte so wenig die Rede sein
wie von Entkommen. Die tapfersten Krieger konnten gegen eine vierfache
bermacht nichts ausrichten, das vortrefflichste Fuvolk konnte einer
Reiterschaar nicht entrinnen. Da indessen die Anfhrer wohl wuten, da
sie keinen Pardon zu erwarten hatten, drangen sie in ihre Mannschaften,
das Glck einer Schlacht zu versuchen. Eine fast von allen Seiten von
Smpfen und Teichen eingeschlossene Stelle war in dieser Gegend leicht
gefunden. Hier wurden die Insurgenten aufgestellt und die Kanonen
an der einzigen Seite aufgefahren, die man durch natrliche
Vertheidigungsmittel nicht hinreichend gedeckt glaubte. Ginkell befahl
den Angriff an einer Stelle zu unternehmen, die sich auer dem Bereiche
der Geschtze befand, und seine Dragoner sprangen muthig ins Wasser,
obwohl es so tief war, da ihre Pferde schwimmen muten. Jetzt sank den
Rebellen der Muth. Sie versuchten zu parlamentiren, ergaben sich aber
schlielich auf Gnade und Ungnade und wurden unter starker Bedeckung
nach London gebracht. Ihr Leben war verwirkt, denn sie hatten sich nicht
blos der Meuterei, welche damals kein legales Verbrechen war, sondern
des bewaffneten Widerstandes gegen den Knig schuldig gemacht. Wilhelm
unterlie jedoch mit weiser Nachsicht, das Blut selbst der Strafbarsten
zu vergieen. Einige von den Hauptrdelsfhrern wurden vor die nchsten
Assisen von Bury gestellt und des Hochverraths berwiesen; aber ihr
Leben ward geschont. Die brigen erhielten einfach den Befehl, zu ihrer
Pflicht zurckzukehren. Das vor Kurzem so ausstzige Regiment ging
gehorsam nach dem Continent und zeichnete sich dort in vielen
beschwerlichen Feldzgen durch Treue, Disciplin und Tapferkeit aus.[49]

    [Anmerkung 44: Wagenaar LXI.]

    [Anmerkung 45: +Commons' Journals, March 15. 1688/89.+]

    [Anmerkung 46: +Reresby's Memoirs.+]

    [Anmerkung 47: +Commons' Journals+ und +Grey's Debates, March 15.
    1688/89, London Gazette, March 18+.]

    [Anmerkung 48: ber den Zustand dieser Gegend zu Ende des 17. und
    zu Anfang des 18. Jahrhunderts siehe +Pepys' Diary+ vom 18. Sept.
    1663 und +Tour through the whole Island of Great Britain+, 1724.]

    [Anmerkung 49: +London Gazette, March 25. 1689+; Van Citters an
    die Generalstaaten vom 22. Mrz (1.April); Briefe von Nottingham
    im Staatsarchive vom 23. Juli und 9. Aug. 1689; +Historical Record
    of the First Regiment of Foot+, auf Befehl der Regierung gedruckt.
    Siehe auch eine interessante Abschweifung in der +Compleat History
    of the Life and Military Actions of Richard, Earl of Tyrconnel+,
    1689.]


[_Die erste Meutereibill._] Dieser Vorfall erleichterte eine wichtige
Vernderung in unsrer Politik, eine Vernderung, welche zwar ber kurz
oder lang htte vorgenommen werden mssen, die aber doch so leicht nicht
htte durchgefhrt werden knnen, auer in einem Augenblicke der
hchsten Gefahr. Die Zeit war endlich gekommen, wo es nthig wurde,
einen gesetzlichen Unterschied zwischen dem Soldaten und dem Brger zu
machen. Unter den Plantagenets und den Tudors hatte es kein stehendes
Heer gegeben, und das stehende Heer, das England unter den letzten
Knigen des Hauses Stuart besessen, war von allen Parteien im Staate mit
einem starken und nicht unbegrndeten Widerwillen betrachtet worden.
Das gemeine Recht gewhrte dem Souverain nicht die Mittel, seine Truppen
gebhrend im Zaume zu halten, denn das Parlament, das sie als bloe
Werkzeuge der Tyrannei betrachtete, hatte keine Lust gehabt, diese
Mittel durch Gesetze zu bewilligen. Jakob hatte zwar seine bestochenen
und servilen Richter dahin gebracht, da sie einigen veralteten Gesetzen
eine Auslegung gaben, die ihn in den Stand setzte, die Desertion mit
einer Kapitalstrafe zu belegen. Allein diese Auslegung wurde von alten
angesehenen Juristen als irrig betrachtet, und wre sie auch richtig
gewesen, so wrde sie doch bei weitem nicht alles das geboten haben, was
zur Aufrechthaltung der militrischen Disciplin nthig war. Selbst Jakob
wagte es nicht, auf das Erkenntni eines Kriegsgerichts hin die
Todesstrafe zu verhngen. Der Deserteur wurde wie ein gewhnlicher
Verbrecher behandelt, vor die Assisen gestellt, auf die von einer groen
Jury herausgefundenen Klagegrnde hin von einer kleinen Jury
abgeurtheilt, und es stand ihm frei, jeden in der Anklageacte zu
entdeckenden Formfehler zu seinem Gunsten zu benutzen.

Indem die Revolution die Stellung des Frsten und des Parlaments zu
einander vernderte, hatte sie auch die gegenseitige Stellung der Armee
und der Nation verndert. Der Knig und die Gemeinen waren jetzt einig
und beide wurden durch die grte Militrmacht bedroht, die es seit dem
Untergange des rmischen Reichs in Europa gegeben hatte. Binnen wenigen
Wochen konnten dreiigtausend sieggewohnte, von geschickten und
erfahrenen Feldherren angefhrte Veteranen aus den Hfen der Normandie
und der Bretagne an unsere Ksten bersetzen. Da eine solche
Truppenmacht eine dreifache Anzahl von Milizen ohne groe Schwierigkeit
auseinandersprengen wrde, konnte Niemand bezweifeln, der vom Kriege
etwas verstand. Man mute also regulre Soldaten haben, und wenn man
solche haben mute, so war es im Interesse ihres eigenen wirksamen
Bestehens, wie zur Sicherheit jeder andren Klasse durchaus nothwendig,
da sie unter einer strengen Disciplin gehalten wurden. Eine schlecht
disciplinirte Armee ist zu allen Zeiten nichts weiter als eine
kostspieligere und zgellosere Miliz gewesen, ohnmchtig gegen einen
auswrtigen Feind und nur dem Lande selbst gefhrlich, zu dessen
Vertheidigung sie unterhalten wird. Es mu demnach eine strenge
Grenzlinie zwischen den Soldaten und der brigen Gesellschaft gezogen
werden. Im Interesse der ffentlichen Freiheit mssen sie, inmitten der
Freiheit, unter eine despotische Zucht gestellt werden. Sie mssen einem
schrferen Strafcodex und einer nachdrcklicheren Prozeordnung
unterworfen sein, als nach denen die ordentlichen Gerichtshfe
verfahren. Gewisse Handlungen, welche bei dem Brger unschuldig sind,
mssen bei dem Soldaten Verbrechen sein. Gewisse Handlungen, welche bei
dem Brger mit Geldbue oder Gefngni geahndet werden, mssen bei dem
Soldaten mit dem Tode bestraft werden. Die Maschinerie, vermittelst
welcher die Gerichtshfe die Schuld oder Unschuld eines angeklagten
Brgers feststellen, ist zu langsam und zu verwickelt, um auf einen
angeklagten Soldaten Anwendung finden zu knnen, denn die militrische
Insubordination ist von allen vorkommenden Krankheiten des Staatskrpers
diejenige, welche die promptesten und eingreifendsten Gegenmittel
erheischt. Wird das bel nicht gleich im Keime erstickt, so breitet es
sich aus, und weit kann es sich nicht ausbreiten ohne Gefahr fr die
eigentlichen Lebensnerven der Gesellschaft. Im Interesse des Gemeinwohls
mu daher in Feldlagern eine summarische Gerichtsbarkeit von furchtbarer
Ausdehnung strengen Tribunalen, aus Mnnern des Schwerts bestehend,
bertragen werden.

Obgleich es aber gewi war, da das Land zu jenem Zeitpunkte ohne
berufsmige Soldaten nicht sicher sein konnte, und eben so gewi, da
berufsmige Soldaten schlimmer als nutzlos sein muten, wenn sie nicht
unter ein willkrlicheres und strengeres Regiment gestellt wurden als
andere Leute, so konnte doch ein Haus der Gemeinen es nicht ohne groe
Besorgni wagen, die Existenz eines stehenden Heeres anzuerkennen und
die Mittel zur Unterhaltung desselben zu bewilligen. Es gab kaum einen
bedeutenden Staatsmann, der nicht oft die berzeugung ausgesprochen
htte, da unsre Verfassung und ein stehendes Heer nicht nebeneinander
bestehen knnten. Die Whigs hatten es bei jeder Gelegenheit wiederholt,
da stehende Heere die freien Institutionen der Nachbarvlker vernichtet
htten. Eben so oft hatten die Tories es wiederholt, da auf unsrer
Insel ein stehendes Heer die Kirche umgestrzt, die Gentry tyrannisirt
und den Knig gemordet habe. Kein Fhrer der einen wie der andren Partei
konnte darauf antragen, da ein solches Heer fortan eine bleibende
Staatseinrichtung sein sollte, ohne sich der Beschuldigung grober
Inconsequenz auszusetzen. Die Meuterei von Ipswich und der panische
Schrecken, den dieselbe hervorgerufen, erleichterten die Durchfhrung
eines Schrittes, der auerdem hchst schwierig gewesen sein wrde. Es
ward eine kurze Bill eingebracht, welche mit der bndigen Erklrung
begann, da das englische Recht von stehenden Heeren und Kriegsgerichten
nichts wisse. Hierauf wurde verordnet, da in Anbetracht der groen
Gefahren, welche in diesem Augenblicke dem Staate drohten, kein Mann,
der im besoldeten Dienst der Krone stehe, bei Todesstrafe oder
derjenigen milderen Strafe, die ein Kriegsgericht fr gengend halten
wrde, seine Fahnen verlassen oder sich gegen seine vorgesetzten
Offiziere auflehnen drfe. Dieses Gesetz sollte nur sechs Monate in
Kraft bleiben, und viele von Denen, welche dafr stimmten, glaubten
wahrscheinlich, da es nach Ablauf dieser Frist als erloschen betrachtet
werden wrde. Die Bill ging rasch und leicht durch. Im Hause der
Gemeinen wurde nicht eine einzige Abstimmung darber vorgenommen. Eine
mildernde Clausel, welche ein eigenthmliches Licht auf die damaligen
Sitten wirft, wurde nach der dritten Lesung als Zusatz angefgt. Diese
Clausel bestimmte, da ein Kriegsgericht zu keiner andren Zeit als in
den Stunden zwischen sechs Uhr Morgens und ein Uhr Nachmittags ein
Todesurtheil fllen sollte. Man speiste damals zeitiger als jetzt, und
es war nur zu wahrscheinlich, da ein Gentleman unmittelbar nach Tisch
in einem Zustande sein werde, in welchem ihm das Leben seiner
Mitmenschen nicht fglich anvertraut werden konnte. Mit diesem
Amendement wurde die erste und conciseste von unseren zahlreichen
Meutereibills den Lords zugeschickt, durchlief dort binnen wenigen
Stunden alle parlamentarischen Stadien und ward vom Knige
genehmigt.[50]

So geschah ohne eine einzige abweichende Stimme im Parlamente, und ohne
das leiseste Murren unter dem Volke, der erste Schritt zu einer
Vernderung, welche zum Wohle des Staates nothwendig geworden war, die
aber zur Zeit jede Partei im Staate mit der grten Besorgni und dem
entschiedensten Widerwillen betrachtete. Die sechs Monate vergingen und
die ffentliche Gefahr war noch immer dieselbe. Die zur Aufrechthaltung
der militrischen Disciplin nthige Gewalt wurde der Krone nochmals auf
kurze Zeit zugestanden. Die Vollmacht erlosch wieder, und wieder wurde
sie erneuert. So vershnte die Gewohnheit ganz allmlig die ffentliche
Meinung mit den einst so verhaten Namen: stehendes Heer und
Kriegsgericht. Die Erfahrung bewies, da in einem wohleingerichteten
Staate berufsmige Soldaten einem auswrtigen Feinde Respect einflen
und doch der brgerlichen Gewalt gehorsam sein knnten. Was zuerst als
Ausnahme geduldet worden, begann nun als Regel betrachtet zu werden.
Keine Session verging mehr ohne eine Meutereibill. Als es endlich klar
wurde, da eine politische Umgestaltung von hchster Wichtigkeit in
einer Weise stattfand, da man es kaum bemerkte, da erhoben einige
Aufwiegler, welche die Hand der Regierung schwchen wollten, und auch
einige ehrenwerthe Mnner, die eine aufrichtige, obwohl unverstndige
Achtung vor jeder alten constitutionellen Tradition hegten und nicht
begreifen konnten, da eine Einrichtung, die auf der einen Stufe des
gesellschaftlichen Fortschritts schdlich ist, auf einer andren Stufe
unerllich sein kann, ein lautes Geschrei. Dieses Geschrei wurde jedoch
mit den Jahren immer schwcher und schwcher. Die mit jedem Frhjahr
wiederkehrende Debatte ber die Meutereibill wurde bald nur noch als
eine Gelegenheit betrachtet, bei welcher hoffnungsvolle junge Redner,
die eben aus dem Christchurch-Collegium kamen, debutiren und erzhlen
konnten, wie die Garden des Pisistratus sich der Citadelle von Athen
bemchtigten und wie die prtorianischen Cohorten das Rmische Reich an
Didius verkauften. Endlich wurden diese Declamationen zu lcherlich,
um immer aufs neue wiederholt zu werden. Der altfrnkischste,
berspannteste Politiker konnte unter der Regierung Georg's III.
schwerlich noch behaupten, da man keine regulren Truppen brauche, oder
da das gewhnliche Recht, von den ordentlichen Gerichtshfen
gehandhabt, unter solchen Truppen die Disciplin mit Erfolg aufrecht
erhalten knne. Da alle Parteien ber das allgemeine Prinzip einig
waren, so ging eine lange Reihe von Meutereibills ohne Discussion durch,
ausgenommen wenn ein einzelner Artikel des Militrstrafgesetzbuches
einer Abnderung bedurfte. Dem Umstande, da die Armee so allmlig und
fast unmerklich eine der Institutionen England's geworden, ist es
vielleicht zuzuschreiben, da sie in so vollkommenem Einklange mit allen
anderen Institutionen gehandelt hat, in hundertsechzig Jahren nicht ein
einziges Mal dem Throne untreu oder dem Gesetze ungehorsam geworden ist,
nicht ein einziges Mal sich gegen die Gerichtshfe aufgelehnt oder die
Wahlkrper durch Drohungen eingeschchtert hat. Bis auf den heutigen Tag
jedoch fahren die Stnde des Reichs mit lobenswerthem Mitrauen fort,
der in den Tagen der Revolution gezogenen Grenze von Zeit zu Zeit einen
Markstein beizufgen. Jedes Jahr wiederholen sie feierlich den in der
Rechtserklrung ausgesprochenen Grundsatz und bewilligen dann dem
Souveraine die auerordentliche Befugni, eine gewisse Anzahl Soldaten
auf die Dauer weiterer zwlf Monate nach bestimmten Regeln zu
unterhalten.

    [Anmerkung 50: +Stat. 1. W. & M. sess. I. c. 5.+; +Commons'
    Journals+; +March 28. 1689.+]


[_Suspension der Habeas-Corpus-Acte._] In der nmlichen Woche, in
welcher die erste Meutereibill auf den Tisch der Gemeinen niedergelegt
wurde, ging ein andres durch den noch unbefestigten Zustand des
Knigreichs nthig gewordenes temporres Gesetz durch. Seit Jakob's
Flucht waren viele Personen, welche muthmalich an seinen ungesetzlichen
Handlungen starken Antheil gehabt oder in Complots zu seiner
Restauration verwickelt gewesen, verhaftet und eingekerkert worden.
Whrend der Vacanz des Thrones konnten diese Leute aus der
Habeas-Corpus-Acte keinen Nutzen ziehen, denn die Maschinerie, durch
welche allein diese Acte in Ausfhrung gebracht werden konnte, existirte
nicht mehr, und whrend des ganzen Hilariustermins waren alle
Gerichtshfe in Westminster-Hall geschlossen geblieben. Jetzt, wo die
ordentlichen Gerichte ihre Thtigkeit wieder beginnen sollten, frchtete
man, da alle diejenigen Gefangenen, deren Prozesse nicht sogleich
erledigt werden konnten, ihre Freiheit verlangen und erhalten wrden.
Es wurde deshalb eine Bill eingebracht, welche den Knig ermchtigte,
solche Leute, bei denen er schlimme Absichten gegen seine Regierung
vermuthete, einige Wochen lang in Haft zu halten. Diese Bill ward in
beiden Husern mit wenig oder keiner Opposition angenommen.[51] Allein
die Mivergngten auerhalb der Kammern unterlieen nicht zu bemerken,
da die Habeas-Corpus-Acte unter der vorigen Regierung nicht einen Tag
suspendirt worden sei. Es sei Mode, Jakob einen Tyrannen und Wilhelm
einen Befreier zu nennen. Dennoch habe der Befreier, noch ehe er einen
Monat auf dem Throne gesessen, die Englnder eines kostbaren Rechtes
beraubt, das der Tyrann respectirt habe.[52] Es ist dies ein Vorwurf,
der jede aus einer Volksrevolution hervorgegangene Regierung fast
unvermeidlich trifft. Die Menschen halten sich natrlich fr berechtigt,
von einer solchen Regierung eine mildere und freisinnigere Verwaltung zu
verlangen, als man sie von einer alten und tief eingewurzelten Macht
erwartet. Gleichwohl kann eine solche Regierung, da sie stets viele
thtige Feinde, aber nicht die aus der Rechtmigkeit und Verjhrung
hervorgehende Strke hat, sich anfangs nur durch eine Wachsamkeit und
Strenge halten, deren eine alte und tief eingewurzelte Macht nicht
bedarf. Auerordentliche und unregelmige Vertheidigungen der
ffentlichen Freiheit sind zuweilen nothwendig; aber, obgleich
nothwendig, ziehen sie doch fast immer einige zeitweilige Verkrzungen
eben dieser Freiheit nach sich, und jede solche Verkrzung ist ein
fruchtbares und plausibles Thema fr Spott und Schmhung.

    [Anmerkung 51: +Stat. 1 W. & M. sess. I. c. 2.+]

    [Anmerkung 52: Ronquillo vom 8.(18.) Mrz 1689.]


[_Unpopularitt Wilhelm's._] Leider war es nur zu wahrscheinlich, da
die gegen Wilhelm gerichteten Sarkasmen und Schmhungen ein geneigtes
Ohr finden wrden. Jede der beiden groen Parteien hatte ihre Grnde,
unzufrieden mit ihm zu sein, und in einigen Beschwerden stimmten beide
Parteien mit einander berein. Sein Benehmen gab fast allgemeinen
Ansto. In der That eignete er sich viel besser dazu, eine Nation zu
retten, als einen Hof zu zieren. In den hchsten staatsmnnischen
Talenten kam ihm unter seinen Zeitgenossen Keiner gleich. Er hatte Plne
entworfen, die an Groartigkeit und Khnheit denen eines Richelieu nicht
nachstanden, und er hatte sie mit einem Takt und einer Besonnenheit
durchgefhrt, die eines Mazarin wrdig waren. Zwei Lnder, die Sitze der
brgerlichen Freiheit und des reformirten Glaubens, waren durch seine
Weisheit und durch seinen Muth vor den schlimmsten Gefahren behtet
worden. Holland hatte er von fremden, England von einheimischen Feinden
befreit. Anscheinend unbersteigliche Hindernisse hatten sich zwischen
ihm und seinen Plnen aufgethrmt, und sein Genie hatte diese
Hindernisse in Schrittsteine verwandelt. Seine Geschicklichkeit hatte es
dahin zu bringen gewut, da die Erbfeinde seines Hauses ihm halfen
einen Thron besteigen und da die Verfolger seines Glaubens ihm
behlflich waren, seinen Glauben gegen Verfolgung zu schtzen. Flotten
und Heere, welche aufgeboten worden waren ihm Widerstand zu leisten,
hatten sich ohne einen Kampf seinen Befehlen unterworfen. Politische und
kirchliche Parteien, durch tdtlichen Ha getrennt, hatten ihn als ihr
gemeinsames Oberhaupt anerkannt. Ohne Blutvergieen, ohne Verheerungen
hatte er einen Sieg errungen, im Vergleich mit dem alle Siege Gustav's
und Turenne's unbedeutend waren. Binnen wenigen Wochen hatte er die
gegenseitige Stellung smmtlicher Staaten Europa's verndert und das
Gleichgewicht wiederhergestellt, welches durch das bergewicht einer
Macht gestrt worden war. Fremde Vlker lieen seinen eminenten
Eigenschaften volle Gerechtigkeit widerfahren. In jedem festlndischen
Staate, wo es protestantische Gemeinden gab, sandte man heie Dankgebete
zu Gott, der aus dem Stamme seiner Diener, Moritz' des Befreiers von
Deutschland, und Wilhelm's des Befreiers von Holland, einen dritten
Befreier, den weisesten und mchtigsten von allen, hatte hervorgehen
lassen. In Wien, in Madrid, ja selbst in Rom ward der tapfere und
scharfsinnige Ketzer als das Haupt des groen Bundes gegen das Haus
Bourbon geehrt, und sogar in Versailles war der Ha, den man gegen ihn
empfand, stark mit Bewunderung gemischt.

Bei uns wurde er minder gnstig beurtheilt. In der That, unsere
Vorfahren betrachteten ihn in dem allerschlechtesten Lichte. Die
Franzosen, die Deutschen und die Italiener sahen ihn aus einer solchen
Entfernung, da sie nur das Groe erkannten und da seine kleinen Fehler
ihnen entgingen. Den Hollndern stand er nahe, denn er war selbst
ein Hollnder. In seinem Verkehr mit ihnen wurde er von der
vortheilhaftesten Seite betrachtet; bei ihnen fhlte er sich vollkommen
heimisch, und unter ihnen hatte er sich seine ersten und theuersten
Freunde gewhlt. Den Englndern aber erschien er unter einem hchst
ungnstigen Gesichtspunkte. Er stand ihnen zu gleicher Zeit zu nahe und
zu fern. Er lebte mitten unter ihnen, so da die geringsten Eigenheiten
seines Charakters und seiner Sitten ihnen nicht entgehen konnten;
dennoch aber lebte er abgesondert von ihnen und war in ihren Augen in
Sprache, Neigungen und Gewohnheiten entschieden ein Fremdling.

Es war seit langer Zeit eine der Hauptfunctionen unserer Regenten, an
der Spitze der Londoner Gesellschaft zu stehen. Diese Function hatte
Karl II. mit ungeheurem Glck ausgebt. Seine Leutseligkeit, seine
hbschen Anekdoten, die Art und Weise, wie er tanzte und Ball spielte,
der Ton seines herzlichen Lachens, waren jedem Londoner bekannt. Einmal
sah man ihn unter den Ulmen von St. James Park mit Dryden ber Poesie
plaudern;[53] ein andermal lag sein rechter Arm auf Durfey's Schulter
und der linke ruhte auf einem andren, whrend sein Begleiter +Phillida,
Phillida+ oder +To horse, brave boys, to Newmarket, to horse+
sang.[54] Auch Jakob war, obwohl viel weniger lebhaft und leutselig,
doch ebenfalls zugnglich und gegen Leute, die ihm nicht in den Weg
traten, sogar artig. Diese Geselligkeit aber ging Wilhelm gnzlich ab.
Er verlie nur selten sein Arbeitskabinet, und wenn er einmal in den
Empfangszimmern erschien, so stand er ernst und sinnend unter dem
Schwarme der Cavaliere und Hofdamen, ohne da ein Scherz, oder nur ein
Lcheln seinen Lippen entschlpfte. Sein unfreundliches Aussehen, sein
Stillschweigen und die kurzen, trocknen Antworten, die er gab, wenn er
nicht lnger schweigen konnte, entfremdeten ihm Adel und Gentry, welche
gewohnt waren, von ihren kniglichen Gebietern auf die Schulter
geklopft, Jack oder Harry gerufen, wegen gewonnener Wetten
beglckwnscht und mit bekannten Schauspielerinnen aufgezogen zu werden.
Die Frauen vermiten die ihrem Geschlecht gebhrenden Huldigungen. Sie
bemerkten, da der Knig selbst mit der Frau, der er so viel verdankte
und die er aufrichtig liebte und achtete, in einem etwas gebieterischen
Tone sprach.[55] Es amsirte und verdro sie zugleich, wie er, als die
Prinzessin Anna einmal bei ihm speiste und die ersten grnen Erbsen auf
die Tafel kamen, den ganzen Inhalt der Schssel verzehrte, ohne Ihrer
Kniglichen Hoheit einen Lffelvoll davon anzubieten, und sie erklrten,
dieser groe Feldherr und Staatsmann sei nicht viel besser als ein
niederlndischer Br.[56]

Ein Mangel, der ihm als ein Verbrechen angerechnet wurde, war sein
schlechtes Englisch. Er sprach unsre Sprache, aber nicht gut. Sein
Accent war auslndisch, seine Aussprache entbehrte der Eleganz und sein
Vokabularium schien nicht umfnglicher zu sein, als es zur Erledigung
von Geschften nthig war. Dem Umstande, da es ihm schwer wurde sich
auszudrcken und da er sich seiner schlechten Aussprache bewut war,
mssen seine Schweigsamkeit und seine kurzen Antworten, die so groes
rgerni gaben, theilweis zugeschrieben werden. Unsre Literatur zu
goutiren oder zu verstehen war er unfhig. Nicht ein einziges Mal
whrend seiner ganzen Regierung erschien er im Theater.[57] Die Dichter,
welche pindarische Verse zu seinem Lobe schrieben, beklagten sich, da
ihre sublimen Poesien ber seinen Horizont gingen,[58] Wer indessen die
panegyrischen Oden jener Zeit kennt, wird vielleicht der Meinung sein,
da er durch seine Unbekanntschaft damit nicht viel verlor.

    [Anmerkung 53: Man vergleiche was Spence darber in seinen
    +Anecdotes of the Origin of Dryden's Medals+ sagt.]

    [Anmerkung 54: +Guardian, No. 67+.]

    [Anmerkung 55: Man hat zahlreiche Beweise, da Wilhelm zwar ein
    sehr liebevoller aber nicht immer galanter Gemahl war. Doch keinen
    Glauben verdient die Anekdote, welche in dem Briefe erzhlt wird,
    den Dalrymple 1773 thrichterweise als von Nottingham herrhrend
    verffentlichte, in der Ausgabe von 1790 aber wohlweislich
    weglie. Wie Jemand, der die geringste Kenntni von der Geschichte
    der damaligen Zeit hatte, sich so grblich irren konnte, ist
    schwer zu begreifen, besonders da die Handschrift durchaus keine
    hnlichkeit mit der Nottingham's hat, welche Dalrymple genau
    kannte. Der Brief ist offenbar ein gewhnlicher Neuigkeitsbrief,
    von einem Scribenten verfat, der den Knig und die Knigin
    nur bei einer ffentlichen Gelegenheit gesehen und dessen
    Anekdoten sich auf keine bessere Autoritt grnden als auf
    Kaffeehausgeschwtz.]

    [Anmerkung 56: Ronquillo; Burnet, II, 2.; +The Duchess of
    Marlborough's Vindication+. In einem Hirtendialog zwischen
    Philander und Palmon, der 1691 erschien, wird das Mifallen
    erwhnt, mit welchem die vornehmen Damen Wilhelm betrachteten.
    Philander sagt:

      Der Mann sollt' haben doch etwas mehr Verstand
      Sonst fllt er noch ein zweites Mal durch schwache Frauenhand.]

    [Anmerkung 57: Tutchin's +Observator+ vom 16. November 1706.]

    [Anmerkung 58: Prior, dem Wilhelm viel Gutes erwies und der sich
    sehr dankbar dafr zeigte, sagt uns, da der Knig poetische
    Lobreden nicht verstand. Die Stelle findet sich in einer hchst
    interessanten Handschrift, welche Lord Lansdowne besitzt.]


[_Popularitt Mariens._] Seine Gemahlin that allerdings ihr Mglichstes,
um das Fehlende zu ergnzen, und sie war in der That vortrefflich
geeignet, an der Spitze eines Hofes zu stehen. Sie war nicht nur von
Geburt, sondern auch in ihren Neigungen und Gesinnungen eine
Englnderin. Sie besa ein hbsches Gesicht, eine majesttische Haltung,
ein sanftes, heiteres Gemth und leutselige, gewinnende Manieren. Ihr
Geist war, obwohl sehr unvollkommen ausgebildet, ungemein lebhaft; ihrer
Unterhaltung fehlte es nicht an weiblichem Witz und Muthwillen und ihre
Briefe waren so gut abgefat, da sie wohl verdient htten,
orthographisch richtig geschrieben zu sein. Sie fand viel Geschmack an
den leichteren Zweigen der Literatur und trug nicht wenig dazu bei,
unter den vornehmen Damen Bcher in Aufnahme zu bringen. Die makellose
Reinheit ihres Privatlebens und die strenge Gewissenhaftigkeit, mit der
sie ihre religisen Pflichten erfllte, waren um so achtungswerther, als
sie durchaus frei war von Tadelsucht und den bsen Leumund eben so wenig
untersttzte wie das Laster. In dem Mifallen an blen Nachreden stimmte
sie zwar mit ihrem Gemahl vollkommen berein; aber Beide uerten ihr
Mifallen auf verschiedene und sehr charakteristische Weise. Wilhelm
beobachtete das tiefste Stillschweigen, warf aber dem Verleumder einen
Blick zu, da ihm, wie Jemand sagte, der einem solchen Blick einmal
begegnet war, sich aber wohl htete, ihm zum zweiten Male zu begegnen,
die Geschichte im Halse stecken blieb.[59] Marie suchte dem Geschwtz
ber Entfhrungen, Zweikmpfe und Spielschulden dadurch ein Ende zu
machen, da sie die Schwtzer sehr ruhig aber doch nachdrcklich fragte,
ob sie ihre Lieblingspredigt, die des Doctors Tillotson ber den bsen
Leumund, gelesen htten. Ihre Wohlthaten spendete sie mit freigebiger
Hand und richtigem Takt, und obgleich sie nie damit prahlte, wute man
doch, da sie ihre eigenen Bedrfnisse einschrnkte, um Protestanten zu
untersttzen, welche die Verfolgung aus Frankreich und Irland vertrieben
hatte und die in den Mansarden London's darbten. Ihr Benehmen war so
liebenswrdig, da die Ehrenwertheren unter Denen, welche die Art und
Weise ihrer Erhebung auf den Thron mibilligten, und selbst unter Denen,
die sie als Knigin gar nicht anerkennen wollten, allgemein mit Achtung
und Liebe von ihr sprachen. In den jakobitischen Libellen der damaligen
Zeit, die an Gift und Galle Alles was die neuere Zeit derartiges
hervorgebracht, weit hinter sich zurcklassen, wird ihrer nicht oft mit
Strenge gedacht. Sie uerte sogar selbst zuweilen ihre Verwunderung
darber, da Pasquillanten, die sonst nichts achteten, doch ihren Namen
respectirten. Gott, sagte sie, kenne ihre schwachen Seiten. Sie sei zu
empfindlich gegen Schmhungen und Verleumdungen, er habe ihr gndig eine
Prfung erspart, die ber ihre Krfte gehe, und der beste Dank, den sie
ihm dafr bezeigen knne, bestehe darin, da sie keine boshaften
Ausflle ber den Charakter Anderer dulde. berzeugt, da sie das volle
Vertrauen und die ganze Zuneigung ihres Gemahls besa, brach sie seinen
scharfen Reden bald durch sanfte, bald durch scherzhafte Antworten die
Spitze ab und verwendete die ganze Macht ihrer vielen liebenswrdigen
Eigenschaften dazu, ihm die Herzen des Volks zu gewinnen.[60]

    [Anmerkung 59: +Mmoires originaux sur le rgne et la cour de
    FrdricI., Roi de Prusse, crits par Christophe, Comte de Dohna.
    Berlin 1833.+ Es ist auffllig, da dieses interessante Werk in
    England fast unbekannt ist. Das einzige Exemplar, das mir zu
    Gesicht gekommen, erhielt ich durch die Geflligkeit des Sir
    Robert Adair. +Le Roi,+ sagt Dohna, +avoit une autre qualit
    trs estimable, qui est celle de n'aimer point qu'on rendit de
    mauvais offices  personne par des railleries.+ Der Marquis de la
    Fort versuchte es einst, Se. Majestt auf Kosten eines englischen
    Cavaliers zu unterhalten. +Ce prince,+ schreibt Dohna, +prit
    son air svre, et, le regardant sans mot dire lui fit rentrer les
    paroles dans le ventre. Le Marquis m'en fit ses plaintes quelques
    heures aprs. J'ai mal pris ma bisque', dit-il; j'ai cru faire
    l'agrable sur le chapitre de Milord...., mais j'ai trouv 
    qui parler, et j'ai attrap un regard du roi qui m'a fait passer
    l'envie de rire.+ Dohna glaubte Wilhelm werde es mit dem Rufe
    eines Franzosen weniger genau nehmen, und versuchte ebenfalls das
    Experiment. Aber, sagt er, +j'eus  peu prs le mme sort que M.
    de la Fort.+]

    [Anmerkung 60: Vergleiche den Bericht des Whigs Burnet ber Marien
    mit dem was der Tory Evelyn in seinem Tagebuche unterm 8. Mrz
    1694/95, und mit dem, was der Eidverweigerer ber sie sagt, der
    1695 den Brief an Erzbischof Tennison in Bezug auf ihren Tod
    schrieb. Der Eindruck, den Wilhelm's Schroffheit und Zurckhaltung
    und Mariens Anmuth und Liebenswrdigkeit auf das Volk machten,
    spricht sich in den berresten der Straenpoesie jener Zeit aus.
    Folgendes eheliche Gesprch kann man noch auf dem Originalblatte
    lesen:

      Dann sprach Marie, unsre gnd'ge Knigin:
      Mein hoher Knig und Gemahl, wo wollt Ihr hin?
      Drauf sagt er rasch: Den nenn' ich keinen Mann,
      Der sein Geheimni einem Weib vertrauet an.
      Die Kn'gin hierauf spricht bescheiden:
      Der gt'ge Himmel woll' Euch denn geleiten,
      Euch schtzen vor Gefahr, mein frstlicher Gemahl,
      Das wird mein bester Trost sein allzumal.

    Diese Strophen befinden sich in einer werthvollen Sammlung, welche
    Mr. Richard Holer anlegte und die jetzt Eigenthum des Mr. Broderip
    ist, der so gefllig war, sie mir zu leihen. In einem der
    zgellosesten jakobitischen Pasquille vom Jahre 1689 wird Wilhelm,
    seiner Gemahlin gegenber, als ein Bauerlmmel bezeichnet, ber
    den sie sich nur lustig mache.]


[_Das Hoflager wird von Whitehall nach Hampton Court verlegt._] Htte
sie noch lange die beste Gesellschaft London's um sich versammelt, so
wrde ihre Freundlichkeit und Leutseligkeit wahrscheinlich noch viel
dazu beigetragen haben, den ungnstigen Eindruck, den sein finstres und
abstoendes Wesen machte, zu verwischen. Leider war es ihm jedoch seiner
Gesundheit wegen unmglich, in Whitehall zu residiren. Die Luft von
Westminster, vermischt mit den feuchten Ausdnstungen des Flusses,
der bei Springfluthen die Hfe des Palastes berschwemmte, mit dem
Steinkohlenrauche von zweimalhunderttausend Schornsteinen und mit den
mephitischen Dnsten des Kothes, den man damals ungehindert in den
Straen sich anhufen lie, war ihm unertrglich, denn er hatte eine
schwache Brust und auerordentlich feine Geruchsnerven. Sein unheilbares
Asthma machte reiende Fortschritte, und seine rzte erklrten es fr
unmglich, da er das Ende des Jahres erleben knne. Sein Gesicht war so
leichenhaft, da er kaum noch zu erkennen war. Diejenigen, welche mit
ihm zu verkehren hatten, hrten ihn mit Entsetzen nach Athem ringen und
husten, da ihm die Thrnen ber die Wangen liefen.[61] Und sein Geist,
so stark er brigens war, litt mit dem Krper. Wohl war sein Urtheil
noch so klar und scharf als je; aber seit einigen Monaten war eine
merkliche Erschlaffung der Energie eingetreten, durch die er sich frher
ausgezeichnet hatte; selbst seine hollndischen Freunde flsterten
einander zu, da er nicht mehr der Nmliche sei, der er im Haag
gewesen.[62] Es war schlechterdings nothwendig, da er London verlie,
und er verlegte daher seine Residenz in die reinere Luft von Hampton
Court. Dieses von dem prachtliebenden Wolsey begonnene Schlo war ein
schnes Muster der Architectur, welche unter den ersten Tutors in
England blhte; die Gemcher desselben aber waren nach den Begriffen des
17. Jahrhunderts nicht ganz geeignet fr eine knigliche Wohnung. Unsere
Souveraine hatten daher seit der Restauration diese Residenz nur selten
und nur dann benutzt, wenn sie einige Zeit recht eingezogen leben
wollten. Da aber Wilhelm gesonnen war, das verlassene Gebude zu seinem
Hauptwohnsitze zu erwhlen, mute er Bauten und Anpflanzungen vornehmen,
was ihm im Grunde gar nicht unlieb war. Denn, wie die Mehrzahl seiner
Landsleute, fand er Vergngen daran, ein Landhaus auszuschmcken,
und nchst der Jagd waren Baukunst und Grtnerei seine
Lieblingszerstreuungen. Er hatte bereits in einer sandigen Haide von
Geldern ein Paradies geschaffen, das viele Neugierige aus Holland und
Westphalen herbeizog. Marie hatte den Grundstein zu dem Schlosse gelegt,
und Bentinck hatte die Anlage der Fischteiche geleitet. Es gab dort
Wasserflle und Grotten, eine groe Orangerie und ein Vogelhaus, das
Hondekoeter zahlreiche Exemplare buntgefiederter Vgel lieferte.[63] Der
Knig sehnte sich in seiner glnzenden Verbannung nach dieser
Lieblingsresidenz und fand einigen Trost darin, da er sich an den Ufern
der Themse ein zweites Loo schaffen konnte. Bald war eine groe
Bodenflche mit regelmigen Alleen und Gartenanlagen bedeckt. Viel
miger Scharfsinn wurde aufgeboten, um das verwickelte grne Labyrinth
anzulegen, das fnf Generationen von Londoner Sonntagsbesuchern mit
Staunen und Freude erfllt hat. Dreiigjhrige Linden wurden aus den
benachbarten Wldern dahin verpflanzt, um die Alleen zu beschatten.
Knstliche Springbrunnen warfen ihren Wasserstrahl zwischen den
Blumenbeeten empor. Ein neues Residenzschlo, zwar nicht vom reinsten
Styl, aber stattlich, gerumig und bequem, erstand unter Wren's Leitung.
Das Wandgetfel war mit dem reichen und zarten Schnitzwerk eines Gibbons
verziert. Die Treppenhuser entzckten das Auge durch Verrio's herrliche
Fresken. In jedem Winkel des Gebudes zeigte sich ein berflu von
reizenden Tndeleien, welche englischen Augen noch ungewohnt waren.
Marie hatte aus dem Haag eine Liebhaberei fr chinesisches Porzellan
mitgebracht, und sie legte jetzt in Hampton Court eine groe Sammlung
hlicher Figuren und Gefe an, auf denen Huser, Bume, Brcken und
Mandarine in haarstrubendstem Widerspruch mit allen Regeln der
Perspective abgemalt waren. Diese Mode, welche so von der
liebenswrdigen Knigin eingefhrt wurde, verbreitete sich rasch und
weit. Nach wenigen Jahren enthielt fast jedes vornehme Haus im
Knigreiche ein Museum solcher grotesker Spielereien. Selbst
Staatsmnner und Generle schmten sich nicht des Rufes, den Werth von
Theekannen und Drachen richtig schtzen zu knnen, und die Satyriker
wiederholten lange Zeit hindurch, da eine schne Dame ihr buntbemaltes
Porzellangeschirr eben so hoch halte als ihren Affen und viel hher als
ihren Gatten.[64] Doch der neue Palast wurde auch mit Kunstwerken andrer
Art ausgeschmckt. Es ward eine Gallerie fr die Cartons von Raphael
gegrndet. Diese herrlichen Bilder, damals und noch heute die schnsten
diesseits der Alpen, waren durch Cromwell vor dem Schicksale bewahrt
worden, das die meisten anderen Meisterwerke der Sammlung Karl's I.
getroffen; aber man hatte sie viele Jahre in ihren hlzernen Kisten
ruhen lassen. Jetzt wurden sie aus dem Dunkel hervorgezogen, um von den
Knstlern mit Bewunderung und Verzweiflung betrachtet zu werden. Die
Kosten der Bauten und Einrichtungen von Hampton Court waren ein
Gegenstand bitterer Beschwerde fr viele Tories, welche die grenzenlose
Verschwendung, mit der Karl II. die Wohnung der Herzogin von Portsmouth
gebaut und umgebaut, mblirt und anders mblirt, nur sehr mild getadelt
hatten.[65] Die Kosten waren jedoch nicht der Hauptgrund der
Unzufriedenheit, welche Wilhelm's Residenzwechsel erregte. Es gab keinen
Hof mehr in Westminster; Whitehall, einst der tgliche Sammelplatz der
Vornehmen und Mchtigen, der Schnen und Heiteren, der Ort, wohin
Dandies kamen, um ihre neuen Perrcken zu zeigen, Ritter der Galanterie,
um mit schnen Damen zu liebugeln, Politiker, um ihr Glck zu
verfolgen, Miggnger, um Neuigkeiten zu hren, Landedelleute, um die
knigliche Familie zu sehen, war jetzt, zur lebhaftesten Zeit des
Jahres, whrend London mit Fremden und Einheimischen gefllt und das
Parlament versammelt war, gnzlich verdet. Eine einsame Schildwache
schritt auf dem von Gras berwucherten Pflaster vor dem Eingange auf und
ab, der einst zu eng gewesen war fr die sich begegnenden Strme der
kommenden und gehenden Hflinge. Die Dienste, welche die Hauptstadt dem
Knige geleistet, waren gro und noch neu, und man meinte, er habe diese
Dienste wohl besser vergelten knnen, als damit, da er London
behandelte, wie Ludwig Paris behandelt habe. Halifax hatte den Muth,
dies anzudeuten; aber wenige Worte, die keine Erwiederung zulieen,
brachten ihn zum Schweigen. Wollen Sie, da ich sterbe? sagte Wilhelm
in gereiztem Tone.[66]

    [Anmerkung 61: +Burnet II. 2.+; +Burnet M.S. Harl. 6584.+
    Ronquillo spricht sich noch viel umstndlicher aus: +Nada se ha
    visto desfigurado+; +y, quantas veces he estado con el, le he
    visto toser tanto que se le saltaban las lagrimas, yse ponia
    moxado y arrancando; yconfiesan los medicos que es una asma
    incurable.+ 8.(18.) Mrz 1689. Avaux schrieb in demselben Sinne
    aus Irland: +La sant de l'usurpateur est fort mauvaise. L'on ne
    croit pas qu'il vive un an.+ 8.(18.) April.]

    [Anmerkung 62: +Hasta decir los mismos Hollandeses que lo
    desconozean+, sagt Ronquillo. +Il est absolument mal propre pour
    le rle qu'il a  jouer  l'heure qu'il est,+ sagt Avaux.
    +Slothful and sickly,+ sagt Evelyn, 29. Mrz 1689.]

    [Anmerkung 63: Siehe Harris' Beschreibung von Loo, 1699.]

    [Anmerkung 64: Wer die Werke Pope's und Addison's kennt, wird sich
    ihrer Sarkasmen ber diese Mode erinnern. Lady Marie Wortley
    Montague schlug sich auf die andre Seite. Alte Chinoiserien,
    sagt sie, machen Niemandes Geschmack Unehre, da der Herzog von
    Argyle Gefallen daran fand, dessen Einsicht niemals, weder von
    seinen Freunden noch von seinen Feinden, in Zweifel gezogen worden
    ist.]

    [Anmerkung 65: ber die Bauten in Hampton Court siehe +Evelyn's
    Diary, Juli 16. 1689+; +The Tour through Great Britain, 1724+;
    +the British Apelles+; +Horace Walpole on Modern Gardening+;
    +Burnet II. 2, 3.+

    Als Evelyn 1662 in Hampton Court war, waren die Cartons noch nicht
    zu sehen. Die Triumphe von Andrea Montegna galten damals fr die
    schnsten Gemlde des Palastes.]

    [Anmerkung 66: +Burnet, II. 2+; +Reresby's Memoirs.+ Ronquillo
    schreibt wiederholt in diesem Sinne. Zum Beispiel: +Bien quisiera
    que el Rey fuese mas comunicable, yse acomodase un poco mas al
    humor sociable de los Ingleses, yque estubiera en Londres: pero
    es cierto que sus achaques no se lo permiten.+ 8.(18.) Juli 1689.
    Avaux schreibt um dieselbe Zeit aus Irland an Croissy: +Le Prince
    d'Orange est toujours  Hampton Court, et jamais  la ville: et le
    peuple est fort mal satisfait de cette manire bizarre et
    retire.+]


[_Der Hof in Kensington._] Es zeigte sich bald, da Hampton Court zu
weit vom Hause der Lords und der Gemeinen wie von den ffentlichen
mtern entfernt war, um der gewhnliche Wohnsitz des Souverains werden
zu knnen. Anstatt jedoch nach Whitehall zurckzukehren, beschlo
Wilhelm, eine andre Residenz zu beziehen, welche zur Leitung der
Regierungsgeschfte nahe genug bei der Hauptstadt lag, doch aber nicht
so nahe, um im Bereiche der Atmosphre zu sein, in der er keine Nacht
zubringen konnte ohne Gefahr, zu ersticken. Einmal dachte er an Holland
House, die Villa der vornehmen Familie Rich, und er residirte wirklich
einige Wochen daselbst.[67] Endlich aber entschied er sich fr
Kensington House, den Landsitz des Earl von Nottingham. Es wurde fr
achtzehntausend Guineen angekauft, und dem Ankaufe folgten neue Bauten,
neue Anpflanzungen, neue Geldausgaben und neue Unzufriedenheit.[68]
Gegenwrtig wird Kensington House als zu London gehrend betrachtet;
damals aber war es ein Landsitz und konnte zu jenen Zeiten der
Straenruber und nchtlichen Ruhestrer, der kothigen Straen und
schlechten Beleuchtung, nicht fglich der Sammelplatz der vornehmen
Gesellschaft sein.

    [Anmerkung 67: Mehrere von seinen Briefen an Heinsius sind von
    Holland House datirt.]

    [Anmerkung 68: +Narcissus Luttrell's Diary+; +Evelyn's Diary,
    Feb.25. 1689/90.+]


[_Wilhelm's auslndische Gnstlinge._] Es war wohl bekannt, da der
Knig, der die englische Noblesse und Gentry so unfreundlich behandelte,
in einem kleinen Kreise seiner Landsleute herablassend, vertraulich und
selbst heiter sein, seine Gedanken in frhlicher Unterhaltung
aussprechen und sein Glas oft, vielleicht zu oft, fllen konnte, und
dies erschwerte in den Augen unserer Vorfahren seine Schuld. Unsere
Vorfahren htten jedoch so viel gesunden Sinn und Gerechtigkeitsliebe
haben sollen, um zuzugestehen, da der Patriotismus, den sie an sich
selbst als eine Tugend betrachteten, bei ihm kein Fehler sein konnte. Es
war ungerecht ihn deshalb zu tadeln, da er die Liebe, die er zu seinem
Geburtslande hegte, nicht mit einem Male auf unsre Insel bertrug. Wenn
er in den Hauptsachen seine Pflicht gegen England erfllte, konnte man
es ihm wohl nachsehen, da er fr Holland eine zrtliche Vorliebe
bewahrte. Eben so wenig verdient es einen Vorwurf, da er in den Tagen
seiner Gre Gefhrten nicht entfernte, die in seiner Kindheit mit ihm
gespielt, ihm durch alle Wechselflle des Jnglings- und des
Mannesalters treu zur Seite gestanden, welche den ekelhaftesten und
gefhrlichen Ansteckungen trotzend, an seinem Krankenlager gewacht,
im heiesten Schlachtgewhl sich zwischen ihn und die franzsischen
Schwerter geworfen, und deren Anhnglichkeit nicht dem Statthalter oder
dem Knige, sondern einfach Wilhelm von Nassau galt. Auch darf man
hinzusetzen, da seine alten Freunde, wenn er sie mit seinen neuen
Hflingen verglich, in seiner Achtung steigen muten. Alle seine
hollndischen Kameraden verdienten, ohne Ausnahme, sein Vertrauen bis
ans Ende seines Lebens. Wohl konnten sie mit ihm schmollen, und, wenn
sie schmollten, hart und mrrisch sein; niemals aber, mochten sie auch
noch so erzrnt und unwillig sein, hrten sie auf seine Geheimnisse zu
bewahren, und mit der Treue wahrer Edelleute und Soldaten ber seine
Interessen zu wachen. Unter seinen englischen Rathgebern war solche
Treue selten.[69] Es ist traurig, aber nicht mehr als gerecht
anzuerkennen, da er nur zu guten Grund hatte, von unsrem
Nationalcharacter eine schlechte Meinung zu hegen. Dieser Character war
zwar im Wesentlichen so wie er immer gewesen ist. Wahrheitsliebe,
Biederkeit und mnnliche Unerschrockenheit waren damals wie noch jetzt
den Englndern vorzugsweise eigen. Aber so allgemein verbreitet diese
Eigenschaften unter der Masse des Volks sein mochten, in der Klasse,
welche Wilhelm am besten kannte, waren sie nur selten zu finden. Der
Mastab der Ehre und Tugend war whrend seiner Regierung unter unseren
Staatsmnnern sehr tief gesunken. Seine Vorfahren hatten ihm einen mit
allen Lastern der Restauration befleckten Hof hinterlassen, einen Hof,
der von Schmarotzern wimmelte, welche bereit waren, beim ersten Umschlag
des Glcks ihn zu verlassen, wie sie seinen Oheim verlassen hatten. Wohl
fand sich hier und da unter dem schamlosen Haufen ein Mann von wahrer
Rechtschaffenheit und echtem Gemeinsinn. Aber selbst ein solcher Mann
konnte nicht lange in solcher Umgebung leben, ohne da seine strengen
Grundstze und sein Gefhl fr Recht und Unrecht in die grte Gefahr
geriethen. Es war ungerecht, einen von Schmeichlern und Verrthern
umgebenen Frsten deshalb zu tadeln, da er einige Diener in seiner Nhe
behalten wollte, die er hinreichend erprobt hatte, um berzeugt zu sein,
da sie ihm bis zum Tode treu bleiben wrden.

    [Anmerkung 69: De Foe entschuldigt Wilhelm im zweiten Theile
    seines +True Born Englishman+ folgendermaen:

      Wir tadeln Wilhelm, da er hat zu viel Gefallen
      An Deutschland's, Frankreich's, Holland's Shnen allen
      Und selten mittheilt Groes von dem Staat
      Den Mnnern, welche sitzen in seinem brit'schen Rath.
      Der Grund davon ist nicht schwer beizubringen:
      Weil wir nur gar zu oft ihn hintergingen.
      Und in der That, das Narrenhaus ihm wrd' gebhren,
      Wenn er getraut htt' England's Cavalieren.
      Die Fremden stets gehorsam mit ihm zogen,
      Und nur von Englndern er immer ward betrogen.]


[_Allgemeine schlechte Verwaltung._] Und dies war nicht der einzige
Punkt, in welchem unsere Vorfahren sich ungerecht gegen ihn zeigten.
Sie hatten erwartet, da ein so ausgezeichneter Feldherr und Staatsmann,
sobald er an der Spitze der Regierung stnde, einen glnzenden Beweis --
was fr einen wuten sie selbst nicht recht -- von Genie und Thatkraft
geben werde. Unglcklicherweise ging whrend der ersten Monate seiner
Regierung fast Alles schlecht. Seine bitter getuschten Unterthanen
maen ihm die Schuld bei und begannen zu zweifeln, ob er den Ruf
verdiene, den er sich beim ersten Eintritt ins ffentliche Leben
geschaffen und den der glnzende Erfolg seiner letzten groen
Unternehmung auf den hchsten Punkt gesteigert hatte. Wren sie in einer
Stimmung gewesen, um unbefangen urtheilen zu knnen, so wrden sie
eingesehen haben, da er fr die schlechte Verwaltung, ber die sie sich
mit gutem Grunde beschwerten, nicht verantwortlich war. Er konnte fr
jetzt nur mit der Maschinerie arbeiten, die er vorgefunden hatte,
und diese Maschinerie war eitel Rost und Verfall. Von der Zeit der
Restauration bis zur Zeit der Revolution war die erfolgreiche Thtigkeit
jedes Zweiges der Verwaltung fast bestndig durch Nachlssigkeit und
Betrug gehemmt worden. Ehrenstellen und ffentliche mter, Peers- und
Baronetstitel, Regimenter, Fregatten, Gesandtschaftsposten,
Gouverneursstellen, Commissariate, Pachtungen von Krongtern,
Lieferungscontracte auf Bekleidungsstcke, Lebensmittel und Munition,
Begnadigungen fr begangene Mordthaten, Diebsthle und Brandstiftungen
wurden in Whitehall fast eben so offen verkauft wie Spargel in
Coventgarden oder Heringe in Billingsgate. Kupplerisches Volk hatte
bestndig in den Umgebungen des Hofes nach Kundschaft umhergespht, und
unter ihnen hatten zu Karl's Zeiten die Courtisanen, zu Jakob's Zeiten
die Priester das meiste Glck gehabt. Von dem Palaste aus, welcher der
Hauptsitz dieser Pestilenz gewesen war, hatte sich die Ansteckung ber
alle mter und ber alle Klassen der Beamten verbreitet und berall
Schwche und Desorganisation hervorgerufen. Die Verderbtheit machte so
reiende Fortschritte, da acht Jahre nach der Zeit, da Oliver Cromwell
der Schiedsrichter Europa's gewesen, der Donner der Kanonen de Ruyters
im Tower von London gehrt wurde. Die Krebsschden, die jene groe
Demthigung ber das Land gebracht, hatten seitdem immer tiefer und
immer weiter um sich gegriffen. Man mu Jakob die Gerechtigkeit
widerfahren lassen, da er einige von den grbsten Mibruchen, welche
die Marineverwaltung schndeten, abgeschafft hatte. Doch trotz seiner
Reformbestrebungen entlockte die Marineverwaltung Mnnern, welche das
Seewesen Frankreich's und Holland's kannten, nur ein mitleidiges
Achselzucken. Noch schlechter war die Militrverwaltung. Die Hflinge
lieen sich von den Obersten bestechen, die Obersten betrogen die
Soldaten, die Kriegscommissare schickten lange Rechnungen ber Dinge
ein, welche nie geliefert worden waren, die Arsenalinspectoren
verkauften die ffentlichen Vorrthe und steckten den Erls in ihre
Tasche. Obgleich aber diese Krebsschden unter der Regierung Karl's und
Jakob's entstanden und zur Reife gediehen waren, machten sie sich doch
erst unter Wilhelm's Regierung ernstlich fhlbar. Denn Karl und Jakob
hatten sich damit begngt, die Vasallen und Pensionre eines mchtigen
und ehrgeizigen Nachbars zu sein; sie unterwarfen sich seinem
bergewicht, sie vermieden mit kleinmthiger ngstlichkeit Alles,
was ihn htte beleidigen knnen, und so beugten sie auf Kosten der
Unabhngigkeit und Wrde der alten, ruhmvollen Krone, welche zu tragen
sie nicht werth waren, einem Kampfe vor, der sofort gezeigt haben wrde,
wie ohnmchtig unter ihrer verkehrten Regierung das einst mchtige Reich
geworden war. Es lag weder in Wilhelm's Macht noch in seinem Character,
in die Futapfen ihrer schimpflichen Politik zu treten. Nur durch
Waffengewalt konnte die Freiheit und die Religion England's gegen den
furchtbarsten Feind geschtzt werden, der unsre Insel bedroht hatte,
seitdem die Hebriden mit den Trmmern der Armada bedeckt worden. Der
Staatskrper, der im Zustande der Ruhe einen oberflchlichen Anschein
von Gesundheit und Kraft gezeigt hatte, war jetzt in die Nothwendigkeit
versetzt, jeden Nerv zu einem Kampfe auf Leben und Tod anzuspannen,
und es zeigte sich sofort, da er der Anstrengung nicht gewachsen war.
Gleich nach den ersten Versuchen stellte sich eine vllige
Muskelerschlaffung, ein gnzlicher Mangel an bung und Erfahrung heraus.
Diese Versuche schlugen, mit kaum einer Ausnahme, fehl, und jeden
Fehlschlag legte das Volk nicht _den_ Regenten, deren schlechte
Verwaltung die Gebrechen des Staats hervorgerufen, sondern _dem_
Regenten zur Last, unter welchem die Gebrechen des Staats sichtbar
wurden.

Wre Wilhelm ein so unumschrnkter Herrscher gewesen als Ludwig, so
htte er allerdings diejenigen energischen Heilmittel anwenden knnen,
welche der englischen Staatsverwaltung sehr bald die Elasticitt
wiedergegeben haben wrde, die ihr seit Oliver's Tode fehlte. Aber die
augenblickliche Beseitigung tief eingewurzelter Mibruche war eine
Aufgabe, welche weit ber die Kraft eines schon durch das Gesetz, und
noch mehr durch die Schwierigkeiten seiner Stellung sehr eingeengten
Frsten ging.[70]

    [Anmerkung 70: Ronquillo war so einsichtsvoll und gerecht,
    Einrumungen zu machen, welche die Englnder nicht machten.
    Nachdem er in einem Schreiben vom 1.(11.) Mrz 1689 den traurigen
    Zustand des Heer- und Seewesens geschildert, sagt er: +De esto no
    tiene culpa el Principe de Oranges; per que pensar que se han de
    poder volver en dos meses tres Reynes de abaxo arriba es una
    extravagancia.+ Der Lordprsident Stair sagt in einem ungefhr
    vier Wochen spter aus London datirten Briefe, da die
    Verzgerungen in der englischen Verwaltung den Ruhm des Knigs
    geschmlert htten, doch ohne seine Schuld.]


[_Uneinigkeit unter den Staatsdienern._] Einige der grten
Schwierigkeiten seiner Lage entsprangen aus dem Benehmen der Minister,
auf die er sich als Neuling in den Details der englischen
Staatsangelegenheiten hinsichtlich der ihm nthigen Aufschlsse ber
Menschen und Dinge verlassen mute. Es fehlte seinen vornehmsten
Rathgebern zwar nicht an Befhigung; aber die eine Hlfte ihrer
Befhigung wurde dazu angewendet, der andren Hlfte entgegenzuwirken.
Zwischen dem Lord-Prsidenten und dem Geheimsiegelbewahrer bestand eine
tief eingewurzelte Feindschaft.[71] Diese Feindschaft hatte zwlf Jahre
vor der Zeit begonnen, als Danby Lord Schatzmeister, ein Verfolger der
Nonconformisten und hartnckiger Vertheidiger der Kronrechte wurde, und
als Halifax als einer der beredtesten Fhrer der Vaterlandspartei zur
Auszeichnung gelangte. Unter der Regierung Jakob's hatten beide
Staatsmnner der Opposition angehrt, und ihre gemeinsame Feindschaft
gegen Frankreich und gegen Rom, gegen die Hohe Commission und gegen das
Dispensationsrecht hatte eine anscheinende Ausshnung herbeigefhrt;
sobald sie aber wieder zusammen im Amte waren, erwachte die alte
Abneigung von neuem. Man htte meinen sollen, da der Ha der Whigpartei
gegen Beide ein festeres Zusammenhalten zwischen ihnen bewirken mte;
in Wahrheit aber sah Jeder von ihnen mit Wohlgefallen die dem Andren
drohende Gefahr. Danby bemhte sich, eine starke Phalanx von Tories um
sich zu schaaren. Unter dem Vorwande geschwchter Gesundheit zog er sich
vom Hofe zurck, kam selten in den Staatsrath, dem zu prsidiren seine
Pflicht war, brachte viel Zeit auf dem Lande zu, und nahm kaum einen
andren Antheil an den Staatsgeschften, als da er ber alle Maregeln
der Regierung mkelte und spottete, auf seinen Privatvortheil spekulirte
und seinen persnlichen Gnstlingen Stellen verschaffte.[72] In Folge
dieses Abfalls wurde Halifax Premierminister, insoweit man unter dieser
Regierung einen Minister berhaupt Premierminister nennen konnte. Eine
ungeheure Geschftslast fiel auf ihn, und er war nicht im Stande, diese
Last zu tragen. An Geist und Beredtsamkeit, an umfassendem Verstndni
und scharfer Unterscheidungsgabe hatte er unter den Staatsmnnern seiner
Zeit nicht seines Gleichen. Aber eben diese Fruchtbarkeit, eben dieser
Scharfsinn, die seiner Unterhaltung, seinen Reden und seinen Schriften
einen besondern Reiz verliehen, machten ihn zur schnellen Entscheidung
praktischer Fragen untauglich. Gerade sein ungewhnlicher Scharfsinn
machte ihn langsam, denn er sah so viele Grnde fr und wider jedes
mgliche Verfahren, da er mehr Zeit brauchte, um zu einem Entschlusse
zu kommen, als ein beschrnkter Kopf gebraucht haben wrde. Anstatt mit
seinem ersten Gedanken zufrieden zu sein, replicirte er sich selbst
immer und immer wieder. Wer ihn sprechen hrte, mute zugeben, da er
wie ein Engel sprach; aber wenn er Alles was sich sagen lie erschpft
hatte und zum Handeln kam, war nur zu oft der rechte Augenblick zum
Handeln vorber.

Inzwischen bemhten sich die beiden Staatssekretre fortwhrend, ihren
Gebieter nach direct einander entgegengesetzten Richtungen zu ziehen.
Jeder Plan, jede Person, welche der Eine empfahl, ward von dem Andren
verworfen. Nottingham wurde nicht mde zu wiederholen, da die alte
Rundkopfpartei, die Partei, welche Karl I. um's Leben gebracht und gegen
das Leben Karl's II. conspirirt hatte, im Prinzip republikanisch und da
die Tories die einzig wahren Freunde der Monarchie seien. Shrewsbury
entgegnete, da die Tories wohl Freunde der Monarchie sein knnten, da
sie aber Jakob als ihren Monarchen betrachteten. Nottingham erzhlte
bestndig im kniglichen Kabinet von tollen Hirngespinnsten, mit denen
sich einige alte Kalbskopfesser, die berreste der einst mchtigen
Partei Bradshaw's und Ireton's, in den Wirthshusern der City noch immer
beschftigten. Shrewsbury zeigte wthende Pasquille vor, welche die
Jakobiten tagtglich in den Kaffeehusern vertheilten. Jeder Whig,
sagte der Torysekretr, ist ein Feind der Prrogative Eurer Majestt.
-- Jeder Tory, sagte der Whigsekretr, ist ein Feind des Rechtstitels
Eurer Majestt.[73]

Auch im Schatzamte gab es nichts als Eiferschteleien und
Znkereien.[74] Der erste Commissar, Mordaunt, und der Kanzler der
Schatzkammer, Delamere, waren zwar Beide eifrige Whigs; aber obgleich
sie dem nmlichen politischen Glauben anhingen, waren sie doch von ganz
verschiedenem Character. Mordaunt war flatterhaft, verschwendrisch und
gromthig. Die Schngeister der damaligen Zeit witzelten ber die Art
und Weise, wie er von Hampton-Court nach der Brse und von der Brse
zurck nach Hampton-Court flog; man konnte nicht begreifen wie er Zeit
fand zu seinem Anzuge, zu den Staatsgeschften, zu Liebschaften und zum
Balladendichten.[75] Delamere war finster und empfindlich, streng in
seinen Privatsitten und pnktlich in seinen Andachtsbungen, aber gierig
nach unedlem Gewinn. Die beiden ersten Finanzbeamten wurden daher Feinde
und harmonirten nur in dem Hasse gegen ihren Collegen Godolphin. Wie kam
er in dieser Zeit des protestantischen bergewichts nach Whitehall, er,
der mit Papisten im Amte gesessen, der sich kein Gewissen daraus gemacht
hatte, Maria von Modena in den Gtzendienst der Messe zu begleiten? Der
krnkendste Umstand aber war, da Godolphin, obgleich sein Name in der
Commission die dritte Stelle einnahm, thatschlich der erste Lord des
Schatzes war. Denn in financiellem Wissen und in Geschftserfahrung
waren Mordaunt und Delamere im Vergleich zu ihm wahre Schulknaben, und
dies erkannte Wilhelm sehr bald.[76]

hnliche Fehden wtheten auch in den brigen groen Amtscollegien wie in
allen untergeordneten Schichten der Staatsdiener. In jedem Zollhause,
in jedem Arsenale gab es einen Shrewsbury und einen Nottingham, einen
Delamere und einen Godolphin. Die Whigs beklagten sich, da es keinen
Verwaltungszweig gbe, in welchem nicht Creaturen der gestrzten Partei
zu finden wren. Umsonst fhre man zur Rechtfertigung an, da diese
Mnner in den Geschftsdetails erfahren, da sie im Besitz amtlicher
Traditionen seien und da die Freunde der Freiheit, nachdem sie
Jahrelang von den ffentlichen mtern ausgeschlossen gewesen, unmglich
befhigt sein knnten, mit einem Male die ganze Leitung der Geschfte
auf sich zu nehmen. Die Erfahrung habe allerdings ihren Werth,
sicherlich aber sei die erste aller Qualificationen eines Dieners die
Treue, und kein Tory knne ein wahrhaft treuer Diener der neuen
Regierung sein. Wenn Knig Wilhelm klug wre, so wrde er sich lieber
auf Neulinge, die von Eifer fr sein Interesse und fr seine Ehre
beseelt wren, als auf Veteranen verlassen, welche zwar Geschick und
Kenntnisse besitzen knnten, dieses Geschick und diese Kenntnisse aber
zur Herbeifhrung seines Untergangs anwenden wrden.

