The Project Gutenberg EBook of Napoleon, by Carl Sternheim

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Title: Napoleon
       Eine Novelle

Author: Carl Sternheim

Release Date: November 17, 2012 [EBook #41384]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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Produced by Jens Sadowski








NAPOLEON


EINE NOVELLE
VON
CARL STERNHEIM


LEIPZIG
KURT WOLFF VERLAG
1915


Mit drei Lithographien von Ottomar Starke.
Gedruckt bei Poeschel & Trepte in Leipzig
Juli 1915 als neunzehnter Band der Bcherei
Der jngste Tag


COPYRIGHT 1915 BY KURT WOLFF VERLAG  LEIPZIG


FR THEA, MEINE LIEBE FRAU




NAPOLEON


NAPOLEON wurde 1820 zu Waterloo im Eckhaus, vor dem sich die Steinwege nach
Nivelles und Genappes trennen, geboren. Sein Kinderleben verlie
historischen Boden nicht.

ber die durch Hohlwege gekreuzten Flchen, auf denen des Kaisers
Krassiere in Knueln zu Tode gestrzt waren, gingen seine Soldatenspiele
mit Gleichalterigen. Sie lehrten ihn ewige Gefahr, Wunden und Sieg.

Zwlf Jahre alt, nahm er von Kameraden beherrschten Abschied, sprang zum
Vater in die Kalesche und fuhr nach Brssel hinber, wo er vor ein Gasthaus
abgesetzt wurde. In der Kche des Lion d'or lernte er Schaum schlagen, Fett
spritzen, schneiden und schlen. Gewohnter berwinder der Kameraden auf
weltberhmter Walstatt, lie er auch hier ganz natrlich die Mitlernenden
hinter sich und war der erste, der die Geflgelpastete nicht nur zur
Zufriedenheit des Chefs zubereitete, sondern auch nach den Gesetzen
zerlegte.

Er selbst blieb von allen Speisenden der einzige, den der Vol-au-vent nicht
befriedigte, doch nahm er Lob und ehrenvolles Zeugnis hin, machte sich,
siebenzehnjhrig, auf den Weg und betrat an einem Maimorgen des Jahres 1837
durch das Sankt Martinstor Paris.

Als er von einer Bank am Fluufer die strahlende Stadt und ihre Bewegung
bersah, wurde ihm zur Gewiheit, was er in Brssel geahnt: Nie wrde er
aus den allem Verkehr fernliegenden Kchenrumen jene enge Berhrung mit
Menschen finden, die sein Trieb verlangte. Tage hindurch, solange die
ersparte Summe in der Tasche das Nichtstun litt, folgte er den Kellnern in
den Wirtschaften gespannten Blicks mit inniger Anteilnahme; verschlang ihre
und der Essenden Reden, Lachen, Gesten. An einem hellen Mittag, da eine
Dame Trauben vom Teller hob, den ihr der Kellner bot, trat er stracks in
die Taverne auf den Wirt zu und empfahl sich ihm durch Gebrden und flinken
Blick als Speisentrger.

Nun brachte er Mittag- und Abendmahl fr alle Welt herbei. Es kam von
beiden Geschlechtern jedes Alter und jeder Beruf zu seinen Schsseln und
sttigte sich. Unermdlich schleppte er auf die Tische, fing hungrige
Blicke auf und satte, rumte er ab. Nachts trumte er von malmenden
Kiefern, schlrfenden Zungen und ging anderes Morgens von neuem ans Tagwerk
im Bewutsein seiner Notwendigkeit.

Erst allmhlich sah er Unterschiede des Essens von schmatzenden Lippen ab.
Er kannte den gierigen, weitgeffneten Rachen des Studenten, durch den
unsortierte Bissen in ein niegestopftes Loch fielen, unterschied den
Vertilger eines nicht heihungrig ersehnten, doch regelmig gewohnten
Mahles von jenem berernhrten, der ungern zum Tisch sich niederlie und
gelangweilt Leckerbissen kostete und zurckschob. Er prgte sich die
kauende, trinkende Menschheit in allen Abstufungen fest und bildhaft ein.

Durch Kennerschaft wurde er ihr Berater und Fhrer; wies den Hungrigen
feste Nahrung, bediente die ewig Satten mit Schaum und Gekrse; von ihm zu
allen Tischen lief ein Band des Verstndnisses. Hob der Gast nur die Karte,
fiel von Napoleons Lippen erlsend der gewnschten Speise Name.

Jahrelang blieben die seine Lieblinge, deren leibliche Not die Kost stillen
sollte. Ein saftiges Stck Fleisch, von krftigen Zhnen gebissen, schien
ihm die gelungenste Vorstellung. Doch machte er Unterschiede zwischen den
Sorten. Lie er Kalb und Lamm im Hinblick auf ihre festere Zusammensetzung
gelten, war ihm Wild und Geflgel wenig sympathisch. Von Fischen, Austern
und Verwandtem hielt er der lockeren Struktur wegen nicht das Geringste.
Inbegriff guter Nahrung war ihm das Rind. Unwillkrlich sah er beim Hin-
und Heimweg die Begegneten auf die Beschaffenheit ihrer Muskulatur hin an.
Die erschienen ihm wohl bereitet, die ber straffem Knochenbau gedrngte
Materie trugen. Die Mageren verachtete er, und die mit losem Fett
Gepolsterten waren ihm verhat. Einem gut aufgesetzten Krper folgten seine
Blicke zrtlich und zerlegten ihn augenblicklich in gigots, selle, ctes
und Kotelettes. In der Einbildung streute er Pfeffer und Salz hinzu,
garnierte, schnitt und servierte das Ganze mit passendem Salat; dann
lchelte das junge Gesicht, und hingerissen, ahnte er nicht, in welcher
Zeit er lebte; unterschied Sommer und Winter, Trockenheit und Regen,
berflu und Notdurft nicht und wute nur: dies freut den Gast.

Immer hitziger wurde sein Trieb, dem zu Bedienenden sttigende Kost zu
bieten. Gewrz und Zutat sah er nur in dem Sinn, wie sie die bestellte
Speise fest und ausdauernd machen mchten. Es bildete sich in seine
Vorstellung der Raum des leeren Magens, in den er wie aus Betonkltzen die
Nahrung baute.

Ging der Gesttigte, der schlappen Schrittes gekommen, wuchtig zur Tr
hinaus, hing Napoleons Blick an dem Schreitenden, als sei dessen
Lebendigkeit sein Werk. Er brauchte das Bewutsein schpferischer Tat, um
vor sich bestehen zu knnen und steigerte es allmhlich zur berzeugung,
ohne ihn und seine Pflege sei die Lebensarbeit der Betroffenen nicht
mglich. Diese festzustellen, merkte er die Namen der Gste; nahm an ihrem
Vorwrtskommen teil.

                   *       *       *       *       *

Es geschah, als er am freien Tage durch die Wege der Versailler Parks
schritt, in der Einbildung, er habe gerade eine riesige Wurst mit den
Hchstwerten menschlicher Nhrstoffe gestopft und schnitte den Wartenden
Scheiben herunter, da aufschauend sein Auge zu einem jungen Weibe fiel,
das am entblten Busen ein Kind hngen hatte. Gebannt wurzelte Napoleon am
Boden und prgte sich in aufgetane Sinne das Bild rosiger, geblhter
Rundheiten an der Frau und dem Sugling ein. War das eine Apotheose seiner
Trume von kraftvoller Nahrung und ihrem besten Verbrauch! Er htte an die
Nhrende niederfallen und durch Umschlingung ihres und des Kindes Leibes an
dem erhabenen Vorgang teilnehmen mgen.

Das geschaute Bild verlie ihn nicht und veranlate ihn, flssigen Stoffen
gesteigerte Aufmerksamkeit zu schenken; dann aber hob es den Wert der Frau,
der bis heute ihrer geringen Lust zum Essen wegen fr seine Welt nicht gro
gewesen war, sich jetzt aber unter einem anderen Gesichtspunkt auf das
beste ins groe Tableau tafelnder Menschheit einordnete. Zum ersten Mal
besah er das Mdchen an der Anrichte, dem er bisher nur den krftigen
Gliederbau hatte besttigen mssen, und immer eindringlicher, als prfe er
es auf gewisse ihm nun einleuchtende Mglichkeiten. Er fand, sie nhme als
Nahrung zu viel leichtes Zeug, belade sich mit Geblasenem und Aufgerolltem,
das im Magen zu einem Nichts zusammenfiele, warnte sie vor Klebrigkeit und
Sem und forderte sie eines Tages geradezu auf, mit ihm irgendwo ein Mahl
zu nehmen, das bis ins kleinste von ihm zusammengestellt, in seinem Wert
fr sie errtert werden solle. Das Mdchen nahm des Mannes Kauderwelsch fr
einen Umschweif, willigte ein, und sie gingen an einem der nchsten Tage
gemeinsam ein Stck ber Land und traten in einen Gasthof ab.

