Project Gutenberg's Sieben Jahre in Sd-Afrika. Zweiter Band., by Emil Holub

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Title: Sieben Jahre in Sd-Afrika. Zweiter Band.
       Erlebnisse, Forschungen und Jagden auf meinen Reisen von
       den Diamantenfeldern zum Zambesi (1872-1879)

Author: Emil Holub

Release Date: June 4, 2015 [EBook #49132]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SIEBEN JAHRE IN SD-AFRIKA. ***




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                            [Illustration]

                      Sieben Jahre in Sd-Afrika
                            Zweiter Band.




                     Sieben Jahre in Sd-Afrika.


                  Erlebnisse, Forschungen und Jagden
        auf meinen Reisen von den Diamantenfeldern zum Zambesi
                             (1872--1879)
                                 Von
                           Dr. Emil Holub.

           Mit 235 Original-Holzschnitten und vier Karten.

                            Zweiter Band.

                             Wien, 1881.
                            Alfred Hlder,
               k. k. Hof- und Universitts-Buchhndler,
                        Rothenthurerstrae 15.

                       Alle Rechte vorbehalten.

                 Druck von Friedrich Jasper in Wien.




                               Inhalt.



              Dritte Reise in das Innere von Sd-Afrika.

I. Von den Diamantenfeldern an den Molapo.

Aufbruch von Dutoitspan. -- Uebergang ber den Vaal. -- Korannagrber im
Hart-Riverthale. -- Mamusa. -- Wildgansjagd an Moffats Salzsee. -- Ein
Nest des Knigskranichs. -- Ein Lwenabenteuer Taylor's. -- Molema's
Town. -- Barolongen-Hochzeit. -- Beschwrungsmittel. -- Eine
Gerichtssitzung. -- Kalte Tage. -- Das Malmanithal. -- Weltevreeden-Farm

II. Von Jacobsdal nach Schoschong.

Jacobsdal. -- Zeerust. -- Ankunft in Linokana. -- Schieferlager. --
Ernteertrgnisse. -- Die Krokodile im Limpopo und seinen Nebenflssen.
-- Erzlagersttten im Bushveldt. -- Damara-Emigranten. -- Die Lwenfurth
ber den Marico. -- Welsfang im Marico. -- In Lebensgefahr. -- Das
Buffadderthal. -- Ankunft in Schoschong

III. Von Schoschong nach den groen Salzseen.

Geschichte der letzten Kmpfe zwischen Sekhomo und Khama. --
Erosions-Erscheinungen im Lualabette. -- Die Maque-Ebene. -- Frost. --
Wilde Straue am Wagen. -- Jagdverbot des Knigs Khama. --
Eland-Antilopen. -- Die ersten Palmen. -- Wildpfade und Fall-Assagaie an
den Nokane-Quellen. -- Im Gebiete der groen Salzseen. -- Die Tsitani-
und Karri-Karri-Pfanne. -- Am Tschaneng-Flusse. -- Matabele am Wagen. --
Die Salzlager am Nataspruit. -- Jagd auf Zulu-Hartebeeste. -- Auf dem
Anstande auf Lwen. -- Thierleben am Nataspruit

IV. Vom Nataspruit nach Tamasetse.

Die Salzlager im Nataspruit. -- Ein Capitalschu. -- Von Lwen
aufgeschreckt. -- Das sandige Lachenplateau. -- Straue am Wagen. --
Nachtreise bei Fackelschein. -- Ein Lwenabenteuer. -- Die
Klamaklenjana-Quellen. -- Vereitelte Elephantenjagd. -- Begegnung mit
Elephantenjgern. -- Die Madenassana's. -- Gebruche und Sitten
derselben. -- Der Yoruha-Weiher und die Tamafopa-Quellen. -- Nchtliches
Thierleben im Walde. -- Eine verunglckte Lwenjagd. -- Pit schlft auf
dem Anstande

V. Von Tamasetse zum Tschobeflusse.

Henry's Pan. -- Leiden und Freuden der Elephantenjger. -- Eine
Lwenjagd des jungen Schmitt. -- Makalaka's. -- Ein muthiges Weib. --
Nchtlicher Ueberfall durch einen Lwen. -- Die sdafrikanischen
Lwenspecies. -- Leben und Gewohnheiten des Lwen. -- Seine
Angriffsmethoden. -- Ankunft in Panda ma Tenka. -- Blockley. -- Der
Elfenbeinhandel mit Sepopo. -- Elandstiere. -- Aerztliche Praxis an
Henri's Pan. -- Thier- und Pflanzenleben im Panda ma Tenka-Thale. --
Bienenschwrme. -- Westbeech's Handelsstation. -- Saddler's Pan. -- Der
Hndler Y. -- Im Leschumo-Thale. -- Gereizte Elephanten auf der Flucht
durch den Wald. -- Am Ufer des Tschobe

VI. Im Tschobe- und Zambesithale.

Das Thal des Tschobe und seine Vegetation. -- Signalisierung meiner
Ankunft. -- Die ersten Boten aus dem Marutse-Reiche. --
Landschaftsscenerie an den Stromschnellen des Tschobe. -- Begegnung mit
Masupia's. -- Mein Mulekau. -- Geschichte der Matabele-Einflle in das
Reich Sekeletu's. -- Ein Masupia-Grab. -- Thierleben am Tschobe. --
Makumba. -- Begegnung mit englischen Officieren in Impalera. -- Die
Htten der Masupia. -- Der Schlangenhalsvogel. -- Meine erste Bootfahrt
auf dem Zambesi. -- Die Schilfrohrwlder an den Ufern des Zambesi und
das Thierleben in denselben. -- Letschwe- und Puku-Antilopen. --
Krokodile und Flupferde. -- Ankunft in Alt-Schescheke. -- Blockley's
Kraal

VII. Der erste Besuch im Marutse-Reiche.

Mein Empfang bei Sepopo. -- Der Libeko. -- Sepopo auf Schleichwegen. --
Sepopo's Residenz. -- Geschichte des Marutse-Mabunda-Reiches. -- Die
Stmme des Reiches und ihre Wohnsitze. -- Unterthanen-Verhltni
derselben. -- Die Sesuto-Sprache. -- Portugiesische Hndler am Hofe
Sepopo's. -- Sepopo ertheilt mir die Erlaubni zur Bereisung seines
Landes und beschreibt mir den einzuschlagenden Weg. -- Der Bau von
Neu-Schescheke. -- Brand von Alt-Schescheke. -- Culturstufe der Stmme
des Reiches. -- Der Aberglaube und seine Opfer. -- Thronfolge. --
Machtbefugnisse des Herrschers. -- Das Bauwesen bei den Vlkern des
Reiches. -- Dreifache Bauart der Htten. -- Das Innere des kniglichen
Gehftes. -- Der Kischitanz. -- Sepopo's Musikcapelle. -- Die
Musik-Instrumente bei den Marutse-Mabunda. -- Kriegstrommeln. -- Die
Kischitnzer-Masken. -- Rckfahrt nach Impalera. -- Ankunft in Panda ma
Tenka. -- Ein Lwenabenteuer

VIII. Ausflug zu den Victoriafllen.

Ankunft in Panda ma Tenka. -- Neue Enttuschungen. -- Theunissen verlt
mich. -- Aufbruch nach den Fllen. -- Jagd auf Orbecki-Gazellen. -- Eine
Giraffenherde. -- Die Swassertmpel in der Umgebung der Victoriaflle.
-- Thier- und Pflanzenleben in denselben. -- Ein schmerzenreicher Gang.
-- Der erste Anblick der Flle. -- Unser Skerm. -- Charakteristik der
Flle. -- Groartigkeit und Pracht derselben. -- Hhe und Breite der
Flle. -- Die Inseln an der Fallkante. -- Hhe der Dunstsulen. -- Die
Erscheinung der Flle bei Sonnen-Auf- und Niedergang. -- Die Abflurinne
des Zambesi unterhalb der Flle. -- Felsenbildungen -- Vegetation und
Thierleben an den Fllen. -- Jagd auf Paviane. -- Ein interessantes
Lwenabenteuer. -- Die Manansa's. -- Schicksale und Charakter derselben.
-- Ihre Sitten und Gebruche. -- Brautwerbung und eheliches Leben bei
denselben. -- Todtenbestattung. -- Rckkehr nach Panda ma Tenka

IX. Zweiter Besuch im Marutse-Reiche.

Zweiter Aufbruch nach Impalera. -- Die Krokodile im Zambesi und ihre
Gefhrlichkeit. -- Begrbnifeier bei den Masupia's. -- Sepopo und seine
Frauen. -- Reiseplne. -- Baum- und Busch-Vegetation im Walde von
Schescheke. -- Einzug einer Karawane von Tributpflichtigen. -- Die
Marutse als Fischer. -- Maschoku, der Scharfrichter Sepopo's. --
Schmiedewerkzeuge der Marutse. -- Der prophetische Tanz der Masupia's.
-- Besuch der Kniginnen. -- Der Fang des Krokodils. -- Die Manko. --
Die Verwaltung des Marutse-Mabunda-Reiches. -- Die Beamten-Hierarchie.
-- Eine Elephantenjagd unter Sepopo's Anfhrung. -- Ausflge in den Wald
von Schescheke und Bffeljagden in demselben. -- Eine interessante
Lwenjagd. -- Der Lwentanz der Marutse. -- Die Maschukulumbe am Hofe
Sepopo's. -- Moquai, des Knigs Tochter. -- Hochzeitsfeier bei den
Marutse

X. Den Zambesi aufwrts.

Aufbruch von Schescheke. -- Die Flottille der Kniginnen. -- Erstes
Nachtlager. -- Marutse-Typen. -- Manko. -- Fruchtbarkeit des
Zambesi-Thales. -- Die Stromschnellen am centralen Zambesi. -- Die
Mutschila-Aumsinga-Stromschnellen. -- Schiffbruch in denselben. -- Sioma
von Lwen belagert. -- Vom Fieber besinnungslos niedergeworfen. --
Rckkehr nach Schescheke

XI. Dritter Aufenthalt in Schescheke.

Condolenzbesuche des Knigs und der Huptlinge. -- Eine neue Unthat
Sepopo's. -- Masarwa's in Schescheke. -- Ceremoniell bei den Mahlzeiten
an Sepopo's Hof. -- Mein erster Ausflug. -- Der Fischfang im
Marutse-Reiche. -- Sepopo erkrankt. -- Wanderungen eines Arabers durch
Sd-Afrika. -- Unterthanen-Verhltni im Marutse-Reiche. --
Charakterzge einzelner Stmme des Reiches. -- Die Zukunft des Landes

XII. Die Culturstufe der Vlker im Marutse-Reiche.

Religise Vorstellungen. -- Lebensweise der Vlker. -- Ackerbau. --
Ertrgni desselben. -- Preis der Feldfrchte. -- Consum. -- Kleidung
der Mnner und Frauen. -- Die Stellung der Frau im Marutse-Reiche. --
Erziehung der Kinder. -- Ehe. -- Todtenbestattung. -- Grabdenkmler. --
Das Reisen im Lande. -- Die Rechtspflege im Reiche. -- Eine Hinrichtung.
-- Die Doctoren Sepopo's. -- Aberglauben. -- Zaubermittel. --
Menschenopfer. -- Industrie-Erzeugnisse der Marutse. -- Thongefe. --
Holzarbeiten. -- Calebassen. -- Flechtarbeiten. -- Schneide-Werkzeuge.
-- Jagd- und Kriegswaffen. -- Textil-Industrie. -- Canoebau. --
Tabakspfeifen und Schnupftabakdosen. -- Toilette-Artikel. --
Schmuckgegenstnde

XIII. Aufenthalt im Leschumo-Thale.

Abfahrt von Schescheke. -- Renitente Bootsleute. -- Ein treffliches
Schreckmittel. -- Die Fauna im Leschumo-Thale. -- Diamond's
Jagdausflge. -- Der Huptling Moja. -- Eine interessante
Naturerscheinung. -- Sepopo's Hscher. -- Kapella's Flucht aus
Schescheke. -- Schwere Gewitter. -- Ghrung im Marutse-Reiche. --
Sepopo's Niedergang. -- Aufbruch nach Panda ma Tenka

XIV. Durch das Makalaka- und Westmatabele-Land.

Aufbruch nach Sden. -- Vlakvarks. -- Lager an den
Klamaklenjana-Quellen. -- Der Hndler Z. -- Die Weiher von Tamasanka. --
Die Sibanani-Lichtung. -- Reiches Thierleben. -- Die Mambaschlange. --
Ein bses Gewissen. -- Menon, der Chef der westlichen Makalaka. -- Ein
Spion. -- Menon hlt ber Z. Gericht. -- Langfingrigkeit und
Unreinlichkeit der Makalaka. -- Morulabume. -- Z. in Lebensgefahr. --
Die Ruinen von Rocky-Schascha. -- Pittoreske Landschaftsscenerie am
Rhamakoban-Flusse. -- Tati. -- Goldgrber. -- Die Familie Lotriet. --
Matabele-Vorposten. -- Geschichte des Matabele-Reiches. -- Africa als
Lwenjger. -- La Bengula's Schwester. -- Der Leopard im Schlafzimmer
Pit Jacobs

XV. Rckreise nach den Diamantenfeldern.

Ankunft in Schoschong. -- Khama lt Z. verfolgen und verurtheilt ihn.
-- Aufregende Nachrichten aus der Colonie. -- Aufbruch nach Sden. --
Mochuri. -- Der Krieg der Bakhatla's gegen die Bakwena. -- Ich erstehe
zwei junge Lwen. -- Ein Lwen-Abenteuer Van Viljoens. -- Eberwald
besucht mich. -- Jouberts See. -- Houmans Vley. -- Ankunft in Kimberley

XVI. Mein letzter Aufenthalt in den Diamantenfeldern.

Wiederaufnahme der rztlichen Praxis. -- Mein neues Heim und kleiner
Thiergarten in Bultfontein. -- Ausstellung meiner Sammlungen im
Varietiestheater zu Kimberley. -- Ausflug nach der Farm Wessels. -- Die
Gravirungen der Buschmnner. -- Hynen- und Erdferkeljagden. -- Meine
Broschre ber die Eingebornenfrage. -- Irrige Auffassung derselben in
England. -- Ernste Zeiten fr die Colonie und Griqualand-West. -- Mayor
Lanyon und Colonel Warren. -- Aufbruch nach der Kste

XVII. Durch die Colonie zur Kste.

Abreise von Bultfontein. -- Strauenzucht auf der Farm Ottersport. --
Strauenzucht im Allgemeinen. -- Meine erste Vorlesung in Colesberg. --
Cradock. -- Ein Unfall bei diesem Orte. -- Der Zulu-Krieg. -- Die
Ursachen der Mierfolge in der Behandlung der sdafrikanischen
Eingebornen. -- Meine Artikel ber den Zulu-Krieg. -- Kampfweise der
Zulu. -- Grahamstown. -- Reiche palontologische Funde. -- Ankunft in
Port Elizabeth. -- Eine Lwenjagd. -- Ausflge in die Umgebung. -- Meine
marinen Sammlungen. -- Meine Sammlungen in Gefahr. -- Die letzten Tage
auf afrikanischem Boden. -- Heimfahrt nach Europa, Projecte fr die
Zukunft


                         Inhalt des Anhangs.

        1)  Die Roiwater-siekte
        2)  Chirurgische Erfahrungen
   3 u. 4)  Meine Behandlung des Fiebers
        5)  Zwei Zge von Kindesliebe bei den Eingebornen
        6)  Eine Lwenjagd Cowley's
        7)  Originaltext einer Stelle aus meiner Broschre: ^A few words
               on the Native Question^
        8)  Die Drre-Perioden in der Cap-Colonie
        9)  Die Strauenzucht in Sd-Afrika
       10)  Originaltext eines meiner Artikel ber die Zulu's
       11)  Die Maschona
       12)  Zweck und Ziel meiner nchsten Forschungsreise


                               Karten.

   Specialkarte  (Nr. 1)  des von Dr. Holub bereisten centralen Theiles
                             von Ost-Bamangwato und West-Matabele.
        "        (Nr. 2)  Die Victoriaflle des Zambesi.
        "        (Nr. 3)  Dr. Holubs Bootfahrten im centralen Laufe des
                             Zambesi von der Malumba-Bucht bis zum
                             Nambwe-Katarakt (Sd-Barotse).


                   Verzeichni der Illustrationen.

     1.  Titelbild zur dritten Reise in das Innere von Sd-Afrika
     2.  Batlapinen auf der Blbockjagd
     3.  Weiher bei Coetze's Farm
     4.  Grber unter den Kameeldornbumen bei Mamusa
     5.  Wildgansschieen an Moffats Salzsee
     6.  Tauschhandel bei Konana
     7.  Rauchender Betschuana
     8.  Felsenpartie bei Molema's Town
     9.  Pavianfelsen
    10.  Bootfontein
    11.  Newport-Farm
    12.  Welsfang im Marico
    13.  Im Sumpfe am Matebe-Flchen
    14.  An der Lwenfurth im Marico
    15.  Krokodile im Limpopo
    16.  Kampfesscene auf den Bamangwato-Hhen
    17.  Das Lualabett
    18.  Strauenheerde am Wagen
    19.  Jagd auf Eland-Antilopen durch Masarwa's
    20.  Verfolgende Matabele
    21.  Jagd auf Zulu-Hartebeeste
    22.  Die Soa-Salzpfanne
    23.  Im Baume
    24.  Nachtreise bei Fackelschein
    25.  Von Lwen aufgescheucht
    26.  Pit, schlfst Du?
    27.  Heimkehrende Elephantenjger
    28.  Ein muthiges Weib
    29.  Unterricht im Elephantenjagen
    30.  Nchtlicher Ueberfall durch einen Lwen
    31.  Elephantenheerde auf der Flucht
    32.  Bootfahrt im Zambesi
    33.  Impalera
    34.  Grab eines Masupia-Huptlings
    35.  Am Tschobe-Ufer
    36.  Wildebene bei Blockley's Kraal
    37.  Nilpferdjagd
    38.  Im Papyrusdickicht
    39.  Empfang bei Sepopo
    40.  Hafen von Schescheke
    41.  Uebersiedlung nach Neu-Schescheke
    42.  Musik-Instrumente der Marutse
    43.  Kischitanz
    44.  Kischitnzer-Maske
    45.  Am Ufer des Zambesi
    46.  Jagd auf Bushvaarks
    47.  Zusammentreffen mit Giraffen
    48.  Leben und Weben am Grunde der Swassertmpel
    49.  Die Victoriaflle
    50.  Der Lwe kommt
    51.  Jagd auf Sporngnse
    52.  Knig Sepopo
    53.  Kaka, Knig Sepopo's Tochter
    54.  Der prophetische Tanz der Masupia
    55.  Besuch der Kniginnen
    56.  Meine Htten in Neu- und Alt-Schescheke
    57.  Krokodilangel
    58.  Jagd auf Wasser-Antilopen
    59.  Bffeljagd
    60.  Lwenjagd bei Schescheke
    61.  Maschukulumbe an Sepopo's Hofe
    62.  Sepopo's Arzt
    63.  Mabunda. Makololo
    64.  Manko
    65.  Marutse-Typen
    66.  In den Manekango-Stromschnellen
    67.  Mambari. Matonga
    68.  Zambesi aufwrts
    69.  Verlust meines Bootes
    70.  Sioma von Lwen angegriffen
    71.  Fischotterjagd am Tschobeflusse
    72.  Masupia. Panda
    73.  Das Speeren der Fische
    74.  Gang durch Schescheke
    75.  Ertrnken arbeitsunfhiger Personen
    76.  Sepopo's Capellmeister
    77.  Korb aus Bast und Kalebassen-Korngefe bei den Mabunda
    78.  Schpflffel und Kalebassen-Korngefe bei den Mabunda
    79.  Ein Marutse-Elephantenjger
    80.  Kalebassen fr Honigbier und Korn bei den Marutse und Mabunda
    81.  Tabaks- und Dachapfeifen der Marutse und Mabunda
    82.  Dachapfeifen der Mabunda, Marutse und Masupia
    83.  Scene am Zambesiufer in Schescheke
    84.  Lager im Leschumo-Thale
    85.  Wana Wena, der neue Knig der Marutse
    86.  Ruinen von Rocky-Schascha
    87.  Ruinen von Tati
    88.  Begegnung mit einem Lwen am Tatiflusse
    89.  Der Leopard im Hause Pit Jacobs
    90.  Rckreise nach den Diamantenfeldern
    91.  Koranna-Gehfte bei Mamusa
    92.  Platberg bei Rietfontein
    93.  Fingoknabe
    94.  Mein Haus in Bultfontein
    95.  Felsen-Gravirungen der Buschmnner
    96.  Grabstichel der Buschmnner
    97.  Jagd auf Erdferkel
    98.  Colonel Warren
    99.  Bella
   100.  Jacobsdaal im Jahre 1872
   101.  Unfall bei Cradock
   102.  Kampfweise der Zulu
   103.  Masarwadorf
   104.  Fingodorf bei Port Elizabeth
   105.  Mainstreet in Port Elizabeth
   106.  Schluvignette


                               Errata.

[Anmerkung zur Transkription: Die Errata wurden im nachfolgenden Text
korrigiert.]

   Seite    3  Zeile   6  von  oben   lies:  _Weltevreeden_ statt
                                                Weltufrede.
     "     27  "      17   "     "      "    "
     "    111  "       1   "   unten    "    98 statt 28 Fu.
     "    127  "       1   "   oben     "    _Manansa_ statt Masarwa.
     "    141  (Illustrations-Unterschrift) lies: _Grab eines
                  Masupia-Huptlings_ statt Masupia-Grab.
     "    202  Zeile   3  von  oben   lies:  _Brauneisenstein_ statt
                                                Braunstein.
     "    249  (Illustrations-Unterschrift) lies: _Kaka_ statt Moquai.
     "    253  Zeile   6  von  oben   lies:  ^_Merops_ Nubicus^ statt
                                                ^Herops Nubicus^.
     "    299  "      16   "     "      "    _Thari-_ statt Luchs-.
     "    341  "      15   "   unten    "    nach dem Worte Matschuku:
                                                _Tabak_ einzuschalten.
     "    395  "      17   "   oben     "    ^_Anthiae thoracicae_^
                                                statt ^Carabi
                                                venatores^.

                            [Illustration]




                      Dritte Reise in das Innere
                                 von
                             Sd-Afrika.


                            [Illustration]



                                  I.
               Von den Diamantenfeldern an den Molapo.


Aufbruch von Dutoitspan. -- Uebergang ber den Vaal. -- Korannagrber im
Hart-Riverthale. -- Mamusa. -- Wildgansjagd am Moffat's Salzsee. -- Ein
Nest des Knigskranichs. -- Ein Lwenabenteuer Taylor's. -- Molema's
Town. -- Barolongen-Hochzeit. -- Beschwrungsmittel. --
Eine Gerichtssitzung. -- Kalte Tage. -- Das Malmanithal. --
Weltevreeden-Farm.

[Illustration: Batlapinen auf der Blbockjagd.]

Nach fast dreijhrigem Aufenthalte auf dem heien Boden des schwarzen
Erdtheils, der Ruhmes- aber auch schweren Leidenssttte so vieler von
froher Begeisterung fr ihren Beruf erfllter Mnner, stand ich nun an
der Schwelle meiner eigentlichen Aufgabe. Die verschiedensten Gefhle
durchwogten meine Seele, konnte und durfte ich hoffen, das ferne Ziel zu
erreichen, um dessentwillen ich die Heimat und meine Lieben verlassen
hatte, war ich den Schwierigkeiten der geplanten Reise auch gewachsen?
-- Die gesammelten Erfahrungen auf meinen zwei vorhergegangenen Uebungs-
und Recognoscirungs-Touren schienen mir diese Frage zu bejahen, ich
hatte die verschiedenen Tcken und Gefahren der afrikanischen Natur, die
zahllosen widrigen und strenden Zuflligkeiten im Verkehre mit den
Eingebornen, ihre Behandlungsweise, die Tragweite und den Werth treuer
und verllicher Begleiter und Diener kennen gelernt, und nach diesen
Erfahrungen mich nach besten Krften auf diese, meine dritte Reise,
welche eine Forschungsreise im eigentlichen Sinne werden sollte,
vorbereitet; -- doch wo und wann lie sich in Afrika der Erfolg selbst
der ausdauerndsten und energischesten Bestrebungen beschrnkter
Menschenkraft mit Zuversicht vorherbestimmen!

Aus dem Widerstreite aller dieser Gedanken und Gefhle tauchte zuletzt
das Bild des atlantischen Oceans bei Loanda auf und belebte meinen Muth,
strkte mein Vertrauen; in so manchen schwierigen Fllen war mir das
Glck als treuer Bundesgenosse beigestanden, vielleicht lchelte es mir
auch diesmal und half mir das Unberechenbare, an dem Forschungsreisen in
Afrika so reich sind, berwinden.

                   *       *       *       *       *

Am 2. Mrz 1875 verlie ich Dutoitspan und begab mich vorerst zu einem
Freunde nach Bultfontein, um hier bis zum 6. zu verweilen und den Rest
meiner Geschfte zu besorgen. Im Plane meiner eben anzutretenden Reise
lag es, Sd-Central-Afrika zu erforschen und da ich deshalb kaum nach
der Capcolonie zurckzukehren glaubte, hatte ich diesmal bei meinem
Scheiden aus den Diamantenfeldern mehr und wichtigeres zu besorgen, als
dies bei den zwei vorhergegangenen Versuchsreisen der Fall war.

Von Bultfontein am 6. aufbrechend legte ich etwa 11 Meilen zurck und
hielt bei einer von einer sandigen, schon von den Diamantenfeldern aus
sichtbaren Bodenerhebung umschlossenen Regenlache die erste Rast. Wir
schliefen in dem tiefsandigen, auf einige Meilen hin den nach dem
Transvaal-Gebiete fhrenden Weg begleitenden Mimosengehlze, dessen
Durchzug jedem Gefhrte so widerlich wird.

[Illustration: Weiher bei Coetze's Farm.]

Am 7. passirte ich die beiden Farmen Rietfley und Keyle. Die erstere
liegt auf einem stark salzhaltigen Grunde und unmittelbar vor dem auf
einem nackten Felsenabhange liegenden unschnen Farmgebude breitet sich
einer der bekannten Salzseen aus. Zwischen dieser Farm und Keyle steht
eine Lehmbaracke -- eines der vielen Uebel jener Gegenden, eine Cantine.
Der nchste Tagemarsch brachte uns an den Farmen Rietfontein und
Pan-Place vorber und wir schlugen unser Nachtlager auf Coetze's Besitz
auf. Auf den Grasebenen der ersten Farmen tummelten sich
Springbockheerden, und als wir uns der zweiten, am Fue des fr
Griqualand-West bedeutungsvollen und weithin sichtbaren Platberges
gelegenen Farm nherten, erbeutete ich einiges Federwild, darunter ein
Rebhuhn. Wir begegneten mehreren Haufen nothdrftig bekleideter
Transvaal-Betschuana's, die je von einem Weien (Diamantengrber)
angefhrt, von diesem in ihrem Lande zum Diamantengraben geworben worden
waren. Der mir interessanteste Punkt der bisherigen Reise war ein Sumpf
an Coetze's Farm. Ein rings von Schilf umsumter, buchtenreicher und von
kleinen Inseln bedeckter Weiher, der ein zahlreiches Wassergeflgel
beherbergte, namentlich Wildenten, Blhhner und Taucher.

Als ich am Abend Mynheer Coetze besuchte und auf die vogelreichen Weiher
zu sprechen kam, berraschte er mich mit der Antwort: Ja, die Vgel
brten auch da und wir stren sie nicht, noch gestatten wir, da dies
Fremde thun, wir haben an den Thieren unsere Freude! Mich erfreute
diese Antwort sehr und ich hatte auch spter Gelegenheit, fters unter
hollndischen Farmern hnlichen Gesinnungen zu begegnen.

Auf dem theilweise bewaldeten Gebiete dieses Farmers, das sich ber
Theile von Griqualand-West und des Oranje-Freistaates ausbreitet, findet
sich unter anderem Hochwilde auch noch eine zahlreiche Heerde der
gestreiften Gnu's vor.

Zwei Tage spter bewerkstelligten wir die recht mhselige Ueberfahrt
ber den Vaal bei Blignaut's Pont. Einige Vogelblge sowie zahlreiche
Blattkfer (^Platycorynus^) Arten wurden meine Beute an beiden
Vaalufern. An der Ueberfuhr befand sich am diesseitigen Ufer ein Complex
von windschiefen, allseitig gesttzten Lehmhuschen -- ein Hotel
darstellend -- und am jenseitigen hie und da zerstreute Korannahtten,
deren Bewohner Fhrmannsdienste zu versehen hatten. Fr die Ueberfahrt
hatten wir an ihren Brodherrn 25 Shillinge zu bezahlen.

Nach einer in dem vom Regen stark aufgeweichten Boden beschwerlichen
Fahrt gelangten wir am 10. in das dem Leser schon von frher her
bekannte Transvaalstdtchen Christiana und zu der schon erwhnten
Hallwaterfarm (flschlich Monopotapa genannt), und erstanden von den
hier weilenden Koranna's (von Mamusa) unseren Bedarf an Kochsalz.

Am 12. schlug ich eine nrdliche Richtung ein und passirte
Strengfontein, Mynheer Webers Farm.[1] Auf der Weiterfahrt betrat ich
ein schn begrastes Buschland, auf dessen Flche ich mehrere Farmen
gewahrte, und das von den Koranna's, von Gassibone, von Mankuruana,
sowie auch von der Transvaal-Regierung gleichzeitig beansprucht,
factisch keinen Landesherrn besa. Die Gehlze beherbergten Deuker,
Hartebeest-Antilopen, gestreifte und schwarze Gnu's, die Grasflchen
Springbock- und Steenbock-Gazellen, Trappen und eine zahlreiche
Vogelwelt kleinerer Art.

[Funote 1: Die Farm liegt stlich von dem Gebiete der unabhngigen
Koranna's.]

Wir zogen an einer kurz zuvor von den an den nahen Hhen umwohnenden
Eingebornen eingescherte Farm (Drie- und Vierfontein genannt) vorbei
und lagerten auf der etwas weiter ab liegenden Houmansvley. An der
erstgenannten standen in der Nhe des Farmgebudes einige Korannahtten,
deren weibliche Insassen in ihrem Betragen im schroffsten Gegensatze zu
zwei Batlapinenmdchen, die sich scheu zurckzogen, sich sehr
zudringlich geberdeten. Nahe an Houmansvley liegt ein sumpfiger Weiher
(Vley), in dem ich einige Wildenten, den grauen Reiher und langbeohrte
Sumpfeulen (^Otus Capensis^) fand. Mit Houmansvley verlieen wir die
letzte der Farmen und betraten das Gebiet der Koranna's von Mamusa.

Am Abend des 15. langten wir im Hart-Riverthale an. Bei der Abfahrt zum
Flusse fuhren wir ber einen hochbegrasten, von hundertjhrigen
Kameeldornbumen bestandenen Abhang, in deren Schatten wir mehrere zum
Theil noch erhaltene Batlapinen- und Korannagrber trafen. Das
Ueberschreiten des Flusses wurde uns an diesem Tage durch die starke
Strmung des oft vollkommen trockenen, gegenwrtig aber durch den
letzten Regen bedeutend angeschwollenen Flusses unmglich, auch war der
Abhang eine zu anziehende Partie, als da wir ihn so bald verlassen
htten knnen. Die zungenfrmig von dem im Hintergrunde bewaldeten
Hochplateau in das Hart-Riverthal hereinragende und steile Mamusahhe
lag uns -- etwas zur Rechten, am rechten Hart-River, etwa 1200 Schritte
entfernt -- gegenber.

Wir besuchten Mamusa und lagerten an dem kleinen Flchen Prag, unweit
der unter dem stlichen Felsenabhange der Hhe erbauten Handelsstation.
Mamusa, das noch vor wenigen Jahren einer der meist bevlkertsten Orte
des Hottentotten-Elementes in Sd-Afrika bildete, war zur Zeit meines
Besuches bis auf einige Sprlinge des ergrauten Knigs Maschou und
ihrer Diener verlassen. Die Bewohner waren theils mit ihren Heerden auf
die Weide gezogen, theils hatten sie die Stadt verlassen, um sich an den
Nebenflchen der Mokara und des Konana, auf den nach Norden gegen den
Molapo sich erstreckenden Wildebenen anzusiedeln. Dies kleine
selbststndige Frstenthum der Koranna's von Mamusa ist eine Enclave in
den sdlichen Betschuana-Gebieten, doch sein Bestand fr die Nachbarn
nicht besonders segenbringend, da der hufige Contact zwischen dem
Hottentotten- und dem Banthu-Elemente stets nur die Decadenz der Stmme
der letzteren Familie zur Folge hatte.

[Illustration: Grber unter den Kameeldornbumen bei Mamusa.]

Bei dem Hndler fand ich geflliges Entgegenkommen. Herr Mergusson war
ein Thierfreund und beschftigte sich mit der Zhmung seines zahlreichen
Wildgeflgels. Er zeigte mir mehrere meterhohe Ste von Antilopen-,
Gnu- und Zebrafellen, die er nach Bloemhof zum Verkaufe zu
bringen gedachte. Er und sein Bruder hatten schon zweimal ihre
Tauschhandelsreisen bis zum N'Gami-See ausgedehnt. Whrend meines
Aufenthaltes im Weichbilde der Stadt hrte ich auch von jenen
diebischen, auf meiner zweiten Reise in Musemanjana gemietheten Dienern.

[Illustration: Wildgansschieen an Moffat's Salzsee.]

Am 17. verlie ich Mamusa und langte Abends in dem sdlichen Theile der
grasreichen Quaggaebenen an, nachdem wir das bebuschte, hie und da durch
Korannagehfte belebte Hochland erstiegen hatten. Durch den Regen
aufgeweicht, war die Wildebene theilweise in einen frmlichen Sumpfboden
umgewandelt. An den wenigen trockeneren Partien wurden weiliche
Pnktchen wahrnehmbar, die sich in der Nhe als Springbock-Gazellen
entpuppten. Die schnen melodischen Tne der gekrnten Kraniche grten
den Wanderer von allen Seiten und sie selbst -- minder scheu als
anderwrts -- gestatteten ihm sogar die Pracht ihres Gewandes aus
ziemlicher Nhe beobachten zu knnen. Das Gegacker der bespornten und
der egyptischen Gnse lockte bald dahin, bald dorthin, whrend
zahlreiche grere Ketten oder einzelne Prchen von Wildenten ber uns
hin- und herschwrmten.

Die Fahrt der nchsten Tage bot uns vielfach Gelegenheit, unserer
Jagdlust zu gengen und lohnte unsere Mhe durch ergiebige Beute, unter
welcher sich ein Silberreiher, Regenpfeifer und Schnepfen befanden. An
einem weiten, mit salzigem Wasser gefllten See lie ich unser Lager
aufschlagen und beschlo hier einige Tage zu verweilen, da das reiche
Thierleben fr unseren Tisch, als auch fr meine Sammlungen manch'
werthvolle Acquisition versprach. Schon mit frhester Stunde des
nchsten Morgens brach ich in Begleitung Th.'s zur Jagd auf.

Da es in der Nacht geregnet hatte, war der Morgen recht khl und
vergngt begrte ich die ersten Vorboten des Himmelgestirns, die sich
vor mir in das Thal des Salzsee's ergossen und sich in den Fluthen
tausendfach widerspiegelten. Am jenseitigen Ufer entdeckten wir einen
stattlichen Haufen des wunderlichsten der Stelzenvgel, des
dunkelcarminrothen, braunschnbligen Flamingo und nahebei graste eine
Schaar von schwarzen Gnsen. Nach uns zu watete laut schreiend eine
Doppelreihe der grauen Kraniche, whrend von einigen aus dem Gewsser
hervorragenden Felsenblcken aus, Fischreiher Rundschau hielten. Dazu
schallte das schn klingende, langgezogene Mahem-Geschrei vom See
herber und zwischen den Gruppen der genannten greren Vgel watschelte
und schwamm eine Unzahl kleinerer Wasservgel, Enten und Blhhner. Ein
Pfiff meines Gefhrten ri mich aus diesen Betrachtungen und hie mich
auf der Hut sein; rasch einen Blick auf den See werfend sehe ich, wie
sich eben eine Schaar Wildgnse aus dem Gewsser erhob. Schweren
Schlages, doch ziemlich rasch, kommt es von Sden an mich herangebraust,
denn mchtig verstehen es die dunkelbraunen Gnse, die Luft mit ihren
bespornten Fittigen zu schlagen. Ein Doppelschu bringt zwei der Thiere
in die Binsen herab. Rasch wendet sich der Rest nach links, Th. zu und
laut klagend eilt er nach den Grasebenen im Westen. Mit den beiden
Schssen war neues Leben unter die auf dem See ein Asyl suchenden,
befiederten Schaaren gekommen. Die grauen Kraniche an unserem, die
gekrnten am jenseitigen Ufer erhoben sich rasch aus der seichten (kaum
zwei Fu tiefen) Fluth; die Flamingo's liefen hin und her, nur
zeitweilig flog einer auf, um sich wiederum rasch niederzulassen -- bis
sie durch mein Erscheinen aufgeschreckt, laut schreiend aufflogen und
kaum rabengro scheinend, lange Zeit hindurch ber dem See kreisten.
Ihre Nachbarn, die schwarzen, grasenden Gnse suchten Schutz in den
Fluthen, whrend sich Schaaren kleinerer Wasservgel aus den
Binsendickichten des Ufers nach der Mitte des See's flchteten. Als wir
einige Stunden spter beim Frhstck saen, bemerkten wir mit Staunen,
da sich am jenseitigen Ufer im Sattel zweier Hhen eine mindestens 250
Stck zhlende Blbockheerde eingefunden, bei deren Anblick wir unser
Mahl -- leider vergeblich -- im Stiche lieen. Als Ersatz gelang es mir,
einen schnen grauen Kranich zu erbeuten. Auch Pit scho an diesem Tage
mehrmals Vgel an der Pfanne und berraschte mich Nachmittags mit der
Nachricht, da er an einer kleinen dichtbeschilften Lache ein Nest der
Knigskraniche gefunden habe.

Etwa 2000 Schritte nrdlich von unserer Lagersttte, hoch am Ufer des
Moffat'schen See's fand ich im Sumpfe eine kahle Stelle und in ihrer
Mitte eine knstliche aus Binsen errichtete, 2 Quadratmeter umfassende
Insel, in deren Mitte sich eine Vertiefung -- das Nest mit zwei
faustgroen, weien, lnglichen Eiern befand. Die eigentliche Nesthhle
hatte 30 Zoll Durchmesser und war etwa sechs Zoll tief.

An einem der nachmittgigen Ausflge, als ich in einer Schlucht an dem
Hhensattel lag -- beobachtete ich einen schon auf der zweiten Reise
wahrgenommenen Umstand, da bei dem Aufsuchen der Trnke die
Springbock-Gazellen die Pionniere bilden und die Blbcke und Gnu's
erst dann folgen, nachdem die ersteren die Annherung gefahrlos gefunden
haben.

Wir verlieen am 23. das von mir Moffat's Salzsee benannte Gewsser,
dessen Ufer vorzgliche Schlupfwinkel des ^Canis mesomelas^ sind und
zogen an einigen tiefen Weihern vorber, in denen es von Blhhnern und
Tauchern wimmelte. Auf einer naheliegenden bebuschten Hhe trafen wir
Makalahari's, welche damit beschftigt waren, das Fleisch eines erlegten
Blbockes in schmale Streifen zu schneiden; auch stieen wir auf eine
Reihe von Fanggruben. Sie waren 1--1 Meter breit und 8--15 Meter lang
und gegenwrtig zum grten Theile ihrer ursprnglichen Tiefe mit Sand
ausgefllt. Abends passirten wir ein Gehlz, in welchem eine
Batlapinen-Jagdgesellschaft (Mankurnana's Leute) lagerte und uns bald im
bittenden, bald im befehlenden Tone um Branntwein bestrmte. Am 25.
wurden die Gebsche dichter und das Wild, das am 24. an Zahl abgenommen,
wieder hufiger. Eine etwa 400 Stck zhlende Springbockheerde weidete
vor uns, quer ber den einspurigen, vom Grase berwucherten Weg, stob
jedoch bei unserer Annherung auseinander, Th. gelang es inde, eine
ausgewachsene Gais zu erlegen. Wir kamen nun in ein dichtes Buschfeld
und das Land zeigte einen merklichen Abfall nach Nordwest, wir waren im
Gebiete des Maretsane-Flchens angelangt. Wir passirten mehrere
Regenschluchten und seichte, ziemlich breite Thler mit ppiger
Buschvegetation, von welchen ich eines Hartebeest-Thal nannte.
Nachmittags langten wir im tiefen Thale des Maretsane-Flusses an; an dem
rechten Abhange war ein Barolongen-Makalahari-Dorf erbaut, dessen
Bewohner die Heerden von Molema's Town hteten. Das Thal selbst war
stellenweise dicht bebuscht und schien mir reich an kleinen
Wildgattungen, whrend die zwei bis acht Fu tiefen Tmpel im Bette des
Flusses, der hier mehr den Charakter eines Spruit besitzt, Fische des
Orange-Rivers, Leguane, Krabben und zwei Entenarten beherbergten.

[Illustration: Tauschhandel bei Konana.]

Bei der Schilderung meiner zweiten Reise in dieser Gegend erwhnte ich
der sich im Unterlaufe der Flchen Konana, Maretsane und Setlagole
aufhaltenden Lwen. Gegenwrtig kommen sie in nur sehr drren Wintern,
in denen das Wild die wasserarmen Partien des Kalahari-Buschlandes
verlt, nach den oberen Thalpartien dieser Spruits. Um so hufiger
waren sie vor einigen Jahren, als hier das Wild noch in groen Rudeln
weidete und auf den Quaggaflats Strauenheerden ebenso hufig waren, als
es heutzutage die Gnu's sind.

Ein Jger Namens Wilhelm Taylor, den ich einige Tage nachdem ich
Molema's Town verlassen zum erstenmale und spter noch zweimal an den
Salzseen und den Klama-Klenjana-Quellen im nrdlichen Theile des
Bamangwatolandes traf, erzhlte mir folgendes interessante, ihm
zugestoene Abenteuer.

Im Jahre 1863 gab es noch so viele des werthvollsten der Riesenvgel an
den obgenannten Flchen, da hufig Partien von bis zu 20 Jgern die
genannten Gegenden zwischen dem Hart-River und Molapo aufsuchten. Taylor
jagte in jenem Jahre immer in Gesellschaft eines Hollnders, der
gegenwrtig am Malmanispruit residirt. Die Jger kamen von Osten her und
hielten an den Quellen des Maretsane Rast, vor Allem, um das Fleisch
eines erlegten Zebra's zu zerschneiden und zu trocknen. Obgleich sie an
den beiden letzten Tagen keinen Lwen erblickten, trafen sie doch die
nthigen Vorsichtsmaregeln, um sich gegen die Raubthiere zu schtzen.
Sie errichteten um den Wagen aus drren Aesten eine leichte Umzunung
und banden die Zugthiere an die Rder des Wagens an. Das gewohnte
Pfeifchen schmauchend, hatten sich Taylor und sein Genosse Abends unter
den Wagen gelegt, whrend der Hottentotten-Diener am Bocke sa und Wache
hielt. Die Unruhe, das starke Umhersphen desselben, fiel jedoch Taylor
auf und zwang ihn, denselben ber die Ursache seiner Unruhe zu fragen.
Der Diener machte hierauf seinen Herrn auf einen Gegenstand aufmerksam,
der wenige Schritte vor dem Zugtaue seit lngerer Zeit herumschlich und
den er fr eine Hyne hielt. Taylor beruhigte inde den Diener, nachdem
er scharf ausgelugt und meinte, es wre nur ein vom Winde bewegter
Busch. Kaum zu seinem Ruhepltzchen unter dem Wagen zurckgekehrt, hrte
er schon den Ruf des Dieners: Herr, es ist kein Busch, nein Herr, Du
irrst Dich. Taylor stand zum zweiten Male auf, betrachtete den
Gegenstand, der sich nun genhert, etwas genauer und erkannte einen --
Lwen, der wahrscheinlich durch das aufgehangene Zebrafleisch angelockt,
den Wagen und dessen Insassen einer genauen Musterung zu unterziehen
schien. Taylor ersuchte den Diener ihm aus dem Wagen sein Gewehr zu
reichen, doch schon bei der ersten Bewegung, die der Bursche machte,
stand der Lwe auf und kam direct an den Wagen heran, um sich etwa neun
Schritte vor dem Feuer zwischen zwei Bschen niederzukauern. In
demselben Momente aber als Taylor etwas zur Seite trat, um dem
blendenden Feuerscheine auszuweichen, ri sein unvorsichtiger Gefhrte
dem Hottentotten das Gewehr aus der Hand, legte auf den Lwen an, scho
und fehlte. Sofort erhob sich das Raubthier und kam whrend die Weien
retirirten, rasch auf das Feuer los. Schon whnten ihn die Jger mit
einem Satze innerhalb der Umzunung zu sehen, als sich der an demselben
Tage durch einen Schu verwundete Hund, der unter dem Wagen lag, erhob
und sich, seitlich ber das Feuer springend, dem Lwen entgegenwarf. Der
Lwe sprang erschrocken zurck und verschwand im Dunkeln, aber nur, um
nach einigen Stunden in Begleitung mehrerer seiner Familie
zurckzukehren und die Jger frmlich zu belagern. Um nicht durch das
Tdten oder Verwunden des einen die Uebrigen zum unmittelbaren Angriffe
zu reizen, beschrnkte sich Taylor darauf, die Thiere scharf zu
beobachten und das Feuer in gleicher Mchtigkeit zu unterhalten. Gegen
Morgen zogen die Lwen ab und die Jger fanden das Gras frmlich
niedergestampft. ^You could'nt go so far as two yards without not to
tap in to a lions-track,^ meinte Taylor.

[Illustration: Rauchender Betschuana.]

Am folgenden Tage begegneten wir, durch einen Mimosenwald ziehend,
zweien Barolongen, welche mich auf die Nhe von Molema's Town aufmerksam
machten und mir mittheilten, da Knig Montsua daselbst zu Besuch weile
und in einem Vergiftungsprocesse den Vorsitz fhre. Meinem ursprnglich
gefaten Plane entgegen, entschlo ich mich darauf wieder Molema's Town
zu besuchen und den Knig wie seinen Bruder Molema zu begren.

[Illustration: Felsenpartie bei Molema's Town.]

Am 28. Mrz langte ich, das Thal des Lothlakane-Flchens, in dem Knig
Montsua eine neue Residenz grnden wollte, hinabfahrend, in Molema's
Town an. Der Molapo flo etwas reichlicher als zur Zeit meines ersten
Besuches: bald nachdem ich seine steinige Furth passirt, schlug ich auf
derselben Stelle wie im Jahre 1873 das Lager auf. Mein erster Besuch
galt Herrn Webb, dessen Wohnung nur noch bauflliger geworden, kaum mehr
bewohnbar war. Mein Freund theilte mir mit, da der Knig mit dem
Unterhuptling die Verhandlungen in dem erwhnten Vergiftungsprocesse
leite.

Am 29. begab ich mich nach beendeter Gerichtssitzung zu Molema, um die
Vornehmsten des Barolongen-Landes zu begren. Ich traf den Knig sowie
Molema und die anwesenden Huptlinge auf der Erde, oder auf kleinen
Holzsthlchen sitzend, beim Mahle. Der Knig gab seiner ungeheuchelten
Freude Ausdruck, ebenso Molema und ich mute ihnen wiederholt die Rechte
reichen. Montsua begann sofort von meinen Moschanenger Curen zu sprechen
und ersuchte mich ein oder zwei Tage hier zu verweilen. Nach einem
kurzen Aufenthalte in Molema's Hfchen begaben wir uns in das im
europischen Style aufgefhrte Huschen seines Sohnes, um Kaffee zu
trinken, der in Blechbechern herumgereicht wurde. Molema litt noch immer
an seinem Asthma, doch lief er rstig umher und bat mich, ihm dieselbe
Medicin wieder verabreichen zu wollen. Seine Erkenntlichkeit ging so
weit, da er mir zu zwei krftigen Zugthieren verhalf, von denen mir
sein Sohn Matjes eines fr einen englischen Sattel abtrat.

Molema, ein Mann von mittlerer Statur, mager, ist durch eine
Habichtsnase ausgezeichnet, welche mit dem durchdringenden etwas
unstten Augenpaare, dem Gesichtsausdruck etwas Scharfes verleiht. Er
ist streng, doch gegen manche seiner Unterthanen, die blindlings seinen
Willen thun, sehr nachsichtig, wovon mich auch das Urtheil in dem
erwhnten Gerichtsprocesse berzeugte. Obgleich stets krnklich, ist er
doch ein treuer und helfender Genosse seiner kranken Frau und trotz
seines Alters sehr behend. Whrend einige seiner Shne, sowie die
wohlhabenderen Einwohner in der Stadt in europischen Huschen wohnen,
bleibt Molema seinem herkmmlichen treu.

Am 29. hatte Herr Webb eine interessante Zeremonie auszuben, nmlich
drei Prchen zu trauen, einer der neuen Ehegatten fhrte den
auffallenden Namen Er liegt im Bette; diese und hnliche Namen
erhalten die Kinder der Betschuana's im zarten Alter nach Eigenschaften,
die ihrer Umgebung besonders auffallen. Als ich am Abend desselben Tages
einen Spaziergang durch die Stadt machte, hrte ich aus einem der
reinlicher ausstatteten Gehfte einen anmuthigen vielstimmigen Gesang
von Hymnen in der Setschuana-Sprache, der von vier Mnnern und zehn
Frauen angestimmt wurde, womit die Hochzeitsfeier schlo.

Auf meinen hufigen Gngen durch die Stadt konnte ich beobachten, da
neben europischen Kleidungsstcken namentlich Carossen aus den Fellen
der grauen Wildkatze, des grauen Fuchses, der Deukergazelle und der
Ziege getragen wurden. Knaben hatten in der Regel ein Ziegen- oder ein
Schaffell ber die Schulter geworfen, Mdchen trugen ein hnliches, doch
meist aus Gazellenhaut, und nebstdem aus gedrehten Lederstckchen
gearbeitete Schrzen; einige der Knaben prangten sogar mit den Fellen
junger Lwen.

Die Streitigkeiten zwischen der Regierung der Transvaal-Republik und den
Barolongen schienen etwas nachgelassen zu haben, und dies, weil Montsua
gedroht hatte, bei etwaigen Uebergriffen von Seite der Boers das
englische Banner in seinen Drfern aufzupflanzen.

Zwei Tage spter erkrankte mein Gefhrte T. schwer an der Ruhr,
wahrscheinlich in Folge des seit mehr denn zwei Wochen anhaltenden
Regenwetters, doch gelang es mir, ihn bald wieder herzustellen; am
folgenden Tage kamen auch kranke Barolongen aus der Umgebung an den
Wagen, um meine rztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Da es sich an
diesem Tage endlich etwas aufzuheitern begann, wurde es in der Umgebung
der Stadt lebendig, das Thal des Molapo wiederhallte von dem Geschrei
und Gesange der dunklen Frauen und Knaben, welche aus der Stadt
ausgezogen waren, um die in die Kafirkorn- und Maisfelder einfallenden
Schaaren der langschwnzigen Witwen, Feuerfinken und Webervgel zu
verscheuchen. Die aus den Felsenritzen allerorten emportreibenden Kari-
und Olivenbume, die, wenn auch zuweilen niedrig, stets eine
umfangreiche, wahrhaft prachtvolle Krone entwickelten, verliehen auf
einer felsigen Erhebung in der Stadt emporwachsend, dem nach Norden von
einer bewaldeten Bodenerhebung begrenzten Thale, einen dem Auge
wohlthuenden Schmuck.

[Illustration: Pavianfelsen.]

In Molema's Town erfuhr ich, da die Barolongen die getrockneten Bltter
einer bestimmten Pflanzenart zu einem braunen Pulver rsten und dasselbe
sowohl als Gift, wie auch als Beschwrungsmittel gebrauchen; so bedienen
sie sich z. B. desselben, um mit dem zu Brei angerhrten Pulver die
hchsten Aehren eines Kornfeldes zu bekleben. Eine Berhrung dieses
Zaubermittels von Seite des Diebes wrde dessen sofortigen Tod nach sich
ziehen. In hnlicher Weise sehen wir mit Hilfe desselben Materials,
Striche, Wellenlinien etc. auf der Innenseite der Umzunungen der
Barolongen-Gehfte angebracht, um die Feinde des Haushaltes fern zu
halten. Als einige Tage vor meiner Ankunft einem der Bekehrten in
Molema's Town allnchtlich etwas Tabak aus seinem Grtchen zu
verschwinden pflegte, rieth Herr Webb dem Bestohlenen, einen in der
Tabakpflanzung errichteten Pfahl mit Wagenfett zu bertnchen, und siehe
da, der Dieb blieb aus.

Bevor ich noch am 12. April Molema's Town verlie, erfuhr ich das
Urtheil, welches Knig Montsua in dem bereits erwhnten Proce gefllt
hatte. Ich will hier die Episode schildern, um den Leser mit der
Gerichtsbarkeit der Betschuana's nher vertraut zu machen.

Ein ltlicher Barolonge hatte auf eine 15jhrige Barolongen-Jungfrau
(eine vaterlose Waise) in Molema's Town sein Auge geworfen; da sie ihm
jedoch nicht als Weib in seine Htte folgen wollte, und er sie auch
nicht kaufen konnte, sann er auf ein anderes Mittel, um seinen Wunsch
erfllt zu sehen. Er bot der Mutter des Mdchens seine Hand an, welche
sie auch nicht verschmhte und nun, mit dem Mdchen seiner Neigung im
selben Gehfte wohnend, glaubte er ihre Zuneigung gewinnen zu knnen;
allein da weder sein Aeueres, noch seine Conversation, welche sich
meist um Khomo (Vieh) und Mabele (Korn) drehte, bei dem Mdchen einen
guten Eindruck hervorzurufen vermochten, nahm er seine Zuflucht zu einem
Beschwrer. Das Mdchen sah wohl den Beweggrund dieser Heirat ein, und
vermied alles, was ihrem Stiefvater als Zeichen der geringsten Gunst
htte erscheinen knnen. Als sie eines Tages zeitlich Morgens wie
gewohnt, zur Feldarbeit ging, ward sie von ihrem Stiefvater eingeholt
und es entspann sich nach ihrem eigenen Gestndni anderen Frauen
gegenber folgendes Gesprch. Ich wei, da mich Dein Herz hat. Ein
^E-He^ belehrte ihn, da er sich nicht irre. Vor Zorn zitternd, stie
der Alte seinen langen Stab heftig in den Boden und sagte. Ich wei es,
es soll auch so bleiben, dann aber mut Du mir versprechen, keinen
anderen Mann zu nehmen. Das Mdchen konnte sich eines lauten Auflachens
nicht erwehren, und gab ihm frank und frei mit einem ^na-ja^ eine ebenso
bestimmte abschlgige, wie zuvor eine bejahende Antwort. Mit vor Wuth
entstellten Zgen eilte der alte Mann mit den Worten. Du versprichst es
nicht? dann vergifte ich Dich! von dannen, whrend das Mdchen zu den
Grten am Flusse eilte und der dort arbeitenden Mutter und einer
Nachbarin unter Schluchzen das Geschehene erzhlte. Die Frauen suchten
es der Gekrnkten auszureden und meinten, es wre alles nur ein Scherz,
den sich der Stiefvater erlaubt htte. Am selben Abend wurde sie,
whrend sie ihr einfaches Mahl von gekochten Wassermelonen geno, von
ihrem Vater in's Huschen gerufen und unter einem Vorwande zu einer
Nachbarin gesendet; von ihrem Gange zurckgekehrt, beendete sie ihr
Mahl. Kurze Zeit darauf fing sie an ber Unwohlsein zu klagen,
Magenkrmpfe stellten sich ein, die sich so steigerten, da sich die
Arme laut schreiend auf der Erde rollte. Von den zur Hilfeleistung
herbeigeeilten Nachbarn umringt, klagte sie, die Mutter an das ihr
erzhlte Zwiegesprch erinnernd, ihren Stiefvater laut der Vergiftung
an. Gegen Mitternacht war sie eine Leiche und allgemein wurde ihr
Stiefvater als der Mrder bezeichnet. Mnner und Frauen, welche
denselben Nachmittag den alten Mann Pflanzen am Flusse sammeln, andere,
meist Nachbarsleute, die ihn Bltter und Zwiebeln im Hfchen kochen
gesehen hatten, meldeten sich freiwillig zur Zeugenschaft.

Der Beschuldigte war Molema's Leibeigener, ein Mann, der durch ein
halbes Jahrhundert hindurch seinem Herrn treu gedient hatte; obgleich im
Vorhinein entschlossen, ihn zu retten, sandte Molema sofort Boten an
seinen Bruder, den Knig, nach Moschaneng, um ihm den Fall zu berichten.
Montsua versprach selbst den Fall zu untersuchen. So kam es, da er nur
wenige Tage vor meiner Ankunft in Molema's Town eingetroffen war und
sofort die Leitung der Verhandlungen in die Hand nahm. Inzwischen befand
sich der Beschuldigte auf freiem Fue, machte seine gewohnten
Spaziergnge, auf denen ihm Alles scheu auswich. Er hielt sich von
Molema's Weichherzigkeit berzeugt und glaubte sich ohne Mhe mit
einigen Ochsen oder Khen loskaufen zu knnen. Nach des Knigs Ankunft
in der Stadt, begann der Proce und beschftigte durch zwei volle Tage
die hervorragendsten Huptlinge der nrdlichen, freien Barolongen. Nach
jeder Sitzung (zwei am Tage) wurden die Anwesenden von Molema mit
Bochobe (Mehlbrei) bewirthet.

[Illustration: Bootfontein.]

Der Verurtheilte, dessen Schuld klar zu Tage lag und der von allen
Anwesenden als schuldig befunden wurde, fand, wie er es gehofft, an dem
Huptling Molema den wrmsten Vertheidiger. Des Dieners Schuld
anerkennend, um nicht seinen Bruder, den Knig, durch Widerspruch zu
reizen, wute doch Molema so viele Milderungsgrnde anzufhren, da der
Knig angesichts der Haltung der Unterhuptlinge von Molema's Town und
der Umgebung, sich erweichen lie und von einer Verurtheilung zum Tode
absah. Der Knig, dem schon die zweitgige Gerichtssitzung zu
anstrengend vorkam und der es wohl zu verstehen schien, da sein Bruder
eine Geflligkeit von ihm fordere, berlie demselben die Bemessung der
Strafe. Molema bedeutete dem Verurtheilten sich sofort zu entfernen, um
dem Knig den Proce so rasch wie mglich vergessen zu machen und als
dieser spter einen Spaziergang durch die Stadt unternahm, lie Molema
den Schuldigen holen und sprach das Urtheil. Es war die gelindeste
Strafe fr hnliche Vergehen: Der Beschuldigte mute ein Rind an die
nchsten Verwandten (in diesem Falle waren er und seine Frau die
nchsten Verwandten) der Gemordeten als Blutshne bezahlen.

[Illustration: Newport-Farm.]

Als ich mich am 2. zur Abreise rstete und vor derselben noch einmal
Herrn Webb besuchte, erschien pltzlich eine dunkle Gestalt in der
schmalen Thrffnung. Es war Montsua. Lchelnd kam er auf mich
zugeschritten, fate meine Rechte und drckte mir fnf englische
Shillinge in die Linke, indem er mich bat, ihm einen Vorrath desselben
Medicamentes zu bereiten, von dessen gnstiger Wirkung an seinem Weibe
er schon whrend meines ersten Besuches in Moschaneng sich berzeugt
hatte.

Am Nachmittag des 2. April verlie ich die Stadt der oberen Barolongen
und zog im Thal des Molapo aufwrts. Am folgenden Morgen passirte ich
den letzten nach dieser Richtung hin bewohnten Kraal, ber den als
Unterhuptling Linku (ein Schaf), der Bruder Molema's gebietet. Der
Morgen des 3. April war empfindlich kalt, ein eisiger Sdostwind
nthigte uns, Winterrcke anzulegen. Auf der westlichsten, der
sogenannten, zu dem Jacobsdaler Bezirk gehrenden Molapo-Farmen,
Riet-Vley, deren Besitzer ein Boer Namens P. C. van Zyl[2] ist, hielten
wir Rast.

Von hier ziehen sich die Farmen dicht aneinander liegend, bis an die
Molapo-Quellen. Das Thal des Flusses erstreckt sich noch etwa 22
englische Meilen nach Osten, es behlt zwar stromaufwrts seinen
sumpfigen Charakter bei, doch wird es allmlig enger, seine Ufer
hgelig, steil und bewaldet, und sind diese Partien nicht nur im
Allgemeinen unter die anziehendsten der westlichen Transvaal-Grenze zu
zhlen, sondern auch fr den Forscher, sei er nun Ornithologe,
Entomologe, Botaniker oder Mineraloge, in jeder Beziehung des Besuches
werth.

Die Wagenspur, der wir bisher gefolgt waren, fhrte an einer der letzten
Farmen direct nach dem Baharutsen-Kraal Linokana, den ich jedoch ber
Jacobsdal und Zeerust zu besuchen gedachte. Ich zog jedoch am Abhange in
der eingeschlagenen Richtung so weit, bis mich Baumdickichte nthigten,
an Mr. Taylors Farm (deren ich am Maretsane-Flusse gedachte),
Oliv-wood-dry, der steilen Abhnge halber das Thal zu verlassen und die
Hochebene wieder aufzusuchen. Oliv-wood-dry ist unstreitig eine der
schnsten Farmen am oberen Molapo, sie besitzt einen guten Garten und
eine der wasserreichsten Quellen, die den Molapo speisen, der
Pflanzenwuchs der Thalsohle, vor den kalten Winden geschtzt, bildet
eine Oase auf dem westlichen Transvaal-Plateau. Um so drftiger und
eintniger fand ich die Farm Bootfontein, auf welcher die Insassen
derselben mehr zu vegetiren, denn zu arbeiten schienen.

Abends berschritten wir in dieser Gegend die Wasserscheide zwischen dem
Oranje-River und dem Limpopo und bernachteten an den Quellen eines
kleinen Spruit, den ich Burgerspruit benannte, und der ein linker Zuflu
des Malmani ist. Im landschaftlich anziehenden Thale des Malmani, an
dessen von ppiger Vegetation bedeckten Abhngen zahlreiche Farmen
gelegen sind, trafen wir am nchsten Tage ein.

[Funote 2: Ein Bruder des von mir erwhnten Damara-Emigranten.]

Am Morgen des 5. verlie ich das Malmanithal und zog an der Newport-Farm
vorber ber das Hochplateau, eine mit niederen sauren Grsern
bewachsene Ebene, weiter nach Osten. Nach dieser Richtung hin und nach
Nordost wurden zahlreiche Hhen, die Auslufer des Marico-Hhennetzes,
und zwar jene des Khama- oder Hieronymusthales sichtbar, die mit diesem
eine der schnsten Partien des genannten sdafrikanischen Hhencentrums
bilden. Die Einsenkung zu dem Seitenthale, in das wir hinabfahren
muten, um zu dem Hauptthale zu gelangen, ist durch eine felsige
Doppelhhe gekennzeichnet, welche ich Rohlfsberg nannte, weiter nach
abwrts fiel mir ein sattelfrmiger Hgel auf, den ich Zizkasattel
taufte. Die Abfahrt zum Thale war ziemlich beschwerlich, denn wir fuhren
ber steile Felsenplatten herab. Fr die Mhen dieser Fahrt waren wir
durch die Scenerie im Hieronymusthale reichlich entlohnt; die schnste
Stelle bietet unstreitig die Partie an der Farm Bffels Huck, in deren
Hintergrund sich die anziehenden Staarsattel-Hhen malerisch vom
Horizonte abhoben. Abends hatten wir die Mndung des Hieronymusthales in
jenes des kleinen Maricoflusses und die Farm Weltevreeden erreicht.
Diese Farm gehrte einem der wohlhabendsten Boers des Marico-Districtes,
einem Mynheer van Groonen, dessen Shne durch lngere Zeit
Elephantenjger gewesen und denen es ausnahmsweise gelungen war, sich
damit ein Vermgen zu erwerben. Im Farmgarten sah ich eine junge
Giraffe, eines der Beutestcke, die sie von einem Jagdausfluge
heimgebracht hatten.




                                 II.
                    Von Jacobsdal nach Schoschong.


Jacobsdal. -- Zeerust. -- Ankunft in Linokana. -- Schieferlager. --
Ernteertrgnisse. -- Die Krokodile im Limpopo und seinen Nebenflssen.
-- Erzlagersttten im Bushveldt. -- Damara-Emigranten. -- Die Lwenfurth
ber den Marico. -- Welsfang im Marico. -- In Lebensgefahr. -- Das
Buffadderthal. -- Ankunft in Schoschong.

[Illustration: Welsfang im Marico.]

Von der Farm Weltufrede schon konnten wir das Stdtchen Jacobsdal
erblicken, einige wenige Gebude an den Ufern eines Baches und ein
nettes Kirchlein war alles, was damals dies werdende Stdtchen des
westlichen Transvaal-Gebietes aufzuweisen hatte. Von Jacobsdal nderten
wir unsere Richtung in eine nrdliche und nordstliche, um nach Zeerust,
dem wichtigsten Flecken des Marico-Districtes zu gelangen. Auf der Fahrt
dahin passirten wir eine der ergiebigsten Farmen dieses Bezirks, jene
des D. Bootha, an welcher der Malmani einen niederen, felsigen Hhenzug
durchbricht, um sich dem Marico zuzuwenden.

Wir trafen am nchsten Tage in Zeerust ein, nachdem ich zuvor die das
Stdtchen beherrschenden Hhen besucht. Zeerust hat eine grere
Ausdehnung als Jacobsdal und ein lngerer Aufenthalt in der Umgebung des
Stdtchens wird dem Entomologen, Botaniker und Geologen reichlich seine
Mhe lohnen.[3] Noch bevor wir am folgenden Tage das freundliche
Linokana betraten, begegneten wir Rev. Jensen, der eben im Begriffe war,
die Post aus dem Innern nach der Stadt zu bringen. Unser Zusammentreffen
war ein herzliches und dankbaren Herzens nahm ich die Einladung an,
whrend der nchsten 14 Tage sein Gast zu sein. Mir war diese
Erholungszeit doppelt willkommen, denn sie bot mir nicht nur
Gelegenheit, die Umgegend naturhistorisch zu erforschen, sondern war
auch meinen Gefhrten nthig.

Die schnen groen eisenhaltigen Schieferlager, die wir in der Umgebung
von Zeerust und Linokana vorfanden, wrden in einer europischen Stadt
sehr gute Verwendung finden, doch werden sie auch von den Bewohnern des
Marico-Districts bei ihren Bauten, namentlich ihren Einfriedigungen und
Pflasterungen in Anwendung gebracht. Die Hhen von Zeerust waren mit dem
Waggonbaum bewachsen, dessen Rinde zum Gerben verwendet wird.

Im Jahre 1875 wurden von den Baharutse in Linokana 800 Scke Weizen (
200 Pfund) gewonnen, und werden von Jahr zu Jahr immer grere Flchen
Landes cultivirt. Die Baharutse bauen Mais, Sorghum, Melonen, Tabak etc.
an, und bringen den Ueberschu ber ihren Bedarf nach dem
Transvaal-Gebiete und den Diamantenfeldern zu Markte. Doch sind ihre
Gehfte minder fleiig und gut gearbeitet als jene der Barolongen. Die
Baharutse haben ihr Lndchen an die Boer-Regierung abgetreten und sich
nur das Gebiet einiger Farmen behalten.

Am 9. unternahm ich einen Ausflug zu den Quellen des Matebeflchens und
auf die erzreichen Hhen der Umgebung. Die nchsten Tage waren theils
der Bearbeitung meiner Routen-Aufnahmen, theils dem Besuche der Grten
und Pflanzungen und der Missionskirche gewidmet. Der Gottesdienst in der
letzteren wurde mit dem Absingen einer Hymne erffnet. Dann wurde das
Evangelium vorgelesen, worauf abermals Gesang folgte, woran sich die
Predigt des Missionrs anschlo. Der Eindruck des Gottesdienstes auf die
auf ihren kleinen Holzsthlchen kauernden Neophiten war ein sichtlich
guter. In seiner Einfachheit war dieser Gottesdienst erhebender als
viele der mit Pomp celebrirten Feierlichkeiten in den Cathedralen der
Grostdte.

[Funote 3: Siehe Anhang 1.]

Spt Abends am 15. kam der eingeborne Postbote von Molopolole an. Er
hatte drei Tage gebraucht, um die Strecke zurckzulegen und blieb nun
bis zum nchsten Tage hier, um die in Zeerust von Klerksdorp erwartete
europische Post wieder in's Innere nach Molopolole zu bringen. Mich
berraschte die letztere mit einem freundlichen Schreiben des
allbekannten Geographen A. Petermann aus Gotha. Auch kam ein englischer
Major aus dem Banquaketsen-Lande hier an, der das Land nach Edelmetallen
durchforschte, er war im Begriffe nach Kolobeug und Molopolole zu reisen
und erzhlte mir und Rev. Jensen eine interessante Geschichte, die ihm
und Capitn Finlason zugestoen und ihn bewogen hatte, das nordstliche
Transvaal-Gebiet aufzusuchen.

Die regnerischen Tage, und an solchen war die Zeit meines Aufenthaltes
in Linokana reich, brachte ich in der gastlichen Wohnung Rev. Jensens
zu. Er benutzte diese Tage, um mir verschiedene, ntzliche und
interessante Mittheilungen zu machen und Erlebnisse auf seinen
Missionsreisen zu erzhlen. Unter anderen bettigte er die Thatsache,
da die Krokodile aus dem Limpopo unglaublich weit in dessen Nebenflsse
hinaufschwimmen und erzhlte mir, da er selbst vor einiger Zeit am
Flchen Taung auf Krokodile stie, welchen sein Hund bald zum Opfer
gefallen wre. Diese Stelle am Ufer des Taung, der ein Nebenflu des
Notuany ist und daher ein linker Zuflu des Limpopo, ist von dem
letzteren zwei starke Tagreisen entfernt. Als noch Herr Wehrmann,
ebenfalls ein Mitglied der Hermannsburger Missionsgesellschaft bei den
Makhosi wohnte, lag nahe an seiner Wohnung ein kleiner Tmpel am Ufer
des Kolobengspruit. Hier wurde eine Kuh an der Trnke von einem Krokodil
im Spruit ertrnkt.

Allnchtlich hrten wir den Gesang der Baharutse-Mdchen und Mnner aus
den umliegenden Stadtgebieten, denn die Baharutse lieben den Tanz. Einer
der landschaftlich schnsten und des Besuches werthen Punkte in der Nhe
von Linokana ist das Thal des Notuany etwa drei Meilen unterhalb seiner
Vereinigung mit dem Matebe-Flchen. Felsige Bergabhnge hie und da von
ppigen Triften und dichten Wldern bedeckt, engen es ein
und beherbergen zahlreiches Federwild, in den zahlreichen
Schilfrohrdickichten des Matebe finden Wildkatzen bis zur Gre eines
Leoparden die geeignetsten Schlupfwinkel und reiche Beute.

Am 23. verlie ich Linokana, berschritt den Notuany, an dem mir die
halbzerfallene Brcke ber denselben noch mehr Sorgen als auf der
zweiten Reise verursachte und deren Passirung ber zwei Stunden in
Anspruch nahm.

In der Buysport-Schlucht, wo wir diesmal im Fischfang in den Tmpeln des
Marupa-Flchens eine lohnende Beschftigung fanden, verlebte ich einen
angenehmen Tag; nicht minder ergiebig war unsere Jagdbeute. Die hher
liegenden Tmpel sind fisch- und leguanreicher, als die nach der
Oeffnung der Schlucht zu gelegenen, indem die hheren tiefer und mehr
beschattet sind und daher weniger leicht austrocknen. Manche der den
Flu berschattenden Bume (meist Weiden und Mimosen) waren bei einem
Durchmesser von 4 Fu, bis 60 Fu hoch.

Am nchsten Tage, den 25. passirten wir die im Bushveldt liegenden
Farmen Wit- und Sandfontein. Die Bewohner der ersteren rsteten sich zu
einem groen Jagdzug nach dem Innern, und hofften mich dort wieder zu
finden. Zwarts Farm fand ich verlassen, der Eigenthmer war acht Tage
zuvor nach denselben Gegenden abgegangen. Sein vorjhriger Jagdzug hatte
ihm einige Straue und Eland-Antilopen eingebracht. Von vorberfahrenden
Boers erfuhr ich, da van Zyl, dem Damara-Emigranten, fortwhrend neue
Zuzgler aus dem Transvaal-Gebiete Gebiete an den Krokodil-River folgten
und da sich diese Emigranten bald hinreichend stark fhlen wrden, um
ihren Marsch nach Nordwesten fortzusetzen. Das linke Ufer des mittleren
Krokodil-Riverlaufes zwischen dem Notuany und Sirorume war ihr
Sammelplatz.

[Illustration: Im Sumpfe am Matebe-Flchen.]

Am Nachmittag selben Tages langte ich auf Fouriers schon bekannter Farm
Brackfontein an. Hier stie ich auf zwei aus dem Jacobsdaler District
kommende Boers, die mit ihren gebrechlichen Wgen, von einem elenden
Gespann, Khen und jungen Ochsen gezogen, auf die Jagd in's Innere
ausgingen. Das Arbeiten behagte ihnen nicht und so zogen sie das
kostspielige Vergngen des Elephantenjagens vor, um damit noch das
wenige, das sie besaen, einzuben und krank und mittellos in die
Heimat zurckzukehren. Fourier zeigte mir Quarz, der reichliche
Schwefelkies-Einschlsse enthielt und theilte mir mit, da er eine
Stelle kenne, an welcher groe Mengen dieses und eines anderen weniger
glnzenden und mehr ockergelben Metalls zu finden sei, wollte mich aber
durchaus nicht zu dem betreffenden Fundorte fhren. Auch berichtete mir
Fourier, da die Batloka von Tschuni-Tschuni vier Wochen vor meiner
Ankunft am Fue der Dwarsberge einen Lwen erlegt hatten.

Ich verlie am Morgen des 28. die Farm und lagerte am Schweinfurth-Passe
in den Dwarsbergen. Abends gelangten wir zu den in Felsen aufgegrabenen
Quellen an den Auslufern der Tschuni-Tschunihhen, umfuhren am
folgenden Tage die schon auf der letzten Reise besuchte Batlokastadt
Tschuni-Tschuni, und lagerten, nachdem wir den Kessel an dem
Betschuanaspruit durchzogen, am nrdlichen Abhange der Auslufer der
Bertha-Hhe. Am Ufer des Betschuanaspruit beobachtete ich ein
verlassenes Barwadorf, aus 15 Htten bestehend, welche frei auf einer
Wiese lagen und in Nachtmtzen-Form aus je vier in ihren oberen Enden
miteinander verbundenen, vier Fu hohen Pfhlen, sowie einigen ber
dieselben geworfenen Grasbndeln errichtet waren.

[Illustration: An der Lwenfurth im Marico.]

Am Nachmittag des 30. langten wir am groen Marico an und lagerten an
einer Stelle, an der eine Stromschnelle und zwei kleine Felseninseln das
Uebersetzen des sonst der Krokodile halber nicht gefahrlos zu
durchwatenden Stromes ermglichten. Da mir die Stelle gefiel und das
jenseitige Ufer wildreich war, entschlo ich mich, zwei oder drei Tage
an der Furth zuzubringen. Etwa 100 Schritte unterhalb derselben whlte
ich mir im jenseitigen Ufergehlze ein Pltzchen aus, an welchem ich
mich auf den Anstand zu legen beschlo, und blieb auch trotz der
Warnungen Pits dabei, der an der Furth frische Lwenspuren gefunden
hatte. Zur Vorsicht versah ich den gewhlten Platz mit einer niederen
Hecke und bezog denselben nach Sonnenuntergang. Der Uebergang ber den
ziemlich reienden Strom in der Dmmerung war beschwerlich und ermdend.

Allmlig, und zwar je unangenehmer mir meine Lage mit der zunehmenden
Dunkelheit erschien, desto mchtiger schlich sich in mein Denken eine
lange zuvor nicht gleich innige Sehnsucht nach der Heimat und
insbesondere nach meiner Mutter ein. Ich sah das Bild der treuen
Pflegerin meiner Kindheit so treu vor mir, als stnde sie an meiner
Seite. Diese spontan auftauchenden Gedanken und Vorstellungen erfllten
mich mit einer gewissen Bangigkeit. Wre es nicht besser den Ort zu
verlassen und zum Wagen zurckzukehren? Nein, mute ich mir sagen, denn
zur Stunde hatten die Krokodile bereits ihre Spaziergnge am Ufer
begonnen, um die Stromschnellen zu umgehen.

Die Dunkelheit nahm inde immer mehr zu, dichte Wolkenmassen hingen vom
Himmel herab und ich kam zur Erkenntni, da mein Aufenthalt hier
zwecklos und meine Lage keine beneidenswerthe war, ich konnte kaum auf
zehn Schritte Entfernung Gegenstnde unterscheiden, mein Gewehr bot mir
daher keinen Schutz; das lange Jagdmesser war die einzige Waffe, auf die
ich mich im Falle der Noth verlassen konnte. Krampfhaft fate ich mein
Messer mit der Rechten und hockte mich nieder. Ich trachtete mit dem
Gesichte die Dunkelheit um mich zu ergrnden und strengte das Auge an,
doch ich sah nichts, nichts als tiefe Nacht um mich. Allmlig fieng es
mir vor den Augen zu flimmern an, bluliche Sterne schienen sich zu
bilden und das Auge glaubte in ihnen das Bild der Mutter zu sehen. Diese
wiederholte Vision versetzte mich in Aufregung, ich konnte das Gefhl,
da mir hier Gefahr drohe, nicht unterdrcken und beschlo das Wagni zu
unternehmen, in dieser Finsterni zum Wagen zurckzukehren. Ich legte
den einen Fu auf die trockenen Aestchen und brach unter lautem Krachen
durch, erhob mich jedoch wieder, fate das Gewehr in die eine, das
Messer in die andere Hand, um die Stelle zu verlassen. Doch was ntzte
mir das Gewehr im Gebsch und in der Finsterni -- ich warf es zurck.
In demselben Momente vernahm ich ein Kratzen und Scharren, vielleicht
das einer Mangusta, doch deutlich davon unterscheidbar. Ich blieb
stehen, der Laut wiederholt sich und schien von einem Brummen begleitet.
War es ein Raubthier und so nahe, waren jene rostigen Gegenstnde, die
ich im Zwielicht in den Bschen drben gesehen, auch in der That Lwen
gewesen? Als ich die Hecke berschritten hatte, fhlte ich den Schlag
des Herzens strmischer werden. Mit dem Jagdmesser vor mir herumtastend,
suchte ich den herabhngenden Aesten und den Baumstmmen auszuweichen.
Nach jedem Schritte hielt ich einen Augenblick inne, um jedes etwa
hrbare Gerusch mglichst deutlich und sofort aufnehmen und begreifen
zu knnen. Ungeachtet der uersten Vorsicht konnte ich es nicht
verhindern, hie und da mit den Aesten in Collision zu gerathen;
pochenden Herzens wartete ich dann mehr denn zwei Minuten, ob kein
Gerusch ein anschleichendes Raubthier ankndige.

Es war nur eine kurze Strecke, die ich zurckzulegen hatte, nur 100
Schritte, doch nahm sie mir viel Zeit in Anspruch. Endlich langte ich,
durch das Zischen des Wassers geleitet, an der Stelle an, wo die enge
Regenrinne den Abstieg zum Flusse ermglichte. In dieser herabgleitend,
stand ich eine Minute spter am Rande des Gewssers. Mit der
gespanntesten Aufmerksamkeit setzte ich einen Fu vor den andern und
trachtete nach dem strkeren oder schwcheren Brausen des Wassers vor
mir die Furth zu erkennen; wie oft ich auch ausglitt und sogar der
ganzen Lnge nach in's Wasser fiel, war ich doch immer wieder im Stande,
mich rasch aufzurichten und die Richtung einzuhalten. So gelangte ich
unter unsglicher Mhe auf die erste der kleinen Inseln, lie mich dann
wieder in's Wasser herab, durchschritt den engen Mittelarm, durch den
die Hauptstrmung zog, schwang mich auf die nchste Insel und gnnte mir
hier einige Minuten Rast, bevor ich den Uebergang vollendete. In Schwei
gebadet, stieg ich zum dritten Male in das zischende Element herab und
ber die schlpfrigen Steine balancirend, hatte ich endlich glcklich
das diesseitige Ufer erreicht, ohne mit den Kinnladen der Ungeheuer
Bekanntschaft gemacht zu haben. Obwohl ich noch nicht jeder Gefahr
entronnen war, fhlte ich doch meine Brust bedeutend erleichtert, als
ich den Fu auf festen Boden setzte. Ich war so ermdet, da ich mich am
Flurande niedergesetzt htte, wenn mich nicht der Gedanke, da eben das
unmittelbare Ufer an den Stromschnellen die von den Krokodilen zur
Nachtszeit besuchteste Stelle ist, an der sie dann dem zur Trnke
kommenden Wilde aufzulauern pflegten, davon abgeschreckt htte. Ich war
eben im Begriffe an den Bschen auf das hohe Ufer emporzuklimmen, als
ich ein starkes Gerusch ober meinem Kopfe vernahm; im Aufstiege
innehaltend, unterschied ich, wie dasselbe sich dem Flusse nherte. Ich
kniete nieder und hielt mich am Stamme des Busches fest, um mich desto
ruhiger verhalten und lauschen zu knnen. Wenige Minuten spter erkannte
ich die Ursache des Gerusches; es war eine Heerde der schnbehrnten
Pallah-Antilopen, welche in den Fluthen unter mir ihren Durst stillen
wollte. Ich erkannte sie an dem Anschlagen ihrer Hrner an die Bsche
und dem eigentmlichen Brummen. Meine ganze Kraft aufbietend, zog ich
mich an den berhngenden Aesten der Bume auf den hohen Uferrand. Jetzt
athmete ich freier auf, der Weg zum Wagen fhrte ber eine Lichtung, auf
diese eben heraustretend, schlug das Geklffe der Hunde an mein Ohr,
welche die Pallah's gewittert hatten. Ein Pfiff brachte Niger in wenigen
Momenten an meine Seite und bald darauf hatte ich den Wagen erreicht, um
welchen lichterlohe Feuer brannten.

Am folgenden Tage besuchte ich gemeinschaftlich mit Pit den
Rendezvousplatz und fand die Stelle, an der ich gelegen, sowie die
nchste Umgebung von Lwenspuren bedeckt und die niedere Umzunung aus
trockenem Gezweige vollkommen zertreten. Der Aufenthalt an dieser Stelle
kostete einem meiner Hunde in Folge des Stiches einer Fliege, welche
schaarenweise die Thiere berfllt, und sich an Nase, Augen und Ohren
festsaugt, das Leben.

Am 1. Mai unternahm ich mit Pit einen greren Ausflug landeinwrts.
Schon frher hatte ich gehrt, da man sich hie und da in der Colonie
den Muth nimmt, in die gerumigen unterirdischen Hynenbauten
hineinzukriechen, um sich von der Anwesenheit des Raubthieres zu
berzeugen. Ist die Hyne eingefahren so wird in dem uersten Theile
ihres Baues aus gewissen Struchern ein Feuer angezndet, um das Thier
auszuruchern. Beim Entweichen wird sie erschossen oder mit Knitteln
erschlagen. Ich machte nun auch mit Pit einen Versuch und forderte ihn
bei einem Hynenbau angelangt, auf, hineinzukriechen, und siehe da, er
wiederholte auch hier, was er schon oft daheim gethan, diesmal leider
ohne Erfolg, da der Ausrucherungsproce nicht recht von Statten gehen
wollte.

Am selben Tage trat ich die Weiterfahrt an und traf einige Meilen
fluabwrts einen Elfenbeinhndler aus dem Matabelelande an, der im
Auftrage des Knigs der Matabele dem englischen Gouverneur in Griqualand
(Kimberley) mittheilen sollte, da ein weier Forscher an der Ostgrenze
seines Reiches unter den Maschona's getdtet worden war.

Die beraus reiche Ausbeute des Tages, Vogelblge, Reptilien, Insecten,
Pflanzen und Mineralien bewog mich, mein Glck auch im Fischfange zu
versuchen. Mit den nthigen Werkzeugen ausgerstet stand ich bald an dem
hohen Fluufer und senkte meine Angel in die Fluth. Es gelang mir,
mehrere Welse zu fangen, drei groe, etwa sechs Pfund schwere Stcke
vermochte ich nicht an's Ufer zu schnellen, die Thiere brachen die Angel
oder entschlpften und fielen rasch ber das steile Ufer in den Flu
zurck. Bei den Anstrengungen, die ich machte, um einen vierten zu
landen, verlor ich das Gleichgewicht und fiel kopfber das Ufer herab,
blieb aber glcklicher Weise an den Dornen eines Wartebichi-Strauches
hngen.

An den Perlhhnern am Marico beobachtete ich, da sie sich berall da,
wo Gebsche bis an den Flu herantraten, hufiger zeigten und da sie
ihre Bume nicht vor dem Abtrocknen des schweren Morgenthaues verlieen.
Im Laufen leisten diese Geschpfe Unglaubliches.

Gegen den Abend fuhren wir weiter und begegneten einer greren Anzahl
von Betschuana-Familien, dem Makhosistamme angehrend, welche nahe an
den Ruinen von Kolobeng auf Seschele's Gebiete wohnten. Sie waren aus
ihren bisherigen Wohnsitzen ausgewandert und wollten sich an der
Transvaal-Grenze am Fue der Dwarsberge ansiedeln, da sie von Seschele
zuviel geplagt wurden. Seschele bereitete sich vor, die Makhosi und die
Bakhatla mit Waffenmacht zu berfallen, doch wurde dies den letzteren
verrathen und sie trafen sogleich alle Vorkehrungen, um ihn gebhrend zu
empfangen, auf welche Nachricht hin aber Seschele von dem geplanten
Ueberfalle abstand. Fr den Reisenden und Hndler, wie auch fr die
nachbarlichen Colonien ist es in jeder Hinsicht besser, wenn die Einheit
der gegenwrtigen sechs Betschuana-Reiche aufrecht erhalten bleibt. Die
Zersplitterung derselben in kleinere Staaten wrde dieselben Nachtheile
zur Folge haben, unter denen die europischen Colonien und Reisende an
der Ostkste nrdlich der Delagoabai zu leiden hatten.

Am 4. beobachteten wir eine Wasserbockgai im hohen Grase des gegen
seine Mndung leicht bewaldeten Maricothales. Th. beschlich das Thier
ganz vortrefflich, doch das Unglck wollte, da ihm die Patrone versagte
und bevor ihm Pit eine zweite reichen konnte, hatte das Thier die Flucht
ergriffen. Der Morgen war ausnahmsweise schn, doch hatten wir seit dem
2. tglich Frste. Ich durchzog das bewaldete Dreieck zwischen dem
unteren Marico und dem Limpopo, indem ich mich von dem ersteren
entfernte, um ihm erst an seiner Mndung zu begegnen. Wir begegneten
einem aus dem Westmatabele-Lande ber 500 englische Meilen weit
herkommenden Haufen Makalaka-Mnner, welche zu Skeletten abgemagert nach
den Diamantenfeldern zogen, um sich hier auf sechs Monate zu verdingen
und sich ein Gewehr und Schubedarf zu erwerben; leider konnten wir
ihren Bitten um Fleisch nicht willfahren, da wir in den letzten Tagen
kein Hochwild erlegt hatten.

Am folgenden Morgen fand ich mich am Ufer des Limpopo; da ich hier
einige Tage zu verweilen gedachte, machten wir uns sofort daran, unseren
Lagerplatz mit einer hohen Umzunung aus Mimosensten zu umgeben und die
Zugthiere in Sicherheit zu bringen. Am Nachmittage unternahm ich mit Th.
einen Ausflug am Marico-Ufer aufwrts und scho zwei Meerkatzen und vier
kleine Nachtaffen (^Galakae^), welche sich durch ein sehr feines
seidenartiges Fell und ihre schnen groen Augen auszeichnen. Sie
bringen in der Regel den Tag schlafend zu und beginnen erst mit der
Nacht als wahre Sprungthiere das Leben in den Zweigen der Bume in denen
sie nach Motten und Insecten jagen, Beeren suchen, und den Gummisaft der
Mimosen belecken. Mit den Krokodilen, welchen der Flu seinen Namen
verdankt, machte unser Diener am folgenden Tage Bekanntschaft. Mit
Waschen am Ufer beschftigt, tauchte pltzlich vor ihm ein dunkler
Gegenstand aus der Fluth, bei dessen Anblicke ihm das Kleidungsstck
entfiel und er es nur dadurch wieder gewann, da er laut aufschreiend
einen Stein dem nach dem eben versinkenden Gegenstande schnappenden
Krokodile an den Kopf warf. Da ich den Limpopo etwas unterhalb der
Vereinigung mit dem Marico blos etwa drei Fu tief fand, versuchte ich
es, den Strom an dieser Stelle zu berschreiten. Wir fllten mehrere
groe Mimosenstmme und bauten daraus ein Flo, doch das frische
Mimosenholz war so schwer, da es unter mir zwei Fu tief einsank und
als ich, das Flo im Stiche lassend, auf das Ufer zu springen im
Begriffe war, hatte sich am gegenber liegenden Floende ein Krokodil
angeklammert; diese unliebsame Erscheinung veranlate mich, vorlufig
auf den Besuch des jenseitigen Ufers zu verzichten.

Am 7. verlieen wir unsern Lagerplatz, zogen stromabwrts weiter und
hatten auf der nchsten Strecke 15 enge und tiefe Regenschluchten zu
berschreiten. Die Gegend war ein ununterbrochener Wald, in dem uns
einige sehr schne und umfangreiche Hardekoolebume auffielen; das Land
zur Linken gehrte Seschele, dem Bakwenaknig, das jenseitige der
Transvaal-Republik.

Wir setzten an den folgenden Tagen die Reise fort und gelangten zur
Mndung des Notuany, die Reise ging etwas langsam von statten, da das
Thal des Limpopo und die an seinem Ufer befindlichen, hher liegenden
und mit dem Strome nur bei Hochwasser communicirenden Sumpflachen
mannigfache Gelegenheiten zur Jagd und zur Vermehrung meiner Sammlungen
boten. Bevor wir noch den Notuany erreicht hatten, stieen wir auf das
erste der beiden Lager, welche die Damara-Emigranten bezogen hatten, um
sich zu ihrem Zuge nach Nordwesten zu sammeln. Das Lager bestand aus
etwa 30 Wgen und eben so vielen Zelten. Groe Vieh- und Schafheerden
weideten von Bewaffneten beschtzt ringsum. Die Leute saen in Gruppen
beisammen, die einen tranken den unentbehrlichen Kaffee, whrend andere
emsig an der Completirung des Reisematerials arbeiteten. Mir fiel es
auf, da die meisten der Frauen schwarz gekleidet waren. Die Mnner
fragten uns, ob wir nicht einigen Boerwgen begegnet wren, und als wir
es bejahten, da wir zahlreiche Damara-Emigranten berholt htten, da
zeigte sich bei allen eine unverhohlene Freude, sie hofften, da die
Zeit nahe sei, wo sie hinreichend stark an Zahl, ihren Zug nach dem
Damaralande antreten konnten, wobei sie hinzufgten, da sie sich, im
Falle ihnen von den Knigen der stlichen und westlichen Bamangwato der
Durchzug verwehrt wrde, denselben erkmpfen wollten. Ich machte die
Leute darauf aufmerksam, da sie die trockenen, an Wasser so beraus
armen Strecken des westlichen Theiles des nchst anliegenden
Bamangwato-Reiches mit ihren zahlreichen Heerden kaum passiren knnten,
oder dabei mindestens die Hlfte ihrer Thiere einben wrden. Doch
sowohl hier als auch im zweiten Lager, in Schoschong und auf meiner
Rckreise, auf welcher ich den Emigranten begegnete, war man gegen meine
Vorstellungen taub und wollte von einer Umkehr nichts wissen, sie
zeigten ein unbegrenztes Selbstvertrauen, besonders wenn man sie auf die
Widerstandsfhigkeit der stlichen Bamangwato aufmerksam machte. Nach
den Grnden ihrer Auswanderung befragt, klagten sie ber die Regierung
und die Person des Prsidenten, welcher ganz verkehrte Begriffe ber die
Auslegung gewisser Stellen in der Bibel htte, whrend u. a. die
Regierung bestrebt sei, Neuerungen einzufhren, die weder gut noch an
der Zeit wren. Ihre Vorfahren sdlich vom Oranje-River, sagten sie,
waren grau geworden, ohne je mit solchen, mit groen Kosten verbundenen
Neuerungen geplagt worden zu sein, deshalb wren auch jetzt diese nicht
nthig und dies um so weniger, als sie einen Zuzug von Fremden,
namentlich von Englndern verursachten. Diese Neuerungen bezogen sich
namentlich auf Verbesserungen, welche Prsident Burgers im Staate
einzufhren bestrebt war, obgleich sie bei Weitem noch nicht die
Abschaffung aller der Krebsschden, an denen die Republik litt, erzielen
konnten. Von allen diesen Neuerungen wurde mir das vom Prsidenten
Burgers entworfene Eisenbahnproject, welches die Delagoabai mit der
Transvaal-Republik verbinden sollte, als das abscheulichste bezeichnet.

Es ist wirklich staunenswerth und unglaublich, da Menschen, die sich
mhevoll ihren Besitz, ihre Farmen erkmpfen muten, in Folge der oben
angefhrten Grnde und den Vorspiegelungen eines Mannes Glauben
schenkend, ihre Heimatssttte verlieen, um eine Irrfahrt nach dem
Innern anzutreten. Im Ganzen zhlte der erste Trupp ohne Nachzgler etwa
70 Wgen. Sie wollten von den schnen Weidepltzen der Damara's Besitz
ergreifen und im Falle eines Widerstandes die Damara's aus ihrem Lande
vertreiben. Schon auf der Strecke Krokodil-River -- Schoschong hatten
sie sehr an Wassernoth zu leiden und so groe Schwierigkeiten, ihre
Heerden weiter zu bringen, da sie, in Schoschong angekommen,
entschlossen waren, nach dem Limpopo zurckzukehren, um hier so lange zu
verharren, bis hufige Regen auf der Strecke Schoschong-Damaraland
gefallen wren. Unter der Voraussetzung, da die Boers das nthige Land
von den Damara's kuflich erstehen wollten, versprachen ihnen der Knig
Khama der stlichen Bamangwato's, sowie jener der westlichen
Bamangwato's freien Durchzug durch ihre Gebiete. Als dem Ersteren jedoch
die Nachricht zu Ohren kam, da sie im Nothfalle zu den Waffen greifen
wrden, zog er sein Versprechen zurck, da er eine Invasion seines
eigenen Landes befrchtete. Auf dieses hin erklrten die Boers offen,
da sie im Falle anhaltender Drre das Knigreich der Zulumatabele
erobern, andernfalls aber sich mit Waffengewalt ihren Weg durch das Land
der stlichen Bamangwato bahnen wrden.

[Illustration: Krokodile im Limpopo.]

Ich nahm mir damals, nach den Diamantenfeldern zurckgekehrt (im Jahre
1877), die Freiheit, mich der Sache ffentlich anzunehmen um dem
Bamangwatostamm und seinem edlen Herrscher einen Vernichtungskampf und
den Hollndern schwere Kmpfe zu ersparen und schlo den ersten der
diesbezglichen in den Diamond News am 24. Mrz verffentlichten
Artikel mit den Worten. Es wre absurd, wenn Leute wie diese Boers,
welche weder im Stande waren, den Fortschritt in ihrem Mutterlande zu
begreifen, noch fhig ihm zu folgen, vielmehr auf jede noch so ntzliche
Neuerung mit Verachtung herabblickten, einen neuen Staat grnden
wollten.[4]

Zwei Monate spter nachdem ich dies geschrieben, erhielt ich die
Nachricht, da sich die Boers die Freundschaft Khamanes, der bei
Seschele wohnte und Khama feindlich gesinnt war, dadurch zu sichern
gedachten, da sie ihn zum Knige der Bamangwato's erheben wollten. Als
ihnen dies nicht gelang, trachteten sie auch Matscheng, den Onkel
Khama's, in hnlicher, aber auch vergeblicher Weise, gegen diesen als
Bundesgenossen zu gewinnen.

Im Jahre 1876, namentlich aber 1877, hatte sich die Lage der am Limpopo
der Entscheidung harrenden Damara-Emigranten bedeutend verschlechtert,
die Leute sprachen nicht mehr von einem gewaltsam erzwungenen Durchzuge,
im Gegentheile wollten sie jedem Kampfe ausweichen, denn viele von ihnen
waren fieberkrank geworden. Als das Fieber in ihren Reihen immer mehr um
sich griff, entschlossen sie sich zum Aufbruche, sie lieen von Khama
nochmals den freien Durchzug fordern und zogen unterdessen statt nach
Schoschong nach dem Mahalapsiflusse, um den Knig Khama irrezufhren.
Inzwischen hatte sich Khama auf einen mglicher Weise bevorstehenden
Kampf mit den Boers vorbereitet. Seine Leute muten sich auf dem freien
Raum vor der Stadt tglich in der Fhrung der Waffen einben, whrend er
die vom Limpopo abziehenden Boers mit zahlreichen Kundschaftern umgab,
um sich ber jede ihrer Bewegungen zu orientiren. Die Nachrichten, die
er erhielt, bestrkten ihn immer mehr und mehr in der Ueberzeugung, da
ihm die Weien in keiner Weise gewachsen seien. Manch' anderer
Eingebornenfrst Sd-Afrika's htte aus der schlimmen Lage derselben
Nutzen geschpft und wre ber die durch Krankheiten und Entbehrungen im
Widerstande geschwchten, jedoch noch immer wohlhabenden Herdenbesitzer
hergefallen. Khama jedoch sandte den Missionr Rev. Hephrun an den
Mahalapsi, um sich ber die hilflose Lage der Abenteurer zu
vergewissern. Als ihm der Prediger nach seiner Rckkunft ihre Lage
schilderte, gestattete ihnen Khama sofort freien Durchzug. Die
Emigranten waren seit 1875 derart herabgekommen, da sie nicht nur an
keinen Kampf mit den Bamangwato's denken konnten, sondern Khama selbst
die Befrchtung hegte, da sie kaum im Stande sein wrden, in ihrem
hilflosen Zustande den Zuga-River zu erreichen. Bald nachdem sie
Schoschong verlassen und ihren Zug nach Nordwest angetreten hatten,
mehrten sich tglich und stndlich ihre Mhsale. Der erste Theil der
Strecke Schoschong -- Zuga-River ist ein einziger tiefsandiger Wald (von
den hollndischen Jgern gewhnlich das Durstland genannt) und besitzt
nur fnf Wasserstellen, wie den Letlotsespruit, die Wasserlcher von
Kanne, Lothlakane, Nehokotsa etc., an denen man Thiere trnken kann. Die
meisten dieser Stellen sind im Sande oder ausgetrockneten Flubetten
gegrabene Lcher, welche es kaum gestatten, ein Gespann Ochsen auf
einmal zu trnken; Abends aufgegraben, liefern sie am nchsten Tage
einige Eimer Wasser, woher sollten die Emigranten das nthige Wasser fr
ihre nach Tausenden zhlende Rinder- und Schafheerde nehmen. So geschah
es, da die Thiere durch Durst frmlich auer sich, truppweise
davonliefen und die Boers in elendem Zustande am Zuga anlangten.

[Funote 4: Diese Boers drfen keinesfalls mit ihren gebildeten
Stammesgenossen in Sd-Afrika verwechselt werden.]

Die Noth an Dienern machte sich bei den Leuten sehr fhlbar, ich sah oft
Kinder die Leitochsen fhren und Frauen, hier die Gattin, dort die
Tochter, die riesige Peitsche schwingen. Nach und nach durch Krankheit
decimirt und nachdem sie etwa 50 Percent ihrer Habe eingebt, langten
die Emigranten am N'gami-See an. Von da begann ein neuer beschwerlicher
Zug durch das Land der westlichen Bamangwato. Eine kleine Anzahl von
Familien, deren meiste Mitglieder am Fieber darniederlagen und
zahlreiche Waisen erreichten das Damaraland. Whrend meines Aufenthaltes
in London im Jahre 1880 erfuhr ich, da die Ueberlebenden jener
bedauernswerthen Leute von allen Mitteln derart entblt ankamen, da
ihnen die englische Regierung durch freiwillige Gaben der opferwilligen,
englischen und hollndischen Bevlkerung der Capstadt und anderer
sdafrikanischer Stdte, an Kleidung und Nahrung etc. untersttzt,
mehrere Sendungen per Dampfer ^via^ Walfischbai zugemittelt hatte. So
endete der Versuch jener starrkpfigen Menschen, die, sich gegen jeden
Fortschritt auflehnend, aus Nationalha und Unwissenheit mit offenen
Augen ihrem Verderben entgegen eilten.

Bevor ich noch den Notuany erreicht hatte, konnte ich wahrnehmen, da
das Wild, welches whrend meiner zweiten Reise die Ufer des Limpopo so
dicht bevlkert hatte, durch das unausgesetzte Jagen von Seite der
Emigranten decimirt war. Ich fand nur Hippopotamus- und in einem dichten
Gebsch einige Giraffenspuren und diese fhrten in einem engen Fupfade
zum Flusse herab; doch hatte ich keine Mue den Giraffen zu folgen und
wollte sie auch den Boers nicht verrathen.

Auf einem dem Ufer entlang unternommenen Ausfluge schwebte ich in
Lebensgefahr. Wir folgten einer greren Kette Perlhhner, die Thiere
liefen vor uns her, nur zeitweilig erhob sich eines, um sich nach uns
umzusehen; so kamen wir auf eine unseren Weg kreuzende, ber und ber
mit Gras berwucherte, etwa 12 Fu tiefe und etwas breitere
Regenschlucht, ich machte den mir unmittelbar folgenden Th. auf sie
aufmerksam und stieg herab, um sie zu durchschreiten, mein Genosse hatte
jedoch meine Warnung nicht gehrt, sondern seine ganze Aufmerksamkeit
auf die vor uns herlaufenden Perlhhner gerichtet und hielt den
Sniderstutzen schubereit in der Hand. Bei dem Sturze in die Tiefe der
Schlucht fiel er nach vorne, wobei der Finger unwillkrlich den Drcker
berhrt haben mute, denn die Kugel streifte meinen Nacken; zwei
Centimeter mehr nach vorne gesenkt, htte sie mir das Lebenslicht
ausgeblasen.

Am Notuany schlug ich fr einige Tage mein Lager auf, um mich der
Durchforschung der nchsten Umgebung zu widmen. Mein erster Ausflug galt
dem sdlichen Winkel an der Mndung des letzteren Flusses in den
Limpopo. Hier, im Schatten riesiger Mimosen, fand ich whrend meiner
zweite Reise zahlreiches Hoch- und Niederwild, diesmal sphte ich lange
vergebens nach Beute, bis endlich eine Gazelle aus dem hohen Ufergras
vor mir aufsprang. Ein wohlgezielter Schu aus dem nur mit Hasenschrot
geladenen Gewehre hemmte fr immer ihre zierlichen Sprnge. Einige in
dem Walde wohnende Masarwa's -- Seschele's Vasallen -- brachten uns
Pallahfelle zum Verkauf, die ich auch erstand.

Die Ufer am unteren Marico und dem Limpopo bestanden aus Granit, Gneis,
grauem und rthlichem Sandstein, der letztere oft mit zahlreichen
eingeschlossenen Kieseln und dann zuweilen recht groteske Hgelformen,
wie eine am Ufer des letztgenannten Stromes den Cardinalshut bildend;
stellenweise gesellt sich Grnstein und eisenhaltiger Kalkschiefer
hinzu. Den ersten oberhalb seiner Mndung in den Limpopo in den Notuany
einmndenden Spruit nannte ich Purkyne's Spruit. Die strksten unter den
Mimosen, auf denen ich hie und da Geiernester bemerkte und die sonst der
Aufenthalt zahlreicher Vogelarten (^Bubo Vereauxii^ und ^maculosus^,
^Psittacus^, ^Coracias caudata^ und ^nuchalis^ etc. etc.) waren, hatten
einen Umfang bis zu zehn Fu.

Gegen meine zuerst gefate Absicht verlie ich den Notuany schon am 12.
und zog das Limpopothal weiter abwrts. Da jedoch die Gegend meinen
Sammlungen viele und schne Acquisitionen versprach, hielt ich schon
nach einer Tour von vier Meilen inne. Auf einem am 14. unternommenen
Ausfluge vermehrte sich meine Sammlung um zwei Cercopithecus, einen
Sciurus, zwei Perlhhner und zwei Francolinusblge. An einem der
erlegten Affen, einem ausgewachsenen Mnnchen, fielen mir einige
krankhafte Auswchse auf, die dem Thiere in Form von groen Geschwren
sein Dasein recht unangenehm gemacht haben muten. Aus den Fluthen des
Limpopo sah ich fast nach jeden 100 Schritten den Krper eines
erwachsenen Krokodils auftauchen, und ebenso rasch verschwinden.

Am folgenden Tage verlie ich den Limpopo, um die bewaldeten, auf dem
sdlichen Abhange tiefsandigen, auf dem nrdlichen felsigen Hhen zu
berschreiten und in das Thal des Sirorume zu gelangen. Niger machte
sich hier das Vergngen, zwei ber den Weg nach links laufende gefleckte
Hynen zu jagen, ohne die unbeholfenen Thiere einholen zu knnen. Gegen
Mittag langten wir bei der schon erwhnten Lache auf dem Gipfel der
Erhebung an und begannen am Nachmittage dieselbe gegen den Sirorume
hinabzufahren. Die Benennung der nun erreichten Gegend als
Buffadder-Gebiet zeigte sich auch diesmal richtig, unmittelbar am Wege
fanden wir zwei zusammengerollte Schlangen, welche wir erlegten. Nach
Trinkwasser fahndend, kam ich, einem schon frher bentzten Masarwapfade
folgend, zu einem etwa zehn Fu tiefen, kleinen Loch, aus dem mir Wasser
entgegenblinkte. Ich band meinen Hut an den Gewehrriemen, um das
ersehnte Na herauszuschpfen; als meine Schpfkanne beinahe den
Wasserspiegel erreicht hatte, sah ich einen schimmernden Gegenstand
theilweise am, theilweise ber dem Wasser glnzen; den Gegenstand nher
beobachtend, erkannte ich eine Buffadder, die sich vergebens bemhte,
aus diesem Gefngnisse zu entschlpfen. Ebenso hufig wie die
Buffadderschlangen sind im Sirorumethale Leopardenspuren. Dichte
Dorngebsche, zerklftete hhlenreiche Felsen an den Thalabhngen bieten
hier dieser Wildkatze die gewnschten Schlupfwinkel.