Die Tories dagegen beklagten sich, da ihr Antheil an der Regierung in
keinem Verhltni zu ihrer Anzahl und zu ihrem Gewicht im Lande stehe,
da berall alte und ntzliche Staatsdiener um keines andren Verbrechens
willen, als weil sie Freunde der Monarchie und der Kirche wren, von
ihren Posten vertrieben worden seien, um Ryehouseverschwrern und
Conventikelbesuchern Platz zu machen. Diese Emporkmmlinge, wohlerfahren
in der Kunst der Parteibewegungen, aber unwissend in Allem was zu ihrem
neuen Beruf gehre, wrden erst anfangen etwas zu lernen, wenn sie durch
ihre Fehler die Nation ruinirt htten. Von einem hochgestellten Beamten
msse man doch sicherlich mehr verlangen, als da er nur ein Rebell und
Schismatiker sei. Was solle aus den Finanzen, was aus der Marine werden,
wenn Whigs, die nicht den einfachsten Rechnungsabschlu verstnden,
das Staatseinkommen verwalten, wenn Whigs, die in ihrem Leben kein
Seemagazin betreten, die Flotte ausrsten sollten?[77]

Das Wahre ist, da die Beschuldigungen, welche die beiden Parteien gegen
einander erhoben, in betrchtlicher Ausdehnung wohl begrndet, der Tadel
aber, den Beide auf Wilhelm warfen, ungerecht war. Geschftliche
Erfahrung war fast ausschlielich nur unter den Tories, aufrichtige
Anhnglichkeit an die neue Ordnung der Dinge fast nur unter den Whigs zu
finden. Der Knig konnte nichts dafr, da Kenntni und Eifer, welche
vereinigt einen schtzbaren Diener des Staats bilden, damals nur
getrennt oder gar nicht vorhanden waren. Stellte er Leute der einen
Partei an, so lief er groe Gefahr, Fehlgriffe zu thun. Stellte er Leute
der andren Partei an, so lief er groe Gefahr, verrathen zu werden.
Stellte er Leute beider Parteien an, so war immer noch einige Gefahr,
da er Fehlgriffe that oder Verrther whlte, und zu diesen Gefahren kam
dann noch die Gewiheit der Uneinigkeit. Er konnte Whigs und Tories
nebeneinanderstellen, sie zu verschmelzen lag nicht in seiner Macht.
Mochten sie auch in dem nmlichen Amte, an dem nmlichen Pulte arbeiten,
sie waren und blieben Feinde und stimmten nur darin berein, da sie
gegen den Frsten murrten, der es versuchen wollte, den Vermittler
zwischen ihnen zu spielen. Unter solchen Umstnden mute die Verwaltung,
die fiscalische, wie die militrische und maritime, unvermeidlich
schwach und schwankend sein; nichts konnte ganz auf die richtige Art und
ganz zur rechten Zeit geschehen; die Uneinigkeiten, von denen kaum eine
Staatsbehrde frei war, muten Calamitten erzeugen und jede Calamitt
mute die Spaltung verschlimmern, aus der sie entstanden war.

    [Anmerkung 71: +Burnet II. 4.+; +Reresby's Memoirs.+]

    [Anmerkung 72: +Reresby's Memoirs+; +Burnet MS. Harl. 6584.+]

    [Anmerkung 73: +Burnet II. 3, 4, 15.+]

    [Anmerkung 74: +Burnet II. 5.+]

    [Anmerkung 75:

      Woher nimmt er die Stunden, sagt,
      Die er dem Hofe widmet und der Stadt,
      Den Staatsgeschften und der Liebe Macht,
      Der Eitelkeit und auch der Geistes Saat?

    +The Modern Lampooners. Ein Gedicht von 1690.+]

    [Anmerkung 76: +Burnet II. 4.+]

    [Anmerkung 77: Ronquillo nennt die Whigbeamten +Gente que no
    tienen practica ni experiencia.+ Er setzt hinzu: +Y de esto
    proce de el pasarse un mes y un otro, sin executarse nada.+ 24.
    Juni 1689. In einem der unzhligen Gesprche, welche damals
    erschienen, wirft der toryistische Interlocutor die Frage auf:
    Meint Ihr, die Regierung wrde mit Geschftsunkundigen besser
    daran sein? Der Whig antwortet: Besser unwissende Freunde als
    vielwissende Feinde.]


[_Das Departement der auswrtigen Angelegenheiten._] Ein Departement gab
es jedoch, das gut verwaltet wurde: das Departement der auswrtigen
Angelegenheiten. Hier leitete Wilhelm Alles, ohne weder den Rath noch
den Beistand irgend eines englischen Staatsmannes in Anspruch zu nehmen.
Nur einen unschtzbaren Gehlfen hatte er zur Seite: Anton Heinsius,
welcher einige Wochen nach Beendigung der Revolution Gropensionr
von Holland wurde. Heinsius war als Mitglied der Partei, welche
auf die Macht des Hauses Oranien eiferschtig war und gern auf
freundschaftlichem Fue mit Frankreich stehen wollte, ins ffentliche
Leben eingetreten. Im Jahre 1681 aber war er mit einer diplomatischen
Mission nach Versailles geschickt worden, und ein kurzer Aufenthalt
daselbst hatte eine vollstndige nderung in seinen Ansichten
herbeigefhrt. Bei nherer Bekanntschaft wurde er beunruhigt durch die
Macht und gereizt durch die Anmaung dieses Hofes, von dem er, so lange
er ihn aus der Entfernung gesehen, eine vortheilhafte Meinung gehegt
hatte. Er fand, da sein Vaterland verachtet wurde, er sah seine
Religion verfolgt, und sein officieller Character schtzte ihn nicht
vor einigen persnlichen Krnkungen, die er bis zum letzten Tage seiner
langen Laufbahn nicht verga. Als treuer Anhnger Wilhelm's und
unvershnlicher Feind Ludwig's kehrte er nach Hause zurck.[78]

Das Amt des Gropensionrs war immer ein wichtiges Amt, ganz besonders
aber dann, wenn der Statthalter vom Haag abwesend war. Wren Heinsius'
politische Ansichten noch dieselben gewesen wie frher, so htten alle
groen Plne Wilhelm's scheitern knnen. Zum Glck aber bestand zwischen
diesen beiden ausgezeichneten Mnnern eine vollkommene Freundschaft,
die bis zu dem Tage, wo der Tod sie lste, nicht einen Augenblick durch
Argwohn oder Mihelligkeiten getrbt wurde. ber alle groen Fragen der
europischen Politik waren sie gleicher Meinung, und sie correspondirten
lebhaft und rckhaltlos mit einander, denn es hielt zwar schwer, ehe
Wilhelm Jemandem Vertrauen schenkte, wem er es aber schenkte, dem
schenkte er es ganz. Die Correspondenz ist noch vorhanden und gereicht
Beiden zur grten Ehre. Die Briefe des Knigs wrden allein schon zur
Genge beweisen, da er einer der grten Staatsmnner war, welche
Europa hervorgebracht hat. So lange er lebte, begngte sich der
Gropensionr damit, der gehorsamste, zuverlssigste und verschwiegenste
Diener zu sein; nach dem Ableben des Gebieters aber erwies sich der
Diener als befhigt, die Stelle des Gebieters mit seltenem Geschick zu
vertreten, und er war in ganz Europa als ein Mitglied des groen
Triumvirats berhmt, das den Stolz Ludwig's XIV. demthigte.[79]

    [Anmerkung 78: +Ngociations de M. le Comte d'Avaux, 4. Mars
    1683+; +Torcy's Memoirs.+]

    [Anmerkung 79: Die Originalcorrespondenz zwischen Wilhelm
    und Heinsius ist hollndisch. Eine franzsische bersetzung
    smmtlicher Briefe Wilhelm's, und eine englische
    bersetzung einiger Briefe Heinsius' befinden sich unter den
    Mackintosh-Manuscripten. Der Baron Sirtema de Grovestins, dem die
    Originale zu Gebote standen, fhrt in seiner +Histoire des luttes
    et rivalits entre les puissances maritimes et la France+ hufig
    Stellen daraus an. Zwischen seiner Version und der meinigen ist
    zwar im Style ein bedeutender Unterschied, im Wesentlichen aber
    ein sehr geringer.]


[_Religionsstreitigkeiten._] Die auswrtige Politik England's, von
Wilhelm persnlich, in innigem Einverstndni mit Heinsius, geleitet,
war damals auerordentlich geschickt und erfolgreich. In jedem andren
Verwaltungszweige aber waren die aus der gegenseitigen Erbitterung der
Parteien entspringenden Nachtheile nur zu sichtbar. Und dies war noch
nicht Alles. Zu den aus der gegenseitigen Erbitterung der politischen
Parteien entspringenden beln gesellten sich andere bel, welche aus dem
gegenseitigen Hasse der Religionssecten entsprangen.

Das Jahr 1689 bildet in der kirchlichen Geschichte England's eine nicht
minder wichtige Epoche als in der brgerlichen. In diesem Jahre wurde
die erste gesetzliche Indulgenz gegen die Dissenters bewilligt. In
diesem Jahre wurde der letzte ernstliche Versuch gemacht, die
Presbyterianer in den Schoo der englischen Landeskirche zu bringen. Von
diesem Jahre datirt ein neues Schisma, trotz frherer hnlicher Vorgnge
von Mnnern hervorgerufen, welche stets erklrt hatten, da sie
Kirchenspaltungen mit besonderem Abscheu und Prcedenzflle mit
besonderer Verehrung betrachteten. In diesem Jahre begann der lange
Kampf zwischen zwei groen Parteien von Conformisten. Diese beiden
Parteien hatten zwar seit der Reformation von jeher unter verschiedenen
Formen in der anglikanischen Kirche existirt, aber bis nach der
Reformation standen sie einander nicht in regelmiger und permanenter
Schlachtordnung gegenber und waren daher nicht unter bestimmten Namen
bekannt. Kurz nach Wilhelm's Thronbesteigung begannen sie die
Hochkirchenpartei und die Niederkirchenpartei genannt zu werden und
lange vor dem Ende seiner Regierung waren diese Bezeichnungen allgemein
gebruchlich.[80]

Im Sommer des Jahres 1688 hatte es den Anschein gehabt, als ob die
Spaltungen, welche so lange den groen Krper der englischen
Protestanten zerrissen, fast ihre Endschaft erreicht htten. Die
Streitigkeiten ber Bischfe und Synoden, ber geschriebene Gebete und
extemporirte Gebete, ber weie Rcke und schwarze Rcke, ber
Besprengen und Eintauchen, ber Knien und Sitzen, waren auf kurze Zeit
eingestellt. Die dichtgedrngte Phalanx, welche damals gegen die
Papisterei im Felde stand, fllte den ganzen Zwischenraum aus, welcher
Sancroft von Bunyan trennte. Prlaten, die sich noch vor Kurzem als
Verfolger der religisen Freiheit ausgezeichnet hatten, erklrten sich
jetzt zu Freunden derselben und ermahnten ihren Klerus, stets in
gastfreundlichem und dienstbereiten Verkehr mit den Separatisten zu
leben. Separatisten auf der andren Seite, welche noch vor kurzem Mitren
und Batistrmel fr die Livree des Antichrist erklrt hatten,
erleuchteten zu Ehren der Prlaten ihre Fenster und warfen Holz in die
Freudenfeuer.

Diese Gesinnungen steigerten sich fortdauernd, bis sie ihren Hhepunkt
an dem denkwrdigen Tage erreichten, an welchem der gemeinsame
Unterdrcker endlich Whitehall verlie und eine mit orangefarbenen
Bndern geschmckte zahllose Menge zu St. James den gemeinsamen Befreier
begrte. Als die Londoner Geistlichkeit, mit Compton an der Spitze,
herbeikam, um dem Manne, dessen Gott sich als Werkzeug zur Rettung der
Kirche und des Staats bedient, ihren Dank auszusprechen, schlossen sich
dem Zuge auch einige hervorragende nonconformistische Geistliche an.
Viele gute Menschen freuten sich zu hren, da fromme und gelehrte
presbyterianische Geistliche im Gefolge eines Bischofs gegangen, mit
brderlicher Freundlichkeit von ihm begrt und im Empfangszimmer von
ihm seine lieben und geachteten Freunde genannt worden waren, die zwar
durch einige Meinungsverschiedenheiten in unwichtigen Punkten von ihm
getrennt, durch christliche Liebe und gemeinsamen Eifer fr das
Wesentliche des reformirten Glaubens aber mit ihm verbunden seien. Nie
hatte es zuvor und nie hat es seitdem in England einen zweiten solchen
Tag gegeben. Der Strom der Gefhle war schon im Umschlagen begriffen,
und die Ebbe trat noch rascher ein als die Fluth eingetreten war.

    [Anmerkung 80: Obwohl diese ganz angemessenen Benennungen meines
    Wissens in keinem whrend der ersten Regierungsjahre Wilhelm's
    gedruckten Buche vorkommen, nehme ich doch keinen Anstand, mich
    derselben bei Darstellung der Ereignisse jener Jahre zu bedienen,
    wie es auch von Anderen geschehen ist.]


[_Die Hochkirchenpartei._] In Zeit von wenigen Stunden begann der
Hochkirchliche, von zrtlicher Liebe fr den Feind, dessen Tyrannei
jetzt nicht mehr gefrchtet ward, und von Abneigung gegen die
Bundesgenossen, deren Dienste entbehrlich geworden waren, erfllt zu
werden. Es war leicht, beide Gefhle zu befriedigen, indem man die
schlechte Verwaltung des verbannten Knigs den Dissenters zur Last legt.
Sr. Majestt -- so lautete jetzt die Sprache nur zu vieler
anglikanischer Geistlichen -- wrde ein vortrefflicher Regent gewesen
sein, wre er nicht zu vertrauensvoll, und zu nachsichtig gewesen. Er
habe sein Vertrauen einer Klasse von Leuten geschenkt gehabt, die seine
Stellung, seine Familie und seine Person mit unvershnlicher Erbitterung
haten. Durch den vergeblichen Versuch, ihre Zuneigung zu gewinnen, habe
er sich zu Grunde gerichtet. Er habe sie, in Widerspruch mit dem Gesetz
und dem einmthigen Sinne der alten royalistischen Partei, von dem
Drucke des Strafcodex befreit, habe ihnen gestattet, Gott auf ihre
eigene armselige und geschmacklose Weise ffentlich zu verehren, habe
sie zur Richterbank und in den Geheimrath zugelassen, ihnen Pelzroben,
goldene Ketten, Gehalte und Pensionen gewhrt. Zum Dank fr seine
Liberalitt seien diese Leute, welche einst so trotzig in ihrem Gebahren
und so unbndig in ihrer Opposition selbst gegen die rechtmige
Autoritt gewesen, die niedrigsten Schmeichler geworden. Sie htten ihm
noch Beifall zugejauchzt und ihn ermuthigt, als schon die ergebensten
Freunde seines Hauses sich voll Scham und Kummer aus seinem Palaste
entfernt gehabt. Wer habe die Religion und die Freiheit seines
Vaterlandes schndlicher verkauft als Titus? Wer habe eifriger fr die
Dispensationsgewalt gestritten als Alsop? Wer habe ungestmer auf die
Verfolgung der sieben Bischfe gedrungen als Lobb? Welcher nach einer
Dechanei lsterne Kaplan habe, selbst wenn er am 30. Januar oder am 29.
Mai in Anwesenheit des Knigs gepredigt, jemals plumpere Schmeicheleien
zu Tage gebracht, als man sie leicht in den Adressen auffinden knne,
durch welche dissentirende Glaubensgesellschaften ihren Dank fr die
ungesetzliche Indulgenzerklrung ausgedrckt htten? Sei es zu
verwundern, wenn ein Frst, der nie juristische Werke studirt, nur seine
rechtmige Prrogative auszuben geglaubt habe, als er so durch eine
Partei ermuthigt worden sei, welche jederzeit mit ihrem Hasse gegen
willkrliche Gewalt geprahlt habe? Durch solche Leitung irregefhrt,
sei er immer weiter auf dem falschen Wege fortgeschritten, habe er sich
endlich Herzen entfremdet, welche frher ihr bestes Blut zu seiner
Vertheidigung vergossen haben wrden, habe er keine anderen Sttzen
behalten als seine alten Feinde, und, als der Tag der Gefahr gekommen,
habe er gefunden, da die Gesinnungen seiner alten Feinde gegen ihn noch
die nmlichen waren wie zu der Zeit, da sie ihn seines Erbes zu berauben
versucht und gegen sein Leben conspirirt hatten. Jeder Verstndige habe
lngst gewut, da die Sectirer keine Liebe zur Monarchie hegten; jetzt
habe es sich gezeigt, da sie eben so wenig Liebe zur Freiheit hegten.
Ihren Hnden Gewalt anzuvertrauen, werde ein Migriff sein, der der
Nation nicht minder verderblich werden msse als dem Throne. Wenn es, um
etwas bereilt gegebene Zusicherungen zu erfllen, fr nthig erachtet
werden sollte, ihnen Erleichterung zu gewhren, so msse jedes
Zugestndni von Beschrnkungen und Vorsichtsmaregeln begleitet sein.
Vor Allem drfe Niemandem, der ein Feind der kirchlichen Verfassung des
Landes sei, irgend eine Betheiligung an der Civilverwaltung gestattet
werden.


[_Die Niederkirchenpartei._] Zwischen den Nonconformisten und den
strengen Conformisten stand die Niederkirchenpartei. Diese Partei
enthielt und enthlt noch jetzt zwei ganz verschiedene Elemente: ein
puritanisches und ein latitudinarisches Element. ber fast jede Frage,
die sich auf die kirchliche Verfassung wie auf das Ceremoniell des
ffentlichen Gottesdienstes bezog, waren jedoch der puritanische
Niederkirchliche und der latitudinarische Niederkirchliche vollkommen
einig. Sie sahen in der bestehenden Kirchenverfassung und in dem
bestehenden Ceremoniell keinen Mangel, keinen belstand, der es
ihnen htte zur Pflicht machen knnen, Dissenters zu werden.
Nichtsdestoweniger waren sie der Meinung, da die Verfassung sowohl wie
das Ceremoniell Mittel und nicht Zwecke seien und da der wesentliche
Geist des Christenthums ohne Bischfe und ohne ein allgemeines Gebetbuch
bestehen knne. Als Jakob auf dem Throne sa, waren sie die
Hauptwerkzeuge zur Bildung der groen Coalition gegen Papisterei und
Tyrannei gewesen und sie fhrten 1689 noch dieselbe vershnliche
Sprache, die sie 1688 gefhrt hatten. Die Gewissensscrupel der
Nonconformisten tadelten sie mild. Es sei unzweifelhaft eine groe
Schwche zu glauben, da es etwas Sndhaftes sein knne, einen weien
Chorrock zu tragen, ein Kreuz zu schlagen, oder an dem Gelnder eines
Altars zu knieen. Die hchste Autoritt aber habe die unzweideutigsten
Vorschriften darber erlassen, wie solche Schwche zu behandeln sei. Der
schwache Bruder sei nicht zu verdammen, nicht zu verachten; Glubige von
strkerem Geiste seien gehalten, ihn durch groe Nachgiebigkeit zu
beschwichtigen und sorgfltig jeden Stein des Anstoes, der ihn
Veranlassung geben knne, Andersdenkende zu verletzen, aus seinem Wege
zu entfernen. Ein Apostel habe erklrt, da er, obwohl er selbst gegen
den Genu von thierischer Nahrung und Wein kein Bedenken hege, doch
lieber Pflanzen essen und Wasser trinken wolle, als da er dem
Geringsten seiner Heerde ein rgerni gbe. Was wrde er wohl von
Kirchenfrsten gedacht haben, welche um eines Gewandes, einer Geberde
oder einer Stellung willen nicht nur die Kirche gespalten, sondern alle
Gefngnisse England's mit Mnnern von orthodoxem Glauben und frommem
Lebenswandel gefllt htten? Die tadelnden Bemerkungen, welche die
Hochkirchlichen ber das neuerliche Benehmen der Dissenters gemacht,
wurden von den Niederkirchlichen fr hchst ungerecht erklrt. Das
Wunder liege nicht darin, da einige wenige Nonconformisten dankbar eine
Indulgenz angenommen htten, die, so gesetzwidrig sie auch gewesen, doch
ihnen die Thren ihrer Kerker geffnet und ihre husliche Ruhe gesichert
habe, sondern darin, da die Nonconformisten im allgemeinen der Sache
einer Verfassung treu geblieben seien, von deren Wohlthaten sie lange
ausgeschlossen gewesen. Es sei hchst unbillig, die Fehler einiger
weniger Individuen einer ganzen groen Partei zur Last zu legen. Selbst
unter den Bischfen der Landeskirche habe Jakob Werkzeuge und
Schmeichler gefunden. Das Benehmen Cartwright's und Parker's sei viel
weniger zu entschuldigen gewesen, als das Alsop's und Lobb's. Gleichwohl
wrden Diejenigen, welche die Dissenters fr die Fehler Alsop's und
Lobb's verantwortlich hielten, es ohne Zweifel fr sehr unvernnftig
erklren, wenn man die Landeskirche fr die weit grere Schuld
Cartwright's und Parker's verantwortlich machen wolle.

Die Geistlichen der Niederkirche waren eine Minoritt, und zwar keine
groe Minoritt ihres Standes; ihr Gewicht aber stand weit ber dem
Verhltni ihrer Anzahl, denn sie waren in der Hauptstadt stark
vertreten, sie hatten daselbst groen Einflu und das Durchschnittsma
ihrer Intelligenz und wissenschaftlichen Bildung war bei ihnen hher als
bei ihrem Stande im allgemeinen. Wir wurden ihre numerische Strke
wahrscheinlich noch zu hoch anschlagen, wenn wir sie auf ein Zehntel der
gesammten Geistlichkeit schtzten. Es wird jedoch schwerlich bestritten
werden knnen, da sie in ihrer Mitte eben so viele Mnner von
ausgezeichneter Beredtsamkeit und Gelehrsamkeit zhlten, als sich unter
den brigen neun Zehnteln zusammengenommen fanden. Unter den Laien, die
sich der herrschenden Landeskirche angeschlossen, war das Verhltni der
Parteien ziemlich gleich. Die Linie, welche sie trennte, war in der That
sehr wenig unterschieden von der Linie, welche die Whigs und Tories
trennte. Im Hause der Gemeinen, welches gewhlt worden war, als die
Whigs die Oberhand hatten, war die Niederkirchenpartei entschieden
berwiegend; bei den Lords aber herrschte ein fast genaues Gleichgewicht
und es bedurfte nur sehr geringfgiger Umstnde, um die Wagschale
emporzuschnellen.


[_Wilhelm's Plne bezglich der Kirchenverfassung._] Das Oberhaupt der
Niederkirchenpartei war der Knig. Er war als Presbyterianer erzogen
worden, seiner rationalen berzeugung nach war er ein Latitudinarier,
und persnlicher Ehrgeiz sowohl als auch hhere Beweggrnde vermochten
ihn, zwischen den protestantischen Secten als Vermittler aufzutreten.
Sein Bestreben war auf die Einfhrung dreier groer Reformen in den die
kirchlichen Angelegenheiten betreffenden Gesetzen gerichtet. Sein erster
Zweck war, den Dissenters die Erlaubni zur freien und ungestrten
Abhaltung ihres Gottesdienstes zu erwirken. Sein zweiter Zweck war,
in dem anglikanischen Ritual und Kirchenregiment solche Abnderungen
vorzunehmen, welche die gemigten Nonconformisten gewinnen konnten,
ohne Diejenigen zu verletzen, denen jenes Ritual und Kirchenregiment
theuer war. Sein dritter Zweck war, den Protestanten ohne Unterschied
der Secten brgerliche mter zugnglich zu machen. Alle drei Zwecke
waren gut, aber nur der erste war zur Zeit erreichbar. Fr den zweiten
kam er zu spt, fr den dritten zu frh.


[_Burnet, Bischof von Salisbury._] Wenige Tage nach seiner
Thronbesteigung that er einen Schritt, welcher seine Gesinnungen in
Bezug auf Kirchenregiment und ffentlichen Gottesdienst unverkennbar
andeutete. Er fand nur einen Bischofsstuhl unbesetzt. Seth Ward, der
viele Jahre hindurch das Kirchspiel von Salisbury verwaltet und sich als
einer von den Begrndern der Kniglichen Societt ehrenvoll
ausgezeichnet hatte, starb, nachdem er seine Fhigkeiten lngst
berlebt, whrend das Land durch die Wahlen fr die Convention bewegt
wurde, ohne zu wissen, da groe Ereignisse, von denen nicht das
unwichtigste unter seinem eignen Dache stattgefunden, seine Kirche und
sein Vaterland vom Untergange gerettet hatten. Die Wahl eines
Nachfolgers war nicht leicht. Diese Wahl mute unvermeidlich von der
Nation als ein Prognostikon von hchster Bedeutung betrachtet werden.
Auerdem mute die Anzahl der Geistlichen, die sich whrend der
Streitigkeiten der letzten drei Jahre durch Gelehrsamkeit,
Beredtsamkeit, Muth und Rechtschaffenheit ausgezeichnet hatten, den
Knig in Verlegenheit setzen. Burnet erhielt den Vorzug. Sein Anrecht
war unzweifelhaft gro; aber Wilhelm wrde gewi eine ruhigere Regierung
gehabt haben, wenn er mit der wohlverdienten Befrderung seines Kaplans
noch einige Zeit gewartet und die erste hohe geistliche Wrde, welche
nach der Revolution durch die Krone zu vergeben war, einem der neuen
Regierung ergebenen, aber dem Klerus nicht allgemein verhaten berhmten
Theologen verliehen htte. Unglcklicherweise war Burnet's Name der
groen Mehrzahl der anglikanischen Geistlichen verhat. Obwohl er, dem
Prinzip nach, keineswegs zur extremen Fraction der latitudinarischen
Partei gehrte, so wurde er doch vom Volke als die Personifikation des
Latitudinarismus betrachtet. Diese Auszeichnung verdankte er der
hervorragenden Stellung, die er in der Literatur und der Politik
einnahm, der Gewandtheit seiner Zunge und seiner Feder und vor Allem der
Offenheit und Unerschrockenheit seines Characters, einer Offenheit,
welche kein Geheimni bewahren konnte, und einer Unerschrockenheit, die
vor keiner Gefahr zurckbebte. Er hegte nur eine geringe Meinung von der
Gesammtheit seiner geistlichen Brder und mit seiner gewohnten
Indiscretion lie er sich oft verleiten, diese Meinung auszusprechen.
Dafr haten sie ihn aber auch mit einer Erbitterung, die auf ihre
Nachfolger berging und noch jetzt, nach anderthalbem Jahrhundert, nicht
nachzulassen scheint.

Sobald der Beschlu des Knigs bekannt wurde, fragte man sich berall:
Was wird der Erzbischof thun? Sancroft hatte sich von der Convention
fern gehalten, er hatte sich geweigert, einen Sitz im Geheimen Rathe
einzunehmen, er hatte aufgehrt zu confirmiren, zu ordiniren und
einzusetzen, und nur selten sah man ihn auerhalb der Mauern seines
Palastes zu Lambeth. Bei jeder Gelegenheit erklrte er, da er sich noch
immer durch seinen alten Unterthaneneid gebunden erachte. Burnet
betrachtete er als ein rgerni fr den Priesterstand, als einen
Presbyterianer im Chorrock. Der Prlat, der seine Hnde auf dieses
unwrdige Haupt legte, wrde mehr als eine groe Snde begehen. Er wrde
an geheiligter Sttte und vor einer groen Versammlung von Glubigen zu
gleicher Zeit einen Usurpator als Knig anerkennen und einem
Schismatiker den Rang eines Bischofs verleihen. Eine Zeit lang erklrte
Sancroft mit Bestimmtheit, er werde der Anordnung Wilhelm's nicht Folge
leisten. Lloyd von St. Asaph, der gemeinschaftliche Freund des
Erzbischofs und des neuerwhlten Bischofs, drang umsonst mit Bitten und
Vorstellungen in ihn. Nottingham, der von allen der neuen Regierung
anhngenden Laien am besten mit dem Klerus stand, bot seinen Einflu
ebenfalls auf, doch mit keinem besseren Erfolge. Die Jakobiten sagten
berall, da sie des guten alten Primas gewi seien, da er den Muth
eines Mrtyrers habe und da er entschlossen sei, in der Sache der
Monarchie und der Kirche der uersten Strenge der Gesetze zu trotzen,
mit denen die willfhrigen Parlamente des 16. Jahrhunderts das
knigliche Supremat geschtzt hatten. Er hielt sich in der That lange;
im letzten Augenblicke aber sank ihm der Muth, und er sah sich nach
einem Auswege um. Zum Glck lie sich sein Gewissen eben so oft durch
kindische Auskunftsmittel beruhigen, wie es durch kindische Bedenken
beunruhigt wurde. Ein kindischerer Ausweg als der, zu welchem er bei
dieser Gelegenheit griff, ist in allen Werken der Casuisten nicht zu
finden. Er wollte nicht persnlich Theil an der Feierlichkeit nehmen; er
wollte nicht ffentlich fr den Prinzen und die Prinzessin als Knig und
Knigin beten; er wollte nicht ihr Mandat verlangen, die Verlesung
desselben anbefehlen und dann fr die Befolgung sorgen. Aber er stellte
eine Vollmacht aus, welche drei seiner Suffraganen, gleichviel welche,
ermchtigte, in seinem Namen und als seine Delegaten die Snden zu
begehen, die er selbst nicht begehen mochte. Die Vorwrfe aller Parteien
brachten ihn bald dahin, da er sich seiner selbst schmte. Nun
versuchte er es, die Augenscheinlichkeit seines Fehlers durch Mittel zu
verdecken, welche noch schimpflicher waren als der Fehler selbst. Er
entfernte aus den ffentlichen Acten, die er in seiner Verwahrung hatte,
das Dokument, durch welches er seine Amtsbrder ermchtigt, anstatt
seiner zu handeln, und wurde nur mit Mhe bewogen, es wieder
herauszugeben.[81]

Burnet war indessen kraft dieses Dokuments zum Bischofe geweiht worden.
Als er das nchste Mal Marien besuchte, erinnerte sie ihn an die
Unterredungen, welche sie im Haag ber die wichtigen Pflichten und die
groe Verantwortlichkeit der Bischfe mit einander gepflogen hatten.
Ich hoffe, sagte sie, da Sie Ihre Ansichten praktisch ausben
werden. Ihre Hoffnung wurde nicht getuscht. Was man auch von Burnet's
Meinungen in Bezug auf Civil- und Kirchenverfassung, oder von der
Gesinnung und dem Urtheil denken mag, welche er bei Verfechtung dieser
Meinungen an den Tag legte, auch der bswilligste Parteigeist konnte
nicht zu leugnen wagen, da er seine Heerde mit einem Eifer, einer
Sorgfalt und einer Uneigenntzigkeit htete, die den reinsten Zeiten der
Kirche wrdig waren. Seine geistliche Oberherrschaft erstreckte sich
ber Wiltshire und Berkshire. Diese Grafschaften theilte er in
Distrikte, die er fleiig besuchte. Jeden Sommer verwendete er etwa zwei
Monate darauf, tglich von Kirche zu Kirche zu predigen, zu katechisiren
und zu confirmiren. Als er starb, gab es in seinem Kirchspiele keinen
Winkel, wo das Volk nicht sieben bis acht Mal Gelegenheit gehabt hatte,
seine Belehrungen zu empfangen und seinen Rath zu erbitten. Das
schlechteste Wetter, die grundlosesten Wege hielten ihn nicht ab, diese
Pflichten zu erfllen. Einmal als die Flsse ausgetreten waren, setzte
er sich lieber der grten Lebensgefahr aus, als da er die Erwartung
einer Landgemeinde, welche eine Predigt von dem Bischof zu hren hoffte,
getuscht htte. Die Armuth der niederen Geistlichkeit war fortwhrend
ein Gegenstand der Besorgni fr sein menschenfreundliches und edles
Herz. Er war unermdlich und zuletzt glcklich in seinen Bemhungen,
ihnen von Seiten der Krone die unter dem Namen Knigin Anna's
Schenkung bekannte Untersttzung zu verschaffen.[82] Wenn er durch
seine Dicese reiste, war er ganz besonders darauf bedacht, ihnen nicht
zur Last zu fallen. Anstatt sich von ihnen bewirthen zu lassen,
bewirthete er sie. Er nahm sein Hauptquartier stets in einem
Marktflecken, hielt daselbst offene Tafel und bemhte sich, durch seine
schlichte Gastfreundschaft und liebevolle Freigebigkeit die Herzen Derer
zu gewinnen, welche gegen seine Lehren eingenommen waren. Wenn er eine
drftig besoldete Pfarrstelle vergab, und er hatte deren viele zu
vergeben, pflegte er dem Einkommen aus seiner eigenen Tasche zwanzig
Pfund jhrlich zuzulegen. Zehn vielversprechende junge Leute, deren
jedem er dreiig Pfund jhrlich aussetzte, studirten unter seinen Augen
in Salisbury Theologie. Obwohl er mehrere Kinder hatte, hielt er sich
doch nicht fr berechtigt, Schtze fr sie zu sammeln. Ihre Mutter hatte
ihm ein anstndiges Vermgen zugebracht; mit diesem Vermgen, sagte er
immer, mten sie sich begngen. Er knne sich nicht um ihretwillen der
Snde schuldig machen, aus Einknften, welche der Christenliebe und
Wohlthtigkeit geweiht seien, ein Vermgen zu sammeln. Solche Tugenden
werden in den Augen vernnftiger und vorurtheilsfreier Menschen gewi
vollkommenen Ersatz fr jeden Fehler bieten, der ihm mit Grund zur Last
gelegt werden kann.[83]

    [Anmerkung 81: +Burnet II. 8.+; +Birch's Life of Tillotson+; +Life
    of Kettlewell, part III. section 62.+]

    [Anmerkung 82: Swift, der unter dem Namen Gregor Misosarum
    schrieb, sagt boshafter und ehrloser Weise von Burnet, er habe der
    Kirche diese Schenkung nicht gegnnt. Es kann Swift nicht
    unbekannt gewesen sein, da die Kirche diese Schenkung
    hauptschlich Burnet's beharrlicher Frsprache verdankte.]

    [Anmerkung 83: Siehe die Biographie Burnet's am Schlusse des
    zweiten Bandes seiner Geschichte, seine handschriftlichen
    Memoiren, Harl. 6584., seine Denkschriften ber die Erstlinge und
    Zehnten, und Somers' Briefe an ihn ber diesen Gegenstand. Auch
    vergleiche man was Dr. King, obwohl Jakobit, so gerecht war in
    seinen +Anecdotes+ zu sagen. Ein hchst ehrenvolles Zeugni fr
    Burnet's Tugenden, von einem andren Jakobiten, der ihn heftig
    angegriffen, und gegen den er sich uerst gromthig gezeigt
    hatte, von dem gelehrten und freimthigen Thomas Baker, findet man
    im +Gentleman's Magazine+ fr August und September 1791.]


[_Nottingham's Plne in Bezug auf die kirchliche Verfassung._] Als er
seinen Sitz im Hause der Lords einnahm, fand er diese Versammlung mit
der Berathung kirchlicher Gesetze beschftigt. Ein Staatsmann, der als
treuer Anhnger der Landeskirche bekannt war, hatte es unternommen, die
Sache der Dissenters zu vertheidigen. Kein Unterthan im ganzen Reiche
nahm mit Bezug auf die religisen Parteien eine so wichtige und
gebietende Stellung ein als Nottingham. Mit dem Einflusse, welchen Rang,
Reichthum und amtliche Wrde verleihen, verband er den noch hheren
Einflu der wissenschaftlichen Bildung, der Beredtsamkeit und der
Rechtschaffenheit. Sein orthodoxer Glaube, die Regelmigkeit seiner
Andachtsbungen und die Reinheit seiner Sitten gaben seinen Ansichten
ber Fragen, welche die Interessen des Christenthums berhrten, ein
besonderes Gewicht. Von allen Ministern des neuen Herrscherpaares geno
er am meisten das Vertrauen der Geistlichkeit. Shrewsbury war sicherlich
ein Whig und wahrscheinlich ein Freidenker, denn er hatte eine Religion
verloren, und es war nicht deutlich zu erkennen, ob er eine andre
gefunden. Halifax war seit vielen Jahren des Skepticismus, Deismus und
Atheismus beschuldigt worden. Danby's Anhnglichkeit an das Episkopat
und die Liturgie war mehr politischer als religiser Natur. Nottingham
aber war ein Sohn, den die Landeskirche mit Stolz den Ihrigen nannte.
In Folge dessen konnten Vorschlge, die, wenn sie von seinen Collegen
ausgegangen wren, unfehlbar einen panischen Schrecken unter der
Geistlichkeit hervorgerufen haben wrden, wenn er sie machte, eine
gnstige Aufnahme selbst bei den Universitten und Kapiteln finden.
Die Freunde der religisen Freiheit sehnten sich mit gutem Grunde nach
seiner Mitwirkung, und er war auch, bis zu einem gewissen Punkte, nicht
abgeneigt, Hand in Hand mit ihnen zu gehen. Er war entschieden fr eine
Toleranz; er war sogar fr eine Comprehension, wie man es damals nannte,
das heit er wnschte einige Abnderungen in dem anglikanischen
Kirchenregiment und Ritual vorzunehmen, um dadurch die Bedenken der
gemigten Presbyterianer zu heben. Aber die Testacte wollte er nicht
aufgeben. Der einzige Fehler, den er an dieser Acte fand, war, da sie
nicht nachdrcklich genug sei und Schlupfwege offen lasse, durch die
sich Schismatiker zuweilen in brgerliche mter einschlichen. In der
That war er gerade deshalb geneigt, in einige Abnderungen in der
Liturgie zu willigen, weil er keine Lust hatte, sich von der Testacte zu
trennen. Er meinte, wenn der Eingang in die Staatskirche nur ein klein
wenig erweitert werde, wrden sehr viele Leute, welche bis dahin
zaudernd auf der Schwelle gestanden, sich hereindrngen. Diejenigen,
welche dann noch drauen blieben, wrden nicht zahlreich oder mchtig
genug sein, um ein weiteres Zugestndni erzwingen zu knnen, und wrden
sich gern mit einer bloen Toleranz abfinden lassen.[84]

Die Ansicht der Niederkirchlichen bezglich der Testacte war von der
seinigen durchaus verschieden. Vielen von ihnen aber schien es von
hchster Wichtigkeit, seine Untersttzung bei den groen Fragen der
Toleranz und der Comprehension zu erlangen. Aus den zerstreuten
fragmentarischen Mittheilungen, welche auf uns gekommen sind, geht
hervor, da ein Vergleich zu Stande kam. Es ist gewi, da Nottingham es
auf sich nahm, eine Toleranzbill und eine Comprehensionsbill
einzubringen und sich nach besten Krften zu bemhen, da beide Bills im
Hause der Lords angenommen wrden. Und sehr wahrscheinlich ist es, da
einige von den leitenden Whigs in Anerkennung dieses groen Dienstes
einwilligten, die Testacte vor der Hand unverndert fortbestehen zu
lassen.

Die Abfassung der Toleranzbill sowohl als der Comprehensionsbill hatte
keine Schwierigkeiten. Vor neun oder zehn Jahren, als das Knigreich von
Angst vor einem papistischen Complot erfllt und die Protestanten
allgemein geneigt waren, sich gegen den gemeinsamen Feind zu verbinden,
war die Lage der Dissenters vielfach discutirt worden. Die Regierung war
damals bereit gewesen, der Whigpartei umfassende Zugestndnisse zu
machen, unter der Bedingung, da die Krone nach dem regelmigen Gange
forterben drfe. Zwei Gesetzentwrfe, von denen der eine den
ffentlichen Gottesdienst der Nonconformisten gestattete, der andre
einige Abnderungen in dem ffentlichen Gottesdienste der Staatskirche
traf, waren vorbereitet worden und wrden wahrscheinlich von beiden
Husern ohne Schwierigkeit angenommen worden sein, htten nicht
Shaftesbury und seine Coadjutoren sich geweigert, auf irgendwelche
Bedingungen zu hren, und sich, indem sie nach Unerreichbarem die Hand
ausstreckten, Vortheile entgehen lassen, welche leicht zu erlangen
gewesen wren. An der Abfassung dieser Gesetzentwrfe hatte Nottingham,
damals ein thtiges Mitglied des Hauses der Gemeinen, einen starken
Antheil gehabt. Jetzt zog er sie aus dem Dunkel hervor, in welchem sie
seit der Auflsung des Oxforder Parlaments geblieben waren, und legte
sie mit einigen unbedeutenden Abnderungen auf den Tisch der Lords.[85]

    [Anmerkung 84: Oldmixon mchte uns glauben machen, da Nottingham
    damals nicht abgeneigt gewesen sei, die Testacte aufzugeben. Aber
    Oldmixon's Behauptung, welche durch keine Beweise untersttzt
    wird, ist von gar keinem Gewicht, und alle Zeugnisse, die er
    anfhrt, sprechen gegen seine Behauptung.]

    [Anmerkung 85: +Burnet II. 6+; Van Citters an die Generalstaaten,
    1.(11.) Mrz 1689; +King William's Toleration being an explanation
    of that liberty of conscience which may be expected from His
    Majesty's Declaration, with a Bill for Comprehensions and
    Indulgence, drawn up in order to an Act of Parliament, licensed
    March 25. 1689.+]


[_Die Toleranzbill._] Die Toleranzbill ging in beiden Husern nach
kurzer Debatte durch. Dieses berhmte Gesetz, das lange Zeit als die
groe Charte der Religionsfreiheit betrachtet wurde, ist seitdem
umfassend modificirt worden und der jetzigen Generation fast nur dem
Namen nach bekannt. Der Name wird jedoch von Vielen, welche vielleicht
mit Verwunderung und Enttuschung den wahren Character des Gesetzes
kennen lernen werden, das sie in Ehren zu halten gewohnt waren, noch
immer mit Achtung genannt.

Mehrere Gesetze, welche zwischen der Thronbesteigung der Knigin
Elisabeth und der Revolution erlassen worden waren, schrieben Jedermann
bei strengen Strafen vor, dem Gottesdienste der Kirche England's
beizuwohnen und sich des Besuchs von Conventikeln zu enthalten. Die
Toleranzacte widerrief keines dieser Gesetze, sondern bestimmte nur, da
sie auf Niemanden Anwendung finden sollten, der seine Loyalitt durch
Ablegung der Unterthanen- und Suprematseide und seinen protestantischen
Glauben durch Unterzeichnung der Erklrung gegen die Transsubstantiation
bezeuge.

Die so gewhrte Erleichterung kam sowohl den dissentirenden Laien
als den dissentirenden Geistlichen zu Gute. Der dissentirende Klerus
aber hatte noch einige besondere Ursachen zu Beschwerden. Die
Conformittsacte hatte Jedem eine Geldbue von hundert Pfund auferlegt,
der sich, ohne die bischfliche Ordination empfangen zu haben, anmaen
sollte, das Abendmahl zu reichen. Die Fnfmeilenacte hatte viele fromme
und gelehrte Geistliche von ihren Wohnpltzen und ihren Freunden
vertrieben, um in unbekannten Drfern, welche auf keiner Landkarte zu
finden waren, unter Bauern zu leben. Die Conventikelacte hatte
denjenigen Geistlichen, welche vor Separatistenversammlungen predigen
sollten, schwere Geldbue auferlegt, und in directem Widerspruche mit
dem humanen Geiste unsres gemeinen Rechts waren die Gerichtshfe
angewiesen, diese Acte in umfassender Ausdehnung und zur wirksamen
Unterdrckung des Dissents wie zur Aufmunterung der Angeber zu
handhaben. Diese strengen Gesetze waren nicht aufgehoben, sondern nur,
mit vielen Bedingungen und Vorbehalten, gemildert. Es war
vorgeschrieben, da jeder dissentirende Geistliche, ehe er seine
Amtsverrichtungen ausben durfte, mit eigenhndiger Namensunterschrift
seinen Glauben an die Artikel der englischen Staatskirche, mit wenigen
Ausnahmen, feierlich erklren msse. Die Punkte, zu denen seine
Zustimmung nicht verlangt wurde, waren: da die Kirche die Befugni
habe, das Ceremoniell zu reguliren, da die in dem Homilienbuche
aufgestellten Lehren richtig seien, und da die Ceremonie der Ordination
nichts Aberglubisches und Abgttisches an sich habe. Erklrte er sich
fr einen Baptisten, so brauchte er auerdem nicht zu versichern, da
die Taufe der Kinder ein lobenswerther Gebrauch sei. Wenn ihm aber seine
berzeugung nicht gestattete, vierunddreiig von den neununddreiig
Artikeln und den grten Theil von noch zwei anderen Artikeln zu
unterschreiben, so durfte er nicht predigen, ohne sich allen den Strafen
auszusetzen, welche die Cavaliere zur Zeit ihrer Macht und ihrer Rache
ersonnen hatten, um die schismatischen Prediger zu qulen und zu Grunde
zu richten.

Die Lage der Quker war von der der brigen Dissenters verschieden, und
zwar zu ihrem Nachtheile. Der Presbyterianer, der Independent und der
Baptist hatten keine Bedenken wegen des Suprematseides. Der Quker aber
weigerte sich, denselben zu leisten, nicht weil er gegen den Satz, da
fremde Frsten und Prlaten in England keine Rechtsgewalt haben, etwas
einzuwenden gehabt htte, sondern weil sein Gewissen ihm nicht
gestattete, auf irgend etwas zu schwren. Daher war er der Strenge eines
Theiles des Strafcodex ausgesetzt, welcher schon lange bevor das
Qukerthum existirte von den Parlamenten Elisabeth's gegen die
Rmisch-Katholischen ausgearbeitet worden war. Die Toleranzacte erlaubte
den Mitgliedern dieser harmlosen Secte, ihre Zusammenknfte in Frieden
abzuhalten, unter der Bedingung, da sie drei Urkunden unterzeichneten:
eine Erklrung gegen die Transsubstantiation, ein Versprechen der Treue
gegen die Regierung, und ein christliches Glaubensbekenntni. Die
Einwendungen, welche der Quker gegen die athanasianische Phraseologie
machte, hatten ihm die Beschuldigung des Socinianismus zugezogen, und
die starke Sprache, in der er zuweilen behauptete, da er seine Kenntni
von berirdischen Dingen unmittelbarer Eingebung von Oben verdanke,
hatte den Verdacht erweckt, da er von der Autoritt der heiligen
Schrift nicht viel halte. Es wurde daher von ihm verlangt, da er seinen
Glauben an die Gttlichkeit des Sohnes und des heiligen Geistes, wie
auch an die Inspiration des Alten und Neuen Testaments erklren solle.

Dies waren die Bedingungen, unter denen die protestantischen Dissenters
in England zum ersten Male Gott nach ihrer berzeugung verehren durften.
Es war ihnen ganz zweckmigerweise untersagt, ihre Versammlungen bei
verschlossenen Thren zu halten; eine Klausel aber, welche es fr
strafbar erklrte, ein Bethaus zu betreten, in der Absicht die
Versammlung zu belstigen, schtzte sie gegen feindliches Eindringen.

Als ob die erwhnten Beschrnkungen und Vorsichtsmaregeln noch nicht
ausreichend gewesen wren, wurde nachdrcklich erklrt, da die
Legislatur gegen keinen Papisten oder irgend Jemanden, der die Lehre von
der Dreieinigkeit, wie sie in den Formularen der englischen Landeskirche
aufgestellt ist, verwerfe, die geringste Nachsicht zu ben gedenke.

Von allen Acten, die jemals von einem Parlamente erlassen wurden, ist
die Toleranzacte vielleicht diejenige, welche auf die eigenthmlichen
Mngel und auf die eigenthmlichen Vorzge der englischen Gesetzgebung
das grellste Licht wirft. Die Staatswissenschaft ist in einer Hinsicht
der Mathematik vollkommen analog. Der Mathematiker kann leicht darthun,
da eine gewisse Kraft, welche vermittelst eines Hebels oder eines
Flaschenzugs angewendet wird, zum Heben einer gewissen Last ausreicht.
Seine Demonstration grndet sich auf die Voraussetzung, da die
Maschinerie von der Art ist, da keine Last sie biegen oder zerbrechen
kann. Wenn aber der Mechaniker, der vermittelst wirklicher Balken und
Seile eine groe Masse wirklicher Steine zu heben hat, sich auf den
Lehrsatz, den er in Werken ber Dynamik findet, unbedingt verlassen und
die Unvollkommenheit seines Materials nicht mit in Anschlag bringen
wollte, so wrde sein ganzer Apparat von Balken, Rdern und Seilen bald
zusammenstrzen, und er wrde mit all' seinen mathematischen Kenntnissen
als ein viel schlechterer Baumeister erfunden werden wie die bemalten
Barbaren, welche Stonehenge erbauten, obgleich sie von dem
Parallelogramm der Krfte in ihrem Leben nichts gehrt hatten. Wie sich
der Mechaniker zu dem Mathematiker verhlt, so verhlt sich der
praktische Staatsmann zu dem theoretischen Staatsmann. Es ist allerdings
hchst wichtig, da Gesetzgeber und Regierende die Theorie des Regierens
genau kennen, wie es hchst wichtig ist, da der Baumeister, der einen
Obelisk auf sein Piedestal stellen oder eine Rhrenbrcke ber einen
Meeresarm legen soll, in der Theorie des Gleichgewichts und der Bewegung
bewandert sei. Wie aber der, welcher wirklich zu bauen hat, an Vieles
denken mu, wovon d'Alembert und Euler nie etwas erwhnt haben, so mu
auch Der, welcher wirklich regieren soll, sich bestndig durch
Erwgungen leiten lassen, von denen in den Schriften Adam Smith's oder
Jeremias Bentham's keine Rede ist. Der vollkommene Gesetzgeber hlt die
rechte Mitte zwischen dem Theoretiker, der nichts sieht als allgemeine
Grundstze, und dem bloen Praktiker, der nur specielle Umstnde ins
Auge fat. An Gesetzgebern, bei denen das spekulative Element bis zur
vlligen Ausschlieung des praktischen vorherrschte, ist die Welt
whrend der letzten achtzig Jahre auffallend fruchtbar gewesen. Ihrer
Weisheit verdanken Europa und Amerika Dutzende von abortiven
Verfassungen, welche gerade lange genug gelebt haben, um ein trauriges
Aufsehen zu machen, und die dann unter krampfhaften Zuckungen
verschieden sind. In der englischen Gesetzgebung aber hat das praktische
Element vor dem spekulativen stets, und nicht selten ungebhrlich
vorgeherrscht. Nichts auf die Symmetrie, und viel auf die Zweckmigkeit
zu geben; niemals eine Anomalie blos deshalb zu beseitigen, weil sie
eine Anomalie ist; niemals eine Neuerung einzufhren, auer wenn sich
ein Nachtheil fhlbar macht, und Neuerungen nur in so weit einzufhren
als zur Hebung des Nachtheils nothwendig ist; niemals einen Vorschlag zu
machen, der sich weiter erstreckte, als auf den speciellen Fall, fr
welchen Abhlfe zu schaffen ist: dies sind die Regeln, welche vom
Zeitalter Johann's bis zum Zeitalter Victoria's die Verhandlungen
unserer zweihundertfunfzig Parlamente geleitet haben. Unser nationaler
Widerwille gegen alles Abstracte in der Staatswissenschaft ist
allerdings so gro, da er ein Fehler wird. Doch ist es vielleicht ein
Fehler zum Guten. Da wir bei der Verbesserung unserer Gesetze viel zu
langsam gegangen sind, mu zugegeben werden. Obwohl aber in anderen
Lndern gelegentlich ein rascherer Fortschritt stattgefunden haben mag,
so wrde es doch nicht leicht sein, ein andres Land zu nennen, in
welchem so wenig Rckschritt stattgefunden htte.

Die Toleranzacte kommt dem Typus eines groen englischen Gesetzes sehr
nahe. Einen Juristen, der in der Theorie der Gesetzgebung wohl
bewandert, mit der Stimmung der Secten und Parteien aber, in welche die
Nation zur Zeit der Revolution gespalten war, nicht genau bekannt wre,
wrde jene Acte als ein wahres Chaos von Absurditten und Widersprchen
erscheinen. Sie wird eine Prfung nach richtigen allgemeinen Prinzipien
nicht vertragen. Noch mehr, sie wird gar keine Prfung nach irgend
welchem, gleichviel ob richtigen oder falschen Prinzip vertragen. Das
richtige Prinzip ist unzweifelhaft, da ein rein theologischer Irrthum
von der Civilobrigkeit nicht bestraft werden darf. Dieses Prinzip
erkennt die Toleranzacte nicht nur nicht an, sondern sie leugnet es
sogar positiv. Kein einziges von den harten Gesetzen, welche die Tudors
oder die Stuarts gegen die Nonconformisten erlassen, ist aufgehoben.
Verfolgung ist nach wie vor die allgemeine Regel; Toleranz ist die
Ausnahme. Und dies ist noch nicht Alles. Die der berzeugung gewhlte
Freiheit wird in der launenhaftesten Weise gewhrt. Ein Quker erlangt
dadurch, da er ein Glaubensbekenntni in allgemeinen Ausdrcken ablegt,
den vollen Genu der Acte, ohne einen der neununddreiig Artikel zu
unterschreiben. Ein Independentengeistlicher, der vollkommen bereit ist,
die von dem Quker verlangte Erklrung abzugeben, der aber wegen sechs
oder sieben Artikeln Zweifel hegt, bleibt dem Strafgesetz unterworfen.
Howe ist straffllig, wenn er predigt, ohne zuvor seine Zustimmung zu
der anglikanischen Lehre vom Abendmahl feierlich erklrt zu haben. Penn,
der das Abendmahl ganz verwirft, kann vllig ungehindert predigen, ohne
irgend eine Erklrung ber den Gegenstand abzugeben.

Dies sind einige von den unleugbaren Fehlern, welche Jedem auffallen
mssen, der die Toleranzacte nach dem Mastabe der gesunden Vernunft
betrachtet, welcher in allen Lndern und zu allen Zeiten der nmliche
ist. Aber gerade diese Fehler knnen sich vielleicht als Vorzge
herausstellen, wenn wir die Leidenschaften und Vorurtheile Derer in
Betracht ziehen, fr welche die Toleranzacte erlassen wurde. Dieses an
Widersprchen, die jeder Stmper in der Politik entdecken kann,
berreiche Gesetz leistete, was ein von den grten Meistern in der
Staatswissenschaft auf das Geschicktste ausgearbeitetes Gesetz
vielleicht nicht geleistet haben wrde. Da die obenangefhrten
Bestimmungen lstig, kindisch, einander widersprechend und mit der
wahren Theorie der Religionsfreiheit nicht im Einklange sind, lt sich
nicht leugnen. Alles was zu ihrer Vertheidigung angefhrt werden kann,
ist, da sie eine groe Menge Hebel beseitigte, ohne eine groe Menge
Vorurtheile zu verletzen; da sie mit einem Male und fr immer, ohne
eine einzige Abstimmung in einem der beiden Parlamentshuser, ohne einen
einzigen Straenaufstand und fast ohne hrbares Murren selbst von Seiten
der bigotteren Klassen, einer Verfolgung ein Ende machte, welche vier
Generationen hindurch gewthet, zahllose Herzen gebrochen, zahllose
Herde verdet, die Gefngnisse mit Menschen gefllt, welche fr diese
Welt zu gut waren, und Tausende von rechtschaffenen, fleiigen und
gottesfrchtigen Landleuten und Handwerkern, welche den eigentlichen
Kern einer Nation bilden, ber den Ocean getrieben hatte, um unter den
Wigwams rothhutiger Indianer und den Lagerpltzen der Panther eine
Zufluchtssttte zu suchen. Solche Vertheidigungsgrnde mgen einigen
oberflchlichen Theoretikern vielleicht schwach vorkommen, Staatsmnner
aber werden sie ohne Zweifel fr vollkommen ausreichend erklren.

Die Englnder von 1689 waren keineswegs geneigt, das Prinzip gelten zu
lassen, da religiser Irrthum ungestraft bleiben drfe. Dieses Prinzip
war gerade damals unpopulrer als je, denn es war erst vor wenigen
Monaten arglistiger Weise als Vorwand benutzt worden, um die
Landeskirche zu verfolgen, die Grundgesetze des Reichs mit Fen zu
treten, Freigter einzuziehen und die bescheidene Ausbung des
Petitionsrechts als ein Verbrechen zu behandeln. Wenn damals eine
Bill entworfen worden wre, welche allen Protestanten vllige
Gewissensfreiheit gewahrt htte, so kann man mit Gewiheit behaupten,
da Nottingham eine solche Bill niemals eingebracht, da alle Bischfe,
Burnet nicht ausgenommen, dagegen gestimmt haben wrden, da sie jeden
Sonntag von zehntausend Kanzeln herab als eine Beleidigung gegen Gott
und gegen alle Christen und als ein Freibrief fr die rgsten Ketzer und
Gottesleugner bezeichnet worden wre, da Bates und Baxter sie eben so
heftig verdammt haben wrden als Ken und Sherlock, da sie in der Hlfte
der englischen Stdte vom Pbel verbrannt worden, da sie nie ein
Landesgesetz geworden wre und da sie schon das Wort Toleranz der
Mehrheit des Volks auf viele Jahre hinaus verhat gemacht haben wrde.
Und dennoch, wenn eine solche Bill durchgegangen wre, was wrde sie
mehr bewirkt haben als die Toleranzacte bewirkte?

Es ist wahr, die Toleranzacte erkannte die Verfolgung als Regel an und
gewhrte die Gewissensfreiheit nur als Ausnahme. Aber eben so wahr ist
es, da die Regel nur gegen einige Hundert protestantischer Dissenters
in Kraft blieb und da die Wohlthat der Ausnahme sich auf
Hunderttausende erstreckte.

Es ist wahr, da es theoretisch widersinnig war, von Howe die
Unterzeichnung von vierunddreiig oder fnfunddreiig der anglikanischen
Artikel zu verlangen, bevor er predigen durfte, und Penn predigen zu
lassen, ohne da er einen einzigen dieser Artikel unterzeichnete. Aber
eben so wahr ist es, da Beide, Penn wie Howe, unter jenem Gesetz nicht
minder volle Freiheit zu predigen erlangten, als sie sie unter dem
weisesten Codex genossen haben wrden, den ein Beccaria oder Jefferson
htte ausarbeiten knnen.

Die Berathung der Bill ging leicht von Statten. Nur ein Amendement von
Wichtigkeit wurde vorgeschlagen. Einige eifrige Kirchenmnner im Hause
der Gemeinen sagten, da es wohl wnschenswerth sein drfte, die
Toleranz nur auf einen Zeitraum von sieben Jahren zu bewilligen und so
eine Garantie fr das gute Verhalten der Nonconformisten zu erlangen.
Dieser Antrag aber wurde so ungnstig aufgenommen, da Die, welche ihn
gestellt hatten, es nicht wagten, das Haus darber abstimmen zu
lassen.[86]

Der Knig gab mit voller Befriedigung seine Zustimmung, die Bill wurde
Gesetz und die puritanischen Geistlichen drngten sich in allen
Grafschaften zu den Quartalsitzungen, um zu schwren und zu
unterzeichnen. Viele von ihnen mochten ihre Zustimmung zu den Artikeln
allerdings wohl mit einigen stillschweigenden Vorbehalten erklren.
Baxter aber wollte sein ngstliches Gewissen nicht gestatten den Schritt
zu thun, bevor er eine Erklrung ber den Sinn, in welchem er jeden
Punkt verstand, zu Protokoll gegeben hatte. Das Schriftstck, welches
er dem Gerichtshofe, vor dem er die Eide leistete, berreichte,
ist noch vorhanden und enthlt zwei Stellen von besonderem
Interesse. Er erklrte, da seine Billigung des athanasianischen
Glaubensbekenntnisses sich auf denjenigen Theil beschrnke, der ein
wirkliches Glaubensbekenntni sei, und da er den Verdammungsstzen
nicht beistimme. Ebenso erklrte er, da er durch Unterschreibung des
Artikels, der ber Alle, welche behaupten, man knne auch ohne Christi
Vermittlung selig werden, ein Anathema verhngt, Diejenigen nicht
verdammt haben wolle, welche die Hoffnung hegen, da aufrichtige und
tugendhafte Unglubige an den Wohlthaten der Erlsung Theil haben
knnen. Viele von den dissentirenden Geistlichen London's erklrten ihre
Verpflichtung zu diesen mildherzigen Gesinnungen.[87]

    [Anmerkung 86: +Commons' Journals, May 17. 1689+]

    [Anmerkung 87: Sense of the subscribed articles by the Ministers
    of London, 1690; Calamy's Historical Additions to Baxter's Life.]


[_Die Comprehensionsbill._] Die Geschichte der Comprehensionsbill bildet
einen auffallenden Contrast zur Geschichte der Toleranzbill. Beide Bills
hatten einen gemeinsamen Ursprung und, in bedeutender Ausdehnung, auch
einen gemeinsamen Zweck. Sie wurden zu gleicher Zeit entworfen und zu
gleicher Zeit bei Seite gelegt; sie geriethen zusammen in Vergessenheit
und wurden nach Verlauf mehrerer Jahre zusammen wieder vor die Augen der
Welt gebracht. Beide wurden von dem nmlichen Peer auf den Tisch des
Oberhauses niedergelegt und beide wurden dem nmlichen Ausschusse
berwiesen. Bald aber begann es sich zu zeigen, da sie ein ganz
verschiedenes Schicksal haben wrden. Die Comprehensionsbill war zwar
ein besseres Probestck legislativer Geschicklichkeit, als die
Toleranzbill, war aber nicht, wie diese, den Bedrfnissen, Gefhlen und
Vorurtheilen der lebenden Generation angepat. In Folge dessen wurde die
Comprehensionsbill, whrend die Toleranzbill von allen Seiten
Untersttzung fand, von allen Seiten angegriffen und zuletzt selbst von
Denen, die sie eingebracht hatten, lau und schwach vertheidigt. Um die
nmliche Zeit, wo die Toleranzbill unter allgemeiner Zustimmung der
Staatsmnner Gesetz wurde, ward die Comprehensionsbill unter nicht
minder allgemeiner Zustimmung fallen gelassen. Die Toleranzbill nimmt
heute noch unter den wichtigen Gesetzen, welche in unsrer
Verfassungsgeschichte Epochen bezeichnen, eine Stelle ein. Die
Comprehensionsbill ist vergessen. Kein Sammler von Alterthmern hat sie
der Aufbewahrung werth gehalten. Ein einziges Exemplar, das nmliche,
welches Nottingham den Peers vorlegte, befindet sich noch unter unseren
Parlamentsacten, ist aber nur einigen wenigen jetzt lebenden Personen zu
Gesicht gekommen. Es ist ein glcklicher Umstand, da aus diesem
Exemplare fast die ganze Geschichte der Bill zu ersehen ist. Trotz der
Durchstreichungen und hineincorrigirten nderungen sind die
ursprnglichen Worte leicht von denen zu unterscheiden, welche im
Ausschu oder bei der Berichterstattung hineingeschrieben wurden.[88]

Die erste Klausel, wie sie bei Einbringung der Bill lautete, entband
alle Geistlichen der Landeskirche der Nothwendigkeit, die neununddreiig
Artikel zu unterschreiben. An die Stelle der Artikel war folgende
Erklrung gesetzt: Ich billige die Lehre und den Gottesdienst und das
Regiment der Staatskirche England's, wie sie gesetzlich bestehen,
als alles zur Seligkeit Nothwendige enthaltend, und verspreche in der
Ausbung meines geistlichen Amtes demgem zu predigen und zu handeln.
Eine andre Klausel gewhrte den Mitgliedern der beiden Universitten
gleiche Begnstigung.

Ferner war bestimmt, da jeder Geistliche, der nach presbyterianischer
Weise ordinirt worden, ohne nochmalige Ordination alle Rechte eines
Priesters der Landeskirche erlangen konnte. Er mute jedoch in seine
neuen Functionen durch Hndeauflegen seitens eines Bischofs eingefhrt
werden, welcher dabei folgende Formel auszusprechen hatte: Empfange die
Ermchtigung, das Wort Gottes zu predigen, die Sakramente darzureichen
und alle anderen geistlichen Amtsverrichtungen in der Kirche von England
auszuben. Der so Aufgenommene war zur Bekleidung jedes Rectorats oder
Vikariats im Knigreiche befhigt.

Dann folgten Klauseln, welche bestimmten, da ein Geistlicher, auer in
einigen wenigen Kirchen von besonderem Ansehen, den Chorrock tragen
knne oder nicht, wie er es fr gut fnde, da das Zeichen des Kreuzes
bei der Taufe weggelassen werden drfe, da die Kinder ohne Pathen oder
Pathinnen getauft werden drften, wenn die Eltern es wnschten, und da
Leute, denen es Gewissensscrupel machte, das Abendmahl knieend zu
empfangen, es sitzend empfangen drften.

Der Schlusatz war in Form einer Petition gefat. Es war darin
vorgeschlagen, da die beiden Huser den Knig und die Knigin ersuchen
sollten, eine Ordre zu erlassen, welche dreiig Theologen der
Landeskirche ermchtigte, die Liturgie, die Kirchengesetze und die
Einrichtung der geistlichen Gerichtshfe zu untersuchen und die sich bei
der Untersuchung als wnschenswerth herausstellenden nderungen
anzuempfehlen.

Die Bill durchlief ruhig die ersten Stadien. Compton, welcher
thatschlich Primas war, seit Sancroft sich in Lambeth eingeschlossen
hatte, untersttzte Nottingham aufs Krftigste.[89] Im Ausschusse aber
zeigte es sich, da es eine starke Partei von Hochkirchlichen gab,
welche entschlossen waren, kein einziges Wort, keine einzige Formalitt
aufzugeben, denen es schien, da Gebete ohne den Chorrock keine Gebete,
der Tufling ohne das Zeichen des Kreuzes kein Christ, und Brod und Wein
keine Denkzeichen der Erlsung und keine Gnadenvehikel seien, wenn sie
nicht knieend empfangen wrden. Warum, fragten diese Mnner, sollte der
gehorsame und treue Sohn der Landeskirche den Verdru haben, in ihre
majesttischen Chre die unehrerbietigen Gebruche eines Conventikels
eingefhrt zu sehen? Warum sollten seine Gefhle, seine Vorurtheile,
wenn es wirklich Vorurtheile wren, weniger bercksichtigt werden als
die Launen der Schismatiker? Wenn, wie Burnet und Leute wie Burnet nicht
mde wurden zu wiederholen, einem schwachen Bruder Nachsicht gebhre,
gebhre sie demjenigen Bruder, dessen Schwche in seiner bergroen
Liebe zu einem alten, einfachen und schnen Ritual bestehe, das von
Kindheit an in seiner Phantasie mit dem Erhabensten und Theuersten eng
verbunden sei, weniger als dem Bruder, dessen grmlicher und
streitschtiger Geist bestndig auf lppische Einwendungen gegen
harmlose und heilsame Gebruche sinne? Aber die Bedenklichkeit des
Puritaners sei wahrlich nicht die Art der Bedenklichkeit, welche der
Apostel den Glubigen zu respectiren befohlen habe. Sie entspringe nicht
aus einer krankhaften Zartheit des Gewissens, sondern aus Tadelsucht und
geistlichem Hochmuth, und wer das Neue Testament studirt habe, dem knne
es unmglich entgangen sein, da, whrend es unsre Pflicht sei Alles zu
vermeiden was dem Schwachen ein rgerni geben knne, gttliche
Vorschrift und gttliches Beispiel uns lehrten, dem anmaenden und
lieblosen Phariser kein Zugestndni zu machen. Sollte Alles was nicht
zum Wesen der Religion gehre, aufgegeben werden, sobald es einem Haufen
Zeloten, denen Eigendnkel und Neuerungssucht die Kpfe verdreht htte,
nicht mehr gefalle? Bemaltes Glas, Musik, Feiertage und Festtage
gehrten nicht zum Wesen der Religion. Sollten auf Verlangen der einen
Schaar Fanatiker die Fenster der Kapelle von King's College zerbrochen
werden? Sollte einer andren zu Gefallen die Orgel von Exeter verstummen?
Sollten alle Dorfglocken schweigen, weil Tribulation Wholesome oder
Diakonus Ananias sie fr profan hielten? Sollte das Christfest kein
Freudentag mehr sein? Sollte die Passionswoche nicht lnger eine Zeit
der Demthigung bleiben? Diese nderungen waren allerdings noch nicht
vorgeschlagen worden. Wenn wir aber, argumentirten die Hochkirchlichen,
einmal zugeben, da etwas Harmloses und Erbauliches abgeschafft werde,
weil es einigen beschrnkten Kpfen und Grmlingen Ansto giebt, wo
sollen wir dann einhalten? Und ist es nicht wahrscheinlich, da wir,
indem wir so versuchen, ein Schisma zu heilen, ein andres hervorrufen
knnen? Alle die Dinge, welche die Puritaner als Flecken der Kirche
betrachten, werden von einem groen Theile der Bevlkerung zu den
Schnheiten derselben gerechnet. Kann sie nicht, indem sie aufhrt
einigen mrrischen Rigoristen rgerni zu geben, zu gleicher Zeit ihren
Einflu auf die Herzen Vieler verlieren, die sich jetzt an ihren
Gebruchen erfreuen? Steht nicht zu befrchten, da fr jeden
Proselyten, den sie aus dem Bethause an sich zieht, zehn ihrer alten
Shne ihren verstmmelten Riten und des Schmuckes beraubten Tempeln den
Rcken kehren und da diese neuen Separatisten sich entweder zu einer
viel mchtigeren Secte als die, welche wir jetzt zu vershnen suchen,
zusammenschaaren oder in der Heftigkeit ihres Abscheues vor einer kalten
und unwrdigen Gottesverehrung sich verleiten lassen, zu dem feierlichen
und glnzenden Gtzendienst Rom's berzugehen?