Dort verschwand Napoleon und erklrte zurckkommend der schmollenden
Suzanne, er habe in der Kche selbst bis ins Kleinste vorgesorgt. Mit einem
Ragout vom Hammel in einer Burgunderweinsauce beginne man und gehe, alle
falschen Vorspiegelungen verschmhend, geradezu auf ein wundervolles,
halbblutiges Rindslendenstck zu, an das er englische Gurken und Zwiebeln
habe braten lassen.

Als das Essen aufgetragen war, wies er sie, die Bissen langsam zu kauen und
ohne Zukost von Brot zu schlucken. Er ruhte nicht, bis das letzte Teilchen
auf der Schssel vertilgt war und befahl ihr und sich selbst ein Glschen
Schnaps zu besserem Bekommen an.

Da nach Tisch sie drauen im Gras lagen, breitete er Arme und Beine von
sich und riet ihr, ein Gleiches zu tun. Er sei ein schmchtiger Bursch
gewesen und nur durch vernnftige Nahrung und angemessene Verdauung sein
Gewebe fest und krftig geworden. Dabei lie er durch Beugung die Muskeln
der Arme und Waden zu kleinen Bllen schwellen, worauf sie, in der
Eitelkeit verletzt, auch ihre Glieder spielen lie und ihn zur Prfung der
festen Beschaffenheit einlud. Doch bestritt er alles von vornherein,
meinte, es sei bei ihrer bisherigen Ernhrung gar nicht mglich und
forderte sie auf, in Zukunft nach seinen Vorschriften zu leben. Dann werde,
was nicht da sei, kommen.

Er gefiel ihr. Dieser nchterne Sinn machte Eindruck auf sie, und sie
bemhte sich, seine Erwartung zu erfllen. Bei den nchsten Ausflgen blieb
sie pltzlich stehen, bumte den Arm auf und lie seine Hnde die
Anschwellung fhlen. Doch kam durch Wochen nichts als ein Schnalzen von
ihm, das ihr immerhin bedeutete, sie sei auf rechtem Weg. Bis eines Tags
beim Versuch, sich ein gelstes Schuhband zu knpfen, sie ihm ein so
mchtiges Rckenstck entgegenhob, da eine runde Anerkennung seinen Lippen
entfuhr. Gleich lag sie an seiner Brust; bot ihm den Mund zum Ku.

Der Besitzer der Taverne starb, und Napoleon wurde Inhaber des
Speisehauses. Er konnte nun schalten, wie er wollte, und entfernte vollends
alle Spielereien von der Karte. Die gleichbleibende Kundschaft, er selbst
und Suzanne waren gewichtig auftretende Personen geworden, die eine Rede
deutlich in den Mund nahmen. Es gab in seinen Rumen kein Getuschel,
sondern zu schallenden Worten drhnendes Lachen. Ein forsches Zugreifen und
Fortstellen. berzeugte Meinungen und Entschlsse fr khne Taten.

Napoleons Vaterunser und Einmaleins hie: in allen Moleklen drngende
Kraft. Von Suzannes Kind, das sie von ihm unter dem Herzen trug, rechnete
er, es msse nach Menschenermessen ein Herkules werden.

                   *       *       *       *       *

Der Ruf des Hauses hatte sich verbreitet. Einer rhmte es dem andern und
brachte ihn zu einem Versuch mit. Schlielich reichte der Raum nicht, die
Gste zu fassen. Einen freiwerdenden Stuhl besetzte sofort ein anderer
Hungriger. Groe Tagesumstze wurden erzielt und immer bedeutendere.
Verglich aber zum Jahresabschlu der Wirt Einnahme und Ausgabe, kam kaum
ein Guthaben zu seinen Gunsten heraus. Anfangs, bevor er das Ziel seines
groen Rufs erreicht, lie er es gehen; als aber dieser ber ganz Paris
feststand, begann die schlechte Abrechnung ihn zu wurmen. Er war nun
dreiig Jahr alt, hatte groe Plne, und schien Reichtum auch nicht seine
letzte Absicht, mute er doch mit dem brigen kommen. Nochmals nahm er die
Bcher grndlich vor und stellte fest, der geforderte Preis war in
Anbetracht der hervorragenden Beschaffenheit und Menge der gereichten
Speisen zu niedrig. Da ihm aber einleuchtete, der Konkurrenz wegen knne er
einen Preisaufschlag nicht eintreten lassen, stand er vor der Entscheidung,
alles beim alten zu lassen oder die Qualitt des Gebotenen zu
verschlechtern. Treu seinen bisherigen Grundstzen entschlo er sich zu
ersterem, stand aber den Essenden jetzt nicht mehr mit alter Unbefangenheit
gegenber. Bei jedem Filet, das der Kellner mit schnem Schwung zum Gast
niedersetzte, stellte er den Vergleich zwischen Ware und erzieltem Preis an
und kam bald dazu, da ihn eine Platte, je besser sie gelungen und je
reichlicher sie serviert wurde umsomehr in qualvolle Erregung versetzte.
Besonders konnte er den Blick von einem Gast nicht wenden, der mit dem
Gebotenen anfangs nicht zufrieden, die Bedienung und die Kchenbrigade
durch anfeuernde Reden zur hchsten Leistung fr ihn angespornt hatte und
nun wahre Fleischtrmmer vorgesetzt bekam, die er mit Mengen alles
Erreichbaren wrzte. Dazu warf er Napoleon triumphierende und anerkennende
Blicke zu, die diesen anfangs erbitterten, schlielich zu heller Emprung
brachten. Der Vielfra war ein Kanzleibeamter, von dem nie ein besonderes
Verdienst verlautet hatte, und der Herr des Gasthauses fragte sich
ergrimmt, mit welchem Recht, fr welches bedeutende Vorhaben der
Betreffende eigentlich solche Anforderungen fr seinen Magen stellte. Man
wisse schlielich zu welchem Ende, schlnge ein Thiers, ein Balzac solche
Mengen in seine Drme. Dieser Durchschnittsbrger aber schweife in geradezu
widerlicher Weise aus, garniere er den faulen Bauch tglich mit solchen
Prachtfleischstcken. berhaupt begann der Wirt des Veau  la mode seine
Stammgste auf ihre Verdienste hin anzusehen und stellte vor seinem
Gewissen fest, keiner habe durch Erfolge die Sorge vergolten, die man
jahrelang an seiner Ernhrung genommen. Infolgedessen folgte er ihrem
Schlingen von nun an mit noch scheeleren Blicken, und als das Ma seines
Grolls aufs Hchste gestiegen war, brllte er eines Tages dem Hauptkoch zu,
der ber ein Tournedos ein volles achtel Pfund Butter go, ob er von Gott
verlassen sei und ihn durchaus ruinieren wolle.

ber all das hatte er schlaflose Nchte, bis er zu fester Anschauung sich
durchgerungen hatte, die lautete: Es hat die Mahlzeit das quivalent zu
sein der durch die tgliche Arbeit verausgabten Krfte. Und so stellte er
den Blick seiner Kundschaft gegenber neu auf Feststellung dieser Tatsache
ein und fand, er knne ruhigen Gewissens mit der Beschaffenheit und dem Ma
der Portionen herunter gehen und leiste noch immer ein Mehr in den Magen
der Speisenden. Auch Suzanne gegenber, die ihm ein Mdchen geboren hatte
und noch in derselben Stellung bei ihm war, nahm er jetzt diesen Standpunkt
ein. Auf Grund seiner Erziehung war sie gewhnt, ihren und ihres Kindes
Krper gehrig mit ausgesuchter Eware zu stopfen. Jetzt wies er sie hin,
es sei Schande, den ungeheueren Nahrungsmengen, die sie gensse, ein so
winziges Ma an Leistung gegenberzustellen. Sie mge Leib und Geist mehr
tummeln oder ihren Everbrauch einschrnken.

Damit aber hatte der Proze in ihm kein Ende. War gegen Mitternacht das
Geschft vorbei, das Haus leer, blieb er am Herd zurck und begann,
schmorend und bratend, Versuche mit Surrogaten zu machen, die er den
Speisen beimischte, von der innigen berzeugung gefhrt, er habe das Recht
und die Pflicht, es den Verbrauchern gleichzutun, die auch an Stelle
wirklichen persnlichen Wertes fr das Menschengeschlecht falsches
Vorgeben, hohle Gesten und Phrasen gesetzt hatten.