Auf der Fahrt am nchsten Morgen fand ich am Sirorume einen
Bamangwato-Posten. Sekhomo, der frhere Bamangwato-Knig, hielt hier
keinen, da er nicht hinreichend Leute zur Verfgung hatte, darum sah
auch zu jener Zeit Seschele diese Gegend als seinen Jagdgrund an. Die
Gegend war von Giraffen, Kudu's, Hartebeest- und Eland-Antilopen, sowie
von Gazellen und Wildschweinen, doch auch zahlreich von Hynen und
Schakalen bevlkert.

Am 17. erreichte ich Khama's Salzsee, an welchem ich die durstigen
Zugthiere zu den Felsencisternen fhren und trnken lie. Von einigen
herbeieilenden Bamangwato's und Makalahari erhandelte ich einige
Curiositten, darunter auch ein Schlachtbeil. An meinem Wege fand ich
Hornvipern (Giftschlangen), welche jedoch so gndig sind, den ahnungslos
sich ihnen nhernden Menschen durch ein lautes Pfauchen zu warnen. Gegen
Abend kamen fnf Makalaka's, wahre Hnengestalten, an den Wagen, um sich
mir als Diener zu verdingen; da ich den Charakter dieses Stammes zu wohl
kannte, ging ich auf ihr Ansuchen nicht ein.

Ich verlie am 19. Khama's Salzsee und langte spt in der Nacht in
Schoschong, der Residenz Khama's, an; ich fand die Stadt sehr verndert.
Nach seinem Siege hatte sie Khama angezndet, etwas mehr
zusammengedrngt und nher der Mndung der Schoschonschlucht in das
Franz Josefs-Thal erbaut, wodurch die Gehfte der Weien isolirt wurden.
Das Wiedersehen mit Rev. Mackenzie war ein sehr herzliches, mein Freund
lud mich wieder ein, fr die Zeit meines Aufenthaltes, den ich auf 14
Tage bemessen hatte, sein Gast zu sein.




                                 III.
               Von Schoschong nach den groen Salzseen.


Geschichte der letzten Kmpfe zwischen Sekhomo und Khama. --
Erosions-Erscheinungen im Lualabette. -- Die Maque-Ebene. -- Frost. --
Wilde Straue am Wagen. -- Jagdverbot des Knigs Khama. --
Eland-Antilopen. -- Die ersten Palmen. -- Wildpfade und Fall-Assagaien
an den Nokane-Quellen. -- Im Gebiete der groen Salzseen. -- Die
Tsitani- und Karri-Karri-Pfanne. -- Am Tschaneng-Flusse. -- Matabele am
Wagen. -- Die Salzlager am Nata-Spruit. -- Jagd auf Zulu-Hartebeeste. --
Auf dem Anstande auf Lwen. -- Thierleben am Nata-Spruit.

Die Vernderungen im ffentlichen Leben und in den socialen Zustnden
der Bamangwato's seit meinem ersten Besuche der Stadt waren mir sofort
aufgefallen. Damals war Sekhomo, das verkrperte Hinderni jedweder
Neuerungen, welche als Wohlthaten der Civilisation betrachtet werden
knnen, ein unermdlicher Priester in der Pflege heidnischer Gebruche
und Orgien, am Ruder; jetzt war es Khama, sein ltester Sohn, gerade das
Gegentheil seines Vaters. Da mit Khama der grte Theil derer, die ihm
in seine freiwillige Verbannung gefolgt waren, zurckkehrte, und da sich
ihm die meisten der unter Sekhomo hier lebenden Bamangwato's
unterwarfen, zhlte die Stadt gegenwrtig dreimal so viel Bewohner als
zur Zeit meines ersten Besuches. Eine grere Ordnung und Sicherheit
machte sich in Allem und Jedem bemerklich und mit dem Verbote des
Branntwein-Verkaufes hatte Khama eines der wichtigen Befrderungsmittel
des Migganges und des Unfriedens auer Wirkung gesetzt. Er war aber
auch bestrebt, nach und nach allen den Sitten schdlichen, sowie den
Geist umnachtenden heidnischen Gebruchen Einhalt zu thun.

Am 21. besuchte ich mehrere kranke Eingeborne in der Stadt, darunter
einen von Khama's Kriegern, dem das eine Schienbein durch eine Kugel
zersplittert worden war.[5] Ich besuchte Khama whrend meines
Aufenthaltes in Gesellschaft des Herrn Mackenzie mehrmals, und hatte
Gelegenheit, immer mehr und mehr den lobenswerthen Charakter dieses
Mannes kennen zu lernen. Ausflge in die nchste Umgegend, die
Bearbeitung meiner Routen-Aufnahmen von Linokana nach Schoschong sowie
die rztliche Praxis, in welcher ich durch Herrn Mackenzie und Hephrun
bei der Pflege der kranken Schwarzen untersttzt wurde, fllten die Tage
meines Aufenthaltes aus. Knig Khama war so gtig, mir einen Diener aus
dem Trosse seiner Leibdiener, einen Mann, der mich bis an den
Zambesistrom begleiten sollte, zu versprechen. Dieser Eingeborne sollte
auch, wenn ich nach der Westkste oder nach Norden weiterziehen sollte,
meinen Wagen mit den bis an den Zambesi gesammelten Objecten nach
Schoschong zurckbringen, als Lohn sollte ich dem Manne eine Muskete
geben. Freund Mackenzie beschenkte mich mit zwei schnen, von den
Maschona's gearbeiteten Holztpfen, Rev. Hephrun mit zwei Unzen Chinin.

Am 27. brachte mir Khama den versprochenen Diener und hielt ihm in
meiner Gegenwart eine Rede, welche mit den folgenden Worten schlo.
Dein neuer Herr ist ein Mann, und da er ein Njaka (Doctor) ist, das
hab' ich Dir schon erklrt.

Auf meinen in Gesellschaft Rev. Mackenzie's unternommenen Ausflgen
zeigte mir dieser alle jene Stellen, welche in der Geschichte der
Bamangwato's durch die letzten Kmpfe zwischen Khama und Sekhomo
Bedeutung erlangt hatten. Die folgenden Zeilen mgen meine gelegentlich
der Schilderungen meines ersten Aufenthaltes in Schoschong angefhrten
Mitteilungen ergnzen. Ich erwhnte am Schlusse derselben, da Khama
Schoschong verlassen, und ihm der grte Theil der Bamangwato's in diese
freiwillige Verbannung an den Zuga-River gefolgt war, als jedoch Khama
sah, da das Fieber seine Leute in dem Sumpflande decimire, entschlo er
sich, nach Schoschong zurckzukehren, und sich zu seinem Rechte zu
verhelfen, wohl nicht heimlich seinen Vater und Bruder zu berfallen,
sondern diesen offen sein Kommen anzuzeigen; er that dies auch und
bezeichnete den Tag seiner Ankunft. Er drang von Nordwesten ber die
Bamangwatohhen vor, um die die Stadt beherrschenden und die
Schoschonschlucht bildenden Felsenabhnge zu gewinnen. Sekhomo hatte
seine Leute getheilt, um mit der schwcheren Abtheilung die Stadt zu
vertheidigen, whrend er die grere auf den Hhen postirte, um Khama an
seinem Vorhaben zu hindern; durch den Zuzug der Bewohner der im oberen
Thale des Schoschon gelegenen Makalakadrfer verstrkt, hatte Sekhomo
eine Khama's Truppen ebenbrtige Anzahl von Kriegern. So wie in den
frheren Kmpfen bewiesen sich diese Makalaka's, die sich aus dem
Matabelelande hierher geflchtet hatten, auch in diesem Kampfe uerst
unverllich und verrtherisch, sie waren diesmal Sekhomo's wirkliche
Bundesgenossen, allein sie hatten auch Khama, den ankommenden
Knigssohn, ihrer Hilfe und Freundschaft versichert und sandten ihm die
Nachricht, da sie ihn an der Schoschonkluft erwarten wrden. Khama
schlug die sich ihm entgegenstellenden Krieger Sekhomo's so rasch, da
diese versprengt den Rckzug nach der Stadt nicht mehr einschlagen
konnten, und da bald darauf der seinen Sieg mglichst rasch ausntzende
Feldherr mit der Vorhut auf dem Plateau erschien, auf welchem die
Makalaka's Posto gefat hatten, glaubten diese, da es ihm in dem Kampfe
schlecht ergangen und er besiegt sei, und diese Richtung blos aus dem
Grunde eingeschlagen habe, um den Versuch zu machen, sich der in der
Schoschonkluft verborgenen Viehheerden zu bemchtigen. Whrend sich nun
seine Leute vertrauensvoll den Makalaka's nherten, erffneten diese auf
die Ankommenden ein heftiges Feuer. Dies machte die Bamangwato's so
wthend, da die der Vorhut rasch folgende Haupttruppe nur ein einziges
Mal ihre Musketen auf sie feuerte, dann aber auf sie losstrzte, und die
meisten mit dem Kolben erschlug.

[Funote 5: Siehe Anhang 2.]

[Illustration: Kampfesscene auf den Bamangwatohhen.]

Ich lie bei Herrn Mackenzie eine Kiste mit gesammelten Gegenstnden
zurck sowie Briefe, die er den Herrn Jensen nach Linokana abzusenden
versprach, auch wollte er mir etwaige mit der Kaffernpost angekommene
Briefe durch Eingeborene oder nach den Zambesi-Gegenden reisende
Elfenbeinhndler nachsenden. Whrend meines Aufenthaltes in Schoschong
langte hier eine Gesandtschaft, gefhrt von Kosi Lintschi, von
Rechtswegen dem eigentlichen Bakwena-Thronerben an. Er kam im Namen
Sekhomo's, der sich zu Seschele geflchtet, um von Khama Sekhomo's
Mutter zu erbitten, zu gleicher Zeit kam aus dem Matabele-Lande die
Nachricht da die Matabele-Zulus einen erfolgreichen Angriff auf die
Maschonas ausgefhrt hatten.

Herr Mackenzie hielt in einem von ihm selbst aufgefhrten Gebude neben
seiner Wohnung durch fnf Stunden Schule, und zwar waren es schon
Mnner, Seminaristen, verschiedenen Betschuanastmmen angehrend, die
er belehrte; einige dieser Mnner hatten auch zwei Jahre spter unter
der Anleitung des Rev. Hebern eine Missionsstation auf Wunsch der
Eingebornen-Bevlkerung am N'gami-See errichtet.

Hatten wir whrend unseres ersten Aufenthaltes in Schoschong ber
fortwhrenden Regen, so hatten wir diesmal ber anhaltende Drre zu
klagen, in Folge welcher meine Zugthiere etwas abgemagert waren. Am 4.
Juni verlie ich Schoschong, um meine Reise nach dem Zambesi anzutreten.
Im Franz Josefsthale aufwrts ziehend, schlugen wir am folgenden Tage
eine nrdliche Richtung ein und berschritten den Unicornpa und
gewannen, nachdem wir das Unicornthal passirt, die Hochebene. Die
Scenerie im Unicornthale ist eine sehr anziehende, isolirte Felsenhgel,
welche eine baumfrmige, armleuchterfrmig sich verzweigende
Euphorbiacea in ziemlich dichten Bestnden schmckt, verengen ab und zu
das Thal. Vor wenigen Tagen hatte sich hier eine kleine Episode
zugetragen, deren Lsung Khama zur Ehre gereichte; einem Elephantenjger
war durch die umwohnenden Bamangwato's ein Zugthier entwendet worden,
der Spur der Diebe folgend, war der nach Schoschong zurckkehrende Jger
im Stande, dem Knige den Wohnort der Diebe zu bezeichnen. Der Knig
lie diese vor sich bringen und befahl den Dieben, nicht allein den
Schaden sofort zu ersetzen, sondern dem Bestohlenen fr die erlittene
Verzgerung der Reise zwei Ziegen zu bergeben.

Die Reise am 6. fhrte ber ein tiefsandiges, waldiges Hochplateau, spt
Abends gelangten wir zum Letlotsespruit und lagerten nahe an dem Falle
dieses Spruit, der jedoch nur nach heftigem Regen sichtbar ist und
dessen Wasser dann ber die Granitblcke herabstrzt; die anliegenden
Hhen, von zahlreichem Niederwild belebt, zeigten in ihren obersten
Lagen rothen Sandsteinschiefer, darunter Quarzit, schwarzen
Kieselschiefer, und in den tiefsten Lagen Granit. Die Wasserlcher von
Kanne waren das Ziel des nchsten Tagesmarsches. In einem Halbbogen zur
Rechten erheben sich mehr denn dreiig kegelfrmige Hhenkuppen, welche
die Bamangwato- mit den Serotlehhen verbinden. In der Nhe dieser
Wasserlcher befand sich ein Viehposten, dessen Bewohner bei unserer
Annherung rasch ihr Vieh zum Wasser trieben, um es zu trnken, so da
wir keines mehr vorfanden und die Lcher neu ausgraben muten. Am 8.
gelangte ich bis zu dem Thale des Luala-Spruits, dessen Vegetation und
nchste Umgebung ein anmuthiges Landschaftsbild gewhrt. Besonderes
Interesse erregen die Gebirgsformation und die Erosions-Erscheinungen im
Flubette. Hier waren es Grotten und Hhlen, dort Nischen, Bassins oder
gothische Gewlbe, welche das Wasser, obwohl nur kurze Zeit hindurch im
Jahre flieend, im Lualabette ausgewaschen hatte. An der sehr tiefen und
schwierig passirbaren Furth traf ich zwei Elfenbeinhndler an, von
welchen der eine, Herr Anderson, dem Namen nach als ein ehemaliger
Gold-Digger bekannt war. Sie lagen seit einigen Tagen hier, um durch
ihre Diener die Gegend bis an die Maque-Ebene, die ihnen als wasserlos
geschildert wurde, auszukundschaften. Der Luala wie seine Nebenflsse
waren alle trocken und man mute allmlig eine Stelle in dem
humusreichen Bette ausgraben, um Wasser gewinnen zu knnen. Nach den
Mittheilungen der von Herrn Anderson ausgesendeten Boten hatten wir zwei
Tage und zwei Nchte zur nchsten Wasserstelle zurckzulegen, ich lie
deshalb mit Rcksicht darauf unsere Speisen fr die nchsten zwei Tage
hier zubereiten, um an Wasser zu sparen. Da sich Herr Anderson erbot,
mir Gesellschaft zu leisten, so nahmen wir uns vor, die Reise bis an die
Salzseen gemeinschaftlich zu machen.

Am 10. zog ich das Hauptthal des Flchens hinauf und gelangte Abends zu
dem bewaldeten tiefsandigen Hochplateau, welches etwa 30 englische
Meilen lang, einen Theil des sdlichen Durstlandes bildet. Bei der
Wasserlosigkeit der zu durchziehenden Gegend, empfahl es sich so rasch
als mglich vorwrts zu kommen, weshalb wir auch bis in die finstere
Nacht unsere Fahrt fortsetzten, einige Stunden ausruhten und mit
anbrechender Morgendmmerung die Fahrt bis in die spten
Vormittagsstunden fortsetzten. Nach einer fnf- bis sechsstndigen Rast
whrend der heiesten Tageszeit brachen wir neuerdings auf. Diese Art
und Weise des Reisens ist in den wasserarmen, tiefsandigen, bewaldeten
Gegenden dringendst geboten. Das enge Weggeleise, der schlangenfrmig
sich hin- und herwindende Weg, die wasserarme Gegend und die Anstrengung
der Zugthiere in dem tiefen Sande machen das Reisen zur heien Tageszeit
vollkommen unmglich. Abends hatten wir die von Mapanibumen bewachsene
Tiefebene von Maque erreicht und fanden berall zahlreiche Spuren des
gestreiften Gnus, der Zebras, der Giraffen, und selbst im Weggeleise
uerst zahlreiche Lwenspuren. Wir stieen auch auf einige Masarwa's,
welche uns jedoch ein einige Meilen zur Rechten vom Wege liegendes
Sumpfwasser zu zeigen verweigerten, da sie die ihnen in diesem Falle
drohende Zchtigung durch die Bamangwato's frchteten. Die gesammte
Maque-Ebene, nach Westen von Tafelbergen begrenzt und nach Norden gegen
das Salzseen-Bassin abfallend, ist ein einziger Humusboden, der in der
nassen Jahreszeit gnzlich aufgeweicht, in der Trockenzeit durch seine
Drre das Reisen unendlich erschwert. Unter den Hnden eines
europischen Landwirths wrden die gegenwrtig noch Jagdgrnde der
Bamangwato's bildenden Flchen dieser Ebene bald von Weizen- und
Baumwollpflanzungen bedeckt sein.

Mit gnzlich erschpften Zugthieren gelangten wir endlich am folgenden
Abende zu den gesuchten Wasserlchern, an denen bereits die Hndler vor
mir angekommen waren. Am folgenden Tage holte uns ein Bote des Knigs
Khama hier ein, welcher den Auftrag hatte, die Bamangwato-Gehfte auf
dieser Strecke zu besuchen und den Insassen derselben den Befehl des
Knigs bekannt zu geben, unter keiner Bedingung einem Jger einen
lngeren als dreitgigen Aufenthalt an einem Gewsser zu gestatten.
Dieser Befehl wurde durch die Handlungsweise der hollndischen Jger
veranlat, welche in bermthiger Weise alles Wild, dessen sie nur
habhaft werden konnten, des Felles halber erlegten und das Fleisch den
Geiern zum Frae berlieen. Obgleich wir keine Jger waren, kam uns
dieser Zwischenfall sehr ungelegen, da die Eingebornen uns fr solche
hielten und ihr Benehmen ziemlich unangenehm wurde. Die Stelle, an der
wir eben gelagert hatten, war erst vor etwa zwei Monaten von den Boers
verlassen worden, wir fanden auch den gabelfrmigen Schleifschlitten,
mit dem sie das geschossene Wild zu ihren Wgen herbeischleppten.

Nrdlich der Maque-Ebene treten Boas hufiger auf, whrend sie in Natal
keine Seltenheit sind und auf den Hhen der sdlichen Betschuanalnder
nur stellenweise und vereinzelt angetroffen werden. Mit dem Mapanibaum,
dessen Bltter sich durch ihre Oelhaltigkeit, dessen Stamm sich durch
die Porositt des Holzes und Brchigkeit auszeichnet, treten in der
Flora auch andere, den tropischen genherte Pflanzenarten und Formen
auf, doch ist die Winterklte hier noch immer recht empfindlich, wenn
auch nicht in dem Mae wie am Vaal- und Oranje-River, zudem liegt die
Maque-Ebene etwa 1200 Fu tiefer als jene Hochebene an den genannten
Flssen. Am Morgen des 14. waren die Lcher mit einer ber 1 Cm. starken
Eisdecke berspannt.

Am Nachmittage des 13., als ich eben einige hundert Schritte vom Wagen
entfernt, in einem dichten Gebsch eine Boa verfolgte, entstand am Wagen
ein Geschrei, das mich zur Umkehr bewog. Ich fand Anderson in nicht
geringer Aufregung. Ueber den Grund derselben befragt, theilte mir der
Jger mit, da eben eine Heerde wilder Straue im vollen Laufe auf die
Lachen zur Trnke herangestrmt sei, da die Thiere jedoch durch die
Wgen erschreckt, sich in den nahen Mimosenwald geworfen htten und nun
von den Wagenlenkern und den brigen Dienern verfolgt wrden. -- Nach
einer halben Stunde kehrten diese abgehetzt und abgemdet zurck, ohne
einem Strau auch nur auf Schuweite nahegekommen zu sein.

Den zum Wagen rckkehrenden Dienern folgte bald eine Schaar von
Eingebornen nach und erffneten eine berlaute Discussion mit uns. Sie
erklrten, da wir keine friedlichen Reisenden, sondern Jger wie die
Boers wren, die kein Wild verschonen, denn kaum htten wir die Straue
gesehen, als wir ihnen auch schon nachstellten. Schlielich drngten sie
zur baldigsten Abreise und wollten von einer Fristerstreckung nichts
wissen.

[Illustration: Das Lualabett.]

An diesen Maque-Lachen hatten sich in den letzten Jahren vor meiner
Ankunft einige interessante Lwenabenteuer zugetragen, von denen ich
eines im weiteren Verlaufe meiner Reiseschilderung wiedergeben will. Wir
verlieen am folgenden Morgen die Lachen und zogen in Gesellschaft
Andersons in nrdlicher Richtung, in welcher eine von den Boers
Bergfontein benannte Quelle in 65 bis 71 Meilen Entfernung liegen
sollte. Hochbegraste und bebuschte Lichtungen wechselten auf dieser
wasserlosen Strecke mit lichten Mapaniwldern ab, zahlreiche den Weg
kreuzende Spuren zeugten fr den Wildreichthum der Gegend. Whrend des
Marsches wurden wir von zahlreichen Eingebornen eingeholt, welche mit
Assagaien bewaffnet (es waren Makalahari's und Masarwa's) auf die
Elandsjagd ausgezogen waren.

[Illustration: Strauenheerde am Wagen.]

Von allen Antilopen ist das Eland die wohlgenhrteste, namentlich die
Stiere, deren Herz in einem bis zu 25 Pfund schweren Fettsack
eingebettet ist, der sie an schneller Flucht hindert. Die Thiere werden
so kurzathmig, da sie von den behenden Masarwa's im vollen Lauf
eingeholt und gespeert werden. Die Nachfolgenden stoen ihm die Assagaie
von rechts und links in die Brusthhle, um die Lungen oder das Herz zu
verletzen. Berittene Jger (Hollnder und Englnder) jagen die Elande
(auch die Giraffen) bis an den Wagen heran, um sie erst hier
niederzuschieen und sich so den Transport des Fleisches und Felles zum
Wagen zu ersparen. Nach den Berichten der Eingebornen und Jger glaube
ich, da man ohne Schwierigkeiten das Eland zhmen und zum Tragen und
Ziehen kleiner Lasten verwenden knnte.

Am selben Tage stieen wir auf zwei mit Musketen bewaffnete und von fnf
Masarwa's begleitete Bamangwato's, welche zwei mit Fleisch beladene
Ochsen vor sich hertrieben; jeder der Masarwa's trug etwa 50 bis 60
Pfund Fleisch. Die Leute gingen nach Schoschong, um sich von Khama
Verhaltungsmaregeln geben zu lassen, da ein Theil der aus dem Reiche ob
ihrer verrtherischen Handlungsweise verbannten Makalaka sich im
nrdlichen Bamangwato-Lande umhertrieb, von den Masarwa's bedienen lie
und dieselben an jeder Dienstleistung fr ihre Herren (die Bamangwato's)
hinderte.

Am 17. Frh gelangte ich nach Bergfontein, einer an einem bewaldeten
Abhange liegenden, von den Eingebornen als jene des zur Regenzeit nach
Norden flieenden Nokaneflchens angesehene Quelle. Der Abhang, ein
zerklftetes, dicht bebuschtes und von ppiger Vegetation bedecktes
Hgelland ist der Abfall der Maque-Ebene zu den Lachen der groen
Salzseen. Dicht bei einander stehende Fcherpalmen gren etwas abseits
vom Ufer des Nokane-Spruit den vom Sden kommenden Wanderer und bereiten
ihn, der noch nie die Wunder der tropischen Pflanzenwelt erschaut, auf
jene vor; die Gebsche und Bume der ganzen Gegend hoch berragend, sind
sie vielleicht die sdlichsten Reprsentanten der Knigin der Palmen im
centralen Sdafrika. Da sie eben reiche Frchte trugen, scho ich mir
einige herab, um sie meiner Sammlung einzuverleiben. Um die vier
schlanken, von den schnsten Kronen geschmckten Stmme wucherte
reichliches Palmengebsch, welches aus den herabgefallenen Frchten
emporgekeimt war. Schon an diesen waren die Bltter riesig gro und und
begannen sich fcherfrmig zu entfalten. In einem kahlen, seichten, doch
breiten, ber eine allmlig abfallende Felsenwand sich hinziehenden
Spruitbette fand ich einen Strauch, der mich an die baobabartigen
erinnerte. Der untere Theil des etwa 4 bis 5 Fu hohen Strauches war
unfrmlich verdickt, bis zu 40 Zoll stark und fleischig, von einer
gelblichen Rinde bedeckt, etwa 1 bis 1 Fu ber dem Boden verengte er
sich zu 2 bis 3 Zoll dnnen Aestchen, gleich Fortstzen, die einer
fleischigen, oberflchlichen Wurzel entsteigen. Manche dieser Stcke
waren mehrere Centner schwer und ich hoffe einen oder zwei das nchste
Mal fortbringen zu knnen.

Von den am Maque und hier ansssigen Makalahari's und Masarwa's erstand
ich einige aus Holz und Bein gefertigte Schmucksachen und Utensilien,
die ich jedoch spter durch einen Unfall einbte. Die einzelnen Hhen
des Hgellandes sind dicht bewaldet, durch den Wald fhren nur uerst
wenige Wege und dies meist Wildpfade nach der Nokanequelle. Diese
wenigen Pfade macht sich nchtlich das Wild, aber auch die in der Nhe
wohnenden Eingebornen zu Nutzen, indem sie vergiftete Fall-Assagaien
ber diesen Pfaden aufhngen. Rechts und links von dem betreffenden
Baume wird das Gestrpp flgelartig aufgeschttet, um die in dem Pfade
oder nahe an demselben schreitenden Kudu's zum Einhalten desselben zu
zwingen. Einen Fu ber dem Boden wird quer ber den Pfad eine
Grasschnur gezogen, welche an einem Holzpflckchen, doch nur so lose
befestigt ist, da sie sich bei einem migen Rucke von demselben
loslst. Am gegenberliegenden Pfadrande stehen zwei Holzstbchen, mit
einem Querstbchen verbunden. Die Schnur fhrt unter diesem hindurch und
wird so in ihrer horizontalen Lage erhalten und dann empor zu den ersten
ber den Weg reichenden Queraste gefhrt, von dem sie mit dem
Fallassagai beschwert, ber dem Pfade und senkrecht ber der darber
ausgespannten Schnur herabhngt. Die Waffe ist im Allgemeinen sehr roh
gearbeitet und besteht aus einem drei bis vier Fu langen,
ungegltteten, schweren und armdicken Holzstcke, in welches eine
stumpfe, kaum zwlf Zoll lange, rostige mit Gift getrnkte Eisenwaffe
eingelassen ist. Die Waffe verwundet das Thier am Nacken nur leicht, das
Gift wirkt rasch, trotzdem wird das Fleisch von den Eingebornen bentzt
indem sie das die Wunde umgebende Fleischstck ausschneiden. Die Pfade
werden von den Jgern zu bestimmten Zeiten, in denen das Wild in den
Wintermonaten hufiger das Wasser aufsucht, abgesucht, um so rasch wie
mglich nach dem Eindringen der vergifteten Waffe der Beute habhaft zu
werden. Andersons Genosse war bei der Verfolgung einiger Kudu's auf
einen solchen Pfad gerathen und in demselben fortgestrmt, als ihn sein
ihm unmittelbar folgender Diener noch rechtzeitig auf die drohende
Gefahr aufmerksam machte. Ich selbst fand mehrere Wege in der Nhe des
Wassers in dieser Weise abgesperrt.

Am Nachmittage zog ich in Gemeinschaft mit den beiden Elfenbeinhndlern
nach Norden bergabwrts, mehrmals den Nokane und spter zwei andere
trockene Spruits kreuzend. In dem dichten Grase der Thler beobachtete
ich ungewhnlich entwickelte hohe Alo-Pflanzen und zahlreiche
Tigerschnecken.

Am 18. Frh langten wir am Sdostufer eines Salzsees an, der den
sdlichsten (auf meiner Tour) von einer Unzahl von kleineren, und den
kleinsten von drei riesigen Salzseen bildete. Diesen nach Westen
unabsehbaren Salzsee durchschritt ich an seiner grten Ausdehnung von
Sden nach Norden an seinem Ostufer in zwei Stunden. Er stellte eine
gleichmig seichte, kaum zwei Fu tiefe, weilichgraue, von steifem
Salzgras umrahmte und von dichtem Waldgebsch umschlossene Flche dar,
welche kaum einmal im Jahre mit Wasser vollgefllt ist. Um ihn herum,
hauptschlich jedoch im Bereiche des Grases befinden sich zahllose
kleinere, ebenso seichte Salzlachen. Von allen Seiten strmen
Regenflsse nach heftigen Regengssen ein, die jedoch in der Regel nicht
bis in den Salzsee einmnden, sondern vertieft mit einem um drei bis
sechs Fu tieferem Bette nahe am Ufer desselben stagniren. Das von ihnen
gefhrte Wasser tritt ber und fllt in dieser Weise den See. Dieser
sdlichste Salzsee heit Tsitani, ebenso der bedeutendste Flu an seinem
Ostufer und die Hhe zu unserer Linken, durch welche der Abfall des
Hochplateaus nach dem Salzseebecken als zungenfrmiger Auslufer markant
hervortrat. Ein groer Theil des Bodens am Grunde der Salzseen ist von
einer Felsenplatte gebildet, die theils von dem durch die Regenzuflsse
angeschwemmten Erdreich berlagert ist, oder frei und nackt da liegt.
Whrend der Aufnahme der Breite des Salzsees in seinem stlichen Theile,
stie ich auf eine Heerde gestreifter Gnu's, leider ohne eines der
Thiere habhaft werden zu knnen. An dem salzigen Gewsser des Flusses
Tsitani (es fanden sich noch einige Lachen davon an seiner Mndung) traf
ich ziemlich hufig Lffelreiher und Enten. Unter dem brigen
Wildgeflgel sah ich nach lngerer Zeit Knurrhhne wieder.

Am folgenden Morgen beendete ich die Kartenskizze der Tsitani-Pfanne und
scho in den Bumen des Ufers einen groen Uhu. Der Boden rings um die
kleinen Salzpfannen ist namentlich an allen den geringen Senkungen sehr
salzhaltig. Bleibt hier das Regenwasser auch nur kurze Zeit stehen, so
wird schon die Vegetation in der Entwickelung gehemmt. In Folge der
raschen und mchtigen Verdunstung bildet sich eine  bis 1 Zoll starke,
2 bis 6 Zoll vom Boden abstehende Kruste auf weite Flchen hin, welche
bei dem Betreten unter jedem Schritt einbricht. Der Rand des Sees wird
von kleinen Chalcedonen und Milchkieseln bedeckt, welche das Regenwasser
herabschwemmt. Zur Zeit heftiger Winde wird das sich an dem Rande
bildende Salz sowie der feine salzhaltige Boden der trockenen oberen
Rasenflche in hohen, weilichgrauen Staubwolken aufgewirbelt.

Am 21. verlieen wir gemeinschaftlich das Ufer der Tsitanipfanne,
trennten uns jedoch bald darauf, da ich von den Eingebornen vernahm, da
weiterhin Wasser anzutreffen sei und ich es nicht fr nthig hielt, das
Reisetempo der beiden Handelsleute einzuhalten. Wir trafen bei der
nchsten Wasserstelle wieder, zwei Wochen spter im Thale des Panda ma
Tenka-Flchens zum zweiten Male und etwa ein Jahr spter in Schoschong
nochmals zusammen.

An der Salzpfanne bemerkte ich auch den ersten Baobab, eines der
sdlichsten Exemplare in der von mir eingeschlagenen Richtung (die zwei
sdlichsten im centralen Sd-Afrika wurden von Mauch im westlichen
Transvaal-Gebiete am rechten Ufer des Limpopo angetroffen); er hatte bei
25 Fu Hhe einen Umfang von 52 Fu. Auf meinem Wege nach Norden hatte
ich zuerst einige der beschriebenen kleineren, am Ostufer der Tsitani
liegenden zahlreichen Salzpfannen, sowie den Tsitaniflu selbst zu
berschreiten, dann hielt ich durch das Becken der groen Salzseen eine
fast nrdliche Richtung ein. Dichter Niederwald, in dem die Bume zum
groen Theile mehr oder weniger verkrppelt waren, wechselten nun mit
Wiesen ab, die mit saftigem Sgras und einem reichen Blumenflor
bewachsen waren. An den salzhaltigen Stellen und am unmittelbaren Rande
der Pfannen und seichten Flchen und Bche nahm die Vegetation einen
stachlichen Charakter an. Springbock- und Deukergazellen,
Zulu-Hartebeeste und gestreifte Gnu's, nach den Spuren zu urtheilen auch
Lwen, belebten die Scenerie an der Tsitanipfanne und in den umliegenden
Wldern.

Die Fahrt fhrte uns in den nchsten Tagen an einer Reihe von
umfangreichen Bodenvertiefungen vorber, deren Mitte von kleinen
Salzseen eingenommen werden, ich zhlte auf der Strecke bis zu unserem
Nachtlager, dem ersten nach dem Verlassen der Tsitanipfanne, nicht
weniger als 42. An einem derselben, dem kleinen Schoni-Salzsee hielten
wir unsere Mittagsrast. Auer diesen Salzseen stieen wir auf
Swasserlachen, die an ihrer Binsenumrahmung leicht zu erkennen sind.

Am Morgen des 22. stand ich am Ostufer eines den Tsitani an Gre weit
bertreffenden, tiefer liegenden und von den Eingebornen Karri-Karri
genannten Salzsees, dessen Ufer zahlreiche Baobabbume schmckten. Von
besonderem Interesse schien mir die geologische Formation am Ostufer des
Karri-Karri, welcher ebenso wie der Tsitani-Salzsee ein ziemlich
gleichschenkeliges Dreieck bildet, dessen Spitze nach Westen gekehrt ist
und dessen Flche von Osten nach Westen sich unabsehbar ausdehnt. Im
Westen steht der Karri-Karri-Salzsee und der Tsitani- mit dem nrdlicher
gelegenen Soa-See durch den Zuga-River in Verbindung.

Masarwa's, deren Unterschenkel an der Vorderflche die bekannten rothen
Krusten zeigten, boten uns die Frchte des Baobabs zum Kaufe an und
begehrten fr dieselben etwas Mais und Tabak. Drohender Regen trieb uns
zur Eile an und gestattete uns nicht, lnger an dem Ufer des Sees zu
verweilen, welcher mir in naturhistorischer Hinsicht sehr reiche
Ausbeute versprach.

Ich berschritt am Nordostende an einer der Hauptbuchten des See's den
Mokhotsiflu, dessen Geflle nach Nordost gerichtet ist und der das
berschssige Wasser aus dem seichten See nach dieser Richtung hin
abzufhren scheint. Der Weg fhrte whrend des nchsten Tages durch
einen dichten Mapaniwald und spter ber einen trockenen, etwa 60 Fu
breiten, 10 bis 16 Fu tiefen Flu, der ein deutliches Geflle nach
Osten zeigte und von den Masarwa's der mit hohen Bumen bestandenen Ufer
halber, Tschaneng oder der schne Flu genannt wird. Mit ihm parallel
luft ein Spruit (von den hollndischen Jgern Mapanifontein genannt),
in welchen zahlreiche Quellen mnden und dadurch, da auch der Tschaneng
bei Hochwasser einen Theil seines Wassers an ihn abgibt, in seinen
tieferen Partien das ganze Jahr hindurch Wasser fhrt. Ich bin der
Ansicht, da der Tschaneng ein Abfluarm des Zuga-River oder ein Abflu
der grten der drei Salzseen, der Soa ist, und sich in den
Matloutse-River oder einen seiner Nebenflsse ergiet. Auf der Fahrt
nach dem Tschaneng erlegte ich einen auf der Jagd nach Eidechsen
begriffenen groen Raubvogel (Buteo Jackal), welcher den Colonisten
unter dem Namen Schakalvogel bekannt ist. Ich verlie den Tschaneng am
Nachmittage des 23. und zog mit Anderson, der mich eingeholt hatte,
einige Meilen gemeinschaftlich nach Norden. Wir zogen durch den Khori
genannten Wald und an einem verlassenen Masarwadorfe nahe der Furth ber
den Tschaneng vorbei und erblickten in den Frhstunden des nchsten
Tages den Spiegel eines dritten groen, Soa genannten Salzsees, in
dessen Nhe wir hollndischen Jgern begegneten, welche auf der
Strauen- und Elephantenjagd begriffen waren.

[Illustration: Jagd auf Eland-Antilopen durch Masarwa's.]

Wir konnten Dank dem trockenen Wetter mehrere lange mit ein- und
ausflieenden Spruits in Verbindung stehende Buchten der Soa, welche bei
Regen unpassirbar sein muten, bersetzen und bernachteten im Thale des
sumpfigen Tsiriflchens, in dem ich bis zum 27. verblieb. Im nahen
Walde fanden wir nahe an einem verlassenen Masarwadorfe in einigen im
Flubette des Momotsetlani (nach einer Baumart von den Masarwa's so
benannt) gegrabenen Lchern vortreffliches Trinkwasser. Ich unternahm
whrend dieses Aufenthaltes mehrere Ausflge in die Umgebung und erlegte
auf einem solchen fnf Enten, zwei Perlhhner, die hier in zahlreichen
Ketten anzutreffen sind, sowie einen braunen Storch, das erste Exemplar
dieser Art, das ich bis zu diesem Tage in Sd-Afrika beobachtet.

Die Soa ist der grte, der in dem groen bis ber den N'gami-See nach
Westen sich hinziehenden, und durch den Tschaneng mit dem Limpopo-System
zusammenhngenden Pfannenbecken liegenden Salzseen; gleich der Tsitani
und Karri-Karri ist auch die Soa eine seichte, ein bis vier Fu tiefe,
weilichgraue, nur kurze Zeit im Jahre theilweise, selten vollkommen
gefllte Pfanne. Es wre sehr wichtig, durch ein ganzes Jahr in der
trockenen wie in der nassen Jahreszeit dieses Salzseebecken zu
beobachten, um dessen Verhltni zum Zuga und zum N'gami-See studiren zu
knnen; wenn dies bisher nicht geschah, so mag der Grund dieses
Versumnisses wohl darin liegen, da das Reisen zur Regenzeit in dieser
Gegend ungemein erschwert und nebstbei auch sehr gesundheitsschdlich
ist. Da der Zuga manchmal nach Westen und manchmal nach Osten
fliet, lt sich aus der ziemlich gleichen Hhe dieses groen
central-sd-afrikanischen Beckens erklren. Ist der N'gami-See durch
seine zahlreichen westlichen und nrdlichen Zuflsse gespeist, und sein
flaches Becken gefllt worden, so gibt er seinen Ueberschu nach Osten
durch den Zuga an die Pfannen ab, aus denen wieder derselbe durch den
Tschaneng, deren natrlichen Abzugskanal, abfliet. Zeigt der N'gami-See
niederes Wasser, so gibt der Zuga den Ueberschu aus seinem tiefen Bette
an ihn ab, da sich in ihm durch die reiche Beschilfung auch das Wasser
lngere Zeit zu halten vermag und er auerdem zahlreiche Quellen
aufnimmt. Auch mag er zuweilen von dem berschssigen Wasser der
Westhlfte der Salzseen gespeist werden.

Am 27. Frh verlie ich den Tsiri und zog durch drei Stunden mit meinem
Ochsengespann durch eine Unzahl von Buchten und kleinen Salzpfannen
stets am Ufer des See's hin. Erst gegen Mittag nahmen diese ab und wir
betraten eine nach Norden unbersehbare, nach Westen durch den See und
nach Osten durch ein Mapani-Gehlz begrenzte Grasebene, auf welcher sich
allenthalben zahlreiches Wild in kleinen Rudeln herumtummelte. Hie und
da sichtbare Schilfrohrdickichte lieen Swasser vermuthen, wir
tuschten uns nicht und lagerten bald an einer solchen Lache. Von einem
kleinen Ausfluge heimgekehrt und eben damit beschftigt, meine letzthin
gesammelten naturhistorischen Objecte zu ordnen, vernahm ich pltzlich
zu meiner Linken das Hilfsgeschrei meines Dieners Meriko und als ich
mich rasch am Wagenbrette emporrichtend nach ihm umsah, bot sich mir ein
eigenthmlicher Anblick, eine Scene dar, wie ich sie vorher nie gesehen.
Durch das hohe Gras kam Meriko herangerannt, und schrie in der
Setschuana: sie tdten mich, ich bin todt, sie tdten mich. Er
setzte wie ein flchtiges Wild ber die sich ihm stellenweise
entgegenstellenden Zwergbsche und hatte im Laufe sein aus Gras
geflochtenes Htchen und seine Khamacarosse verloren. Hinter ihm kamen,
die nchsten etwa 150, die entferntesten 500 Schritte weit, andere laut
schreiende und ihre Kiri's hoch schwingende Eingeborne dahergestrmt.
Endlich kommt Meriko zum Wagen herangekeucht, er umfat meine Fe und
weist flehenden, verzweifelnden Blickes auf die ihm folgende Schaar,
seine ersten Worte, die er zu stammeln vermochte, belehrten mich ber
die Scene. Matabele, Herr, Matabele-Zulu wollen mich todtschlagen.

Mir war es unerklrlich, wie sie hierher auf das Gebiet Khama's gekommen
waren und ich dachte schon, da vielleicht ein Krieg zwischen beiden
Nachbarstaaten ausgebrochen sei. Was beabsichtigen diese Mnner? War das
ein Angriff auf den Wagen und seine Insassen? Sie schienen mir, wie sie
so gellend dahergesaust kamen, wahrhaft Wlfe in Menschengestalt zu
sein. Von den Waffen Gebrauch zu machen, schien mir ein gefhrliches
Wagni und zudem kannte ich nicht ihre eigentlichen Absichten. Ich mute
also das Weitere ruhig abwarten, nur Meriko wartete ihre Ankunft nicht
ab, sondern sprang ber die Deichsel und setzte nach der
entgegengesetzten Seite seine Flucht fort, nur da er nicht mehr schrie,
um sich wahrscheinlich, wenn er die gnstige Gelegenheit dazu ersah, in
dem hohen Grase zu verbergen. Ich rief ihm zu, am Wagen zu bleiben, und
da die Lwen in dem vier Fu hohen Grase gefhrlicher als die Zulu's
seien, doch mein Mahnruf verhallt ungehrt. In den anstrmenden Matabele
sah er seinen sicheren Tod und diesem wollte er entrinnen. Endlich waren
sie da, die berchtigten Zulukrieger. Sie umringten den Wagen, schrieen
und schwangen ihre Kiri's. Das waren nicht die Vertreter eines Stammes,
das war ein Gemisch verschiedener Stmme, die gestohlenen Knaben der
unter Moselikatse gemordeten und geplnderten Stmme, welche zu
Kriegern auferzogen, ebenso roh wie die zwei eigentlichen Zulu's
geworden waren, die sie anfhrten. Bis auf einen kleinen Lappen von
Leder und Wollfranzen -- einige trugen nur eine Krbischale oder ein
cylindrisches Geflechte -- nackt, waren sie beinahe smmtlich mit einem
aus schwarzen Strauenfedern oder anderen Wildhuhnfedern gearbeiteten
ballonfrmigen und auf der Stirnhhe sitzenden Kopfschmucke versehen.
Das wild rollende Auge gepaart mit dem Ausdrucke von ungewhnlicher
Rohheit in der Physiognomie, waren beredte Belege, da sie einem
kriegerischen Eingebornenstamme angehrten, der nur gebieten wollte
und konnte. Die meisten der Anwesenden waren wohl schon
Menschenschlchter gewesen, und dies nur einzig des Raubes halber. Der
eine der beiden schwrzesten in der Schaar, die sich als Anfhrer
kenntlich zu machen suchten, schwang sich auf die gesttzte Deichsel und
gab mir in einem gebrochenen Hollndisch zu verstehen, da sie die
Krieger ^La Bengulas^ wren, da sie gewohnt seien, auf ihren
Streifzgen alle Diener der Weien zu tdten, wenn man diese nicht
loskaufe, deshalb seien sie gekommen, auch jenen Hund, der zu mir
herangelaufen wre, todtzuschlagen, wenn ich nicht sofort fr ihn
bezahlen wrde. -- Bezahlen will ich nichts, entgegnete ich, gute
Miene zum bsen Spiele machend, allein den Matabelekriegern will ich
etwas schenken, wenn sie dann den Wagen verlassen. Ich hoffte auf diese
Art nicht nur allen mglichen Streitigkeiten und gefhrlichen
Situationen auszuweichen, sondern auch der allbekannten Stehlsucht der
Matabele zuvorzukommen. Obwohl Th. und Pit unsere Utensilien mit
Argusaugen bewachten, konnten sie es nicht verhindern, da einer der
Matabele besonderes Wohlgefallen an einem neben mir liegenden Messer
fand, das er inde, von mir ^in flagranti^ ertappt, wieder im Stiche
lie.

[Illustration: Verfolgende Matabele.]

Der Zulu rief seinen Genossen, theilte ihm seine Meinung mit und dieser
damit zufrieden, rief mit lautem Gekreisch alle die Anwesenden zusammen,
um ihnen meinen Entschlu mitzutheilen. Die Nachricht wurde mit gleich
heftigem Geschrei und Grinsen beantwortet. Nun hie ich alle an der
Deichsel antreten. Meine unerwarteten Gste im Auge behaltend langte ich
in den Wagen und holte einen Becher Schiepulver und ein Stck Blei
(etwa zwei Pfund) hervor, womit ich die beiden Anfhrer beschenkte.
^Lapiana^, rief der eine der Fhrer aus, er zeigte auf mein Sacktuch
und ahmte die Bewegung des Zerreiens nach; dabei suchte er mir zu
verstehen zu geben, da solch eine Lapiana als Gurt um den Leib oder als
Stirnverzierung, wie der mit Riemchen an dem Kopfe befestigte
Vogelfedernschmuck getragen werden solle. Ich begriff nun seinen Wunsch
und brachte zwei Meter Calico hervor, die ich in dnne Lappen ri und
sie dann den Einzelnen reichte; dieselben wurden auch sofort in der
angedeuteten Weise verwendet. Das Geschenk fand bei ihnen so sehr
Gefallen, da sie um weitere zwei Stcke fr ihre Fhrer baten, welchem
Ansuchen ich auch willfahrte, dann aber vom Wagen herabsprang und mich
zu meinen Gefhrten wendend, den lrmenden Gesellen den Rcken kehrte.
Ihren Fhrern folgend, die langsam den Rckzug erffneten und die
Geschenke in der Luft schwangen, entfernte sich die Truppe und wir alle
fhlten uns nun etwas weniger beengt als eine Stunde zuvor, da wir von
dem schweitriefenden Merico vernommen, welch' ehrenvoller Besuch uns
bevorstand. Manche der Matabele hatten von Th. Tabak fr Salz
eingetauscht.

Von Meriko erfuhr ich, da wir uns bereits am Ufer des Nata, des
wichtigsten Zuflusses der Soa befanden, und da in seinem Bette leicht
Salz zu gewinnen sei und da die Matabele jhrlich von ihren Knigen
oder von ihren Huptlingen hierher gesendet werden, um Salz zu holen;
unsere Matabele-Gste waren eben auf einem solchen Zuge begriffen
gewesen. Der Bamangwato-Knig wei wohl von diesen Raubzgen,
allein er hindert die Matabele nicht, die zuweilen den ihnen
begegnenden Bamangwato's die Waffen abnehmen und den Masarwa's die
Unterschenkelknochen entzweischlagen.[6]

[Funote 6: Ich mchte auf diesen Umstand besonders Reisende aufmerksam
machen, welche eingeborne Diener im Gefolge haben und diese Gegenden
berhren sollten. Fr sie ist es am angezeigtesten, sich vorher durch
Kundschafter die Gewiheit zu verschaffen, ob die Ufer des Nata
gefahrlos zu passiren sind.]

[Illustration: Jagd auf Zulu-Hartebeeste.]

Zur groen Beruhigung unseres wackeren Bamangwato-Dieners fuhren wir
noch am selben Tage weiter nach Norden, nach dem Ufer des nahen
Nataflusses. Das Wild nahm zu, grere Heerden von Springbockgazellen,
die ich so weit im Norden nicht anzutreffen dachte, mehrere Trupps von
Zulu-Hartebeesten, gestreiften Gnu's, Strauen und Zebra's wurden
sichtbar. Meriko, der wieder vergngt mit Niger neben dem Wagen
einherlief, sprang zuweilen auf das Wagenbrett, um sich von dem Abzuge
der Matabele zu versichern; bei Gelegenheit einer solchen Umschau bat er
mich, in der Fahrt inne zu halten. Ich folgte der mir angegebenen
Richtung, in welcher etwa 600 Schritte vom Wagen und zur Rechten im
Grase, Meriko auf eine Heerde groer Polocholo (Wild), Sesephy
(Zulu-Hartebeest) hinwies. Ich konnte mit bestem Willen nichts sehen,
desto besser Pit und Th., die beide mehrere Stcke zhlten. Rasch wurde
Kriegsrath gehalten und die Verfolgung der Thiere in folgender Weise
beschlossen: Ich sollte mich schubereit halten, der Wagen jedoch die
Fahrt fortsetzen, auf etwa 300 Schritte nahegekommen, sollte ich auf der
den Thieren entgegengesetzten Seite (sie befanden sich etwa 200 Schritte
vom Wege) vom Wagen gleiten und im Grase gegen die Thiere bis auf 150
Schritte anschleichen, aus welcher Entfernung ich dann, durch einen
Hardekoolebaum gedeckt, feuern konnte. Es war nicht schwer, diesen Plan
zur Ausfhrung zu bringen, und bald fand ich mich im Grase und kroch
langsam vorwrts, whrend der Wagen die Fahrt fortsetzte.

[Illustration: Die Soa-Salzpfanne.]

Bevor ich jedoch noch den schtzenden Baum erreichte, machte mich ein
Pfiff von Th. darauf aufmerksam, da die Thiere durch den Wagen
aufgescheucht worden wren und sich eben zur Flucht wandten. Um so
rascher kroch ich nach dem Baume, spannte den Hahn und als ich eben
vorschaue, erscheint eines der Thiere (der Fhrer) von einem zweiten
Thiere gefolgt, etwa 150 Schritte im vollen Laufe in meinem
Gesichtskreise. Ich lege auf das erste an und feuere. Meine Gefhrten
schreien laut auf und eilen, sich um Wagen und Gespann nicht weiter
kmmernd, von den Hunden gefolgt, alle nach der Stelle, die eben das
Wild eingenommen. Ich sehe vier Thiere flchten und da ich nicht wute,
da es fnf waren und der Pulverrauch den Fhrer der Heerde meinen
Blicken entzog, staunte ich nicht wenig ber meine Gefhrten. Ich dachte
zuerst an das Gespann, das die Leute im Stiche gelassen, doch der Weg
war mit ppigem Gras berwuchert, das Gespann stand still und graste im
Joche, so gut es ging. Ich eile den Uebrigen nach und wer beschreibt
mein Erstaunen, als ich vor mir einen schnen Sesephy verendet liegen
sehe. Sanct Hubertus war mir diesmal ungewhnlich hold und verhalf mir
zu einer ebenso schnen als wichtigen Acquisition.

Am Nata-Spruit angelangt, mute ich, abgesehen von der verlockenden
Gelegenheit, meine Sammlungen zu bereichern, den ermdeten Zugthieren
einige Tage Rast gnnen. Unsere nchste Sorge galt der Auffindung von
Trinkwasser, im Flubette selbst waren alle Lachen salzhaltig. Da uns
jedoch zwei Tage zuvor von einem Masarwa die Mglichkeit, frisches
Wasser im Bette des Nataflusses zu finden, in Aussicht gestellt wurde,
folgten wir zwei dem Flu aufwrts. Das Flubett war 100 bis 150
Schritte breit, bis an 20 Fu tief und schien nach Regengssen bis an
das Gras am oberen Rande gefllt zu sein. Ein Freudenschrei Th.'s
kndigte mir an, da unser Suchen nicht vergebens war, es war ein
glcklicher Fund, denn schon die nchste Lache zeigte wieder
salzhaltiges Wasser.

An unserem Wege im Flubette hatten zahllose Wildspuren gekreuzt, unter
denen jene der an der Soa erwhnten Wildarten die hufigsten waren, doch
fielen uns auch namentlich sehr zahlreiche, frische Lwenspuren auf. Der
von Pit vorgeschlagene, von mir und Th. gutgeheiene, nur von Meriko
wegen der nur zwei Stunden entfernt lagernden Matabele mitrauisch
betrachtete Lagerplatz ward sofort bezogen. Der zahlreichen frischen
Lwenspuren halber hielt ich es fr angemessen, die Zugthiere in
unmittelbarer Nhe des Lagers zu halten und befahl dem mit einem
Hinterlader bewaffneten Meriko Wache zu halten. Bald war auch die
Umzunung des Lagers fertig gestellt, welche diesmal hoch und breit
gearbeitet war. Auerdem wurden vier Feuer errichtet und bis zur vollen
Dunkelheit unterhalten, so da sie durchwegs bis gegen 1 und 2 Uhr
Nachts ungeschwcht fortbrannten.

Der arme Niger hatte schwere Arbeit und bewies sich vortrefflich. Jene
vom kniglichen Geblte machten uns wiederholte Besuche, noch hufiger
fanden sich die beiden Schakalarten, der Schabrackenschakal und der
graue ein, auch die gefleckte und die braune Hyne lieen sich
vernehmen, schlielich der lieben Thiere so viele, da ich von nichts
als schnen Lwen- und Hynenblgen, die vor mir ausgestopft im lustigen
Reigen tanzten, trumte. Schakalgeklffe in zwei Modulationen bildete
die Ouverture zu jenem Concert, das Lwengebrll den dramatischen
Theil der Vorstellung, die mit dem unharmonischen Hynengeheule gegen
Morgen ihren Abschlu fand.

Am 28. unternahm ich mit Pit mehrere Ausflge an beiden Nata-Ufern. Da
die Partien stellenweise sehr dicht bebuscht waren und wir hufig den
Flu und die in denselben mndenden Regenschluchten zu passiren hatten,
deckten wir uns gegenseitig gegen unerwartete Angriffe. Zahlreiche
Lwenspuren von respectabler Gre nthigten uns zur Vorsicht und
scharfem Auslugen. Die lngs des Flusses und so hoch oben am Ufer
fhrenden Wildpfade, von welchem aus das Raubthier eine gute Uebersicht
ber das breite und von den Antilopen ob seines Salzgehaltes hufig
besuchte Bett haben konnte, waren von zahllosen Lwenspuren bedeckt.
Neben diesem Wildpfade einhergehend, kamen wir zu einem am Rande einer
kleinen Regenschlucht stehenden, etwa 20 Fu hohem Baume, der deutliche
Spuren der Lwenklauen trug. Hier pflegten die in der Nachbarschaft
hausenden Thiere ihre Klauen zu schrfen und auf den Hinterpfoten
hockend die Vordertatzen an der Rinde zu wetzen. Der Baum, dessen Aeste
etwas armleuchterfrmig gestaltet waren, schien mir fr den Anstand wie
geschaffen. Schon vor Sonnenuntergang war ich von Pit und dem Hunde
begleitet, zur Stelle, ich trachtete mir wo mglich die bequemste Lage
zu whlen, da ich in derselben 10 bis 14 Stunden zubringen mute. Ich
drngte Pit zur raschen Rckkehr, damit er noch bei vollem Tageslicht
den Wagen erreichen konnte. Sowie ich mich allein befand, besah ich mir
die nchste Umgebung rings um mich her; zu meiner Rechten standen in
einer Entfernung von 20 bis 30 Fu hhere Bume als jener, auf dem ich
Posto gefat. Der Boden war stellenweise hoch, doch schtter begrast, so
da man berall den lichten Sand, welcher den interessanten Bltterkalk
an den Salzseen bedeckt, durchschimmern sah. Unter mir befand sich eine
runde Stelle, welche auer meinen Fustapfen und denen des Dieners nur
Lwenspuren zeigte. An meiner Linken fhrte eine mit dichtem und hohen
Gras berwachsene, etwa 6 Fu tiefe und 20 Fu breite Regenmulde, welche
in den nahen, kaum 20 Schritte entfernten Nataspruit mndete. Am
jenseitigen Ufer stand ein dichtes Gehlz, durch welches einer der
Lwenpfade fhrte, von diesen zweigte sich ein Nebenpfad zu meinem Baume
ab. Da die Nchte uerst kalt waren, welcher Temperaturfall nach der
bedeutenden Tageshitze um so empfindlicher war, hielt ich es fr
angezeigt, mich an einem der strksten Aeste festzubinden, um nicht vom
Schlummer berrascht mit den Lwen unter mir in nhere und unliebsame
Berhrung zu kommen. Mein Sitz lie sonst nichts zu wnschen brig, ich
sa bequem in einer dreifachen Astgabel.

Unterdessen war die goldene Scheibe allmlig am westlichen Horizonte
untergegangen, nur ein glhend rother Streifen schimmerte hie und da
durch das lichte Gezweige der hheren Baumkronen. Ohne es vorher zu
ahnen, war es mir in dieser Nacht mglich, so manche Scene aus dem
Thierleben beobachten zu knnen. Schon bei Sonnenuntergang lieen sich
aus den Grasebenen die Zebrahengste hren, welche mit lautem Quag-ga,
Quag-ga ihre Wachsamkeit ber die unter ihrer Fhrung stehenden Heerden
zu erkennen gaben. Der nchste Laut, der dann und wann von allen
Richtungen her zu mir drang, war das klagende Gebelle der
Schabrakenschakale, aus dem man das mitnende Einzelgeheul ihres grauen
Bruders gut unterscheiden konnte. Es war zu erwarten, da das
ausgehngte Wildfleisch seine Pflicht thun werde und sie dem Wagen einen
Besuch abstatten wrden, was auch geschah, denn das anfangs
verschwommene Gebelle wurde immer deutlicher und deutlicher, so da ich
mir sogar gegen Mitternacht einbildete, die Zahl der Concertisten
bestimmen zu knnen. Bei einbrechender Dunkelheit fesselte ein
eigenthmliches Gerusch, eine Art Kratzen und Scharren, meine
Aufmerksamkeit; es waren Scharrthiere, welche in dem sandigen Boden nach
Wrmern und Puppen fahndeten. Diese kleinen Raubthiere arbeiteten die
ganze Nacht hindurch; so oft sich ein Gerusch in der nchsten Umgebung
vernehmen lie, stellten sie ihre Arbeit sofort ein.

Etwas spter, gegen 10 Uhr, verlieen die Gazellen und Antilopen ihre
Weidepltze, um noch vor der gewhnlichen Ausgangszeit der groen
Raubthiere den salzhaltigen Schlamm im Bette des Nata zu belecken und in
die freieren unbebuschten Partien, von woher sie gekommen, zurckkehren
zu knnen. Der anmuthige Steenbock, einer der anmuthigsten unserer
sdafrikanischen Gazellen, kam bedchtig den Lwenpfad herangegangen.
Htte ich nicht zufllig hingeblickt, so htte ich seine Annherung gar
nicht wahrgenommen; im Ganzen waren es drei Thiere, die ich ersphen
konnte. Ein flchtiger doch leiser Schritt, dem ein Moment Ruhe folgte,
spornte meine Sehkraft zum Aeuersten an, doch konnte ich das Thier
nicht erkennen. Abermals folgten einige flchtige Stze und dasselbe,
gewi eine grere Gazelle oder Antilope, verhielt sich ruhig, es
wiederholte noch dreimal seine Stze, um in der Zwischenzeit abermals zu
lauschen.

Es mochte 10 Uhr sein, als eine Heerde von Thieren, nicht bedchtig und
lauschend, doch langsam und in groer Zahl lngs dem jenseitigen Ufer
der Regenmulde herabstieg. Die Mndung dieser Mulde ermglichte es den
Thieren, bequem das kleine salzhaltige und einen Swasser-Tmpel
enthaltende Flubett zu erreichen. Die letzterwhnte Thierheerde war an
einem besonderen Gerusche, das dem Anschlagen von Knitteln gegen die
Baumstmme hnelte, leicht zu erkennen. Es waren die durch ihr
prachtvolles Geweih ausgezeichneten Kudu-Antilopen. Whrend ich diese
Thiere noch spter in dem Flubette herumarbeiten hrte, nherte sich
dem vom Flusse abwrts lngs des Ufers fhrenden und die Regenmulde
kreuzenden Wildpfade herab, ein kurzer etwas schwerer Tritt, und bald
darauf gewahrte ich ein schwarzes, etwa kalbgroes Thier, das ich als
eine braune Hyne erkannte. Das Thier ging langsam durch die Schlucht
und schnupperte wiederholt beinahe bei jedem seiner Schritte, blieb dann
auf einige Secunden stehen und fiel, auf das jenseitige Ufer der Mulde
gelangt, sofort in ein rascheres Tempo ein.

Es schien mir, als sollte ich diese Nacht vergebens den Knig der Thiere
erwarten. Als sich mir schlielich diese Befrchtung immer mehr
aufdrngte, erscholl aus einer Entfernung von etwa 1000 Schritten das
mir wohlbekannte, tiefe Gebrll. Ich war jetzt sicher, da das Thier
seiner Gewohnheit gem den Pfad herunter und zu seinen Lieblingsbumen
kommen werde. Ich suchte nun meine Aufmerksamkeit von allem Anderen,
namentlich von dem lauten Gebelle, mit dem meine beiden Hunde die an den
Wagen drngenden Schakale abzuschrecken suchten, abzulenken. Mehr denn
eine halbe Stunde verrann, bevor sich das Gebrll des Lwen, diesmal in
der Nhe, wiederholte. Nach etwa 15 weiteren Minuten vernehme ich den
ersten Laut des herantrabenden Thieres, es kam nher und nher, doch
deutlich nehme ich auch wahr, da es nicht in seinem gewohnten Pfade am
jenseitigen Mulden-Ufer, sondern mitten durch die hochbegraste Mulde
selbst einherschritt.

Nach einigen raschen Schritten hielt das Thier inne, lauschte einen
Moment, um sich wieder zu nhern. So war es bis auf 15 Schritte nahe
gekommen -- doch mir bei der in der Tiefe der Mulde herrschenden
Dunkelheit und dem hohen Grase noch immer unsichtbar geblieben. Auf's
Gerathewohl in's Gras zu feuern, hielt ich aus dem Grunde nicht
gerathen, weil es den Lwen in die Flucht jagen konnte. Der Lwe mute
jetzt an dem Zweigpfade angelangt sein, der zu meinem Baume fhrte, er
blieb jedoch volle 15 Minuten, in der Muldensohle, ohne sich zu rhren,
er mute mich wohl gewittert haben und schien sich fr den Angriff oder
die Flucht zu entscheiden. Da hre ich den Schritt wieder, dann eine
Pause, um im nchsten Augenblicke zu hren, wie der Lwe einen Satz in
das jenseitige Gebsch machte und darinnen verschwand. Bald darauf
belehrte mich Niger's wthendes Gebell, welche Richtung der Lwe
genommen und ich bereute es, nicht gefeuert zu haben. An allen Gliedern
steif, mute ich nichtsdestoweniger auf meinem Posten ausharren, bis Pit
und Niger bei Tagesanbruch sich bei mir eingefunden hatten.

[Illustration: Im Baume.]




                                 IV.
                    Vom Nataspruit nach Tamasetse.


Die Salzlager im Nataspruit. -- Ein Capitalschu. -- Von Lwen
aufgeschreckt. -- Das sandige Lachenplateau. -- Straue am Wagen. --
Nachtreise bei Fackelschein. -- Ein Lwenabenteuer. -- Die
Klamaklenjana-Quellen. -- Vereitelte Elephantenjagd. -- Begegnung mit
Elephantenjgern. -- Die Madenassana's. -- Gebruche und Sitten
derselben. -- Der Yoruha-Weiher und die Tamafopa-Quellen. -- Nchtliches
Thierleben im Walde. -- Eine verunglckte Lwenjagd. -- Pit schlft auf
dem Anstande.

[Illustration: Nachtreise bei Fackelschein.]

Am Vormittage des 29., nach jenem angenehmen Zeitvertreib, der im
Lwenbaume durchlebten Nacht, unternahm ich einen Ausflug, um die
Formation an den Nata-Ufern zu untersuchen. Zwei Riesenstrche
(Sattelstorch-Species ^Mycteria senegalensis^) zogen ihre weiten Kreise
ber den Flu; mich rasch niederduckend, strte ich sie nicht beim
Einfallen, beschlich sie dann und es gelang mir, einen fr meine
Sammlungen zu erbeuten. Die Thiere stellten den zahlreichen Fischen
nach, welche sich in einer der flacheren Salzlachen des Flubettes unter
dem Gesteine zu verbergen suchten. Am Nachmittage machte ich einen
lngeren Ausflug durch die sdliche Ebene, um nach der Matabelehorde zu
sehen, und um die Stelle, an welcher sie das Salz zu gewinnen pflegten,
nher zu untersuchen. Schon 1200 Schritte vom Wagen jagten wir eine
Zebratruppe (von der dunklen Art) auf, welche in wilder Flucht dem
Flusse zueilte, so rasch und in solcher Hast, da ich schon die ganze
Heerde ber das steile Ufer herabstrzen zu sehen whnte, als die Thiere
ebenso pltzlich stille hielten und dann zur Rechten einbiegend, durch
eine schmale Abflurinne hinabgelangten. Es drhnte laut auf und eine
dichte Staubwolke erfllte die Luft, als die Thiere das trockene Bett
kreuzten, noch einige hundert Schritte hinbereilten, um dann an einer
weniger steilen Stelle unfern meines Wagens auf das jenseitige Ufer
emporzuklimmen. In der Ferne erschienen die Thiere grer als sie sind,
ihre Hauptstrke liegt in dem gewaltigen Kopfe und dem Halse, und da sie
sehr gut genhrt sind, ist es nicht schwer, sie mit Pferden einzuholen.
Die Masarwa und Makalahari nennen sie mit Rcksicht auf ihr Wiehern, das
durch Quag-ga, wobei die erste Silbe bedeutend krzer als die zweite
klingt, deutlich wiedergegeben werden kann, Quaggas. Je nher ich dem
Matabele-Lager kam, desto mehr Vorsicht hielt ich fr nthig, da ich
jedoch auf der Ebene wenig Deckung fand, wandte ich mich nach Westen und
kam hier in eine Fluvertiefung, die nach dem Nata zufhrte, so da ich
selbe als einen Arm des unteren Nata ansehen mchte, der nach der Soa
fhrt. Ich folgte ihm geraume Zeit, er hatte denselben Charakter wie der
Nata und entschlo mich dann, durch das hohe Gras nach dem vermuthlichen
Lager, d. h. bis auf eine englische Meile Entfernung von demselben
anzuschleichen. Doch wie staunte ich, als dieser Arm nach einer Stunde
Wegs, wobei wir rechts und links von uns Zulu-Hartebeest-Heerden
beobachteten, nach Osten in der von mir angestrebten Richtung abbog und
ich ihn verfolgend, das verlassene Matabele-Lager vor mir sah.

Ich stand an einigen mit rosa- und dunkelcarmin gefrbter, stark
salzhaltiger Flssigkeit gefllten, ziemlich umfangreichen, in der Mitte
des Bettes liegenden Lachen; rings war der Boden von weilichem
Salzniederschlage bedeckt, und zerstreute Salzstcke, schne auf einer 1
bis 2 Zoll dicken harten Thonlage ruhende Krystalle, lagen berall
umher, auch Pfhle, mit denen das Salz aus den Lachen herausgebrochen
worden sein mochte. Die Matabele hatten also die Stelle schon verlassen,
ich hatte die Strenfriede nicht mehr zu frchten und konnte eine genaue
Besichtigung der Lachen vornehmen. Bei normalem Winterwasserstand sind
dieselben 1 bis 1 Fu tief, 30 bis 45 Fu breit, 30 bis 900 Fu lang.
Der Niederschlag am Boden ist 1 bis 3 Zoll stark und verbindet die Ufer
einige 6 bis 10 Zoll unter der Oberflche der Flssigkeit wie eine
starke Eisdecke, schlgt man diese durch, so kommt man einige Zoll bis
einen Fu tiefer auf den eigentlichen Boden des Gewssers. Tritt man
hinein, so glaubt man auf Nadelkrystallen zu stehen, und die Fe
bedecken sich mit einem deutlich sichtbaren Niederschlage. Diese stark
salzhaltigen Lachen sind weder von Vgeln noch anderen Thieren besucht.

Die schnen rosarothen Krystalle, mit denen jeder in die Lache geworfene
Gegenstand bald inkrustirt und an der Salzdecke festgepicht wird,
erblassen leider so wie sie der Lache entnommen werden. Wir schleppten
mit, so viel wir konnten, und ich sandte am folgenden Tage Pit und
Meriko zur selben Stelle, um Salz fr unseren Gebrauch zu gewinnen. Um
es von seinem Kalkgehalte zu befreien, wird das Salz gekocht und dann
zerschlagen. Ich bediente mich seiner zum Einsalzen des Wildfleisches.
Auf dem Heimwege von diesen Salzlachen (ich folgte dem Bette, indem sie
liegen, bis in den Nata, es ist also ein von ihm abzweigender und sich
wieder mit ihm vereinigender Arm) beobachtete ich die letzten
Springbockheerden nach Norden und Heerden des gestreiften Gnu's, das
hier das schwarze Gnu vertritt, welches ich nicht nrdlicher als ber
Schoschong zu beobachten Gelegenheit hatte.

Am 29. scho mein Freund Th. eine Steinbockgazelle, auf der stlichen
Grasebene, es war ein Capitalschu auf 250 Meter. In der Nacht am 29.
legte ich an mehreren Stellen mit Strichnin vergiftete Stcke Fleisch
aus, um einige Schakalblge zu gewinnen, am nchsten Morgen fand ich
vier Cadaver dieser Thiere; das Fleisch des abgezogenen Thieres wird
schon in der folgenden Nacht von seinen Genossen verspeist, und man wird
dann in den nchsten Tagen jene, die an dem Mahle theilgenommen, todt in
dem Gebsche wiederfinden. Die Umgegend des unteren Nataflusses ist
durch zahlreiche Baobabbume, welche in dem salzhaltigen Boden ebenso
gut gedeihen, wie im Humus, so wie durch dichtes Palmengebsch
ausgezeichnet.

Meine Sammlungen hatten nun schon derart an Umfang gewonnen, da ich
mich entschlieen mute, das bisher Gewonnene mit dem ersten, nach dem
Sden zurckkehrenden Elfenbeinhndler oder Jger zu Rev. Mackenzie nach
Schoschong zu senden. Am 3. Juli verlie ich den Lagerplatz im
Mimosengehlz, den ich trotz der nchtlichen Lwenbesuche liebgewonnen
hatte und zog am linken Nata-Ufer den Flu nach aufwrts. Der Weg fhrte
am Rande der stlichen Ebene und war theilweise tiefsandig. Whrend
unserer Fahrt sahen wir eine Heerde von Zebra's in einer Entfernung von
500 Schritten grasen. Th. wollte seine Kunst als Schtze an den Thieren
erproben, schlich sich auf 50 Schritte an und feuerte aus dem hohen
Grase auf eines der Pferde. Der Schu traf, das Thier fiel sofort
nieder, sprang auf, lief noch etwa zehn Meter, fiel abermals nieder und
verendete nach 15 Minuten. Wir eilten alle hinzu, Pit fate
unvorsichtiger Weise das Thier am Kopfe, doch dieses, obwohl in den
letzten Zgen, bi nach ihm, ohne ihn glcklicher Weise zu erhaschen,
andernfalls htte der Diener eine tiefe Biwunde davongetragen. Wir
machten uns sofort an das Abhuten der Beute und nahmen mit Ausnahme des
Brust- und Halsfleisches, alles brige mit, um Beltong zu bereiten. Etwa
2 englische Meilen weiter fand ich in einem dichten Gehlze die
geeignete Stelle zu einem neuen Lagerplatz, um hier vollends die Haut
des Thieres zu prpariren.

Whrend Pit und Th. damit beschftigt waren, das Fleisch der Zebrastute
in Stcke zu schneiden, um es aufzuhngen, arbeitete ich an dem Felle
und dem Schdel. Meriko wachte mit einer Muskete bei den grasenden
Zugthieren. Am Nachmittag besah ich mir die nchste Umgebung und fand
die Bsche dicht, den Baumwuchs sprlicher, doch stellenweise schne
Baobabbume. Das Ufer des Nataspruits, in dem sich hie und da schne
bewaldete Inseln befanden, war hier hoch und steil und das Bett enthielt
eine mehrere hundert Fu lange und ziemlich tiefe Lache, welche von
Wasserschildkrten und Fischen wimmelte. Doch auf sie hatten wir nicht
viel Zeit zu verwenden, denn es schien mir geboten, bis Ende dieses
Monats, wenn mglich, den Zambesi berschritten zu haben und bis zum
December in das weniger ungesunde Hochland an seiner nrdlichen
Wasserscheide gelangt zu sein.

Da wir keine Lwenspuren bemerkten, errichteten wir eine ziemlich
niedrige Umzunung -- es war uns bisher nicht bekannt, da die Lwen oft
Tagereisen weit Streifzge von ihren gewohnten Schlupfwinkeln aus
unternehmen; die Nacht war kalt, ein eisiger Sdsdwest-Wind hie uns
die Nhe des Feuers suchen und da die Nacht dunkel zu werden versprach,
bereute ich es, keine hhere Umzunung gemacht zu haben; ich vertrstete
mich damit, da das Zebrafell morgen trocken sein und ich den Ort
verlassen konnte. Schon um 8 Uhr war die Finsterni vollstndig
hereingebrochen, zeitweilig fielen Regentropfen und verkndeten im
Vereine mit dem durch die Wipfel der niederen Bume streichenden Winde
eine unangenehme Nacht.

Pltzlich, so pltzlich, da wir alle vor Schrecken aufsprangen, wurden
wir durch das heftige Zusammenfahren und Gebrlle der Ochsen in der
Umzunung aufgeschreckt. Nur zu leicht konnten wir deutlich hren, da
einige derselben flchtig geworden und beim Uebersetzen der meist aus
trockenen Aesten errichteten Umzunung in derselben eingebrochen waren.
Um unsere Ueberraschung noch zu erhhen, sprang Niger laut bellend nach
den Gebschen, whrend sich der kleinere Hund winselnd unter dem Wagen
zu verbergen suchte. Wir drei am Feuer dachten natrlich, da ein oder
mehrere Lwen ber den niederen Zaun in den Kraal eingedrungen waren,
dies um so mehr, als wir die zurckgebliebenen Zugthiere sich in einen
Klumpen aneinanderpressen sahen und uns ein ununterbrochenes, gedmpftes
Blken beunruhigte.

Von Th., der wenige Augenblicke vorher eben damit beschftigt war, die
Zugthiere etwas krzer anzubinden, konnten wir, so weit uns der
Feuerschein etwas in der Dunkelheit zu sehen gestattete, nichts
erblicken. Whrend sich Meriko und Pit jeder mit einem Feuerbrand
bewaffneten, sprang ich auf den Bock, um meinen Hinterlader zu
ergreifen, und lie die Diener ihre Leuchten hochhalten, um hinreichend
Licht in den Kraal zu werfen. Ich konnte jedoch nichts von einem Lwen
in demselben erblicken. Theunissen, knnen Sie den Lwen sehen, rief
ich, doch statt einer bejahenden Antwort drang ein wimmerndes. Helft
mir, helft! aus dem Knuel der Zugthiere, aus deren Mitte sich zugleich
das ngstliche Blken vernehmen lie. Wir sprangen herbei und fanden,
da die Zugthiere durch einige sich anschleichende Lwen in Aufregung
versetzt, das in der Erde befestigte Ziehtau losgerissen und sich in der
Verwirrung in dasselbe verwickelt hatten, wobei Th. und zwei Zugthiere
niedergeworfen wurden, whrend andere zwei ber die Umzunung setzten.

Dank der Wachsamkeit Nigers hatten sich die Lwen zurckgezogen, und
whrend wir Th., der glcklicher Weise unverletzt war, aus seiner
unerquicklichen Lage befreiten, kehrten auch die beiden entlaufenen
Zugthiere zum Wagen zurck. Ich lie, nachdem die Thiere am Wagen
entsprechend befestigt waren, rasch fnf Feuer um den Wagen und die
Umzunung anznden, und unter ihrem Schutze fllten wir mehrere
Mapanibumchen und erhhten damit die Umzunung.

Erst am 5. konnte ich die Weiterfahrt, und zwar unter strmendem Regen
antreten, der mir inde diesmal willkommen war, da er den tiefen Sand
compacter machte und den Zugthieren die Arbeit erleichterte. Ich
passirte die durch tiefe Sandmassen ziemlich schwer passirbare Furth des
Nataspruits und traf jenseits derselben auf einem verlassenen Jagdplatze
die Reste eines Boerwagens. Von Wild beobachteten wir blos
Deukergazellen, zwei gestreifte Gnu's, einige Zebra's und Perlhhner,
von denen letzteren ich eines erlegte. Nachmittags traten wir aus den
bewaldeten Partien heraus und zogen ber eine hochbegraste Ebene, die
stellenweise mit einzelnen Mapanibumen oder kleinen Mapani- und
Mimosengehlzen bestanden war. Obgleich ich sehr dagegen war, das
Gespann in von Lwen bewohnten Gegenden Abends oder Nachts weiden zu
lassen, war es diesmal nicht zu vermeiden; wir machten die Thiere frei
und trachteten sie in der Nhe des Wagens zu halten. Doch kaum hatten
sie etwa 150 Schritte weit sich entfernt, als sie durch ein Thier scheu
geworden, in wilder Flucht nach rechts ber die Ebene dahinjagten. Mit
Hilfe des braven Nigers, der den Strenfried, eine Hyne, rasch entdeckt
und verfolgt hatte, gelang es Th. und Pit, die Thiere nach einer Weile
wieder einzufangen. Die Nacht hindurch hatten wir das Vergngen, ein von
gefleckten Hynen gegebenes Concert anzuhren.

Am 6. durchzogen wir Vormittags ein Terrain, das dem des vorigen Tages
sehr hnlich war, whrend wir am Nachmittage eine ausgedehnte wiesige,
vom Niederwalde rings umschlossene Lichtung passirten, auf welcher sich
zahlreiches Wild tummelte. Ein heftiger Regengu spendete uns reichlich
das ersehnte Trinkwasser, das uns der Boden nicht finden lie. Wir sahen
Straue auf der Ebene, Deukergazellen, gestreifte Gnu's und Lwen im
Anschleichen der Zebra's begriffen. Gegen Abend kamen wir an ein Gehlz,
an welchem ich zu bernachten beschlo.

Am Abende des 8. Juli betraten wir einen Wald, der einen Theil des
sandigen Lachenplateaus bildet und sich etwa 100 englische Meilen nach
Norden erstreckt. Der Boden auf dieser Strecke ist mit Ausnahme einiger
Lichtungen, welche Lachen aufweisen, tiefsandig und ist der westliche
Theil des Gebietes, den Mohr das Land der tausend Teiche genannt hat.
Ich belege mit diesem Namen nur jene Strecke, welche keinen merklichen
Abfall zeigt und dem Regenwasser keinen Abflu nach den Flssen
gestattet. Jene Lachen charakterisiren diese Gegend und werden zumeist
(95 Percent derselben) nur vom Regen gespeist. Sie sind klein und dicht
begrast und enthalten whrend 2 bis 8 Monaten reichliches Regenwasser.
Nur eine verschwindend kleine Anzahl wird von Quellen gespeist und
solche das ganze Jahr hindurch wasserhaltige Stellen sind von den
Madenassa's, die den wiesigen Niederwald bewohnen, benannt worden.
Andere, die nur zeitweise im Jahre Wasser enthalten, haben von den
hollndischen und englischen Jgern und Elfenbeinhndlern
Gelegenheitsnamen erhalten. Dieses Lachengebiet liegt zwischen der Soa
und dem Nata (gegen Sden), den Zambesi-Zuflssen nach Norden, dem
Mababi-Veldt nach Westen und dem Nata- und Uguaj-River nach Osten. Es
ist im Innern Sd-Afrika's jenes Land, in welchem die riesigen
Sugethiere, wie Elephanten, Nashorne, Giraffen noch hufiger zu finden
sind, und von welchem aus sie sich dann nach Osten und Westen, sowie
nach Norden ber den Zambesi ausbreiten. Seiner Wasserarmuth in der
Trockenzeit halber, ist es nicht nur mit groen Opfern zu passiren und
nicht geringere fordert zuweilen im Beginne des Sommers vom October bis
December eine aufsprossende Giftpflanze, die das Gras im Wachsthume
berholt und den Ochsen sehr schdlich wird. Aus diesem Grunde whlen
auch oft die Elfenbeinhndler, welche mit dem am Zambesi wohnenden
Stmmen in Verkehr zu treten suchen, den sogenannten stlichen, d. h.
einen durch Westmatabele und das Gebiet der Makalaka fhrenden Weg, doch
hat auch dieser zahlreiche Schattenseiten und Nachtheile, welche
namentlich in der Unzuverlssigkeit und Stehlsucht der Eingebornen auf
dieser Strecke begrndet sind.

Whrend der Fahrt am Nachmittage des 7., bevor wir noch in den dichten
Wald einfuhren, und als wir eben die letzte Lichtung passirten, schrie
Meriko, der vor den Ochsen einherging, auf, und wies mit der Hand nach
links, indem er sich eines Ausdrucks bediente, den ich nicht verstehen
konnte. Ich sa neben Th. am Bocke und war natrlich sehr begierig, den
Grund der Aufregung meines in jeder Hinsicht hin braven
Bamangwato-Dieners zu erfahren. Es waren zwei Straue, die kaum 250
Schritte vom Wege entfernt, seine Aufmerksamkeit erregt hatten. Ich sah
nur einen, der nahe an einem Gebsche stand; nicht der Beute halber, die
dem Knige der Bamangwato's gehrte, sondern blo des Jagdvergngens
halber sprang ich herab, um mich im hohen Grase anzuschleichen. Der
zweite Strau, den ich bisher nicht bemerkte, sa auf der Erde, lugte
nur mit dem Kopfe ber das Gras und ergriff bei meiner Annherung sofort
die Flucht, whrend mich einige Bsche am Gebrauche des Gewehres
verhinderten. Als ich wieder freieres Terrain gewann, waren die Vgel
eben im Begriffe, in einen Niederwald einzudringen und rannten so
ziemlich auf einen und denselben Baum zu. Ich feuerte aus einer
Entfernung von 450 Schritten und hrte die Kugel in den Stamm des Baumes
einschlagen. Die grte Freude ber den verunglckten Jagdversuch zeigte
Meriko, weil ich das Eigenthum seines Herrn, des Knigs Khama, nicht
geschmlert hatte, und versprach, nach seiner Rckkehr nach Schoschong
es dem Knige selbst zu berichten.

[Illustration: Von Lwen aufgescheucht.]

Da ich alles aufbieten wollte, um die erste der Quellen auf dem
genannten Plateau noch an diesem Tage zu erreichen (wir hatten den Tag
ber kein Trinkwasser fr die Zugthiere gefunden) blieb mir nichts
brig, als unsere Reise trotz mannigfacher Schwierigkeiten und Bedenken
Nachts fortzusetzen. Voran lief Niger, selbst ohne erst dazu
aufgemuntert worden zu sein, ihm folgte Pit mit einem Hinterlader, dann
Meriko, der die Leitochsen am Riemen fhrte, mit einem tchtigen
Feuerbrande, Th. trieb die Ochsen, und ich sa am Bocke, das Gewehr
schugerecht in der Hand haltend, ein zweites lag hinter mir, um es
nthigenfalls dem neben mir schreitenden Th. sofort reichen zu knnen.
Gegen 11 Uhr Nachts langte ich an der erwhnten Quelle an, welche den in
den Wldern ringsum wohnenden Madenassana's unter dem Namen der
sdlichsten der Klamaklenjana-Quellen bekannt ist. Hier traf ich mehrere
Elephantenjger, denen ich einige Wochen zuvor, und andere, welchen ich
an der Soa-Salzpfanne begegnet hatte, sie alle klagten ber den
Mierfolg ihrer Jagd.

Ich will hier eines interessanten Lwenabenteuers gedenken, das sich
einige Tage vor meiner Ankunft an der Stelle, an der mir, wie erwhnt,
die Hynen mein Gespann scheu gemacht hatten, zugetragen, und das mir
den Tag nach meiner Ankunft an den genannten Quellen berichtet wurde.
Die Herren Daniel Jakobs, ein Boer-Jger, Frank, ein Englnder, der der
Jagd halber diese Gegend aufsuchte, und Kurtin, ein Elfenbeinhndler,
sind die Helden dieser Jagdepisode. Sie hatten eben ausgespannt, als
ihnen die Diener die Nachricht brachten, da eine Giraffenheerde einige
Meilen vom Wege ab in Sicht sei. Da Herr Frank noch nie zuvor Giraffen
in der freien Natur gesehen, verabredete man sich, ihm den ersten Schu
zu gnnen. Rasch wurden die Pferde gesattelt und man eilte dem Wilde
entgegen. Obgleich dieses sofort die Flucht ergriff, wurde es doch schon
nach kurzem Wettlauf eingeholt und Jakobs beeilte sich sofort vom Pferde
herab eines der Thiere niederzuschieen. Die Gesellschaft sattelte ab
und war eben damit beschftigt, das Thier zu zerlegen, als einer der
nachgeeilten Diener die Jger auf eine andere, etwa 2000 Schritte
entfernt grasende Giraffe aufmerksam machte. Man suchte auch diese auf
und Herr Frank feuerte gleich zwei Schsse ab, ohne ihr jedoch ein Leid
anzuthun, dann scho Kurtin und fehlte ebenfalls, Jakobs folgte als
dritter und obgleich er das Thier frmlich mit seinem Pferde
zusammenrannte und sein Doppelgewehr abscho, entkam die gehetzte
Giraffe unverwundet. Da er sah, da die beiden anderen Jger
zurckgeblieben waren, wollte er schon dem Thiere die Freiheit schenken
und von der Verfolgung ablassen, als es ihm einfiel, es mit dem Pferde
zu berholen, zu wenden und in dieser Weise Herrn Frank noch eine
Gelegenheit zum Schusse zu geben. Von neuem jagte er der Giraffe nach
und hatte sie beinahe schon erreicht, als er unmittelbar vor sich, ein
wenig zur Linken, eine sprungbereite Lwin im Grase liegen sah. Sich
nach seinen Begleitern umkehrend, um sie herbeizurufen, sieht er, da er
an einer zweiten Lwin und einem Lwen vorbeigeritten war, ohne die
Raubthiere vorher bemerkt zu haben. Aus dieser unangenehmen Lage suchte
er sich dadurch zu befreien, da er rasch nach rechts abbog, einige 30
Schritt in dieser Richtung hin galoppirte, dann auf den Lwen, der ihn
mit seinen Blicken verfolgte, anschlug und feuerte. Er scho zu hoch,
verfehlte den Lwen und traf die Lwin in's Schulterblatt. Darauf
feuerte der herbeigerittene Kurtin zweimal und fehlte, ohne da sich die
Lwen in ihrer Ruhe stren lieen. Jakobs scho nun zum zweitenmal und
verwundete den Lwen schwer, so da sich dieser in ein nahes Gebsch
zurckzog. Da ich dachte, da uns die beiden Lwinnen, die in das tiefe
Gras so weit hineingekrochen waren, da wir sie nicht sehen konnten,
bekriechen, d. h. sich zum pltzlichen Sprunge bereit machen wrden, gab
ich, so berichtete mir Daniel Jakobs, den wohlmeinenden Rath, uns
lieber eiligst zurckzuziehen, als den Kampf mit den Lwen fortzusetzen.
Whrend unseres Rckzuges sahen wir beide Raubthiere, das eine stark
hinkend, sich ebenfalls davonmachen. Alle diese Lwen gehren in den
Bereich des Nataflusses und finden namentlich in dem stellenweise sechs
bis sieben Fu hohen Grase vortreffliche Schlupfwinkel.

Die Klamaklenjana-Quellen bestehen (so weit sie nahe dem Wege liegen)
aus vier von einander getrennten, sumpfigen Gewssern, daher rhrt auch
ihr Name viermal hinter einander; zwischen ihnen, sowie rechts und
links im Walde, liegt eine Unzahl von whrend krzerer oder lngerer
Zeit im Jahre gefllter Regenlachen. Nahe an der ersten Quelle, die wir
am Abend des 7. erreichten, zweigt sich ein von den hollndischen Jgern
geschaffenes Geleise nach dem Mababifelde ab. Hier stie ich auf den
Diener Andersons mit Namen Saul; er reiste in Gesellschaft eines
Makalahari-Mannes, der vier Kinder mit sich fhrte, Saul hatte ihn am
Nataspruit gefunden und ihn aufgefordert, sich ihm anzuschlieen. Er war
dessen sicher, da sein Brodherr nichts dagegen einwenden werde und dies
um so weniger, da er ihn bei der Strauenjagd verwenden wollte. Ich
wei aber, da Du kein guter Schtze bist, wie kannst Du Straue
erlegen? frug ich Saul. -- Doch, Herr, ich treffe sie schon,
antwortete derselbe. Wenn ich sie jagen will, nehme ich einige
Makalahari mit mir. Wir suchen hierauf die Spur der Straue auf, und
streben namentlich nach solchen, welche von einem Prchen herrhren. Mir
ist es hauptschlich darum zu thun, da ich das Nest der Thiere finde.
Beim Neste angelangt, wird ein Loch in die Erde gegraben und hier
verstecke ich mich, um den brtenden Thieren aufzulauern. Den ersten zum
Neste eilenden Vogel erlege ich mit Leichtigkeit aus unmittelbarer Nhe,
den zweiten dadurch, da ich den Balg des ersteren auf einen Pfahl ziehe
und diesen vor dem Neste aufstelle, wenn mich nicht der zweite Vogel
schon bei dieser Arbeit berrascht, und sich auf Nimmerwiedersehen
empfiehlt. Doch geschieht dies selten und auf diese Weise gelang es mir,
schon viele Straue sammt ihren Eiern zu erbeuten.

An der sdlichsten der Klamaklenjana-Quellen erfuhr ich die Bedeutung
der hie und da von den Masarwa's und Bamangwato's genannten Flsse. So
z. B. bezeichnet Khori, das Land am Seitenflchen des Tschaneng, eine
Trappe und der Mokhotsi eine starke Strmung.

Am 9. kehrte der Genosse Andersons von den nchsten
Klamaklenjana-Quellen heim und berichtete, da ein Boer in dem
anliegenden Walde eine Elephantenkuh geschossen habe, welche Nachricht
die an der Quelle lagernden Jger in nicht geringe Aufregung brachte,
allein diese steigerte sich noch nach der Rckkehr Theunissens von einem
Ausfluge, den dieser in den Wald nach Osten unternommen, und auf dem er
auf fnf flchtige Elephanten gestoen war. Er rief dem ihm unmittelbar
folgenden Meriko zu, ihm rasch die Patronen zu reichen, und htte
hinreichend Zeit gehabt, ein Dutzend Schsse abzufeuern, wenn nicht
Meriko, um das dem Knige gegebene Versprechen, keine Elephanten zu
schieen, zu halten, die Jagd dadurch vereitelt htte, da er beim
Anblicke der flchtenden Colosse das Weite suchte und Theunissen ohne
Munition zurcklie.

Auch ich machte zwei Ausflge tiefer in den Wald hinein und entdeckte
Spuren von Giraffen, Harrisbcken, Kudu's, Elephanten und Bffeln. Den
Tag vor unserer Ankunft war eine Bffelheerde am Wasser beobachtet
worden, doch hatte sie sich so zeitlich nach Mitternacht entfernt, da
sie die Jger am Morgen nicht einholen konnten. Bevor ich noch die
Quellen verlie, traf ich hier mit Mr. Taylor zusammen, er klagte auch
ber den Mierfolg der Jagd. Einer der Jger besuchte alljhrig eine
Stelle in der Umgegend, welche ihm reichliche Beute sicherte; mehrere
tief im Walde wohnende Madenassana's waren seine ausgiebigsten Helfer.
Zwei andere Elephantenjger, die dies vernommen, trachteten auch ihr
Glck an derselben Stelle zu versuchen, ein Versuch, der indessen ihr
gegenseitiges Freundschaftsbndni nicht inniger gestaltete.

Am 10. verlie ich meinen Lagerplatz und langte nach einer zweistndigen
Fahrt durch den tiefsandigen Niederwald an den nchsten
Klamaklenjana-Quellen an. Ich traf hier einen Elephantenjger mit Namen
Mayer, sowie einen Hollnder, Mynheer Herbst, an; etwas weiter ab, an
einem zweiten Gewsser, einen anderen Hollnder mit Namen Jakobs und den
Elfenbeinhndler Mr. Kurtin, dessen ich bei der zuletzt beschriebenen
Lwenjagd gedachte. Der Letztere theilte mir mit, da er auf einem
seiner ersten Zge in dieses Gebiet nicht weniger als 66 Ochsen durch
die schon erwhnte von October bis December in diesen sandigen
Niederwldern aufsprossende Giftpflanze verloren hatte. Jakobs theilte
mir einige seiner interessanten, sowie auch die nennenswerteren
Lwenabenteuer Pit Jacobs, des zweitberhmtesten Elephantenjgers
Sd-Afrika's mit. Mayer und Herbst jagten in Compagnie, Herbst scho
hier eine Elephantenkuh und war noch immer ganz davon begeistert. Herr
Mayer hatte einige Makalaka's in Dienst genommen, welche auch mir einige
Tage zuvor ihre Dienste angetragen hatten, da ich jedoch von diesem
unter den Matabele's wohnenden Banthustamme eine sehr schlechte Meinung
habe und nebenbei die hier Betreffenden wahre Galgen-Physiognomien zur
Schau trugen, rieth ich Herrn Mayer an, sie aus seinem Dienste zu
entlassen. Er wollte nicht darauf eingehen und hatte es leider spter zu
bereuen. Denn als ich ihn sieben Monate spter wieder traf, da hatte der
arme und gute Mann, dem ich das Beste von Herzen wnschte, ber zahllose
Diebsthle zu klagen, welche die Makalaka-Diener verbt, und darnach
verschwunden waren. Ich traf auch hier zum ersten Male die den
Bamangwato's unterthnigen Madenassana's an; es ist ein schner
Menschenschlag, leider von ziemlich abstoendem Gesichtsausdruck. Von
Hautfarbe fast dunkelschwarz, sind es meist hohe Gestalten von starkem
Knochenbau, namentlich die Mnner. Um so mehr wunderte es mich, unter
den Frauen frmlich zarte Geschpfe zu finden. Die Madenassana's haben
ein strkeres und lngeres Wollhaar, welches besonders an den Schlfen
und der Stirne oft bis einen Zoll tief herabhngt. Das Cranium ist dann
in der Regel oft kurz behaart.

Besucht ein Bamangwato das sandige Lachenplateau, so sucht er gewhnlich
zuerst die Madenassana's, die Helfer bei seinen Jagden auf, um fr
seinen Knig und sich Elfenbein zu erwerben. Diese wohnen aber in der
Regel so versteckt in den dichten Partien der Wlder, da die Jger ihre
Wohnungen kaum gewahr werden, wenn sie nicht von einem Madenassana
selbst zu denselben gefhrt werden. Der Aelteste in einer solchen
kleinen Niederlassung ist dann der kleine Stamm-Unterhuptling; will man
als Blagesicht Diener unter den Madenassana's miethen, so ist es immer
das beste, sich an den ltesten des Drfchens zu wenden. Miethet man sie
auf einige Monate, dann bezahlt man ihnen zwei bis vier Pfund
Glasperlen, oder auch einige Wolldecken, doch zuweilen wird auch
Schiepulver und Blei verlangt, auf die Dauer von sechs bis zehn Monaten
begehrten sie eine Muskete.

Im Gegensatze zu vielen anderen Banthustmmen wird bei ihnen die unter
einfachen Ceremonien vorgenommene Verehelichung respectirt und eheliche
Treue bei ihnen ziemlich hoch gehalten. Whrend bei manchen Stmmen das
Gefhl von Eifersucht nicht gekannt oder nur in einem schwachen Grade
vorhanden ist, kann sie nach dem, was ich von meinen Berichterstattern
ber die Madenassana erfahren, bei ihnen selbst zu schweren Verbrechen
fhren. Der Stamm wurde mir als gengsam geschildert und auch als Diener
sind sie besser als die Masarwa's und Makalahari's. Der weiten
Entfernung ihrer Wohnpltze von Schoschong wegen -- sie bewohnen den
nordwestlichen Winkel des stlichen Bamangwato-Landes -- und da sie
nicht gleich den Masarwa's ber das Land zerstreut sind, ist ihr
Verhltni den Bamangwato's gegenber kein so drckend sklavisches wie
das der Masarwa's. Sie besitzen eigene Gewehre, und werden nur jhrlich
von einigen von dem Knige von Schoschong aus abgesandten Bamangwato's
aufgesucht, welche von ihnen die Abgaben einsammeln, oder sie zu Jagden
verwenden. Im Jahre 1874 trafen drei Bamangwato's einen kleinen Haufen
der Madenassana's im Dienste des Elephantenjgers Zwart an, sie
forderten diese auf, den weien Mann sofort zu verlassen und sich ihnen
anzuschlieen, was diese inde verweigerten. Darauf ergriffen die
Bamangwato's die Frau des Aeltesten (des Anfhrers) und fingen sie zu
schlagen an, um durch diese Zchtigung den Sinn der Vasallen zu
bekehren, doch der Mann der Geschlagenen ergriff einen ihm zunchst
liegenden Assagai, strzte sich auf den Bamangwato und htte auch den
nchsten von ihnen durchbohrt, wenn diese nicht zu ihren Gewehren
gegriffen und auf die Madenassana in Anschlag gebracht htten.

Die Makalaka's, deren ich kurz vorher erwhnte und von denen ich eine so
geringe Meinung habe, trieben sich in den Jahren 1875 und 1876 recht
zahlreich zwischen dem Nata und dem Zambesi herum. Es waren meist
Flchtlinge aus Schoschong, die ihrer verrtherischen Handlungsweise
halber aus der unmittelbaren Nhe der erzrnten Bamangwato's weichen
muten.

Am Nachmittage desselben Tages (des 11.) durchschritt ich, von meinem
Diener Pit begleitet, den dichten Wald nach Nordost und traf ein
Kuduprchen, das jedoch trotz seines Riesengehrns so rasch in den
Bschen verschwand, da wir keinen Schu anbringen konnten. Diese
Antilope liebt meist hgelige Dickichte oder bewaldete Hhen und nur
dies kann es mir erklren, da sie den Lwen, welche in Sd-Afrika
besonders den Rand der Lichtungen lieben, seltener als viele andere
Species zum Opfer fllt.

Am 12. verlie ich die zweiten (mittleren) Quellen und begab mich nach
den nchsten und dritten, wohin der Jger Jakobs und der Hndler Kurtin
schon vorher bersiedelt waren. An diesem Tage langte hier ein
Elfenbeinhndler (ich will ihn X. nennen) an, welcher den Knig des
Marutse-Reiches, Sepopo, auf welches ich lossteuerte, besucht hatte, er
empfahl mich an seinen guten Freund Z., den ich weiter nordwrts am
Panda ma Tenka-Flchen finden sollte. Ich ersuchte ihn, mir zwei Kisten
gesammelter Gegenstnde nach Schoschong zu befrdern, was er auch
versprach, ohne da ich spter je wieder etwas von denselben sah. Mr.
Kurtin verkaufte an ihn zwei Falben (einen derselben hatte ich im Jahre
1874 in Schoschong von der Dickkopsickte geheilt) fr 800 Pfund
Elfenbein. Auf den beiden Wgen des Kufers waren circa 7000 Pfund
Elfenbein geladen, davon waren 5000 Pfund von Sepopo eingehandelt, den
Rest hatten die Diener des Hndlers auf ihren Jagdzgen am sdlichen
Zambesi-Ufer, zwischen den Victoriafllen und der Tschobemndung
erbeutet. X. berichtete auch, da am Zambesi das Fieber gefhrlich und
die noch zu bereisende Gegend sehr wasserarm sei. X. war so gtig, mir
den sechsten Theil einer geschlachteten Kuh zu senden, wofr ich mir
erlaubte, ihn mit Medicamenten zu versorgen.

Nachmittags reiste ich ab und zog in einer west- bei nrdlichem Richtung
nach der nrdlichsten der Klamaklenjana-Quellen; die durchreiste
Waldpartie zeigte schne Kameeldornbume, Mimosen und ahornartige, doch
auch Mochononobume und Fcherpalmen-Gebsche; durch eine hnliche
Gegend fhrte uns der Weg am 13., wobei wir unser Mittagslager bei den
eben genannten Quellen aufschlugen. Ich zhlte von den sdlichsten bis
zu den nrdlichsten Quellen 25 nach heftigen Regen gefllte
Einsenkungen.

Auf einigen whrend der Fahrt durch den Wald unternommenen Abstechern
erblickte ich Bffel, gestreifte Gnu's, Zulu-Hartebeests und Zebra's im
Wechsel und zahlreiche Lwenspuren. An den nrdlichsten
Klamaklenjanaquellen mndet ein von den Elfenbeinhndlern aus
Westmatabele gewhlter Weg. Hier traf ich auch drei Elephantenjger, die
Herren Barber, Frank und Wilkinson, von denen sich der erstere als Jger
eines ausgezeichneten Rufes erfreut, ebenso wie seine hochgeehrte Mutter
nicht allein eine ausgezeichnete Knstlerin, sondern auch eine uert
feine Beobachterin des Thierlebens ist, und ber die Resultate ihrer
Betrachtungen auch schon mehrere kleinere Schriften verffentlicht hat.
Mr. Barber zeigte mir sein Skizzenbuch, in dem er seine Jagdabenteuer
knstlerisch wiedergab.

Ich bernachtete einige Meilen weiter nordwrts im Walde. Der Baumwuchs
auf der am folgenden Tage zurckgelegten Strecke war ungleich besser
entwickelt und erreichten mehrere Stmme bis 60 Fu Hhe; sie gehrten
einer Species an, welche von den Hollndern die wilde, Syringa, von den
Bamangwato's Motscha, sowie eine andere, nicht minder hufige Art, die
Monati genannt wird. An manchen der Bsche bemerkte ich zahlreiche
rothblhende Orchideen.

[Illustration: Pit, schlfst Du?]

Gegen Mittag erreichte ich einen in einer unbedeutenden Vertiefung
liegenden Weiher, Yoruha, d. h. ein Sprung genannt, wo ich abermals den
Jgern, die ich an den letzten Quellen getroffen, begegnete. Der Hndler
X. hatte ihnen diese Stelle als bleibenden Aufenthalt angerathen, weil
seine Diener in den Yoruhawldern eine Unzahl von Elephanten
niedergestreckt hatten. Da nach den Spuren zu urtheilen eine
Elephantenheerde an dem Yoruhawasser zwei Tage zuvor zur Trnke gekommen
war, erwarteten die Jger sie auch am heutigen Tage. Um keine Strung
durch meine Hunde zu verursachen, ging ich weiter und langte frh am 15.
an den Tamafopa-, d. h. den Skeleton-Quellen an. Etwa eine halbe
englische Meile nordwrts davon, an einigen gewhnlich das ganze Jahr
hindurch wasserhaltigen Regenlachen entschlo ich mich, den Wagen tiefer
in den Wald zu bringen und hier zwei oder drei Tage zu verbleiben,
hauptschlich um womglich das Fell der Sbelantilope, der schnsten der
sdafrikanischen Antilopen, zu gewinnen. Auf einem Ausfluge nach dem
Westen sah ich Steenbockgazellen und Zebra's und kreuzte mehrmals von
der vorhergehenden Nacht herrhrende Spuren von Deukergazellen, Kudu's,
Giraffen, Bffeln und Elephanten, sowie von Schakalen, Hynen, Leoparden
und Lwen. Nach den zahlreichen Spuren, die ich an der greren der
beiden Regenlachen vorfand, zu schlieen, mute diese allnchtlich von
einer groen Anzahl von Thieren, namentlich Zebra's, Bffeln und
Harrisbcken besucht werden und ich entschlo mich, hier eine Nacht auf
dem Anstande zu liegen. Ich whlte mir diesmal Pit als Begleiter, der
mir wohl eine recht amsante Nacht bereitete, meinen beabsichtigten
Zweck jedoch vereitelte. Bevor wir ausgingen, wurde um unseren Waagen
eine entsprechende Umzunung errichtet und Th. versprach jedwede
Vorsicht zu gebrauchen, um einer etwaigen Lwenattaque wrdig zu
begegnen. Eine Stunde vor Sonnenuntergang machten wir uns auf den Weg,
um die von mir gewhlte Stelle zu besetzen. Der Leser stelle sich in
einem hochbegrasten Walde eine stellenweise mit fnf Fu hohem
Riesengras bewachsene, etwa 400 Meter im Umfange messende und etwa 10
Fu unter dem Niveau des Waldes liegende Lichtung vor, in deren Mitte
sich eine kleine, grasbewachsene Regenlache, der Rest des Gewssers
befand, das vor wenigen Monaten die ganze Einsenkung ausgefllt haben
mochte. Am westlichen Rande der Lichtung stand ein mchtiger
Hardekoolbaum und in der Lichtung selbst, etwa 15 Schritte von dem
letzteren, ein etwa 30 Fu hoher Baum der ^Acacia detinens^, unter
diesem erhob sich, theilweise durch ihn gesttzt, einer der riesigen
Ameisenhgel, und da sich die Aeste des letztgenannten Baumes tief
neigten, schien die Stelle zu unserem Anstande wie geschaffen. Wir
sammelten einige Aestchen, die von dem Hardekoolbaume abgefallen waren,
um damit eine kleine, kaum zwei Fu hohe Brustwehr zu errichten.
Zwischen uns und dem Grase ringsum befand sich eine etwa 2 Meter breite
kahle Stelle, die wir beide fr sehr gnstig hielten. Da Pit noch nie
zuvor auf dem Anstande des Nachts gelegen hatte, frug ich ihn, ob er
sich auch stark genug fhle, die ganze Nacht durchzuwachen, er beeilte
sich, mich dessen zu versichern und so machten wir unsere Gewehre
schubereit; als wir mit unseren Vorbereitungen fertig waren, hatte eben
die Sonnenscheibe den westlichen Horizont berhrt. Einige der schnen
geschwtzigen Glanzstaare, von ihren weiten Ausflgen zurckgekehrt,
zwitscherten noch eine Weile lang in den Zweigen des Hardekoolbaumes,
bevor sie in die alljhrlich bewohnten Nester hineinschlpften. Bevor es
jedoch dunkel geworden war, verlieen wir noch fr einen Moment die
schon eingenommene Stelle, um dem Rathe meines Dieners nachgebend, von
dem Dornbaume ber uns einige seiner dnnen, doch langen Aeste
abzuschneiden, um die Umzunung damit zu bedecken. Aus der Ferne
ertnendes Schakalgeklffe belehrte uns darber, da die Zeit
herangekommen, zu welcher das den Tag ber weidende Wild dem Wasser
nher komme und die von den nchtlichen Streifungen zurckkehrenden
Raubthiere sich an ihre gewohnten Raubzge machten.