Es ist bemerkenswerth, da Die, welche diese Sprache fhrten, keineswegs
geneigt waren, fr die doctrinellen Artikel der Staatskirche zu
streiten. In Wahrheit hat seit den Zeiten Jakob's I. die groe Partei,
welche besonders fr die anglikanische Kirchenverfassung und das
anglikanische Ritual eingenommen war, sich immer stark zum Arminianismus
hingeneigt und daher nie sehr fest an einem Glaubensbekenntni gehangen,
das von Reformatoren entworfen war, welche in Fragen der metaphysischen
Theologie im Allgemeinen mit Calvin bereinstimmten. Eines von den
characteristischen Kennzeichen dieser Partei ist die Geneigtheit, welche
sie stets an den Tag gelegt hat, sich bei Punkten der dogmatischen
Theologie lieber auf die aus Rom stammende Liturgie als auf die aus Genf
stammenden Artikel und Homilien zu berufen. Die calvinistischen
Mitglieder der Kirche haben dagegen stets behauptet, da die
wohlerwogene Meinung derselben ber solche Punkte vielmehr in einer
Homilie oder in einer Dankeshymne zu finden sei. Es scheint nicht,
da bei den Debatten ber die Comprehensionsbill ein einziger
Hochkirchlicher seine Stimme gegen die Klausel erhob, welche den Klerus
der Nothwendigkeit entband, die Artikel zu unterschreiben und die in den
Homilien enthaltene Doctrin fr richtig zu erklren. Die Erklrung,
welche in dem ursprnglichen Entwurf an die Stelle der Artikel gesetzt
war, wurde sogar in der Berichterstattung sehr gemildert. Nach dem
schlielichen Wortlaute der Klausel war den Dienern der Landeskirche
vorgeschrieben zu erklren, nicht da sie ihre Verfassung _billigten_,
sondern blo da sie sich derselben unterwrfen. Wre die Bill Gesetz
geworden, so wrden die dissentirenden Prediger die Einzigen im ganzen
Knigreiche geworden sein, welche die Artikel zu unterschreiben gehabt
htten.[90]

Die Leichtigkeit mit der die eifrigen Freunde der Landeskirche das
Glaubensbekenntni derselben aufgaben, contrastirt auffallend mit der
Begeisterung, mit der sie fr die Verfassung und das Ritual derselben
stritten. Die Klausel, welche presbyterianischen Geistlichen gestattete,
ohne bischfliche Ordination Pfrnden zu besitzen, wurde verworfen.
Die Klausel, welche skrupulsen Personen gestattete, sitzend zu
communiciren, entging mit genauer Noth dem nmlichen Schicksale. Im
Ausschusse wurde sie weggestrichen und bei der Berichterstattung nur mit
groer Mhe wieder aufgenommen. Die Majoritt der anwesenden Peers war
gegen die vorgeschlagene Begnstigung und nur die Stellvertreter gaben
gerade noch den entgegengesetzten Ausschlag.

Inzwischen begann es sich jedoch zu zeigen, da der Bill, welche die
Anhnger der Hochkirche so heftig angriffen, von ganz andrer Seite
Gefahren drohten. Die nmlichen Grnde, welche Nottingham bewogen hatten
eine Comprehension zu untersttzen, machten dieselbe fr eine groe
Anzahl von Dissenters zu einem Gegenstande der Besorgni und Abneigung.
Das Wahre ist, da die Zeit fr einen solchen Plan vorber war. Wre
Elisabeth hundert Jahre frher, als die Spaltung unter den Protestanten
noch neu war, so weise gewesen, von dem Verlangen der Beobachtung
einiger weniger Formen abzustehen, welche ein groer Theil ihrer
Unterthanen als papistisch betrachtete, so hatte sie vielleicht die
entsetzlichen Calamitten verhten knnen, welche vierzig Jahre nach
ihrem Tode die Kirche heimsuchten. Aber eine Kirchenspaltung hat in der
Regel die Tendenz, sich zu vergrern. Htte Leo X., als die
Erpressungen und Betrgereien der Ablakrmer zuerst den Unwillen
Sachsen's erregten, diesem Unwesen mit krftiger Hand gesteuert, so ist
es nicht unwahrscheinlich, da Luther im Schooe der rmischen Kirche
gestorben sein wrde. Aber man lie die Gelegenheit unbenutzt
vorbergehen, und als wenige Jahre spter der Vatikan durch
Nachgiebigkeit in dem ursprnglichen Streitpunkte gern den Frieden
erkauft haben wrde, war der ursprngliche Gegenstand des Streits fast
vergessen. Der durch einen einzelnen Mibrauch geweckte Prfungsgeist
hatte tausende entdeckt oder zu entdecken geglaubt; Controversen
erzeugten Controversen, jeder Versuch, den einen Streit beizulegen,
endigte damit, da er einen andren hervorrief, und schlielich machte
ein allgemeines Concil, das man whrend der ersten Stadien des bels fr
ein untrgliches Heilmittel gehalten hatte, die Sache vllig
hoffnungslos. In dieser Beziehung wie in vielen anderen gleicht die
Geschichte des Puritanismus in England genau der Geschichte des
Protestantismus in Europa. Das Parlament von 1689 konnte durch Duldung
eines Gewandes oder einer Stellung der Nonconformitt eben so wenig ein
Ende machen, wie die Doctoren von Trient durch Regulirung des Ablasses
die teutonischen Vlker mit dem Papstthum vershnen konnten. Im 16.
Jahrhundert war das Qukerthum noch unbekannt und es gab im ganzen
Reiche nicht eine einzige Independenten- oder Baptistengemeinde. Zur
Zeit der Revolution bildeten die Independenten, Baptisten und Quker die
Majoritt der Dissenters und diese Secten konnten nicht durch
Bedingungen gewonnen werden, welche der entschiedenste Niederkirchliche
zu bieten geneigt gewesen wre. Der Independent war der Ansicht, da
eine Landeskirche, welche durch was immer fr eine Centralgewalt, ob
Papst, Patriarch, Knig, Bischof oder Synode, regiert wurde, eine nicht
schriftgeme Institution und da jede Gemeinschaft von Glubigen unter
Christi Autoritt eine souveraine Gesellschaft sei. Der Baptist war noch
unnachgiebiger als der Independent, und der Quker noch unnachgiebiger
als der Baptist. Daher wrden Concessionen, welche vor Zeiten der
Nonconformitt ein Ende gemacht htten, jetzt noch nicht die Hlfte der
Nonconformisten befriedigt haben, und jedem Nonconformisten, den kein
Zugestndni befriedigen konnte, mute nothwendig darum zu thun sein,
da auch keiner seiner Glaubensbrder zu befriedigen war. Je liberaler
die Bedingungen der Comprehension waren um so grer war die Besorgni
jedes Separatisten, welcher wute, da er in keinem Falle comprehensirt
werden konnte. Es war also nur wenig Hoffnung, da die Dissenters, auch
wenn sie ungetheilt und wie Ein Mann handelten, von der Legislatur volle
Zulassung zu brgerlichen Rechten erlangen wrden, und jede Hoffnung,
diese Zulassung zu erlangen, mute aufgegeben werden, wenn es Nottingham
mit Hlfe einiger wohlmeinender aber kurzsichtiger Freunde der
Religionsfreiheit mglich werden sollte, seinen Plan durchzufhren. Wenn
seine Bill durchging, so erfolgte unzweifelhaft ein erheblicher Abfall
von der Dissenterschaft, und jeder Abfall mute von einer ohnehin schon
in der Minderzahl befindlichen, unterdrckten und gegen mchtige Feinde
kmpfenden Klasse schwer empfunden werden. berdies mute jeder Proselyt
doppelt gezhlt werden, einmal als Verlust fr die Partei, welche gerade
jetzt nur zu schwach war, und einmal als Gewinn fr die schon zu starke
Gegenpartei. Die Kirche war nur zu gut im Stande, allen Secten im
Knigreiche die Spitze zu bieten, und wenn diese Secten durch einen
bedeutenden Abfall gelichtet und die Kirche durch einen bedeutenden
Zugang verstrkt werden sollte, so war es offenbar mit aller Aussicht
auf eine Milderung der Testacte vorbei und nur zu wahrscheinlich,
da die Toleranzacte bald wieder zurckgenommen werden wrde.

Selbst diejenigen presbyterianischen Geistlichen, deren Gewissensscrupel
zu heben die Comprehensionsbill insbesondere bestimmt war, hegten
keineswegs einhellig den Wunsch, sie angenommen zu sehen. Die
talentvollsten und beredtsamsten Prediger waren seit dem Erscheinen der
Indulgenzerklrung sehr angenehm in der Hauptstadt und anderen groen
Stdten placirt und sollten jetzt unter der sicheren Garantie einer
Parlamentsacte die Duldung genieen, welche unter der Indulgenzerklrung
gesetzwidrig und unsicher gewesen war. Die Lage dieser Mnner war von
der Art, da die groe Mehrzahl der Geistlichen der Landeskirche sie mit
Recht beneiden konnten. In der That, nur wenige Parochialgeistliche
waren so reichlich mit Bequemlichkeiten und Genssen bedacht, als der
Lieblingsprediger einer groen Nonconformistengemeinde in der City.
Die freiwilligen Beitrge seiner wohlhabenden Zuhrer, bestehend aus
Aldermen und Rathsherren, Kaufleuten, welche nach Westindien und
der Levante Handel trieben, ltesten der Fischhndler- und
Goldschmiedgilden, setzten ihn in den Stand, Grundeigenthmer zu werden
oder auf Hypotheken auszuleihen. Das feinste Tuch aus Blackwell Hall und
das beste Geflgel von Leadenhall Market wurden ihm hufig ins Haus
gebracht, sein Einflu auf seine Gemeinde war ungeheuer. Kein Mitglied
einer Separatistengesellschaft ging so leicht ein Compagniegeschft ein,
oder verheirathete seine Tochter, oder brachte seinen Sohn in die Lehre,
oder gab seine Stimme bei einer Wahl ab, ohne seinen Seelsorger zu Rathe
zu ziehen. In allen politischen und religisen Fragen war der Geistliche
das Orakel seiner Gemeinde. Seit vielen Jahren pflegte man im Volke zu
sagen, da ein ausgezeichneter Dissentergeistlicher nur seinen Sohn
Advokat oder Arzt werden zu lassen brauche, um gewi zu sein, da er als
Advokat Klienten und als Arzt Patienten haben werde. Whrend ein
gewhnliches Dienstmdchen in der Regel als die fr einen Kaplan der
Landeskirche passende Lebensgefhrtin betrachtet wurde, galt es fr
ausgemacht, da die Wittwen und Tchter reicher Brger vorzugsweise den
nonconformistischen Pastoren zukamen. Ein angesehener presbyterianischer
Rabbi konnte somit wohl daran zweifeln, ob er in weltlicher Beziehung
durch eine Comprehension etwas gewinnen werde. Er konnte allerdings eine
Pfarre oder eine Vikarstelle bekleiden, wenn er eine bekam; inzwischen
aber wurde er dem Mangel preisgegeben, sein Versammlungshaus wurde
geschlossen, seine Gemeinde zerstreute sich unter die Pfarrkirchen, und
wenn ihm eine Pfrnde verliehen wurde, so bot sie ihm wahrscheinlich nur
einen krglichen Ersatz fr das verlorne Einkommen. Eben so wenig durfte
er hoffen, als Diener der anglikanischen Kirche die Autoritt und das
Ansehen zu erlangen, die er bisher genossen hatte. Von einem groen
Theile dieser Kirche wrde er stets als ein berlufer betrachtet
werden. Es war daher im Ganzen genommen sehr natrlich, wenn er da
gelassen zu werden wnschte wo er war.[91]

In Folge dessen entstand eine Spaltung in der Whigpartei. Der eine Theil
war fr die Entbindung der Dissenters von der Testacte und fr Aufgeben
der Comprehensionsbill, der andre Theil war fr Untersttzung der
Comprehensionsbill und fr Verschiebung der Angelegenheit wegen der
Testacte bis zu einer passenderen Zeit. Die Wirkung dieser Spaltung
unter den Freunden der religisen Freiheit war, da die Anhnger der
Hochkirche, obgleich sie im Hause der Gemeinen eine Minoritt und im
Hause der Lords keine Majoritt bildeten, beiden gefrchteten Reformen
mit Erfolg zu opponiren vermochten. Die Comprehensionsbill wurde nicht
angenommen und die Testacte wurde nicht widerrufen.

Gerade in dem Augenblicke als die beiden Fragen des Testes und der
Comprehension sich in eine Weise mit einander zu verwickeln begannen,
welche einen aufgeklrten und rechtschaffenen Staatsmann wohl in
Verlegenheit setzen konnte, gesellte sich dazu noch eine dritte Frage
von hoher Wichtigkeit.

    [Anmerkung 88: Die Bill befindet sich in den Archiven des Hauses
    der Lords. Es ist befremdend, da diese groe Sammlung wichtiger
    Dokumente selbst von unseren gewissenhaftesten und fleiigsten
    Geschichtsforschern ganz unbeachtet gelassen worden ist. Sie wurde
    mir durch einen meiner werthesten Freunde, Mr. John Lefevre,
    geffnet und die Gte des Mr. Thoms untersttzte mich wesentlich
    bei meinen Nachforschungen.]

    [Anmerkung 89: Unter den Tanner'schen Manuscripten in der
    Bodlejanischen Bibliothek befindet sich ein hchst interessanter
    Brief von Compton an Sancroft ber die Toleranzbill und die
    Comprehensionsbill. Dies, sagt Compton, sind zwei wichtige
    Werke, bei denen die Existenz unsrer Kirche interessirt ist, und
    ich hoffe, Sie werden sich aus dem Parlamente Exemplare davon
    holen lassen. Denn obgleich wir unter einer Eroberung stehen,
    hat Gott uns doch Gnade geschenkt vor den Augen unserer Herrscher,
    und wir knnen unsre Kirche aufrecht halten, wenn wir wollen.
    Sancroft scheint nicht darauf geantwortet zu haben.]

    [Anmerkung 90: Die Abneigung der Hochkirchlichen gegen die Artikel
    ist Gegenstand einer interessanten Flugschrift, welche 1689 unter
    dem Titel erschien: +ADialogue between Timothy and Titus+.]

    [Anmerkung 91: Tom Brown sagt in seiner derb komischen Manier von
    den damaligen presbyterianischen Geistlichen, ihr Predigen bringe
    Geld ein, mit Geld kaufe man Grundbesitz und Grundbesitz sei
    ein Genu, nach dem jedem von ihnen gelste, trotz ihres
    scheinheiligen Gewinsels. Wren die Quartalbeitrge nicht, so
    wrde es kein Schisma und keine Separation mehr geben. Er fragt,
    wie es denkbar sei, da sie, wenn sie sich whrend der Spaltung
    wie Gentlemen stnden, jemals Lehren predigen wrden, welche den
    Bruch heilen knnten? -- +Brown's Amusements, Serious and
    Comical.+ -- Einige interessante Beispiele von dem Einflusse, den
    die vornehmsten Dissentergeistlichen ausbten, finden sich in
    Hawkins' +Life of Johnson+. In dem Tagebuche eines Brgers, der
    sich zur Ruhe gesetzt hat (+Spectator 317+.) erlaubt sich Addison
    einige sehr gute Witze ber den Gegenstand. Der Mr. Nisby, dessen
    Ansichten ber den Frieden, den Grovezier und den gezuckerten
    Kaffee mit so groem Respect angefhrt werden, und der so
    freigebig mit Marksknochen, Ochsenfleisch und einer Flasche von
    Brooks & Hellier regalirt wird, ist John Nesbit, ein sehr
    beliebter Prediger, der zur Zeit der Revolution Pastor einer
    Dissentergemeinde in Hare Court, Aldergate Street, wurde. In
    Wilson's +History and Antiquities of Dissenting Churches and
    Meeting Houses in London, Westminster and Southwark+ findet man
    mehrere Beispiele von nonconformistischen Predigern angefhrt,
    welche um diese Zeit zu hbschem Vermgen gelangten, meist durch
    Heirathen, wie es scheint.]


[_Bill zur Festsetzung der Huldigungs- und Suprematseide._] Die
seitherigen Huldigungs- und Suprematseide enthielten einige Ausdrcke,
welche den Whigs stets mifallen hatten, und wieder andere, welche
Tories, die der neuen Ordnung der Dinge aufrichtig zugethan waren,
fr unanwendbar auf Frsten hielten, welche das erbliche Recht nicht
besaen. Die Convention hatte daher, als der Thron noch erledigt war,
die Huldigungs- und Suprematseide entworfen, durch die wir noch heute
unsrem Souverain unsre Loyalitt bezeugen. Durch die Acte, welche die
Convention in ein Parlament verwandelte, wurde den Mitgliedern beider
Huser vorgeschrieben, die neuen Eide zu leisten. Bezglich der anderen
ffentlichen Beamten war es schwer zu sagen, wie das Gesetz stand.
Die eine Wortformel war durch ordnungmig angenommene und noch nicht
ordnungmig aufgehobene Gesetze vorgeschrieben. Eine andre Formel war
durch die Rechtserklrung vorgeschrieben, ein Instrument, das zwar
revolutionr und regelwidrig war, das aber wohl als jedem andren Gesetze
an Autoritt gleichstehend angesehen werden konnte. Die Praxis war in
eben so groer Verwirrung als das Gesetz. Es wurde daher als nothwendig
erkannt, da die Legislatur unverzglich eine Acte erliee, welche die
alten Eide abschaffte und zugleich bestimmte, wann und von wem die neuen
Eide geleistet werden sollten.

Die Bill, welche diese wichtige Frage erledigte, ging vom Oberhause aus.
Die meisten Bestimmungen boten der Meinungsverschiedenheit wenig
Spielraum. Man war allgemein darber einverstanden, da in Zukunft
Niemand ein brgerliches, militrisches, geistliches oder akademisches
Amt erhalten solle, der nicht Wilhelm und Marien die Eide geleistet
habe. Eben so allgemein war man damit einverstanden, da Jeder, der
bereits ein brgerliches oder militrisches Amt bekleidete, aus
demselben entfernt werden sollte, wenn er nicht an oder vor dem 1.
August 1689 die Eide leistete. Die heftigsten Leidenschaften beider
Parteien aber wurden durch die Frage erregt, ob Personen, welche bereits
kirchliche oder akademische mter inne hatten, gehalten sein sollten,
dem Knige und der Knigin, bei Strafe der Absetzung, Treue zu schwren.
Niemand konnte sagen, welchen Eindruck ein Gesetz machen wrde, das
allen Mitgliedern eines groen, mchtigen und geheiligten Standes
vorschrieb, unter der feierlichsten religisen Bekrftigung eine
Erklrung abzugeben, welche als ein frmlicher Widerruf alles dessen was
sie seit vielen Jahren geschrieben und gepredigt hatten, angesehen
werden konnte. Der Primas und einige der angesehensten Bischfe waren
schon aus dem Parlamente weggeblieben und lieen ohne Zweifel eher ihre
Palste und Einknfte im Stiche, als da sie die neuen Souveraine
anerkannten. Dem Beispiele dieser hohen Prlaten folgten vielleicht eine
Menge Geistlicher niederen Ranges, Hunderte von Canonici, Prbendarien
und Collegiaten und Tausende von Pfarrern. Einem solchen Ereignisse
konnte kein Tory, mochte er auch mit sich selbst vllig im Klaren
darber sein, da er dem factischen Knige rechtmigerweise den
Huldigungseid leisten knne, ohne die schmerzlichsten Regungen von
Theilnahme fr die Dulder und von Besorgni fr die Kirche
entgegensehen.

Einige Personen gingen so weit zu leugnen, da ein Parlament berhaupt
befugt sei, ein Gesetz zu erlassen, welches einem Bischofe bei Strafe
der Absetzung vorschreibe, den Eid zu leisten. Keine irdische Macht,
sagten sie, knne das Band zerreien, das den Nachfolger der Apostel an
seine Dicese knpfe. Was Gott zusammengefgt habe, knne der Mensch
nicht trennen. Knige und Senate knnten Worte auf Pergament kritzeln
und Figuren in Wachs drcken; aber diese Worte und Figuren knnten den
Lauf der geistlichen Welt so wenig ndern wie den Lauf der physischen
Welt. Wie der Schpfer des Weltalls eine gewisse Ordnung festgesetzt
habe, nach welcher es ihm gefalle, Winter und Sommer, Saat- und
Erntezeit zu senden, eben so habe er eine gewisse Ordnung festgesetzt,
nach der er seiner katholischen Kirche seine Gnade zu Theil werden
lasse, und die letztere Ordnung sei, wie die erstere, unabhngig von den
Gewalthabern und Frsten der Welt. Eine Legislatur knne die Namen der
Monate ndern, knne den Juni December und den December Juni nennen,
aber trotz aller Legislatur werde Schnee fallen, wenn die Sonne im
Steinbock, und Blumen blhen, wenn sie im Krebs stnde. Eben so knne
die Legislatur befehlen, da Ferguson oder Muggleton im Palaste zu
Lambeth wohnen, auf dem Throne Augustin's sitzen, Euer Gnaden genannt
werden und bei Prozessionen vor dem ersten Herzoge gehen solle, trotz
der Legislatur aber werde Sancroft, so lange er lebe, der einzig wahre
Erzbischof von Canterbury, und Derjenige, der sich die erzbischflichen
Functionen anzumaen wage, ein Schismatiker sein. Diese Doctrin wurde
mit Grnden bewiesen, welche dem Knospen des Machtkrauts und einer
gewissen Platte entlehnt waren, die Jakob der Kleine nach einer Legende
des 4. Jahrhunderts auf der Stirn zu tragen pflegte. Ein von der
Absetzung der Bischfe handelndes Manuscript wurde um diese Zeit in der
Bodlejanischen Bibliothek entdeckt und Gegenstand einer heftigen
Polemik. Die eine Partei meinte, Gott habe dieses kostbare Werk
wunderbarerweise an's Licht gezogen, um seine Kirche in einem uerst
kritischen Augenblicke zu leiten. Die andre Partei wunderte sich, wie
man dem Unsinne eines namenlosen Scribenten des 13. Jahrhunderts die
geringste Wichtigkeit beilegen knne. Es wurde viel geschrieben ber die
Absetzungen des Chrisostomus und des Photius, des Nikolaus Mysticus und
des Cosmas Atticus. Mit besonderem Eifer aber wurde der Fall des
Abjathar discutirt, den Salomo wegen Verraths aus dem Priesteramte
entfernte. Keine geringe Quantitt Gelehrsamkeit und Scharfsinn wurde
auf den Versuch verwendet, zu beweisen, da Abjathar, obgleich er den
Leibrock trug und nach dem Urim antwortete, nicht wirklich Hoherpriester
gewesen sei, da er nur dann fungirt habe, wenn sein Vorgesetzter Zadoc
durch Krankheit oder durch eine ceremonielle Entweihung abgehalten
worden sei und da daher die Handlung Salomo's kein Prcedenzfall sei,
der dem Knige Wilhelm das Recht gebe, einen wirklichen Bischof
abzusetzen.[92]

Doch eine solche Argumentation, obwohl durch zahlreiche Citate aus der
Mischna und aus Maimonides untersttzt, war im allgemeinen selbst
eifrigen Kirchenmnnern nicht gengend. Denn sie lie eine kurze, aber
einem einfachen Manne, der von griechischen Vtern und levitischen
Genealogien nichts wute, vollkommen verstndliche Antwort zu. Ob Knig
Salomo einen Hohenpriester abgesetzt habe, darber konnte noch ein
Zweifel obwalten; aber es unterlag nicht dem geringsten Zweifel, da die
Knigin Elisabeth mehr als die Hlfte der Bischfe England's ihrer
Bisthmer beraubt hatte. Es war notorisch, da vierzehn Prlaten ohne
irgend welche Procedur bei einem geistlichen Gerichtshofe durch eine
Parlamentsacte abgesetzt worden waren, weil sie das Supremat der Knigin
nicht hatten anerkennen wollen. Waren diese Absetzungen null und nichtig
gewesen? War Bonner bis an sein Lebensende der einzig wahre Bischof von
London geblieben? War sein Nachfolger ein Usurpator gewesen? Waren
Parker und Jewel Schismatiker gewesen? Hatte sich die Convocation von
1562, welche die Doctrin der englischen Staatskirche endgltig
festgestellt, selbst auer dem Schooe der Kirche Christi befunden? Es
konnte nichts Lcherlicheres geben als die Verlegenheit der Polemiker,
welche eine Vertheidigung Elisabeth's auffinden sollten, die nicht auch
eine Vertheidigung Wilhelm's war. Einige Zeloten gaben allerdings den
eitlen Versuch auf, zwischen zwei Fllen einen Unterschied zu machen,
zwischen denen, wie der einfachste Verstand einsah, kein Unterschied
war, und gestanden offen zu, da die Absetzungen von 1559 nicht zu
rechtfertigen seien. Doch, sagte man, solle sich darber Niemand
beunruhigen, denn wenn auch die englische Kirche einmal schismatisch
gewesen sei, so sei sie doch wieder katholisch geworden, als die von
Elisabeth abgesetzten Bischfe aufgehrt htten zu leben.[93] Die Tories
waren indessen nicht allgemein geneigt zuzugeben, da die
Religionsgesellschaft, an der sie mit Liebe hingen, aus einem
ungesetzlichen Bruche der Einheit entstanden sei. Sie faten daher
tieferen und haltbareren Grund. Sie behandelten die Frage als eine Frage
der Humanitt und Zeitgemheit. Sie sprachen viel von dem Danke, den
die Nation dem Priesterstande schuldig sei, von dem Muthe und der Treue,
womit dieser Stand, vom Primas bis herab zum jngsten Diakonus,
neuerdings die brgerliche und kirchliche Verfassung des Reichs
vertheidigt habe, von dem denkwrdigen Sonntage, an welchem in allen
hundert Kirchen der Hauptstadt kaum ein Sklave zu finden gewesen war,
der die Indulgenzerklrung verlesen htte; von dem schwarzen Freitage,
an welchem die Barke der sieben Prlaten unter den Segenswnschen und
dem lauten Schluchzen einer zahlreichen Volksmenge durch das Wasserthor
des Tower einfuhr. Die Festigkeit, mit der die Geistlichkeit, trotz
aller Drohungen und Versuchungen, unlngst gethan habe, was sie ihrer
berzeugung nach fr Recht gehalten, habe die Freiheit und die Religion
England's gerettet. Msse man nicht Nachsicht gegen sie ben, wenn sie
sich jetzt weigerten etwas zu thun, wovon sie ihrer festen berzeugung
nach frchteten, da es Unrecht sei? Und was ist fr Gefahr dabei, sagte
man, wenn sie nachsichtig behandelt werden? Kein Mensch wird so albern
sein vorzuschlagen, da man ihnen gestatten solle, gegen die Regierung
zu complottiren oder das Volk aufzuwiegeln. Sie stehen unter dem Gesetze
wie andere Leute. Machen sie sich des Verraths schuldig, so hnge man
sie auf. Machen sie sich der Emprung schuldig, so lege man ihnen
Geldbuen und Gefngnistrafe auf. Unterlassen sie bei ihrem
ffentlichen Gottesdienste fr den Knig Wilhelm, fr die Knigin Marie
und fr das unter diesen allerreligisesten Souverainen versammelte
Parlament zu beten, so bringe man die Strafbestimmungen der
Uniformittsacte in Anwendung. Gengt das noch nicht, so ermchtige man
Se. Majestt, von irgend einem Geistlichen die Eide zu verlangen, und
werden die Eide verweigert, so mge Absetzung erfolgen. Auf diese Weise
kann jeder eidverweigernde Bischof oder Pfarrer, der zwar gesetzlich
nicht zu berfhren ist, doch aber in dem Verdachte steht, gegen die
bestehende Ordnung der Dinge zu intriguiren, zu schreiben und zu
sprechen, sofort seines Amtes entsetzt werden. Warum aber darauf
bestehen, einen frommen und fleiigen Diener der Religion zu vertreiben,
der gegen die Regierung nie einen Finger erhebt oder ein Wort ausspricht
und der bei jedem Morgen- und Abendgottesdienste aus vollem Herzen um
einen Segen fr die von der Vorsehung ber ihn gesetzten Regenten fleht,
der aber einen Eid nicht leisten will, durch welchen er dem Volke das
Recht zuzugestehen glaubt, einen Souverain abzusetzen? Wir thun gewi
Alles was nothwendig ist, wenn wir Leute dieser Art der Gnade des
Frsten preisgeben, dem sie Treue zu schwren sich weigern. Ist er
geneigt, sich ihre Scrupel gefallen zu lassen, will er sie, trotz ihrer
Vorurtheile, als unschuldige und ntzliche Mitglieder der Gesellschaft
betrachten, wer hat ein Recht, sich darber zu beklagen?

Die Whigs stritten heftig fr die entgegengesetzte Ansicht. Sie
analysierten mit einem durch Ha noch erhhten Scharfsinn die Ansprche
der Geistlichkeit auf die ffentliche Dankbarkeit und gingen mitunter so
weit, es gnzlich in Abrede zu stellen, da der Stand sich im
vorhergehenden Jahre um die Nation verdient gemacht habe. Es sei wohl
wahr, da Bischfe und Priester gegen die Tyrannei des vorigen Knigs
aufgestanden seien, aber eben so wahr sei es, da er, htten sie sich
nicht so hartnckig der Ausschlieungsbill widersetzt, niemals Knig
geworden wre und da er, ohne ihre Schmeichelei und ihre Lehre
vom passiven Gehorsam, es nie gewagt haben wrde, sich solcher
Tyrannei schuldig zu machen. Ihre Hauptthtigkeit habe seit einem
Vierteljahrhundert darin bestanden, das Volk kriechen und den Frsten
dominiren zu lehren. Sie htten das Blut Russel's, Sidney's und jedes
muthigen, rechtschaffenen Englnders auf ihrem Gewissen, der
hingeschlachtet worden sei, weil er das Land vom Papismus und
Despotismus zu befreien versucht habe. Nie htten sie einen Laut gegen
Willkrherrschaft vernehmen lassen, bis die Willkrherrschaft sie selbst
in ihrem Eigenthum und ihrer amtlichen Stellung zu bedrohen angefangen
habe. Dann htten sie freilich ihre alten Gemeinpltze von Unterwerfung
unter Nero vergessen und nicht gesumt, sich zu retten. Zugegeben,
sagten diese eifrigen Disputanten, da sie, indem sich selbst retteten,
auch die Verfassung retteten. Sollen wir deshalb vergessen, da sie sie
vorher gefhrdet hatten? und sollen wir sie dafr belohnen, indem wir
ihnen jetzt gestatten, sie zu vernichten? Wir haben hier eine Klasse von
Leuten vor uns, die mit dem Staate eng verwachsen ist. Ein groer Theil
der Bodenerzeugnisse ist ihnen zu ihrem Unterhalte angewiesen. Ihre
Oberhupter haben Sitze in der gesetzgebenden Versammlung, groe
Landgter und prchtige Palste. Durch diesen privilegirten Stand wird
die groe Masse des Volks allwchentlich vom Sitze der Autoritt herab
belehrt. Diesem privilegirten Stande ist die oberste Leitung der
liberalen Erziehung bertragen. Oxford und Cambridge, Westminster,
Winchester und Eton stehen unter priesterlicher Direction. Die
Priesterschaft wird in bedeutendem Umfange den Character des hohen Adels
und der Gentry der nchsten Generation bilden. Einige Mitglieder der
hheren Geistlichkeit haben zahlreiche und eintrgliche Pfrnden zu
vergeben. Andere haben das Privilegium, Richter zu ernennen, welche
hochwichtige, die Freiheit, das Eigenthum und den Ruf der Unterthanen
Ihrer Majestten berhrende Fragen entscheiden. Und ein vom Staate so
begnstigter Stand soll dem Staate keine Brgschaft geben? Nach welchem
Prinzipe kann behauptet werden, da es unnthig sei, von einem
Erzbischof von Canterbury oder einem Bischof von Durham das Gelbni der
Treue gegen die Regierung zu verlangen, das nach Aller berzeugung von
jedem Laien verlangt werden mu, der der Krone in der bescheidensten
amtlichen Stellung dient? Jeder Acciseinnehmer, jeder Zollbeamte,
der den Eid verweigert, soll seines Brodes beraubt werden. Fr diese
geringen Mrtyrer des passiven Gehorsams und des erblichen Rechts hat
Niemand ein Wort. Ein geistlicher Magnat aber, der sich weigert zu
schwren, soll Einknfte, Patronat und Macht behalten drfen, welche
denen eines hohen Staatsbeamten gleichkommen. Man sagt es sei
berflssig, von einem Geistlichen die Eide zu verlangen, weil er
bestraft werden knne, wenn er die Gesetze bertrete. Warum wendet man
das nmliche Argument nicht auch zu Gunsten der Laien an? Und warum
trgt der Geistliche Bedenken, die Eide zu leisten, wenn es sein ernster
Wille ist, die Gesetze zu beobachten? Das Gesetz schreibt ihm vor,
Wilhelm und Marien als Knig und Knigin zu bezeichnen, dies an der
heiligsten Sttte und bei Ausbung des feierlichsten aller religisen
Gebruche zu thun. Das Gesetz verlangt von ihm zu beten, da eine
besondere Vorsehung ber dem erlauchten Paare walte, da es jeden Feind
besiegen und da sein Parlament durch Gottes Hand dahin geleitet werden
mge, diejenigen Maregeln anzuordnen, welche seine Sicherheit, seine
Ehre und sein Wohlergehen frdern knnen. Knnen wir glauben, da sein
Gewissen ihm gestatte, dies Alles zu thun, nicht aber zu versprechen,
da er ein treuer Unterthan des Herrscherpaares sein wolle?

Auf den Vorschlag, da die eidverweigernden Geistlichen der Gnade des
Knigs preisgegeben werden sollten, erwiederten die Whigs mit einigem
Rechte, da kein gegen Se. Majestt ungerechterer Plan ersonnen werden
knne. Die Angelegenheit, sagten sie, ist von nationaler Bedeutung, es
ist eine Angelegenheit, an der jeder Englnder, der nicht der Sklave
Frankreich's und Rom's sein will, das grte Interesse hat. In einem
solchen Falle ist es der Stnde des Reichs unwrdig, vor der
Verantwortlichkeit, fr das Gemeinwohl zu sorgen, zurckzuschrecken,
sich selbst womglich das Lob der Nachsicht und Liberalitt zu
verschaffen und dem Souverain das gehssige Werk der Proscription zu
berlassen. Ein Gesetz, das von allen ffentlichen Beamten,
brgerlichen, wie militrischen und kirchlichen, ohne Unterschied der
Person, die Eide verlangt, ist wenigstens unparteiisch. Es schliet
jeden Verdacht der Parteilichkeit, des persnlichen Hasses, der geheimen
Espionage und Ohrenblserei aus. Wenn aber der Regierung ein
willkrliches Schalten zugestanden wird, wenn der eine eidverweigernde
Priester eine eintrgliche Pfrnde behalten darf, whrend man einen
andren mit Weib und Kindern auf die Strae setzt, so wird jede Absetzung
als ein Act der Grausamkeit betrachtet und dem Souverain und dessen
Ministern als ein Verbrechen angerechnet werden.[94]

So hatte das Parlament in einem und dem nmlichen Augenblicke zu
entscheiden, welche Quantitt von Erleichterung dem Gewissen der
Dissenters gewhrt und welche Quantitt von Zwang dem Gewissen des
Klerus der Landeskirche auferlegt werden sollte. Der Knig hoffte,
da es in seiner Macht stehen werde, einen allen Parteien angenehmen
Vergleich zu Stande zu bringen. Er schmeichelte sich, da die Tories
bewogen werden knnten, den Dissenters ein Zugestndni zu machen, unter
der Bedingung, da die Whigs mild gegen die Jakobiten verfhren. Er
beschlo, die Wirkung seiner persnlichen Intervention zu versuchen.
Der Zufall wollte, da er wenige Stunden, nachdem die Lords die
Comprehensionsbill zum zweiten Male und die Bill wegen der Eide zum
ersten Male verlesen hatten, Gelegenheit hatte, sich ins Parlament zu
verfgen, um zu einem Gesetze seine Zustimmung zu geben. Er sprach vom
Throne herab zu beiden Husern und uerte den ernstlichen Wunsch,
da sie einwilligen mchten, die bestehenden Gesetze dergestalt zu
modificiren, da die ffentlichen mter allen Protestanten zugnglich
wrden.[95] Man wute wohl, da er, wenn die Legislatur seinem Verlangen
willfahrte, Geistliche, welche bereits Pfrnden besaen, im Genusse
derselben zu lassen gedachte, ohne da sie ihm den Huldigungseid
leisteten. Sein Verfahren bei dieser Gelegenheit verdient unzweifelhaft
das Lob der Uneigenntzigkeit. Es gereicht ihm zur Ehre, da er seinen
Unterthanen Gewissensfreiheit zu erkaufen suchte, indem er ein Bollwerk
seiner eignen Krone aufgab. Aber man mu gestehen, da er weniger
Klugheit als Tugendhaftigkeit bewies. Wenn Burnet gut unterrichtet war,
so war Richard Hampden der einzige Englnder seines Geheimraths,[96] den
er befragte, und Richard Hampden war, obgleich ein hchst ehrenwerther
Mann, doch so weit davon entfernt, fr die Whigpartei stehen zu knnen,
da er nicht einmal fr seinen eignen Sohn Johann brgen konnte, dessen
von Haus aus rachschtiger Character durch den Stachel der Reue und
Scham bis zum Ingrimm aufgereizt worden war. Der Knig berzeugte sich
bald, da die beiden Parteien einander mit einer Energie haten, die
ihrer Liebe fehlte. Die Whigs waren zwar fast einhellig der Meinung, da
der Sakramentstest abgeschafft werden msse, sie waren aber keineswegs
darin einig, da der Augenblick dazu gut gewhlt sei, und selbst
diejenigen Whigs, welche am sehnlichsten wnschten, die Nonconformisten
unverzglich von der Nichtbefhigung zu brgerlichen mtern entbunden zu
sehen, waren fest entschlossen, sich die Gelegenheit zur Demthigung und
Bestrafung der Klasse nicht entgehen zu lassen, deren Mitwirkung
hauptschlich der furchtbare Umschwung der ffentlichen Stimmung
zuzuschreiben war, der auf die Auflsung des Oxforder Parlaments folgte.
Die Jane, die South, die Sherlock in die Lage zu versetzen, da sie
entweder verhungern oder ffentlich und mit dem Evangelium auf den
Lippen alle prahlerischen Erklrungen vieler Jahre widerrufen muten:
das war eine zu kstliche Rache, als da man sie sich htte entgehen
lassen knnen. Der Tory dagegen achtete und bemitleidete aufrichtig
diejenigen Geistlichen, die sich wegen der Eide Gewissensscrupel
machten. Der Test aber war seiner Ansicht nach fr die Sicherheit der
herrschenden Religion wesentlich nothwendig und durfte nicht aufgegeben
werden zu dem Zwecke, einen wenn auch noch so ausgezeichneten Mann von
einem wenn auch noch so schweren Ungemach zu befreien. Es wrde
allerdings ein schmerzlicher Tag fr die Kirche sein, wenn die
Bischofsbank, die Kapitelhuser der Kathedralen und die Hallen der
Collegien einige durch ihre Frmmigkeit und Gelehrsamkeit berhmte
Mnner vermiten. Aber ein noch viel schmerzlicherer Tag wrde es fr
die Kirche sein, wenn ein Independent den weien Stab trge, oder ein
Baptist auf dem Wollsack se. Jede Partei suchte Denen zu dienen, fr
die sie sich interessirte, aber keine von beiden wollte ihren Feinden
gnstige Bedingungen zugestehen. Die Folge davon war da die
Nonconformisten vom Staatsdienste ausgeschlossen blieben und die
Eidverweigerer von den kirchlichen mtern vertrieben wurden.

Im Hause der Gemeinen hielt kein Mitglied es fr zweckmig, die
Aufhebung der Testacte zu beantragen. Aber es wurde Erlaubni gegeben,
eine Bill zur Aufhebung der Corporationsacte einzubringen, die kurz nach
der Restauration vom Cavalierparlamente erlassen worden war und eine
Bestimmung enthielt, welche allen Municipalbeamten vorschrieb, das
heilige Abendmahl nach den Formen der englischen Kirche zu empfangen.
Als diese Bill in Begriff war dem Ausschusse berwiesen zu werden,
beantragten die Tories, da der Ausschu bedeutet werden sollte, in dem
Gesetz ber das Sacrament keine nderung vorzunehmen. Diejenigen Whigs,
welche eifrig fr die Comprehension waren, mssen durch diesen Antrag in
groe Verlegenheit gesetzt worden sein. Fr denselben zu stimmen wre
eine prinzipielle Inconsequenz gewesen; dagegen zu stimmen htte so viel
geheien als mit Nottingham brechen. Es wurde ein Mittelweg gefunden.
Die Vertagung der Debatte wurde beantragt, mit 116 gegen 114 Stimmen
angenommen und der Gegenstand nicht wieder in Anregung gebracht.[97] Im
Hause der Lords wurde ein Antrag auf Abschaffung des Sacramentstestes
gestellt, aber mit groer Majoritt verworfen. Viele von Denen, welche
die Bill im Prinzip fr richtig hielten, erachteten sie fr nicht
zeitgem. Es wurde ein Protest aufgesetzt, aber nur von einigen wenigen
minder angesehenen Peers unterzeichnet. Es ist ein auffallender Umstand,
da zwei bedeutende Hupter der Whigpartei, welche in der Regel ihre
parlamentarischen Pflichten sehr gewissenhaft erfllten, bei dieser
Gelegenheit abwesend waren.[98]

Auf die Debatte ber den Test folgte im Oberhause bald eine Debatte ber
die letzte Klausel der Comprehensionsbill. Diese Klausel bestimmte, da
dreiig Bischfe und Priester beauftragt werden sollten, die Liturgie
und die Kirchengesetze zu revidiren und Abnderungen vorzuschlagen. ber
diesen Punkt waren die whiggistischen Peers fast Alle eines Sinnes. Sie
waren in groer Zahl anwesend und sprachen warm. Warum, fragten sie,
sollten nur Mitglieder des Priesterstandes mit dieser Revision
beauftragt werden? Gehre der Laienstand nicht auch zur englischen
Kirche? Wenn die Commission ihren Bericht erstattet habe, wrden Laien
ber die darin enthaltenen nderungsvorschlge zu entscheiden haben.
Keine Zeile im allgemeinen Gebetbuche knne anders als durch die
Autoritt des Knigs, der Lords und der Gemeinen abgendert werden.
Der Knig sei ein Laie, fnf Sechstel der Lords seien Laien, und die
Mitglieder des Hauses der Gemeinen seien smmtlich Laien. Sei es nicht
widersinnig zu behaupten, da Laien nicht befugt seien, in einer
Angelegenheit zu prfen, ber welche anerkanntermaen Laien in letzter
Instanz entscheiden mten? Und knne etwas dem ganzen Geiste des
Protestantismus mehr zuwider sein als die Ansicht, da einer besonderen
Kaste, und dieser Kaste allein, eine auergewhnliche Urtheilsfhigkeit
in geistlichen Dingen verliehen sei, da Mnner wie Selden, wie Hale,
wie Boyle, weniger competent seien, ber eine Collecte oder einen
Glaubensartikel ein Urtheil abzugeben, als der jngste und einfltigste
Kaplan, der in einem abgelegenen Schlosse sein Leben mit Aletrinken und
Beilkespielen hinbringe? Was Gott festgesetzt habe, knne keine irdische
Macht, sei es eine weltliche oder eine geistliche, abndern, und in
Dingen, welche menschliche Wesen festgesetzt htten, habe ein Laie
sicherlich ein eben so competentes Urtheil als ein Geistlicher. Da die
anglikanische Liturgie und das anglikanische Kirchengesetz rein
menschlichen Ursprungs seien, erkenne das Parlament an, indem es die
Revision und Verbesserung derselben einer Commission bertrage. Wie
knne man da behaupten, da in einer solchen Commission der Laienstand,
der eine so groe Mehrheit der Bevlkerung bilde, dessen Erbauung der
Hauptzweck aller kirchlichen Einrichtungen sei und dessen unschuldige
Neigungen bei Feststellung der ffentlichen Religionshandlungen
sorgfltig zu Rathe gezogen werden mten, nicht einen einzigen
Vertreter zu haben brauche? Die Prcedenzflle sprchen direct gegen
diese gehssige Unterscheidung. Zu wiederholten Malen, seit das Licht
der Reformation ber England aufgegangen, seien durch ein Gesetz
Commissionen ermchtigt worden, die Kirchengesetze zu revidiren, und bei
jeder solchen Gelegenheit seien einige von den Commissaren Laien
gewesen. Im gegenwrtigen Falle knne man gegen den vorgeschlagenen
Modus noch besondere Einwendungen machen, denn der Zweck der Maregel
sei die Verhhnung der Dissenters, und es sei daher uerst
wnschenswerth, da die Commissare Mnner wren, auf deren
Unparteilichkeit und Migung die Dissenters bauen knnten. Wrden
dreiig solcher Mnner in den hheren Rangstufen des geistlichen Standes
leicht zu finden sein? Es sei die Pflicht der Legislatur, zwischen zwei
einander feindlich gegenberstehenden Parteien, den nonconformistischen
Theologen und den anglikanischen Theologen, zu entscheiden, und es wrde
demnach die grbste Unbilligkeit sein, einer der beiden Parteien das
Schiedsrichteramt zu bertragen.

Aus diesen Grnden schlugen die Whigs ein Amendement des Inhalts vor,
da die Commission aus Geistlichen und Laien bestehen sollte. Der Kampf
war hei. Burnet, der eben seinen Sitz unter den Peers eingenommen hatte
und dem darum zu thun gewesen zu sein scheint, fast um jeden Preis die
Zuneigung seiner Amtsbrder zu gewinnen, stritt mit dem ganzen ihm
eignen Feuer fr die gegenwrtige Fassung der Klausel. Bei der
Abstimmung ergab sich eine vllig gleiche Stimmenzahl fr und wider, und
somit war, den Regeln des Hauses gem, das Amendement abgeworfen.[99]

Endlich wurde die Comprehensionsbill ins Haus der Gemeinen gesandt. Hier
wrde sie leicht mit zwei Stimmen gegen eine durchgebracht worden sein,
wenn sie von allen Freunden der Religionsfreiheit untersttzt worden
wre. Aber in dieser Angelegenheit konnten die Hochkirchlichen auf den
Beistand eines groen Theils der Niederkirchlichen rechnen. Diejenigen
Mitglieder, welche Nottingham's Plane wohlwollten, sahen, da sie in der
Minoritt waren, und begannen daher, am Siege verzweifelnd, auf den
Rckzug zu denken. Gerade in diesem Augenblicke wurde ein Antrag
gestellt, der alle Stimmen fr sich hatte. Nach dem herkmmlichen
Gebrauche mute gleichzeitig mit einem Parlamente eine Convocation
einberufen werden, und man durfte wohl behaupten, da der Rath einer
Convocation dann am nthigsten sein mte, wenn es sich um Abnderungen
in dem Ritual und der Disciplin der Kirche handelte. In Folge des
unregelmigen Modus aber, nach welchem die Stnde des Reichs whrend
der Erledigung des Thrones zusammenberufen worden waren, gab es diesmal
keine Convocation. Es wurde daher beantragt, da das Haus dem Knige
rathen solle, Maregeln zur Abhlfe dieses Mangels zu ergreifen, und da
das Schicksal der Comprehensionsbill nicht entschieden werden solle, bis
der Klerus Gelegenheit gehabt habe, durch das alte und rechtmige Organ
seine Meinung auszusprechen.

Dieser Antrag wurde mit allgemeiner Acclamation angenommen. Die Tories
freuten sich, da dem Priesterstande eine solche Ehre erzeugt wurde;
diejenigen Whigs, welche gegen die Comprehensionsbill waren, freuten
sich, sie zuverlssig fr ein Jahr, wahrscheinlich aber fr immer bei
Seite gelegt zu sehen; und diejenigen Whigs, welche fr die
Comprehensionsbill waren, freuten sich, ohne Niederlage davon zu kommen.
Viele unter ihnen hofften in der That, da milde und freisinnige
Rathschlge im geistlichen Senate vorherrschen wrden. Eine Adresse,
welche den Knig ersuchte die Convocation einzuberufen, wurde ohne
Abstimmung angenommen, die Lords wurden zum Beitritt aufgefordert, sie
traten bei, die Adresse wurde durch beide Huser dem Knige berreicht,
der Knig versprach, zur geeigneten Zeit den Wunsch seines Parlaments zu
erfllen, und Nottingham's Bill ward nicht wieder erwhnt.

Viele mit der Geschichte der damaligen Zeit unvollkommen bekannte
Schriftsteller haben aus diesem Verfahren gefolgert, da das Haus der
Gemeinen eine Versammlung von Hochkirchlichen gewesen sei; aber nichts
ist gewisser, als da zwei Drittel der Mitglieder entweder
Niederkirchliche oder Nichtanhnger der Landeskirche waren. Wenige Tage
vor dieser Zeit hatte ein an sich unbedeutender, als Kennzeichen der
Gesinnung der Majoritt aber hchst wichtiger Vorgang stattgefunden.
Es war beantragt worden, da das Haus dem alten Herkommen gem seine
Sitzungen bis nach den Osterfeiertagen suspendiren solle. Die Puritaner
und Latitudinarier machten Einwendungen dagegen, es entspann sich eine
heftige Debatte, die Hochkirchlichen wagten es nicht, abstimmen zu
lassen, und zum groen rgerni vieler angesehenen Personen nahm der
Sprecher am Ostermontag um neun Uhr seinen Stuhl ein und es wurde eine
lange und lebhafte Sitzung gehalten.[100]

Dies war indessen keineswegs der strkste Beweis, den die Gemeinen dafr
gaben, da sie in der That weit entfernt waren eine besondere
Ehrerbietung oder Liebe zur anglikanischen Hierarchie zu hegen. Die Bill
zur Festsetzung der Eide war aber in einer dem Klerus gnstigeren
Fassung von den Lords ins Unterhaus gekommen. Allen weltlichen Beamten
war bei Strafe der Absetzung vorgeschrieben, dem Knige und der Knigin
Treue zu schwren. Jeder Geistliche aber, der bereits eine Pfrnde
besa, sollte dieselbe auch ohne zu schwren, behalten drfen, wenn die
Regierung keinen Grund sah, von ihm speciell eine Versicherung seiner
Loyalitt zu verlangen. Burnet hatte, theils ohne Zweifel aus der seinem
Character eignen Gutherzigkeit und Gromuth, theils um seine Amtsbrder
zu gewinnen, diese Anordnung im Oberhause mit groer Energie
untersttzt. Im Unterhause aber war die Stimmung gegen die jakobitischen
Priester unbesiegbar. An dem nmlichen Tage, an welchem dieses Haus ohne
Abstimmung die Adresse votirte, welche den Knig ersuchte, die
Convocation einzuberufen, wurde eine Klausel vorgeschlagen und
angenommen, welche von Jedem, der ein kirchliches oder akademisches Amt
bekleidete, bei Strafe der Suspension verlangte, am 1. August 1689 die
Eide zu leisten. Sechs Monate von diesem Tage an gerechnet, wurden dem
sich Weigernden zur nochmaligen berlegung bewilligt. Beharrte er auch
dann noch auf seiner Weigerung, so sollte er am 1. Februar 1690
definitiv abgesetzt werden.

So abgendert wurde die Bill den Lords zurckgeschickt. Diese aber
blieben bei ihrem ursprnglichen Beschlusse. Conferenz auf Conferenz
wurde gehalten, Vergleich auf Vergleich wurde vorgeschlagen. Aus den
unvollkommenen Berichten, welche auf uns gekommen sind, geht hervor, da
jedes Argument zu Gunsten der Milde von Burnet energisch hervorgehoben
wurde. Doch die Gemeinen blieben fest, die Zeit drngte, der ungewisse
Zustand des Rechts machte sich in allen Zweigen des Staatsdienstes in
nachtheiliger Weise fhlbar, und so gaben die Peers mit Widerstreben
endlich nach. Zu gleicher Zeit fgten sie eine Klausel hinzu, durch
welche der Knig ermchtigt wurde, von den verwirkten Pfrnden einigen
wenigen nicht schwrenden Geistlichen Gelduntersttzungen zu gewhren.
Die Anzahl der so begnstigten Geistlichen sollte zwlf nicht
bersteigen und die bewilligte Untersttzung durfte hchstens ein
Drittheil des verwirkten Einkommens betragen. Einige eifrige Whigs
wollten selbst diese Vergnstigung nicht gelten lassen; doch die
Gemeinen waren mit dem errungenen Siege zufrieden und dachten mit Recht,
da es ungefllig sein wrde, wenn sie ein so geringfgiges Zugestndi
verweigerten.[101]

    [Anmerkung 92: Siehe unter vielen anderen Schriften Dodwell's
    +Cautionary Discourse+, seine +Vindication of the Deprived
    Bishops+, seine +Defence of the Vindication+ und seine
    +Paraenesis+, sowie Bisby's +Unity of Priesthood+, gedruckt 1692.
    Ferner vergleiche man Hody's Gegenschriften, das Baroccianische
    Manuscript und +Salomon and Abiathar, aDialogue between Eucheres
    and Dyscheres+.]

    [Anmerkung 93: +Burnet II.+ 135. Der albernste von allen
    Versuchen, zwischen den Absetzungen von 1559 und denen von 1689
    einen Unterschied nachzuweisen, wurde von Dodwell gemacht. Siehe
    seine +Doctrine of the Church of England concerning the
    Independency of the Clergy on the lay Power, 1697+.]

    [Anmerkung 94: ber diese Polemik sehe man +Burnet II. 7, 8, 9+;
    +Grey's Debates, April 19, 22. 1689+; +Commons' Journals, April
    20, 22.+; +Lords' Journals, April 21.+]

    [Anmerkung 95: +Lords' Journals, March 16. 1689.+]

    [Anmerkung 96: +Burnet II. 7. 8.+]

    [Anmerkung 97: Burnet sagt (II. 8.), da der Antrag, den
    Sacramentstest abzuschaffen, in beiden Husern mit groer
    Majoritt verworfen worden sei. Hierin tuschte ihn jedoch sein
    Gedchtni, denn im Hause der Gemeinen fand keine andre Abstimmung
    ber den Gegenstand statt als die oben erwhnte. Bemerkenswerth
    ist es, da Gwyn und Rowe, welche die Stimmen der Majoritt
    zhlten, zwei der entschiedensten Whigs im ganzen Hause waren.]

    [Anmerkung 98: +Lords' Journals March 21. 1689.+]

    [Anmerkung 99: +Lords' Journals, April 5. 1689+; +Burnet II. 10.+]

    [Anmerkung 100: +Commons' Journals, March 28., April 1. 1689.+;
    Pariser Gazette vom 23. April. Ein Theil der Stelle in der Pariser
    Gazette verdient angefhrt zu werden. +Il y eut ce jour l+
    (am28. Mrz) +une grande contestation dans la Chambre Basse, sur
    la proposition qui fut faite de remettre les sances aprs les
    ftes de Pasques observes toujours par l'Eglise Anglicane.
    Les Protestans conformistes furent de cet avis; et les
    Presbytriens emportrent  la pluralit des voix que les sances
    recommenceroient le Lundy, seconde feste de Pasques.+ Die
    Niederkirchlichen werden von den damaligen franzsischen und
    hollndischen Schriftstellern hufig Presbyterianer genannt. Es
    waren nicht zwanzig eigentliche Presbyterianer im Hause der
    Gemeinen. Siehe +A. Smith and Cutler's plain Dialogue ahout Whig
    and Tory, 1690.+]

    [Anmerkung 101: Berichte ber das was in den Conferenzen vorging,
    findet man in den Protokollen der beiden Huser, und sie sind
    lesenswerth.]


[_Die Bill zur Festsetzung des Krnungseides._] Diese Debatten wurden
auf kurze Zeit durch die Feste und Feierlichkeiten der Krnung
unterbrochen. Als der zu dieser wichtigen Ceremonie bestimmte Tag
heranrckte, verwandelte sich das Haus der Gemeinen in einen Ausschu
behufs Festsetzung der Wortformel, durch welche unsere Landesherren
hinfro ihren Vertrag mit der Nation schlieen sollten. Darber waren
alle Parteien einig, da es angemessen sei, vom Knige den Eid zu
verlangen, da er in weltlichen Angelegenheiten dem Gesetz gem
regieren und die Gerechtigkeit mit Milde ben wolle. ber die Ausdrcke
des Eides aber, die sich auf die kirchlichen Institutionen des Landes
bezogen, wurde viel debattirt. Sollte der hchste Beamte im Staate blo
einfach versprechen, die protestantische Religion aufrecht zu erhalten,
wie sie durch das Gesetz aufgestellt war, oder sollte er versprechen,
diese Religion aufrecht zu erhalten, wie sie spter durch das Gesetz
festgestellt werden wrde? Die Majoritt war fr die erstere Phrase.
Die andre wurde von denjenigen Whigs vorgezogen, welche fr eine
Comprehension waren. Es wurde jedoch allgemein zugestanden, da beide
Phrasen eigentlich gleichbedeutend seien und da der Eid, mochte er
lauten wie er wollte, den Souverain nur in seiner executiven Gewalt
binden werde. Dies ging in der That aus der ganzen Natur des Actes klar
hervor. Jeder Vertrag kann durch die freiwillige Zustimmung der Partei,
welche allein die Erfllung zu verlangen berechtigt ist, annullirt
werden. Die strengsten Casuisten hatten es nie in Zweifel gestellt, da
ein Schuldner, der sich unter den feierlichsten Schwren verpflichtet
hat zu zahlen, rechtmigerweise die Zahlung unterlassen kann, wenn der
Glubiger ihn seiner Verbindlichkeit entheben will. Eben so klar ist es,
da keine von einem Knige durch die Stnde seines Reichs verlangte
Zusicherung ihm die Verpflichtung auferlegen kann, seine Zustimmung zu
etwas zu verweigern, was diese Stnde spter einmal wnschen mgen.

Es wurde eine mit den Beschlssen des Ausschusses bereinstimmende Bill
entworfen, welche rasch durch alle parlamentarischen Stadien ging. Nach
der dritten Lesung erhob sich ein thrichtes Mitglied, um einen Zusatz
zu beantragen, in welchem erklrt werde, da der Eid den Souverain,
nicht hindern solle, in eine etwaige nderung im Ceremoniell der Kirche
zu willigen, immer vorausgesetzt, da das Episkopat und eine
geschriebene Gebetsform beibehalten wrden. Die plumpe Absurditt dieses
Antrags wurde von mehreren ausgezeichneten Mitgliedern dargelegt. Eine
solche Klausel, bemerkten sie ganz richtig, wrde den Knig binden,
whrend sie ihm freieren Spielraum geben sollte. Der Krnungseid, sagten
sie, hat nicht den Zweck, ihn in seiner gesetzgebenden Gewalt zu
behindern. Man lasse diesen Eid in seiner jetzigen Fassung, und kein
Frst kann ihn miverstehen. Kein Frst kann ernstlich glauben, die
beiden Huser wollten das Versprechen von ihm verlangen, da er sein
Veto gegen Gesetze einlegen werde, die sie spterhin fr das Wohl des
Landes nthig erachten knnten. Sollte aber einmal ein Frst den
zwischen ihm und seinen Unterthanen abgeschlossenen Vertrag so
wunderlich miverstehen, dann wird jeder Theolog, jeder Jurist, den er
um Rath fragt, ihn sogleich beruhigen. Wrde dieser Antrag angenommen,
so knnte man unmglich leugnen, da der Krnungseid bestimmt sei, den
Knig zu verhindern, seine Zustimmung zu Bills zu geben, die ihm von den
Lords und Gemeinen vorgelegt wrden, und daraus wrden sehr ernste
Nachtheile hervorgehen. Diese Argumente wurden als unwiderleglich
erkannt und der Zusatz ohne Abstimmung verworfen.[102]

Jeder, der diese Debatten gelesen hat, mu vollstndig berzeugt sein,
da die Staatsmnner, welche den Krnungseid entwarfen, den Knig in
seiner gesetzgebenden Gewalt nicht zu binden gemeint waren.[103] Leider
erwachte hundert Jahre spter in einem zwar wackeren und gewissenhaften,
aber von Natur beschrnkten und starrsinnigen und durch Krankheit zu
gleicher Seit geschwchten und aufgeregten Geiste ein Scrupel, den jene
Staatsmnner fr zu widersinnig hielten, als da irgend ein menschliches
Geschpf ihn im Ernste hegen knne. Der Ehrgeiz und die Perfidie eines
Tyrannen hat in der That selten grere bel erzeugt als die waren,
welche jene unselige Gewissenhaftigkeit ber unser Land gebracht hat.
Einen auerordentlichen gnstigen Augenblick, einen Augenblick, in
welchem Weisheit und Gerechtigkeit Vlkerschaften und Secten, die
einander lange feindlich gegenbergestanden, htten vershnen und die
britischen Inseln zu einem wahrhaft Vereinigten Knigreiche machen
knnen, lie man unbenutzt vorbergehen. Die einmal verlorne Gelegenheit
kehrte nicht wieder. Zwei Generationen von Staatsmnnern haben sich
seitdem mit unvollkommenem Erfolge bemht, den damals begangenen Fehler
wieder gut zu machen, und es ist nicht unwahrscheinlich, da einige von
den schlimmen Folgen dieses Fehlers sich bis auf die sptere Nachwelt
fortwhrend fhlbar machen werden.

    [Anmerkung 102: +Journals, March 28. 1689+; +Grey's Debates.+]

    [Anmerkung 103: Ich will einige uerungen anfhren, welche in den
    gedrngten Berichten ber diese Debatten der Nachwelt aufbewahrt
    worden. Diese Neuerungen sind bezglich des Sinnes, in welchem der
    Eid von den Gesetzgebern, die ihn entworfen, verstanden wurde,
    ganz entscheidend. Musgrave sagte: Es ist kein Grund zur Aufnahme
    dieses Vorbehalts. Es ist undenkbar, da irgend eine von hier
    ausgehende Bill jemals die gesetzgebende Gewalt vernichten werde.
    Finch sagte: Die Worte: 'durch das Gesetz festgestellt' hindern
    den Knig nicht, eine Bill zur Erleichterung der Dissenters
    anzunehmen. Der Vorbehalt ruft den Scrupel erst hervor und giebt
    Veranlassung dazu. Sawyer sagte: Dies ist der erste Vorbehalt
    dieser Art, der je in einer Bill enthalten war. Er scheint die
    gesetzgebende Gewalt anzugreifen. Sir Robert Cotton sagte:
    Obgleich der Vorbehalt zweckmig und heilsam aussieht, scheint
    er doch einen Fehler zu haben. Unfhig die Gesetze den Umstnden
    gem abzundern! Dies ruft nicht einen, sondern mehrere Scrupel
    hervor; als ob Ihr so an das kirchliche Regiment gebunden wret,
    da Ihr keine neuen Gesetze ohne einen solchen Vorbehalt ins Leben
    rufen knntet! Sir Thomas Lee sagte: Ich frchte es wird dahin
    kommen, da auch andere Gesetze nicht ohne einen solchen Vorbehalt
    geschaffen werden knnen, und deshalb mchte ich denselben
    beseitigt wissen.]


[_Die Krnung._] Die Bill, durch welche die Eidformel festgestellt
wurde, passirte das Oberhaus ohne Amendement. Alle Vorbereitungen waren
getroffen, und am 11. April fand die Krnung statt. In einigen Punkten
unterschied sie sich von gewhnlichen Krnungen. Die Vertreter des Volks
nahmen in Masse an der Ceremonie Theil und wurden im Schatzkammergebude
glnzend bewirthet. Marie, die jetzt nicht blo Knigin-Gemahlin,
sondern auch regierende Knigin war, wurde in allen Punkten gleich einem
Knige inaugurirt, mit dem Schwerte gegrtet, auf den Thron gesetzt und
ihr die Bibel, die Sporen und der Reichsapfel berreicht. Die weltlichen
Groen des Reichs waren mit ihren Frauen und Tchtern zahlreich und
glnzend vertreten. Es konnte nicht Wunder nehmen, da die
Whigaristokratie sich bemhte, den Triumph der Whigprinzipien zu
erhhen. Aber die Jakobiten sahen zu ihrem groen Leidwesen, da viele
Lords, die fr eine Regentschaft gestimmt hatten, eine bedeutende Rolle
bei der Feierlichkeit spielten. Die Krone des Knigs wurde von Grafton,
die der Knigin von Somerset getragen. Das scharfe Schwert, das Emblem
der weltlichen Justiz, trug Pembroke. Ormond war Groconstabel fr den
Tag und ritt durch den Saal zur Rechten des erblichen Kmpen, der
dreimal seinen Handschuh auf den Boden warf und dreimal zum Kampfe auf
Leben und Tod den Verrther herausforderte, der Wilhelm's und Mariens
Recht bestreiten sollte. Unter den Edelfruleins, welche die prachtvolle
Schleppe der Knigin trugen, befand sich ihre schne und liebenswrdige
Cousine, Lady Henriette Hyde, deren Vater, Rochester, bis zuletzt gegen
den Beschlu gestritten hatte, der den Thron fr erledigt erklrte.[104]
Die Bischfe waren allerdings nur sprlich zu sehen. Der Primas war
nicht erschienen; er war durch Campton vertreten. Zur einen Seite
Campton's trug Lloyd, Bischof von St. Asaph, der sich unter den sieben
Bekennern des vorhergehenden Jahres ausgezeichnet hatte, den
Hostienteller. Zur andren Seite ging Sprat, Bischof von Rochester,
unlngst noch Mitglied der Hohen Commission, mit dem Kelche. Burnet, der
jngste Prlat, predigte mit seinem ganzen gewohnten Talent und mit mehr
als gewohntem Takt und Urtheil. Sein wrdevoller und beredter Vortrag
war weder durch Schmeichelei noch durch boshafte Ausflle verunziert.
Es soll lebhaft applaudirt worden sein, und es ist in der That wohl zu
glauben, da der begeisterte Schlu seiner Rede, wo er den Himmel
anflehte, das knigliche Paar mit langem Leben und gegenseitiger Liebe,
mit gehorsamen Unterthanen, weisen Rthen und treuen Bundesgenossen, mit
tapferen Flotten und Armeen, mit Sieg, mit Frieden und schlielich mit
ruhmvolleren und unvergnglicheren Kronen als welche zur Zeit auf dem
Altare der Abtei glnzten, zu beglcken, das lauteste Beifallsgemurmel
der Gemeinen erweckte.[105]

Die Ceremonie nahm im Ganzen einen guten Verlauf und bewirkte ein wenn
auch schwaches und vorbergehendes Wiederauflodern der Begeisterung vom
vergangenen December. Der Tag war in London und an vielen anderen Orten
ein allgemeiner Freudentag. Am Vormittag waren die Kirchen gefllt. Der
Nachmittag wurde mit allerhand Vergngungen und Gelagen hingebracht und
am Abend wurden Freudenfeuer angezndet, Raketen losgelassen und die
Fenster illuminirt. Dessenungeachtet wuten die Jakobiten reichen Stoff
zu Sptteleien und Sarkasmen zu entdecken oder zu erfinden. Sie
beschwerten sich bitter darber, da der Weg von der Halle bis zum
westlichen Thore der Abtei mit hollndischen Soldaten besetzt gewesen
sei. Sei es schicklich, da ein englischer Knig den feierlichsten
Vertrag mit der englischen Nation hinter einer dreifachen Hecke fremder
Schwerter und Bajonette schliee? Kleine Hndel, wie sie bei jeder
ffentlichen Feierlichkeit zwischen den Schaulustigen und den zur
Freihaltung der Communication Angestellten fast unvermeidlich vorkommen,
wurden mit allen Kunstgriffen der Rhetorik bertrieben. Einer der
fremden Sldlinge hatte mit seinem Pferde einen achtbaren Brger
zurckgetrieben, der sich vorgedrngt, um den kniglichen Baldachin
einen Augenblick zu sehen. Ein Andrer hatte mit dem Flintenkolben eine
Frau in roher Weise zurckgestoen. Auf solche Grnde hin wurden die
Fremden mit den Lord Dnen verglichen, welche vor Zeiten durch ihren
bermuth die angelschsische Bevlkerung zu Aufstand und Blutvergieen
angereizt hatten. Das fruchtbarste Thema fr den Tadel war jedoch die
Krnungsmedaille, die allerdings eben so abgeschmackt entworfen als
schlecht ausgefhrt war. Der Hauptgegenstand des Reverses war ein Wagen,
und der gemeine Mann konnte sich nicht erklren, was dieses Emblem mit
Wilhelm und Marien zu thun hatte. Die mivergngten Witzlinge lsten die
Schwierigkeit, indem sie sagten, der Knstler habe auf den Wagen
anspielen wollen, den eine aller Kindesliebe bare und den Interessen
eines ehrgeizigen Gemahls blindlings ergebene rmische Prinzessin ber
die noch warmen berreste ihres Vaters hatte fahren lassen.[106]

    [Anmerkung 104: Lady Henriette, die ihr Oheim Clarendon in seinem
    Tagebuche (Januar 1687/88) die hbsche kleine Henriette und das
    beste Kind von der Welt nennt, verheirathete sich bald nachher
    mit dem Earl von Dalkeith, dem ltesten Sohne des unglcklichen
    Herzogs v. Monmouth.]