Langsam begann er danach, seine theoretischen Erkenntnisse in die Praxis
umzusetzen. uerlich blieb alles, Name und Anrichtung der Speisen, beim
alten. Bedachte er aber, wie ein Stck Fleisch durch Klopfen und Lockern
der Atome angeschwollen, durch Beimischung scharfer Gewrze Kiefer und
Gaumen jetzt weniger durch Kauen als durch Beize beschftigte, schmunzelte
er und trieb die entdeckte Kunst zu immer grerer Vollendung. Nun hatte er
zwar am Schlu des Jahres die Genugtuung eines auerordentlichen
berschusses, fhlte aber, ihn befriedigten die Grundstze, nach denen er
heute Wirt sei, weder in Bezug auf die Beschaffenheit der Gste mehr, noch
hinsichtlich der Mittel, die er anwandte, ihre Erwartungen zu erfllen.

An einem Sonntagabend lief dicht vor seinen Augen die Wendeltreppe zu den
Rumen im ersten Stock des Restaurants ein Persnchen empor, das mit
Rockrschen und Volants wie ein Quirl ber seiner Stirn hpfte. Die Beine
in weiseidenen Strmpfen nahmen zwei, drei Stufen auf einmal, und bei
jedem Satz federte der Krper hoch auf in den Gelenken. Dazu flogen Haare,
Federn, Pelzwerk um den Kopf, und ein emprtes Hundeklffen kam von ihrem
vermummten Busen her. Mit einem Sprung schwang sie sich oben zu zwei Herren
an den Tisch und rief klingenden Stimmchens: Hunger! Napoleon, der auf
Zehen vor sie getreten war, durchfuhr's, hier sei seine ganze Speisekarte
fehl am Ort, und whrend Rte sein Antlitz malte, schlug das Herz
Generalmarsch in hastiger, aussichtsloser Erregung, was er diesem Pppchen
bieten knne.

Als Madame Valentine Forain stellte sie einer der Herren vor, und Napoleons
Unruhe wuchs zur Verzweiflung, als er hrte, er habe die berhmte Tnzerin
vor sich, die seit Wochen Paris bezaubere. Stillen Sie meinen Hunger mit
Luft, sagte sie, die den Leib nicht beschwert. Sie sehen aus, als
verstehen Sie Ihre Kunst. Diesem sen Ungeheuer, sie wies auf das
safranrote Hundeschnuzchen, das aus einer Spalte ihrer Taille schnffelte,
reichen Sie ein Schlchen zerkleinerter Kalbsmilch.

Einen Augenblick blieb Napoleon auf dem Gang zur Kche im Dunkeln an einen
Pfeiler gelehnt, als habe er einen Schlag gegen die Stirn bekommen und
msse sich erst zu neuem Leben sammeln. Gleich aber scho die Stichflamme
der Erkenntnis in ihm hoch, hier gelte es die Zukunft, und schon sprte er
den aus den Kmpfen der letzten Wochen gesammelten Willen zu etwas gnzlich
Neuem als ein Lichtmeer ber sich fluten. An den Herd er glitt, schnitt,
mischte, quirlte; hob es in kleinster Kasserole nur eben ans Feuer, nahm's
fort, als der erste Wrasen stieg, und mit vier Sprngen die ganze Treppe
nehmend, servierte er das Schsselchen in seiner frhesten Hitze:
Taubenpree mit frischen Champignons.

Sie kostete, murmelte, schluckte und schlug ein Paar kornblumenblaue Augen
lchelnd zu ihm auf. Er strzte in die Kche zurck, setzte den Herd in
grere Glut und lie ber eine Handvoll Spargelspitzen, die er den
jngsten Sprossen abgeschnitten, heien Dampf schlagen, in dem er sie gar
kochte. Im letzten Augenblick gab er eine Schwitze von Sahne und Sellerie
ber das Ganze. Als drittes und letztes Gericht bot er frische, geschlte
Wallnsse mit Himbeeren  la crme. Dem Hndchen aber hatte er Trffeln an
die Kalbsmilch getan.

Nun stand er unauffllig in der Nhe, sah, wie nach wenigen Bissen von
jeder Platte schon die ganz sanfte Rte auf ihrer Haut lag, der Krper sich
tiefer in die Kissen des Sofas drckte und aus ihrem Munde ein Fauchen,
winzige Tropfen Feuchtigkeit aus den Augen kamen, ansagend, das zarte
Leibchen ziehe hingegeben jetzt Kraft aus dem Genossenen. Keiner der Herren
sprach in diesen Augenblicken, da auf dem Antlitz der Frau ein andchtiges
Lcheln lag, mit ihr, als sei es ausgemacht. Zitternden Zwerchfells lachte
Napoleon, schtternden Leibes in heller Seligkeit fr sich dazu, bis ihm
die Augpfel in Trnen schwammen. Er war mit ihm eins und lobte Gott in der
Hhe.

Die Begegnung wurde genderten Lebens und neuer Ziele Anfang. Als er am
gleichen Abend heimkehrend den krftigen Leib Suzannes in den Bettkissen
fand, schnitt er der Schlafenden eine angewiderte Grimasse. Wtend deckte
er ein freiliegendes Rundteil von ihr zu, schlo die Augen und trumte in
Wolken duftiger Seide und Band die behende Gestalt der Tnzerin. Vor seinem
geistigen Auge prfte er die schlanken Arme, eine schmale Hand, ihre ganze
zierliche Erscheinung und stellte fest, wie wenig fleischliche Person die
Begnadete sei, und wie geringer Kost sie bedrfe zu knstlerischer
Leistung, durch die sie eine Nation zum Entzcken hinri. Fr welche Tat
aber sei der Leib neben ihm derart aufgemstet, zu welchen Fortschritten
brauche er seine tglichen mchtigen Rationen? Mit was fr Gesindel habe
er, Napoleon, sich eigentlich bis ber sein dreiigstes Jahr hin abgegeben,
und welch steilen Weg msse er bis zu lohnendem Ziel noch ersteigen! Er
fhlte, keine Minute sei zu verlieren, und alles Heil ruhe im Anschlu an
die verehrte Gastin. So widmete er ihr vom zweiten Erscheinen an sein
Trachten und Vermgen. Dachte die Stunden bis zu ihrem Kommen nichts, als
was er ihr vorsetzen, wie er ihre Erwartungen bertreffen msse. Lief
morgens vom Markt in Hallen und Krmereien; suchte, tftelte das
Frischeste, Zarteste und Rarste heraus. Zur Vorstellung ihres winzigen
Kerns in einer Hlle von Tll und Tand dichtete er aus Schaum, Krusten,
Farce und Saucen das assoziierende Speisengebild; schabte, prete in
Tcher, seihte und berquirlte wohl ein dutzendmal, bis das Gekochte
schwebend gleich einer Wolke zum Teller niedersank. Dann sah er es entzckt
zwischen zwei leuchtenden Zahnreihen auf einer schmalen Zunge zergehen.

Einst gnnte sie ihm ein Wort der Anerkennung. Ihm schien's ein Rauschen
und hallte ihm lange im Ohr. Zum Schlu riet sie, das Stadtviertel des
soliden Brgers eiligst zu verlassen und jenseits des Flusses, mitten im
Herzen des vornehmen Paris, ein Restaurant zu schaffen, das trotzdem bis
heute jeder entbehrte, der hchste Anforderungen an Kche und Keller zu
stellen gewillt sei. Sie wrde mit Freunden kommen; wolle seiner
auerordentlichen Kunst Verknderin sein.

                   *       *       *       *       *

So geschah's. Nachdem er in einer Seitenstrae bei der Oper das passende
Lokal gefunden, verkaufte er mit Nutzen die alte Wirtschaft, lie die Wnde
der gemieteten Rume mit wei silbernen Malereien zieren, die zu dem
reichen Silber, der Wsche der Tischreihen stimmten. Ein roter Teppich
deckte den Boden. Kraft eines Schlagwortes, das irgendwo auf und ber die
Boulevards flog, wute Paris pltzlich von der Existenz des Chapon fin, und
da der Kenner eines gewhlten Bissens dort auf seine Rechnung kme. Vier
Wochen nach Erffnung ging die beste Welt regelmig bei Napoleon ein und
aus, als habe sie nie einen anderen Ort des Stelldicheins gekannt. Der Ruhm
seiner Kche beruhte auf der Vorzglichkeit der leichten Platten. Man
konnte wohl ein Chteaubriant, ein Selle de chevreuil so gut wie anderswo
bekommen, doch wies der maitre d'htel den Gast mit Augenzwinkern auf die
Spezialitt des Hauses: Muschelgerichte, Ragouts und Pures in Pfnnchen;
berraschungen in winzigen Schlchen und Kasserolen. Der Gast folgte und
war regelmig zufriedengestellt.