Wir nahmen unsere frhere Stellung ein. Pit whlte seine gewohnte
halbliegende, ich zog das Hocken vor, weil es mir fr die Dauer noch das
Angenehmste schien; wir sprachen Anfangs mit gedmpfter Stimme, jedoch
hielt ich es fr besser, auch davon abzulassen. Wir mochten eine halbe
Stunde lang gelauscht haben, als ich vorsichtig aufstehend auslugte,
doch konnte ich nichts sehen, und selbst ber die Richtung, aus welcher
ein eigentmlich gedmpfter Ton zu mir drang, konnte ich mich anfangs
nicht orientiren, erkannte aber bald zu meiner Enttuschung und
Entrstung, da es Schnarchtne waren, die sich dem weitgeffneten Munde
meines harmlos eingeschlafenen Dieners entrangen. Etwas unsanft geweckt,
fhlte sich Pit ber meine Beschuldigung bitter gekrnkt und versprach
den Anfechtungen Morpheus' zu widerstehen -- doch die Allgewalt des
Schlafgottes besiegte schneller als ich es gedacht, den schwachen Willen
des Schwarzen, dessen ganze Seligkeit eben der Schlaf war.

Gegen 10 Uhr, als das fahle Mondlicht ber die Lichtung hinfluthete,
vermengten sich seine melodischen Kehlkopftne mit einem dumpfen Laut,
wie wenn sich von Westen her ein Trupp Pferde dem Wasser nhern wrde.
Ich ergriff mein Gewehr und an den Mimosenstamm angelehnt, lugte ich
zwischen diesem und dem an acht Fu hohen Termitenhgel aus, der Laut
wurde mit jeder Minute strker und rhrte unstreitig von Zebra's her.
Ich sollte auch nicht lange darber im Zweifel bleiben, denn etwa eine
Viertelstunde spter, nachdem ich den Laut vernommen, erschienen auf der
grell vom Lichte des Mondes beschienenen freien Stelle zwei Zebra's,
welche vorsichtig nach allen Seiten Rundschau hielten und beinahe nach
jedem zweiten Schritte stehen blieben, um zu lauschen, wovon die sich
aufrichtenden Ohren deutlich zeugten; nach wenigen Augenblicken kam die
etwa 20 Stck zhlende Heerde. Ich war unentschlossen, ob ich sofort
feuern oder vielleicht zuvor noch Pit in die Gegenwart zurckrufen
sollte, damit auch dieser zum Schu kme. Die ganze Heerde stand nun auf
der Lichtung ruhig wie eine aus Stein gemeielte Gruppe. Die Betrachtung
dieses schnen Bildes war mir kaum zwei Minuten lang vergnnt, denn aus
der Tiefe unter mir drangen zwei das Gehr, den Geist und die Seele tief
verletzende Mitne in die Stille der Nacht, laut genug, um von den kaum
sieben Schritte entfernten Zebra's gehrt zu werden. Um die Thiere nicht
vollends zu verscheuchen, weckte ich den Unverbesserlichen. Diesmal
erhob er sich sofort, griff jedoch in seinem Schlaftaumel nach der
niederen Umzunung, welche mit Ausnahme der obersten Lage aus trockenen
Zweigen bestehend, unter seinem Gewichte zusammenbrach, whrend ich nun
rasch nach ihm griff, um ihn vor dem Falle zu schtzen, damit er die
Thiere nicht vollends vertreibe, wirft sich die Zebraheerde in
Blitzesschnelle herum und war verschwunden, bevor ich noch an's Feuern
denken konnte.

Bald darauf schnarchte Pit lustig weiter. Mitternacht kam und nichts
wollte sich hren lassen, doch gegen 1 Uhr, als sich der Mond wieder
gesenkt hatte, vernahm ich ein Blken von Nordwest her, welches sich der
Lichtung zu nhern schien. Es war eine Bffelheerde, die Thiere hatten
jedoch unsere Witterung bekommen und waren an der Lichtung
vorbergegangen, und bei einer zweiten, die 500 Schritte nach Osten zu
lag, eingekehrt. Ich wollte auch dieses vorberziehende Wild zur
Kenntni meines wibegierigen Dieners bringen und machte ihn auf das
Brllen und Blken aufmerksam. Khe, Khe und Klber, meinte er, Th.
hatte sie nicht fest gemacht. Dann lehnte sich sein mder Oberkrper
wieder zurck und bevor ich noch mein Lachen ber seine Antwort
unterdrckt, war er wieder eingeschlafen. Doch auch bei mir fing die
Mdigkeit an, merklich ihre Rechte geltend zu machen, und ich versank in
einen Halbschlummer, aus dem mich ein Gerusch, einem sich nhernden
Sturmwind nicht unhnlich, emporri.

Mehr denn 20 Minuten hindurch konnte ich ber die Ursache desselben
nicht klug werden, nicht eher, als bis ich dessen sicher war, da es von
einer der beiden ostwrts von uns liegenden Regenlachen herkam, und ein
schnarrender trompetenartiger Ton mein lauschendes Ohr traf. Es war eine
zahlreiche Elephantenheerde, welche sich in dem greren, mit Gras
reichlich durchwachsenen Gewsser gtlich that. Deutlich konnte man
zwischen dem trompetenartigen Geschnurre das Pltschern der Riesenthiere
im Wasser vernehmen. Durch diese Wahrnehmung aufgeregt, ergreife ich
Pits Hand und ihn aufrttelnd, deute ich auf das Gerusch hin. Ja,
lallte er, decken Sie sich nur zu, der Wind blst heute gar stark.
Nach wiederholtem Rtteln gelang es endlich, dem blden Schlfer die
Situation begreiflich zu machen.

Ich erinnere mich, sagte ich, an zwei kleinen Stellen trockenes Gras
gesehen zu haben, wir stecken dies in Brand, der die Thiere erschrecken
und uns einen Anblick bietet, wie wir ihn wohl nach jahrelangem Wandern
im Innern Sd-Afrika's nicht oft erleben werden. Doch damit zeigte sich
mein Heldenjngling nicht zufrieden. Doctor, haben Sie heute Frh die
zahlreichen Lwenspuren gesehen, und dahin sollen wir gehen? Aus dem
hohen Gras knnen uns die Lwen auf den Rcken springen, bevor wir uns
nur umwenden knnen. Der Mond neigte sich zum Untergange, die Nacht
fing an sich zu verdunkeln und nachdem ich mir die Sache reiflich
berlegt, beschlo ich diesmal dem Rathe meines Dieners nachzugeben. Wir
lauschten noch eine Weile und dann entschlummerte Pit, doch es dauerte
nicht lange und unwillkrlich folgte auch ich seinem Beispiele.

Wir mochten uns etwa eine halbe Stunde lang diesem Genusse hingegeben
haben, als ich pltzlich durch ein unmittelbar vor dem Anstande hrbares
Gebrlle zum Bewutsein gebracht wurde, welches mich zum raschen Handeln
nthigte und mir die nchtliche Khle vergessen lie; es war das
Gebrlle eines Lwen, dem ein schwcheres, mehr ein Brummen, jenes der
Lwin folgte. Das Gebrll wiederholte sich dann etwa 30 Schritte vor
uns, worauf es sich zu nhern schien, ich kniete nieder und machte mich
schubereit, doch konnte ich der Dunkelheit halber nichts sehen, weshalb
mir auch meine Lage etwas unangenehm vorkam, und dies um so mehr, als
ich dessen sicher war, da wir schon lange von den Raubthieren
beobachtet wurden und meine Hnde in Folge der Feuchtigkeit ziemlich
starr geworden waren. Doch da liegt ja Pit, gewi ein Retter in der
Noth, doch konnte ich mich auf ihn verlassen?

Ich will zugeben, da es ein etwas unsanfter Rippensto war, den ich ihm
nun versetzte, denn rasch hob er sich empor und weil sich zufllig in
diesem Augenblicke das Lwengebrlle wiederholte, war es nicht nthig,
Pit eine Erklrung dieses Lautes geben zu mssen. Er sprang sozusagen
kerzengerade auf, und griff mit der Hand nach dem berhngenden Aste der
Mimose. Auch die Raubthiere muten das Gerusch vernommen haben, wir
hrten, da die Thiere nher kamen, nun schien mir auch zum zweiten Male
des Dieners Wink vortrefflich, und der Baum eine rettende Insel werden
zu wollen. Doch wie hinauf gelangen? Ich hatte eine von den schottischen
Flachmtzen, so wie ein Paar hohe Stiefel und einen bis an die Kniee
reichenden Ueberzieher, so bewaffnet, war es vielleicht mglich, mir
einen Weg nach Oben durch das dichte Netz der mit Doppeldornen
versehenen Zweige zu bahnen, ich zog zum Ueberflu den Ueberrock noch
ber den Kopf und lie mich von Pit hinaufschieben, um desto leichter
die Hindernisse zu bewltigen. Als ich den Fu auf die ersten strkeren
Zweige setzte, zog ich Pit nach, der mir zu gleicher Zeit die Gewehre
reichte. Trotzdem, da wir endlich eine etwa drei Meter hohe Stelle ber
dem Boden eingenommen hatten, war es uns doch nicht mglich, ob der
herrschenden Dunkelheit und des hohen Grases so viel von den Lwen zu
erblicken, da wir auf sie feuern konnten. Sie blieben brllend im
Hochgras der Lichtung hin und her rennend, bis gegen den Morgen, um
welche Zeit sie in der Richtung, aus welcher die Bffel gekommen waren,
verschwanden. Als wir nach ihrer freundlichen Entfernung auch zu unserer
Abreise schritten, besuchten wir das jenseitige Wasser, aus dem inde
sowohl die Bffel als auch die Elephanten verschwunden waren. Hier
fanden wir, da wenigstens 30 Elephanten, darunter auch Klber, dasselbe
besucht hatten.

Da ich an den Thieren Beobachtungen anstellen wollte, so folgte ich
ihnen mit Pit nach, nachdem wir zuvor am Wagen einen Morgenimbi
eingenommen und von Th. vernommen hatten, da das Lwenprchen auf einer
freien Sandstelle kaum einen Steinwurf weit vom Lagerplatze gebrllt
habe. Doch gab ich die Verfolgung wieder auf, weil die Elephanten, nach
den Spuren zu urtheilen, einen Vorsprung von mehreren Meilen hatten.
Obgleich ich am selben Tage Tamafopa verlassen wollte, hatten mir doch
die Elephanten in der vorigen Nacht das Herz so warm gemacht, da ich
noch einen Versuch allein unternahm, bei dem Gewsser, wo sie sich
herumgetummelt hatten, auf dem Anstande zu liegen. Ich besah mir genau
den Ort und whlte als den besten Observationspunkt einen etwa 50 Fu
hohen, dicken schnen Haardekoolbaum, an dem jedoch die niedrigsten
Aeste so hoch begannen, da es mich Wunder nahm, wie ich hinauf gelangen
sollte. Endlich fand sich auch das Mittel hierzu, ich band acht Stck
Ochsenriemen zusammen, nahm Pit und Meriko mit und lie mich
hinaufziehen. Oben machte ich es mir zurecht, so wie ich konnte, um das
nchtliche Treiben bei dem Weiher so deutlich als mglich beobachten zu
knnen. Leider war mein Harren ein vergebliches, es kam die Nacht, in
diesem Theile der sdafrikanischen Troppen von eigenthmlicher
winterlicher Khle und Schnheit, ich fror ganz entsetzlich. Gegen
Mitternacht hrte ich zwar die herannahende Elephantenheerde, doch
zugleich auch das wohlbekannte Knallen der afrikanischen Riesenpeitsche,
und es whrte nicht lange, da das in den Bschen, von der
Elephantenheerde verursachte Knacken, schwcher wurde und endlich, je
nher der Wagen kam, gnzlich aufhrte. Wie ich spter vernahm, war es
der Elfenbeinhndler Kurtin, der nach dem Panda ma Tenka-Thale zog, um
hier seinen mit einem Wagen vorausgesandten Bruder zu treffen.

Am 17. versuchte ich, ein Erdferkel (einen Termitenfresser) auszugraben.
In der Nacht auf den 18. tdteten wir zwei Fahlschakale und zogen durch
sehr tiefen Sand nach den Tamasetse- (d. h. sandiger Ort) Weihern, an
denen ich bis zum nchsten Morgen verblieb. Da ein kalter Wind ber die
Lichtung, in der die Weiher liegen, herunter pfiff, zog ich meinen Wagen
in's Gehlz, um hier ein ruhigeres Nachtlager zu finden, und dies
deshalb, weil ich bis zum 20. hier zu verweilen gedachte, um einer
Sbelantilope habhaft zu werden. In der Nacht wurden wir pltzlich durch
einen Aufschrei Meriko's wachgerufen. Eine Schlange hatte sich auf
seinem Unterleibe eingenistet. Leider war Meriko ber diesen Besuch so
erbittert, da er das enteilende Thier schwer verletzte, bevor ich es
fr meine Sammlungen retten konnte.

In Folge der Anstrengungen der letzten Tage und der schlaflosen Nchte
fhlte ich mich sehr unwohl, und war froh, mich an dem Lagerfeuer
erwrmen zu knnen. Ich war eben mit der Durchsicht meines Tagebuches
beschftigt, als mich ein Aufschrei Th.'s dazu bewog, mich rasch
umzusehen. Ich war, ohne das Thier gesehen zu haben, neben einer
wahrscheinlich durch die Wrme des Feuers angelockten Buffadder
gesessen. Wenige Secunden spter war diese Schlange meinen Sammlungen
einverleibt.




                                  V.
                   Von Tamasetse zum Tschobeflusse.


Henry's-Pan. -- Leiden und Freuden der Elephantenjger. -- Eine
Lwenjagd des jungen Schmitt. -- Makalaka's. -- Ein muthiges Weib. --
Nchtlicher Ueberfall durch einen Lwen. -- Die sdafrikanischen
Lwenspecies. -- Leben und Gewohnheiten des Lwen. -- Seine
Angriffsmethoden. -- Ankunft in Panda ma Tenka. -- Blockley. -- Der
Elfenbeinhandel mit Sepopo. -- Elandstiere. -- Aerztliche Praxis am
Henry's Pan. -- Thier- und Pflanzenleben im Panda ma Tenka-Thale. --
Bienenschwrme. -- Westbeech's Handelsstation. -- Saddler's Pan. -- Der
Hndler Y. -- Im Leschumothale. -- Gereizte Elephanten auf der Flucht
durch den Wald. -- Am Ufer des Tschobe.

[Illustration: Heimkehrende Elephantenjger.]

Zeitlich Morgens verlie ich am 20. Juli mein Lager im Tamasetsewalde
und zog in der wiesigen Einsenkung weiter nach Norden. Spt am
Nachmittage holte uns zu Pferde ein rmlich gekleideter hollndischer,
etwa 14 Jahre alter Knabe ein. Als ich ihn, nicht wenig erstaunt, ber
den Zweck der Reise befragte, erfuhr ich, da seine Eltern in einer
Htte an der nchsten Lache wohnten, und da ihn der Vater unter
Begleitung von nur zwei Schwarzen mit einem Ochsenwagen nach dem
entfernten Makalakalande gesendet habe, um Kaffirkorn gegen Glasperlen
und Kattun einzutauschen.

Am folgenden Morgen langte ich an diesem Gewsser an, das nach dem
Diener eines Jgers mit Namen Henry, der hier eine Giraffe erlegt hatte,
Henrys-Pan genannt wurde. Ich fand hier drei Boerfamilien, drei
hollndische Jger, Schmitt und die Gebrder Lotriet. Der erstere lebte
bereits in einer gerumigen Grashtte seit einem Monat hier und hatte
Tags vor meiner Ankunft eine Sbelantilope erlegt. Als einer der
erfahrenden Jger bereicherte er meine Jagdskizzen mit einigen uerst
interessanten Lwenabenteuern und Scenen aus den Elephantenjagden, von
denen ich die zwei berraschendsten hier mittheile.

Im laufenden Jahre (die halbe Jagdsaison war bereits vorber) hatte er
neun Elephanten, whrend seiner gesammten, nahezu zwanzigjhrigen
Jagdthtigkeit ber 300 erlegt. Er hatte sich vor nicht langer Zeit mit
der Witwe eines Jgers, der im Matabele-Lande gestorben war, durch einen
der Herren Missionre daselbst trauen lassen. Sein ltester Stiefsohn
ist der Held der beiden folgenden Begebenheiten. Vor zwei Jahren lag
Schmitt an der sdlichsten Klamaklenjana-Quelle mit der Absicht, hier
seinen Stiefsohn mit den Elephanten und ihrer Jagd vertraut zu machen.
Als man eines Morgens gefunden, da zahlreiche Elephanten eine der
Quellen whrend der Nacht besucht, machte er sich gegen Mittag von
seinem Sohne und dessen kleinem Leibdiener, einem Masarwa, begleitet auf
den Weg, um der Spur der Thiere zu folgen. Kaum eine Stunde weit vom
Wege entfernt, sah Schmitt, der beritten war, einen mchtigen mnnlichen
Elephanten Siesta halten. Das wohl kranke Thier war hinter seinen
Genossen zurckgeblieben. Schmitt wollte dem folgenden Knaben das Thier
nicht eher zeigen, als bis sie auf 50 Schritte nahegekommen waren,
worauf er sich mit ihnen dem Thiere behutsam und durch Bsche gedeckt
nherte, dann hie er sie nach der bekannten Weise das Thier kehren,
d. h. sie hatten vor das Thier zu laufen, es durch einen Schrei zu
wecken, und nach der Richtung, woher sie gekommen waren, oder nach einer
anderen Seite hin zur Flucht zu bringen. Von der Beschaffenheit des
Windes hngt es nun ab, auf welche Seite des flchtenden Elephanten sich
der Jger zu stellen hat. Als jedoch die Nimrod-Aspiranten das
Riesenthier erblickten, nahmen sie Reiaus. Schmitt wandte jedoch sein
Pferd und jagte ihnen nach, lste seine Nilpferdpeitsche vom Sattel
peitschte beide zu dem Elephanten, und befahl ihnen, aus einer
Entfernung von 30 Schritten auf den Elephanten zu feuern. Beide Kugeln
schlugen in die Fleischmasse der Schenkel ein. Der Jger befiehlt seinem
Gehilfen von Neuem zu laden, sprengt dann vor den Elephanten, der
aufstrzend mit dem Rssel, aus dem Winde die Stellung seiner Gegner zu
ergrnden sucht, um das Thier mit lautem Geschrei zu den Jgern zu
treiben, allein das verwundete Thier machte dem Jger einen Strich durch
die Rechnung, denn es kehrte sich, sowie es den Reiter erblickte, gegen
diesen und jagte ihm laut brllend, mit hochgehobenem Rssel nach. Der
alte Jger machte aber von seiner Flucht den besten Gebrauch, indem er
nach einem seiner kleinen Genossen zusprengte, um das Thier auf die
neuen Gegner aufmerksam zu machen. Obgleich der Elephant jetzt einen
anderen Anblick darbot als zur Zeit seines Schlummers, wichen doch die
kleinen Jger, denen vielleicht noch von der vorhergehenden Zchtigung
ein unangenehmes Gefhl zurckgeblieben war, nicht von ihrem Posten und
sandten ihre beiden vierlthigen Kugeln dem vorber trabenden Thiere in
das Ohr, so da sein Tod vor Ablauf von zwei Minuten erfolgte.

Ein Jahr vorher hatte Pit, der Stiefsohn Schmitts, mit seinem kleinen
Diener auf eigene Faust eine Elephantenkuh, einen Lwen, zwlf Giraffen,
sechs Straue, eine Sbel-Antilope geschossen und zahlreich waren seine
Opfer unter den Zebra's, Eland- und Kudu-Antilopen. Vor drei Jahren, als
noch Pit ein Junge von 11 Jahren war, jagte sein Stiefvater im Matabele-
und Maschona-Lande. Auf dem Heimwege begriffen, war er bis zu dem
Ramakhobanflusse gelangt, wo er einige Tage auszuruhen gedachte. Hier
ritt er mit seinem Sohne Pit aus, um frisches Fleisch fr die Seinigen
zu gewinnen. Eine Meile vom Wagen entfernt, wurden die Jger von einem
tiefen Brummen berrascht, welches aus einem Gebsche vor ihnen zu
kommen schien. Bevor sie sich noch genau berzeugen konnten, in welchem
Gebsche das ihnen dem Laute nach wohlbekannte Raubthier liege, strzte
dieses, eine ausgewachsene Lwin, mit fletschenden Zhnen auf die Jger
los. Vater, ruft Pit, soll ich zuerst feuern oder willst Du den
ersten Schu haben? Der alte Jger, dem das Benehmen des Raubthieres
ungewhnlich vorkam, und da es so zornig schien, es irgend verwundet
glaubte, behielt sich den letzten und entscheidenden Schu vor. Darauf
feuert Pit beide Schsse seines kleinen Doppelgewehres auf das Raubthier
ab, welches sich eben niedergelegt hatte, um auf seinen Vater den Sprung
zu wagen, beide Kugeln trafen das Thier, in den Schdel ber dem linken
Ohre eindringend, da es sofort zusammensank. Pit war, dem Befehle
seines Vaters Folge leistend, vom Pferde herabgestiegen, und hatte den
Zgel ber den linken Arm geworfen, in stehender Stellung gefeuert. Bei
der Untersuchung des Thieres fand sich, da die Lwin unter einen der
vergifteten Fall-Assagaie gerathen und am Rcken verwundet worden war.

Auer Schmitt befand sich noch ein Mann aus der Colonie an Henry's Pan,
der ebenfalls der Jagd halber hierher gezogen war und der an einem
Epitelialkrebs des Unterkiefers litt. Die beiden Familien der Lotriet,
die eine aus neun, die zweite aus drei Personen bestehend, waren
smmtlich am Fieber erkrankt. Zwei nothdrftig aus Zweigen und Gras
errichtete Htten, die weder gegen Regen, noch gegen die sengenden
Sonnenstrahlen hinreichenden Schutz boten, waren der Aufenthalt der
Armen. Hier lagen sie auf der Erde, hungernd und ohne jedwede Hilfe in
einem erbarmungswerthen Zustande. Sie beschuldigten einen Hndler, sie
in diese Gegenden und bis zum Zambesi gelockt und sich ihrer dann auf
schnde Weise entledigt zu haben. Als ich spter sechs andere
Elfenbeinhndler darber befragte, besttigten mir diese nicht allein,
was die beiden Lotriets freiwillig gebeichtet, sondern berichteten mir
so viel ber dieses Individuum, da ich mich aus verschiedenen Grnden,
namentlich aber, damit sich nicht Aehnliches wiederhole, genthigt sah,
die traurige Geschichte dieser Lotriets der Oeffentlichkeit zu
bergeben. Ich that dies in den Diamond News unter dem Titel ^Dark
Deeds^ und behalte mir weitere hnliche Verffentlichungen fr spter
vor.

Die meisten der kranken Lotriets schwebten in Lebensgefahr, sie trugen
nur zu deutlich an ihrem Krper die Spuren des Fiebers zur Schau und es
fehlte ihnen nicht allein an Kleidungsstcken, sondern auch an den
nthigen Heilmitteln. Ich verabreichte ihnen diese, und erhielt von dem
einen der Lotriets einen acht Pfund schweren Elephantenzahn dafr,
dessen Werth jenem des verabreichten Chinins annhernd gleichkam. Drei
Tage zuvor hatten die Leute fr etwa sechs Unzen Ricinusl (^Castor
oil^) eine gleiche Entschdigung zahlen mssen.

[Illustration: Ein muthiges Weib.]

Auf einem in die Nhe unternommenen Ausfluge hatte ich die Gelegenheit,
Kudu-Antilopen in der Nhe beobachten zu knnen, leider hatte ich mich
dabei in dem endlosen Walde verirrt, mit Hilfe der Sonne jedoch spt
Nachmittags den Lagerplatz wiedergefunden. Auf einem anderen Ausfluge
kam ich zu zahlreichen von einer Elephantenheerde gegrabenen Lchern.
Sie waren meist kreisrund und hatten einen Durchmesser von 4 bis 6 Fu
und waren etwa 1 bis 1 Fu tief; hat der Elephant mit dem Tastorgan
seines Rssels die von ihm namentlich gesuchten Wurzeln und Knollen
gefunden, so lt er sich auf die Knie nieder, um die beliebte Nahrung
mit den Stozhnen herauszugraben. Da jedoch die gesuchtesten solcher
Pflanzen zumeist am Abhange von Felsenhgeln an und zwischen dem Gestein
sich finden, zeigen die sich in diesen Gegenden aufhaltenden Elephanten
an den Spitzen stark abgeschliffene Hauer; daher rhrt auch die
Ungleichheit der Elephantenzhne rcksichtlich ihrer Schwere welche
Gewichts-Differenz oft vier Pfund erreicht.

Mein ber die Makalaka's geflltes Urtheil fand ich hier wieder durch
einige Berichte besttigt. Ich will vorlufig einen derselben im
Folgenden mittheilen. In der Abwesenheit ihres Gemahls hatten es zweimal
Makalakadiener versucht, Frau Schmitt die Gewehre aus dem Wagen zu
stehlen; in dem einen Falle hatte es das Weib des Jgers verhindert, in
dem zweiten kam sie zu spt und hatte nur noch das Nachsehen; da sie
jedoch um jeden Preis die beiden gestohlenen Gewehre wieder bekommen
wollte, ergriff sie den im Wagen verborgen gewesenen Hinterlader ihres
Mannes und erffnete vom Bocke aus Feuer auf die flchtigen Diebe,
welche dasselbe mit ihren Musketen erwiderten, ohne jedoch die Frau zu
verwunden.

Nur noch eine Reminiscenz aus dem Leben dieser einfachen Hollnderin sei
hier erzhlt, bevor wir von Henry's Pan scheiden. Vor vier Jahren, als
sie noch an Mynheer van de Berg verheiratet war und mit ihm im
wildreichen, allein ungesunden Maschonalande der Elephantenjagd halber
verweilte, erkrankte er an demselben Fieber, wie jene, die ich an dem
Gewsser getroffen. Drei Monate lag dieser schon darnieder; als sich
keine Aussicht auf Besserung zeigte, lud sie ihn auf den Wagen, ergriff
die Peitsche und trieb das lange Ochsengespann nach dem entfernten
Matabelekraal, in welchem sich der Missionr Thompson aufhielt, um von
diesem Hilfe zu erflehen. Doch schon drei Tage spter starb ihr Mann,
die Hilfe war zu spt gekommen. Im selben Jahre verehelichte sie sich
mit Schmitt, der vor sieben Jahren am Ramakhoban-River seine erste
Gemahlin an derselben Krankheit verloren hatte.

Am 23. scho Schmitt im Walde einen Elandstier und zeigte mir den
Talgsack, in dem sich das Herz befand; dieses Talgstck wog 29 Pfund.
Als ich mich darber wunderte, antwortete man mir, da das durchaus
nicht eines der schwersten sei; dieses Elandtalg hlt in Bezug auf seine
Qualitt die Mitte zwischen Fett und Rindstalg. Ich suchte die beiden
Lotriets von der Jagd abzuhalten, da sie fieberkrank waren, doch erhielt
ich von beiden die leider nur zu begrndete Antwort. Herr, unsere
Familien knnen doch nicht Hungers sterben. Auch die beiden Lotriets
vermehrten die Sammlung meiner Erzhlungen von Lwenjagden durch einige
interessante Episoden aus ihren vieljhrigen Jagden im Bamangwato- und
Matabele-Lande.

Zu meiner Genugthuung nahm ich bei allen den Kranken, mit Ausnahme
jenes, der an Carcinoma litt, am 25. eine Besserung ihres Zustandes
wahr, besonders an jenen, welche in Lebensgefahr schwebten; sie waren
smmtlich derselben entrckt. Der eine der beiden Lotriets beschrieb mir
eine Stelle, an welcher beinahe tglich vier Straue, darunter zwei
Hhne, zu finden waren, ihnen selbst einige Stunden aufzulauern, hatten
weder er noch sein Bruder die nthige Kraft, und da er sich besser
fhlte, wollte er mir seine Erkenntlichkeit in der Weise an den Tag
legen, da er mir die Jagdbeute verschaffen wollte; aus den bereits
entwickelten Grnden konnte ich jedoch sein Anerbieten nicht annehmen.

In der Nacht vom 24. auf den 25. hatte ein Lwe auf die etwa eine Stunde
weit entfernte Umzunung, in welcher die Lotriets ihre Zugthiere
hielten, einen Angriff gemacht, als der durch den Lwen in der Umzunung
wachgewordene Diener mit einem Feuerbrande aus seiner Grashtte
heraussprang und den Lwen in die Flucht schlug.

Am 26. verlie ich Nachmittags Henry's Pan und zog weiter in forcirten
Tagemrschen nordwrts, um eine wasserlose Strecke mglichst bald
berwunden zu haben. In der einfrmigen Gegend -- der Weg fhrte mehrere
Tage durch tiefsandigen Wald -- fiel uns ein Baobab auf, welcher
unmittelbar ber der Erde 98 Fu 10 Zoll im Umfange hatte. Minder arm
und eintnig als die Gegend war die Vogelwelt auf dieser Strecke: unter
den Raubvgeln fielen mir namentlich die ziemlich hufig sichtbaren
Buteo's auf, unter den Nachtraubvgeln fand ich Zwergeulen, unter den
Singvgeln waren zwei Pyrolarten und Fliegenschnapper bemerkenswerth,
die Mnnchen der letzteren waren durch einen langen Schweif
ausgezeichnet, auch berraschte mich die groe Zahl der kleineren
Snger, ich traf hier mehr derselben an, als an manchen anderen Orten
mit mannigfacher und ppiger Vegetation. Am zahlreichsten von allen
waren jedoch die Wrger vertreten, namentlich auffallend war eine groe
Species mit prachtvoll rothem Unterleib und Kehle, welche sich die
niederen und dichtesten Gebsche zum Aufenthalte gewhlt.
Gelbgeschnbelte Tukane waren nicht selten zu erblicken, in groer Menge
wieder die kleineren, langschwnzigen Wittwenarten, sowie die
wiedehopfartigen und Bienenfresser. Meine Sammlungen wurden auch durch
zahlreiche Pflanzen, besonders Samenarten und Frchte, Holzschwmme etc.
vermehrt.

Am 30., nachdem wir den betrchtlichen Aufstieg auf das waldige Plateau
bewltigt, gelangten wir auf eine hochbegraste, nach zwei Seiten von
Wldern umsumte Ebene. Dieser Abhang des Plateaus zeichnete sich durch
einige bisher von mir nicht beobachtete Thier- und Pflanzenspecies
tropischen Charakters aus. Manche der Leguminosen (Bume) fielen mir
durch das eigentmliche Entleeren ihres Samens auf. In Folge der
Sonnenhitze barsten die Samenschoten mit einem lauten Gerusche, wobei
die Samen herumgestreut wurden. Tausende von kleinen Bienchen schwrmten
in der Luft, verkrochen sich in die Haare, Kleider und belstigten
Augen, Ohren und Nase. Seitdem wir den Nata-River verlassen hatten,
waren wir langsam hher und hher gestiegen, nun schien es mir, da wir
den Culminationspunkt des Plateau's erreicht hatten. Am Nachmittage
fuhren wir zum ersten Male nach lngerer Zeit an einigen unbedeutenden,
Melaphyr und Quarzit aufweisenden, niederen Hhen entlang, an welchen
sich namentlich der Baobab bemerkbar machte, die brigen Bume und
Strucher aber, wahrscheinlich ob des steinigen Bodens mehr oder weniger
verkrppelt erschienen. Am Abend langte ich endlich an dem lngst
ersehnten ersten Zuflusse des Zambesi an; es war nur ein Bchlein,
welches nahe an unserem Lagerplatze seinen Ursprung nahm, doch bildete
es stellenweise tiefe Tmpel, denen man, so verlockend sie auch zum Bade
einluden, nicht trauen durfte, da sich in ihnen oft Krokodile aufhalten.
Das Gras an den Lichtungen ringsum und in den Thlern war
niedergebrannt, stellenweise brannten noch die Bsche, die
wahrscheinlich durch Strauenjger in Brand gesetzt worden waren, um
rasch das frische Gras zum Keimen zu bringen und damit die Straue an
diese Orte zu fesseln. Von dem Deikha-Flchen ab, mehrere Thler, deren
Regenabflsse nach den letzteren zufhrten, sowie bewaldete Sand- und
Felsenhgel am 31. berschreitend, gelangte ich am Abend in das obere
Thal des Panda ma Tenka-Flchens, das eine Strecke lang nach Norden und
spter nach Nordwest flo, und nachdem es zahlreiche Regenzuflsse,
sowie Spruits und stets flieende Berggewsser aufgenommen, unterhalb
der Victoriaflle in den Zambesi mndet. Ich fand am linken Abhange zum
Flusse mehrere Wgen vor, denn die ebenerwhnte Stelle bildet, seitdem
englische Hndler mit den Zambesivlkern in Verkehr zu treten begonnen
haben, das Rendezvous derselben und ebenso der Elephantenjger. Hier
hatte der Zambesihndler Westbeech eine Handelsstation errichtet, welche
aus einem umzunten, eine Htte und ein viereckiges Lagerhuschen
enthaltenden Gehfte bestand. Einige Zeit im Jahre verweilte der Hndler
selbst hier, in seiner Abwesenheit versahen seine Geschftsfhrer
Blockley und Bradshaw die Geschfte. Kam er vom Sden mit neuen Waaren
hieher, nachdem er Elfenbein nach den Diamantenfeldern gefhrt, so trat
er von hier aus seine Handelszge nach Schescheke und den Zambesi
abwrts an.

[Illustration: Unterricht im Elephantenjagen.]

Ich traf in der Handelsstation Herrn Blockley an und in den Wgen Herrn
Anderson, dessen ich schon erwhnt und der sich auch diesmal sehr
freundlich zeigte. Als ich mich darber wunderte, da man hier so hohe
Umzunungen um die Wgen errichtet hatte, antwortete man mir: Ja, aber
die Lwen laufen auch hier wie die Hunde herum. Der Weg war
thatschlich mit frischen Lwenspuren bedeckt. Die Lwenabenteuer,
welche sich in der letzten Zeit in der unmittelbarsten Nhe der Station
zugetragen, bilden einige der interessantesten, die ich meinen
Tagebchern einverleiben konnte. Ich will dem Leser eines derselben hier
anfhren und zwar jenes, bei welchen die schon an Henry's Pan erwhnten
Lotriets und zwar der rmere der beiden Brder und dessen zahlreiche
Familie argen Schaden erlitten.

Am linken Ufer des Flchens, d. h. an dem zum wiesigen Thale
herabfhrenden Waldabhange, einige hundert Schritte oberhalb der
Handelsstation, standen im Mai 1875 fnf Wgen und ein zweirdriger
Karren. Um die Zeit als sich dieses Abenteuer zutrug, waren die Besitzer
der Wgen mit Ausnahme des A. Lotriet, der sich auf die Elephantenjagd
begeben, anwesend. Obgleich man tglich Lwen in unmittelbarer Nhe oder
auch weiter ab brllen hrte, hatte sich doch keines der Raubthiere noch
zu einem Angriff auf Menschen und Hausthiere erkhnt und dadurch die
Lagerinsassen in vieler Hinsicht sorglos gemacht, wofr die uerst
primitive Umzunung des Lagers sprach.

Auch der 15. Mai verlief ruhig und die ihm folgende Nacht schien den
Bewohnern des Thales umsoweniger gefahrdrohend zu werden, als der Mond
sein silbernes Licht so hell ber Berg und Thal ergo, da sich die
Objecte deutlich und in groer Ferne abhoben. Trotzdem unterlieen es
die Matabele-Diener auch in dieser Nacht nicht, wie sie es in dunklen
Nchten zu thun gewohnt waren, zwei mchtige Feuer zu beiden Seiten
ihrer Htten anzuznden. Die Weien hielten nur ihre Bedrfnisse in den
Wgen, sie selbst, mit Ausnahme Y.'s, schliefen in den Grashtten
nebenan. In der Lotriet'schen Htte hatten sich die kleineren Kinder
bereits zur Ruhe gelegt, nur die Mutter und die lteste Tochter waren
noch wach, sie saen an der niedrigen Thrffnung und blickten durch
dieselbe in die mondscheinhelle Nacht hinaus. Da schien es der Frau, als
ob sie auf einer der freien Stellen vor der Htte einen dunklen
Gegenstand sich bewegen gesehen htte. Um besser sehen zu knnen, kroch
die Beobachterin aus der Htte und sah schrfer nach dem Gegenstande.
Auch die Tochter lugte aus dem Innern hervor, doch beide konnten den
sich nhernden Gegenstand nicht erkennen, nicht eher, als bis er auf
eine grere, grell beschienene Lichtung herausgetreten war und sich nun
beiden als ein Lwe erkennbar machte. Mit einem Schrei strzte die
Mutter nach dem Wagen zu und suchte in diesem Zuflucht, whrend die
Tochter eine Matte gegen die Thrffnung der Htte prete, um sie zu
verschlieen. In ihrer Angst verga die Frau alle Rettungsmaregeln,
unterlie es, die Matabele-Diener herbeizurufen, welche mit Feuerbrnden
den Lwen verscheuchen und das am Wagen angekoppelte Pferd retten
konnten. Kaum war die Frau in denselben gelangt, so fhlte sie einen
heftigen Ruck am Wagen, dem ein lautes Fauchen und ein zweiter Ruck
folgte, mit dem sich, nach dem Hufschlag zu urtheilen, das Pferd von dem
Wagen losgerissen zu haben schien. Die Frau sphte nun aus, und sah, wie
sich das Pferd mit dem Lwen am Rcken weiter zu schleppen suchte. Nun
schrie die Frau um Hilfe, als jedoch die muthigen Matabele aus ihrer
Htte hervorstrzten und zu den Brnden griffen, war das Pferd schon
niedergestrzt. Der Lwe hatte es durch wiederholte Bisse in den Nacken
getdtet. Bei dem Geschrei der Frau hatten auch alle ihre Kinder wie Mr.
M. Schutz in den Wgen gesucht. Fr Mr. Y. wre es eine Kleinigkeit
gewesen, von seinem Wagen aus die ihm zur Verfgung stehenden
Hinterlader auf das Raubthier abzufeuern, doch er konnte sich nicht zu
einer solchen Heldenthat ermannen und berlie es den unbewaffneten
Matabele, mit dem Thiere fertig zu werden. Den Muthigen war das Glck
hold und da einige ihrer Wurfgeschosse gut trafen, jagten sie das Thier
in die Flucht.

[Illustration: Nchtlicher Ueberfall durch einen Lwen.]

Man wute mir nicht zu sagen, warum am folgenden Tage der Cadaver des
Pferdes nicht entfernt worden war, er blieb liegen und am nchsten Abend
wiederholte der Lwe seinen Besuch, um sich an dem Raube gtlich zu
thun. Doch diesmal machte er schon vorhinein durch anhaltendes Gebrlle
die Bewohner der drei Wgen auf seine Ankunft aufmerksam und da war der
vorsichtige Mr. Y. der erste, welcher auf Rettung dachte. Der Ansicht,
da weder die Wgen, noch die Grashtte ihre Insassen vor den Klauen des
Lwen schtzen knnen, lie er sich von seinen Matabele-Dienern einen
Assagai reichen und sich in den nahen Mapanibaum emporheben, der sich
ber den Htten seiner Diener erhob. Die brigen Weien suchten Schutz
in ihren Wgen, whrend die Diener den Lwen abermals durch Feuerbrnde
zu verscheuchen suchten. Doch gelang es ihnen diesmal nicht, das
Raubthier blieb, es hatte sich an die brennenden Wurfgeschosse gewhnt,
ja es sprang nach ihnen und die Schwarzen hatten keine Zeit, die
Assagaien aus ihren Htten zu holen, sondern nahmen eiligst Zuflucht
hinter den Wgen ihrer Herren. Ihnen folgend passirte der Lwe den
Mapanibaum, auf dem Y. thronte und der selig in dem Gedanken, da der
Lwe von seiner Anwesenheit keine Ahnung hatte, sich auch muschenstille
verhielt. Nun feuerte Frau Lotriet ein Gewehr ab, das sie sich im Wagen
zurechtgestellt und blind geladen hatte, um das Thier zu schrecken und
es von jeden weiteren Angriffen auf die Htten und Wgen abzubringen.
Knurrend und sich nach seinen Feinden umblickend, zog sich der Angreifer
zurck, was die Matabele wieder bewog, sofort aus ihrem Verstecke hervor
nach den Feuern zu strzen und Feuerbrnde zu ergreifen.

Der unter lautem Geschrei unternommene Angriff hatte auch Erfolg, einige
brennende Wurfgeschosse trafen den Lwen so gut, da er aufsprang und
verschwand, Arnold Lotriet fhlte sich sehr niederschlagen, als er von
dem Verluste hrte, denn ein Pferd, das bereits die endemische Pneumonie
berstanden, ist in allen tsetsefreien Gegenden ein wahrer Talisman.

Unter den sdafrikanischen Lwen unterscheide ich drei Species, den
gewhnlichen vollmhnigen, wie wir ihn in der Berberei treffen, den
mhnenlosen und den von den Hollndern Krachtmanetje genannten, der sich
durch ein kurzhaariges lichtes Fell, doch hauptschlich durch eine kurze
und nie ber die Schulter reichende Mhne auszeichnet. Den
Bondpoote-Lwen der Hollnder habe ich als selbstndige Species
ausgegeben, da es sich ergab, da vollmhnige Lwen in ihrer Jugend
ebenso braun und schwrzlich gescheckt sind. Ich habe dies an einem
Thiere, das ich mir hielt, beobachtet -- so wie sich in den ersten zwei
Jahren die schwarzen Flecken mehren, so verschwinden sie mit dem
zunehmenden Alter des Thieres.

Die in Nord-Afrika lebenden gemeinen vollmhnigen Lwen sind in
Sd-Afrika die seltensten, man findet sie nur hie und da zerstreut vor.
Die mhnenlosen waren frher hufig am Molapo, jetzt findet man noch
welche im Thale des zentralen Zambesi und des unteren Tschobe. Ich
beobachtete, da ihr Fell auffallend licht gefrbt ist. Die
gewhnlichste Art ist die bis zur Schulter bemhnte, in manchen Gegenden
findet man eben nur diese vor, sie ist eine der hufigsten und bewohnt
das Thal des Limpopo von der Mndung des Notuany abwrts, und sind ihre
Vertreter im Alter von zwei bis vier Jahren besonders verwegen und
gefhrlich.

Im Allgemeinen ist der sdafrikanische Lwe ein uerst kluges und
berechnendes Thier, er denkt viel. Den ihm gegenber stehenden Feind,
mag nun der Lwe der Angreifer oder der Angegriffene sein, sucht er zu
beurtheilen und da wo er denselben berlegen findet, wird ihn selbst
eine wiederholte Verwundung nicht zum Angriffe verleiten. Im Allgemeinen
sucht er zu imponiren, zu schrecken, um sich seiner Beute leichter zu
vergewissern. Einmal geschieht dies durch sein Brllen, das andere Mal
dadurch, da er den Kopf hochgehoben langsam einherschreitend die Zhne
fletscht, ein drittes Mal wieder, da er in groen Stzen
herangesprungen kommt, oder auch, da er im scharfen Trab sich nhert
und dabei ruhig brummt. Da er die ganze Zeit hindurch, mge er in dieser
oder in jener Weise seine Schreckmethode in Ausfhrung bringen, seinen
Gegner stets scharf im Auge behlt, entgeht ihm auch die leiseste
Bewegung nicht; die ihm gegenber beobachtete Bewegungslosigkeit ist das
Beste, was man in einem solchen Augenblicke thun kann. Whrend eine
Bewegung mit der Hand oder irgend welche andere den Lwen im Allgemeinen
nicht herausfordert, so kann es doch geschehen, da junge Lwen durch
diese Bewegung gereizt werden und zum Angriff bergehen. Doch gibt es
Umstnde, wenn sie auch selten sind, bei welchen alte und erfahrene
Lwen, die einen ihnen gewachsenen Gegner zu wrdigen wissen,
ohneweiters zum Angriffe bergehen. Solch' einem Angriffe jedoch kann
der Mensch leichter begegnen, da er in der Regel weniger vorsichtig und
berechnet ist. Wir finden diese Angriffsweise bei Lwinnen, welche ihre
Jungen bewachen, bei Thieren, welche lange gehungert haben und endlich
bei solchen, die auf einer Hetzjagd oder von einer greren
Menschenmenge verfolgt werden. Sehr wichtig fr den Menschen bleibt es
immer, da er den Lwen zuerst erblickt und beobachten kann; fr den
Neuling, da er sich dabei an seinen Anblick gewhnt, wenn dies auch nur
einige Minuten whrt, bevor der Kampf oder die gegenseitige Vorstellung
beginnt. Selbst fr einen erfahrenen Jger wird es oft unangenehm, wenn
sich Mensch und Thier zugleich erblicken, dann wird es oft schwierig,
dem Lwen und seiner Taktik erfolgreich zu begegnen, d. h. ihm im selben
und weiteren Momente zu imponiren suchen, wenn der Jger nicht schon
zuvor in der Lage war und die Gelegenheit ersah, dem Lwen eine tdtlich
verletzende Kugel zuzusenden. Der schlimmste Fall fr den Menschen ist
jedoch jener, bei welchem der arme Kfersucher oder der Bewunderer der
schnblthigen Liliaceen im Eifer sich in seinem Lieblingsstudium ergeht
und lngere Zeit hindurch von dem Raubthiere beobachtet ist, dieses
pltzlich hinter ihm aufbrllt und im selben Momente vielleicht sich zum
Sprunge anschickt. Whrend es, wenn auch seltene Flle gibt, in denen
Eingeborne beim Feuer oder unter anderen Verhltnissen von Lwen
berrascht, mit heiler Haut davon kommen, ist kein Fall bekannt, in dem
ein einzelner Mensch, der vor einem Lwen die Flucht ergriffen, nicht
von diesem niedergeworfen worden wre.

Lwen, die an das Aufblitzen und den Knall des Schusses gewhnt sind,
die hufig gejagt wurden und in deren Gebiete nur wenig Wild, oder nur
solches vorhanden ist, dessen sie nicht habhaft werden knnen, sind
stets muthiger und gefhrlicher als jene, welche in wildreichen Gegenden
wohnen und selten einen Menschen zu Gesicht bekommen. So sind in
Sd-Afrika die Lwen am Maretsane- und Setlagole-Flusse berchtigt und
auch jene im Matabele-Lande verwegene Thiere. Kein Raubthier, mit
Ausnahme des Fuchses, benimmt sich so listig wie der Lwe, wenn er sich
einer schwer erreichbaren Beute bemchtigen will und entwickelt eine um
so grere Schlauheit, in je grerer Zahl er seiner Beute nachsprt.
Die Thiere versuchen sich in Treibjagden, doch theilen sie sich oft in
der Verfolgung, indem ein Theil das Wild, auf das sie ihr Augenmerk
gerichtet haben, beschleicht und nachdem ihm dieses gelungen, sich dem
Wilde zeigt, um dieses nach der entgegengesetzten Seite zu scheuchen, in
welcher der andere Theil im Hinterhalte auf dem Anstande liegt. Diese
Verfolgungsmethode beobachten sie namentlich bei Thieren, welche sich
durch rasche Flucht der ihnen drohenden Gefahr leicht entziehen knnen,
ferner bei solchen, welche hoch ber das Gras blicken und so den
heranschleichenden Ruber, wenn er nher herangekommen, bemerken knnen,
ferner auch bei solchen, deren Fleisch von ihnen besonders gesucht und
jedem anderen vorgezogen wird. Zu diesem Wilde gehren in erster Reihe
Pferde, Zebra, berhaupt Einhufer und Giraffen.

Kurz nach meiner ersten Ankunft in Panda ma Tenka in einem der kleinen
Seitenthler, deren ich auf meiner Fahrt nach der Gaschumaebene gedenken
werde, wurden zwei Zebra's in der letztgenannten Weise getdtet. Eine
Zebratruppe graste in dem Thale, mehrere Lwen kamen das Thal
heruntergelaufen. Nachdem sie eine Zeit lang den Pferden ihre
Aufmerksamkeit geschenkt, verlieen zwei ihre Genossen und liefen dem
linken bewaldeten, das Thal begleitenden Hhenabhang entlang nach
abwrts. Die brigen hockten sich an der Stelle nieder, an welcher sie
zuerst die Zebra's erblickt hatten; die beiden ersten, die Antreiber,
berholten das im Thale grasende Wild und schlichen sich, als sie etwa
200 Schritte unterhalb desselben gelangt waren, von der Hhe in's Thal
hinab. Doch dadurch kamen sie unter den Wind und die Zebra's wurden auf
sie aufmerksam, bevor sie noch nahe gekommen waren. Die letzteren zogen,
sich hufig thalabwrts umsehend, im Schritt thalaufwrts. Die beiden
ihnen folgenden Lwen hoben zeitweilig ihre Kpfe ber das Gras, was,
nachdem sie dies mehrmals wiederholt hatten, die Zebra's zur schleunigen
Flucht veranlate. So liefen die nichts ahnenden Thiere, die bewaldeten
Erhebungen zur Rechten und Linken fr gefhrlich haltend, ber die
wiesige Thalsohle frmlich in den Rachen der Lwen. Diese hart an den
Boden geschmiegt, holten zum todtbringenden Sprunge aus, als eben die
Zebra's an ihnen vorbei galoppirten. Zwei wurden das Opfer der Ruber,
d. h. zwei der Lwen saen im Sattel, und whrend der Rest der Zebra's
nach rechts und links auseinander stob und sich erst weiter oben im
Thale vereinigte, um die Flucht fortzusetzen, widerhallte das Thal von
dem Gebrlle der siegreichen Lwen. Als noch die Ebenen zwischen dem
Hart-River und Molapo an Strauen reich waren, verloren die daselbst mit
zahlreichen Pferden jagenden Jger so manches derselben, ohne da sie
die Ruber je zchtigen konnten. Trotzdem da die Pferde in der Nhe der
Wgen gehalten wurden, wuten die Lwen in der Regel ihren Angriff zu
einer solchen Zeit zu unternehmen, um welche an denselben tiefe Stille
und Ruhe herrschte. Whrend mehrere Lwen sich im Umkreise von zwei bis
drei englische Meilen in's Gras niederduckten, machte sich einer daran,
seinen Genossen die Pferde zuzujagen; nur selten geschah es, da er bei
dieser Gelegenheit von den Hunden am Wagen ausgewittert, es mit dem
Leben bte, in der Regel kam er unbehelligt mit seiner Beute davon. Das
Thier schlich sich flach auf der Erde wie ein Reptil dahinkriechend, bis
in die unmittelbare Nhe des Wagens, zwischen eines der Pferde und den
Wagen, oder zwischen zwei Pferde, um auf diese Weise das eine Pferd
durch sein Erscheinen aufzuscheuchen. Das erschreckte Pferd zog sich in
den meisten Fllen nach der dem Lwen entgegengesetzten Seite zurck und
dies war eben die Richtung, in welcher die Raubgenossen auf dem Anstande
lagen. Diese Art des Angriffes ist die gewhnlichere, wo das Terrain
eine mit zwei bis drei Fu hohem Gras bedeckte Ebene ist. Ich schliee
vorlufig diese Charakterskizze des Lwen und werde spter noch
Gelegenheit finden, die Angriffsweise des Lwen auf die einzelnen
Wildarten zu schildern.

Am Abend des Tages nach meiner Ankunft im Panda ma Tenka-Thale war ich
mit Anderson zu Blockley zum Nachtimbi geladen, da gab es Suppe aus
Bffelfleisch und marinirte Stockfische, von Morton & Co. aus London
prparirt. Von Blockley erfuhr ich, da Westbeech schon vor neun Monaten
die durch Rev. Mackenzie an ihn gesandte Nachricht von meiner Ankunft an
Sepopo berbracht hatte und da dieser mir die Erlaubni willig ertheilt
hatte, ihn besuchen zu drfen, zu welcher der Knig die Worte
hinzufgte, er hre gern, da ich auf dieser meiner Reise seinen
Elephanten nichts Uebles anthun wolle und selbst auch im gegentheiligen
Falle ich ebenso willkommen als Monary sei. Unter dem Namen Monary aber
ist im Marutse-Reiche Livingstone gekannt. Blockley hatte nicht allein
in des Knigs Residenz viele Monate zugebracht, sondern auch gleich
Westbeech auf des Knigs Einladung diesen in seinem Mutterlande, der
Barotse, aufgesucht und ihm bei dieser Gelegenheit unter den grten
Schwierigkeiten einen Wagen bis nach der Barotse gebracht.

Ich zog spter in Gesellschaft Blockley's nach Schescheke und habe
auerdem lngere Zeit in seiner Nhe zugebracht, sein Betragen mir
gegenber war jederzeit ein so freundliches, da ich mich seiner nur mit
dem Gefhle der tiefsten Dankbarkeit erinnere. In Panda ma Tenka traf
ich auch eine Anzahl von Bakwena's, gefhrt von einem kniglichen
Prinzen, welche Sepopo besuchen wollten; sie berbrachten ihm eine alte
Mhre als Geschenk Seschele's. Die Abgesandten Seschele's erkannten mich
sofort, ich aber nicht sie.

Da Herr Blockley schon am 2. zu Sepopo abreisen wollte, entschlo ich
mich, ihn zu begleiten. Meinen Wagen wollte ich unter der Obhut Th.'s in
Panda ma Tenka zurcklassen und Meriko sollte bis zu meiner Rckkunft
die Ochsen hten. Pit entschlo ich mich als einzigen Diener mit hinber
zu nehmen. Da die Zugthiere hier einen guten Preis hatten verkaufte ich
drei der meinen, um mir Elfenbein an Stelle des zu Ende gegangenen
Baargeldes zu verschaffen und war entschlossen, den Rest nur dann zu
verkaufen, wenn mir von Sepopo selbst die Erlaubni, die
Nord-Zambesi-Gebiete durchforschen zu knnen, gegeben werden sollte. Ich
verkaufte auch einen meiner Hinterlader an Herrn Blockley und erzielte
einen guten Erls, den ich zum Ankaufe von Thee, Kaffee, Zucker etc.
verwendete.[7] Westbeech hatte bereits vor vier Jahren den Handel mit
Sepopo erffnet, seiner Frsprache bei dem Knige hatten alle brigen
Hndler es zu verdanken, wenn ihnen das Marutsereich offen stand, ihm
selbst kam es vor Allem zu statten, da er drei Eingebornen-Sprachen,
und zwar das Sesuto, Setebele und Setschuana flieend sprach.

Am 2. August wollte ich Panda und Tenka verlassen, um mich mit Blockley
nach dem Tschobe und zu Sepopo zu begeben, als zwei Manansa, deren ich
noch bei der Beschreibung der Victoriaflle gedenken will, ankamen und
meldeten, da eine Truppe ihres Stammes mit Elfenbein herankme.
Blockley verschob auf diese Nachricht hin seine Abreise. Er hatte die
Manansa mit Gewehren versehen, und nun theilten sie die Jagdbeute mit
ihm, indem jeder der Eingebornen einen Zahn von jedem getdteten
Dickhuter in Anspruch nahm. Diese Theilung der Beute whrte so lange,
bis sich der Manansa so viel erworben, da er sich ein Gewehr und
Schiepulver kaufen konnte, worauf ihm dann der ganze Erls zufiel, fr
welche er dann Kleidungsstcke, Messingdraht, Decken u. s. w. erstand.
In dieser Weise hatten auch Halbcastmnner aus der Colonie, welche mit
den Hndlern als Wagentreiber in die Zambesi-Gegenden gekommen waren, so
viel erworben, da sie Wagen und Ochsen erstanden.

Trotz der Ausbreitung des Elfenbeinhandels und des Umstandes, da
hierbei Tausende und Tausende von Elfenbeinzhnen jahrelang durch die
Hnde der weien Hndler gingen, brachte derselbe diesen keinen
materiellen Gewinn. Vor 20 Jahren, als noch sdlich vom Zambesi
Elephanten und Straue sehr zahlreich waren, gab es nur wenige Jger,
denen es vortrefflich gut ging, deren Gewinn lockte von Jahr zu Jahr
immer neue herbei, bis sich ihre Zahl um das vierzigfache gesteigert
hatte und deren Erwerb eben so rasch als die Zahl der werthvollen Thiere
abnehmen mute. Was bei dem Walfischfang in den europischen Nordmeeren
zu Tage trat, d. i. dessen allmlige Erschpfung, war auch bei dem
Handel mit Elfenbein zu befrchten. Der Anbau von Weizen, Zucker,
Baumwolle und Reis mu an die Stelle der Jagd treten, und nur der Handel
mit den Ertrgnissen des Ackerbaues wird von Jahr zu Jahr blhender sich
gestalten knnen. Das Verbot der Betschuana-Knige, in ihren Gebieten
Elephanten zu jagen, die Maregeln, die der Knig der Matabele, La
Bengula, in dieser Beziehung dictirte, hauptschlich aber das Verbot der
Waffenausfuhr nach Norden aus den sdafrikanischen Colonien werden
allmlig diese Wandlung anbahnen.

[Funote 7: Ein Pfund Thee kam hier auf 12, ein Pfund Kaffee auf 4, 1
Pfund Zucker auf 4 Shillinge zu stehen.]

Am 3. September machten wir uns endlich auf den Weg. Blockley hatte
einen Wagen mitgenommen, welcher die fr Sepopo bestimmten Handelsgter
fhrte, derselbe sollte neun Meilen sdlich von der Mndung des Tschobe
in den Zambesi zurckgelassen werden, und die Waaren dann mittelst
Trger bis an den Tschobe und den Zambesi fortgeschafft, um weiterhin
mittelst Khnen den Zambesi aufwrts nach der neuen Residenz des
Marutse-Mambundaknigs befrdert zu werden.

Wir passirten auf den ersten Meilen unserer Fahrt ein interessantes
hgeliges Terrain, welches von zahlreichen nach Nordost und Ost in das
Panda ma Tenka-Flchen flieenden Bchen und Spruits durchzogen war;
die deren Thler trennenden Hgel waren steinig und in der Regel
stellenweise auch dicht mit Bumen bestanden. Eine markante Stelle auf
dieser Strecke bildete ein mchtiger ber eines dieser Flchen sich
erhebender Baobab, dessen Umgebung durch den Aufenthalt eines dunkel
bemhnten, mchtigen Lwen, welcher den Jgern und Hndlern schon viel
Schaden angerichtet hatte, berchtigt war.

Abends machten wir Halt, da eine bewaldete Bodenerhebung von West nach
Ost vor uns hinzog, welche der Tsetsefliege zum Aufenthalte diente und
der Zugthiere halber nur bei Nacht passirt werden konnte. Wir trafen an
unserer Lagerstelle einen Halbeastjger, der etwa 20 Meilen weiter
Straue gejagt hatte, und nach Panda ma Tenka zurckzukehren im Begriffe
war, um von Blockley einige Waaren zu kaufen. Blockley und Africa, so
hie der Mann, verlieen mich nun; ersterer hatte jedoch seinen Dienern
den Auftrag gegeben, mit dem Wagen noch 30 Meilen weit die Reise
fortzusetzen und dann auf ihn zu warten, er wollte so rasch als mglich
nachkommen, um mit mir weiter zu reisen. Africa war mit einigen Leuten
Sepopo's am sdlichen Tschobe-Ufer zusammengekommen, und diese hatten
ihm die Nachricht berbracht, da Knig Sepopo in Folge der schlechten
Auffhrung des Bakwena-Prinzen an seinem Hofe sehr erbittert sei.

Schon whrend der Fahrt hatte uns das Gebrlle eines Lwen begleitet,
whrend der Rast kam es derart nahe, da wir uns schubereit halten und
mchtige Feuer anznden muten. Die Nacht wurde so dunkel, da wir kaum
auf zehn Schritte vor uns sehen konnten. Wir passirten nach zwei Uhr den
Tsetsewald und erreichten am folgenden Morgen eine rings vom Walde
umsumte Grasebene, Gaschuma genannt. Sie zeigte zahlreiche, ziemlich
tiefe, von Wassergeflgel bewohnte Lachen, ich passirte sie spter noch
dreimal und jedesmal fand ich zahlreiches Wild an derselben. Diesmal
waren es Zebra's, Zulu-Hartebeeste und Harrisbcke. Zum ersten Male
beobachtete ich auch hier die Orbecki-Gazellen.

Am Morgen fuhren wir weiter und ber eine zweite Ebene, beide aus dem
schnsten Humusboden bestehend, den man sich nur denken konnte und der
es frmlich unmglich macht, die Stelle in der Regenzeit zu passiren.
Wir hielten wieder an einem Gehlze und an einer Regenlache, Saddler's
Pan genannt.

Nchsten Tages nderten wir unsere nrdliche Richtung in eine
nordwestliche und gelangten zu einer ausgetrockneten Lache, deren Ufer
mehrere Fcherpalmen schmckten. Aehnliche Bume, die sich durch ihre
besondere Hhe auszeichneten und auf der Gaschuma-Ebene standen, waren,
wie mir spter Westbeech mittheilte, aus reinem Muthwillen von einem
Hndler oder Jger gefllt worden.

Abends gelangten wir zu einer anderen, Schneemans-Pan genannten
Regenlache. Hier hatten wir Blockley zu erwarten und ich bentzte die
Zeit, um von den am Wagen sich aufhaltenden Manansa's ber ihre Sitten
und Gebruche, sowie ihre Sprache Nheres zu erfahren. Ich erhielt diese
gewnschten Aufschlsse von einem Manansa, der als Kind mit einem
Hndler nach dem Sden gegangen war und sich hier an einen Farmer
verdingt hatte, wobei ihm Gelegenheit geboten war, sich die hollndische
Sprache anzueignen. Ich verzeichnete 305 Worte und Phrasen der Manansa-
oder Manandscha-Sprache (von den Jgern haben sie den Spitznamen
Maschapatan erhalten).

An Schneemanns Weiher war ich nicht wenig berrascht, von dem Hndler
Y., dessen ich an Henrys-Pan gedacht, besucht zu werden. Ich konnte
nicht umhin, ihm wegen seines Benehmens den Lotriets gegenber Vorwrfe
zu machen. Er war diesmal lebensgefhrlich am Fieber erkrankt und ich
rieth ihm, so rasch wie mglich nach Panda ma Tenka zurckzukehren und
gab ihm einen Brief an Th. mit den nthigen Recepten mit. Er hielt
jedoch meine Warnung fr bertrieben und berflssig, verzgerte seine
Abfahrt und starb bevor er noch Panda ma Tenka erreicht hatte. Whrend
Blockley von der Rechtlichkeit der Marutse so viel zu erzhlen wute,
berichtete Y. das Gegentheil davon. Ich forschte spter nach dem Grunde
dieser Differenz der Urtheile und fand, da die Marutse und Masupia von
Schescheke zuvor nicht diebisch gewesen, und es erst wurden, als der
unglckliche Y. bei ihnen eingekehrt war. Er hatte alle seine Diener am
sdlichen Tschobe-Ufer Elephanten jagen lassen und behalf sich in
Schescheke, wohin ihn der Knig Sepopo mit seinen Khnen hatte bringen
lassen, ohne Diener. So dachte er hier selbst, dort durch seine Diener,
Elfenbein zu erbeuten. Doch er wurde fieberkrank und konnte sich von
seinem Lager nicht rhren, ja kaum sprechen. Die Htte, die er bewohnte,
war abgetheilt, in der kleineren Abtheilung befand sich sein Lager, in
der greren, die er von seinem Lager bersehen konnte, waren seine
Waaren unvorsichtiger Weise zur Schau ausgestellt. Dies reizte die
Bewohner von Schescheke, sie besahen sich nicht wie das Jahr zuvor --
seitdem ein englischer Hndler vom Sden gekommen war -- die Waaren von
Auen, sondern drangen in die Htte ein, betasteten die Gegenstnde und
als sie daran Niemand hinderte, nahmen sie so manches, spter Vieles
mit. Bei meinem spteren Besuche hatte ich viel ber den diebischen
Charakter mancher Bewohner Schescheke's zu klagen.

Am 7., an welchem Tage ich Blockley erwartete, erkrankte ich an
Kolik-Symptomen und dies nach dem Genusse von rothschaligen, rundlichen
Bohnen; ich fand, da der Farbstoff der Schale das schdliche Pigment
sei, weshalb das erste Absudwasser, das sich violett frbt, abgegossen
und frisches nachgegossen werden msse, und beobachtete auch spter, da
die Eingebornen eine hnliche Procedur mit denselben vornehmen. Am
Nachmittage stellten sich einige Manausa ein, die mir Talg zum Tausche
anboten. Nachdem ein wohlgenhrtes Eland erlegt ist, wird der Talg in
einer thnernen Schale geschmolzen und in einem aus der Platodes
desselben Thieres verfertigten Sckchen aufbewahrt. Unsere Diener
brachten grnlich-braunen Honig, der von einer winzigen Biene herrhrt
und suerlich schmeckt und dessen reichlicher Genu die Sinne betubt --
er wirkt auch als ein Laxativ ohne Kolikschmerzen hervorzurufen. Die
Erzeuger dieses Honigs besitzen keinen Stachel und nach der Beschreibung
von Seite der Diener und der Masarwa's hielt ich sie mit jenen Bienen,
die uns in dem nrdlichen Theile des sandigen Waldplateaus berfielen,
fr identisch.

Am 8. ziemlich Frh langte Blockley, von zwei Dienern begleitet, von
Panda ma Tenka an, worauf wir uns auf den Weg machten, um in der Nacht
das zweite und bis zum Zambesi reichende Tsetsegebiet bis zu der
Leschumo-Haltstelle zurckzulegen. Wir erreichten das obere Leschumothal
-- eine enge, beiderseits von einer migen, doch tiefsandigen
bewaldeten Bodenerhebung umsumte Wiesenflche, nach Mitternacht. Der
Wagen wurde hier zurckgelassen, die Zugthiere aber sofort wieder nach
Schneemanns Pan zurckgetrieben, damit sie bei Tagesanbruch aus dem
Bereiche des Tsetse-Gebietes waren.

Am 9. August sandte Herr Blockley eben einen Boten an Makumba, den
Masupia-Huptling (eines den Marutse unterthnigen, an der Mndung des
Tschobe in den Zambesi wohnenden Stammes), um von diesem -- der in
Impalera, einem Dorfe am jenseitigen Tschobe-Ufer, wohnte -- Trger zu
erbitten, mit deren Hilfe die Gter bis an den Tschobe befrdert werden
sollten.

Wir zogen eine kurze Strecke das Leschumothal nach abwrts, es wurde
sumpfig und felsig, aus dem dichten und hohen Ufergrase sprangen hie und
da Rietbock-Gazellen auf, welche nach kurzem Laufe weiter abwrts ein
hnliches Versteck aufsuchten. Eine Stunde spter verlieen wir das Thal
und wandten uns auf einem Pfade nach Nordwesten, um eine sandige,
dichtbewaldete Bodenerhebung zu betreten. Am Abhange dieses Sandbultes
fanden wir sehr zahlreiche Bffel und noch zahlreichere
Elephantenspuren. Die Riesenthiere muten in der verflossenen Nacht hier
durchpassirt sein. Die Spuren, die in dem Sande kaum einen Zoll tiefe
Eindrcke hinterlassen hatten, fhrten in einer Breite von 20 Schritten;
die Heerde hatte offenbar Eile, denn die von ihnen durchzogene Strecke
war mit zerknickten Stmmen, Aesten und Bschen beset. Am hufigsten
waren armdicke Stmmchen entwurzelt und schenkelstarke Bume im unteren
Drittel so gebrochen, da der brige Stamm noch an der Rinde oder an der
Bruchstelle am Rumpfe hing. Doch gab es auch welche, die strker und in
der Mitte ihrer eigentlichen Stammeshhe (4 bis 6 Fu ber dem Boden)
vorkommen gebrochen waren, der Bruch war dann ein solcher, da der
zurckgebliebene stehende Baumstumpf (namentlich der gebrechlicheren
Holzarten) nach unten oft bis zur Wurzel herab geborsten war. Sehr
hufig waren die quer in die Bahn hineinragenden Aeste anderer Bume
herabgerissen worden und da dies mit Riesenkraft geschah, konnte man
daraus entnehmen, da oft ein groes Rindenstck von dem Stamme mit
herabhing oder mit dem Aste herabgerissen worden war.[8]

[Illustration: Elephantenheerde auf der Flucht.]

Wir kamen in eine seichte in das Leschumothal fhrende Niederung, welche
mit schnen Mimosenbumen bewachsen war, deren Krone dem ermdeten
Wanderer den kstlichsten Schatten spendeten, nur hie und da vermochte
der Sonnenstrahl die dichte Laubkrone zu durchdringen. Aus der
Einsenkung ging es wieder hinauf in einen sandigen Wald, dessen Boden
sich nach Nordwest etwas verflachte, um pltzlich gegen das Thal des
Tschobe und Zambesi abzufallen. Unvergelich bleibt mir das Panorama,
das sich meinen Blicken an jenem Tage bot, als ich pltzlich aus dem
Walde heraustrat und in das Thal der beiden Strme herabblickte.

[Funote 8: Der beschrnkte Raum gestattet es mir nicht, hier nher auf
die Gewohnheiten und die Lebensweise der afrikanischen Elephanten
einzugehen.]

So war ich doch an den Strom gelangt, von dem ich als Knabe so viel
gelesen und getrumt hatte. Vor mir ffnete sich ein weites, nach rechts
etwa drei Meilen breites, nach links in seiner grten Ausdehnung durch
eine unabsehbare Ebene begrenztes Thal. An meiner Seite war es von dem
bewaldeten felsigen Abhang des sandigen Hochplateaus beherrscht. Die
Mitte dieses Thales nehmen zwei Inseln ein, das Land, welches den
Zambesi und Tschobe nach ihrer theilweisen Vereinigung zwischen dieser
und ihrer eigentlichen noch von einander scheidet. Die stliche, die
Prager Insel ist einige hundert Schritte lang und etwas weniger breit,
die zweite 2 Stunden lang und 1 bis 1 Stunden breit. Die erste ist
flach, die zweite zeigt bewaldete Felsenkuppen, von denen sich nur eine
in der stlichen Hlfte, zahlreiche und meist zusammenhngende in der
westlichen befinden. Am Fue der stlichen liegt Impalera, Makumba's
Stadt, zur Zeit meines Besuches die Wacht des Marutse-Reiches nach
Sden. Vor dieser Masupia-Niederlassung schimmert tief unter dem
Beschauer und etwa eine Stunde von ihm entfernt, das von Schilfmassen
besumte an 300 Schritte breite Bett des Tschobestromes. Die Hhen auf
der groen Impalera-Insel sind ein Verbindungsglied des Abfalls, der
nach Westen zu bis an den Tschobe herantritt, ihn mit Felsenbnken
durchzieht und so Stromschnellen bildet, dann sich zu den Impalera-Hhen
erhebt, um nochmals nach Nordnordost den Zambesi mit Felsenrissen zu
durchziehen, hier hnliche doch bedeutendere Schnellen und Inseln zu
bilden und sich mit dem, bei den Victoriafllen an das linke
Zambesi-Ufer herantretenden felsigen Plateau-Abfall zu verbinden.

Das Thal war nach Westen nur durch den blulichen, von dem rthlichen
Glanz der untergehenden Sonne in seinen tieferen Partien in Feuerpracht
schimmernden Horizont umsumt. Die unbegrenzte Ferne hinter den
unabsehbaren Schilfrohrdickichten war das Land, dem meine eigentliche
Forschungsreise galt, dort wollte ich erringen, was ich seit meiner
Kindheit erstrebt.




                                 VI.
                    Im Tschobe- und Zambesithale.


Das Thal des Tschobe und seine Vegetation. -- Signalisirung meiner
Ankunft. -- Die ersten Boten aus dem Marutse-Reiche. --
Landschaftscenerie an den Stromschnellen des Tschobe. -- Begegnung mit
Masupias. -- Mein Mulekau. -- Geschichte der Matabele-Einflle in das
Reich Sekeletu's. -- Ein Masupia-Grab. -- Thierleben am Tschobe. --
Makumba. -- Begegnung mit englischen Officieren in Impalera. -- Die
Htten der Masupia. -- Der Schlangenhalsvogel. -- Meine erste Bootfahrt
auf dem Zambesi. -- Die Schilfrohrwlder an den Ufern des Zambesi und
das Thierleben in denselben. -- Letschwe und Puku Antilopen. --
Krokodile und Flupferde. -- Jagd auf Flupferde. -- Ankunft in
Alt-Schescheke. -- Blockley's Kraal.

[Illustration: Bootfahrt im Zambesi.]

Das Thal des Tschobe-Rivers ist gegen seine Mndung eine halbe bis drei
englische Meilen breit, hnlich auch das Thal des Zambesi, so weit es
noch oberhalb der Victoriaflle die Tschobe-Victoriahhen begleiten. Mit
Ausnahme jener Stellen, an welchen die Felsenhhen unmittelbar mit ihren
Auslufern herantreten, sind die Ufer beider Flsse sandig, hnlich wie
die des Zugaflusses und der meisten Zuflsse des schon erwhnten
Hochlandbeckens des centralen Sd-Afrika; die felsigen Ufer, die, wie
schon erwhnt, ober der Vereinigung beider Flsse (am rechten
Tschobe-Ufer einige Meilen weiter aufwrts als am linken Zambesi Ufer)
beginnen, sind meist der Abfall eines tiefsandigen Plateaus. Auf dieser
Strecke, sowie am Flusse abwrts fanden wir eine ppige tropische
Vegetation, stromaufwrts nimmt sie, so weit als ich gelangen konnte,
etwas ab. Beim Eintritte in das Thal fallen dem Besucher sofort neue
Baum- und Buscharten auf. Die meisten tragen Frchte, welche, mit
Ausnahme der bis zu zwei Fu langen, armdicken, wurstfrmigen des
Moschunkulu, eines Giftbaumes, theils zu verschiedenen huslichen
Zwecken verwendet, theils genossen werden. Welche Wandlung die
Vegetation im Zambesithale und auf dem angrenzenden Plateau im Vergleich
zu den sdlicher gelegenen Strecken im Innern Sd-Afrika's erfhrt,
knnen wir schon aus der Thatsache ersehen, da sich die Bewohner am
centralen Zambesi (wohl um so mehr am unteren und oberen Zambesi) das
ganze Jahr hindurch nur von Frchten ernhren knnen. Jeden Monat im
Jahre finden wir irgend welche Frucht oder ebare Samen zur Reife
gediehen. Auch die Thierwelt ist reichhaltiger, darunter namentlich
Vgel, Schlangen, Fische, Insecten, und unter diesen wieder besonders
Schmetterlinge. Auch der Mensch ist in jenen Gebieten aus eigener Kraft
hher entwickelt als die Bewohner der Gegenden sdlich vom Zambesi.

An einer Uferstelle, welche durch eine kleine Bucht und durch einen
prachtvollen Moschunkulubaum ausgezeichnet war und sich einige hundert
Schritte oberhalb der am jenseitigen (linken) Ufer gelegenen
Masupia-Niederlassung Impalera befand, lie ich, da es der gewhnliche
Landungsplatz der den Strom bersetzenden Eingebornen war, einen Skerm
und eine Grashtte errichten. Unterdessen schritt ich zum Flusse hinab
und fand den Tschobe stellenweise 2 bis 300 Schritte breit und so tief,
da sein Gewsser tiefblau erschien. Die dicht beschilften Ufer gaben
den zahlreichen Krokodilen Gelegenheit, ohne gesehen zu werden, stets
auf der Lauer zu liegen und nicht weit ab auf der klaren Fluth wiegten
und schaukelten zahlreiche Nyhmphaeaceen einer kleinblthigen und nur
wenige Blumenkronenbltter besitzenden Species.

Auf den Rath der mir von Blockley mitgegebenen Diener, welche schon
mehrmals mit ihrem Herrn hier gewesen waren, feuerte ich einige Schsse
ab, um die Bewohner von Impalera von unserer Ankunft in Kenntni zu
setzen. Bald darauf kamen zwei Mnner in einem etwa 8 Schuh langen, 14
Zoll breiten und 10 Zoll tiefgehenden, aus einem Baumstamme mit der
Pallahaxt ausgehhlten Kahne an unser Ufer. Es waren zwei dunkelbraune
Gestalten, gro und stark gebaut, welche das primitive Bekleidungsstck
der Banthufamilie Sd-Afrika's in der geschmackvollsten Weise, die ich
bis jetzt beobachtet habe, angelegt hatten. Sie trugen einen ledernen
Leibgurt, um den bei dem einen drei ausgearbeitete Felle kleinerer
Thiere, bei dem anderen ein etwa drei Meter langes Calicostck so
geschlungen war, da dieses eine vordere und hintere Schrze und einen
die Lenden bedeckenden mittleren Theil bildete. Unstreitig sahen sie in
diesem primitiven Anzuge schmucker aus als die Zulu, Makalaka,
Betschuana, Colonial-Kaffern etc.

Ich gab ihnen ein Messer, um mich bei ihrem Huptlinge Makumba
anzumelden, zu gleicher Zeit erwhnten auch meine Diener, da
Dschorosiana (Georg), Maniniani (der kleine Georg, im Gegensatze zu
Westbeech, der ob seiner Gre Dschorosiana Umutunja genannt wurde), im
Leschumothale auf Trger harre, um des Knigs Handelsgter nach Impalera
zu bringen; die Mnner sollten jedoch auf ihrem Wege nach dem
Leschumothale Korn bringen, welches Dschorosiana Maniniani mit Sipaga
(kleinen Glasperlen), Talama (groe Glasperlen) und Sisipa (2 Meter
Kattun) austauschen wolle. Whrend der Zeit unserer Besprechung hockten
die beiden Mnner auf der Erde und standen, nachdem der Manansa-Diener
seine Rede beendet mit einem ^Autile intate^ (wir haben verstanden,
Freund) auf, um sich mit den Worten ^Camaja koschi^ (wir sind im
Begriffe zu gehen, Herr) von mir zu verabschieden. Frh am 11. unternahm
ich einen Ausflug fluaufwrts und fand in dem Thale zahllose Spuren von
Bffeln, Roen und Kudu's, Wasserbock-Antilopen, Pallah-, Deuker- und
Orbecki-Gazellen, Schakalen, Leoparden und Lwen. Auch sah ich
zahlreiche Hynenspuren und von den Felsenhgeln tnte unaufhrlich
Paviangebelle in's Thal herab, whrend mich in dem Palmengebsch
zahlreiche Affen zu einigen Schssen verleiteten. Vom Wildgeflgel
beobachtete ich zwei Francolinus-Arten, das Perlhuhn, von Sumpf- und
Wassergeflgel den Scopus (Hammerkopf), drei Arten der Spornkibitze,
^Hoplopterus^, Sattelstrche, (^Mycteria Senegalensis^, Shaw), mehrere
Arten von Enten und eine Plectropterus-Art, Sporngnse, sowie eine
Plotus- (Schlangenhalsvogel) und eine Kormoran-Art (^Phalacrocorax^),

Am anziehendsten fand ich den Tschobe an und ber den Stromschnellen,
welche sich etwa sechs Meilen oberhalb seiner Mndung und drei Meilen
oberhalb unseres Landungsplatzes befanden. Oberhalb dieser
Stromschnellen verbreiten sich in einer marschigen Gegend in einem
wahren Riesenschilfwalde die Verbindungsarme mit dem Zambesi; es sind
breite natrliche Canle mit ruhig flieendem Wasser, welche ich mit dem
Auge weit verfolgen konnte. An den Stromschnellen liegen sehr viele
kleinere und grere Felseninseln, die theils kahl, theils mit Sand
bedeckt und von welchen letzteren wieder einige mit Schilf, andere mit
dichtem Gebsch und Bumen bewachsen sind. Da, wo zwischen zwei
Felseninseln ein kleiner Wasserstrahl einen winzigen Verbindungsarm
bildet, fand ich uerst geschickte, aus Rohr gearbeitete, den in
Mittel-Europa gebruchlichen hnlich geformte Fischreusen. Auf den
Inseln war auch eine reiche Vogelwelt vertreten, namentlich Sumpfvgel,
welche die hheren Felsenriffe sowie das sandige Ufer occupirt hatten
und in den feuchteren Partien sich herumtummelten. Besonders reich
schien mir der Flu an Krokodilen zu sein whrend ich an den Schnellen,
die ich Blockleyschnellen taufte, Wasserleguane bemerkte.

Als ich Abends zu unserem Lager zurckkehrte, traf ich 17 Masupia's
daselbst an, es waren prchtige Gestalten, welche ihre Haarwolle an der
Craniumhhe in kleine Zpfchen geflochten trugen und ihre Haare auch
sonst mit verschiedenem Schmucke, wie Haarbschel verschiedener kleiner
Raubthiere und Gazellen, Korallen und kurzen Glasperlenschnrchen
zierten. Als besonderen Schmuck trugen sie Armringe, die bei einigen aus
Thierhaut, bei anderen, offenbar wohlhabenderen, aus Elfenbein
verfertigt waren. Ich erhandelte von diesen fr Glasperlen und Kattun
Alles, was sie mit sich gebracht hatten, Assagaie, Messer, Kafirkorn und
Bohnen. Jener, dem ich gestern das Messer geschenkt, brachte mir heute
einen aus Thon von den Frauen mit der Hand gearbeiteten und mit
Butschuala (Kafirkorn-Bier) gefllten Topf. Dadurch und ohne es zu
ahnen, wurde ich sein Mulekau (d. h. ich konnte Alles, was sein Haus
bot, beanspruchen). Dieses Mulekauthum ist einer der unglckseligsten
Gebruche des Marutsereiches, indem dadurch die bei den Vlkern dieses
Reiches in einem hheren Grade als bei den anderen Sdafrikanischen
Stmmen beobachtete eheliche Zuneigung frh untergraben wird. Da man auf
Alles, in dem Hause des Mulekau Anspruch machen kann, sind auch die
Frauen des Hauses davon nicht ausgenommen, und mein Mulekau wunderte
sich nicht wenig, als ich einige Tage spter, nach Impalera kommend, von
seinem Anbote, mit Ausnahme von Fischen, Bier, Korn und einigen
ethnographischen Gegenstnden, keinen Gebrauch machen wollte.

[Illustration: Impalera.]

Die Anwesenden theilten mir durch den Manansa-Diener August mit, da der
Huptling Makumba auf dem jenseitigen Zambesi-Ufer auf der
Elephantenjagd weile und mich nicht eher sehen und gren drfe, als die
Antwort des Knigs Sepopo auf mein Ansuchen in Impalera eingelangt sei.
Aus diesem Grunde nahmen sie auch kein Geschenk fr ihren Huptling
Makumba an. Die in Impalera sowie am Tschobe aufwrts und am Zambesi
abwrts wohnenden Masupia haben den Strom zu berwachen und weder einem
Weien noch Farbigen ohne Wissen und Willen des Knigs das
Ueberschreiten des Flusses zu gestatten. Ihr Verhltni zum Knige des
Marutsereiches hatte mir spter Makumba mit einigen Worten klar
dargelegt. Ich bemerkte auch an ihnen, da sie das Mein und Dein nicht
sonderlich respectirten, ihre Gelste aber bezhmten, wenn man sie bei
ihren Besuchen im Lager scharf fixirte.

Am 12. erhielt ich zahlreiche Besuche von den Masupia's von Impalera,
sie frugen wiederholt meine Diener, von denen die Manansa der von den
Masupia's gesprochenen Makololosprache vollkommen mchtig waren, ob mein
freundlicher Begleiter Dschorosiani Maniniani, Matabele-Diener im
Leschumothale habe; sie hatten den Auftrag, keinen Weien, selbst wenn
er vom Knige die Erlaubni zum Besuche des Reiches erhalten htte, den
Eintritt in das Reich zu gestatten. Wenn ich Matabele-Diener gehabt und
trotzdem darauf bestanden htte, das Marutse-Reich zu besuchen, htte
ich wie Stanley, d. h. mit Gewalt vorgehen mssen.

Die Matabele sind bei den Vlkern des Marutsereiches so wie nrdlich von
Zambesi, doch auch von den stlich anwohnenden Maschonas so gehat, wie
die mohammedanischen, schwarzen Sclavenjger, die von der Ostkste ihre
Raubzge gegen die groen Seen Central-Afrika's unternehmen, von den
Bewohnern der Negerlnder Central-Afrika's. Als Begleiter htten sie es
mir ermglicht, den afrikanischen Continent vom Sden nach Norden zu
durchqueren, allein die mir nachfolgenden Weien htten es dafr ben
mssen. Zweimal hatten es die Matabele unter der Regierung des am
centralen Zambesi herrschenden Knigs Sekeletu versucht, ihre Raubzge
auch auf die nrdlich vom Zambesi liegenden Gebiete auszudehnen, doch
beide Versuche milangen. Einmal gelangten sie ber die Stromschnellen,
auf eine oberhalb der Victoriaflle liegende Insel, welche von den
Batoka's, einen an Sekeletu Tribut zahlenden Stamm, mit der Manzafrucht
bebaut war. Da einige Tage spter Hochwasser herabkam, war ihnen die
Rckkehr abgeschnitten, sie gruben sich aus Nahrungsmangel die
Manzawurzel aus dem Boden, und erlagen alle, da dieselbe nur im
getrockneten Zustande genossen werden kann, im frischen jedoch giftige
Eigenschaften besitzt, dem Genusse derselben. Bei einem zweiten Versuche
wurde eine Truppe Matabele von einem Masupia auf eine Insel
stromaufwrts bersetzt. Darauf entschuldigte sich der Mann, da er von
der Arbeit sehr ermdet sei und zur Fortsetzung der Ueberfahrt den
Beistand einiger Landsleute in Anspruch nehmen msse. Ganz gegen ihre
Gewohnheit schenkten die Matabele den Worten des Mannes vollen Glauben
und lieen ihn ziehen. Der Masupia kehrte aber nicht wieder und hatte so
die Feinde seines Landes in die Falle gelockt und sich weiter um sie
nicht gekmmert. Auf der Insel gefangen, hatten die Zulus kein
angenehmes Los. Da sie im Speeren der Fische nicht gebt waren, und den
Flu ob seiner vielen Krokodile nicht zu durchschwimmen wagten, auf der
Insel aber mit Ausnahme einiger weniger Frchte, der Fcherpalme, nichts
Geniebares vorfanden, war ihre Lage sehr schlimm und der Hunger so
gro, da sie ihre aus Ochsenhaut verfertigten Sandalen und Schilde im
Wasser aufweichten, sie mit ihren Speeren zerschnitten und genossen. In
Folge der Nahrungsnoth starben viele, der Rest wurde vom Knige
Sekeletu, der inzwischen mit zahlreichen bemannten Khnen von Linyanti
herbeigeeilt war, ohne Schwierigkeiten berwltigt, gefangen genommen,
und in der Barotse, dem Mutterlande der Marutse, welche damals seine
Unterthanen waren, angesiedelt.

Whrend meines zweimaligen Besuches am Marutsehofe hatte ich Gelegenheit
einige dieser nach Schescheke Tribut abfhrenden Matabele kennen zu
lernen. Sie trugen zwar noch die bekannten, aus Federn gearbeiteten
Kopfverzierungen, doch der kriegerische Geist der Zulus war aus ihnen
gewichen, sie waren, wie mir Knig Sepopo mittheilte, ganz vorzgliche
Ackerbauer geworden.

[Illustration: Grab eines Masupia-Huptlings.]

Einer von den schon erwhnten, mich am 12. besuchenden Masupia war ein
grauwolliges Mnnchen, welches sich darauf viel einbildete, den
verstorbenen Knig Sekeletu, unter dem das Makololo-Reich vernichtet
wurde, bedient zu haben. Ich erstand an diesem Tage fr dreiundeinhalb
Meter gewhnlichen Kattuns einen Ziegenbock, den man von Impalera
herbergebracht hatte. Derselbe war in Folge des Stiches der
Tsetsefliege auffallend klein. Als der Bock geschlachtet wurde, setzte
sich mein Mulekau in der Erwartung eines Geschenkes neben demselben
nieder, das heit: er machte als neuer Freund seine Rechte geltend,
deren eines es war, jederzeit wenn er mich zur Essenszeit besuchte, von
mir Bewirthung fordern zu knnen. An diesem und am folgenden Tage zogen
die Masupia, im Ganzen vierzig Mann, haufenweise zu Blockley nach dem
Leschumo-Thale; sie brachten auf Verlangen Korn zum Verkauf, welches sie
in etwa drei bis vier Liter fassenden, aus Krbisschalen verfertigten
Gefen, mittelst Tragstangen transportirten. Diese Gefe waren mit
Bast umflochten und mit solchem auch an den Tragstangen befestigt.

Diese Krbisgefe werden von allen sdafrikanischen Stmmen zu den
verschiedenartigsten Zwecken bentzt. Die hufigste Verwendung finden
sie aber im Marutse-Reiche und werden von dem Mambunda-Stamme mit
eingebrannten Zeichnungen (Menschen und Thiere darstellend) verziert.
Man gebraucht sie im Allgemeinen als Wassergefe, wobei sie auch mit
einem aus Riemen gearbeiteten Netze umspannt sind. Die Vasallenstmme
der Betschuana, die Makalahari, Barwa, Masarwa und Madenassana, die
keinen Ackerbau betreiben, bedienen sich zu solchen Zwecken der
Straueneier. Mittelgroe Krbisschalen gebrauchen die meisten
Banthu-Stmme als Gefe zur Aufbewahrung fetter Substanzen. Der
kleinsten bedienen sich namentlich die sdlich von Zambesi wohnenden als
Schnupftabaksdosen, und die plattgedrckten, sowie gleichmig weiten,
cylindrischen werden zu Musikinstrumenten verwendet.

In der Nacht auf den 13. lieen sich zum erstenmale die Nilpferde mit
ihrem dumpfen Brllen hren. An diesem Tage kam ein Basuto, mit Namen
April, der Blockley begleitet, um von Sepopo die Erlaubni zu erhalten,
Elephanten in dessen Gebiet jagen zu knnen, mit 18 Masupia, welche nach
dem Leschumo-Thale Korn getragen hatten und nun mit Blockley's Gtern
beladen waren; sie trugen 50--60 Pfund per Mann. Blockley selbst hoffte
noch am selben Abend im Tschobe-Thale eintreffen zu knnen.

Am 14. zeitlich Morgens unternahm ich einen Ausflug fluabwrts und
stie auf demselben auf verlassene Eingebornengehfte der Masupia,
welche sich nach der Zerstrung des sdlich an die Victoria-Flle
angrenzenden Manansa-Reiches durch die Matabele -- auf das jenseitige
Tschobe- und Zambesi-Ufer geflchtet hatten. Ich fand im Thale einige
Grber von Masupia-Huptlingen. Es waren kahle, elliptische Stellen, auf
denen Antilopenschdel und Elephantenhauer aufgepflanzt waren; die
letzteren so angebracht, da ihre Spitzen nach auen und unten
hervorragten. Jene, die schon vor geraumer Zeit auf das Grab gepflanzt
waren, trugen deutliche Spuren des Verwitterungs-Processes an sich, sie
waren gebleicht, pors und zersplittert; mehr nach der Mitte des Grabes
zu, doch nahe an diesen standen ein Paar besser erhaltene, wenn auch
kleiner, 20--30 Pfd. schwere -- doch auch viele von diesen waren schon
durch die Einflsse der Atmosphre beschdigt, whrend die zuletzt
gesetzten Milchzhne, daher werthlose Gaben waren. Sie wurden in aller
letzter Zeit eingepflanzt, als die Marutse den Werth des Elfenbeins
kennen gelernt, und der Herrscher, trotz dieses Actes der Piett seiner
Unterthanen, seine Revenuen nicht geschmlert sehen wollte.

Auf dem Heimwege fand ich lngs des Flusses Sikomoren, von denen sich
namentlich eine dadurch auszeichnete, da der Stamm, sowie die Aeste mit
Feigen -- leider unreifen -- ungemein dicht behangen waren. Am
Nachmittage kam Blockley aus dem Leschumo-Thale und bezahlte jedem
Masupia als Traglohn  Pfund Glasperlen. Dabei wollten die Masupia's die
ihnen angebotenen blarothen Glasperlen nicht annehmen; sie begehrten
kaiserblaue, indem sie betonten, da sie fr dieses Geld Assagaie kaufen
wollten, und der Stamm, von dem sie diese Waffen zu kaufen gewohnt
waren, gegenwrtig nur an den letzteren Glasperlen Gefallen finde.

Einen recht interessanten Anblick bot die Ueberfahrt der mit Blockley
zurckkehrenden Kornverkufer. Spt am Nachmittage stiegen sie in ihre
Khne, die etwa 20 an der Zahl in der nahen kleinen Bucht lagen und
ruderten dem jenseitigen Ufer zu. Je nach der Gre des Canoes hatte
dieses ein bis vier der dunklen Gestalten als Bemannung. Die meisten der
engen, von 7 bis 16 Fu langen Khne waren mit den leeren Korngefen,
einige mit Brennholz gefllt, auch waren hie und da Fleischstcke von
einer erlegten Bffelkuh zu sehen. Die letzten der Truppe waren fnf
unserer Besucher, darunter auch mein Mulekau, er hatte einen der
kleinsten, die anderen, einen der greren Khne zur Verfgung. Da er
seine Kunst im Rudern glnzen lassen wollte, bemhte er sich, vor seinen
vier Gefhrten das jenseitige Ufer zu erreichen. Da auch die brigen
nicht zurckbleiben wollten, entspann sich vor meinen Augen eine
originelle Regatta. Es gelang zwar meinem Mulekau, einen ziemlichen
Vorsprung zu gewinnen, doch in der Mitte des Stromes verfing sich ein
Windsto in den Falten seines Kubu (Mantel) und trieb ihn mit seinem
Kahn zurck, whrend seine Gefhrten ihn nun leicht berholten.
Eitelkeit hatte ihm diesmal die Siegespalme entrissen, indem er sich von
Pit aus den von mir fr zwei Schlachtbeile eingetauschten Calico (6
Meter) eine Kubu (Decke) zuschneiden lie, die ihm verhngnivoll
geworden war.

[Illustration: Am Tschobe-Ufer.]

Am 15. schiffte sich Blockley ein, ich selbst mute noch hier auf die
Antwort des Knigs warten und bentzte die Zeit bis dahin zu weiteren
Ausflgen. Ich fand weitere zwei warme, salzhaltige Quellen und
vermehrte meine Fischsammlung mit einigen von den Masupias in der Bucht
und in den Fludickichten gespeerten Fischen. Auch hier hatte ich wie am
Limpopo wiederholt die Gelegenheit, Krokodile nach den, auf ber dem
Wasser hngenden Bschen und Rhrichten sitzenden Eis- und Sumpfvgeln
schnappen und sich dabei bis zwei Fu hoch mit dem Oberkrper aus dem
Wasser emporheben zu sehen.

[Illustration: Wildebene bei Blockley's Kraal.]

Die Nacht vom 15. auf den 16. brachte ich am Flusse zu, indem ich das
nchtliche Thierleben unmittelbar am Wasser beobachten wollte. Ich
whlte mir eine etwas kahle Sandstelle aus, an der ich durch einige
Binsen gegen den Flu gedeckt, mit Hilfe des Mondlichtes ziemlich
deutlich Alles um mich, namentlich die Gegenstnde in dem Wasser der
Lagune beobachten konnte. Gegen 11 Uhr kam eine Pallah-Heerde an das
obere Ende der Lagune, der fhrende Renner mit einem tiefen Brllton die
Sicherheit des Ortes seinen Schtzlingen meldend. -- Das meiste
Interesse flte mir ein Prchen der groen Fischotter ein, welches von
dem Schilfrohrdickicht am jenseitigen Ufer der kleinen Bucht ausgehend,
den seichten Rand derselben abjagte und im Fischfang weit mehr Geschick
zeigte, als die zahlreich aus dem Wasser emporschnellenden Krokodile.

Die Thiere blieben etwa zwei Fu vom Wasser entfernt, am Rande des
Gewssers einige Momente stehen, dann sprangen sie vorwrts und liefen
rasch durch einige der nchsten Binsen, indem sie mit den Schnauzen die
Stellen um die Binsenwurzeln absuchten; kehrten hiernach wieder zurck
und auf's Ufer, um da die Beute zu verzehren, welche mir nur aus kleinen
Fischen zu bestehen schien.

Am nchsten Tage machte ich einen greren Ausflug fluaufwrts, doch
war ich nicht im Stande, obgleich es eine interessante Hetzjagd war,
weder einer der Roen-Antilopen oder Pallahgazellen, noch eines der
zahlreichen Paviane habhaft zu werden; hingegen war es mir vergnnt,
namentlich schne groe Eisvgel (^Ceryle Maxima^), ferner Bienenfnger
und Kukuke zu beobachten. Nachmittags begrten mich am jenseitigen Ufer
mehrere rasch aufeinander folgende Gewehrschsse, es war das Rumela (der
Gru), welchen der Huptling Makumba abfeuerte, um mir anzuzeigen, da
die zum Knige abgesandten Boten mit einer fr mich befriedigenden
Antwort von Schescheke angelangt waren. Der Sitte gem hatte ich darauf
in hnlicher Weise zu erwidern und bentzte diesen Anla, um nach den
Frchten des Maschungulubaumes zu schieen. Da es mir gelang, einige
derselben zu spalten, andere zu durchbohren, hatte ich in den Augen der
anwesenden Masupia's sehr an Ansehen gewonnen. Bald darauf stieen zwei
kleine Khne vom jenseitigen Ufer ab, um mich hinber zu bringen. Der
untere Tschobe wie der Central-Zambesi sind tiefe Strme (ich schtze
ihre Tiefe auf 30 bis 40 Fu), welche selbst greren Dampfern freie
Schifffahrt ermglichen. Leider sind die schiffbaren Strecken nach je 50
bis 100 englischen Meilen durch Felsenbnke unterbrochen, welche
Stromschnellen verursachen.

Am jenseitigen Ufer gelandet, wurde ich mit abermaligen Schssen von
Makumba begrt und hatte sie zu erwidern. Was mir beim Betreten des
Masupiadorfes sofort auffiel, waren die aus Schilfrohr erbauten Htten
und Gehfte. Die meisten waren nach dem System der Doppelbauten, wie ich
sie bei Mosilili's Ruinenstadt antraf, errichtet. Dieselben hatten einen
Durchmesser von 9 Fu, die ueren einen solchen von 25 Fu bei einer
Hhe von 12 Fu. Weder zuvor noch spter beobachtete ich so hohe
Schilfrohr-Umzunungen wie in Impalera und bei einem Zweigstamme der
Marutse. Das Schilfrohr war hier in seiner ganzen Hhe belassen,
einestheils, um das Spiel der Winde abzuhalten, anderntheils, um dem
andringenden Schwalle des Hochwassers in den Sommermonaten besser zu
widerstehen und die Htten zu schtzen. Einige Htten zeigten
Backofenformen, bestanden aus einer Veranda und zwei Kammern und waren
aus Schilfrohr und Gras aufgefhrt.

In der Mitte der Niederlassung auf einem Rasenplatze stand eine
Berathungshtte, d. h. eines jener kegelfrmigen, auf einigen dnnen
Pfhlen ruhenden Strohdcher, und in diesen fiel mir besonders ein
lnglicher, hohler Gegenstand, eine Morupa (Trommel) auf, welche sich,
wie ich spter erfuhr, in den meisten Drfern des Marutse- und
Masupia-Reiches vorfindet. Das Trommelfell ist durchbohrt und ein
Stbchen durch die Oeffnung gesteckt, durch welches oben ein
Querstbchen luft. Man entlockt dieser Trommel einen dem Knarren neuer
Stiefel nicht unhnlichen Ton, und wird derselbe dadurch erzeugt, da
man das Stbchen im Innern der 1 Fu langen rhrenfrmigen Trommel mit
der, mit einem befeuchteten Baobab-Baststcke umwickelten Hand schnell
reibt. Die Trommel findet nur dann Verwendung, wenn die Insassen des
Dorfes den siegreich von einer Lwen- oder Leopardenjagd Heimkehrenden
entgegengehen, um sie mit Gesang und Tanz zu empfangen.

Ich wurde von Makumba, einem dunkelfarbigen Masupia von etwa 40 Jahren,
freundlich empfangen und traf noch am selben Tage zwei englische
Officiere, Captain McLoud und Fairly, sowie Herrn Cowley, welche von
Natal der Jagd halber an den Zambesi gereist waren. Sie hatten auch
deshalb Sepopo ersucht, sein Reich betreten zu drfen. Der Knig sagte
es zu, und die Herren waren, nachdem sie ihm ihre Geschenke berbracht,
eben im Begriffe, nach Panda ma Tenka zu ihren Wgen zurckzukehren, um
sich fr die groen Jagden im Marutse-Reiche zu rsten. Leider wurden
sie bitter enttuscht und trotz aller ihrer Opferwilligkeit von Sepopo
nicht gut behandelt.

Captain McLoud erzhlte mir, da er einen Elephanten erlegt habe, dessen
Hauer je hundert Pfund schwer waren. Knig Sepopo hatte sie in Empfang
genommen und ihm nach seiner Rckkehr nach Schescheke zwei andere, die
er selbst erbeutet, als Ersatz versprochen. Makumba hatte uns in einer
seiner Wohnungen mit Butschuala (Kafirkornbier) bewirthet. Es wurde in
groen Holztpfen servirt und mit aus Krbisschalen verfertigten
Schpflffeln getrunken. Whrend des Gesprches machte Makumba, der
seinem Knig treu ergeben war und spter sogar sein Leben fr ihn
aufopferte, mich auf des Knigs Eigentmlichkeiten aufmerksam, damit ich
mein Betragen darnach einrichten konnte. Bevor ich Impalera verlie,
machte ich wiederholt Gnge durch das Dorf und fand, da man die
Niederlassung in drei Gehftgruppen eintheilen konnte. Die dem Flusse
anliegende Gruppe zhlte 135, jene gegen den einige hundert Schritte
nach Norden zu liegenden Hgel, auf dem die Bewohner von Impalera sich
bei Hochwasser zu flchten pflegen, 25 und die westliche 32 Wohnungen.
Die Frauen des Dorfes trugen keine Schrzen, wie wir sie in so
mannigfacher Form bei den Betschuana's finden, sondern bis an die Knie
reichende aus gegerbtem Leder verfertigte Rckchen. Im Allgemeinen fand
ich das Aussehen der Leute bedeutend besser, als das der Betschuana.

Makumba verlie noch am selben Tage Impalera, um sich nach seiner
Residenz, welche am linken Zambesi-Ufer liegt, zu begeben. In Impalera
wohnte nur eine seiner Frauen mit ihren Dienerinnen, um fr den
Huptling das Feld zu bestellen, und ihn zu empfangen und zu bewirthen,
so oft er Impalera mit seinem Besuche beehrte. Er kam diesmal, um mich
in des Knigs Namen zu bewirthen. Als ich ihm fr seine Freundlichkeit
dankend, ein Geschenk anbot, wies er dieses mit den Worten zurck.
Wrde ich es thun, so htte ich es mit meinem Leben zu ben, wir
drfen von keinem Fremden, ob Schwarzer oder Weier ein Geschenk
annehmen, bevor nicht der Knig eines empfangen.

Spt am Nachmittage des 17. brachen wir auf, um zu der Landungsstelle am
Zambesi zu gelangen, welche in der Nhe eines groem Baobab gelegen,
Makumba-Hafen genannt wird. Die Bootsleute errichtetem fr mich und
Blockley einen Skerm; hier verbrachte ich am Ufer des Riesenstromes,
nach dem ich mich jahrelang gesehnt hatte, die erste Nacht zu. Die
Makumba-Landungsstelle liegt unmittelbar an den schon erwhnten
Stromschnellen des Zambesi, kaum vier englische Meilen oberhalb seiner
Vereinigung mit dem Tschobe. Vor uns im Strome lagen die zahlreiche
theils bewaldeten, theils beschilften Inseln. An einigen ber die
Stromschnellen hngenden kahlen Aesten saen Schlangenhalsvgel, und an
den hervorragenden braunen Felsenrissen hatten Kormorane Stellung
genommen. Sie tauchten in die Fluth, lieen sich von dem Wasser nach
abwrts tragen und fischten, mieden jedoch die von Krokodilen bewohnten
Tiefen. Auffliegend, lieen sie sich wiederum an den Felsenblcken
nieder und breiteten ihre Flgel aus, um sie zu trocknen. Wir schossen
mehren der Vgel, doch konnten wir uns nur zweier bemchtigen, die
brigen, wie ein von mir erlegter Schrei-Seeadler (^Haliatus vocifer^),
wurden von dem Wasser fortgetragen und fielen den Krokodilen zur Beute.
Whrend der Nacht lieen sich die Nilpferde in Intervallen von zehn zu
zehn Minuten hren, doch blieben wir in Folge des mchtigen, gegen den
Flu zu angezndeten Feuers von einem Besuche der unwillkommenen Gste
verschont.

Am 18. unternahm ich nach Sonnenaufgang meine erste Bootfahrt auf dem
Zambesi. In einem gebrechlichen, kaum 18 bis 20 Zoll breiten, aus einem
Baumstamme ausgehhlten Kahne, dessen Bord nur 2 Zoll ber das Wasser
ragte, schaukelt sich der Reisende auf der klaren Fluth, die unter ihm
schwrzlich-blau erscheint und von der groen Tiefe des Stromes spricht,
whrend sie sich vor und hinter ihm als ein dunkelblaues Band hinzieht
und die in allen Nancen des Grn prangenden Inseln umschlingt. Zu
unserer Rechten, etwa sechs Fu ber dem Strome, erhebt sich eine dichte
Wand des riesigen Schilfrohrs, welche sich stellenweise meilenweit in's
Land hineinzieht. Hie und da gewahren wir frmliche Grotten in der
ganzen Breite dieser Schilfrohrmassen, zu welchen Gnge -- die Pfade der
Nilpferde -- fhren, welche dieser riesige Dickhuter bentzt, um vom
Flusse aus auf die Weide gelangen zu knnen. Zahlreiche schne Winden
mit rothen Blthen schlngeln sich an den Schilfrohrstngeln empor und
beleben in anmuthiger Weise die dunkle Wand des rauschenden
Schilfwaldes. Zu unserer Rechten breitet sich eine morastige Schilfinsel
aus, ringsum von den wunderlichen Formen der Papyrusstaude, wie mit
einem spitzen Kragen umsumt, die uersten der Stauden, deren Stngel
theilweise vom Wasser besplt werden, bewegen deutlich ihre Fiederkpfe,
sie zittern und jene an der strkeren Strmung schaukeln hin und her. An
kleinen freien Stellen zwischen den phantastischen Gebilden der
Papyrusstauden sieht das Auge hie und da pltzlich weie, rothe, graue,
oder schwarze Farbentne durchschimmern und bevor wir uns noch dessen
versehen, ist ein Silber-, Purpur- oder grauer Reiher aufgeflogen,
whrend wir zahlreiche kleinere Arten des Reihers, der Dommel und
anderer Sumpfvgel, an den etwas gebeugten Stngeln der Staude nach
Fischchen auslugend, beobachten knnen.