    [Anmerkung 105: Die Predigt verdient gelesen zu werden. Siehe die
    +London Gazette+ vom 14. April 1689; +Evelyn's Diary+; +Narcissus
    Luttrell's Diary+, und die Depesche der hollndischen Gesandten an
    die Generalstaaten.]

    [Anmerkung 106: Eine Probe von der Prosa, welche die Jakobiten
    ber diesen Gegenstand schrieben, findet man in den Somers'schen
    Schriften. Die jakobitischen Verse waren meist zu unanstndig,
    als da man sie anfhren konnte. Ich whle einige von den
    glimpflichsten Zeilen aus einem sehr seltenen Spottgedicht:

      Der elfte des Monats April erschien,
      Da wlzt sich der Pbel nach Westminster hin
      Zu sehn wie ein Lumpenbndel man krnt:
                Ein schner Knig, frwahr.
      Dem Orangenbaum er entsprossen ist,
      Doch wenn man im Buche des Schicksals liest
      Wird einst ihm noch werden ein andrer Baum:
                Ein schner Knig, frwahr.
      Von Gestalt ist er nur zur Hlfte ein Mann,
      Desto mehr ein Affe, das leugne wer kann;
      Hat den Kopf einer Gans und des Kranich's Bein',
                Ein schner Knig, frwahr.

    Ein Franzos, Namens Le Noble, der seiner Schandthaten wegen aus
    seinem Vaterlande verwiesen worden war, sich aber, von der
    Polizei geduldet, in Paris versteckt hielt und im Dienste eines
    Buchhndlers nothdrftig sein Leben fristete, verffentlichte bei
    dieser Gelegenheit zwei jetzt sehr seltene Pasquille: +Le
    Couronnement de Guillemot et de Guillemette, avec le Sermon du
    grand Docteur Burnet+ und +Le Festin de Guillemot.+ An Witz,
    Geschmack und Verstand stehen Le Noble's Schriften dem angefhrten
    englischen Gedicht nicht nach. Er erzhlt uns, da der Erzbischof
    von York und der Bischof von London einen Boxerkampf in der Abtei
    auffhren, da der Kmpe auf einem Esel durch die Halle ritt,
    welcher sttig wurde und die knigliche Tafel mit dem ganzen
    Geschirr umstie, und da das Banket mit einer Schlgerei zwischen
    den mit Sthlen und Bnken bewaffneten Peers und den mit
    Bratspieen bewaffneten Kchen endete. Merkwrdigerweise fand
    diese Art Witz Leser, und das Portrait des Autors wurde splendid
    gestochen mit dem Motto: +Latrantes ride: te tua fama manet.+]


[_Befrderungen._] Ehren wurden, wie gewhnlich, auch bei dieser
festlichen Gelegenheit freigebig gespendet. Drei Hosenbandorden, ber
welche die Krone zur Zeit verfgen konnte, wurden Devonshire, Ormond und
Schomberg verliehen. Der Prinz Georg wurde zum Herzog von Cumberland
ernannt. Mehrere hochstehende Mnner erhielten neue Titel, mit denen wir
sie von jetzt an bezeichnen mssen. Danby wurde Earl von Caermarthen,
Churchill Earl von Marlborough und Bentinck Earl von Portland. Mordaunt
ward zum Earl von Monmouth ernannt, nicht ohne einiges Murren von Seiten
alter Exclusionisten, die sich noch immer mit Liebe ihres
protestantischen Herzogs erinnerten und welche hofften, sein Urtel werde
umgestoen und seinen Nachkommen die Fhrung seines Titels gestattet
werden. Man wunderte sich, da der Name Halifax nicht auch auf der Liste
der Befrderungen stand. Niemand konnte zweifeln, da er sehr leicht ein
blaues Band oder eine Herzogskrone htte erlangen knnen, und obgleich
er sich von den meisten seiner Zeitgenossen durch seine Verschmhung
unrechtmigen Gewinns vortheilhaft auszeichnete, wute man doch sehr
wohl, da er auf Ehrentitel mit einer Begierde brannte, der er sich
selbst schmte und die seines glnzenden Geistes unwrdig war.
Allerdings wurde sein Ehrgeiz damals durch Besorgnisse niedergeschlagen.
Leuten, die sein Vertrauen besaen, theilte er seine Befrchtung mit,
da schlimme Zeiten bevorstnden. Fr des Knigs Leben knne man kein
Jahr mehr stehen, die Regierung sei unter sich uneinig, die
Geistlichkeit und das Heer unzufrieden, das Parlament von Factionen
zerrissen; der Brgerkrieg wthe bereits in einem Theile des Landes und
auswrtiger Krieg sei vor der Thr. In einem solchen Augenblick habe
wohl jeder Minister, ob Whig oder Tory, Grund sich zu beunruhigen, aber
weder ein Whig noch ein Tory habe so viel zu frchten als der Trimmer,
der nicht unwahrscheinlich die gemeinschaftliche Zielscheibe des Hasses
beider Parteien werden wrde. Aus diesen Grnden beschlo Halifax, sich
jeder Ostentation von Macht und Einflu zu enthalten, durch ein
geflissentliches Zurschautragen von Migung den Neid zu entwaffnen und
durch Artigkeiten und Wohlthaten Personen an sich zu ziehen, deren
Dankbarkeit ihm im Fall einer Contrerevolution von Nutzen sein konnten.
Die nchsten drei Monate, sagte er, wrden die Probezeit sein. Halte
sich die Regierung den Sommer ber, so werde sie wahrscheinlich fest
stehen.[107]

    [Anmerkung 107: +Reresby's Memoirs.+]


[_Die Coalition gegen Frankreich._] Inzwischen gewannen Fragen der
auswrtigen Politik eine immer grere Bedeutung. Das Werk, an welchem
Wilhelm viele trbe und angstvolle Jahre hindurch unermdlich gearbeitet
hatte, war endlich vollbracht. Die groe Coalition war zu Stande. Es war
klar, da ein verzweifelter Kampf bevorstand. Der Bedrcker Europa's
sollte sich gegen das mit Karl II. von Spanien, mit dem Kaiser Leopold
und mit dem deutschen und dem batavischen Bunde alliirten England
vertheidigen, ohne wahrscheinlich einen andren Bundesgenossen zu haben
als den Sultan, der an der Donau gegen das Haus sterreich Krieg fhrte.


[_Die Verwstung der Pfalz._] Ludwig hatte gegen das Ende des
vergangenen Jahres die ungnstige Lage seiner Feinde zu seinem Vortheile
benutzt und den ersten Schlag gefhrt, ehe sie darauf vorbereitet waren,
ihn zu pariren. Doch dieser wenn auch schwere Schlag hatte nicht da
getroffen, wo er htte tdtlich werden knnen. Wren an der batavischen
Grenze Feindseligkeiten ausgebrochen, so wrde Wilhelm mit seiner Armee
wahrscheinlich auf dem Continent zurckgehalten worden sein, und Jakob
htte ungestrt in England fortregieren knnen. Glcklicherweise hatte
Ludwig in einer Verblendung, welche viele fromme Protestanten aus voller
berzeugung dem gerechten Urtheile Gottes zuschrieben, den Punkt aus den
Augen gelassen, von dem das Geschick der ganzen civilisirten Welt
abhing, und hatte auf einer Seite, wo die glnzendsten Erfolge ihm
nichts als eine Illumination und ein Tedeum eintragen konnten, einen
groen Aufwand von Streitkrften, Schnelligkeit und Energie entfaltet.
Eine franzsische Armee unter den Befehlen des Marschalls Duras war in
die Pfalz und einige benachbarte Frstenthmer eingefallen. Dieser
Feldzug aber, konnte, obwohl er vollkommen glcklich ausgefallen war und
obwohl die Geschicklichkeit und Energie, mit der er geleitet worden,
allgemeine Bewunderung erregt hatten, keinen erheblichen Einflu auf den
Ausgang des herannahenden furchtbaren Kampfes ausben. Frankreich sollte
bald von allen Seiten angegriffen werden, und dann konnte Duras die
Provinzen, welche er berfallen und berwltigt, unmglich lange
behaupten. Ein entsetzlicher Gedanke erwachte im Geiste Louvois', der in
militrischen Angelegenheiten zu Versailles die erste Stimme hatte. Er
war ein Mann, der sich durch Eifer fr das was ihm im ffentlichen
Interesse nthig erschien, sowie durch Talent und durch Kenntni alles
dessen was sich auf die militrische Verwaltung bezog, auszeichnete,
aber er besa einen harten und grausamen Character. Wenn die Stdte der
Pfalz nicht zu behaupten waren, so konnten sie zerstrt werden. Wenn der
Boden der Pfalz den Franzosen keine Hlfsmittel lieferte, so konnte er
so verwstet werden, da er wenigstens auch den Deutschen keine
Hlfsmittel lieferte. Der hartherzige Staatsmann unterbreitete Ludwig
seinen Plan, wahrscheinlich mit groer Behutsamkeit und einigen
Auslassungen, und Ludwig genehmigte denselben in einer fr seinen Ruhm
verderblichen Stunde. Duras erhielt Befehl, eine der schnsten Gegenden
Deutschland's in eine Wste zu verwandeln. Funfzehn Jahre frher hatte
Turenne einen Theil dieses herrlichen Landes verwstet. Aber Turenne's
Verheerungen waren, obgleich sie einen tiefen Schatten auf seinen Ruhm
geworfen hatten, ein bloes Kinderspiel im Vergleich mit den Greueln
dieser zweiten Verwstung. Der franzsische Oberbefehlshaber kndigte
einer halben Million Menschen an, da er ihnen eine dreitgige
Gnadenfrist bewillige und da sie bis dahin auf ihre Sicherheit bedacht
sein mten. Bald bedeckten sich die Landstraen und Felder, welche
damals tief in Schnee vergraben lagen, mit zahllosen Massen von Mnnern,
Frauen und Kindern, die von ihrem heimathlichen Herde flohen. Viele
kamen vor Hunger und Klte um; aber es blieben genug am Leben, um alle
Stdte Europa's mit abgezehrten, schmutzigen Bettlern zu fllen, die
einst wohlhabende Pchter und Handelsleute gewesen waren. Inzwischen
begann das Zerstrungswerk. Von jedem Marktplatze, jedem Weiler, jeder
Pfarrkirche und jedem Landsitze in den dem Untergange geweihten
Provinzen loderten die Flammen empor. Die Felder, auf denen Getreide
geset war, wurden umgepflgt. Die Obstbume wurden umgehauen. Jede
Hoffnung auf eine Ernte wurde auf der fruchtbaren Ebene in der Nhe der
Stelle wo einst Frankenthal gestanden, von Grund aus zerstrt. Kein
Weinstock, kein Mandelbaum war an den Abhngen der sonnigen Hgel mehr
zu sehen, welche das nicht mehr vorhandene Heidelberg umgaben. Kein
Palast, kein Tempel, kein Kloster, kein Krankenhaus, kein Kunstwerk,
kein Grabmal berhmter Verstorbener ward geschont. Das weit und breit
berhmte Schlo des Kurfrsten von der Pfalz wurde in einen Schutthaufen
verwandelt. Das anstoende Hospital wurde geplndert. Die Vorrthe,
die Medicamente und die Betten, auf denen die Kranken lagen, wurden
vernichtet. In Mannheim wurden, selbst die Steine, aus denen die Stadt
erbaut war, in den Rhein geworfen. Der prchtige Dom von Speier ging zu
Grunde, mit ihm die marmornen Grabmler von acht Csaren. Die Srge
wurden aufgebrochen und die Asche in alle Winde verstreut.[108] Trier
mit seiner herrlichen Brcke, seinem Amphitheater, seinen ehrwrdigen
Kirchen, Klstern und Collegien war zu demselben Schicksale ausersehen.
Bevor aber dieses letzte Verbrechen verbt werden konnte, wurde Ludwig
durch die Verwnschungen alter Nachbarvlker, durch das Stillschweigen
und die Bestrzung seiner Schmeichler und durch die Vorstellungen seine
Gemahlin auf bessere Gedanken gebracht. Er war seit mehr als zwei Jahren
mit Franziska von Maintenon, der Gouvernante seiner natrlichen Kinder,
heimlich vermhlt. Es wird schwerlich eine zweite Frau gegeben haben,
die bei einem so wenig romanhaften Character eine so romanhafte Laufbahn
aufzuweisen hatte. Sie hatte ihre Jugendjahre in Armuth; und Dunkel
hingebracht. Ihr erster Gatte hatte sich durch Verfassung burlesker
Possen und Gedichte ernhrt. Als sie die Aufmerksamkeit ihres Souverains
auf sich zog, konnte sie sich nicht mehr der Jugend oder Schnheit
rhmen, aber sie besa in ungewhnlichem Grade jene dauernderen Reize,
welche gesetzte Mnner, deren Leidenschaften das Alter gezhmt hat und
deren Leben ein Leben voll Mhen und Sorgen ist, an einer
Lebensgefhrtin am hchsten schtzen. Ihr Character war einer von denen,
die man sehr richtig mit dem sanften Grn verglichen hat, auf welchem
das durch grelle, Farben und blendende Lichter ermdete Auge mit
Wohlgefallen ruht. Ein treffendes Urtheil, ein unerschpflicher, doch
nie berfluthender Strom verstndiger, liebenswrdiger und geistvoller
Rede, ein Temperament, dessen heitere Ruhe nicht einen Augenblick
getrbt wurde, ein Takt, der den Takt ihres Geschlechts in eben dem Mae
bertraf, wie der Takt ihres Geschlechts den des unsrigen bertrifft:
dies waren die Eigenschaften, welche die Wittwe eines Possenreiers
zuerst zur vertrauten Freundin, dann zur Gattin des mchtigsten aller
Knige Europa's machten. Man sagte damals Ludwig sei nur mit Mhe durch
Louvois' dringende Vorstellungen und Bitten abgehalten worden, sie zur
Knigin von Frankreich zu erklren. Es ist ausgemacht, da sie Louvois
als ihren Feind betrachtete, und ihr Ha gegen ihn, mit dem sich
vielleicht auch bessere Gefhle verbanden, bestimmte sie, sich der
unglcklichen Rheinbewohner anzunehmen. Sie appellirte an das Mitgefhl,
das, obwohl durch manche verderbliche Einflsse geschwcht, im Herzen
ihres Gemahls noch nicht vllig erloschen war, und an die religisen
Gefhle, welche ihn nur zu oft zur Grausamkeit getrieben hatten, die
aber im gegenwrtigen Falle auf Seiten der Humanitt waren. Er lie sich
erweichen und Trier ward verschont.[109] Er mute in der That wohl
einsehen, da er einen Fehler begangen hatte. Die Verwstung der Pfalz
hatte, whrend sie die Macht seiner Feinde nicht erheblich vermindert,
ihre Erbitterung noch mehr angefacht und ihnen unerschpflichen Stoff zu
Schmhungen geliefert. Von allen Seiten erscholl das Geschrei nach
Rache. Jedes Bedenken, das die eine oder die andre Linie des Hauses
sterreich gehegt haben mochte, sich mit Protestanten zu verbnden, war
vllig beseitigt. Ludwig beschuldigte den Kaiser und den katholischen
Knig, die Sache der Kirche verrathen, sich mit einem Usurpator, der der
erklrte Vorkmpfer des groen Schisma's war, verbndet und an dem
abscheulichen Unrecht Theil genommen zu haben, das einem legitimen
Souverain zugefgt worden, der sich keines andren Verbrechens als des
Eifers fr den wahren Glauben schuldig gemacht habe. Jakob schrieb
herzbrechende Briefe nach Wien und Madrid, in denen er sein Unglck
schilderte und den Beistand seiner kniglichen Brder, die auch im
Glauben seine Brder seien, gegen die unnatrlichen Kinder und die
rebellischen Unterthanen erflehte, die ihn in's Exil getrieben htten.
Es war jedoch nicht schwer, auf Ludwig's Vorwrfe wie auf Jakob's Bitten
eine plausible Antwort zu geben. Leopold und Karl erklrten, da sie
sich, selbst zum Zwecke der gerechten Selbstvertheidigung, nicht eher
mit Ketzern verbndet htten, als bis ihr Feind sich zum Zwecke eines
ungerechten Angriffs mit Mohamedanern verbndet habe. Und dies sei noch
nicht das Schlimmste. Nicht genug, da der franzsische Knig den
Moslems gegen die Christen beistehe, behandle er selbst die Christen mit
einer Grausamkeit, welche sogar die Moslems emprt haben wrde. Man
msse seinen unglubigen Verbndeten die Gerechtigkeit widerfahren
lassen, da sie an der Donau keine solchen Gewaltthtigkeiten gegen die
Gebude und die Mitglieder der heiligen katholischen Kirche verbt
htten, wie er, der sich den ltesten Sohn dieser Kirche nenne, sie am
Rhein verbe. Aus diesen Grnden antworteten die Frsten, an welche
Jakob appellirt hatte, ihm damit, da sie unter vielen Versicherungen
der Bereitwilligkeit und des Mitleids an ihn selbst appellirten. Er sei
gewi zu gerecht, als da er sie tadeln knnte, da sie es fr ihre
erste Pflicht hielten, ihr eignes Volk gegen solche Gewaltthtigkeiten
zu schtzen, wie sie die Pfalz in eine Wste verwandelt htten, oder da
sie den Beistand der Protestanten gegen einen Feind anriefen, der kein
Bedenken getragen habe, die Hlfe von Trken anzurufen.[110]

    [Anmerkung 108: ber die Geschichte der Verwstung der Pfalz sehe
    man die Memoiren von La Fare, Dangeau, Frau von Lafayette, Villars
    und Saint-Simon, sowie den +Monthly Mercury+ vom Mrz und April
    1689. Der Pamphlet und Flugbltter sind zu viele, als da ich sie
    hier aufzhlen knnte. Ein Blatt, betitelt: +A true Account
    of the barbarous Cruelties committed by the French in the
    Palatinate in January and February last,+ ist vielleicht das
    interessanteste.]

    [Anmerkung 109: Memoiren Saint-Simon's.]

    [Anmerkung 110: Ich will einige Zeilen aus Leopold's Brief an
    Jakob anfhren: +Nunc autem quo loco res nostrae sint, ut
    Serenitati vestrae auxilium praestari possit a nobis, qui non
    Turcico tantum bello impliciti, sed insuper etiam crudelissimo et
    iniquissimo a Gallis, rerum suarum, ut putabant, in Anglia
    securis, contra datam fidem impediti sumus, ipsimet Serenitati
    vestrae judicandum relinquimus... Galli non tantum in nostrum et
    totius Christianae orbis perniciem foedifraga arma cum juratis
    Sanctae Crucis hostibus sociare fas sibi ducunt; sed etiam in
    imperio, perfidiam perfidia cumulando, urbes deditione occupatas
    contra datam fidem immensis tributis exhaurire, exhaustas
    diripere, direptas funditus exscindere aut flammis delere, Palatia
    Principum ab omni antiquitate inter saevissima bellorum incendia
    intacta servata exurere, templa spoliare, dedititios in servitutem
    more apud barbaros usitato abducere, denique passim, imprimis vero
    etiam in Catholicorum dictionibus, alia horrenda, et ipsam
    Turcorum tyrannidem superantia immanitatis et saevitiae exempla
    edere pro ludo habent.+]


[_Kriegserklrung gegen Frankreich._] Whrend des Winters und der ersten
Hlfte des Frhjahrs zogen die Frankreich feindlich gesinnten Mchte
ihre Streitkrfte zu einer energischen Anstrengung zusammen und standen
in fortdauernder Communication mit einander. Als die zu militrischen
Operationen geeignete Zeit heranrckte, erschienen in rascher
Aufeinanderfolge die feierlichen Berufungen beleidigter Nationen an den
Gott der Schlachten. Das Manifest der Deutschen erschien im Februar, das
der Generalstaaten im Mrz, das des Hauses Brandenburg im April und das
Spanien's im Mai.[111]

Bei uns beschlo, sobald die Krnungsfeier vorber war, das Haus der
Gemeinen die Inbetrachtnahme der neuesten Schritte des Knigs von
Frankreich.[112] In der Debatte brach der Ha gegen den mchtigen,
rcksichtslosen und herrschschtigen Ludwig, der seit zwanzig Jahren der
Vasallenschaft in den Herzen der Englnder gohr, mit Heftigkeit hervor.
Er wurde der allerchristlichste Trke, der allerchristlichste Verwster
der Christenheit, der allerchristlichste Barbar genannt, der gegen
Christen Gewaltthtigkeiten verbt habe, deren seine unglubigen
Verbndeten sich geschmt haben wrden.[113] Ein vornehmlich aus
heftigen Whigs bestehender Ausschu wurde mit der Abfassung eines
Adreentwurfs beauftragt. Johann Hampden, der glhendste Whig unter
ihnen, erhielt den Vorsitz und arbeitete einen Entwurf aus, der zu lang,
zu rhetorisch und zu vorwurfsvoll war, als da er sich fr den Mund des
Sprechers wie fr das Ohr des Knigs htte eignen knnen. Schmhungen
gegen Ludwig wrden bei der damaligen Stimmung des Hauses ungergt
hingegangen sein, wren sie nicht von harten uerungen ber den
Character und der Verwaltung Karl's II. begleitet gewesen, dessen die
Tories, trotz aller seiner Fehler, mit liebevoller Zuneigung gedachten.
Es fanden sich darin einige sehr deutliche Anspielungen auf Karl's
Verkehr mit dem Hofe von Versailles und auf das fremde Weib, das dieser
Hof ihm gesendet habe, um wie eine Schlange an seinem Busen zu liegen.
Das Haus war mit gutem Grunde unzufrieden damit. Die Adresse wurde dem
Ausschusse zurckgegeben, und nachdem sie krzer und weniger wortreich
und hmisch gefat worden, angenommen und berreicht.[114] Wilhelm's
Aufmerksamkeit war auf die Nachtheile gelenkt, welche Frankreich ihm und
seinem Knigreiche zugefgt, und ihm die Versicherung gegeben, da,
sobald er zur Abstellung dieser Nachtheile die Waffen ergriffe, er von
seinem Volke krftig untersttzt werden wrde. Er dankte den Gemeinen
herzlich. Ehrgeiz, sagte er, werde ihn nie bestimmen, das Schwert zu
ziehen; allein er habe keine Wahl, denn Frankreich habe bereits England
angegriffen, und es sei nothwendig, das Recht der Selbstvertheidigung
auszuben. Wenige Tage darauf wurde der Krieg erklrt.[115]

Unter den Grnden zu diesem Schritte, welche die Gemeinen in ihrer
Adresse und der Knig in seinem Manifeste anfhrten, war der
gewichtigste die Einmischung Ludwig's in die Angelegenheiten Irland's.
In diesem Lande waren seit mehreren Monaten wichtige Ereignisse in
rascher Aufeinanderfolge eingetreten. Der Augenblick ist jetzt gekommen,
die Geschichte dieser Ereignisse mitzutheilen, eine Geschichte eben so
reich an Verbrechen und erschtternden Begebenheiten, wie an Interesse
und Belehrung.

    [Anmerkung 111: Siehe die London Gazette vom 25. Febr.,
    11. Mrz, 22. April, 2. Mai und die +Monthly Mercuries+. Einige
    von den Erklrungen findet man in Dumont's +Corps Universel
    Diplomatique+.]

    [Anmerkung 112: +Commons' Journals, April 15. 16. 1689+.]

    [Anmerkung 113: Oldmixon.]

    [Anmerkung 114: +Commons' Journals, April 19. 24. 26. 1689+.]

    [Anmerkung 115: Die Kriegserklrung ist vom 7. Mai datirt,
    erschien aber erst am 13. in der London Gazette.]


       *       *       *       *       *
           *       *       *       *


  =Zwlftes Kapitel.=

  _Wilhelm von Oranien._




  =Inhalt.=

                                                               Seite
  Zustand Irland's zur Zeit der Revolution                         5
  Die Civilgewalt in den Hnden der Katholiken                     5
  Die Militrgewalt in den Hnden der Katholiken                   7
  Gegenseitige Feindschaft zwischen den Englndern und Iren        7
  Panischer Schrecken unter den Englndern                         8
  Geschichte der Stadt Kenmare                                     9
  Enniskillen                                                     12
  Londonderry                                                     13
  Schlieung der Thore von Londonderry                            14
  Mountjoy wird abgesandt, um Ulster zu pacificiren               16
  Wilhelm tritt in Unterhandlung mit Tyrconnel                    17
  Die Temple werden zu Rathe gezogen                              19
  Richard Hamilton wird auf Temple's Wort nach Irland gesandt     19
  Tyrconnel schickt Mountjoy und Rice nach Frankreich             20
  Tyrconnel ruft das irische Volk zu den Waffen                   21
  Verwstung des Landes                                           22
  Die Protestanten im Sden unfhig Widerstand zu leisten         26
  Enniskillen und Londonderry halten sich                         27
  Richard Hamilton marschirt mit einer Armee nach Ulster          27
  Jakob entschliet sich nach Irland zu gehen                     28
  Untersttzung, welche Jakob von Ludwig gewhrt wird             29
  Wahl eines franzsischen Gesandten zum Begleiter Jakob's        30
  Der Graf von Avaux                                              31
  Jakob landet in Kinsale                                         32
  Jakob's Einzug in Cork                                          33
  Reise Jakob's von Cork nach Dublin                              34
  Unzufriedenheit in England                                      36
  Parteispaltungen im Dubliner Schlosse                           36
  Jakob beschliet nach Ulster zu gehen                           40
  Jakob's Reise nach Ulster                                       41
  Der Fall Londonderry's erwartet                                 43
  Es kommt Succurs aus England                                    44
  Verrtherei Lundy's                                             45
  Die Bewohner von Londonderry beschlieen sich
      zu vertheidigen                                             45
  Ihr Character                                                   46
  Londonderry belagert                                            50
  Die Belagerung in eine Blokade verwandelt                       52
  Seegefecht in der Bantry-Bai                                    52
  Ein von Jakob einberufenes Parlament tagt in Dublin             53
  Es wird eine Toleranzacte erlassen                              57
  Acte zur Confiscation des Eigenthums der Protestanten           57
  Prgung schlechten Geldes                                       61
  Die groe Verurtheilungsacte                                    62
  Jakob prorogirt sein Parlament                                  65
  Verfolgung der Protestanten in Irland                           65
  Wirkung der aus Irland kommenden Nachrichten in England         67
  Thaten der Enniskillener                                        69
  Noth in Londonderry                                             70
  Ankunft des Expeditionscorps unter Kirke im Foylesee            70
  Grausamkeit Rosen's                                             71
  Die Hungersnoth in Londonderry steigt aufs Hchste              73
  Angriff auf den Sperrbaum                                       74
  Die Belagerung von Londonderry aufgehoben                       76
  Operationen gegen die Enniskillener                             79
  Schlacht bei Newton-Butler                                      80
  Bestrzung der Irlnder                                         81


[_Zustand Irland's zur Zeit der Revolution._] Wilhelm hatte zu gleicher
Zeit mit dem Titel eines Knigs von England auch den eines Knigs von
Irland angenommen. Denn alle unsere Juristen betrachteten damals Irland
als eine bloe Colonie, zwar wichtiger als Massachusetts, Virginien oder
Jamaika, aber, wie diese, abhngig vom Mutterlande und verpflichtet,
den Souverain anzuerkennen, den das Mutterland auf den Thron berufen
hatte.[1]

    [Anmerkung 1: Die allgemeine Ansicht der Englnder ber diesen
    Gegenstand spricht sich deutlich in einer kleinen Schrift aus,
    betitelt: +Aphorisms relating to the Kingdom of Ireland+, welche
    whrend der Erledigung des Thrones erschien.]


[_Die Civilgewalt in den Hnden der Katholiken._] Thatschlich aber
hatte die Revolution Irland von der Oberherrschaft der englischen
Colonie emancipirt gefunden. Schon im Jahre 1686 hatte Jakob
beschlossen, diese Insel zu einem Waffenplatze, der Grobritannien
Respect einflen knnte, und zu einem Asyle zu machen, wo die
Mitglieder seiner Kirche eine Zuflucht finden knnten, wenn in
Grobritannien sich ein Unglck ereignete. Zu dem Ende hatte er Alles
aufgeboten, um das Verhltni zwischen den Eroberern und der eingebornen
Bevlkerung umzukehren. Die Ausfhrung seines Planes hatte er, trotz der
Gegenvorstellungen seiner englischen Rathgeber, dem Viceknig Tyrconnel
bertragen. Im Herbst des Jahres 1688 war der Proze vollendet. Die
hchsten mter bei der Staatsverwaltung, der Armee und den Gerichtshfen
waren fast ohne Ausnahme mit Papisten besetzt. Ein Rabulist, Namens
Alexander Fitton, der einer Flschung berfhrt, wegen schlechter
Auffhrung vom Hause der Lords zu Westminster mit einer Geldstrafe
belegt worden war und viele Jahre im Gefngni zugebracht hatte, dem es
eben so sehr an juristischen Kenntnissen fehlte wie an gesundem
Verstande und Scharfsinn, welche den Mangel an juristischen Kenntnissen
zuweilen ersetzt haben, war Lordkanzler. Sein einziges Verdienst bestand
darin, da er vom protestantischen Glauben abgefallen war, und dieses
Verdienst wurde fr hinreichend erachtet, um selbst den Flecken seiner
schsischen Abstammung zu verwischen. Er zeigte sich bald des Vertrauens
seiner Gnner wrdig. Er erklrte auf der Richterbank, da es unter
vierzigtausend Ketzern nicht einen gebe, der nicht ein Schurke sei.
Oftmals, nachdem er einen Rechtsfall angehrt, bei dem die Interessen
seiner Kirche im Spiele waren, verschob er seinen Ausspruch, um, wie er
selbst eingestand, seinen Seelsorger, einen spanischen Priester, der
wahrscheinlich im Escobar wohl belesen war, zu Rathe zu ziehen.[2]
Thomas Nugent, ein Katholik, der sich im Gerichtssaale durch nichts als
durch seinen irischen Accent und durch seine Schnitzer ausgezeichnet
hatte, war Oberrichter der King's Bench.[3] Stephan Rice, ein Katholik,
dessen Talente und Gelehrsamkeit selbst von den Feinden seiner Nation
und Religion nicht bestritten wurden, dessen wohlbekannte Hostilitt
gegen die Ansiedlungsacte aber im Herzen aller Derjenigen, welche kraft
dieser Acte Grundeigenthum besaen, die ernstesten Besorgnisse erweckte,
war erster Baron der Schatzkammer.[4] Richard Nagle, ein scharfsinniger
und wohlbelesener Jurist, der in einem Jesuitencollegium erzogen war und
der die Vorurtheile besa, die man von seiner Erziehung erwarten konnte,
war Generalfiskal.[5]

Keating, ein hchst ehrenwerther Protestant war noch Oberrichter der
Common Pleas; aber zwei rmisch-katholische Richter standen ihm zur
Seite. Es darf nicht unerwhnt bleiben, da der eine von diesen
Richtern, Daly, ein verstndiger, gemigter und rechtschaffner Mann
war. Aber die Klagsachen, welche vor die Schranken der Common Pleas
kamen, waren nicht von groem Belang. Selbst die King's Bench war damals
fast verdet. Dagegen war das Schatzkammergericht mit Geschften
berhuft, denn es war der einzige Gerichtshof in Dublin, von dem nicht
nach England appellirt werden konnte, und folglich der einzige
Gerichtshof, an welchem die Englnder ohne Hoffnung auf Abhlfe
unterdrckt und ausgeplndert werden konnten. Rice sollte erklrt haben,
da sie von ihm genau das haben sollten, was das Gesetz nach strictester
Auslegung ihnen gewhre, aber auch nicht mehr. Was aber seiner Ansicht
nach das Gesetz nach strictester Auslegung ihnen gewhrte, das konnten
sie leicht aus einer uerung schlieen, die er, bevor er Richter wurde,
hufig im Munde fhrte. Ich werde, pflegte er zu sagen, mit Sechsen
durch die Ansiedlungsacte fahren. Jetzt brachte er seine Drohung
tagtglich zur Ausfhrung. Alle Protestanten klagten, da es
gleichgltig sei, was fr Beweise sie ihm vorlegten, da die
schamlosesten Lgen, die ehrlosesten Zeugenaussagen seines Schutzes
gewi sein knnten, wenn er sonst ihren Ansprchen nicht gerecht werden
wolle. Zu seinem Gerichtshofe drngten sich seine Landsleute in Masse
mit Gesuchen um Vertreibung und Eigenthumsverletzung. Vor seinem
Gerichtshofe griff die Regierung mit einem Male die Freibriefe alter
irischen Stdte und Landgemeinden an, und er fand ohne Mhe
Vorwnde, um alle diese Freibriefe fr verwirkt zu erklren. Die
Municipalcorporationen, etwa hundert an Zahl, waren als Bollwerke des
reformirten Glaubens und des englischen Interesses eingefhrt worden,
und sie wurden daher von den irischen Katholiken mit einem Widerwillen
betrachtet, den man nicht fr unnatrlich oder unvernnftig halten kann.
Wren diese Corporationen auf eine verstndige und unparteiische Weise
umgestaltet worden, so htte die Unregelmigkeit des Verfahrens, durch
welches ein so wnschenwerthes Resultat erzielt worden war, verziehen
werden knnen. Aber es zeigte sich bald, da ein exclusives System nur
beseitigt worden war, um einem andren Platz zu machen. Die Burgflecken
wurden der unumschrnkten Autoritt der Krone unterstellt. Stdte, in
denen fast jeder Hausvater ein englischer Protestant war, erhielten
katholische Obrigkeiten. Viele von den neuen Aldermen hatten die Stdte,
zu deren Behrden sie ernannt werden, noch nie gesehen. Zu gleicher Zeit
wurden die Sheriffs, denen die Vollziehung der richterlichen Befehle und
die Ernennung der Juries zukam, fast immer aus der Kaste gewhlt, welche
bis vor ganz Kurzem von jedem ffentlichen Amte ausgeschlossen gewesen
war. Man versicherte, da einige von diesen wichtigen Beamten wegen
Diebstahls in der Hand gebrandmarkt gewesen seien. Andere hatten im
Dienste von Protestanten gestanden, und die Protestanten setzten mit
bitterer Geringschtzung hinzu, da die Grafschaft, der solche Beamte zu
Theil wrden, von Glck sagen knne, denn ein Diener, der das Geschirr
eines englischen Gentleman gereinigt und sein Pferd geputzt habe, knne
im Vergleich zu Vielen von der eingebornen Aristokratie, die ihr Leben
mit Aufliegen und Marodiren hingebracht, fr ein civilisirtes Geschpf
gelten. Solchen Sheriffs wrde kein Colonist, selbst wenn er das
unerhrte Glck gehabt htte, einen ihm gnstigen Ausspruch zu erlangen,
eine Execution anzuvertrauen gewagt haben.[6]

    [Anmerkung 2: +King's State of the Protestants of Ireland, II. 6+,
    und +III. 3+.]

    [Anmerkung 3: +King III. 3+. Clarendon nennt Nugent in einem
    Briefe an Rochester (vom 1. Juni 1686) einen hchst lstigen,
    impertinenten Menschen.]

    [Anmerkung 4: +King, III. 3+.]

    [Anmerkung 5: +King, II. 6+, und +III. 3+. Clarendon spricht in
    einem Briefe an Ormond (vom 28. Sept. 1686) mit rhmender
    Anerkennung von Nagle's Kenntnissen und Fhigkeiten; in seinem
    Tagebuche aber (31.Jan. 1686/87) nennt er ihn einen
    habschtigen, ehrgeizigen Mann.]

    [Anmerkung 6: +King II. 5. 1.+; +III. 3. 5+. +A Short View of the
    Methods made use of in Ireland for the Subversion and Destruction
    of the Protestant Religion and Interests, by a Clergyman lately
    escaped from thence, licensed Oct.17, 1689+.]


[_Die Militrgewalt in den Hnden der Katholiken._] So war die
Civilgewalt in Zeit von wenigen Monaten von der schsischen auf die
celtische Bevlkerung bertragen worden. Die bertragung der
Militrgewalt war nicht minder vollstndig gewesen. Die Armee, welche
unter Ormond's Befehlen das Hauptbollwerk des englischen bergewichts
gewesen war, existirte nicht mehr. Ganze Regimenter waren aufgelst und
neu organisirt worden. Sechstausend ihres Brodes beraubte
protestantische Veteranen brteten in ihrer Zurckgezogenheit ber das
ihnen zugefgte Unrecht, oder waren ber den Kanal gegangen und hatten
sich dem Banner Wilhelm's angeschlossen. Ihre Stellen wurden durch
Mnner besetzt, welche, nachdem sie lange unterdrckt worden, sich
pltzlich aus Sklaven in Herren verwandelt sahen und es nun nicht
erwarten konnten, die schwere Schuld der Unbilden und Krnkungen mit
Wucherzinsen zurckzuzahlen. Man sagte, die neuen Soldaten seien nie an
einem Englnder vorbergegangen, ohne ihn zu verwnschen und ihm ein
Schimpfwort anzuhngen. Sie waren der Schrecken jedes protestantischen
Gastwirths, denn von dem Augenblicke an wo sie unter sein Dach kamen,
aen und tranken sie Alles weg, ohne zu bezahlen, und verscheuchten
durch ihr rohes Bramarbasiren anstndigere Gste von seiner Thr.[7]

    [Anmerkung 7: +King, III. 2+. Ich kann nicht finden, da Karl
    Leslie, ein eifriger Vertheidiger der andren Partei, in seiner
    Antwort an King, einer dieser Thatsachen widersprochen htte. Er
    verwirft sogar selbst Tyrconnel's Verwaltung. Ich wnsche einem
    Einwurfe zu begegnen, der sicherlich erhoben werden wird, da ich
    nmlich Alles was Lord Tyrconnel und andere Minister Jakob's,
    besonders vor dieser Revolution, gethan haben und was mehr als
    irgend etwas Andres dieselbe hervorgerufen hat, vllig
    rechtfertigen wolle. Nein, davon bin ich weit entfernt. Ich bin
    berzeugt, da ihr Verfahren in vielen Punkten den Feinden Knig
    Jakob's gegrndetere Ursache zu klagen gab als alle anderen seiner
    Regierung zur Last gelegten Verwaltungsfehler. +Leslie's Answer
    to King, 1692+.]


[_Gegenseitige Feindschaft zwischen den Englndern und Iren._] So war
der Zustand Irland's, als der Prinz von Oranien bei Torbay landete. Von
diesem Augenblicke an, brachte jedes in Dublin anlangende Packetboot
Nachrichten mit, welche die gegenseitige Furcht und Abneigung der
feindlichen Stmme nur vermehren konnten. Sowohl der Colonist, der,
nachdem er lange die Macht besessen und gemibraucht, jetzt fr einen
Augenblick die Bitterkeit der Knechtschaft gekostet hatte, als auch der
Eingeborne, der, nachdem er den bitteren Kelch der Knechtschaft bis zur
Hefe geleert, endlich auf einen Augenblick die Macht besessen und
gemibraucht hatte, erkannten Beide, da eine wichtige Krisis, eine
Krisis wie die von 1641, bevorstehe. Die Mehrheit erwartete mit
Ungeduld, in Tyrconnel einen Phelim O'Neil wieder erstehen zu sehen;
die Minderheit erblickte in Wilhelm einen zweiten Oliver.

Auf welcher Seite der erste Schlag erfolgte, dies war eine Frage, ber
welche Wilhelmiten und Jakobiten nachher mit viel Schrfe debattirten.
Doch keine Frage konnte gleichgltiger sein. Die Geschichte mu beiden
Parteien die Gerechtigkeit widerfahren lassen, die keine von beiden der
andren jemals zugestanden, und mu zugeben, da beide triftige
Beschwerden und heftige Provocationen zu ihrer Rechtfertigung anfhren
konnten. Beide waren durch ein Geschick, fr welches keine von beiden
verantwortlich war, in eine Lage versetzt worden, da sie einander, da
die menschliche Natur nun einmal so und nicht anders geschaffen ist,
nothwendig als Feinde betrachten muten. Drei Jahre lang hatte die
Regierung, die sie htte vershnen knnen, systematisch Alles
aufgeboten, ihre Feindschaft zu einer rasenden Wuth zu entflammen. Es
war jetzt unmglich, in Irland eine gerechte und wohlthtige Regierung
herzustellen, eine Regierung, die keinen Racen- oder Sectenunterschied
kannte, eine Regierung, welche die den neuen Grundeigenthmern durch das
Gesetz gewhrleisteten Rechte streng respectirte, zu gleicher Zeit aber
durch eine vernnftige Liberalitt das Migeschick der vorigen Gentry
linderte. Eine solche Regierung htte Jakob zur Zeit seiner Macht
einsetzen knnen. Aber die gnstige Gelegenheit war vorbei, ein
gtlicher Vergleich war nicht mehr mglich, die beiden erbitterten
Kasten waren gleichermaen von der Nothwendigkeit berzeugt, da sie
entweder unterdrcken, oder unterdrckt werden mten, und da nur in
Sieg, Rache und Herrschaft ihr Heil zu finden sei. Nur darin stimmten
sie berein, da sie jeden Vermittler, der es versuchen wollte, sie mit
einander zu vershnen, zurckwiesen.


[_Panischer Schrecken unter den Englndern._] Seit einigen Wochen waren
Excesse, Insulten, schlimme Gerchte und panische Schrecken, die
natrlichen Vorlufer des herannahenden furchtbaren Zusammenstoes, an
der Tagesordnung. Durch die ganze Insel verbreitete sich das Gercht,
da am 9. December eine allgemeine Niedermetzelung der Englnder
stattfinden solle. Tyrconnel lie die vornehmsten Protestanten Dublin's
in's Schlo kommen und rief in seiner gewohnten krftigen Redeweise die
ganze Rache des Himmels auf sich herab, wenn jenes Gercht nicht eine
verfluchte, niedertrchtige Lge wre. Aus Wuth darber, da seine
Flche nicht die erwartete Wirkung hervorriefen, soll er seinen Hut und
seine Perrcke vom Kopfe gerissen und ins Feuer geworfen haben.[8] Aber
man kannte den lgenhaften Dick Talbot so genau, da seine
Verwnschungen und Gestikulationen die Besorgni, die sie vermindern
wollten, nur noch vermehrten. Seit Clarendon's Zurckberufung hatte
fortwhrend eine starke Auswanderung ngstlicher und friedliebender
Leute aus den irischen Hfen nach England stattgefunden. Diese
Auswanderung nahm jetzt zu. Es war nicht leicht, auf einem gutgebauten
und bequemen Schiffe einen Platz zu erlangen. Aber viele Leute, deren
Muth das berma der Furcht bis zur Khnheit steigerte, wollten sich
lieber Wind und Wellen als den erbitterten Iren anvertrauen und setzten
sich daher allen Gefahren einer Seereise ber den St. Georgskanal und
die Kste von Wales entlang in offenen Fahrzeugen und mitten im Winter
aus. Die zurckbleibenden Englnder begannen sich in fast jeder
Grafschaft eng aneinander anzuschlieen. Jedes groe Landhaus wurde eine
Festung. Jeder, der nach Einbruch der Dunkelheit Einla begehrte, wurde
durch ein Schieloch oder durch ein verrammeltes Fenster angerufen und
wenn er ohne Parole und Erklrungen einzudringen versuchte, ward ihm
eine Blunderbchse vorgehalten. In der gefrchteten Nacht des 9.
Decembers gab es von der Riesen-Chaussee bis zur Bantry-Bay kaum ein
protestantisches Landhaus, in welchem vom frhen Untergang bis zum
spten Aufgang der Sonne nicht bewaffnete Mnner gewacht und Lichter
gebrannt htten.[9]

    [Anmerkung 8: +A True and Impartial Account of the most material
    Passages in Ireland since December 1688, by a Gentleman who was an
    Eyewitness; licensed July 22, 1689.+]

    [Anmerkung 9: +A True and Impartial Account etc. 1689+; +Leslie's
    Answer to King, 1692.+]


[_Geschichte der Stadt Kenmare._] ber die damaligen Vorgnge in einem
Districte ist ein ausfhrlicher Bericht auf uns gekommen, nach dem man
sich ein Bild von dem allgemeinen Zustande des Knigreichs machen kann.
Der sdwestliche Theil von Kerry ist jetzt als die schnste Gegend der
britischen Inseln bekannt. Die Berge, die Schluchten, die sich weit ins
Meer hinaus erstreckenden Vorgebirge, die Felsen, auf denen Adler
horsten, die Bche, welche von den Gebirgspssen herniederrauschen, die
Seen, von dichten Wldern umsumt, in denen das Hochwild Schutz findet,
ziehen jeden Sommer Schaaren von Touristen herbei, welche des Treibens
und der Vergngungen der groen Stdte berdrssig sind. Die Schnheiten
dieses Landes werden zwar nur zu hufig durch Nebel und Regen
verschleiert, welche der Westwind von dem unermelichen Ocean
herbeifhrt. An den seltenen Tagen aber wo die Sonne in ihrem vollen
Glanze strahlt, zeigt die Landschaft eine Frische und eine Wrme des
Colorits, die man in unseren Breitengraden selten findet. Die Myrthe
liebt den Boden, der Erdbeerbaum gedeiht hier besser als selbst an den
sonnigen Gestaden Calabrien's.[10] Die Wiesen haben eine saftigere
Frbung als anderwrts, die Hgel erglhen in prchtigerem Purpur, die
Bltter der Stechpalme und des Epheus zeigen einen hheren Glanz, und
Beeren von feurigerem Roth schimmern durch Laub von schnerem Grn. Aber
whrend der greren Hlfte des 17. Jahrhunderts war dieses Paradies der
civilisirten Welt noch so wenig bekannt wie Spitzbergen oder Grnland.
Wenn es ja einmal erwhnt wurde, sprach man davon als von einer
traurigen Wste, einem Chaos von Smpfen, Dickichten und Abgrnden, wo
die Wlfe noch hausten und wo einige halbnackte Wilde, die kein Wort
Englisch sprachen, sich unterirdische Baue in den Schlamm gruben und von
Wurzeln und saurer Milch lebten.[11]

Im Jahre 1670 endlich beschlo der menschenfreundliche und erleuchtete
Sir Wilhelm Petty, in diesem wsten Districte eine Niederlassung zu
grnden. Er besa dort eine groe Herrschaft, die auf eine ihres
Ahnherrn wrdige Nachkommenschaft fortgeerbt ist. Man sagte damals, da
er auf die Verbesserung dieses Gutes nicht weniger als zehntausend Pfund
Sterling verwendet habe. Die kleine Stadt, welche er grndete und die
nach der Bucht von Kenmare benannt wurde, lag an der Spitze dieser Bucht
am Fue eines Bergrckens, auf dessen Gipfel der Reisende jetzt
verweilt, um den lieblichsten der drei Seen von Killarney zu betrachten.
Ein von einer Gesellschaft unternehmender Neuenglnder, weit entfernt
von den Wohnungen ihrer Landsleute in den Jagdgrnden der rothen
Indianer erbautes Dorf konnte kaum vollstndiger auer dem Bereiche der
Civilisation liegen als Kenmare. Von Petty's Ansiedelung bis nach dem
nchsten englischen Wohnplatze hatte man zu Lande zwei Tage durch eine
wilde und gefahrvolle Gegend zu reisen. Doch der Ort gedieh. Es wurden
zweiundvierzig Huser gebaut und die Bevlkerung belief sich auf
hundertachtzig Seelen. Das Land um die Stadt herum war gut angebaut, der
Viehstand war zahlreich und zwei kleine Bote vermittelten den Fischfang
und Handel lngs der Kste. Der Ertrag an Heringen, Pilchards, Makrelen
und Lachsen war bedeutend und wrde noch bedeutender gewesen sein, wre
nicht der Strand in der schnsten Jahreszeit mit Massen von Robben
bedeckt gewesen, welche den Fischen der Bucht nachstellten. Die Robbe
war jedoch kein unwillkommener Gast, denn ihre Haut war werthvoll und
ihr Thran lieferte das Beleuchtungsmaterial fr die langen Winterabende.
Mit dem glcklichsten Erfolge wurde der Versuch gemacht, Eisenhtten
anzulegen. Man bediente sich damals noch nicht der Steinkohlen zum
Schmelzen und es wurde den Fabrikbesitzern von Kent und Sussex sehr
schwer, sich Brennholz zu migem Preise zu verschaffen. Die Umgebung
von Kenmare war damals reich bewaldet, und Petty erkannte es als eine
gewinnbringende Spekulation, Erz dahin zu transportiren. Die Freunde von
Naturschnheiten bedauern noch heute den Verlust der Wlder von Eichen
und Erdbeerbumen, welche geschlagen wurden, um seine Hohfen zu
speisen. Auerdem war noch ein andrer Plan in seinem thtigen und
intelligenten Kopfe entstanden. Einige von den benachbarten Inseln waren
reich an buntem Marmor, roth und weiem und roth und grnem. Petty wute
wohl, mit welchen groen Kosten die alten Rmer ihre Bder und Tempel
mit buntfarbigen Sulen schmckten, welche in den Marmorbrchen
Lakonien's und Afrika's gebrochen wurden, und er scheint die Hoffnung
genhrt zu haben, da die Felsen seiner wilden Herrschaft in Kerry
vielleicht Verzierungen fr die Palste von St. James-Square und fr das
Chor der St Paulskirche liefern knnten.[12]

Die Ansiedler hatten von Anfang an erkannt, da sie darauf vorbereitet
sein mten, das Recht der Selbstvertheidigung in einer Ausdehnung zu
ben, die in einem wohleingerichteten Staate unnthig und
unverantwortlich gewesen sein wrde. In den Hochlanden sdlich vom Thale
von Tralee war das Gesetz vllig machtlos. Kein Justizbeamter wagte sich
gern in diese Gegenden. Ein Staatsbote, der im Jahre 1680 dort einen
gerichtlichen Befehl zu vollziehen versuchte, wurde ermordet. Es scheint
jedoch, da bis zu Ende des Jahres 1688 die Bewohner von Kenmare durch
ihre Einigkeit, ihre Intelligenz und ihren Muth hinreichend geschtzt
waren. Um diese Zeit aber begannen sich die Wirkungen der Politik
Tyrconnel's selbst in diesem entlegenen Winkel Irland's fhlbar zu
machen. In den Augen des Landvolks von Munster waren die Colonisten
Fremdlinge und Ketzer. Die Gebude, die Bte, die Maschinen, die
Kornspeicher, die Meiereien und Hohfen wurden von der eingebornen
Bevlkerung ohne Zweifel mit dem Gemisch von Neid und Geringschtzung
betrachtet, mit dem der Unwissende ganz natrlich auf die Triumphe der
Wissenschaft herabsieht. Auch ist es gar nicht unwahrscheinlich, da die
Einwanderer sich der Fehler schuldig gemacht hatten, von denen
civilisirte Menschen, die sich unter einem uncivilisirtem Volke
niederlassen, selten frei bleiben. Es lt sich wohl annehmen, da die
aus hherer Intelligenz entspringende Macht bald rcksichtslos zur Schau
getragen, bald ungerecht ausgebt wurde. Als sich daher jetzt von Altar
zu Altar und von Htte zu Htte die Nachricht verbreitete, da die
Fremden vertrieben und ihre Huser und Grundstcke den Shnen des Landes
als Beute preisgegeben werden sollten, begann ein frmlicher Raubkrieg.
Schaaren von Plnderern zu dreiig, vierzig, ja siebzig Kpfen, theils
mit Schiegewehren, theils mit Piken bewaffnet, durchstreiften die
Umgegend der Stadt. Die Scheunen wurden geplndert, und Pferde wurden
gestohlen. Bei einem einzigen Raubzuge wurden hundertvierzig Stck Vieh
weggenommen und durch die Schluchten von Glengariff fortgefhrt. In
einer Nacht wurden sechs Wohnungen erbrochen und ausgeplndert. Endlich
beschlossen die auf's uerste getriebenen Colonisten, lieber wie Mnner
zu sterben, als sich in ihren Betten ermorden zu lassen. Das Haus,
welches Petty fr seinen Agenten erbaut hatte, war das grte im Orte.
Es stand auf einer felsigen Landzunge, an deren Ufern die Wogen der
Bucht sich brachen. Hier versammelte sich die ganze Einwohnerschaft,
bestehend aus fnfundsiebzig streitbaren Mnnern mit etwa hundert Frauen
und Kindern. Sie besaen sechzig Feuergewehre und eine gleiche Anzahl
Piken und Schwerter. In aller Eile wurde rings um das Haus des Agenten
ein funfzehn Fu hoher und zwlf Fu dicker Erdwall aufgeworfen.
Die so eingefriedigte Bodenflche war etwa einen halben Acker gro.
Innerhalb dieses Walles wurden smmtliche Waffen, Munitions- und
Lebensmittelvorrthe zusammengebracht und mehrere schwache Breterhtten
errichtet. Als diese Vorbereitungen getroffen waren, begannen die Mnner
von Kenmare krftige Repressalien gegen ihre irischen Nachbarn zu ben;
sie ergriffen Ruber, nahmen gestohlenes Eigenthum wieder und verfuhren
einige Wochen lang in allen Stcken wie eine unabhngige Gemeinschaft.
Die obrigkeitlichen Functionen wurden durch erwhlte Beamte verrichtet,
denen jedes Mitglied der Commun auf das Evangelium Treue gelobte.[13]

Whrend die Bewohner des Stdtchens Kenmare sich dergestalt regten,
wurden von greren Gemeinschaften hnliche Vertheidigungsmaregeln in
grerem Mastabe getroffen. Eine betrchtliche Anzahl Gentlemen und
Freisassen verlie das platte Land und zog sich in die Stdte, welche zu
dem Zwecke gegrndet und incorporirt worden waren, um die eingeborne
Bevlkerung im Zaume zu halten, und die, obwohl unlngst unter das
Regiment katholischer Behrden gestellt, doch noch hauptschlich von
Protestanten bewohnt waren. Eine ansehnliche Schaar bewaffneter
Colonisten sammelte sich in Sligo, eine andre in Charleville, eine
dritte in Mallow, eine vierte noch strkere in Bandon.[14] Die
wichtigsten Bollwerke der englischen Bevlkerung in dieser schlimmen
Zeit waren jedoch Enniskillen und Londonderry.

    [Anmerkung 10: In der Gegend von Killarney hat es Erdbeerbume von
    dreiig Fu Hhe und fnfthalb Fu Umfang gegeben. Siehe die
    +Philosophical Transactions, 227.+]

    [Anmerkung 11: In einer sehr ausfhrlichen Beschreibung der
    britischen Inseln, welche 1690 in Nrnberg erschien, ist Kerry als
    an vielen Orten unwegsam und voller Wlder und Gebirge
    geschildert. Wlfe hausten noch in Irland. Kein schdlich Thier
    ist da auerhalb Wlff und Fchse. Noch im Jahre 1710 wurde auf
    Antrag der groen Jury von Kerry eine Abgabe zum Behufe der
    Ausrottung der Wlfe in dieser Grafschaft erhoben. Siehe Smith's
    +Ancient and Modern State of the County of Kerry, 1750+. Es ist
    mir nie ein besseres Buch dieser Art und dieses Umfangs
    vorgekommen. In einem 1719 erschienenen Gedicht, betitelt:
    +Macdermot, or the Irish Fortune Hunter+, in sechs Gesngen, wird
    die Wolfsjagd als ein sehr gewhnliches Sportvergngen
    dargestellt. Unter Wilhelm's Regierung gab man Irland zuweilen den
    Spottnamen Wolfsland. So wird in einem Gedicht ber die Schlacht
    von la Hogue, betitelt: +Advice to a Painter+, der Schrecken der
    irischen Armee wie folgt geschildert:

      Ein Nebel, der das Blut erstarren macht
      Und Wolfland's Heulen dringt durch's ganze Lager.]

    [Anmerkung 12: +Smith's Ancient and Modern State of Kerry.+]

    [Anmerkung 13: +Exact Relation of the Persecution, Robberies, and
    Losses sustained by the Protestants of Killmare in Ireland, 1689+;
    +Smith's Ancient and Modern State of Kerry, 1756.+]

    [Anmerkung 14: +Ireland's Lamentation, licensed May 18. 1689.+]


[_Enniskillen._] Enniskillen, obwohl die Hauptstadt der Grafschaft
Fermanagh, war damals ein bloes Dorf. Es war auf einer Insel des
Flusses erbaut, welcher die unter dem gemeinschaftlichen Namen des
Ernesees bekannten zwei schnen Wasserbecken mit einander verbindet.
Der Strom und beide Seen waren auf allen Seiten von natrlichen Wldern
umgeben. Enniskillen bestand aus etwa achtzig Wohnhusern, in deren
Mitte sich ein altes Schlo erhob. Die Einwohner waren fast ohne
Ausnahme Protestanten und stolz darauf, da ihre Stadt whrend der
furchtbaren Revolution, welche 1641 ausbrach, der protestantischen Sache
treu geblieben. Anfangs December erhielten sie von Dublin die Anzeige,
da zwei Compagnien papistischer Infanterie demnchst bei ihnen ins
Quartier gelegt werden wrden. Die kleine Gemeinde war in der grten
Bestrzung, um so mehr als man erfuhr, da ein Predigermnch sich bemht
hatte, die irische Bevlkerung der Umgegend wider die Ketzer
aufzureizen. Man fate den khnen Entschlu, die Truppen nicht
einzulassen, mochte es kommen wie es wollte. Die Vertheidigungsmittel
waren indessen sehr sprlich. Nicht zehn Pfund Pulver, nicht zwanzig
brauchbare Schiegewehre konnten innerhalb der Festung aufgetrieben
werden. Es wurden deshalb Boten mit dringenden Schreiben ausgesandt,
welche die protestantische Gentry der Nachbarschaft aufforderten, zur
Untersttzung herbeizueilen, und dem Aufrufe ward mit hochherziger
Bereitwilligkeit Folge geleistet. Binnen wenigen Stunden hatten sich
zweihundert Bewaffnete zu Fu und hundertfunfzig Reiter versammelt.
Tyrconnel's Soldaten waren schon im Anzuge. Sie fhrten einen
betrchtlichen Vorrath von Waffen mit sich, welche unter das Landvolk
vertheilt wurden. Die Bauern begrten das knigliche Banner mit Jubel
und schlossen sich in groer Anzahl dem Zuge an. Anstatt den Angriff zu
erwarten, kamen die Brger mit ihren Verbndeten muthig heraus und
stellten sich den Eindringenden entgegen. Die Offiziere Jakob's hatten
keinen Widerstand erwartet, und sie waren daher nicht wenig erstaunt,
als sie eine Colonne Fuvolk, von einem starken Corps berittener
Gentlemen und Freisassen flankirt, auf sich anrcken sahen. Die Bauern
liefen entsetzt davon und die Soldaten traten den Rckzug so eilig an,
da er eine Flucht genannt werden konnte. Erst in Cavan, dreiig Meilen
davon, machten sie wieder Halt.[15]

Durch diesen leichten Sieg khn gemacht, trafen die Protestanten
Anordnungen zur Regierung und Vertheidigung von Enniskillen und der
umliegenden Ortschaften. Gustav Hamilton, ein Gentleman, der in der
Armee gedient, dem aber Tyrconnel unlngst sein Offizierspatent entzogen
hatte, und der seitdem auf einem Gute in Fermanagh lebte, wurde zum
Gouverneur ernannt und nahm seine Residenz im Schlosse. Zuverlssige
Mnner wurden in aller Eil angeworben und bewaffnet. Da es an Schwertern
und Piken fehlte, muten die Schmiede improvisirte Waffen anfertigen,
bestehend aus Sensenklingen, welche an Stangen befestigt wurden.
Smmtliche Landhuser rings um den Ernesee erhielten Besatzungen. Kein
Papist durfte frei in der Stadt umhergehen, und der Mnch, den man
beschuldigte, seine Beredtsamkeit gegen die Englnder aufgeboten zu
haben, wurde ins Gefngni geworfen.[16]

    [Anmerkung 15: +A True Relation of the Actions of the Inniskilling
    men, by Andrew Hamilton, Rector of Kilskerrie, and one of the
    Prebends of the Diocese of Clogher, an Eyewitness thereof and
    Actor therein, licensed Jan.15. 1689/90. -- A Further Impartial
    Account of die Actions of the Inniskilling men, by Captain William
    Mac Cormick, one of the first that took up Arms, 1691.+]

    [Anmerkung 16: +Hamilton's True Relation+; +Mac Cormick's Further
    Impartial Account.+]


[_Londonderry._] Die andre Hauptfeste des Protestantismus war eine Stadt
von grerer Bedeutung. Achtzig Jahre frher, whrend der durch den
letzten Kampf der Huser O'Neil und O'Donnel gegen die Autoritt Jakob's
I. verursachten Unruhen war die ehemalige Stadt Derry von einem der
eingebornen Huptlinge berfallen, die Bewohner niedergemetzelt und die
Huser in Asche gelegt worden. Die Insurgenten wurden bald berwltigt
und bestraft, die Regierung beschlo, die zerstrte Stadt wieder
aufzubauen, der Lordmayor, die Aldermen und der Gemeinderath von London
wurden zur Betheiligung an dem Werke aufgefordert und Knig Jakob I.
berwies ihnen in ihrer corporativen Eigenschaft den von den Trmmern
des alten Derry bedeckten Grund und Boden nebst ungefhr sechstausend
englischen Ackern umliegenden Landes.[17]

Dieser damals unangebaute und unbewohnte District ist jetzt ein
blhender Sitz des Gewerbfleies und des guten Geschmacks und macht
selbst auf Augen, welche an den Anblick der ppigen Fluren und
stattlichen Schlsser England's gewhnt sind, einen wohlthuenden
Eindruck. Bald erhob sich eine neue Stadt, die wegen ihrer Connection
mit der Hauptstadt des Reichs Londonderry genannt wurde. Die Gebude
bedeckten den Gipfel und den Abhang einer Anhhe, welche den breiten
Strom des Foyle beherrschte, der zu jener Zeit von Schaaren wilder
Schwne besucht wurde.[18] Auf dem hchsten Punkte stand die Kathedrale,
eine Kirche, die, obwohl zu einer Zeit erbaut, wo das Geheimni der
gothischen Architectur verloren gegangen war, und wenn auch nicht
geeignet, einen Vergleich mit den ehrwrdigen Tempeln des Mittelalters
auszuhalten, doch nicht ohne Anmuth und stattliches Ansehen ist. Unweit
der Kathedrale erhob sich der Palast des Bischofs, dessen Sitz einer der
bedeutendsten in Irland war. Die Stadt hatte eine fast elliptische Form
und die Hauptstraen bildeten ein Kreuz, dessen Arme auf einem Platze
zusammentrafen, welcher der Diamant hie. Die ursprnglichen Huser sind
theils umgebaut, theils so verndert, da ihr anfnglicher Character
nicht mehr zu erkennen ist; mancher derselben aber knnen sich jetzt
Lebende noch erinnern. Sie waren meist zwei Stock hoch und mehrere
hatten steinerne Treppen an der Auenseite. Die Stadt war von einer
Mauer umgeben, deren Umfang nicht viel weniger als eine Meile betrug.
Auf den Bastionen waren Feldschlangen und Falkonetts aufgepflanzt,
welche die reichen Gilden London's der Colonie zum Geschenk gemacht
hatten. Auf einigen dieser alten Geschtze, welche einer groen Sache
denkwrdige Dienste geleistet haben, kann man noch heute die Devisen der
Fischhndlergilde, der Weinhndlergilde und der Kleiderhndlergilde
erkennen.[19]

Die Einwohner waren Protestanten von angelschsischem Geblt. Zwar
gehrten sie nicht alle einem Lande und einer Kirche an, aber Englnder
und Schotten, Episkopalen und Presbyterianer scheinen im Allgemeinen in
Freundschaft miteinander gelebt zu haben, eine Freundschaft, welche
durch ihre gemeinsame Abneigung gegen die irische Race und gegen die
papistische Religion gengend erklrt wird. Whrend des Aufstandes von
1641 hatte Londonderry muthig gegen die eingebornen Huptlinge Stand
gehalten und war zu wiederholten Malen vergebens belagert worden.[20]
Seit der Restauration entwickelte sich die Stadt mehr und mehr. Zur Zeit
der Fluth konnten schwer beladene Schiffe bis an den Quai fahren.
Die Fischereien nahmen einen groartigen Aufschwung. Die Netze sollen
zuweilen so voll gewesen sein, da man Massen von Fischen wieder ins
Wasser werfen mute. Das Gewicht der alljhrlich gefangenen Lachse wurde
auf elfmalhunderttausend Pfund geschtzt.[21]

    [Anmerkung 17: +Concise View of the Irish Society, 1822+; Mr.
    Heath's interessanter +Account of the Worshipful Company of
    Grocers, Appendix 17.+]

    [Anmerkung 18: +The Interest of England in the Preservation of
    Ireland, licensed July 17. 1689.+]

    [Anmerkung 19: Diese Dinge beobachtete oder erfuhr ich an Ort und
    Stelle.]

    [Anmerkung 20: Die besten Mittheilungen ber die Ereignisse in
    Londonderry whrend des 1641 begonnenen Kriegs habe ich in Dr.
    Reid's +History of the Presbyterian Church in Ireland+ gefunden.]