Denn was der Herr des Hauses fr die Tnzerin erdacht, vervollkommnete,
vermehrte er von Tag zu Tag. Schalentiere lie er aus den Krusten, Geflgel
vom Knochen brechen, nahm vom Tier das Gekrse, von den Gemsen die
Spitzen. Frikassierte und mischte die verblffendsten Gegenstze, verband
das Widerstrebende in Saucen von Sahne, kostbaren Eiersorten, Pilzen und
duftenden Essenzen. Das letzte Geheimnis seines Erfolges aber war die
kurze Hitze, in der die Speisen garwerden muten. Der oberste Grundsatz
hie: was zu lange Feuer gerochen, ist fr den Ruch verdorben.

Nach wie vor blieb Valentine die erste, die jede neue Schpfung kosten
mute. Zwischen ihr und dem Patron webte nun eine schne Vertraulichkeit,
geboren aus den Blicken dankbarer Anerkennung, mit denen die Essende nach
jeder von ihm selbst angerichteten Platte Napoleon beschenkt hatte.
Allmhlich lernten die Augen sich auch sonst suchen, nach dem lauten
Scherzwort eines Gastes etwa, einer unzarten Bemerkung von irgendwoher, bei
jedem Vorkommnis. Und fhlten, wie es in der Blicktiefe des anderen ein
Geheimnisvolles gab, durch das das eigene Schauen wie an feinen Hkchen
schmerzvoll s haranguiert wurde. Dazu fuhr die Frau mit
freundschaftlicher Wrde fort, ihm Beobachtungen und Anregungen
mitzuteilen, die sie aus sich selbst und von anderen zur Vervollkommnung
des Betriebes nahm. Auch fragte sie ihn, legte er ihr die kostbare
Pelzhlle um die Schultern, letzthin nach dem praktischen Erfolg, und er
war glcklich, ihr von Mal zu Mal eine hhere Summe als erzielten Gewinn
zuflstern zu knnen.

Die Gefhrtin seiner Lehrjahre und ihr Kind hatte er mit einer Summe
abgefunden und aus seiner Nhe verbannt. Anfangs sah er sie noch hin und
wieder, dann aber stand sie pltzlich im Schrank seiner Erinnerungen als
Gleichnis der Hausmannskost und kleinbrgerlicher Umstnde.

                   *       *       *       *       *

Auf den Rat seiner Gnnerin widmete er der Zufriedenheit jener Frauen
besondere Aufmerksamkeit, die in kostbaren Toiletten nach dem Theater in
Begleitung von Lebemnnern aen. Er merkte sich irgend ein Besonderes, eine
Laune der Betreffenden und spielte das nchste Mal vertraut
freundschaftlich darauf an. Das Luxusgeschpf sieht sich vom ernsten Mann
ernst genommen, errtet vor Vergngen und wird seine treue Kundin. Neben
dieser Kategorie und ihrem Anhang stellte er sich vor allem den Diplomaten
und Staatsmnnern zur Verfgung, indem er ihnen, kamen sie mit wichtigen
Gesichtern von einer Sitzung, um zu einer Sitzung zu gehen, ein stilles
Eckchen anwies, wo sie ungestrt blieben, nicht duldete, da ein Kellner
sich nherte und sie durch ausgesuchte Leckereien der Brde ihrer
Verantwortlichkeit fr Augenblicke enthob. Da er aber fhlte, es ging ihm
im Umgang mit den Spitzen der politischen Abteilungen aus Unkenntnis ihres
Wirkens und Wollens die ntige Sicherheit noch ab, lud er sie in ein
abgelegenes Zimmer, durch dessen Wand er von seinem Kontor ihre Gesprche
hren, ihre Mienen beobachten konnte. Da lernte er alsbald, durch welche
Spitzfindigkeiten und Umschweife aus Eifersucht und Ehrgeiz der Handelnden
strittige Fragen zwischen politischen Parteien des Vaterlandes oder den
verschiedenen Nationen, aus ihrem logischen Gelenk gerissen, zu
Entscheidungen wurden, die Zwischenflle, Krisen und ein Mitrauensvotum
fr das Ministerium hervorriefen. Er sah den Fhrern Frankreichs ihr
Stirnrunzeln, das ironisch berlegene Lcheln und die knackende
Handbewegung ab, die ein Ultimatum bedeutet, und hrte sich vollkommen in
die inner- und auerpolitischen Strmungen hinein. Bald konnte er es wagen,
dem eintretenden Minister, Attach oder Abgeordneten eine so treffende
Anmerkung zur gerade wichtigen Affaire zuzuraunen, da der einen
bedeutenden Eindruck von ihm bekam und weitergab. Aber auch die vollkommene
Kenntnis des galanten und des Geschftslebens verschaffte sich Napoleon
durch seine Horchspalte, sah er verliebten Paaren, feilschenden Geldleuten
mit angespannter Aufmerksamkeit zu, bis die in der Erregung aufgesperrten
Kiefern sich krampften. Am erregendsten blieb es stets fr ihn, verlie ein
Teil des Paares fr Augenblicke das Zimmer, und der Zurckbleibende, sich
allein glaubend, verlor alle Haltung, wurde Mensch mit seinen Hoffnungen
und Sorgen, zhlte in der Brieftasche die Barschaft oder suchte durch
Prfung der zurckgebliebenen Kleidungsstcke des anderen auf dessen
wirkliche Lebensumstnde zu schlieen. Kurz, der Wirt des Chapon fin wurde
ein Kenner, der ins Unterbewutsein der Menschheit hinabsah.

Binnen Jahresfrist lag Paris zu seinen Fen. Er beherrschte es durch die
vollkommenste Kenntnis seines Magens als ein gtiger Frst und lchelte,
als man ihn erst zaghaft und vereinzelt, dann ganz allgemein Knig Napoleon
im Gegensatz zum Kaiser nannte. Rhrung und Glck aber ergriff ihn, als
Valentine das erstemal seine Hand suchte und drckte. Das war Beweis nicht
nur geschftlichen Erfolges, sondern auch des erreichten gesellschaftlichen
Ansehens, da die Gefeierte einen sozial unter ihr Stehenden nicht vor aller
Welt so ausgezeichnet hatte. Nun wuchs er von Tag zu Tag mehr in eine
berlegen menschliche Haltung hinein, die veranlate, da selbst der
hchstgestellte Gast ihm die Hand gab, ihm gutgelaunt auf die Schulter
klopfte.

Fr den Mann der Provinz vollends ward es bei der Rckkehr in die Heimat
Glanzstck des Berichts der in der Hauptstadt erlebten Abenteuer, konnte er
nicht nur bemerken: Ich habe beim Knig gespeist, sondern hinzusetzen:
der mich auf die Schulter schlug und fragte: Nun, Baron, wie wr's mit
einer Boule au jus tutu?

                   *       *       *       *       *

Als er von einem fremdlndischen Herrscher das erste Ritterkreuz erhalten,
dessen violette Rosette er am gleichen Abend im Knopfloch trug, forderte
Valentine ihn auf, sie am nchsten Tag um fnf Uhr nachmittags aufzusuchen.
Er erschien nach schlafloser Nacht, dem ruhelosesten Morgen, und fand sie
im Raum auf der Erde, wo sie mit dem Hund balgte. Sie sprang hoch, steckte
das entfesselte Haar auf und sa gleich in einem niedrigen Sessel so nah
ihm gegenber, da er das vergtterte Antlitz dicht vor sich hatte, es zum
erstenmal andchtig sich einprgen konnte. Sie machte keine Bewegung und
lie ihn sich vollends sattsehen. Dann gab sie die Hand, die er inbrnstig
kte. Sie war selbst einfacher Herkunft und ehrte die Tchtigkeit, die ihm
seinen auerordentlichen Platz verschafft. Umgehend nur mit Mnnern
vornehmster Geburt, fesselte sie an ihn das Band etwa gleicher
Vergangenheit; bei ihm durfte sie Gefhle voraussetzen, die ihren Freunden
fremd waren. In die Erzhlung der Mhsale auf dem steilen Weg zum Erfolg
vertieften sie sich, sprachen mit krftig eindeutigen Worten und genossen
in vollen Zgen mit kicherndem Sichlustigmachen die Schadenfreude, die sie
irgendwie fr eine Welt empfanden, ber die sie heute jeder auf seine Art
herrschten. Napoleon kramte vor ihr seine kleinen Geheimnisse, alle Mittel
aus, mit denen er sich in das Vertrauen der oberen Tausend geschlichen,
erzhlte von seiner durchsichtigen Kontorwand. Sein Vertrauen erwidernd,
gab sie ihm die Hauptdaten ihres Aufstiegs, nannte drei, vier Mnner, denen
sie als Frau und Knstlerin verpflichtet war, und zeigte, alsbald vor ihm
tanzend, durch welche choreographischen Einflle sie nacheinander die Menge
bezwungen hatte. Sie schwebte und bog sich ohne Ziererei vor ihm, und da
sie im leichten Hausrock war, wurde er durch Zuflle von Rock- und
Kleiderfall entzckt. Zum Schlu einen Csardas von hinreiendem Rhythmus
stampfend, kam sie aus der entfernten Ecke des Zimmers auf den Zehen gegen
ihn, bei jeder Taktsenkung das Bein wie einen bohrenden Pfeil gegen sein
Antlitz streckend.