Biegt man in einen der von den Bootsleuten seltener aufgesuchten Arme
ein, so sieht man sich bald von Wildgnsen und Enten umschwrmt, whrend
die Sandbnke von Klaffschnblern, Strandlufern und drei Mwenarten
wimmeln. Durch ihren langgezogenen Schrei ziehen die prchenweise auf
Bumen oder an erhhten Uferstellen sitzenden Schrei-Seeadler die
Aufmerksamkeit des Reisenden auf sich; immer wieder tauchen neue und
anziehende Erscheinungen aus der Thierwelt an dem Ufer des mchtigen
Stromes auf. Zu der interessanten Uferscenerie, dem durch eine bunte
vielstimmige Vogelwelt belebten Schilfrohrwald zu unserer Rechten und
den Papyrusdickichten zu unserer Linken gesellt sich noch der Reiz, den
die Fahrt in dem Canoe auf den Reisenden ausbt. Wir knnen uns kein
malerischeres Bild denken, als die Bemannung der die Fluthen schnell
durchschneidenden und doch schwer beladenen Khne, die dunklen Gestalten
der Marutse mit ihren langen Rudern und ihren aus gegerbten Fellen
bestehenden, mit weiem und rothem Calico umwundenen, im Winde
flatternden Schurzfellen. Der am Bootschnabel stehende Mann lenkt
denselben. In einem Tempo werden die Ruder in's Wasser getaucht und
diese Bewegung zuweilen mit Gesang begleitet. Unmittelbar hinter dem
vordersten Ruder sitzt der Reisende und hinter ihm haben in der Regel
noch drei bis vier, doch zuweilen bis eilf weitere Bootsleute Posto
gefat und fhren stehend ihre Ruder. Die lngsten der Khne messen 22
Fu.

Ich schtze die Breite des Flusses, je nachdem und in welcher Anzahl
Inseln denselben verbreitern, auf 300 bis 1000 Meter. An vielen Stellen
ist das Ufer unterwaschen und senkt sich unmittelbar zur Tiefe des
Stromes. An den beschilften Stellen betrgt die Tiefe, acht Fu vom Ufer
entfernt, sechs Fu, whrend dieselbe Tiefe an den mit Binsen
bewachsenen Stellen erst in einer Entfernung von 20 Fu beobachtet wird.

Nach einer dreistndigen Bootfahrt lichtete sich das rechte beschilfte
und bewaldete Ufer zu einer in weiter Ferne von einem Gehlze begrenzten
und von zahllosem Wilde belebten Grasebene, welche die Masupia und
Marutse, Blockley zu Ehren Blockley's-Kraal benannt haben. Hier verlie
ich das Boot und ging dem Ufer entlang weiter. Nahe an dem Schilfwalde,
hufiger noch am Rande des Laubwaldes, trieben sich Bffelheerden herum.
Zum erstenmale beobachtete ich hier Letschwe- und Puku-Antilopen, welche
in Heerden zu Hunderten auf den Grasebenen weideten. Die ersteren Thiere
grer, die letzteren kleiner als die Blbock-Antilopen, waren durch
ein gelblich-braunes (wie bei allen Wasserantilopen) dichtzottiges Fell
und ein Paar nach vorwrts gekrmmter Hrner ausgezeichnet. Auerdem sah
ich Trupps von Rietbockgazellen im hohen Grase hinter den
Schilfrohrpartien. Nach dem Gehlze zu bemerkte ich zahllose Heerden von
Zebra's und kleinere 10 bis 20 Stck zhlende Trupps des gestreiften
Gnu.

[Illustration: Nilpferdjagd.]

Wir fuhren stets nahe am Ufer und dies namentlich, um den tagsber sich
in der Strommitte aufhaltenden und nur zeitweilig an der Oberflche
auftauchenden Nilpferden auszuweichen. Hatten wir an manchen Stellen der
Strmung halber den Flu zu kreuzen, so wurde dies von den Bootsleuten
so schnell wie mglich ausgefhrt. Als wir das linke Ufer mit dem an der
betreffenden Stelle von einer Papyrus-Insel gebildeten rechten,
vertauschten und stromaufwrts dahin glitten, fiel es mir auf, da die
Leute pltzlich innehielten und der mir zunchst stehende Ruderer mir
das Wort Kubu zuflsterte. Ueber die Bedeutung dieses Wortes blieb ich
nicht lange im Zweifel, denn mein freundlicher Nachbar wies auf eine
etwa 200 Schritte entfernte Stelle im Strome vor uns, an welcher ein
dunkler kurzer Klotz auftauchte und dem ein niedriger doppelter
Wasserstrahl entstieg, bald darauf erschien auch ein zweiter. Es waren
die Kpfe von Nilpferden. So wie die dunkle Masse unter dem Wasser
verschwand, wurde uerst leise und langsam vorwrts gerudert, und als
wir mit der Stelle, wo die Thiere zuerst erschienen, in eine Linie
gekommen waren, wurde wieder stille gehalten. Blockley und ich hielten
unsere Gewehre schubereit; zuerst erschienen diesmal die Kpfe zweier
junger Thiere, dann der groe Kopf des mnnlichen Thieres, dem jener
eines weiblichen unmittelbar folgte. Von acht auf die beiden letzteren
abgefeuerten Schssen trafen zwei den Alten hinter das Ohr. Die
Bootsleute behaupteten, da das Thier tdtlich getroffen sei, und es
mute auch der Fall gewesen sein, denn obgleich wir noch eine Stunde
lang gegen den Willen der Eingebornen, welche, wenn nicht mit den
kleinsten ihrer Khne und mit eigens dazu verfertigten Speeren
ausgerstet, aus der Nhe dieser Thiere so schnell wie mglich zu kommen
trachten, auf derselben Stelle blieben, tauchten immer wieder nur drei
Kpfe, nicht aber jener des Alten auf.

Unter den greren Sugethieren Sdafrika's halte ich das Hippopotamus
dem unbewaffneten Menschen gegenber fr das gefhrlichste. In der
freien Natur kennt und leidet das Thier nur jene Objecte in seiner Nhe,
die es stets um sich sieht. Jeden ihm fremd erscheinenden Gegenstand
behandelt es als einen seine Ruhe strenden Feind; trifft es bei seinem
Ausgange oder Heimwege zum Flusse (in den Schilfrohrgrotten) ein solches
Object, mag es nun ein Ochs, ein Pferd, ein Stachelschwein oder eine
Kiste, ein angestrichener Holzblock, eine quer ber gehngte Wolldecke
oder gar ein menschliches Wesen sein, so strzt es sofort darauf los, um
sich den Weg frei zu machen. Geschieht es nun, da der betreffende
Gegenstand rasch entfernt wird oder da sich das lebende Wesen in die
Bsche zurckzieht, so geht das Nilpferd seines Weges ruhig weiter, es
hat den Gegenstand, der seinen Stumpfsinn fr einen Moment aufgeregt
hat, vergessen.[9] Vor ihm findet der unbewaffnete Mensch, der doch so
oft aus einer Begegnung mit dem Lwen und in der Mehrzahl der Flle, aus
einer solchen mit dem Leoparden, und Bffel (wenn er diese Thiere nicht
gereizt) unbehelligt hervorgeht, keinen Pardon.

Wird von mehreren auf derselben Stelle im Flusse auftauchend Nilpferden
eines verwundet, so kommen die Uebrigen seltener zur Oberflche des
Wassers, und war die Wunde eine tdtliche, so erscheint das leblose
Thier eine Stunde nach seinem Tode an der Oberflche und treibt mit den
Wellen abwrts. In einem solchen Falle verstehen es die Vlker des
Marutse-Reiches sich auf leichte Weise des Kadavers zu bemchtigen. Ein
an eine Grasschnur befestigter Stein wird ber dem Cadaver geworfen, und
indem man das freie Ende der Schnur in der Hand festhlt, vermag man mit
einem leisen Zuge der Hand den Colo gegen das Ufer zu ziehen. Die
Bewohner des Marutsereiches, vor Allem aber die lngs dem Zambesi-Ufer
wohnenden, Marutse, Masupia, Batoka und namentlich jedoch die letzteren,
welche ob ihrer Geschicklichkeit im Jagen dieses Dickhuters von den
Marutseknigen aus ihren am oberen Zambesi befindlichen Wohnsitzen
geholt und lngs dem Flusse in kleinen Drfern angesiedelt wurden, um
den kniglichen Hof sowohl, wie die in den am Flusse grenzenden den
Provinzen wohnenden Huptlinge mit frischen und getrockneten Fischen und
Nilpferdfleisch zu versorgen, sind passionirte Jger des Thieres.

[Funote 9: Dies Alles beruht wohl auf der Gehirnquantitt der
Krpergre des Thieres gegenber.]

Diese Stmme haben die kleinsten ihrer Khne, die kaum eine Person
tragen und uerst schwierig zu regieren sind, jedoch blitzschnelle
Bewegungen zulassen, Mokoro tschi Kubu (Nilpferdkanoe) genannt. Zur Jagd
bedienen sie sich besonders groer, mit einem einfachen Widerhaken
versehener, langgestielter Assagaie, welche jedoch, da der Stiel aus
weichem Holze gearbeitet ist, nicht schwerer als die gewhnlichen
kleineren Wurfspeere sind. Als ich spter nach Schescheke kam,
berichtete man mir einen hchst traurigen Fall, der sich im vorigen
Jahre (1874) auf einer Sandbank in der Nhe dieser Stadt abgespielt
hatte. Ein den Flu herabfahrender Masupia bemerkte an der Sandbank ein
schlafendes Nilpferd und hielt es fr eine leichte Sache, dasselbe zu
erlegen. So geruschlos wie mglich heranrudernd, kam er in die
unmittelbare Nhe des Thieres. Er steigt aus dem Boote, nhert sich dem
Thiere und stt ihm den Speer hinter die Schulter ein. Doch das Eisen
erzeugte nur eine unbedeutende Wunde, indem es an einer Rippe abglitt.
Bei dem Stoe erhob sich das Thier und wandte sich so rasch, da der
Mann nicht bei Seite und aus seinem Gesichtskreise springen konnte. Da
er sich jedoch sofort von dem Thiere angegriffen sah, warf er sich flach
auf die Erde, um sich unsichtbar zu machen. Doch er mute diese Bewegung
nicht behend genug ausgefhrt haben, um selbst das stumpfsinnige
Geschpf zu tuschen, denn das Thier warf sich auf ihn und wollte den
Mann zertreten. Als dieser sich wehrend den rechten Arm ausstreckte,
fhlte er denselben auch zwischen den scharfen Hauern des Feindes und
bis auf einen Hautlappen durchbissen. Der unwillkrliche Versuch, auch
die linke Hand zur Abwehr auszustrecken, hatte eine vllige Amputation
derselben zur Folge. Vorberfahrende Fischer fanden den Verstmmelten in
sterbendem Zustande.

Ich habe wiederholt Nilpferdfleisch genossen, doch konnte ich demselben
keinen besonderen Geschmack abgewinnen. Als ein Leckerbissen wird die
gelatinse dicke Haut desselben gebraten betrachtet. Roh zugeschnitten,
gibt sie gute Handhaben fr Messer und kleinere Werkzeuge, da sie
getrocknet zusammenschrumpft und den Eisentheil festhlt.

Wird von den Masupia oder Marutse fluaufwrts oder abwrts bis zu zehn
geographischen Meilen von Schescheke entfernt, ein Flupferd erlegt, so
wird beinahe in allen Fllen die Hlfte nach Schescheke dem Knige
berbracht, dabei gilt der Brustkorb als Knigsstck. In der Regel
verlt das Hippopotamus sein Element am Abend und geht auf die Weide,
wobei es oft whlerisch ist und zuweilen grasend neun englische Meilen
stromaufwrts streift, um bei Tagesgrauen den Heimweg nach dem Flusse
anzutreten, d. h. die Stelle aufsucht, an der es am Tage im Flusse oder
in der Lagune geweilt, und seine Anwesenheit durch wiederholtes
Auftauchen und Blasen kundgibt. Zuweilen wurden die Flupferde neun
bis zehn englische Meilen weit vom Strome im Walde und dann meist
schlafend angetroffen. Weniger beschwerlich ist die Jagd auf diese
Thiere im stlichen und sdlichen Matabele, sowie im Maschona-Land, wo
sie im Sden vom Limpopo, im Norden vom Zambesi die Zuflsse aufwrts
verfolgen und sich in der Tangente derselben aufhalten. Matabele-Hndler
berichteten mir Flle, in welchen Maschonas vor ihren Augen mit
breitschneidigen Dolchen die Nilpferde im Wasser angriffen und auch
bewltigten.

Die Nilpferde waren in frheren Jahren ber ganz Sdafrika verbreitet;
die an den Felsenhhen angetroffenen Gravirungen der Buschmnner
beweisen, da sie einst nicht nur die Flsse, sondern auch die
salzhaltigen Regenpfannen bevlkerten.

Man findet sie noch in den Flssen Natals und in der Cap-Colonie
berichtete man mir, da sie noch am Unterlaufe einiger der Flsse in
Kaffraria vorgefunden werden. Im centralen Sdafrika trifft man sie von
Sden her zuerst im Limpopo an. Obgleich der Zambesi von Krokodilen
wimmelt, und sie die Hauptursache waren, warum die Bootsleute so sehr
die Nilpferde mieden, sahen wir doch kein einziges. Die Ufer bestanden
aus Thon und Humus in abwechselnden 2 bis 18 Zoll starken Lagen, von
einer torfhnlichen Masse aus den angeschwemmten und vermoderten
Pflanzenresten gebildet. Hie und da, wo eine seichte Einsenkung aus der
Grasebene zu unserer Rechten in eine Rinne endend, am Flusse ihren
Abschlu fand, hatten die Masupia-Fischer ein bis zehn Fu hohes
Schilfrohrgitter errichtet und damit die Vertiefung gegen den Flu zu
abgesperrt. Wir machten etwa 3 bis 3 englische Meilen per Stunde und
kreuzten an dem ersten Tage zehnmal den Strom und dies theils um
scharfen Biegungen desselben, theils um der starken Strmung
auszuweichen. Whrend wir einen Ueberblick ber die Grasebene zur
Rechten (Blockley's Kraal) mit all' ihrem Wildreichthum bis an das sie
begrenzende Gehlze genossen, war uns der Ausblick nach Sden und Westen
durch hohes Schilfrohrdickicht vollkommen verwehrt. Diese lagunenreichen
Dickichte zwischen dem unteren Tschobe und dem Zambesi sind ein wahrer
Lieblingsaufenthalt der Elephanten und Nilpferde. Auf einer sandigen
Insel, auf welcher wir eine verlassene Htte trafen, schlugen wir unser
Nachtlager auf. Whrend einige mit ihren Assagaien und Messern das
Schilfrohr abschnitten, es zu Bndeln banden, gruben andere mit den
gleichen Werkzeugen Lcher in den Sand, in welchen die zu Pfhlen
verbundenen Schilfbndel eingelassen wurden. Inzwischen hatten drei
Khne abgestoen, um vom gegenberliegenden Ufer getrocknetes Gras
herbeizuschaffen und es auf die oben in ihren Wipfeln vereinigten
Rohrbndel zu werfen. Die nachtmtzenfrmige etwa 4 bis 6 Fu hohe, 2
bis 2 Fu breite Htte war von den Mnnern in unglaublich kurzer Zeit
fertiggestellt.

Am folgenden Vormittage passirten wir am linken Ufer einen an seiner
Mndung etwa 50 Meter breiten, an Krokodilen reichen Flu Kascha oder
Kaschteja (der von Livingstone gebrauchte Name Madschilla mute bei den
Makololo im Gebrauche gewesen sein). Schon einige hundert Schritte
oberhalb der Mndung verengte sich der Flu stellenweise bis zu 15
Meter; trotz der stellenweise geringen Tiefe (drei Fu) wre das
Durchwaten desselben ein gefhrliches Wagestck, denn die getrbte Fluth
verrth die tckischen Insassen des Gewssers nur zu deutlich. Wir
begegneten mehreren Khnen mit Leuten aus Makumba's Stadt, welche
Elfenbein nach Schescheke zu Sepopo gebracht hatten und nun mit
Schiematerial und zwei Wolldecken als Gegengeschenk auf dem Heimweg
waren. Nach einem erfrischenden Bade an einer seichten und
ungefhrlichen Stelle steuerten wir rstig weiter, um noch vor Abend die
neue Residenz zu erreichen. Die Nhe dieser tsetsefreien Niederlassung
der Masupia verkndeten uns schon kleine Viehheerden, welche lngs des
Flusses und wohl bewacht weideten.

Alt-Schescheke lag etwa 1 Meilen westlich von der Stelle, wo der Strom
von Sden her eine pltzliche Wendung nach Osten macht, an einer
Zambesi-Lagune. Der Marutse-Hof residirte von jeher in dem fruchtbaren
und fr die Viehzucht so wohlgeeigneten Mutterlande Barotse. Sepopo, zur
Zeit meines Besuches Knig des Reiches, hatte sich viele Grausamkeiten
unter seinem Stamme zu Schulden kommen lassen, weshalb er in der Barotse
miliebig wurde, seine Residenz verlie und sich in der zum grten
Theile durch die Tsetse inficirten Masupia-Provinz niederlie. Ein
zweiter Grund der Uebersiedlung war seine Unzufriedenheit mit den
portugiesischen Elfenbeinhndlern von der Westkste, deren Waaren ihm im
Vergleiche zu jenen Westbeech's werthlos schienen, weshalb er bemht
war, seine neue Residenz den von Sden kommenden Hndlern nher zu
rcken.

Als wir uns der Residenz nherten, rieth Blockley an, unsere Ankunft mit
einem Rumela anzuzeigen. Kaum waren die Salutschsse verhallt,
erschienen Menschengruppen unter den Bumen und einige zwanzig Schsse
folgten sofort als Gegengru; sie bewiesen, da sich der Knig unter der
Menge befand und selbst die Anlage der neuen Stadt leitete. Unter dem
Geschrei der Menge, das uns nun entgegenscholl und welches die
Bootsleute aneiferte, hatten wir eine Viertelstunde spter das Ufer an
den Bumen erreicht und an eine Stelle, wo einige Khne an's Land
gezogen waren, angelegt. Zur Audienz bei dem Herrscher am centralen
Zambesi hatten wir in Gala zu erscheinen, meine Bestrzung war daher
keine geringe, als zur Completirung des Anzuges mein Hut fehlte.
Blockley lie mir kaum Zeit, mein Gepck zu durchsuchen, denn schon
ertnten von den Bumen her die Klnge der Myrimba.

Wie ich schon frher erwhnte, war mein Kommen dem Knige seit mehreren
Monaten bekannt, er hatte sich wiederholt bei Westbeech und Blockley um
mich erkundigt und geuert: Wenn doch der Njaka kme, der wie Monari
(Livingstone) in seinem Reiche reisen wolle. Deshalb sollte sich auch
mein Empfang feierlicher gestalten, als er seit Livingstone den 15
Blagesichtern, die vor mir das knigliche Antlitz Sepopo's geschaut,
bereitet worden war.




                                 VII.
                 Der erste Besuch im Marutse-Reiche.


Mein Empfang bei Sepopo. -- Der Libeko. -- Sepopo auf Schleichwegen. --
Sepopo's Residenz. -- Geschichte des Marutse-Mabunda-Reiches. -- Die
Stmme des Reiches und ihre Wohnsitze. -- Unterthanen-Verhltnisse
derselben. -- Die Sesuto-Sprache. -- Portugiesische Hndler am Hofe
Sepopo's. -- Sepopo erteilt mir die Erlaubni zur Bereisung seines
Landes und beschreibt mir den einzuschlagenden Weg. -- Der Bau von
Neu-Schescheke. -- Brand von Alt-Schescheke. -- Culturstufe der Stmme
des Reiches. -- Der Aberglaube und seine Opfer. -- Thronfolge. --
Machtbefugnisse des Herrschers. -- Das Bauwesen bei den Vlkern des
Reiches. -- Dreifache Bauart der Htten. -- Das Innere des kniglichen
Gehftes. -- Der Kischitanz. -- Sepopo's Musikcapelle. -- Die
Musik-Instrumente bei den Marutse-Mabunda's. -- Kriegstrommel. -- Die
Kischitnzer-Masken. -- Rckfahrt nach Impalera. -- Ankunft in Panda ma
Tenka. -- Ein Lwenabenteuer.

[Illustration: Im Papyrusdickicht.]

Ein Haufen smmtlich mit den schon erwhnten ledernen und Kattunschrzen
bekleideter Eingeborner meldete uns des Knigs Anwesenheit. Morena
Sepopo war uns thatschlich sehr nahe, denn nach kaum 200 Schritten
stand ich dem Knige gegenber. In europische Kleidung gehllt, ein
englisches mit einer weien Straufeder geschmcktes Htchen am Kopfe
kam er, ein Mann von circa 35 Jahren, leichten Schrittes mir entgegen.
Sein Gesicht war breit, sein Ausdruck angenehm, die Augen gro und ihre
anscheinende Gutmthigkeit verrieth keineswegs den Tyrannen, der in ihm
verkrpert war. Lchelnd streckte er mir seine Hand entgegen, begrte
auch Blockley und wrdigte sogar den Diener April eines Kopfnickens. Der
Knig war von einigen seiner hervorragenden Wrdentrger umgeben, von
denen nur einer eine Hose, zwei andere Wolldecken ber den Rcken
geschnallt trugen, die brigen unterschieden sich nur durch zahlreiche
Bracelets von dem Haufen ringsum. Das in die Augen Springende des Zuges
war die Musikcapelle des Knigs. Neben dem Knige schritten zwei
Myrimbaschlger, d. h. zwei Musiker, welche an einem Riemen ein
Kalebapiano trugen und es mit zwei Schlgeln bearbeiteten. Neben diesen
Mnnern, welche die haarstrubendsten Melodien hervorzauberten,
schritten Tambours, welche riesige rhrenfrmige Trommeln mit ihren
Fingern schlugen und dazu sangen. Dann erst folgte der Tro. Der Knig
fhrte uns unter eine der hohen Mimosen und hier kam ein europisch
gekleideter Mann hinzu, der mir als ein Betschuana vorgestellt wurde und
seit drei Jahren an Sepopo's Hofe als Dolmetsch lebte.

Jan Mahura hie das pfiffige, corpulente Individuum, das auch sofort
sein Amt bernahm, whrend sich Blockley allein sehr gut dem Knige und
dem Volke ringsum verstndlich machen konnte. Durch Mahura stellte sich
mir der Herrscher mit den Worten: ^Kia Sepopo morena a Zambesi^ (ich,
Sepopo, der Herrscher vom Zambesi) vor. Dann setzte er sich auf ein
kleines Holzsthlchen nieder, das ihm ein Diener nachtrug und lud uns
mit einer Handbewegung ein, uns auf die Erde niederzulassen. Als der
Knig mein Zaudern bemerkte, seinem Winke Folge zu leisten, lie er zwei
ringfrmige Grasbndel herbeiholen und sie als Sitze anweisen. Nun half
kein Zgern und ^nolens volens^ mute ich mich bequemen, mich mit meinem
schwarzen Gala-Anzuge niederzusetzen. Wir hatten kaum unsere primitiven
Sitze eingenommen, als Sepopo meinen Begleiter Blockley mit zahllosen
Fragen bestrmte.

Da ich noch nie zuvor einer so lebendigen Auseinandersetzung in
Sesuto-Serotse-Sprache beigewohnt, konnte ich dem Gesprch nicht folgen
und wandte meine Aufmerksamkeit den Umsitzenden zu. Sie theilten sich
eben, um einem gebeugten jungen Manne, der eine groe Holzschssel trug,
Raum zu geben. Ein Herold verkndete sein Amt; kaum hatte er uns
begrt, als sich ein Duft von Bratfischen verbreitete, der mir die
Unverstndlichkeit der Sprache ertrglicher machte. Der Mann stellte die
Schssel auf den freien Raum zwischen dem Knige und uns. Derselbe griff
sofort zu und reichte den Huptlingen Kapella und Maschoku je einen
Fisch, und nun erst, nachdem diese den halben Fisch bereits verzehrt
hatten, und er sich versichert halten durfte, da die Speise nicht
vergiftet sei, bot er mir und Blockley je einen Fisch und bediente sich
selbst. Unsere Finger muten Messer und Gabel ersetzen, wobei uns der
Herrscher eines ber 5000 Quadratmeilen groen Reiches mit gutem
Beispiele und nicht geringer Fertigkeit voranging. Trotz unseres sehr
fhlbaren Hungers -- wir hatten seit Frh nichts zu uns genommen --
durften wir, um keinen Versto gegen die Landessitte zu begehen, nur den
halben Fisch verspeisen, und muten den Rest dem nchstansitzenden
Huptling reichen, dieser a auch nur einige Bissen und gab den Rest
seinem Nachbar. So wurde mit zehn Fischen die ganze Versammlung gespeist
und selbst die Leibeigenen durften sich an den Kpfen der Fische
delectiren.

Die Bewohner des Marutse-Reiches verstehen es vortrefflich, Fische
zuzubereiten, dieselben werden theils im eigenen Thran geschmort, theils
an der Sonne getrocknet und dann auf Kohlen gebraten. Diese in der
erstgenannten Weise zubereiteten Arten sind jene von den Zambesi-Vlkern
Tschi-Mo, Tschi-Gatschinschi, Tschi-Maschona etc. genannten, whrend sie
Raubfische mit Ausnahme des an den Lippen stark bewehrten Inquisi
verschmhen. So sah ich sie selten den schildkpfigen Wels genieen, und
zwar hauptschlich deshalb, weil das Fleisch dieses in Sd-Afrika so
gemeinen Thieres im Zambesi von einem Parasiten, einem spiralfrmigen,
hnlich den Trichinen eingerollten, drei Zentimeter langen Wurme
frmlich durchsetzt ist. Eine groe Menge von Fischen wird an der Sonne
getrocknet und monatelang aufbewahrt, in Krbe gepackt, nach Norden
geschickt und damit Handel getrieben.

Nach beendetem Mahle brachten mehrere Diener einige mit Wasser gefllte
Holzschsseln, mit deren Inhalte sich die nchste Umgebung (der innere
Kreis) die Lippen netzen mute. Das Wunderlichste war jedoch das zweite
Reinigungsmittel, um sich von den Fettresten des Mahles zu befreien.
Einer der Diener brachte auf einer kleinen Holzschale etwa 20
wallnugroe, schmutziggrne Kugeln. Der Knig und sein Hofstaat nahmen
je eine -- auch uns schob man die Schssel zu -- bestrichen und rieben
sich die Hnde ein und wuschen sie hierauf. Meine Neugierde, den Stoff
dieser Kugeln zu untersuchen, erregte allgemeine Heiterkeit. Jan Mahura
bersetzte mir die Worte des Knigs. Rieche Herr, worauf ich ber
den seifenartigen Charakter der Kugeln keinen Zweifel mehr hatte. Wir
Weien griffen nun zu den Sacktchern, um die Hnde zu trocknen, whrend
Sepopo ein Libeko, d. h. seinen Nasenlffel, nahm und sich damit die
Feuchtigkeit von den Fingern abschabte, bis sie trocken waren, dasselbe
thaten auch die Huptlinge und die ihnen zunchst Sitzenden, doch gab es
welche in den hintersten Reihen, welche selbst einen Libeko ersparen
wollten und sich einfach die Hnde an dem reinen Kieselsande trocken
abrieben.

Dieser Libeko ist ein bei den Banthustmmen gebruchliches, eisernes
flaches, 1 bis 4 Zentimeter breites, 4 bis 35 Zentimeter langes, an
einer Gras- oder Glasperlenschnur oder einem Riemchen etc. getragenes
Miniaturschufelchen, welches die Stelle eines Sacktuches vertritt und
dessen Gebrauch die Verbreiterung der Nasenflgel und die Verunstaltung
des Gesichtes zur Folge hat. Da sich die Sonne schon zum Untergange
neigte, brach der Knig, von uns und den spielenden und singenden
Musikern gefolgt, auf. Er lenkte seine Schritte nach unserem
Landungsplatze, wo er mit seinen Leuten drei der Khne bestieg, um eine
Lustfahrt zu unternehmen. Whrend der Fahrt lie er tchtig drauf
losknallen, worauf die ihm Folgenden wrdig erwidern muten. Nach circa
fnf Minuten verlieen wir den Strom, bogen in eine Lagune ein und
waren, eine westliche Zweiglagune aufsuchend, nach einer guten
Viertelstunde an Ort und Stelle, am Landungsplatze von Alt-Schescheke
angelangt. Kaum 20 Fu ber dem eigentlichen Thale, am Rande eines
tiefsandigen Gehlzes, lag das an das alte Masupia-Dorf angebaute
Schescheke, welches der Knig mit der neu angelegten Residenz
vertauschen wollte. An der Landungsstelle lag das aus Holz und Schilf
errichtete Gehfte des Hndlers Westbeech, worin er seine Waaren so
lange aufbewahrte, bis sie Sepopo gegen Elfenbein ausgetauscht hatte. Im
Hofraume des Gehftes standen drei Htten, eine von dem Koch des
Elfenbeinhndlers bewohnt, eine als Kche und die dritte als Wohnhaus
fr die Diener verwendet. Hinter dem Huschen, zwischen demselben und
dem Zaune, stand eine vierte, etwa fnf Fu hohe, zwei Meter im
Durchmesser haltende Htte, hnlich jener der Koranna's (brodlaibfrmig)
mit einem niedrigen Eingange, da man nur nach Art der Vierfler
hineingelangen konnte. Diese sollte mein Palast sein, meine Wohnung
whrend des ersten Aufenthaltes in der Residenz eines mchtigen Knigs.

Bevor ich sie bezog, wurde ich noch mit Blockley vom Knig zum
Nachtmahle gerufen; er sa auf einem mit Zement gepflasterten Hfchen
auf einer Matte. Zu seiner Linken nahmen wir auf einem hnlichen Teppich
Platz, whrend sich einige neben der Knigin zu seiner Rechten
niederlieen. Es wurde gekochtes Elandfleisch auf Tellern servirt, auch
fehlten Messer und Gabeln nicht, deren Gebrauch dem Marutse-Hofe von den
von der Westkste kommenden Hndlern beigebracht worden war. Als
Zuspeise zum Fleisch reichte man Manza, einen durchscheinenden Mehlbrei,
den ich spter sehr nahrhaft fand.[10] Nach Tisch wurde ein
dickbauchiges, in einem langen gekrmmten Halstheil endigendes
Krbigef mit Impote (Honigbier) hereingebracht und dieses in
Blechbechern und in den von Westbeech dem Knige geschenkten Glsern
credenzt. Der Mundschenk setzte sich, nachdem er in die Hnde geklascht,
auf den freien Raum zwischen dem Knige und das Volk und trank selbst
den ersten Becher, dann nippte der Knig von dem nchsten und gab den
Rest der Lieblingsknigin zu seiner Rechten, dann mir und Blockley; auch
von den Huptlingen wurden manche bedacht, doch nur uns wurde die Ehre
des Zunippens zu Theil. Nach beendetem Trunke des Impote stand der
Knig auf, zog seine Stiefel aus, reichte sie der Dienerin, die das
Essen herbeigebracht, und begab sich dann in seine Wohnung, in welcher
ich ihn am nchsten Morgen zu besuchen und mich beim Frhstck
einzufinden versprach.

[Funote 10: Ich hoffe die Manzawurzel zu einem der Ausfuhrmittel aus
dem Marutse-Reiche zu machen.]

Ich schlief schon seit zwei Stunden auf meinem Kistenlager, als ich
durch einen Lichtschimmer und ein Gerusch in dem kleinen Raume der
vorderen Kammer des Waarenhuschens erwachte. Ich sah nun Sepopo von
seinen Leuten begleitet, unter den von Blockley mitgebrachten Waaren
herumkramen und endlich eine Wagenlaterne, um die er schon am Tage den
Hndler vergebens angesucht, ergreifen, und sich dann schleunigst
entfernen. Dies war jedenfalls eine originelle Art und Weise, wie sich
der Marutse-Herrscher ihm gefallende Gegenstnde zu verschaffen wute.

Bevor ich noch die Erzhlung meiner Erlebnisse am ersten in Schescheke
zugebrachten Tage beschliee, will ich noch einer Episode erwhnen, die
sich whrend des Impote-Trinkens zutrug. Es erschienen nmlich whrend
desselben vier mit Elfenbein beladene Mnner, legten ihre Last auf einen
Haufen der in der Mitte der Umzunung niedergelegten Elephantenzhne,
knieten dann nieder und klatschten in die Hnde, indem sie zugleich
fnfmal mit der Stirne die Erde berhrten und Schangwe, Schangwe
riefen. Dann standen sie auf und setzten sich in die hinterste Reihe und
blieben hier so lange ruhig sitzen, bis der Knig sein Mahl beendet.
Sodann krochen sie, dazu aufgefordert, etwas nher und klatschten sowohl
whrend als nach seiner Rede leise in die Hnde und erzhlten mit einem
nicht endenwollenden Wortschwall die Jagd, auf welcher sie das Elfenbein
erbeutet. Der Knig befahl ihnen am nchsten Tage wiederzukommen, um
Schiebedarf und eine kleine Belohnung entgegenzunehmen. Das Elfenbein
war als Krongut sein Eigenthum und die an die Unterthanen ausgegebenen
Gewehre waren diesen nur geliehen, d. h. wurden stets als des Knigs
Eigenthum betrachtet und konnten jeden Augenblick zurckgefordert
werden.

Bei den anderen Weien, die den Knig besuchten, war es Sitte, das
Geschenk, welches die Erlaubni des Knigs, das Land zu betreten,
erwirken sollte, vom rechten Tschobe-Ufer aus, bevor man noch Impalera
betreten, zuzusenden. Von mir wurde dies nicht gefordert, sondern ich
berreichte mein Geschenk, welches in einem Snider-Hinterlader und 200
Patronen bestand, erst nach meiner Ankunft.

Whrend das Nachtmahl am vorhergehenden Abend vor der Htte eingenommen,
wurde das Frhstck in der Wohnung servirt. Die lngliche einem acht Fu
hohen Giebeldache nicht unhnliche Grashtte war durch eine Scheidewand
in zwei Hlften getheilt, in der vorderen Kammer, in welcher wir unser
Frhstck einnahmen, waren die Wnde mit Marutse-Waffen, riesigen
Gewehren und auffallenden Kleidungsstcken darunter einer
portugiesischen Dragoner-Uniform, und riesigen Elephantenzhnen
geschmckt. Ich bentzte die gnstige Stimmung des Knigs um mir von ihm
Aufklrungen ber die Geschichte der Marutse und seines Reiches geben zu
lassen, und will im Folgenden diese Aufschlsse, soweit sie mir spter
von Huptlingen besttigt wurden, wiedergeben.

Von Sebituani angefhrt, war ein Zweigstamm der zwischen dem oberen
Oranje- und oberen Vaal-River wohnenden Basuto nach Norden ausgewandert.
Der Durchzug durch die Betschuana-Reiche wurde von denselben mit Gewalt
erzwungen und nach der Unterjochung vieler am centralen Zambesi und
unteren Tschobe, namentlich der stlichen Bamaschi und der Marutse ein
an 2000 Quadratmeilen umfassendes Reich, das der Makololo gegrndet,
auerdem viele Vlker des Ostens bis an den Kafueflu tributpflichtig
gemacht. Als jedoch schon unter dem folgenden Herrscher Sekeletu
Zwistigkeiten unter den Makololo ausbrachen und sich diese zu offenem
Parteikampfe steigerten, griffen die unterjochten Marutse zu den Waffen,
warfen sich auf die zwischen dem Tschobe und Zambesi sich aufhaltenden
Makololo und schlugen diesen ohnehin auch durch die Malariafieber
decimirten Stamm in mehreren Gefechten, wobei die gesammte mnnliche
Bevlkerung bis auf zwei Mnner und die Knaben ausgerottet wurde. Von
den sdlich vom Tschobe wohnenden Makololo traf auch die etwa 2000 Kpfe
zhlende mnnliche Bevlkerung ein hnliches Los. Wren sie am rechten
Tschobe-Ufer geblieben, so htte das Makololoreich bis heutigen Tags
noch fortbestanden, so aber frchteten sie die durch die Mabundas und
andere unterjochten Vlkerschaften verstrkten Marutse, verlieen das
Stromgebiet des Tschobe und wandten sich zu den westlichen Bamangwato,
nach dem N'gami-See; sie wurden von dem Knige derselben,
Letschuatabele, scheinbar freundlich aufgenommen, allein ihre
Vernichtung war schon im Vorhinein beschlossen. Der Abgesandte des
Knigs begrte sie mit den Worten: Wenn Ihr Freunde der Bathowana
seid, dann lasset Eure Speere und Schlachtbeile drauen bei Euren Frauen
und kommt als Freunde in die Stadt. Das thaten auch die Makololo. Kaum
waren sie aber im Berathungsraume angelangt, d. h. in die Kotla
eingetreten, als die Bathowana den Eingang mit Aesten und Baumstmmen
versperrten und die in der Umzunung befindlichen Makololo bis auf den
letzten Mann niedermetzelten. Mit den Frauen geschah dasselbe wie bei
den Marutse, die Sieger theilten sie unter sich, der Knig whlte sich
die schnsten, dann kamen die Huptlinge an die Reihe und der Rest wurde
vom Herrscher verschenkt. Seither finden wir unter den dunkelgefrbten
Bathowana's und den nrdlich vom Zambesi wohnenden Vlkern des
Marutse-Reiches Frauen von braunem Teint, auf welche sich die dunklen
Stmme nicht wenig einbilden, da sie das lichtere Colorit als eine
Veredelung ihrer Race ansehen. Sepopo nahm nun das Land der Makololo mit
Ausnahme des stlichen Bamaschi-Territoriums und ihres sdlich vom
Tschobe gelegenen Gebietes (aus Furcht vor den Matabele) in Besitz.

Nrdlich von den Marutse erstreckte sich das Mabunda-Reich, welches von
Knigen aus der Herrscherfamilie der Marutse regiert wurde. Vor wenigen
Jahren starb die Knigin der Mabunda, welche auf ihrem Todtenbette
Sepopo's lteste Tochter Moquai zur Nachfolgerin ernannte. Da jedoch
Moquai die Nachstellungen von Seite ihres Vaters befrchtete, bergab
sie ihm die Regierung ihres Reiches, und so fand ich bei meinem Besuche
nrdlich vom Zambesi ein vereinigtes Marutse-Mabunda-(Mambunda-)Reich
von Sepopo, dem directen Nachkommen der alten Knigsfamilie der Marutse
beherrscht.

[Illustration: Empfang bei Sepopo.]

Whrend des Frhstcks lie er die wichtigsten Reprsentanten der 18
greren, sich in 83 Zweigstmme theilenden Stmme herbeirufen, und
stellte sie mir vor. Von den 18 greren waren die meisten in Schescheke
mit einem oder mehreren Huptlingen in einer Zahl von 10 bis 500
vertreten. Die wichtigsten Stmme des Reiches sind: die Marutse, Mabunda
(die beiden herrschenden), Masupia, Matonga, Makalaka, Manko, Mambo,
Manansa, Mabimbi, Bajezi, Bakalomo, Bamata, Banjoka, Basuto, Batoka,
Livanga, Manenga, welche sich wiederum in folgende Zweigstmme theilen:
Aimalio, Aitunga, Alumba, Aluschanga, Ambolela, Ambume, Amood, Angoko,
Aquanga, Babuiko, Bahumokume, Bajaoma, Bajeji, Bakabololule, Bakalomi,
Balea, Bolioa, Balobule, Balomokmeci, Bamakoma, Bamalingo, Bamata,
Bamomba, Bamosima, Banamo, Bonoka, Bao, Bapalesi, Baquanti, Basetuta,
Basioma, Basimavotomo, Basuto, Batoka, Boemenda, Boo, Emafoa, Emunonoco,
Jabia, Jamo, Jta, Kasabe, Katulama, Kombala, Liamba, Liamankua, Liato,
Livanga, Linkamba, Loena, Lujana, Luketa, Luueku, Mabimbi, Mafumbe,
Makalaka, stliche Nolianga, westliche Notulu, Malundasieeme,
Mambalango, Mambo, Mabunda, Mampakani, Manansa oder Manandscha, Mankoja
= Manko, Manengo, Marutse, Maschoscha, Masupia, Matomo, Matonga oder
Ma-beker, M'Banga, Milanka, M'Kanda = Makanda, M'Koma = Makoma, Mona,
Molopuma, Monojanda, Nambo, Nikalulunda, Ojukamonde, Salama, Sima,
Wafi, Wassiwanda. Auer diesen schon seit betrchtlicher Zeit in dem
Gebiete ansssigen Stmmen finden wir hie und da zerstreut angesiedelt:
Matabele, Menons-Makalaka und Masarwa; die beiden letzteren sind als
Flchtlinge aus dem Sden ber den Zambesi gekommen (die Masarwa, ein
Vasallenstamm der Bamangwato und Menons-Makalaka, ein den Matabele
tributpflichtiger Stamm).

Die Marutse bewohnen die fruchtbaren Thler des Barotselandes zu beiden
Seiten des herrlichen Zambesistromes, von Sekhose (Sd) an,
stromaufwrts bis an 150 englische Meilen sdlich von der Vereinigung
des Kapombo mit dem Liba. Ich glaube, da die Barotse der fruchtbarste
Theil des Reiches ist und sich sowohl fr die Viehzucht als fr den
Ackerbau vorzglich eignet. Sie hat Ueberflu an Wild und
wildwachsenden, dem Menschen sehr ntzlichen vegetabilischen Produkten,
von denen Gummi elasticum eines der wichtigsten sein drfte. Das Land
besitzt viele bedeutende Stdte und war frher der Wohnsitz der
Knigsfamilie. Die Mabunda's umwohnen das Land der erstgenannten von
Nordost und Ost, wobei jedoch die Hauptmasse des Landes stlich von der
Barotse, am oberen Mittellauf der Flsse Njoko (Noko), Lombe und Loi zu
liegen kommt.

Die Manko haben einen Landstrich inne, der von Norden her an das Gebiet
der Mabunda grenzt und seine grte Ausdehnung von West nach Ost hat,
aber nicht auf das westliche Zambesi-Ufer hinbergreift. Die Mambo
wohnen nrdlich von den letzteren am unteren Kapombo und Liba. Die
Bamomba und Manengo leben im Weichbilde der Stadt Kavagola am oberen
Zambesi. Die Masupia bewohnen das Land sdstlich der Barotse bis 30
englische Meilen unter der Tschobe-Zambesi-Vereinigung lngs des Zambesi
und an 50 englische Meilen den Tschobe stromaufwrts. Die Batoka wohnen
stlich von den Masupia am linken Zambesi-Ufer bis etwa 30 englische
Meilen unterhalb der Victoria-Flle. Die Matonga sind Grenznachbarn der
letzteren und theilweise der Masupia (von Norden her); die Hauptmasse
lebt am Mittellaufe des Kaschteja- (Livingstone's Madschila-) Flusses.
Die westlichen Makalaka wohnen am unteren Kaschteja zwischen den Matonga
und Masupia. Die stlichen Makalaka leben als stliche Nachbarn der
Batoka den Zambesiflu abwrts, Wanke's Kraal ist ihre grte
Niederlassung. Die Lujana wohnen am Sdufer des Zambesi, westlich von
den Masupia's. Die Wohnsitze der brigen Stmme ziehen von den Lujana
gegen die Sdgrenze der Barotse, ferner nrdlich von den Matonga,
Makalaka und stlich von den Mambo und Manko, doch auch in kleineren
Gebieten, da, wo sich oft zwei der erwhnten greren Stmme berhren,
oder sie sind ber das Gesammtreich zerstreut worden und bilden kleine
Colonien im Lande der Makalaka, Mambunda, Marutse etc.

Die meisten der genannten Stmme sind wirkliche Unterthanen und werden
mit Ausnahme der Marutse als Sklaven angesehen, nur ungefhr ein
Viertheil sind Tributzahlende und dies meist Stmme des Ostens (Batoka,
stliche Makalaka, Mabimbi etc.) Durch Sepopo's Grausamkeiten sind viele
Eingeborne aus dem Reiche nach Sden hin geflohen und da dem Tyrannen
dadurch auch viele Schwierigkeiten in dem Centrum des Reiches erwuchsen,
hat sich in den letzten Jahren das Tributverhltni der an den Grenzen
nach Nordost und Ost wohnenden Stmme bedeutend gelockert. Die den
eigentlichen (wirklichen) Unterthanen auferlegten Steuern bestehen in
Getreideabgaben (Kleinkorn, Kafirkorn, Mais); im Abliefern bestimmter
Mengen getrockneter Frchte, Krbisse, Tabak, Gummi elasticum, Matten,
Canos, Rudern, Waffen, Holzarbeiten (Tpfe, Schsseln,
Musikinstrumente), Thierhuten, frischem und getrocknetem Fisch- und
Nilpferdfleisch. Auerdem sind Elfenbein, Honig und das nahrhafte
Manza Krongut und jeder sie verkaufende, resp. vertauschende
Unterthan wird mit dem Tode bestraft. Die Tributzahler haben dem
Marutse-Mabunda-Herrscher jhrlich eine bestimmte Zahl Elfenbeinzhne
(mnnlicher und weiblicher Elephanten) und Hute einer groen grauen und
dunkelbraunen lang behaarten Lemurspecies abzuliefern.

Die herrschende Sprache im Gesammtreiche, ich mchte sagen, das Mittel
des leichten Verstndnisses zwischen den einzelnen Stmmen, ja ein
wahres Bindeglied, ist die der vernichteten Makololo. Die Makololo haben
sich viel schweres Unrecht zu Schulden kommen lassen, des Geschickes
gerechter Arm hat sie ereilt, doch mit ihrem Verschwinden vom
Schauplatze der Geschichte des centralen Sd-Afrika ist eine
Vershnungspalme emporgewachsen; ihre Sprache, das Sesuto ist geblieben,
sie vererbte sich auf die Besieger, sie wurde diesen nothwendig,
namentlich als durch Vergrerung des Reiches (in Folge der Vereinigung
mit dem Mabunda-Reiche) und engeren Verkehr mit den sdlich vom Zambesi
wohnenden Vlkern sich mehr und mehr und ohne alles absichtliche Zuthun
von Seite der Beherrscher, ein gemeinsamer, namentlich nach der
letzteren Richtung hin leicht verstndlicher Sprachlaut nothwendig
erwies.

Welch' eine groe Hilfe fr den Forscher, wenn er sich im Sden ohne
Schwierigkeit die Sesutosprache zu eigen machen knnte. Die gegenwrtige
Makololo-Sprache ist nicht mehr das reine Sesuto, sondern durch die
Vermischung mit dem Serotse etwas corrumpirt; ein der Sesutosprache
Mchtiger ist im Marutse-Mabunda-Reiche vollkommen sicher. Als ich den
Knig ber die Ausdehnung seines Reiches befragte, da meinte er, da
seine Leute 15 bis 20 Tagreisen zu gehen htten, bevor sie die nrdliche
Grenze erreichen knnten; nach diesen mit ihm, seinen Huptlingen, den
Abgesandten der nrdlich wohnenden Maschukulumbe und den portugiesischen
Hndlern gepflogenen Besprechungen und nachdem ich die Entfernungen nach
Tagreisen in Meilen verwandelt, zog ich die Grenzlinien des Reiches, wie
sie auf der Karte zu sehen sind. Die Grenze wird nach Norden und Osten
von den Maschukulumbe, nach Sdwest von den Bamaschi, nach Sden von den
Bamangwato-Reichen und dem Matabelelande gebildet.

Sepopo's Name bedeutet in der Serotse einen Traum, seine Mutter hie
Mangala. Die Vorstellung der in Schescheke anwesenden Huptlinge und
Wrdentrger -- darunter war auch Kapella, der Commandant der Truppen --
schlo der Knig mit dem hlichen Maschoku, dem Scharfrichter, einem
riesigen Mabunda, und seinen zwei Schwiegershnen, welche zugleich seine
Schwiegervter waren. Er hatte nmlich von beiden letzteren je eine
Tochter zur Frau genommen und ihnen dafr zwei seiner unmndigen
Tchterchen als Frauen zugesagt.

Als er die gegenseitige Vorstellung schlo, nherten sich mit lauten
Schangwe-Rufen drei Marutse seiner Htte und brachten drei
Bffelschwnze; der Knig hatte sie ausgeschickt, um mich und Blockley
mit Fleisch zu versorgen. Bei dieser Vorstellung wurde Honigbier
getrunken, worin Lunga, die schnste der Basutofrauen, Unglaubliches
leistete. Bevor ich noch schied, zeigte mir der Knig seine beiden
Leibrzte, welche ihn mit Zaubermitteln zu versehen haben, so oft er
sich auf die Jagd begibt. Den Tag bentzte ich, um mir die Stadt zu
besehen, und am Abend fand ich mich wieder in dem kniglichen Gehfte
ein. Am selben Abend kam auch Makumba von Impalera und brachte die
betrbende Nachricht, da der Hndler Y., den ich an Schneemanns-Pfanne
getroffen und ihm angerathen hatte, so schnell wie mglich nach Panda ma
Tenka zu meinem Wagen zu reisen, gestorben sei, bevor er noch dahin
gelangt war.

Vom 20. auf den 21. ereignete sich ein Intermezzo, welches die Harmonie
zwischen mir und dem Knige etwas strte. In Folge der Generositt des
Freundes Blockley ging es in unserem Hfchen wieder so lustig wie die
Nacht zuvor her; es mochte wohl schon Mitternacht sein, bevor die in
einen ausgezeichneten Humor versetzten schwarzen Damen und Herren die
drei riesigen Biertpfe geleert hatten. Als sie endlich vor Mdigkeit
und in Folge des reichlichen Biergenusses in Schlummer verfielen, da
waren es die Kalebapiano's, welche mit ihren Tnen jeden Versuch zum
Einschlummern illusorisch machten. Endlich lullten mich die sich
wiederholenden Weisen in den wohlverdienten Schlaf ein, doch es whrte
nicht lange und ich wurde durch das Bellen eines Hundes wieder geweckt.
Als ich meine Augen ffnete, schien es mir in der Htte ungewhnlich
hell und doch hatte ich die Oeffnung mit einer Kiste geschlossen; nun
bemerkte ich pltzlich einen dunklen Krper in der niedrigen, 2 Fu
hohen Thrffnung. Ein Eingeborner war eben im Begriffe, sich mit der
rechten Hand der neben mir auf einer Kiste liegenden Kleider zu
bemchtigen. Ich hatte auer einigen ber mir hngenden Assagaien, die
ich Tags zuvor erstanden, keine Waffe bei mir. Bevor ich noch zum Stoe
ausholen konnte, war der Dieb aus der Oeffnung verschwunden, ich strzte
ihm nach, doch derselbe war in Begleitung eines Gehilfen, einen Stock
und einen Fisch zurcklassend, zwischen den Htten verschwunden. Dieses
nchtliche Abenteuer regte mich so auf, da ich fr den Rest der Nacht
das Auge nicht schlieen konnte. Als ich am nchsten Morgen den Knig
davon benachrichtigte, antwortete er mir ausweichend, und ich konnte
bemerken, da ihm an diesem Tage meine Begegnung nicht sonderlich freue.
Doch ich lie nicht ab und wollte, da er die Sache untersuchen lasse.
Ich nahm nun zu einer List Zuflucht, sandte einen von Blockley's Dienern
in die Stadt und lie bekannt machen, da ich einen Stock am Flusse
gefunden htte, und da ich diesen Gegenstand gerne von seinem Besitzer
erstehen wrde. Ich lie den Stock beschreiben und war begierig, ob die
versprochenen Glasperlen den Dieb eruiren wrden. Spt am Nachmittage
fand sich ein ltliches Individuum ein, welches, als man ihm den Stock
zeigte, auf diesen losstrzte und ihn als sein Eigenthum reclamirte. Nun
erst, nachdem er auch den getrockneten Fisch als sein Eigenthum
bekannte, fhrte ich ihn zum Knige, der eben beim Nachtmahle sa. Da
jedoch ein Freund des Beschuldigten, der mit ihm gekommen war, rasch
heim eilte, um das gestohlene Gut zu verstecken, so fanden die
Abgesandten des Knigs nichts in seiner Htte und er wurde unschuldig
erklrt. Als ich mich jedoch mit diesem Urtheilsspruch nicht zufrieden
gab, meinte der Knig, da er den Mann mir zu Liebe bestrafen wolle. Auf
meine Frage, welche Strafe er ber den Mann verhngen wrde, antwortete
er, da ihm der Tod bestimmt sei. Damit konnte ich mich nun wieder
keinesfalls einverstanden erklren und bat den Knig, den Mann auf
freien Fu setzen zu lassen, bemerkte jedoch dem Knige gegenber, da
ich jeden nchtlichen Eindringling knftighin niederschieen werde.
Sepopo meinte hierauf, da dies das Beste wre und theilte dies den
zahlreich Versammelten sofort mit lauter Stimme mit.

Am Abend kamen Mnner von der Barotse, darunter auch ein von Sekeletu
gefangen genommener Matabele und brachten ihre Abgaben an Korn. Der
Knig zeigte den Ankmmlingen das Innere seiner Htte, auf das er nicht
wenig stolz war. Nachdem ich am selben Tage durch Masangu, einem
Wrdentrger, den man vielleicht am richtigsten Arsenal-Verwalter nennen
knnte, aufmerksam gemacht worden war, da der Knig in Folge der durch
den Diebstahl mir zugethanen Beleidigung geneigt wre, mir Satisfaction
zu geben, wollte ich die Gelegenheit bentzen und den Knig formell um
die Erlaubni bitten, sein Reich bereisen zu drfen. Gleich bei meiner
Ankunft in dem Hfchen fiel mir unter den dreiig in tiefer Stille
Hockenden ein Mann ob seiner uerst demthigen und unterwrfigen
Stellung auf, die Verschmitztheit, die aus seinem Gesichte
hervorleuchtete, brachte mir die Vermuthung bei, da ich es nicht mit
einem Eingebornen des Marutsereiches zu thun habe; nachdem ich ihn etwas
nher fixirt, war ich dessen sicher, da es ein Halbkast war. Als ich
den gnstigsten Moment fr gekommen hielt, rckte ich mit meinem
Ansuchen heraus; ich frug den Knig, ob er mein ihm durch Westbeech
gestelltes Ansuchen kenne, und als er dies bejahte, erluterte ich nun
den Zweck meiner Reise.

[Illustration: Hafen von Schescheke.]

Nachdem der Knig zugehrt verhielt er sich einige Minuten ruhig, dann
warf er die Frage auf: Spricht der weie Doctor die Serotse oder die
Sesuto? Ich antwortete verneinend. Spricht der weie Doctor die
Sprache dieser beiden Mnner, und er wies auf zwei zu seiner Linken
liegende Mnner, von denen mir der eine als Halbkast und durch sein
verdchtiges Aussehen so aufgefallen war. Als ich mich darauf
erkundigte, was dies fr Leute seien, antwortete mir der eben erwhnte,
indem er seinen Hut lftete mit demthiger Stimme. Wir sind
portugiesische Hndler von Matimbundu und gute Christen. Das waren also
die sogenannten Mambari, von denen ich schon so viel Unfreundliches
vernommen. Der mir vom Knige als ein groer Mann und Doctor
vorgestellte, hie Sykendu. Als der Mann zu mir aufsah, war ich durch
seinen gleinerischen Blick in meiner erstgefaten Meinung nur bestrkt.
Als Sepopo vernahm, da ich auch ihre Sprache nicht verstehe, meinte er,
da ich sie in Schescheke erlernen mte, da mir diese Mnner als Fhrer
und Dolmetscher ausgezeichnete Dienste leisten knnten, und so hrte
ich, da den portugiesischen Hndlern (ich lernte spter noch mehrere
kennen) von Loanda, Mossamedes und Benguela jene Gebiete, die wir bis
jetzt zwischen der Westkste und dem Bangweolo-See und nach Osten bis an
die Mndung des Kafueflusses als eine ^Terra incognita^ betrachten, in
allen Details bekannt sind; sie kennen nicht allein die verschiedenen
Eingebornenreiche und ihre Herrscher, sondern auch die Unterhuptlinge
und die Charakterzge derselben. Sie kannten auch alle Hhenzge und
Flsse, welche man auf einem Zuge durch diese Gebiete zu berschreiten
hatte. Und doch hatten es diese Leute, ebensowohl als ihre weien
Collegen von der Westkste fr gerathen gefunden, von diesen Kenntnissen
zu schweigen, um nicht Handelsleute anderer Nationen nach den an
Elfenbein und Gummi reichen Lndern zu locken. Ich ersuchte Sepopo um
zwei Fhrer, doch bevor er noch antworten konnte, berraschte mich
Sykendu mit einer Antwort. Seinen Hut abermals lftend, beugte er den
Kopf bis zur Erde und indem er ein lateinisches Kreuz schlug, machte er
einen Schwur bei der Mutter des Heilandes, da er und der neben ihm
liegende Bruder die beiden besten Christen im Innern und deshalb auch
die besten Fhrer wren. Dies war wohl die Antwort auf die mitrauischen
Blicke, mit denen ich die Mnner zu betrachten mich nicht erwehren
konnte. Abermals herrschte auf einige Minuten Stille, dann meinte
Sepopo, es wre gut, wenn ich mir vielleicht die Serotse oder die
Sprache der Makololo aneignen wrde. Er meinte, ich wrde dann etwas
verhten, was Livingstone auf seinem Zuge durch das nrdliche Mamboeland
begegnet. Der Monary (Livingstone) konnte sich mit den Leuten nicht
verstndigen und deshalb dachten jene Huptlinge, da er ein Zauberer
und mit dem Regen vom Himmel herabgefallen sei. Monary mute jeden von
ihnen mit einem Gewehre beschenken, um sie vom Gegentheile zu
berzeugen. Sykendu warf sodann die Frage auf, ob der Englnder auch
wisse, da man ihre Fhrerdienste gut bezahlen msse, worber ihn Sepopo
vollkommen beruhigte. Sykendu forderte vier 80 Pfund schwere
Elephantenzhne als Fhrerlohn, ich bot jedoch nur vier solche zu 40
Pfund unter der Bedingung, da diese von mir bei Sepopo deponirt wrden
und meinen Fhrern erst bei ihrer Rckkehr von Matimbundu, wohin sie
mich zu bringen hatten, vom Knige auszufolgen wren. Als ich jedoch
einige Monate spter Schescheke verlie und mich auf meine Weiterreise
begab, zog ich ohne die beiden Mambari, ich hatte sie nmlich in der
Zwischenzeit als Sklavenhndler kennen gelernt und anderweitige Grnde
gefunden, ihnen zu mitrauen.

Als an jenem Abend die Sache mit den Mambari in's Reine gebracht worden
war, versprach Sepopo, mich mit Khnen und Bootsleuten zu versehen, die
Letzteren sollten mich bis nach der Barotse bringen, hier sollten diese
von Marutse-Mnnern und in jeder weiteren Provinz bis in das Mamboland
durch neue Leute abgelst werden. Die Mambo jedoch htten mich bis an's
groe Wasser, d. h. das Meer zu begleiten, wofr ich einen jeden mit
einer Muskete zu entlohnen gehabt htte, whrend die mir blos auf kurze
Strecken mitgegebenen Bootsleute mit Hemden oder Kattun bezahlt werden
sollten. Auerdem versprach der Knig den am Flusse wohnenden
Vlkerschaften den Befehl zu ertheilen, mich und meine Gefhrten mit den
nthigen Lebensmitteln zu versorgen. Er rieth mir zwar an, mich nach
Norden gegen den See Bangweolo zu wenden, da ich dann mit Trgern reisen
und Khne ersparen wrde, was fr ihn angenehmer und fr mich
gefahrloser sein wrde.

Wie oft bereute ich es spter, seinem Rathe nicht gefolgt zu sein. Ich
dachte der Wissenschaft mehr zu ntzen, wenn ich den Zambesi bis an
seine Quellen verfolgte und anderseits hoffte ich, da mich die
Bootfahrt weniger ermden wrde und ich meine Krfte fr die weitere
groe Landreise reserviren knnte.

Ich entschlo mich, so bald wie mglich in das Panda ma Tenka-Thal
zurckzukehren, meine Angelegenheiten zu ordnen und mich dann wider nach
Schescheke zurckzubegeben, um meine Reise nach dem Zambesi aufwrts
fortzusetzen. Am 22. besuchte ich die nach Osten zu gelegene, zum Aufbau
der neuen Stadt bestimmte Stelle; auf dem Wege dahin wie am Orte selbst
bot sich mir ein hchst interessanter, pittoresker Anblick. Die Erbauung
der neuen Stadt war im vollen Zuge, der Flu wimmelte von Khnen, in
denen Mnner Gras, Pfhle, Schilfrohr herbeizuschaffen bemht waren. Da
waren eben einige beladene Khne im Begriffe den Flu zu kreuzen, um
sich ihrer Last an unserem Ufer zu entledigen, whrend andere eben
abstieen, zahlreiche andere stromaufwrts und abwrts dahinglitten.
Landeinwrts schleppten einzeln oder im Gnsemarsch einander folgende
Mnner und Frauen riesige vorne berhngende und hinten beinahe bis zur
Erde reichende Grasbndel heran. Andere Haufen von Mnnern trugen an
Pfhlen riesige Thongefe aus den kniglichen Kornkammern, um sie in
dem neu zu errichtenden kniglichen Gehfte zu placiren. Von Zeit zu
Zeit begegnete ich einem wandelnden Dache. Ich sah vor mir eines der
kugelfrmigen Grasdcher sich in dem hohen Grase bewegen, oder ich wurde
durch das pltzliche Erscheinen eines anderen aus meinen Trumereien
gerissen. Nur bei nherer Untersuchung konnte ich die Locomobile dieser
Dcher erkennen, schwarze Schenkel wurden in dem hohen Grase sichtbar,
es waren jene der Trger, welche zu 10 bis 30 durch das hohe Gras
schlichen. An der Vorderseite hatte man eine kleine Oeffnung angebracht,
durch welche der leitende Trger herauslugte. Manche der Arbeiter zogen
singend, andere tanzend dahin, wieder andere liefen in scharfem Trab an
mir vorber. Auch die Kniginnen waren nicht mig, ich sah welche im
vollen Stolze ihrer Wrde einherschreitend und von einem Trosse
Grasbndel tragender Dienerinnen begleitet.

Einmal rief mich der Gru: Moro (Guten Morgen), Moro! Njaka Makoa
(Doctor, Weier) wach und als ich mich umkehrte, sah ich den
Masupia-Huptling Makumba mit einer Schaar seiner Leute an mir
vorberpassiren. In der Blockley's Gehfte von drei Seiten (nach Norden,
Westen, Osten) umgebenden Stadt Alt-Schescheke waren zahlreiche Menschen
mit dem Abbrechen der Rohrhtten und Huschen und der Uebersiedelung
ihres Eigenthums beschftigt. Auch Blockley packte seine sieben Sachen
zusammen, um sich einstweilen in Neu-Schescheke in einer fr ihn auf
Befehl des Knigs errichteten Grashtte niederzulassen.

Ich war, nach Alt-Schescheke zurckgekehrt, eben mit meinem Tagebuche
beschftigt, als mich der wiederholte Ruf Molelo, Molelo (Feuer)
emporri und vor die Htte trieb. Ich sah zwar nur ein brennendes
Gehft, doch dieses eine stand in der Mitte einiger hundert anderer aus
trocknem Rohr errichteter, von der Sonnenhitze gedrrter, und deshalb
rasch in ein Flammenmeer verwandelter Htten. Ein starker Ostwind fachte
die Flammen immer mehr an, an den nach dem Flusse zu mndenden Pfaden
erschienen heulende und schreiende Frauen und Kinder. Dazwischen
drhnten die Detonationen der Schsse aus den in den Htten
zurckgelassenen Gewehren. Die Kugeln schlugen bald hier bald dort ein
und gefhrdeten die Lage der den Brandplatz umgebenden Leute in hohem
Grade. Sowie ich meine wenigen Sachen aus der Htte herausgeschafft
hatte, kam Blockley herbeigerannt. Er kam um Schaufeln zu holen, da sich
am Waldesrande, an der dem Feuer entgegengesetzten Seite die Htte
befand, in welcher Westbeech sein, sowie das an Sepopo verkaufte
Schiepulver aufbewahrt hatte. Es galt nun den Pulvervorrath so rasch
als mglich aus der Htte zu schaffen und es in dem feuchten Boden zu
vergraben, da ein Waldbrand zu befrchten war. Nach Westen, etwa 30
Schritte weit, lag des Knigs Pferdestall (aus Pfhlen errichtet) und
nach Osten eine kaum zwei Meter ab liegende Gruppe von Htten, doch da
sie beide von der Hauptmasse, die vor uns (nach Norden) im Feuer stand,
circa fnfzehn Schritte entfernt waren, weniger gefhrlich. Die meiste
Gefahr drohte eben von vorne, wo zwei Rohrgehfte aus der Masse
hervortretend, unserer Schilfumzunung auf fnf Meter Entfernung
gegenberstanden, sie war noch vom Feuer verschont geblieben. Wirkte
auch der durch die Flammen sausende Wind mit dem tausendfachen
Geknatter, das von dem Brande zahlloser Rohrschfte herrhrte, sowie die
von der Sonne und von dem Feuer ausgehende Gluth sinnebetubend, so
verschuldeten es doch in erster Linie die sich entladenden Gewehre, da
sich die Reihen der Lschenden so stark lichteten, und ich frchten
mute, im Augenblicke der hchsten Noth allein zu stehen. Ich hatte nur
meinen Diener Pit und einen von Blockley's Dienern bei mir, welche die
wenigen Thon- und Krbisgefe, die uns zur Verfgung standen, am Flusse
fllten und dabei noch die Hlfte davon im Eifer der Arbeit zerschlugen.
Mein Beispiel eiferte bald mehrere Eingeborne zur Nachahmung an und so
gelang es mir, der Verbreitung des Feuers eine Schranke zu setzen,
nachdem ich die Rohrumzunung unseres Gehftes niedergerissen hatte.

Mehr als die Hlfte von Alt-Schescheke wurde durch diesen Brand
zerstrt; als Sepopo von der Baustelle von Neu-Schescheke aus das Feuer
sah, machte er seinem Unmuth in einer fr seine Umgebung recht fhlbaren
Weise Luft. Er hieb auf sie mit dem Stocke los, bis er sich mde
geschlagen. Freudig begrte ich den siegreich zurckkehrenden Blockley,
dem es gelungen war, das Schiepulver zu retten und auch er gab seiner
Freude Ausdruck, da ich sein und Westbeechs Waarengehfte gerettet
hatte. Ich hatte keine Ahnung, da ich selbst in der grten Gefahr
schwebte, da in dem Gehfte, dessen Rettung mir gelungen war, Blockley
700 Pfund Schiepulver in einer Kiste aufbewahrt hatte.

Am nchsten Tage kamen mehrere Khne von der Barotse, welche der Knig
zu meiner Verfgung stellte; er rieth mir, rasch zu meinem Wagen nach
dem Panda ma Tenka-Thale zu eilen und mich bald wieder in Schescheke
einzufinden. Ich blieb in Neu-Schescheke, nachdem ich zu Blockley
bersiedelt war und das Huschen in Alt-Schescheke verlassen hatte, bis
zum 30. August. Die Zeit meines Aufenthaltes in der kniglichen Residenz
verwendete ich meist zur Vermehrung meiner ethnographischen Sammlungen
und zum Studium der Gebruche der hier so zahlreich versammelten
Eingebornenstmme des Reiches, nebstbei zur Erlernung der
Sesuto-Sprache. Da ich dem Versprechen des Knigs zufolge den Weg nach
der Westkste offen zu haben whnte, schlo ich mit Blockley ein
Geschft ab, wobei er sich verpflichtete, meinen Wagen mit den
Sammlungen nach Schoschong zu bringen, wo sie einstweilen deponirt
werden sollten. Dafr verkaufte ich ihm, da er es auerdem sehr
benthigte, mein Gespann fr Elfenbein und verschiedene Waaren, wie
Calico, Glasperlen etc.

Ich will nun im Folgenden einige Zge aus dem Charakter der das
Marutse-Mabunda-Reich bewohnenden Stmme anfhren und mit der Erzhlung
einiger Begebenheiten in der Zeit vom 26. bis 30. August die Schilderung
meines ersten Besuches bei Sepopo schlieen.

Mit Ausnahme der stlich von den Matabele wohnenden Maschona ist kein
Stamm in Sdafrika so thatkrftig wie mehrere das Marutse-Mabunda-Reich
bewohnenden Stmme und da die Producte ihrer Kunstfertigkeit reichlich
im ganzen Lande verbreitet sind, fallen sie dem vergleichenden
Ethnologen sofort in die Augen und sprechen fr die relativ hohe
Culturstufe der Stmme. Dieses Uebergewicht ber die sdafrikanischen
Stmme wird aber noch schlagender, wenn wir ihre Geschicklichkeit im
Canoefahren, Fischen etc., ins Auge fassen. Die Fertigkeit in der
Production von Gegenstnden aus Metall, Bein, Horn, Haut, Holz und ihre
sonstigen Verrichtungen lassen auf eine nicht unbedeutende Stufe
geistiger Fhigkeiten schlieen. Sie lechzen nach jeder Belehrung und
Unterweisung und begreifen leicht. Zur Vervollstndigung der Parallele
zwischen ihnen und den Stmmen sdlich des Zambesi mu ich jedoch auch
erwhnen, da sie in moralischer Beziehung tiefer als die meisten der
Eingebornenstmme Sd-Afrika's stehen, doch ist diese Erscheinung durch
den primitiven, urwchsigen Zustand bedingt, in dem Wilde, wenn sie von
der wohlthtig auf sie einwirkenden Auenwelt abgeschlossen sind,
verbleiben und keineswegs ein erworbenes Laster, wie wir es bei der
Hottentottenrace finden. Dehalb glaube ich auch mit Rcksicht auf ihre
geistigen Fhigkeiten, da sich diese Schattenseite ihres Charakters
allmlig heben lassen wird.

[Illustration: Uebersiedlung nach Neu-Schescheke.]

Ein weiterer tief im Wesen und in der Tradition des Volkes begrndeter
Uebelstand ist der Hang zum Aberglauben, worin die Vlker des Reiches
die brigen Sd-Afrika's weit berragen und der durch die zahlreichen
Menschen, die ihm zum Opfer fallen, noch verschrft wird. Unter allen
anderen sdafrikanischen Stmmen herrscht derselbe nur bei den Zulu's
und Matabele's in hnlich abschreckendem Mae. Da jedoch am Zambesi das
Knigshaus die Hauptschmiede des Zauberschwindels ist und die Knige
ihre Grausamkeiten oft aus Aberglauben ausben, somit von ihnen derselbe
wissentlich bei den Unterthanen genhrt und verbreitet wird, dieselben
dann wegen der vielen aus diesen Untugenden des Knigs und seiner
Rathgeber hervorgehenden Schreckensthaten das Oberhaupt mit seinen
Lehren vom Zauber und Aberglauben frchten und hassen lernen, so wre es
am zentralen Zambesi mehr als irgendwo in Sd-Afrika lohnenswerth, diese
aberglubischen Gebruche, das wichtigste Hinderni der Civilisation zu
schwchen und zu beseitigen.

Der Knig der Marutse ist unumschrnkter Herrscher und Besitzer des
Landes und seiner Bewohner. Trotzdem aber streckt -- mit Ausnahme
Sepopo's, dessen Regierung die eines Tyrannen war -- der Herrscher nur
selten seine Hand nach fremdem Eigenthume aus. Der jeweilige Herrscher
oder die Herrscherin (die Frauen sind bei den Nord-Zambesistmmen als
Regentinnen, weil sie weniger grausam als die Mnner sind, beliebter)
bestimmen ihren Thronfolger schon bei Lebzeiten. Derselbe kann Knabe
oder Mdchen, mu aber stets einer Marutse-Mutter entsprossen sein. Bei
den conservativen Betschuana's gilt der erste mnnliche Sprosse der
ersten Frau als Nachfolger und diese Bestimmung besitzt solche
Rechtskraft, da selbst im Falle eines frhzeitigen Ablebens des
rechtmigen Knigs, der erste Sohn, dem die verwitwete Knigin das
Leben gibt, der rechtmige Herrscher des Landes wird. Im Jahre 1875
bestimmte Sepopo, da sein sechsjhriges Tchterchen die zuknftige
Herrscherin des Marutse-Reiches werden solle, von Rechtswegen htte
Moquai, seine lteste Tochter, die rechtmige Thronfolgerin sein
sollen, da sie jedoch als Knigin der Mabunda's einen groen Anhang im
Lande hatte, schien sie ihm als Thronfolgerin zu gefhrlich. Die erste
Frau des Knigs wird Mutter des Reiches genannt.

Der Knig gilt auch fr den grten Zauberer und Heilknstler und unter
dem Deckmantel dieser bei den meisten Vlkern so geachteten Knste
wurden von Sepopo die schrecklichsten Verbrechen begangen, wobei er nach
Herzenslust das Volk hinterlistig tuschte, trotzdem er selbst vom
Unsinn vieler aberglubischer Gebruche durchdrungen war.

Der jeweilige Herrscher des Marutse-Reiches besitzt sehr groe
Einnahmsquellen. Auer seinen ausgedehnten bebauten Lndereien, die
theils von ganzen Colonien seiner dazu beorderten Unterthanen, theils
von seinen vielen mit zahlreichem Gefolge versehenen Gemahlinnen
bewirthschaftet werden, betragen die directen Abgaben, wie der
eingezahlte Tribut ganz erstaunliche Mengen an allerlei Artikeln, welche
ein Marutse-Frst sich nur wnschen kann und reprsentiren einen
bedeutenden Werth. Da Gummi elasticum wie auch Elfenbein, die ihm als
Krongut abgeliefert werden mssen, die wichtigsten Tauschartikel bilden,
so ist der Herrscher der eigentliche und erste Kaufmann des Landes. Er
kauft oft Wagenladungen von Waaren im Werthe von 3--5000  St.,
verschenkt den grten Theil davon an seine nchste Umgebung oder an die
ihn zufllig aus den entlegeneren Theilen des Reiches aufsuchenden
Unterthanen, wobei jedoch die vertheilten Waffen, wie Gewehre etc. stets
des Knigs Eigenthum verbleiben. Trotzdem gelstet es oft doch noch dem
Knige nach einer schnen, einem der wohlhabenderen seiner Unterthanen
angehrenden Rindviehheerde, die ihm seiner Auffassung nach zugehrt,
die er jedoch des guten Scheines halber nicht ohneweiters ausgeliefert
haben will, sondern sich ihrer auf andere Weise bemchtigt, z. B.
dadurch, da er einfach den Besitzer des Hochverrathes, der Zauberei
ober eines Mordes anklagt, verurtheilt und hinrichten lt.

Der Herrscher kann das Leben nehmen wann und wie er will; er kann zu
Sklaven machen wen und wie viele er will; er kann seine Hand nach der
Frau eines Jeden ausstrecken, wenn diese sein Wohlgefallen erregt, wobei
er einfach den Gemahl zur Seite schiebt und ihm eine andere Frau
anbietet oder gibt; er kann ferner die Kinder den Eltern entreien, wenn
diese zu dieser oder jener Zauberei nothwendige Objecte bilden sollten.
Die Regentinnen knnen sich nach Gefallen einen Gemahl whlen, ohne
Rcksicht, ob der Mann schon durch eheliche Bande gebunden ist oder
nicht. Der Regent besitzt immer das Schnste, was von den
Nachbarvlkern, was von den Weien ausgetauscht, oder was kunstvollst im
Reiche selbst ausgearbeitet wurde. Hochverrath wre es, wenn Jemand
Schneres oder Werthvolleres als der Herrscher besitzen wrde. Oft bot
ich den Leuten Geschenke an, die jedoch, wenn es ungewhnlichere Objecte
betraf, mit den Worten zurckgewiesen wurden: Wir drfen es nicht
nehmen, wir wissen nicht, ob es Sepopo besitzt.

Im Bauwesen berragen die Vlker des Marutse-Mabunda-Reiches die meisten
sdlich vom Zambesi wohnenden Eingebornenstmme, den in diesem Fache
Gewandtesten kommen sie gleich. Es gilt dies jedoch nur von den feste
Wohnsitze innehabenden Stmmen, nicht aber von jenen, die sich blos
periodisch der Ernte, der Fischerei oder der Jagd halber kurze Zeit an
einem selbstgewhlten oder ihnen vom Statthalter oder Knig angewiesenen
Orte aufhalten. Solche periodische Wohnsitze finden wir namentlich an
den Ufern der groen Flsse, an stlichen und sdlichen Waldabhngen und
im Dickicht der Wlder, wo mitten in denselben ebene Lichtungen das Wild
anlocken. Feste Wohnsitze sind ber das ganze Land zerstreut; das Land
der groen Stdte ist aber die Barotse. Die Vlker bauen im Allgemeinen
gefllige, angenehme und gediegene Htten und Huser und -- was sehr in
die Wagschale fllt -- sehr rasch. Es lt sich leicht erkennen, da es
namentlich die Natur ist, in der die Vlker leben, die ihnen das
Baumaterial so reichlich und unter so geringer Mhe liefert und so das
Bauen erleichtert, allein wir drfen den Leuten auch einen gewissen
Sinn, ein greres Verstndni in dieser Fertigkeit nicht absprechen,
die wir bei den meisten der sdlich vom Zambesi wohnenden Stmme
vermissen, denen ebenfalls von der Natur das Baumaterial in
unmittelbarer Nhe und reichhaltig gespendet wird. Ich erwhnte bereits,
in welch' kurzer Zeit Neu-Schescheke aufgebaut wurde. Man kann nicht
behaupten, da die Htten der Betschuana-, der Zulu-, Hottentotten-Race
etc. mehr Schutz gegen das Feuer gewhren, als jene nrdlich des
Zambesi; hier jedoch wird der durch das Feuer verursachte Schaden so
leicht und rasch ersetzt, da das Unglck minder fhlbar wird.

Das Flunetz des Marutse-Reiches mit seinen ausgedehnten, hoch und dicht
bewachsenen Marschen bietet den Bewohnern reichliche, fruchtbare,
wohlgelegene Ansiedlungsstellen und das Riesenwlder bildende Schilf ein
vorzgliches Baumaterial, Holz zum Baugerste, Lattenwerk, Bast, und
daraus wie aus Palmenbltter geflochtene Seile und Taue, Ngel und
Klammern, dichtes riesiges Gras als Eindeckungsmaterial, Sand und Thon
zum Cement finden sich fast berall und wo es fehlt, kann es mit den
raschen Booten in kurzer Zeit herbeigeschafft werden. Dabei hilft Einer
dem Andern, wo es nthig ist. Bezglich ihrer Anlage sind die Stdte so
nahe als es die jhrlichen Ueberschwemmungen gestatten, an die Flsse
angebaut und in der Regel von einem Kranze von Drfern umgeben, in denen
meistens Leibeigene wohnen, die fr ihre Herren in der Stadt in deren
nchster Umgebung Felder bestellen, Getreide anbauen oder auch
Viehheerden hten mssen. Auerdem sind die Stdte bedeutend reiner
gehalten als jene sdlich des Zambesi, wozu, wie zur persnlichen
Reinlichkeit, auch wieder der Ueberflu an Wasser die Erklrung gibt.

Unter den verschiedenen Stmmen des Reiches fand ich die Marutse im
Bauen praktischer als die von ihnen unterjochten und tributpflichtigen
Stmme. Bei den Marutse beobachtete ich drei wesentlich von einander
verschiedene Bauarten, und zwar: concentrische hohe, cylindrische und
Langbauten. Die concentrische Bauart besteht aus zwei Husern, von denen
das eine, an Umfang kleinere, jedoch hhere, in ein weiteres,
niedrigeres hineingebaut ist und beide von einem kegelfrmigen
Riesendache berdacht werden. Die Form des inneren Hauses ist die eines
Kegelstutzens, es trgt ein eigenes kleines, gewlbtes, niederes Dach,
die Form des ueren Hauses ist eine cylindrische. Das gemeinschaftliche
Dach reicht von der Spitze des Innenbaues ein bis zwei Meter ber den
Auenbau und wird an seiner Peripherie von einem Pfahlkranze gesttzt,
wodurch noch um den Auenbau eine schattige Veranda geschaffen wird. Den
Bau dieser Huser bernehmen die Frauen, jenes des Knigs die
Kniginnen, nachdem ihnen ihre Mnner, hier die Diener oder die dazu
beorderten Unterthanen das nthige Material herbeigeschafft, geebnet und
mit Cement (aus Thon und Sand hergestellt) angeworfen haben. Die
Baustellen haben gewhnlich einen Umfang von 6 bis 12 Meter. Die
Peripherie wird zu einer 30 bis 40 Centimeter tiefen, 10 bis 15
Centimeter breiten Furche vertieft und in diese lose Bndel von starkem,
ber vier Meter hohem Rohr eingelassen und die Furchen sodann
ausgefllt. Mittelst zwei bis vier Palmenblattstricken wird diese
cylindrische Rohrmauer der Quere nach durchflochten, die Rohrstengel
fest mit einander verbunden, wobei ich beobachtete, da diese zum
Durch-, Um- und Aneinanderflechten der Rohrbndel und Stengel bentzten
Querverbindungen nach oben zu krzer werden, so da statt einer
cylindrischen eine kegelstutzfrmige, etwa drei bis vier Meter hohe
Rohrmauer entsteht, welcher Vorgang auch genau der Natur des
Baumaterials entspricht.

In einer Hhe von drei bis vier Meter ber dem cementirten Boden wird
das Rohr gleichmig abgeschnitten und dann in allen Fllen die
Auenseite, bisweilen auch die Innenflche dieser Rohrwand cementirt.
Nachdem dies vollendet, wird von Mnnern das niedere kegelfrmige
Rohrdach geflochten und von den Frauen einer enganschlieenden Kappe
gleich, dem Baue aufgesetzt und von auen cementirt. Mit einer in der
Regel dem Hofeingange entgegen blickenden Thrffnung von halb ovaler
Gestalt, die man in die Rohrwand einschneidet und deren Rahmen man durch
kunstvolles Cementgesimse ersetzt, vollendet man den Bau des
concentrischen Hauses. Bei der Anlage des Auenbaues wird in hnlicher
Weise vorgegangen. Auch hier wird eine Furche gegraben, der Boden
cementirt und Rohrbschel, doch nur von 2-2/3 bis 3-1/3 Meter Hhe
eingepflanzt, die etwa 30 Centimeter tief im Boden sitzen. Da diese
Umfassungsmauer die Wucht des Hauptdaches zu tragen hat, wird die
Rohrwand durch zahlreiche, eng aneinander oder hchstens 50 Centimeter
von einander abstehende, ihr an Hhe gleichkommende oder sie um einige
Centimeter berragende, der Rinde beraubte Pfhle gesttzt. Die
Auenflche dieses ueren Hauses ist stets, die Innenflche zumeist
cementirt, weshalb man kaum das leichte Baumaterial vermuthen wrde.
Genau mit der Oeffnung des Innenbaues correspondirend ist auch an dem
Auenbaue die Thre angebracht, bei allen greren Bauten von
Manneshhe, 2 Meter hoch und 80 Centimeter bis einen Meter breit. Ist
der Auenbau (12 bis 24 Meter im Umfange) von den Frauen vollendet, so
wird das Hauptdach von Mnnern geflochten und die Verandapfhle in einer
Entfernung von 1 bis 1 Meter von dem Auenbau eingerammt. Der Raum
zwischen diesen Pfhlen und dem Auenbau, d. h. das Trottoir der Veranda
wird etwa 10 bis 20 Centimeter hoch aufgeschttet und cementirt. Ist nun
inzwischen das kegelfrmige Riesendach fertiggestellt, so wird es dem
Auenbau aufgesetzt, die schwierigste Procedur bei der gesammten
Bauthtigkeit. In einem Tempo wird das Dach von 40 bis 60 Mnnern
mittelst 3 bis 4 Meter langen Pfhlen von der Erde gehoben und auf die
krzeren Pfhle gesttzt; nun verwechseln einige, nach und nach alle die
kurzen Pfhle gegen die lngeren und abermals wird das Dach in einem
Tempo hoch aufgehoben, da der Rand an einer Stelle auf der Dachspitze
des Innenbaues ruht und dann mit Bedacht von der entgegengesetzten Seite
weitergehoben, bis es ber dem Dache des Innenbaues liegt. Das
ungleichmig die Veranda berragende Rohr wird nun zugestutzt und von
Mnnern wie Frauen das Dach mit dem trockenen, vorjhrigen Ufergras
gedeckt. Dabei wird zuerst das Dach mit einer 15 bis 30 Centimeter
dicken Graslage regendicht berschttet und mit Fcherpalmenstricken und
Tauen netzartig umwunden, um es gegen den Wind widerstandsfhig zu
machen.

Auf das Gltten des grauen Cementes und vor Allem auf den gesimsartigen
Rahmen der inneren Thre, auf welcher dnne Leisten auf das Feinste und
symmetrisch ausgefhrt sind, wird die grte Mhe verwendet. Der
Knig besitzt in seinem Hofe drei solche in dem Winkel eines
gleichschenkeligen Dreieckes stehende Huser; zwei bis drei Kniginnen
je eines; die Wrdentrger in der Regel eines bis zwei. Namentlich schn
und gediegen sollen jedoch die kniglichen Gebude in der Barotse
gearbeitet sein. Die Nebenhuser der Kniginnen sind nach Art der
backofenfrmigen Bauten der Masupia's gearbeitet. Der knigliche Hof
besteht aus mehreren um die Gebude des Regenten concentrisch
angeordneten Husergruppen.

Die kniglichen Wohnhuser sind von einer elliptischen Umzunung umgeben
und werden nach auen hin von zwei concentrischen Gehftkreisen umfat,
die je sechs bis acht Gehfte zhlen, welche von den Kniginnen bewohnt
werden, im weiteren Umkreise befindet sich sodann das knigliche
Vorrathshaus, das Kchen-Departement, die Htte fr die knigliche
Musikbande; im vierten uersten Kreise stehen das im europischen Style
gehaltene Berathungshaus und die Htten der Dienerinnen und Diener. Die
Huptlinge wohnen in einem weiten concentrischen Kreise um den Complex
der kniglichen Wohnungen, oder wenn sich, wie in Neu-Schescheke, die
kniglichen Gebude an ein Gewsser lehnen, in einem Kreissegmente,
wobei jedem Huptlinge die Stelle, an der er sich in der Residenz
niederlassen soll, genau ausgemessen ist. Den Hofeingang versperrt man
bei Nacht, um die Raubthiere abzuhalten, mit einer aus Rohr gearbeiteten
Thre.

Eine zweite Bauart, hauptschlich bei einem Zweigstamme der Marutse im
Gebrauche, ist die cylindrische. Die in diesem Style aufgefhrten Htten
sind cylindrisch und hoch, selten und dann nur an der Innenwand
cementirt. Sie haben einen Durchmesser von 3 bis 4 Meter und sind mit
einem 1 bis 1 Meter hohem Rohrdach gedeckt, welches an seiner Spitze
verschiedene, aus Holzstcken, Gras- und Strohseilen verfertigte
Verzierungen trgt.

Eine andere Bauart der Htten bei den Marutse ist die giebeldachfrmige,
mit einem gewhnlich in der Mitte angebrachten, der Hofthr zugekehrten
niedrigen Eingang, an dessem Rahmen das Baumaterial, Schilfrohr oder
Gras, vorspringende Kmme bildet, um den Regen abzuhalten und einen
besseren Verschlu zu sichern. Die armfrmigen, oben bogenartig in
einander greifenden Rohrbndel sind durch zahlreiche, dnnere aus
gleichem Material geformte Latten der Quere nach verbunden. Bei greren
Bauten wird der Giebel durch drei bis fnf Pfhle gesttzt und durch
Matten-Verschalung das Innere in zwei ungleiche Rume getheilt, von
denen der kleinere als Empfangs-, der grere als Schlafraum bentzt
wird. Solcher Giebelbauten enthlt ein greres Gehfte einen bis zwei,
bei einem Wohlhabenden findet sich in der Regel noch eine Rundhtte als
Kornkammer und bei einem Huptlinge eine hnliche als Berathungshaus.
Der Hofraum ist von lnglich-ovaler Form und das Hauptgebude mit seiner
Frontseite dem Eingange zugekehrt.

Von den in Schescheke lebenden Marutse wohnen zwei Drittel derselben in
solchen Husern unter dem Huptlinge Maranzian. Die Mabunda's haben den
Langbau der Marutse im Gebrauch, nur sind ihre Htten krzer und breiter
und haben einen flacheren First. Die Umzunung ist eine viereckige und
besteht aus  bis 2 Meter hohen Pfhlen, die in einer Entfernung von ein
bis zwei Meter in die Erde eingelassen sind, und einem sich an diese
mittelst Querstangen sttzenden Rohrzaun.

[Illustration: Musikinstrumente der Marutse.]

Auer den genannten drei Husern fand ich in dem kniglichen Hofraume
noch drei Htten, welche mir auffielen, erstlich des Knigs Apotheke und
sein Badezimmer, eigentlich ein auf dnnen Pfhlen ruhendes Strohdach
mit einem Durchmesser von etwa drei Meter und mit einem fnf Fu hohen
Pfahle in der Mitte. Dieser Pfahl war mit kleinen Krbchen, Kalebassen,
Sckchen, Antilopenhrnern, Knochen, Korallenstrngen etc. behangen,
unter denen die gefartigen Objecte heilende Kruter, sowie Gifte,
deren man sich zu den Hinrichtungen bediente, doch auch allerlei
Zauberschwindel, Zauberinstrumente und Mittel aus Holz, Rohr, Vogel- und
Thierknochen, Elephanten- und Nilpferd-Elfenbein, Fruchtschalen,
Thierklauen, zu Pulver gebrannte Knochenstcke, ferner die Schuppen des
Schuppenthieres und des Krokodils, Schlangenhaut, Tuch- und Wolllappen
enthielten. Auch auf dem Boden der Htte lagen solche Gegenstnde in
verschiedenen Gefen und an der Innenseite des Httendaches war ein
Medicinkistchen aufgehangen, das ein portugiesischer Hndler einst
Sepopo verehrt hatte. Auerdem hingen einige Musikinstrumente in der
Htte und jeden Abend wurde eine riesige runde Holzschssel
hereingebracht, in der Sepopo sein Bad nahm. Vor derselben stand eine
kleinere Htte mit einem prismatischen Dache, in welcher verunstaltete
Elephantenzhne, deren man zufllig auf der Jagd habhaft geworden war,
sowie einige Gefe mit allerlei Zaubermitteln lagen, deren sich der
Knig auf der Jagd bediente. Hinter dem Empfangshause erhob sich ein
hnlich geformtes, bedeutend kleineres, prismatisches, auf einen
Baumstamm gehobenes Dach, unter welchem eine Unzahl von
Elephantenschwnzen als Trophen dieser in der Nhe von Schescheke
erlegten riesigen Dickhuter, sowie eine Gruppe von Assagaien, die
grten und bestgearbeiteten im ganzen Lande vor dem schdlichen
Einflusse des Regens geschtzt wurden. Zwischen dieser Htte und der
hohen Rohrumzunung standen auf Holzgestellen und Stbchen einige Gefe
(Krbisschalen und Thon), in welcher zur Jagd benthigte Zaubermittel
aufbewahrt wurden. Bei meinen Gngen durch die Stadt fand ich in jedem
Hfchen einen Baumast oder einen kleinen trockenen Stamm eingepflanzt,
an dem die Kopfskelette der Antilopen sowie die Atlaswirbel der grten
Sugethiere, die Jagdtrophen des Herrn des Gehftes, hingen und die von
dessen Thatkraft Zeugni geben sollten. Nach dem Tode des Mannes werden
dann diese Trophen auf sein Grab niedergelegt.

[Illustration: Kischitanz.]

Am 26., als ich mich eben am Ufer des Flusses erging, warf sich ein
Krokodil aus dem Wasser auf einen im Kahne stehenden Mann, der sich
jedoch durch einen Sprung auf das sandige Ufer zu retten vermochte.

Von den Portugiesen, von dem Knige und seinen Huptlingen, sowie von
Blockley erfuhr ich, da der Madschila-River ein hnlich sandiges und
bewaldetes Hochplateau wie jenes zwischen den Salzseen des centralen
Sd-Afrika und dem Zambesi-Gebiete durchstrme, bei den spter
unternommenen Ausflgen in dieser Richtung hin konnte ich jedoch
bemerken, da das Land grere, zum Ackerbau vorzglich geeignete
Lichtungen besa, welche gegenwrtig zahlloses Wild beherbergten.

[Illustration: Kischitnzer-Maske.]

Am 27. machte ich wiederholte Versuche, um vom Knige Khne zu meiner
Rckkehr nach Panda ma Tenka zu erlangen, wurde aber mit leeren
Ausflchten vertrstet. Tags zuvor hatte der Knig mir zu Ehren einen
Mabunda-Tanz auffhren lassen. Die Idee dieses Tanzes ist eine
verwerfliche, auch ist es vielleicht von Interesse zu wissen, da die
Schwarzen des Marutse-Reiches sich der in diesem Tanze enthaltenen
Unschicklichkeit bewut sind und deshalb nur maskirte Mnner daran
theilnehmen. Auffallend vorgeschritten erscheinen die Vlker des
Marutse-Mabunda-Reiches in ihren musikalischen Begriffen. In der
Fertigkeit der Handhabung musikalischer Instrumente finden sie zwar
Rivalen in den Stmmen an der Ostkste Sd-Afrika's, die hufiger mit
den Portugiesen in Berhrung kamen, im Gesange sind ihnen die
Matabele-Zulu berlegen. Im Marutse-Mabunda-Reiche fand ich zum ersten
Male eine vom Knige zu seiner Unterhaltung und Verherrlichung
gehaltene, aus einheimischen Knstlern recrutirte Musikbande. Sie
besteht aus mehreren Tambours, welche lngliche, rhren- und
kegelstutzfrmige einfache, sowie sanduhrartig geformte Doppeltrommeln
mit ihren Hohlhandballen und Fingern bearbeiten; die Doppeltrommeln
hngen an einem um den Nacken geworfenen Riemen, whrend die lnglichen
von den resp. Knstlern geritten werden. Die wichtigsten Instrumente
der Capelle sind die Myrimbas (Kalebapianos), welche hnlich den
Doppeltrommeln getragen werden. Die Musikbande besteht aus 20 Mann, von
denen jedoch nur sechs bis zehn jedesmal auftreten, damit eine
hinreichende Anzahl fr den Nachtdienst und als Reserve erbrigt wird.
So treten auch die beiden kniglichen Cithervirtuosen meist einzeln auf.
Die Musikanten mssen auch Snger sein, um in den freien Intervallen,
oder bei den gedmpften Klngen der Instrumente mit schreiender Stimme
des Knigs Lob zu verknden.

Die zum Dienst Befohlenen mssen sich jederzeit bereit halten, dem oder
jenem ihnen vom Knige Bezeichneten vorzuspielen, sie haben den Knig
bei seiner Ankunft in der Stadt zu empfangen, ihn auf seinen Ausgngen
zu begleiten und mssen bei ffentlichen Tnzen, Hochzeiten etc., doch
immer nur auf des Knigs ausdrcklichen Befehl spielen. Auer den drei
Trommelarten und zahlreichen Sylimbas (citherartigen Instrumenten) fand
ich bei der kniglichen Musikcapelle noch Streichinstrumente aus
Fcherpalmenrippen, eiserne Glckchen und eine klppellose Doppelglocke,
sowie aus Fruchtschalen verfertigte Schellen, ferner aus Elfenbein, Holz
und Schilfrohr gearbeitete Pfeifchen. So werden die Streichinstrumente
beim Elephantentanz, die Glocken beim Kischitanz, die Schellen bei den
Hochzeits-Ceremonien verwendet; fr den prophetischen Tanz der Masupia
leiht der Knig flaschenfrmig ausgehhlte, durchlcherte, mit trockenen
Samen gefllte, faustgroe Krbisse, welche geschttelt, schellenartige
Laute erzeugen. Nur die aus Fruchtschalen bereiteten Schellen, einige
Glckchen und kurze Pfeifen sind in hnlicher Form unter der Bevlkerung
zu finden, hufiger das citherartige Instrument, doch meist in
untergeordneter Gestalt; die grten und bestgearbeiteten besitzt der
Knig, wie ihm berhaupt alle Capellen-Instrumente gehren, so da es
mir nicht gelingen konnte, diese zu den schnsten Handarbeiten im
Marutse-Reiche gehrenden Objekte meinen Sammlungen einzuverleiben,
dagegen erstand ich mehrere kleine citherartige Instrumente. Die
Gemeinden, d. h. Niederlassungen, haben in der Regel bei den meisten
Stmmen lngliche kleine Trommeln, je eine, in der Berathungs- oder
Gemeindehtte aufbewahrt, die bei besonderen Jagderfolgen, bei
Vergngungen, bei Bestattungen erschallen.

Die Weisen und Melodien der Marutse-Mabunda sind im Allgemeinen eintnig
doch zahlreich und zeigen, da einiger Unterricht in kurzer Zeit
verhltnimig guten Erfolg haben wrde. Selbstverstndlich ist hier
die Musik nur ein mechanisches Bearbeiten der einzelnen Instrumente, nur
bei den Citherspielern fand ich eine Ausnahme. Ich erwhne namentlich
die beiden kniglichen Citherknstler, zwei Greise, die unstreitig mit
Gefhl spielten. Sie sangen, d. h. summten dazu, doch ihre Stimme war
genau den bald ruhig flieenden Accorden entsprechend gemessen, bei der
sich allmlig zu Piano und Pianissimo dmpfenden Melodie zu einem
flsternden leisen Gesange gesunken, um wieder allmlig zu einem Forte
berzugehen. Ich vermite hier glcklicher Weise das mitnende
krchzende Einfallen, wodurch sich der pltzlich in ein schreckliches
Fortissimo ausbrechende Gesang des Obertambours kennzeichnete.

Noch eines Musik-Instrumentes mu ich erwhnen, ich bedauere blos, da
ich es berhaupt nennen mu, und da ich es im Marutse-Lande vorfand; es
sind vier Kriegstrommeln, die nur zur Kriegszeit geschlagen, gewhnlich
im Berathungshause aufbewahrt werden. Der Wahnsinn des Aberglaubens
machte sie zu grausigen Objecten, ihr rother Anstrich, die rothen
Flecken am Trommelfelle, sind Blutzeichen; sie enthalten trockene
Fleisch- und Knochenstcke, die, unschuldigen Kindern angesehener Eltern
bei Lebzeiten abgeschnittenen Finger und Zehen, welche Amulete
(Beschwrungsmittel) abgeben sollten, um dem neuerbauten Schescheke
Krieg und Feuer, und dem Reiche ruberische Ueberflle fern zu halten.

Im Gesange stehen die Bewohner des Marutse-Mabunda-Reiches hher als die
Betschuana, in manchen Formen ebenbrtig der Zulu-Race, doch werden sie
von diesen und den Matabele durch deren groartige Kriegs- und
Todtengesnge bertroffen. Der oben erwhnte Tanz, den ich am 26.
beobachtete, ist ein Landesgebrauch der Mabunda, wird Kischitanz genannt
und nur auf des Knigs Gehei getanzt und hat geschlechtliche Aufregung
zum Zwecke. Den Kischitanz tanzen zwei oder vier Mnner, von denen je
einer den Mann, der andere die Frau vorstellen soll; die groe
Rhrentrommel begleitet den Tanz; die Tnzer sind von einem Haufen
junger Leute umgeben, die zu dem Trommelschlag singend in die Hnde
klatschen und aus deren Mitte zuerst einzeln, dann je zwei neue Tnzer
hervorkommen und gegen den Knig gewendet, ihren krperverdrehenden Tanz
beginnen. Ein Anlauf, ein Annhern von der einen, ein Zurckweichen von
der anderen Seite etc. sind das Wesen und die gebruchlichen Gesten des
Tanzes. Die Costme sind knigliches Eigenthum, es war mir daher nicht
mglich, sie zu erwerben.

Dasselbe besteht aus der eigentlichen Maske, dem Netzwerk und der
Lendenumhllung. Die Maske, von Knaben aus Thon und Kuhdnger modellirt,
ist mit rothem Ocker und Kalk bemalt und ein ziemlich bedeutendes
Product des Mabunda-Fleies. Die Maske ist bedeutend grer als der
Kopf, den sie nebst dem Halse vollkommen bedeckt und einer mit
niedergeschlagenem Visir versehenen Helmhaube hnelt. Fr die Augen und
den Mund, seltener fr die Nase, sind kleine Spalten offen gelassen. Die
scharf hervorragenden Zge der Maske sind den als Wasserspeier bentzten
Zerrgestalten hnlich und die Maske am Cranium mit Buckeln versehen, am
mittleren in der Regel als Schmuck Schwanzhaare des gestreiften Gnu, an
den brigen Federbsche befestigt. An der Maskenhaube oder unter ihr so
weit hinausreichend, da der Halstheil bedeckt wird, sehen wir das
Netzgewand, das aus einer langen geschlossenen, mit langen Aermeln und
daran befestigten Netzhandschuhen, aus federspuldickem Bastnetzwerk
gearbeiteten Jacke und aus hnlichen hohen Strmpfen besteht. Von den
Lenden bis zu den Kncheln reicht eine in Falten gelegte Wolldecke oder
Carosse, welche die die Frau vorstellende Maske trgt, ber der
letzteren wird noch je ein Thierfell vorne und hinten getragen. Bis auf
einen um den Hals bandartig geschlungenen Strohwisch hnelt die
weibliche Maske der mnnlichen, die letztere zeigt auffallendere
Haubenverzierungen. Am Stahlringe, der um die Hften luft, sind
rckwrts einige Glckchen befestigt, die bei der leisesten
Krperbewegung erklingen. Der Kischitanz, der eine Unzahl von Zuschauern
anlockt und zu dem Kinder nicht zugelassen werden, wird in Schescheke
meist in vierzehntgigen Zwischenrumen aufgefhrt.

[Illustration: Am Ufer des Zambesi.]

Am 27. bemerkte ich einige Leute des Alumba-Stammes, welche sich durch
eine besondere Haarfrisur auszeichneten. Die einzelnen kleinen Knoten
ihres wolligen Haares werden mit einem aus Fett und Brauneisenstein
bestehenden Brei derart bestrichen, da die Wolle vollkommen verhllt
wird und die 1 bis 2 Zoll langen Haarknoten an dem herabhngenden Ende
bedeutend verdickt erscheinen. In dieser Weise wird nur das Wollhaar am
Scheitel behandelt, und zwar in etwa vier ber einander liegenden Lagen.
Einige der Marutse trugen am Halse Schuppen des Schuppenthieres und
Reste einer Schildkrtenart, welche sie mit gutem Erfolg als
blutstillendes Mittel gebrauchten. Auch zeigte man mir ein Stckchen
Buschholz, an dem man bei Keuchhusten-Anfllen, kleine Kinder mit Erfolg
saugen lt.

Bei seinen Besuchen, die uns Sepopo abstattete, brachte er stets, von
einem ganzen Trosse seiner Diener begleitet, bedeutende Mengen von
Elfenbein, um von Blockley namentlich Gewehre und Schiepulver zu
kaufen. Whrend des Nachtmahls stellten sich dann die Schtzen ein,
welche am folgenden Morgen zur Jagd befohlen waren; der Knig gab jedem
circa einen Liter Schiepulver und merkte sich genau den Mann. Blockley
klagte ber die Forderungen Sepopo's, die dieser an ihn stelle,
besonders darber, da er nach jedem Kaufe ein bedeutendes Geschenk
begehre. Westbeech hatte dies eingefhrt und den Knig daran so gewhnt,
da dieser nunmehr sich ohne Geschenk nicht zufrieden gab. Anfangs, da
Westbeech der einzige Hndler war, welcher seine Waaren am Zambesi
feilbot und dies am rechten Tschobe-Ufer geschah, konnte er fr seine
Waaren jeden beliebigen Preis fordern und bekam ihn auch, als jedoch
andere Hndler, durch diesen Erfolg angelockt, nach Schescheke gingen,
waren sie vollkommen in der Gewalt des Knigs und da sie sich noch
berdies berboten, klagten sie ber den schlechten Ertrag des Handels.

Als ich am 28. den Knig besuchte und wir abermals ber meine Reise
sprachen (der Knig war in Folge eines Streites mit Blockley in
schlechter Stimmung und ich trachtete ihn, indem ich ihm durch Mahura
lustige Reisebegebnisse erzhlte, wieder in guten Humor zu bringen),
zeichnete er mir im Sande mit seinem Stckchen meine Route durch sein
Reich, zeichnete den Lauf des oberen Zambesi und seiner Nebenflsse, da
mir frmlich das Herz vor Freude pochte. Den Knig freute das Interesse,
das ich an seinen Mittheilungen nahm, er rief zwei vorbergehende Mnner
herbei. Es waren zwei Manengo vom oberen Zambesi, welche die mir
bezeichnete Strecke mehrmals bereist hatten und vom Knige befragt, die
eben von ihm beschriebene Route selbst bestimmen sollten. Und siehe da
-- ihre Erklrung stimmte mit der des Knigs _vollkommen berein_.

Als ich Abends eben damit beschftigt war, an meinem Tagebuche zu
arbeiten, versuchte es Jemand, sich durch die Eingangsffnung zu
drngen. Es war eine Frau, die den Basuto-Diener April suchte. Ihr Mann
hatte bei dem Brande Alles verloren und von April ein kleines Geschenk
an Glasperlen erhalten, wofr er sein Mulekau wurde und nun dessen Frau
whrend der Zeit seines Aufenthaltes in Schescheke als Gegengeschenk
erhalten hatte.

Alles was Sepopo bei mir sah und ihm neu erschien, wollte er, wenn es
ein ihm brauchbar dnkender Gegenstand war, besitzen, andernfalls aber
wenigstens die Erklrung des Gegenstandes erhalten. So befragte er mich
ber meinen Compa; um ihm die Wichtigkeit des Instrumentes zu zeigen,
zeichnete ich die stliche Hemisphre in den Sand, dann Afrika allein
und darauf meine Route wie die verschiedenen, sdlich vom Zambesi
liegenden, unabhngigen Betschuana-Reiche.

Am Nachmittage besuchte ich das knigliche Kchen-Departement, das
mehrere Personen zhlte und unter der Leitung einer Frau stand. Die
riesigen Korngefe ruhten auf Holzgestellen, in eigenen, aus Matten und
Rohr erbauten Htten. Im Allgemeinen war Alles sehr reinlich gehalten.
Zur Zeit meines Besuches wurde eben -- das Feuer wird stets im Hfchen
auf einem niedrigen Heerde angemacht -- von einem Diener Nilpferdfleisch
in einem riesigen Topfe gekocht. Das Fleisch war ziemlich gar und wurde
auf einer Holzschssel servirt, dann aus dieser auf kleinere zertheilt
und der Knigin zugesendet.