    [Anmerkung 21: +The Interest of England in the Preservation of
    Ireland, 1689.+]


[_Schlieung der Thore von Londonderry._] Die Bevlkerung von
Londonderry theilte die Besorgni, welche gegen das Ende des Jahres 1688
unter den in Irland ansssigen Protestanten allgemein verbreitet war. Es
war bekannt, da das eingeborne Landvolk der Umgegend sich mit Piken und
Messern versah. Die Priester hatten in einem Tone, ber den, wie sich
nicht leugnen lt, der puritanische Theil der angelschsischen
Bevlkerung wenig Recht hatte sich zu beklagen, ber die Niedermetzelung
der Amalekiter und ber die Verdammungsurtheile, welche Saul sich
dadurch zugezogen, da er Einen von dem geachteten Stamme schonte, das
Volk haranguirt. Gerchte von verschiedenen Seiten und anonyme Briefe
von verschiedener Hand bezeichneten den 9. December als den zur
Vertilgung der Fremden festgesetzten Tag. Whrend die Gemther der
Brger durch diese Gerchte beunruhigt wurden, traf die Nachricht ein,
da ein Regiment von zwlfhundert Papisten unter dem Commando eines
Papisten, Alexander Macdonnell, Earl von Antrim, von dem Viceknig
Befehl erhalten habe, Londonderry zu besetzen, und bereits von Coleraine
abmarschirt sei. Die Bestrzung war gro. Einige waren fr Schlieung
der Thore und Widerstand, Andere fr Unterwerfung, noch Andere fr
Temporisiren. Der Gemeindekrper war, wie die anderen Corporationen
Irland's, reorganisirt worden. Die Magistratsbeamten waren Mnner von
niederer Herkunft und unedlem Character. Nur ein einziges Mitglied von
angelschsischem Geblt befand sich unter ihnen, und dieser Eine war
Papist geworden. Zu einer solchen Behrde konnten die Einwohner kein
Vertrauen haben.[22] Der Bischof, Hesekiel Hopkins, hielt fest an der
Lehre vom Nichtwiderstande, die er viele Jahre gepredigt hatte, und
ermahnte seine Herde, lieber geduldig zur Schlachtbank zu gehen, als die
Schuld des Ungehorsams gegen den Gesalbten des Herrn auf sich zu
laden.[23] Inzwischen rckte Antrim immer nher heran. Endlich sahen die
Brger von den Wllen herab seine Truppen auf dem jenseitigen Ufer des
Foyle aufgestellt. Es existirte damals noch keine Brcke, nur eine Fhre
unterhielt die regelmige Verbindung zwischen beiden Ufern, und
vermittelst dieser Fhre setzte ein Detaschement von Antrim's Regiment
ber. Die Offiziere erschienen am Thore, zeigten einen an den Mayor und
die Sheriffs gerichteten Befehl vor und begehrten Einla und Quartier
fr die Soldaten Seiner Majestt.

Gerade in diesem Augenblicke eilten dreizehn junge Handwerker, ihren
Namen nach meist schottischer Geburt oder Abstammung, in die Wachtstube,
bewaffneten sich, ergriffen die Schlssel der Stadt, strzten nach dem
Fhrthore, verschlossen es angesichts der kniglichen Offiziere und
lieen das Fallgatter nieder. Jakob Morison, ein Brger in reiferen
Jahren, redete nun die unwillkommenen Gste von der Hhe des Walles an
und rieth ihnen wieder abzuziehen. Sie blieben, unter einander
berathschlagend, drauen am Thore stehen, bis sie ihn oben rufen hrten:
Bringt eine groe Kanone hierher! Da endlich hielten sie es fr
gerathen, sich aus der Schuweite zu entfernen. Sie zogen ab, schifften
sich wieder ein und kehrten zu ihren Kameraden ans jenseitige Fluufer
zurck. Inzwischen hatte sich die Nachricht wie ein Lauffeuer
verbreitet, und die ganze Stadt war auf den Beinen. Die anderen Thore
wurden ebenfalls verschlossen, berall auf den Wllen wurden
Schildwachen ausgestellt, die Magazine wurden geffnet, Gewehre und
Schiepulver vertheilt und unter dem Schutze der einbrechenden
Dunkelheit Boten an die protestantischen Gentlemen der benachbarten
Grafschaften ausgesandt. Der Bischof machte vergeblich Vorstellungen.
Die heftigen und waghalsigen jungen Schotten, welche bei dieser
Gelegenheit mit khnem Beispiele vorangegangen waren, scheinen in der
That wenig Respect vor seinem Amte gehabt zu haben. Einer von ihnen
unterbrach die Rede, durch welche er den militrischen Vorkehrungen
Einhalt thun wollte, mit dem Ausrufe: Eine gute Predigt, Mylord, eine
sehr gute Predigt, wir haben nur jetzt gerade nicht Zeit sie
anzuhren.[24]

Die Protestanten der Umgegend leisteten der Aufforderung Londonderry's
bereitwillig Folge. Innerhalb der nchsten achtundvierzig Stunden kamen
Hunderte zu Ro und zu Fu auf verschiedenen Wegen zur Stadt, und
Antrim, der sich entweder nicht fr stark genug hielt, um einen Angriff
zu wagen, oder nicht Lust hatte, ohne weiteres die Verantwortlichkeit
fr den Anfang eines Brgerkriegs auf sich zu nehmen, zog sich mit
seinen Truppen nach Coleraine zurck.

    [Anmerkung 22: Meine Autoritt fr diesen ungnstigen Bericht ber
    die Corporation ist ein episches Gedicht, betitelt: +The
    Londeriad+. Dieses merkwrdige Gedicht mu bald nach den
    Ereignissen, auf die es Bezug hat, geschrieben sein, denn es ist
    Robert Rochfort, dem Sprecher des Hauses der Gemeinen, gewidmet,
    und Rochfort bekleidete dieses Amt von 1695 bis 1699. Der Dichter
    hatte kein Erfindungstalent und besa augenscheinlich eine genaue
    Kenntni der Stadt, die er besang; daher sind seine Knittelverse
    nicht ohne geschichtlichen Werth. Er sagt:

      Sie whlten fr des Parlamentes Pforten
      Nur Schuster, Fleischer und Consorten,
      Die ganze Krperschaft enthielt nicht einen Mann
      von brit'scher Abkunft, auer Buchanan.

    Dieser Buchanan wird weiterhin geschildert als

      Ein Schurke durch und durch,
      Der lngst zuvor schon seinen Rosenkranz gebetet.]

    [Anmerkung 23: Siehe eine von ihm am 31. Januar 1689 zu Dublin
    gehaltene Predigt. Der Text derselben ist: Seid unterthan aller
    menschlichen Ordnung um des Herrn willen.]

    [Anmerkung 24: +Walker's Account of the Siege of Derry, 1689+;
    +Mackenzie's Narrative of the Siege of Londonderry, 1689+; +An
    Apology for the Failures charged on the Reverend Mr. Walker's
    Account of the late Siege of Derry, 1689+; +A Light to the Blind.+
    Die letztgenannte Schrift, ein Manuscript im Besitze Lord
    Fingal's, ist das Werk eines eifrigen Katholiken und eines
    Todfeindes England's. Umfngliche Auszge daraus finden sich unter
    den Mackintosh-Manuscripten. Auf dem Titelblatte steht die
    Jahrzahl 1711.]


[_Mountjoy wird abgesandt, um Ulster zu pacificieren._] Man htte
glauben knnen, da der Widerstand Enniskillen's und Londonderry's
Tyrconnel zu einem verzweifelten Schritte treiben werde. Und in der That
wurde sein wildes und herrschschtiges Temperament auch anfangs durch
die Nachricht in eine an Wahnsinn grenzende Wuth versetzt. Nachdem er
aber seine Wuth, wie gewhnlich, an seiner Perrcke ausgelassen, wurde
er etwas ruhiger. Es waren ihm eben Nachrichten von sehr abkhlender
Natur zugekommen. Der Prinz von Oranien marschirte unaufgehalten gegen
London; fast jede Grafschaft und jede groe Stadt hatte sich fr ihn
erklrt. Jakob, von seinen geschicktesten Heerfhrern und seinen
nchsten Verwandten verlassen, hatte Commissarien abgeschickt, die mit
den Eingedrungenen unterhandeln sollten, und hatte Ausschreiben zur
Einberufung eines Parlaments erlassen. So lange das Ergebni der in
England schwebenden Unterhandlungen ungewi war, durfte der Viceknig es
nicht wagen, an den widerspenstigen Protestanten Irland's blutige Rache
zu nehmen. Er hielt es daher fr gerathen, vorlufig eine Nachsicht und
Migung zu heucheln, die seinem Character durchaus fremd waren. William
Stewart, Viscount von Mountjoy, wurde beauftragt, die englische
Bevlkerung von Ulster zu beschwichtigen. Mountjoy, ein tapferer Soldat,
ein ausgezeichneter Gelehrter, ein eifriger Protestant und dabei doch
ein eifriger Tory, war eines von den wenigen Mitgliedern der
Staatskirche, die in Irland noch ein Amt bekleideten. Er war
Feldzeugmeister dieses Knigreichs und Oberst eines Regiments, in
welchem das englische Element noch ungewhnlich stark vertreten war. In
Dublin war er die Seele eines kleinen Kreises gelehrter und geistreicher
Mnner, die sich unter seinem Vorsitz zu einer Kniglichen Societt
vereinigt hatten, einer Nachbildung im Kleinen der Londoner Kniglichen
Societt. In Ulster, mit dem er in besonders enger Verbindung stand,
geno sein Name bei den Colonisten eines hohen Ansehens.[25] Er eilte
mit seinem Regiment nach Londonderry und wurde mit offenen Armen
empfangen, denn man wute, da er zwar ein entschiedener Anhnger der
erblichen Monarchie, aber nicht minder ein treuer Freund des reformirten
Glaubens war. Die Brger gestatteten ihm bereitwillig, eine
ausschlielich aus Protestanten bestehende kleine Garnison, unter dem
Commando seines Oberstleutnants Robert Lundy, der den Titel eines
Gouverneurs annahm, in der Stadt zurckzulassen.[26]

Die Nachricht von Mountjoy's Besuch in Ulster war den Vertheidigern von
Enniskillen hchst angenehm. Einige von dieser Stadt abgeordnete
Gentlemen machten ihm ihre Aufwartung, um seine Untersttzung zu
erbitten, wurden aber durch den Empfang, der ihnen zu Theil ward,
enttuscht. Ich kann Euch nur den Rath geben, sagte er, da Ihr Euch
der Autoritt des Knigs unterwerfet. -- Wie, Mylord? versetzte einer
der Abgeordneten, sollen wir uns geduldig abschlachten lassen? -- Der
Knig, sagte Mountjoy, wird Euch beschtzen. -- Wenn Alles was uns
zu Ohren kommt wahr ist, wird es Sr. Majestt schwer genug werden, sich
selbst zu schtzen. So endete die Conferenz ohne befriedigendes
Resultat. Enniskillen behielt seine trotzige Haltung bei und Mountjoy
kehrte nach Dublin zurck.[27]

Unterdessen hatte es sich in der That klar herausgestellt, da Jakob
nicht einmal sich selbst schtzen konnte. Man erfuhr in Irland, da er
geflohen, da er angehalten worden, da er wieder geflohen und da der
Prinz von Oranien im Triumph zu Westminster angelangt war, die
Verwaltung des Reichs bernommen und eine Convention einberufen hatte.

    [Anmerkung 25: ber Mountjoys Character und Stellung siehe
    Clarendon's Briefe aus Irland, besonders den an Lord Dartmouth vom
    8. Febr. und den an Evelyn vom 24. Februar 1685/86. +Bon officier
    et homme d'esprit,+ sagt Avaux.]

    [Anmerkung 26: +Walker's Account+; +Light to the Blind.+]

    [Anmerkung 27: +Mac Cormick's Further Impartial Account.+]


[_Wilhelm tritt in Unterhandlung mit Tyrconnel._] Die Lords und
Gentlemen, auf deren Ansuchen der Prinz die Regierung bernommen hatte,
waren ernstlich in ihn gedrungen, den Zustand Irland's sofort in
Erwgung zu ziehen, und er hatte ihnen darauf die Versicherung gegeben,
da er sein Mglichstes thun werde, um die protestantische Religion und
das englische Interesse in diesem Lande aufrecht zu erhalten. Seine
Feinde beschuldigten ihn nachmals der vlligen Nichtbeachtung dieses
Versprechens, ja sie behaupteten sogar, er habe Irland absichtlich immer
tiefer und tiefer in den Abgrund des Verderbens versinken lassen.
Halifax, sagten sie, habe mit grausamem und perfidem Scharfsinn das
Mittel ausgedacht, der Convention eine Art von Zwangsjacke anzulegen,
und der Streich sei nur zu gut gelungen. Der Beschlu, welcher Wilhelm
auf den Thron berief, wrde nicht so leicht durchgegangen sein, wre der
Staat nicht von so groen Gefahren bedroht gewesen, und nur in Folge
seiner eignen schmachvollen Unthtigkeit htten diese Gefahren einen
solchen Grad erreicht.[28] Da diese Anschuldigung durch keine Beweise
untersttzt wird, sind Diejenigen, die sie wiederholen, wenigstens
verpflichtet nachzuweisen, da Wilhelm ein offenbar besserer Weg zu
Gebote stand als der, welchen er einschlug, und das drfte ihnen schwer
werden. Ja, htte er wenige Wochen nach seiner Ankunft in London eine
groe Armee nach Irland schicken knnen, so wrde sich dieses Knigreich
vielleicht nach einem kurzen Kampfe, oder selbst ohne allen Kampf seiner
Autoritt unterworfen haben, und eine lange Reihe von Verbrechen und
Drangsalen htte abgewendet werden knnen. Aber die factisen Redner und
Pamphletisten, die ihn so unberlegt tadelten, da er keine solche Armee
absendete, wrden in nicht geringe Verlegenheit gekommen sein, wenn sie
die nthigen Truppen, Schiffe und Gelder htten beschaffen sollen. Die
englische Armee hatte ihm vor kurzem noch feindlich gegenbergestanden,
ein Theil derselben war ihm noch immer abgeneigt, und das Ganze war im
hchsten Grade desorganisirt. Von der Armee, die er aus Holland
mitgebracht, war nicht ein Regiment entbehrlich. Er hatte den Schatz
leer und den Gold der Flotte in Rckstand gefunden. Es stand nicht in
seiner Macht, irgend einen Theil der Staatseinknfte zu verpfnden.
Wer ihm Geld lieh, lieh es ihm auf keine andre Sicherheit als auf sein
bloes Wort. Nur die patriotische Freigebigkeit der londoner Kaufleute
hatte ihn in den Stand gesetzt, bis zum Zusammentritt der Convention die
laufenden Regierungsausgaben zu bestreiten. Es ist also gewi ungerecht,
ihn zu tadeln, da er unter solchen Umstnden nicht auf der Stelle eine
Flotte ausrstete, welche hinreichte, ein Knigreich zu erobern.

Da er einsah, da es, so lange die englische Regierung nicht befestigt
war, nicht in seiner Macht stehen wrde, mit bewaffneter Hand wirksam in
die Angelegenheiten Irlands einzugreifen, beschlo er einen Versuch mit
Unterhandlungen zu machen. Diejenigen, welche nach dem Ausgange
urtheilten, behaupteten er habe bei dieser Gelegenheit nicht seinen
gewohnten Scharfblick gezeigt. Sie sagten er htte wissen sollen, da es
ungereimt sei, von Tyrconnel Unterwerfung zu erwarten. Dies war jedoch
damals nicht die Ansicht gutunterrichteter Mnner, deren Interesse
hinreichende Gewhr fr ihre Aufrichtigkeit bot. Eine zahlreiche
Versammlung von Cavalieren und Gentlemen, welche in Irland Gter
besaen, wurde whrend des Interregnums im Hause des Herzogs von Ormond
am St. James Square gehalten. Sie riethen dem Prinzen zu versuchen, ob
der Viceknig nicht zu einer ehrenvollen und vortheilhaften Kapitulation
bewogen werden knnte.[29] Man hat in der That starken Grund zu glauben,
da Tyrconnel wirklich schwankte. Denn so heftig auch seine
Leidenschaften waren, verga er darber doch nie sein Interesse und er
konnte wohl in Zweifel sein, ob es nicht in seinem Interesse liege, sich
bei vorgercktem Alter und abnehmender Gesundheit mit vlliger
Straflosigkeit fr alle frheren Vergehen und mit hohem Range und groem
Vermgen lieber von den Geschften zurckzuziehen, als Leben und
Eigenthum den Zufllen eines Kriegs gegen die ganze Macht England's
preiszugeben. Es ist notorisch, da er sich bereit zeigte nachzugeben.
Er setzte sich in Communication mit dem Prinzen von Oranien und zog zum
Schein Mountjoy und Andere zu Rathe, die sich zwar von ihrer
Unterthanenpflicht gegen Jakob noch nicht losgesagt hatten, aber
entschiedene Anhnger der Landeskirche und des Staatsverbandes mit
England waren.

    [Anmerkung 28: Burnet I. 897 und Swift's und Dartmouth's Noten.
    Tutchin wiederholt im Observator diese grundlose Verleumdung.]

    [Anmerkung 29: +Orange Gazette, Jan. 10. 1688/89.+]


[_Die Temple werden zu Rathe gezogen._] Auf einer Seite, von welcher
Wilhelm den einsichtsvollsten Rath zu erwarten berechtigt war, glaubte
man fest an die Aufrichtigkeit der Versicherungen Tyrconnel's. Kein
andrer britischer Staatsmann geno damals in ganz Europa eines so hohen
Rufes wie Sir Wilhelm Temple. Seine diplomatische Gewandtheit hatte
zwanzig Jahre frher den Fortschritt der franzsischen Macht gehemmt. Er
war ein treuer und ntzlicher Freund der Vereinigten Provinzen und des
Hauses Nassau gewesen, stand seit langer Zeit auf dem vertrautesten
Freundschaftsfue mit dem Prinzen von Oranien und hatte die Vermhlung
zu Stande gebracht, der England seine krzliche Befreiung verdankte. Mit
den Angelegenheiten Irland's galt Temple fr besonders vertraut. Seine
Familie hatte dort ansehnliche Besitzungen, und er selbst hatte mehrere
Jahre daselbst zugebracht; er hatte die Grafschaft Carlow im Parlament
vertreten und ein groer Theil seiner Einknfte flo ihm aus einem
eintrglichen irischen Amte zu. Die hchste Stufe der Macht, des Ranges
und des Reichthums wrden ihm erreichbar gewesen sein, wenn er
eingewilligt htte, seine Zurckgezogenheit aufzugeben und der neuen
Regierung seine Untersttzung und das Gewicht seines Namens zu leihen.
Aber Macht, Rang und Reichthum hatten fr seinen epikurischen Character
bei weitem weniger Reiz als Behaglichkeit und Ruhe. Er wies die
lockendsten Antrge zurck und beschftigte sich nach wie vor in
lndlicher Abgeschiedenheit mit seinen Bchern, Tulpen und Ananas. Nach
einigem Zaudern willigte er indessen ein, seinen ltesten Sohn Johann in
Wilhelm's Dienste treten zu lassen. Whrend der Erledigung des Thrones
war Johann Temple in wichtigen Geschften verwendet worden und in
Angelegenheiten, welche Irland betrafen, hatte seine Meinung, von der
man fglich annehmen konnte, da sie mit der seines Vaters
bereinstimmte, groes Gewicht. Dieser junge Staatsmann schmeichelte
sich, einen Agenten gefunden zu haben, der vortrefflich geeignet schien,
die Unterhandlung mit Tyrconnel zu einem guten Ende zu fhren.


[_Richard Hamilton wird auf Temple's Wort nach Irland gesandt._] Dieser
Agent gehrte einer angesehenen Familie an, die von einem schottischen
Adelsgeschlecht abstammte, aber schon seit langer Zeit in Irland
ansssig war und sich zum rmischkatholischen Glauben bekannte. Unter
der heiteren Schaar, die sich whrend der unmittelbar auf die
Restauration folgenden Jahre des zgellosen Jubilirens in Whitehall
tummelte, hatten die Hamilton eine hervorragende Rolle gespielt. Die
schnen langen Locken, die strahlende Jugendfrische und die
schmachtenden blauen Augen der liebenswrdigen Elisabeth entzcken uns
noch heute auf dem Bilde Lely's. Sie hatte den Ruhm, keine geringe
Eroberung zu machen. Ihrer ppigen Schnheit und ihrem schelmischen
Geiste war es vorbehalten, den Widerwillen des kaltherzigen und
spottschtigen Grammont gegen das unauflsliche Band zu besiegen. Einer
ihrer Brder, Anton, schrieb die Chronik jener glnzenden und
leichtfertigen Gesellschaft, zu deren glnzendsten und leichtfertigsten
Mitgliedern er gehrt hatte. Er verdient das seltene Lob, als
Nichtfranzos ein Werk geschrieben zu haben, das dem Geiste wie dem Style
nach eines der vorzglichsten franzsischen Bcher genannt werden mu.
Ein andrer Bruder, Namens Richard, hatte sich in fremden Diensten einige
militrische Erfahrung erworben. Sein Geist und seine Artigkeit hatten
ihn selbst in dem glnzenden Cirkel von Versailles ausgezeichnet. Man
munkelte, da er es gewagt habe, den Blick zu einer hochgestellten Dame,
der natrlichen Tochter des groen Knigs, der Gemahlin eines legitimen
Prinzen des Hauses Bourbon zu erheben und da es geschienen, als ob die
Aufmerksamkeiten ihres vermessenen Anbeters ihr nicht mifallen
htten.[30] Der Verwegene war nachher in sein Vaterland zurckgekehrt,
war zum Brigadegeneral in der irischen Armee ernannt und in dem irischen
Geheimrath vereidigt worden. Als man die hollndische Invasion
erwartete, kam er mit den Truppen, welche Tyrconnel zur Verstrkung der
kniglichen Armee schickte, ber den St. Georgskanal. Nach Jakob's
Flucht unterwarfen sich diese Truppen dem Prinzen von Oranien. Jetzt
schlo Richard Hamilton nicht nur ebenfalls Frieden mit der herrschenden
Gewalt, sondern sprach auch die zuversichtliche berzeugung aus, da,
wenn man ihn nach Dublin senden wolle, er die daselbst angeknpften
Unterhandlungen glcklich wrde zu Ende fhren knnen. Sollte ihm dies
nicht gelingen, so versprach er auf sein Ehrenwort, in drei Wochen nach
London zurckzukehren. Man wute, da er in Irland groen Einflu hatte,
seine Ehrenhaftigkeit war nie angezweifelt worden und er geno die hohe
Achtung der Familie Temple. Johann Temple erklrte, da er fr Richard
Hamilton stehen knne wie fr sich selbst. Diese Brgschaft wurde fr
gengend erachtet und Hamilton ging nach Irland ab, nachdem er seine
englischen Freunde versichert hatte, da er Tyrconnel bald zur Vernunft
bringen werde. Die Anerbietungen, die er den Katholiken und dem
Viceknig persnlich zu machen autorisirt war, waren hchst liberal.[31]

    [Anmerkung 30: +Mmoires de Madame de la Fayette.+]

    [Anmerkung 31: +Burnet I. 808+; +Life of James, II. 320+;
    +Commons' Journals, July 29. 1689.+]


[_Tyrconnel schickt Mountjoy und Rice nach Frankreich._] Es ist nicht
unmglich, da Hamilton sich wirklich vorgenommen hatte, sein
Versprechen zu erfllen. Bei seiner Ankunft in Dublin aber sah er wohl,
da er eine Aufgabe bernommen hatte, der er nicht gewachsen war.
Tyrconnel's Unschlssigkeit, mochte sie nun wahr oder erheuchelt gewesen
sein, war zu Ende. Er war zu der berzeugung gelangt, da ihm keine Wahl
mehr blieb. Mit leichter Mhe hatte er die unwissenden und empfnglichen
Irlnder zur Wuth aufgestachelt. Zu beruhigen vermochte er sie nicht
wieder. Es hatte sich das Gercht verbreitet, der Viceknig
correspondire mit den Englndern, und dieses Gercht hatte die Nation in
Flammen gesetzt. Das gemeine Volk sagte: wenn er es wagen sollte, sie
fr Geld und Ehrenstellen zu verkaufen, wrden sie das Schlo verbrennen
und ihn darin, und wrden sich unter Frankreichs Schutz stellen.[32] Er
sah sich genthigt, die gleichviel ob wahre oder falsche Erklrung
abzugeben, da er nie daran gedacht, sich zu unterwerfen, und nur um
Zeit zu gewinnen zum Schein Unterhandlungen angeknpft habe. Ehe er sich
jedoch offen gegen die englischen Ansiedler und gegen England selbst
erklrte, was einen Krieg auf Tod und Leben zur Folge haben mute,
wnschte er sich Mountjoy's zu entledigen, der bislang der Sache Jakob's
treu gewesen war, der aber, wie man sehr gut wute, niemals eingewilligt
haben wrde, an der Beraubung und Unterdrckung der Colonisten Theil zu
nehmen. Heuchlerische Versicherungen von Freundschaft und friedlichen
Absichten wurden nicht gespart. Es sei eine heilige Pflicht, sagte
Tyrconnel, das drohende Unheil abzuwenden. Knig Jakob selbst wrde,
wenn er den ganzen Sachverhalt kannte, nicht wnschen, da seine
irischen Freunde sich in diesem Augenblicke in ein Unternehmen
einlieen, das fr sie verderblich werden msse und ihm nichts ntzen
knne. Er wrde ihnen daher erlauben, ja ihnen sogar befehlen, sich der
Nothwendigkeit zu unterwerfen und ihre Krfte fr bessere Zeiten
aufzusparen. Wenn sich ein loyaler, geschickter und wohl unterrichteter
Mann von Gewicht nach Saint-Germains begebe und Sr. Majestt den Stand
der Dinge auseinandersetze, so wrde der Knig leicht zu berzeugen
sein. Wolle nicht Mountjoy diese so ehrenvolle und wichtige Mission
bernehmen? Mountjoy zauderte und gab zu verstehen, da man Jemanden
schicken sollte, von dem sich mit grerer Wahrscheinlichkeit erwarten
lasse, da er dem Knige angenehm sein werde. Tyrconnel aber erklrte
fluchend und tobend, da Irland in den Abgrund der Hlle versinken
wrde, wenn man Knig Jakob nicht wohl beriethe, und er bestand darauf,
da Mountjoy als Reprsentant der loyalen Mitglieder der Staatskirche
nach Saint-Germains gehen und da der erste Baron der Schatzkammer,
Rice, ein in der kniglichen Gunst sehr hoch stehender Katholik, ihn
begleiten solle. Mountjoy gab nach und die beiden Gesandten reisten
zusammen, aber mit ganz verschiedenen Instructionen versehen, ab. Rice
war beauftragt, Jakob zu sagen, da Mountjoy im Herzen ein Verrther und
nur deshalb nach Frankreich geschickt worden sei, damit den Protestanten
Irland's ein Lieblingsfhrer entzogen wrde. Ferner sollte Rice den
Knig versichern, da er mit Ungeduld in Irland erwartet werde und da
er, wenn er sich daselbst mit einer franzsischen Heeresmacht zeigen
wolle, seine gesunkene Gre bald wiederherstellen knne.[33] Auerdem
war der erste Baron noch mit anderen Instructionen versehen, die
wahrscheinlich selbst vor dem Hofe von Saint-Germains geheimgehalten
wurden. Fr den Fall, da Jakob nicht geneigt sein sollte, sich an die
Spitze der eingebornen Bevlkerung Irland's zu stellen, war Rice
angewiesen, um eine Privataudienz bei Ludwig nachzusuchen und ihm den
Vorschlag zu machen, Irland in eine franzsische Provinz zu
verwandeln.[34]

    [Anmerkung 32: Avaux an Ludwig, 25. Mrz (4. April) 1689.]

    [Anmerkung 33: +Clarke's Life of James, II. 321.+ Mountjoy's
    Circulardepesche vom 10. Jan. 1688/89; +King IV. 8.+ In +Light to
    the Blind+ wird Tyrconnel's kluge Verstellung gerhmt.]

    [Anmerkung 34: Avaux an Ludwig, 13.(23.) April 1689.]


[_Tyrconnel ruft das irische Volk zu den Waffen._] Sobald die beiden
Gesandten abgereist waren, begann Tyrconnel sich auf den unvermeidlich
gewordenen Kampf vorzubereiten, und der treulose Hamilton untersttzte
ihn dabei auf das Krftigste. Die irische Nation wurde zu den Waffen
gerufen und sie leistete dem Aufrufe mit merkwrdiger Bereitwilligkeit
und Begeisterung Folge. In die Flagge, welche auf dem Schlosse von
Dublin wehte, waren die Worte gestickt: +Now or never: now and for
ever,+ (jetzt oder nimmer: jetzt und fr immer) und diese Worte fanden
durch das ganze Land ein Echo.[35] Nie hat Europa in der neueren Zeit
eine solche Erhebung eines ganzen Volks gesehen. Die Gewohnheiten des
celtischen Bauern waren von der Art, da er kein Opfer brachte, wenn er
sein Kartoffelfeld mit dem Lager vertauschte. Er liebte Aufregung und
Abenteuer, und scheute die Arbeit viel mehr als Gefahren. Seine
nationalen und religisen Gefhle waren seit drei Jahren durch die
bestndige Anwendung von Reizmitteln aufgestachelt worden. Auf jeder
Messe und jedem Jahrmarkte hatte er gehrt, da bald eine gute Zeit
kommen werde, da die Tyrannen, welche schsisch sprchen und in Husern
mit Schieferdchern wohnten, vertrieben werden und da das Land dann
wieder seinen eigenen Kindern gehren wrde. Um die Torffeuer von
hunderttausend Htten waren allnchtlich rohe Balladen gesungen worden,
welche die Befreiung des unterdrckten Volks verkndeten. Die Priester,
welche grtentheils den alten Familien angehrten, die die
Ansiedelungsacte zu Grunde gerichtet hatte, welche aber von der
eingebornen Bevlkerung noch immer verehrt wurden, hatten von tausend
Altren herab jedem Katholiken ans Herz gelegt, seine Anhnglichkeit an
die wahre Religion durch Anschaffung von Waffen fr den Tag zu beweisen,
an welchem es nthig werden drfte, zum Heile ihrer Sache das Glck der
Schlachten zu versuchen. Die Armee, welche unter Ormond nur aus acht
Regimentern bestanden hatte, wurde jetzt auf achtundvierzig Regimenter
gebracht, und die Reihen waren bald bervoll. Es war unmglich, in
kurzer Zeit nur ein Zehntel der benthigten Anzahl guter Offiziere zu
finden. Patente wurden mit verschwenderischer Freigebigkeit migen
Aufliegern verliehen, welche Anspruch darauf machten, von guten irischen
Familien abzustammen. Doch selbst auf diese Weise konnte der Bedarf an
Hauptleuten und Leutnants nicht beschafft werden und viele Compagnien
wurden von Schuhflickern, Schneidern und Lakaien befehligt.[36]

    [Anmerkung 35: Gedruckter Brief aus Dublin vom 25. Febr. 1689:
    +Mephibosheth and Ziba, 1689.+]

    [Anmerkung 36: Die Verwandschaft der Priester mit den alten
    irischen Familien ist in Petty's +Political Anatomy of Ireland+
    erwhnt. Siehe auch: +Short View by a Clergyman lately escaped,
    1689+; +Ireland's Lamentation, by an English Protestant that
    lately narrowly escaped with life from thence, 1689+; +A True
    Account of the State of Ireland, by a person who with great
    difficulty left Dublin, 1689+; +King II. 7.+ Avaux besttigt Alles
    was diese Schriftsteller ber die irischen Offiziere sagen.]


[_Verwstung des Landes._] Die Lhnung der Soldaten war sehr gering. Der
Gemeine hatte nur drei Pence den Tag. Davon bekam er nie mehr als die
Hlfte baar ausgezahlt, und selbst diese Hlfte war oft in Rckstand.
Aber ein viel verlockenderer Kter als dieser karge Lohn war die
Aussicht auf unbegrenzte Zgellosigkeit. Wenn die Regierung ihm weniger
gab als fr seine Lebensbedrfnisse ausreichte, so nahm sie es dagegen
nicht zu genau mit den Mitteln, durch welche er dem Mangel abzuhelfen
suchte. Obwohl vier Fnftel der Bevlkerung Irland's Celten und
Katholiken waren, so kamen doch vier Fnftel des irischen Eigenthums auf
die protestantischen Englnder. Die Kornspeicher, die Keller, und vor
Allem die Viehheerden der Minderheit wurden der Mehrheit preisgegeben.
Denn die Bewaffnung war jetzt allgemein. Niemand wagte es mehr, ohne
eine Waffe, sei es eine Pike, ein langes Messer, +skean+ genannt, oder
wenigstens einen zugespitzten und im Feuer gehrteten Eschenholzstock,
in der Messe zu erscheinen. Selbst die Frauen wurden von ihren
Seelsorgern ermahnt, Skeans bei sich zu fhren. Alle Schmiede,
Zimmerleute und Schwertfeger waren fortwhrend mit der Anfertigung von
Gewehren und Klingen beschftigt. Es war kaum mglich ein Pferd
beschlagen zu lassen. Weigerte sich ein protestantischer Handwerker,
an der Verfertigung von Kriegsgerth Theil zu nehmen, das gegen seine
Nation und Religion gebraucht werden sollte, so wurde er ins Gefngni
geworfen. Es lt sich mit Wahrscheinlichkeit annehmen, da Ende Februar
mindestens hunderttausend Irlnder unter den Waffen standen. Nahe an
funfzigtausend davon waren Soldaten; die brigen waren Banditen; deren
Gewaltthtigkeit und Zgellosigkeit die Regierung zum Schein
mibilligte, sich aber nicht bemhte, denselben Einhalt zu thun. Die
Protestanten wurden nicht allein nicht beschtzt, sondern sie durften
sich nicht einmal selbst schtzen. Es war beschlossen, da sie inmitten
einer bewaffneten und feindseligen Bevlkerung unbewaffnet bleiben
sollten. Ein Tag wurde festgesetzt, an welchem sie alle ihre Schwerter
und Feuergewehre in die Pfarrkirchen bringen sollten, und zu gleicher
Zeit angekndigt, da jedes protestantische Haus, in welchem nach diesem
Tage eine Waffe gefunden wrde, der Plnderung durch die Soldaten
preisgegeben werden sollte. Man beklagte sich bitter ber diese
Maregel, da der erste beste Schurke, der eine Lanzenspitze oder ein
altes Pulverfa in einem Winkel eines Hauses verberge, vollstndigen
Ruin ber den Eigenthmer desselben bringen knne.[37]

Der Oberrichter Keating, selbst Protestant und fast der einzige
Protestant, der noch ein hohes Amt in Irland bekleidete, stritt muthig
fr die Sache der Gerechtigkeit und Ordnung wider die vereinte Macht der
Regierung und des Pbels. Bei den Frhjahrsassisen zu Wicklow schilderte
er vom Richterstuhle herab in energischen Ausdrcken die traurige Lage
des Landes. Ganze Grafschaften, sagte er, wrden durch ein Gesindel
verwstet, das den Geiern und Raben gleiche, welche dem Marsche einer
Armee folgen. Die meisten dieser Elenden seien gar keine Soldaten und
handelten unter keiner dem Gesetze bekannten Autoritt. Dennoch sei es
nur zu offenbar, da sie durch einige hohe Befehlshaber ermuthigt und
protegirt wrden. Wie knne sonst in geringer Entfernung von der
Hauptstadt ein offner Markt fr geraubtes Gut gehalten werden? Die
Geschichten, welche Reisende von den Hottentotten am Kap der guten
Hoffnung erzhlten, sehe man in Leinster verwirklicht. Nichts sei
gewhnlicher, als da ein rechtlicher Mann sich des Abends reich an
Schaf- und Rinderheerden, die er durch den Flei und die Thtigkeit
eines langen Lebens erworben, niederlege und am andren Morgen als
Bettler erwache. Keating bemhte sich indessen mit nur geringem Erfolge,
inmitten jener entsetzlichen Anarchie das Ansehen des Gesetzes aufrecht
zu erhalten. Priester und Heerfhrer traten auf, um den Oberrichter
einzuschchtern und die Ruber in Schutz zu nehmen. Ein solcher Schurke
kam straflos davon, weil kein Klger gegen ihn aufzutreten wagte. Ein
Andrer erklrte, da er sich auf den Befehl seines Seelsorgers und nach
dem Beispiele vieler hher stehender Leute, die er hier im Gerichtssaal
sehe, bewaffnet habe. Nur zwei von den +Merry Boys+ (lustigen Burschen),
wie man sie nannte, wurden berfhrt; die schlimmsten Verbrecher kamen
ohne Strafe davon, und der Oberrichter sagte entrstet zu den
Geschwornen, da die Schuld an dem Ruin des Landes vor ihrer Thr
liege.[38]

Wenn solche Gesetzlosigkeit in Wicklow herrschte, so kann man sich
leicht vorstellen, wie es in uncultivirteren und vom Sitze der Regierung
weiter entfernten Districten zugegangen sein mu. Keating war der
einzige richterliche Beamte, der sich krftig bemhte, dem Gesetze
Ansehen zu verschaffen. In der That, der Oberrichter des hchsten
Criminalgerichtshofes im Knigreiche, Nugent, erklrte auf der
Richterbank zu Cork, da ohne Gewaltthtigkeit und Beraubung die
Absichten der Regierung nicht durchgefhrt werden knnten, und da unter
solchen Umstnden Rubereien als ein nothwendiges bel geduldet werden
mten.[39]

Die Zerstrung von Eigenthum, welche binnen wenigen Wochen stattfand,
wre unglaublich, wrde sie nicht durch einander fern stehende und ganz
verschiedenen Interessen ergebene Zeugen besttigt. Die Schilderungen
von Protestanten, welche whrend jener Schreckensherrschaft mit
Lebensgefahr nach England entkamen, und die von Gesandten, Commissarien
und Heerfhrern Ludwig's stimmen genau, mitunter sogar wrtlich berein.
Alle erklrten einstimmig, da es vieler Jahre bedrfen werde, um die
Verwstungen wieder gut zu machen, welche das bewaffnete Landvolk in
einigen Wochen angerichtet habe.[40] Mehrere von der schsischen
Aristokratie besaen glnzend mblirte Schlsser mit Schrnken, die von
Silbergeschirr strotzten. All' dieser Reichthum verschwand. In einem
Hause, welches fr dreitausend Pfund Sterling Silberzeug enthalten
hatte, blieb nicht ein einziger Lffel.[41] Der Hauptreichthum Irland's
aber bestand in Vieh. Zahllose Schaf- und Rinderheerden bedeckten diesen
ungeheuren, durch die Feuchtigkeit des Atlantischen Oceans befruchteten
Wiesenteppich. Mehr als ein Gentleman besa zwanzigtausend Stck Schafe
und viertausend Rinder. Die Freibeuter, welche jetzt das Land berzogen,
gehrten einer Klasse an, welche gewohnt war, von Kartoffeln und saurer
Milch zu leben, und die das Fleisch jederzeit als einen nur den Reichen
zu Gebote stehenden Luxus betrachtet hatten. Diese Leute schwelgten
anfangs im Genusse von Rind- und Hammelfleisch, wie die rohen Horden,
die sich vor Alters aus den Wldern des Nordens ber Italien ergossen,
im Genusse der kostbarsten Weine schwelgten. Die Protestanten
schilderten mit Abscheu und Ekel die unglaubliche Gefrigkeit ihrer
befreiten Sklaven. Die geschlachteten Thiere wurden halb roh und halb zu
Kohle verbrannt, bald noch blutend, bald schon im Zustande der
Verwesung, in Stcke zerrissen und ohne Salz, Brot oder Gemse
verschlungen. Diejenigen, welche gekochtes Fleisch vorzogen, machten,
da es ihnen oft an Kesseln fehlte, mit gutem Erfolge den Versuch, einen
ganzen Ochsen in seiner eignen Haut zu kochen. Es existirt noch eine
alberne Tragikomdie, welche in diesem und dem darauffolgenden Jahre auf
einem kleinen Theater zum Ergtzen des englischen Pbels aufgefhrt
wurde. Ein Haufen halbnackter Wilder erschien, ein celtisches Lied
brllend und um einen Ochsen herumtanzend, auf der Bhne. Hierauf
begannen sie von dem lebenden Thiere Stcke loszuschneiden und das
blutende Fleisch auf die Kohlen zu werfen. Die Barbarei und
Scheulichkeit der Fregelage der Rapparees war in der That so arg,
da die Dramatiker in Grub Street sie kaum zu karrikiren vermochten. Mit
dem Eintritt der Fastenzeit hrten die Plnderer im Allgemeinen auf zu
schwelgen, aber sie fuhren fort zu zerstren. Ein Bauer war im Stande
eine Kuh zu tdten, blo um ein Paar Schuhe zu bekommen. Oft wurde eine
ganze Heerde Schafe oder fnfzig bis sechzig Stck Rinder geschlachtet,
die Thiere abgezogen, die Vliee und Hute mitgenommen und die Cadaver
liegen gelassen, um die Luft zu verpesten. Der franzsische Gesandte
berichtete seinem Gebieter, da in Zeit von sechs Wochen funfzigtausend
Stck Hornvieh auf diese Art getdtet worden seien und nun im
ganzen Lande unter freiem Himmel verfaulten. Die Zahl der in dem
nmlichen Zeitraum geschlachteten Schafe soll sich auf drei- bis
viermalhunderttausend Stck belaufen haben.[42]

Jede Schtzung, die man jetzt von dem Werthe des Eigenthums machen kann,
das whrend jenes furchtbaren Racenkampfes zerstrt wurde, mu
nothwendig sehr ungenau sein. Indessen fehlt es uns nicht gnzlich an
Material zu einer solchen Schtzung. Die Quker waren weder eine sehr
zahlreiche noch eine sehr wohlhabende Klasse. Wir drfen schwerlich
annehmen, da sie mehr als ein Fnfzigstel der protestantischen
Bevlkerung Irland's bildeten oder da sie mehr als ein Fnfzigstel des
protestantischen Vermgens in Irland besaen. berdies wurden sie
unzweifelhaft schonender behandelt als irgend eine andre protestantische
Secte. Jakob war stets fr sie eingenommen gewesen, sie gestehen selbst,
da Tyrconnel sein Mglichstes that, um sie zu schtzen, und sie
scheinen selbst vor den Augen der Rapparees Gnade gefunden zu haben.[43]
Und doch schlugen die Quker ihre pekuniren Verluste auf hunderttausend
Pfund Sterling an.[44]

    [Anmerkung 37: Im franzsischen Kriegsministerium befindet sich
    ein Bericht ber den Zustand Irland's im Februar 1689. In diesem
    Bericht heit es, da die Zahl der als Soldaten eingereihten
    Irlnder fnfundvierzigtausend betrage, da sie aber auf
    hunderttausend gestiegen sein wrde, wenn Alle die sich freiwillig
    stellten, angenommen worden wren. Siehe auch: +The Sad and
    Lamentable Condition of the Protestants in Ireland, 1689+;
    +Hamilton's True Relation, 1690+; +The State of Papist and
    Protestant Properties in the Kingdom of Ireland, 1689+; +A true
    Representation to the King and People of England how Matters were
    carried on all along in Ireland, licensed Aug.16. 1689+; +Letter
    from Dublin, 1689+; +Ireland's Lamentation, 1689+; +Compleat
    History of the Life and Military Actions of Richard, Earl of
    Tyrconnel, Generalissimo of all the Irish forces now in arms,
    1689.+]

    [Anmerkung 38: Siehe die Verhandlungen in den +State Trials+.]

    [Anmerkung 39: +King, III. 10.+]

    [Anmerkung 40: Zehn Jahre, sagt der franzsische Gesandte; zwanzig
    Jahre, sagt ein protestantischer Flchtling.]

    [Anmerkung 41: +Animadversions an the proposal for sending back
    the nobility and gentry of Ireland, 1689/90.+]

    [Anmerkung 42: +King, III. 10+; +The Sad Estate and Condition of
    Ireland, as represented in a Letter from a Worthy Person who was
    in Dublin on Friday last, March 4. 1689+; +Short View by a
    Clergyman, 1689+; +Lamentation of Ireland, 1689+; +Compleat
    History of the Life and Actions of Richard, Earl of Tyrconnel,
    1689+; +The Royal Voyage+, aufgefhrt 1689 und 1690. Dieses Stck,
    das, wenn ich nicht irre, in der Bartholomusmesse gegeben wurde,
    ist eines der interessantesten von einer interessanten Gattung von
    Compositionen, welche zwar jedes literarischen Werthes ermangeln,
    aber deshalb von Bedeutung sind, weil sie zeigen, was damals die
    erfolgreichste Lockspeise fr ein aus gemeinem Volke bestehendes
    Publikum war. Der Zweck dieses Schauspiels, sagt der Verfasser
    in seiner Vorrede, ist namentlich der, den perfiden, gemeinen,
    feigen und blutdrstigen Character der Irlnder vor Augen zu
    fhren. Was die flchtigen Protestanten von der muthwilligen
    Vernichtung des Viehes erzhlen, wird von Avaux in einem vom
    13.(23.) April 1689 datirten Briefe an Ludwig, und von Desgrigny
    in einem vom 17.(27.) Mai 1690 datirten Schreiben an Louvois
    besttigt. Die meisten Depeschen, welche Avaux whrend seines
    Aufenthalts in Irland schrieb, sind in einem Werke enthalten,
    das vor einigen Jahren im englischen auswrtigen Amte in wenigen
    Exemplaren gedruckt wurde. Viele habe ich auch im franzsischen
    Ministerium des Auswrtigen abgeschrieben. Die Briefe von
    Desgrigny, der im Commissariat angestellt war, fand ich in der
    Bibliothek des franzsischen Kriegsministeriums. Ich kann die
    Bereitwilligkeit und Zuvorkommenheit, mit der mir die reichen und
    vortrefflich geordneten Schtze interessanter Belehrung in Paris
    geffnet wurden, nicht genug rhmen.]

    [Anmerkung 43: Eine eigenthmliche Erscheinung, welche nie
    vergessen werden darf, war, da Diejenigen, welche damals (zuEnde
    des Jahres 1688) an der Spitze der Regierung standen, uns zu
    begnstigen und sich unsre Freundschaft bewahren zu wollen
    schienen. +History of the Rise and Progress of the People called
    Quakers in Ireland, by Wight and Rutty, Dublin 1751.+ King wirft
    in der That (III.17.) den Qukern vor, da sie Verbndete und
    Werkzeuge der Papisten gewesen seien.]

    [Anmerkung 44: Wight and Rutty.]


[_Die Protestanten in Sden unfhig Widerstand zu leisten._] In
Leinster, Munster und Connaught war es den englischen Ansiedlern ihrer
geringen und zersplitterten Anzahl wegen rein unmglich, dem furchtbaren
Andrange der eingebornen Bevlkerung einen erfolgreichen Widerstand
entgegenzusetzen. Charleville, Mallow und Sligo fielen in die Gewalt der
Eingebornen. Bandon, wo die Protestanten eine ansehnlichere Streitmacht
zusammengezogen hatten, wurde durch den Generalleutnant Macarthy, einen
Officier, der aus einer der vornehmsten celtischen Familien abstammte
und unter einem angenommenen Namen lange in der franzsischen Armee
gedient hatte, zur bergabe gezwungen.[45] Die Bewohner von Kenmare
hielten sich in ihrer kleinen Festung, bis sie von dreitausend regulren
Soldaten angegriffen wurden und bis sie erfuhren, da mehrere Kanonen
herbeigeschafft wrden, um den Erdwall zu zerstren, der das Haus des
Agenten umgab. Da endlich wurde eine Capitulation abgeschlossen, und den
Colonisten gestattet, sich auf einem mit Lebensmitteln und Wasser
sprlich versehenen kleinen Fahrzeuge einzuschiffen. Sie hatten keinen
erfahrenen Schiffer an Bord; doch nach einer vierzehntgigen Seereise,
whrend der sie wie die Neger auf einem Sklavenschiffe zusammengepfercht
waren und vor Hunger und Durst fast umkamen, erreichten sie wohlbehalten
den Hafen von Bristol.[46] Wenn solcher Art das Schicksal der Stdte
war, so lag es auf der Hand, da die Landsitze, welche die
protestantischen Gutsbesitzer unlngst in den drei sdlichen Provinzen
befestigt hatten, sich nicht lnger zu halten vermochten. Viele Familien
unterwarfen sich, lieferten ihre Waffen ab und schtzten sich glcklich,
da sie mit dem Leben davon kamen. Viele beherzte und tapfere Gentlemen
und Freisassen aber waren entschlossen lieber umzukommen, als sich zu
ergeben. Sie packten das leicht transportable werthvolle Eigenthum
zusammen, verbrannten das was sie nicht mitnehmen konnten und brachen
wohl bewaffnet und beritten nach den Orten in Ulster auf, welche die
Besten ihres Stammes und ihres Glaubens waren. Die Elite der
protestantischen Bevlkerung von Munster und Connaught fand in
Enniskillen ein Asyl. Die Tapferen und Entschlossenen von Leinster
schlugen den Weg nach Londonderry ein.[47]

    [Anmerkung 45: +Life of James, II. 327. Orig. Mem.+ Macarthy und
    sein fingirter Name werden mehrere Male von Dongeau erwhnt.]

    [Anmerkung 46: +Exact Relation of the Persecutions, Robberies and
    Losses sustained by the Protestants of Killmare in Ireland,
    1689+.]

    [Anmerkung 47: +A true Representation to the King and People of
    England how Matters were carried on all along in Ireland by the
    late King James, licensed Aug.16. 1689+; +A True Account of the
    Present State of Ireland by a Person that with Great Difficulty
    left Dublin, licensed June 8. 1689.+]


[_Enniskillen und Londonderry halten sich._] Der Muth Enniskillen's und
Londonderry's stieg angesichts der Gefahr immer hher und hher. An
beiden Orten wurden die Nachrichten von dem was die Convention zu
Westminster gethan, mit unbeschreiblicher Freude aufgenommen. Wilhelm
und Marie wurden in Enniskillen mit einmthigem Enthusiasmus und mit
demjenigen Pomp proklamirt, den die kleine Stadt erschwingen konnte.[48]
Lundy, der in Londonderry commandirte, durfte es nicht wagen, der
allgemeinen Gesinnung der Brger und seiner eigenen Soldaten
entgegenzutreten. Er kndigte daher seinen Beitritt zu der neuen
Regierung an und unterschrieb eine Erklrung, durch die er sich
verpflichtete, treu zu dieser Regierung zu stehen, widrigenfalls er als
ein Feigling und Verrther betrachtet sein wollte. Ein Schiff aus
England brachte bald ein Patent von Wilhelm und Marien, das ihn in
seinem Posten besttigte.[49]

    [Anmerkung 48: +Hamilton's Actions of the Inniskilling Men,
    1689.+]

    [Anmerkung 49: +Walker's Account, 1689.+]


[_Richard Hamilton marschirt mit einer Armee nach Ulster._] Die
Protestanten von Ulster zur Unterwerfung zu zwingen, bevor Untersttzung
aus England eintreffen konnte, war jetzt Tyrconnel's Hauptzweck. Eine
starke Truppenmacht wurde unter dem Commando Richard Hamilton's nach dem
Norden dirigirt. Dieser Mann hatte alle Verpflichtungen, welche einem
Gentleman und Soldaten am heiligsten sind, mit Fen getreten, war gegen
seine Freunde, die Temple, meineidig geworden, hatte sein militrisches
Ehrenwort gebrochen, und schmte sich jetzt nicht als General gegen eine
Regierung ins Feld zu ziehen, der er sich als Gefangener zu stellen
verpflichtet war. Sein Marsch hinterlie in dem Aussehen des Landes
Spuren, welche auch dem sorglosesten Auge viele Jahre hindurch nicht
unbemerkt bleiben konnten. Seine Armee war von einem Gesindel begleitet,
das Keating sehr richtig mit den unsauberen Raubvgeln verglichen hatte,
die sich jederzeit da sammeln, wo es stark nach Aas riecht. Der General
erklrte, da es sein aufrichtiger Wille sei, alle Protestanten, welche
ruhig zu Hause blieben, vor Verderben und Gewaltthtigkeiten zu behten,
und gewhrte ihnen mit grter Bereitwilligkeit von ihm eigenhndig
unterschriebene Schutzbriefe. Aber diese Schutzbriefe erwiesen sich als
nutzlos und er mute eingestehen, da er zwar seine Soldaten im Zaume
halten knne, aber unter dem Pbeltro, der seiner Armee folgte, keine
Ordnung zu halten vermge. Das Land hinter ihm war eine Wste, und bald
war auch das Land vor ihm in gleichem Mae verdet. Denn bei der
Nachricht von seiner Annherung verbrannten die Colonisten ihre
bewegliche Habe, rissen ihre Huser nieder und zogen sich nach dem
Norden zurck. Einige von ihnen versuchten es, bei Dromore Stand zu
halten, aber sie wurden durchbrochen und auseinandergesprengt. Nun wurde
die Flucht wild und tumultuarisch. Die Fliehenden brachen die Brcken ab
und verbrannten die Fhren. Ganze Stdte, die Sitze der protestantischen
Bevlkerung, wurden zerstrt, und kein einziger Bewohner blieb darin.
Die Einwohner von Omagh zerstrten ihre Huser so vollstndig, da kein
Dach brig blieb, das den Feind gegen Wind und Regen htte schtzen
knnen. Die Bewohner von Cavan zogen smmtlich nach Enniskillen. Es war
ein regnerischer, strmischer Tag und die Wege waren grundlos. Einen
herzerschtternden Anblick gewhrten die weinenden und ausgehungerten
Frauen und Kinder, welche mitten unter den bewaffneten Mnnern bis an
die Knie im Kothe waten muten. Ganz Lisburn floh nach Antrim, und als
der Feind heranrckte, strmte ganz Lisburn und Antrim zusammen nach
Londonderry. Dreiigtausend Protestanten beider Geschlechter und jeden
Alters waren hinter den Bollwerken der Zufluchtsstadt zusammengedrngt.
Hier endlich, am Rande des Oceans, bis in das letzte Asyl gehetzt und zu
einer Verzweiflung aufgestachelt, in der der Mensch sich umbringen lt,
sich aber so leicht nicht unterwirft, machte die herrschende Race Front,
um dem andringenden Feinde die Spitze zu bieten.[50]

    [Anmerkung 50: +Mackenzie's Narrative+; +Mac Cormick's Further
    Impartial Account+; +Story's Impartial History of the Affairs of
    Ireland, 1691+; +Apology for the Protestants of Ireland+; Brief
    von Dublin vom 25. Febr. 1689; Avaux an Ludwig von 15.(25.) April
    1689.]


[_Jakob entschliet sich nach Irland zu gehen._] Inzwischen waren
Mountjoy und Rice in Frankreich angelangt. Mountjoy wurde sogleich
festgenommen und in die Bastille geworfen. Jakob beschlo, der von Rice
berbrachten Einladung nachzukommen, und bat Ludwig um ein franzsisches
Hlfsheer. Dieser aber, obwohl er in allen Dingen, welche die
persnliche Wrde und Bequemlichkeit seiner kniglichen Gste betrafen,
eine fast romantische Aufmerksamkeit und eine an Verschwendung grenzende
Freigebigkeit bewies, hatte keine Lust, ein starkes Truppencorps nach
Irland zu schicken. Er sah, da Frankreich auf dem Continent einen
langwierigen Krieg gegen eine mchtige Coalition zu bestehen haben
werde, der ungeheure Ausgaben verursachen mute, und so gro auch die
Hlfsquellen des Landes waren, sah er doch ein, wie wichtig es war,
nichts zu vergeuden. Er betrachtete die unglcklichen Verbannten, denen
er eine so frstliche Aufnahme hatte zu Theil werden lassen, mit
aufrichtigem Mitleid und gutem Willen; doch bei allem Mitleid und gutem
Willen konnte es seinem Scharfblicke nicht lange verborgen bleiben, da
sein Bruder von England der einfltigste und verderbteste Mensch von der
Welt war. Jakob's Thorheit, seine Unfhigkeit, die Charactere der
Menschen und die Zeichen der Zeit zu erkennen, sein Starrsinn, der sich
gerade in solchen Fllen, wo die Klugheit zum Nachgeben rieth, am
unbeugsamsten zeigte, und sein Schwanken, das immer am klglichsten bei
solchen Gelegenheiten hervortrat, welche Festigkeit erheischten, hatten
seine Vertreibung aus England zur Folge gehabt und konnten auch ber
Frankreich groes Unheil bringen, wenn man seine Rathschlge blindlings
befolgte. Als ein von Rebellen vertriebener legitimer Souverain, als ein
von Ketzern verfolgter Bekenner des wahren Glaubens und als ein naher
Verwandter des Hauses Bourbon, der um einen Platz am Herde dieses Hauses
gebeten, hatte er Anspruch auf Gastfreundschaft, liebevolle Behandlung
und Achtung. Es gehrte sich, da ihm ein stattlicher Palast und ein
groer Forst angewiesen wurde, da die Haustruppen ihm die hchsten
militrischen Ehren bezeigten und da alle Hunde des Grojgermeisters
und alle Falken des Grofalconiers zu seiner Verfgung standen. Wenn
aber ein Frst, der, an der Spitze einer groen Flotte und eines groen
Landheeres, ein Reich verloren hatte, ohne einen Schlag zu thun, Plne
zu See- und Landfeldzgen vorschlug, wenn ein Frst, der durch seine
vllige Unkenntni des Characters seiner eigenen Landsleute, seiner
eigenen Soldaten, seiner eigenen Diener und seiner eigenen Kinder zu
Grunde gegangen war, sich beikommen lie, fr den Eifer und die Treue
des irischen Volks stehen zu wollen, dessen Sprache er nicht verstand
und dessen Land er noch nie betreten, so muten seine Vorschlge
nothwendig mit Vorsicht aufgenommen werden. Dies waren die Ansichten
Ludwig's und er wurde darin durch seinen Kriegsminister Louvois
bestrkt, der aus privaten wie aus ffentlichen Grnden nicht wnschte,
da Jakob von einer starken Truppenmacht begleitet werde. Louvois hate
Lauzun und Lauzun war ein Gnstling in Saint-Germain. Er trug den
Hosenbandorden, ein Ehrenzeichen, das sehr selten Fremden, welche nicht
souveraine Frsten waren, verliehen worden ist. Man glaubte sogar am
franzsischen Hofe, da er, um ihn vor den anderen Rittern des hchsten
aller europischen Orden auszuzeichnen, mit dem nmlichen Georg decorirt
worden sei, den Karl I. auf dem Schaffot den Hnden Juxon's bergeben
hatte.[51] Es war ihm auerdem Hoffnung gemacht worden, da er, wenn
franzsische Truppen nach Irland geschickt wurden, dieselben commandiren
solle, und diese ehrgeizige Hoffnung wollte Louvois vereiteln.[52]

    [Anmerkung 51: +Mmoires de Madame de la Fayette+; Frau von
    Svign an Frau von Grignan vom 28. Febr. 1689.]

    [Anmerkung 52: +Burnet II. 17+; +Clarke's Life of James, II.
    320--322.+]


[_Untersttzung, welche Jakob von Ludwig gewhrt wird._] Eine Armee
wurde daher vor der Hand verweigert, sonst aber Alles bewilligt. Die in
Brest liegende Flotte erhielt Befehl sich zum Absegeln bereit zu machen,
Waffen fr zehntausend Mann und groe Massen von Munition wurden an Bord
geschafft. Etwa vierhundert Kapitns, Leutnants, Cadetten und Kanoniere
wurden fr den wichtigen Dienst, die neuauszuhebenden irischen Truppen
zu organisiren und einzuben, ausgewhlt. Den Oberbefehl erhielt ein
alter Kriegsveteran, der Graf von Rosen. Unter ihm standen Maumont mit
dem Range eines Generalleutnants, und ein Brigadier Namens Pusignan.
Eine halbe Million Kronen in Gold, eine Summe die ungefhr
hundertzwlftausend Pfund Sterling entsprach, wurde nach Brest
gesandt.[53] Fr Jakob's persnliche Bequemlichkeit war mit einer
ngstlichkeit gesorgt, welche der einer liebenden Mutter glich, die
ihren Sohn zu seinem ersten Feldzuge ausstattet. Das Ameublement fr die
Kajte, das Lagergerth, die Zelte, die Betten und das Tafelgeschirr,
Alles war luxuris und kostbar. Nichts was dem Verbannten angenehm oder
ntzlich sein konnte, war zu kostspielig fr die Freigebigkeit oder zu
geringfgig fr die Aufmerksamkeit seines artigen und splendiden
Wirthes. Am 15. Februar machte Jakob seinen Abschiedsbesuch in
Versailles. Er wurde mit allen Beweisen von Achtung und Zuvorkommenheit
in den Gebuden und Anlagen herumgefhrt. Die Wasserwerke waren ihm zu
Ehren im Gange. Es war gerade die Carnevalszeit, und nie hatten der
groe Palast und die prchtigen Grten einen heiterern Anblick gewhrt.
Am Abend erschienen die beiden Knige nach einer langen und ernsten
Privatconferenz in einem glnzenden Cirkel von Herren und Damen. Ich
hoffe, sagte Ludwig in seiner edelsten und liebenswrdigsten Weise,
da wir scheiden, um uns in diesem Leben nie wieder zu begegnen. Dies
ist der beste Wunsch, den ich fr Sie hegen kann. Sollte jedoch ein
bses Geschick Sie zur Rckkehr zwingen, so sein Sie versichert, da Sie
mich bis zum letzten Augenblicke so finden werden, wie Sie mich bisher
gefunden haben. Am 17. stattete Ludwig in Saint-Germains seinen
Gegenbesuch ab. Im Augenblicke der letzten Umarmung sagte er mit seinem
freundlichsten Lcheln: Wir haben noch etwas vergessen: einen
Brustharnisch fr Sie. Sie sollen den meinigen haben. Der Brustharnisch
wurde herbeigebracht und gab den Schngeistern des Hofes Gelegenheit zu
geistreichen Anspielungen auf die von Vulcan verfertigte Rstung, welche
einst Achilles seinem schwcheren Freunde lieh. Jakob reiste nach Brest
ab und seine durch Krankheit und Kummer niedergedrckte Gemahlin schlo
sich mit ihrem Kinde ein um zu weinen und zu beten.[54]

Mehrere von Jakob's eigenen Unterthanen begleiteten ihn oder folgten ihm
schleunigst nach; die Vornehmsten darunter waren sein Sohn Berwick,
Cartwright, Bischof von Chester, Powis, Dower und Melfort. Keiner von
dem ganzen Gefolge war dem grobritannischen Volke so verhat als
Melfort. Er war ein Apostat, Viele hielten ihn fr einen nicht
aufrichtigen Apostaten, und die anmaende, willkrliche und drohende
Sprache seiner Staatsschriften war selbst den Jakobiten zuwider. Daher
war er ein Liebling seines Gebieters, denn in Jakob's Augen waren
Unpopularitt, Starrsinn und Unvershnlichkeit die gewichtigsten
Empfehlungen fr einen Staatsmann.

    [Anmerkung 53: Maumont's Instructionen.]

    [Anmerkung 54: Dangeau vom 15.(25.) und 17.(27.) Febr. 1689; Frau
    von Svign vom 18.(28.) Febr. und 10. Febr. (2.Mrz); +Mmoires
    de Madame de la Fayette.+]


[_Wahl eines franzsischen Gesandten zum Begleiter Jakob's._] Welcher
Franzos den Knig von England in der Eigenschaft eines Gesandten
begleiten sollte, war ein Gegenstand ernster Berathung zu Versailles
gewesen. Barillon konnte ohne auffallende Geringschtzung nicht
bergangen werden. Aber seine Lssigkeit, sein Mangel an Energie und vor
Allem die Leichtglubigkeit, mit der er auf Sunderland's Versicherungen
gehrt, hatten auf Ludwig einen ungnstigen Eindruck gemacht. Was in
Irland zu thun war, war keine Arbeit fr einen Tndler oder Gimpel.
Der Geschftstrger Frankreich's in diesem Lande mute mehr als den
gewhnlichen Functionen eines Gesandten gewachsen sein. Er war
berechtigt und verpflichtet, in allen Zweigen der politischen und
militrischen Verwaltung des Reichs, in welchem er den mchtigsten und
freigebigsten Bundesgenossen vertreten sollte, gute Rathschlge zu
geben. Barillon wurde daher bergangen. Er stellte sich als ob er seine
Ungnade mit Fassung ertrge. Wenn auch seine politische Laufbahn groe
Calamitten ber das Haus Stuart wie ber das Haus Bourbon gebracht
hatte, so war sie doch keineswegs ohne Gewinn fr ihn selbst gewesen. Er
sagte er sei alt und korpulent, er beneide jngere Mnner nicht um die
Ehre, in den irischen Smpfen von Kartoffeln und Whiskey zu leben, er
wolle es versuchen, sich mit Rebhhnern, mit Champagner und mit der
Gesellschaft der geistreichsten Mnner und hbschesten Frauen von Paris
zu trsten. Man sprach jedoch davon, da er von sehr peinlichen Gefhlen
geqult werde, die er zu verbergen sich bestrebte; seine Gesundheit und
sein Frohsinn nahmen mehr und mehr ab und er versuchte es nun, in
religisen bungen Trost zu finden. Manche Leute waren sehr erbaut durch
die Frmmigkeit des alten Wstlings; Andere aber schrieben seinen Tod,
der bald nach seinem Rcktritt aus dem ffentlichen Leben erfolgte,
der Scham und dem rger zu.[55]

    [Anmerkung 55: Memoiren La Fare's und Saint-Simon's; Note von
    Renaudot ber die englischen Angelegenheiten, 1697, in den
    franzsischen Archiven, Frau von Svign vom 20. Febr. (2.Mrz)
    und vom 11.(21.) Mrz 1689; Brief von Frau von Coulanges an Herrn
    von Coulanges vom 23. Juli 1691.]