Bei seinem zweiten Besuch ward sie mit reizender Natrlichkeit seine
Geliebte. Diese Frau, die den Mnnern bisher das Bild eines
buntschimmernden Vogels von phantastischer Seltenheit hatte geben mssen,
blasierter Ungeduld zu gengen, war an seinem Hals das schlichte, schlanke
Mdchen aus dem Volk voll naiver Hingabe. Es bedurfte nichts
Auerordentlichen von seiner Seite, die Sehnsucht der Umarmten zu stillen.

Doch blieb bei dem mannigfachen Glck, das sie einander gaben, die
gassenbbische Art, mit der sie alle offizielle Welt verhhnten, hchster
Genu. Napoleon besonders war darin unerschpflich. Gren der Geldwelt,
Sterne der Wissenschaft und Kunst stellte er blitzschnell in gedrngter
Plastik hin und knickte dann mit witzigem Einfall das Pathos ihrer Geste.
Berhmte politische Personen ahmte er nicht nur in Tonfall und Haltung
nach, sondern auch, wie er in der Betroffenen Art mit riesigem Wortschwall
durchsichtige Tatsachen in ein Chaos verwirrte. Whrend sie vorgebeugt aus
den Kissen ihm zusah, fhrte er dramatische Szenen auf zwischen den
Botschaftern zweier Staaten etwa, in deren Verlauf die beiden, sich ber
eine unsagbare Nichtigkeit unsagbar albern und aufgeblasen unterhaltend,
allmhlich anstelle der verbindlichsten Umgangsformen eine immer steifere
Haltung, schroffere Bewegungen setzten, bis sie schlielich wie zwei
schmollende Gockel hochmtig auseinanderstelzten. Er erzhlte, mit welchen
Torheiten und Zufllen sich das Schicksal der Gesetzesvorlagen in den
verschiedenen Kommissionen, die nach den offiziellen Sitzungen bei ihm
fortgetagt, meist entschieden hatte; sie gab ihm Einsicht in abertausend
Spitzfindigkeiten, die die auf die Liebe gestellte Frau der Gesellschaft
anwendet, sich ihre Launen und ihre Lust, am ffentlichen Leben
teilzunehmen, zu erfllen. Wie oft habe sie selbst ihre Gnner in hohen
Stellungen aus Eigensinn zu unsinnigen, folgenschweren Entschlssen
bestimmt und den Reportern, die ihr das Haus einliefen, noch dazu
phantastische Lgen aufgebunden! So reinigten sie sich, das Thema
unaufhrlich variierend, innerlich von dem Respekt, den proletarische
Herkunft ihrer Jugend auferlegt hatte, und wurden lchelnde Verchter der
feinen Lebensformen und des guten Tons, den sie wie den Stil in einem Drama
von Corneille oder einer Molireschen Komdie agierten, whrend ihnen aus
ihrer Liebe ein herzliches Wort, eine menschliche Bewegung gleichnishaft
dazu immer gewrtig war.

Im Geschft dehnte Napoleon die Herrschaft, die er ber Franzosen besa,
auf die brige Welt aus. Er hatte London, Petersburg und Wien gesehen,
Verbindungen angeknpft und befestigt, manche Anregung mit heimgenommen.
Sein Haus wurde an der Themse und Donau berhmt, bei Sacher und Claridge
fand man Platten Au Chapon fin. Es scheiterte auch sein Vormarsch an die
Newa nicht wie der seines unsterblichen Namensvetters. Als der fnfzigste
Geburtstag vor der Tr stand, war sein Ruhm ber zwei Erdteile verbreitet,
der grere Teil der zivilisierten Menschheit a streng nach seinen
Einfllen und Vorschriften. Er besa ein frstliches Einkommen und hatte
die kluge, ihn immer anfeuernde Frau an der Seite, zu der die Beziehungen
nicht legitimiert waren, die er aber leidenschaftlich und zrtlich liebte.

Da man vierzehn Tage vor seinem Fest vom Krieg mit Preuen zu sprechen
begann, und die Gste strmischer seine Meinung wollten, blieb er lchelnd
ruhig und verneinte jede Mglichkeit eines Ausbruchs von Feindseligkeiten.
Er wute aus besten Quellen, kein ernsthafter Politiker glaube wirklich an
den Krieg; er war gewi, es handle sich wieder einmal um die Prestigefrage,
das sattsam bekannte Hndeknacken und schmollende Gockeltum. Aber auch als
die Regierung unter einem frivolen Vorwand die Schiffe hinter sich
verbrannt hatte, blieb Napoleon in tiefster Seele ruhig. Er, der wute,
hohe Politik wird gemacht, um ein paar Dutzend Ehrgeizigen in jedem Land
Vorwand fr eine Karriere zu geben und ihren Heihunger nach ffentlichem
Bekanntsein und Sensationen, mit denen ihr Name verknpft ist, zu
befriedigen, war berzeugt, man werde unverzglich diesen Wichtigtuern
Genugtuung geben, indem man sie mit Titeln, Orden und sonstigen
Auszeichnungen von berallher so reichlich ftterte, da sie satt werden
muten. Was den Frieden bedeutete. Einen Willen der Vlker stellte er nicht
in Rechnung. Er hatte gelernt, es wird mit ihnen kurzerhand nach Gutdnken
der Regierung verfahren. Sie sind es seit ewig gewohnt, wissen und wollen
nichts anders. Sagen heute zu schwarz schwarz und morgen zu schwarz wei.
Es gengt, ihnen zuzurufen: Das Vaterland ist in Gefahr! Sie fragen
niemals: Durch wen im letzten Grund? Lassen sich bewaffnen, morden jeden
Beliebigen als Erbfeind, erst zgernd, dann, aus Gewohnheit, mit
berzeugung und Hochrufen. Valentine gab ihm recht. Sie verspottete alles,
Regierende und Regierte. Verbreitete Erzhlungen, die die Albernheit der
Diplomaten in ein fabelhaftes Licht setzten, militrische Manahmen des
Generalstabs dem Gelchter preisgaben. Beide griffen mit Wollust nach jedem
Gercht, in dem sich irgendeine groartige Dummheit manifestierte,
ftterten, htschelten es und waren vor Freude auer sich, akzeptierten es
selbst diejenigen mit feierlichem Ernst, die aus ihrer bergeordneten
Stellung heraus seine Sinnlosigkeit sofort htten einsehen mssen. Mehr als
der Friede gab der Krieg ihnen unablssig Gelegenheit, die blde Einfalt
der Welt auf Schritt und Tritt zu erkennen und sich ber sie zu erheben.
Die einfache Tatsache, da sie durch Einsicht in politische Zusammenhnge
die Lgenhaftigkeit aller Vorwnde fr den Krieg einsahen, gab ihnen
vollkommen innere Unabhngigkeit von ihm.

So konnten sie sich, whrend ringsum alle Welt immer tiefer in das
verwirrte Auf und Ab der Geschehnisse verstrickt wurde, auf Grund einer
wirklichen berlegenheit entschieden von den Menschen trennen. In ihre
Seele trat das Bewutsein hherer Bestimmung, das sich in den Antlitzen
malte. Sie lebten jetzt und webten auf Wolken hoch ber dem gemeinen Volk.
Lchelten unbetroffen erhaben zu allen Unglcksfllen und Exzessen, die die
Folgezeit in unaufhrlichem Aufeinander brachte. Die vollendete Katastrophe
des Vaterlandes fhrte sie auf den hchsten Gipfel innerer Erhebung. Es
lagen ringsum nicht nur die Mitbrger ihrer erkannten Weisheit, Napoleon
und Valentine lagen einander und jeder sich selbst bewundernd und andchtig
zu Fen.