Spt Abends kam ein Bote vom Panda ma Tenka-Thale mit der Nachricht, da
Westbeech mit dem Hndler Francis von Schoschong daselbst angekommen
sei. Da ich am nchsten Morgen die versprochenen Khne zur Abreise zu
erhalten hoffte, arbeitete ich bis gegen Morgen an den entworfenen
Zeichnungen.

Frh am 29. wurde ich auch zu den Khnen gerufen. Diese sollten mich bis
zur Makumba-Landungsstelle bringen und dann hier liegen bleiben, um die
von Westbeech zu erwartenden Waaren nach Schescheke zu bringen. Die
Stromfahrt nach abwrts war nicht minder angenehm als die Fahrt zu
Sepopo. Ich gab mich der Betrachtung der reichen Vogelwelt hin und hatte
bald an den insbesondere durch einen verlngerten Unterkiefer
ausgezeichneten, schwarzwei-gescheckten Scheerenschnbeln
(^Rhynchopsinae^), den riesigen Marabus und den groen Eisvgeln mehr
denn hinreichende Studienobjecte gefunden. Die Binsen waren mit
Schnecken bedeckt und das Ufer von den Krabben frmlich durchlchert.
Ein Loch lag neben und ber dem andern. Das Wasser war in den wenigen
Tagen, seitdem ich den Strom aufwrts befahren hatte, um 18 Zoll
gefallen.

Am nchsten Morgen, nachdem wir an der Bucht bernachtet, fuhren wir
weiter, die Bootsleute thaten dabei ihr Mglichstes, rasch vorwrts zu
kommen, und schtzte ich die Geschwindigkeit, mit der wir uns vorwrts
bewegten auf vier bis fnf englische Meilen in der Stunde. Als ich nach
Impalera gelangte, fand ich hier die Hndler Westbeech und B. Francis,
sowie einen Gehilfen des ersteren, welche eben im Begriffe waren, Sepopo
begren zu gehen. Sie hatten ihre Wgen in Panda ma Tenka
zurckgelassen. Francis war diesmal wie auf allen seinen Handelszgen
von seiner von Weien wie Schwarzen hochgeschtzten Gemahlin begleitet.
Er war mit zwei Wgen und einem entfernten Verwandten, Oppenshaw, als
Gehilfen (Clerk) gekommen. Westbeech, der sich erst einige Monate zuvor
mit einer Farmerstochter aus dem westlichen Transvaal-Gebiete
verehelichte, kam in der Begleitung seiner jungen Frau, eines Gehilfen
Buuren und eines Mannes mit Namen Walsh, der frher Soldat und dann
Gefangenwrter in Hope-Town gewesen war und sich sehr gut auf das
Abbalgen der Vgel verstand. Er sollte eben dieser Arbeit in den
Zambesi-Gegenden obliegen und beide sich in den Ertrag theilen.
Westbeech und Francis wollten von ihrem Besuche bei Sepopo rasch nach
dem Panda ma Tenka-Thale zurckkehren und dann nach den Victoriafllen
gehen, um dieses Naturwunder ihren Frauen zu zeigen.

Von den angekommenen Hndlern erhielt ich meine Correspondenz, darunter
willkommene Briefe aus der Heimat, aus den Diamantenfeldern
(Griqualand-West), aus den Transvaaler Goldfeldern, auch 60 Zeitungen,
deren freie Rnder mir spter von groem Nutzen sein sollten; darunter
ein Exemplar der Diamond News mit meinem ersten ber die dritte Reise
verffentlichten Artikel. Meine Abreise war durch die Abwesenheit des
Huptlings Makumba verzgert worden. Das Uebersetzen ber den Tschobe
schien mir zwar leicht zu bewerkstelligen, allein ich brauchte ja
Trger, um die in Schescheke gesammelten Objecte und das fr den Verkauf
von Ochsen von Blockley erhaltene Elfenbein nach dem Panda ma
Tenka-Thale schaffen zu lassen. Die zweite Ueberfahrt ber Tschobe
verursachte mir viel Sorgen und Aerger. Mangel an Trgern und ein Boot,
das ein faustgroes Leck hatte, wodurch der Transport meiner Sammlungen
sehr gefhrdet wurde, hielten mich in steter Aufregung. Im Leschumothale
angekommen, fand ich die schon erwhnten englischen Officiere, Mr. Loud
und Fairly, die einen zweiten Besuch bei Sepopo machen wollten, sie
gestatteten mir, mich ihres Wagens nach Panda ma Tenka zu bedienen. In
der Nacht zum 3. wurde das Gespann geholt und ich verlie das Thal. Auf
meinem Zuge nach der Gaschuma-Ebene beobachtete ich, da das Abbrennen
des Waldgrases eine Verminderung der Tsetse zur Folge hatte und das Gras
bereits neu zu sproen begann.

Am Mittag des 4. langten wir in der Gaschuma-Ebene an, welche, trotzdem
sie wieder abgebrannt worden war, an den noch begrasten Stellen
zahlreiches Wild beherbergte. Am Wagen befanden sich auch zwei den
englischen Officieren gehrige Pferde, welche unglcklicher Weise gerade
dem nachlssigsten ihrer Diener anvertraut waren. Ohne meinen Warnungen
Gehr zu schenken, ritt derselbe am nchsten Morgen mit den Pferden
voraus. Als wir uns der Baobabstelle nherten, befahl ich meinem Diener
und dem Wagenlenker scharf auszusphen, denn ich war dessen sicher, da
der bekannte Lwe dem strrigen Diener begegnet war. Da es noch nicht
vollkommen Tag war, konnten wir nicht viel sehen, doch bemerkte der
Wagenlenker den Gesuchten auf einem Baume stehend und blos ein Pferd des
Capitn M. nahebei. Das gebte Auge des Hottentotten erkannte zu
gleicher Zeit in den einige hundert Schritte entfernten Bschen zu
unserer Rechten einen sich zurckziehenden Lwen. Mich auf den Bock
stellend, sphte ich aus und sah auch bald darauf das Pferd einige
Schritte links vom Wege mit ausgerissenen Eingeweiden daliegen. Einige
kleine Wunden im Nacken zeigten, wie es der Lwe getdtet. Die Sache
trug sich folgendermaen zu. Ungefhr auf 300 Schritte dem schon
erwhnten Baobab nahegekommen, wurde der Diener von dem Lwen
angegriffen und bei der Verfolgung vom Pferde abgeworfen, whrend der
Lwe, ohne sich um den Mann weiter zu kmmern, den Pferden nachsetzte.
Hierbei trat dem Eisenschimmel des Herrn Fairly die herabgleitende Decke
bei dem Fluchtversuche hindernd in den Weg, so da das Thier eingeholt
und niedergerissen wurde. Der Schwarze suchte seine Zuflucht in dem
nchsten Mapanibaume, auf welchem er auch bis zur Annherung unseres
Wagens verblieb, whrend das zweite Pferd bis zu unserer Ankunft, etwa
sechzig Schritte entfernt ruhig graste. Ich nahm mit den Dienern
Verfolgung des Lwen auf, jedoch ohne Erfolg.




                                VIII.
                    Ausflug zu den Victoriafllen.


Ankunft in Panda ma Tenka. -- Neue Enttuschungen. -- Theunissen verlt
mich. -- Aufbruch nach den Fllen. -- Jagd auf Orbecki-Gazellen. -- Eine
Giraffenheerde. -- Die Swassertmpel in der Umgebung der
Victoriaflle. -- Thier- und Pflanzenleben in denselben. -- Ein
schmerzenreicher Gang. -- Der erste Anblick der Flle. -- Unser Skerm.
-- Charakteristik der Flle. -- Groartigkeit und Pracht derselben. --
Hhe und Breite der Flle. -- Die Inseln an der Fallkante. -- Hhe der
Dunstsulen. -- Die Erscheinung der Flle bei Sonnen-Auf- und
Niedergang. -- Die Abflurinne des Zambesi unterhalb der Flle. --
Felsenbildungen. -- Vegetation und Thierleben an den Fllen. -- Jagd auf
Paviane. -- Ein interessantes Lwenabenteuer. -- Die Manansa's. --
Schicksale und Charakter derselben. -- Ihre Sitten und Gebruche. --
Brautwerbung und eheliches Leben bei denselben. -- Todtenbestattung. --
Rckkehr nach Panda ma Tenka.

[Illustration: Jagd auf Bushvaarks.]

In Panda ma Tenka angelangt, fand ich reges Leben in Westbeechs
Pfahlumzunung, mehrere Wgen waren eingetroffen, ein ganzer Tro von
Dienern bewegte sich bunt durcheinander und dazwischen heulten und
liefen nicht weniger als etwa 20 Hunde. Leider fand ich, da der Regen
in meinen Wagen gedrungen war und mir die aus Thierfellen bereiteten
Kisten derartig beschdigt hatte, da die meisten der in ihnen
aufbewahrten Insecten, Pflanzen und Samen verdorben waren. Einige der
bei meiner Abreise zurckgebliebenen Hndler fand ich bedenklich am
Fieber erkrankt. Whrend meiner Abwesenheit wurde einer der Diener
Khama's, des Bamangwato-Knigs, der von diesem an den schon erwhnten
Jger Africa verdungen worden war, von einem Elephanten getdtet. Africa
mute spter, als er nach Schoschong kam, als Entschdigung 50  St.
zahlen.

Nach dem Besuche der Victoriaflle wollte Westbeech mit seinem Gehilfen
Bauren einen dreimonatlichen Aufenthalt in Schescheke nehmen, Blockley
sollte es inde versuchen, mit Wanke, dem stlich von den Victoriafllen
wohnenden Makalaka-Frsten Handel zu treiben, whrend Bradshaw in Panda
ma Tenka bleiben, die Oberaufsicht fhren und von den Madenassana's und
Masarwa's Elfenbein einhandeln sollte. Mein Gefhrte Th. hatte vollauf
zu thun, um fr die am Wechselfieber erkrankten Elfenbeinhndler die
nthigen Medicamente zu bereiten. Whrend ich tagsber Ausflge
unternahm und meine Vorbereitungen zur zweiten Zambesi-Reise traf,
bentzte ich die Nachtstunden zur Erledigung meiner Korrespondenz und
Aufzeichnung meiner Erlebnisse.

Am 10. September kehrten Westbeech und Francis von Sepopo zurck und
brachten je einen circa 50 Pfund schweren Elfenbeinzahn als Geschenk des
Knigs fr ihre Frauen mit. Sie waren auf ihrer Rckfahrt auf mehr als
30 Krokodile und 5 Nilpferde gestoen, wobei sie von einem der letzteren
angegriffen wurden. Mein zweiter Aufenthalt in Panda ma Tenka brachte
mir viele Sorgen und Enttuschungen, meine Mhe, Diener und Trger zu
finden, war leider vergeblich. Meine Enttuschung erreichte den hchsten
Grad, als ich von einem der Hndler erfuhr, da mein Gefhrte Th. mit
mir nicht weiter gehen und mich hier verlassen wolle, um nach dem Sden
zurckzukehren; ich hatte mich auf ihn verlassen und seinethalben andere
Offerten zurckgewiesen. Th. war mir die ganze Zeit bisher immer treu
und willig beigestanden und ich konnte es kaum glauben, da er mich in
der gegenwrtigen entscheidenden Stunde meiner Reise, in welcher ich
einen Freund so nthig hatte, verlassen konnte, dieses Migeschick war
inde unabwendbar und wurde noch dadurch verschrft, da Pit sich derart
ungeberdig benahm, da ich ihn entlassen mute.

[Illustration: Zusammentreffen mit Giraffen.]

Es war eine Wiederholung jener vielen Enttuschungen am Vorabende der
Ausfhrung einer lange gehegten Idee oder eines lange gefaten Planes,
wodurch ich mich pltzlich von meinem angestrebten Ziele weit
zurckgeschleudert sah. Wo sollte ich Diener miethen, die mir auf meiner
Weiterreise nach Nordwest als Trger dienen muten? In dieser
unangenehmen Lage, in einer Situation, in der ich, von meinen Leuten
verlassen, selbst nicht im Stande war, in den Wldern nach Osten die
Eingebornendrfer aufzusuchen, um neue Diener zu miethen, wurden
Westbeech und Francis meine Retter. Als die Beiden meine Noth erfuhren,
versprachen sie mir unter den sdlich von den Victoriafllen wohnenden
Manansa oder den ihnen benachbarten Batoka's Diener zu werben -- doch
unter der Bedingung, da ich sie zu den Victoriafllen begleitete, wohin
sie sich begeben wollten um ^the splendid falls^ ihren Frauen zu
zeigen. Da half kein Zgern und ich ging. Es gelang mir noch zuvor einen
Masupia-Mann, den ich Elephant taufte und der vom Zambesi hergekommen
war, um bei einem Eingebornen oder weien Jger Arbeit zu suchen, zu
miethen.

Es war eigentlich nicht meine Absicht, die Victoriaflle aufzusuchen
(sie lagen etwa 50 englische Meilen rechts ab von meiner Reisetour),
allein durch diese eigenthmlichen, unerwarteten Umstnde _gezwungen_,
mute ich mich zu einem Besuche derselben entschlieen. Heute schtze
ich mich glcklich, der Aufforderung der beiden Hndler Folge geleistet
zu haben. Meinen Wagen der Aufsicht der Leute Westbeechs berlassend,
machte ich mich mit den neuen Freunden auf den Weg. Wir fuhren in zwei
Wgen bis zur Gaschuma-Ebene. Die Gegend zwischen der frheren
Handelsstation am Panda ma Tenka-Flchen und Gaschuma ist fr den
Reisenden sehr anziehend. Wir gelangten gegen 3 Uhr Morgens zu den
ersten Teichen der Gaschuma-Ebene. Die Richtung nach derselben war eine
nordnordwestliche, whrend die Victoriaflle nordstlich lagen, wir uns
daher von der Gaschuma-Ebene nach Osten zu wenden und dann eine
Ostnordost-Richtung einzuschlagen hatten.

Um die von der Tsetse inficirte Gegend zu den Victoriafllen durchziehen
zu knnen, muten die Wgen mit den Ochsen auf der Gaschuma-Ebene
zurckgelassen werden und bedienten wir uns fr die Weiterfahrt eines
von sechs Langohren gezogenen Karrens. Die Reise-Gesellschaft bestand
aus folgenden Personen: Westbeech und seine Frau, Francis und dessen
Frau, Bauren, Oppenshaw, Walsh und mir, ferner vier Cap-Halfcastmnnern,
meinem Masupia-Diener und zwanzig Makalaka's und Matabele's. Diese
benutzten wir als Trger, um unsere Nahrung, Kochgeschirre und Decken
fortzuschaffen.

Auf der Gaschuma-Ebene, welche durch dichte Fcherpalmenbsche und
einige prachtvolle Fcherpalmen geschmckt ist, blieben wir bis zum 15.,
um eine tchtige Umzunung um unsere Wagen zu errichten, denn zahlreiche
Lwenspuren nthigten uns zur grten Vorsicht. Das Gras auf der Ebene
war zum grten Theile niedergebrannt, nur hie und da zeigten sich noch
dichtere Partien. Stellenweise fing neues Gras zu sprossen an und hier,
kaum da man sie wahrnehmen konnte, lagen flach auf der Erde paarweise
oder zu Vieren die schnen, zierlichen Orbecki-Gazellen, die bei unserer
Annherung pltzlich aufsprangen und in Stzen davon eilten, um sich in
der Entfernung von einigen hundert Schritten nach uns umzusehen.

Ich und O. (F.'s Freund) hatten einige der Thiere verfolgt und waren so
von der langsam sich vorwrts bewegenden Karawane abgekommen. Da jedoch
unsere Verfolgung nutzlos war, wandten wir uns nach unseren Gefhrten,
hatten auch schon hundert Schritte nach dieser Richtung hin
zurckgelegt, als kaum 30 Schritte vor uns blitzhnlich ein
Orbecki-Prchen aufsprang. Freund O. schiet auf das eine Thier, das
kaum 50 Yards von uns entfernt stehen blieb und bricht ihm den einen
Vorderlauf nahe am Knchel, allein auf drei Fen jagt das Thier in
groen Stzen weiter. Wir folgen, doch schon auf 200 Schritte Entfernung
springt es wieder auf; wir schieen neuerdings und fehlen, erst ein
dritter von mir abgefeuerter Schu traf das in groen Stzen flchtende
Thier in die Lenden. Es fiel im Sprunge und als wir es erreichten, war
es verendet. Da kein Diener in der Nhe war, muten wir es abwechselnd
tragen, bis wir nach zweistndigem Marsche in der brennenden Hitze zu
den tief im Walde lagernden Genossen stieen.

Nachmittag brachen wir auf und legten sechs Meilen, im Ganzen bisher
dreizehn englische Meilen zurck. Diese Strecke war von der
Gaschuma-Ebene und einem tiefsandigen Walde gebildet. Dann passirten wir
vier Thler und schlugen in dem bedeutendsten, dem fnften, unser
Nachtlager auf. Diese Thler waren seicht, die Spruits bis auf jene im
vierten und fnften trocken, hochbegrast und vertieften sich nach
Sdost, wohin die Flchen sich wandten, um sich in den Panda ma
Tenka-Flu zu ergieen. In dem dritten Thale trafen wir eine
Giraffenheerde an, die an uns in einer Entfernung von 600 Schritten
thalabwrts vorbeipassirte. Auf der Strecke von der Gaschuma-Ebene bis
zu unserem Nachtlager trafen wir folgende Wildarten, nebst frischen
Spuren von Thieren, die kurz zuvor unsern Pfad gekreuzt haben muten.
Orbecki's, Deuker-, Rietbock- und Steinbock-Gazellen, Wasser-Antilopen,
Zulu-Hartebeests, Kudu's, Giraffen, Bffel, Elephanten und Zebra's.

Das Flchen, an dem wir bernachteten, hie Tschetscheta. Dasselbe flo
bald in dnnem Strahle ber Steine, bald durch einen schilfigen Morast,
um gleich darauf einen tiefen, klaren, breiten Tmpel zu bilden. Die
Thler waren alle hochbegrast, das Gras stellenweise bis fnf Fu hoch
und dicht, und der Boden humusreich. Diese klaren Tmpel der oberen
Zuflsse des Panda ma Tenka-River und einige, welche hoch oben liegen
und von Krokodilen nicht erreicht werden knnen, gehren zu den
interessantesten Punkten der hgeligen Umgebung der Victoriaflle. Ich
habe manche Stunde, in der Betrachtung derselben versunken, hier
durchtrumt; das klare Wasser zeigt uns, da der Tmpel von Krokodilen
frei ist und darum lohnt es sich der Mhe, sich in das Gras
auszustrecken und dem Leben und dem Bilde unter der schimmernden
Oberflche einige Betrachtung zu widmen.

Da wo hohes Gras diese Miniatur-Weiher umgibt, wre es gefhrlich, sich
denselben ohne Vorsicht zu nhern, hohes Gras an Flssen ist ein
gesuchter Aufenthalt aller Katzenarten Sd-Afrika's und deshalb ist es
nthig, erst einige Steine in das Gras vor sich zu werfen, um sich zu
vergewissern, da das Feld rein sei. Nachdem dies geschehen, nhern wir
uns dem Tmpel. Nahe an unserem Lagerplatze lag ein vier Meter breiter,
zwei Meter tiefer und zehn Meter langer Weiher, in den sich ein kaum
zehn Zentimeter breiter Wasserstrahl ergo, der Abflu in ein
Binsendickicht war etwas breiter.

Die Fluth war klar, man konnte leicht die Objecte am Grunde des Weihers
erblicken. Wohl die Hlfte der krystallenen Fluth war von einem zarten,
hier hell-, dort dunkelgrnen, die mannigfachsten und groteskesten
Formen und Gestalten bildenden Algengewebe durchsetzt. Hier stieg es in
Schichten empor, neben und bereinander gelagert, den zarten, theilweise
oder halb durchsichtigen Wlkchen in den azurnen Hhen hnlich, dort zur
Linken, nahe dem Ausflusse bildete es ein dunkles Labyrinth von Grotten
und Hhlen, whrend es sich zu unserer Rechten zu dem wunderlichen
Gebilde einer Burgruine aufgethrmt hat. Deutlich sieht man den
Bergsockel, dessen dichten Lagen ein hohes, viereckiges Prisma und ein
dieses noch um einige Zoll berragender Cylinder, eine Warte ein Thurm
entsteigt; beide Gebilde, mit einem beilufigen Durchmesser von 12 Zoll
sind in dem untersten Drittel ihrer Hhe mit einem Querarme verbunden,
der in seiner unteren Hlfte durchbrochen erscheint, diese breite Spalte
in dem zarten Algengewebe, durch die eben ein Fischchen scho, glich
einer gothischen Thorffnung. Oben an dem prismatischen Wartthurme
sonderten sich vom Pflanzengebilde einige wenige kurze, theilweise
spitzige Fortstze ab, welche arg beschdigten Zinnen tuschend hnlich
waren.

Vom Hintergrunde gegen des Weihers Mitte reicht ein dunkelgrner, unter
dem Wasser bedeutend umfangreicher erscheinender Sulenwald, die Stengel
des ber dem Wasser suselnden Rohres. An einer freien Stelle in der
Fluth vor uns, zwischen dem Ufer, an dem wir im Grase ausgestreckt, und
den mannigfachen Gebilden der Algen, steigen drei spiralfrmig gewundene
Stengel einer grobluthigen Nymphaea empor, zwei tragen die bekannten
flachen, groen und glnzenden Bltter, der dritte eine schne hellblaue
Blthe. Wie ein funkelnder Stern liegt sie auf dem Krystallspiegel. Noch
andere Algenformen (nebst jener erwhnten) entsteigen dem dunklen Grunde
des Weihers, manche mit zersgten und lappigen Blttern, hnlich denen
verschiedener Farrenkruterarten.

Anfangs scheinen uns diese Pflanzengebilde ruhig zu schlummern, doch
gewhnt sich das Auge an das Bild, so nimmt es eine leise Strmung wahr,
welche in der klaren Fluth durch den Einflu des dnnen Wasserstrahles
von rechts her erzeugt wird -- und die Folge davon? -- Die Rohrsulen
vibriren, jetzt strker, nach und nach schwcher, bis sich wieder eine
rascher zu bewegen scheint. Und die Grotten, Hhlen und die wundersam
geformten Ruinen der Algen? Jene rechts, namentlich die beiden senkrecht
aufgetrmten Formen zittern deutlich und ununterbrochen, whrend sich
die dem Abflusse nahen stark nach diesen neigen, als wenn sie Lust
htten, den scheidenden Tropfen nach dem nchsten Weiher zu folgen.
Einige gelbblthige Wasserpflanzen und jene gelappten Cryptogamen am
Boden strecken sich, als wrden sie sich sehnen, gleich der
reichbltterigen Blume der Wasserrose, welche als erklrte Knigin des
kleinen Seereiches sich auf der spiegelnden Oberflche hin- und
herwiegt, auch die Hhe und mit ihr die letztere zu erreichen, um sich
am Tage von den Sonnenstrahlen erwrmen und kssen, von den Schatten der
Nacht khlen und vom Morgenthau erfrischen zu lassen.

Das Bild im Weiher gestaltet sich fr den Beschauer noch anziehender
durch das Leben der Thierwelt, welcher das Gewsser zum bleibenden
Aufenthalte dient. An der freiesten Stelle, um der Sicherheit halber
Rundschau halten zu knnen, liegen mehrere dunkelgestreifte
barsch(?)artige Fische, bis auf die leichten, kaum merkbaren Bewegungen
ihrer Schwanzflossen unbeweglich. Zeitweilig tauchen aus den
Grottenlabyrinthen der Algen etwa fulange, langbebartete Welse auf,
welche meist paarweise, bald neben, bald hinter einander schwimmend,
sich necken und spielen. Doch was ist jener dunkle, gelblich marmorirte,
querber im Schilfwalde, auf dem gegenberliegenden Ufer und, wie es
scheint, unbeweglich liegende Gegenstand? Eine Schlange? -- Nein, jetzt
rhrt es sich; das eine spitze Ende berhrt die Wasseroberflche, es ist
ein Leguan, der auf die befloten Bewohner des Weihers lauert. Und
auerdem welch' emsig Treiben der niederen Thierwelt! Kleinere und
grere Wasserkfer, Dytiscus- und Hydrophilus-Arten, sowie auch
Wasserspinnen, die einen emsig sich emporrudernd, die anderen, schon mit
dem hellschimmernden Luftblschen versehen, wieder hinab eilend, um sich
unter den Blttern der Wasserpflanzen, oder in dem Algengewebe zu
verbergen. Gleich Seiltnzern klimmen ihre Larven und jene der Lybellen
die Stengel der Seerosen auf und nieder, whrend jene der Uferfliegen
mhsam kleine, puppenfrmige Gehuse nachschleppen.

Am nchsten Morgen ging es weiter; wir hatten zahlreiche Flchen und
tiefe, von schwarzem Humusboden bedeckte und mit hohem Gras berwachsene
Thler zu berschreiten. Die Flchen flossen nach Sdsdwest, nach Sd,
nach Sdost und Ost und ergossen sich, wie ich denke, alle in den Panda
ma Tenka-Flu. Die Thler waren theils durch felsige Hhen, theils durch
sandige Wlder von einander getrennt. Wir trafen Kudu's, Stein- und
Wasserbcke, Bushvaarks und zahlreiche Elephantenspuren. Am Nachmittage
kamen wir ber einen hohen, tiefsandigen Wald in ein greres und
breiteres Thal, in das von beiden Seiten mehrere Seitenthler
einmndeten. Unser Nachtlager schlugen wir an einem stets flieenden
Wasser auf, welches auch die smmtlichen Gewsser, die aus den
Seitenthlern in das Hauptthal mnden, aufnimmt und von den hier frher
wohnenden Manansa der Matopa-Flu genannt wird. Auf zwei Drittel seines
Laufes stellt der 5 bis 22 Fu breite, 1 bis 4 Fu tiefe Flu einen
Gebirgsflu dar, dessen Bett sich gegen seine Mndung (unterhalb der
Victoriaflle) verbreitert.

Am folgenden Morgen, den 17. September (1875), verlieen wir zeitlich
unser Lager, um noch am selben Tage die Victoriaflle zu erreichen. Mir
war dieser und alle die ferneren Tage dieser Reise, bis zu meiner
Heimkehr nach Panda ma Tenka, zu Leidenstagen geworden. Um meine
Fubekleidung fr die fernere lange Reise zu schonen, hatte ich zu
diesem Ausfluge mir von einem im Panda ma Tenka-Thale jagenden Hndler
ein Paar Schuhe gekauft; leider zerfielen dieselben schon am zweiten
Tage und ich sah mich gezwungen, die lose anhngenden Stcke mit
Riemchen an den Fu zu binden. Dazu waren die durchwanderten Gegenden
sehr dornenreich und steinig, und die Felsenplatten durch die heie
Sonne glhend geworden.

[Illustration: Leben und Weben am Grunde der Swassertmpel.]

Schon am selben Morgen und zwar an einer Biegung des Matopa-Thales -- es
wendet sich pltzlich nach Osten -- hrte ich deutlich ein dumpfes
Gebrause, einem in weiter Ferne gleichmig rollenden Donner nicht
unhnlich. Da ich meinen Gefhrten voraus war -- ich ging immer rascher,
um mich dann auf einige Momente niedersetzen zu knnen, konnte ich es
mir Anfangs nicht erklren, allein nach und nach schien es mir der erste
Vorbote des berhmten Wasserfalles zu sein. Wir hatten mehrmals den
Matopa-River und manchmal unter groen Schwierigkeiten zu berschreiten;
ich ging voraus, denn meine Fe schmerzten mich sehr, und ich sehnte
mich darnach, mich auf einige Stunden ausruhen zu knnen. An dem
steilen, bewaldeten Abhange des linken Ufers beobachtete ich einige
flchtige Zebra's, denen ich, soweit die Richtung ihrer Flucht mit
meinem Ziele, den vor mir noch in ziemlicher Entfernung ober den
Katarakten aufsteigenden Wasserdnsten, zusammenfiel, einige Stunden
nachschlich, doch nicht rasch genug in den zum Matopa-Flchen fhrenden
Schluchten folgen konnte. Je weiter ich ging, desto mder fhlte ich
mich; spt am Nachmittag mute ich die Sohlen der zerstckelten Schuhe
tragen und trachtete barfu die Flle zu erreichen. Ich fhlte mich
jeden Moment mehr und mehr abgemattet, da ich vom Morgen her nichts zu
mir genommen hatte. Endlich gegen 4 Uhr langte ich, ber eine
tiefsandige Waldeshhe eilend, bei dem Falle an. Mir durch die Gebsche
Bahn brechend, stand ich am Rande des Abgrundes, in den sich die Wsser
strzen. -- Ich werde nie diesen Anblick vergessen.

Die Fe waren jedoch nicht mehr im Stande, die Krperlast zu tragen,
und so mute ich mich auch von dem herrlichen Anblick trennen und dem
Ufer aufwrts folgend, einige Wildfrchte zu erhaschen suchen. Ich
schlich mehr, als ich ging und mute mich an den Bumen und Struchern
festhalten, um nicht umzusinken, da endlich auf einem halbverdorrten
Klapperbumchen entdeckte ich eine Frucht. Ich wute, da sie ein ses
Fleisch barg, schlug sie mit einem Steine herab, zerschlug die dnne
gelbliche Schale und leerte in wenigen Augenblicken den Inhalt, als mir
der Same der Frucht auffiel, welcher jenem von ^Nux vomica^ tuschend
hnlich war. Einige Minuten nach dem Genusse der Frucht stellte sich
auch wirklich heftiges Erbrechen ein und ich sank vollkommen ermdet
nieder. Mhselig kroch ich zu dem Ufer des Zambesi und schlrfte von dem
klaren Wasser, das meine Lebenskrfte wachrief. Um meine Reisegefhrten
aufmerksam zu machen, feuerte ich einige Schsse ab, erhielt aber keine
Antwort. Nach einer halben Stunde fhlte ich mich wieder besser, und als
ich etwa 50 Schritte gegen den Wald gegangen war, sah ich die ersten
meiner Genossen aus diesem heraustreten. Zwischen drei laubreichen,
breitkronigen Bumen, etwa 500 Schritte vom Zambesi und 900 Schritte von
dem Falle wurde nun ein Skerm errichtet.

Mit dem Betreten der von Bffeln, Elephanten, Lwen etc. bewohnten
Districte drngt sich den zu Fu Reisenden die Nothwendigkeit auf,
allabendlich einen Skerm (Schirm, Schutz) anzulegen, innerhalb dessen er
die Nacht unbelstigt zubringen kann. Je nach der Anzahl der Begleiter
und Diener errichtet man einen bis drei solcher Skerme, welche, von
halbmondfrmiger Gestalt, aus in die Erde eingetriebenen, etwa sechs Fu
hohen und mit Zweigen durchflochtenen Pfhlen bestehen. In dem zu zwei
Drittel umzumten Raume befindet sich das Nachtlager; die offene Seite
wird durch ein oder mehrere Feuer geschtzt, welche wie eine Secante die
offenen Enden des Halbmondes verbinden. Abwechselnd mu einer der Diener
die Nacht ber wachen, um diese Feuer zu unterhalten. Unsere Diener
machten vier Skerme, einen mit zwei Grashtten fr die zwei Ehepaare,
einen fr uns Junggesellen, Mr. W., B., O. und mich, einen fr die
Capdiener (Halbcast), welche sich ber die Zulu's und Makalaka's erhaben
fhlend, mit diesen nicht einen und denselben Schlafraum theilen
wollten, und einen fr sich selbst. Unser Lagerplatz lag etwa in der
Mitte des eigentlichen Zambesi-Thales, zwischen dem Flusse und der
tiefsandigen, dichtbewaldeten Bodenerhebung, welche einigermaen
parallel als die Senke eines Hochplateaus und eines Hgelnetzes schon
von der Tschobe-Mndung ab den Flu stromabwrts begleitet. Lngs des
Flusses zieht sich ein dichtes Gebsch von Saropalmen und zwischen
diesem und jener Bodenerhebung liegt das eigentliche mit hohem Grase
bewachsene, von dichtem Busch- und Baumwuchs bedeckte Thal, aus welchem
die stolzen Fcherpalmen und mchtigen Baobabbume dem Auge sofort
auffallen. Wir hielten uns drei Tage in der Nhe der Flle auf, und
trotzdem ich durch meine wunden Fe viel zu leiden hatte, mu ich doch
diesen Zeitraum als einen der mich befriedigendsten meines ganzen
Aufenthaltes in Sd-Afrika bezeichnen. Ich halte die Victoriaflle des
Zambesi fr eine der groartigsten Erscheinungen auf der Erdoberflche.
Whrend wir an manchen Wasserfllen die Masse des niederstrzenden
Wassers wie an dem Niagara, bei anderen die Hhe der senkrechten Wand,
ber die sich das Wasser in die Tiefe strzt, bewundern, erregt bei den
Victoriafllen nicht nur der in einer Unzahl von einzelnen Strahlen und
Massen getheilte Fall des Wassers, sondern auch der Abflu des
herabgestrzten Wassers in einer engen, steilwandigen und tiefen
Felsenschlucht, deren Breite sich zu der Strombreite oberhalb der Flle
etwa wie 1:13 verhlt, unser Staunen und Entzcken.

Der von Westen nach Osten zu flieende Strom macht an den Fllen eine
pltzliche Wendung nach Sden, so da das Ufer an dem wir stehen zum
westlichen, das gegenberliegende zum stlichen wird. Da jedoch der Flu
unter denselben nicht in seiner vollen Breite abfliet, ist es dem
Beschauer mglich, einen groen Theil des den Fllen gegenber nicht
bedeutend tiefer als diese liegenden sdlichen Ufers als Standpunkt zu
bentzen, um mit dem Gesichte nach Norden gekehrt, die Victoriaflle
betrachten zu knnen. Leider ist jedoch der unmittelbare Rand des
Abgrundes, in den sich die Wasser strzen, und der wie erwhnt, den
Fllen gegenberliegt, durch die stetig auf ihn fallenden Wasserdnste
so glatt, da man nicht bis unmittelbar an dieselben herantreten kann.
Wir stehen nun etwa 100 bis 200 Schritte von einer klippenreichen,
schwarzbraunen, an 400 Fu hohen Felsenwand entfernt, ihre untere
Begrenzung knnen wir nicht sehen; ber ihre obere strzen sich die
Wasser des Zambesistromes. Mehrere durch ppige tropische Vegetation
geschmckte Inseln, etwas ber 100 Schritte vom westlichen Ufer
entfernt, theilen den Fall gleich in seinem westlichsten Viertel, und
auch weiterhin nach dem Ostufer ist er unmittelbar ber dem Abgrunde, am
Rande der Felsenwand gelegene kleinere und grere, jeder Vegetation
baare, braune Felseninseln circa dreiigmal getheilt. Zu unserer Linken
zwischen den bewachsenen Inseln und dem Westufer ist die Felsenwand
niedrig, so da das Wasser mit Wucht nach der Kante zueilt und hier in
einem einzigen, wohl 100 Schritte breiten Schwall bogenfrmig in die
Tiefe strzt. Zwischen diesem und den nchsten Strahl ist eine groe
Flche der schwarzbraunen Felsenwand zu erblicken, welche auch berall,
zwischen und hinter den dnnen oder auch breiten, lichten,
weierscheinenden und zur Tiefe schieenden oder senkrecht ber die
Felsenwand herabfallenden Strahlen zu sehen ist, und so einen dunklen
Hintergrund gewhrend, diese nur noch deutlicher und schner hervorhebt.

Die einen sind so dnn, da sie den Grund nicht erreichen, schon im
oberen oder im unteren Drittel, manche in der Hlfte des Falles
zerstuben, um als Dunst emporzusteigen. Manche, etwa drei bis fnf
Meter breit, erreichen den Abgrund -- doch mit zerstubenden und
aufkruselnden Rndern -- dort wieder fllt ein breiter Strahl auf eine
vorspringende Felsenzacke, da er sich bricht und in Cascadenform zur
Tiefe strzt, am wichtigsten schien mir der vom linken Uferrande in die
Tiefe schieende Wasserstrahl. Die Mannigfaltigkeit der fallenden
Wasserstrahlen und Massen ist gewi unerreicht.

Haben wir diesen durch einige Zeit unsere volle Aufmerksamkeit gewidmet,
so ist es lohnend, den Blick zu erheben, bis er gegen Norden dem blauen
Horizont begegnet. Im weiten Hintergrunde das herrliche Grn der Fcher-
und Saropalmen, mit denen die in der Ferne ber das Flubett zerstreuten
Inseln bewachsen sind, welches angenehm von dem lichten Azur der Hhen
absticht, und neben und um diese Inseln die tiefblauen Rnder des
Stromes, seine Fluthen, die noch so still, so langsam flieen, da es
scheint, als wrden sie stille stehen, und folgen wir ihnen nach der
Richtung, in welcher wir stehen, so sehen wir sie anfangs wenig, doch
dann, je nher sie uns rcken, um so bewegter, bis sie einige Ketten
quer ber den Flu sich hinziehender und grtentheils aus dem Wasser
hervorragender Felsenblcke erreichen, gegen diese anprallend
zurckweichen, um sich nun zwischen den freien Lcken und Nischen mit
vervielfachter Geschwindigkeit dem Abgrunde zu nhern, die schroffe
Kante zu erreichen und dann brausend in die Tiefe zu strzen. Besonders
schn erscheinen die mit den Fcher- und Saropalmen und Palmengebsch,
mit Lianen und Aloarten bewachsenen, ber dem Abgrunde liegenden und
von drei Seiten von den schumenden Wogen umgebenen Inseln. Nachdem
Livingstone diese Flle -- zu Ehren der Knigin Victoria --
Victoriaflle genannt hat, erlaubte ich mir, das hochinteressante, die
Victoriaflle beiderseits umgebende Hgelland zu Ehren des Prinz-Gemahls
^The Albert country^ und die Inseln zu Ehren der kniglichen Prinzen
und Prinzessinnen mit deren Namen zu belegen.

Wenden wir uns zu dem sdlichen und zugleich westlichen Ufer, an dem wir
stehen, und zu jenem Abgrunde, der wie ein Felsentrog zwischen uns und
den Fllen sich befindet und das herabstrzende Wasser aufnimmt. Unser
Ufer, wie das gesammte unter den Fllen ist eine Felsenbank, die mit
Humus und Thonerde bedeckt, einer besonders in der unmittelbaren Nhe
der Flle ppigen Vegetation Raum gewhrt.

Indem wir an dem Rande des Abgrundes stehen, genieen wir den Schatten
riesiger Sykomoren, Mimosen, etc. Diese Bume, welche unsere schlanksten
Pappeln an Hhe berragen, haben meist wohl eine erst im letzten
Sechstel oder Achtel ihrer Hhe beginnende Krone, diese aber ist so
dicht, da man unter ihnen wie unter einem ausgespannten Schirm steht.
Armdicke Lianen, schnurgerade oder in Spiralen emporsteigend, verbinden
den Fu des Baumes mit seinem Gipfel und bieten den Affen Gelegenheit,
dem verborgenen Beobachter ihre Kletterknste vorzufhren. Auer den
hohen Bumen sind es noch dichte Saro- und Fcherpalmen-Gebsche und
riesige Farrenkruter, welche zur Ueppigkeit der Scenerie dieses Ufers
so viel beitragen. Der Reisende schreitet bei einem Gange durch diese
hochinteressanten Formen Floras ber einen elastischen, schwellenden
Teppich von kleinen Blumen und Moos, der von Feuchtigkeit durchtrnkt
ist, am Rande des Abgrundes aber, da, wo der nackte braune Felsen
hervorblickt, sehen wir einzeln oder in Knueln, kleine, erbsen- bis
hhnereigroe, etwas plattgedrckte, rundliche, dunkelgrne Algen lose
dem Felsen aufliegen.

Diese Ueppigkeit der Vegetation ist zu gutem Theil auf die continuirlich
von den Fllen herrhrenden und auf die gegenberliegenden Ufer
herabfallenden, reichlichen Wasserdnste zurckzufhren. Unaufhrlich
steigen lngs der oberen Kante des Falles mit den einzelnen Fallstrahlen
correspondirende Sulen von Wasserdnsten einige hundert Fu hoch in die
Lfte, auf 50 englische Meilen weit sichtbar. Eben whrend unseres
Betrachtens sind sie unmittelbar vor uns so dicht, da sie die
gegenberliegende Stelle vollkommen verhllen, doch schon im nchsten
Augenblicke hat sie ein miger Windhauch von Osten her nach Links zu
gedrngt, nur eine dnne und durchscheinende Sule ist zurckgeblieben,
welche wie ein Schleier mehrere der vor uns herabstrzenden Strahlen
verhllt und nun ein wahrhaft mrchenhaftes Bild hinzaubert, denn auch
das tiefe Blau der Fluth ber dem Falle und jene herrlichen Inseln mit
den Palmen erscheinen uns so fern gerckt und doch wieder so nah, wie in
einen Nebelschleier gehllt.

Von unvergleichlicher Schnheit und malerischem Reize sind diese Flle
bei Sonnen-Aufgang oder Niedergang, wenn kreisrunde, in den Dunstfden
erscheinende Regenbgen den Effect erhhen. Das Aufsteigen der Dnste
ist mit einem eigenthmlichen Zischen verbunden, und doch ist dies nur
zeitweilig zu hren, wenn der Wind das Getse aus dem Grunde der
Felsenschlucht, das den Beschauer im wahren Sinne des Wortes betubt,
etwas abschwcht. Wie ich schon erwhnt, knnen wir von dem Sdufer --
dem besten Standpunkte des Beobachters -- den Boden des Abgrundes nicht
sehen (wohl von der westlichen Seite, wenn wir uns an den Rand einer
bebuschten Schlucht durcharbeiten knnen), und darum wirkt das
furchtbare Getse, das von der Tiefe aus die Lfte erfllt und
meilenweit wie das ununterbrochene Rollen des Donners vernommen wird,
nur um so betubender auf die menschlichen Sinne ein. Wir hren ein
Brllen und Zischen, zeitweise deutlich das eigentmliche Anschlagen
strzender Wassermassen an den harten Felsenklippen, der Felsenboden
unter uns scheint zu zittern, als kme dies Getse aus einer Hhle unter
uns. Wenn wir in die Tiefe des Abgrundes hinabsehen knnten, es wrde
die Sinne befriedigen und das ngstliche Gefhl, das sich unwillkrlich
unser bemchtigt, bannen, so aber kommt es uns vor, als stnden wir an
einem Hllenkrater, in dem die Elemente, in einem Vernichtungskampf mit
einander begriffen, rasen. Wie klein, wie machtlos und unansehnlich
erscheint der Mensch gegen solch' ein Product der Natur!

[Illustration: Die Victoriaflle.]

Wir wandten uns nun nach der tieferen Felsenschlucht, durch welche die
ganze Wassermasse des Stromes abfliet. Dieser Abflu geschieht im
Zickzack, und in folgender Richtung. Von dem Felsenthore (dem Ausflu)
etwa 300 Schritte weit ist die Richtung sdlich, geht dann unter einem
stumpfen Winkel pltzlich auf 1000 Schritte in eine westsdwestliche
ber, welche nach einem scharfen Winkel auf 1100 Schritte in eine
sdstliche umschlgt u. s. w. Wenn wir von dem Thore lngs derselben
hinschreiten -- so weit es nmlich die einmndenden Schluchten, die
wegen ihrer Steilheit umgangen werden mssen, gestatten -- so bietet
sich dem Auge, man mchte sagen alle 200 Schritte ein neues Bild der
steilen, die Schlucht bildenden Felsenwnde. Hier stehen sie senkrecht,
schroff, als wren sie scharf abgemeielt, hier erhebt sich eine braune
bis schwrzliche Felsenmauer, dort wieder eine hnliche dunkle
Felsenwand, hie und da mit grnen und rothen Flecken, stellenweise
marmorirt; Punkte, die sofort in's Auge fallen und zu dem dunklen
Hintergrund einen uerst angenehmen Contrast bilden. Der Wind hat von
dem hochliegenden Ufer lose Erdtheile herabgeweht, welche sich mit
Alosamen in den Felsenritzen eingenistet haben, diese fingen an zu
sprossen -- die Wurzeln klemmten sich in die feinen Ritzen -- hefteten
sich innig an den Felsen an und nun gediehen die Pflanzen in den
vollstndig mit Erde und vertrockneten Blatttheilen gefllten
Felsenspalten vortrefflich, wie ihre mchtigen Blthenhren es beweisen.
Der reife Samen wird in den Flu hinabgefhrt, um weit, weit von den
Fllen, an dem Ufer desselben Stromes neue Keime auszuwerfen und das
Ufer zu schmcken.

Manche Partien der Felsenwnde neigen sich terrassenfrmig zur Tiefe und
erscheinen theils jeder Vegetation bar, theils an den oberen
horizontalen Flchen mit Vegetation berwuchert. Doch an vielen Stellen
und dies namentlich am westlichen Ufer, sehen wir eine ppige Baum- und
Buschvegetation bis zur mittleren Hhe oder bis zum Strome selbst
herunterreichen. Sie bekleidet die vielen nach abwrts fhrenden, doch
sehr steilen Schluchten, welche dem Regenwasser der nchsten Umgebung
zum Abflu dienen. Manche vereinigen sich an ihrer Mndung zu einer
einzigen. In dieser Weise wechseln die Bilder lngs der langen Partien
der Zickzacklinie. Die Ueberraschung ist noch grer, wenn wir die
Formen der Wnde im kurzen Zickzackscheitel betrachten.

Ich will blos drei solcher Punkte besonders hervorheben. Das rechte
(westliche) Ufer der kurzen Strecke unter der Abfluffnung ist ein
senkrecht abfallender Felsen, der gegen die Flle zu etwas zurcktritt
und im Canal eine rundliche Bucht bildet, dann jedoch, nach Osten als
scharfe Felsenwand hervortretend, die westliche Wand des engen
Felsenthores bildet, welches den herabgestrzten und unten wieder
vereinigten Gewssern des Zambesi den Abflu gestattet. Das uns
gegenberliegende Ufer, die stliche Wand dieses Thores, wird von einer
kegelstutzfrmigen, nach hinten (Osten) mit dem Hinterlande
zusammenhngenden Felsenhhe gebildet, welche im unteren Drittel, jeder
Vegetation baar, schroff abfllt, in den zwei oberen Dritteln jedoch mit
prachtvoller, tropischer Vegetation ringsum berwuchert terrassenfrmig
aufsteigt und mit ihrer Umgebung, dem rechts und links ghnenden
Abgrunde, dem brausenden dunkelblauen Strom an ihrem Fue, einen
gewaltigen Eindruck hervorruft. Als ich noch im Schauen dieser
Felsenscenerie versunken dastand, tauchte in meinem Geiste ein nie
geschautes, doch oft getrumtes Bild: die hngenden Grten der
Semiramis, auf.

An dem folgenden kurzen, die zweite und dritte Zickzacklinie
verbindenden Arme finden wir einen hnlich geformten, doch mehr
schroffen aus aufgethrmten Blcken bestehenden Felsen. Er ist von
Norden, von Osten und Sden von dem tobenden Wasser umsplt, doch gegen
Westen von dem Hinterlande durch eine tiefe Schlucht getrennt. Hier auf
dieser isolirten, wohl ber 300 Fu hohen Felsenkuppe war kein
Blttchen, keine Spur von Vegetation zu sehen, Floras liebliche Kinder
waren von dem unwirthlichen Felsen verbannt. Vergebens haben sich seit
Tausenden von Jahren alle die Elemente gegen den Felsenriesen emprt,
der Blitz unzhlige seiner vernichtenden Schlge an ihm zersplittert,
Aeolus mit all' seinen Genossen gegen ihn angerast und unten der
grimmigste Feind alles Festen auf der Erde schumend und tosend an
seinem Sockel sich gebrochen. Er bezwang diesen und wies ihm die Bahn.

Wenden wir uns nun von den Wnden der Schlucht zu der Tiefe selbst, in
der ein dunkelblauer Strahl pfeilschnell dahinschiet. Er scheint kaum
ein Drittel so breit wie die Mndung der Schlucht (nach oben), mit
furchtbarer Gewalt stt und bricht er sich an der scharfen Wendung der
gegenberliegenden Felsenwand, da er theilweise zurckgeworfen wird und
zurckstrmend in der Regel in einer Bucht seine Kraft zu sammeln sucht,
um sich mit der nchsten Woge zu vereinigen und von Neuem seine Kraft an
dem Felsen zu versuchen. Stellenweise ragen aus der Fluth Felsblcke
empor, an denen die reiend dahineilenden Wogen aufschlagen und sich
theilen. An einigen der Ecken, an denen die Fluth unter einem scharfen
Winkel eine verschiedene Richtung einschlgt, sehen wir gleichsam um den
brausenden und schumenden Strahl zu verspotten, scharfkantige, spitz
zulaufende, bis mehrere Meter lange Vorsprnge der heftigsten Strmung
entgegengerichtet, an denen sich auch die Kraft derselben bricht.

Tausende von Jahren tobt der dunkle Strom in der Tiefe, allein wir
knnen kaum stellenweise eine merkliche Einwirkung wahrnehmen, die er
auf diese unerschtterlichen Wnde hervorgebracht haben mochte. Ich
bedauere nur, da es mir nicht mglich war, lnger als drei Tage an den
Victoriafllen zu verweilen. Um die Schlucht, ja das gesammte,
hochinteressante Naturwunder kennen zu lernen, mte man 1 bis 2 Monate
an den Fllen verweilen, die Inseln oberhalb des Falles und das
gegenberliegende Ufer besuchen. Auerdem bietet die Natur in der
nchsten Umgebung der Flle so viel Anziehendes, da ich mit mir lngst
in's Reine gekommen bin, bei meinem nchsten Besuche nach Mue hier
verweilen zu wollen.

Whrend des dreitgigen Aufenthaltes, wobei mir leider der Zustand
meiner Fe den Genu dieses herrlichen Bildes beeintrchtigte, hatten
ich und mein Diener eine interessante Begegnung mit einer sehr
zahlreichen Pavianheerde. An der von mir Pavianschlucht genannten
Felsenschlucht, welche als Regenabflu der umliegenden Gegend zum Flusse
fhrt und in ihren beiden Dritteln dicht mit Bumen bestanden, im
unteren jedoch kahl und steil ist, sah ich an der mir gegenber
liegenden Wand eine zahlreiche Pavianheerde. Ich wnschte einige
Pavianschdel zu gewinnen und tdtete ein Thier, dessen Leiche jedoch in
den Flu herabkollerte, verwundete andere und brachte auch den rechten
Flgel des Feindes zum Weichen, dagegen behauptete das Centrum seinen
Platz, whrend der linke Flgel sogar agressiv vorging und mit Steinen
zu werfen begann, so da ich, nachdem ich unvorsichtiger Weise alle
Patronen mit Ausnahme einer verschossen, mich mit meinem Begleiter durch
die Flucht einem Handgemenge mit den erzrnten Affen entziehen mute.

Die am jenseitigen Ufer unter dem Huptling Mochuri wohnenden Bathoka's
kamen auf Khnen herber, um uns Ziegen, Kafirkorn, Bier und Bohnen zum
Kaufe anzubieten. Ich traf spter in Schescheke einen dieses Stammes, es
war ein Unterhuptling und Verwandter Mochuris, und Sepopo, in der
Meinung, da ich noch keinen Bathoka gesehen, stellte mir denselben vor.
Ich erkannte ihn sofort wieder, doch dieser htete sich, desgleichen zu
thun, da er sich der Uebertretung des kniglichen Verbotes, von den
Weien Gewehre zu kaufen, schuldig fhlte und hchstwahrscheinlich zum
Tode verurtheilt worden wre.

Whrend ich an der kartographischen Aufnahme der Flle arbeitete, stie
ich mehrmals auf weidende Pallahheerden, den Capdienern gelang es, ein
Thier zu erlegen. Dieses schne Thier gehrt zu den hufigsten der am
Zambesi angetroffenen Wildarten.

Am 20., dem Vorabende unserer Abreise, hatten wir noch ein interessantes
Lwenabenteuer zu bestehen, das glcklicher Weise einen recht
humoristischen Abschlu fand. Einige Augenblicke, nachdem ich von einem
meiner Ausflge zu den Fllen zurckgekehrt war, kam auch Walsh von
seiner gewohnten Vogeljagd zum Lagerplatze und berichtete, da er etwa
1200 Meter vom Lagerplatze einen Lwen eben in dem Momente gesehen habe,
als er eine hochbegraste Wiese berschreiten wollte, um zum Flusse zu
gelangen. Sofort wurde Kriegsrath gehalten und die Jagd auf den Lwen
beschlossen, nur das eine wollte mir nicht gefallen, da sich auch die
beiden Frauen bereit erklrten, uns zu begleiten. Frau Francis hob zu
ihrer Rechtfertigung hervor, da ihr Gemahl in ihrer Gegenwart schon
mehrere Lwen erlegt habe, weshalb sie auch diesmal einer solch'
ergtzlichen Scene nicht fernbleiben wollte. Frau Westbeech wieder,
welche erst einige Monate verheiratet war, wollte ihren Georg nicht
allein in der Gefahr wissen.

Wie ich schon erwhnte, war das eigentliche Zambesithal in einer
Entfernung von 100 Schritten bis auf mehrere Meilen hin von einer
sandigen Bodenerhebung begrenzt. Das meist mit Bumen dichtbestandene
Thal hatte gegen den Flu zu einige baumlose Wiesen, die unmittelbar am
Fluufer von einem dichten, etwa zwei bis drei Meter breiten
Saropalmengebsch umsumt waren. Walsh war eben im Begriffe, ber eine
solche, etwa 30 Meter breite Wiese zu schreiten, als nahe an einem Baume
der Lwe aufsprang, und im gegenber liegenden Palmgebsche verschwand.
Nahe an dem Baume stand ein etwa fnf Meter hohes Bumchen, an welches
sich ein pyramidenfrmiger Termitenbau anlehnte. An der bezeichneten
Stelle angelangt, formirten wir uns in vier Treffen, um dem Raubthiere
mit Aussicht auf Erfolg an den Leib zu rcken. Im ersten Treffen (von
rechts nach links) standen Westbeech, Francis, Walsh und ich, im zweiten
Mr. O. und B. und zwei Capdiener, im dritten ebenfalls zwei solche und
zwei mit Musketen bewaffnete Matabele, dann folgten die brigen Diener,
manche mit Assagaien, manche mit Kiri's, manche blos mit Baumsten
bewaffnet. Die drei ersten Treffen sollten gegen den Busch vorrcken,
das vierte auf der etwas erhhten Bodenstelle am Wiesenrande stehen
bleiben und das Palmengebsch auf das eifrigste beobachten, um uns
verdchtige Bewegungen in demselben sogleich melden zu knnen. Wir waren
nicht weit gekommen, als uns Frauenrufe zum Stillstand brachten. Die
Damen fanden sich unter dem Baume nicht sicher genug und wollten auf den
Termitenbau gehoben sein, wozu ihnen auch sofort ihre Mnner verhalfen.
Wir setzten hierauf langsam und bedchtig unseren Marsch ber die
hochbegraste Wiese fort. Wir waren nun ungefhr bis auf zwei Meter dem
Busch nahegekommen, und da der Lwe noch immer kein Zeichen von sich
gab, hob sich der Muth aller Angreifer, doch dieser Aufschwung nahm ein
jhes Ende, denn pltzlich schallte uns aus dem Dickicht ein wildes
Gebrll entgegen, stark genug, um selbst dem beherztesten Jger die
Ueberzeugung beizubringen, da es einen Unterschied zwischen einer
^Felis Leo^ und einer ^Felis domestica^ gebe. Wir waren dem Thiere so
nahe, da es Francis mit einem Sprunge erreichen und tdten konnte,
bevor wir es an dessen Leiche erlegt htten.

Die erste Folge des Gebrlles war, da wir stille hielten, unverwandten
Blickes schauten wir nach der verdchtigen Stelle, doch konnten wir
nichts sehen. Nach einigen Secunden ertheilte einer der beherzten Jger
den Rath, an den Rckzug zu denken, welchen wir auch, ohne weiter daran
gemahnt zu werden, antraten. Die Stelle, von welcher das Gebrlle zu
kommen schien, fixirend, das Gewehr schubereit, zogen wir uns zurck.
Whrend des Rckzuges hatten sich die einzelnen Treffen etwas gelichtet,
doch den grten Muth bewies das vierte, das wir erst nach einigem
Suchen auf dem groen Baume gewahrten, wohin es sich geflchtet hatte.
Wir feuerten zahlreiche Schsse in das Gebsch ab, doch ohne Erfolg,
darauf zndeten wir das trockene Gras an und trachteten auf diese Weise
das Raubthier zum Verlassen seines Schlupfwinkels zu bewegen, doch das
Geschick war uns an diesem Tage nicht hold, wir hatten heftigen
Gegenwind und da brannte es nach der entgegengesetzten Richtung. Wieder
waren es laute Rufe von Seite der Frauen, welche unsere Aufmerksamkeit
erregten. Der Wind hatte den belriechenden Rauch in einer dichten Wolke
gegen das Bumchen getrieben, in dessen Aeste die beiden Frauen, um sich
noch sicherer zu fhlen, hinaufgestiegen waren, und diese frmlich mit
dem Ersticken bedroht, da wurde Lwe und alles andere vergessen und man
eilte den Damen zu Hilfe, die auch bald aus ihrer Lage befreit waren,
und nach allen den Mierfolgen dachten wir die Lwen leben zu lassen und
heimzukehren; doch Westbeech, der als tollkhner Lwenjger bekannt war,
wollte sich in Gegenwart seiner Neuvermhlten solch' eine Gelegenheit
nicht entgehen lassen, und machte den Vorschlag, das Palmengebsch
fluaufwrts zu durchstbern. Um diesen Vorschlag auszufhren, hatten
wir die Wiese in der Richtung zu durchschreiten, in der es Walsh am
Morgen gethan hatte. Mit Ausnahme der Frau Westbeech betheiligten wir
uns alle an diesem zweiten Jagdzuge. Diese wurde unter dem Schutze des
vierten Treffens, der Matabele Diener, welche nicht wenig darauf stolz
waren, die Gemahlin ihres Herrn beschtzen zu knnen, zurckgelassen.

[Illustration: Der Lwe kommt.]

Wir hatten glcklich die Wiese berschritten und suchten bereits in den
Palmenbschen, als uns ein herzzerreiendes Geschrei zur Stelle bannte;
in demselben Augenblicke hatten wir uns alle umgewendet, und das
Erstaunen mehrte sich, als wir keine Spur von Frau Westbeech mehr sahen.
Der erste, der sich von seinem Schrecken erholte, war Westbeech, mit dem
Gewehre in der Rechten, eilte er an uns vorber, da sich jedoch das
Angstgeschrei aus dem tiefen Grase der Wiese, die wir eben berschritten
hatten, wiederholte, eilten wir ihm nach; doch wurden wir neuerdings fr
einen Moment aufgehalten, als der vor uns laufende Westbeech pltzlich
mit einem Schreie verschwindet. In der Aufregung, die sich unser
bemchtigt hatte, beachteten wir das berlaute Gelchter der
herbeilenden Matabele nicht, Francis, der uns allen Voraus war, machte
zwei Stze nach vorne und in das von den Matabele angestimmte Gelchter
einfallend, warf er das Gewehr bei Seite und sah in's Gras, wir hrten
nur noch seine Worte. Bleibt zurck! Bleibt zurck! Nach einige
Secunden tauchte Westbeech vor ihm auf, beide liefen nun einige Schritte
weiter, beugten sich nieder und nun erschien Frau Westbeech als die
dritte im Bunde. Die Lsung dieses etwas rthselhaften Vorganges war
bald gefunden. Die an dem Zambesi-Ufer wohnenden Manansa's hatten, als
sie noch keine Gewehre besaen, um sich des Wildes leichter bemchtigen
zu knnen, am Ufer des groen Stromes zahlreiche Fallgruben gegraben.
Diese von jenen der bei den Betschuana's blichen abweichenden Grben
waren 10 bis 12 Fu lang, 8 bis 10 Fu tief, bei einer Breite von nur 18
bis 24 Zoll, dabei verengte sich die obere Oeffnung nach unten derart,
da jedes Thier bei den Versuchen sich zu befreien, nur immer tiefer
einfiel und eingezwngt wurde. In eine solche war die arme Frau
Westbeech am jenseitigen, der ihr zu Hilfe eilende Gemahl am
diesseitigen Ende der Wiese gefallen. Frau Westbeech hatte sich, von
einigen Hautabschrfungen abgesehen, glcklicher Weise nicht beschdigt,
der Zwischenfall veranlate es jedoch, die Jagd aufzugeben und nach dem
Skerm zurckzukehren. Als uns Abends die Bathoka wie gewhnlich
aufsuchten und wir sie fragten, ob es hier Lwen gebe, antwortete man
uns, da ihnen seit vielen Jahren ein Lwe bekannt sei, der sich in der
Regel nicht weit von unserem Skerm aufzuhalten pflege, es wre aber ein
so an den Menschen gewhntes Thier, da sie selbst bei Nacht unbehelligt
vor ihm vorbeigingen.

Bevor ich noch von den Victoriafllen scheide, will ich des
Eingebornenstammes, der Manansa, gedenken, welchen man hie und da noch
im Albertslande begegnet und der noch in den Dreiiger Jahren sein
eigenes Reich besa. Die Manansa bewohnen das Hgelland sdlich von und
um die Victoriaflle, ein Gebiet, welches den Bamangwato's von
rechtswegen zugehrt, das jedoch von dem Matabele-Herrscher auch als das
seine betrachtet wird und unter welcher Streitfrage Niemand mehr als die
Bewohner dieses Striches zu leiden haben. Die Bamangwato's nennen sie
schlechtwegs Masarwa, whrend in Wirklichkeit die Manansa nichts mit den
Letzteren gemein haben. Die Manansa bebauen kleine versteckte
Thalpartien oder leben als Jger hie und da, ohne bleibende Wohnsitze zu
haben; werden sie von den Matabele hart bedrngt, so flchten sie nach
dem Westen auf das Bamangwato-Gebiet, und wenn von den Letzteren
bedrngt, nach Osten auf jenes der Matabele; nur dann, wenn sie nicht
mehr entkommen knnen -- ergeben sie sich auf Gnade und Ungnade und
erklren sich als gehorsame Unterthanen ihrer Verfolger. Man kann
Albertland ein streitiges Gebiet zwischen den Bamangwato und Matabele
nennen und dessen Bewohner nur als periodisch ansssige -- so lang die
Geiel ber ihnen schwebt -- Unterthanen und Bewohner des
Bamangwato-Reiches betrachten, die in Wirklichkeit, wenn es auch die
Bamangwato behaupten, reine Sklavendienste verrichten.

Bis zum Jahre 1838 war der Stamm der Manansa in einem selbststndigen
Reiche vereinigt, das sdlich bis an die westlichen Makalaka's und den
Ugwajflu weit aufwrts, sowie zum Mittellauf des Kwebu-River reichte.
-- Dieses Knigreich war von einem Groen Huptling beherrscht, der
bei dem Andrange der Matabele nachzugeben bemht war.

Allein so wie Moselikatze (Tigerkatze htte besser fr ihn gepat) den
Knigreichen der Makalaka ein Ende gemacht und das groe Reich der
Maschona zur Hlfte zerstrt, so wurde auch jenes der Manansa von ihm
vernichtet. Den guten Worten des freundlichen, aufrichtigen Huptlings
wurde kein Glauben geschenkt und da die grausamen Matabele nicht gewohnt
waren, fr ihre Erpressungen gute Worte zu ernten, wurde er fr
verrtherisch gehalten; man witterte darin einen hinterlistigen Plan.
Auch bei den Wilden glaubt der Schlechte in jedem guten Nebenmenschen
nur Schlechtes zu finden -- und da man sicher dachte, da er einen
Hinterhalt gelegt habe und nur durch die freundlichen Worte Zeit
gewinnen wolle, um seine Mnner zu sammeln, wurde er von den in
Ueberzahl in sein Gehfte und seine Stadt eingedrungenen Matabele zur
Erde geworfen, sein Leib mit Assagaien aufgeschlitzt, das Herz
herausgeschnitten, und mit den Worten: Du hattest zwei Herzen, auch ein
falsches, esse es, ihm dieses an die noch zuckenden Lippen gepret.

Bei diesem Raubzuge der Matabele wurde dem Manansa-Reiche ein Ende
gemacht, die Manansa zersplittert, alle Knaben von den Matabele
mitgenommen, um zu Kriegern erzogen zu werden. Seitdem wiederholten die
Matabele oft ihre Raubzge, und die Reste der Manansa, wurden theils
nach und nach vernichtet, theils flchteten sie zu Sepopo, dem frheren
Marutseknig, theils zu Mochuri, dem Chef der Bathoka (nrdlich von den
Victoriafllen), sowie zu Wanke, dem Chef der nordstlichen Makalaka
(nrdlich vom Zambesi und stlich von den Victoriafllen). Ich machte
mehrere Versuche, zu erfahren, ob die Uebriggebliebenen einen Huptling
unter sich anerkennen, doch lange erfolglos, bis sich Jene, mit denen
ich tglich verkehrte, berzeugt haben muten, da ich die Antwort mir
in meinem ^lungalo^ (Buch) eintragen wollte, nicht aber um, wie sie
wohl dachten, es dem Matabele-Knig zu verrathen, theilten sie mir mit,
da sie alle, wo berall sie zerstreut auch wohnen mochten, einen Chef
verehrten, der stlich von Wanke's Land ein kleines Gebiet von diesem
Frsten eingerumt erhalten und hier die Reste des Stammes um sich
gesammelt hatte. Und warum geht Ihr nicht auch dahin, statt hier wie
die Hunde herumgejagt zu werden? Eigenthmlich -- hnlich wie im Sden,
wo der Buschmann an seinen Felsen und Klften mit seinem ganzen Sein
hlt -- ist es auch hier die Liebe zu den bewaldeten Hhen und
anmuthigen Thlern, welche die flchtigen Manansa an die Scholle bindet,
auf der sie das Licht der Welt erblickten. Jener Chef (Huptling) ist
der Sohn des von den Matabele ermordeten Knigs.

Die Manansa haben viele Gebruche, mit denen sie sich von anderen
sdafrikanischen Stmmen unterscheiden. Ich will einstweilen eines
Gebrauches erwhnen, welcher vielleicht auch einem weiteren Leserkreis
berraschend erscheinen drfte. Wir ersehen daraus, da das weibliche
Geschlecht, hnlich wie bei den Marutse und im groen Gegensatz zu der
ungeflligen Behandlungsweise von Seite der Betschuana und zu jener
abscheulichen bei den Matabele auch bei den Manansa geachtet wird. Wir
wollen die Verlobung eines Manansa-Mannes besprechen. Hat ein solcher
mit Wohlgefallen die Reize eines Mdchens seines Stammes beobachtet und
erkannt, sie auch liebgewonnen (was unter den Betschuana und Zulu eine
Seltenheit ist), so sendet er eine ihm wohlbekannte alte Frau zu ihr,
welche fr ihn die _Brautwerbung_ versucht. Die Abgesandte gibt von dem
Antragsteller das bestmgliche Bild, schildert seine Geschicklichkeit im
Erwerben des ^njama^ (^ama^) (des Fleisches, d. i. des Wildes), seine
    Gutmthigkeit, zhlt die vielen Felle auf, die sein Lager weich
machen, und die Fruchtbarkeit des kleinen Grundstckes, das schon
seine Mutter bebaut hatte.

Nun wird Familienrath gehalten; hier entscheidet nicht blos der Vater
noch befiehlt er, sondern Mutter, Tochter und Vater errtern den
Gegenstand untereinander. Ist es ein Mann, welcher der Tochter gefllt,
und wissen die Eltern nichts gegen ihn einzuwenden, so wird dem (whrend
der Unterredung) vor der Thre wartenden Weibe eine befriedigende
Antwort ertheilt. Der Antragsteller mge kommen, was jedoch schon so
viel bedeutet, da ihn die Eltern als Schwiegersohn, die Tochter als
Mann annimmt. Erscheint er nun in der Htte und hat er seinen Gru
gesprochen, so mu er vorerst seiner Auserwhlten ein Geschenk machen,
das frher in dem reichen Felle einer Halbaffenspecies bestand, seitdem
jedoch Glasperlen unter ihnen bekannt wurden, bietet er ihr eine
handvoll kleiner, blauer Glasperlen an. Nur nachdem er dies gethan und
es angenommen wurde, spricht ihn das Mdchen an, die von nun an seine
Frau ist. Glcklicher Weise vermissen wir hier die Orgien, wie sie
leider die heidnischen Verlobungs- und Trauungsfeste vieler
sdafrikanischer Vlker charakterisiren. Der Vater, die Mutter, und hat
die junge Frau erwachsene Geschwister, die in demselben Gehfte wohnen,
so mischen sich auch diese in ein Gesprch, das bis zur Tagesneige
dauert. Am Abend entfernen sich die Eltern aus der Htte, um eine der
Nebenhtten im Hfchen zu beziehen, und thun dies je nach der Jahreszeit
durch ein bis zwei Wochen. Tglich am Morgen verlt der junge Mann
seine Frau und geht seiner Arbeit nach, worauf erst die Eltern fr den
Tag ihr Besitzrecht wieder geltend machen. Fr jede Gunstbezeugung von
Seite der jungen Frau mu ihr der Augetraute stets eine handvoll
Glasperlen bezahlen. Jeden Morgen nehmen Beide eine Waschung des Krpers
mit lauem Wasser vor, welche Geflligkeit auch wieder mit einem
Geschenke beglichen wird. Nach ein oder zwei Wochen bringt der
Schwiegersohn dem Vater ein Geschenk von vier Ziegenbcken und vier
Mutterthieren, oder statt derselben acht Glasperlenschnre (zwei Pfund
Glasperlen).

Von diesem Tage an helfen die Eltern dem jungen Paare zwei Htten bauen
oder eine, je nachdem der Mann schon eine besa oder nur bei seinen
Eltern oder Freunden wohnte. Eheliche Treue wird sehr gewahrt,
namentlich von Seite des Mannes, als unerhrt wurde mir ein Treubruch
bezeichnet, und dies fhrt uns zu einem wichtigen Punkt, in welchen die
Manansa die gebildeten Marutse berflgeln, die mit ihrem
abscheulichen Mulekau-Thum ihre eigenen Frauen zum Treubruche
verleiten, sie oft gegen ihren Willen dazu zwingen. -- Die bevorstehende
Niederkunft einer Frau fhrt ihre alten Nachbarinnen in's Haus. Das
Erste, was sie thun, ist, die Waffe des Mannes, mag es ein Assagai oder
ein Gewehr etc. sein, hinauszutragen und sie in eine andere seiner
Htten, sollte er jedoch (was selten der Fall) nur eine Htte besitzen,
in die Wohnung seines Nachbarn zu tragen, ebenso wie fr den Ehemann ein
unwiderrufliches Gebot ist, sich von eben dem Augenblicke aus der Htte
seines kranken Weibes zu entfernen. Erst am achten Tage nach der Geburt
des Kindes, und nachdem Mutter und Kind mit warmem Wasser und die Htte
durch und durch gereinigt wurde, fhren die alten Weiber den Mann wieder
in sein Haus zurck, um seine Frau zu begren und sein Kind zu sehen.
-- Diese Reinigungsproceduren, welch' ein Gegensatz zu der
Unreinlichkeit der Hottentotten-Race und der Makalaka's! -- Trotzdem,
da der Mann in's Haus eingefhrt wurde, darf er nicht darin wohnen,
erst nach drei bis vier Wochen von dem Tage an gerechnet, an dem er sein
Kind zuerst erblickte.

Tritt ein Todesfall ein, so wird die Person in der Abendstille in der
Nhe des Gehftes, und wenn es der Boden gestattet, in einer etwa fnf
Fu tiefen Grube beerdigt. Ein Erwachsener erhlt einen Assagai in's
Grab und wird dabei in eine Carosse gehllt. Die Beerdigung geht auer
dem Gesthne der weiblichen Angehrigen im Stillen vor sich. Stirbt ein
Hausvater, so wird den Tag nach der eben genannten Ceremonie all' sein
Eigenthum zusammengetragen. Die Bewohner des Dorfes versammeln sich und
nun tritt der lteste Sohn hervor, um von dem Eigenthum Besitz zu
nehmen. Ist kein Angehriger oder kein Sohn vorhanden, so wird von den
Versammelten ein Mann zum Erben eingesetzt, meist ein Freund des
Verstorbenen, und dieser hat dann den Namen desselben anzunehmen.

Die Manansa sind in der Regel von Mittelgre und nicht stark gebaut,
doch bereiten sie dem Forscher nicht geringe Schwierigkeiten, weil sie
seit der Zerstckelung des Landes sich mit den ebenfalls flchtigen
Matonga und Masupia und nrdlich vom Zambesi mit den Makalaka und
Bathoka sehr vermischt haben. Schwarzbraun ist der Teint des Stammes,
freundliche Augen, kleiner Kopf und groe Lippen. -- Als Verzierungen
beobachtete ich bei ihnen jene der rmeren Classen im Marutse-Reiche
(doch war es wohl anders als noch ihr Reich bestand), Arm- und Furinge
aus Gnu- und Giraffenhaut, auch aus Eisendraht. Sie tragen hchst
einfache Ohrringe aus besserem Material und als Kleidung in der Regel
blos einen kaum handbreiten Lappen aus Calico oder aus wildwachsender
Baumwolle bereitet, doch zuweilen ein kleines Fell ber die Hften
geschlungen, die Frauen kurze Rckchen aus gegerbten Fellen. Als Diener
drften die Manansa allen brigen sdafrikanischen Stmmen vorzuziehen
sein, ich fand sie sehr geschickt im Anschleichen des Wildes, dabei
nicht berhitzig, sondern, was eben nthig war, sehr vorsichtig,
gefllig, ehrlicher als andere und vor Allem treuer.

Die Manansa werden von den mchtigeren, umwohnenden Stmmen, von den
Marutse, Betschuana und Matabele, mit Verachtung angesehen und demgem
behandelt. Sie sind die Schildbrger des nrdlichen Sd-Afrika
geworden. Was ihnen namentlich zur Last gelegt wird, ist ihre
auffallende Gutmthigkeit und Friedfertigkeit, zwei Tugenden, welche
seitdem die Zulu-Matabele zwischen dem Limpopo und Zambesi der Rohheit
und Herzlosigkeit Platz gemacht -- als Untugenden, die erstere als ein
gleinerisches Betragen, die zweite als Feigheit angesehen werden. --
Auch dies ist ein Werk des Vandalenthums der Matabele, nicht nur Mord
und Raub, auch das Ersticken aller edleren Gefhle und Mitrauen in
jedes freundliche Wort, das da gesprochen, in jede gute Handlung, die
begangen wird, waren eingezogen.

Werden sie verfolgt und ist Flucht nicht mehr mglich, so kehren die
Manansa um und gehen mit gesenktem Assagai ihren Feinden entgegen. Bei
dem Zusammentreffen legen sie die Waffen auf die Erde und hocken sich
nieder. Wenn nun auch der Sturm ihrer Verfolger auf sie losbricht, sie
bleiben ruhig. Als sie von einem (dem vorletzten) der Bamangwato-Knige
Moschesch bedrngt wurden, beschwichtigten sie die Habsucht ihrer
Verfolger mit Elfenbein. Moselikatze's Krieger raubten die Knaben und
auch viele Frauen; die Horden des gegenwrtigen Matabele-Despoten
nehmen, was sie nur zu Gesichte bekommen, auch dann, wenn sie von
La-Bengula einem Weien als Begleiter nach den Victoriafllen mitgegeben
werden -- nur dann, wenn dem Knige in dem Weien durch einen der in
Gubulowajo wohnenden Missionre ein Mann von Bedeutung vorgestellt wird,
wie z. B. im Jahre 1875, als Major S. um Diener nach den Victoriafllen
ersuchte, befiehlt der Knig den Begleitern, sich jedweden Mordens und
Raubens zu enthalten, damit es der Weie bei seiner Rckkehr der groen
weien Knigin (Knigin Victoria) nicht berichten knne.

Als ich einst einem Manansa, der periodisch sich bei einem Hndler
verdungen und sich so ber das Geistesniveau seiner Landsleute
geschwungen hatte, ber die Feigheit seines Stammes fragte, antwortete
er mir mit einem gutmthigen Lcheln und Schtteln des Kopfes:
Furchtsame Pallahs sind wir nicht und auch von langer Zeit her nicht
gewesen. Allein wir lieben das Leben in den Drfern und das Jagen der
Thiere, die wir in Gruben fangen, seltener die Waffe gebrauchend. Wir
geben den blutliebenden Matabele unsere Elephantenzhne und zeigen
ihnen, wenn sie es verlangen, die frischen Spuren der Elephanten, um
ihrer noch mehr zu erlegen; allein wir wollen und mgen nicht kmpfen da
wir nicht das Blut und das Tdten der Thiere, noch weniger der Menschen
lieben.

Nach dem Tode eines Knigs versammeln sich die Mnner und bringen den
zum Nachfolger bestimmten Thronerben in des Knigs Haus. Sie bringen
eine Handvoll Sand und kleine Steinchen vom Zambesi und auch einen
Hammer. Hier ist die Allgewalt ber das Land, das Wasser und das Eisen
(Arbeit und die Waffen). Dabei erinnern ihn die Huptlinge und das Volk
von dem Tage an, wo er Knig wurde, nie vom Fleische des Nilpferdes und
des Rhinoceros zu essen, da diese Thiere sehr bsartig seien, und der
Knig, der ihr Fleisch geniee, wild und bse werden knnte.

Das Albertland, im Sden von dem sandigen Lachenplateau begrenzt, im
Westen bis zur Tschobe-Mndung reichend, und vom Zambesi durchstrmt,
gehrt unstreitig zu den meist interessanten Partien des zentralen
Sd-Afrika. Nicht allein durch das Naturphnomen der Victoriaflle von
Wichtigkeit, bietet es dem Touristen eine Flle anziehender, felsiger
und bewaldeter Hgellandschaften und hochbegraster Thler.

Der Geologe, Botaniker wie auch der Mineraloge werden gewi nur
befriedigt dieses Hgelland verlassen. Mit Ausnahme des Spring- und
Blbockes und des schwarzen Gnu wird der Mammaliajger die meisten
greren Quadrupeden, die Sd- und Central-Afrika charakterisiren,
vorfinden; der Mineraloge findet reichliche Arbeit. Unter den niederen
Thieren sind Reptilien zahlreich vertreten, Krokodile oft bis zu den
entferntesten Partien der Bergflsse anzutreffen, in denen theils Spuren
am Ufer, theils das getrbte Wasser ihre Gegenwart verrathen. Von
Insecten sind alle Geschlechter, namentlich aber die Lepidoptera durch
viele neue Arten ausgezeichnet. Die Thler besitzen einen so guten
Boden, da bei dem warmen Klima tropische Gewchse mit Vortheil angebaut
werden knnten, nur mu vorerst die Tsetse-Frage gelst sein und man
Mittel gefunden haben, den sommerlichen Fiebern vorbeugen zu knnen.

Auf dem Rckzuge nach Panda ma Tenka schlugen wir eine etwas vernderte
Richtung ein. Unsere Capdiener schossen am Matopa-Flusse ein Wildschwein
und weiter aufwrts im selben Thale wurde unsere Colonne von einem
Geschrei der voranschreitenden Diener alarmirt. Durch einen penetranten
Geruch angezogen, waren unsere Schwarzen abseits in die Bsche
eingedrungen und fanden hier einen mnnlichen Elephanten in Folge von
Schuwunden verendet. Das Thier war stark von Lwen angefressen; diese
hatten sich an die Lippen gemacht und das Fleisch an den Schuwunden
aufgerissen. Die Diener konnten noch eines der davonschleichenden
Raubthiere erblicken. W. und F., deren Diener das Elfenbein gefunden,
nahmen es in Besitz, und die Diener schnitten die untersten Fuglieder
ab, um sie zu unserem Aerger mitzunehmen. Der penetrante Geruch, der
diesem Leckerbissen der Eingebornen entstrmte, zwang uns endlich, auf
dessen Entfernung zu dringen. Frisch zubereitet kommen sie den
Brentatzen gleich; die der schwartigen Sohle aufliegende Substanz und
das Herz, also winzige Theile im Verhltni zu seiner Gre, sind die
Leckerbissen, die das Riesenthier dem Menschen bietet.

Der Rckweg mit den wunden Fen war so beschwerlich, da ich mich mit
Noth weiter schleppte. Den grten Theil beider Strecken von der
Gaschuma-Ebene bis zu den Fllen und zurck nach der Ebene, hatten auch
die Damen zu Fue zurckgelegt. Wir gelangten bis auf mich wohlbehalten
in der Gaschuma-Ebene und einen Tag spter, am 24. September, in Panda
ma Tenka an. Hier traf ich zwei Matonga's und einen Manansa, welche
Arbeit suchten und die ich sofort miethete, whrend mir W. und F. mit
ihren Leuten behilflich waren, meine zu einer so weiten Reise nthigen,
zahlreichen Gegenstnde nach dem Leschumo-Thale zu schaffen.




                                 IX.
                  Zweiter Besuch im Marutse-Reiche.


Zweiter Aufbruch nach Impalera. -- Die Krokodile im Zambesi und ihre
Gefhrlichkeit. -- Begrbnifeier bei den Masupias. -- Sepopo und seine
Frauen. -- Reiseplne. -- Baum- und Busch-Vegetation im Walde von
Schescheke. -- Einzug einer Karawane von Tributpflichtigen. -- Die
Marutse als Fischer. -- Maschoku, der Scharfrichter Sepopo's. --
Schmiedewerkzeuge der Marutse. -- Der prophetische Tanz der Masupia's.
-- Besuch der Kniginnen. -- Der Fang des Krokodils. -- Die Manko. --
Die Verwaltung des Marutse-Mabunda-Reiches. -- Die Beamten-Hierarchie.
-- Eine Elephantenjagd unter Sepopo's Anfhrung. -- Ausflge in den Wald
von Schescheke und Bffeljagden in demselben. -- Eine interessante
Lwenjagd. -- Der Lwentanz der Marutse. -- Die Maschukulumbe am Hofe
Sepopo's. -- Moquai, des Knigs Tochter. -- Hochzeitsfeier bei den
Marutse.

[Illustration: Jagd auf Sporngnse.]

Am 24. September sa ich wieder in meinem Wagen in Panda ma Tenka, der
Ausarbeitung meines Tagebuches obliegend. Ich fhlte mich uerst
mimuthig und bedrckt; die physischen Schmerzen an meinen wunden Fen
verschrften noch diesen Zustand, aus welchen mich Niger, mein treuer
und anhnglicher Begleiter herausri, da er mich nach lngerer
Abwesenheit (ich hatte ihn bei dem letzten Ausfluge zu den
Victoriafllen zurcklassen mssen) zu begren kam. Es that mir
wirklich leid, mich in der nchsten Zukunft von dem Hunde zu trennen,
denn da ich ihn dem Gifte der Tsetsefliege nicht aussetzen wollte,
gedachte ich ihn mit dem mir von dem Bamangwato-Knige mitgegebenen
Diener Meriko nach Schoschong zu senden, wo er einstweilen bei meinem
Freunde, Herrn Mackenzie, verbleiben sollte. Htte ich damals geahnt,
da ich wieder nach dem Sden zurckkehren msse und Niger nicht wieder
sehen sollte, ich htte das treue Thier nie von meiner Seite gelassen.
Als ich Meriko den ausbedungenen Lohn bezahlte und ihn mit Lebensmitteln
versehen hatte, machte er sich mit dem Hunde auf den Weg, und langte
nach drei Wochen in Schoschong an. Leider war um diese Zeit mein Freund
Mackenzie nicht anwesend und der Hund wurde einem Wagenlenker von
Francis und Clark, der eben nach Grahamstown fuhr, mitgegeben. Trotz
aller Mhe, die ich mir gab, das Thier wieder zu gewinnen, blieb es
verschollen.

Meine Tauschartikel waren sehr herabgeschmolzen und so sah ich mich
genthigt, trotz der exorbitanten Preise von den anwesenden
Elfenbeinhndlern Glaskorallen, Kattun und Wolldecken zu kaufen.[11]

Am 27. September erkrankte ich an Dysenterie, doch war der Anfall kein
heftiger, und gelang es mir, mich bald wieder herzustellen. Whrend des
Aufenthaltes in Panda ma Tenka lernte ich auch einen Mann aus der
Umgegend von Grahamstown, Henry W., kennen, er war ein ausgezeichneter
Jger, doch konnte ich nicht umhin, es ihm sehr bel zu nehmen, da er
sich manchmal auf der Jagd arge Schlchtereien erlaubte. So gab er einst
einen weiblichen Elephanten, der ihn verfolgte, nachdem er das Thier
durch einen Schu zum Falle gebracht, seinen Dienern preis, welche
dasselbe durch mehr denn zwei Stunden mit ihren Assagaien marterten,
bevor er seinen Qualen durch einen Schu ein Ende machte.

Von Panda ma Tenka schrieb ich einen Brief an einige befreundete
Grohndler in den Diamantenfeldern und Port Elizabeth, um hier einiges
Interesse fr den Handel mit Gummi elasticum zu wecken, das die
Portugiesen aus dem Marutse-Reiche nach dem Westen ausfhren.

[Funote 11: Ich bezahlte fr 30 Pfund blaue groe Glasperlen, die schon
um nchsten Tage in der Sonne zersprangen, 30 Pfund Elfenbein.]

An beiden folgenden Tagen hatten wir Regen und Sturm, nachdem in den
letzten Monaten zuvor in diesen Gegenden kein Regen gefallen war. Am 30.
September verlieen wir Panda ma Tenka, um in gleicher Weise wie das
erste Mal ber die Gaschuma-Ebene nach dem Leschumo-Thale zu gelangen,
muten aber die Fahrt bald unterbrechen, da die Last des Karrens zu gro
war und ich um einen zweiten Wagen nach Panda ma Tenka senden mute.
Derselbe kam erst am Nachmittage des 1. October an, wir zogen nun weiter
und bernachteten an der Gaschuma-Ebene, auf welcher ebenso wie in Panda
ma Tenka die Nacht zuvor ein Trupp Lwen die Zugthiere aus ihrer
Umzunung zu scheuchen bestrebt war. Obgleich meine vier Diener drei
verschiedenen Stmmen angehrten und eben so viele Dialecte sprachen,
einer die Sesupia, einer die Setonga und einer die Senanso, so
verstanden sie doch alle die Sesuto-Serotse und ich hatte, mit ihnen
plaudernd, Gelegenheit, neue Ausdrcke in der letztgenannten Sprache zu
erlernen. Auf der Fahrt nach Saddlerspan versuchte es ein Diener
Westbeechs, mit Namen Fabi, einigen in der Nhe grasenden
Zulu-Hartebeests beizukommen und stie dabei beinahe mit einem Lwen
zusammen, der ebenfalls das Wild beschlich.

In der Nacht auf den 4. langten wir wohlbehalten im Leschumothale an.
Schon am folgenden Tage sandte ich meine vier Diener nach dem
Tschobethale. Da mir Westbeech auch seine acht Langohren, die wir
mitgenommen hatten, zur Verfgung stellte, konnte ich den grten Theil
meines Gepckes absenden, und langte am 5. selbst dort an. Im
Leschumothale hatte ich die beiden englischen Hndler Brown und Kro
getroffen welche mich sehr freundlich aufnahmen und eben von einem
vergeblichen Versuche, zu Sepopo gelangen zu knnen, in's Leschumothal
zurckgekehrt waren; sie hatten kurz vor meiner Ankunft zwei prchtige
Lwen, darunter einen alten mnnlichen und unbemhnten erlegt.

Am Tage nach meiner Ankunft im Tschobethale erschienen hier sechzehn und
am folgenden sechs weitere Bootsleute, die von Sepopo gesendet,
Westbeech mit seinen Waaren und mich mit meinem Gepcke nach Schescheke
zu bringen hatten. Dem Knig war es namentlich um die Waaren des
Hndlers zu thun, da dieser bei seinem letzten Besuche eine Anzahl von
Elephanten-Gewehren nach Panda ma Tenka gebracht zu haben vorgab und der
Knig selbe schon mit Ungeduld erwartete. Der giftige Muschungulubaum
war diesmal in voller Blthe, die Blthen gro, schn dunkel-carminroth.
Ich wollte mich frh am 6. mit allen Waaren bersetzen lassen, allein
ein heftiger Wind lie es nicht zu, jedenfalls wre es sehr gefhrlich
gewesen, die Bootfahrt zu unternehmen, da das Umkippen der Khne fr die
Insassen derselben uerst unangenehm ist und diese sehr oft den
Krokodilen zum Opfer fallen. Ich war spter in Schescheke selbst
Augenzeuge solcher Unglcksflle geworden.

Ich gedenke spter ausfhrlicher ber die Krokodile des zentralen
Zambesi zu sprechen, will aber jetzt schon einer Tragdie gedenken, die
sich vor Kurzem unweit der Landungsstelle am jenseitigen (Impalera-)Ufer
abgespielt hatte. Ein Masupia-Mann war mit seinem Weibe und seinem
Tchterchen lngs des linken Tschobe-Ufers ausgefahren, um Schilfrohr
fr seine Behausung zu schneiden. Whrend dieser Beschftigung schlug
der Kahn in Folge eines Windstoes um und seine drei Insassen fielen
in's Wasser. In Folge der eben an dieser Stelle herrschenden starken
Strmung gelangten Mutter und Tochter wohlbehalten an eine Sandbank. Sie
sahen eben, wie der Mann sich durch das Schilf dem Ufer zuarbeitete,
schon hatte er dasselbe erfat und trachtete sich auf die etwa vier Fu
hohe, steile Wand emporzuschwingen; nach mehreren fruchtlosen Versuchen,
wobei er in's Wasser zurckfiel, gelang es ihm endlich, einen
herabhngenden Buschzweig zu erfassen, so da er sich auch im selben
Augenblicke emporzuziehen vermochte, als der Freudenschrei seiner
Angehrigen ihnen auf den Lippen erstarb. Im Schilfe zeigte sich
pltzlich der unfrmige Krper eines Krokodils. In dem Momente als der
Mann sich emporziehen wollte, war das Krokodil ebenfalls emporgeschnellt
und hatte einen seiner ber dem Wasser hngenden Fe ergriffen und ri
den Unglcklichen mit sich in die Fluth zurck. Das Geschrei der Frauen
zog eine im Felde arbeitende Genossin herbei, die nach Impalera eilte,
um die beiden Frauen noch vor dem Dunkelwerden zu retten, da sie sonst
in der Nacht auf der Sandbank ein hnliches Schicksal wie den Gatten und
Vater ereilt htte.

[Illustration: Knig Sepopo.]

Am folgenden Morgen wurde meine Aufmerksamkeit durch wiederholte
Gewehrschsse wachgerufen; ich erfuhr auf meine Frage, was dieselben zu
bedeuten htten, da man eben einen Masupia begrabe. Ungefhr 400
Schritte nrdlich der Niederlassung liefen auf einem zwischen zwei
Bumen gelegenen Raume zwlf mit Gewehren bewaffnete Mnner herum,
welche ihre Gewehre abschossen und dazwischen heftig schrieen; unter
einem der beiden Bume saen zehn Mnner und Frauen Bier trinkend, unter
dem linken Baume befand sich das bereits zugeworfene Grab. Die Masupia's
machen ihre Grber sechs bis sieben Fu tief und zwei Fu breit. Der
Verstorbene wird mit seiner Carosse und seinen Waffen, seiner Haue,
begraben und ihm auch etwas Korn in's Grab gelegt. Seine Freunde
verbleiben den Tag ber am Grabe, und ist der Mann wohlhabend, so wird
neben dem Bier auch viel Fleisch von seinen geschlachteten Hausthieren
verzehrt. Das Schieen, Schreien und Umherlaufen soll das Eindringen der
bsen Geister in das frischaufgeworfene Grab verhten. Als ich einen der
Umstehenden ber die Todesursache des Dahingeschiedenen fragte, hob
dieser die Augen gegen das Firmament und meinte Molemo sei daran schuld.
Am selben Tage brachten die Masupia's Fleisch von einem Nilpferde, das
sie erbeutet. Es war, wie sie meinten, ein junges Thier, doch hatte es
bereits zehn Zoll lange Stozhne. Beim Transportiren meines Gepcks
nach der Makumba-Landungsstelle war mir Makumba's Bruder, Ramusokotan,
behilflich, ein Unterhuptling, der einige Meilen stromaufwrts am
linken Ufer des Tschobe wohnend, den unteren Flulauf zu bewachen hat.
Auf meinem Gange nach der benannten Landungsstelle stie ich dreimal auf
Pallahgazellen, zweimal so nahe, da ich sie aus nchster Nhe
beobachten konnte.

[Illustration: Kaka, Knig Sepopo's Tochter.]

Ich fand das Wasser des Zambesi abermals gesunken, auf der Bootfahrt
whrend des Vormittags entkam mein Boot nur durch ein Wunder der Wuth
des einen der drei Nilpferde, denen Blockley auf unserer ersten Fahrt
nach Schescheke den Fhrer mit zwei Schssen geraubt hatte. Als wir an
derselben Stelle diesmal ohne die Thiere zu beunruhigen, vorbeipassiren
wollten, fhlten pltzlich Westbeechs Bootsleute mit ihren Rudern das
Thier unter dem Kahne, doch entkamen sie glcklich, weil vielleicht die
Berhrung mit dem Ruder das Nilpferd etwas abgeschreckt hatte. Das Thier
machte nun einen Sto nach meinem (dem folgenden) Boote; doch die
Bootsleute, gewarnt durch den Schrei und die pfeilschnelle Bewegung des
vorderen Bootes, waren eben so schnell nachgefolgt, und so tauchte der
unfrmliche Kopf des Dickhuters drei Meter hinter meinem Kahne auf.

In Schescheke angekommen, htte ich in einer vom Knige errichteten
Htte wohnen knnen, ich zog jedoch das Anerbieten Westbeechs vor, mich
in einer der Htten, die in seinem Hfchen standen und in welchem
inzwischen Blockley einen kleinen Pfahlbau als Waarenhuschen errichtet
hatte, niederzulassen. Als ich Sepopo aufsuchte, rief mir dieser
entgegen, da ich zu spt gekommen sei und er die fr mich bestimmten
Marutse-Mnner nicht lnger htte auf mich warten lassen knnen. Am
Nachmittage kam ich wieder und brachte dem Knige allerlei kleine
Geschenke, wobei es den Knig recht ergtzlich stimmte, als ich mich
selbst mit ihm in der Sesuto-Serotse zu verstndigen suchte.

Gegen Abend rief mich Blockley aus der Htte, um einen seltenen Anblick
genieen zu knnen. Der Knig war von einem Besuche der sich in der
Barotse aufhaltenden Kniginnen und seiner Tochter Moaquai, der
Mabunda-Knigin, beehrt worden. Es waren etwa 40 Khne, in manchen war
die Mitte des Bootes fr die kniglichen Frauen mit je einer Matte
berdeckt, um diese gegen die Gluth der Sonne und den Regen zu schtzen,
manche der Khne hatten 13 Ruderer, die durchwegs stehend ihre Arbeit
verrichteten. Andere Khne waren mit riesigen Tpfen, Matten, Krben,
theils mit den Bedrfnissen der Reisenden, theils mit den fr den Knig
bestimmten Geschenken beladen.

Am folgenden Tage besuchte ich Kapt. McLoud, Fairly und Kowly. Der Knig
hatte sie in einer Rundhtte nahe dem kniglichen Gehfte einlogirt. Sie
klagten, da der Knig noch immer zaudere, die groe Elephantenjagd,
derentwegen sie zum zweiten Male herber gekommen waren, abzuhalten.
Auch besuchte ich mit Westbeech die Kniginnen, welche von der Barotse
gekommen waren und welche dieser whrend seines Aufenthaltes in der
Barotse kennen gelernt hatte, unter ihnen befand sich Mokena, die Mutter
des Landes. Ich lernte sechzehn Frauen Sepopo's kennen, seine
Lieblingsfrau war eine Makololo Namens Lunga, eine andere hie
Mafischwati, die Mutter Kaikas, der von Sepopo bestimmten Thronerbin;
die vierte hie Makaloe, die fnfte Uesi, die sechste Liapaleng, sodann
folgte Makkapelo, durch welche im Jahre 1874 zwei Mnner ihren Tod
fanden; Mantaralucha, Manatwa, Sybamba, Kacindo. Als zwlfte nenne ich
Molechy, die von Sepopo wegen Treulosigkeit beinahe ertrnkt worden war,
dasselbe geschah einer anderen mit Namen Sitau. Der Verfhrer wurde
gewhnlich den Scharfrichterknechten bergeben, um fr den Knig
Bffelfleisch zu holen, d. h. er wurde im Walde gespeert. Der Knig
selbst bestrafte aber Sitau auf folgende Weise. Unter groem Zulauf der
Bewohner Schescheke's stie er mit einigen Khnen vom Lande gegen die
Flumitte ab, er selbst sa mit Sitau in einem Kahne. Mitten im Strome
angelangt, band er ihr Hnde und Fe, und tauchte sie dreimal so lange
unter das Wasser, da sie mit genauer Noth wieder zu sich gebracht
werden konnte. Als sie zu sich kam, fragte er sie, wie ihr das Ertrinken
gefalle, und drohte ihr, das nchste Mal sie einfach in den Flu zu
werfen. Die vierzehnte war Silala und zwei andere hatte er zweien seiner
Huptlinge zum Geschenk gemacht. Der eigentliche Thronfolger war vor
zwei Jahren gestorben, er hie Maritela und war ein Sohn Marischwati's.
Vor seinem Tode kam zufllig der Gouverneur der Barotse an sein Lager,
und da das Kind ber Durst klagte, willfahrte er seinem Begehr und
reichte ihm einen Trunk aus einem in der Nhe stehenden Topfe. Zufllig
starb der Knabe kurz darauf und der allgemein beliebte Gouverneur wurde
von Sepopo angeklagt, sein Shnchen vergiftet zu haben, zum Tode
verurtheilt und vergiftet. Die ebenfalls aus der Barotse angekommene
Tochter Moquay hatte sich mit einem der aus der allgemeinen Metzelei
geretteten Makololo, Namens Manengo verheirathet. Der Knig berichtete
mir whrend eines Besuches, den er mir abstattete, ber den Knig der
Makololo, da dieser sehr elend zu Grunde ging, da sein Krper mit
Geschwren gnzlich bedeckt war. Nach seinem Tode begannen die
Parteikmpfe unter seinem Stamme.

Eine weitere Konferenz mit Sepopo und den Portugiesen, die ich am 12.
hatte, lie schon dem Knige keine Ruhe, er belehrte mich, da, wenn ich
auf meiner Weiterreise von Schescheke mich nur zwei Tage lang in jeder
Stadt der Barotse aufhalte, ich zwei Monate lang durch sein Reich in
einem Kahne zu reisen htte, bevor ich jenes des Iwan-Joe erreicht haben
wrde. Ich fnde hier die Quellen des Zambesi und wrde von da zwei
Monate sieben Tage bis Matimbundu brauchen. Auch am 13. besuchten wir
die neu angekommenen Kniginnen und fanden, da sie in hoher Achtung
standen. Gruppen von Besuchern waren um sie gelagert und warteten ruhig
ab, bis es ihnen gestattet wurde, die hohen Gste ansprechen zu drfen.

Am 14. wurden wir von einem Tnzer besucht, dessen Waden mit einigen aus
Fruchtschalen gearbeiteten Schellen behangen waren. Sein Tanz war ein
Springen und ein Schtteln des ganzen Krpers, um mit den Schellen
groen Lrm zu erzeugen. Am Hofe Sepopo's fand sich auch ein Mambari,
der bei dem Knige Schneiderdienste verrichtete, er war auf einem nach
Westen unternommenen Raubzuge der Marutse mit seinen Leuten irriger
Weise gefangen genommen worden. Dieser Mambari war mit zwei seiner
Genossen an einer nahen Quelle, als sie bei der Rckkehr eben zu der
Metzelei ihrer Leute anlangten. Die beiden anderen lie Sepopo wieder
ziehen, nachdem er sie reichlich mit Vieh beschenkt, doch
Kolintschintschi, der nunmehrige knigliche Schneider, wurde am Hofe
zurckgehalten.

Auf meinen Ausflgen in den Schescheke umgebenden Wald fand ich auer
derselben Baum- und Buschflora wie in den Betschuana-Wldern noch
zahlreich mir neue Arten und manche mir schon von den Betschuana-Lndern
her bekannte Species zur doppelten Hhe gediehen. An Vierflern war die
Gegend sehr reich und unter diesen fand sich eine mir noch unbekannte
Art einer Hartebeest-Antilope mit platt gedrckten Hrnern. Sehr
zahlreich war auch die Vogelwelt vertreten, unter anderen fand ich hier
zum erstenmale den Bienenfnger (^Merops Nubicus^), einen grauen,
mittelgroen Tukan, den groen Plotus und zwei Spornkibitz-Arten, welche
durch gelbliche Hautlappen an ihrem Gesichte ausgezeichnet waren.

Am 17. begegnete ich einer jener Karawanen, welche aus den entfernteren
Theilen des Reiches Abgaben an den Knig bringen. Sie zhlen zehn bis
mehrere Dutzend Menschen. Die freiwillig von ihrer Heimat Scheidenden
oder von ihren Huptlingen Abgesandten kommen mit ihrem ganzen
Haushalte, da sich in ihrer Abwesenheit Niemand um die Kinder bemhen
wrde. Die eben vorberziehende Karawane zhlte 30 Personen, voran
schritten die Mnner von ihren Frauen und diese wieder von den Kindern
gefolgt, beim Einzuge in Schescheke ordneten sie sich der Gre nach.
Den Zug erffnete der Fhrer, welcher nur seine Waffen und eine eiserne
Glocke trug, mit welcher er unaufhrlich lutete. Dann folgten die
Abgaben tragenden Mnner mit Elephantenzhnen und mit Manzawurzeln und
einer kleinen Frucht gefllten Krben beladen. Die Frauen trugen die
Reise-Utensilien und die Nahrungsmittel.

Am 19. unternahm ich, Westbeech, B. und W., je zwei in einem Kahn eine
Bootfahrt stromaufwrts, um in einer der Lagunen mit der Angel zu
fischen. Es lagen mehrere grere und kleinere Khne in der hafenartigen
Bucht und wir trafen zweimal eine so gute Wahl, da wir nach einigen
Minuten zurckkehren und die Canoes wechseln muten; im kleinsten
konnten ich und Bauer kaum das Gleichgewicht erhalten. Auf diesem
Ausfluge beobachtete ich auch das Fischen der Marutse und Masupia
mittelst Netzen. Aus zwei mit je vier Bootsleuten bemannten Khnen,
welche je ein groes aus Bastschnren geflochtenes, weitmaschiges Netz
bargen, warfen die Fischer hier das Netz aus, wobei sie sich, je tiefer
dasselbe einsank, desto mehr nach rechts und links den Ufern nherten;
sie zogen dabei das Netz nach aufwrts, so da in dem Momente, wo sich
die Khne berhrten, auch das Netz sammt den gefangenen Fischen in
beiden Khnen lag. Die Fische wurden nun mit Kiri's betubt und an's
Land befrdert. Auf unserer Heimfahrt waren wir Zeugen einer
unangenehmen Prgelscene. Von den in unserer kleinen Bucht badenden
Mdchen hatte eines dem andern einige Glasperlen gestohlen, dies wurde
von den anderen bemerkt, welche nun sich auf die Diebin strzten, sie
mit Hnden und mit Schilfrohrstcken so lange schlugen, bis sie auf die
Knie fiel und schreiend und flehend die Hnde aufhob; doch selbst als
sich ihrer ein Mann annahm wurde die Zchtigung fortgesetzt und ihr
endlich von der Beschdigten das kleine Lederrckchen vom Leibe
gerissen.

Als ich Abends beim Knige zum Nachtmahle geladen war, spielte sich eine
Scene ab, welcher leider ein Gebrauch im Marutse-Reiche, sowie die
Grausamkeit Sepopo's zu Grunde lagen. Eine Stunde mochte seit
Sonnenuntergang verronnen sein; im kniglichen Gehfte ging es recht
munter zu. Gewohnter Weise sa der Knig mit gekreuzten Fen auf seiner
Matte, ihm zur Rechten die zu seiner Unterhaltung an diesem Tage
bestimmten Kniginnen. Zu seiner Linken war mir und seinem Neffen und
nunmehrigen Nachfolger eine hnliche Matte als Teppich angeboten. Auf
der freien Stelle zwischen uns und dem in einem Halbkreise sitzenden,
zahlreich versammelten Volke hatte der knigliche Mundschenk Matungulu
seine gewhnliche Stelle schon eingenommen und war eben damit
beschftigt, Honigbier auszuschenken. Der Honig wird von den
Marutse-Knigen als Krongut betrachtet und mu an diese abgegeben
werden, der Verkauf desselben wird von dem Knige mit dem Tode bestraft.
Tagtglich gehen einige dazu bestimmte Mnner aus, um mit Hilfe des
Honigkukuks Honig zu sammeln und die knigliche Kche zu versehen,
manche kehren gleich, noch am selben Tage, manche jedoch erst nach
einigen Tagen mit ihrer Beute zurck.

Der Knig hatte eben von dem ihm dargereichten Glase ein wenig genippt
und den Rest seiner Lieblingsknigin Lunga gereicht, dabei, wie er
dachte, einen Capitalwitz vorgebracht, den er, wie gewohnt, zuerst
selbst belachte, welches Lachen der Etikette gem von der demthig
zusammengekauerten Umgebung desselben mit einem wahren Pferdegewieher
beantwortet wurde. Dasselbe war noch nicht ausgeklungen, als eben wohl
den so entstandenen Lrm benutzend, einer der Unterhuptlinge aus der
Menge zu dem Knige heranschlich und demselben ziemlich leise von kaum
hrbarem Hndeklatschen begleitet, Folgendes berichtete: In meinem
Dorfe lebt ein alter Mann, dessen Fe zu schwach sind, um das Polocholo
(Wild) zu jagen. Schon vor langer Zeit hat es Njambe (Gott) gefallen,
seine Weiber sterben zu lassen und ihm so die Mglichkeit benommen, sich
mit Mabele (Korn) zu nhren; seine Verwandten leben, da er mit Dir, o
Knig, nach Schescheke gekommen war, in der fernen Barotse, und so hat
er Niemanden hier, der ihm Nahrung reichen knnte, noch ist er selbst im
Stande, sich welche zu erwerben. Whrend der Huptling sprach, schenkte
Sepopo seine Aufmerksamkeit einem Anderen ihm gegenber sitzenden Manne
und als der erstere geendet, gab er diesem mit einem ^Autile intate^ zu
verstehen, da er ihn begriffen, und der Ruf Maschoku zeigte dem
Berichterstatter, da er erhrt wurde. Maschoku hie Sepopo's
Scharfrichter und er wurde eben gerufen, um den Huptling, sein Dorf,
den Knig und die Nachbarn von der Gegenwart des alten Mannes zu
befreien.