[_Der Graf von Avaux._] Der Graf von Avaux, dessen Scharfblick alle
Plne Wilhelm's durchschaut und der vergebens zu einer Politik gerathen
hatte, die jene Plne wahrscheinlich vereitelt haben wrde, war der
Mann, auf den Ludwig's Wahl fiel. In Bezug auf Talent und Befhigung
wurde Avaux von keinem der vielen geschickten Diplomaten, welche sein
Vaterland damals besa, bertroffen. Sein Benehmen war ungemein
anziehend, seine persnliche Erscheinung angenehm und sein Gemth sanft
und liebreich. Seine Manieren und seine Conversation waren die eines
Cavaliers, der an dem elegantesten und prchtigsten aller Hfe erzogen
worden, der diesen Hof sowohl in katholischen wie in protestantischen
Lndern vertreten und der auf seinen Wanderungen die Kunst erlernt
hatte, den Ton jeder Gesellschaft zu treffen, in welche der Zufall ihn
fhren mochte. Dabei war er hchst umsichtig und gewandt, fruchtbar an
Auskunftsmitteln und geschickt in Entdeckung der schwachen Seiten eines
Characters. Indessen war sein eigner Character nicht frei von Schwchen.
Der Gedanke von plebejischer Herkunft zu sein, war die Qual seines
Lebens. Er schmachtete nach dem Adel mit einer eben so bedauernswerthen
als lcherlichen Sehnsucht. Bei aller seiner Geschicklichkeit, Erfahrung
und ausgezeichneten Bildung stieg er doch zuweilen unter dem Einflusse
seines geheimen Grames auf das Niveau von Molire's Jourdain herab und
ergtzte boshafte Beobachter durch Scenen, welche eben so komisch waren
wie die, in der der ehrliche Tuchhndler zum Mamamuschi gemacht
wird.[56] Es mchte noch sein, wenn dies das Schlimmste gewesen wre.
Aber es ist nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, da Avaux von dem
Unterschiede zwischen Recht und Unrecht so wenig einen Begriff hatte wie
ein unvernnftiges Thier. Ein Gefhl vertrat bei ihm die Stelle der
Religion und Moral: eine aberglubische und unduldsame Ergebenheit fr
die Krone, der er diente. Dieses Gefhl durchdringt alle seine Depeschen
und leuchtet aus allen seinen Gedanken und Worten hervor. Nichts was dem
Interesse der franzsischen Monarchie frderlich sein konnte, schien ihm
ein Verbrechen. Er hielt es in der That fr ausgemacht, da nicht nur
die Franzosen, sondern alle Menschen dem Hause Bourbon eine natrliche
Unterthanentreue schuldeten und da Jeder, der Anstand nehme, das Glck
und die Freiheit seines Vaterlandes dem Ruhme dieses Hauses aufzuopfern,
ein Verrther sei. Whrend seines Aufenthalts im Haag bezeichnete er
stets diejenigen Hollnder, die sich Frankreich verkauft hatten, als den
gutgesinnten Theil. In den Briefen, die er aus Irland schrieb, tritt das
nmliche Gefhl noch strker hervor. Er wrde ein noch scharfsichtigerer
Staatsmann gewesen sein, wenn er mehr mit den unter dem Volke
herrschenden Gefhlen von moralischer Billigung und Mibilligung
sympathisirt htte. Denn seine Gleichgltigkeit gegen alle Rcksichten
der Gerechtigkeit und Nachsicht war so gro, da er in seinen Plnen das
Gewissen und das Zartgefhl seiner Mitmenschen gnzlich auer Acht
lie. Mehr als einmal empfahl er wissentlich so haarstrubende
Abscheulichkeiten, da selbst schlechte Menschen darber emprt waren.
Es gelang ihnen aber nie, ihm ihre Bedenken nur begreiflich zu machen.
Alle derartigen Vorstellungen hrte er mit einem cynischen Lcheln an
und war selbst in Zweifel darber, ob Die welche ihm den Text lasen
wirklich solche Thoren waren, fr die sie sich ausgaben, oder ob sie
sich nur so stellten.

Dies war der Mann, den Ludwig zum Begleiter und Aufseher Jakob's
erwhlte. Avaux war beauftragt, sich womglich mit den Mivergngten im
englischen Parlament in Verbindung zu setzen, und war ermchtigt,
nthigenfalls etwa hunderttausend Kronen unter sie zu vertheilen.

    [Anmerkung 56: Siehe Saint-Simon's Erzhlung der List,
    durch welche Avaux sich in Stockholm fr einen Ritter des
    Heiligen-Geistordens auszugeben versuchte.]


[_Jakob landet in Kinsale._] Jakob traf am 5. Mrz in Brest ein, ging
hier an Bord eines Kriegsschiffs, der St. Michael genannt, und segelte
binnen achtundvierzig Stunden ab. Er hatte indessen bis zu seiner
Abreise vollauf Zeit einige von den Fehlern zu zeigen, durch die er
England und Schottland verloren hatte und durch die er auch Irland zu
verlieren im Begriff stand. Avaux schrieb aus dem Hafen von Brest, da
es wohl nicht leicht sein werde, irgend eine wichtige Angelegenheit in
Gemeinschaft mit dem Knig von England durchzufhren. Se. Majestt sei
nicht im Stande ein Geheimni zu bewahren, denn selbst die Matrosen des
St. Michael htten ihn bereits Dinge sagen hren, welche nur fr die
Ohren seiner vertrautesten Freunde htten aufgespart werden sollen.[57]

Die Reise ging glcklich und ohne Strung von statten und am Nachmittag
des 12. Mrz landete Jakob im Hafen von Kinsale. Die katholische
Bevlkerung empfing ihn mit uerungen ungeheuchelter Freude, und die
wenigen Protestanten, welche in diesem Theile des Landes geblieben
waren, schlossen sich ihnen, vielleicht ebenfalls nicht unaufrichtig, zu
seiner Begrung an. Denn obgleich ein Feind ihrer Religion, war er doch
kein Feind ihrer Nation, und sie durften vernnftigerweise hoffen,
da auch der schlechteste Knig etwas mehr Achtung vor Gesetz und
Eigenthumsrechten zeigen werde als die Merry Boys und Rapparees gezeigt
hatten. Der Vikar von Kinsale befand sich auch unter Denen, die ihm ihre
Aufwartung machten; er wurde vom Bischof von Chester vorgestellt und
nicht unfreundlich aufgenommen.[58]

Jakob erfuhr, da seine Sache gut stehe. In den drei sdlichen Provinzen
des Landes waren die Protestanten entwaffnet und durch den Schrecken so
wirksam niedergehalten, da er von ihrer Seite nichts zu frchten hatte.
Im Norden zeigte sich ein Schein von Widerstand; aber Hamilton war im
Anrcken gegen die Mivergngten, und es unterlag kaum einem Zweifel,
da sie leicht berwltigt werden wrden. Ein Tag ward in Kinsale darauf
verwendet, die Waffen und Munitionsvorrthe in Sicherheit zu bringen;
nicht ohne Schwierigkeit verschaffte man sich die zur Befrderung
einiger Reisenden nthige Anzahl Pferde, und am 14. Mrz brach Jakob
nach Cork auf.[59]

    [Anmerkung 57: Dieser Brief befindet sich in den Archiven des
    franzsischen Ministeriums des Auswrtigen, fehlt aber in dem sehr
    seltenen Bande, der in Downing Street gedruckt wurde.]

    [Anmerkung 58: +A full and true Account of the Landing and
    Reception of the late King James at Kinsale, in a Letter from
    Bristol, licensed April 4. 1689+; +Leslie's Answer to King+;
    +Ireland's Lamentation+; Avaux vom 13.(23.) Mrz.]

    [Anmerkung 59: Avaux vom 13.(23.) Mrz 1689; +Life of James, II.
    327. Orig. Mem.+]


[_Jakob's Einzug in Cork._] Wir wrden sehr irren, wenn wir glaubten,
da die Strae, durch welche er in diese Stadt einzog, die geringste
hnlichkeit gehabt habe mit dem stattlichen Zugange, der den Reisenden
des 19. Jahrhunderts mit Bewunderung erfllt. Gegenwrtig nimmt Cork,
obwohl noch durch manche hliche berbleibsel aus frherer Zeit
verunziert, unter den Hafenpltzen des Reichs keine geringe Stelle ein.
Der Schiffsverkehr ist mehr als halb so stark als der Schiffsverkehr
London's zur Zeit der Revolution war. Der Ertrag der Zlle bersteigt
das ganze Einkommen, welches das gesammte Knigreich Irland in den
ruhigsten und blhendsten Zeiten den Stuarts lieferte. Die Stadt besitzt
breite und schn gebaute Straen, reizende Grten, einen korinthischen
Porticus, der einem Palladio Ehre machen wrde, und ein gothisches
Collegium, das wrdig wre in High Street zu Oxford zu stehen. Im Jahre
1689 nahm die Stadt etwa den zehnten Theil der Bodenflche ein, den sie
jetzt bedeckt und war von schlammigen Wassergrben durchschnitten,
welche lngst berwlbt und bebaut sind. Ein der Sumpf, in welchem der
Jger, der den Wasservgeln nachstellte, bei jedem Schritte tief in
Wasser und Schlamm einsank, bedeckte das Areal, auf dem jetzt stattliche
Gebude und die Palste groer Handelsgesellschaften stehen. Damals gab
es nur eine einzige Strae, in der zwei Wagen einander ausweichen
konnten. Von dieser Strae gingen zu beiden Seiten enge Gchen aus,
schmutziger und belriechender als selbst Diejenigen sich vorstellen
knnen, die sich ihre Begriffe von Elend nach den rmlichsten Theilen
der Stadtviertel St. Giles und Whitechapel gebildet haben. Eines dieser
Gchen, das vergleichsweise nicht mit Unrecht Broad Lane genannt wird,
ist zehn Fu breit. Aus diesen Straen, gegenwrtig Sitzen von Hunger
und Krankheit, die man der Hefe der Gesellschaft berlassen hat,
strmten die Brger herbei, um Jakob zu bewillkommnen. Er wurde von
Macarthy, der in Munster das Obercommando fhrte, mit militrischen
Ehren empfangen.

Es war dem Knige unmglich, sofort nach Dublin weiter zu reisen, denn
die sdlichen Grafschaften waren durch das Gesindel, welches die
Priester zu den Waffen gerufen hatten, so vollstndig verwstet, da die
Transportmittel nicht leicht zu beschaffen waren. Pferde waren eine
Seltenheit geworden; in einem groen Districte gab es nur zwei Wagen und
diese erklrte Avaux fr unbrauchbar. Es dauerte mehrere Tage, bis das
von Frankreich mitgebrachte Geld, obwohl eben keine so ungeheure Masse,
die paar Meilen Wegs, welche Cork von Kinsale trennten, mhsam
transportirt werden konnte.[60]

Whrend der Knig und sein Kriegsrath sich bemhten, Wagen und Pferde
aufzutreiben, kam Tyrconnel von Dublin an. Seine Berichte lauteten
ermuthigend. Den Widerstand Enniskillen's scheint er fr kaum der
Beachtung werth gehalten zu haben. Londonderry, sagte er, sei der
einzige wichtige Punkt, den die Protestanten im Besitz htten, und
selbst Londonderry werde sich seiner Ansicht nach nur wenige Tage halten
knnen.

    [Anmerkung 60: Avaux vom 15.(25.) Mrz 1689.]


[_Reise Jakob's von Cork nach Dublin._] Endlich war Jakob im Stande sich
von Cork nach der Hauptstadt zu begeben. Unterwegs machte der kluge und
wachsame Avaux mancherlei Bemerkungen. Zuerst ging die Reise durch
wildes Hochland, wo man sich nicht wundern durfte, nur wenige Spuren von
Kunst und Industrie zu finden. Von Kilkenny aber bis vor die Thore von
Dublin fhrte der Weg durch eine wellenfrmige Ebene mit reicher
natrlicher Vegetation. Dieser fruchtbare Distrikt htte mit
Viehheerden, mit Gemsegrten und mit Kornfeldern bedeckt sein sollen,
war aber eine unbebaute und unbevlkerte Wste. Selbst in den Stdten
gab es nur wenig Handwerker. Manufacte waren kaum zu sehen, und wo sich
solche fanden, waren sie nur zu enormen Preisen zu erlangen.[61] Dies
Alles kam daher, weil die meisten englischen Einwohner geflchtet und
Kunst, Industrie und Kapital mit ihnen gegangen waren.

Jakob erhielt auf seiner Reise vielfache Beweise von der
Bereitwilligkeit des Landvolks, aber es waren Beweise, welche Mnnern,
die an den Hfen Frankreich's und England's erzogen waren, sonderbar
und unheilverkndend vorkommen muten. Auf den Feldern sah man wenig
Arbeiter; auf der Landstrae aber wimmelte es von mit Skeans, Kntteln
und Halbpiken bewaffneten Rapparees, welche herbeistrmten, um den
Befreier ihres Stammes zu sehen. Die Strae hatte ungefhr das Aussehen,
als ob ein Jahrmarkt auf derselben gehalten wrde. Spielleute kamen
herbei und musicirten vor ihm in einer Weise, die sich stark von der der
franzsischen Oper unterschied, und die Dorfbewohner fhrten nach dieser
Musik wilde Tnze auf. Lange Friesmntel, hnlich denen, welche Spenser
hundert Jahre frher als zu Lagerdecken fr Rebellen und zu Mnteln fr
Diebe geeignet beschrieben hatte, waren auf den Weg gebreitet, den die
Cavalcade ziehen mute, und Krnze, in denen Krautstrnke die Stelle der
Lorbeern vertraten, wurden der kniglichen Hand dargereicht. Die Weiber
wollten durchaus Se. Majestt kssen; aber sie mssen wenig hnlichkeit
mit ihren heutigen Nachkommen gehabt haben, denn diese Aufmerksamkeit
war ihm so widerlich, da er seinem Gefolge befahl, sie in gemessener
Entfernung zu halten.[62]

Am 24. Mrz zog er in Dublin ein. Diese Stadt war damals nach Umfang und
Einwohnerzahl die zweite auf den britischen Inseln. Sie bestand aus
sechs- bis siebentausend Husern und hatte wahrscheinlich ber
dreiigtausend Einwohner.[63] An Wohlstand und Schnheit stand jedoch
Dublin vielen englischen Stdten nach. Von den eleganten und prchtigen
Gebuden, welche gegenwrtig beide Seiten des Liffey zieren, war damals
noch kaum eines nur projectirt. Die Universitt, ein Gebude, das ganz
anders aussah als das, welches sich jetzt auf der nmlichen Stelle
erhebt, lag vllig auerhalb der Stadt.[64] Der Flchenraum, den jetzt
Leinster House und Charlemont House, Sackville Street und Merrion Square
einnehmen, war eine unbebaute Wiese. Die meisten Wohnhuser waren von
Holz und haben lngst massiveren Gebuden Platz gemacht. Das Schlo war
1686 fast unbewohnbar gewesen. Clarendon hatte sich bitter beklagt, da
er keinen Gentleman in Pall Mall kenne, der nicht eine bequemere und
freundlichere Wohnung habe, als der Viceknig von Irland. Keine
ffentliche Ceremonie knne unter dem vicekniglichen Dache auf
anstndige Weise abgehalten werden. Obgleich fortwhrend neue
Glasscheiben und Ziegel eingesetzt wrden, dringe der Regen doch
bestndig in die Zimmer.[65] Tyrconnel hatte, seit er Viceknig war,
ein etwas bequemeres neues Gebude auffhren lassen. Nach diesem Gebude
wurde der Knig mit festlichem Geprnge durch den sdlichen Theil der
Stadt gefhrt. Man hatte Alles aufgeboten, um dem Stadttheile, durch den
er kommen mute, einen festlichen und glnzenden Anstrich zu geben.
Die gewhnlich mit tiefem Koth bedeckten Straen waren mit Sand und mit
Zweigen und Blumen bestreut. Draperien und Teppiche hingen aus den
Fenstern Derer, welche die Mittel zu solchem Luxus besaen. Die rmeren
ersetzten die kostbaren Stoffe durch Betttcher und berzge. Hier stand
ein Trupp Mnche mit einem Kruzifix, dort eine Schaar von vierzig
weigekleideten Mdchen mit Blumenstruern, Stadtpfeifer und Harfner
spielten die Melodie des Liedes: +The King shall enjoy his own again.+
Der Viceknig trug das Staatsschwert vor seinem Gebieter her. Die
Richter, die Herolde, der Lord Mayor und die Aldermen erschienen in dem
ganzen Pomp ihrer Amtswrde. Zu beiden Seiten waren Soldaten
aufgestellt, um die Passage frei zu halten. Eine Reihe von zwanzig
Karossen, welche ffentlichen Beamten gehrten, folgte dem Zuge. Vor dem
Eingange ins Schlo kam dem Knige die Hostie unter einem von vier
Bischfen seiner Kirche getragenen Baldachin entgegen. Als er derselben
ansichtig wurde, kniete er nieder und betete eine Weile. Dann erhob er
sich wieder und ward in die Kapelle seines Palastes gefhrt, einst -- so
sonderbar ist der Wechsel alles Irdischen -- die Reitbahn Heinrich
Cromwell's. Hier wurde zur Feier der Ankunft Sr. Majestt ein Te Deum
abgehalten. Am folgenden Morgen hielt er eine Geheimrathssitzung,
entband den Oberrichter Keating von jedem ferneren Besuche des
Staatsraths, lie Avaux und den Bischof Cartwright vereidigen und erlie
eine Proklamation, welche auf den 7. Mai ein Parlament nach Dublin
berief.[66]

    [Anmerkung 61: Avaux, 25. Mrz (4. April) 1689.]

    [Anmerkung 62: +A full and true Account of the Landing and
    Reception of the late King James+; +Ireland's Lamentation+; +Light
    to the Blind.+]

    [Anmerkung 63: Siehe die Berechnungen Petty's, King's und
    Davenant's. Wenn die durchschnittliche Zahl der Bewohner eines
    Hauses in Dublin die nmliche war wie in London, so wrde die
    Bevlkerung von Dublin sich auf etwa vierunddreiigtausend Seelen
    belaufen haben.]

    [Anmerkung 64: Johann Dunton spricht von College Green bei Dublin.
    Ich habe Briefe aus jener Zeit gesehen, die nach dem Collegium
    _bei_ Dublin adressirt waren. Im Britischen Museum befinden sich
    einige interessante alte Plne von Dublin.]

    [Anmerkung 65: Clarendon an Rochester, 8. Febr. 1685/86, 20.
    April, 12. August und 30. November 1686.]

    [Anmerkung 66: +Clarke's Life of James, II. 330.+; +Full and True
    Account of the Landing and Reception etc.+; +Ireland's
    Lamentation.+]


[_Unzufriedenheit in England._] Als die Nachricht von Jakob's Ankunft in
Irland in London eintraf, war die Angst und Bestrzung gro und mit
ernster Unzufriedenheit gemischt. Der groe Haufe, der den
Schwierigkeiten, welche Wilhelm von allen Seiten umgaben, nicht
hinreichend Rechnung trug, tadelte laut seine Sorglosigkeit. Allen
Schmhungen der Unwissenden und Bswilligen setzte er, seiner Gewohnheit
nach, nur eine unerschtterlich ernste Ruhe und das Stillschweigen der
tiefsten Verachtung entgegen. Aber Wenige waren von der Natur mit einem
so festen Character begabt wie der seinige und noch Wenigere hatten eine
so lange und so harte Schule durchgemacht. Die Vorwrfe, welche seine
von Jugend auf durch beide Extreme des Geschicks geprfte Seelenstrke
nicht zu erschttern vermochten, schlugen einem weniger entschlossenen
Herzen eine tiefe Wunde.

Whrend alle Kaffeehausclubs einstimmig erklrten, da schon lngst eine
Flotte und eine Armee htten nach Dublin geschickt werden sollen, und
sich wunderten, wie ein so berhmter Staatsmann wie Se. Majestt sich
von einem Hamilton und Tyrconnel habe tuschen lassen knnen, ging ein
Gentleman zur Wassertreppe des Temple, rief ein Boot herbei und befahl,
ihn nach Greenwich zu fahren. Er nahm ein Briefcouvert aus der Tasche,
schrieb mit Bleistift einige Zeilen darauf und legte das Papier nebst
einem Silberstck als Fahrlohn auf die Bank. Als das Boot durch den
dunklen Mittelbogen der London-Brcke fuhr, sprang er in's Wasser und
verschwand. Er hatte auf das Couvert die Worte geschrieben: Meine
Thorheit, etwas zu unternehmen, was ich nicht durchfhren konnte, hat
dem Knige groen Schaden gebracht, der nicht mehr gut zu machen ist. --
Es giebt keinen bequemeren Weg fr mich als diesen. -- Mge er in seinen
Unternehmungen glcklich sein. -- Mge der Himmel ihm seinen Segen
geben. Die Zeilen hatten keine Unterschrift, aber der Leichnam wurde
bald gefunden und als der Johann Temple's erkannt. Er war jung und
hochgebildet, war der Erbe eines angesehenen Namens, besa eine
liebenswrdige Gattin und ein groes Vermgen und die hchsten
Staatsmter standen ihm offen. Das Publikum scheint berhaupt gar nicht
gewut zu haben, in welchem Umfange er fr die Politik verantwortlich
war, die der Regierung so viel Tadel zugezogen hatte. So streng der
Knig auch war, besa er doch ein viel zu edles Herz, als da er einen
Irrthum als ein Verbrechen htte behandeln knnen. Er hatte den
unglcklichen jungen Mann eben zum Kriegssekretr ernannt und seine
Bestallung war in der Ausfertigung begriffen. Es ist nicht
unwahrscheinlich, da gerade die kalte Gromuth des Gebieters die Reue
des Dieners unertrglich machte.[67]

    [Anmerkung 67: +Clarendon's Diary+; +Reresby's Memoirs+;
    +Narcissus Luttrell's Diary.+ Ich habe mich in Bezug auf Temple's
    letzte Worte an die Angabe Luttrell's gehalten. Sie stimmt im
    Wesentlichen mit der Clarendon's berein, hat aber mehr von der
    bei einer solchen Gelegenheit sehr natrlichen Hast. Wenn irgend
    etwas ein so tragisches Ereigni lcherlich machen konnte, so
    waren es die Wehklagen des Verfassers der Londeriade:

      Dem Freunde sendet einen Brief der arme Knab'
      und springt verzweifelnd in der Themse feuchtes Grab.]


[_Parteispaltungen im Dubliner Schlosse._] Doch so gro auch die
Unannehmlichkeiten waren, mit denen Wilhelm zu kmpfen hatte, diejenigen
durch welche der Gleichmuth seines Schwiegervaters damals geprft wurde,
waren noch grer. Kein Hof in Europa war von mehr Hader und Intriguen
zerrissen als solche innerhalb der Mauern des Dubliner Schlosses zu
finden waren. Die zahlreichen kleinen Cabalen, welche ihren Ursprung in
der Habgier, der Eifersucht und der Bswilligkeit Einzelner hatten, sind
kaum der Erwhnung werth. Aber es bestand eine Ursache zu Zwiespalt,
welche zu wenig beachtet worden ist und durch die sich Vieles erklren
lt, was in der Geschichte der damaligen Zeiten fr rthselhaft
gehalten wurde.

Der englische Jakobitismus und der irische Jakobitismus hatten nichts
mit einander gemein; der englische Jakobit war von hoher Begeisterung
fr das Haus Stuart beseelt, und in seinem Eifer fr die Interessen
dieses Hauses verga er nur zu oft die Interessen des Staats. Sieg,
Frieden und Wohlstand erschienen dem unerschtterlichen Eidverweigerer
als bel, wenn sie darauf hinzielten, die Usurpation populr und
permanent zu machen. Niederlage, Staatsbankerott, Hungersnoth und
Invasion waren in seinen Augen ffentliche Wohlthaten, wenn sie die
Aussicht auf eine Restauration vermehrten. Er wrde lieber sein
Vaterland als die letzte der Nationen unter Jakob II. oder Jakob III.
gesehen haben, denn als den Beherrscher der Meere, den Schiedsrichter
zwischen verfeindeten Potentaten, den Sitz der Knste und den
Bienenstock der Industrie unter einem Prinzen des Hauses Nassau oder
Braunschweig.

Die Gesinnungen des irischen Jakobiten waren ganz andrer, und man mu es
offen gestehen, edlerer Art. Die gestrzte Dynastie galt ihm nichts. Es
war ihm nicht, wie dem Cavalier von Cheshire oder Shropshire, von der
Wiege an gelehrt worden, treue Anhnglichkeit an jene Dynastie als die
erste Pflicht eines Christen und eines Edelmannes zu betrachten. Alle
seine Familientraditionen, alle Lehren, die er von seiner Amme und von
seinen Priestern empfangen, hatten eine ganz andre Tendenz gehabt. Er
war dazu angehalten worden, die fremden Beherrscher seines Vaterlandes
mit dem Gefhle zu betrachten, mit dem der Jude Caesar, der Schotte
Eduard I., der Castilianer Joseph Bonaparte, der Pole den russischen
Autokraten betrachtet. Der hochadelige Milesier bildete sich etwas
darauf ein, da vom 12. bis zum 17. Jahrhundert jede Generation seiner
Familie gegen die englische Krone unter Waffen gestanden hatte. Seine
ltesten Ahnen hatten gegen Fitzstephen und De Burgh gekmpft, sein
Urgrovater hatte die Soldaten Elisabeth's in der Schlacht am Blackwater
geschlagen. Sein Grovater hatte mit O'Donnel gegen Jakob I. conspirirt.
Sein Vater hatte unter Phelim O'Neil gegen Karl I. gefochten. Die
Confiscation des Familiengutes war durch eine Acte Karl's II. besttigt
worden. Kein Puritaner, der von Laud vor die Hohe Commission citirt
worden war, der unter Cromwell bei Naseby gekmpft, der kraft der
Conventikelacte verfolgt worden war und der sich wegen seiner
Betheiligung an dem Ryehousecomplot hatte verbergen mssen, war dem
Hause Stuart weniger zugethan als die O'Hara und die Macmahon, von deren
Untersttzung das Schicksal dieses Hauses jetzt abzuhngen schien.

Der feststehende Vorsatz dieser Mnner war, das fremde Joch
abzuschtteln, die schsische Ansiedelung zu vertilgen, die
protestantische Kirche zu zerstren und den Boden seinen frheren
Eigenthmern zurckzugeben. Um diese Zwecke zu erreichen, wrden sie
sich ohne das mindeste Bedenken gegen Jakob erhoben haben, und um diese
Zwecke zu erreichen, erhoben sie sich fr ihn. Die irischen Jakobiten
wnschten daher keineswegs, da er wieder in Whitehall regieren mchte,
denn sie muten nothwendig einsehen, da ein Beherrscher von Irland, der
zugleich Beherrscher von England war, die Verwaltung des kleinen und
rmeren Knigreichs nicht lange wrde in directem Widerspruch mit der
Gesinnung des greren und reicheren leiten wollen, und, wenn er auch
gewollt htte, nicht wrde leiten knnen. Ihr eigentlicher Wunsch war,
da beide Kronen vllig getrennt werden und da ihre Insel, ob unter
Jakob oder ohne Jakob kmmerte sie wenig, einen abgesonderten Staat
unter dem mchtigen Schutze Frankreich's bilden mchte.

Whrend eine Partei im Staatsrathe zu Dublin Jakob als ein bloes
Werkzeug zur Durchfhrung der Befreiung Irland's betrachtete,
betrachtete eine andre Partei Irland als ein bloes Werkzeug zur
Herbeifhrung der Restauration Jakob's. In den Augen der englischen und
schottischen Lords und Gentlemen, die ihn von Brest aus begleitet
hatten, war die Insel, auf der sie gegenwrtig weilten, nichts als eine
Brcke, auf der sie nach Grobritannien zu gelangen hofften. Sie waren
noch ebensosehr Verbannte, als sie es in Saint-Germains gewesen, und sie
hielten sogar Saint-Germains fr einen viel angenehmeren Verbannungsort
als das Dubliner Schlo. Sie sympathisirten nicht mit der eingebornen
Bevlkerung der entlegenen und halb barbarischen Region, in die ein
sonderbarer Zufall sie gefhrt. Ja sie waren sogar durch gemeinsame
Abkunft wie durch gemeinsame Sprache mit der Colonie verbunden, deren
Ausrottung der Hauptzweck der eingebornen Bevlkerung war. Sie hatten in
der That, wie die groe Masse ihrer Landsleute, die eingebornen Irlnder
mit hchst ungerechter Verachtung angesehen, weil sie sie als den
anderen europischen Nationen nicht nur an erworbenen Kenntnissen,
sondern auch an natrlicher Intelligenz und natrlichem Muth
nachstehend, kurz als geborne Gibeoniten betrachteten, gegen die man
sich sehr liberal gezeigt, indem man ihnen erlaubt hatte, fr ein
klgeres und mchtigeres Volk Holz zu hauen und Wasser zu tragen. Diese
Politiker meinten auch -- und darin hatten sie unzweifelhaft Recht --
da, wenn es der Endzweck ihres Gebieters sei, den englischen Thron
wieder zu erlangen, es Wahnsinn von ihm sein wrde, sich der Fhrung der
O und der Mac zu berlassen, welche England mit tdtlicher Feindschaft
betrachteten. Ein Gesetz, das die irische Krone fr unabhngig
erklrte, ein Gesetz, das Mitren, Kirchengter und Zehnten von der
protestantischen auf die katholische Kirche bertrug, ein Gesetz, das
zehn Millionen Acker Land von den Sachsen auf die Celten bertrug,
wrde, in Clare und Tipperary ohne Zweifel mit lautem Beifall
aufgenommen werden. Aber welchen Eindruck wrden diese Gesetze in
Westminster, welchen in Oxford gemacht haben? Es wre eine traurige
Politik gewesen, sich Mnner wie Clarendon und Beaufort, Ken und
Sherlock zu entfremden, um den Beifall der Rapparees vom Allen-Moor zu
erlangen.[68]

So lagen die englischen und irischen Factionen im Rathe zu Dublin in
einem Streite, der keine gtliche Beilegung zulie. Avaux betrachtete
inzwischen diesen Streit aus einem ihm ganz eigenthmlichen
Gesichtspunkte. Sein Ziel war weder die Emancipation Irland's, noch die
Wiedereinsetzung Jakob's, sondern die Gre der franzsischen Monarchie.
Auf welchem Wege dieses Ziel am besten erreicht werden konnte, war
allerdings ein sehr schwieriges Problem. Ein franzsischer Staatsmann
mute unzweifelhaft eine Contrerevolution in England wnschen. Eine
solche Contrerevolution mute nothwendig zur Folge haben, da die Macht,
welche Frankreich's furchtbarster Feind war, sein treuester
Bundesgenosse wurde, da Wilhelm zur Bedeutungslosigkeit herabsank und
da die europische Coalition, deren Haupt er war, sich auflste. Aber
welche Aussicht war auf eine solche Contrerevolution? Die englischen
Verbannten hofften allerdings, wie alle Verbannten, zuversichtlich auf
eine baldige Rckkehr in ihr Vaterland. Jakob rhmte sich laut, da
seine Unterthanen jenseit des Kanals, obgleich durch die verfhrerischen
Worte Religion, Freiheit und Eigenthum auf einen Augenblick irre
geleitet, ihm im Grunde aufrichtig zugethan seien und sich um ihn
schaaren wrden, sobald er in ihrer Mitte erschiene. Aber der kluge
Gesandte bemhte sich vergebens, einen haltbaren Grund fr diese
Hoffnungen zu entdecken. Er wute gewi, da sie sich nicht auf eine aus
irgend welchem Theile Grobritanniens angelangte Nachricht sttzten und
er betrachtete sie lediglich als Trume eines schwachen Geistes. Er
hielt es fr unwahrscheinlich, da der Usurpator, dessen Talent und
Entschlossenheit er whrend eines zehnjhrigen ununterbrochenen Kampfes
wrdigen gelernt hatte, sich den durch so gewaltige Anstrengungen und
durch so gelehrte Combinationen errungenen groen Preis leicht wieder
werde entreien lassen. Es mute daher erwogen werden, welches
Arrangement fr Frankreich am vortheilhaftesten sein wrde, im Fall es
sich als unmglich herausstellte, Wilhelm aus England zu vertreiben.
Und es lag auf der Hand, da, wenn Wilhelm nicht aus England vertrieben
werden konnte, das fr Frankreich vortheilhafteste Arrangement das sein
mute, welches man anderthalb Jahre frher, als Jakob keine Aussicht auf
einen mnnlichen Erben hatte, im Sinne gehabt. Irland mute von der
englischen Krone losgetrennt, von den englischen Colonisten gesubert,
wieder mit der rmischen Kirche vereinigt, unter den Schutz des Hauses
Bourbon gestellt und in allen Beziehungen, den Namen ausgenommen, zu
einer franzsischen Provinz gemacht werden. Im Kriege standen dann seine
Hlfsquellen seinem Schutzherrn zur unumschrnkten Verfgung; es
lieferte seinem Heere Rekruten, bot seiner Flotte schne Hfen dar,
welche alle groen westlichen Kanle des englischen Handels
beherrschten, und die starke nationale und religise Antipathie, mit der
seine eingeborne Bevlkerung die Bewohner der Nachbarinsel betrachtete,
war eine hinreichende Garantie fr ihre Treue gegen die Regierung,
welche allein sie gegen die Sachsen schtzen konnte.

Im Ganzen genommen schien es daher Avaux, da von den beiden Parteien,
in welche der Dubliner Geheimrath gespalten war, die irische Partei
diejenige sei, welche zu untersttzen im Interesse Frankreich's lag.
In Folge dessen verband er sich innig mit den Huptern dieser Partei,
erlangte von ihnen die vollstndigsten Aufschlsse ber Alles was sie
beabsichtigten, und war bald im Stande seiner Regierung zu berichten,
da die Gentry sowohl als das gemeine Volk durchaus nicht abgeneigt
seien, franzsisch zu werden.[69]

Die Ansichten Louvois', unstreitig des grten Staatsmannes, den
Frankreich seit Richelieu hervorgebracht hatte, scheinen mit denen
Avaux' vllig bereingestimmt zu haben. Das Beste, schrieb Louvois,
was Knig Jakob thun knne, sei, zu vergessen, da er in Grobritannien
regiert habe, und nur daran zu denken, Irland in eine gute Verfassung zu
bringen und sich darin festzusetzen. Ob dies das wirkliche Interesse des
Hauses Stuart war, darf wohl bezweifelt werden; jedenfalls aber war es
das wirkliche Interesse des Hauses Bourbon.[70]

ber die schottischen und englischen Verbannten, und besonders ber
Melfort, lie sich Avaux bestndig mit einer Schrfe aus, die man von
einem so einsichtsvollen und erfahrenen Manne kaum htte erwarten
sollen. Melfort befand sich in einer eigenthmlich unglcklichen Lage.
Er war ein Renegat, er war ein Todfeind der Freiheiten seines
Vaterlandes, er besa einen schlechten und tyrannischen Character, und
doch war er in gewissem Sinne ein Patriot. Die Folge davon war, da er
allgemeiner verabscheut wurde als irgend einer seiner Zeitgenossen. Denn
whrend sein Abfall und seine Willkrherrschaftsmaximen ihn zum
Gegenstande des Abscheus fr England und Schottland machten, wurde er
wegen seiner ngstlichen Sorge fr das Ansehen und die Integritt des
Reichs auch von den Irlndern und Franzosen verabscheut.

Die erste zu entscheidende Frage war, ob Jakob in Dublin bleiben, oder
ob er sich an die Spitze seiner Armee in Ulster stellen sollte. ber
diese Frage geriethen die irischen und die britischen Factionen hart
aneinander. Auf beiden Seiten wurden Grnde von keinem besonderen
Gewicht geltend gemacht, denn keine der beiden Parteien wagte es, sich
unumwunden darber auszusprechen. Der eigentliche streitige Punkt war,
ob der Knig in irischen oder in britischen Hnden sein sollte. Blieb er
in Dublin, so war es ihm kaum mglich, irgend einer Bill, die ihm von
dem Parlament, welches er dahin berufen, vorgelegt wurde, seine
Zustimmung zu verweigern. Er war dann gezwungen, unschuldige
protestantische Gentlemen und Geistliche zu Hunderten zu berauben,
vielleicht gar zu verurtheilen, und dadurch mute er seiner Sache
jenseit des St. Georgkanals nicht wieder gut zu machenden Schaden thun.
Begab er sich hingegen nach Ulster, so war er nur wenige Segelstunden
von Grobritannien entfernt. Sobald Londonderry gefallen war, und man
war allgemein der Ansicht, da es sich nicht lange werde halten knnen,
konnte er sich mit einem Theile seiner Truppen einschiffen und in
Schottland landen, wo seine Freunde fr zahlreich gehalten wurden. War
er aber einmal auf britischem Boden und unter britischen Anhngern, so
lag es nicht mehr in der Macht der Englnder, seine Zustimmung zu ihren
Beraubungs- und Racheplnen zu erzwingen.

    [Anmerkung 68: Ein interessanter Brief vom Bischof Maloney an den
    Bischof Tyrrel, den man im Anhange zu King's +State of the
    Protestants+ findet, bringt viel Licht in den Streit zwischen
    englischen und irischen Parteien in Jakob's Geheimen Rathe.]

    [Anmerkung 69: Avaux, 25. Mrz (4. April), 13.(23.) April 1689.
    Ich habe mir jedoch weniger aus einem einzelnen Briefe als aus der
    ganzen Tendenz und dem ganzen Geiste der Correspondenz Avaux'
    meine Ansicht ber seine Plne gebildet.]

    [Anmerkung 70: +Il faut donc, oubliant qu'il a est Roy
    d'Angleterre et d'Ecosse, ne penser qu' ce qui peut bonifier
    l'Irlande, et luy faciliter les moyens d'y subsister.+ Louvois an
    Avaux.3.(13.) Juni 1689.]


[_Jakob beschliet nach Ulster zu gehen._] Die Debatten im Staatsrathe
waren lang und hei. Tyrconnel, der eben zum Herzog erhoben worden war,
rieth seinem Gebieter in Dublin zu bleiben. Melfort drang in Se.
Majestt, da er nach Ulster gehen solle. Avaux bot seinen ganzen
Einflu zur Untersttzung Tyrconnel's auf; aber Jakob, dessen
persnliche Neigung natrlich fr die britische Seite der Frage war,
beschlo dem Rathe Melfort's zu folgen.[71] Avaux fhlte sich tief
gekrnkt. In seinen officiellen Schreiben drckte er mit groer
Bitterkeit seine Verachtung des Characters und des Verstandes des Knigs
aus. ber Tyrconnel, welcher gesagt hatte, er verzweifle an dem
Glckssterne Jakob's und die eigentliche Frage schwebe zwischen dem
Knige von Frankreich und dem Prinzen von Oranien, sprach sich der
Gesandte in Worten aus, die ein warmes Lob sein sollten, aber vielleicht
mit mehr Recht ein Tadel genannt werden drften. Wenn er ein Franzose
wre, knnte er keinen greren Eifer fr die Interessen Frankreich's an
den Tag legen.[72] Dagegen wurde Melfort's Benehmen mit einem Tadel
bedacht, der einem Lobspruche sehr hnlich steht: Er ist weder ein
guter Irlnder, noch ein guter Franzos. Alle seine Neigungen
concentriren sich auf sein Vaterland.[73]

    [Anmerkung 71: Siehe die Depeschen Avaux' vom April 1689; +Light
    to the Blind.+]

    [Anmerkung 72: Avaux, 6.(16.) April 1689.]

    [Anmerkung 73: Avaux, 8.(18.) Mai 1689.]


[_Jakob's Reise nach Ulster._] Da der Knig nun einmal beschlossen
hatte, nach dem Norden zu gehen, so hielt Avaux es nicht fr gerathen
zurckzubleiben. Die knigliche Reisegesellschaft brach auf, Tyrconnel
in Dublin zurcklassend, und kam am 13. April in Charlemont an. Es war
eine sonderbare Reise. Lngs des ganzen Weges war das Land von der
betriebsamen Bevlkerung verlassen und durch Ruberbanden verwstet.
Es ist als wenn man durch die Wsten Arabiens reiste, sagte einer der
franzsischen Offiziere.[74] Was die Colonisten nur irgend hatten
fortbringen knnen, befand sich in Londonderry oder Enniskillen. Das
brige war gestohlen oder vernichtet. Avaux schrieb seinem Hofe, da er
mehrere Meilen weit nach Heu fr seine Pferde habe schicken mssen. Kein
Landmann wagte es, etwas zum Verkauf zu bringen, aus Furcht da es ihm
unterwegs von einem Herumstreicher abgenommen werden mchte. Einmal
mute der Gesandte die Nacht in einer elenden Schenkstube voll
rauchender Soldaten, ein andermal in einem demolirten Hause ohne Fenster
oder Lden zum Schutze gegen den Regen zubringen. In Charlemont erlangte
man mit groer Mhe und nur durch besondere Gunst einen Sack Hafermehl
fr die franzsische Gesandtschaft. Weizenbrot gab es nur auf der Tafel
des Knigs, der ein wenig Mehl von Dublin mitgenommen und dem Avaux
einen Diener geliehen hatte, welcher das Backen verstand. Wer die Ehre
hatte, zur kniglichen Tafel geladen zu werden, bekam Brot und Wein
zugemessen. Jeder Andre, so vornehm er immer sein mochte, a Haferbrot
und trank Wasser oder ein abscheuliches Bier, das aus Hafer, anstatt aus
Gerste gebraut und mit einem namenlosen Kraute an Stelle des Hopfens
gewrzt war.[75] Und die Fama sagte, da die Gegend zwischen Charlemont
und Strabane noch verdeter sein sollte als die Gegend zwischen Dublin
und Charlemont. Es war unmglich, einen groen Vorrath von Proviant mit
sich zu fhren. Die Wege waren so schlecht und die Pferde so schwach,
da die Baggagewagen alle weit zurckgeblieben waren. Es fehlte daher
den Oberoffizieren der Armee an dem Nothwendigsten, und die Mistimmung,
eine natrliche Folge dieser Entbehrungen, wurde noch vermehrt durch die
Theilnahmlosigkeit Jakob's, der es gar nicht zu bemerken schien, da es
seinen Begleitern an dem nthigen Comfort gebrach.[76]

Am 14. April reiste der Knig mit seinem Gefolge weiter nach Omagh. Es
war regnerisch und windig, die Pferde vermochten kaum sich dem Sturme
entgegen durch den Schmutz zu arbeiten, und der Weg war hufig von
Giebchen durchschnitten, welche fast Flsse genannt werden konnten.
Die Reisenden muten mehrere Furthen passiren, wo das Wasser den Pferden
bis an die Brust ging. Einige von der Gesellschaft waren ganz erschpft
von Hunger und Anstrengung. Das ganze Land ringsumher war eine
grauenvolle Wildni. Auf einer Strecke von vierzig Meilen zhlte Avaux
nur drei elende Htten. Sonst war Alles Felsen, Sumpf und Moor. Als die
Reisenden endlich Omagh erreichten, fanden sie es in Trmmern. Die
Protestanten, welche die Mehrheit der Einwohner bildeten, waren geflohen
und hatten kein Bund Stroh, kein Fa Branntwein zurckgelassen. Die
Fenster waren zerbrochen, die Kamine zertrmmert, sogar die Schlsser
und Riegel waren von den Thren losgerissen.[77]

Avaux hatte nicht aufgehrt, den Knig zur Rckkehr nach Dublin
aufzufordern; aber seine Vorstellungen waren bisher erfolglos geblieben.
Jakob's Starrsinn war jedoch ein solcher, der mit mnnlicher
Entschlossenheit nichts gemein hatte und ber den zwar Vernunftgrnde
nichts vermochten, der aber durch Launen leicht zu erschttern war. In
Omagh erhielt er am Morgen des 16. April Briefe, die ihn sehr besorgt
machten. Er erfuhr, da ein starkes Corps Protestanten in Strabane unter
Waffen stand und da unweit der Mndung des Foylesees englische
Kriegsschiffe gesehen worden waren. Drei Boten wurden in einer Minute an
Avaux abgeschickt, um ihn in das verfallene Gemach zu bescheiden, in
welchem das knigliche Bett aufgeschlagen worden. Hier kndigte Jakob,
halb angekleidet und mit der Miene eines Mannes, den ein vernichtender
Schlag getroffen, ihm seinen Entschlu an, auf der Stelle nach Dublin
zurckzueilen. Avaux vernahm diese Mittheilung mit Erstaunen und
billigte den Entschlu des Knigs. Melfort schien in vlliger
Verzweiflung zu sein. Die Reisenden kehrten also um und kamen spt am
Abend wieder in Charlemont an. Hier empfing der Knig Depeschen ganz
andren Inhalts wie die, welche ihn vor einigen Stunden erschreckt
hatten. Die Protestanten, die sich bei Strabane gesammelt hatten, waren
von Hamilton angegriffen worden. Unter einem rechtschaffenen Anfhrer
wrden sie wahrscheinlich Stand gehalten haben. Aber Lundy, der sie
befehligte, hatte ihnen gesagt, da Alles verloren sei, hatte ihnen
geheien, auf ihre Rettung bedacht zu sein, und hatte ihnen selbst das
Beispiel zur Flucht gegeben.[78] In Folge dessen hatten sie sich in
Unordnung nach Londonderry zurckgezogen. Die Correspondenten des Knigs
erklrten es fr eine Unmglichkeit, da Londonderry sich halten knne.
Se. Majestt brauche nur vor den Thoren zu erscheinen und sie wrden
augenblicklich geffnet werden. Dies brachte Jakob wieder auf andere
Gedanken, er machte sich Vorwrfe, da er sich zur Rckkehr nach dem
Sden hatte berreden lassen, und er bestellte seine Pferde, obgleich es
schon spt Abends war. Die Pferde waren fast gnzlich erschpft und
ausgehungert; trotzdem aber wurden sie gesattelt. Melfort geleitete
seinen Gebieter triumphirend ins Lager. Avaux erklrte nach erfolglosen
Gegenvorstellungen, da er entschlossen sei, nach Dublin zurckzukehren.
Man darf annehmen, da die groen Unbequemlichkeiten, die er bisher zu
ertragen gehabt, einigen Antheil an diesem Entschlusse hatten, denn
Klagen ber diese Unbequemlichkeiten fllen einen groen Theil seiner
Briefe, und in der That war auch der langjhrige Aufenthalt in den
Palsten Italiens, in den sauberen Zimmern und Grten Holland's und in
den prchtigen Pavillons der pariser Vorstdte eine schlechte
Vorbereitung auf die verfallenen Htten von Ulster. Seinem Gebieter aber
fhrte er fr seine Weigerung, mit nach dem Norden zu gehen, einen
gewichtigeren Grund an. Jakob's Reise war im Widerspruch mit der
einstimmigen Meinung der Irlnder unternommen worden und hatte ernste
Besorgnisse unter ihnen erweckt, sie frchteten, da er sie verlassen
wolle, um eine Landung in Schottland zu versuchen, und sie wuten, da
er, war er einmal in Grobritannien gelandet, weder den Willen noch die
Macht haben wrde das zu thun, was sie am meisten wnschten. Indem sich
nun Avaux weigerte, Jakob weiter zu begleiten, gab er ihnen einen
Beweis, da, wer sie auch sonst verrathen mchte, Frankreich ihr steter
Freund bleiben werde.[79]

Whrend Avaux sich auf dem Rckwege nach Dublin befand, eilte Jakob nach
Londonderry. Er fand seine Armee einige Meilen sdlich von der Stadt
concentrirt. In seinem Gefolge befanden sich die franzsischen Generle,
welche mit ihm von Brest abgesegelt waren, und zwei von ihnen, Rosen und
Maumont, wurden ber Richard Hamilton gestellt.[80] Rosen war ein
geborner Lieflnder, der in frher Jugend ein Glckssoldat geworden, der
sich zur Auszeichnung emporgekmpft hatte und der, obgleich ihm die den
Hof von Versailles characterisirenden krperlichen und geistigen Vorzge
gnzlich abgingen, dennoch daselbst in hoher Gunst stand. Er besa ein
heftiges Temperament und rohe Manieren, und seine Sprache war ein
seltsames Gemisch verschiedenartiger franzsischer und deutscher
Dialecte. Selbst Diejenigen, welche die beste Meinung von ihm hegten und
behaupteten, seine rauhe Auenseite berge einige gute Eigenschaften,
muten zugestehen, da sein ueres gegen ihn sprach und da es ihnen
nicht angenehm sein wrde, wenn sie im Dunklen an einem Waldsaume einer
solchen Gestalt begegneten.[81] Das Wenige, was man von Maumont wei,
gereicht ihm zur Ehre.

    [Anmerkung 74: Pusignan an Avaux, 30. Mrz (9. April) 1689.]

    [Anmerkung 75: Dieser traurige Bericht ber das irische Bier ist
    einer Depesche entlehnt, welche Desgrigny von Cork aus an Louvois
    schrieb und die sich in den Archiven des franzsischen
    Kriegsministeriums befindet.]

    [Anmerkung 76: Avaux, 13.(23.), 20.(30.) April 1689.]

    [Anmerkung 77: Avaux an Ludwig vom 15.(25.) April 1689, und an
    Louvois von dem nmlichen Datum.]

    [Anmerkung 78: +Commons' Journals, Aug. 12. 1689+; +MacKenzie's
    Narrative.+]

    [Anmerkung 79: Avaux, 17.(27.) April 1689. Die Geschichte dieses
    sonderbaren Planwechsels ist in +Life of James, II. 330--332. Orig
    Mem.+ ganz unrichtig erzhlt.]

    [Anmerkung 80: +Life of James, II. 334, 335. Orig. Mem.+]

    [Anmerkung 81: Memoiren Saint-Simon's. Einige englische
    Schriftsteller sind der irrigen Meinung, Rosen sei damals schon
    Marschall von Frankreich gewesen. Dies wurde er erst 1703. Er war
    lange Marchal de Camp gewesen, was etwas ganz Andres ist, und war
    krzlich zum Generalleutnant befrdert worden.]


[_Der Fall Londonderry's erwartet._] Man erwartete im Lager allgemein,
da Londonderry ohne Schwertstreich fallen werde. Rosen prophezeite mit
groer Zuversicht, der bloe Anblick der irischen Armee werde die
Besatzung zur bergabe bestimmen. Richard Hamilton aber, der den
Character der Colonisten besser kannte, hatte schlimme Ahnungen. _Eines_
wichtigen Bundesgenossen innerhalb der Mauern der Stadt waren die
Belagerer gewi. Der Gouverneur Lundy bekannte sich zwar zum
protestantischen Glauben und hatte an der Proklamirung Wilhelm's und
Mariens Theil genommen, aber er stand in geheimer Communication mit den
Feinden seiner Kirche und der Souveraine, denen er Treue geschworen.
Einige haben vermuthet, da er ein verkappter Jakobit gewesen sei, und
sich die Revolution nur deshalb zum Schein habe gefallen lassen, um
desto leichter eine Restauration herbeifhren zu helfen, doch ist es
wahrscheinlich, da sein Verhalten eher der Zaghaftigkeit und
Geistesarmuth als dem Eifer fr irgend eine ffentliche Sache
zuzuschreiben ist. Er scheint den Widerstand fr hoffnungslos gehalten
zu haben, und in der That muten die Vertheidigungsmittel Londonderry's
einem militrischen Auge klglich vorkommen. Die Festungswerke bestanden
aus einem mit Gras und Unkraut bewachsenen einfachen Walle; selbst vor
den Thoren war kein Graben; die Zugbrcken waren seit langer Zeit
vernachlssigt, die Ketten waren verrostet und kaum noch zu gebrauchen;
die Brustwehren und Thrme waren nach einem Systeme erbaut, das Schlern
Vauban's wohl ein Lcheln abzwingen konnte, und diese schwachen
Vertheidigungswerke waren fast auf jeder Seite von Anhhen beherrscht.
Die Erbauer der Stadt hatten allerdings nie daran gedacht, da sie eine
regelmige Belagerung auszuhalten haben wrde, und hatten sich damit
begngt, Werke anzulegen, welche hinreichten, die Einwohner gegen einen
tumultuarischen Angriff der celtischen Bauern zu schtzen. Avaux
versicherte Louvois, da ein einziges franzsisches Bataillon solche
Vertheidigungswerke leicht erstrmen werde. Und selbst wenn der Platz
trotz aller dieser Nachtheile im Stande sein sollte, eine Armee
zurckzuschlagen, welche von der Kenntni und Erfahrung von Generlen,
die unter Cond und Turenne gedient hatten, gefhrt wrde, so msse doch
der Hunger den Kampf bald beendigen. Die Lebensmittelvorrthe seien
gering und die Bevlkerung sei durch eine Menge von Colonisten, welche
vor der Wuth der Eingebornen geflohen, um das Sieben- bis Achtfache der
gewhnlichen Zahl vermehrt worden.[82]

Lundy scheint daher von dem Augenblicke an, wo die irische Armee in
Ulster einrckte, jeden Gedanken an einen ernsthaften Widerstand
aufgegeben zu haben. Er sprach in einem so verzagten Tone, da die
Brger und seine eignen Soldaten gegen ihn murrten. Er scheine es,
sagten sie, darauf abgesehen zu haben, sie zu entmuthigen. Inzwischen
rckte der Feind mit jedem Tage nher heran, und man erfuhr, da Jakob
selbst das Commando seiner Truppen zu bernehmen gedenke.

    [Anmerkung 82: Avaux, 4.(14.) April 1689. Unter den Manuscripten
    im britischen Museum befindet sich ein interessanter Bericht ber
    die Vertheidigungsmittel Londonderry's, der 1705 von einem
    franzsischen Ingenieur, Namens Thomas, fr den Herzog von Ormond
    abgefat wurde.]


[_Es kommt Succurs aus England._] Gerade in diesem Augenblicke zeigte
sich ein Schimmer von Hoffnung. Am 14. April gingen englische Schiffe in
der Bai vor Anker. Sie hatten zwei Regimenter an Bord, welche unter den
Befehlen eines Obersten, Namens Cunningham, zur Verstrkung der Garnison
abgesandt worden waren. Cunningham und mehrere von seinen Offizieren
kamen ans Land, um sich mit Lundy zu besprechen. Dieser rieth ihnen
davon ab, ihre Mannschaften landen zu lassen, indem die Stadt sich nicht
halten knne. Noch mehr Truppen hineinzuwerfen, wrde daher schlimmer
als nutzlos sein, denn je zahlreicher die Besatzung sei, um so mehr
Gefangene wrden dem Feinde in die Hnde fallen. Die beiden Regimenter
knnten nichts besseres thun als nach England zurckzukehren. Er
gedenke, sagte er, heimlich auf und davon zu gehen, und die Einwohner
mten dann zusehen, wie sie unter mglichst vortheilhaften Bedingungen
kapituliren knnten.


[_Verrtherei Lundy's._] Er lie sich die Formalitt eines Kriegsraths
gefallen, von dem er aber alle diejenigen Offiziere ausschlo, deren
Gesinnungen er als von den seinigen abweichend kannte. Einige, die sonst
immer zu solchen Berathungen gezogen worden waren und die deshalb jetzt
unaufgefordert kamen, wurden aus dem Zimmer gewiesen. Was der Gouverneur
sagte, wurde von seinen Creaturen besttigt. Cunningham und seine
Kameraden durften es kaum wagen, ihre Ansicht der eines Mannes
entgegenzusetzen, der natrlich viel bessere Lokalkenntni hatte als sie
und dem sie berdies zu gehorchen angewiesen waren. Einer der wackeren
Soldaten erhob jedoch Einwrfe. Bedenken Sie, sagte er, Londonderry
aufgeben heit Irland aufgeben. Aber seine Einwendungen wurden mit
Verachtung zurckgewiesen.[83] Der Kriegsrath ging auseinander,
Cunningham kehrte mit seinen Offizieren auf die Schiffe zurck und traf
Anstalten zur Abreise. Unterdessen schickte Lundy heimlich einen Boten
ins Hauptquartier des Feindes, mit der Versicherung, da die Stadt auf
die erste Aufforderung ohne Kampf bergeben werden wrde.

    [Anmerkung 83: +Commons' Journals, Aug. 12. 1689.+]


[_Die Bewohner von Londonderry beschlieen sich zu vertheidigen._]
Sobald aber das was im Kriegsrathe vorgegangen, in der Stadt ruchbar
wurde, emprte sich der Geist der Soldaten und Brger gegen den feigen
und treulosen Anfhrer, der sie verrathen hatte. Viele von seinen
eigenen Offizieren erklrten, da sie sich nicht lnger fr verpflichtet
hielten, ihm zu gehorchen. Drohende Stimmen lieen sich vernehmen, bald
da ihm der Hirnschdel eingeschlagen, bald da er auf den Wllen der
Stadt aufgehngt werden solle. Es wurde eine Deputation an Cunningham
abgesandt, um ihn flehentlich zu bitten, das Commando der Stadt zu
bernehmen. Er entschuldigte sich jedoch mit dem plausiblen Grunde, da
er Ordre habe, in allen Stcken den Befehlen des Gouverneurs Folge zu
leisten.[84] Inzwischen ging das Gercht, da Einer nach dem Andren von
Lundy's Vertrauten sich aus der Stadt stehle. Am Abend des 17. fand man,
da lange nach Einbruch der Dmmerung die Thore noch offen und die
Schlssel verschwunden waren. Die Offiziere, welche diese Entdeckung
machten, nahmen es auf sich, die Parole zu ndern und die Wachen zu
verstrken. Die Nacht ging jedoch ohne einen Angriff vorber.[85]

Nach einigen angstvollen Stunden brach der Morgen an. Die Irlnder mit
Jakob an ihrer Spitze, waren jetzt nur noch vier Meilen von der Stadt
entfernt. Es wurde nun ein tumultuarischer Kriegsrath der angesehensten
Einwohner zusammenberufen. Einige von ihnen sagten dem Gouverneur mit
Heftigkeit gerade ins Gesicht, da er sie verrathen habe. Er habe sie,
riefen sie aus, ihrem erbittertsten Feinde verkauft und habe die Truppen
nicht eingelassen, die der gute Knig Wilhelm zu ihrer Vertheidigung
gesandt habe. Whrend der Wortwechsel seinen Hhepunkt erreicht hatte,
meldeten die auf den Wllen ausgestellten Schildwachen, da die Vorhut
der feindlichen Armee in Sicht sei. Lundy hatte Befehl gegeben, da
nicht gefeuert werden sollte, aber seine Autoritt war zu Ende. Zwei
tapfere Soldaten, Major Heinrich Baker und Kapitain Adam Murray, riefen
das Volk zu den Waffen. Sie wurden untersttzt durch die Beredtsamkeit
eines bejahrten Geistlichen, Georg Walker, Rectors der Gemeinde
Donaghmore, der mit vielen seiner Amtsbrder in Londonderry ein Asyl
gesucht hatte. Die ganze Bevlkerung der berfllten Stadt war von einem
Gefhle beseelt. Soldaten, Gentlemen, Freisassen und Handwerker eilten
auf die Wlle und bemannten die Geschtze. Jakob, der sich, des Sieges
gewi, dem sdlichen Thore bis auf hundert Schritt genhert hatte, wurde
mit dem Geschrei: Keine bergabe! und mit einer Kanonensalve von der
nchsten Bastion empfangen. Ein Offizier von seinem Stabe fiel neben ihm
todt nieder. Der Knig und seine Begleiter beeilten sich, aus dem
Bereiche der Kanonenkugeln zu kommen. Lundy, der jetzt in der grten
Gefahr schwebte, von denen die er verrathen hatte, in Stcken zerrissen
zu werden, verbarg sich in einem entlegenen Gemache. Hier blieb er den
Tag ber, und whrend der Nacht entkam er unter dem gromthigen und
weisen Beistande Murray's und Walker's, als Lasttrger verkleidet.[86]
Noch jetzt wird der Theil des Walles gezeigt, wo er sich herunterlie,
und noch lebende Leute rhmen sich die Frchte eines Birnbaumes gekostet
zu haben, der ihm das Herabsteigen erleichtert hatte. Sein Name ist noch
heutigen Tages den Protestanten im Norden Irland's ein Greuel und sein
Bild wurde lange und wird vielleicht jetzt noch alljhrlich mit
hnlichen Zeichen des Abscheus, wie sie in England dem Guy Faux zu Theil
werden, aufgehngt und verbrannt.

    [Anmerkung 84: Den besten Bericht ber diese Vorgnge findet man
    in den Verhandlungen des Hauses der Gemeinen vom 12. August 1689.
    Siehe auch die Erzhlungen von Walker und Mackenzie.]

    [Anmerkung 85: +Mackenzie's Narrative.+]

    [Anmerkung 86: Walker und Mackenzie.]


[_Ihr Character._] Jetzt war Londonderry ohne alle militrische wie
brgerliche Obrigkeit. Niemand in der Stadt hatte das Recht einem Andern
zu befehlen, die Vertheidigungsmittel waren schwach, die Vorrthe
gering, und ein wthender Tyrann stand mit einer zahlreichen Armee vor
den Thoren. Drinnen aber herrschte ein Geist, der oft in Augenblicken
verzweifelter Bedrngni das gesunkene Glck von Nationen wieder
aufgerichtet hat. Obwohl verrathen und verlassen, desorganisirt, von
Hlfsmitteln entblt und von Feinden umringt, war die edle Stadt doch
noch immer keine leichte Eroberung. Was auch ein Ingenieur von der
Strke ihrer Mauern halten mochte: hinter diesen Mauern war der
intelligenteste, muthigste und hochsinnigste Theil der englischen
Bevlkerung von Leinster und Nordulster versammelt. Die Anzahl der
waffenfhigen Mnner betrug siebentausend Mann, und die ganze Welt htte
nicht siebentausend Mnner liefern knnen, welche besser geeignet
gewesen wren, einer furchtbaren Nothwendigkeit mit klarem Urtheil,
unerschtterlichem Muthe und trotziger Geduld die Stirn zu bieten. Sie
waren smmtlich Protestanten und der Protestantismus der Mehrzahl hatte
eine puritanische Frbung. Sie hatten viel hnliches von der nchternen,
entschlossenen und gottesfrchtigen Klasse, aus welcher Cromwell sein
unbesiegbares Heer gebildet. Die eigenthmliche Lage aber, in die sie
versetzt waren, hatte einige Eigenschaften in ihnen entwickelt, die im
Mutterlande vielleicht nicht zur Geltung gekommen sein wrden. Die
englischen Bewohner Irland's waren eine aristokratische Kaste, die durch
hhere Bildung, durch festes Zusammenhalten, durch rastlose Wachsamkeit
und durch kaltbltige Unerschrockenheit in den Stand gesetzt worden war,
eine zahlreiche und feindliche Bevlkerung in Unterwrfigkeit zu
erhalten. Fast Jeder von ihnen war mehr oder weniger zu militrischen
wie zu politischen Functionen herangebildet worden. Fast Jeder war mit
dem Gebrauche der Waffen vertraut und gewohnt, an der Justizverwaltung
Theil zu nehmen. Zeitgenssische Schriftsteller sagten, da die
Colonisten etwas von dem castilischen Stolze, aber nichts von der
castilischen Indolenz htten, da sie ein ausgezeichnet reines und
correctes Englisch sprchen und da sie sowohl als Milizen wie als
Geschworne hoch ber ihres Gleichen im Mutterlande stnden.[87] Leute in
der Lage der Angelsachsen in Irland haben zu allen Zeiten eigenthmliche
Fehler und eigenthmliche Tugenden gehabt, die Fehler und Tugenden von
Herren im Gegensatz zu den Fehlern und Tugenden von Sklaven. Das
Mitglied eines dominirenden Stammes ist in seinem Verkehr mit dem
unterworfenen Stamme zwar selten falsch -- denn Falschheit ist das
Hlfsmittel des Schwachen -- aber gebieterisch, anmaend und grausam.
Gegen seine Brder aber zeigt er sich im allgemeinen gerecht, gtig und
selbst edel. Seine Selbstachtung bestimmt ihn alle seinem Stamme
Angehrenden zu achten. Sein Interesse treibt ihn an, ein gutes
Einvernehmen mit Denen zu unterhalten, deren prompten, krftigen und
muthigen Beistand er vielleicht einmal zur Erhaltung seines Eigenthums
und seines Lebens bedrfen kann. Er ist stets der Wahrheit eingedenk,
da sein persnliches Wohl von dem bergewicht der Klasse abhngt,
der er angehrt. Dadurch wird selbst sein Egoismus zum Gemeinsinn, und
dieser Gemeinsinn wird durch Sympathie, durch das Verlangen nach Beifall
und durch die Furcht vor Entehrung zu wilder Begeisterung aufgestachelt.
Denn die einzige Meinung, auf die er Werth legt, ist die Meinung seiner
Standesgenossen, und ihrer Ansicht nach ist treue Hingebung fr die
gemeinsame Sache die heiligste aller Pflichten. Der so constituirte
Character hat zwei Seiten. Von der einen Seite angesehen, mu er von
jedem Rechtschaffenen und Unbefangenen mit Mibilligung betrachtet
werden. Von der andren Seite gesehen, erzwingt er sich unwiderstehlich
Beifall. Der Spartaner erregt unsren Abscheu, wenn er den unglcklichen
Heloten schlgt und mit Fen tritt. Den nmlichen Spartaner knnen wir
nicht ohne Bewunderung betrachten, wenn wir ihn an dem Tage, von dem er
wohl wei, da es sein letzter sein wird, im Engpa von Thermopyl ruhig
sein Haar ordnen sehen und seine lakonischen Scherze aussprechen hren.
Dem oberflchlichen Beobachter mag es sonderbar vorkommen, da soviel
Bses und soviel Gutes beisammen gefunden werden knnen. In der That
aber stehen dieses Gute und dieses Bse, die auf den ersten Anblick fast
unvereinbar scheinen, in innigem Zusammenhange und haben einen
gemeinsamen Ursprung. Weil der Spartaner gelernt hatte, sich als einem
Herrschergeschlechte angehrend zu betrachten und auf jeden
Nichtspartaner als auf einen tief unter ihm Stehenden herabzusehen,
deshalb hatte er kein Mitgefhl fr die elenden Sklaven, welche vor ihm
im Staube krochen, und deshalb kam ihm nie, selbst nicht in der hchsten
Noth, der Gedanke, sich einem fremden Herrn zu unterwerfen oder vor
einem Feinde zu fliehen. Etwas von diesem nmlichen, aus Tyrannei und
Heroismus zusammengesetzten Character hat man bei allen den Nationen
gefunden, welche ber zahlreichere Nationen dominirten. Nirgend aber hat
sich im modernen Europa dieser Character so augenfllig gezeigt wie in
Irland. Mit welcher Verachtung, mit welcher Abneigung die herrschende
Minderzahl in diesem Lande lange Zeit die unterworfene Mehrzahl
betrachtete, kann man am besten aus den gehssigen Gesetzen ersehen,
welche noch zu einer Zeit, deren sich gegenwrtig Lebende erinnern, das
irische Gesetzbuch schndeten. Diese Gesetze wurden endlich abgeschafft,
aber der Geist, der sie zu Tage gefrdert hatte, berlebte sie und macht
sich noch jetzt zuweilen in Excessen Luft, welche dem Gemeinwohl zum
grten Nachtheil und der protestantischen Religion zur Unehre
gereichen. Dessenungeachtet kann man unmglich leugnen, da die
englischen Colonisten mit leider zu vielen Fehlern einer herrschenden
Kaste alle edelsten Tugenden einer solchen verbanden. Die Fehler haben
sich ganz natrlich im schlimmsten Grade zu Zeiten des Gedeihens und der
Ruhe gezeigt, wie die Tugenden sich am glnzendsten in Zeiten der Noth
und Gefahr bewhrt haben, und nie traten diese Tugenden sichtbarer in
den Vordergrund als bei den Vertheidigern von Londonderry in dem
Augenblicke da ihr Commandant sie im Stich gelassen und das Lager ihres
Todfeindes vor den Mauern ihrer Stadt aufgeschlagen war.