                   *       *       *       *       *

Eines Tages trat auf in Paris, was man die Kommune nannte. Sie zerschlug
die Spiegelscheiben des Chapon fin, zertrmmerte alles Gert im Innern und
setzte Valentine und Napoleon, jeden fr sich, ins Gefngnis. Als es nach
Wochen Napoleon durch einen Zufall gelang, sich zu befreien, erfuhr er, die
Gefhrtin seines Lebens sei, an die Wand gestellt, erschossen. Ihm fielen
die Beine unter dem Leib fort, und tagelang schleppte er sich aus Gassen in
Felder an Flurndern entlang, ohne Licht und Finsternis scheiden zu
knnen. Das erste Bewutsein von sich empfing er durch einen Sto vor die
Brust, den ihm ein deutscher Landwehrmann gab. Doch schwand es wieder, bis
eines Nachts, da er auf einer Pritsche lag, Erinnerung an Valentine ihn
berfiel. Sie war rosa und wie eine tanzende Guirlande anzusehen, die sich
immer enger um ihn schlang und ihm endlich die erste Trne, dann
Trnenstrme aus den Augen schnrte. Nun sank er hin, aufgelst in ein
unendlich weiches und warmes Weh. Lange erschtterte es seine Glieder und
hllte die Welt in feuchte Schleier. Es trat aber der Vergleich seiner
elenden jetzigen Lage und alles Gewesenen hinzu und erfllte ihn mit Ha
gegen die Menschheit und den Schpfer. Tiefer kroch er in sich hinein und
hufte Anklage auf Anklage gegen die Welt. In einer dunklen Nacht stand er
pltzlich vor den mit Brettern vernagelten Fenstern seines Lokals -- noch
hafteten einige goldene Buchstaben des Schildes -- und in das Loch
pltzlich riesengroer Erkenntnis fiel die Summe fnfzigjhrigen Lebens:
ein blankes Nichts und Einsamkeit.

Trotz und Emprung stachelten ihn zu neuem Tun. Gegen die Ungunst der
Verhltnisse wollte er sofort versuchen, Mittel zu neuem Anfang zu
schaffen, des gleichen Abends aber legte er sich irgendwohin nieder,
sprend, es leide seine Natur nicht, da man sie um das bestehle, was ihr
vor allem notwendig sei: ungestrte, hingebende Trauer um Valentine. So
suchte er sich einen Platz, der ihm nur das tgliche Brot gab. Frh am
Nachmittag aber schon schlo er sich in seine Kammer ein, stopfte Fenster
und Schlssellcher, legte sich aufs Bett und begann, die Frau von den
Toten heraufzudichten. Nachdem er sie zuerst bis in die kleinste Einzelheit
krperlich vor sich wieder hergestellt, ging er sein Leben mit ihr vom
frhesten Anbeginn an durch. Um keinen Augenblick lie er sich betrgen,
repetierte die einzelne Situation so oft, bis sie in lebendiger
Wahrhaftigkeit vor ihm stand. Jene erste, da sie mit Rockrschen und
Volants wie ein Quirl ber seiner Stirn die Treppe hinaufgehuscht war. Die
Beine in weiseidenen Strmpfen nahmen zwei, drei Stufen auf einmal, er
sieht sie im Gelenk flitzen, und da -- das aber hat er damals nicht gesehen
-- erscheint blitzend am Knie die goldene Strumpfbandschnalle. Wahrhaftig,
als Wirklichkeit dauerte, vor lauter Schauen und Staunen hatte sein
Bewutsein sie nicht gefat. Und heute erstand sie das erstemal zum Leben,
beschworen durch seine unwiderstehliche Zrtlichkeit. So drang er instndig
weiter in Erinnerung ein und entri ihr, mit Hingebung und Andacht um ein
Nichts und den Bruchteil einer Sekunde kmpfend, so viel Nichtgesprtes und
Nichterfahrenes, da er ein vllig neues, reicheres Leben mit der
gestorbenen Freundin fhrte.

Als er bei jener Epoche angekommen war, in der sie ihr irdisches Leben
beendet hatte, brachte er sie leicht ber die Klippe des leiblichen Todes
handelnd und redend in die jetzige Zeit hinber und sah sie Stellung nehmen
zu seinem augenblicklichen Dasein. Er msse, da die Verhltnisse sich
allmhlich wieder zur Ordnung fgten, den sinnenden Zustand aufgeben, an
ueres Fortkommen und eine neue bedeutende Einstellung zu neuen Umstnden
denken.

Hatte ihm der Krieg nicht tiefere Einblicke in Fragen der Ernhrung,
Mglichkeiten der Rohstoffverarbeitung gegeben, als jede Situation vorher?
Welche auerordentlichen Aufschlsse hatte die zweckmige oder
unzweckmige Ernhrung eines Heereskrpers, der Bevlkerung einer
belagerten Stadt, welche Klarheit vor allem das Befinden des eigenen
Krpers nach dieser oder jener leiblichen Zumutung ihm verschafft! Das eine
mindestens war zur Evidenz klargeworden: Weit ber die Notdurft hatte der
Mensch vor dem Krieg gegessen und getrunken. Es schien Napoleon fernerhin
ein Unding, das bisher bliche Mittagsmahl von sechs oder sieben Platten,
ein Abendessen von fast gleichem Umfang zu servieren. Millionen hatten
grere Arbeitsleistung, hheren Schwung bei einem Stck Brot und wenigen
Kartoffeln bewiesen als Generationen vorher bei einer tglichen Unzahl von
Gerichten. Es schien ihm hohe Pflicht, die gewonnenen Erkenntnisse dem
Publikum sofort praktisch zu demonstrieren.

Er gab Valentine vollkommen recht. Sie habe nicht nur dem eigenen Leib nie
mehr als das Notwendige zugemutet, sondern sei auch Anla gewesen, da er
den Gsten das Leichteste und Verdaulichste geboten. Doch in viel zu viel
Platten auf einmal. Von jetzt ab msse er in zwei, drei Gerichte
zusammendrngen, was der Magen zur Speisung des Organismus brauche, und ihm
zugleich die volle Wollust eines reichlichen Mahles vermitteln.

Whrend er also die am Leben gebliebenen Gnner aufsuchte und zu seiner
Untersttzung vermochte, whrend die so lange leer gebliebenen Rume seines
alten Heimes allmhlich in strahlenden Stand gesetzt wurden, unterrichtete
er sich methodisch ber die wissenschaftliche Zusammensetzung der
verschiedenen Nahrungsmittel, ber ihren Gehalt an Eiwei, Kohlehydraten
und Fett. Er machte Tabellen und Exempel ber Exempel und errechnete an
glckseligen Tagen eine neue ideale Speisenkarte, auf der er jeden, auch
den verfhrerischsten Namen einer Platte, sofort durch arithmetische Zahlen
ersetzen konnte; aus der man mittels zweier Speisen einen ausreichenden
Nenner smtlicher fr die Ernhrung wichtigen Stoffe erzielen konnte. Hatte
aber anfangs Notwendigkeit, die gewollten Einheiten in ein Gericht
unterzubringen, vielleicht auf dessen gastronomische Vollkommenheit
gedrckt, ging jetzt auf Spaziergngen Napoleons Phantasie der erklgelten
Platte von allen Seiten zu Leibe, wie ihre Schmackhaftigkeit und Anrichtung
auf die hchste Hhe zu bringen sei. Und da ihm ein ber das andere Mal die
Hitze des Entdeckerglcks ins Gesicht stieg, fixierte er endgltig die
Gerichte, mit denen er knftige Menschen aus der Schwchung durch den Krieg
zu frischem Leben fhren wollte.

                   *       *       *       *       *

Der Erfolg an der wiedererffneten Stelle war nicht so berraschend und
bedeutend wie das erstemal. Schon nach wenigen Tagen stellte der Wirt fest,
er hatte es mit lauter Unbekannten zu tun, die nicht Empfehlung, sondern
Zufall und Laune zu ihm gefhrt. Der riesige Kreis seiner alten Gste war
vom Erdboden verschwunden. Doch sthlte diese Erkenntnis seine Krfte, da
ihm einleuchtete, es brachten die Neulinge auf Grund liebgewordener
Gewohnheiten keine Voreingenommenheit mit. So verlie er Monate die Kche
nicht, wo er mit Anspannung aller Krfte die gewonnenen Grundstze in die
Tat umsetzte. Vor allem mute er die Kche von der Richtigkeit seiner
Ansichten berzeugen, da die ntige Herzenslust zur Arbeit ihnen nicht
fehlte. Erst als unten die Wirtschaft geregelten Gang ging, betrat er die
Rume des Restaurants wieder und suchte Fhlung mit den Gsten.