Whrend meines Aufenthaltes in Schescheke gab es im Marutse-Reiche
keinen so gehaten Menschen wie Maschoku, keinen gefrchteteren Namen
als diesen. Dem Stamme nach ein Mabunda, war er in Folge seiner
Tauglichkeit ein Werkzeug Sepopo's und seiner Geschicklichkeit halber,
mit der er sein furchtbares Amt versah, von dem Knige zum Huptling
erhoben worden. Mehr denn sechs Fu lang, sehr stark gebaut, zeichnete
er sich durch einen unfrmlichen Kopf und sehr abstoende Gesichtszge
aus, welche ihm meinerseits mit Rcksicht auf sein Amt den Namen die
Mabunda-Hyne zuzogen. Auf den Ruf des Knigs kam Maschoku auf allen
Vieren herangekrochen, ein unterwrfiges, listiges Lcheln, ein Grinsen,
das von der Befriedigung, mit der er des Knigs Rufe zu folgen schien,
lie den Menschen noch widerlicher erscheinen, als er es ohnehin schon
war. Auch er klatschte in die Hnde und horchte; vor dem Knige
angekommen, senkte er den Kopf, um gespannt des Knigs Befehl zu
vernehmen. Maschoku, sprach der Knig, kennst Du den Mann, von dem
eben der Huptling sprach? Trachte die Sache morgen Frh in Ordnung zu
bringen. Dann nickte der Knig seinem Gnstling zu und nachdem er ihn
noch mit einem Becher Impote ausgezeichnet, entlie er den Mann, welcher
auf dieselbe Weise, wie er gekommen, zurckkroch. So war die Sache
abgemacht und fr neue Nahrung der Krokodile des Zambesi gesorgt worden.
Der Knig machte seinem guten Humor noch in einigen Witzen Luft, zog
sich hierauf in sein Schlafgemach zurck, whrend die Musikcapelle in
ihrem vor den kniglichen Wohnungen erbauten Huschen die nchtliche
Serenade executirte.

Wir wollen nun sehen, wie am folgenden Morgen dem Befehle des Knigs
Genge geschah. Einige Stunden nach Tagesanbruch hatten sich vor der
Grashtte des den Krokodilen geweihten berflssigen Mannes fnf Mnner
eingefunden, aus denen sich die berchtigte Gestalt der Mabunda-Hyne
auffllig hervorhob, der letztere beugte sich nun zu der kleinen
Eingangsffnung der Htte herab, streckte seinen unfrmlichen Arm aus,
um das Opfer beim Fue zu ergreifen. Der Greis versuchte es, sich zu
erheben, doch seine Schwche hinderte ihn daran; wie Espenlaub zitterte
der gebrechliche Krper. Mit den Worten. Fasset an, ihr Mnner, je eher
desto besser fr Dich, Vater, trstete der Scharfrichter sein Opfer.
Die Gehilfen des Scharfrichters schleppten nun den Mann zum Flusse.
Schweigend schritt die Gruppe dahin; am Ufer angelangt, band Maschoku
die Hnde und Fe des Mannes und lie ihn in das bereit gehaltene Canoe
bringen. Das Boot stie ab, und nach einigen Ruderschlgen waren die
Mrder in der Mitte des Flusses angelangt; whrend nun der Gehilfe mit
dem Ruder das Gleichgewicht des Bootes zu erhalten bestrebt war, ergriff
der Scharfrichter sein Opfer mit fester Hand und tauchte es, untersttzt
von einem Gehilfen unter Wasser. Gurgelnde Laute entstiegen der Tiefe
und die Arme zuckten nach aufwrts, doch alles vergebens, an der Gewalt
des eisernen Griffes Maschoku's scheiterte auch der verzweifelt
Rettungsversuch. Auch die Luftblasen, welche bisher noch an der
Oberflche der Fluth auftauchten, blieben aus, das Leben war aus dem
Krper entwichen. Nun wurde der Krper in's Boot gezogen und nher dem
Ufer an einer Stelle, wo die kniglichen Straenreiniger den Unrath den
Krokodilen vorzuwerfen pflegten, in die Tiefe versenkt. Dies die
gewhnliche Weise wie Knig Sepopo mit kranken, alleinstehenden und
altersschwachen Leuten umzugehen pflegte. In Schescheke gab es mehr
solcher Opfer als in anderen Theilen des Marutse-Reiches, weil sich hier
Fremdlinge aus den verschiedenen Provinzen versammelten, um den Knig zu
begren. Unter manchen Herrschern jedoch, wie z. B. unter dem beim
Volke im guten Angedenken stehenden Grovater Sepopo's, wurde diesem
Gebrauche nie gehuldigt, ebensowenig whrend der Regierung einer
Knigin.

[Illustration: Der prophetische Tanz der Masupia.]

Am 20. besuchte ich Masangu, den schon erwhnten Huptling, Vorstand der
Metall-Handwerker in Sepopo's Reich, der zugleich die Oberaufsicht ber
alle von dem Knige an seine Unterthanen abgegebenen Gewehre zu fhren
hatte. Er war eben mit dem Ausbessern eines Gewehres beschftigt und
bediente sich dabei seiner eigenen Instrumente; Hammer, Meiel, Zange
und Blasbalg waren die best gearbeitsten ihrer Art, die ich bisher unter
den Eingebornen Afrika's angetroffen hatte. Er frug mich, ob ich schon
die Masupia's tanzen gesehen habe; als ich dies verneinte, machte er
mich auf den Schall der aus den kniglichen Gehften ertnenden
Langtrommeln aufmerksam und forderte mich auf, den Tanz der Masupia's zu
beobachten. Die Bewohner des Marutse-Reiches lieben den Tanz sehr, ich
mchte sagen, da jeder Stamm einen Specialtanz besitzt; mit den
Betschuana's haben sie den Puberttstanz gemein, den die Mdchen feiern,
wenn sie ihre Reife erlangt haben. Er wird Wochen lang und stets bis
gegen Mitternacht ausgefhrt, und dient auch dazu, um das
Freundschaftsband unter den im Alter ziemlich gleichstehenden, in einer
Ortschaft geborenen Mdchen inniger zu knpfen. Der Tanz wird von Gesang
und Castagnetten-Musik begleitet.

Andere Tnze sind der Trauungstanz, ferner der Elephantentanz, der
zugleich mit dem grten Trinkgelage verbunden ist, bei welcher
Gelegenheit ich auch den schdlichen Effect des Butschuala beobachten
konnte. Die Fcherpalmen-Instrumente werden dabei rasch mit einem
Rohrstbchen gestrichen und mit den Stahlhandschuhen (klppellosen
Doppelglocken) der Tact dazu geschlagen. Ferner gibt es den Lwen- und
Leopardentanz, welche nach glcklich ausgefhrten Jagden von den
heimkehrenden Jgern und den ihnen entgegenkommenden Dorfbewohnern
ausgefhrt werden. Wie an dem Elephantentanze, so betheiligt sich der
Knig auch an dem Mokoro- oder Bootstanze.

Jener, den ich am 20. October in Schescheke beobachten konnte, war ein
prophetischer Tanz und eine der vielen Gaukeleien, welche dem Stamme der
Masupia's eigenthmlich sind. Zwei Mnner tanzten unter dem Schalle der
grten Trommeln der kniglichen Capelle und dem Gesange und
Hndeklatschen einiger dreiig sie eng umringender Landsleute vom frhen
Morgen bis zum Sonnen-Niedergange, bis sie sozusagen besinnungslos
niederstrzten; in diesem Momente muten sie Worte ausstoen welche sich
auf das Vorhaben, eine groe Jagd, Krieg oder Raubzug etc., bezogen,
welches der Knig oder Statthalter auszufhren gesonnen war. Beinahe
durchwegs lautet ihre Weissagung gnstig und ein Geschenk von Glasperlen
oder Kattun wird ihnen dafr zu Theil; straft der Zufall ihre Worte
Lgen, so mssen sie sich aus dem Bereiche des erzrnten Hohen ferne
halten, um nicht ein fhlbares Nachgeschenk zu erhalten. Masupia-Tnzer
waren phantastisch mit Gnu- oder Zebraschwnzen am Kopfe, an den Armen
und Hften geschmckt und bildeten mit ihrem Tanze einen Uebergang zu
den maskirten Tnzern. Der Tanz an sich selbst ist ein Hpfen von einem
Fu auf den andern, unterbrochen von einem Sichausstrecken auf dem
Boden, das pltzlich, oder so langsam mit kaum wahrnehmbarer Bentzung
der Gelenke geschieht, und mit einem Schtteln des Krpers und Kopfes,
Verschieben des Kopfschmuckes etc. verbunden ist. Auch diese Tnzer
bentzen die Wadenschellen und einige kleine flaschenfrmige, zu
gleichen Zwecken gearbeitete Krbisschalen. Zu Hause begehen die
Masupia's hnliche Tnze mit Gaukeleien verbunden, welche sie oft
geschickt einzufdeln wissen. So scheint es, als wenn sie sich whrend
des Tanzes mehrmals tief in die Zunge schneiden und nach jedem Schnitt
Blut hervorquellen wrde; untersucht man aber die Zunge nach dem Tanze,
so findet man sie nicht im Geringsten verletzt.

Abends kamen Boten von Dr. Bradshaw von Panda ma Tenka mit einem Briefe,
worin wir mit der Nachricht berrascht wurden, da der den Lesern schon
von den Klamaklenjana-Quellen her bekannte Hndler A. X., dem ich zwei
Kistchen gesammelter Objecte nach Panda ma Tenka gesendet, am Nataflusse
von Hynen getdtet wurde. Der Mann hatte sein wenig glorreiches Leben
damit zum Abschlusse gebracht, da er einen seiner Diener wegen eines
kleinen Vergehens niederscho und in der Furcht, von den Genossen des
ermordeten Dieners getdtet zu werden, im trunkenen Zustande seinen
Wagen verlie und sich in den nahen Bschen verbarg. Die erschreckten
Diener hrten sein Geschrei whrend der Nacht, doch wagten sie es nicht,
ihm zu Hilfe zu eilen. Am nchsten Morgen sollen sie seine frisch
abgenagten Gebeine und zu Fetzen zerrissenen Kleider gefunden haben.
Zwei der Diener hatten sich, nachdem sie sich mit Nahrungsmitteln
versehen auf den Weg nach dem Panda ma Tenka-Flchen gemacht, um hier
den Compagnon des Verunglckten aufzusuchen und ihm den Unglcksfall zu
berichten.

Am 21. setzte ich mein einige Tage zuvor angefangenes Studium der Fische
fort, wobei ich diesmal meine Aufmerksamkeit dem auch im Zambesi
vorkommenden schildkpfigen Wels (^Glanis siluris^) widmete. Ich
erwhnte schon des Thieres und seiner Parasiten und will noch
hinzufgen, da mir seine Farbe hier dunkler erschien als die der
sdlicher vorkommenden Thiere. An Stellen, die uns von Krokodilen
weniger dicht bewohnt zu sein schienen, warfen wir die Grundangel aus
und in der Regel mit gutem Erfolg.

In der Nacht auf den 22. vernahm ich aus dem Dorfe des Huptlings Ratau
(dem westlichsten) Frauengeschrei und frh Morgens einige Gewehrschsse.
Das erstere bezeichnete das Ableben eines Marutse, das zweite, da man
ihn bestatte. Am 22. sandte der Knig einen Kahn, um Blockley und Bauren
nach Impalera zu schaffen, damit der erstere den des Tauschhandels
halber geplanten Ausflug nach dem Lande des Makalaka-Frsten Wanke
unternehmen knne. Die Sendung eines Kahnes fr zwei Weie und mehrere
Diener wurde von Blockley als Beleidigung angesehen und diente nicht
dazu, um das in letzterer Zeit durch das unfreundliche Auftreten von
Seite Sepopo's eingetretene Zerwrfni zu mildern. Der Knig erschien
diesmal von 120 der Seinen und seiner Capelle begleitet. Die Menschen
fllten das kleine Hfchen vollstndig, Sepopo wollte durch dieses
imposante Auftreten den Hndlern zu verstehen geben, da sie vollkommen
in seiner Gewalt seien.

Der Knig hatte sich kaum entfernt und ich war an die Ausfhrung einiger
Zeichnungen geschritten, als zwlf Kniginnen auf meine Htte
losstrzten. Sepopo hatte ihnen erzhlt, da ich unlngst ihn und
Maschoku abgezeichnet, nun wollten sie sein und des Scharfrichters Bild
sehen; da half kein Widerstreben und ich mute mit der Zeichnung heraus,
ja ich mute ihnen auch zeigen, wie ich das Bild gezeichnet hatte, dabei
wurde ich derart umlagert, da mir das Athmen schwer wurde. Die eine
wies auf das und frug die andere um jenes, whrend eine dritte nach dem
Bleistifte griff und zwei andere wieder die Feinheit des Papieres
bewunderten; die rckwrts Stehenden, die nicht viel sehen konnten,
drngten hervor und zwei der Vordersten lehnten sich ^sans gne^ an
meine Schultern und entfalteten dabei so viel Koketterie, wie ich sie
nie an den schchternen Betschuana- und Zulu-Frauen beobachten konnte.
Da ich des Knigs Eifersucht wohl kannte, hielt ich es fr das Beste,
einen der schwarzen Diener, der sich beim Eintreten der Frauen des
Knigs entfernen wollte, bleiben zu heien. Nach einer halben Stunde
verlieen sie mich, um Westbeech in dem nebenan liegenden Waarenhuschen
anzubetteln. Nach ihrer Entfernung warf ich eine Matte gegen die
Thrffnung und lie nur eine Spalte fr das Licht offen, ich hoffte nun
Ruhe zu haben, doch hatte ich die Neugierde der Tchter Eva's nicht in
Rechnung gebracht, denn kaum war dies geschehen, als abermals zwei
Kniginnen an der Thre erschienen. Sie dachten mich wohl abwesend, denn
aus den Worten der einen, ^Sikurumela mo' ndu, Njaka chajo^ (der
Deckel liegt an der Thre, der Doctor ist abwesend), konnte ich ihre
Enttuschung entnehmen.

[Illustration: Besuch der Kniginnen.]

Von allen mir bis jetzt in Sdafrika bekannten Eingebornenstmmen halte
ich jene im Marutse-Reiche fr die reinlichsten. Gerade an den am Flusse
gelegenen greren Ortschaften gibt es wenige sandige Untiefen;
nichtsdestoweniger und trotz der Gefahr, welche den Badenden durch die
zahlreichen Krokodile droht, lieben die Stmme des Marutse-Reiches das
Bad. Ist das Ufer zu steil oder das Wasser zu tief, so wird das Wasser
ber den Kopf gegossen. Waschen ist ihnen eine Nothwendigkeit, sie
reinigen sich selbst nach jedem Mahle Mund und Hnde.

Am 23. machte ich einen Ausflug auf die angrenzende Wildebene
(Blockley's Kraal), wobei ich Gelegenheit fand, die Puku-, Letschwe- und
Wasser-Antilopen beobachten zu knnen. Am Rande des Gehlzes (die
Ueberschwemmungen des Zambesi setzen diese Ebenen bis an das Gehlz
unter Wasser) beobachtete ich zahlreiche Felder der Eingebornen. Frauen
und Kinder waren mit dem Umgraben, Mnner mit dem Fllen der Bume
beschftigt, um den Grundbesitz ihrer Herren (die auch sie ernhrten)
nach dem Gehlze hin auszudehnen. Heimkehrend fielen mir die an mehreren
Stellen im Umkreise einiger schon errichteten Gehfte erbauten Htten
auf, sie hatten eine Nachtmtzenform und muten in wenigen Stunden aus
Gras und Schilfrohr errichtet worden sein. Sie waren fr die Sklavinnen
bestimmt und standen ohne alle Umzunung da, damit ihr Eigenthmer
leicht die Aus- und Eingehenden berblicken konnte.

Am 24. besuchte ich eine Htte, in welcher einer der Mambari's mit Hilfe
der ihm von dem Masupia-Huptling Masangu geliehenen Werkzeuge
Schmiedearbeiten verrichtete. Einen Gehilfen Masangu's fand ich damit
beschftigt, einige Hauen zu schrfen, und sah den von den Marutse
verwendeten doppelten Blasebalg, welcher einen continuirlichen Luftstrom
in das Feuer blie. Dieser Blasebalg besteht aus drei Haupttheilen,
einem hlzernen, theilweise mit Leder berzogenen, einem aus Horn
verfertigten und einem thnernen Theile. Der hlzerne Theil ein
Doppelgestell aus zwei mit Lederlappen bedeckten Rundschsseln und je
einer aus diesem parallel laufenden Holzrhre bestehend. Die Lederstcke
sind in ihrer Mitte mit Stbchen versehen, haben an der Seite je eine
Oeffnung und werden abwechselnd gehoben oder gesenkt und auf diese Weise
Luft eingelassen und ausgepret; diese wird abwechselnd in eine der
hlzernen Rhren getrieben und tritt aus diesen in die aus den Hrnern
der Sbel- oder Gemsbock-Antilope verfertigten. Die beiden Hornrhren
sind krzer als die hlzernen und stehen mit diesen in keinem festen
Zusammenhange, sie laufen auch nicht mehr parallel zu einander, sondern
sind an den vorderen Enden zu einander geneigt und mnden in eine
thnerne und diese unmittelbar auf den Feuerherd.

Mein Nachmittags-Spaziergang fhrte mich zum Flusse, an dem ich einen
Haufen lebhaft gesticulirender Eingeborner antraf. Der Flu hatte soeben
die Leiche eines vor einigen Tagen von einem Krokodil beim Baden
getdteten Mdchens an's Land geschwemmt. Menschen, sowie grere
Sugethiere werden von den Krokodilen ertrnkt, da sie von dem Reptil
nicht verschlungen werden knnen. Sowie das Krokodil durch das Aufhren
der Zuckungen von der Widerstandslosigkeit seiner Beute berzeugt ist,
ffnet es am Grunde des Wassers seine riesigen Kinnladen und lt die
Beute fallen. Das riesige Thier ist, auer es zerren zwei um das
ertrnkte Opfer, nicht im Stande, mit seinen Zhnen ein greres Thier
oder den Menschen als frischen Cadaver zu zerkleinern, es bleibt aber
als Wchter bei dem Ertrnkten liegen, bis der Verwesungsproce beginnt
und die Leiche, durch die Gase emporgehoben, zur Wasseroberflche
aufsteigt. Dann wird erst dieselbe zerstckelt und verschlungen. Hat
jedoch ein Fisch oder sonst ein Gegenstand die Aufmerksamkeit des
Thieres vom Frae ab und auf sich gelenkt, und geschah dies whrend des
Tages, so wird der gehobene Gegenstand vor der anbrechenden Dunkelheit
nicht mehr bercksichtigt. Sepopo sowie seine Leute theilten mir mit,
da in keinem Theile seines Landes die Krokodile so schlimm und
gefrchtet wren, als in der Umgegend von Schescheke. Kurz vor meiner
Ankunft wurde ein Mann von denselben aus dem Boote herausgeholt, vor
drei Tagen ein sechsjhriger badender Knabe erfat und whrend meines
ferneren Aufenthaltes in Schescheke fanden mehr als dreiig Menschen
ihren Tod durch diese ruberischen Saurier.

Kleine Krokodile werden zufllig im Netze mit Fischen, groe erwachsene
Thiere mittelst riesiger Angeln gefangen und getdtet. Die Construction
dieser Fangvorrichtung ist sehr sinnreich ausgedacht und ausgefhrt. Sie
besteht aus einer eisernen Angel, mehreren dnnen Bastschnren, einem
Baststrick und einem Rohrbndel; eine eingehendere Beschreibung drfte
die folgende Skizze ersparen. Der den Angelhaken umhllende Kder wird
von einem Netze gehalten, mehrere vier bis 4 Meter lange
federspuldicke, sehr fest gedrehte Bastschnre vermitteln die Verbindung
zwischen dem Angelhaken und dem 3 bis 4 Meter langen Basttau, welches
an dem Rohrbndel befestigt ist.

[Illustration: Meine Htten in Neu- und Alt-Schescheke.]

Haben die Krokodile in Schescheke in kurzem Zeitraume nacheinander
mehrere Opfer gefordert, so werden auf des Knigs Gehei die
Krokodil-Angeln ausgelegt. Man legt das Rohrbndel auf das Ufer, den mit
dem Kder (in Verwesung bergegangenes Hundefleisch)[12] versehenen
Angelhaken auf drei Rohrstckchen, so da derselbe am Uferrande 1 Meter
ber dem Wasserspiegel wie auf einem Sthlchen ruht. Wittert das riesige
Reptil den Kder, so schwimmt es in seine Nhe und verhlt sich hier
ruhig bis zum Anbruche der Nacht. Sich aus dem Wasser emporschnellend,
erfat es den Kder mit seinen riesigen Kinnladen und wrgt ihn
hinunter. Doch die vorstehenden Hakenspitzen verhindern die, wie auch
das Schlieen der Kinnladen, wodurch dann das einflieende Wasser in den
Schlund und in die Luftrhre eindringen kann. Es strzt damit in die
Tiefe, nach und nach ermatten seine Anstrengungen, sich von der mit den
Widerhaken im Schlunde festsitzenden Angel zu befreien und das Thier
treibt stromabwrts. Von diesem Kampfe gibt das an der Wasseroberflche
schwimmende Rohrbndel treues Zeugni. Nach einer halben bis einer
Stunde hat der Saurier ausgerungen und wird vom Strome ab und an eine
Sandbank oder gegen das Ufer getrieben, wobei das Rohrbndel den
Fischern das gekderte Thier verrth. In Schescheke wurden zuweilen auf
fnf aufgestellten Angeln zwei bis drei Krokodile in einer Nacht
gefangen. Gespeert werden die Krokodile nur, wenn man die Geangelten
noch lebend antrifft, oder wenn man ihnen zufllig beim Fischspeeren,
auf der Nilpferd-, Elephanten- oder Otterjagd begegnet. Gleich den
Fischnetzen sind auch die Krokodilangeln knigliches Eigenthum. Als nach
einigen Tagen die fnf Angeln ausgesetzt waren, fand ich mich zeitlich
am Fluufer ein, um den Erfolg zu beobachten. Drei der Angeln waren
verschwunden, dafr sah ich drei der greren Khne mit je zwei
Bootsleuten bemannt, fluaufwrts nach Schescheke zusteuern. Ein jedes
derselben barg ein riesiges Krokodil, in dessen Leibe ein Mensch fglich
Platz finden konnte. Die Thiere wurden nun an's Ufer geschleppt und
einige von Sepopo's Leuten machten sich daran, ihnen den Kopf
abzuschneiden; die Augenlider und Luftwarzen, sowie einige
Rckenkammschuppen wurden als Heil- und Zaubermittel dem Knige
berbracht.

[Funote 12: Einer aberglubischen Ansicht zu Folge halten die Marutse
in Verwesung gerathenes Hundefleisch als eine von den Krokodilen
besonders gesuchte Lockspeise.]

[Illustration: Krokodilangel.]

Als ich eben daranging, die Leiche des vom Krokodile getdteten Mdchens
beerdigen zu wollen, wurde ich von deren Verwandten mit den Worten daran
verhindert: Njambes Wille war es, da sie das Krokodil tdtete, dehalb
mu sie auch dem Krokodile zur Beute werden. Die Leiche wurde auch
gegen Sonnenuntergang von den Krokodilen in die Tiefe gezerrt. An diesem
Tage kam auch die Knigin Lunga, um mir ihre vierzehnjhrige Tochter,
mit Namen Njama vorzustellen, sie war eben an Monalula, den ltesten
Sohn Sepopo's, einen Einfaltspinsel, verheiratet worden. Vor der
Hochzeit wurde sie vier Wochen lang von ihrer Mutter sowie einigen
anderen Kniginnen in einem nahen Walde in einer Htte einquartirt, wo
sie die Zeit mit Fasten und Arbeiten zubringen mute und von den Frauen
in den Pflichten des Weibes unterrichtet wurde. Whrend dieser Zeit war
ihr Wollhaar bis auf eine elliptische Stelle abgeschabt und mit
Brauneisenstein eingerieben worden. Njama war eine Tochter des
Makololo-Frsten Sekeletu.

Am 25. fand ich auf einem Ausfluge im Walde ein Manko-Dorf. Die Leute,
der schnste Menschenschlag im Marutse-Reiche, trugen bedeutend lngeres
Wollhaar, welches sie hoch aufkmmen, wodurch der Kopf wesentlich grer
scheint. Sie waren nach Schescheke gekommen, um dem Knige bei dem
bevorstehenden Elephanten-Jagdzug behilflich zu sein. Ich
beobachtete bei ihnen nchst den Mabunda's die schnsten Holz- und
Hornschnitzereien, wenn diese Gegenstnde auch nur Reise-Utensilien
waren. Die Wohnungen dieser Leute bestanden in vier riesigen, zwei Meter
hohen, zwei Meter breiten Lngshtten, welche ein parallel laufendes
Doppelhufeisen darstellten. Am Heimwege stie ich auf mehrere Grber der
Masupia-Huptlinge, welche mit Elfenbein geschmckt waren. Ferner fand
ich Kalebassen, mit ihrer Oeffnung nach abwrts auf einem kleinen
Termitenhgel ruhend, durch deren durchlcherten Boden ein Stab
eingefhrt war, dieselben sollten mit dem in der Kalebasse befindlichen
Knochenpulver nach der Ansicht der Marutse den Regen anziehen.

Im Laufe des Tages fand ich Gelegenheit, mir von Sepopo Aufklrungen
ber die Verwaltung des Landes und die Beamten-Hierarchie des Reiches
geben zu lassen. Die letztere lt sich in vier Kategorien scheiden,
welche erstens am Hofe, zweitens in den verschiedenen Gebieten der
einzelnen Stmme als Statthalter des Herrschers, Koschi, amtiren,
drittens in Unterhuptlinge, die diesen untergestellt als Kosana und
Makosana das Amt eines Statthalters versehen, und viertens in Beamte,
die sich nur mit der Person des Knigs zu beschftigen haben und im
Range zwischen den beiden letztgenannten Classen stehen.

Zu den ersterwhnten Rangstellen gehren: a) der Hchst-Commandirende,
zu Sepopo's Zeiten war es ein Ehrenmann, mit Namen Kapella, ein dem
Knig verwandter Marutse, der spter von dem Letzteren zum Tode
verurtheilt wurde; b) der Arsenal-Gouverneur, welcher das knigliche
Waffen- und Munitionslager unter sich hat, und im Auge behalten mu, wie
viel und an wen die Gewehre vom Knige vertheilt werden. Unter Sepopo
bekleideten zwei Masupia's, Massangu und Ramakocan, diese Stelle; c) der
Commandant der Leibgarde, der jedoch blos im Kriegsfalle seine
Functionen ausbt; zu Sepopo's Zeit war es dessen Cousin Monalula; d)
der Commandant der jungen Krieger, die zur Kriegszeit eine besondere
Heeresabtheilung bilden; unter Sepopo war es Sibendi.

In die zweite Rangklasse gehren die Statthalter, welche ber die
einzelnen von den verschiedenen bedeutenderen Stmmen bewohnten
Provinzen gestellt sind und Civil- und militrische Gewalt in sich
vereinigen. In Gebieten, wie in der Barotse, im Masupia-Mabunda-Lande,
also in den umfangreicheren Provinzen, sind mehrere Chefs installirt und
dann einem im Hauptorte der Provinz Residirenden unterstellt. Alle diese
bisher genannten Wrdentrger sind dem jedesmaligen Ober-Gouverneur der
Barotse untergeordnet. Dieser Mann wird nach dem Regenten als die
hchstgestellte Person betrachtet, unter Sepopo und auch nach seinem
Tode bekleidete Ikambella diesen Posten.

In die dritte Rangclasse gehren die Unter-Huptlinge, Vice-Statthalter,
hhere und niedere Beamte ber grere oder kleinere Stdte und Drfer,
kleinere Landstriche und ber Kolonien, welche ausschlielich fr den
Knig Viehzucht, Ackerbau, Jagd und Fischerei betreiben. Die
Beaufsichtigung der regelmigen Ablieferung der dem Knige schuldigen
Abgaben ist brigens auch in allen anderen Provinzen eine hervorragende
Amtspflicht der Beamten. Der grte Theil des Ertrgnisses an Getreide
wird an den Statthalter abgegeben, dieser sendet wieder den fr den
Knig bestimmten Theil dem Letzteren zu. Erlegen die Unterthanen ein
Stck Wild oder schlachten Freie oder Sklaven, welche Vieh besitzen
drfen ein Stck davon, so wird das Bruststck an den Kosana, ist jedoch
der Koschi im Orte oder auf der Jagd anwesend, an denselben, geschah es
in des Knigs Residenz oder in deren Nhe, an denselben als Knigsstck
abgegeben. Dies ist Gesetz. Die Unterhuptlinge haben auch alle
wichtigen Begebenheiten ihrem Koschi und dieser dem Regenten
unverzglich zu hinterbringen.

Die Wrdentrger der letztgenannten Rangclasse bilden zum greren
Theile den engen Rath des Knigs und stehen nach landlufigen
Begriffen hher als die der dritten Rangclasse, thatschlich aber sogar
in des Herrschers Gunst hher als die Statthalter. In diese Kategorie
gehren der Scharfrichter, zur Zeit Sepopo's der bereits erwhnte
Maschoku, fnf bis sechs Leibrzte, unter denen der alte Liva und sein
Bruder besonders berchtigt war, ferner des Knigs Mundschenk, ein bis
zwei Detective, der Aufseher, der in der Residenz stationirte Fischer
und der oberste Kahnaufseher. Obgleich Sepopo die Verwaltung des
Mabunda-Reiches seiner Tochter Moquai aus den Hnden nahm, hatte sie
doch, vom Volke als die eigentliche Herrscherin angesehen und geehrt,
ihren eigenen Hofstaat, in welchem ihr Gemahl Manengo die hchste Stelle
bekleidete, auch hatten sie einen Kanzler, einen Garde-Commandanten, die
Statthalter ihres Reiches waren jedoch von Sepopo installirt worden.
Auer den genannten Wrdentrgern lernte ich noch die Huptlinge Sambe,
Premier der Knigin Moquai, Nubiana, einen Marutse, ebenso Moquele und
Mokoro, auch die beiden Masupia-Chefs Monamari und Simalumba kennen.

Sepopo umgab ein engerer und groer Rath. Der erstere war das Werkzeug
des Herrschers, ein Haufe nicht minder grausamer Creaturen als der
Knig es selbst war (unter Regentinnen ist er nicht vorhanden), der
groe Rath aber, der zum Theile aus Ehrenmnnern besteht, war ziemlich
machtlos und fristete unter Sepopo eine bloe Scheinexistenz, da die
milden Urtheile der Mitglieder desselben, sowie sie dem Herrscher nicht
zusagten, einfach ignorirt wurden, oder der engere Rath, der stets dem
Knige gehorcht, zu den Berathungen zugezogen, wodurch der groe
Rath stets berstimmt wurde. Der groe Rath bestand aus den
Hof-Wrdentrgern, aus Huptlingen und Unterhuptlingen, die zufllig
die nchste Umgebung des Knigs bewohnten. Obgleich Sepopo seinen
Wohnsitz mehrmals wechselte, machte er doch die Erfahrung, da ihm zwar
anfangs die Mitglieder des groen Rathes zu Willen waren, spter sich
jedoch seinen Grausamkeiten, namentlich den zahlreichen Hinrichtungen
der von ihm ob des geringsten Verdachtes schon des Hochverrates
Angeklagten, widersetzten. Um den Widerstand des groen Rathes zu
brechen, verfiel Sepopo auf den Gedanken, den groen Rath im
Masupia-Lande, sowie die Hupter jenes der Barotse zum Tode zu
verurtheilen, es war dies eine Gewaltmaregel, welche nicht wenig seinen
Sturz beschleunigte. Bei den Stmmen im Marutse-Reiche stand der groe
Rath in bedeutendem Ansehen, whrend man mit sklavischer Demuth zu dem
engeren emporblickte.

Unter Sepopo's Regierung fhrten zwei mumienartig aussehende
Zauberdoctoren, der eben genannte Liva und sein Bruder, das Wort. Sie,
welche schon mehreren Herrschern gedient hatten und eine mehr denn sechs
Decennien dauernde Praxis hinter sich hatten, wuten dem mitrauischen
und uerst aberglubischen Sinne Sepopo's zu schmeicheln und ihn in
seinem Aberglauben zu bestrken. So hatten sie sich in der Gunst der
Stmme vom Vater auf den Sohn zu erhalten gewut und waren weniger
gehat denn gefrchtet, wenn sie auch oft die schrecklichsten
Grausamkeiten anriethen. Wenn sich die Stmme nicht frher schon gegen
Sepopo, diesen ungewhnlichen Despoten erhoben, so beruht diese Schonung
in dem Ansehen, das er als das Haupt des engen Rathes geno und darin,
da er als ein Mann betrachtet wurde, der mit seinen Zaubermitteln
leicht die gegen ihn ersonnenen Plne entdecken und vereiteln konnte.
Seine Grausamkeiten nahmen inde an Hufigkeit zu. Die hchsten Beamten
des Reiches waren vor ihm nicht mehr sicher, und doch wagte es Niemand,
gegen ihn einen Assagai zu erheben. Da traf es sich, da er ffentlich
Zaubermittel ausstellte und dem Volke die Wirkung derselben erklrte,
die jedoch ausblieb. Nun fielen den Leuten die Schuppen von den Augen,
sie erkannten, da die ganze Zaubermacht des Tyrannen Humbug sei,
verloren die Furcht vor derselben und vertrieben ihn endlich.

Als ich am 26. mit Westbeech und einem Koschi ber die Wrdentrger des
Marutse-Reiches sprach, theilte mir der erstere eine Episode aus dem
Leben eines portugiesischen Hndlers mit, welcher periodisch das
Marutse-Reich zu besuchen pflegte. Ein nebenan stehender Huptling
warnte mich jedoch, vor dem Knige Anspielungen auf diese Episode zu
machen, da es diesen immer in furchtbare Wuth versetze. Der genannte
Hndler, von den Eingebornen Intschau genannt, kam in der Regel mit
hundert bis hundertzwanzig mnnlichen und zwanzig weiblichen Trgern
nach der Barotse, er hielt einen frmlichen Hofstaat und trug seinen
Reichthum an Prtiosen zur Schau, beschenkte auch den damals in der
Barotse geladenen W., der ihm als Gegengeschenk ein Doppelgewehr
bergab. Als nun Westbeech im Jahre 1874 Senhor Intschau in der Barotse
traf, ordnete der Knig eine der groen Jagden an, wie sie jhrlich
whrend der Zambesi-Ueberschwemmungen abgehalten zu werden pflegen.
Whrend derselben flchten sich die Wasser-Antilopen des Zambesi-Thales
(der Letschwe und Puku) in die berschwemmten, dem Flusse anliegenden
Partien, was ihnen aber zum Verderben gereicht, da auf manchen Jagden
bis zu vierzig Stck gespeert werden. Sie werden mit Khnen gejagt und
diese Jagden gestalten sich zu einem wahren Festtage der Marutse. Der
Knig Sepopo hatte fr seinen Gebrauch ein eigenes groes Boot, das eine
Htte trug, in welcher in den freien Augenblicken whrend der Jagd Bier
getrunken wurde, welches die Stdte und Drfer, an denen man
vorberfuhr, liefern muten. Jenes floartige Riesenboot wurde von
vierzig Bootsleuten gesteuert.[13]

Als sich nun Sepopo auf jene Jagd begab, lud er Westbeech ein, an
derselben theilzunehmen, nicht aber den Portugiesen, worber der
letztere so erbittert war, da er sich an dem Knige zu rchen beschlo.
Wie schon erwhnt, standen in dem vom Knige allein bewohnten Gehfte
drei Huser, jene in der Stadt Sola, die Sepopo damals bewohnte, waren
namentlich solid ausgefhrt. In Abwesenheit des Knigs nahm sich nun
Intschau die Freiheit, von dem kniglichen Gehfte Besitz zu ergreifen,
wobei er dessen Schlafgemach in einen Dngerhaufen verwandelte. Die
Bewohner von Sola hielten den Portugiesen im Besitze der kniglichen
Erlaubni und berichteten dem Knige nicht eher die Invasion seines
Gehftes, als bis sie durch das Vorgehen des Fremden die kniglichen
Gebude entehrt sahen. Als sie hrten, da der Knig auf der Rckfahrt
begriffen sei, reisten ihm die Solaner entgegen und berichteten ihm, was
geschehen war. Der Knig wollte den Leuten nicht Glauben schenken und
schickte einige Mnner seiner Begleitung voraus, welche sich von der ihm
angethanen Schmach berzeugen sollten. Die Abgesandten konnten nur die
Aussagen der Solaner besttigen, worauf der Knig Intschau auffordern
lie, Sola und sein Reich berhaupt sofort zu verlassen, welchem Befehle
der Elfenbeinhndler auch wohlweislich nachkam.

Darauf berief der Knig den kleinen Rath. Seine Lieblinge, die vom
Aberglauben umnachteten Rathgeber, hielten eine geheime Sitzung und
kamen zu folgendem Beschlusse, den sie dem Knige und spter auch dem
Volke kundgaben. Sie sagten: Intschau htte nie eine solche Beleidigung
gewagt, wenn er nicht im Besitze von sehr starken und ganz wundersamen
Medicinen gewesen wre. Der Knig drfe daher nie mehr Sola und um so
weniger seine Wohnung aufsuchen, es wrde ihm, sowie auch seinen
Unterthanen und dem ganzen Lande sehr groen Schaden bringen. Um all'
dies abzuwenden, hielten sie es fr das Beste, da die Einwohner Sola
verlassen, da sie wie der Knig all' ihr Hab und Gut mit sich nehmen
sollten und da dann die Stadt dem Boden gleichgemacht, d. h. an allen
Seiten angezndet, damit auf diese Weise die Gewalt der von den
Portugiesen schon angewendeten oder noch hie und da verborgenen
Medicinen und Zaubermittel vernichtet werde. So geschah es auch.

[Funote 13: Als sich spter die Marutse gegen ihren Herrscher erhoben,
erffneten sie ihre Feindseligkeiten damit, da sie dieses Riesenboot
verbrannten.]

Am 27. sollte endlich die lang besprochene Elephantenjagd abgehalten
werden. Ein ungewhnlich reges Leben herrschte schon mit dem ersten
Morgengrauen in Schescheke. Das Knigsgehft war so mit Bewaffneten
berfllt, da ich mich kaum durchdrngen konnte. Der Knig war eben im
Begriffe, an dieselben Schiepulver und Kugeln auszufolgen. Ich eilte zu
meinen englischen Freunden, um ihnen die Nachricht zu bringen, doch sie
waren von einem Huptlinge schon davon in Kenntni gesetzt, ohne jedoch
formell vom Knige dazu eingeladen worden zu sein, und rsteten sich
eben zur Jagd. Am lebhaftesten ging es zwischen dem kniglichen Gehfte
und dem Flusse, sowie an demselben her, schreiend und lachend zogen und
liefen einzelne zum Flusse herab, ich sah die Mnner von Schescheke nie
vorher so gesellig und dienstfertig einander begegnen. Es war wohl die
Aufregung des Augenblickes, denn nur selten wurden solch' groe Jagden
unternommen, man hatte sich schon seit Monaten dazu vorbereitet und ihr
Reiz war um so hher, weil sie einestheils mehrmals aufgeschoben war und
andererseits weil der Knig selbst mit drei Weien sich an der Jagd
betheiligen sollte. Am Ufer lagen Kahn an Kahn, auf dem jenseitigen
hatte sich eine ganze Flottille eingefunden, deren Bemannung auf dem
Sande campirte und jeden Augenblick abzustoen bereit war. Auch den Flu
entlang zogen Schaaren, welche weiter abwrts an dem Flusse Kaschteja
die herabkommende Flottille erwarten und von ihr auf das jenseitige Ufer
bergesetzt werden sollten. Es waren meist Manko, Mabunda's und die
westlichen Makalaka's, welche landeinwrts in Karawanen nach Schescheke
gekommen waren. Am Ufer vor Schescheke hatte jeder Huptling seine Leute
geordnet, d. h. seine und die Khne seiner Untergebenen waren an
bestimmten Stellen aneinander gereiht und ihre Insassen harrten in
denselben oder am Ufer, oder sie waren mit dem Einladen ihrer Karossen,
Wassergefe und Waffen beschftigt, namentlich waren es ihre Gewehre,
mit denen sie sich viel zu schaffen machten.

[Illustration: Jagd auf Wasser-Antilopen.]

Schon war der Knig im Begriffe sein Gehfte zu verlassen, als er von
meinen englischen Freunden an sein ihnen so oft gegebenes Versprechen
gemahnt wurde. Hier zeigte es sich nun deutlich, wie abscheulich der
Knig an den Englndern gehandelt; trotzdem er sie so lange vertrstet
und sie frmlich ausgesogen, hatten die Herren Alles willig gethan, um
nur jedem seiner Wnsche nachzukommen, sie hatten kaum ordentliche
Kleider mehr am Leibe, zweimal waren sie von Panda ma Tenka nach
Schescheke nur dieser ihnen so angepriesenen Jagd halber herber
gekommen und nun trachtete Sepopo nochmals sie davon abzuhalten. Er that
dies aus zwei Grnden, erstlich weil er gewohnt war, die erlegten
Elephanten als seine Jagdbeute zu betrachten, wenn er auch selbst nicht
einen einzigen erlegt hatte; es hie immer, der Knig habe alle
Elephanten geschossen, und dann, weil er die Neugierde der Weien
frchtete, welche durch den Reichthum des Landes an Elephanten leicht zu
fteren Besuchen verleitet werden konnten. Von mehreren Huptlingen
gedrngt, gab er endlich nach und stellte den drei Jgern, sowie einem
Hndler mit Namen Dorehill, der den Knig schon ein Jahr zuvor besucht
hatte, einen Kahn zur Verfgung.

Gegen Mittag reiste der Knig ab und die Flottille -- am Ufer vor
Schescheke standen allein etwa zweihundert Boote -- setzte sich unter
den Klngen von Sepopo's Capelle in Bewegung. Ich bedaure nur, da ich
die Jagd selbst nicht mitmachen konnte, ohne des Knigs Verdacht zu
erregen, auf meiner Weiterreise durch sein Reich seine Elephanten
belstigen zu wollen.

Die Abendstunden, welche ich nun in Gesellschaft W.'s zubrachte,
bentzte ich mit seiner Hilfe, um mit den Eingebornen ber deren Sitten
und Gebruche zu sprechen und Erkundigungen einzuziehen. Whrend des
Mahles am ersten Abende fand sich ein Marutse mit Namen Uana ca Njambe,
d. i. Kind Gottes, ein, er hielt sich fr sehr weise und wurde von
Sepopo oft zu Rathe gezogen.

Am 29. blieb ich in unserem Gehfte als Wchter zurck, whrend W. mit
seinen Dienern auf die Jagd auszog, sie waren glcklicher als ich am
Tage vorher, denn sie brachten einen Letschwebock heim, das arme Thier
hatte nicht weniger als zehn Kugeln im Leibe. Ich glaube, da keine
Antilope so stark und mchtig entwickelte Halsmuskeln besitzt wie der
Letschwe. Am 30. kamen mehrere Marutse in unser Gehft, welche um die
Stirne und Brust aus Schlangenhuten gearbeitete Binden zu dem Zwecke
trugen, um den Kopf- und Brustschmerz zu verscheuchen; sie belehrten
mich, da sie dieselben auch zur Abwehr des Hungers trugen, hnlich wie
dies die Makalaka's mit Riemen und die Matabele mit Kattunstcken thun,
indem sie sich damit den Unterleib zusammenschnren. Am Abende kamen
zwei Bootsleute von den vier auf die Elephantenjagd ausgezogenen Weien,
um ihnen Nahrung nachzufhren. Sie brachten die Nachricht, da die Jagd
bisher ohne Erfolg gewesen sei und am folgenden Morgen fortgesetzt
werden solle. Nach einer Stunde kehrte Herr Dorehill und H. Cowley
unerwartet zurck, sie schienen hchst enttuscht und entrstet. Sie
waren mit Sepopo und den hervorragendsten seiner Leute in einem
Schilfdickicht postirt, in welchem sie die zuerst von der Vorhut
angetroffene Elephantenheerde erwarteten. Der Knig war unvorsichtig
genug, schon aus einer Entfernung von sechzig Schritten zu feuern, so
da sich die Heerde sofort zur Flucht wandte, und nach allen Seiten in
das Dickicht auseinanderstob. In des Knigs Nhe lagen ber achthundert
Schtzen und eben so zahlreich waren die Antreiber gewesen. Kaum da
sich die Elephanten zur Flucht wandten, feuerten nun alle ihre Gewehre
auf diese los, viele legten dabei die Waffe gar nicht an die Wange an
und so war es nicht zu verwundern, da blos fnf Elephanten dabei
getdtet wurden. Die beiden Jger erzhlten, da sie sich zur Erde
werfen muten, um den Geschossen auszuweichen, denn die Kugeln flogen
wie Hagel nach allen Seiten. Die ganze Masse der Antreiber benahm sich
sehr ungeschickt und erzielte einen viel geringeren Erfolg, als ihn zwei
Masarwa's erreicht haben wrden. Der Knig machte seiner Entrstung ber
den Mierfolg der Jagd in der gewohnten Weise Luft, indem er mit einem
Stocke seine schwarzen Unterthanen so lange schlug, bis sein Arm
erlahmte. Der Knig war mit allerlei Salben beschmiert auf die Jagd
gegangen, welche Vorsichtsmaregel er ein Molemo nannte, um sich leicht
der Elephanten zu bemchtigen.

[Illustration: Bffeljagd.]

Am 1. November machte ich einen greren Ausflug nach dem Westen in den
Schescheker Wald. Schon vor Sonnenaufgang passirte ich die Stelle, an
welcher Alt-Schescheke gestanden und zog dann in westlicher Richtung
weiter. Zu meiner Linken breitete sich das Thal des Zambesi, eine
unabsehbare mit Bumen und Schilfdickichten bewachsene Ebene aus, von
zahlreichen hie und da bis Meilen langen, tiefen Fluarmen durchfurcht.
Der Gehlzrand, an dem ich mich vorwrts bewegte, lag etwa zwanzig Fu
ber dem Fluniveau. Manche der Lagunen erstreckten sich vom Flusse in
nordwestlicher Richtung bis an das Gehlz, welches sie bis auf einige
Meilen begleiteten, whrend sich der Flu stellenweise bis drei Meilen
von dem Gehlze entfernte. Etwa zehn Meilen von Schescheke ober einer
der genannten Lagunen, erblickte ich zwei Schlangenhalsvgel. Diese
Thiere bieten, auf einem kahlen, berhngendem Aste sitzend, einen
eigentmlichen Anblick. Der niedrige gedrungene Krper und die kurzen
Fe stehen in keiner Proportion zu dem dnnen langen Halse, der keinen
Moment ruhig, meist schlangenfrmige Bewegungen ausfhrt. Noch
wunderlicher erscheint uns dieser Vogel, wenn wir ihn im Wasser
schwimmen sehen, der gesammte Krper ist dann bis zur Hlfte des langen
Halses in das Wasser eingesunken, nur das schmale mit einem sehr
scharfen Schnabel versehene Kpfchen und die dnnste Halspartie ragt
ber das Wasser empor. Ich begegnete dem ^Plotus congensis^ in der
stlichen Cap-Colonie und dann erst wieder am Zambesi. Es scheint kaum
glaublich, da das Thier seinen Hals derart erweitern kann, da es
handbreite Fische ohne besondere Beschwerden zu verschlucken vermag; es
gelang mir, einige derselben zu erbeuten, obgleich sie in's Wasser
fielen und das Herausholen derselben mir und meinen vier Dienern der
Krokodile halber, von welchen die Lagune wimmelte, etwas beschwerlich
wurde. Weiter ziehend erlegte ich einen ^Francolinus nudicollis^ und
nach einigen weiteren Schritten stieen wir auf frische Bffelspuren;
diese fhrten vom Walde zum Flusse herab.

Wir folgten ihnen und kamen in den Wald zurck, dann an einem
Eingebornendorfe vorber und tiefer in den Wald hinein. Etwa drei Meilen
vom Dorfe fanden wir neben den Spuren frische halbzerkaute Grashalme,
die unsere Aufmerksamkeit auf das Aeuerste spannten weil wir uns die
Thiere in unmittelbarer Nhe dachten. Der Niederwald von Schescheke ist
in dieser Richtung zwar ziemlich dicht, doch sind die Bume nicht hoch.
Er umschliet viele hochbegraste Lichtungen und bildet gegen dieselben
zu oft Gebschdickichte von Unterholz welche das Vorwrtskommen uerst
erschweren.

Wir hatten nun in einer Partie des Waldes ganz frische Spuren bemerkt
und bewegten uns mit grter Vorsicht vorwrts. Gebeugt gingen wir etwa
drei Schritte von einander entfernt und musterten scharf die Umgebung.
Tschukuru, der Matonga-Diener, war der erste, welcher den brigen
Dienern ein Halt gebot und sich vorbeugend, mir Wort ^Narri^ (Bffel)
zuflsterte. ^Okaj^ (wo)? frug ich, ^kia hassibona narri^ (ich sehe
keinen Bffel). Tschukuru drckte leise an meine Schulter um mich zum
Niederbengen zu bewegen, was die Anderen auch verstanden und sich je
hinter einem Baume niederhockten. Der mir angegebenen Richtung folgend,
sah ich etwa 120 Schritte vor mir einige dunkle auf der Erde liegende
Krper, es waren vier Bffel, von welchen einer mit der Stirne zu mir
gekehrt lag. Auf diesen legte ich nun an und feuerte. Wir erhoben uns
sofort nach dem Schusse, um dessen Wirkung zu sehen; das in das
Dickfleisch des Nackens getroffene Thier wlzte sich auf der Erde herum,
doch im nchsten Momente sprang es wieder auf und mit ihm die Gefhrten,
die wir jedoch nicht deutlich zhlen konnten, da sich die Bffel
ziemlich dicht aneinander drngend zur Flucht gewendet hatten. Ich
konnte nicht annehmen, da das getroffene Thier schwer verwundet worden
war.

Wir verfolgten die Thiere uerst vorsichtig, denn mir sowohl wie den
Dienern war die List eines erzrnten oder verwundeten Bffels
wohlbekannt. Der Bffel vermag besser als das Nilpferd Feinde von
fremden Gegenstnden, die es nicht zu frchten hat, zu unterscheiden und
ist auch ungereizt dem unbewaffneten Menschen gegenber ungefhrlicher
als das Hyppopotamus. Verwundet trachtet der Bffel bis zum letzten
Momente seinem Gegner beizukommen, um ihn zu vernichten. Um dieses zu
erreichen, befolgen die Thiere eine und dieselbe Methode, das Thier
wendet sich zur Flucht und sucht sich hinter einem Gebsch zu
verstecken, um den folgenden Jger zu erwarten, dann strzt dasselbe
hervor, um sich auf ihn zu werfen. Unglcksflle solcher Art sind
ziemlich hufig und selbst erfahrene Jger, welche diese List des
Thieres kannten, sind von dem sdafrikanischen Bffel berlistet und
schwer verwundet worden. In manchen Fllen begngt sich dann das
erzrnte Thier, mit gesenktem Kopfe auf diesen zu strzen und ihn
emporzuwerfen, was in der Regel eine Ausrenkung des Fues oder einen
Arm- oder Beinbruch zur Folge hat, doch manchmal macht das Thier auch
von seinen Hufen Gebrauch und pret den Krper des Niedergeworfenen mit
den Hrnern zur Erde. So ist mir ein Fall, der sich am Limpopo
ereignete, bekannt, in welchem ein Weier und drei Schwarze getdtet und
ein vierter Schwarzer von einem und demselben Bffelstier schwer
verwundet wurde.

Zweihundert Schritte von der Stelle, an der wir die Stiere zuerst
aufgejagt hatten, blieben dieselben stehen, und als wir uns nherten,
konnten wir deutlich sehen, wie die vordersten unsere Witterung zu
gewinnen suchten; als wir um fnfzig Schritte nher gekommen waren,
wandten sie sich mit Ausnahme eines einzigen zur Flucht. Dieser folgte
ihnen zuerst langsam einige Schritte nach und dann blieb er stehen,
indem er sich hinter einem Baumstamme zu decken suchte. Ich hie meine
Begleiter stehen bleiben, um die Aufmerksamkeit der Thiere auf sich zu
lenken, whrend ich tief gebeugt nher kroch, und dem Bffel eine Kugel
in den Leib sandte; das Thier sank fr einen Moment, erhob sich jedoch
gleich wieder. Ich schlich abermals nher, indem ich mich unter dem
Winde hielt, und von links, von der Seite her, dem Thiere aus fnfzig
Schritte Entfernung eine Kugel zusandte. Dieser Schu traf das Thier in
die Brust und rasch folgte ein zweiter, der das linke Blatt durchbohrte,
nach diesem Schusse wankte das Thier auf eine freiere Stelle, wo es in
die Knie sank. Tanzend und singend liefen nun die Diener herbei. Ich
aber sandte dem sterbenden Thiere aus einer Entfernung von zwanzig
Schritten eine Kugel hinter das Ohr, worauf der Kopf zurckfiel, die
mchtigen Fe sich ausstreckten und der Bffelstier unsere Beute war.
Jetzt lieen sich die Diener nicht mehr halten und waren mit mehreren
Sprngen oben auf dem Cadaver, um es sich daselbst fr einen Moment
bequem zu machen. Ein groes Feuer wurde nun angezndet, und ein Stck
des Bffelherzens am Feuer gebraten, dann ein Schenkelknochen
herausgeschnitten und das Mark gerstet.

Gegen Abend verlie ich mit Narri die Stelle, um heimzukehren, whrend
die brigen Diener zurckblieben, um das Thier vollends zu zerlegen. Der
wilden Thiere halber -- Lwenspuren gab es in Menge und an dem
Gehlzrande gegen die nchste Lagune zu Leopardenspuren -- mute das
Fleisch auf einem Baume aufgehangen werden; da sich jedoch mit Einbruch
der Nacht ein heftiges Gewitter entlud, waren sie nicht im Stande, Feuer
anzumachen und muten ebenfalls, auf dem Baume hockend die Nacht
zubringen.

[Illustration: Lwenjagd bei Schescheke.]

Als ich auf der Heimkehr eben die Stadt betrat, ward ein von zwei
Fischern gelenktes, mit Fischen beladenes Boot von dem sich erhebenden
Orkan umgeschlagen. Wunderbarer Weise gelangten beide unbeschdigt an's
Ufer dafr aber war der Flu von einer Menge todter Fische bedeckt,
welche die Strmung rasch dem Ufer zutrieb. Wie aus dem Boden gewachsen
tauchten nun rechts und links am Ufer Jungen auf, welche es sich
angelegen sein lieen, die ausgeworfene Beute sofort in Beschlag zu
nehmen. Manche hatten schon ihr kleines von der Schulter herabgerissenes
Ledermntelchen vollgefllt, als sich pltzlich unter ihnen eine wilde
Bewegung bemerkbar machte und die mir zunchst Stehenden die Fische von
sich warfen und die obere Uferpartie rasch zu gewinnen suchten. Der
durch seine rothe Wolldecke gekennzeichnete Aufseher der Fischer nmlich
war wie ein Raubvogel zwischen die beutelustige, am Strande versammelte
mnnliche Jugend Schescheke's eingefallen und lie wacker den Stock auf
dem Rcken der kleinen Freibeuter tanzen.

Am Morgen des 2. November war ich nicht wenig erstaunt, zahlreiche
Bewaffnete nach dem im Westen der Stadt liegenden Walde eilen zu sehen;
es konnte doch unmglich ein Feind sein, dem es zu begegnen galt. Einige
auf uns zuschreitende Mnner lsten bald diesen Zweifel. Es waren
Abgesandte, welche uns den Gru ihres Huptlings entboten und uns zu
einer Lwenjagd einluden. Vier Lwen waren in des Knigs Heerden
eingefallen und hatten vier Rinder getdtet. Der von Westen flieende
Zambesi machte etwa 150 Schritte oberhalb unseres Gehftes eine
pltzliche Wendung nach Norden, um sich nach einer kurzen Strecke unter
einem rechten Winkel nach Osten zu wenden, und so Neu-Schescheke zu
umsplen. An dem letzterwhnten scharfen Buge nach Osten zweigt sich
eine Lagune nach Westen ab, welche sich in Arme theilt und an deren
linkem nrdlichen Ufer auf einer Halbinsel der Schauplatz der von den
Lwen begangenen Unthat lag. Westbeech und Walsh fanden kein Vergngen
an der Jagd und lehnten die Einladung ab, Cowley und ich folgten
derselben.

Cowley war ein angenehmer, achtzehnjhriger Jngling mit einem rosigen
Mdchengesicht; er war sehr zuvorkommend und hatte meiner Ansicht nach
nur den einen Fehler, da er um jeden Preis ein Gordon Cumming werden
wollte. Auf einer Lwenjagd htte er um ein Haar sein Leben eingebt;
so jung er auch war, hatte er bereits zwei Lwen erlegt, ich fand nun
seine Eile erklrlich, den dritten hinzuzufgen. Auer dem Huptling
waren etwa 170 Eingeborene anwesend, davon jedoch nur vier mit Gewehren
bewaffnet. Spter hatte ich Gelegenheit, zu beobachten, da die Marutse
nur in Fllen, wenn der Lwe ihnen einen Schaden zugefgt hat, mit
einigem Muth auf denselben losgehen. Als ich nach einer halben Stunde um
die Lagune bog, kam mir der ganze Tro entgegen, man folgte eben der
grten der vier Lwenspuren, nachdem man noch zuvor die Hirten ber den
Vorgang befragt und den Thatbestand bis in's kleinste Detail aufgenommen
hatte. Da man es fr unmglich hielt, da sich die Lwen so nahe an die
Stadt wagen wrden, wurden die kniglichen Heerden auch in der Nacht auf
einer freien Stelle gehalten, whrend die Hirten in kleinen
gebrechlichen Grashtten schliefen.

Nachdem wir uns dem Zuge angeschlossen hatten, brach der ganze Haufe
auf, einige Eingeborene, welche von zwei Hunden untersttzt wurden,
verfolgten die Spur der Raubthiere. Dann kam Marancian in unserer
Begleitung und hinter uns wlzte sich laut schreiend und gesticulirend
der brige Tro. Lange konnten wir inde diese Marschordnung nicht
beibehalten, sie war nur in unbebuschten Partien mglich, doch als die
Spur durch Dorndickichte fhrte, durch welche kaum die Hunde
durchschlpfen konnten, suchte sich jeder durchzuarbeiten, so gut er
konnte, dabei war es schwer mglich, sich schubereit zu halten; noch
unangenehmer war unsere Lage dort, wo die Spur durch ausgetrocknete,
hochbeschilfte Vertiefungen fhrte. Indem wir nicht sofort des Thieres
ansichtig wurden, sondern es erst nach einer mehr denn einstndigen
Verfolgung erblickten, wuchs der Muth unserer schwarzen Begleiter, da
sie der Meinung waren, da der Lwe seiner Schuld bewut, auf voller
Flucht begriffen sei. Wir waren eben aus einer solchen Vertiefung auf
eine mit Dornenbschen bewachsene Dne gelangt, als die Hunde wthend
gegen eine zweite, unseren Weg kreuzende und in die erstgenannte
einmndende beschilfte, etwa drei Meter tiefe und acht Meter breite
Einsenkung lossprangen. Die Fhrte war hier so frisch, da das Raubthier
sich eben verborgen haben mute. Hier lieen wir den Tro der
Eingebornen zurck und forderten sie auf, mglichst viel Lrm zu machen;
ich umging die Terrainmulde an ihrem Beginne und stellte mich am
gegenberliegenden Rande schubereit auf, whrend mein Begleiter seine
Hunde in das Rhricht hetzte. Mehrere Eingeborne, darunter auch
Marancian, hatten sich inde zu mir gesellt.

Das Gebell der Hunde belehrte uns bald, da das Raubthier uns umgangen
und in unserem Rcken Posto gefat hatte. Da wir von dieser Seite dem
Thiere nicht beikommen konnten, hoffte ich es von dem gegenber und
tiefer liegenden Rande des Rhrichtes zu erblicken und stieg deshalb
nach abwrts, um es zu durchschreiten, wobei mir auch der ganze Schwarm
der Schwarzen folgte. Wir standen nun etwa hundert Mann an der
bezeichneten Stelle und suchten vergebens das Raubthier. Cowley hatte
sich am linken Flgel aufgestellt, ich whlte mir die zum Schusse
geeignetste Stelle, und zwar dem vermeintlichen Verstecke gegenber. Da
jedoch weder Schreien, noch das Werfen von Holzstcken und Assagaien
irgend welchen Erfolg hatte, so lie ich die noch immer nachstrmenden
Schwarzen die von mir erst wenige Augenblicke zuvor eingenommene Stelle,
wo ich von dem Lwen umgangen worden war, dicht besetzen und mit ihren
langgestielten Assagaien das Dickicht durchwhlen. Es war ein
Hllenlrm, alle schrieen aus Leibeskrften und hielten ihre Wurfspeere
zum Gebrauche bereit. Marancian stand etwa zwanzig Schritte vor mir, von
seinen mit Gewehren bewaffneten Unterthanen umgeben. Je lnger das Thier
in seinem Verstecke verharrte, desto mehr wuchs der Muth der Angreifer.
Pltzlich, wie das Aufleuchten eines Blitzes, wirft sich eine Lwin mit
einem Satze aus dem Gebsch in das Schilfdickicht vor uns und bevor noch
die Wurfgeschosse sie erreichen konnten, erfolgte ein zweiter Satz, mit
welchem die Lwin laut aufbrllend fnfzehn Schritte rechts von mir
mitten in die Doppelreihe der schwarzen Jger sprang. Leider war es mir
in diesem sonst gnstigen Momente des dichten sich zwischen mir und dem
Thiere befindlichen Menschenknuels halber nicht mglich, das
Gewehr abzufeuern. Die Lwin hatte die Menschen nieder- und
auseinandergeworfen, ohne sie arg verletzt zu haben und war dann mit
einem dritten Satze in einem beraus dichten, zwei Schritte hinter uns
beginnenden, an zwlf Fu hohem Dickichte verschwunden. Sofort wandten
wir uns alle dem neuen Schlupfwinkel der Lwin zu. Marancian befahl
seinen Leuten, das Schilfrohr niederzubrechen und das Raubthier nach der
entgegengesetzten Seite zu drngen. Was uns alle befremdete, war das
Verstummen der Hunde, sie waren inzwischen in das Dickicht eingedrungen
und erst, als sich die Leute an das Brechen des Schilfrohres machten,
hrten wir ihr von der Wiese herberschallendes Geklffe.

Wir eilten so schnell, als uns unsere Fe nur trugen, auf die Wiese und
sahen die Lwin in weiten Stzen dahinjagen und die Hunde unmittelbar
auf ihren Fersen. Ich sah meinem armen Freunde den Verdru an, seine
frher eingenommene Stelle verlassen zu haben. Die Scene, die nun
folgte, wre wohl des Griffels eines Knstlers werth gewesen.
Vergegenwrtigen wir uns eine nach Sdwest und West von
Schilfrohr-Dickichten, nach Norden von einem Gebsch umsumte, an 800
Meter lange und 600 bis 700 Meter breite, hochbegraste Wiesenflche. Auf
dieser als den vordersten Gegenstand der sich dahinbewegenden Gruppe die
gelbliche, sich momentan ber das hohe Gras emporschnellende Gestalt der
flchtenden Lwin, dann die kleineren, jedoch nur seltener sichtbaren
der Hunde und dann der gesammte Tro der Verfolger, an zweihundert
dunkle Menschengestalten, die einen trabend, die letzten raschen
Schrittes folgend, die vordersten jedoch einander in schnellem Laufe
berbietend. Die meisten bis auf die rothen, weien, carrirten oder
ledernen, braunen Schrzen, vollkommen entblt, nur wenige mit ber die
Schulter geworfenen Karomntelchen, die bei dem raschen Laufe und den
hohen Sprngen lustig im Winde flatterten. Die Einen schwingen die
langen Waffen, die Anderen haben ihre Speere geschultert, und whrend
die vorderste durch die Flucht der Lwin ermuthigte Schaar lautgellende
Schreie ausstt, beginnt die Nachhut die Melodie zum Lwentanz. Etwa
800 Meter von ihrem letzten Schlupfwinkel nahm die Lwin abermals in
einem Schilfrohr-Dickicht von dreieckiger Form, im Umfange von siebzig
Metern, ihre Zuflucht. Dieses Dickicht war an seiner nrdlichen, langen
Seite von einer zehn Fu hohen, bebuschten Sanddne begrenzt. Marancian
fate mit seinem Stabe von etwa sechzig Schwarzen circa acht Meter vor
dem Rhricht Posto; ich etwa fnf Meter der Basis des schilfigen
Dreieckes gegenber (an seinem Ostrande). Cowley stand etwa dreiig
Schritte hinter mir und hinter einem Busche auf der Dne, da er sich
dachte, da die Lwin von unten gedrngt, nach aufwrts lngs der Dne
zu entkommen trachten werde. Etwa zehn Eingeborne hatten sich zu meiner
Seite postirt. Nun folgte die vielleicht interessanteste Episode dieses
Abenteuers. Von Marancian theils durch Worte aufgemuntert, theils auch
fhlbar mit seinem langen Stabe dazu angespornt, begannen die meisten
der Jger von seiner Seite her das Schilfrohr in der Mitte seiner Hhe
zu brechen und sich darauf zu schwingen. Das Schilfdickicht vor mir
verwandelte sich nach und nach in eine schwankende, dunkelgrne,
prasselnde, vier Fu hohe Gerstdecke, auf der sich vierzig schwarze
Gehalten in einer so eigenthmlichen Weise herumtummelten, da man trotz
des Ernstes der Situation das Lachen nicht unterdrcken konnte. Dabei
wurde geschrieen und mit der freien Hand gesticulirt, da man eine
Schlachtscene vor sich zu sehen glauben konnte. Bei allen den Bewegungen
war es jedoch fr die Leute uerst schwierig, das Gleichgewicht auf der
schwankenden Rohrdecke zu behaupten, hier fiel einer der Lnge nach
kopfber, dort zwei nach rckwrts.

Die Scene nderte sich jeden Augenblick. Man hatte von der Spitze des
Dreieckes begonnen und arbeitete gegen seine Basis, gegen uns zu, und
hatte so allmlig das ganze Dickicht bis auf eine kleine Ecke
(Dnenecke) niedergebrochen; die Lwin war unstreitig immer mehr
zurckgewichen und wir muten sie jeden Augenblick hervorstrzen sehen.
Um so gespannter und aufgeregter schien alles, nur Marancian nicht, der
noch immer auf seinem Platze in aller Gemthsruhe sa. Pltzlich
erschallt ein zorniges Brummen und aus dem noch ungebrochenem Schilfe
strzt die Lwin auf ihre Angreifer hervor. Von diesen feuert einer
einen Schu ab, die Kugel schlgt in den Sand zwischen die Leute zu
meiner Rechten ein, die meisten der Braven auf der schwankenden Decke
fallen aus Bestrzung zurck, ein guter Theil wird unsichtbar, von den
Hintersten werfen einige die mchtigen Wurfspeere auf das Thier, welches
nach dem Ausfalle sofort wieder in seinen Schlupfwinkel zurckkehrt und
sich hier niederkauert, um einen rettenden Sprung auf die Dne zu wagen.
In diesem Momente den Kopf des Thieres erblickend, springe ich heran und
feuere aus einer Entfernung von zwei Metern, drei Speere fallen zu
gleicher Zeit in das Dickicht ein und treffen das Raubthier, dessen
Brummen aufgehrt hat. Das Thier war todt, doch um sicherer zu sein,
feuern ich und Cowley zu gleicher Zeit und zwanzig Speere senken sich
noch berdies in den Krper der Lwin, bevor man sie herauszog. Nun kam
jeder der Schwarzen herbei und einen Spruch murmelnd bohrte er seinen
Assagai in den Leib des Thieres. Da die Lwen des Knigs Ochsen getdtet
hatten, mute der Schdel des Thieres als ein Beschwrungsmittel dienen
und ber dem Viehkraal in Schescheke aufgehangen werden.

Ich kehrte mit Cowley heim, whrend unsere Trophe am Nachmittage unter
Sang und Klang zur Stadt gebracht wurde. Vier krftige Mnner trugen an
zwei Pfhlen (die Vorder- und Hintertatzen des Thieres waren
zusammengebunden worden) die Lwin, so da ihr Kopf beinahe auf der Erde
schleifte. Bei ihrer Annherung -- es war beinahe um dieselbe Zeit, als
meine Diener mit dem Bffelfleisch heimkehrten -- zog ihnen der Rest der
mnnlichen Bevlkerung entgegen. Man musizirte auf der schon erwhnten
Lwentrommel und fhrte dabei den Lwentanz auf. Die Menge ordnete sich
hierbei in zwei Gruppen, die Trger der Beute und die Jger. Diese
wurden von dem Wrdentrger, der den Kampf geleitet, erffnet; ihm
folgten diejenigen Jger, die dem Thiere am nchsten gestanden hatten,
whrend sich in der Mitte der Menge der Musiker, ein Tambour, befand.
Die Tnzer bildeten pltzlich aus der Gruppe nach rechts, links und
vorne hinausrennende, mit Schild und Speer den Lwenkampf
versinnlichende Jger, die den regsten Antheil an der Jagd genommen
hatten. Der Gesang der zweiten oder tanzenden Gruppe, der von der
vorderen beantwortet wird, ist nicht so monoton wie bei anderen
Gelegenheiten, wird jedoch durch die Tne des Instruments, die ihn
begleiten, sehr verunglimpft.

[Illustration: Maschukulumbe an Sepopo's Hofe.]

Als der Krper des Thieres unter den beiden Mimosen niedergelegt wurde,
untersuchten ich und Cowley die Wunden und fanden, da mein erster Schu
die linke Schdelhlfte der Lnge nach durchbohrt hatte. Nach dem
Schusse lag die Lwin auf der Erde und von ihrem Gesichte war nur ein
kleiner Theil unter den Augen sichtbar geworden. Dorthin drang meine
zweite und auch Cowley's Kugel ein; ich fand sie in dem zerschmetterten
zweiten Halswirbel, whrend sich die kleine Bleipille meines Freundes an
den scharfen unteren Schdelknochen in Atome zersplittert hatte.

Mit der Aufzeichnung dieser Lwenjagd war auch das mir von Westbeech
geschenkte und aus seinem Tagebuche geschnittene Papier, das letzte,
dessen ich berhaupt habhaft werden konnte, ausgegangen, ich nahm nun
meine Zeitungen, die ich in Schoschong erhalten und zwischen denen ich
Pflanzen zu pressen pflegte, zu Hilfe, schnitt die freien Rnder ab und
klebte sie mit dem Gummi der Mimosen zu Blttern zusammen.

Am nchsten Tage beehrte mich Marancian mit seinem Besuche und wir
sprachen mit W. ber die Barotse, das Mutterland der Marutse. Marancian
meinte, ich wrde, da ich Alles unter den Leuten in Schescheke so
beobachte und Huser und all' die Dinge in mein ^lungalo^ (Buch)
eintrage, weit schnere Bauten und Dinge in den Stdten der Barotse
sehen und er machte mich namentlich auf die Denkmler der Knige
aufmerksam. Mich freute diese neue Aufmunterung zur Reise nach dem schon
von Westbeech, dann eingehend vom Knige, von den Huptlingen Rattau,
Ramakocan, den Kniginnen, Moquai und den Portugiesen besprochenen
Lande. So kamen wir auch auf des Knigs verstorbenen Thronfolger
Maritella zu sprechen. Nach seinem Tode lie der Knig das zur Stadt und
ihrer Umgebung gehrende Vieh auf dem Grabe zusammentreiben und hier
mehrere Stunden stehen, bis die Thiere durstig und hungrig geworden,
Ihren Unmuth durch Gebrlle kundgaben. Seht, sprach der Herrscher,
auch die Thiere trauern um Maritella, mein Kind.

An diesem Tage kehrte der Knig mit seinen Leuten von der groen
Elephantenjagd zurck. Er war hchst unmuthig und mit dem Erfolge
derselben in jeder Beziehung unzufrieden. Am 2. hatte man in den Smpfen
in der Nhe von Impalera ber hundert Elephanten getroffen, jedoch nur
vier davon erlegt. Nicht weniger als zehntausend Schsse waren gegen die
Thiere abgefeuert worden. Am Abend sah ich bei dem Knig die erbeuteten
Hauer. Zwei  60, sechs zwischen 25 und 30 Pfund Gewicht, vier kleine
Kuhhauer und vier werthlose Zhne junger Thiere. Dabei waren die zwei
grten durch die Kugeln arg beschdigt worden.

In der letzten Zeit war es in Schescheke recht empfindlich warm
geworden, so da man durchaus nicht mehr eine Jacke am Krper ertragen
konnte. Um so schwler war es in meiner fensterlosen Grashtte und
wahrhaft unertrglich, wenn die ber einen Fu starke, nasse Graslage,
die auf dem Schilfrohrgerippe lag, auszudnsten begann.

Am 7. machte ich einen abermaligen Ausflug, diesmal nach Nordost, es war
die lngste Fureise, die ich je zu Stande gebracht, etwa 52 englische
Meilen. Schon etwa um zwei Uhr hatte ich Schescheke verlassen,
durchschritt den westlichen Theil von Blockley's Kraal bis an den
Kaschteja hin und verfolgte dann den Flu aufwrts, indem ich vergeblich
eine passende Uebergangsstelle suchte. Das Thal am unteren Laufe des
eben genannten und schon mehrmals erwhnten linken Zambesi-Zuflusses ist
flach, wiesig, von Niederwald umsumt. Bis zum Kaschteja trafen wir
Zebras, gestreifte Gnu's, Letschwe- und Puku-Antilopen, Rietbock- und
Steinbock-Gazellen, im Thale des Kaschteja den Orbecky und Rietbock in
Heerden, eine Erscheinung, die weder ich noch ein anderer Jger zuvor
beobachtet hatte.

Die englischen Offiziere wollten am 8., hchst unzufrieden mit dem
Aufenthalte in Schescheke, die Stadt verlassen, doch sie waren nicht im
Stande, Khne von Sepopo zu erhalten, um nach dem Tschobethal und Panda
ma Tenka zurckkehren zu knnen. Auch am 9. schlug Sepopo ihre
abermalige Bitte ab. Heute kehrte auch Blockley von Panda ma Tenka mit
einer greren Anzahl von Gewehren zurck; ich war froh, den
freundlichen Mann, der mir so viele Dienstleistungen erwiesen,
wiederzusehen, und machte mit ihm einen Besuch beim Knige, der mich
wahrhaft beglckte, denn nunmehr sollte mein lngst gehegter Wunsch in
Erfllung gehen. Der Knig war gesonnen, das mir gegebene Versprechen
baldigst zu erfllen. Er theilte uns mit, da in nchster Zeit die von
der Barotse zu Besuche gekommenen Kniginnen sowie Moquai nach dem
letzteren Lande zurckkehren wrden, und da ich in ihrer Gesellschaft
reisen solle; ich konnte keine einflureicheren Begleiter als jene von
den Vlkern so hochgeehrten Frauen haben.

Als ich gegen Mittag Sepopo zum zweiten Male besuchte, fand ich sein
Gehft mit Menschen gefllt und als ich in das Haus eintrat, fragte mich
der Knig, ob ich schon Maschukulumbe gesehen htte, da ich es
verneinte, nahm er mich bei der Hand, fhrte mich vor sechs auf der Erde
hockende Menschen, die mir fremd und einer eingehenderen Betrachtung
werth schienen. Sie waren von schwrzlicher Hautfarbe und hatten alle
einen weiblichen Zug in ihrem Gesichte, die meisten eine Adlernase.
Jener Zug rhrte von der Bartlosigkeit der Gesichter, sowie davon her,
da ihre Oberlippe stark eingefallen war. Eine weitere Eigentmlichkeit
der fremden Besucher war, da sie mit Ausnahme ihres Scheitels alle
behaarten Theile an ihrem Krper rasirt hatten, besonders auffallend war
aber die Haarfrisur, welche sich auf ihrem Scheitel auftrmte. Sepopo
berichtete mir, da es Maschukulumbe seien, welche nach Osten und Norden
die Grenznachbarn seines Reiches bilden. Vom Knige und mehreren
Huptlingen befragt, berichteten sie, da die Stmme der Maschukulumbe
unter folgenden Frsten leben. Sialoba, Mokobela, Kajila, Wuengwa,
Kasenga, Kaingo, Musanana, Similindi, Kasamo, Kanjambo und Nadschindu.
Die Anwesenden waren Abgesandte, welche alljhrlich mit Geschenken zur
Begrung des Herrschers an den Marutse-Hof kommen und nach einigen
Wochen mit Gegengeschenken heimkehren. In ihrem Lande gehen sie
vollkommen nackt einher, nur die Frauen pflegen sich Eisenglckchen an
einem Riemen um den Leib zu hngen. Der Stolz der Maschukulumbe ist ihr
Haar, es ist auch in der That sehenswerth. Auf der Hhe des Scheitels,
fest mit dem Kopfe zusammenhngend, ruht ein kegel- oder
kegelstutzfrmiger, aus mehreren Lagen aufgebauter Chignon. Die einen
Lagen sind aus horizontalen, die anderen aus verticalen, bei einem
zweiten aus sich kreuzenden, bei dem anderen wiederum aus parallel
laufenden, kunstvoll geflochtenen Zpfchen gebildet und mit einer
Gummilsung durchtrnkt, so da das Ganze als ein aus dem Haare des
Trgers allein bereiteter Bau angesehen werden knnte; doch dem ist
nicht so. Periodisch schabt der Maschukulumbe bis auf eine kreisrunde,
bis fnfunddreiig Zentimeter im Umfange messende Cranium-Flche das
wollige Haar von seinem Krper ab. Auf die am Scheitel stehenbleibende
Wolle wird nun der thurmartige Chignon aufgebaut; das durch das
periodische Abschaben gewonnene Haar wird aufbewahrt, bis eine
hinreichende Menge zur Verfgung steht; um diese jedoch in mglichst
kurzer Zeit zu erlangen, erlaubt sich der Gemahl auch den Kopf etc.
seiner Frauen, seiner Sklaven und die Kpfe aller der im Kriege
erschlagenen Feinde abzuschaben, und das so gewonnene, fr den
Maschukulumbe unschtzbare Material mit Hilfe von Gummi mit seinem
Eigenen zu verbinden, und dann in kleine Zpfchen zu flechten. Die
lngste dieser Frisuren endete in einen 1.03 Meter langen Schweif. Sie
war nach rechts geneigt, beugte sich der Mann nach vorne, so senkte sich
auch der ganze Haarthurm. Diese Frisur hatte einen Umfang von
sechsunddreiig Zentimeter, die anderen waren zwanzig bis dreiig
Zentimeter hoch. Die Temporalmuskeln waren zu fingerdicken Strngen
entwickelt, nur dadurch konnte der Kopf auch die groe Last auf dem
Cranium tragen. Die eingesunkenen Oberlippen waren durch das Aussprengen
der oberen Schneidezhne bedingt, welcher Proce bei den Maschukulumbe
hnlich wie die Boguera bei den Betschuana's zur Zeit ihrer Mannbarkeit
oder vor derselben, also in der Abhrtungsperiode des Knaben vorgenommen
wird. In hnlicher Weise brechen sich ein nrdlich vom Zambesi wohnender
Makalakastamm und die an seinen beiden Ufern wohnenden Matonga's die
oberen mittleren Schneidezhne und thun dies aus einem Motiv der
Eitelkeit. Die Matonga-Frauen sind der Ansicht, da nur Pferde mit allen
Zhnen fressen, die Mnner jedoch sollen kein Pferdegebi haben.

Der Knig war an diesem Tage mit den Seinen beschftigt, aus den
Blattrippen der Saropalme ein Musikinstrument zu schneiden, die concave
Flche desselben wurde mit Ausnahme der Enden tief ausgefurcht und an
der convexen, rckwrtigen Auenflche zahlreiche zwei bis drei
Millimeter breite seichte Furchen eingeschnitten, das Instrument wurde
dann beim Elephantentanze mit einem Stbchen gestrichen.

Westbeech, Dorehill und Cowley verlieen am 10. Schescheke, um nach
Panda ma Tenka zu gehen, whrend sich Sepopo noch immer weigerte, den
beiden englischen Officieren, welche sehnlichst abzureisen wnschten,
Khne zur Verfgung zu stellen. Am 11. zog der Knig, von einem Haufen
seiner Unterthanen begleitet, durch die Stadt und fhrte laut singend
den Mokoro- oder Bootstanz auf. Unter den Klngen der Schiffermelodie
wurde eine Bootfahrt versinnlicht. Der Vortnzer, hier der Knig, machte
die Gesten des Bugruderers, der ihm folgende Schwarm, etwa siebzig
seiner Unterthanen ahmten die Backbordmnner nach. Da ich die Hoffnung
nicht aufgab, Sepopo werde die englischen Offiziere ziehen lassen,
arbeitete ich neue Feuilletons fr englische und heimische Bltter aus
und bergab ihnen dieselben sowie meine Correspondenz zur freundlichen
Weiterbefrderung. Sie waren schon im Begriffe in die Boote zu steigen,
als sie abermals von Sepopo zurckgehalten wurden; endlich gab er nach.
Da waren es aber die von den Englndern gemieteten Diener, welche sich
die unfreundliche Behandlungsweise ihres Knigs zum Muster nehmend,
nicht minder unverschmt betrugen. Durch meine Intervention gelang es
inde, auch diese zur Vernunft zu bringen und den Officieren die Abreise
zu ermglichen. In den letzten Tagen hatte sich eine der Sommerplagen
von Schescheke, die Mosquito's, recht bemerkbar gemacht und lieen mich
kaum zur Ruhe kommen.

Am 16. wurde abermals von den Marutse des notwendigen Kders halber eine
Hetzjagd auf einen Hund unternommen, da eine Frau beim Baden wieder von
den Krokodilen getdtet wurde. Auf meinem Rundgange durch die Stadt kam
ich eben dazu, als ein Menschenschwarm nach dem Flusse hinstrzte;
demselben folgend kam ich zu den zwei Mimosen, in deren Nhe eben zwei
riesige Krokodile an's Land gezogen wurden.

Seit einigen Tagen fiel jeden Nachmittag Regen und am frhen Morgen so
reichlicher Thau, da ein Ausgang vor zehn Uhr ein Morgenbad genannt
werden konnte. In den meisten Partien war das Gras drei Fu hoch.

[Illustration: Sepopo's Arzt.]

Am 20. machte ich wieder einen Ausflug nach Nordost und scho eine
Steinbock-Gazelle, dabei war meine Ausbeute an Coleoptera uerst reich.
Am folgenden Tage machte ich einen greren Ausflug nach Norden. Ich
verlie Schescheke noch vor Tagesgrauen und kehrte gegen sechs Uhr
Abends heim. Trotz des starken Thaues und der sonstigen Mhen fhlte ich
mich durch neue Beobachtungen und die gewonnene Beute reichlich
entlohnt. Ich fand manche Theile des Waldes mit einem hohen
umfangreichen Busch, der von Tausenden groer weier Blthen bedeckt
war, dicht bestanden. Diese Blthen dufteten so herrlich, da die Luft
im Walde von einem starken, frmlich berauschenden Wohlgeruche
geschwngert war. Auf einer der tief im Walde liegenden Lichtungen fand
ich zwei zuvor noch nicht beobachtete Lilien, die eine zeigte eine
schne violette Blthe; an der zweiten fand ich einen ockergelben
Blattkfer, an den jungen Trieben des Mutsetlabusches eine zweite
rothblaugestreifte und zwei mir noch neue Rsselkfer-Arten. Am Heimwege
erhaschte ich an zwei weiblhenden Bschen drei Arten kleiner
Rosenkfer und in einer ausgetrocknete hochbegrasten Bodeneinsenkung,
die auf meiner zweiten Reise erwhnte, im Lande Seschele's angetroffene
^Litta Spec^.

[Illustration: Mabunda. Makololo.]

Abends erschien der Knig in unserem Gehfte und lud mich und Walsh auf
einen Becher Honigbier ein; whrend des Nachtmahls fertigte der Knig
einen Proce ab. In der Stadt hatte eine Schlgerei (ein sehr seltenes
Ereigni) stattgefunden, und ein Mann war dabei von seinen Genossen mit
dem Widerhaken eines Assagai verwundet worden. Sepopo verurtheilte die
Leute zur Zahlung eines Schmerzengeldes und als die Schuldigen (es waren
Makalaka's, welche am Kaschteja wohnen) ihre Insolvenz betheuerten,
befahl er ihnen, dem Verwundeten eines ihrer Rinder zu geben, und durch
zwei Monate in den kniglichen Feldern den Kniginnen bei der Ausbung
ihrer Arbeiten behilflich zu sein. Am 23. kehrte Bauren ber Impalera
von Panda ma Tenka nach Schescheke zurck. Er berichtete, da mein
frherer Diener Pit von einem Bffel verwundet worden war und da
Westbeech auf seinem Wege nach Impalera einen Bffel erlegt habe. In
Folge der letzten Regen hatten sich die Lachen und Senken in den
Gehlzen gefllt und das Wild sich von der am Zambesi anliegenden
Wildebene Blockleyskraal in den Wald zurckgezogen. Am Nachmittage
untersuchte ich die beiden Fischspecies Tschi-Mo und Tschi-Maschona,
doch sollte ich den Tag nicht beschlieen, ohne noch Zeuge einer
unerquicklichen und bedauernswerten Scene zu sein, durch die ich die der
Knigin Moquai gezollte Achtung bedeutend geschmlert sah.

Da ich mich am 24. auf eine Bffeljagd begeben wollte, zog ich mich
etwas zeitlicher in meine Htte zurck. Es mochte etwa neun Uhr Abends
sein, als ich ein lautes Weinen vom Flusse her vernahm. Anfangs achtete
ich nicht darauf, doch bald wurde dasselbe von einem dumpfen Gebrause
menschlicher Stimmen bertnt und erweckte meine Neugierde. Narri, einer
meiner Diener, den ich abgesendet, um mich ber die Ursache dieser
Bewegung aufklren zu lassen, strzte wenige Minuten spter ganz auer
Athem zu mir und berichtete, da die Knigin Moquai eben eine ihrer
Dienerinnen ertrnken lasse. Ich konnte eine solche Handlungsweise von
Moquai nicht glauben und eilte zum Flusse, um mich zu berzeugen.

Mehrere Gruppen von zankenden und schreienden aber auch lachenden
Menschen belagerten das Ufer, an welches man eben einen anscheinend
leblosen Krper einer Sklavin trug. Auf dem Wege nach Moquai's Wohnung,
wohin man diese weiter schleppte, erfuhr ich auch den Sachverhalt. Das
vor uns liegende Mdchen, das indessen wieder ihr Bewutsein erlangt
hatte, war eine Dienerin (Sklavin) Moquai's. Tags zuvor hatte Moquai der
Dienerin bekannt gemacht, da sie ihr einen Mann, einen Mabunda, einen
hlichen Holzschneider, zum Gemahl bestimmt habe. Als Zeichen ihrer
Unterwrfigkeit kreuzte die Sklavin ihre Hnde ber der Brust, doch
brach sie im selben Momente in ein lautes Schluchzen aus, ein deutlicher
Beweis, wie sehr ihre Gefhle der aufgedrungenen Wahl wiederstrebten.
Darber wurde die Knigin so unwillig, da sie ihre Magd sofort entlie.
Moquai, die etwas Aehnliches noch nicht zuvor beobachtet, berief das
Mdchen noch einmal vor sich. Als die Knigin ihren Befehl wiederholte,
wagte es die Sklavin zu widersprechen. Sie wollte ihrer Herrin treu
dienen, von dem ihr aufgedrungenen Alten jedoch nichts wissen. Moquai
fhlte sich durch diesen Widerstand beleidigt und erzrnt und lie den
Brutigam rufen und bedeutete ihm, in der Stille der Nacht seine Braut
an den Strom zu fhren und sie so lange unter Wasser zu halten, bis sie
beinahe erschpft sei, sie dann herauszuziehen und im bewutlosen
Zustande in seine Htte zu bringen, damit sie aus ihrem Todesschlummer
als eine Mosari (eine verheiratete Frau) erwache.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als am nchsten Morgen Gesang und
Trommelschlag aus Moquai's Gehfte an mein Ohr schlugen. Vor der Htte
der Neuvermhlten wurde der Hochzeitstanz aufgefhrt. Ich sah zehn
Mnner, welche die Fe hoch emporhebend, sich langsam gehend und
gleichzeitig vorwrts bewegend, eine elyptische Bahn beschrieben. In der
Mitte der Tanzenden stand ein schreiender Snger, der sich in
entgegengesetzter Richtung drehte und mit einem Laubzweige den Tact
angab. Die Tnzer waren smmtlich mit Schrzen aus rauhgargearbeiteten
Thierfellen bekleidet (meist Thari- und grauen Fuchsfellen). Manche
hatten ihre Waden mit drei bis vier Reihen angefdelter, aus
Fruchtschalen verfertigter Schellen behangen. Der Gesang des in der
Mitte Hpfenden wurde vom Schlage zweier Langtrommeln begleitet, vier
andere Tnzer hockten auf der Erde, um die mde gewordenen abzulsen.
Unter den Tanzenden drehten sich auch zwei kaum zehnjhrige Knaben;
spter gesellten sich zahlreiche Vorbergehende hinzu; namentlich um
sich nach dem Tanze an dem Kafirkornbier gtlich zu thun, das die
Knigin gespendet. Der Tanz dauerte nicht weniger als drei Tage.
Zuweilen wiederholt der Kreis den Gesang im Chore, zog die Schultern an
einander und fhrte in demselben Momente eine rasche Vorwrtsbewegung
aus.

Als ich am Nachmittage von einem Ausfluge in das westliche Gehlz
heimkehrte, lenkte ich meine Schritte nach der Htte der Neuvermhlten.
Die Htten der Leibeigenen ringsum waren im freudigsten Aufruhr; Alles
lachte und scherzte und berall saen und lagen Gruppen um die gefllten
Butschualatpfe; der Trommelschlag rief viele Neugierige herbei, Alles
war lustig und frhlich, nur Eine, die Hauptperson schien wenig von
alldem zu sehen und zu hren, den Kopf auf ihre Hnde gesttzt, sa sie
auf der Erde vor ihrer Htte; ihre Zge waren starr und das Auge blickte
stier auf den nchsten Httenzaun.

Am 25. berraschte uns Sepopo und Moquai mit einer Serenade, der erstere
hatte sechs, die letztere zwei Musikanten, zwei Myrimbas
(Krbisschalenpianos), und vier Morupas (Rhrentrommeln) im Gefolge; um
den Knig nicht zu beleidigen, blieb ich den ganzen Tag daheim. Gegen
Mittag des 26. kam Westbeech von Panda ma Tenka mit Gewehren fr den
Knig, auch erschienen zwei Portugiesen in Schescheke, von denen einer,
obgleich sie sich beide Sehores nannten, so schwarz wie ein Mambari
war, diesen Beinamen jedoch mit Verachtung zurckwies. Francis Roquette
hie der eine, und hatte nebst dunklen Frauen zwanzig Diener. Diese
zeichneten sich dadurch aus, da sie bis auf einen, einem Helmkamm
gleichenden Haarkamm ihre Wolle vom Kopfe abgeschabt hatten. Am 27.
beendeten meine Diener die ihnen aus Segeltuch zugeschnittenen
Segeltuchscke, in denen mein Gepck auf der Weiterreise befrdert
werden sollte. An diesem Tage wurde auch das im europischen Style
errichtete Berathungshaus fertig und die bisher in einem der kniglichen
Huser aufbewahrten Kriegstrommeln darin untergebracht. Da ich deutlich
sehen konnte, da sich die Kniginnen zum Aufbruch nach der Barotse
rsteten, traf auch ich meine Vorbereitungen, um jeden Augenblick
abreisen zu knnen. Die beiden Portugiesen kamen vom Norden aus einem
der Maschukulumbe-Lnder, in welchen sie den grten Theil ihrer Waaren
fr Elfenbein ausgetauscht hatten, whrend sie den Rest derselben,
Feuerstein-Musketen, grobes Schiepulver in Fchen, Blei, Eisenkugeln
und Kattun nach Schescheke brachten. Am 1. December 1875 ging endlich
mein sehnlichster Wunsch in Erfllung, ich konnte die Weiterreise
stromaufwrts antreten.




                                  X.
                        Den Zambesi aufwrts.


Aufbruch von Schescheke. -- Die Flottille der Kniginnen. -- Erstes
Nachtlager. -- Marutse-Typen. -- Manko. -- Fruchtbarkeit des
Zambesi-Thales. -- Die Stromschnellen an centralen Zambesi. -- Die
Mutschila-Aumsinga-Stromschnellen. -- Schiffbruch in denselben. -- Sioma
von Lwen belagert. -- Vom Fieber besinnungslos niedergeworfen. --
Rckkehr nach Schescheke.

[Illustration: Manko.]

Am Morgen des 1. December 1875 besuchte mich ein Marutse-Unterhuptling
und lud mich ein ihm zu folgen. Am Ufer des Zambesi angelangt, fand ich
drei fr mich bestimmte knigliche Khne, die inde kaum fr den
Transport meines Gepcks hinreichten, weshalb ich um einen vierten
ersuchte, wobei meine Diener noch immer zu Lande am Ufer folgen muten.
Gegen Mittag verlieen wir Schescheke und kamen ziemlich rasch vorwrts.
Ich fand so zahlreiche Inseln und Buchten, da ich es bedauern mute, in
Folge der herannahenden Fieberzeit rasch reisen zu mssen und nicht die
nthige Zeit zur Verfgung hatte, das Bett des Zambesi in seiner ganzen
Breite mit seinen Inseln, Lagunen etc. in allen Details kartographisch
aufnehmen zu knnen. Der Uferabhang, in dessem Sande sich eine 12 bis 24
Zoll starke, mit Thon untermischte Torfschichte bemerkbar machte, zeigte
mir schon auf der ersten Strecke unserer Fahrt einige sammelnswerthe
Pflanzen; doch konnte ich nicht daran denken, die Fahrt zu unterbrechen,
da mir viel daran lag die Flottille der Kniginnen, welche bereits
Morgens Schescheke verlassen hatten, einzuholen. Gegen Abend kamen wir
an Stellen, an denen zahlreiche vom Strome herabgefhrte und im Grunde
festsitzende Baumstmme die grte Vorsicht geboten; bei Sonnenuntergang
hatten wir endlich die Landungsstelle der Flottille erreicht. Es war ein
nackter, sandiger Uferabhang, doch beiderseits von Schilf und oben von
Gebschen gegen Wind geschtzt. Whrend die weiblichen Dienerinnen
zahlreiche Herdfeuer angezndet hatten und ihren Kchenarbeiten oblagen,
fhrten mehrere Khne das zum Baue der Htten nthige Schilfrohr herbei.
Ich wollte an diesem gemeinsamen Lagerplatze bernachten, meine
Bootsleute jedoch schlugen einen, noch einige Meilen entfernteren vor,
und da ich damals ihre Finten nicht kannte, fgte ich mich; erst spter
erfuhr ich, da sie sich mglichst bestrebten, nicht an demselben Orte,
den sich die knigliche Flottille zum Lagerplatze erwhlt hatte, zu
bernachten, damit mich die Kniginnen gegen ihre Belstigungen nicht zu
schtzen vermochten. Spt am Abend langten wir endlich an der
auserkorenen Lagerstelle an, es war eine wenige Htten zhlende
Niederlassung von Mambofischern und Nilpferdjgern. Einige in den
Ufersand eingetriebene Baumste, auf denen Netze hingen, zahllose
aufgesteckte Kpfe kleiner Krokodile und nicht minder zahlreiche
herumliegende Welse wiesen deutlich auf ihr Gewerbe hin. Wir logirten
uns in einer 2 Meter hohen, drei Meter breiten und sechsundzwanzig
Meter langen Grashtte ein. Whrend der Fahrt beobachtete ich zahlreiche
Wasser- und Sumpfvgel, Staare, Finken, Eisvgel etc.

Als wir am nchsten Morgen eben im Begriffe waren, mit unserem Gepck
die Boote zu beladen, kam die knigliche Flottille in Sicht, die wir nun
erwarteten. Die Mambo, die Bootsleiter der Kniginnen, bergaben
derselben ein Abends vorher geschlachtetes Rind und die Mutter des
Landes, Mokena, war so gtig, mir ein Hinterviertel von dem
geschlachteten Thiere zu berlassen. Meine Bootsleute muten sich der
kniglichen Flottille anschlieen und nun ging es rasch vorwrts. Die
vielen, bald vor, bald hinter uns fahrenden, einander berholenden, den
Flu kreuzenden, dort wieder zwischen den Inseln rechts oder links
einbiegenden stark bemannten Khne boten, auf dem tiefblauen, von
Mimosengebschen und den Schilfrohrwalde umsumten Strome ein
wechselndes und sehr interessantes Bild, das ich gerne festgehalten
htte, wenn nicht die kartographische Aufnahme des Flusses jede Minute
beansprucht haben wrde. Einer am rechten Ufer erbauten
Marutse-Niederlassung gegenber hielten wir fr eine halbe Stunde auf
einer Sandbank, um den Bootsleuten, die sich sehr wacker hielten, einige
Augenblicke Ruhe zu gnnen. Whrend diese gemthlich ihre Dachapfeifen
schmauchten, wurde von den kniglichen Frauen ein kleiner Imbi
eingenommen, bei dem sie auch mich nicht vergaen, indem mir eine der
Kniginnen, Mamangala, gerstete Fische bersandte. Fluscenerie und die
Thierwelt blieben sich auch heute gleich.

Gegen Abend landeten wir an einer Stelle, an der schon frher von
vorberfahrenden Schiffern circa zwanzig Htten errichtet worden waren.
Es war auch die hchste Zeit, denn ein Gewitter war im Anzuge und es
fing zu regnen an, bevor ich mein Gepck an's Ufer gebracht hatte; hier
lag auch bereits das vierte Boot. Der Sturm dauerte bis gegen
Mitternacht. Der Regen drang in die Htten und ich mute mit meinen
Decken mein Gepck zu sichern suchen. Auf einem Kistchen sitzend,
entschlummert, glitt ich im Schlafe auf den Boden nieder und erwachte
frh zu meinem Erstaunen in einer in der Htte entstandenen Regenlache;
die Folgen lieen nicht auf sich warten. Am folgenden Morgen gab ich dem
Drngen meiner Bootsleute nach und unternahm einen Jagdausflug auf einer
mit vier bis fnf Fu hohem Grase bewachsenen, von zahlreichen Lagunen
und betrchtlichen Smpfen bedeckten Ebene, welche von dem Schescheker
Walde umsumt, sich nach Westen erstreckte und hie und da bewaldet war.
Auf niedrigen Bodenerhebungen erblickte ich kleine Marutse-Drfer, deren
bedeutendstes Katonga hie. Zur Zeit der Zambesi-Ueberschwemmungen steht
die ganze Ebene bis zu diesen Drfern unter Wasser.

Von dem leider erfolglosen Jagdausfluge zurckkehrend, fhlte ich
pltzlich eine nie zuvor empfundene Mdigkeit ber mich kommen, welche
so zunahm, da ich etwa eine halbe Wegstunde von unserem Lager entfernt
auer Stande war, weiter zu gehen, und mich meine Diener dahin tragen
muten. Nach den Symptomen zu schlieen, welche diese Mdigkeit
begleiteten, hatte mich das Fieber berfallen. Meine Bootsleute waren
sehr ungehalten darber, da ich ohne Beute zurckgekehrt war und ihnen
die Bewohner von Katonga nicht hinreichend Bier und Korn gegeben hatten,
ich war deshalb froh, da sich der mir als Fhrer mitgegebene
Unterhuptling Sekele meiner annahm und die Leute zur Ruhe verwies.
Whrend der Nacht verschwand eine der Dienerinnen der Frstin Moquai.
Diese lie die Spur, die zum Wasser fhrte, verfolgen, und es zeigte
sich, da die Person einige Schritte fluabwrts an's Land gestiegen war
und die Richtung nach Schescheke eingeschlagen hatte; sofort wurden
einige der Mnner nachgesendet, welche die Flchtige, die unlngst gegen
ihren Willen verheiratete Sclavin, zurckbrachten.

[Illustration: Marutse-Typen.]

Wir setzten am nchsten Morgen die Bootfahrt fort und liefen gegen
Mittag in einen schmalen Fluraum ein, der von der nrdlichsten mehrerer
bewaldeter Inseln und dem linken Ufer gebildet wird. Ich erlaubte mir
diese Inselgruppe die Rohlfs-Inseln zu benennen. Auf der Festlandseite
des Fluarmes lag die westlichste Masupia-Niederlassung Sekhosi, in der
schon seit vielen Decennien fleiig Ackerbau getrieben wurde, unter
Anderem wurden hier auch Manza und Bohnen cultivirt. Gegenwrtig pflegen
die Marutse nur so viel anzubauen, als sie zu ihrem Lebensbedarfe und
ihren Abgaben benthigen, nur die Masupia, Batoka und stlichen Makalaka
bauen etwas mehr an und verkaufen den Ueberschu den Hndlern und Jgern
aus dem Sden. Dabei cultiviren sie meist nur sandige Abhnge,
Waldstellen um Termitenhaufen, whrend die fruchtbarsten marschigen
Theile vollkommen brach liegen. Mit Rcksicht auf diese groen Strecken,
die regelmige Bewsserung, die man diesen angedeihen lassen kann, das
warme Klima etc., hat das Land eine groe Zukunft. Die von den Flssen
entfernteren Binnengebiete bestehen aus einem oft meilenlange
Wiesenstrecken einschlieenden Urwald, so da auch diese gute Felder
abzugeben versprechen. Nthigenfalls knnen auch die Flsse, wie der
Zambesi selbst, zur Bewsserung des Landes herangezogen werden. Die
Stmme sind strebsam und arbeitsam; hat der Pflug in's Land Eingang
gefunden und ist es einmal vom Sden oder Osten dem allgemeinen Verkehr
geffnet, so wird das Marutse-Reich rasch aufblhen.

[Illustration: In den Manekango-Stromschnellen.]

Ungefhr zwlf Meilen von Schescheke tritt ein Vorbote der die sdliche
Barotse durchziehenden und den Flu nach abwrts begleitenden
Hhenketten, der Wald von Schescheke, unmittelbar an's Ufer.
Schon stlich von Schescheke, etwa halben Weges zwischen den
Makumba-Stromschnellen und der Mndung des Kaschteja-Flusses, auf
welcher Strecke das Land sich allmlig nach Westen hob, vermite ich die
Saro- und und Fcherpalme, sowie die Papyrusstaude. Westlich von Sekhosi
ist das Geflle des Stromes ein bedeutendes, es beginnen hier auch die
Sd-Barotse-Stromschnellen und Katarakte des zentralen Zambesi.
Dieselben sind zumeist durch Felsenbnke gebildet, welche quer in einer
geraden oder schrgen Richtung ber den Flu ziehen und gleichsam
Verbindungsarme zwischen den beiden den Zambesi begleitenden Hhenketten
darstellen. Durch diese Felsenriffe sind zahlreiche Inseln gebildet und
je weiter ich kam, desto interessanter schien das Flubett mit seinen
vielen nackten, dunkelbraunen, doch auch nicht minder zahlreichen
beschilften, oder stellenweise auch hochbewaldeten Inseln zu werden. Auf
einer Strecke von vierzehn englischen Meilen zhlte ich einen Katarakt
und vierundvierzig Stromschnellen, die letzteren waren in der Weise
gebildet, da sich allmlig das aus einer einzigen Felsenplatte
gebildete Flubett neigte, oder da sich dasselbe pltzlich stufenfrmig
senkte. Stellenweise waren es wieder Felsenblcke, welche theils unter
dem normalen Wasserstande liegend oder auch ber denselben hervorragend
die Stromschnellen verursachten, nur einmal beobachtete ich, da eine
Felsenbarrire durch den Flu lief, welche hie und da Oeffnungen zeigte,
durch welche sich das Wasser mit Wucht Bahn zu brechen suchte.

[Illustration: Mambari. Matonga.]

Diese Schnellen wren mit den Marutse-Khnen unpassirbar, wenn sie nicht
von den Krokodilen gemieden wrden. Die Abwesenheit der groen Saurier
ermglicht es den Schiffern, an solchen Stellen das Boot zu verlassen
und den Kahn theils schiebend, theils ziehend das Hinderni zu
berwinden. An den schwierigeren Partien ist es jedoch nthig, das
Gepck auf die aus dem Flusse hervorragenden Blcke umzuladen und dann
den leeren Kahn ber die Stromschnellen zu bringen. Die erste dieser
Stromschnellen die wir passirten, nennen die Eingebornen Katima Molelo,
sie bestand mehreren Partien und wir waren im Stande, sie mit den Rudern
an einer Stelle zu berwinden, whrend an den brigen die Bootsleute
aussteigen und die Khne ber die Felsenriffe ziehen muten. Kaum ber
das Hinderni gelangt, beeilten sie sich in das Boot zu springen, um den
im tieferen Fahrwasser auf der Lauer liegenden Krokodilen zu entgehen.
Die nchstbedeutendste Stromschnelle nach dieser, die wir am 5. zu
passiren hatten, war jene von den Eingebornen Mutschila
Aumsinga genannte, es ist die gefhrlichste auf der Strecke
Schescheke-Nambwe-Katarakt, sie lie leider auch mir ihre Gefhrlichkeit
fhlen. Meine Krankheit hatte sich an diesem Tage verschlimmert, allein
ich achtete darauf, da mir selbst das Sitzen in dem Kahne beschwerlich
wurde, indem es mit Gliederschmerzen verbunden war, dennoch lie ich
mich in meiner kartographischen Arbeit nicht stren.

[Illustration: Zambesi aufwrts.]