Sobald der erste Ausbruch der durch Lundy's Treulosigkeit erregten Wuth
sich gelegt hatte, ergriffen Die, welche er verrathen, mit einer der
berhmtesten Senate wrdigen Kaltbltigkeit und Umsicht Maregeln zur
Aufrechthaltung der Ordnung und zur Vertheidigung der Stadt. Es wurden
zwei Gouverneurs, Baker und Walker, erwhlt. Baker bernahm das
militrische Kommando, und Walker's specielles Geschft bestand in der
Erhaltung der inneren Ruhe und in der Vertheilung der Bedrfnisse aus
den Magazinen.[88] Die kampffhigen Einwohner wurden in acht Regimenter
eingetheilt und Obersten, Hauptleute und Subalternoffiziere ernannt. In
wenigen Stunden kannte Jedermann seinen Posten und war bereit, sich beim
ersten Trommelschlage auf denselben zu begeben. Das Verfahren, durch
welches Cromwell in der vorhergehenden Generation unter seinen Soldaten
eine so glhende und beharrliche Begeisterung erhalten hatte, wurde auch
hier wieder mit nicht minder vollstndigem Erfolge angewendet. Ein
groer Theil des Tages ward mit Predigen und Beten hingebracht. Achtzehn
Geistliche der Landeskirche und sieben bis acht nonconformistische
Priester befanden sich in der Stadt. Sie alle strengten sich mit
unermdlichem Eifer an, den Muth des Volks zu heben und zu erhalten.
Unter ihnen selbst herrschte fr diese Zeit vollkommene Einigkeit. Aller
Streit ber Kirchenregiment, Stellungen und Ceremonien war vergessen.
Der Bischof hatte sich, als er gesehen, da seine Sermone ber den
passiven Gehorsam selbst von den Episkopalen bespttelt wurden, zuerst
nach Raphoe und dann nach England begeben, wo er jetzt in einer londoner
Kapelle predigte.[89] Auf der andren Seite war ein schottischer
Fanatiker, Namens Hewson, der die Presbyterianer ermahnt hatte, nicht
mit Leuten, die sich weigerten den Covenant zu unterschreiben,
gemeinschaftliche Sache zu machen, dem wohlverdienten Abscheu und Hohn
der gesammten Protestanten verfallen.[90] Die Kathedrale gewhrte einen
eigenthmlichen Anblick. Auf der Hhe des breiten Thurmes, der jetzt
durch einen von andrer Bauart ersetzt ist, waren Kanonen aufgefahren,
unter den Bogengngen war Munition aufgehuft und im Chore wurde jeden
Morgen die Liturgie der anglikanischen Kirche verlesen. Am Nachmittag
versammelten sich die Dissenters zu einem einfacheren Gottesdienst.[91]

Jakob hatte vierundzwanzig Stunden gewartet, wahrscheinlich in der
Hoffnung, da Lundy seine Versprechungen erfllen werde, und diese
vierundzwanzig Stunden hatten hingereicht, um die Anstalten zur
Vertheidigung Londonderry's zu vollenden. Am Abend des 19. April
erschien ein Trompeter am sdlichen Thore und fragte, ob die vom
Gouverneur eingegangenen Verpflichtungen erfllt werden wrden. Die
Antwort lautete, da die Mnner, welche diese Mauern bewachten, mit den
Verpflichtungen des Gouverneurs nichts zu thun htten und entschlossen
wren, sich bis aufs uerste zu vertheidigen.

Am folgenden Tage wurde ein Bote hheren Ranges gesandt: Claudius
Hamilton, Lord Strabane, einer der wenigen rmisch-katholischen Peers
von Irland. Murray, der zum Obersten eines der acht Regimenter ernannt
war, in welche die Besatzung eingetheilt worden, ging hinaus vor das
Thor und es fand eine kurze Besprechung mit dem Parlamentair statt.
Strabane war ermchtigt, groe Versprechungen zu machen. Die Brger
sollten volle Verzeihung fr alles Geschehene haben, wenn sie sich ihrem
rechtmigen Landesherrn unterwrfen. Murray selbst sollte ein
Oberstenpatent und tausend Pfund Sterling an Gelde bekommen. Die Mnner
von Londonderry, antwortete Murray, haben nichts gethan, was der
Verzeihung bedrfte, und erkennen keinen andren Souverain als Knig
Wilhelm und Knigin Marie an. Es drfte nicht rathsam fr Eure
Lordschaft sein, noch lange hier zu verweilen oder in gleicher Absicht
wiederzukommen. Gestatten Sie mir die Ehre, Sie bis ber die Linien
hinaus zu geleiten.[92]

Jakob war versichert worden und hatte mit Bestimmtheit erwartet, da die
Stadt sich ergeben wrde, sobald sein Erscheinen vor den Mauern
derselben zur Kenntni der Einwohner gelangte. Als er sich jedoch in
dieser Erwartung getuscht sah, wollte er von Melfort's Rath nichts mehr
wissen und er beschlo, sofort nach Dublin zurckzukehren. Rosen
begleitete den Knig und die Leitung der Belagerung wurde Maumont
bertragen. Unter ihm standen Richard Hamilton als Zweiter, und Pusignan
als Dritter im Commando.

    [Anmerkung 87: Siehe +The Character of the Protestants of Ireland,
    1689+, und +The Interest of England in the Preservation of
    Ireland, 1689.+ Erstere Flugschrift ist das Werk eines Feindes,
    letztere das eines warmen Freundes.]

    [Anmerkung 88: Es entspann sich nachher ein miger Streit ber
    die Frage, ob Walker wirklich Gouverneur gewesen sei oder nicht.
    Mir scheint es vollkommen unzweifelhaft, da er es war.]

    [Anmerkung 89: +Mackenzie's Narrative+; +Funeral Sermon on Bishop
    Hopkins, 1690.+]

    [Anmerkung 90: +Walker's True Account, 1689.+ Siehe auch +The
    Apology for the True Account+ und +The Vindication of the True
    Account+, beide in dem nmlichen Jahre erschienen. Ich habe diesen
    Mann mit dem Namen bezeichnet, unter welchem er in Irland bekannt
    war. Sein wirkliche Name aber war Houstoun. Er wird hufig in dem
    wunderlichen Buche, betitelt: +Faithful Contendings Displayed+,
    erwhnt.]

    [Anmerkung 91: +A View of the Danger and Folly of being
    publicspirited, by William Hamill, 1721.+]

    [Anmerkung 92: Siehe +Walker's True Account+ und +Mackenzie's
    Narrative.+]


[_Londonderry belagert._] Die Operationen begannen nun ernstlich.
Die Belagerer fingen damit an, da sie die Stadt beschossen, und bald
brannte sie an mehreren Stellen. Dcher und obere Stockwerke strzten
ein und erschlugen die Hausbewohner. Eine kurze Zeit lang schien die
Besatzung, von der Viele noch niemals die Wirkung eines Bombardements
gesehen, durch das Gekrach der einstrzenden Schornsteine und durch den
Anblick der mit entstellten Leichnamen vermischten Trmmerhaufen
entmuthigt zu werden. Aber das Vertrautwerden mit Gefahr und Greueln
brachte binnen wenigen Stunden die natrliche Wirkung hervor. Der Muth
des Volks steigerte sich bis zu einem solchen Grade, da seine Anfhrer
es fr zweckmig hielten, die Offensive zu ergreifen. Am 21. April
wurde unter Murray's Commando ein Ausfall gemacht. Die Irlnder hielten
ihrerseits entschlossen Stand und es kam zu einem heftigen und blutigen
Kampfe. Maumont eilte an der Spitze eines Reitertrupps nach der Stelle,
wo das Gefecht wthete. Eine Flintenkugel traf ihn am Kopfe und streckte
ihn todt nieder. Die Belagerer verloren auerdem noch mehrere andere
Offiziere und ungefhr zweihundert Mann, bevor es gelang, die Colonisten
in die Stadt zurckzuwerfen. Murray entkam mit knapper Noth. Sein Pferd
war ihm unter dem Leibe getdtet worden und er war von Feinden umringt,
aber er vertheidigte sich noch so lange gegen dieselben, bis einige von
seinen Freunden, mit dem greisen Walker an der Spitze, aus dem Thore
heraus strzten und ihn befreiten.[93]

Da Maumont gefallen war, bernahm Hamilton wieder das Commando der
irischen Armee. Seine Thaten als Befehlshaber trugen keineswegs zur
Erhhung seines Ruhmes bei. Er war ein eleganter Cavalier und ein
tapferer Soldat, aber auf den Titel eines groen Feldherrn konnte er
keinen Anspruch machen; auch hatte er noch nie in seinem Leben eine
Belagerung gesehen.[94] Pusignan besa mehr Kenntni und Energie, aber
er berlebte Maumont um wenig mehr als vierzehn Tage. Am 6. Mai um vier
Uhr Morgens unternahm die Besatzung einen zweiten Ausfall, eroberte
mehrere Fahnen und tdtete viele von den Belagerern. Pusignan, welcher
tapfer focht, wurde durch den Leib geschossen; die Wunde war von der
Art, da ein geschickter Chirurg sie wohl htte heilen knnen; aber
einen solchen gab es im irischen Lager nicht und die Verbindung mit
Dublin war langwierig und unregelmig. So starb der Unglckliche unter
bitteren Klagen ber die rohe Unwissenheit und Nachlssigkeit, die seine
Tage abgekrzt hatten. Ein Arzt, der expre aus der Hauptstadt abgesandt
worden, traf erst nach der Beerdigung ein. Wahrscheinlich in Folge
dieses beklagenswerthen Unglcks richtete Jakob eine tgliche
Postverbindung zwischen dem Schlosse von Dublin und Hamilton's
Hauptquartier ein. Doch selbst auf diese Art wurden die Briefe nicht
rasch befrdert, denn die Couriere gingen zu Fu und machten,
wahrscheinlich aus Furcht vor den Enniskillenern, einen Umweg von einem
Militrposten zum andren.[95]

Der Mai verging, der Juni kam heran, und Londonderry hielt sich noch
immer. Es hatten viele Ausflle und Scharmtzel mit verschiedenem
Erfolge stattgehabt; im Ganzen aber war der Vortheil auf Seiten der
Garnison gewesen. Mehrere hohe Offiziere waren als Gefangene in die
Stadt gebracht worden, und zwei franzsische Fahnen, welche den
Belagerern nach hartem Kampfe entrissen worden, waren als Trophen in
der Altarsttte der Kathedrale aufgehngt. Es schien nothwendig, die
Belagerung in eine Blockade zu verwandeln. Ehe man aber die Hoffnung
aufgab, die Stadt durch Waffengewalt zu nehmen, beschlo man noch einen
energischen Versuch zu machen. Der zum Sturm ausersehene Punkt war ein
Auenwerk, nicht weit vom sdlichen Thore, welches der Windmhlenhgel
hie. Religise Anfeuerungsmittel wurden angewendet, um den gesunkenen
Muth zu beleben. Viele Freiwillige verpflichteten sich eidlich in die
Festungswerke einzudringen oder bei dem Versuche umzukommen. Kapitain
Buttler, ein Sohn Lord Mountgarret's, bernahm es, die Eidgenossen zum
Angriff zu fhren. Die Colonisten waren in drei Reihen auf den Wllen
aufgestellt. Die Hinteren hatten nur die Musketen der Vorderen zu laden.
Die Irlnder rckten khn und mit einem entsetzlichen Geschrei heran,
wurden aber nach einem langen und heien Kampfe zurckgeschlagen. Im
dichtesten Kugelregen sah man die Frauen von Londonderry, ihren Gatten
und Brdern Wasser und Munition reichend. An einer Stelle, wo der Wall
nur sieben Fu hoch war, gelang es Buttler und einigen seiner
Eidgenossen, das Plateau zu erreichen; aber sie wurden smmtlich
getdtet oder gefangen genommen. Endlich, nachdem vierhundert Irlnder
gefallen waren, lieen ihre Anfhrer zum Rckzug blasen.[96]

    [Anmerkung 93: Walker; Mackenzie; Avaux, 26. April (6. Mai) 1689.
    Unter den Protestanten von Ulster herrscht die traditionelle
    Meinung, Maumont sei von Murray's Hand gefallen; allein ber
    diesen Punkt ist der Bericht des franzsischen Gesandten an seinen
    Gebieter entscheidend. In der That existiren ber die Belagerung
    von Londonderry fast eben so viele mrchenhafte Geschichten wie
    ber die Belagerung von Troja. Die Sage von Murray und Maumont
    datirt von 1689. In +The Royal Voyage+, welches Stck in jenem
    Jahre aufgefhrt wurde, wird der Kampf zwischen den beiden Helden
    in folgenden wohlklingenden Strophen geschildert:

      Sie trafen sich, und auf den ersten Streich
      Fiel Monsieur fluchend auf den staub'gen Grund
      Und sterbend bi er noch in's Gras.]

    [Anmerkung 94: +Si c'est celuy qui est sorti de France le dernier,
    qui s'appelloit Richard, il n'a jamais veu de sige, ayant
    toujour's servi en Roussillon.+ -- Louvois an Avaux, 3.(13.) Juni
    1689.]

    [Anmerkung 95: Walker; Mackenzie; Avaux an Louvois, 2.(12.),
    4.(14.) Mai 1689; Jakob an Hamilton vom 28. Mai (8.Juni) in der
    Bibliothek der Royal Irish Academy. Louvois schrieb sehr entrstet
    an Avaux: +La mauvaise conduite que l'on a tenue devant
    Londonderry a coust la vie  M. de Maumont et  M. de Pusignan.
    Il ne faut pas que sa Majest Britannique croye qu'en faisant tuer
    des officiers generaux comme des soldats, on puisse ne l'en point
    laisser manquer. Ces sortes de gens sont rares en tout pays et
    doivent estre menagez.+]

    [Anmerkung 96: Walker; Mackenzie; Avaux, 16.(26.) Juni 1689.]


[_Die Belagerung in eine Blokade verwandelt._] Es blieb nun nichts
weiter brig als die Wirkung des Hungers zu versuchen. Man wute, da
die Lebensmittelvorrthe der Stadt nur gering waren, ja man wunderte
sich sogar, da sie so lange ausgereicht hatten. Jetzt wurden alle
Maregeln getroffen, um die fernere Zufuhr von Lebensmitteln
abzuschneiden. Alle zur Stadt fhrenden Landwege wurden auf das
Sorgfltigste bewacht. Auf der Sdseite am linken Ufer des Foyle
lagerten die Reiter, welche Lord Galmoy aus dem Barrowthale begleitet
hatten. Ihr Anfhrer war von allen irischen Offizieren derjenige, den
die Protestanten am meisten frchteten und verabscheuten. Denn er hatte
seine Mannschaft mit seltener Geschicklichkeit und Sorgfalt
disciplinirt, und man erzhlte sich haarstrubende Geschichten von
seiner Grausamkeit und Perfidie. Lange Reihen Zelte, bedeckt mit der
Infanterie Buttler's und O'Neils, Lord Slane's und Lord Gormanstown's,
den Leuten aus Westmeath unter Nugent, den Leuten aus Kildare unter
Eustace und den Leuten aus Kerry unter Cavanagh.[97] Der Flu war mit
Forts und Batterien besumt, welche kein Schiff ohne groe Gefahr
passiren konnte. Nach einiger Zeit beschlo man, zur noch greren
Sicherheit ungefhr anderthalbe Meile unterhalb der Stadt eine Barrikade
quer durch den Strom aufzuwerfen. Zu dem Ende wurden mehrere mit Steinen
beladene Bte versenkt und eine Reihe Pfhle in den Grund des Flusses
eingerammt. Starke Fichtenstmme, fest an einander gebunden, bildeten
einen ber eine Viertelmeile langen Sperrbaum, der mit fudicken Tauen
an beiden Ufern wohl befestigt war.[98] Ein groer Steinblock, an
welchem das Tau am linken Ufer befestigt war, wurde viele Jahre spter
fortgeschafft, um behauen und zu einer Sule verarbeitet zu werden. Die
Idee wurde jedoch wieder aufgegeben und die rohe Steinmasse liegt noch
jetzt nicht weit von ihrem ursprnglichen Platze unter den Bumen,
welche ein reizendes Landhaus, Boom Hall genannt, beschatten. Dicht
daneben befindet sich der Brunnen, aus dem die Belagerer tranken, und
ein Stck weiter hin ist der Begrbniplatz, wo sie ihre Gefallenen
beerdigten und wo noch in unseren Tagen der Spaten des Grtners in
geringer Tiefe unter dem Rasen und den Blumen auf zahlreiche Schdel und
Gebeine gestoen ist.

    [Anmerkung 97: ber die Disciplin der Galmoy'schen Reiter siehe
    Avaux' Brief an Louvois vom 10.(20.) September. Entsetzliche
    Geschichten von der Grausamkeit des Obersten sowohl wie seiner
    Leute werden in der +Short View, by a Clergyman, 1689+, und in
    mehreren anderen Flugschriften aus diesem Jahre erzhlt. In Bezug
    auf die Vertheilung der irischen Truppen sehe man die damals
    erschienenen Plne der Belagerung. Eine Liste der Regimenter, die
    vermuthlich ein Seitenstck zu der im zweiten Buche der Iliade
    vorkommenden Liste bilden sollte, findet man in der Londeriade.]

    [Anmerkung 98: +Life of Admiral Sir John Leake, by Stephen M.
    Leake, Clarencieux King at Arms, 1750.+ Von diesem Buche wurden
    nur funfzig Exemplare gedruckt.]


[_Seegefecht in der Bantry-Bai._] Whrend diese Ereignisse im Norden
stattfanden, hielt Jakob seinen Hof in Dublin. Bei seiner Wiederankunft
daselbst von Londonderry erhielt er die Nachricht, da die franzsische
Flotte unter dem Commando des Grafen von Chateau Renaud in der
Bantry-Bai vor Anker gegangen sei und eine groe Masse von
Kriegsvorrthen sowie eine Geldsendung ans Land geschafft habe. Herbert,
der eben mit einem englischen Geschwader nach jenen Gewssern abgegangen
war, um die Verbindung zwischen der Bretagne und Irland abzuschneiden,
erfuhr wo der Feind lag und segelte in die Bucht mit der Absicht, eine
Schlacht zu liefern. Doch der Wind war ihm ungnstig, die feindliche
Flotte war der seinigen weit berlegen, und nach einem kurzen Feuer,
das auf keiner Seite erhebliche Verluste herbeifhrte, hielt er es fr
rathsam, die hohe See wieder zu gewinnen, whrend die Franzosen sich
tiefer in den Hafen zurckzogen. Er steuerte nach Scilly, wo er
Verstrkungen zu finden hoffte, und Chateau Renaud, zufrieden mit dem
Ruhme, den er sich erworben, und besorgt, da er denselben durch
lngeres Verweilen wieder verlieren mchte, eilte trotz der dringenden
Aufforderung Jakob's, nach Dublin zu kommen, nach Brest zurck.

Beide Theile machten Anspruch auf den Sieg. Die Gemeinen zu Westminster
beschlossen albernerweise ein Dankvotum fr Herbert, Jakob lie, nicht
minder albernerweise, Freudenfeuer anznden und ein Te Deum singen. Aber
diese Freudenbezeigungen befriedigten Avaux keineswegs, denn seine
Nationaleitelkeit war selbst noch strker als die Klugheit und
Courtoisie, durch die er sich auszeichnete. Er beschwerte sich, da
Jakob so ungerecht und undankbar sei, den Ausgang des krzlichen
Gefechts dem Widerstreben zuzuschreiben, mit dem die englischen Seeleute
gegen ihren rechtmigen Knig und ihren alten Commandeur gefochten
htten, und da Se. Majestt eben nicht sehr erfreut gewesen zu sein
scheine, als er gehrt habe, da sie, von den siegreichen Franzosen
verfolgt, ber den Ocean flchteten. Auch Dover sei ein schlechter
Franzos. Er scheine sich eben so wenig ber die Niederlage seiner
Landsleute gefreut zu haben, und man habe ihn uern hren, da das
Gefecht in der Bantry-Bai den Namen einer Schlacht nicht verdiene.[99]

    [Anmerkung 99: Avaux, 8.(18.) Mai, 26. Mai (5. Juni) 1689; London
    Gazette vom 9. Mai; +Life of James, II. 370+; +Burchet's Naval
    Transactions+; +Commons' Journals May 18, 21.+ Aus den Memoiren
    der Frau von la Fayette ersieht man, da dieses unbedeutende
    Treffen in Versailles nach Gebhr gewrdigt wurde.]


[_Ein von Jakob einberufenes Parlament tagt in Dublin._] Den Tag darauf,
nachdem in Dublin zu Ehren dieses unentschiedenen Gefechts ein Te Deum
gesungen worden war, erffnete das von Jakob zusammenberufene Parlament
seine Sitzungen. Die Zahl der weltlichen Peers von Irland betrug bei
seiner Ankunft in diesem Knigreiche ungefhr hundert. Davon kamen nicht
mehr als vierzehn seiner Aufforderung nach, und von diesen vierzehn
waren zehn Katholiken. Durch Umstoen frherer Verurtheilungen und durch
neue Creirungen wurden noch siebzehn Lords, smmtlich Katholiken, ins
Oberhaus gebracht. Die protestantischen Bischfe von Meath, Ossory, Cork
und Limerick erschienen, ob aus der aufrichtigen berzeugung, da sie
rechtmigerweise selbst einem Tyrannen den Gehorsam nicht verweigern
knnten, oder in der eitlen Hoffnung, da selbst das Herz eines Tyrannen
durch ihre Geduld erweicht werden mchte, in der Mitte ihrer Todfeinde.

Das Haus der Gemeinen bestand fast ausschlielich aus Irlndern und
Papisten. Zugleich mit den kniglichen Ausschreiben hatten die
Wahlbeamten von Tyrconnel Briefe erhalten, in denen die Personen namhaft
gemacht waren, die er gewhlt zu sehen wnschte. Die grten Wahlkrper
des Knigreichs waren damals sehr klein, denn auer den Katholiken wagte
kaum Jemand sein Gesicht zu zeigen, und katholische Freisassen gab es
damals sehr wenige, in manchen Grafschaften nicht mehr als zehn bis
zwlf. Selbst in so bedeutenden Stdten wie Cork, Limerick und Galway
berstieg die Zahl Derer, welche nach den neuen Stdteordnungen
stimmberechtigt waren, nicht vierundzwanzig. Ungefhr zweihundertfunfzig
Mitglieder nahmen ihre Sitze ein, und davon waren nur sechs
Protestanten.[100] Die Namenliste giebt hinreichenden Aufschlu ber die
politische und religise Gesinnung der Versammlung. Es war das einzige
irische Parlament jener Zeit, das mit Dermots und Grohagans, mit O'Neils
und O'Donovans, mit Macmahons, Macnamaras und Macgillicuddies angefllt
war. Die Fhrung bernahmen einige Mnner, deren Fhigkeiten durch
juristische Studien oder durch in fremden Lndern erworbene Erfahrung
entwickelt worden waren. Dem Generalfiskal, Sir Richard Nagle, der die
Grafschaft Cork vertrat, gaben selbst die Protestanten das Zeugni eines
scharfsinnigen und gelehrten Juristen. Franz Plowden, der Commissar fr
die Staatsrevenen, der fr Bannow im Parlamente sa und als erster
Finanzbeamter fungirte, war ein Englnder, und da er ein Hauptagent des
Jesuitenordens in Geldangelegenheiten gewesen, lt sich wohl annehmen,
da er ein ausgezeichneter Geschftsmann war.[101] Oberst Heinrich
Luttrell, Mitglied fr die Grafschaft Carlow, hatte lange in Frankreich
gedient und von dort in sein Heimathland einen geschrften Verstand und
verfeinerte Sitten, eine glatte Zunge, einige Geschicklichkeit im Kriege
und sehr viel Geschicklichkeit im Intriguiren mitgebracht. Sein lterer
Bruder, Oberst Simon Luttrell, Vertreter der Grafschaft Dublin und
Militrgouverneur der Hauptstadt, hatte ebenfalls in Frankreich gelebt
und spielte, obwohl er seinem Bruder Heinrich an Talent und Thtigkeit
nachstand, doch eine sehr hervorragende Figur unter den Anhngern
Jakob's. Das andre Mitglied fr die Grafschaft Dublin war Oberst Patrick
Sarsfield. Diesen tapferen Offizier betrachteten die Eingebornen als
einen der Ihrigen, denn seine Vorfahren von Vaters Seite waren zwar
ursprnglich Englnder, gehrten aber zu den ersten Colonisten, von
denen man sprchwrtlich sagte, da sie irischer geworden seien als
Irlnder. Seine Mutter war von edlem celtischen Geblt und er war ein
treuer Anhnger des alten Glaubens. Als der Erbe eines Vermgens, das
ihm etwa zweitausend Pfund jhrlicher Einknfte gewhrte, war er einer
der reichsten Katholiken des Landes. Von den Hfen und Feldlagern besa
er eine Kenntni wie nur wenige seiner Landsleute. Er war lange Offizier
bei der englischen Leibgarde gewesen, hatte viel mit Whitehall verkehrt
und hatte unter Monmouth auf dem Continente und gegen Monmouth bei
Sedgemoor tapfer gefochten. Er hatte, wie Avaux schrieb, mehr
persnlichen Einflu als irgend Jemand in Irland und war wirklich ein
Gentleman von ausgezeichneten Verdiensten, tapfer, bieder, ehrenwerth,
auf das Wohlbefinden seiner Leute im Quartier bedacht und am Tage der
Schlacht stets an ihrer Spitze. Seine Unerschrockenheit, seine
Freimthigkeit, seine grenzenlose Gutherzigkeit, seine Statur, welche
die gewhnlicher Menschen hoch berragte, und die Krperkraft, welche er
im Einzelkampfe entwickelte, hatten ihm die Zuneigung und Bewunderung
der Massen erworben. Es ist bemerkenswerth, da die Englnder ihn
allgemein als einen tapferen, geschickten und hochherzigen Feind
achteten und da er selbst in den rohesten Possen, welche von gemeinen
Comdianten in Smithfield aufgefhrt wurden, stets von den entehrenden
Beschuldigungen ausgenommen ward, welche man damals auf die irische
Nation zu schleudern gewohnt war.[102]

Doch solcher Mnner waren nicht viele in dem Hause der Gemeinen, das
sich zu Dublin versammelt hatte. Es ist kein Vorwurf fr die irische
Nation, eine Nation, welche seitdem ihr volles Contingent von beredten
und gebildeten Senatoren gestellt hat, wenn man sagt, da von allen
Parlamenten, welche je auf den britischen Inseln zusammengetreten sind,
Barebone's Parlament nicht ausgenommen, es dem von Jakob einberufenen am
meisten an den Eigenschaften gebrach, die eine Legislatur besitzen mu.
Die strenge Herrschaft einer feindlichen Kaste hatte die Geisteskrfte
des irischen Gentleman gelhmt. War er so glcklich Grundeigenthum zu
besitzen, so hatte er sein Leben in der Regel unter Jagd, Fischfang,
Trinkgelagen und Liebeshndeln mit seinen Unterthanen zugebracht. War
sein Vermgen confiscirt worden, so war er von Schlo zu Schlo und von
Htte zu Htte gewandert, um kleine Geldbeitrge zu erheben und auf
Kosten Anderer zu leben. Er hatte nie im Hause der Gemeinen gesessen,
hatte niemals thtigen Antheil an einer Wahl genommen, und war nie
Magistratsbeamter gewesen; kaum da er einmal Mitglied einer groen Jury
gewesen war. Daher fehlte es ihm an aller und jeder Erfahrung in
ffentlichen Angelegenheiten. Der englische Squire war zwar auch kein
besonders gelehrter und erleuchteter Politiker, aber im Vergleich mit
dem katholischen Squire von Munster oder Connaught war er ein Staatsmann
und Philosoph.

Die Parlamente Irland's hatten damals kein bestimmtes Versammlungslocal.
Sie kamen in der That so selten zusammen und gingen so bald wieder
auseinander, da es kaum der Mhe werth gewesen wre, einen Palast zu
ihrem ausschlielichen Gebrauche zu erbauen und einzurichten. Erst als
die hannversche Dynastie schon lange auf dem Throne sa, erstand in
College Green ein Senatshaus, das mit den schnsten Bauwerken von Inigo
Jones einen Vergleich aushlt. An der Stelle wo jetzt der Porticus und
die Kuppel der Four Courts auf den Liffey herniedersehen, stand
im siebzehnten Jahrhundert ein altes Gebude, das einst ein
Dominikanerkloster gewesen, seit der Reformation aber den Mnnern des
Gesetzes zur Benutzung angewiesen worden war und den Namen King's Inns
fhrte. Dieses Gebude war zur Aufnahme des Parlaments eingerichtet
worden. Am 7. Mai nahm Jakob, in knigliche Gewnder gekleidet und eine
Krone tragend, seinen Sitz auf dem Throne im Hause der Lords ein und
lie die Gemeinen vor die Schranken entbieten.[103]

Er sprach hierauf den Eingebornen Irland's seinen Dank dafr aus, da
sie treu zu ihm gehalten, als das Volk seiner anderen Knigreiche ihn
verlassen habe. Seinen Entschlu, alle religisen Disabilitten in allen
seinen Landen abzuschaffen, erklrte er fr unerschtterlich
feststehend. Er forderte das Haus auf, die Ansiedelungsacte in Erwgung
zu ziehen und die Beeintrchtigungen zu redressiren, ber welche die
alten Eigenthmer des Bodens sich zu beschweren Ursache htten. Zum
Schlu erkannte er in warmen Ausdrcken an, wie sehr er dem Knige von
Frankreich verpflichtet sei.[104]

Nach beendeter Thronrede ersuchte der Kanzler die Gemeinen, sich in ihre
Kammer zurck zu begeben und einen Sprecher zu whlen. Sie whlten den
Generalfiscal Nagle, und die Wahl wurde vom Knige besttigt.[105]

Die Gemeinen votirten nun zunchst Resolutionen, welche sowohl Jakob als
Ludwig innigen Dank darbrachten. Es wurde sogar vorgeschlagen, durch
eine Deputation Avaux eine Adresse berreichen zu lassen; der Sprecher
aber setzte die grobe Unziemlichkeit eines solchen Schrittes
auseinander, und sein Dazwischentreten hatte bei dieser Gelegenheit den
gewnschten Erfolg.[106] Sonst war jedoch das Haus selten geneigt, auf
Vernunftgrnde zu hren. Die Debatten waren eitel Geschrei und Tumult.
Der Richter Daly, ein Katholik, aber ein rechtschaffener und begabter
Mann, konnte nicht umhin, die Unschicklichkeit und Thorheit zu beklagen,
mit der die Mitglieder seiner Kirche das Werk der Gesetzgebung
betrieben. Diese Herren, sagte er, seien kein Parlament, sondern ein
bloer Pbelhaufen; sie glichen auf ein Haar den Fischern und
Gemsehndlern, welche in Neapel zu Ehren Masaniello's brllten und die
Mtzen emporwarfen. Es sei schmerzlich, ein Mitglied nach dem andren
tollen Unsinn ber seine Verluste schwatzen und nach dem geraubten
Vermgen schreien zu hren, whrend das Leben Aller und die
Unabhngigkeit des gemeinsamen Vaterlandes in Gefahr seien. Diese Worte
wurden privatim gesprochen, aber einige Ohrenblser hinterbrachten sie
den Gemeinen. Es brach ein heftiger Sturm los. Daly wurde vor die
Schranken gefordert, und es unterlag kaum einem Zweifel, da man mit
Strenge gegen ihn verfahren wrde. In dem Augenblicke aber als er die
Schwelle berschritt, strzte ein Mitglied mit dem Ausrufe herein: Gute
Nachrichten! Londonderry ist genommen! Das ganze Haus erhob sich, alle
Hte flogen in die Luft, und drei laute Hurrahs ertnten. Jedes Herz
wurde durch die frohe Botschaft zur Milde gestimmt. Niemand wollte in
einem solchen Augenblick etwas von Bestrafung hren. Der Befehl zu
Daly's Erscheinen wurde unter dem Rufe: Keine Unterwrfigkeit! keine
Unterwrfigkeit! wir verzeihen ihm! wieder aufgehoben. Wenige Stunden
spter erfuhr man, da Londonderry sich noch so hartnckig hielt wie je
zuvor. Dieser an sich unbedeutende Vorfall verdient erwhnt zu werden,
weil er beweist, wie sehr es dem Hause der Gemeinen an den Eigenschaften
fehlte, die in dem groen Rathe eines Landes gefunden werden mssen.
Und diese Versammlung, die weder Erfahrung noch wrdevollen Ernst, noch
Migung besa, sollte jetzt ber Fragen entscheiden, welche dem
Scharfsinne der grten Staatsmnner viel zu schaffen gemacht haben
wrden.[107]

    [Anmerkung 100: +King, III. 12+; +Memoirs of Ireland from the
    Restoration, 1716.+ Listen beider Huser findet man im Anhang zu
    King.]

    [Anmerkung 101: Beweise fr Plowden's Connection mit den Jesuiten
    fand ich in einem Briefbuche des Schatzamts unterm 12. Juni 1689.]

    [Anmerkung 102: +Sarsfield+, schrieb Avaux unterm 11.(21.)
    October 1689 an Louvois, +n'est pas un homme de la naissance de
    mylord Galloway+ (vermuthlich Galmoy) +ny de Makarty; mais c'est
    un gentilhomme distingu par son mrite, qui a plus de crdit dans
    ce royaume qu'aucun homme que je connaisse. Il a de la valeur,
    mais surtout de l'honneur et de la probit  toute preuve ...
    homme qui sera toujours  la tte de ses troupes, et qui en aura
    grand soin.+ -- Leslie sagt in seiner +Answer to King+, da die
    irischen Protestanten Sarsfield's Rechtschaffenheit und Ehre
    Gerechtigkeit widerfahren lieen. In der That wird Sarsfield
    selbst in rohen Possen, wie die +Royal Flight+, gebhrende
    Anerkennung zu Theil.]

    [Anmerkung 103: +Journal of the Parliament in Ireland, 1689.+ Der
    Leser darf nicht glauben, da dieses Tagebuch einen officiellen
    Character habe. Es ist eine bloe Compilation von einem
    protestantischen Pamphletisten und in London gedruckt.]

    [Anmerkung 104: +Life of James, II. 335.+]

    [Anmerkung 105: +Journal of the Parliament in Ireland.+]

    [Anmerkung 106: Avaux, 20. Mai (5. Juni) 1689.]

    [Anmerkung 107: +A True Account of the Present State of Ireland,
    by a Person that with Great Difficulty left Dublin, 1689+; Brief
    aus Dublin vom 12. Juni 1689; +Journal of the Parliament in
    Ireland.+]


[_Es wird eine Toleranzacte erlassen._] Jakob bestimmte sie zur
Beschlieung einer Acte, welche ihm und ihnen zur grten Ehre gereicht
haben wrde, htte man nicht zahlreiche Beweise dafr, da sie nur ein
todter Buchstabe sein sollte. Es war dies eine Acte, welche allen
christlichen Secten volle Gewissensfreiheit gewhrte. Bei dieser
Gelegenheit wurde eine Proklamation erlassen, welche in hochtrabenden
Worten dem englischen Volke ankndigte, da sein rechtmiger Knig
jetzt augenfllig die Verleumder widerlegt habe, welche ihn beschuldigt
htten, nur um eines einzelnen Zweckes willen Eifer fr die
Glaubensfreiheit erheuchelt zu haben. Wenn er im Herzen zur Verfolgung
geneigt wre, wrde er dann nicht die irischen Protestanten verfolgt
haben? Es fehle ihm weder an Macht noch an Herausforderungen dazu.
Dennoch habe er sowohl in Dublin, wo die Mitglieder seiner Kirche in der
Majoritt seien, wie auch in Westminster, wo sie in der Minoritt
gewesen, fest an den Grundstzen gehalten, die er in seiner viel
geschmhten Indulgenzerklrung ausgesprochen habe.[108] Zu seinem
Unglck brachte der nmliche Wind, der seine schnen Reden nach England
trug, zu gleicher Zeit auch den Beweis hinber, da seine Erklrungen
nicht aufrichtig waren. Ein einzelnes, eines Turgot oder Franklin
wrdiges Gesetz nahm sich gar zu lcherlich aus inmitten einer Menge von
Gesetzen, die einem Gardiner oder Alva Schande gemacht haben wrden.

    [Anmerkung 108: +Life of James, II. 361--363.+ Es wird dort
    gesagt, die Proklamation sei ohne Vorwissen Jakob's erlassen
    worden, er habe sie aber nachher gebilligt. Siehe Melwood's
    +Answer to the Declaration, 1689.+]


[_Acte zur Confiscation des Eigenthums der Protestanten._] Ein
nothwendiger Vorlufer zu dem groen Beraubungs- und Mordwerke, das
die Gesetzgeber von Dublin beabsichtigten, war eine Acte, welche die
Autoritt annullirte, die das englische Parlament als hchste Legislatur
wie als hchster Appellhof bisher ber Irland ausgebt hatte.[109]
Diese Acte wurde rasch angenommen und ihr folgten in schneller
Aufeinanderfolge Confiscationen und Proscriptionen in gigantischem
Mastabe. Das persnliche Vermgen der Abwesenden,[110] welche ber
siebzehn Jahr alt waren, wurde dem Knige zugeschrieben. Wenn man sich
in solcher Weise an Laieneigenthum vergriff, so stand nicht zu erwarten,
da die Dotationen, welche im Widerspruch mit jedem gesunden Prinzip an
die Kirche der Minoritt verschwendet worden waren, geschont werden
wrden. Diese Dotationen ohne Nachtheil fr bestehende Interessen zu
verringern, wrde eine Reform gewesen sein, die eines guten Frsten und
eines guten Parlaments wrdig gewesen wre. Aber eine solche Reform
gengte den rachschtigen Bigotten nicht, welche in King's Inns saen.
Durch eine summarische Acte wurde der grte Theil der Zehnten von der
protestantischen auf die katholische Geistlichkeit bertragen, und die
bisherigen Inhaber ohne einen Farthing Entschdigung dem Hungertode
preis gegeben.[111] Ferner wurde eine Bill, welche die Ansiedlungsacte
aufhob und viele tausend Quadratmeilen Landes von schsischen auf
celtische Grundeigenthmer bertrug, eingebracht und durch Acclamation
angenommen.[112]

ber eine solche Gesetzgebung kann man nicht streng genug urtheilen;
aber fr die Gesetzgeber lassen sich Entschuldigungen anfhren, welche
der Geschichtschreiber zu erwhnen verpflichtet ist. Sie handelten
unbarmherzig, ungerecht und unklug; aber es wre ungereimt, wollte man
Erbarmen, Gerechtigkeit oder Weisheit von einer Klasse von Menschen
erwarten, welche erst durch jahrelange Unterdrckung erniedrigt und dann
durch die Freude ber ihre pltzliche Erlsung der Besinnung beraubt und
mit unwiderstehlicher Macht bewaffnet worden war. Die Vertreter der
irischen Nation waren, mit wenigen Ausnahmen, roh und unwissend. Sie
hatten in einem Zustande bestndiger Gereiztheit gelebt, mit
aristokratischen Gefhlen hatten sie eine knechtische Stellung
eingenommen, mit dem hchsten Geburtsstolze waren sie tagtglich
Beleidigungen ausgesetzt gewesen, die den Zorn des geringsten Plebejers
gereizt haben wrden. Angesichts der Felder und Schlsser, die sie als
ihr Eigenthum betrachteten, hatten sie froh sein mssen, wenn ein Bauer
sie einlud, seine Milch- und Kartoffelmahlzeit zu theilen. Die heftigen
Regungen von Ha und Habsucht, welche die Lage des eingebornen Gentleman
fast nothwendig hervorrufen mute, erschienen ihm in dem glnzenden
Gewande des Patriotismus und der Frmmigkeit. Denn seine Feinde waren
die Feinde seiner Nation, und die nmliche Tyrannei, welche ihn seines
Erbes beraubt, hatte auch seine Kirche des groen Reichthums beraubt,
den die Frmmigkeit einer frheren Zeit ihr gespendet. Welchen Gebrauch
der Gewalt konnte man von einem ungebildeten und unerfahrenen Manne
erwarten, der von heftigen Wnschen und Rachegelsten erfllt war,
welche er irrig fr heilige Pflichten ansah? Und was konnte man von
einer Versammlung von einigen Hundert solcher Leute anders erwarten,
als da die Leidenschaften, welche jeder Einzelne so lange im Stillen
genhrt hatte, durch den Einflu der Sympathie pltzlich zu einer
furchtbaren Kraftuerung heranreifen wrden?

Jakob hatte mit seinem Parlamente wenig mehr gemein als den Ha gegen
die protestantische Religion. Er war ein Englnder. Der Aberglaube hatte
nicht alles Nationalgefhl in seinem Herzen vllig erstickt und das
belwollen, womit seine celtischen Anhnger den Volksstamm betrachteten,
dem er entsprossen war, mute ihm nothwendig mifallen. Der
Gesichtskreis seines Verstandes war klein. Da er jedoch in England
regiert hatte und fortwhrend dem Tage entgegensah, wo er wieder in
England regieren wrde, war es unmglich, da er den Horizont seiner
Politik nicht mehr erweiterte als Diejenigen, welche nichts Andres als
nur Irland im Auge hatten. Die wenigen irischen Protestanten, die ihm
noch anhingen, und die britischen Edelleute, protestantische sowohl als
katholische, die ihn ins Exil begleitet hatten, baten ihn dringend, die
Heftigkeit des raubgierigen und rachschtigen Parlaments zu zgeln, das
er zusammenberufen hatte. Ganz besonders drangen sie in ihn, da er die
Aufhebung der Ansiedlungsacte nicht zugeben solle. Mit welcher
Sicherheit, fragten sie, knne Jemand sein Geld anlegen oder seinen
Kindern einen Vermgensantheil zuschreiben, wenn er sich nicht auf
bestimmte Gesetze und auf einen jahrelangen ununterbrochenen Besitz
verlassen knne? Die militrischen Abenteurer, unter welche Cromwell den
Grund und Boden vertheilt, knnten vielleicht als Unrechthandelnde
betrachtet werden. Aber ein wie groer Theil ihrer Gter sei durch
rechtsgltigen Kauf in andere Hnde bergegangen! Wieviel Geld htten
die Grundbesitzer auf Hypothek, auf gesetzmige, gerichtlich vidimirte
Verschreibung geliehen! Wie viele Kapitalisten seien im Vertrauen auf
gesetzliche Bestimmungen und knigliche Versprechungen von England
herbergekommen und htten ohne die mindeste Besorgni wegen des
Rechtstitels in Ulster und Leinster Land gekauft! Welche Summen htten
diese Kapitalisten whrend eines Vierteljahrhunderts auf Bauten,
Drainirungen, Einhegungen und Anpflanzungen verwendet! Die Bedingungen
des von Karl II. sanctionirten Compromisses mchten allerdings wohl
nicht in jeder Beziehung gerecht sein; aber sollte eine Ungerechtigkeit
durch eine noch monstrsere Ungerechtigkeit wieder gut gemacht werden?
Und welchen Eindruck wrde voraussichtlich in England der Wehschrei von
Tausenden unschuldiger englischer Familien hervorrufen, die ein
englischer Knig zu Grunde gerichtet? Die Klagen einer solchen Masse von
Duldern knnten die Restauration, der jeder loyale Unterthan mit
Sehnsucht entgegensehe, verzgern, ja ganz verhindern, und selbst wenn
Se. Majestt trotz dieser Klagen glcklich wieder eingesetzt werden
sollte, wrde er doch bis ans Ende seines Lebens die nachtheiligen
Folgen der Ungerechtigkeit verspren, zu deren Ausbung ihn schlimme
Rathgeber jetzt drngten. Er wrde finden, da er durch den Versuch eine
Klasse von Unzufriedenen zu beschwichtigen, eine andre geschaffen habe.
Wenn er in Dublin dem Geschrei nach Aufhebung der Ansiedlungsacte
nachgbe, wrde er sicherlich von dem Augenblicke an, wo er nach
Westminster zurckkehre, mit einem eben so lauten und beharrlichen
Geschrei nach Widerrufung dieser Aufhebung bestrmt werden. Er msse
doch wohl einsehen, da kein auch noch so loyales englisches Parlament
solche Gesetze fortbestehen lassen knne, wie sie jetzt vom irischen
Parlament erlassen wrden. Sei er entschlossen, die Partei Irland's
gegen die allgemeine Stimme England's zu ergreifen? Wenn dies wre, so
knnte er sich nur auf eine abermalige Verbannung und Entsetzung gefat
machen. Oder wolle er, wenn er das grere Knigreich wieder habe, die
Geschenke zurcknehmen, durch die er sich in seiner Noth die Hilfe des
kleineren erkauft habe? Die bloe Vermuthung, da er den Gedanken an
eine solche unfrstliche und unmnnliche Perfidie hegen knne, msse
schon als eine Beleidigung gegen ihn erscheinen. Allein was wrde ihm
Andres brig bleiben? Und sei es nicht besser fr ihn, er verweigere
jetzt unbillige Zugestndnisse, als da er diese Zugestndnisse nachher
in einer Weise widerrufe, die ihm Vorwrfe zuziehen wrden, welche einem
edlen Character unertrglich sein mten? Seine Lage sei allerdings
kritisch; aber in diesem, wie in anderen Fllen, werde es sich zeigen,
da der Pfad der Gerechtigkeit auch der Pfad der Weisheit sei.[113]

Obgleich sich Jakob in seiner Rede bei Erffnung der Session gegen die
Ansiedlungsacte erklrt hatte, sah er doch ein, da diese Argumente
unwiderleglich waren. Er hatte mehrere Conferenzen mit den leitenden
Mitgliedern des Hauses der Gemeinen und empfahl dringend Migung. Aber
seine Vorstellungen stachelten die Leidenschaften, die er beschwichtigen
wollte, nur noch mehr auf. Viele Mitglieder der eingebornen Gentry
fhrten eine laute und heftige Sprache. Es sei unverschmt, sagten sie,
von Rechten der Kufer zu sprechen. Wie knne Recht aus Unrecht
hervorgehen? Leute, welche unrechtmig erworbenes Eigenthum kaufen
knnten, mten auch die Folgen ihrer Thorheit und Habsucht tragen. Es
lag klar am Tage, da das Unterhaus vllig unlenksam war. Vier Jahre
frher hatte Jakob sich geweigert, dem dienstwilligsten Parlamente, das
jemals in England getagt, das geringste Zugestndni zu machen, und man
htte erwarten sollen, da die Hartnckigkeit, an der es ihm nie
gefehlt, wenn sie ein Laster war, ihm auch jetzt nicht fehlen wrde, wo
sie eine Tugend gewesen wre. Eine kurze Zeit lang schien er wirklich
entschlossen, gerecht zu handeln. Er sprach sogar davon, das Parlament
aufzulsen. Auf der andren Seite erklrten die Hupter der alten
celtischen Familien ganz ffentlich, da sie, wenn er ihnen ihr Erbe
nicht zurckgebe, nicht fr das seinige fechten wrden. Seine eigenen
Soldaten schmhten ihn in den Straen von Dublin. Endlich beschlo er,
sich, nicht mit Knigsmantel und Krone, sondern in der Kleidung, in
welcher er frher den Berathungen zu Westminster beizuwohnen pflegte,
selbst ins Haus der Peers zu begeben und persnlich die Lords zu
ersuchen, die Heftigkeit der Gemeinen zu zgeln. Aber als er eben zu
diesem Zwecke in seinen Wagen steigen wollte, wurde er von Avaux
zurckgehalten. Avaux nahm sich so eifrig wie nur irgend ein Irlnder
der Bills an, deren Einbringung die Gemeinen betrieben. Es war ihm
genug, da diese Bills Aussicht darauf erffneten, die Feindschaft
zwischen England und Irland unvershnlich zu machen. Seine Vorstellungen
bewogen Jakob, sich der offenen Opposition gegen die Aufhebung der
Ansiedlungsacte zu enthalten. Indessen nhrte der unglckliche Frst
doch noch immer eine schwache Hoffnung, da das Gesetz, dessen Annahme
die Gemeinen so eifrig wnschten, von den Peers verworfen oder
wenigstens modificirt werden wrde. Lord Granard, einer von den wenigen
protestantischen Edelleuten, welche in diesem Parlamente saen,
verwendete sich energisch zu Gunsten des ffentlichen Vertrauens und der
vernnftigen Politik. Der Knig lie ihm seinen Dank dafr aussprechen.
Wir Protestanten, sagte Granard zu Powis, der im Auftrage des Knigs
zu ihm kam, sind gering an Zahl. Wir knnen wenig thun. Se. Majestt
sollte seinen Einflu bei den Katholiken aufbieten. -- Se. Majestt,
entgegnete Powis mit einem Schwure, wagt nicht zu sagen was er denkt.
Wenige Tage darauf begegnete Jakob Lord Granard, als dieser eben nach
dem Parlamentshause ritt. Wohin wollen Sie, Mylord? fragte der Knig.
Sire, antwortete Granard, ich will meinen Protest gegen die Aufhebung
der Ansiedlungsacte einreichen. -- Sie haben Recht, versetzte der
Knig, aber ich bin in die Hnde von Leuten gefallen, die mir das und
noch vieles Andre aufzwingen werden.[114]

Jakob fgte sich dem Willen der Gemeinen; aber der ungnstige Eindruck,
den sein kurzer und schwacher Widerstand auf sie gemacht, war durch
seine Unterwerfung nicht zu verwischen. Sie betrachteten ihn mit groem
Mitrauen, sie waren berzeugt, da er im Herzen ein Englnder sei und
es verging kein Tag ohne ein Anzeichen von dieser Gesinnung. Sie
beeilten sich nicht, ihm eine Gelduntersttzung zu bewilligen. Eine
Partei unter ihnen beabsichtigte eine Adresse, die ihn dringend
auffordern sollte, Melfort als einen Feind ihrer Nation zu entlassen.
Eine andre Partei entwarf eine Bill zur Absetzung aller protestantischen
Bischfe, selbst der vier, welche damals gerade im Parlamente saen.
Nicht ohne Mhe gelang es Avaux und Tyrconnel, deren Einflu im
Unterhause den des Knigs bei weitem berwog, den Eifer der Majoritt zu
dmpfen.[115]

    [Anmerkung 109: +Light to the Blind+; +An Act declaring that the
    Parliament of England cannot bind Ireland against Writs of Error
    and Appeals+, gedruckt in London, 1690.]

    [Anmerkung 110: Das heit derjenigen Irlnder, welche nicht in
    ihrem Vaterlande wohnten. -- Der bersetzer.]

    [Anmerkung 111: +An Act concerning Appropriate Tythes and other
    Duties payable to Eclesiastical Dignitaries. London 1690.+]

    [Anmerkung 112: +An Act for repealing the Acts of Settlement and
    Explanation, and all Grants, and Certificates pursuant to them or
    any of them. London 1690.+]

    [Anmerkung 113: Siehe die Schrift, welche der Oberrichter Keating
    dem Knig Jakob berreichte, und die Rede des Bischofs von Meath.
    Beide befinden sich im Anhange zu King. +Life of James, II.
    357--361.+]

    [Anmerkung 114: +Leslie's Answer to King+; Avaux, 26. Mai
    (3.Juni) 1689; +Life of James, II. 358.+]

    [Anmerkung 115: Avaux, 28. Mai (7. Juni) und 30. Juni (10. Juli).
    Der Verfasser von +Light to the Blind+ verwirft entschieden die
    den protestantischen Bischfen, welche Jakob anhingen, bewiesene
    Nachsicht.]

[_Prgung schlechten Geldes._] Es ist bemerkenswerth, da der Knig,
whrend er das Vertrauen und die Zuneigung der irischen Gemeinen dadurch
verlor, da er auf der einen Seite die Institution des Eigenthums
schwach gegen sie vertheidigte, auf einer andren Seite diese Institution
mit einer Rcksichtslosigkeit angriff, welche womglich noch strker war
als die ihrige. Er sah bald, da kein Geld in seinen Schatz flo.
Die Ursache war augenfllig genug. Mit dem Handel war es vorbei. Das
bewegliche Kapital war in groen Massen aus der Insel weggezogen worden;
von dem festen Kapital war viel zerstrt, und das brige lag todt da.
Tausende von den Protestanten, welche den betriebsamsten und
intelligentesten Theil der Bevlkerung bildeten, waren nach England
ausgewandert. Tausend Andere hatten sich in die Stdte geflchtet, die
sich noch fr Wilhelm und Marien tapfer hielten. Von den in der Blthe
des Lebens stehenden katholischen Landleuten war die Mehrzahl in die
Armee eingetreten oder hatte sich Plndererhorden angeschlossen. Die
Armuth des Schatzes war die nothwendige Folge der Armuth des Landes;
dem ffentlichen Wohlstande konnte nur durch Wiederherstellung des
Privatwohlstandes aufgeholfen werden, und der Privatwohlstand konnte nur
durch Jahre der Ruhe und Sicherheit wiederhergestellt werden. Jakob war
einfltig genug zu glauben, da es ein rascheres und wirksameres Mittel
gebe. Er glaubte sich ganz einfach dadurch mit einem Male aus seinen
finanziellen Verlegenheiten reien zu knnen, da er einen Farthing
einen Schilling nannte. Das Recht, Geld zu schlagen, war unstreitig eine
Perle der Prrogative, und seiner Ansicht nach schlo das Recht, Geld zu
schlagen, auch das Recht in sich, die Mnzen zu verschlechtern. Tpfe,
Pfannen, Thrhmmer, Kanonen, welche seit langer Zeit unbrauchbar waren,
wurden in die Mnze geschickt, und in Kurzem waren Massen geringhaltigen
Geldes im Nominalwerthe von einer Million Pfund Sterling, die aber in
Wirklichkeit nicht den sechsten Theil dieser Summe werth waren, in
Circulation gesetzt. Ein knigliches Edict erklrte diese Mnzen als
gesetzliches Zahlungsmittel bei allen Vorkommnissen. Eine Hypothek von
tausend Pfund wurde durch einen Sack voll Rechenpfennige, die aus alten
Kesseln verfertigt waren, abgelst. Den Glubigern, die sich beim
Kanzleigerichtshofe beschwerten, sagte Fitton, sie sollten ihr Geld
nehmen und stillschweigen. Von allen Klassen aber hatten die
Kleinhndler von Dublin, welche grtentheils Protestanten waren, die
schwersten Verluste. Zuerst erhhten sie natrlich ihre Preise; aber die
Magistratsbehrde der Stadt begegnete dieser ketzerischen Machination
durch Ausgabe eines die Preise regulirenden Tarifs. Jeder, der der jetzt
dominirenden Kaste angehrte, konnte in einen Laden gehen, ein drei
Pence werthes Geldstck auf den Ladentisch legen und dafr Waaren im
Werthe von einer halben Guinee mitnehmen. Von gesetzlicher Abhilfe war
keine Rede. Die Leidenden schtzten sich sogar glcklich, wenn sie durch
Aufopferung ihres Geschftsvermgens Sicherheit fr ihre Glieder und ihr
Leben erkaufen konnten. Es gab keinen Bckerladen in der Stadt, der
nicht bestndig von zwanzig bis dreiig Soldaten belagert gewesen wre.
Einige Personen, die das schlechte Geld nicht nehmen wollten, wurden von
Soldaten festgenommen und vor den Generalprofo gefhrt, der sie mit
Flchen und Verwnschungen berhufte, sie in dunkle Zellen einsperren
lie und durch die Drohung, sie an ihren eigenen Thren aufhngen zu
wollen, ihren Widerstand bald besiegte. Von allen Plagen der damaligen
Zeit machte keine einen tieferen und nachhaltigeren Eindruck auf die
Gemther der Protestanten Dublin's als die Plage des Kupfergeldes.[116]
Den Erinnerungen an die Bestrzung und Noth, welche Jakob's Mnzen
verursacht hatten, mu zum Theil der beharrliche Widerstand
zugeschrieben werden, den fnfunddreiig Jahre spter zahlreiche, dem
Hause Hannover treuergebene Klassen in der Angelegenheit des Wood'schen
Patents der Regierung Georg's I. entgegensetzten.

Es kann nicht bestritten werden, da Jakob, indem er so aus eigner
Machtvollkommenheit die Bedingungen aller Contracte im ganzen
Knigreiche umstrzte, sich eine Befugni anmate, welche nur der
gesammten Legislatur zukam. Dennoch remonstrirten die Gemeinen
nicht dagegen. Es gab keine Befugni, mochte sie auch noch so
verfassungswidrig sein, die sie ihm nicht zuzugestehen bereit waren,
so lange er sie zur Mihandlung und Ausplnderung der englischen
Bevlkerung anwendete. Dagegen respectirten sie keine auch noch so
alte, noch so gesetzliche und noch so heilsame Prrogative, wenn sie
besorgten, da er sich derselben bedienen knnte, um die verabscheute
Race zu beschtzen. Sie ruhten nicht eher, als bis sie ihm die mit
Widerstreben ertheilte Genehmigung eines emprenden Gesetzes, eines
Gesetzes, das in der Geschichte der civilisirten Lnder seines Gleichen
nicht hat, der groen Verurtheilungsacte (+Bill of attainder+) erpret
hatten.

    [Anmerkung 116: +King, III. 11+; +Brief Memoirs by Haynes, Assay
    Master of the Mint+, unter den Lansdownmanuscripten im britischen
    Museum, Nr. 801. Ich habe mehrere solche Mnzen gesehen. Die
    Ausfhrung ist, in Bercksichtigung aller Umstnde, berraschend
    gut.]


[_Die groe Verurtheilungsacte._] Es wurde eine Liste zusammengestellt,
welche zwischen zwei- und dreitausend Namen enthielt. An der Spitze
standen die Hlfte der Peers von Irland. Dann kamen Baronets, Ritter,
Geistliche, Squires, Kaufleute, Landwirthe, Handwerker, Frauen und
Kinder. Eine Untersuchung fand nicht statt. Jedes Mitglied, das sich
eines Glubigers, eines Nebenbuhlers, eines Privatfeindes entledigen
wollte, gab dem Sekretr den Namen an, und er wurde in der Regel ohne
Discussion in die Liste eingetragen. Die einzige Debatte, von der eine
Nachricht auf uns gekommen ist, bezog sich auf den Earl von Strafford.
Er hatte Freunde im Hause, die es wagten, etwas zu seinen Gunsten
anzufhren. Doch wenige Worte aus dem Munde Simon Luttrell's entschieden
die Sache. Ich habe, sagte er, den Knig einige harte uerungen ber
diesen Lord thun hren. Dies wurde fr gengend erachtet, und der Name
Strafford nimmt in der langen Liste der Proscribirten die fnfte Stelle
ein.[117]

Es wurden bestimmte Tage festgesetzt, bis zu welchen Diejenigen, deren
Namen auf der Liste standen, sich einer Justiz stellen muten, wie sie
damals gegen die englischen Protestanten in Dublin ausgebt wurde.
Befand sich die proscribirte Person in Irland, so mute sie sich am 10.
August stellen. War sie seit dem 5. November 1688 von Irland abwesend,
so mute sie sich am 1. September stellen. Hatte sie Irland vor dem 5.
November 1688 verlassen, so mute sie sich am 1. October stellen.
Erschien sie an dem festgesetzten Tage nicht, so sollte sie ohne Proze
aufgehngt, geschleift und geviertheilt und ihr Vermgen confiscirt
werden. Es konnte einem Proscribirten physisch unmglich sein, sich bis
zu der durch die Acte festgesetzten Zeit zu stellen. Er konnte
bettlgerig sein, er konnte sich in Westindien aufhalten oder er konnte
im Gefngni sitzen. Solche Flle waren in der That notorisch vorhanden.
Unter den verurtheilten Lords befand sich auch Mountjoy. Er war durch
Tyrconnel's Niedertrchtigkeit bewogen worden, vertrauensvoll nach
Saint-Germains zu gehen, war in die Bastille geworfen worden, wo er noch
sa, und das irische Parlament schmte sich nicht zu verfgen, da, wenn
er nicht binnen wenigen Wochen aus seiner Zelle entkommen und sich in
Dublin stellen knne, er hingerichtet werden solle.[118]

Da man nicht einmal vorgab, da die Schuld der so Gechteten untersucht
worden sei, da nicht ein Einziger unter ihnen zu seiner Vertheidigung
angehrt worden war, und da es ausgemacht war, da es Vielen physisch
unmglich sein wrde, rechtzeitig zu erscheinen, so lag es auf der Hand,
da nur eine umfassende Ausbung des kniglichen Begnadigungsrechts die
Verbung von so haarstrubenden Ungerechtigkeiten verhten konnte, die
selbst in der traurigen Geschichte der irlndischen Wirren ohne Beispiel
dastehen. Daher beschlossen die Gemeinen, da das knigliche
Begnadigungsrecht beschrnkt werden solle. Es wurden verschiedene
Formalitten ersonnen, welche die Erlangung von Begnadigungen erschweren
und kostspielig machen sollten, und schlielich wurde verordnet, da
jede Begnadigung, die Se. Majestt nach dem letzten November 1689 irgend
einer der vielen Hundert ohne Proze zum Tode verurtheilten Personen zu
Theil werden liee, durchaus ungltig und wirkungslos sein sollte. Sir
Richard Nagle erschien im Ornate vor den Lords und berreichte die Bill
mit einer der Gelegenheit wrdigen Rede. Viele von den hier
Proscribirten, sagte er, sind durch uns gengende Beweise als
Verrther berfhrt. In Betreff der Anderen haben wir den allgemeinen
Ruf, in dem sie stehen, fr magebend erachtet.[119] Die Liste war mit
so rcksichtsloser Barbarei zusammengestellt, da selbst fanatische
Royalisten, die zu der nmlichen Zeit ihr Vermgen, ihre Freiheit und
ihr Leben fr Jakob auf's Spiel setzten, nicht sicher vor der
Proscription waren. Der gelehrteste Mann, dessen die jakobitische Partei
sich rhmen konnte, war Heinrich Dodwell, Camdenianischer Professor an
der Universitt Oxford. In der Vertheidigung der erblichen Monarchie
scheute er kein Opfer und keine Gefahr. Mit Bezug auf ihn sprach Wilhelm
die denkwrdigen Worte aus: Er hat sich vorgenommen ein Mrtyrer zu
werden, und ich habe mir vorgenommen, sein Vorhaben zu vereiteln. Aber
Jakob war gegen Freunde grausamer als Wilhelm gegen Feinde. Dodwell war
Protestant und besa etwas Grundeigenthum in Connaught; diese Verbrechen
waren hinreichend, um ihn in die lange Liste Derer aufzunehmen, welche
zum Galgen und zum Viertheilen verurtheilt waren.[120]

Da Jakob seine Zustimmung zu einer Bill geben werde, die ihm das
Begnadigungsrecht entzog, hielten viele Leute fr unmglich. Er war vier
Jahre frher lieber mit dem loyalsten Parlamente zerfallen, als da er
eine Prrogative aufgegeben htte, die ihm nicht einmal gehrte. Es lie
sich daher wohl erwarten, da er jetzt Alles daran setzen wrde, um eine
Prrogative zu behalten, die seine Vorgnger seit dem Bestehen der
Monarchie zu allen Zeiten besessen hatten und die von den Whigs niemals
bestritten worden war. Die strenge Miene und die erhobene Stimme, womit
er die Torygentlemen zurechtgewiesen, die ihn in der Sprache der
tiefsten Ehrerbietung und der innigsten Zuneigung beschworen, sich der
Beobachtung der Gesetze nicht zu entziehen, wrden jetzt an ihrem Platze
gewesen sein. Er htte wohl sehen knnen, da der rechte Weg der
weiseste war. Htte er bei dieser hochwichtigen Gelegenheit den Muth
gehabt, zu erklren, da er unschuldiges Blut nicht vergieen und selbst
bezglich der Schuldigen sich des Rechts nicht entuern wolle, die
Verurtheilungen durch Gnade zu mildern, so wrde er in England mehr
Herzen gewonnen haben, als er in Irland verloren htte. Aber sein
Unstern wollte jederzeit, da er widerstand, wo er htte nachgeben
sollen, und da er nachgab, wo er htte widerstehen sollen. Das
abscheulichste aller Gesetze erhielt seine Sanction, und seine Schuld
wird nur sehr wenig dadurch gemildert, da er diese Sanction mit einigem
Widerstreben gab.

Damit nichts fehlen mchte, um dieses groe Verbrechen vollkommen zu
machen, war man sorgfltig darauf bedacht zu verhten, da die
verurtheilten Personen ihre Verurtheilung frher als nach Ablauf der in
der Acte festgesetzten Gnadenfrist erfuhren. Die Liste der Namen wurde
nicht verffentlicht, sondern in Fitton's Cabinet sorgfltig
verschlossen gehalten. Einige Protestanten, die es noch mit Jakob
hielten, aber gern wissen wollten, ob einer ihrer Freunde oder
Verwandten proscribirt war, gaben sich alle mgliche Mhe, um Einsicht
in die Liste zu erlangen; aber Bitten, Vorstellungen und selbst
Bestechungen waren erfolglos. Nicht ein einziges Exemplar kam ins
Publikum, bis es fr die Tausende, welche ohne Proze verurtheilt waren,
zu spt war, Begnadigung zu erlangen.[121]

    [Anmerkung 117: +King III. 12.+]

    [Anmerkung 118: +An Act for the Attainder of divers Rebels and for
    preserving the Interest of loyal Subjects, London 1690.+]

    [Anmerkung 119: +King III. 13.+]

    [Anmerkung 120: Sein Name steht in der ersten Columne auf Seite 30
    derjenigen Ausgabe der Liste, welche am 26. Mrz 1690 die
    Druckerlaubni erhielt. Ich hatte geglaubt, der Proscribirte msse
    ein andrer Heinrich Dodwell gewesen sein. Aber Bischof Kennet's
    zweiter Brief an den Bischof von Carlisle vom Jahre 1716 hebt
    jeden Zweifel ber diesen Gegenstand.]

    [Anmerkung 121: +A list of most of the Names of the Nobility,
    Gentry and Commonalty of England and Ireland (amongst whom are
    several Women and Children) who are all, by an Act of a Pretended
    Parliament assembled in Dublin, attainted of High Treason, 1699+;
    +An Account of the Transactions of the late King James in Ireland,
    1690+; +King, III. 13+; +Memoirs of Ireland 1716+.]


[_Jakob prorogirt sein Parlament._] Gegen Ende des Monats Juli
prorogirte Jakob die beiden Huser. Sie waren aber zehn Wochen
versammelt gewesen, und whrend dieses Zeitraums hatten sie auf das
Vollstndigste bewiesen, da, so gro auch die bel gewesen sind, welche
das bergewicht der Protestanten in Irland hervorgerufen, die durch das
bergewicht der Papisten erzeugten bel noch grer gewesen sein wrden.
Da die Colonisten, als sie den Sieg errungen hatten, ihn grblich
mibrauchten und da ihre Gesetzgebung viele Jahre lang ungerecht und
tyrannisch war, ist sehr wahr. Aber nicht minder wahr ist es, da sie
das entsetzliche Beispiel, das ihr besiegter Feind whrend des kurzen
Zeitraums gab, wo er im Besitz der Macht war, nie ganz erreichten.