Vom Ton zwischen ihnen und den Kellnern ward er zuerst betroffen. Es gab
keine Unterhaltung ber die zu whlenden Speisen, nicht einen Scherz, kein
interessiertes Hin und Wider. Kurze Kommandos flogen. Der Bedienende,
geneigten Hauptes stumm, machte kehrt. Man a schnell, lie sich nicht mit
Behaglichkeit nieder. Kaum, da man die Kissen drckte. Zur Verdauung gab
sich niemand Zeit. War der letzte Bissen genossen, fuhr der Gast in die
Hhe und verschwand. Rote Kpfe, fettgernderte Lippen, mde Scheitel, die
sich in die Sofarcken lehnten, Hnde, mit geschwollenen Adern aufs Gedeck
gebreitet, sah Napoleon nicht mehr. Es wehte nicht der Atem einer
allgemeinen glckseligen Sattheit nach Tisch und des Dankes gegen Gott und
den Wirt durch den Raum. Steif und gereizt fast sa der Kauende und
vermied, auch nur von sich fortzusehen. Das war nicht ein genderter
Kundenkreis, das war das Gesicht einer anderen Welt, erkannte Napoleon.

Es war klar: andere Ideale herrschten in neuen Menschen. Der Krieg hatte
die Machthaber von ehemals vernichtet. Es saen nicht mehr die Glieder
alter Familien an seinen Tischen, die in oft jahrhundertelangem Ringen
Ansehen und Vermgen an sich gebracht und es zu brauchen wuten; er
bediente nicht mehr die dreifache Aristokratie des Adels, ererbten
Reichtums und des Geistes. Hier trat eine Rasse auf, die durch den Umsturz
aller Verhltnisse an die Oberflche gesplt, behend zugegriffen und in der
allgemeinen Verwirrung, bei einer sentimentalen Erschlaffung der
Besitzenden, sich bermig und skrupellos bereichert hatte. Den Sack voll
Gold, saen sie unkundig seines Verbrauchs, gierig, die Allren der
Wissenden sich anzueignen, elend und leer mit der einzigen Geste
schweigender Abwehr. Stumm und in der Bewegung beherrscht, konnten sie fr
unterrichtet gelten. Sprachen sie, wurde ein Wirken der Glieder notwendig,
klappten sie zu vlliger Ohnmacht zusammen.

Nachdem er aber eingesehen, die Zurckhaltung der Gste sei in einem
Zuwenig begrndet, lie er seine beherrschte Unterwrfigkeit und ging
langsam, doch eindringlich zum Angriff gegen die maskierte Gesellschaft
vor. Wie ein Dieb brach er in gepanzerte Unnahbarkeit, legte ein harmloses
Stzchen als Kder vor und amsierte sich gttlich, lie der geschmeichelte
Heraufkmmling sich aufs Eis berkommener Begriffe locken und legte eine
geradezu erbarmungswrdige Ble an den Tag. Hatte er hinter
undurchdringlicher Maske jemandes Vertrauen gewonnen, lie er den
Getuschten das eigene Selbstbewutsein ausbreiten, das sich fast immer
sttzte auf alberne, mit Emphase vorgetragene Gemeinpltze ber den Krieg,
Heldentaten, die der Betreffende irgendwie whrend des Feldzugs vollbracht
haben wollte; dann kamen Napoleons Einwrfe aus dem Schatz des Herkommens,
Namen ausgezeichneter Menschen der Vergangenheit, bedeutender Erfindungen,
irgendeiner Geistesgrotat. Am hchsten hpfte sein Herz vor Freude, konnte
er durch einen einzigen Kulturbegriff, den er wie einen spitzen Pfeil dem
Gegner in die Parade flitzte, diesen bis auf die Haut entlarven.

Nun fing des Abends im Bett ein Gekicher an, das grausamer und
schonungsloser war, als jenes einstige Lachen mit Valentine ber Narrheiten
einzelner Zeitgenossen vor dem Krieg. Hier fand Napoleon eine ganze Welt
nrrisch; ihren einzigen Ehrgeiz, Geldgewinn und Beurteilung des Menschen
nach seiner Eignung dazu, ber das Ma abgeschmackt und kahl. Whrend seine
Geschfte noch gut gingen, sah er schon die Kluft sich auftun zwischen
einer modernen, rein merkantilen Weltauffassung und dem eignen
Universalismus. Mit Ergriffenheit sprte er, wie zum erstenmal er hier von
Valentine sanft sich schied. Er wute, auch fr die schrecklich vernderte
Welt htte sie nur gutmtigen Spott gehabt, in ihm aber kam von Tag zu Tag
strkere Emprung herauf, die ihn schlielich vllig beherrschte.

Ihm schien jetzt, die frhliche berlegenheit, die mit dem fortschreitenden
Alter Valentines immer friedlicher und harmloser geworden war, htte ihn
schon in der letzten Zeit ihres Lebens gereizt. Hatte sie nicht
schlielich, nachdem man sich gehrig ausgelacht, immer eine
Entschuldigung, irgendeine Gte fr den Verspotteten gehabt? Er war
durchdrungen, sie wrde es heute nicht anders machen, ja sie mchte zur
Nachsicht noch viel geneigter sein, und zrnte ihr darum. Je mehr seine
Abneigung gegen das Publikum wuchs, je hassenswerter ihm die Erscheinungen
wurden, um so mehr schob er Valentine den unbeugsamen Willen zu, alles zu
begreifen und zu vergeben. Es begann ein tglicher Kampf, unaufhrliche
Auseinandersetzung mit der Welt einerseits und dem lebendigen Bild der
geliebten Frau auf der anderen Seite, der ihn zermrbte und elend machte.
Doch blieb allen Einwendungen gegenber sein dumpfer Ha schlielich
siegreich. Jahre hindurch hatte er nun nichts mehr von Freundlichkeiten und
Lieblichkeiten des geselligen Lebens bei sich gesehen. Es war der Sinn fr
Blumen und brillante berraschungen, Tollheiten und geistreich
Unvorhergesehenes geschwunden, nicht mehr gab es die ber das
Mannesbewutsein als Spenderin alles Glcks erhhte und angebetete Frau.
Kein Lachen herrschte mehr und kein Verschwenden, nicht Laune und
berlegenheit. Wohin er hrte: Geschfte. Ziffern, wohin er sah. Das Dach
des Hauses schien auf ihn zu strzen, als eines Tages ein Gast, khl und
korrekt, an dem er mit witziger Bemerkung sich gerieben, ihm ein Goldstck
als Trinkgeld anbot.

Da lief das bis zum Rand gefllte Gef ber. Von jenem Abend bis zum
andern Morgen grub sich eine Falte zwischen seine Brauen, die Lippen
preten sich aufeinander. Er hatte fortan nicht nur keine Teilnahme fr die
gute Bedienung der Gste, sondern geno mit Schadenfreude ein Glck, sah er
in irgendeinem Antlitz Enttuschung ber die angerichtete Speise. Schnell
ward sein genderter Sinn den Kellnern, Kchen offenbar. Sorgfalt und
Gewissen floh. Immer hufiger gab es unzufriedene Gesichter der Essenden.
Unbewegter Miene schlrfte der Wirt jedes Quentchen Wut, dessen Ausdruck er
erhaschte, und berauschte sich daran. Ganz nach vorn wuchs sein Gesicht.
Stechenden Blicks, geblhter Nase schnffelte er sich in das Empfinden der
neuen Welt; trank, wie bitter es schmeckte, sie vllig aus und sprte zum
anderen Male deutlicher und als Entscheidung: in dreiig Millionen Narren
besa die Nation nur noch einen Sinn: das Geld, und jeder, dem der Erwerb
wie immer geglckt war, war im eigenen und im allgemeinen Urteil Person. In
Napoleons Auffassung aber war er ein Ruber, ein Scheusal, das die Anarchie
der Vernunft whrend des Krieges benutzt hatte, den durch berlegenheiten
und Mhsale in Generationen erworbenen Familienbesitz des Landes an
irdischen und himmlischen Gtern zu zerstren. Es kamen die Huptlinge der
neuen Geldaristokratie zu ihm. Fett, frech und verlegen stmperten sie mit
ihren Weibern Geselligkeit.