Die Mutschila-Aumsinga-Stromschnelle wird durch eine ziemlich bedeutende
Neigung des felsigen Bettes, sowie zahlreiche unter dem Wasser liegende
Felsenblcke gebildet, doch die dem Schiffer drohende Gefahr rhrt von
einem anderen Umstande her. Zwischen einer bewaldeten Insel und dem
linken Ufer gelegen, und nur etwa fnfzig Meter breit, zeigt sie zwei,
durch einige an ihrem Beginn liegende Inseln bedingte Seitenstrmungen,
welche die Kraft des Schiffers erschpfen, und die um so mehr, als sie
an keiner Stelle so seicht ist, da die Bootsleute den Kahn ber die
Schwelle ziehen knnten. Ein zweiter Uebelstand in meinem Falle war, da
die Khne schwer beladen, aber nicht hinreichend bemannt waren. Meine
Gewehre sowie meine Tagebcher, Glasperlen, Patronen, und die fr die
Huptlinge und Knige bestimmten Geschenke befanden sich in meinem
Boote, das an diesem Tage das dritte in der Reihenfolge war. Das zweite
war jenes, welches mein Schiepulver, meine Medicamente, meine
Provisionen und die in Schescheke gesammelten Insecten und Pflanzen
fhrte (die brigen gesammelten Gegenstnde hatte ich Westbeech zur
Weiterbefrderung nach Panda ma Tenka bergeben). Da ich sah, da die
Bemannung dieses Bootes nur mit genauer Noth der Strmung Widerstand
leisten konnte, rief ich den Leuten zu, die vom Ufer berhngenden Bume
und Bsche zu ergreifen, um das Boot mindestens in seiner Stellung zu
erhalten. Meine Zurufe wurden inde vom Brausen der Strmung bertnt.
Die Ruder gleiten von der Felsenplatte wie von einer Spiegelflche ab,
die ihnen allen wohlbekannte Gefahr verwirrt die Bootsleute, statt ihre
Muskeln anzuspannen; regellos greifen ihre Ruder ein und damit war das
Los des Bootes entschieden. Doch nein, es kann nicht mglich sein, so
bitter und unvershnlich kann ja des Geschickes Walten mir nicht
entgegentreten. Meine Medicamente, die Nahrungsmittel, die Mhen so
vieler Tage sollten vom Wasser verschlungen und mir verloren gehen? und
eben jetzt, da ich an Fieber erkrankt, ihrer bedrftiger als je gewesen,
und wo die Hoffnung und Mglichkeit, das Verlorene wieder zu erlangen,
vollkommen fern gerckt war?

Meine Bootsleute wurden durch die verzweifelte Lage des vorderen Bootes
verwirrt und die Strmung begann auch mit unserem Boote ihr Spiel. Doch
wir waren dem Ufer nahe und rasch genug konnten die berhngenden Aeste
ergriffen und das Boot gegen die Insel herangezogen werden. Das erste
Boot aber war der Wucht der Strmung nachgebend, bald aus seiner zur
Stromlinie parallellen Stellung gebracht und bot der Gewalt des Wassers
seine Breitseite entgegen. Helft doch! schrie ich verzweifelt den
Leuten in meinem Boote zu und war eben selbst im Begriffe in das Wasser
zu springen, alles andere, selbst das heftige Fieber, unter dessen
Einwirkung ich seit den letzten zwei Stunden so heftig transpirirte, da
die Kleider am Krper klebten, war unter den obwaltenden Umstnden
vergessen; meine Bootsleute hielten mich aber mit Gewalt zurck. Von der
Strmung erfat, auf der einen Seite niedergepret, neigte sich das
Boot, seine Lenker, denen bei dem verzweifelten Versuch, die Gewalt der
Strmung zu berwinden, die Ruder gebrochen waren, verloren das
Gleichgewicht und in demselben Momente schlug die erste Welle in das
Boot, bald folgten eine zweite, eine dritte Welle und nun -- ich traute
meinen Augen nicht -- schlug es um. Nach mehrfachen Anstrengungen, wobei
meine und die folgenden Bootsleute treulich mithalfen, gelang es, das
Boot wieder flott zu machen und einige Gegenstnde zu retten.

Alle khnen Hoffnungen, alle Plne und Wnsche, der Traum vom
atlantischen Ocean -- alles war hier versunken. Mitleidslos zerstrte
das Geschick in wenigen Augenblicken die siebenjhrigen Vorbereitungen
zur Ausfhrung meiner mir selbstgestellten Aufgabe. Angesichts dieses
Unfalls, der alle frheren Enttuschungen tausendfach berbot, mute
ich, vom Fieber niedergeworfen, auf die Fortsetzung der Reise, der alle
meine Anstrengungen galten, verzichten. Und um das Maa der bitteren
Erfahrungen voll zu machen, sah ich auch die Frchte monatelanger Arbeit
emsigen Sammelns vernichtet -- kaum einen nennenswerten Bruchteil konnte
ich retten.

[Illustration: Verlust meines Bootes.]

Nachdem wir das mir fr die Dauer meines Lebens denkwrdige
Mutschila-Aumsinga passirt hatten, landeten wir eine Stunde spter am
rechten Zambesi-Ufer unterhalb eines Mabunda-Dorfes mit Namen Sioma; die
uns lngs des linken Ufers folgenden Diener wurden herbergeholt, um so
rasch wie mglich vor einbrechender Nacht ein Lager errichten zu knnen.
Wir wurden jedoch von den Mabunda's mit der Nachricht berrascht, da
die Gegend von Lwen nur wimmle und ihr Dorf sozusagen allnchtlich von
diesen Raubthieren belagert sei. Mir schien diese Mittheilung nur ein
Vorwand zu sein, uns zur Fortsetzung der Reise zu bewegen. Ich erstand
von ihnen fr Glasperlen Kafirkornbier, das ich meinen Bootsleuten als
Gratification fr die vielen Mhen, die sie an diesem Tage meinethalben
hatten, verabreichte. Da ich mich durch die Mittheilung der Mabunda's
nicht abschrecken lie und sie mit den Glasperlen gnstiger gestimmt
hatte, riethen sie uns, die Dcher einiger verlassenen am Flusse
erbauten Htten ab- und zusammenzutragen und diese kegelfrmigen
Grasbauten in Hufeisenform derart neben einander aufzustellen, da ein
Theil des Dachrandes (nach Auen) auf die Erde zu liegen komme, der
andere dagegen auf kurzen Pfhlen nach innen zu gesttzt sei, so da
unser Lager sieben riesigen kegelfrmigen Grasfallen nicht unhnlich
war. Vor den Htteneingngen lie ich mehrere groe Feuer anznden.

[Illustration: Sioma von Lwen angegriffen.]

Whrend der unglckseligen Fahrt des heutigen Tages waren mir am Ufer
des Stromes zwanzig bis vierzig Fu hohe Bume mit weilicher Rinde
aufgefallen, von deren Stamme zahllose Wurzeln, einem dichten Barte
gleich und von den ber das Wasser wuchernden Aesten in drei bis sechs
Fu langen, rthlich braunen Zotten herabhingen.

Am 5. regnete es den ganzen Tag hindurch, der Wind war am Nachmittage
eisig kalt geworden und obgleich die Diener das offene, fallenartig
niedergelegte Dach mit Matten zu verhngen suchten, so wurden diese vom
Winde immer weggeblasen und ich unzhlige Male in meiner heien
Fieberhitze von dem kalten Regenschauer pltzlich abgekhlt. Whrend ich
fast regungslos auf dem aus Kisten errichteten Lager gebannt war --
meine Krankheit hatte sich nur noch verschlimmert und ich konnte nur mit
Hilfe der Diener meine Lage ndern -- wurde ich Ohrenzeuge eines
Gesprchs, welches von den letzteren, die mich schlafend whnten,
auerhalb der Htte gefhrt wurde. Borili, einer der beiden Matonga's
gab seiner Schadenfreude lebhaften Ausdruck, da der Njaka (Zauberer,
Doctor) schwer erkrankt sei und suchte seine Genossen dazu zu verleiten,
mit meinen Vorrthen das Weite zu suchen und auf das sdliche
Tschobe-Ufer zu flchten. Da die anderen drei Diener sich ziemlich
passiv verhielten, beschlo ich das Complot im Keime zu ersticken. Ich
rief die Diener und whrend ich die anderen mit Glasperlen beschenkte,
frug ich Borili, ob er noch immer ein Tlobolo (Gewehr) als Lohn zu
erhalten gedenke. Auf seine rasche bejahende Antwort erwiderte ich mit
Nein und hielt ihm vor, da er kein guter Diener, sondern ein Dieb sei
und drohte ihm im Wiederholungsfalle eines hnlichen verrtherischen
Versuches nach Schescheke zur Bestrafung zurckzusenden.

Abends lie die Fieberhitze etwas nach, so da ich mich von den Dienern
von meinem Schmerzenslager herabheben und mich auf die Erde setzen lie;
mit dem Rcken gegen mein Lager gesttzt, empfing ich einige Mabunda's
und erhandelte von ihnen einige Handarbeiten, schrieb an meinem
Tagebuche und bereitete aus den noch geretteten, wenigen Medicamenten
fr einen der Bootsleute ein Brechmittel, der durch den zu reichen Genu
der Frucht eines Busches Ki-Mokononga bedenklich erkrankt war. Nach den
Symptomen, unter denen derselbe erkrankte, sowie nach dem penetranten
Geruche konnte ich schlieen, da das Fleisch dieser Frucht die
Eigenschaften des ^Amigdalin^ und ^Dulcen^ (Blausure) vereinigt. Die
Frchte waren 2 bis 3 Zentimeter lang, 1 bis zwei Zentimeter dick,
hatten einen lnglichen Kern, ein gelbliches Fruchtfleisch und eine zhe
Epidermis, sie schmeckten slich und nach bitteren Mandeln. Nachdem
sich der Mann mehrmals erbrochen, fhlte er sich bedeutend besser und am
nchsten Tage wieder ganz wohl.

Da das Fieber etwas nachgelassen, bentzte ich die freien Augenblicke,
um den von Sioma herabgekommenen Mabunda-Huptling und meine Bootsleute
sowie die beiden Fhrer ber Land und Leute im Marutse-Reiche zu
befragen. Den Hauptgegenstand unseres Gesprches bildeten die zwischen
dem Zambesi und Tschobe wohnenden Stmme Livaga, Libele und Lujana,
sowie die am zentralen Tschobe, welcher den Namen Lujana fhrt,
wohnenden unabhngigen Bamaschi unter den drei Frsten Kukonganena,
Kukalelwa und Molombe.

In der folgenden Nacht wurden wir von der Wahrheit der Mittheilung der
Mabunda's berzeugt. Schon nach Sonnenuntergang fingen etwa 150 Schritte
vor uns Lwen ein mehrstimmiges Concert an und lieen nicht ab, als bis
der Tag zu grauen begann; oben im Dorfe aber schrieen die Leute die
ganze Nacht hindurch und schlugen auch eine Trommel dazu, sie hatten
mehrere Feuer innerhalb der ihr kleines Drfchen umschlieenden
Umzunung angezndet und trachteten auf alle mgliche Weise die
Raubthiere abzuhalten. Meine Bootsleute saen aber die ganze Nacht mit
ihren langen Speeren vor ihren Htten, auf deren Wnde sich ihre
Schatten abzeichneten. Glcklicherweise verging die Nacht, ohne da es
die Lwen gewagt htten, uns einen Besuch abzustatten.

Am 6. fhlte ich mich wieder schlechter, so da ich den ganzen Tag ber
liegen bleiben mute und mich nur meinem Tage- und meinem Skizzenbuche
widmen konnte. Die regnerische und kalte Witterung der nchsten Tage
verschlechterte meinen Zustand immer mehr; obwohl glhend vor
Fieberhitze, frstelte ich unter dem Hauche des kalten Nordostwindes.
Mit genauer Noth konnte ich schreiben. Ich suchte mir Muth einzuflen,
allein es scheiterte an der nackten Wirklichkeit. Der Kopf brannte wie
Feuer, die Zeilen flimmerten mir vor den Augen und doch war das meine
einzige Zuflucht.

Am 8. fuhren wir weiter, ich weigerte mich, die Rckfahrt nach
Schescheke anzutreten, whrend der Fahrt jedoch verschlimmerte sich mein
Zustand so sehr, da ich Abends aus dem Boote an's Land getragen werden
mute. Kaum in einer der von vorberfahrenden Schiffern errichteten
Grashtten untergebracht, stellte sich heftiges Erbrechen und ein
ruhrartiger Anfall ein, welche mich so schwchten, da ich den Morgen
nicht mehr zu erleben frchten mute. Und doch hatten wir an diesem Tage
die interessanteste Partie des Zambesi, die ich mit Ausnahme der
Victoriaflle kennen gelernt habe, durchreist. Wir hatten nicht weniger
als zweiundvierzig Stromschnellen zu passiren und waren bis zum
sdlichsten der Barotse-Katarakte gelangt.

Am 9. schleppten mich meine Diener zu einigen gerumigen Htten ber dem
Katarakte (etwa 1000 Schritte weit) die fr die Knigin Moquai errichtet
waren. Von den Stromschnellen waren die, von den Marutse Manekango,
sowie die, Muniruola genannten, die gefhrlichsten zu passiren. Die
letzteren waren von einer frmlichen Felsenmauer gebildet, die
achtundzwanzig Zoll ber dem Wasser quer ber den Flu hinzog und durch
welche sich das Wasser durch kleinere und grere Oeffnungen Bahn brach.
Bei der heftigen Strmung muten die Bootsleute die Khne emporheben und
an den engen Durchbruchsstellen durchzuziehen trachten, unterdessen
legten mich die Bootsleute aus dem Kahne auf das Felsenriff. In den
erwhnten Htten hatte die Knigin drei Tage lang auf mich gewartet, sie
dachte, da ich umgekehrt wre und setzte die Heimreise fort, sandte
aber am 9. von ihrer entfernten Landungsstelle ihren Gemahl Manengo zu
mir. Nachmittags stellte sich heftiges Erbrechen und Athembeschwerden
ein, lieen aber glcklicher Weise am nchsten Tage wieder nach und ich
konnte einige Lffel Maizena zu mir nehmen.

An diesem Tage fuhr Inkambella, der Gouverneur der Barotse, nach Sepopo
der bedeutendste Mann im Lande, stromabwrts vorbei. Abends trat
abermals eine Verschlimmerung meines Zustandes ein und ich lie die
Bootsleute rufen, um mich mit ihnen ber die Rckkehr nach Schescheke
verstndigen zu knnen; von meinen Dienern hrte ich inde, da diese
bereits zwei Khne unterhalb der Flle in Bereitschaft hielten, meiner
Weisung also schon zuvorgekommen waren. Als ich sie deshalb zur Rede
stellte, erfuhr ich, da ihnen Knig Sepopo einen geheimen Befehl
ertheilt hatte, auf mich wohl Acht zu geben und mich wo mglich in
seinem Reiche am Leben zu erhalten. Als Arzt hatte ich mir Achtung
verschafft und der Knig, der mich deshalb als groen Zauberer ansah,
wollte es verhten, da durch meinen Tod ein groes Unglck ber das
Land hereinbreche.

Am 11. luden mich die Bootsleute in einen der Khne, meinen Diener Narri
in den zweiten und steuerten bald darauf mit mir gegen Schescheke zu --
nicht ohne vorher von mir Geschenke erpret zu haben. Zu gleicher Zeit
stritten sie sich mit meinen Dienern, weil diese sie beim Diebstahle
einiger meiner Gegenstnde ertappt hatten.

Auf der Rckfahrt am 11. brannte die Sonne so hei und der Durst qulte
mich so sehr, da ich, um nur etwas Khlung zu finden, meine Hnde aus
dem Boote in's Wasser herabhngen lie. Die Bootsleute beeilten sich
jedoch, mir sie wieder in den Scho zu legen und warnten mich vor den
zahlreichen Krokodilen. Abends bernachteten wir einige Meilen stlich
von Katonga und langten am folgenden Tage in Schescheke an. Als ich von
den Bootsleuten zu Westbeech gebracht wurde und mich in der Thre
aufstellte, erkannte mich dieser nicht wieder.




                                 XI.
                   Dritter Aufenthalt in Schescheke


Condolenzbesuche des Knigs und der Huptlinge -- Eine neue Unthat
Sepopo's. -- Masarwa's in Schescheke. -- Ceremoniell bei den Mahlzeiten
an Sepopo's Hof. -- Mein erster Ausflug. -- Der Fischfang im
Marutse-Reiche. -- Sepopo erkrankt. -- Wanderungen eines Arabers durch
Sd-Afrika. -- Unterthanen-Verhltni im Marutse-Reiche. --
Characterzge einzelner Stmme des Reiches. -- Die Zukunft des Landes.

[Illustration: Fischotterjagd am Tschobeflusse.]

Nach Schescheke zurckgekehrt, war es meine Absicht, hier meine Genesung
abzuwarten und die Reise dann fortzusetzen. Mein Zustand verschlechterte
sich inde wieder, und da eben die ungesunde Zeit eingetreten war, rieth
mir Sepopo sowohl als Westbeech, die Stadt und das Marutse-Reich zu
verlassen, nach dem Sden zurckzukehren und meine Reise erst nach
meiner vollstndigen Genesung wieder aufzunehmen. Meine bisherigen
Erfahrungen sagten mir aber, da die Befolgung dieses Rathes einem
Entsagen aller und jeder Hoffnung, in nchster Zeit das Ziel zu
erreichen, gleichkam.

Der Knig, sowie mehrere mir befreundete Huptlinge kamen um mich zu
sehen und drckten ihr Bedauern aus, obgleich mich die meisten
versicherten, da sie meine Erkrankung vorhergesehen; jeder sprach die
Ansicht aus, da ich zu spt Schescheke verlassen hatte, der Knig
beschuldigte mich, da ich mit meinem Besuche der Victoriaflle des
Zambesi die erste gnstige Gelegenheit, Schescheke verlassen zu knnen,
versumt habe, seine Unterthanen jedoch gaben ihm die Schuld, indem er
mich von October bis December zurckgehalten habe, und mir vielleicht
selbst damals die Khne nicht zur Verfgung gestellt htte, wenn er
nicht wiederholt von Moquai deshalb bestrmt worden wre.

Da die von mir bewohnte und von Blockley in Westbeech's Gehfte erbaute
Htte nach meiner Abreise eine andere Bestimmung erhalten hatte, nahm
mich Westbeech in seinem Waarenhause freundlichst auf. Mit dem Knige
selbst ging es stark herab; ich erwhnte, da whrend meines
Aufenthaltes am Njambwe-Katarakt der geachtetste Mann im ganzen Reich an
mir vorber nach Schescheke fuhr, um den Knig zu begren. Es war mir
auch bekannt, da ihn Sepopo wegen seines Ansehens und seiner
Beliebtheit bei dem Volke tief hate. Da sich kein Unterthan seines
Reiches zu einem Meuchelmord am Barotse-Gouverneur hergegeben htte,
klagte er ihn und die mit ihm von der Barotse zugleich herabgekommenen
Huptlinge des Hochverrates an, doch ohne Erfolg, denn dieselben wurden
sofort freigesprochen. Bei dieser Gelegenheit war Westbeech und John
Mahura gegenwrtig; wie tief Sepopo in Macht und Ansehen gesunken war,
mag daraus hervorgehen, da er sich whrend der Verhandlung von Mahura
einen Narren und den grten Verrther an seinem Lande nennen lie.

Am 13. kam der Knig wieder zu Besuche, indem er mit seinem Hofstaate,
sich an dem Mokoro-Tanze belustigend, in das Hfchen hineingelangt war.
Er nannte mich seinen Mulekau, und whrend sich Inkambella und seine
Freunde zu mir setzten, trat der Knig zu Westbeech; die Gesellschaft
Inkambella's war ihm unertrglich geworden.

Am 14. gegen Abend stellten sich bei mir solche Brustschmerzen und
Beklemmungen ein, da ich mich auf der Erde wand und mich meine vier
Diener kaum zu halten im Stande waren. Erst nachdem mir Westbeech etwas
Ipecacuanha gereicht hatte, und ich mich darauf zweimal erbrochen hatte,
wurde das Athmen etwas freier. Spter whrend meiner sechzehnmonatlichen
Krankheit wiederholten sich diese Anflle noch mehrmals, bei deren
Bekmpfung mir das oben erwhnte Mittel stets gute Dienste leistete.

[Illustration: Masupia. Panda.]

Am 17. berichtete man mir, da mein zuerst engagirter, portugiesischer
Fhrer Sykendu zu gleicher Zeit mit mir Schescheke verlassen und sich
das Zambesi-Thal entlang nach der Barotse gewendet hatte. Unter den
Schwarzen, die er mit nach dem Westen nahm, und die er bei den zwischen
der Kste und dem Innern Central-Afrikas wohnenden Stmmen gegen Gummi
und Elfenbein auszutauschen pflegte, befanden sich auch zwei Mdchen,
die er unmittelbar vor seiner Reise gekauft hatte. Eines der Mdchen
entzog sich der nach der Westkste ziehenden Sklaven-Carawane heimlich
durch die Flucht, sie wurde jedoch wieder eingefangen, mit ihrer
Genossin in Ketten gelegt und weiterbefrdert.

In den letzten Wochen waren die zahlreichen Vlker Sepopo's durch
Vertreter eines neuen Stammes vermehrt worden. Es waren Masarwa's,
welche aus dem stlichen und weltlichen Bamangwato-Lande entflohen,
Schutz bei Sepopo suchten und hier als uerst geschickte
Elephantenjger mit offenen Armen empfangen wurden und ein bedeutend
besseres Los als bei ihren frheren Herren zu erwarten hatten. Bei
meinem spteren Besuche in dem kniglichen Gehfte machte mich oft der
Knig auf diese Flchtlinge aufmerksam. Sieh, Njaka, sieh da die
Masarwa's; ein andermal. Hier sitzen Khama's Unterthanen u. s. w. Am
selben Tage ging es Abends whrend des Impotegelages in dem kniglichen
Hfchen recht lebendig zu. Ein Mambari, der von Sekeletu, dem letzten
Makololoherrscher zum Sklaven gemacht worden war, beklagte sich darber,
da er nicht, gleich den anderen, frei gegeben wurde und begann einen
Streit mit den Marutse, der in Ttlichkeiten auszuarten drohte.

Ich konnte mich noch immer nicht vom Lager erheben, den ganzen Tag mir
allein berlassen, hatte ich Mue genug, ber meinen Zustand
nachzudenken und ber das harte Walten des Geschickes zu klagen. Durch
Boten, die von dem Panda ma Tenka-Flchen zum Tschobe gesendet wurden,
sowie durch Masupia's vom genannten Flusse erfuhren wir, da meine
englischen Freunde McLaud, Fairly, Cowley, Dorehill, ihre smmtlichen
Diener, sowie mein Diener Pit in Panda ma Tenka am Fieber schwer
erkrankt waren.

Erst am 19. hatte sich mein Zustand so weit gebessert, da ich mit Hilfe
meiner Diener einen Gang durch das Gras um unser Gehfte machen konnte.
Um uns unseren Aufenthalt in Schescheke recht zu verleiden, gesellten
sich zu den schon bestehenden Unannehmlichkeiten noch die Mosquitos,
welche am Zambesi und am Zugariver eine wahre Landplage sind. Der Abend
und die Nacht sind die Zeiten, zu denen diese kleinen blutdrstigen
Insecten ihre wthenden Angriffe auf Mensch und Thier unternehmen,
selbst Wolldecken schtzen vor den langen spitzen Saugrsseln der
Schnacken nicht. Das einzige Mittel, das uns einigermaen gegen ihre
Angriffe Schutz gewhrte, bestand darin, da wir von den Dienern drei
bis vier Kuhdngerhaufen in unserer Htte anznden lieen.

Den folgenden Tag begaben sich Walsh und Westbeech auf die Sporngansjagd
und versahen unsere Kche mit frischem Fleischvorrath. Leider erlaubte
es mein Zustand nicht, mich selbst an einer solchen Jagd zu betheiligen.
Die Sporngnse wie die meisten Entenarten halten sich um diese Zeit des
Jahres auf den freien Stellen in den Smpfen auf, und man nhert sich
ihnen mit Khnen, indem man ihrem Gekaker folgend, durch das hohe
Schilfrohr streichen mu. Am erfolgreichsten ist die Jagd bei migem
Winde, wobei das Sausen des Schilfes das durch das Boot verursachte
Gerusch deckt. Als der Knig von den Jagderfolgen meines Freundes
gehrt hatte, kaufte er ihm eine grere Menge Schrot ab und sandte
einige seiner Gnstlinge auf die Jagd aus, und als ich einige Tage
spter beim Knige zu Besuche war, wurden einige der erbeuteten Gnse
zum Frhstck servirt; aus der Zubereitung derselben konnte ich
entnehmen, da die Marutse gewohnt sind, hnliches Wild zu erbeuten und
zuzubereiten. Speisen in fester Form werden mit den Fingern,
halbflssige mit Holzlffeln zum Munde gefhrt und die Mahlzeiten
gewhnlich in sitzender Stellung auf Stroh und Binsenmatten, sei es im
Wohnhause oder vor dem Eingange desselben, eingenommen.

Zum kniglichen Frhmahle werden stets einige seiner Frauen (Kniginnen)
und Kinder geladen, die sich gegen Sonnenaufgang (Osten) niederlassen,
Fremde (Weie) erhalten dieselbe Richtung angewiesen, whrend sie Abends
zur Linken des Herrschers zu sitzen kommen. Die eingeladenen
Wrdentrger, wenn sie zufllig hinzukommen, lassen sich bei den im
Hause eingenommenen Mahlzeiten zur Rechten vom Eingange und vom Knig,
bei den im Freien eingenommenen zu seiner Linken und auf bloer Erde
nieder. Bei den Frh-Mahlzeiten im Hause gruppirte sich das stets
zahlreich vertretene Volk um den Eingang des Hauses, bei den letzteren
um den Knig, seine Gste und die Gouverneure in einem Halbzirkel gegen
den Hofeingang, so zwar, da zwischen dem Knige und dem
halbkreisfrmigen Knuel eine Stelle offen blieb, die von den das Mahl
auftischenden Dienern, beim Mahlschlu von dem kniglichen Mundschenk
eingenommen wurde. Der Knig und der Hausherr berhaupt, wenn es ein
hherer Wrdentrger ist, sucht sich das beste Stck aus, er reicht
sodann das Gericht der Lieblingsfrau und den anderen Kniginnen, hierauf
erst dem weien Gaste (sind zwei anwesend, so mssen sie sich mit einem
Gefe behelfen) und zuletzt einem oder zweien der Wrdentrger. Sind
jedoch die Frauen nicht gegenwrtig, so erhalten die Wrdentrger oder
der Mundschenk die ersten Bissen.

Nach dem Frhstck wird Kafirkornbier genossen, gewhnlich ein, beim
Knige zwei bis drei riesige Tpfe voll. Das Bier wird aus
langgestielten Krbilffeln getrunken. Beim Knige wird auerdem noch
Honigbier nach dem Frhstck, beim Nachtmahle ein bis drei wohlgefllte
Kalebassen desselben aufgetragen. Fr das kredenzen derselben ist stets
ein Mundschenk bestimmt, der zuerst das Getrnk verkosten mu, bevor er
es dem Knig reicht. Der Knig leert das erste Gef, nippt vom zweiten,
um es einer der Frauen oder einem seiner kleinen Kinder zu reichen; dann
thut er ein Gleiches dem weien Besucher gegenber. Vom Honigbier
bekamen nur seine besonderen Gnstlinge zu verkosten, meist Menschen,
deren Dienst er den Tag ber in Anspruch nahm oder es fr den nchsten
Tag beabsichtigt.

Da der Honig Krongut ist, wird das Honigbier nur in der kniglichen
Familie ffentlich, sonst nur im Geheimen getrunken, es wird, wie ich
schon erwhnte, nicht aus reinem Honig, sondern aus den mit Wasser
bergossenen und an einer der Sonne ausgesetzten Stelle acht bis zwlf
Stunden in einer Kalebasse belassenen Honigwaben und dem unreinen Honig
bereitet.

Am 24. wagte ich einen lngeren Ausgang durch die Stadt, ich ging, wie
ich es spter zu meiner Hauptbeschftigung in Schescheke machte, um
gegen die nun leider nicht mehr benthigten Ausrstungs-Utensilien von
den verschiedenen Schescheke bewohnenden Stmmen ethnographische Objekte
einzutauschen. Unter den gesammelten Pflanzen fand ich ein Drittel mir
schon bekannter Arten vor, zwei Dritttheile waren mir neu, von welchen
wieder ein groer Theil vom unmittelbaren Ufer des Zambesi aus dem
Zambesi-Hochlande herrhrte.[14]

[Funote 14: Siehe Anhang 3.]

Die uns durch die Mosquitos bereiteten schlaflosen Abende bentzte ich,
um von Westbeech Nheres ber die als Unterthanen der Matabele am
Majtengwe wohnenden westlichen Sdzambesi-Makalakas zu erfahren, die ich
persnlich whrend meiner verschiedenen Besuche in Schoschong sowie
durch die Berichte meines Freundes Mackenzie kennen gelernt hatte.

Am 25. fhlte sich der Knig derart unwohl, da er den Weien den
Eintritt in sein Gehft bis auf Weiteres verbot; es war das unstreitig
das Werk Sykendu's, dem es darum zu thun war, dem gesunkenen Handel
seiner Partei wieder aufzuhelfen und die weien Mnner aus dem Sden
mglichst zu verschwrzen und ihnen die Gunst Sepopo's zu entziehen.

Tglich brachten uns die Fischer Sepopo's Fische zum Kaufe. Die im
Marutse-Reiche bliche Fischerei theile ich in Fisch- und
Wasserreptilien-Fang ein. Im Fange gewisser Wasserreptilien haben
einige, im Fischfange die smmtlichen am Zambesi vom Kabompo bis weit
ber die Victoria-Katarakte stlich wohnenden Stmme eine ungewhnliche
Fertigkeit, sie bertreffen in dieser Hinsicht manche der Kstenbewohner
(Eingeborne) und jene am N'gami-See, welche keine schlechten Fischer zu
nennen sind. Nicht minder meisterhaft betreiben gewisse Stmme im
Reiche, wie die Marutse und Mambo's den Fang der beiden groen
Wasserreptilien, des Wasserleguans und des Krokodils. Die Fischerei
verschafft den Bewohnern des Reiches einen nicht unbedeutenden Theil der
Lebensbedrfnisse; die Fische, welche regelmige Steuer- und
Tributabgaben bilden, sind auch Handelsartikel. Der Fischfang wird auf
fnffache Art betrieben: 1. in Netzen, 2. in Reusen, 3. in niedrigen
kleinen Dmmen, 4. durch Absperren kleinerer Lagunen mit weitmaschigen
Rohrmatten und 5. mit Speeren. Von den fnf verschiedenen Fangweisen der
Fische im Marutse-Reiche ist der Fang mit Netzen am groartigsten und
reichlichst lohnend. Die Marutse arbeiten sehr gute, weite und
engmaschige, mit Schwimmpflckchen und Beschwermitteln versehene,
fnfzehn bis fnfundzwanzig Meter breite Netze aus Bastfden, die zu
Federspul- und kleinfingerdicken Schnren gedreht sind. Die Netze
entsprechen ihrem Zwecke vollkommen, halten sich auch lnger als man
denken wrde. Nach beendeten Fischzgen werden sie sorgsam gereinigt und
getrocknet. Die Netze werden meist zum Fischen in den breiten und
lngeren Lagunen bentzt, namentlich in solchen, die kein
morastig-schilfiges Ufer haben. Die Mambo, Marutse und Masupia sind als
die besten Fischer im Reiche bekannt. Dieselben sind in Colonien lngs
dem Flusse angesiedelt, und bewohnen hier theils stabile, theils
periodische Niederlassungen.

Die zweite Fangweise ist die in Reusen; diese wird zur Zeit des
niedrigsten und des hchsten Wasserstandes, im letzteren Falle oft
combinirt mit der dritten Fangweise, versucht. Im ersteren Falle stets
an den Stromschnellen, wo die Wassermenge des Flusses durch zahlreiche
Inseln getheilt, kleine, zwischen zwei Felsenblcke eingeengte Strmchen
bildet. Die Reusen sind auffallend schmal, etwa 1 Meter lang, mit
dreiig bis vierzig Zentimeter Querdurchmesser und in der Form unseren
Reusen hnlich. Sie sind aus starkem Rohr gearbeitet und werden dem
Strome mit ihren Mndungen entgegengehalten.

Die dritte Fangart besteht in der Errichtung niedriger, aus dem
durchweichten Boden der berschwemmten ebenen Partien der Thler
aufgefhrter Ringdmme. Diese werden mit dem ersten Sinken des Flusses
errichtet, welches so rasch erfolgt, da man mit Leichtigkeit sich der
Fische innerhalb der Dmme bemchtigen kann. Ich fand hnliche
Dammberreste an ebenen Stellen in der Nachbarschaft der Drfer und
Stdte. Der Inquisi wird in dieser Weise hufig erbeutet. Das trbe
Wasser erleichtert das Gelingen des Fanges.

Die vierte Fangweise besteht im Absperren der Mndungen kleiner drei bis
zehn Meter breiter, minder dicht oder gar nicht beschilfter Lagunen mit
weitmaschigen, aus starkem Rohr gearbeiteten Matten. Diese Fangweise
wird in den Monaten Mai, Juni, Juli und August zur Zeit des Sinkens des
Wassers in der Regel mit gutem Erfolge angewendet. In hnlicher Weise
werden in den Flu einmndende Regenmulden abgesperrt. Die fnfte
Fangweise ist nchst dem Netzfang die anziehendste und beweist die groe
Geschicklichkeit, mit welcher die Zambesi-Bewohner die leichteren Wurf-
und Stospeere zu handhaben wissen. Nebst den Fischen werden auch
Leguane gespeert, als Speere bedient man sich einer Waffe, die zwischen
einem Fischotter- und einem Fischassagai die Mitte hlt. Die Scheide ist
nur acht bis zehn Zentimeter lang, zierlich gearbeitet und vertritt die
nagelfrmige runde Spitze der letztgenannten Waffe, so, da der brige
Theil vierkantig und fingerdick ist. Die vier Kanten sind von vier
Reihen gekrmmter Widerhaken gebildet.

Der Unmuth Sepopo's ber seine Krankheit mehrte sich von Tag zu Tag, er
wurde mitrauisch, denn auch diesmal erblickte er in seiner Krankheit
den Einflu eines bsen Zaubers eines seiner Unterthanen und suchte
durch eine Reihe von Hinrichtungen diesen Bann zu brechen. Die Stimmung
Sepopo's kam Vielen sehr gelegen, sie konnten sich nun auf die
leichteste Weise ihrer Gegner oder Nebenbuhler entledigen, indem sie
dieselben einfach des Hochverrates anklagten.

Da sich der Zustand Sepopo's nicht besserte, lie er am 27. Sykendu
rufen und drohte, ihn hinrichten zu lassen, wenn nicht rasch eine
gnstige Aenderung eintreten wrde. Sykendu versprach ihm rasche Hilfe,
jedoch nur unter der Bedingung, da Sepopo ihm ein schnes Makololo-
oder Masupia-Weib bergebe. Der Knig, welcher bisher das wiederholt
ausgesprochene Verlangen des Mambari unbercksichtigt lie, erfllte es
nunmehr.

Am 30. besuchte mich der Huptling Rattau; ich lenkte das Gesprch auf
meine zuknftige Reise und er erzhlte mir von einem Araber, welcher
diese Reise einst unternommen hatte. Als ich nun Westbeech darber
befragte, berichtete mir dieser eine Episode, die ebenso abenteuerlich
wie interessant genannt werden mu und die Zhigkeit des Arabers
erkennen lt. Ein Araber, der im Dienste des Sultans von Zanzibar
stand, schiffte sich mit einem der englischen Dampfschiffe nach Capstadt
ein. Hier lebte er eine Zeit lang unter den Malayen und als er von einem
Weien, den er darum befragt hatte, ber die Richtung belehrt wurde, in
der seine Heimat lag, nahm er sich vor, dahin zu wandern. Man bewilligte
ihm die Ueberfahrt nach Port Elizabeth, von wo er sich nach den
Diamantenfeldern wandte. Von hier wieder die Richtung nach Norden
einschlagend, gelangte er mit dem Wagen eines Hndlers bis Kuruman, und
bei der ersten Gelegenheit, die sich ihm darbot, nach dem
Marico-District, von da kam er irriger Weise wieder nach Kuruman zurck,
um schon in kurzer Zeit darauf nach dem Marico-District zurckzukehren.
Von Zeerust reiste er auf einem zufllig mit Lebensmitteln nach
Schoschong fahrenden Wagen nach dem Lande der stlichen Bamangwato,
woselbst er sich eine Zeit lang aufhielt, ohne jedoch das Anerbieten der
Schoschonger Kaufleute, sich bei ihnen zu verdingen, anzunehmen.

[Illustration: Das Speeren der Fische.]

In ein drftiges Gewand gehllt, mit getrocknetem Fleisch und einem Kiri
versehen, trat er, nachdem er sich den Weg nach Norden hatte beschreiben
lassen, seine Weiterreise an. So kam er bis zum Nataflusse, hier fanden
ihn Seschele's Leute (welche von einem Jagdzuge zurckkehrten) in
halbverhungertem Zustande, trugen ihm ihre Hilfe an und forderten ihn
auf, mit ihnen nach dem Sden zurckzukehren. Er schlug jedoch ihr
Anerbieten aus und zog weiter. In Folge Wassermangels wich er jedoch vom
Wege ab, schlug eine stliche Richtung ein und irrte drei Tage lang
umher, schlief in der Nacht auf Bumen, bis er zuletzt unter einem
derselben in bewutlosem Zustande liegen blieb. Hier fanden ihn
Matabele, nhrten ihn bis er wieder zu Krften kam und brachten ihn
hierauf zu ihrem Knige La Bengula nach Gubuluwajo, woselbst er einige
Zeit verweilte. Als er von Westbeech's erstem Zuge zu Sepopo hrte,
folgte er diesem, nachdem ihm der Matabele-Knig eine Strecke weit
Fhrer mitgegeben. So kam er abermals zum Nataflusse, an dem er den
Wagen des hollndischen Jgers van Groonen antraf, jedoch ohne
Aufenthalt weiter nach dem Zambesi zog. Jenseits des Saddler'schen
Tmpels begegneten und berichteten ihm Westbeech's Diener, da der
letztere am Tschobe weile. In Folge Wassermangels verlie er neuerdings
seinen Pfad und traf einen Haufen Masarwa's, die einen Kudu und ein
Zebra erlegt hatten; von ihnen erhielt er Antilopenfleisch und lie sich
zu Westbeech fhren. Dieser war nicht wenig erstaunt, diesen kaum
bekleideten, und ber und ber von dem dornenvollen Wege mit Wunden
bedeckten Menschen vor sich zu sehen. Am 9. September 1871 verlie der
Araber Impalera, um sich mit Sepopo's Leuten nach der Barotse, wo der
Knig damals wohnte, einzuschiffen. Fnf Monate lang blieb er bei
Sepopo, bis er sich erholt hatte; als er sich auf die Weiterreise begab,
wurde er von einem Stamme, der weiter ab wohnte, wieder zu Sepopo
zurckgebracht, verblieb hier einige Zeit und trat neuerdings seine
Reise weiter nach Norden an. Man erfuhr nur noch, da er nach einer der
nrdlichen Provinzen des Landes, nach dem Manko-Lande gelangt war und
dann verschollen blieb.

[Illustration: Gang durch Schescheke.]

Am letzten Tage des Jahres 1875 brachten uns Masupia's von Panda ma
Tenka die traurige Nachricht, da Cowley, der Begleiter der beiden
englischen Officiere, welche zu Sepopo der Elephantenjagd halber
gekommen waren, dem Fieber erleben sei, ferner da die beiden Officiere
in einem trostlosen Zustande von den Victoriafllen von ihren Dienern
zurckgetragen wurden.

Am 2. Jnner 1876 erkrankte Westbeech an einer Entzndung der Kniehhle,
nachdem ihm seine Mittel nicht die gewnschte Linderung brachten,
untersuchte ich die erkrankten Stellen und fand, da beiderseits die
Kniehhle von zahllosen weien Blasen bedeckt sei. Ich ffnete einige
derselben und fand zu meinem Erstaunen, da sie mit feinen uerst
scharf bewollten Pflanzenhrchen eines binsenartigen Grases gefllt
waren. Zu dem Knige, den ich seit meiner Rckkehr noch nicht besucht
hatte, war in der letzten Zeit auer Sykendu, drei seiner Frauen und
seinen Gnstlingen Niemand zugelassen worden.[15]

Westbeech und auch die mich besuchenden Huptlinge riethen mir meiner
Gesundheit halber so bald als mglich Schescheke zu verlassen. So
entschlo ich mich zur Rckkehr nach Panda ma Tenka. Jene Tage, an
welchen mich mein Zustand ans Lager oder in der Htte fesselten,
bentzte ich, um von den mich besuchenden Huptlingen Erkundigungen ber
das sociale Leben im Marutse-Reiche einzuziehen. Ich gebe in Folgendem
die Berichte derselben in der Hauptsache wieder.

[Funote 15: Siehe Anhang 4.]

Die wirklichen Unterthanen werden als Sklaven angesehen, wenn sie einem
anderen Stamme als den der Marutse und Mabunda angehren und nicht vom
Herrscher frei erklrt wurden. Die Marutse sind allgemein frei von
Sklavendiensten, allein sie knnen nach begangenen Missethaten oder wenn
sie des Knigs Ungunst erregen und deshalb angeklagt und verurtheilt
wurden, zu Sklavendiensten verhalten werden. Erhielt oder nahm ein
Sklave eines anderen Stammes eine Marutse-Frau zur Gemahlin, so werden
die Kinder, wenn der Vater nicht spter frei erklrt wurde, als Sklaven
angesehen und gehren demjenigen an, in dessen Leibeigenschaft der Vater
stand. Der Preis fr einen ausgewachsenen Sclaven belief sich in
Schescheke auf ein Boot, eine Kuh oder zwei Baumwolldecken; im
westlichen Theile des Reiches ist der Preis noch niedriger, in den
nrdlichen Partien wie am oberen Kaschteja-Flusse sind sie sogar fr
einige Glasperlenschnre feil. Im Marutse-Reiche finden keine
ffentlichen Sklavenmrkte statt, trotzdem knnen aber viele Sklaven in
einem einzigen Dorfe erstanden werden. Leider sind es meist die Mambari,
die so manchen Sklaven kaufen und verkaufen und damit gewi den
unwissenden Schwarzen kein gutes Beispiel geben. Diese Hndler, die
gleich mit ihren Gebetbchern zur Hand sind, um sich vor Jeden, den sie
als schreib- und lesekundig whnen, als Christen zu bekennen, haben in
Wirklichkeit nichts von christlicher Liebe und tragen nur Verwirrung
statt Belehrung und Civilisation in die vom Aberglauben befangenen
Gemther der Vlker am oberen und centralen Zambesi.

Ist ein Mann nicht gerade Leibsklave, so kann er, mit Erlaubni seines
Herrn, mehrere Frauen nehmen. Freie Frauen, die nicht wie Sklavinnen
einfach als Geschenk gegeben oder verkauft werden, sind in ihrer Wahl
frei. Schon die Vorliebe fr weibliche Herrscher setzt eine grere
Achtung fr das weibliche Geschlecht voraus, grer, als wir sie bei den
Betschuana's finden, bei welchen sie Dienerinnen und Arbeiter, bei den
Masarwa's, bei denen sie Lastthiere sind und bei der Zulu-Race, bei
welchen sie als Sklaven betrachtet und behandelt werden. Verschenkt der
Regent oder ein Angesehener eine Frau, so geschieht dies meist als
Gegengeschenk oder als Gunstbezeugung. Am 10. kam von Panda ma Tenka die
hchst betrbende Nachricht, da Westbeech's Gehilfe Bauren dem Fieber
erlegen sei. Am 11. erschien der Kommandant Capella in unserem Hfchen
und brachte die Nachricht, da der Knig sechs Khne dem
Elfenbeinhndler zur Verfgung gestellt habe, um sein Elfenbein nach
Impalera zu schaffen. Der Letztere erklrte jedoch, er brauche zweimal
so viel und knne jetzt noch nicht abgehen. Ich jedoch bentzte diese
Gelegenheit, um meine Sachen zu packen und die Rckreise anzutreten.
Westbeech versprach, sich noch am selben Tage von Sepopo mehrere Khne
zu erbitten und mich drei Tage spter einzuholen. Ich verlie mich
darauf, traf keine Vorsorge, mir Nahrungsmittel zu verschaffen -- nicht
ahnend, da durch Sepopo's Hinterlist aus den drei Tagen fnf Wochen
wurden, und ich noch die traurigste Zeit auf dieser dritten Reise
erleben sollte. Im folgenden Capitel will ich Handel und Wandel, Sitten
und Gebruche der Stmme des weitlufigen Reiches schildern, hier sei es
mir erlaubt, vor dem Scheiden von Schescheke noch einiger Charakterzge
der bedeutendsten das Marutse-Reich bewohnenden Stmme zu gedenken.

Kein Stamm des Marutse-Mabunda-Reiches ist so tapfer und muthig wie die
sdlich vom Zambesi wohnenden Zulu's und Amaswazie's. Von den Matabele
findet sich eine Kolonie in der Barotse, whrend unter den brigen
zahlreichen Stmmen die Mambo und Masupia zu den muthigsten zu rechnen
sind. Mit Rcksicht auf Muth den wilden Thieren gegenber sind die
Masupia-Elephantenjger unerschrocken, doch keiner der Stmme besitzt so
tchtige Lwenjger wie es die Matabele sind. Nur in der Jagd des
Nilpferdes und des Krokodils werden diese von einem der Zambesi-Stmme,
den Mambo's bertroffen. Zu Trgern und schweren Arbeiten eignen sich
die Mabunda und Manko. Die letzteren sind unstreitig der schnste und
krftigste Menschenschlag im vereinigten Knigreiche. Als die feigsten
werden die Manansa angesehen, ich selbst lernte sie nur als bewhrte,
keineswegs feige Diener kennen. Stolz ist unter den Eingebornen meist
mit Muth gepaart, deshalb erreicht er bei den Matabele einen hohen Grad,
whrend die Stmme des Marutse-Mambunda-Reiches ihn kaum kennen. Zwar
lassen die Marutse es den brigen Vlkern deutlich und fter fhlen, da
sie der herrschende Stamm seien, allein von eigentlichem Stolz und einem
auf selbstbewuter Kraft und Machtstellung beruhenden Dnkel, wie ihn
die Matabele und Zulu's zur Schau tragen, bemerkt man hier zu Lande
nichts, selbst die in der Barotse angesiedelten Matabele sind durch ihre
friedliche Umgebung nach und nach zahme Lwen geworden. Deshalb ist auch
das Verhltni zwischen Herr und Sclave ein ziemlich befreundetes, ein
viel freundlicheres, als bei allen sdlich vom Zambesi wohnenden,
Vasallen und Sklaven haltenden Stmmen. Bescheiden erscheinen namentlich
die Mambo und alle nrdlich des Zambesi wohnenden Stmme, welche selten
den Marutse-Hof besuchen. Im Allgemeinen ist die Bescheidenheit von
Seite der Unterthanen den Kosana's und Koschi's und dem kniglichen Hofe
gegenber eine an tiefste Unterwrfigkeit grenzende; wenn sich die
Bewohner des Tschobe-Striches, ferner die Batoka, Matonga am Zambesi und
die in und um Schescheke lebenden Marutse und Mabunda den Weien
gegenber oft sehr arrogant betragen, so trgt wohl meist das Benehmen
der Weien selbst die Schuld daran. Diese Arroganz kann jedoch nicht als
Stolz bezeichnet werden; denn ich beobachtete nur zu oft, da ein dem
anmaenden Dnkel und der Frechheit entsprechendes scharfes, strenges
Auftreten die Eingebornen einschchterte.

Wie blind und treu die Untertanen gehorchen, zeigt das Verhltni zu
Sepopo. Was die Treue der Sklaven zu ihrem Gebieter betrifft, ist diese
meist eine lobenswerthe, dafr kann man weniger von ehelicher Treue und
Liebe sprechen. Ich bemerkte wohl, da oft Zuneigung zur Ehe fhrte,
diese aber in seltenen Fllen als bindend betrachtet wird, wofr schon
das Mulekau-Unwesen spricht. Dasselbe ist ein Krebsschaden des ganzen
Volkes, es zerstrt jedes Eheglck und wirkt schon auf die
heranwachsende Jugend so verderblich, da diese sehr wenig von
wirklicher Zuneigung in's eheliche Leben hinberbringt. Das Mulekauthum
scheint namentlich den sdwestlichen und westlichen Stmmen eigen
gewesen zu sein, sich aber nach und nach ber das ganze Reich
ausgebreitet zu haben.

Was die elterliche und kindliche Zuneigung anbelangt, so beobachtete ich
in der Regel blos die erstere, ja ich fand die Eltern oft sehr liebevoll
und zrtlich schon herangewachsenen Sprossen gegenber, allein in der
Regel wird diese von den Kindern schlecht belohnt, wenn die Eltern
altersschwach und gebrechlich werden. So wie ich die Stmme des
Marutse-Mabunda-Reiches kennen lernte, wrde ich es dem Reisenden nicht
rathen, den ihm vom Knige mitgegebenen Dienern blindlings zu vertrauen.
Der Reisende mu einen Chef oder einen sonst angesehenen Mann als Fhrer
fordern, einen, der mit dem Kiri den Trgern und Bootsleuten gebietet,
wenn sich diese widerspenstig zeigen, er mu schon im Vorhinein die
gegenseitigen Pflichten und Rechte vom Knige genau feststellen lassen.
Der Reisende darf nicht zu freigebig sein und die verschiedenen Stmme
so behandeln, wie es ihre geistige Entwicklung und ihr Charakter
erheischt. Gte hilft bei den Manansa und Mambo, ein gemessenes etwas
mehr zurckhaltendes Betragen bei den Marutse, Manko; unablssige
Vorsicht ist den Masupia, Mabunda und Matonga gegenber geboten. Ein
ernstes, ich mchte sagen jedes Lcheln bannendes Benehmen mu man den
Matabele zeigen, und vor den Makalaka's Alles nagelfest halten. Den
Herrscher behandle man mit groer Freundlichkeit und suche es geheim zu
halten, wenn man sich mit ihm entzweit. Hilft Gte allein nicht und
stellt der Regent immer unverschmtere Forderungen, so mu man sich
ernst, gemessen und furchtlos zeigen und sich nicht zu bereilten,
gewaltthtigen Schritten hinreien lassen. Tapferkeit und Muth sind, wie
schon erwhnt, nicht die Zierden der obgenannten Stmme, und darum ist
ein entschlossenes, furchtloses Auftreten das beste Mittel, sich den
Rckzug zu sichern, wenn man an weiteres Vordringen oder an die
Verwirklichung anderweitiger Plne nicht mehr denken kann.

Die Menschenopfer zu Zauberzwecken, die Art und Weise des Tdtens der
Hausthiere, der Gebrauch der mit Widerhaken versehenen Wildassagaie etc.
zeigen deutlich, da der thierische Raub- und Vernichtungssinn eine der
grten Schwchen der obgenannten Vlker bilden. Ha und Falschheit sind
uerst selten, ich mchte nur die Makalaka's der letzteren Untugend
beschuldigen. Dankbarkeit den Weien gegenber ist unstreitig allen
Stmmen eigen und in um so hheren Grade, je einfacher ihre Lebensweise
und je weiter nach Norden, Nordosten oder Nordwesten dieselben von den
Victoria-Katarakten und der Tschobe-Mndung wohnen. Eitelkeit besitzen
alle wilden Stmme; derselben zu frhnen, haben im Allgemeinen die
Vlker des Marutse-Mabunda-Reiches mehr Geschick und Sinn, als die
meisten der sdlich vom Zambesi wohnenden eingebornen Stmme. In
moralischer Beziehung stehen smmtliche Stmme des Reiches tief, doch
ist diese Schattenseite ein Produkt des Urzustandes und nicht erworben,
wie bei einigen Stmmen der Hottentotten-Race. Ich glaube, da ein gutes
Beispiel, Bekehrung, ein von den Weien auf den Herrscher sanft
ausgebter Druck schon nach zwei Jahren eine uerst befriedigende
Umgestaltung bezwecken knnte. Es gehrt jedoch dazu ein ernsteres
Auftreten von Seite der Weien und ein Mann als Herrscher, der mehr
Ehrenhaftigkeit besitzen mte, als ich es an Sepopo beobachtet habe.
Erstlich mten die Fremden das Anerbieten der Mulekau-Ehre
zurckweisen. Sie gewinnen nicht allein mehr Achtung, sondern zeigen
auch dadurch, da solche Sitte in dem Lande der Weien nicht allein
ungebruchlich, sondern auch verdammt ist.

Das System, nach welchen sich der Knig seine Gemahlinnen nimmt, indem
er sie in der Regel gegen ihren Willen raubt, und deren sich dann viele,
trotz aller Androhungen des Todes, der Untreue schuldig machen, mu auch
erst gebrochen werden, bevor eine merkliche Besserung der Sitten im
Gesammtreiche erzielt werden knnte. Die Frauen betrachten ohnehin die
ehelichen Bande als sehr lose, selbst da, wo sie sich den Mann frei
gewhlt haben. Das Beispiel der Kniginnen, die sich der Untreue
schuldig gemacht, trgt sicherlich nicht dazu bei, der allgemeinen
Unsittlichkeit zu steuern, und dies umsoweniger, als Sepopo selbst jeden
ihm zu Gehr gekommenen Fall der Oeffentlichkeit preisgab.

Da die wenigen Weien und Eingebornen, die von Sden her das
Marutse-Mabunda-Reich besuchen, schon einen gewissen indirekten Einflu
auf die Stmme des Zambesi ausgebt haben, erhellt daraus, da sich die
Stmme schon, wenn auch noch sehr primitiv, bekleiden, whrend die
nrdlichen Nachbarn des Reiches, die Maschukulumbe, vollkommen nackt
einhergehen.




                                 XII.
            Die Culturstufe der Vlker im Marutse-Reiche.


Religise Vorstellungen. -- Lebensweise der Vlker. -- Ackerbau. --
Ertrgni desselben. -- Preis der Feldfrchte. -- Consum. -- Kleidung
der Mnner und Frauen. -- Die Stellung der Frau im Marutse-Reiche. --
Erziehung der Kinder. -- Ehe. -- Todtenbestattung. -- Grabdenkmler. --
Das Reisen im Lande. -- Die Rechtspflege im Reiche. -- Eine Hinrichtung.
-- Die Doctoren Sepopo's. -- Aberglauben. -- Zaubermittel. --
Menschenopfer. -- Industrie-Erzeugnisse der Marutse. -- Thongefe. --
Holzarbeiten. -- Calebassen. -- Flechtarbeiten. -- Schneide-Werkzeuge.
-- Jagd- und Kriegswaffen. -- Textil-Industrie. -- Canoebau. --
Tabakspfeifen und Schnupftabakdosen. -- Toilette-Artikel. --
Schmuckgegenstnde.

[Illustration: Ertrnken arbeitsunfhiger Personen.]

Ich erlaubte mir in den letzten Capiteln bei verschiedenen Gelegenheiten
auf die mir interessant erscheinenden Gebruche im Marutse-Reiche und
auf viele Charakterzge seiner Stmme hinzuweisen; ich will nun die
Schilderung derselben im Folgenden vervollstndigen und im nchsten
Capitel zu meinen Reise-Erlebnissen zurckkehren.

Wie schon erwhnt, besa die Banthu-Familie, bevor sie sich in die
zahlreichen Stmme theilte, welchen wir gegenwrtig begegnen, den
Glauben an einen mchtigen, unsichtbaren Gott; bei den Marutse hat sich
dieser Glaube unter allen Banthu-Stmmen am reinsten erhalten. Man
glaubt an ein unsichtbares allwissendes Wesen, welches genau das Thun
eines Jeden beobachtet und mit jedem Menschen nach Belieben verfhrt.

Man scheut sich sogar seinen Namen auszusprechen, und bedient in der
Regel eines Ersatzwortes: Molemo, welches Wort jedoch umfangreichen
Begriff in sich schliet und deshalb in seinem jedesmaligen Sinne leicht
verwechselt werden kann. Molemo kann Gott, kann bse oder gute Geister,
Heilmittel und auch Gifte, Zaubermittel Amulete etc. bezeichnen. Ihre
richtige Benennung fr das oben erwhnte allwissende Wesen ist ambe =
Njambe. Beim Aussprechen dieses Wortes erheben sie ihre Augen gegen das
Firmament, weisen mit der Hand dahin oder sie thun beides ohne Njambe
auszusprechen. Ich beobachtete Viele, die es mit Er da oben oder Er
umschrieben. Sie meinen, das mchtige Wesen lebe ^mo-chorino^, d. h.
im Blau des Firmamentes. Stirbt Jemand natrlichen Todes, so heit es:
Njambe rief ihn hinweg; unterliegt ein anderer im Kampfe mit seinem
Nebenmenschen, mit wilden Thieren oder der Wuth der Elemente, so heit
es: Es geschah auf Njambe's Gehei; wird ein Verbrecher zum Tode
verurtheilt, so wird dies als die gerechte von Njambe gesandte Strafe
angesehen und der Schuldige, der davon berzeugt zu sein scheint, ergibt
sich demthig in sein Geschick, whrend der unschuldig Verurteilte
(unter Sepopo gab es deren zahllose) wie die ihn begleitenden Freunde
bis zum letzten Momente das grte Vertrauen in Njambe's Allwissenheit
setzend, auf seine Hilfe hoffen, die sich bei dem bei Hinrichtungen
gebruchlichen Giftgenusse im Erbrechen des Giftes uern soll.

Die Vlker des Marutse-Reiches glauben auerdem an unsichtbare gute und
bse Geister und suchen letztere durch auf Pfhle aufgehangene
Beschwrungsmittel von ihren Gehften zu bannen oder sie mindestens zu
besnftigen. Die Abwehr- und Besnftigungsmittel sind: Thier- und
Menschenknochen, Nilpferdzhne, besondere Holzstcke, Baumrinden,
Krbikalebassen etc., die in aus Bast, Gras oder Baumblttern
geflochtenen sackfrmigen Krbchen auf drei bis vier Fu hohen Pfhlen
aufgehangen werden. Die meisten Vlker des Marutse-Mabunda-Reiches
glauben an ein Fortleben nach dem Tode, und so pflanzen z. B. die
Masupia mchtige Elfenbeinzhne auf die Grber ihrer Chefs. Es geschieht
dies hauptschlich, um den verstorbenen, Njambe nher gerckten Chef
durch die Weihe der Zhne fr seine Trennung von seinem Hab und Gut und
von ihnen selbst zu beschwichtigen und sich seines nun doppelt mchtigen
Schutzes zu vergewissern.

Auerdem, da sie jedes Unheil bsen Geistern zuschreiben, glauben sie
auch viele Unglcksflle dem Uebelwollen, dem Zrnen eines verstorbenen
Chefs zuschreiben zu mssen, die durch gewisse am Grabe vorgenommene
Ceremonien besnftigt werden knnen. Erkrankt ein Mitglied der
kniglichen Familie, oder ein weiser Besucher in der Umgebung von
kniglichen Beerdigungssttten, so wird der Erkrankte, wenn er sich der
Gunst des kniglichen Hauptes erfreut, an das Grab des Angesehensten
gebracht, und hier verrichtet der Herrscher eine gebetartige Ceremonie
in flehender und beschwrender Form, damit sich der Verstorbene des
armen Dulders erbarme und ihn durch seine Frsprache bei Njambe gesund
mache.

Die Lebensweise der Stmme des vereinigten Marutse-Mabunda-Reiches ist
im Allgemeinen nicht so einfach wie die ihrer sdlich vom Zambesi
wohnenden Bruderstmme. Der Boden lohnt die Mhe des Ackerbaues so
reichlich, die Viehzucht gedeiht in zwei Dritttheilen des Reiches so
vortrefflich, und das von der Tsetse inficirte Dritttheil ist derart von
Wild berschwemmt, die Flsse und ihre Lagunen fischreich und die
Wlder, Bsche und Wiesen so reich an ebaren Frchten, Samen und
Wurzeln, da die Eingebornen nicht, wie manche Betschuana-Stmme durch
das Ausbleiben der Sommerregen von Hungersnoth heimgesucht werden. Die
reichliche Wassermenge, der gute Boden und das warme Klima untersttzen
Ackerbau und Viehzucht in der krftigsten Weise.

Die Felder werden von den Frauen durch fleiiges Ausjten rein gehalten,
auf den meisten lange Furchen zum Wasserabflu gezogen. Zur Zeit der
herannahenden Reife errichtet man Wchterhtten, in denen Junge wie
Erwachsene zuweilen Tag und Nacht die Felder bewachen. Beim Ausdreschen
schttet man die Aehren und Kolben auf groe Carossen und Hute, auch
auf Stroh- und Rohrmatten und schlgt mit Kntteln auf dieselben los.
Ein bestimmter Theil der Ernte gehrt den Frauen, welche darber nach
Gutdnken verfgen knnen. Dabei wissen sie ihr Eigenthum in Wort und
That zu wahren und ihren Theil gut zu verkaufen; ich beobachtete sowohl
bei meinen Unterhandlungen als bei dem Tauschgeschft der Hndler, da
wir nicht so leicht die gesuchte Waare von dem schnen Geschlechte
erstehen konnten; selbst wenn Mnner an Stelle ihrer Frauen die Waaren
feilboten, forderten sie stets einen hheren Preis und sagten: Die Frau
fordert es, sonst mu ich das Korn wiederbringen. Fr ihren
eigentlichen Bedarf, abgesehen von den Abgaben an den Chef und den
Knig, baut sich eine Familie von etwa fnf Personen ein bis drei
Grundstcke von je 2800 bis 3000 Quadratmeter Flche. Da dieselben zu
zwei Dritttheilen in den bewaldeten Theilen des Landes liegen, wird
zuerst von den Mnnern und Jungen das Unterholz abgehauen, und die
groen Bume ihrer Aeste beraubt. Mir dem gewonnenen Holze wird das Feld
umzunt. Das Unterholz und das ausgejtete Unkraut wird hierauf in Brand
gesteckt und mit der Asche das Feld gedngt und nun die Saat gepflanzt.
Diese Aussaatzeit begreift die Monate September und October in sich; zur
Saat der Krbisse, bohnenartigen Frchte, des Tabaks etc. whlt man die
Zeit von Ende October bis Anfang December. Die zuletzt erwhnten
Feldfrchte werden zuerst und bei einem auffallend raschen Wachsthum oft
schon im Jnner reif, die Kafirkornarten und der Mais im Februar, die
Bohnen in beiden Monaten. Am hufigsten wird das gewhnliche Kafirkorn
angebaut, von dem ich zwei Arten, das rothe und das weie unterscheide.
Es gedeiht vorzglich und liefert das Hauptcontingent der
vegetabilischen Abgaben, sowie fr den nach auen hin mit Feldfrchten
getriebenen Handel. Die beiden Arten stimmen vollkommen mit denen
Sd-Afrikas berein.

Die dritte Kornart, die wir auch hie und da, doch selten in Sd-Afrika
vorfinden, wird von den hollndischen Jgern Kleen-Korn, von den
Marutse Rosa genannt. Diese Art zeigt kleine, dem Vogelsamen
(Hanfsamen) hnliche Samen, welche fein gestoen, ein schwarzes, zur
Brodbereitung durch grere Bindekraft tauglicheres Mehl als die beiden
sorghumartigen liefern. Es wird von den Marutse als feinere Mehlgattung
angesehen und hat den zweifachen Werth der beiden anderen Gattungen.

Gleich hufig wird der Mais gepflanzt und gedeiht vortrefflich. Noch
hufiger als Mais werden im Marutse-Reiche die krbiartigen Frchte
angebaut, darunter mehrere Arten Wassermelonen, ebare Krbisse und eine
Unzahl Flaschen- etc. Krbisse, die nur der ueren Schalen halber
gepflanzt werden. Ebenso hufig werden zwei Bohnengewchse, das eine mit
kleineren farblosen, das andere mit etwas greren, meist carminrothen
oder violetten Bohnen gepflanzt. Sie bilden wie das Mabele (gewhnliches
Korn), die Rosa und der Imboni (Mais) einen Theil der Abgaben. Mit
Nilpferdspeck oder Fleisch gekocht, bietet die Li-tu- und die
Di-nau-a-Bohne ein Gericht, welches unsere heimische Art an gutem
Geschmack bertrifft. Zu diesen Feldfrchten mssen wir noch drei
hinzufgen, von welchen die Manza und die Masoschwani (^Arachis
hypogaea, M'pinda^ der centralen Westkste) im Gesammtreiche, Baumwolle
in den stlichen Landestheilen allein angebaut werden. Die drei
letzteren verbrgen, da auch Reiscultur mit Erfolg betrieben werden
knnte. Die Arachis bildet einen Theil der Steuern und des Tributs, die
Manza ist Krongut und wird im Gesammtertrage dem Hofe abgeliefert,
whrend die Baumwolle von den stlichen Stmmen fr den eigenen Bedarf
gebaut und verwendet wird. Die Arachis wird in der Asche und in Schalen
gerstet genossen, von den Europern, welche den Zambesi besuchen, im
Nothfalle gerstet und als Kaffeesurrogat verwendet. Die Manza wird zu
feinem Mehl gestoen und ohne Zuthat von Salz als Mehlbrei genossen.

Bezglich der Baumwolle erwhne ich, da sie zu guten starken Geweben
verarbeitet wird. Weniger als Nahrungsmittel denn als durststillendes
Mittel pflanzt man hufig um die Htten und zerstreut zwischen Korn und
Mais das gleich ppig und hoch aufwachsende Zuckerrohr (Imphi). Es ist
dieselbe Art, welche man in ganz Sd-Afrika vorfindet und erreicht am
centralen Zambesi ihre Sreife im December bis Februar.

Der Preis der Feldfrchte stellt sich wie folgt:

                Am Sdufer des Tschobe,   In Schescheke     In den
                Impalera gegenber,       (in der Barotse   nrdlichen und
                oder am Sdufer des       sind die Preise   centralen
                Zambesi an den Victoria-  um ein Drittel    Landstrichen
                Katarakten, sowie der     niedriger)
                Stadt Wanke's gegenber

                      kleine      Kattun  kl. Glas- Kattun  kl. Glas- Meter
                      Glasperlen  Meter   perlen    Meter   perlen    Kattun
                      Pfund               Pfund             Pfund

  Mabele, etwa 20 Pfund            4                3                1
  Imboi, 8 bis 12 Kolben          3                2                1
  Litu, Di-nau 20 Pfund   1        4--5              3      1/3      1--2
  Rosa, 20 Pfund         --1      6--6             3                1
  Masoschwani, 20 Pfund   1       3--4    --1    3--3    1/3        2
  Manza, 20 Pfund        --       3                3      1/3        1

  Stanga, eine groe
  Wassermelone oder ein
  ebarer Krbis                   1                1      1/8        

  Flaschenkrbisse       1/3        1                1                

  Matschuku-Tabak,      1--1
  etwa 2 Pfund        od. 1 Baum-  6--8              3      1/3      1--1
  schwer               wolldecke

  Allerlei Wildfrchte,
  20 Pfund               1/3        2       1/3       2     gratis   gratis

  Butschnala, etwa 6              3--4              3                2
  Liter

  Morulabier (im Makalaka-
  Land billiger)                  3--4              3                2

  Imphy, ein Bndel von
  12 Stck                        1                2      1/8        

Zur Anpflanzung des Tabaks whlt man meist kleine, etwa 10--20
Quadratmeter umfassende Vertiefungen. Der Tabak wird getrocknet,
zerkleinert, etwas befeuchtet und dann in den Kornstampfblcken zu
kegelfrmigen und brodfrmigen Ballen festgestoen. Im Allgemeinen ist
der Tabak, wie ihn die Unterthanen des Marutse-Herrschers anbauen,
dichter gearbeitet, hlt sich lnger und ist bedeutend nicotinreicher
als jener, den wir bei den sdafrikanischen Eingebornenstmmen finden.
Mit Rcksicht auf Boden, Klima und Bewsserungs-Mglichkeit bin ich der
Meinung, da nicht allein unsere Getreidearten, namentlich Weizen,
sondern auch Reis, Baumwolle, in den stlichen Theilen auch Kaffee,
nicht minder Wein und unsere sowohl als auch Sdfrchte ausgezeichnet
gedeihen knnten.

Ziehen wir die Menge der consumirten Nahrungsmittel in Betracht, so
finden wir, da nebst Wildfleisch gewhnliches Kafirkorn, Kleinkorn und
Mais sowie Krbisse in erster Linie stehen. Nach den Fischen folgt im
Verhltni der consumirten Mengen: saure Milch, se Milch, Rind-,
Ziegen- und Schaffleisch, etwa fnfundvierzig wilde Fruchtarten, zwei
Bohnenarten, Erdnsse, Hhner, Wildgeflgel, Manza, Honig etc. Das
Fleisch wird meist in gut geschlossenen, irdenen Tpfen gekocht, oder
auf Kohlen am und ohne Bratspie gerstet. In der Fleischzubereitung
bertreffen die Stmme jene sdlich vom Zambesi, ich glaube, da kein
Einziger derselben so wohlschmeckende Fleischgerichte bereiten knnte,
wie man sie in den besseren Husern des Marutse-Reiches zu bereiten
pflegt. Es wird den Reisenden um so mehr berraschen, wenn er bedenkt,
wie sehr das Reich den Betschuana-Reichen gegenber verschlossen
genannt werden mu. Wildgeflgel wird gekocht oder gebraten, und mit den
Kopffedern oder der Krone auf schn durchbrochenen Holzschsseln
servirt. Aus Aberglauben verschmhen manche Stmme gewisse Wildarten,
bei einigen wurde z. B. die Pallah nicht beachtet, bei anderen die
Eland-Antilope, bei manchen das Fleisch des Nilpferdes, whrend wieder
manche Fleisch genossen, welches, wie das der Raubthiere, von den
meisten sdafrikanischen Eingebornen als ungeniebar betrachtet wird.
Fleisch und Fische werden auch getrocknet und ohne jeden
Einsalzungsproce auf lngere Zeit aufbewahrt. Die Kornarten werden
gekocht oder in hlzernen Stampfblcken zu Mehl gestoen und aus
demselben mit Milch oder Wasser ein Brei bereitet, Mais wird in grnem
und trockenem Zustande gekocht und gerstet. Von Bohnen kochen die
Stmme die genannten Arten und rsten die Erdnu (Arachis). Die Krbisse
werden zerschnitten und gekocht, die Wassermelonen roh genossen oder
gekocht. Wichtig ist die Zubereitung der Manza, deren Wurzel im grnen
Zustande giftige Eigenschaften besitzt, im trockenen, fein pulverisirt,
einen schmackhaften arrowrootartigen Brei liefert, der namentlich zu
Fleischspeisen als eine passende Zuspeise gelten kann. Wilde Baum- und
Buschfrchte werden im frischen und getrockneten Zustande gerstet (am
Feuer sowohl als an der Sonne) oder werden in Milch gekocht oder auch
zerstoen und in breiartigem Zustande genossen. Da die einzelnen
Wildfrchte zu verschiedenen Jahreszeiten reifen, so kann man fglich
sagen, da die Eingebornen im Marutse Reiche sich von diesem
Nahrungsmittel allein das ganze Jahr hindurch nhren knnten.

Zur Wrze der Speisen bedienen sich blos die Wohlhabenderen des Salzes,
da dieses von weit her aus West und Sdwest herbeigebracht wird. Von
geistigen Getrnken erzeugen sie aus Kafirkorn ein starkes und ein
schwaches Bier, das erstere, das Lagerbier, wird Matimbe, das zweite
Butschuala genannt; auerdem erzeugen sie sliche Biere aus mehreren
Wildfrchten, so aus der Morulafrucht, das ciderartige, ferner das schon
erwhnte Honigbier Impote. In der Regel halten Wohlhabende zwei
Mahlzeiten, die erste 1 oder zwei Stunden nach Sonnenaufgang, die
zweite beim Sonnenuntergang, Bier wird nachgetrunken. Die rmeren
Classen halten nur eine nennenswerthe Mahlzeit und zwar am Abend.

Unstreitig sind die Vlker im Marutse-Mabunda-Reiche in der Zubereitung
ihrer Speisen auffallend reinlich und verwahren dieselben in reinen
Holz- und Erdtpfen, in Krben und Kalebassen. Auch waren die Marutse
die ersten, bei denen ich Butter zubereiten sah; sie rauchen mehr Tabak
als jene Stmme, zu denen er von den Weien eingefhrt wird. Mit dem
Genu von Rauch- und Schnupftaback wird schon in frher Jugend begonnen,
dem letzteren huldigen alle, auch junge Mdchen nicht ausgenommen. Doch
ist ihr Schnupftabak ein complicirterer als der im Sden gebrauchte, er
enthlt gestoenen Tabak, Asche, getrocknete und gepulverte
Nymphaeastengel und die Secretion aus der Drse des ^Rhabdogale
mustelina^. Der Rauchtabak wird in brdchenfrmigen Kuchen geformt, die
durchlchert an einer Schnur getragen werden.

Was die Pflege des Krpers betrifft, so halte ich von allen mir
bis jetzt in Sd-Afrika bekannten dunklen Stmmen die das
Marutse-Mabunda-Reich bewohnenden fr die reinlichsten; sie baden
hufig, selbst wenn dies auch in seichten Stellen und in den Lagunen der
Krokodile halber sehr gefhrlich ist.

Die Kleidung der Marutse ist trotz ihrer Einfachheit weit
geschmackvoller als jene der meisten sdafrikanischen Stmme. Statt der
Riemenfranzen der Zulu-Race und den um die Lenden geschlungenen, kaum
handbreiten Riemen der Betschuana, Makalaka etc. tragen die Mnner in
der Regel Leder- und Kattunschrzen, welche an einem Leibgurt, d. h. um
denselben von vorne nach hinten geschlungen werden. Blos die Stmme, die
hufiger das sdliche Zambesi-Ufer besuchen, wie die Batoka, Makalaka,
Manansa, Masupia, Marutse etc., d. h. jene, die oft mit den Weien
zusammenkommen, bedienen sich des Kattuns als Schrze. Gewhnlich
beanspruchen sie ein 2 bis drei Meter langes Stck gewhnlichen
Kattuns, ohne auf Farbenunterschiede Gewicht zu legen. Knnen sie ein
Stck von obiger Lnge (eine Sitsiba) nicht erhalten, so trachten sie
mindestens ein solches zu gewinnen, das vorne bis an die Knie reicht.
Jene, welche Lederschrzen tragen, bedienen sich rauhgar gegerbter Felle
kleiner Sugethiere, so die Marutse und Masupia solcher des Scopophorus
und Cephalopus, welche lngs des Randes mit eingeschnittenen rundlichen
oder viereckigen Lchern versehen sind, die Kopftheile finden sich oben
am Grtel. Die Manansa bentzen einen kleinen, kaum handbreiten Kattun-,
Tuch- oder Lederlappen. Auch in ihren Carossen differiren die das
Marutse-Reich bewohnenden Banthustmme bedeutend von den meisten sdlich
vom Zambesi wohnenden, zu dieser groen Vlkerfamilie gehrenden
Stmmen. Sie lieben die Kreisform, die einem spanischen Mntelchen nicht
unhnlich ist und bis zu den Hften herabreicht. Auch sind Mntelchen
aus Letschwe- und Pukufellen im Gebrauch. Der Herrscher und einige
seiner hchsten Wrdentrger kleiden sich zuweilen in europische
Kleider, doch gehen sie auch oft blos mit der Schrze angethan einher
oder sie hllen sich, wie bei ungnstiger Witterung in eine Wolldecke
ein. Der Leibgurt ist aus glattgar geerbtem Gnu- oder Gazellenleder, aus
Elephantenhaut, aus der Haut des Wasserleguans, der Boa, Cobra und
anderer Schlangen, oder auch aus Stroh- und Grasgeflecht verfertigt.

Was die Bekleidung der Kinder und Frauen betrifft, gehen kleine Mdchen
bis zum vierten, Knaben bis zum sechsten und zehnten Jahre unbekleidet
einher. Im vierten Jahre erhalten Mdchen ein Riemenschrzchen aus
dnnen, bis fnfundzwanzig Centimeter langen, gedrehten, zuweilen mit
Bronceringelchen geschmckten Riemen; vom zehnten Jahre an tragen sie in
der Regel eine kleine an einem Riemen befestigte viereckige
Lederschrze. Da sie jedoch meist schon in frher Jugend, lange vor
ihrer Reife verlobt werden, so tragen viele zwei Schrzen, eine vordere
krzere und eine hintere lngere. Verheiratete Frauen bedienen sich
eines bis an die Knie herabreichenden, rauhgar gegerbten, mit den Haaren
nach innen gekehrten, meist aus Rindsfell verfertigten Rckchens, das
mit einem Doppelband (Riemen) an den Leib festgehalten wird. Die
Auenseite des Rckchens ist mit einem rthlichbraunen, angenehm
riechenden Rindenstoffe stark eingerieben. Sugende Frauen gehen oft
hnlich den Mnnern mit einem Letschwefellmantel angethan umher, der
gewhnlich ber den Rcken geworfen, bei Annherung von Fremden oder
Besuchern ber die Brust zugezogen wird.

[Illustration: Sepopo's Capellmeister.]

Bei ungnstigem Wetter tragen die Frauen, seltener die Mnner, riesige
bis auf die Knchel reichende, kreisfrmige, nach vorne geschlitzte, mit
einer Rundffnung fr den Kopf versehene Carossen, die mit einem Riemen
oder einer Holz- und Metallspange um den Hals festgehalten und
gewhnlich mit der Rechten zusammengehalten werden, so da die sich
ihrer Bedienenden gleichsam in einen gefalteten Lederkegel gehllt
erscheinen. Die Stmme gehen meist barfu einher, was der im Lande
berwiegende Sandboden leichter gestattet, als die meist dornenreichen
Lnderstrecken der sdlich vom Zambesi wohnenden Stmme. Fr grere
Reisetouren bedienen sich die Bewohner des Marutse-Reiches meist aus
rohem Bffel-, Gnu- und Rindvieh-Leder gearbeiteter Sandalen, die mit
Riemchen zur groen Zehe ber den Furcken und den Fersenhacken
befestigt werden.

Einige der stlichen Tributstmme wie die Makalaka und Matonga, bereiten
aus selbstgezogener Baumwolle Gewebe von Tuch- bis Deckengre.
Aehnliche werden auch aus Bast von den Maschona's gearbeitet. Die
kleineren Gewebestcke dienen als Schrzen meist fr Mnner; der
deckenartigen bedient man sich im Hause; sie sind von viereckiger
lnglicher Form und auf den kurzen Seiten mit Franzen versehen; sie
werden ein bis zwei Meter breit, 1 bis 2 Meter lang, die Franzen zehn
bis vierzig Centimeter lang gearbeitet.

Die Stellung der Frauen im Marutse-Reiche ist eine bei Weitem bessere
und wrdigere als bei den sdlich vom Zambesi wohnenden Stmmen. Hier
bebauen zwar auch die Frauen die Felder und helfen im Huserbau, allein
die schwierigsten Beschftigungen, wie Jagd, Fischerei, das
Herbeischaffen der Baumaterialien fllt den Mnnern zu. Die lteren
Leute fand ich meist in den Wldern und auf den Feldern beschftigt, im
ersteren Falle Mnner Wildfrchte sammelnd, im letzteren Frauen die
jngeren unterweisend und die weniger beschwerlichen Arbeiten
verrichtend. Die Shne rmerer Leute, sowie Sklavenknaben verrichten
meist Hirtendienste allein oder unter der Leitung eines Erwachsenen;
jene der Wohlhabenderen versuchen sich hufig in der Jagd, sei es mit
dem Assagai oder dem Gewehr. Zur Erntezeit haben die Knaben auf
drftigen, die Felder berragenden Holzgersten die Feldfrchte gegen
Gazellen und Finken zu schtzen, sowie bei der Annherung von Antilopen,
Bffeln und Elephanten die Dorfbewohner zu alarmiren.

Die Bewohner des Marutse-Reiches sind keine Langschlfer, sie gehen
schon eine bis 1 Stunden vor Sonnenaufgang an die Arbeit und legen sich
spt zur Ruhe. Die Vergngungen beginnen mit der Tagesneige und dies um
so spter, je niedriger die Personen gestellt sind. Man schlft zumeist
auf Carossen, Fellen, Stroh oder Grasmatten; des Knigs Lager bestand
aus fnfundvierzig groen prchtigen, auf einander gelagerten Carossen
und jede Nacht waren drei bis vier Kniginnen, jede an einem Bettrande
Platz nehmend, beordert, des Knigs Schlummer zu bewachen.

Die Kinder werden den Frauen zur Erziehung berlassen, die Knaben
entschlpfen jedoch schon sehr zeitig dem wachenden Mutterauge und
schlieen sich mehr dem Vater an. Kinder eines Freien erhalten
Sklavenkinder zu Genossen, zu Spielgefhrten und zu ihrem knftigen
Tro, und diese ben oft nicht geringen Eingu auf die heranwachsenden
Herren aus, welche ihnen oft mit innigerer Zuneigung als ihren
Rathgebern und Willensvollstreckern zugethan sind. Die Eltern sind meist
so von ihren Kindern eingenommen, da ich schon zwlfjhrige Knaben ihre
Vter beherrschen sah. Die Knaben werden frhzeitig im Waffengebrauch
unterrichtet, und bauen sich frhzeitig ihre eigenen Htten. Die Mdchen
werden tchtig zur Arbeit angehalten, whrend der Vater bezglich des
Unterhalts der Familie in dem aufwachenden Mdchen eine Helferin zu
sehen gewohnt ist. Mdchen bis zum zehnten oder zwlften Jahre werden
meist zum Wasserherbeischaffen und in der Haushaltung bechftigt.

Die Heiraten werden mit lauten, zu einem gewissen Grade orgienartig
ausartenden Festlichkeiten gefeiert, bei welchen, wie bei den
Beerdigungen, der reichliche Genu von Kafirkornbier und ein besonderer
Tanz die hervorragendsten Momente bilden. Die Ehen werden in der Regel
unmittelbar, nachdem die Mdchen ihre Reife erlangt haben, geschlossen,
wenn die Kinder nicht schon im zartesten Kindesalter einander verlobt
wurden. Oft geschieht es, da ein angesehener Mann die erwachsene
Tochter seines Freundes zur Frau begehrt, sein Wunsch vom Vater
gebilligt und von der Tochter angenommen wird, worauf dann der neue
Schwiegersohn, der gewhnlich schon mehrere Frauen und Kinder besitzt,
eines seiner kleinen Mdchen dem Schwiegervater verspricht, d. h.
verlobt, was zu dem im Marutse-Mabunda-Reiche hufig anzutreffenden
Verhltni fhrt, da der Schwiegersohn zum Schwiegervater wird. Sepopo
war mehreren Koschi's und Kosana's gegenber Schwiegersohn und
Schwiegervater zugleich. Hat ein Mdchen ihre Reife erreicht, so werden
sofort ihre Gespielinnen davon benachrichtigt, die sie dann tglich,
acht Tage lang, spt am Abend aufsuchen und bis tief in die Nacht in
ihrem Hfchen unter Castagnetten- und Gesangbegleitung einen Tanz
auffhren, nachdem zuvor eines der Mdchen (bei einbrechender
Dunkelheit) die Genossinnen durch lautes Jodeln zum Besuche aufgeboten
hatte. Hat die Tochter eines Koschi oder des Knigs, oder eines seiner
nahen Verwandten ihre Reife erlangt und ist sie eine Verlobte, so wird
sie von ihren nchsten verheirateten Verwandten in ein nahes Wald- oder
Schilfdickicht gefhrt, wo sie eine Woche lang, nur von einer Sklavin
bedient, ein abgeschiedenes Leben fhren mu. Sie wird jedoch tglich
von ihren Freundinnen (gegen Abend) aufgesucht, ihr Kopf mit Parfm
eingerieben und sie mit Ermahnungen und Zureden fr den ehelichen Stand
vorbereitet, um nach Ablauf der obgenannten Frist ihrem Gemahl bergeben
zu werden. Die Hochzeiten werden mit Tnzen gefeiert, an denen sich
jedoch blos das mnnliche Geschlecht betheiligt und die ich unter dem
Namen Hochzeitstnze schon besprach. Solch' ein Tanz dauert in der
Regel, selbst bei Leibeigenen, zwei bis drei Tage und Nchte. Die
Sklavenheiraten sind nichts anderes als die ausgefhrten Befehle ihrer
Herren, d. h. der Freie gibt seinem Leibeigenen eine seiner Sklavinnen
zur Frau.

Das Wesen der Beerdigung im Marutse-Reiche bildet zu dem bei den Vlkern
sdlich des Zambesi beobachteten einen schroffen Gegensatz. Whrend die
Stmme des Marutse-Mabunda-Reiches ihre Todten unter Singen, Schreien,
Musikbegleitung und Schieen beerdigen, thuen es ihre sdlichen Nachbarn
meist im Dunkel der Nacht, ganz nahe an ihren Gehften zwischen diesen
oder unter den Hecken, damit die Beerdigungsstelle womglich verborgen
bleibe. Die meisten Vlker des Marutse-Mabunda-Reiches suchen ihre
Beerdigungsstellen zu kennzeichnen. Im Reiche ist es Sitte, die
Jagd-Trophen aufzubewahren. Diese Jagd-Trophen bestehen, wie schon
erwhnt, in auf Pfhlen aufgedeckten Kopfskeleten der Gazellen, Zebras
etc. etc., whrend die Kpfe der groen Raubthiere, hnlich der Sitte im
Matabele-Lande, wo Lwenfelle an den Knig abgeliefert werden mssen, an
den jeweiligen Statthalter, oder in des Knigs Nhe an diesen abgegeben
werden. Diese Kopfskelete werden auf dem Grabe des Jgers niedergelegt
und oft Bumchen um dasselbe in Ellipsenform gepflanzt, oder wenigstens
trockene Aeste herumgelegt, um das Betreten der Stelle durch Thiere und
die Entweihung des Grabes hintanzuhalten. Da die meisten Stmme des
Marutse-Reiches ihrem Bestattungswesen mehr Zeremonien widmen, fut wohl
in ihren Ideen, die sie ber unsere Vergnglichkeit gefat und darin,
da sie an ein Fortleben nach dem Tode glauben.

Das Vollkommenste in der Form der Grabdenkzeichen findet man im
Mutterlande des herrschenden Stammes, in der Barotse, wo fr jedes der
angesehenen verstorbenen Mitglieder der kniglichen Familie ein
Mausoleum errichtet wurde. Ich bedaure tief, da ich auf dem Zuge nach
Nordwest verhindert wurde, diese Grabdenkmler zu besichtigen, meine
Kenntni derselben beschrnkt sich auf die Berichte Sepopo's, seiner
Leute, der wichtigen in Schescheke lebenden Huptlinge, sowie der beiden
Elfenbeinhndler Westbeech und Blockley, welche die Barotse auf des
Knigs Gehei im Jahre 1872 bis 1873 besucht hatten.

Besuchen die Unterthanen den Knig und kommen sie aus entlegenen
Provinzen, so rufen sie beim Eintritt in den kniglichen Hof ein
mehrmaliges Tau-tu-a, Tau-tu-a aus, worauf sie sich abseits, nahe am
Eingange niederhocken und stillschweigend warten, bis sie von einem
Abgesandten des Knigs angesprochen werden. Bisweilen werden sie von
ihrem in Schescheke wohnenden Koschi, Kosana etc. eingefhrt, der sich
dann in kriechender Stellung nhernd, dem Knige ihre Ankunft meldet.
Werden sie nun zum Herrscher gerufen, so nhern sie sich in demthiger
Weise auf allen Vieren kriechend, halten in einer Entfernung von vier
bis sechs Schritten vor dem Gebieter inne, um so lange in die Hnde zu
klatschen, bis sie von ihm angesprochen werden. Bei mehreren bernimmt
dies ihr Fhrer. Hat ihnen der Herrscher eine Rckantwort ertheilt, so
ziehen sie sich, abermals laut klatschend, zurck, ihre Audienz ist
vorber. Solche, die aus der Nhe kommen, begren den Knig mir
Schangwe-Schangwe; gewhnliche Gruformen sind: Schangwe, Koschi
oder Rume-la, Ra, Rumela Intate; das erstere namentlich den Weien
gegenber.

Was das Reisen im Marutse-Reiche betrifft, so reist man zu Lande mit
Hilfe von Trgern, die man fr die ganze Strecke miethet, oder von Stamm
zu Stamm wechselt, was jedoch haarklein beim Knige ausbedungen werden
mu. Fr die Bewilligung der Trger gibt man dem Knige einen
Hinterlader mit 200 Patronen oder drei Elephantengewehre (Vorderlader),
jetzt Kleider etc. als Geschenk, diesem oder jenem Statthalter, dessen
Provinz man durchzieht, ein schnes Kleidungsstck oder eine gute
Wolldecke; als Bezahlung gibt man einem dortigen Diener fr zwei Monat
Arbeit eine Baumwollendecke oder drei Yards Kattun und ein Pfund
schnblauer kleiner Glasperlen. Fr die Zeit von sechs bis zwlf Monaten
mu erst jeder Unterthan vom Herrscher die Erlaubni einholen, um so
lange eines Weien Diener zu sein -- auer es wird im Geheimen zwischen
einem Koschi und seinem Sklaven abgemacht. Fr zwlf Monate Dienst gab
man am Zambesi eine Muskete und natrlich die Gesammtzeit hindurch die
nthige Nahrung, zuweilen ein Stckchen Tabak oder Dacha. Haben die
Trger und Bootsleute einen strengen Ausseher ber sich, so gehen sie
rstig vorwrts, sie begngen sich mit einer tglichen Mahlzeit, einer
halbstndigen und vier- bis fnfmaligen viertelstndigen Rast, um von
Tagesanbruch bis vier oder fnf Uhr dem Marsche oder dem Rudern
obzuliegen. Die freie Rastzeit wird bentzt, um rasch ein Feuer
anzuznden -- ein Feuerbrand wird stets mitgetragen -- und ein Pfeifchen
Dacha zu rauchen.

All' dies bekommt jedoch einen anderen Anstrich, wenn man keinen guten
Makosana als Aufseher hat, dann bereiten namentlich jene, die
schon fter mit den Weien in Berhrung kamen, dem Reisenden
Unannehmlichkeiten und belstigen ihn nicht wenig, verzgern und hindern
die Reise, wo sie knnen. Gibt man ihnen nach, wird es umso rger. Das
Gepck wird meist auf dem Kopfe oder an einem ber die Schulter gelegten
Pfahle, schwere Gegenstnde an einem langen Pfahle von zwei bis vier
Mnnern getragen. Gewhnlich legen die Trger drei englische Meilen in
der Stunde zurck, in der Bootfahrt stromaufwrts 3 bis 4,
stromabwrts 5 bis sieben Meilen, wenn nicht Strmungen und Schnellen
die Flufahrt verzgern oder Flupferde den Weg versperren.

Reisen die Eingebornen allein, so nehmen sie nie grere Quantitten
Nahrung mit sich, jene, die in den zweirudrigen Booten die Kornabgaben
nach Schescheke bringen, haben die kleinen Fahrzeuge derartig berladen,
da sie darauf angewiesen sind, sich ihre Nahrung unterwegs zu
verschaffen, sie nehmen sich hchstens einige Fische mit, sammeln wilde
Frchte, und da sie in der Regel geruschlos lngs dem Ufer
dahingleiten, sind sie im Stande, so manchen in dem Uferschilf und Gras
schlummernden Vogel mit einem sicheren Wurfe des Thoboni-Stockes zu
erlegen.

Ich will noch einer Begrungsform erwhnen, welche von Seite des
Herrschers sowohl als von Seite der Koschi, Kosana und eines jeden Haus-
und Httenherrn, dem fremden Besucher gegenber beobachtet wird. Nachdem
man einige Worte ausgetauscht (beim Herrscher, wenn die Ankmmlinge
angesehene Personen sind), nimmt der Gastgeber aus seiner am Leibgurte
oder an einem Riemchen um den Hals, an einem der Armringe oder auch an
der Carosse befestigten Schnupftabakdose eine tchtige Prise; oft wird
ihr ganzer Inhalt auf die linke Hohlhand geschttet, und nachdem sich
der Eigentmer selbst daran gelabt, reicht er den Inhalt mit halb
geschlossener Hand dem zunchst Begnstigten, dann noch zweien oder
dreien der brigen.

Die Rechtspflege im Marutse-Reiche hat in der That manche gute Seite,
und vor Allem durch die Bildung des groen Rathes viel gewonnen. Leider
hat diese durch den Geist des herrschenden Stammes und das Wohlwollen
eines lange dahingeschiedenen guten Herrschers gestiftete Institution
nach und nach durch despotischen Knigswillen an Macht und Geltung
eingebt, bis sie unter Nero-Sepopo den Todessto erlitt, so da sich
in den letzten Decennien die Rechtspflege im Marutse-Reiche, ich mchte
sagen von Jahr zu Jahr verschlechterte. Altgewohnte Gebruche, welchen
Gesetzeskraft innewohnt, erben sich unter den eingebornen Stmmen treu
fort und werden willig befolgt, und jeder Versto gegen ihre
Rechtskraft, d. h. jede willkrliche Beschrnkung derselben von Seite
eines Herrschers sehr miliebig aufgenommen; durch die Unterdrckung
dieser Gewohnheitsgesetze hat sich Sepopo das Volk zuerst entfremdet.
Die Rechte ber das bewegliche und unbewegliche Eigenthum, mochte das
erstere sowohl Personen als auch Habe in sich begreifen, die socialen
Rechte der verschiedenen Stmme untereinander und zum herrschenden
Stamm, der Unterthanen und Tributzahlenden zum Herrscher im Allgemeinen,
die Thronfolge-Bestimmungen, Vertragsclauseln, die Strafgesetze etc.,
wurden von Sepopo theils abgeschafft, theils vollkommen nach seinem
Gutdnken zugestutzt und neu formulirt; es ist jedoch sicher, da unter
Wana-Wena seinem Nachfolger der grte Theil der alten Marutse-Gesetze
wieder zur Geltung gelangen wird.

Kleine Zwistigkeiten werden von den Makosana und Kosana, wichtigere von
dem Statthalter geschlichtet; alle schwerer erscheinenden Verbrechen
etc. mssen, wenn sie nicht in gar zu weiter Entfernung von der Residenz
des Knigs begangen, vor diesen und den groen Rath gebracht werden.
Mord ist im Allgemeinen ein seltenes Verbrechen und wird mit gleicher
Mnze bestraft. In der Residenz des Knigs werden die meisten
Hinrichtungen im Lande vorgenommen, weil so viele Unbeliebte, Beneidete
aus den Provinzen, des Hochverrathes angeklagt und nach der Residenz
geschleppt werden. Sepopo nahm keine Rcksicht; jahrelange, treue
ergebene Dienstleistung, selbst von Wrdentrgern, enge
Verwandschaftsbande mit dem Knige etc. konnten nicht schtzen, wo sein
Verdacht rege wurde; in einem solchen Falle war jedes Gesetz null und
nichtig. Die Beschuldigung des Hochverrates, des Mordes, der Flucht aus
dem Reiche, des Verkaufes von Elfenbein und Honig, des Diebstahles an
kniglichem Eigenthume, des Ehebruches mit einer der Kniginnen
begangen, der zufllige Tod eines Nchsten gengten, um vergiftet oder
verbrannt zu werden. Raufereien, Verwundungen, leichter Diebstahl wurden
mit schwerer Arbeit in den kniglichen Feldern oder lebenslnglicher
Sklaverei bestraft. Fhlte der Knig kein persnliches Interesse oder
Uebelwollen, so wurde der Ausspruch dem groen Rathe bergeben, und
stimmte dieser fr den Tod, so wurde der Verurteilte dem Gottesurteile
mit dem Giftbecher unterworfen.

Im Folgenden will ich es versuchen, die Vorbereitungen und das
Ceremoniell eines solchen Gottesurtheiles, respective einer Hinrichtung
zu schildern.

Ein glhender Lichtschimmer berfluthete die meilenweite, die neue
Hauptstadt des Marutse-Reiches, Schescheke, im Osten begrenzende Ebene;
in manchen Theilen der Stadt herrschte noch Stille, da die Bewohner sich
bis tief in die Nacht bei Butschuala-Gelagen gtlich gethan hatten. In
den Drfern der Mabunda und Masupia's war es dagegen bereits ziemlich
rege, namentlich jedoch in den unmittelbar am Fluufer erbauten
Mambo-Drfern. Die Mambo, denen die Fischerei obliegt, pflegen sich
nicht von den schimmernden Vorboten des goldenen Gestirns zur Arbeit
aufmuntern zu lassen; kaum da es graut, sind sie schon bei ihren Khnen
und Netzen, um sich in die nahen und entfernten Lagunen und Flubuchten
zu begeben, und die ihnen von dem kniglichen Kchenmeister
vorgeschriebene Anzahl von Fischen zu erbeuten. Das rege Treiben in der
winzigen Bucht nahe an meiner Htte, wo sie ihre Khne zu bergen
pflegten, hatte mich oft frh angelockt, und so stand ich auch heute und
schaute ihrem Treiben zu. Als die Letzten abstieen, wandte ich mich
nach meiner Htte. Zwischen derselben und dem kniglichen Husercomplex
lag ein etwa sechshundert Schritte breiter Streifen freien Landes, und
ber dieses hin bewegte sich ein Zug von etwa zwanzig Menschen. Diese
hatten die Richtung nach dem Walde eingeschlagen, einen der Pfade
whlend, der zwischen meiner Htte und dem aus Schilfrohr erbauten
Huschen der portugiesischen Hndler, durch die Marutse-Drfer fhrte.
Voran schritt ein Mann, der, jedem Bewohner von Schescheke nur zu wohl
bekannt, als Vollstrecker der Grausamkeiten des Knigs Sepopo, ein
Schrecken im Marutse-Reiche geworden war. Es war Maschoku, die
Mabundahyne. Er war mit einem bis an die Knchel reichenden,
buntcarrirten Wollhemd bekleidet; ihm folgte ein Mann von mittleren
Jahren und diesem zwei Greise, wahre wandelnde Mumien, die mit ihren
fezartigen Kopfbedeckungen als des Knigs Leibrzte und die Hauptredner
in dem unmenschlichen engeren Rathe, der dem Knige zur Seite stand,
allgemein bekannt waren. Hinter denselben schritten vier mit Assagaien
bewaffnete junge Mnner. Den Zug schlossen zwei Gruppen von etwa acht
Personen, in der ersteren bemerkte ich ein Weib und zwei Kinder. Die
Leute bewegten sich, wie es schien, in einer gedrckten Stimmung,
whrend die letzte Gruppe schreiend und lrmend einherzog. Als ich
diesem Zuge nachsah, hrte ich hinter mir ein leise geflstertes
^camaja mo mositu, ku umubulaja mona mo!^ (Die gehen in den Wald, um
jenen Mann zu tdten.) Es war ein Knabe aus Schescheke, der mir fr
Glasperlen Fische zum Verkaufe brachte und die Gruppe bemerkte, die
meine Aufmerksamkeit erregt hatte.

Der zur Hinrichtung Geschleppte war von einigen Nachbarn, die auf seine
reiche Ernte neidisch waren, des Hochverrathes angeklagt und von dem
Knige _gegen_ den Ausspruch des hohen Rathes zum Tode verurtheilt
worden. Der Knig war unplich geworden, und die Krankheit wurde auf
gewisse Zaubereien geschoben, die jener begangen haben sollte.

An der Hinrichtungsstelle angekommen, ri der Scharfrichter dem
Verurtheilten seine Lederschrze vom Leibe, zerbrach die aus Elfenbein
und Holz gearbeiteten Armringe, whrend seine vier bewaffneten Helfer
nach den nahen Bschen griffen, um dem Armen aus grnen Buschzweigen
eine Schrze um die Hften zu flechten. In der Mitte der kleinen
Lichtung standen zwei, drei Fu von einander abgehende und fnf Fu ber
den Boden ragende rauhe Pfhle, welche im unteren Drittel und an ihren
freien Enden mit je einem Querholze verbunden waren. Hie und da sehen
wir einen Aschenhaufen, aus dem einzelne halbverbrannte Menschenknochen
hervorragen.

Maschoku fate den Verurteilten bei der Hand, fhrte ihn zu dem Joche,
lie ihn auf das untere Querholz niedersetzen und hie ihn mit den
Hnden die Pfhle erfassen. Einer seiner Begleiter brachte eine kleine
Krbiflasche, ein anderer eine hlzerne Schale. Der Scharfrichter go
aus der ersteren eine dunkle Flssigkeit, ein Decoct von giftigen
Krutern in die Schale, welches er selbst am vorhergehenden Abend von
dem Knige zu diesem Zwecke erhalten hatte; er reichte die Schale dem
Manne hin und gebot ihm zu trinken. Kaum hat der Aermste getrunken, so
strzten jene, welche gesenkten Hauptes und klagend dem Manne zur
Hinrichtung gefolgt waren, auf diesen zu und brachen in lautes Wehklagen
aus. Mein Mann, mein Bruder, mein Vater, Freund, Freund! riefen sie
durcheinander. Frchte Dich nicht, Du sollst nicht sterben, Du bist ein
guter Mann, Du hast nie Bses gethan; bse Menschen, die nach Deinem
Mabele (Korn) und nach Deinem Khomo (Vieh) trachteten, haben schlechte
Worte gesprochen, und deshalb hat man Dich hierhergeschleppt; Du hast
nie Bses gegen den Knig im Sinne gehabt, so wirst Du auch nicht
sterben. Njambe, der gute und schlechte Herzen kennt, sieht auch Deine
Unschuld und wird Dich das Molemo (Gift) erbrechen lassen. So reden die
Freunde des Verurtheilten; sie streicheln und liebkosen ihn. Wie sie
etwas in ihrem Eifer nachlassen, treten die Anklger heran, jene, welche
beim Zuge die Nachhut bildeten. Mit geballten Fusten drohen sie dem am
Schaffot Sitzenden, die rgsten Verwnschungen gegen ihn ausstoend. Du
Verrther, Du schlechter Mensch, schwarz ist Dein Herz, Du wolltest den
Knig tdten! Schlechte Medicinen hast Du in seine Behausung geworfen,
die ihm die Krankheit in dieselbe brachten, allein wir haben Deine
Schlechtigkeit gesehen, wir sagten es dem Knige, und nun sollst Du
dafr sterben. Siehst Du das Feuerchen da, was eben unsere Brder
angezndet haben, sieh', das wollen wir gro machen und dann Deine
Gebeine, die Knochen eines schlechten Hochverrthers, daran rsten und
verbrennen! Und abermals drohen sie mit den Fusten und speien ihn an.

Nach den alten Marutse-Gesetzen mu jeder Verurtheilte eine Schale Gift
trinken. Fllt er nach dem Genusse des Giftes besinnungslos zur Erde, so
wird er fr schuldig erklrt und sofort verbrannt. Wenn im Gegentheile
der Verurtheilte das Gift erbricht, so wird er fr unschuldig erklrt,
allerdings kein wohltuendes Begnadigungsmittel, da nach dem Genusse des
Giftes eine Blutzersetzung eintritt, welche Ausschlge und Siechthum und
nach vielen Leiden, einige Jahre spter den Tod zur Folge hat. Der Knig
Sepopo, der die meisten Gesetze und Gebruche seines Landes umstie,
bercksichtigte auch diesen nicht und gab oft im Geheimen dem
Scharfrichter den Auftrag, die Verurteilten auf jeden Fall zu tdten.

So geschah es, da, als der Knig von der Barotse nach Schescheke
bersiedelte, er von seinem Mutterlande des Tsetse-Grtels halber, der
die Umgegend von Schescheke umspannt, keine Rinder fr seinen Bedarf
nach der neuen Residenz mitnehmen konnte. In Schescheke lebte aber unter
mehreren Huptlingen Einer, der groe Heerden besa; auf ihn fiel sofort
des Knigs Augenmerk und damit war auch das Los des Aermsten
entschieden. Er wurde angeklagt und verurtheilt, doch das Gift hatte
keine Wirkung. Da fand sich ein zweiter Sklave, der den Huptling des
Hochverrathes beschuldigte, und als auch die zweite Verurtheilung nichts
half, folgte eine dritte, schlielich wurde er so lange mit dem
Vorderkrper in's Feuer gehalten, bis er seinen Geist aufgab.

Nachdem ich Schescheke verlassen, wurde auch die Frau des Huptlings
Mokoro, zum Tode verurtheilt. Sie war als unschuldig erklrt worden, der
Scharfrichter aber theilte ihr mit, da ihm der Knig den Befehl
ertheilt, sie am folgenden Tage zu verbrennen. Um solch' einem Tode zu
entgehen, warf sie sich in den Flu und wurde sofort von einem Krokodile
ergriffen, doch von diesem lngere Zeit hin- und hergezerrt, bevor das
Thier mit ihr in die Tiefe versank und das grause Schauspiel ein Ende
fand.

Nachdem sich die Anklger mde gescholten, traten die beiden alten
Medizinmnner heran, nahmen den Verurtheilten von dem Gestell und
drehten ihn mehrmals im Kreise herum, sie thaten dies, um, wie sie
sagen, das Gift besser im Krper wirken zu lassen. Kaum hatten sie ihn
wieder seine frhere Stellung einnehmen lassen, nherten sich ihm wieder
seine Freunde. Freund, entledige Dich doch des schdlichen Stoffes, den
Du getrunken, brich ihn aus, damit Du diesen bsen Menschen und dem
Knige zeigst, da Du unschuldig bist! Freunde und Klger wechseln so
ab, bis das Gift betubend oder wie ein Brechmittel zu wirken beginnt.
In dem vorliegenden Falle wirkte es betubend; etwa eine halbe Stunde,
nachdem er das Gift zu sich genommen, fiel der Verurtheilte
besinnungslos zur Erde. Bevor dies jedoch geschah, hatten schon einige
seiner Anklger ein kleines Feuer angezndet, auf welches sie bei ihren
Spottreden hinwiesen. Kaum war der Verurtheilte zur Erde gefallen,
erfaten ihn die Diener des Scharfrichters und schleppten ihn zu dem
Feuer. Vergebens rangen seine Angehrigen die Hnde; mitleidslos ward er
mit dem Kopfe in das kleine Feuer gehalten, so da er mit
halbverbranntem Gesichte, bevor noch das Feuer zur Flamme angefacht war,
erstickte. Dann erst wurde trockenes Reisig herbeigetragen und eine Art
Scheiterhaufen errichtet, auf welchem der Krper gnzlich verbrannt
wurde.

Laut klagend und jammernd zogen die Angehrigen des Verurtheilten heim.
In der Stadt verstummten sie, um nicht des Knigs Mifallen zu erregen.
Sehr Viele trachteten sich, sowie sie nur eine Ahnung von einer etwaigen
Vorladung erhielten, durch Flucht nach dem Sden ber die beiden Strme
zu retten. Andere tdteten sich selbst, als sie sahen, da sie trotz
ihrer durch das Erbrechen des Giftes erwiesenen Unschuld, doch wieder
angeklagt und verbrannt werden sollten. Die auf der Flucht Ergriffenen
wurden theils von den Verfolgern niedergestoen, theils wieder nach
Schescheke zur Hinrichtung eingebracht. Verurtheilte, freiwillig
Heimgekehrte und auf die Frbitte der Weien oder eines fremden, Sepopo
befreundeten Eingebornenfrsten gesttzt, um Nachsicht Flehende wurden
bei ihrer Ankunft in Schescheke wohl begnadigt, allein wenige Tage
darauf wieder verurtheilt.