[_Verfolgung der Protestanten in Irland._] In der That, whrend Jakob
sich laut rhmte, ein Gesetz erlassen zu haben, das allen
Religionsgesellschaften vllige Gewissensfreiheit gewhrte, wthete in
allen Provinzen, die seine Autoritt anerkannten, eine eben so grausame
Verfolgung wie die im Languedoc. Diejenigen, welche eine Entschuldigung
fr ihn zu finden wnschten, sagten, da fast alle Protestanten, die
sich noch in Munster, Connaught und Leinster aufhielten, seine Feinde
seien und da er sie nicht als Schismatiker, sondern als Rebellen von
Gesinnung, denen es nur an einer Gelegenheit fehlte, Rebellen der That
zu werden, der Unterdrckung und Beraubung preis gebe, und dieser
Entschuldigung htte man einiges Gewicht zugestehen knnen, wenn er sich
ernstlich bemht htte, die wenigen Colonisten zu beschtzen, welche
zwar dem reformirten Glauben treu anhingen, aber doch noch immer an den
Lehren vom Nichtwiderstande und von dem unveruerlichen Erbrechte
festhielten. Aber selbst diese ergebenen Royalisten sollten erfahren,
da ihre Ketzerei in seinen Augen ein Verbrechen war, das durch keine
Dienste und durch keine Opfer geshnt werden konnte. Einige Cavaliere,
Mitglieder der anglikanischen Kirche, die ihn in Irland willkommen
geheien und in seinem Parlamente gesessen hatten, stellten ihm vor,
da, wenn die Verordnung, welche jedem Protestanten den Besitz irgend
einer Waffe verbot, streng durchgefhrt werden sollte, ihre Landhuser
den Rapparees preisgegeben sein wrden, und erlangten von ihm die
Erlaubni, soviel Waffen behalten zu drften, als sie fr einige Diener
brauchten. Allein Avaux machte Gegenvorstellungen. Die Erlaubni, sagte
er, werde grblich gemibraucht, man drfe diesen protestantischen Lords
nicht trauen, sie verwandelten ihre Huser in Festungen, und Se.
Majestt werde bald Ursache haben, seine Gte zu bereuen. Diese
Vorstellungen gewannen die Oberhand und es wurden katholische Truppen in
den verdchtigen Wohnungen einquartiert.[122]

Noch hrter war das Loos derjenigen protestantischen Geistlichen, welche
mit verzweifelter Treue der Sache des Gesalbten des Herrn anhingen. Von
allen anglikanischen Geistlichen scheint Cartwright derjenige gewesen zu
sein, der sich der Gewogenheit Jakob's im bedeutendsten Mae erfreute.
Ob Cartwright lange htte ein Gnstling bleiben knnen, ohne Apostat zu
werden, steht zu bezweifeln. Er starb wenige Wochen nach seiner Ankunft
in Irland, und von diesem Augenblicke an besa seine Kirche keinen
Verfechter ihrer Sache mehr. Indessen fuhren einige von ihren Prlaten
und Priestern noch fort diejenigen Lehren zu predigen, die sie in den
Tagen der Ausschlieungsbill gepredigt hatten. Aber sie verrichteten
ihre Functionen mit Gefahr ihres Lebens oder ihrer Glieder. Jeder, der
einen Priesterrock trug, war eine Zielscheibe fr die Beleidigungen und
Gewaltthtigkeiten der Soldaten und Rapparees. In der Provinz wurde sein
Haus geplndert, und er konnte von Glck sagen, wenn es ihm nicht ber
dem Kopfe angezndet wurde. In den Straen von Dublin wurde er mit dem
Rufe verfolgt: Da geht so ein Teufel von Ketzer! Bald wurde er zu
Boden geschlagen, bald mit Stockprgeln regalirt.[123] Die Vorsteher der
Universitt zu Dublin, welche in der anglikanischen Lehre vom passiven
Gehorsam erzogen waren, hatten Jakob bei seiner ersten Ankunft im
Schlosse begrt und von ihm die Zusicherung erhalten, da er sie im
Genusse ihres Eigenthums und ihrer Vorrechte schtzen werde. Sie wurden
jetzt, ohne Proze, ohne Anklage, aus ihrem Hause geworfen. Die
Communiongerthe der Kapelle, die Bcher der Bibliothek, ja selbst die
Sthle und Betten der Collegiaten wurden weggenommen. Ein Theil des
Gebudes wurde in ein Magazin, ein andrer in eine Kaserne, ein dritter
in ein Gefngni verwandelt. Simon Luttrell, welcher Gouverneur der
Hauptstadt war, wurde mit groer Mhe und nur durch mchtige Frsprache
bewogen, die vertriebenen Fellows und Studenten ungehindert abziehen
zu lassen. Er gestattete ihnen endlich in Freiheit zu bleiben unter
der Bedingung, da bei Todesstrafe nicht drei von ihnen sich
versammelten.[124] Kein protestantischer Geistlicher wurde hrter
betroffen als Doctor Wilhelm King, Dechant zu St. Patrick. Er hatte sich
seit langer Zeit durch die glhende Begeisterung ausgezeichnet, mit der
er die Pflicht des passiven Gehorsams selbst gegen die schlechtesten
Regenten eingeschrft. Zu einer spteren Zeit, als er eine Vertheidigung
der Revolution geschrieben und von der neuen Regierung eine Mitra
angenommen hatte, erinnerte man ihn daran, da er die gttliche Rache
auf die Usurpatoren herabgerufen und erklrt hatte, lieber hundert Mal
den Tod erleiden zu wollen, ehe er der Sache des erblichen Rechts untreu
wrde. Er hatte gesagt, da die wahre Religion wohl oft durch Verfolgung
gekrftigt worden sei, aber nie durch Rebellion gekrftigt werden knne,
da der Tag, an welchem ein ganzer Karren voll von Geistlichen der
Kirche von England fr die Lehre vom Nichtwiderstande zum Galgen ginge,
ein glorreicher Tag fr diese Kirche sein wrde, und da es sein
hchster Ehrgeiz sei, zu einer solchen Gesellschaft zu gehren.[125] Es
ist nicht unwahrscheinlich, da er, als er dies sagte, auch dachte wie
er sprach. Aber wenn auch seine Grundstze vielleicht gegen die Strenge
und die Versprechungen Wilhelm's Stand gehalten haben wrden, gegen
Jakob's Undankbarkeit waren sie nicht probefest. Die menschliche Natur
machte endlich ihre Rechte geltend. Nachdem King von der Regierung,
deren fester Anhnger er war, zu wiederholten Malen ins Gefngni
geworfen, nachdem er in seiner eignen Kirche von den Soldaten insultirt
und bedroht, nachdem ihm untersagt worden, auf seinem Kirchhofe zu
begraben und auf seiner Kanzel zu predigen, nachdem er einem auf der
Strae gegen ihn abgefeuerten Flintenschusse kaum mit dem Leben
entronnen war, fing er an, die whiggistische Regierungstheorie fr
weniger unvernnftig und unchristlich zu halten, als sie ihm frher
vorgekommen war, und er berredete sich, da die unterdrckte Kirche mit
Fug und Recht die Befreiung annehmen drfe, wenn es Gott gefiele, ihr
solche, gleichviel durch welche Mittel, zu senden.

    [Anmerkung 122: Avaux, 27. Juli (6. August) 1689.]

    [Anmerkung 123: +King's State of the Protestants in Ireland, III.
    19.+]

    [Anmerkung 124: +King's State of the Protestants in Ireland, III.
    15.+]

    [Anmerkung 125: +Leslie's Answer to King.+]


[_Wirkung der aus Irland kommenden Nachrichten in England._] Es zeigte
sich bald, da Jakob wohlgethan haben wrde, wenn er auf diejenigen
Rathgeber gehrt htte, die ihm gesagt hatten, die Maregeln, durch
welche er sich in einem seiner drei Knigreiche beliebt zu machen
versuchte, wrden ihn in den anderen verhat machen. Es war in mancher
Hinsicht ein Glck fr England, da er, nachdem er aufgehrt hatte,
daselbst zu regieren, noch ber ein Jahr in Irland regierte. Auf die
Revolution war ein Umschwung der ffentlichen Meinung zu seinen Gunsten
gefolgt. Htte diese Reaction ihren ungestrten Fortgang genommen, so
wrde sie vielleicht angehalten haben, bis er wieder Knig war; aber sie
wurde durch ihn selbst gewaltsam unterbrochen. Er wollte sein Volk
nichts vergessen und nichts hoffen lassen; whrend es sich bemhte,
Entschuldigungen fr seine vergangenen Fehler aufzufinden, und sich
einzureden suchte, da er nicht wieder in diese Fehler verfallen werde,
zwang er den Leuten gegen ihren Willen die berzeugung auf, da er
unverbesserlich sei, da die hrtesten Strafen des Migeschicks ihn
nichts gelehrt, und da, wenn sie schwach genug sein sollten, ihn
zurckzurufen, sie ihn bald wieder wrden absetzen mssen. Umsonst
schrieben die Jakobiten Pamphlets ber die Grausamkeit, mit der er von
seinen nchsten Blutsverwandten behandelt worden sei, ber den
herrschschtigen Character und die schroffen Manieren Wilhelm's, ber
die den Hollndern zu Theil gewordenen Begnstigungen, ber die
drckenden Abgaben, ber die Suspension der Habeas-Corpusacte und ber
die Gefahren, welche der Kirche von Seiten der Feindschaft der Puritaner
und der Latitudinarier drohten. Jakob widerlegte diese Pamphlete viel
wirksamer als die gewandtesten und beredtesten whiggistischen
Schriftsteller zusammengenommen es vermocht haben wrden. Jede Woche kam
die Nachricht, da er eine neue Acte zur Beraubung oder Ermordung der
Protestanten erlassen hatte. Jeder Colonist, dem es gelang, von Leinster
ber das Meer nach Holyhead oder Bristol zu entkommen, brachte
entsetzliche Berichte mit von der Tyrannei, unter der seine
Glaubensbrder seufzten. Welchen Eindruck diese Berichte auf die
Protestanten unsrer Insel machten, kann man leicht aus der Thatsache
schlieen, da sie den Unwillen Ronquillo's, eines Spaniers und bigotten
Mitgliedes der rmischen Kirche, erregten. Er schrieb seinem Hofe, da,
obwohl die englischen Gesetze gegen den Papismus streng erscheinen
mchten, sie doch durch die Besonnenheit und Humanitt der Regierung so
sehr gemildert wrden, da sie ruhigen Leuten nicht lstig fielen, und
er versicherte dem heiligen Stuhle, da die Leiden eines Katholiken in
London nichts seien im Vergleich zu den Leiden eines Protestanten in
Irland.[126]

Die englischen Flchtlinge fanden in England herzliche Theilnahme und
freigebige Untersttzung. Viele wurden in den Husern von Freunden oder
Verwandten aufgenommen; viele Andere aber verdankten die Mittel zu ihrem
Unterhalt der Freigebigkeit von Fremden. Unter Denen, die sich an diesem
Werke der Barmherzigkeit betheiligten, trug Niemand in reicherem Mae
und mit weniger Ostentation dazu bei als die Knigin. Das Haus der
Gemeinen stellte dem Knige funfzehntausend Pfund zur Untersttzung
derjenigen Flchtlinge zur Verfgung, die derselben am dringendsten
bedurften, und ersuchte ihn, den zum Militrdienste Befhigten
Offizierspatente in der Armee zu geben.[127] Auch wurde eine Acte
erlassen, welche bepfrndete Geistliche, die aus Irland entflohen waren,
zur Anstellung in England befhigt erklrte.[128] Doch die Theilnahme,
welche die Nation diesen unglcklichen Gsten schenkte, war lau im
Vergleich zu der Theilnahme, welche derjenige Theil der schsischen
Colonie erweckte, der in Ulster noch immer einen verzweifelten Kampf
gegen eine erdrckende bermacht unterhielt. ber diesen Gegenstand lie
sich auf unsrer Insel kaum eine einzige abweichende Stimme vernehmen.
Whigs und Tories, ja selbst diejenigen Jakobiten, in denen der
Jakobitismus noch nicht alles patriotische Gefhl erstickt hatte,
priesen den Ruhm von Enniskillen und Londonderry. Das ganze Haus der
Gemeinen war eines Sinnes. Es ist jetzt nicht Zeit, die Kosten zu
berechnen, sagte der wackere Birch, der sich noch sehr wohl der Art der
Kriegfhrung Olivers gegen die Irlnder erinnerte. Sollen wir diese
braven Leute in Londonderry im Stich lassen? Wird nicht die ganze Welt
Schimpf und Schande ber uns rufen, wenn wir sie dem Untergange preis
geben? Man hat die Einfahrt in den Flu versperrt! Warum haben wir den
Sperrbaum nicht lngst zertrmmert? Sollen unsere Brder fast angesichts
England's, wenige Stunden Wegs von unseren Ksten umkommen?[129] Howe,
der Heftigste der einen Partei, erklrte, da die Herzen des Volks fr
Irland schlgen. Seymour, das Haupt der andren Partei, erklrte, da,
obwohl er an der Einsetzung der neuen Regierung nicht Theil genommen,
er sie von Herzen gern in Allem, was zur Erhaltung Irland's fr nthig
erachtet werden mchte, untersttzen werde.[130] Die Gemeinen ernannten
einen Ausschu, der die Ursache der Verzgerungen und Fehlgriffe
untersuchen sollte, welche den englischen Bewohnern von Ulster fast zum
Verderben gereicht htten. Die Offiziere, deren Verrtherei oder
Feigheit das Publikum die Calamitten Londonderry's zuschrieb, wurden
gefnglich eingezogen. Lundy wurde in den Tower, Cunningham in das Gate
House geschickt. Die ffentliche Aufregung wurde einigermaen
beschwichtigt durch die Ankndigung, da noch vor Ablauf des Sommers
eine Armee von hinreichender Strke, um das englische bergewicht
wiederherzustellen, ber den St. Georgskanal geschickt und da Schomberg
das Commando erhalten sollte. Vor der Hand wurde ein Armeecorps, das man
zum Entsatz von Londonderry fr gengend hielt, unter Kirke's Commando
von Liverpool abgesandt. Die finstre Hartnckigkeit, mit der dieser
Mann, trotz kniglicher Bitten, an seinem Glauben festgehalten, und der
Antheil, den er an der Revolution genommen, hatten ihm vielleicht
Anspruch auf eine Amnestie fr frhere Verbrechen verschafft. Aber es
ist schwer zu begreifen, warum die Regierung zu einem Posten von
hchster Wichtigkeit einen Offizier whlte, der allgemein und mit Recht
verhat war, der nie ein eminentes Feldherrntalent gezeigt und der, in
Afrika sowohl wie in England, unter seinen Soldaten erwiesenermaen eine
nicht nur die Humanitt emprende, sondern auch mit der Disciplin
unvertrgliche Zgellosigkeit geduldet hatte.

    [Anmerkung 126: +En comparazion de lo que se hace in Irlanda con
    los Protestantes, es nada.+ 29. April (9.Mai) 1689. -- +Para
    que vea Su Santitad que aqui estan los Catolicos mas benignamente
    tratados que les Protestantes in Irlanda.+ 19.(29.) Juni.]

    [Anmerkung 127: +Commons' Journals, June 15. 1689.+]

    [Anmerkung 128: +Stat. 1 W. & M. sess. I. c. 29.+]

    [Anmerkung 129: +Grey's Debates, June 19. 1689.+]

    [Anmerkung 130: +Ibid. June 22. 1689.+]


[_Thaten der Enniskillener._] Am 16. Mai wurden Kirke's Truppen
eingeschifft, und am 20. gingen sie unter Segel; aber widrige Winde
verzgerten die berfahrt und zwangen das Geschwader, lange vor der
Insel Man liegen zu bleiben. Unterdessen vertheidigten sich die
Protestanten von Ulster mit unerschtterlichem Muthe gegen eine groe
bermacht. Die Enniskillener hatten nicht aufgehrt, einen energischen
Parteikrieg gegen die eingeborne Bevlkerung zu fhren. Anfangs Mai
marschirten sie einem starken Truppencorps aus Connaught entgegen, das
in Donegal eingefallen war. Die Irlnder wurden bald geschlagen und
flohen mit einem Verlust von hundertzwanzig Todten und sechzig
Gefangenen nach Sligo. Zwei kleine Geschtze und mehrere Pferde fielen
den Siegern in die Hnde. Durch diesen Sieg ermuthigt, fielen die
Enniskillener bald darauf in die Grafschaft Cavan ein, trieben
funfzehnhundert Mann von Jakob's Truppen vor sich her, nahmen und
zerstrten das Schlo Ballincarrig, das fr das festeste in diesem
Theile des Knigreichs galt, und nahmen die Piken und Gewehre der
Besatzung mit sich. Der nchste Einfall erfolgte in Meath. Hier wurden
dreitausend Rinder und zweitausend Schafe mit fortgefhrt und auf der
kleinen Insel des Ernesees in Sicherheit gebracht. Diese khnen Thaten
verbreiteten Schrecken bis vor die Thore Dublin's. Der Oberst Hugo
Sutherland erhielt Befehl, mit einem Regiment Dragonern und zwei
Regimentern Infanterie gegen Enniskillen zu marschiren. Er nahm Waffen
fr das eingeborne Landvolk mit und Viele schlossen sich seiner Fahne
an. Die Enniskillener marschirten ihm entgegen. Er nahm jedoch keine
Schlacht an, sondern zog sich zurck und lie seine Vorrthe unter der
Obhut eines Detachements von dreihundert Soldaten in Belturbet. Die
Protestanten griffen Belturbet krftig an, besetzten ein hochgelegenes
Haus, das die Stadt beherrschte, und erffneten von hier aus ein so
wirksames Feuer, da nach Verlauf von zwei Stunden die Besatzung sich
ergab. Siebenhundert Flinten, eine bedeutende Quantitt Schiepulver,
eine Menge Pferde, viele Scke Zwieback und viele Fsser Mehl wurden
erbeutet und nach Enniskillen geschickt. Die Bte, welche diese
werthvolle Beute brachten, wurden freudig bewillkommnet. Die Besorgni
vor einer Hungersnoth war dadurch beseitigt. Whrend die eingeborne
Bevlkerung in vielen Grafschaften, wahrscheinlich in der Erwartung, da
sich das Maraudiren als eine unerschpfliche Hilfsquelle erweisen werde,
die Bodencultur vllig vernachlssigte, hatten die Colonisten, treu dem
vorsorgenden und betriebsamen Character ihres Stammes, mitten im Kriege
nicht versumt, den Boden in der Umgebung ihrer Besten sorgfltig zu
bebauen. Die Ernte war jetzt nicht mehr fern und bis zur Ernte reichten
die dem Feinde abgenommenen Lebensmittel vollkommen aus.[131]

    [Anmerkung 131: +Hamilton's True Relation+; +Mac Cormick's Further
    Account+. Von der Insel im Allgemeinen sagt Avaux: +On n'attend
    rien de cette recolte cy, les paysans ayant presque tous pris les
    armes.+ -- Brief an Louvois vom 19.(29.) Mrz 1689.]


[_Noth in Londonderry._] Doch inmitten des Sieges und des berflusses
wurden die Enniskillener von ngstlicher Besorgni um Londonderry
geqult. Sie waren mit den Vertheidigern dieser Stadt nicht allein durch
religise und nationale Sympathie, sondern auch durch ein gemeinsames
Interesse verbunden. Denn es konnte keinem Zweifel unterliegen, da,
wenn Londonderry fiel, die ganze irische Armee augenblicklich mit
unwiderstehlicher Macht gegen den Ernesee vorrcken wrde. Doch was
konnte man thun? Einige tapfere Mnner waren dafr, einen verzweifelten
Versuch zum Entsatz der belagerten Stadt zu machen; aber die bermacht
war zu gro. Es wurden indessen Detachements abgesandt, welche die
Nachhut des Belagerungsheeres beunruhigten, die Zufuhren abschnitten und
einmal die Pferde von drei ganzen Reitertrupps wegnahmen.[132] Die
Postenkette aber, welche Londonderry auf der Landseite einschlo, war
noch nicht durchbrochen, und auch der Flu war noch immer versperrt und
sorgfltig bewacht. In der Stadt war die Noth auf's hchste gestiegen.
Schon am 8. Juni war fast kein andres Fleisch mehr zu haben als
Pferdefleisch und selbst davon war der Vorrath nur gering. Dem Mangel
mute mit Talg abgeholfen werden, und auch dieser wurde mit karger Hand
vertheilt.

    [Anmerkung 132: +Hamilton's True Account.+]


[_Ankunft des Expeditionscorps unter Kirke im Foylesee._] Am 15. Juni
zeigte sich ein Schimmer von Hoffnung. Die Schildwachen auf dem Thurme
der Kathedrale erblickten in einer Entfernung von neun Meilen Segel in
der Bucht des Foylesees. Man zhlte dreiig Fahrzeuge verschiedener
Gre. Man gab auf den Thrmen Signale, welche von den Mastspitzen
erwiedert, aber auf beiden Seiten nur unvollkommen verstanden wurden.
Endlich umging ein Bote von der Flotte die irischen Schildwachen,
schwamm unter dem Sperrbaum hindurch, und benachrichtigte die Besatzung,
da Kirke mit Truppen, Waffen, Munition und Lebensmitteln zum Entsatz
der Stadt aus England angelangt sei.[133]

Mit der ngstlichsten Spannung harrte man in Londonderry der kommenden
Dinge; aber auf wenige Stunden fieberhafter Freude folgten Wochen des
grten Elends. Kirke hielt es nicht fr gerathen, weder zu Lande noch
zu Wasser einen Angriff auf die feindlichen Linien zu unternehmen und
zog sich an die Einfahrt des Foylesees zurck, wo er mehrere Wochen
unthtig vor Anker lag.

Jetzt steigerte sich die Hungersnoth mit jedem Tage. Alle Huser der
Stadt wurden auf das Genaueste durchsucht, und einige Lebensmittel,
welche von Leuten, die seitdem gestorben oder geflchtet, in den Kellern
verborgen worden waren, wurden entdeckt und in die Magazine geschafft.
Der Vorrath von Kanonenkugeln war fast erschpft, und man bediente sich
anstatt derselben schon mit Blei berzogener Backsteine. Krankheiten
stellten sich, wie immer, im Gefolge des Hungers ein. An einem Tage
starben funfzehn Offiziere am Fieber und der Gouverneur Baker selbst
gehrte zu Denen, die der Krankheit erlagen. Seine Stelle wurde durch
den Obersten Johann Mitchelburne ersetzt.[134]

Inzwischen wurde es in Dublin bekannt, da Kirke mit seinem Geschwader
an der Kste von Ulster lag. Die Bestrzung war gro im Schlosse. Schon
vor dem Eintreffen dieser Nachricht hatte Avaux sich dahin
ausgesprochen, da Richard Hamilton den Schwierigkeiten der Situation
nicht gewachsen sei. Es war daher beschlossen worden, da Rosen den
Oberbefehl bernehmen sollte, und er war unverzglich nach dem
Kriegsschauplatze abgegangen.[135]

    [Anmerkung 133: Walker.]

    [Anmerkung 134: Walker und Mackenzie.]

    [Anmerkung 135: Avaux, 16.(26.) Juni 1689.]


[_Grausamkeit Rosen's._] Am 19. Juni kam er im Hauptquartier des
Belagerungsheeres an. Zuerst versuchte er die Wlle zu unterminiren;
aber sein Vorhaben wurde entdeckt und er gezwungen, es nach einem
hitzigen Gefecht, in welchem ber hundert seiner Leute fielen, wieder
aufzugeben. Jetzt stieg seine Wuth auf eine unglaubliche Hhe. Er, ein
alter Soldat, ein zuknftiger Marschall von Frankreich, in der Schule
der grten Generle erzogen und seit vielen Jahren an eine
kunstgerechte Kriegfhrung gewhnt, sollte sich von einem Hausen von
Landjunkern, Pchtern und Krmern beschmen lassen, welche nur durch
einen Wall geschtzt waren, den jeder gute Ingenieur auf den ersten
Blick fr unhaltbar erklren mute! Er tobte und fluchte in einer nur
ihm eigenen Sprache, zusammengesetzt aus allen Dialecten, welche vom
baltischen bis zum atlantischen Meere gesprochen wurden. Er wollte die
Stadt der Erde gleich machen, kein lebendes Wesen sollte geschont
werden, nichts, selbst die Mdchen und Suglinge nicht. Fr die Anfhrer
sei der Tod eine zu milde Strafe, die sollten gefoltert und lebendig
gebraten werden. In seiner Wuth lie er eine Bombe mit einem Schreiben,
das eine furchtbare Drohung enthielt, in die Stadt werfen. Er sagte
darin, er werde alle Protestanten, welche zwischen Charlemont und dem
Meere auf ihren Wohnsitzen geblieben wren, Greise, Frauen und Kinder,
von denen viele durch Bande des Blutes und der Freundschaft den
Vertheidigern von Londonderry nahe standen, zu einem Haufen
zusammentreiben. Kein Schutz, von welcher Autoritt er auch ausgehen
mge, solle respectirt werden. Die so zusammengeholte Menge solle unter
die Mauern von Londonderry getrieben und hier angesichts ihrer
Landsleute, ihrer Freunde und ihrer Verwandten, dem Hungertode preis
gegeben werden. Dies war keine leere Drohung. Es wurden sofort nach
allen Richtungen hin Truppenabtheilungen entsendet, um Schlachtopfer
herbeizuholen. Am Morgen des 2. Juli bei Tagesanbruch wurden Hunderte
von Protestanten, welche keines Vergehens beschuldigt, welche unfhig
waren Waffen zu tragen und von denen viele Schutzbriefe besaen, welche
Jakob selbst ihnen gewhrt hatte, vor die Thore der Stadt geschleppt.
Man hoffte, der jammervolle Anblick werde den Muth der Colonisten
brechen; aber er brachte keine andre Wirkung hervor, als da er ihren
Muth zu noch grerer Energie aufstachelte. Es wurde auf der Stelle ein
Tagesbefehl erlassen, da Niemand, bei Todesstrafe, das Wort bergabe
aussprechen solle, und Keiner sprach dieses Wort aus. Es befanden sich
mehrere Gefangene hohen Ranges in der Stadt. Sie waren bis dahin gut
behandelt worden und hatten die nmlichen Rationen erhalten, wie die
Besatzung. Jetzt wurden sie in strenge Haft gebracht. Auf einer der
Bastionen wurde ein Galgen errichtet und an Rosen ein Schreiben gesandt,
das ihn aufforderte, sogleich einen Beichtvater in die Stadt zu
schicken, der seine Freunde zum Tode vorbereiten sollte. Die Gefangenen
schrieben ihrerseits in groer Angst an den wilden Lieflnder, erhielten
aber keine Antwort. Hierauf wendeten sie sich an ihren Landsmann,
Richard Hamilton. Sie seien bereit, sagten sie, fr ihren Knig ihr Blut
zu vergieen, aber es scheine ihnen hart, in Folge der Barbarei ihrer
eigenen Waffengefhrten den schimpflichen Tod der Diebe zu sterben.
Hamilton war, obwohl ein Mann von laxen Grundstzen, nicht grausam.
Rosen's Unmenschlichkeit hatte seinen tiefen Abscheu erregt, da er aber
nur der Zweite im Commando war, so durfte er es nicht wagen, Alles offen
auszusprechen was er dachte. Er machte jedoch energische Vorstellungen.
Einige irische Offiziere fhlten bei dieser Gelegenheit wie es braven
Mnnern ziemte, und erklrten unter Thrnen des Mitleids und Unwillens,
da sie zeitlebens das Geschrei der unglcklichen Frauen und Kinder
hren wrden, welche mit der Lanzenspitze herbeigetrieben worden waren,
um zwischen dem Lager und der Stadt Hungers zu sterben. Rosen beharrte
zweimalvierundzwanzig Stunden in seinem Plane, viele unglckliche
Geschpfe kamen in dieser Zeit um; aber Londonderry hielt sich so tapfer
als je, und er sah ein, da sein Verbrechen nur Ha und Schmhungen
erzeugen werde. So gab er endlich nach und lie die noch Lebenden wieder
abziehen. Die Besatzung entfernte in Folge dessen alsbald den Galgen,
der auf der Bastion errichtet worden war.[136]

Als die Nachricht von diesen Vorgngen nach Dublin gelangte, entsetzte
sich Jakob, obwohl durchaus nicht zum Mitleid geneigt, ber eine
Grausamkeit, von der die Brgerkriege England's noch kein Beispiel
aufzuweisen hatten, und vernahm mit groem Mifallen, da von ihm
gewhrte und mit seinem Ehrenwort verbrgte Schutzbriefe ffentlich fr
null und nichtig erklrt worden waren. Er beklagte sich darber gegen
den franzsischen Gesandten und uerte mit einer durch die Gelegenheit
vollkommen gerechtfertigten Entrstung, da Rosen ein barbarischer
Moskowiter sei. Melfort konnte sich nicht enthalten hinzuzusetzen, da,
wenn Rosen ein Englnder gewesen wre, er gehngt worden sein wrde.
Avaux begriff diese weibische Sentimentalitt nicht. Seiner Ansicht nach
war durchaus nichts Verwerfliches geschehen, und es wurde ihm schwer
sich zu beherrschen, als er den Knig und den Sekretr einen Act
heilsamer Strenge in starken Ausdrcken tadeln hrte.[137] Der
franzsische Gesandte und der franzsische General waren einander in der
That wrdig. In der ueren Erscheinung und den Manieren war allerdings
ein groer Unterschied zwischen dem hbschen, eleganten und
feingebildeten Diplomaten, dessen Gewandtheit und Liebenswrdigkeit an
den elegantesten Hfen Europa's in hohem Rufe gestanden, und dem
militrischen Abenteurer, dessen Aussehen und Stimme Alle, die mit ihm
in Berhrung kamen, daran erinnerte, da er in einem halbwilden Lande
geboren war, da er sich vom gemeinen Soldaten emporgeschwungen hatte
und da er einmal wegen Marodirens zum Tode verurtheilt worden war.

Rosen wurde nach Dublin zurckberufen, und Richard Hamilton erhielt
wieder den Oberbefehl. Er versuchte mildere Mittel als die, welche
seinem Vorgnger so harten Tadel zugezogen. Keine List, keine Lge, von
der sich erwarten lie, da sie die ausgehungerte Garnison entmuthigen
wrde, ward gespart. Eines Tages erscholl durch das ganze irische Lager
ein allgemeines Freudengeschrei. Die Vertheidiger von Londonderry
erfuhren bald, da die Armee Jakob's wegen des Falles von Enniskillen in
so freudiger Aufregung sei. Man sagte ihnen, da sie nun keine Aussicht
auf Entsatz mehr htten, und ermahnte sie durch Kapituliren ihr Leben zu
retten. Sie willigten ein zu unterhandeln. Allein sie verlangten freien
Abzug unter Waffen und in militrischer Ordnung zu Wasser oder zu Lande
nach ihrer Wahl. Fr die Einhaltung dieser Bedingungen verlangten sie
Geiseln und bestanden darauf, da diese Geiseln auf die im Foylesee
liegende Flotte gebracht werden sollten. Auf solche Bedingungen durfte
Hamilton nicht eingehen; die Gouverneurs aber wollten davon nichts
nachlassen; die Unterhandlung wurde abgebrochen und der Kampf begann von
neuem.[138]

    [Anmerkung 136: +Walker+; +Mackenzie+; +Light to die Blind, King,
    III. 13+; +Leslie's Answer to King+; +Life of James, II. 366.+ Ich
    mu sagen, da King bei dieser Gelegenheit ungerecht gegen Jakob
    ist.]

    [Anmerkung 137: +Leslie's Answer to King+; Avaux, 5.(15.) Juli
    1689. +Je trouvay l'expression bien forte: mais je ne voulois
    rien rpondre, car le Roy s'estoit desja fort emport.+]

    [Anmerkung 138: Mackenzie.]


[_Die Hungersnoth in Londonderry steigt auf's Hchste._] So war
inzwischen der Juli weit vorgerckt und die Lage der Stadt wurde von
Stunde zu Stunde frchterlicher. Die Einwohner waren mehr durch Hunger
und Krankheit, als durch das feindliche Feuer gelichtet worden. Doch war
dieses Feuer jetzt heftiger und anhaltender als je. Eines der Thore und
eine der Bastionen waren in Trmmer geschossen, aber die am Tage
gemachten Breschen wurden des Nachts mit rastloser Thtigkeit wieder
ausgebessert und jeder Angriff noch immer zurckgeschlagen. Aber die
kmpfende Mannschaft der Besatzung war so erschpft, da sie sich kaum
noch auf den Fen halten konnte. Einige fielen im Gefecht gegen den
Feind aus bloer Schwche zu Boden. Es war nur noch ein ganz kleines
Quantum Getreide vorhanden, das mundvollweise vertheilt wurde. Dagegen
hatte man einen betrchtlichen Vorrath gesalzener Hute, und durch Nagen
an denselben beschwichtigte die Garnison die Qualen des Hungers. Hunde,
mit dem Blute der Gefallenen gemstet, welche unbeerdigt rings um die
Stadt lagen, waren ein Luxus, den nur Wenige bezahlen konnten. Der Preis
einer einzigen Pfote war fnf Schilling sechs Pence. Neun Pferde waren
noch am Leben, aber eben nur noch am Leben. Sie waren so abgemagert, da
man nur wenig Fleisch von ihnen zu erhalten hoffen durfte. Man beschlo
jedoch sie zu schlachten, um sie zu verzehren. Die Leute starben so
massenhaft, da es den berlebenden unmglich war, sie ordentlich zu
begraben. Es gab kaum einen Keller, in dem nicht ein Leichnam verweste.
Die Noth war so grlich, da man auf die Ratten, welche in diese
grauenvollen Hhlen kamen, um zu schmausen, eifrig Jagd machte und sie
gierig verschlang. Ein im Flusse gefangener kleiner Fisch war nicht mit
Geld zu erkaufen; der einzige Preis, fr den ein solcher Schatz zu
erlangen war, waren einige Hndevoll Hafermehl. Der Aussatz, wie er
durch ungewohnte und ungesunde Kost erzeugt wird, machte das Leben zu
einer fortwhrenden Qual. Die ganze Stadt wurde durch den Gestank
verpestet, den die Krper der Todten und Halbtodten verbreiteten.
Da unter Leuten, welche solches Elend erduldeten, Beispiele von
Unzufriedenheit und Insubordination vorkamen, war unvermeidlich. Einmal
hatte man Walker in dem Verdachte, da er irgendwo Lebensmittel
versteckt halte und im Geheimen schwelge, whrend er Andere ermahnte,
fr die gute Sache muthig zu leiden. Eine genaue Durchsuchung seines
Hauses erwies seine vollkommene Unschuld; er erlangte seine Popularitt
wieder, und die Garnison, mit dem Tode vor Augen, drngte sich nach der
Kathedrale, um ihn predigen zu hren, sog mit Wonne seine eindringlichen
Worte ein und verlie das Gotteshaus mit leichenhaften Gesichtern und
schwankenden Schritten, aber mit noch ungebrochenem Muthe. Es wurden
allerdings einige geheime Complotte geschmiedet; einige obscure
Verrther setzten sich mit dem Feinde in Verbindung. Aber solches
Treiben mute sorgfltig verborgen gehalten werden, und Niemand wagte
ffentlich andere Worte als Worte des Trotzes und der hartnckigen
Entschlossenheit auszusprechen. Selbst in dieser entsetzlichen Noth war
der allgemeine Ruf: Keine bergabe! Und es fehlte nicht an Stimmen,
welche leise hinzusetzten: Zuerst die Pferde und die Hute, dann die
Gefangenen, dann Einer den Andren! Es wurde spter halb scherzweise,
aber nicht ohne eine frchterliche Beimischung von Ernst erzhlt, da
ein wohlbeleibter Brger, dessen Krperumfang mit den ihn umgebenden
Skeletten seltsam contrastirte, es fr rathsam hielt, sich vor den
zahlreichen Augen zu verbergen, die ihn mit cannibalischen Blicken
verfolgten, sobald er sich auf der Strae zeigte.[139]

Die Leiden der Garnison wurden nicht wenig dadurch vermehrt, da die
englischen Schiffe whrend dieser ganzen Zeit weit drauen im Foylesee
zu sehen waren. Jede Communication zwischen der Flotte und der Stadt war
fast unmglich. Ein Taucher, der den Sperrbaum zu passiren versucht
hatte, war ertrunken. Ein Andrer wurde ergriffen und aufgehngt. Die
Signalsprache war kaum verstndlich. Am 13. Juli jedoch kam ein in einen
Rockknopf genhtes Stck Papier in Walker's Hnde. Es war ein Brief von
Kirke und enthielt die Zusicherung baldiger Erlsung. Aber mehr als
vierzehn Tage des grten Elends waren seitdem verstrichen, und die
Herzen auch der Sanguinischsten begannen zu verzweifeln. Keine Kunst
vermochte es einzurichten, da die Lebensmittel noch zwei Tage
ausreichten.[140]

    [Anmerkung 139: +Walker's Account.+ Der fette Mann in
    Londonderry wurde eine sprchwrtliche Bezeichnung fr eine
    Person, deren Wohlstand den Neid und die Habgier seiner minder
    glcklichen Nebenmenschen erweckte.]

    [Anmerkung 140: So lautete, nach Narcissus Luttrell, der Bericht
    des Kapitains Withers, eines Offiziers, der sich spter sehr
    auszeichnete und auf den Pope eine Grabschrift machte.]


[_Angriff auf den Sperrbaum._] Gerade in diesem Augenblicke erhielt
Kirke eine Depesche aus England mit dem bestimmten Befehl, Londonderry
zu entsetzen. In Folge dessen entschlo er sich endlich einen Versuch zu
machen, den er, soweit es sich beurtheilen lt, schon sechs Wochen
frher mit mindestens gleicher Aussicht auf Erfolg htte unternehmen
knnen.[141]

Unter den Kauffahrteischiffen, welche unter seinem Geleite in den
Foylesee gekommen waren, befand sich eines, welches der Mountjoy hie.
Der Patron desselben, Micajah Browning, gebrtig aus Londonderry, hatte
eine bedeutende Ladung Lebensmittel aus England mitgebracht. Er hatte
sich zu wiederholten Malen sehr nachdrcklich ber die Unthtigkeit des
Geschwaders ausgesprochen; endlich erbot er sich, den gefhrlichen
Versuch, seinen Mitbrgern Untersttzung zu bringen, zuerst zu
unternehmen, und sein Anerbieten wurde angenommen. Andreas Douglas,
Kapitain des Phnix, der eine groe Quantitt Mehl aus Schottland an
Bord hatte, erklrte sich bereit, die Gefahr und die Ehre zu theilen.
Die Fregatte Dartmouth von sechsunddreiig Kanonen, unter den Befehlen
des Kapitains Johann Leake, der spter ein berhmter Admiral wurde,
sollte die beiden Kauffahrer begleiten.

Es war der 30. Juli. Die Sonne war eben untergegangen, die Abendpredigt
in der Kathedrale war vorber und die muthlose Versammlung war
auseinandergegangen, als die Schildwachen auf dem Thurme die Segel der
drei Schiffe den Foyle heraufkommen sahen. Das irische Lager gerieth
bald in Alarm. Mehrere Meilen weit auf beiden Ufern des Flusses waren
die Belagerer auf den Beinen. Die Schiffe waren in der grten Gefahr,
denn der Wasserstand war niedrig und das einzige schiffbare Fahrwasser
zog sich sehr nahe am linken Ufer hin, wo sich das Hauptquartier des
Feindes befand und wo die Batterien am zahlreichsten waren. Leake
erfllte seine Pflicht mit einer Geschicklichkeit und einem Muthe, die
seines edlen Berufes wrdig waren, setzte seine Fregatte dem feindlichen
Feuer aus, um die Kauffahrer zu decken und lie seine Geschtze sehr
wirksam spielen. Endlich erreichte das kleine Geschwader die
gefhrlichste Stelle. Hier segelte der Mountjoy voran und fuhr gerade
auf den Sperrbaum los. Die mchtige Barrikade krachte und brach; aber
der Sto war so heftig gewesen, da der Mountjoy zurckprallte und im
Schlamme festsa. Ein Triumphgeschrei erscholl auf beiden Ufern und die
Irlnder eilten zu ihren Bten, um das gestrandete Schiff zu entern;
aber der Dartmouth schickte ihnen eine wohlgezielte Breitseite zu, die
sie in Unordnung brachte. In diesem Augenblicke fuhr der Phnix gegen
die Bresche an, welche der Mountjoy gemacht hatte, und war im Nu auf der
andren Seite der Sperrung. Mittlerweile stieg die Fluth rasch, der
Mountjoy wurde wieder flott und bald hatte auch er die zerbrochenen
Balken und schwimmenden Sparren wohlbehalten passirt. Aber sein wackerer
Kapitain war nicht mehr. Eine Kugel von einer der Batterien hatte ihn
getroffen, und er starb den beneidenswerthesten Tod, angesichts der
Stadt, die sein Geburts- und Wohnort war und die er so eben durch seinen
Muth und seine Selbstverleugnung von der frchterlichsten Art des
Unterganges gerettet hatte. Die Dunkelheit war schon vor dem Beginn des
Kampfes am Sperrbaum hereingebrochen; aber die abgemagerte,
geisterbleiche Menge, welche die Wlle der Stadt bedeckte, sah den Blitz
und hrte den Donner der Geschtze. Als der Mountjoy auf den Grund lief
und das Triumphgeschrei der Irlnder auf beiden Ufern ertnte, brach den
armen Belagerten das Herz. Einer, der die namenlose Angst jenes
Augenblicks ertragen hatte, erzhlt uns, da sie einander leichenbla
vor Entsetzen anstarrten. Und selbst nachdem die Barrikade passirt war,
durchlebten sie noch eine frchterliche halbe Stunde angstvoller
Ungewiheit. Es war zehn Uhr, als die Schiffe am Quai anlangten. Die
ganze Bevlkerung hatte sich hier versammelt, um sie zu bewillkommnen.
Eine Verschanzung von mit Erde gefllten Fssern wurde eiligst
errichtet, um den Landungsplatz vor den Batterien des andren Fluufers
zu schtzen, und dann ging es an's Ausladen. Zuerst wurden Fsser,
welche sechstausend Bushels Mehl enthielten, an's Ufer gerollt. Dann
kamen groe Kse, Tonnen voll Rindfleisch, Speckseiten, Kbel mit
Butter, Scke mit Erbsen, und Zwieback und Branntweingebinde. Einige
Stunden vorher war jedem der Kmpfer ein halbes Pfund Talg und
dreiviertel Pfund gesalzene Haut mit karger Genauigkeit zugewogen
worden. Die Ration, welche nun Jeder erhielt, bestand aus drei Pfund
Mehl, zwei Pfund Fleisch und einer Pinte Erbsen. Man kann leicht denken,
mit welchen Thrnen der Freude bei den Mahlzeiten dieses Abends das
Tischgebet gesprochen wurde. Von Schlaf war auf beiden Seiten des Walles
wenig die Rede. Die Freudenfeuer flackerten lustig den ganzen Wallgrtel
entlang. Die irischen Geschtze brllten die ganze Nacht durch, und die
ganze Nacht hindurch antworteten die Glocken der geretteten Stadt den
irischen Geschtzen mit herausforderndem Gelute. Auch noch den ganzen
31. Juli spielten die feindlichen Batterien. Aber bald nach
Sonnenuntergang sah man im Lager Flammen auflodern und als der Morgen
des 1. Augusts zu grauen begann, bezeichnete nur noch eine Reihe
rauchender Trmmer die Sttte, welche die Zelte der Belagerer krzlich
eingenommen, und die Brger sahen in weiter Ferne die lange Colonne von
Piken und Standarten, die sich das linke Ufer des Foyle entlang auf
Strabane zurckzog.[142]

    [Anmerkung 141: Die Depesche, welche Kirke den bestimmten Befehl
    brachte, den Sperrbaum anzugreifen, war von Schomberg
    unterzeichnet, der bereits zum Oberbefehlshaber smmtlicher
    englischen Streitkrfte in Irland ernannt war. Eine Abschrift
    davon befindet sich unter den Nairne'schen Manuscripten in der
    Bodlejanischen Bibliothek. Wodrow schreibt auf keine andre
    Autoritt hin als das Gerede einer Landgemeinde in Dumbartonshire,
    den Entsatz Londonderry's den Ermahnungen eines heldenmthigen
    schottischen Predigers, Namens Gordon zu. Ich mchte glauben,
    da ein peremtorischer Befehl von Schomberg weit mehr Einflu auf
    Kirke hatte, als die vereinte Beredtsamkeit einer ganzen Synode
    von presbyterianischen Geistlichen.]

    [Anmerkung 142: +Walker+; +Mackenzie+; +Histoire de la Revolution
    d'Irlande, Amsterdam 1691+; +London Gazette, Aug.5.(15.) 1689+;
    Brief von Buchan unter den Nairne'schen Manuscripten; +Life of Sir
    John Leake+; +The Londeriad+; +Observations on Mr. Walker's
    Account of the Siege of Londonderry, licensed Oct.4. 1689.+]


[_Die Belagerung von Londonderry aufgehoben._] So endete diese groe
Belagerung, die denkwrdigste in den Annalen der britischen Inseln.
Sie hatte hundertfnf Tage gedauert und die Garnison war von einem
Effectivbestande von ungefhr siebentausend Mann auf etwa dreitausend
reducirt worden. Der Verlust der Belagerer kann nicht genau angegeben
werden. Walker schtzte ihn auf achttausend Mann. Aus den Depeschen
Avaux' geht mit Gewiheit hervor, da die Regimenter, welche von der
Blokade zurckkehrten, dergestalt zusammengeschmolzen waren, da viele
von ihnen nicht mehr als zweihundert Mann zhlten. Von sechsunddreiig
franzsischen Artilleristen, welche die Kanonade geleitet hatten, waren
einunddreiig getdtet oder dienstunfhig gemacht.[143] Die Angriffs-
wie die Vertheidigungsmittel waren unzweifelhaft von der Art, da sie
die groen Heerfhrer des Continents zum Lachen gereizt haben wrden;
aber eben dieser Umstand verleiht der Geschichte des ganzen Kampfes ein
so eigenthmliches Interesse. Es war ein Kampf nicht zwischen
Ingenieuren, sondern zwischen zwei Nationen, und der Sieg blieb der
Nation, welche zwar an Zahl der andren nachstand, ihr aber in
Civilisation, in Fhigkeit zur Selbstherrschaft und in Beharrlichkeit
berlegen war.[144]

Sobald es bekannt wurde, da die irische Armee abgezogen war, eilte eine
Deputation aus der Stadt in den Foylesee und lud Kirke ein, das Commando
zu bernehmen. Er kam in Begleitung eines zahlreichen Gefolges von
Offizieren und wurde mit militrischem Geprnge von den beiden
Gouverneurs empfangen, welche ihm die Autoritt abtraten, die sie im
Drange der Nothwendigkeit auf sich genommen hatten. Er verweilte nur
wenige Tage, zeigte aber in dieser kurzen Zeit genug von den
unverbesserlichen Fehlern seines Characters, um sich die Achtung einer
durch strenge Moralitt und glhenden Gemeinsinn ausgezeichneten
Bevlkerung zu verscherzen. Es erfolgte jedoch kein offener Ausbruch,
denn die Stadt war in der heitersten Stimmung. Von der Flotte waren
solche Massen Lebensmittel gelandet worden, da in allen Husern ein nie
gekannter berschu herrschte. Wenige Tage vorher wre man froh gewesen,
wenn man fr zwanzig Pence einen Bissen halbverfaultes, von den Knochen
eines verhungerten Pferdes losgekratztes Fleisch bekommen htte. Jetzt
wurde ein Pfund Rindfleisch fr anderthalb Pence verkauft. Unterdessen
waren alle Hnde damit beschftigt, die nur leicht mit Erde bedeckten
Leichname zu entfernen, die Lcher auszufllen, welche die Bomben in den
Erdboden gerissen hatten, und die zerschossenen Dcher der Huser
auszubessern. Die Erinnerung an die berstandenen Gefahren und
Entbehrungen und das Bewutsein, sich um die englische Nation und um
alle protestantischen Kirchen verdient gemacht zu haben, erfllte die
Herzen der Bewohner mit einem ehrenwerthen Stolze. Dieser Stolz ward
noch erhht, als sie von Wilhelm ein Schreiben erhielten, welches in den
wohlwollendsten Ausdrcken die Verpflichtung anerkannte, die er den
wackeren und getreuen Brgern seiner guten Stadt schulde. Die ganze
Einwohnerschaft strmte nach dem Diamantplatze, um die knigliche
Zuschrift verlesen zu hren. Am Schlusse gaben smmtliche Kanonen auf
den Wllen eine Freudensalve, welche von allen auf dem Flusse liegenden
Schiffen erwiedert wurde, dann wurden Alefsser aufgeschlagen und unter
lautem Jubel und Gewehrsalven auf die Gesundheit Ihrer Majestten
getrunken.

Fnf Generationen sind seitdem vorbergegangen und noch immer ist den
Protestanten von Ulster der Wall von Londonderry das was die Trophe von
Marathon den Athenern war. Auf weite Entfernung den Foyle hinauf und
hinunter sieht man eine hohe Sule auf einer Bastion, welche viele
Wochen lang das heftigste Feuer des Feindes auszuhalten hatte. Auf der
Spitze dieser Sule steht die Statue Walker's, wie er zur Zeit der
letzten und furchtbarsten Noth durch seine Beredtsamkeit den sinkenden
Muth seiner Brder wieder belebte. In der einen Hand hlt er eine Bibel,
die andre zeigt hinaus auf den Flu und scheint die Blicke seiner
ausgehungerten Zuhrer auf die englischen Mastspitzen in der fernen
Bucht hinlenken zu wollen. Ein solches Denkmal war wohlverdient, doch
kaum nthig, denn die ganze Stadt ist bis auf diesen Tag ein Denkmal der
groen Befreiung. Der Wall ist sorgfltig erhalten und keine Rcksicht
der Gesundheit oder Zweckmigkeit wrde von den Einwohnern fr
ausreichend gehalten werden, um die Zerstrung dieser geheiligten Mauern
zu rechtfertigen, die in schlimmer Zeit ihrem Stamme und ihrer Religion
Schutz gewhrten.[145] Der Kamm der Festungswerke bildet einen
angenehmen Spaziergang. Die Bastionen sind in kleine Grten verwandelt,
und hier und da blicken unter den Blumen und Struchern die alten
Feldschlangen hervor, welche mit Blei berzogene Backsteinkugeln in die
irischen Reihen sendeten. Ein alterthmliches Geschtz, ein Geschenk der
londoner Fischhndlergilde, zeichnete sich whrend der hundertfnf
denkwrdigen Tage durch seinen lauten Knall aus und fhrt noch jetzt den
Namen +Roaring Meg+ (brllende Margarethe). Die Kathedrale ist mit
Reliquien und Trophen angefllt. In der Vorhalle befindet sich eine
riesige Bombe, eine von den vielen hunderten, welche in die Stadt
geworfen wurden. ber dem Altare sieht man noch die franzsischen
Fahnenstcke, welche bei einem verzweifelten Ausfalle von der Garnison
erobert wurden. Die weien Feldzeichen des Hauses Bourbon sind lngst in
Staub zerfallen; aber sie sind durch neue Banner, das Werk der schnsten
Hnde von Ulster, ersetzt. Der Tag, an welchem die Thore geschlossen und
der Tag, an welchem die Belagerung aufgehoben wurde, sind bis auf unsre
Zeit alljhrlich durch Geschtzsalven, Umzge, Festmahle und Predigten
gefeiert worden. Lundy ist +in effigie+ hingerichtet und das Schwert,
das der Sage nach das Schwert Maumont's sein soll, bei feierlichen
Gelegenheiten im Triumphe umhergetragen worden. Noch heute giebt es
einen Walkerclub und einen Murrayclub. Die einfachen Grber der
protestantischen Anfhrer sind sorgfltig ausgesucht, wiederhergestellt
und verschnert worden. Es ist unmglich, die Gesinnung nicht zu achten,
welche aus diesen Zeichen von Piett spricht. Es ist eine Gesinnung,
welche dem edleren und reineren Theile der menschlichen Natur angehrt
und welche die Strke der Staaten nicht wenig vermehrt. Ein Volk, das
nicht stolz ist auf die groen Thaten ferner Vorfahren, wird nie etwas
vollbringen, was wrdig wre, von fernen Nachkommen mit Stolz in
Andenken gehalten zu werden. Doch kann der Moralist oder der Staatsmann
unmglich mit ungetrbtem Wohlgefallen die Festlichkeiten, durch welche
Londonderry das Gedchtni seiner Befreiung feiert, sowie die Ehren
betrachten, die es seinen Befreiern erzeigt. Leider haben sich zugleich
mit dem Ruhme seiner tapferen Kmpfer auch deren Animositten
fortgeerbt. Die Fehler, welche man gewhnlich bei herrschenden Kasten
und Secten findet, haben sich bei seinen Festlichkeiten nicht selten
unverhohlen gezeigt, und selbst in die Ausdrcke frommer Dankbarkeit,
welche von seinen Kanzeln herab erschollen, haben sich nur zu oft Worte
des Zornes und des herausfordernden Trotzes gemischt.

Die irische Armee, die sich nach Strabane zurckgezogen hatte, blieb
dort nur sehr kurze Zeit. Der Muth der Truppen war durch den ungnstigen
Ausgang der Belagerung von Londonderry schon niedergedrckt und wurde
bald vllig gebrochen durch die Nachricht von einem anderweitigen harten
Schlage.

    [Anmerkung 143: Avaux an Seignelay, 18.(28.) Juli; an Ludwig,
    9.(19.) August.]

    [Anmerkung 144: Man sieht hieraus, wie man es die ganze Zeit her
    hat sehen knnen, da die Kaufleute von Londonderry zu ihrer
    Vertheidigung mehr Geschick hatten, als die berhmten Offiziere
    der irischen Armee zu ihren Angriffen. +Light to the Blind.+ Der
    Verfasser dieses Werkes ist wthend auf die irischen Kanoniere. Er
    ist der Meinung, da der Sperrbaum nie durchbrochen worden wre,
    wenn sie ihre Pflicht gethan htten. Waren sie betrunken? oder
    waren sie Verrther? Er kommt zu keiner Entscheidung ber seinen
    Punkt. Herr, ruft er aus, der Du in den Herzen der Menschen
    liesest, wir berlassen es Deiner Barmherzigkeit, in dieser
    Angelegenheit zu richten. Inzwischen strzten jene Kanoniere
    Irland ins Verderben.]

    [Anmerkung 145: In einer vor mehr als sechzig Jahren unter dem
    Titel +Derriana+ erschienenen Sammlung findet sich ein
    interessanter Brief ber diesen Gegenstand.]


[_Operationen gegen die Enniskillener._] Drei Wochen vor dieser Zeit
hatte der Herzog von Berwick ber eine Abtheilung der Enniskillener
einen Vortheil errungen und, nach ihrem eignen Eingestndni, mehr als
funfzig von ihnen getdtet oder gefangen genommen. Sie hofften auf
einige Untersttzung von Kirke, an den sie eine Deputation abgesandt
hatten, und beharrten noch immer auf der Zurckweisung aller vom Feinde
angebotenen Bedingungen. Es wurde daher in Dublin beschlossen, sie von
mehreren Seiten zu gleicher Zeit anzugreifen, Macarthy, der fr seine in
Munster geleisteten Dienste mit dem Titel eines Viscount von Mountcashel
belohnt worden war, marschirte von Osten her mit drei Regimentern
Infanterie, zwei Regimentern Dragoner und einigen Reitertrupps gegen den
Ernesee. Ein andres starkes Truppencorps, das unweit der Mndung des
Flusses Drowes lagerte, sollte gleichzeitig vom Westen her vorrcken,
und der Herzog von Berwick sollte mit soviel Reitern und Dragonern, als
das Belagerungsheer von Londonderry entbehren konnte, von der Nordseite
kommen. Die Enniskillener waren ber den ganzen Plan, der zu ihrem
Verderben angelegt worden, nicht vollstndig unterrichtet; aber sie
wuten, da Macarthy mit einer greren Streitmacht, als sie je in's
Feld stellen konnten, unterwegs war. Ihre Angst wurde einigermaen
gemildert durch die Zurckkunft der Deputation, die sie an Kirke
abgeschickt hatten. Kirke konnte keine Soldaten entbehren, aber er
sandte ihnen etwas Waffen und Munition nebst einigen erfahrenen
Offizieren, unter denen der Oberst Wolseley und der Oberstleutnant Berry
die vornehmsten waren. Diese Offiziere sollten zur See um die Kste von
Donegal herum und den Ernesee heraufkommen. Am Sonntag, den 29. Juli
erfuhr man, da ihr Boot sich der Insel Enniskillen nhere. Die ganze
mnnliche und weibliche Bevlkerung kam an's Ufer, um sie zu
bewillkommnen. Nur mit Mhe erreichten sie das Schlo durch die sich um
sie drngenden Menschenmassen, welche Gott dafr dankten, da das theure
alte England die Englnder nicht ganz vergessen hatte, die im Herzen von
Irland seine Sache gegen eine groe bermacht aufrecht erhielten.

Wolseley scheint fr seinen Posten in jeder Hinsicht wohlbefhigt
gewesen zu sein. Er war ein unerschtterlicher Protestant, hatte sich
unter den Leuten von Yorkshire ausgezeichnet, welche fr den Prinzen von
Oranien und ein freies Parlament aufgestanden waren, und hatte, wenn
anders dies auf Wahrheit beruht, seinen Eifer fr die Freiheit und den
reinen Glauben dadurch bethtigt, da er den Mayor von Scarborough,
der eine Rede zu Gunsten des Knigs Jakob gehalten, auf den Marktplatz
fhren und hier in einem Betttuche tchtig prellen lie.[146] Dieser
heftige Ha gegen den Papismus war in den Augen der Enniskillener die
erste aller Qualificationen fr das Commando, und Wolseley hatte deren
noch andere und gewichtigere. Obgleich er eine regelmige militrische
Ausbildung genossen hatte, scheint er doch vorzugsweise zur Fhrung
irregulrer Truppen befhigt gewesen zu sein. Kaum hatte er das
Obercommando bernommen, so erhielt er die Nachricht, da Mountcashel
das Schlo Crum belagert habe. Crum war die Grenzfeste der Protestanten
von Fermanagh. Die Trmmer der alten Festungswerke gehren jetzt zu den
Zierden eines schnen Parks, der auf einem den Ernesee beherrschenden
waldigen Vorgebirge angelegt ist. Wolseley beschlo, den belagerten
Platz zu entsetzen. Er schickte Berry mit soviel Truppen als
augenblicklich aufbrechen konnten, voraus und versprach, baldigst mit
einem strkeren Corps nachzufolgen.

    [Anmerkung 146: +Bernardi's Life of Himself, 1787.+]


[_Schlacht bei Newton Butler._] Nachdem Berry einige Meilen weit
marschirt war, stie er auf dreizehn Compagnieen von Macarthy's
Dragonern unter dem Commando Anton Hamilton's, des Glnzendsten und
Gebildetsten von allen seines Namens, aber als Soldat viel weniger
glcklich denn als Hofmann, als Liebesheld und als Schriftsteller.
Hamilton's Dragoner ergriffen beim ersten Feuer die Flucht; er wurde
schwer verwundet, und sein Nachfolger im Commando wurde todtgeschossen.
Macarthy eilte Hamilton sofort zu Hlfe und zu gleicher Zeit kam
Wolseley zur Untersttzung Berry's an. Die beiden feindlichen Armeen
standen einander nun gegenber. Macarthy hatte ungefhr fnftausend Mann
und mehrere Geschtze. Die Enniskillener zhlten nicht dreitausend Mann,
und sie waren so eilig ausgerckt, da sie nur auf einen Tag
Lebensmittel mitgenommen hatten. Es war daher durchaus nothwendig,
da sie entweder sofort losschlugen oder sich zurckzogen. Wolseley
beschlo, die Meinung seiner Leute darber zu hren, und dieser
Entschlu, der unter gewhnlichen Verhltnissen eines Generals hchst
unwrdig gewesen wre, war vollkommen gerechtfertigt durch die
eigenthmliche Zusammensetzung und Stimmung der kleinen Armee, welche
aus Gentlemen und Freisassen bestand, die nicht um Sold, sondern fr ihr
Grundeigenthum, ihre Frauen, ihre Kinder und ihren Gott kmpften.
Die Mannschaften wurden unter's Gewehr gerufen und ihnen die Frage
vorgelegt: Vorrcken oder Zurckgehen? Die Antwort war der einstimmige
Ruf: Vorrcken! Hierauf gab Wolseley das Feldgeschrei: Kein
Papismus, das mit lautem Beifall begrt wurde, und traf dann sofort
seine Anstalten zum Angriff. Als er vorrckte, begann der Feind zu
seinem groen Erstaunen sich zurckzuziehen. Die Enniskillener wollten
ihn mit aller Hast verfolgen, aber ihr Anfhrer, der eine Schlinge
vermuthete, zgelte ihren Eifer und verbot ihnen auf das Bestimmteste,
ihre Reihen aufzulsen. So zog sich die eine Armee in guter Ordnung
durch das Stdtchen Newton Butler zurck und die andre folgte in eben so
guter Ordnung. Ungefhr eine Meile jenseit dieser Stadt machten die
Irlnder Front und Halt. Ihre Stellung war gut gewhlt. Sie waren auf
einer Anhhe aufgestellt, an deren Fue sich ein tiefer Sumpf befand.
Eine schmale gepflasterte Hochstrae war der einzige Weg, auf dem die
Reiterei der Enniskillener vorgehen konnte, denn zur Rechten und Linken
waren Sumpflachen und Torfgruben, welche den Pferden keinen festen Grund
darboten. Macarthy postirte seine Kanonen so, da ihr Feuer diesen Weg
bestrich.

Wolseley commandirte seine Infanterie zum Angriff. Sie arbeitete sich
durch den Sumpf, gewann wieder festen Boden und warf sich auf die
Geschtze. Hier entspann sich nun ein kurzer und verzweifelter Kampf.
Die irischen Kanoniere hielten tapfer bei ihren Feldstcken aus, bis sie
smmtlich niedergehauen waren. Jetzt kamen die Enniskillener Reiter,
welche nicht mehr Gefahr liefen, durch das Feuer der Artillerie
niedergemht zu werden, rasch den Dammweg herauf. Die irischen Dragoner,
welche schon am Morgen Reiaus genommen hatten, wurden abermals von
einem panischen Schrecken ergriffen und galoppirten, ohne einen Schlag
gethan zu haben, vom Schlachtfelde. Die schwere Reiterei folgte ihrem
Beispiele. Das Entsetzen der Fliehenden war so gro, da viele von ihnen
ihre Pferde so lange spornten, bis sie strzten und dann die Flucht zu
Fu fortsetzten, nachdem sie Carabiner, Sbel und selbst Waffenrcke als
beim Laufen hinderlich weggeworfen hatten. Als die Infanterie sich so
verlassen sah, warf sie ebenfalls Piken und Gewehre fort und suchte ihr
Heil in der Flucht. Die Sieger gaben sich nun der blutdrstigen Wildheit
hin, welche gewhnlich die Brgerkriege Irland's befleckt hat. Das
Gemetzel war frchterlich. Nahe an funfzehnhundert der Besiegten wurden
niedergemacht. Etwa fnfhundert Andere schlugen, da sie die Gegend nicht
kannten, einen Weg ein, der nach dem Ernesee fhrte. Der See war vor
ihnen, der Feind im Rcken; sie sprangen in's Wasser und ertranken.
Macarthy, von seinen Truppen verlassen, strzte sich mitten unter die
Verfolger und war nahe daran, den Tod zu finden, den er suchte. Er war
an mehreren Stellen verwundet und zu Boden geschlagen; noch einen
Augenblick, und ein Flintenkolben wrde ihm das Lebenslicht ausgeblasen
haben, wre er nicht erkannt und gerettet worden. Die Colonisten hatten
nur zwanzig Todte und fnfzig Verwundete. Sie machten vierhundert
Gefangene und erbeuteten sieben Kanonen, vierzehn Fsser Schiepulver,
sowie smmtliche Trommeln und Fahnen des besiegten Feindes.[147]

    [Anmerkung 147: +Hamilton's True Account+; +Mac Cormick's Further
    Account+; +London Gazette, Aug.22. 1689+; +Life of James+; Avaux
    an Ludwig vom 4.(14.) August, und an Lourois von dem nmlichen
    Datum. Story erwhnt eines Gerchts, da der panische Schrecken
    unter den Irlndern durch das Versehen eines Offiziers verursacht
    worden sei, welcher Rechts um kehrt Euch! (+Right about face+)
    anstatt Augen rechts! (+Right face+) commandirte. Weder Avaux
    noch Jakob hatten etwas von diesem Versehen erfahren. In der That,
    die Dragoner, welche das Beispiel der Flucht gegeben hatten, waren
    nicht gewohnt, erst das Commando zu erwarten, ehe sie einem Feinde
    den Rcken kehrten. Sie waren schon einmal an dem nmlichen Tage
    davon gelaufen. Avaux giebt eine sehr einfache Erzhlung der
    Niederlage. +Ces mesmes dragons qui avoient fuy le matin
    laschrent le pied avec lout le reste de la cavalerie, sans tirer
    un coup de pistolet; et ils s'enfuirent tous avec une telle
    pouvante qu'ils jettrent mousquetons, pistolets, et espes; et
    la plupart d'eux, ayant erev leurs chevaux, se deshabillrent
    pour aller plus viste  pied.+]


[_Bestrzung der Irlnder._] Die Schlacht bei Newton Butler wurde an
demselben Nachmittage gewonnen, an welchem die durch den Foyle geworfene
Barrikade durchbrochen wurde. In Strabane traf die Nachricht die auf dem
Rckzuge von Londonderry begriffene celtische Armee. Der Schrecken und
die Verwirrung waren gro; die Zelte wurden abgebrochen, ganze
Wagenladungen Kriegsvorrthe wurden in den Mourne geworfen, und die
entsetzten Irlnder flohen unter Zurcklassung vieler Kranker und
Verwundeter, die sie der Gnade der siegreichen Protestanten preisgaben,
nach Omagh und von da weiter nach Charlemont. Sarsfield, welcher in
Sligo commandirte, sah sich gezwungen, diese Stadt aufzugeben, welche
alsbald von einer Abtheilung Kirke'scher Truppen besetzt wurde.[148]
Dublin war in groer Bestrzung. Jakob lie uerungen fallen, welche
seine Absicht verriethen, nach dem Continent zu fliehen. Schlimme
Nachrichten strmten in der That rasch hintereinander auf ihn ein. Fast
zu der nmlichen Zeit, als er erfuhr, da eine seiner Armeen die
Belagerung von Londonderry aufgehoben hatte und da eine andre bei
Newton Butler geschlagen worden war, empfing er kaum minder
entmuthigende Botschaften aus Schottland.

Es wird jetzt nthig, den Gang der Ereignisse zu erzhlen, denen
Schottland seine politische und religise Freiheit, seinen Aufschwung
und seine Civilisation verdankt.

    [Anmerkung 148: +Hamilton's True Account.+]




Stereotypie und Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.


       *       *       *       *       *
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Druckfehler und Unregelmssigkeiten

Rechtschreibungsformen wie funfzig : fnfzig oder Urtel :
Urtheil sind ungendert. Die Namen Dover und Dower sind ebenso
ungendert (auch wenn es um die selbe Person handelt). Weitere:

  Geschicht(s)schreiber
  angesehen(d)ste
  Heimath(s)land
  Betttuch  [immer mit drei t]


XI. Kapitel

  Petre wieder in den Staatsrath berufen  [Peter]
  Interessen des Staats berhrten  [behrten]
  die nthigen Vorlagen zu beschaffen  [nthgen]
  sich ... aus seinem Palaste entfernt gehabt  [entfert]
  die Nation zur Zeit der Revolution gespalten war  [Revolultion]
  sie ungetheilt und wie Ein Mann handelten  [_ungendert_]
  des Hauses der Gemeinen seien smmtlich Laien  [smmtich]
  [Anm. 94] Burnet II. 7, 8, 9  [7, 8, 9,]
  [Anm. 104] dem Earl von Dalkeith  [Dalekith]
  das Ende des vergangenen Jahres die  [vergangenenen]


  XII. Kapitel

  Rice sollte erklrt haben  [erkrt]
  die Bevlkerung belief sich auf hundertachtzig Seelen  [Bevlkrung]
  [_Mountjoy wird abgesandt, um Ulster zu pacificieren._]
    [pacifiren; _Inhalt hat pacificieren_]
  William Stewart, Viscount von Mountjoy, wurde beauftragt  [Montjoy]
  und vortheilhaften Kapitulation bewogen werden knnte.[29]
    [_Anmerkungszeichen ***) fehlt: aus Englische Ausgabe erschafft_]
  von dem lebenden Thiere Stcke loszuschneiden  [loszuscheiden]
  [Anm. 50] Mac Cormick's Further Impartial Account  [Mac Cormack's]
  Cunningham und mehrere von seinen Offizieren  [Cunnigham]
  [Anm. 94] ayant toujour's servi  [_ungendert_]
  [Anm. 102] in rohen Possen, wie die +Royal Flight+  [Fligth]
  [Anm. 109] +Light to the Blind+ ... against Writs of Error
    [Ligth ... Wits of Error]
  Ich habe, sagte er  [_ fehlt_]
  der Protestanten in Irland hervorgerufen  [herorgerufen]
  in Munster, Connaught und Leinster  [Connaugth]
  und dem militrischen Abenteurer  [miltrischen]
  begann der Feind zu seinem groen Erstaunen  [Erstauen]







End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND SEIT ***

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