In Napoleons Hirn stieg wie ein Blschen zuerst der Gedanke an Gift, das
ihnen zwischen die Speisen zu mischen sei. Bald machte er sich im Denken
breiter, und endlich beherrschte er sein Trachten ganz. Von irgendwoher
hatte er sich das ansehnliche Quantum Arsenik verschafft, das ihm nun seit
Tagen in der Tasche brannte: es wie ein harmloses Gewrz in die Teller zu
streuen, abzuwarten, bis die Wirkung, die in den Eingeweiden whlte, ins
Auge brach. Glut stieg ihm ein ber das andere Mal in die Haare, bis er
fhlte, im nchsten Augenblick widerstnde er dem ungeheueren Verlangen
nicht mehr.

Da ri er die Tr zur Gasse auf, und barhuptig im Galopp, als wlzten sich
Lavastrme auf seinen Fersen, entlief er der Strae, dem Stadtviertel, der
Bannmeile von Paris; sank drauen ins Feldgras, schluchzte, da die Knochen
bebten, schluchzte sich und die Erde na.

Er zog die Landstraen entlang, durch Mrkte und Stdte. Blieb aus Zufall
irgendwo Monate, Jahre als Aufwrter, Hausknecht, Gelegenheitsarbeiter.
Sein Weltbild wurde auf gleicher Basis runder und mannigfaltiger. berall
sah er die vom Kampf ums Dasein betubten Massen, von rcksichtslosen
Unternehmern an Kessel und Maschinen geschmiedet, Waren verfertigen, fr
die aus schlielichem Mangel an Absatz, so rechnete Napoleon, ber kurz
oder lang durch neue Kriege mit neuen Hekatomben zerfleischter Menschen
neue Abnehmer in zu erobernden Provinzen gewonnen werden muten.

Hellen Bewutseins trat er aus diesem Lauf der Geschicke aus. Den Gedanken
an Erwerb ri er mit allen Wurzeln aus seiner Seele, erlaubte sich keinen
Besitz ber die Notdurft. Das von aller Welt gesonderte Dasein gab ihm
Person und berlegenheit; der Mangel an Eigentum, Unabhngigkeit und freie
Bewegung. Von einem Tag zum andern hatte er durch einen einzigen Entschlu
Verfgung ber sich und die Welt nach allen Seiten gewonnen, und ein
erlstes Lachen trat in sein Gesicht. Jetzt, wo er auch stand und ging, war
er bloer Zuschauer der menschlichen Komdie, an der er, weil durch eigene
Qual nicht mehr verbunden, gutmtige Kritik bte. Da war es, da er sich
dem vergessenen Andenken Valentines wieder offiziell und innig vermhlte,
der er, wie er sich nun gestand, whrend seine Vernunft ihre Einflsse
bekmpfte, ahnend nachgefolgt war.

Eines Tages stand er vor jenem Eckhaus, an dem sich die Steinwege nach
Nivelles und Genappes treffen; in dem er geboren war. Niemand kannte ihn
dort. Alles Verwandte war tot. Als zwlfjhriger Knabe war er hier
fortgegangen, der Wiedergekehrte zhlte fnfundsechzig Jahre.

Aber im Wirtshaus wute man seine Geschichte. Erzhlte Grandioses, Historie
von ihm. Mehr war den Erfolgen dieses heimischen Napoleon die allgemeine
Teilnahme und Bewunderung zugetan, als dem Korsen. Man wies ihm, der sich
nicht zu erkennen gab, gerahmte Zeitungsnachrichten, in denen es hie, wie
ganz Auerordentliches von ihm in verschiedenen Zeitluften ausgerichtet
war -- und angerichtet, wie ein Witziger hinzufgte. Lnder samt ihren
Frsten, die zivilisierte Welt von West nach Ost habe schlielich ihm, dem
vlmischen Bauernsohn, einmtig zu Fen gelegen. Mit nachdenklichem,
gerhrtem Erstaunen hrte Napoleon die mannigfachen Erzhlungen und entsann
sich der Kreuze und Sterne an rot und grnen, an gestreiften Bndern, die
irgendwo in einer Schublade lagen.

                   *       *       *       *       *

Am Rand des unvergleichlichen Wlderkranzes, der Brssel einsumt, liegt in
einer Talsenkung an der Strae von Quatre-bras nach Waterloo das Schlchen
Groenendael; ein weies, einstckiges Haus aus dem Empire. In vergangenen
Zeiten eine Abtei, wurde es im neunzehnten Jahrhundert Wirtshaus, in das
die besseren Brger Brssels auf Ausflgen einkehren. Dort ganz nah der
Sttte seiner Geburt, nahm Napoleon einen Platz als Kellner. Seine Jahre,
die schwachen Fe erlaubten ihm angestrengten Dienst nicht mehr. Hier war
im Winter nichts, im Sommer an Wochentagen wenig zu tun. Nur Sonntags mute
er sich ein wenig tummeln. Doch nahmen die Gste seiner viel Rcksicht und
blickten mit neugieriger Erwartung ihm entgegen, trug er das hochbeladene
Brett auf sie zu. Jeder hatte ein Wort fr ihn, dem er freundliche
Empfindung unterlegte, alle Anrede begann mit Umschreibung und
Entschuldigung fast. Nicht, was er brachte, er selbst, wie er's ausfhrte,
blieb Gegenstand teilnehmender Aufmerksamkeit, gutmtigen Staunens, und
stand das Gewnschte auf dem Tisch, strahlte ihm alles Verwunderung und
Anerkennung zu. Aber auch Napoleon selbst lachte in heller Befriedigung
ber das ganze Gesicht. Der Wirt mit seiner Familie merkte das Gefallen der
Gste an dem alten Mann, behandelte ihn mit Rcksicht und lie ihn
ungestrt und ungescholten seine Tage hinbringen.

So kam von auenher alsbald kein Milaut mehr in sein Leben, das im ruhigen
Gleichma ging. Den Frhling sah er, Gottes himmlische Wrme in bestimmten
Abschnitten ber die Erde kommen, auf den Hgeln Buchen grnen, Khe ber
die beblumte Wiese weiden. Menschen aller Art aber wandelten zu allen
Jahreszeiten in einem schnen, landschaftlichen Panorama vor ihm. Lange sah
er sie als deutliche Figuren mit Lrm und eigener Bewegung, dann noch wie
scharfe Schatten. Allmhlich aber lsten sie sich still in umgebende Natur
auf.

Die sich in seine Seele wie ein vollkommenes Gemlde spannte, das er mit
Andacht schaute. War die Sonne mild, trat er unter Bume und blickte das
Warme an, das um ihn summte. Dort strahlte ein Vogel lang dasselbe Lied;
dann flog er wie Licht zum andern Baum hinber. Hier putzte das Eichhorn
sich schnurrig geduldig zum Goldbraun der Stmme, Blindschleiche kroch mit
dem Schatten ins Helle und zngelte. Dann faltete Napoleon die Hnde, stie
entzckte Seufzer aus und legte sich lang ins Gras. Den Blick zum ewigen
Himmel aufgeschlagen, hatte er die gesamte Schpfung, Ton, Raum und Licht
mit eins in der Netzhaut.

An Vergangenheit, viel Macht und Ehre, viel Leid und Elend, husliches und
brgerliches Wesen, an einzelnes erinnerte er sich nicht mehr. Manchmal
ttschelte er die Kuh, den Hund und dachte nichts dabei. Er wurde gar sehr
schwach. Das war ihm eitel Wollust. Als die letzte, grte Schwche kam,
war er gut und fromm.

Von CARL STERNHEIM erschienen:

_IM INSEL-VERLAG_

DON JUAN

Eine Tragdie. Geh. M 5.--, Halbleder M 8.--

ULRICH UND BRIGITTE. Ein dramatisches

Gedicht. Geh. M 3.--, Leinen M 4.--

AUS DEM BRGERLICHEN HELDENLEBEN:

1. DIE HOSE. Lustspiel.

2. DIE KASSETTE. Komdie.

3. BRGER SCHIPPEL. Komdie.

4. DER SNOB. Komdie.

Jeder Band geheftet M 3.--, Leinen M 4.--

_KURT WOLFF VERLAG_

5. DER KANDIDAT. Politische Komdie.

6. 1913. Schauspiel.

Als vierzehnter Band der Bcherei Der jngste Tag

BUSEKOW

Erzhlung. Geheftet M 0.80, gebunden M 1.50





End of the Project Gutenberg EBook of Napoleon, by Carl Sternheim

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1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
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1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
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Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
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request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
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that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