Bei Diebsthlen bestrafte der Knig oder der Wrdentrger nur wenn der
Schuldige der That gestndig oder wenn er von mehreren Zeugen berwiesen
war. Im Allgemeinen wird von der Obrigkeit nicht viel gethan, um des
Diebes habhaft zu werden. Bringe ihn und beweise, da er Dich bestohlen
hat, ich werde ihn schon empfindlich zchtigen, heit es zumeist.

Ich erwhnte bereits, das zwei vom Knige begnadigte Verbrecher in der
Residenz, die Reinigung der Stadt zu besorgen hatten; bevor noch die
Bewohner von Schescheke erwachen, sind diese Beiden schon auf ihren
Fen und walten ihres Amtes. Dabei ereignete es sich nun mehrmals im
Jahre, da menschliche Leichen an den Pfaden und in den Straen lagen;
auf Sepopo's Gehei, der jeden Todten, die Mitglieder des kniglichen
Hofes ausgenommen, als Unrath ansah, muten dieselben gleich dem
Kehricht behandelt werden.

Von nennenswerter Heilkunde fand ich in dem Marutse-Reiche mehr vor als
in allen brigen mir bekannten sdafrikanischen Eingebornenlndern.
Diese Heilkunde bildete die Basis, auf der die schon fters erwhnten
Doctoren, die Mitglieder des engeren Rathes, ihr Wissen und Ansehen,
spterhin ihre Zaubereien sttzen konnten. Mehrere vegetabilische
Heilmittel und Gifte kennend, suchten sie weiter in der Heilkunde
nachzugrbeln, geriethen aber nur zu leicht, geleitet und durchdrungen
von dem volksthmlichen Aberglauben in das verderbliche, den Geist
umnachtende Chaos der Beschwrungsformeln.

Ich beobachtete, da sie sich auf die Behandlung von Dysenterie,
Fieberanfllen, Husten, Lungenkatarrh, Stillung von Blutungen und
Schlangenbissen wohl verstehen. In der Regel werden jedoch die Arzneien
mit vielen Zeremonien verabreicht, um eben den Kranken glauben zu
machen, da letztere den Lwenantheil an der Kur haben. Oertliche
Blut-Entziehungen mit Metall-, Horn- und Knochenmessern bewirkt, und das
Blut mit Hornsaugrhren ausgesogen, fand ich -- wie unter den
Betschuana's -- gemein und gewhnlich an den Schlfen Wangen, Oberarmen,
der Brust und den Schultern applicirt. Es soll Schmerzen an diesen
Krpertheilen mildern, -- wie ich bemerken konnte, meinte man hiemit
Neuralgien sowohl als Entzndungsschmerzen der betreffenden oder der
Nachbarorgane. -- Die Vegetabilien werden zumeist getrocknet und dann im
pulverisirten Zustande oder als Decoct, oder aber der bei ihrer
Verbrennung erzielte Rauch und ihre Asche als Heilmittel gebraucht. Von
thierischen Stoffen gebraucht man Knochenstaub, gebranntes
Knochenpulver, die Schuppen des Schuppenthieres, die, Riechstoffe
enthaltenden Drsen gewisser Sugethiere und thierische Excremente etc.
etc. Einen wesentlichen Unterschied zwischen den Heilknstlern des
Mabunda-Reiches und denen der meisten Betschuana's, fand ich in dem
ueren Auftreten derselben; mit Ausnahme des hohen Alters kennzeichnen
sich die Ersteren durch keine besonderen Abzeichen. Ebenso scheint die
Doctorswrde im Mabunda-Reiche nicht erblich zu sein, whrend dies bei
den Betschuana's der Fall ist.

Der Aberglaube ist eine der bedauernswerten Erscheinungen, welche der
geistigen Entwickelung der sdafrikanischen Eingebornen im Wege stehen.
Es war vor Allem Sepopo, der sich von seinen Unterthanen als Zauberer
gefrchtet und gro zu machen verstand und sich endlich so tief in die
Gaukelei hineinlebte, da er selbst daran glaubte, wodurch es ihm
mglich wurde, sich trotz seiner nichtswrdigen Grausamkeiten so lange
am Throne zu behaupten. Die aberglubischen Lehren hatten durch die
greisen Doctoren ein nicht geringes Ansehen beim Volke erlangt, dessen
Zweifel oft durch die gewonnene Ueberzeugung der Heilkraft der als
Heilmittel von den Aerzten gebrauchten vegetabilischen Producte, sowie
in Hinblick auf die geheiligte Person des Knigs geschwcht oder
benommen wurden. Der Zaubermittel gibt es eine Legion; ich will blos
einige anfhren.

Beim Beginne eines Krieges, nach der Erbauung einer Stadt und bei
anderen wichtigen Gelegenheiten, bei Landplagen etc. wurden bestimmte
Theile des menschlichen Krpers geopfert, d. h. bei Lebzeiten vom
menschlichen Krper abgetrennt und an bestimmten Orten in erlesenen
Gefen aufbewahrt.

[Illustration: Korb aus Bast und Kalebassen-Korngefe bei den Mabunda.]

Aus Bffelfett gearbeitete Armringe und Brustbnder sollen gewisse
Krankheiten bannen und gegen menschliche Nachstellungen schtzen. Das
Herzfett der Hausthiere, auf Stbchen in Kreuzform befestigt und bei
Nachtzeit vor die Htten der aus dem Reiche Geflohenen eingepflanzt,
soll auf die Flchtlinge hchst verderbend einwirken, da sie auf der
Flucht die Sinne verlieren, und wie im trunkenen Zustande zu ihrer
Niederlassung zurckkehren, um ihre gerechte Strafe zu erleiden. Das
Pulver verschiedener gebrannter Knochen von Sugethieren, Vgeln,
Amphibien am Krper getragen, wird verkauft, um schnellfig zu werden,
das verfolgte Wild in seinem Laufe zu lhmen und dem Jger reiche Beute
zu sichern. Es wird theils in Sckchen auf dem Leibe getragen, theils in
an den Armen und Beinen gefhrte Einschnitte eingerieben. Weitere
Zauberkraft enthaltende Mittel sind all' die pharmaceutischen Prparate,
die der Weie an die Eingebornen verabreicht, seltene Thierfelle, wie
das des groen schwarzen Lemur, anormale Bildungen in der Frbung
kleiner Sugethiere, Ausschnitte aus dem Kamme der Schwanzflossen des
Krokodils, seine Augen und die Luftlcher; Hrner des ^Cephalopus
Hemprichii^ und des ^Scopophorus Urebi^, seltene Glasperlen, auffallende
pathologische Haar-, Horn- und Knochenbildungen von Thieren; Sckchen,
genht aus der Haut der Boa, Leib- und Brustgurte aus Schlangen-, Erd-
und Wasserleguanhaut verfertigt, kleine Muscheln, die an Stirn- und
Halsbndern, an Armringen und Leibbinden festgenht, getragen werden.
Die letzteren, sowie andere Kalkproducte von Seethieren haben die
Portugiesen eingefhrt und damit im Allgemeinen einen regen Handel
getrieben.

Diese Amulete und Zaubermittel werden, wenn nicht am Krper getragen,
auf geheimen oder nur dem Hausherrn bekannten Orten aufbewahrt gehalten.
Der Knig hat hinter seinem Empfangshause lngs der Hofumzunung eine
Reihe von bemalten Thontpfen und Kalebassen stehen, die smmtlich
aberglubische Mittel enthalten. Auerdem hat der Knig eine eigene
Htte fr seinen medicinischen Besitz und die zahlreichen Amulete
erbaut; bei Sepopo stand sie zwischen seinem Empfangs- und dem
Waarenhaus. Zu den offenen, Zaubermittel enthaltenden, Behltern
gehren: aus Bast, Gras und Stroh verfertigte Scke und Krbe, kleinere
und grere, schwarz gebrannte, einfach gehaltene und gekerbte
Holzschsseln, groe, roh gearbeitete Holzschsseln, Tpfe und Schalen
aus ungebranntem oder auch gebranntem Thon, gewhnlich mit dunklen
Glasur-Zeichnungen bedeckt und zuweilen auf Gestellen, Holzfen,
Baumstmmchen aufgestellt, oder auf Pfhlen aufgehangen; ferner
Kalebassen, die dann gewhnlich unter Miniaturdchern aufgestellt
werden.

Zu den geschlossenen gehren kleine Makenkekrbe, Miniaturkrbchen aus
Fcherpalmblttern gearbeitet, kleine sanduhrfrmige, mit Pfrpfen (aus
Holz) versehene, Schnupftabakdosen hnliche Kalebassen, zugepfropfte
Hrner kleiner Gazellenarten, mit Linien und Kreisen (Einkerbungen,
Eingravierungen) bedeckte kleine Ziegenbockhrner und nett geschnitzte,
in Pulverhornform gehaltene Hrner grerer Antilopen (Harrisbock,
Gemsbock, Roen-Antilope etc.); smmtliche sind mit Hngschnren
versehen. Ferner beobachtete ich solche, die sorgsam aus Holz, Rohr,
Vgel- und Thierknochen, Nilpferd- und Elephanten-Elfenbein, aus
Fruchtschalen, Thierklauen zu Dosen geschnitzt, oder aus Thierfellen und
aus der Haut innerer thierischer Organe (Eingeweide, Blase etc.), aus
Tuch- und Wolllappen zu Sckchen genht sind. Im Allgemeinen verwendet
man im Marutse-Reiche auf diese Artikel eine bedeutende Sorgfalt, und
Sepopo's Medicin- und Gifthtte allein wrde, in ein europisches Museum
transferirt, eine interessante ethnographische Sammlung abgeben. Leider
ist es fr den Sammler nicht leicht, sich mehrere solcher Objekte durch
Tausch anzueignen; die Eingebornen wollen sich der in denselben
enthaltenen Zaubermittel halber nicht von ihnen trennen.

Das Ausschtten von Flssigkeiten vor der Hof- oder Hausthre wird als
ein Zauberversuch zum Schaden des Hausherrn oder Desjenigen angesehen,
der unvorsichtiger Weise ber die nasse Stelle hinwegschreitet.
Unwohlsein wird in der Regel als die Folge von Zauberei oder
gefhrlichem Uebelwollen angesehen. Meine Arbeiten und meine den Kranken
geleistete Hilfe hatten mich im Marutse-Reiche zu einem groen Zauberer
gestempelt, und hatten nur das eine Gute, da ich von allen mehr als
andere Weie gefrchtet wurde. Die meisten Geheimmittel sind den
Zauberern (Doctoren), dem Knig und dem Scharfrichter bekannt und werden
verhltnimig theuer verkauft.

Bisweilen wurden zwei und mehrere Sitzungen abgehalten, um sich ber
dies oder jenes unmenschliche Mittel zu einigen. Personen, die dem Rathe
mitrauten, einzelne nachdenkende Kpfe, wurden nur zu leicht aus der
blindlings gehorchenden und unterwrfigen Menge herausgefunden, des
Hochverrathes oder anderer nicht begangener Verbrechen angeklagt bei
Seite geschafft.

Ich hatte bereits Gelegenheit zu erwhnen, da von Sepopo zu manchen
aberglubischen Zwecken Menschenopfer verwendet wurden. Dieselben sind
kein landesblicher Gebrauch, sondern waren dem Knige von dem engeren
Rathe empfohlen worden. Whrend meines ersten Aufenthaltes begann er,
wie ich bereits erwhnt, Neu-Schescheke zu bauen. Um die neue vor einem
hnlichen Schicksale wie es die alte Residenz traf zu bewahren, wurde
eine Sitzung des engeren Rathes abgehalten und die Schrecklichen
beschlossen, dem Knaben eines Huptlings die Finger und die Zehen
abzuhauen und diese in der Kriegstrommel aufzubewahren. Trotz der
Geheimhaltung dieses Beschlusses wurde die Absicht des engeren Rathes
einem Huptlinge verrathen, der die Nachricht allen seinen Freunden
mittheilte, doch nicht schnell genug und ohne Verdacht zu erregen. Gegen
Ende des Monats September, als Blockley allein in Schescheke zurck
geblieben war, konnte man allnchtlich in dem Walde von Schescheke
Menschengruppen begegnen, welche nach den tieferen Waldpartien zueilten,
es waren die Vertrauten dieses oder jenes Huptlings, welche dessen
Knaben aus dem Bereiche des Tyrannen zu bringen suchten, ohne da der
Knig oder der Scharfrichter eine Ahnung davon hatten, da man ihre
Plne zu durchkreuzen suche.

Am bestimmten Tage schickte Maschoku seine Diener in der Stadt umher, um
sie die Huptlingsgehfte ausspioniren zu lassen, in welchen man sich am
leichtesten eines Knaben bemchtigen konnte. Alle bis auf einen kehrten
unverrichteter Weise zurck, sie fanden die Gehfte frmlich kinderleer,
nur der eine wollte einen Knaben im Hofraume seines Vaters spielen
gesehen haben. Als dies der Scharfrichter dem Knige hinterbracht hatte,
befahl er dem Vater des Knaben sofort fr die Bedachung eines noch
unvollendeten kniglichen Baues das nthige Gras und Schilf zu holen,
alles andere nahm Maschoku auf sich. Als ihn seine Diener
benachrichtigten, da der Chef abgereist sei, berief dieser den
erwhnten Diener und gab ihm die nthigen Instructionen, um das Opfer
auch glcklich in das Gehft des Knigs zu bringen. Hier war eine
grere Menschenmenge versammelt, welche lautlos dasa; der Knig schien
unmuthig und deshalb wagte es Niemand, ein Wort zu sprechen.

Um diese Zeit erschien in dem Hfchen des Huptlings, der sein Gehft
verlassen, um fr den Knig das nthige Schilfrohr zu holen, ein
Mabunda-Mann, der Abgesandte des Scharfrichters, setzte sich nahe an der
Umzunung nieder und wartete bis ihm eine der Hausfrauen mit dem
Willkommgru Rumela ansprach und theilte derselben nur mit, da der
Kosana, der eben mit seinem Kahne abstoen wolle, ihn mit dem Auftrage
hiehersende, ihm sein kleines Shnchen zu bringen. Die Mutter befiehlt
dem Kinde, dem Manne zu folgen und dieses fgt sich willig dem Gebote.
Dieser schlgt aber die Richtung nach den kniglichen Gehften ein, wo
er mit seinem Erscheinen pltzlich die darin herrschende Stille
unterbricht. Aus seinem Hinbrten durch Maschoku wachgerufen, wirft der
Knig einen Blick auf den Knaben und steht dann von den Anwesenden
gefolgt auf. Man nimmt nun den Knaben in die Mitte, der durch die
stillschweigende Menge eingeschchtert, sich willenlos fortschleppen
lt. Die knigliche Capelle beginnt hierauf ihre monotonen Weisen und
begleitet den Knig. Zum Flusse ging es wohl und dies mochte den Knaben
etwas ruhiger stimmen, doch ein pltzlicher Schrei einer Huptlingsfrau,
deren Gehfte man passirte, flte dem Kinde Furcht und Schrecken ein.
Die Frau kannte das Schicksal des Opfers, das man eben zur Schlachtbank
fhrte.

[Illustration: Schpflffel und Kalebassen-Korngefe bei den Mabunda.]

Am Flusse angekommen, besteigt die etwa siebzig Kpfe zhlende Menge
smmtliche am Ufer liegende Boote und fhrt nach dem jenseitigen Ufer;
die Tambours folgen, whrend die Myrimba's zurckbleiben. Am jenseitigen
Ufer; angekommen, lt sich Sepopo auf ein Sthlchen nieder, der
Scharfrichter, seine Knechte und die Mitglieder des engeren Rathes
bilden einen Kreis, die Tambours und die anderen Musiker stellen sich
rings umher, damit das Volk von Schescheke die grausame That nicht sehe.
Der Knabe, durch alle die schweigsamen Mnner erschreckt, folgt nur
zgernd. Nun nickt der Knig mit dem Kopfe und im selben Momente wird
der Knabe zur Erde geworfen, das erschrockene Kind beginnt laut zu
schreien, aber den Tambours wurde zugleich das Zeichen gegeben, und laut
schallen die Trommeln, um das Geschrei des Kindes zu bertnen. Der
Widerstand des hilflosen Kindes ist von den Henkersknechten bald
berwltigt, und nun gehen die alten Doctoren an's Werk und schneiden
dem Opfer Finger um Finger, Zehe um Zehe vom Krper. Trotz des lauten
Trommelschlages vernimmt die Menge am diesseitigen Ufer einige Worte des
sterbenden Knaben. ^Ra, Ra came, Ra Ra^ (Vater, mein Vater),
zeitweilig wird das Wort: ^Umu umu bulaja^ (sie tdten mich) hrbar;
obwohl die Menschenmenge sich mit jedem Augenblicke mehrt, und alle
begreifen, da Sepopo eine neue Grausamkeit begeht, wagt es Niemand, an
die Rettung des armen Knaben zu denken.

Nachdem sich die Doctoren der genannten Gliedmaen bemchtigt haben,
wird dem Leben des Knaben sofort ein Ende gemacht, d. h. das Opfer wird
erwrgt und mit einem Kiri erschlagen. Nach vollbrachtem Werke werden
die Boote wieder bestiegen, ganz zufllig scheinen diese in der Mitte
des Fluges einen Knuel zu bilden, in Wirklichkeit aber nur, um den
Krper des Knaben unbemerkt in den Flu gleiten zu lassen. Whrend die
Boote etwas fluabwrts an den kniglichen Gehften anlegen, folgt ihnen
eine jammernde Frau am Ufer nach, watet, die Krokodile und den Zorn des
Tyrannen nicht achtend, in das Wasser und fordert laut ihr Kind, ihren
Muschemani zurck. Der Knig steigt ruhig aus, was wei er von
Mutterfreude und Mutterschmerz, ihm folgen die Seinen, und bald sitzt
man bei einigen Tpfen Butschuala, whrend die alten Doctoren die
getrennten Finger und Zehen in einer der Kriegstrommeln verbergen.

Diese Alarm-, Kriegs-, Schlachttrommeln sind ebenfalls knigliches
Eigenthum, von welchen stets drei bis vier vorhanden und im groen
Berathungshause aufbewahrt sind, sie werden nur bei Ueberfllen der
Residenz, beim Ausmarsch in den Krieg, beim Ausbruch revolutionrer
Emeuten u. s. w. geschlagen. Ich vermuthe, da diese Trommeln mit
hnlichen Schlgeln wie die Kaleba-Piano's oder mit kleinen Kiris
bearbeitet werden. Der Holztheil der Trommel ist mit rothem Ocker
bemalt, die Fe sind klein, der Henkel gleich der Lederumreifung aus
ungegerbten Rindsfellen gearbeitet. Diese Trommeln haben dreiig bis
fnfzig Centimeter im Durchmesser und vierzig bis fnfzig Zentimeter
Hhe.

Als ich nach meinem zweiten Besuche nach Schescheke zurckgekehrt war,
berichteten mir zwei der Huptlinge von Schescheke diese Episode, am
ausfhrlichsten that es Blockley, denn unser Gehft lag dem Thatorte
gegenber.

Noch bevor ich den Zambesi berschritt, hrte ich die industrielle
Thtigkeit der Vlker Sepopo's rhmen. Unter den Sd-Zambesi-Stmmen
behaupten die Maschona den ersten Rang. Da ich das Maschona-Land nicht
besuchen konnte und nur nach den mir zugekommenen oder gezeigten
Handarbeiten urtheilen mute, mag mein Ausspruch nicht jenes Gewicht
besitzen, das ich wnschen wrde, doch kann ich mich dahin aussprechen,
da es Stmme im vereinigten Marutse-Mabunda-Reiche gibt, welche in
gewissen Branchen der Industrie die Maschona bertreffen.

Unter den Kchenutensilien stehen die aus Thon verfertigten Gefe
obenan. Manche haben Vasenform, andere sind durch die angebrachten
dunkleren und helleren Verzierungen, die am Halse oder Mantelkragen
angebracht sind, und andere dadurch wieder ausgezeichnet, da sie
geglttet, frmlich von einer Glasur berzogen zu sein scheinen. Am
Boden fand ich nie Zeichnungen vor, auch vermite ich Henkel. Die als
Getreide-Speicher bentzten Thongefe haben Riesendimensionen und
Urnenform. Diese Riesengefe sind roher als die vorgenannten gearbeitet
und ohne Ausnahme aus ungebranntem Thon. Die Gefe sind nach oben mit
einem tellerfrmigen Thondeckel geschlossen und zeigen an der vorderen
Seite unmittelbar ber dem Boden eine halbkreisfrmige, meist handbreite
Oeffnung, die mit einer beweglichen Platte von Innen verschlossen ist.
Diese Platte trgt einen horizontal sitzenden Stiel, mit dessen Hilfe
die Oeffnung nach Belieben geschlossen werden kann. Diese Riesengefe
sind so schwer, da ich, wie an den kniglichen, sechzehn Mnner
keuchend schleppen sah, beim Transport werden sie auf Pfhlen getragen.
Die Thongefe sind meist nur Arbeit der Frauen, whrend die Holzgefe
von Mnnern, und zwar meist von Mabunda's gearbeitet werden. Die
ersteren werden zur Aufbewahrung und Zubereitung von Kafirkornbier, zur
Aufbewahrung von Milch, Wasser und zum Kochen bentzt. Smmtliche
Holzgefe sind innen und auen mit Eiseninstrumenten tiefschwarz
eingebrannt und dies ist so gleichmig und vorsichtig ausgefhrt, da
man sie aus Ebenholz verfertigt halten wrde. Die meisten derselben sind
mit erhabenen, symmetrischen, um den Rand, Hals und Mantelkragen
laufenden Schnitzereien und manche mit durchgebohrten, abgeflachten
Buckeln als Henkeln versehen; jeder Holztopf ist mit einem geschnitzten
Deckel versehen.

Nchst den Thongefen sind die aus Holz verfertigten Gefe zahlreich
und nicht minder mannigfach vertreten. Unter diesen gehren die
Vorlegschsseln fr klein gehackte Fleischsorten zu den edelsten
Holzschnitzereien der Mabunda, zu den besten Holzarbeiten in der
Abtheilung der Kchenutensilien. Im Allgemeinen sind die Holztpfe von
cylindrischer oder Kegelstutz-Form mit abgerundetem Boden. Sie dienen
zur Aufbewahrung von Mehl, Bohnen, kleinen Frchten und Bier. Den
Uebergang von den Holztpfen zu den zahlreichen Varietten der
Holzschsseln bilden die mit Ausgumulden versehenen Napfschsseln.

Die eigentlichen Holzschsseln sind entweder Rundschsseln oder ovale;
die letzteren wieder schiffchenfrmige oder schalenfrmige. Die ersteren
der ovalen Gattung sind die frher erwhnten, schn gearbeiteten
Fleisch- und Vorlegeschsseln, sie trafen durchwegs einen
horizontal-vorstehenden, durchbrochen geschnitzten Rand, sind henkellos
und tiefschwarz von Farbe. Ich fand sie in der Regel im Hause der
Angesehenen, doch die schnsten in des Knigs Besitz. Die
lnglich-schalenfrmigen gehren zu den grten Holzschsseln, die
riesigsten fand ich bei den Matabele. Sie sind von doppelter bis
dreifacher Gre der obgenannten und stets mit zwei ordentlichen Henkeln
an den Enden des grten Durchmessers versehen. Sie dienen zum
Auftischen von groben Fleischstcken fr eine grere Anzahl von
Personen und sind oft an ihrer ganzen Mantelflche mit symmetrischen
oder unsymmetrischen, ein bis drei Centimeter erhabenen
Arabesken-Schnitzereien bedeckt. Ich glaube, da den Maschona die Palme
in dieser Arbeit gebhrt. Von Rundschsseln finden wir mehrere
Varietten vor; alle haben mehr oder weniger hervorragende Henkelbuckel
und in der Regel eine gewlbte, nur in seltenen Fllen eine ebene,
thalergroe Bodenflche, der Rand ist meist gekerbt. Sie fehlen in
keiner Haushaltung, da ihr Gebrauch ein allseitiger ist, und sie als
Milch- und Oelgefe und zur Aufbewahrung fetter Substanzen dienen.

[Illustration: Ein Marutse-Elephantenjger.]

Die getrockneten Fruchtschalen verschiedener Krbiarten werden sehr
hufig zu Gefen verarbeitet. Vor Allem dienen diese Kalebassen als
Wasserbehlter sowohl im Hause als auch auf Reisen, da ihnen das geringe
Eigengewicht zu statten kommt. Sie bieten noch mannigfachere Formen als
die eben genannten Gefarten, die einestheils schon von der Natur
mannigfach gegeben sind, anderntheils knstlich hergestellt werden. Fr
den fteren Gebrauch sind sie gelblich, brunlich, rothbrunlich,
schmutzig- bis dunkelbraun oder ziegelroth polirt und oft mit einem
Bast- oder Grasstricknetz umsponnen; jene zu seltenerem Gebrauche sind
oft mit eingebrannten Zeichnungen versehen. Auf das Einbrennen der
Zeichnungen verstehen sich namentlich die Mabunda, und dies insbesondere
mit Rcksicht auf die Figuren. Ich beobachtete einfache und
verschlungene Arabesken, Abbildungen von Menschen, Sugethieren, Vgeln,
Amphibien, Fischen und Insecten; ferner von Htten, allerlei
Gerthschaften, namentlich Waffen, Rudern, Khnen, Pfeifen; auerdem von
Bumen, Sonne und Mond; doch auch Jagdscenen auf dem Lande und zu Wasser
und Schlachtscenen, von denen mir besonders zwei auffielen, welche die
Eroberung einer befestigten Stadt versinnlichen sollten, und wobei die
gegenwrtig bei diesen Vlkern vermiten steinernen Brustwehren deutlich
aufgezeichnet waren. Im Allgemeinen bekunden diese eingebrannten
Zeichnungen groen Eifer und eine ziemliche Fertigkeit, sowie einigen
fr Wilde anerkennenswerthen Kunstsinn, obgleich ich sie nicht den
Kunstproben gleichstellen knnte, wie sie die besseren Hhlengemlde der
Buschmnner vor Augen fhren. Im Allgemeinen nehmen die mit
eingebrannten Zeichnungen versehenen Krbigefe einen ehrenvollen Rang
in der Industrie der Stmme am centralen Zambesi ein und bertreffen
wesentlich die hnlichen Erzeugnisse der sdlich von diesem Flusse
wohnenden Stmme. Die zu den Kalebassen nthigen Krbisse werden theils
auf den Maisfeldern, theils um die Htten und Huser angebaut.

Die kleinsten Kalebassen werden zu Schnupftabakdosen, jedoch nicht so
hufig verwendet, wie bei den Betschuana. Auch an Lffeln fand ich die
schnsten Formen im Marutse-Reiche. Die groen Schpflffel werden aus
langhalsigen gebogenen, am unteren Ende pltzlich verdickten Krbissen
verfertigt; sie sind nicht selten mit eingebrannten Zeichnungen
geschmckt, ihre Farbe meist gelb, brunlich oder rothbraun. Die zweite
Art der Lffel sind Holzlffel, und zwar gibt es groe, bis sechzig
Centimeter lange, zum Auftischen von Mehlbrei, eingedickter Milch,
gekochter Frchte etc. und kleinere, deren man sich bei Tisch bedient.
Unter den Holzlffeln ragen jene der Mabunda's durch die mhevolle
Arbeit sowie die eingebrannten Zeichnungen nicht nur im Marutse-Reiche,
sondern in ganz Afrika hervor. Zum Zerstampfen von Korn fand ich
hlzerne, pokalartig aus einem Holzstck verfertigte Blcke und Mrser.
Ferner findet man aus breiten Holzspnen gearbeitete Kornschsseln zum
Sieben des gestampften Getreides.

Die Flechtarbeiten machen den Bewohnern des Marutse-Mabunda-Reiches alle
Ehre. Zu den einfachsten gehren kugelfrmige, aus Gras sowie ebenso
einfach aus Baobabrinde verfertigte Kornscke (fnfzig bis siebzig
Zentimeter lang und dreiig bis fnfzig breit), ferner eine dritte Art
aus Rohr und den Stengeln staudenartiger Gewchse oder Fcherpalmbltter
gearbeitet; diese sind grer und dienen zum Transport getrockneter
Fische und nu- bis faustgroer Frchte. Auch die aus fingerdicken,
geflochtenen Bastfasern genetzten und Garnscke werden von den meisten
Stmmen gleich rasch und gediegen gearbeitet.

Die einfachste Art der Krbe besteht aus einer cylindrischen, nach unten
abgeschlossenen und an der Mndung mit einem hlzernen oder aus einem
Riemen verfertigten Henkel versehenen Rhre, welche aus einer, unserer
rothen Birkenrinde hnlichen Rinde gearbeitet und mit Bast
zusammengenht wird. Sie dienen meist zum Sammeln der Frchte.
Flechtarbeiten im engeren Sinne des Wortes sind die Makuluani-Krbe, d.
h. Krbe, die aus lancettfrmigen Blatttheilen der Fcherpalme
verfertigt werden. Sie sind sehr gediegen gearbeitet und entsprechen
vollkommen dem Zwecke, mit ihrem dicht schlieenden Deckel und dichten
festen Gewebe als Verschlukstchen oder Truhen zu dienen. Sie haben
eine gefllige, jedoch in zahlreichen Exemplaren nicht ein einziges Mal
bereinstimmende Form. Die in der Barotse angesiedelten Matabele
arbeiten Krbe aus Gras und Stroh so fein, dicht und gediegen, da sie
ein vollkommen wasserdichtes, zum Biertrinken bentztes Gef
vorstellen.

Zu der best gearbeiteten Flechtarbeit wie zu den besten Handarbeiten der
Marutse-Mabunda-Reiche berhaupt gehren unstreitig die beiden in der
Barotse von den Marutse-Stmmen gearbeiteten Arten der Makenke-Krbe.
Sie werden aus einem verhltnimig schwierig zu bearbeitenden
Material, den Wurzelfasern eines ahornartigen Strauches, des Mosura,
verfertigt. Man unterscheidet zwei Arten: die eine ist stets deckellos
und wird beinahe immer in einer und derselben Form und Gre geflochten,
die zweite ist mit einem dichten, falzfrmig eingreifenden Deckel
versehen und zeigt die grte Verschiedenheit in Bezug auf Form und
Umfang. Im knstlerischen Werthe stehen sich beide gleich. Ich sah kein
einziges Exemplar ohne Verzierung durch eingeflochtene, schwarz
gebrannte oder dunkelgefrbte Fasern (Strhne) hergestellte Zeichnungen.
Dies Alles macht diese Krbe selbst in der Barotse beachtenswert, in den
anderen Theilen des Reiches bekommt man sie kaum zu Gesicht; ja es hatte
groe Schwierigkeiten, in Schescheke, am Hofe des Marutse-Herrschers,
einige zu erstehen.

Die im Haushalte und von den Mnnern bei ihrer tglichen Beschftigung
gebrauchten Messer sind scheidenlos und bestehen aus einer dnnen,
scharf zugespitzten, oft an der Schneidekante ausgebogenen oder im
Ganzen sichelfrmig gebogenen Eisenklinge, die fest in einen krzeren,
mit Leguan- oder Schlangenhaut berzogenen Griff eingefgt ist. Unter
den Waffen unterscheide ich Wurf-, Sto-, Hieb-, Schneide-, Schlag- und
Schutzwaffen. Zu den ersteren gehren gewisse Arten der Assagaie und
Stcke; zu den zweiten andere Arten von Assagaie und Dolche; zur dritten
Kategorie Schlachtbeile; zur vierten Messer, Dolche; zur fnften Stcke
und Kiri's und zu der letzten Kategorie Schild und Stock.

Die Assagaie zeigen durchwegs gefllige Form, gute Arbeit, sind sinnig
den verschiedenen Zwecken entsprechend erdacht und reprsentiren die
besten Producte dieser Art, die ich bis jetzt in Sdafrika zu beobachten
Gelegenheit hatte. Ihre Assagaie stehen weit ber denen der Betschuana
und Makalaka. Von den verschiedenen Arten derselben erwhne ich die
Huptlings-Assagaie; sie gelten als waffenartige Abzeichen hherer
Wrdentrger, gehren zu den krftigsten, aber auch selteneren Waffen.
Sie sind 1 bis zwei Meter lang, wovon ein Dritttheil auf den Eisentheil
kommt; der Stiel ist der strkste unter allen nrdlich vom Zambesi
bekannten Hand-Assagaien und gewhnlich an seinem oberen, noch hufiger
in der Mitte und am unteren Ende ausgeschnitten, zuweilen auch mit
eingekerbten Linien, Ringen etc. verziert.

Der Hand-Assagai dient zur Bewaffnung der Rechten im Handgemenge und ist
eine furchtbare Waffe, namentlich in der Hand der Matabele. Er zeichnet
sich durch eine zur Hlfte ausgeschliffene Lngsleiste an der
Schneideflche, durch einen starken, mit erhabenen Ringen versehenen
Hals und einen kurzen festen Stiel aus, dessen unteres Ende durch ein
fingerdickes Eisenband beschwert ist.

Der lange Schlacht-Assagai ist das Gegentheil des vorher genannten; er
ist leicht, mit langem Stiel versehen und dient als Wurfwaffe. Er wird
1 bis 2 Meter lang gearbeitet, die Schneide ist einfach, der Hals von
miger Lnge.

Im Gebrauche sind ferner kurze und lange Jagd-Assagaie, deren Hals mit
einseitigen oder beiderseitigen Widerhaken versehen ist; der
Hauptunterschied liegt darin, da die Schneide, d. h. das Eisenblatt
nach abwrts harpunenartig ausluft oder die gewhnliche Speerform
zeigt.

In Bezug auf die Gebrauchsweise werden die letzteren in solche fr
kleine und mittelgroe Gazellen und kleine Raubthiere, und solche fr
starkes Hochwild, wie Bffel, Zebra, Gnu, Nashorn und groe Raubthiere,
Pardel, Lwe etc. eingetheilt.

Der eigentliche Krokodilspeer gehrt zu den lngsten Assagaien und
zeichnet sich durch die Anheftungsstellen der Widerhaken aus, von denen
er nur vier zhlt. Die Schrfe gleicht jener der frher beschriebenen,
der Hals zeigt an der Uebergangsstelle an der Schneide beiderseitig
einen Widerhaken und ein gleiches da, wo er in den Stiel einluft, doch
hier sind dieselben nach aufwrts gekehrt.

Im Gebrauche stehen weiters zwei Arten von Wurf-Assagaien, deren man
sich zur Erlegung der zahlreichen Ottern bedient. Die Schneide, hnlich
der des vorigen, ist zehn bis zwanzig Centimeter lang, schmal, sehr
scharf und ziemlich stark. Der Leguan-Assagai hnelt in Allem dem
Schlachtassagai, nur da seine Schneide um die Hlfte kleiner ist.

Der Fisch-Assagai entbehrt der lanzenartigen Schneide und hnelt einem
mit einer vierkantigen, ungezhnten, nur am Ende abgerundeten Spitze
versehenen Leguan-Assagai. Die Widerhkchen an den Kanten sind besonders
scharf seitwrts und etwas nach aufwrts gekrmmt und zeigen
vortreffliche Arbeit. Derselbe entspricht vollkommen seinem Zwecke und
gehrt zu den hufigsten Assagai-Formen im Reiche.

Der Nilpferd-Assagai ist der lngst gestielte und einer der einfachsten,
der Stiel ist zwei bis drei Meter lang und nur bei dieser Waffe aus
weichem Holz verfertigt.

Die dreizehnte der wichtigen Assagai-Formen ist der Elephanten-Assagai.
Derselbe ist ganz aus Eisen verfertigt, an seinem unteren Stabende
verdickt oder breiter gearbeitet und in seiner Mitte mit einem kurzen
ledernen Ueberzug versehen.

Die Fallgruben-Assagaie sind die am einfachsten gearbeiteten; sie werden
in Fallgruben mit den Stielen eingegraben und mit den Schneiden nach
aufwrts gestellt, um gelegentlich bei der Jagd auf Wasser-Antilopen
verwendet zu werden.

Die Stowaffen schliee ich mit den Mabunda-Dolchen, welche unstreitig
zu den niedlichsten Waffen des Marutse-Mabunda-Reiches gehren. Whrend
die Bamangwato-Dolche nicht zu verachtende, jene der Matabele
gefrchtete Waffen genannt werden mssen, zeichnen sich die im
Marutse-Reiche durch ihre zierliche und lobenswerthe Arbeit aus. Das
Auffallendste an ihnen sind die durchbrochenen, mehr oder weniger in der
Form einer flachen Saturnuslampe gearbeiteten Scheiden. Dieselben wie
die Griffe sind aus hartem Holz gearbeitet, mit Schnitzereien beset und
durch Einbrennen so gut geschwrzt, da man bei dem ersten Anblick
Ebenholz als Material vermuthen wrde. Die Klinge ist aus minder gutem
Eisen, sowie minder gut als die Assagaie, Schlachtbeile etc. gearbeitet,
dafr ist jedoch groe Mhe auf eingeschlagene Zierrathen verwendet,
welche zumeist die breiten Flchen, der dnnen Klinge bedecken. Diese
Zierrathen bestehen in Arabesken, symmetrischen Figuren, Menschen- und
Thiergestalten.

Die Wurfstcke sind 1 bis 1 Meter lang, finger- und doppelfingerstark
und in der Regel an einem Ende etwas verdickt.

Die Schlachtbeile zeigen, den Stmmen des Reiches entsprechend, eine
sehr mannigfache Form. Sie bertreffen jene der sdlich vom Zambesi
wohnenden Stmme meist durch ihre gefllige Form, ihre Leichtigkeit,
sowie durch die gute Eisen- als auch die gewhlte Holzarbeit am Stiele.
Whrend ich bei den Betschuana's, Kaffern, Makalaka's und den Matabele
die dnnen Tomahawk-Klingen nie fest im Stiele sitzen sah, knnen diese
nicht fester in den Stiel eingefgt werden. Dieser ist aus hartem Holz
verfertigt, mit eingebrannten Zeichnungen versehen, einfach, doch
entsprechend geformt, das Ganze leicht, geschmeidig wie eine Spielerei
in der Hand eines Erwachsenen, und doch eine tchtige Waffe im
Handgemenge.

Die gewhlteren Formen der Messer, die zumeist zum Holzschneiden und
sonstigem Gebrauch, in seltenen Fllen zur Vertheidigung bentzt werden,
bertreffen die gewhnlichen Kchenmesser an Lnge und feiner Arbeit.
Die sanft sichelfrmig gekrmmte Klinge hat einen auffallend starken
Rcken und zeigt oft eingeschlagene Zierrathen mannigfacher Art. Sie
sitzt tief im plattgedrckten, oft recht anmuthig geschnitzten,
bisweilen durchbrochenen und dunkelbraun polirten Stiele.

Die Kiri's sind kurze rundliche, an einem Ende dick-kugelfrmig
angeschwollene Stcke. Im Marutse-Reiche werden sie aus verschiedenen
harten Holzarten und aus der Waffe des Nashorn's gearbeitet; die aus dem
ersteren Material sind mannigfacher, die kugelfrmige Anschwellung des
oberen Endes hhnerei- bis faustgro, oft ausgeschnitzt, der Stock
vierzig bis siebzig Centimeter lang, mit einem Strke-Durchmesser von
zwei bis vier Centimeter, oft polirt, das untere Ende gespitzt,
abgerundet oder scharf abgestutzt, seltener mit einem Eisenreifchen
versehen.

Zu den Schutzwaffen gehren vor Allem die Schilde, in deren Verfertigung
die Stmme des Marutse-Reiches keine so hervorragende Stellung einnehmen
als die sdlich vom Zambesi wohnenden Eingebornenvlker. Ihre Schilde
gleichen denen der Betschuana, sind grer als jene der Zulu-Race und
der Masarwa und meist aus schwarzwei-gescheckter Rindshaut verfertigt.

Ich schliee die Besprechung der Schutzwaffen und der Waffen im
Allgemeinen mit den zur Abwehr blichen Langstcken; diese sind 1 bis
2 Meter lang, 1 bis 1 Centimeter stark (im Durchmesser) und meistens
an beiden Enden mit spiralgewundenen Eisenreifchen versehen.

Zur Zeit meines Aufenthaltes im Marutse-Reiche bezifferte sich die
Zahl der von Westen und Sden eingefhrten Gewehre auf 500
Feuerstein-Musketen, 1500 gewhnliche Percussions-Musketen,
80 Percussions-Gewehre auf Elephanten, 150 Rifles, 30
Percussions-Doppelgewehre aller Art, 10 Hinterlader und 3 Revolver. Nach
meiner Abreise wurden sehr viele und zwar die besseren Gewehre von den
Aufstndischen in den Zambesi geworfen und da seitdem nur eine
unbedeutende Anzahl neu erstanden wurde, so mag sich die gegenwrtige
Zahl der Schuwaffen auf eilf- bis zwlfhundert belaufen.

[Illustration: Kalebassen fr Honigbier und Korn bei den Marutse und
Mabunda.]

Die Bekleidungs-Industrie steht bei den Vlkern des Marutse-Reiches
nicht auf jener Stufe, welche andere Industriezweige einnehmen. Wohl ist
der Schnitt an den Carossen und brigen Kleidungsstcken ein gewhlterer
und zweckentsprechenderer, allein die Fertigkeit, gleichfarbige Felle,
so anzureihen, da die Farben selbst in sanfteren Nuancen ohne das Auge
zu beleidigen zu einander passen, ja oft so geschickt zusammenzustellen,
da man sie beim Ansehen der behaarten Flche gar nicht als Felle
verschiedenartiger Thiere beurtheilen wrde; ferner die Kunst,
beschdigte Stellen an den Fellen (Schulcher, Biwunden) mit genau
entsprechend gefrbten und lang behaarten Einstzen so auszubessern, da
dies in der Regel nur beim Ansehen der haarlosen Flche erkannt wird,
ist ihnen _nicht_ eigen.

[Illustration: Tabaks- und Dachapfeifen der Marutse und Mabunda.]

Whrend der Betschuana zu Bekleidungsstcken oder um einen guten
Verkaufsartikel zu gewinnen, nur gleichartige Thiere ihrer Felle
beraubt, ja, wo er z. B. viele Felle einer Art sammelt, dieselben in
lichtere und dunklere, in dicht- und sprlich behaarte, oft sogar noch
in groe und kleine sortirt, und nur die in der Farbe, Behaarung und
Gre einheitlichen Felle zu einer Carosse verarbeitet, finden wir im
Marutse-Reiche zumeist die Felle verschiedener Thiere unsymmetrisch
in einer Carosse zusammengeworfen, von Farben-Nuancen und
Gren-Verhltnissen gar nicht zu reden. Auch vermite ich an ihren
Carossen die aus den Fellabfllen (wie Fe, Schwnze etc.) bei den
Betschuana verfertigten Fransen und Umsumungen werthvoller Stcke. In
der Nharbeit, die mit der Ahle und gefaserter Thiersehne ausgefhrt
wird, stehen sich die Stmme nrdlich und sdlich des Zambesi gleich.

Bezglich der Bearbeitung der Felle habe ich Folgendes beobachtet: die
glattgar zu bearbeitenden, zu Schrzen, Sandalen, Riemen, Scken etc.
verwendeten Felle werden befeuchtet und einige Zeit hindurch eingerollt
gehalten, dann die Haare mit der Hand oder mit einem stumpfen Messer
abgekratzt und das Fell mit dieser Flche nach abwrts gekehrt, auf
einer glattgescheuerten Stelle ausgespannt und mit Holzngeln lngs des
Randes an den Boden befestigt. Mit Hilfe eines keilfrmigen, vertical in
einen daumendicken Stab eingelassenen Eisens oder eines Schabbeilchens
Pala genannt, an schwcheren, an dicken Fellen mit Hilfe von zehn bis
zwanzig in ein Bndel zusammengebundenen, zehn bis fnfzehn Zentimeter
langen vierkantigen und scharfspitzigen Ngeln wird die Innenseite des
Felles von allen noch etwa ihr anhaftenden Fleischresten, Sehnenfasern
etc. freigeschabt, das Fell beiderseits mit fettigen oder ligen
Substanzen gut eingerieben und der Proce damit geschlossen, da zwei
bis sechs Mnner in hockender Stellung im Tacte und unter Gesang, das
Fell mit ihren Hnden pressen, Stelle an Stelle an einander reiben, bis
sich das Fell trocken und geschmeidig anfhlt.

Die schon frher erwhnten baumwollenen Tcher und Decken sind eine der
besten industriellen Arbeiten des Marutse-Reiches. Das Gewebe ist ein
gutes, d. h. ein festes und durchaus nicht grobes zu nennen, ja es zeigt
sogar etwas Kunstflei, da wir oft dunklere Streifen symmetrisch in das
hellere Gewebe eingewoben finden.

Das Ackergerthe ist zwar sehr einfach, da wir es eigentlich nur in
einer Grabhacke vertreten finden; allein dieser einzige Gegenstand
bertrifft an Brauchbarkeit beinahe alle sdlich vom Zambesi
angewendeten Gerthe. Das Eisen am gewhnlichen Holzbeil ist
ungewhnlich stark, hnelt in Form einigermaen dem Schlachtbeile und
ist zuweilen mit erhabenen, ausgefeilten Zierrathen im Lngendurchmesser
versehen. Der Stiel ist 50 Centimeter lang, stark und gerade. Zum
Aushhlen der Cano's und Tpfe, zur Bereitung von brettfrmigen
Holzstcken bedient man sich der Beile, die in Form mit der Pala
bereinstimmen, in der Gre je nach dem Gebrauchszwecke variiren.
Auffallend gut fand ich Eisen an den Hmmern, welche an Brauchbarkeit
jene der Betschuana weit bertreffen. Meielartige Gerthe fr weiches
Material wie fr Metall, sind klein oder grer, von viereckiger oder
rundlicher Nagelform.

Bohrinstrumente werden mit Hilfe von mit Fidelbgen getriebenen
Drehwalzen, in welche sie eingesetzt werden, gehandhabt. Hieher gehren
auch uns nachgeahmte spiralfrmig gearbeitete Kugelzieher, Schrauben
etc., die wieder mit eigens gestalteten Feilen erzeugt werden. Zangen
sind zwar sehr primitiver Natur, doch entsprechen sie ihrem Zwecke
vollkommen. Ngel erzeugt man in der mannigfachsten Form und bedient
sich dabei wie bei den Schmied- und Schlosserarbeiten berhaupt eines
einfachen Ambosses.

An Rudern fand ich drei Arten vor: lange, kurze und Jagdruder; die
letzteren sind ausschlieliches Eigenthum des Knigs und bilden mit dem
grten Theile der beiden anderen Arten Tribut-Artikel. Die langen sind
drei, die kurzen zwei Meter lang und stets aus hartem, astlosem Holze
gearbeitet. Sie sind an ihrem breiteren Ende schmler als die kurzen und
hier gerade abgeschnitten, die kurzen schiffchenfrmig in eine Spitze
zulaufend, beide mit eingebrannten Zeichnungen und Schnitzereien, doch
nicht so hufig wie bei den Jagdrudern versehen. Diese letzteren sind an
ihrem unteren Ende gabelfrmig gespalten, ber der Spaltspitze geht quer
eine Drahtklammer durch den Ruderstock, um das Bersten zu verhindern.
Die Jagdruder sind in der Regel drei Meter lang und werden bei den
whrend der Zambesi-Ueberschwemmungen unternommenen Letschwe- und
Puku-Jagden gebraucht.

Die Tabakspfeifen sind in doppelter Form gearbeitet, die einfachere ist
in der westlichen Hlfte des Reiches, die zweite im Sden vorherrschend.
Die erstere hnelt im Allgemeinen den trkischen Pfeifen und besteht aus
einem einfachen bis einen Meter langen, daumendicken, geraden, zuweilen
mit eingebrannten Zeichnungen versehenen Rohrstck und einem aus
gebranntem Thon gearbeiteten, meist schwrzlichen oder grauen, mit
eingebrannten Linien, Kreisen, Arabesken bedeckten, verhltnismig
kleinen Pfeifenkopfe. Die zweite Form der Tabakspfeifen ist im Stiele
abweichend, der aus einer lnglichen, oft eingeschnrten Calebasse
verfertigt ist; das obere, dnne Kaleba-Ende dient als Mundstck. Auf
kurzen Ausgngen vergit der Eingeborne nie seine Tabakspfeife,
namentlich dann nicht, wenn er in Gesellschaft des Weien reist. Der
Tabak wird in kleinen Tuch-, Calico-, meist jedoch Lederlappen an der
Carosse oder am Gurte befestigt.

Als unzertrennlicher Genosse auf lngeren Reisen gilt jedoch die
Dachapfeife, die in ihrem Wasserbehlter eine groe Mannigfaltigkeit
zeigt. Dacha -- sind die getrockneten Bltter einer Hanf-Art, die in
ganz Sd-Afrika von den Eingebornen um ihre Behausung gepflanzt, als ein
leicht berauschendes Mittel durch eine Wasserpfeife geraucht wird. Die
Dachapfeifen bestehen aus drei Theilen, dem Kopfe, einem Rohrstab und
dem das Wasser enthaltenden Horn, durch das der Rauch gezogen wird,
wobei der Raucher mit dem Munde die breite Oeffnung umfat und so den
Rauch anzieht. Dies erzeugt einen Hustenreiz und je heftiger derselbe,
desto hher hlt der Eingeborne den Genu.

Obgleich wir Schnupftabakdosen bei allen sdafrikanischen Eingebornen
sowohl als eigene Fabrikate als auch in von den Weien erhandelten
Stcken zahlreich vertreten finden, so habe ich doch in keinem
Eingebornen-Reiche eine solche Auswahl eigener Arbeit in diesem Artikel
gefunden wie bei den Marutse. Man verwendet zu Tabakdosen Elfenbein- und
Nilpferdhauer, Sugethier- und Vogelknochen (Rhrenknochen); Geweihhorn,
Nashorn; Thierklauen; die Haut von Schlangen, Leguanen; Leder
(Sckchen), Holz in mannigfacher Form; Rohr; Fruchtschalen von
Krbissen; Fruchtschalen kleiner, rundlicher oder lnglicher Busch- und
Baumfrchte; Rinde und endlich von den Weien eingefhrte Metalldosen.

Die Dosen aus Elfenbein sind im Allgemeinen mit kleinen, ringfrmigen
eingebrannten Zeichnungen versehen und werden an Glasperlen-, Bast- oder
Riemenschnren befestigt, am Gurte oder an den Armringen getragen. Ich
fand sie nur bei den Wohlhabenderen im Gebrauche. An Gestalt ihnen
nchstverwandt sind die aus dem Horn des Rhinoceros verfertigten
Schnupfdosen; beide Arten Dosen haben nur eine kleine Halsffnung,
whrend die Betschuana's noch eine zweite Oeffnung an der Basis
anbringen.

Die aus Rohr und Vogelknochen gearbeiteten gehren zu den einfachsten
und werden meist von Knaben und Mdchen gebraucht. Die aus den Hrnern
von Hausthieren und Wild geschnitzten sind von einfacher Form, oft
jedoch durch Schnitzereien verziert, am hufigsten bei den Makalaka's
anzutreffen. Die gewhnlichste Form haben jene aus Fruchtschalen,
whrend andere zu drei bis fnf an einem Riemchen hngend, meist von
Frauen an ihren Carossen befestigt werden; auerdem trachten die
schwarzen Schnen diese kleinsten der Tabakdosen dunkel zu poliren,
wodurch sie recht nett und glnzend schwarz, dunkelviolett oder
brunlichviolett erscheinen. Die meisten Schnitzereien und eingebrannten
Zeichnungen verwendet man an den hlzernen, doch scheinen diese mehr den
rmeren Stmmen, wie den Mambo's, Manansa etc. eigen zu sein, die sich
auch in vielen Fllen einfacher Tuch- und Lederlppchen bedienen. Ist
eine Dachapfeife fr einen reisenden Bewohner des Marutse-Reiches
unentbehrlich, nimmt er bei kleineren Ausgngen einen Kiri, Stock etc.
mit, so mu seine Tabakdose sein treuester Gefhrte bei Tag und Nacht,
beim Ruhen und Arbeiten, bei seinen kurzen Besuchen und langen Reisen
genannt werden.

Als Schmucksachen gelten Gegenstnde, die nebenbei einem anderen Zwecke
dienen, wie Amulete, Kapseln, Schnupftabakdosen, Dosen fr Heil- und
Beschwrungsmittel und am Krper getragen werden. Das Material zu
denselben liefern Metalle, massive und Rhrenknochen, Elfenbein, Zhne
verschiedener Thierarten, ebenso Hautstcke und hornige Bestandtheile,
Hrner, Krallen, Klauen und Schuppen grerer Amphibien,
Schildkrtenplatten, Schuppen vom Schuppenthiere etc., Federn,
Muschelschalen, Talg, Holz, Gras, Bast, Rohr, Frchte, Fruchtschalen und
Samen.

Unter den aus Metall erzeugten Toilette-Gegenstnden fand ich Ringe
(Fingerringe), Armbnder, Fu- und Wadenringe, sowie unbedeutende kleine
Ohrringe aus Eisen, Kupfer und Messing; Gold vermite ich vollstndig.
Die Eisen- und Kupfersachen waren theils aus eigenen Schmelzhtten
hervorgegangen, theils waren sie aus von den Weien erkauftem Eisen- und
Kupferdraht, die messingenen nur aus dem von den Weien erstandenen
Messingdraht gearbeitet. Die eingefhrten Toilette-Artikel werden sehr
selten in ihrer ursprnglichen Form bentzt, sondern ihr Material
zumeist umgeschmolzen und dem Landesgebrauch entsprechend umgearbeitet.
Unter den aus eingefhrtem Metalle erzeugten Objecten stehen die
fingerdicken und von den Frauen der Wohlhabenderen, z. B. von den
Kniginnen, zu zwei bis acht auf einem Fue getragenen Furinge im
grten Ansehen. Ringe aller Art (Fu-, Armringe etc.) aus heimischem
Eisen und erhandeltem Eisendraht werden meist von den niederen Stnden
getragen; ihre Menge ist jedoch geringer als jene der aus Messing
verfertigten, am seltensten sind Armringe aus Kupfer. Gewhnlich trgt
man einen bis zwei, die Frauen der Koschi und Kosana zwei bis drei,
selten vier je an einem Fue. Da der Herrscher den besten und strksten
Draht selbst kauft, den Unterthanen nur die weniger gute Sorte zu
erstehen mglich ist, so finden sich auch die meisten und ansehnlichsten
metallenen Schmuckringe in der Residenz und in der Barotse, sowie im
Makalaka- und Matonga-Lande (Tributzahler) und nehmen nach dem Norden
und Nordosten des Reiches rasch ab, wo sie einigermaen durch aus
selbstgewonnenem Eisendraht verfertigte Objecte vertreten werden. Die
einfachen, aus dnnem Messing-, Kupfer- oder Eisendraht gearbeiteten
unansehnlichen Ohrringe weichen nur unbedeutend von denen der
Betschuana's ab.

Mannigfach sind die aus Bein, namentlich aus Elfenbein verfertigten
Artikel; die wichtigsten sind jedoch die fingerdicken Arm- und Furinge.
Die Elfenbeinringe werden gedrechselt, passen genau den Stellen an, an
denen sie getragen werden, sind stets fein, ich mchte sagen fehlerfrei
gearbeitet, und wenn sie auch der Schnitzereien und eingebrannt
Zierrathen entbehren, eine elegante Arbeit. Es kostete mich auch nicht
geringe Mhe, einiger dieser Objecte habhaft zu werden. Auer den
Bracelets verfertigt man aus Elfenbein allerlei kleine, lngliche
Kapseln, cylindrische Stbchen, Plttchen mit eingebrannten Ringelchen
und Linien, die man durchbohrt und mittelst feiner Bastschnre in das
Haar befestigt. Ziemlich hufig finden wir Haarnadeln vertreten, die
gleich den vorigen Gegenstnden auch aus den Rhrenknochen der Thiere
und hufig aus Nilpferd-Elfenbein verfertigt, in ihrer oberen, strkeren
Hlfte mit eingebrannten Zeichnungen und Schnitzereien verziert werden.
Mannigfach sind die kleinen Schmuckgegenstnde, die aus Holzstbchen und
Plttchen, Fasern und kleinen Gazellenhrnern oder aus den Spitzen der
Hrner grerer Thiere gearbeitet werden. Meist werden sie mittelst
Baststrngen an das wollige Haar befestigt oder an Schnrchen gefdelt
und als Bracelets getragen. Man sieht Miniaturstbchen, cylindrische
oder kleine Kegelchen, Zpfchen etc. Als unerreichtes Product der
Holzschnitzerei unter den sdafrikanischen Stmmen, knnen die dnnen,
anmuthig geschnitzten, langzhnigen Haarkmme der Marutse gelten.

Sklaven verfertigen sich Arm- und Furinge, sowie Bracelets und sogar
Halsringe aus ungegerbten Gnu-, Zebra- und Bffelfellen, die Masarwa
erzeugen die Stirnbnder aus Zebra-Mhnen. In allen Fllen wird die
Haarseite nach Auen getragen. Vielerlei Zierrath wird auch aus den
feinen wie grberen Haaren und aus den Borsten der Sugethiere
verfertigt. Aus den feineren Haaren, sowie den steifen Widerrist-Haaren
arbeitet man Bschelchen, Fransen, Quasten, kreisrunde Scheiben,
einfache oder zwei bis drei aufeinander ruhend, von einem Durchmesser
von drei bis fnfzehn Zentimeter, ferner Ballen und Wlste, an welche
man Riemen befestigt, um sie beim Tanzen um das Kinn zu binden. Die
meisten dieser Schmuckgegenstnde werden mit Riemchen und Strngen
versehen und zur Ausschmckung des Kopfhaares bentzt. An diese Formen
schliee ich den Kopfputz aus Vogelfedern an. Viele schmcken ihr Haupt
mit zwei bis drei schnen Einzelnfedern. Diese Federbsche werden bei
der Ankunft in des Herrschers Residenz, ferner bei Tnzen, Jagdausflgen
und whrend eines Raubzuges oder Krieges aufgesetzt. Bei den Matabele
bilden sie einen wesentlichen Theil des Nationalschmuckes und ich erwarb
einen, der grere Dimensionen aufwies, als der Kopf des Trgers.

Aus Gras, feinen Holzfasern, Bast und Stroh, werden nette Armbnder etc.
geflochten, bei weitem kunstvoller von den Stmmen des Marutse-Reiches,
als sie sich z. B. bei den Menons und Makalaka's sdlich vom Zambesi
vorfinden, wo diese Industrie doch ziemlich im Schwunge ist. Der
Masupia- und Marutse-Knabe ist schon in der Wahl des Grases vorsichtig;
es mu nur bestimmten Grasarten angehren, zu bestimmter Zeit gesammelt
und entsprechend zubereitet werden, um in dem einen Falle eine stechend
gelbe, im andern eine carminrothe Farbe zu zeigen, dann wird auch die
Flechtarbeit sorgsam ausgefhrt -- all' dies kmmert die Makalaka-Knaben
wenig, wenn sie auch so manche Stunde der Grasflechterei fr Schmuck-
und Haushaltungszwecke widmen.

[Illustration: Dachapfeifen der Mabunda, Marutse und Masupia.]

Die Sugethier- und Vgelklauen werden aufgefdelt als Bracelets
getragen oder je zwei an einer Schnur aufgefdelt, an der
Hinterhauptwolle befestigt. Von kleinen Wasserschildkrten bedient man
sich der Gesammtschalen, um von diesen eine in der Scheitelhhe oder
drei in Reihenfolge auf der Lngsmittellinie des Kopfes zu befestigen.
Kleine Muscheln, wie sie die Portugiesen von der Westkste bringen,
kleine runde Tarsus- und Carpusknchelchen, dunkel bis glnzend schwarz
polirt, Samen und kleine hartschalige Frchte werden an Rohaar- und
Gras-Schnrchen gefdelt, und als Bracelets, als Furinge und als
Haarschmuck getragen.

[Illustration: Scene am Zambesiufer in Schescheke.]

Die von den Hndlern eingefhrten Toilette-Artikel (insbesondere
Glasperlen) cursiren als Geldmnzen, dabei herrscht bei diesem oder
jenem Stamme der Geschmack fr bestimmte Farben vor; manche, wie z. B.
die hell- und dunkelvioletten, gelben und blarothen, werden gar nicht
beachtet. Die gesuchtesten sind die himmel- und dunkelblauen, dann
folgen zinnober- und rostrothe, weie, schwarze, grne, smmtlich klein
mit einem Lngendurchmesser von etwa 1 Millimeter. Unter den
mittelgroen (Lngendurchmesser etwa drei bis vier Millimeter) strebt
man meistens nach den hellblauen, rostrothen, und unter den groen
(sechs Millimeter bis einen Centimeter im Lngendurchmesser) nach den
mehrfach gefrbten (mehrere Farben in einer Perle), weigefleckt auf
schwarzem, dunkelviolettem Grunde, hauptschlich aber nach
schwefelgelben und grnen. Die Form der Glasperlen ist den Stmmen
gleichgiltig.

Wre man noch so krank nach einer Reise im Marutse-Reiche, und htte man
noch so viele Trger nothwendig, man wird mit einem gengenden Vorrathe
schner blauer Glasperlen nie an Mangel leiden; weder Herrscher, Koschi
und Unterthan, weder Frau und Kind, noch Freier und Sklave knnten
dieser Verlockung widerstehen.

Die Ueberlegenheit der Vlker des Marutse-Reiches ber jene sdlich des
Zambesi in der Verwendung dieser Schmuckgegenstnde besteht darin, da
die Glasperlen in richtiger Menge und geschmackvoll in Ringen, Strngen
etc. ber den Krper vertheilt werden; in richtiger Menge, d. h. ber
Glieder und Rumpf so vertheilt, da sie den Krper nicht belasten, nicht
berladen, was wir z. B. in Bezug auf die unteren Extremitten bei den
Bakwena's, Bamangwato's etc. und bezglich der Arme, des Halses und
Rumpfes bei den Menon's, Makalaka's sdlich vom Zambesi beobachten
knnen.

Als Anhang zu den Toilette-Artikeln will ich noch einige Worte ber die
Behandlung des Kopfhaares folgen lassen. Da die meisten Stmme auch auf
die Pflege des Kopfhaares viel Sorgfalt verwenden, konnte ich wiederholt
beobachten, ja ich fand sogar sehr viele, die sich regelmig kmmten,
whrend andere, wie z. B. der Stamm der Manko, von Natur aus ein
lngliches Wollhaar besitzend, dieses wie aufgepudert tragen, was diesem
stattlichen Menschenschlage zur Zierde gereicht. Manche der Marutse
flechten ihr kurzes Wollhaar in Zpfchen, je zwei bis vier Strnge zu
einem Zopfe vereinigend. Ich vermite bei den Stmmen des Reiches,
sowohl das bei den Betschuana bliche Betnchen der Haare mit
Eisenstein, als auch die Ring- und Kronenfrisur der Zulu's.

Spielsachen bestehen meist in Thongebilden, in deren Erzeugung sich die
aufwachsende Jugend recht geschickt zeigt. Die zumeist gearbeiteten
Figuren stellen Kischi-Tnzer in ihren Verzerrungen, Mnner als Jger
und Reiter, gehrnte Thiere, ferner Elephanten, Nashorn und Nilpferde
dar. Meist wird dazu dunkler Thon gewhlt, und die menschlichen Figuren
fnf bis zwlf Centimeter hoch, die thierischen fnf bis zehn Centimeter
hoch und fnf bis zwlf Centimeter lang, gemodelt. Andere Spielsachen
werden aus Holz ebenfalls in Figurenform geschnitzt, dies meist von den
Mabunda's, oder mit Figuren versehene Holzlffel und Stcke den Kindern
zum Spielen gegeben.

Matten finden sich in groer Mannigfaltigkeit vor, einfach, aber nett
und mhevoll gearbeitet, oft mit dunkleren einfachen Bndern oder auch
mit Figuren von gleichem Material durchflochten, zuweilen sind diese
eingeflochtenen Zeichnungen von schwarzer, rother etc., von der
gelblichen Matte gefllig abstechender Farbe. Sie sind verschieden
geformt und werden zu verschiedenen Zwecken gebraucht, je nachdem sie
aus Binsen, Gras, Stroh oder Rohr verfertigt sind.

Von den hlzernen Kopfkissen sieht man sowohl primitive als gut
gearbeitete Exemplare; vorwiegend traf ich gefllige aus hartem Holz
gearbeitete Stcke. Die hlzernen Sthlchen sind in der Regel kurz,
zwanzig bis dreiig Centimeter hoch, zehn bis fnfzehn Centimeter im
Breitedurchmesser, stellen durchbrochen geschnitzte, seltener solide,
dann aber primitiv gearbeitete Holzcylinder dar, deren obere Flche
seicht ausgehhlt ist. Die durchbrochene Schnitzerei des Stockes ist
sulchenfrmig, die Sulchen parallel zur Hhe laufend. Ein solcher wird
hohen Personen bei allen Ausgngen stets von einem Diener nachgetragen.

Als vierten in diese Kategorie gehrenden Gegenstand mu ich noch die
Fliegenwedel nennen. Sie bestehen aus zwei Theilen, dem Stiele und dem
Wedel; der Stiel wird aus Holz, Rohr, Nilpferd-, Nashorn- und
Bffelleder, in selteneren Fllen aus Gazellenhorn und dem Horn des
Rhinoceros, der Wedel aus langen Widerristhaaren der Thiere, aus Mhnen
und Rohaar, aus den buschigen Schwnzen der hundehnlichen Raubthiere
und aus Federn gearbeitet. Am hufigsten sind jene aus Ochsen-, Gnu- und
Schakalschwnzen. Der Wedel ist entweder in den Stiel eingelassen oder
ber denselben mittelst Bastfden, Grasschnren, Rohaar, Thiersehnen
etc. daran befestigt, der Stiel in der Mehrzahl der Flle geschnitzt,
mit eingebrannten Zeichnungen versehen, oder mit breiten Messing- und
Kupferringen, mit aus Messing- und Kupferdraht und aus steiferem Rohaar
geflochtenen Ringen, oder aber mit Binden aus Schlangen- und Leguanhaut
umspannt.




                                XIII.
                    Aufenthalt im Leschumo-Thale.


Abfahrt von Schescheke. -- Renitente Bootsleute. -- Ein treffliches
Schreckmittel. -- Die Fauna im Leschumo-Thale. -- Diamond's
Jagdausflge. -- Der Huptling Moja. -- Eine interessante
Naturerscheinung. -- Sepopo's Hscher. -- Kapella's Flucht aus
Schescheke. -- Schwere Gewitter. -- Ghrung im Marutse-Reiche. --
Sepopo's Niedergang. -- Aufbruch nach Panda ma Tenka.

[Illustration: Lager im Leschumo-Thale.]

Wie ich bereits am Schlusse des eilften Kapitels erwhnt, mute ich,
wenn auch mit innerstem Widerstreben, Schescheke verlassen, da ein
lngerer Aufenthalt daselbst mein Leben ernstlich gefhrdet htte. Nach
einer Fahrt von einigen Stunden hielten die Bootsleute, die wohl wuten,
da ich Sepopo auf immer verlassen habe und sich deshalb um mich wenig
kmmerten, an einigen Masupiahtten an. Ich lie mich aus dem Boote
heben und zu der nchsten Htte fhren. Sie war nur provisorisch von
Masupia-Fischern errichtet worden, um die nthige Abgabe an Fischen in
den marschigen Lagunen ringsum zu erwerben. Ich erstand fnf Fische, gab
jedem Diener einen und lie einen fr mich rsten.

Schon Nachmittags bemerkte ich, da sich die Bootsleute unter keiner
Bedingung krftiger in ihre Ruder zu legen bemhten, und als wollte mich
das Schicksal zu all' den Mhen des Tages verspotten, hatten die
Bootsleute eine Stelle fr unser Nachtlager gewhlt, welche nicht
unwirthlicher und ungesnder sein konnte. Es war dies an einer kleinen
hochbeschilften Insel unmittelbar vor einem Sumpfe, auf welcher sich
zwei elende, periodisch von den Masupia-Fischern bewohnte Htten
befanden. Da mein Boot das letzte war, hatten die ersteren von den
Htten Besitz genommen, und es blieb meinen Dienern nichts brig, als
fr mich eine Htte zu erbauen. In 2 Stunden war diese fertig, als sie
hierauf mit Hilfe der Bootsleute mein Gepck aus den Booten heraus und
in die Grashtte geschafft hatten, zeigte es sich, da diese zu klein,
namentlich zu niedrig errichtet worden war und da man mich eben mit
Mhe hinein zerren und auf die Kisten zu legen vermochte. Mein Gesicht
berhrte das Gras des Httendaches, welches noch vom vorigen Jahre vom
Hochwasser auf die Insel angeschwemmt, hier ringsum gesammelt worden
war; es war feucht und ein widerlicher Geruch entstrmte demselben, der
sich mit der Ausdnstung des Sumpfes vermengte. An Schlaf war unter
diesen Verhltnissen nicht zu denken. Mein Bootunglck, die milungene
Weiterreise und zahllose andere folternde Gedanken lieen mich eine
hchst unerquickliche Nacht verleben. Die Nilpferde, wie auch die
Riesenreiher lieen sich mehrmals hren, die einzigen Laute, welche die
Stille der Nacht unterbrachen. Vor Mitternacht tauchten mehrere kleine
Wolken auf, die sich sehr schnell vermehrten und bald darauf den Himmel
so verdunkelten, da ich auch nicht ein einziges Sternlein mehr
erblicken konnte. Mein durch die Krankheit ohnehin angegriffenes Gemth
empfand die zunehmende Schwle in der Atmosphre um so schwerer.

Nach Sonnenaufgang verlieen wir die Stelle, um unsere Fahrt fluabwrts
wieder aufzunehmen. Die Art und Weise, in der die Bootsleute die Khne
luden, und sich whrend der Fahrt benahmen, mahnten mich, auf Aergeres
gefat zu sein. Je mehr ich auf rasche Fahrt drang, desto langsamer ging
diese von statten, ja als sich ein leichter Wind erhob, landeten die
Mnner auf einer Sandbank und wollten sich nicht von der Stelle rhren;
die Androhung der von Sepopo zu erwartenden Strafe hatte keinen Erfolg.
Ich versprach Glasperlen, ich drohte, meine Diener schimpften, doch
alles vergeblich. Die Leute fingen an zu lachen, die einen legten sich
auf den Sand, um zu schlafen, die anderen, um sich an meiner Schwche
und Hilflosigkeit zu ergtzen. Als ich sah, da alle meine Versuche
erfolglos blieben, nahm ich meine Zuflucht zu einem Schreckmittel, um
mir bei diesen Menschen Respect zu verschaffen. Ich sa am Bug des einen
Kahnes, als es mir einfiel, den an die Musketen gewhnten Marutse meinen
Hinterlader zu zeigen. Ich lie mehrmals das Gewehr in der Sonne
blinzeln, whlte mir einen einzeln aus dem Wasser hervorragenden
Rohrhalm, der sich auf einem freien Raume zwischen zwei Gruppen der
widerspnstigen Bootsleute erhob und feuerte drei Schsse auf denselben
ab. Der erste Schu traf, die wirklichen und die sich verstellenden
Schlfer sprangen auf die Beine, rasch darauf fiel der zweite Schu und
schlug nahe seinem Ziele ein, worauf die Leute in ihre Boote sprangen,
und als zufllig die dritte Kugel den brig gebliebenen Stumpf rasirte,
hatten die ersten Khne schon abgestoen und meine Bootsleute hinderten
mich am abermaligen Gebrauche des Carabiners.

Es saust zu viel in den Ohren, Herr! Wenn Du schieen willst, dann
bringen wir Dich nach Impalera, und dort findest Du auch viel Polocholo
(Wild). Schon drei Stunden nachher landeten wir unter dem
Makumba-Baobab. Der Himmel hatte sich aufgeklrt und von den bewaldeten
Hgeln der Impalera-Insel wehte uns eine frische Brise entgegen, die auf
mich wie ein erfrischender Labetrunk wirkte. Ich erhob meinen Carabiner,
um einige der ber mir hngenden Baobabfrchte herabzuschieen. Whrend
die Bootsleute die Khne entluden, eilten meine Diener in den Wald, um
Frchte fr mich zu sammeln. Zu meinem freudigen Staunen traf ich
Blockley hier an, er war eben im Begriffe, mit Gtern nach Schescheke zu
gehen.

Am 13. gelang es mir, fr sechs Meter Calico einen Miniatur-Ziegenbock
und eine grere Quantitt Korn sowie siebenundzwanzig lebendige Finken
(verschiedener Art) zu erstehen, welch' letztere ich leider schon am
folgenden Morgen bis auf drei einbte. Als ich Morgens nach den Thieren
sah, fand ich alle bis auf drei todt, sie waren von einer rostrothen
Termite, die zu Tausenden in den Kfig gedrungen war, getdtet worden.
Ich hatte diese Termitenart frher nie beobachtet; der Kopf war beinahe
von der halben Krperlnge und die Fnge so stark, da sie sich wie eine
Zecke einbeien konnten.

Am 14., an dem Tage, an welchem Blockley nach Schescheke gehen und ich
nach Sden reisen wollte, kamen Masupia-Schiffer von der genannten Stadt
und riethen meinen Bootsleuten sowie den Bewohnern von Impalera ab,
Blockley nach Schescheke zu bringen, da der Knig sein Herz gegen
Dschorosiana Umutunja verschlossen habe.

Am 15. setzte ich ber den Tschobe und hatte das dreifache an Fhrgeld
zu bezahlen, um das Marutse-Reich verlassen zu drfen. Da ich um keinen
Preis im sumpfigen Tschobe-Thale bernachten wollte, sandte ich meine
Diener mit einem Theile des Gepcks sofort nach dem Leschumo-Thale ab,
wo Blockley zwei leere Wagen stehen hatte, um mich in diesen bis zu
Westbeech's Ankunft einzulogiren. Ob meiner Schwche jedoch konnte ich
nicht sofort folgen, und als sich endlich einige Masupia's von Impalera
einfanden, um mich und den Rest meines Gepckes nach dem genannten Orte
zu tragen, brach ein Gewitter ber das Thal herein, welches mich die
Nacht in der elenden Grashtte zuzubringen nthigte, in welcher der
wenige Tage zuvor in Panda ma Tenka verstorbene Bauren zuerst erkrankt
war. Wir machten uns gegen Mittag des nchsten Tages wieder auf den
Leidensweg und erreichten das nur drei Stunden entfernte Leschumo-Thal
erst nach zwlf fr mich qualvollen Stunden. Ich mute von hundert zu
hundert Schritte stets einige Minuten innehalten, dabei triefte der
Krper dennoch von Schwei. Die Anstrengungen dieses Marsches zwangen
mich am nchsten Tage zur vollsten Ruhe.

Am 17. fhlte ich mich etwas leidlicher, doch wurde meine Absicht, in
der nchsten Nhe des Wagens zu botanisiren, durch ein heftiges, den
ganzen Tag hindurch whrendes Gewitter vereitelt. Ich hatte schon
whrend der letzten drei Tage auf Westbeech's Ankunft gehofft, sein
Nichterscheinen vermehrte meine Aufregung, da mein kleiner, auf drei
Tage berechneter Vorrath an Salz, Zucker und Thee zu Ende war. Zu meiner
freudigen Ueberraschung kehrte der Diener Elephant von einem Gange durch
den Wald mit reichlichem Honig zurck. Meine Hnde und meine Stirne
waren seit der am Tschobe-Ufer zugebrachten Nacht von besonders bissigen
Mosquito's zerstochen worden und jede dieser kleinen Verwundungen hatte
sich zu einer Eiterpustel verwandelt, deren Spuren ich noch monatelang
trug. In all' diesem Ungemach freute mich die erlangte Ueberzeugung, da
ich zuverlssige und arbeitsame Diener besa. Ich bedauerte nur, da ich
sie nicht dazu bewegen konnte, sich meines Hinterladers zu bedienen und
etwas Wild fr mich zu schieen, sie verstanden es nicht und frchteten
sich zugleich, von demselben Gebrauch zu machen. Mit ihren Assagaien war
es ihnen nicht mglich, das Wild in dem sandigen Walde, durch den sich
das Leschumo-Thal schlngelt, zu erlegen, denn dieses Wild bestand
meistens in flchtigen Gazellen, Bffeln, Nashorn und Elephanten. Zwei
Nchte zuvor hatte eine grere Elephantenheerde das Thal einige
Schritte unterhalb der Wgen gekreuzt.

Am 19. lie ich mich in der nchsten Umgebung des Wagens herumfhren und
sammelte mit Hilfe meiner Diener Pflanzen und Insecten. Meine letzten
zwei Bcher, welche ich aus dem Schiffbruche meiner Habe gerettet hatte,
wurden nun als Pflanzenpressen bentzt. Da sie nur Octavformat hatten,
sah ich mich genthigt, die Pflanzen zu zerlegen, um sie spter wieder
zusammen zu setzen. Ich widmete den Kindern Flora's ein eigenes
Tagebuch, in welchem ich von den meisten gesammelten Pflanzen nebst
anderen Notizen, die Namen, die sie von den Masupia-Dienern oder den
Manansa- und Matonga-Gehilfen erhielten, verzeichnete. Pflanzen und
Pflanzentheile, die ich nicht pressen oder trocknen konnte, wurden
abgezeichnet (dies gilt besonders von Schwmmen und Pilzen, an denen das
Leschumo-Thal sehr reich war) und die Skizzen whrend der schlaflosen
Nchte weiter ausgefhrt. Die Insecten wurden in eine mir von Westbeech
geschenkte weithalsige, mit einigen Papierstreifen gefllte
Picklesflasche gethan und diese mehrmals in das kochende Wasser in
meinem Kaffeekessel eingetaucht, wodurch die Thiere getdtet wurden.

Die hufigsten unter den im Leschumo-Thale erworbenen Insecten waren
Kfer, Heuschrecken und Wanzen, besonders fielen mir die artenreichen
Lepidoptera auf, die ich zweimal zu sammeln versuchte. Leider miglckte
dieses Bestreben, eine Ratte, welche im Wagen zwischen den
Gepcksstcken hinreichende Schlupfwinkel gefunden haben mute,
zerstrte die angelegten Sammlungen, und ich fand jedesmal die
Schmetterlinge bis auf die Stecknadeln aufgezehrt. Unter den Kfern
waren die hufigsten Laufkfer (^Cicindela^, ^Mantichora granulata^,
^Carabus^) Scarabaniden, Blattkfer, Rsselkfer und Klopfkfer
(^Psammodes^). Die letztere Gattung findet man in zahllosen Varietten,
und fielen sie selbst den fr solche Thiere unempfnglichen
hollndischen Farmern auf. Sie besitzen einen dicken, walzen- und
herzfrmigen Hinterleib, welchen sie heben, um mit ihm in Zwischenrumen
von drei bis zehn Secunden einen leisen Schlag gegen die Erde oder den
Zimmerboden, auf dem sie sich zufllig befinden, auszufhren. Sie
klopfen, wie die Hollnder meinen und rufen einer den andern heran.
Viel Vergngen machte mir im Leschumo-Thale die Beobachtung der
^Mantichorae^ und ^Anthiae thoracicae^; diese leben paarweise in selbst
aufgescharrten, bis einen Fu tiefen oder in verlassenen Erdlchern. Die
selbst aufgescharrten sind hchstens 2 Centimeter hoch, dagegen vier
bis sechs Centimeter breit, und es wunderte mich oft, wie die Thiere
diese Gnge im losen Sande graben konnten. Die Thierchen waren den
ganzen Tag auf den Beinchen, sie unterscheiden sich von anderen groen
Carabiden in ihrer Bewegung namentlich dadurch, da sie sehr oft stille
und auf ihren hohen Beinen ziemlich hoch stehen, man mochte sagen,
frmlich Rundschau halten. Den Hollndern sind sie durch eine
Eigenschaft, welche sich dem Neuling, wie es auch mir einige Jahre zuvor
geschah, schmerzlich fhlbar macht, aufgefallen. Trachtet man, diesen
Kfer zu fangen, und ist man im Begriffe, denselben, mit dem Hinterleibe
nach sich gekehrt, in die Sammelflasche unterzubringen, so spritzt das
Thier eine Ladung tzenden Saftes aus, welcher, da man beim Fange der
Insecten meist gebeugt ist, in der Regel das Gesicht und oft die Augen
trifft.

Da ich mich am 6. etwas besser fhlte und ein von der Jagd
zurckkehrender Diener Westbeechs, Diamond, mit einigen Manansa bei
den Wgen eingekehrt war, so unternahm ich, auf einen Diener gesttzt
einen kleinen auf sechs englische Meilen sich erstreckenden Ausflug. Es
war mir namentlich darum zu thun, Vogelblge zu erbeuten, da ich jedoch
den Thieren weder nachlaufen noch sie beschleichen konnte, erbeutete ich
nur einen gabelschwnzigen schwarzen Wrger; um so reicher war die
Ausbeute an Pflanzen und Insecten. Im Ganzen hatte mir mein Aufenthalt
im Leschumo-Thale gegen dreitausend der ersteren und etwas ber
fnfhundert der letzteren eingetragen. Auf dem eben genannten Ausfluge
stie ich auf Eisenschmelzfen, sie waren bis zu einem Meter breit, zwei
Meter lang, niedrig und aus gebrannten Miniaturbacksteinen ausgefhrt,
und mochten wohl vor vierzig bis sechzig Jahren von einem der den
Marutse unterthnigen Vlkern gebaut worden sein, die vor der Grndung
des Ruberstaates der Zulu-Matabele am sdlichen Zambesi-Ufer wohnten.

Am 21. kamen Masupia von Impalera und brachten Korn, welches sie mir zum
Kaufe anboten. Nachmittags kehrte der Jger Diamond von einem
Jagdausfluge heim; seine Diener trugen das Fleisch einer Bffelkuh, die
er am Morgen erlegt hatte. Auch er klagte ber die Unarten der
Bffelstiere, welche namentlich im Sommer in Folge der dichtbelaubten
Gebsche des Waldes schwierig zu jagen sind. Der Genu des
Bffelfleisches verschlechterte meine Krankheit, da meine Verdauung
durch die lange Entbehrung jeder Fleischnahrung sehr geschwcht war. Um
so grer war die Freude der Diener ber die erwnschte Abwechslung im
tglichen Menu. Diamond erzhlte mir bei dieser Gelegenheit die
Jagdabenteuer Pit's (meines frheren Dieners). Derselbe hatte vor
einiger Zeit zwei Rhinocerosse erlegt und kehrte nach diesem glcklichen
Jagdereignisse zu seinen Genossen (er war mit einer Truppe von
Westbeech's Leuten ausgezogen) zurck, um Trger zu holen; als er jedoch
zehn Stunden spter wieder an Ort und Stelle anlangte, fand er nichts
als Knochen vor. Zufllig im Walde streifende Madenassana hatten die
erlegten Thiere aufgefunden, und nachdem sie ein herrliches Mahl
gehalten, die besten Stcke mitgenommen, whrend der Rest von Hynen und
Schakalen verzehrt worden war.

Meine Hoffnung, da das hher liegende Thal des Leschumo-Flchens sich
gesnder erweisen werde als das Tschobe-Thal, war eine trgerische.
Stundenlang war dasselbe am Morgen von dichtem Nebel erfllt, die
Ausdnstung an manchen Tagen, namentlich nach heftigem Regen, hchst
unangenehm; am unwohlsten fhlte ich mich in den frhen Morgenstunden,
gegen Mittag besserte sich wohl mein Befinden, doch zitterte ich unter
dem Einflusse auch des unbedeutendsten Windhauches, so da ich auch an
den heiesten Tagen in den Monaten Jnner, Februar und Mrz nur mit
einem schweren Mentschikoff und einem zweiten Ueberrock angethan, meinem
Sammeleifer gerecht werden konnte.

Am 23. fand sich eine Truppe von Marutse-Mnnern bei mir ein, die zu
meiner Verwunderung vom Sden kamen. Es war Moja, ein Huptling und
Bruder des Kommandanten Kapella, der von Sepopo ein Jahr zuvor zum Tode
verurtheilt wurde, mit seinen Leuten. Sepopo fand nmlich eines Morgens
eine Flssigkeit vor seiner Thre ausgegossen; er sah dies als Zauberei
an und die Feinde Moja's beschuldigten diesen der That. Da sich der
Knig zufllig um diese Zeit unwohl fhlte, war er von der Schuld Moja's
berzeugt, und so wurde auch dieser verurtheilt; allein Moja zog es vor,
sich durch Flucht dem Giftbecher und dem Feuertode zu entziehen, und
flchtete nach Sden zum Knige der stlichen Bamangwato nach
Schoschong. Dieser nahm ihn freundlich auf und begriff auch wohl des
armen Mannes Heimweh; da er annahm, da Sepopo ihm eher glauben wrde,
sandte er Moja mit einem eigenhndigen Begleitschreiben, in welchem die
Unschuld des Marutse-Huptlings nachgewiesen war, zurck. Ich zweifelte
daran, da Sepopo Moja verzeihen wrde, und rieth ihm ab, heimzukehren,
doch dieser konnte der Sehnsucht nicht widerstehen, seine Frauen, Kinder
und seine Heimat wiederzusehen.

Am 24. sandte ich zwei meiner Diener nach dem Zambesi, um die am
jenseitigen Ufer wohnenden Masupia's herber rufen zu lassen und diese
zu bewegen, womglich Manza, einen Ziegenbock und Kafirkorn nach
Leschumo-Thale zu bringen; leider verfehlten die Ausgesandten den Weg
und ich sah mich gezwungen, am folgenden Tage zwei andere Diener senden.
In den nchsten Tagen kamen Masupia's von Impalera mit Korn, wobei es
mir gelang, einige interessante ethnographische Objecte und einen
riesigen Stozahn eines Nilpferdes zu erwerben.

Am Abend des 24. beobachtete ich eine uerst interessante Erscheinung
am Himmel. Die Sonne war eben im Untergange begriffen, ber ihr und im
Sden je ein schmaler Streifen des blauen Firmamentes sichtbar, whrend
am stlichen Horizont ein Gewitter zog, aus dem zahlreiche Blitze
niederfuhren. Als eben nur noch ein Segment der Sonne sichtbar war,
erschien auf der gegenberliegenden Stelle etwa fnfundvierzig Grad ber
dem stlichen Horizont eine feurige Rthe, welche die obere Hlfte eines
Regenbogens zu decken schien, so da nur sein nrdlicher Schenkel in
Ostnordost, der sdliche in Sdost zu sehen war. Mit dem vollstndigen
Untergang der Sonne erblate diese Rthe und verschwand dreiig Secunden
spter, whrend nun der ganze Regenbogen sichtbar wurde, wobei sich das
Roth desselben intensiver zu frben begann, bis endlich ein sehr
intensives und prachtvolles Carmin die anderen Regenbogenfarben im
Zeitraume von einer Minute vollkommen deckte. Drei Minuten spter
erblate das Roth, um aber nach wenigen Secunden wieder am stlichen
Horizont bis zu einer Hhe von etwa zehn Grad ber demselben, von den
schweren Regenwolken im Hintergrunde sich deutlich abhebend, zwischen
den Regenbogenschenkeln zu erscheinen. Nach circa vier Minuten erblate
die Rthe und die Regenbogenschenkel und eine halbe Stunde spter hatte
sich das Dunkel der Nacht ber das Leschumo-Thal gelagert.

Am 25. erkrankten zwei meiner und einige der Diener Diamond's an
Kehlkopfkatarrh; eine verabreichte Dosis Brechmittel hatte sofortige
Besserung zur Folge. Die uerst ungnstige Witterung hatte auch in
meinem Zustande wiederholte Rckflle zur Folge, deren Heftigkeit ich
wohl bald mildern konnte, welche aber stets ein Schwchegefhl
zurcklieen, das mich vllig arbeitsunfhig machte.

Wenige Tage darauf erkrankten zwei Diener Diamond's an Typhus. In diese
trben Tage brachte die Jagd einige Abwechslung; auf einer solchen war
es dem bereits erwhnten Basuto April gelungen, einen feisten
Bffelstier zu erlegen, dessen Fleisch ins Lager geschleppt wurde. Die
folgende Nacht gab es nun ein frmliches Fest, es wurde gesungen und
getanzt und selbst die kranken Schwarzen sogen gierig an den
halbgersteten Fleischstcken, nachdem sie selbe nicht zu schlucken
vermochten.

Am 2. Februar kehrte Diamond von einem zweitgigen Ausfluge an den
Zambesi zurck; er war in den dichten Waldpartien, die sich zum unteren
Laufe des Leschumo-Flchens erstrecken, auf eine Elephantentruppe
gestoen und unter sie gerathen, was ihn so einschchterte, da er auch
nicht einen Schu auf dieselben abzufeuern wagte.

Aus Impalera kam mir die Nachricht zu, da ein Theil von Westbeech's
Elfenbein dahingeschafft worden war, und so konnte ich hoffen, da
Westbeech bald im Leschumo-Thale eintreffen werde. Mir war dies um so
erwnschter, da ich mich unmglich lnger mit der drftigen
Kafirkornkost fortbringen konnte. Am 7. kam ein Trupp von etwa dreiig
Marutse an, welche als Hscher von Sepopo ausgesendet waren, um -- zu
meinem grenzenlosen Erstaunen -- Moja und Kapella einzufangen; ich
vernahm auch, da die Mehrzahl der in Schescheke und im Masupia-Lande
wohnenden Huptlinge, die den groen Rath bildeten, die vom Knige wegen
Hochverrathes etc. Beschuldigten schuldlos sprachen, und sich den
hufigen Hinrichtungen widersetzten. Sepopo wollte sich mit einem
Schlage dieser Mnner entledigen und verurtheilte zwlf der
bedeutendsten Huptlinge zum Tode, darunter Inkambella, Marancian, auch
Kapella und Moja. Moja war erst wenige Tage zuvor, wie schon erwhnt,
mit einem Briefe Khama's in Schescheke angelangt; wie mir Westbeech
spter mittheilte, gab es bei der Ankunft Moja's einen frmlichen
Aufruhr in Schescheke; es war noch nie geschehen, da ein zum Tode
Verurtheilter nach Schescheke zurckgekehrt war. Westbeech, der gerade
in seinem Hfchen beschftigt war, wurde pltzlich in aller Hast zum
Knige entboten, er fand den Hofraum Sepopo's mit Leuten berfllt. Der
Knig reichte ihm aber sofort einen Brief, der in der Setschuana-Sprache
geschrieben und von Khama, dem Knige der stlichen Bamangwato's
unterzeichnet war. Westbeech wurde ersucht, den Inhalt mitzutheilen,
Sepopo fhlte sich durch denselben sehr geschmeichelt, lie sofort von
Westbeech einen Brief an Khama schreiben, da er ihm zu Liebe Moja
pardonnire, doch am selben Abend noch gab er Maschoku den Befehl, am
folgenden Morgen jene zwlf, darunter auch Moja und Kapella
hinzurichten; Maschoku aber, der sich frchtete, so viele der
einflureichsten Mnner zu tdten, erschien in der Nacht an der Htte
Kapella's und warnte ihn. Kapella, Du bist verurtheilt, morgen zu
sterben! Kapella wute genug, weckte seine beiden Frauen und einen in
der Htte nebenan schlafenden Bruder Moja's, sowie drei seiner
zuverlssigsten Diener und seinen jngsten Knaben und machte sich sofort
auf den Weg. Am Fluufer suchte er Westbeech auf und berichtete diesem
den Vorfall. Westbeech, der immer in solchen Fllen ein gutes Herz
offenbarte, versorgte ihn mit Schiebedarf und anderen Reise-Utensilien.

Kapella nahm zu den zwei nchsten Khnen seine Zuflucht und rasch
glitten die Flchtlinge stromabwrts im Dunkel der Nacht dahin. Nach
Mitternacht waren sie schon circa zwanzig Meilen von Schescheke
entfernt, hier lieen sie die Boote fluabwrts treiben und schlugen
sich in die schilfigen Moore am Sdufer des Zambesi, um die
Niederlassung der Masupia's zu erreichen, welche oberhalb Impalera
am Tschobe gelegen, unter der Gerechtsame des Bruders des
Masupia-Huptlings Makumba, eines sehr warmen Anhngers Sepopo's stand.
Hier hofften sie so zeitlich anzukommen, da sie sich noch vor dem
Erwachen der Masupia's einiger ihrer Boote zur Ueberfahrt ber den
Tschobe bedienen konnten. Der Gang in den Pfaden, dem hohen Schilf
entlang, war im Dunkel der Nacht aus sehr vielen Grnden ein uerst
gefahrvoller und Kapella htte ihn nie gewagt, wenn es nicht um sein
eigenes und das Leben der Seinen gegangen wre. Alles ging nach Wunsch
und die Flchtlinge langten kurze Zeit nach Tagesanbruch bei der
genannten Niederlassung an. Trotzdem waren schon zwei der Masupia's bei
den Booten beschftigt; bei dem pltzlichen Erscheinen der bewaffneten
Gruppe, in welchen sie wohl Flchtlinge aus Schescheke ahnen mochten,
ergriffen die Mnner die Flucht, um im Dorfe Lrm zu schlagen,
versenkten jedoch, bevor man es ihnen wehren konnte, die beiden Boote.
Die Flchtlinge machten sich sofort an die Arbeit, die kleinen Khne aus
der seichten Bucht an's Land zu ziehen, sie vom Wasser zu entleeren, und
dann so rasch als mglich ber den Tschobe zu setzen, was ihnen auch
gelang.

Obgleich die beiden Mnner ihren Huptling davon benachrichtigten und
Kapella's Namen nannten, fand es dieser, da er den Commandanten als
einen guten Schtzen kannte und sich auch nicht zum Hscher hergeben
wollte, fr angezeigt, die Sache erst morgen zu berlegen; seinen Leuten
gegenber meinte er, da man das Ganze wohl erwgen msse, es wurden die
Aeltesten des Dorfes zusammengerufen und ihnen die Sache
auseinandergelegt. Unterdessen waren viele Stunden verflossen, so da
die Flchtlinge einen bedeutenden Vorsprung erreicht hatten, als die
Verfolger, jene erwhnten Marutse, im Leschumo-Thale erschienen, um nach
Kapella und den Seinen zu fahnden. Diese Truppe zog erst in der Nacht
auf den 8. wieder ab, sie hatten von ihrem Hauptquartier im
Leschumo-Thale aus den Wald ringsum durchsucht.

[Illustration: Wana Wena, der neue Knig der Marutse.]

Westbeechs dunkler Jger Diamond, der abermals am 6. ausgegangen war,
kehrte am folgenden Tage schwerbeladen heim, d. h. seine Diener keuchten
unter den Rumpfstcken eines Bffelstieres. Nahe an der Stelle wo er ihn
erlegt, lie er sich von seinen Dienern eine Grashtte errichten, um
darin zu bernachten. In der Nacht hrte er nun, da Raubthiere sich um
das Fleisch zu zerren schienen; der alte Diamond war inde durch
hufigen Branntweingenu nicht mehr der Elephantenjger frherer Tage
und so hielt er sich sicherer in der Htte. Morgens fand er, da sich
drei Lwen an den Eingeweiden des Thieres gtlich gethan hatten.

In der Nacht auf den 11. kam pltzlich Diamond an den Wagen und
berichtete, da zwei Marutse-Mnner mit dem Auftrage angekommen wren,
Kapella und Moja einzufangen und sie zu tdten, falls sie in unserem
Lager sich versteckt halten sollten. Diese Mittheilung brachte mich
derart in Aufregung, da ich den beiden Marutse durch Diamond befehlen
lie, sich sofort zu entfernen. Zu spt erfuhr ich leider den Irrthum
Diamonds, welcher der Sirotsesprache nicht besonders mchtig war. Wie
htte ich es auch ahnen knnen, da ich die Leute nicht sah, da mir
Diamond gerade das Gegentheil von dem berichte, was ihm die Leute
mitgetheilt hatten. Statt Sepopo's Hscher zu sein, waren es Kapella's
Diener, welche von ihrem Herrn abgesandt waren, um Fleisch von mir zu
erbitten.

Der 12. war ein geruschvoller Tag fr das Leschumo-Thal. Vor- und
Nachmittag kamen mehrere Masupia-Trupps von Impalera mit Elfenbein und
ein Diener Westbeechs mit dem Auftrage von Letzterem, nach Panda ma
Tenka zu gehen und Zugthiere fr die beiden Wgen zu holen. In der Nacht
auf den 14. schlief ich etwas besser und hoffte deshalb etwas zeitlicher
aufstehen zu knnen. Nachdem mich mein Diener Narri nothdrftig
angekleidet, setzte ich mich auf den Bock, um die frische, wenn auch
ungesunde Morgenluft einzuathmen. Der Gedanke, da mich Westbeech bald
erlsen werde, hatte meine Lebensgeister etwas aufgefrischt. Narri, der
eben mit dem Kochen des Kafirkornkaffee's beschftigt war, trat heran,
und machte mich auf den Laut menschlicher Stimmen aufmerksam, welche aus
ziemlicher Entfernung thalabwrts hrbar wurden. Ich rief die Diener
herbei, lie sie lauschen und sie erkannten singende Masupia's, welche
von Impalera mit Westbeechs Elfenbein beladen sich uns nherten. Die
drei anderen Diener waren schon wieder zum Feuer zurckgetreten, nur
Narri stand noch bei mir, als sich pltzlich etwa dreiig Schritte vor
uns eine dunkle Mannesgestalt, ein unbewaffneter Schwarzer erhob und auf
mich zusprang. Irre ich mich, trgt mich das geschwchte Gesicht? Ist
es mglich? Doch nein, ich tusche mich. Wie kme mein Freund Kapella,
der Commandant des Marutse-Heeres, in diesem Zustande hieher? Doch ja,
es ist Kapella, nicht mehr der Fhrer der Marutse-Schaaren, sondern der
Flchtling. Ich wollte vom Wagen herabspringen und seine Hnde fassen,
doch ich hatte nicht die Kraft dazu. Inzwischen hatte er mich erreicht
und am Arme ergriffen. Intate (Freund), ich bin hungrig, stehe mir bei,
drben im Gehlze hungert meine Frau und meine Kinder, dann unterbrach
er sich pltzlich und horchte auf den Gesang der herannahenden
Masupia's, welche jeden Augenblick an der nchsten Waldesecke erscheinen
muten. Die gutmthigen Zge verzerrten sich in diesem Momente zur
Unkenntlichkeit, Todesangst sprach aus ihnen. Ich wei nicht, ob die
Aufregung in dem Momente es ermglichte, oder das Mitgefhl der Angst
mich so stark machte, ich ergriff einen etwa zwei Eimer Korn
enthaltenden Sack, der hinter mir im Wagen lag und warf ihn dem Manne in
die Arme. Kapella winkte mir mit der Hand, beugte sich nieder und
schlich, von den Masupia's ungesehen, durch das hohe Gras nach dem nahen
Walde.

Am 15. zog das schwerste Gewitter, das ich bisher in Afrika beobachtet,
ber das Leschumo-Thal dahin, es kam so pltzlich, da meine Diener
rasch Sand und Erde auf die Feuer werfen muten, um die Grashtten vor
Brand zu schtzen. Der darauf folgende, noch immer vom Sturmwind
begleitete Regenschauer drang durch die Wagendecke, so da ich mit
meinen Decken und Reserve-Kleidungstcken die Sammlungen vor einer
abermaligen Beschdigung schtzen mute. Das Wagendach schwankte hin und
her und die Gewalt des Orkans schttelte den Wagen, als wre dieses
formidable afrikanische Transportgebude ein Spielzeug gewesen. Die eine
der Grashtten war durch den Orkan umgeworfen, und die andere, in
welcher sich die Diener geborgen, eingedrckt worden. Dank dem leichten
Materiale desselben hatte ihnen dieser Unfall nicht viel Leid zugefgt.
Gegen Abend muten sich die Diener wieder daran machen, zwei neue Htten
zu errichten, eine fr sich und eine fr mein Gepck, da ich den Wagen
fr Westbeechs Elfenbein frei machen mute.

Am 16. langte Westbeech im Leschumo-Thale an. Er beklagte sich ber die
ihm von Sepopo nach meiner Abreise widerfahrene Behandlung und entschlo
sich, nicht mehr nach Schescheke zu gehen, sondern die Waaren nur in's
Tschobethal zu bringen und sie hier auszutauschen. Er gab mir die
gewnschten Aufschlsse ber die letzten Vorgnge in Schescheke und
theilte mir mit, da die Idee eines Aufstandes und der Vertreibung des
Knigs bei den Marutse-Mabunda-Huptlingen immer mehr festen Fu gefat
htte; dazu kam noch folgender Umstand, der dem Knige in den Augen der
Untergebenen sehr schadete. Als er nmlich am Tage nach der Flucht
Kapella's die Nachricht davon erhielt, gerieth er so in Zorn, da er,
wie in der Regel, mit dem Kiri auf seine Umgebung losschlug, dann aber
rief er laut, da er ein Zaubermittel bereiten wolle, welches
unwiderruflich die Flchtlinge zurckbringen werde, dasselbe msse auf
sie derartig einwirken, da sie die Sinne verlieren und in diesem
Zustande nach Schescheke zurckkehren mten, um sich von Maschoku
tdten zu lassen. Er lie einen Ochsen schlachten und sich den Talg vom
Herzen berbringen, dann wurden etwa drei Fu lange Stbchen
herbeigeschafft und dieselben einen Fu tief vor der Httenthre der
Entflohenen in den Boden eingeladen. Diese Stbchen wurden darauf an
ihrem oberen Ende etwas gespalten und ein Stckchen Talg aufgelegt. Es
war das erste Mal, da sich Sepopo so offen vor seinem Volke ber seine
Zaubermittel und deren Wirkung aussprach, so da sich nun auch zum
ersten Male die Bewohner von Schescheke von diesem Humbug zu berzeugen
Gelegenheit hatten.

Die Portugiesen waren von Sepopo noch immer nicht fr ihre Waaren
bezahlt worden, er vertrstete sie von Woche zu Woche. Auch berichtete
mir Westbeech, da der Dolmetsch Sepopo's, Jan Mahura, und sein Bruder
am nchsten Tage im Leschumo-Thal eintreffen wrden, da sie ihres Lebens
nicht mehr sicher waren, und der erstere von dem Knige fr seine
fnfjhrigen Dolmetscherdienste eben seinen Lohn erhalten hatte.
Westbeech war gezwungen, noch Gter in Schescheke zurckzulassen, auch
sollte sein Koch Fabi, ein Halbcast aus der Colonie, nicht mit nach dem
Sden ziehen, weil die ihm vom Knige geschenkte Frau, Asserat,
mitzugehen sich weigerte.

Am 17., als bereits das gesammte Elfenbein (11080 Pfund) von Schescheke
nach dem Leschumo-Thal gebracht worden war, erkrankte mein Diener
Elephant an einer Entzndung des Schleimbeutels unter dem Knie, einem
Uebel, welches unter den Masupia's und Matonga's hufig angetroffen,
Tschi Kana Mirumbe genannt, und mit warmen aus Bohnenmehl bereiteten
Umschlgen geheilt wird.

Als am 19. Masupia-Mnner vom Zambesi und Tschobe Korn, Mais und
Krbisse zum Verkaufe brachten, boten sie den erhaltenen Kaufpreis dem
Bruder des Jan Mahura an, welcher ihnen dafr Elephanten-Medicin, d. h.
eine solche, die sie in den Stand setzen sollte, Elephanten ohne
Schwierigkeit zu tdten, verabreichen mute. Jan Mahura machte ihnen zu
diesem Behufe an den Armen und den Schenkeln seichte und lange
Lngseinschnitte und rieb ihnen in dieselbe ein schwrzliches Pulver
ein, welches die gewnschte Wirkung uern sollte.

In der Nacht vom 19. auf den 20. waren die Wagen gepackt, nach
Mitternacht trafen die Zugthiere ein und wir verlieen das
Leschumo-Thal, um weiter nach Panda ma Tenka zu ziehen.




                                 XIV.
              Durch das Makalaka- und Westmatabele-Land.


Aufbruch nach Sden. -- Vlakvark's. -- Lager an den
Klamaklenjana-Quellen. -- Der Hndler Z. -- Die Weiher von Tamasanka. --
Die Sibanani-Lichtung. -- Reiches Thierleben. -- Die Mambaschlange. --
Ein bses Gewissen. -- Menon, der Chef der westlichen Makalaka. -- Ein
Spion. -- Menon hlt ber Z. Gericht. -- Langfingerigkeit und
Unreinlichkeit der Makalaka. -- Morulabume. -- Z. in Lebensgefahr. --
Die Ruinen von Rocky-Schascha. -- Pittoreske Landschaftscenerie am
Rhamakobanflusse. -- Tati. -- Goldgrber. -- Die Familie Lotriet. --
Matabele-Vorposten. -- Geschichte des Matabele-Reiches. -- Afrika als
Lwenjger. -- La Bengula's Schwester. -- Der Leopard im Schlafzimmer
Pit Jacob's.

[Illustration: Ruinen von Rocky-Schascha.]

Sdostwrts reisend, gelangten wir noch am selben Tage bis zu
Schneemann's Weiher, wo wir bis zum Abend verblieben. Die Reise durch
den Wald, zeitig am Morgen war insoferne angenehm, als der Wald frmlich
vom Dufte der schnen weien, fnfblttrigen Blthen des
Mopondostrauches erfllt war. Abends brachen wir wieder auf und fuhren
die Nacht hindurch, bis wir zu Mittag des nchsten Tages am Rande der
Gaschuma-Ebene anlangten; hier muten wir rasten, da die Regengsse der
letzten Tage die Wiesenlichtungen in Smpfe verwandelt hatten. Das Gras
auf den Ebenen war stellenweise sechs bis sieben Fu hoch und wurde von
den Eingebornen Matimbe genannt. Des hohen Grases wegen sahen wir auch
sehr wenig Wild. Whrend unseres Aufenthaltes an der oberwhnten Stelle
kamen sechs Marutse von Schescheke, die uns nachgegangen waren, und
brachten meine Bffelhrner, die Westbeech in Schescheke mitzunehmen
vergessen, sowie einen fnfundzwanzig Pfund schweren Elephantenzahn mit.
Die Leute folgten dem Wagen bis Panda ma Tenka unter dem Vorwande,
Zndhlzchen fr Sepopo zu erstehen, eigentlich aber in der Absicht,
sich zu berzeugen, ob sich Kapella, der Flchtling, unserem Wagen
anschlieen wrde. Kapella, dem ich nach jenem schon erwhnten
denkwrdigen Morgen des 14. Jnner tglich theils aus meinem, theils aus
Westbeechs Kornproviant versorgte, hatte bei der Ankunft des
Elfenbeinhndlers von Schescheke den Leschumo-Wald verlassen, und war
bis zu den Gewssern der Gaschuma-Ebene vorausgegangen. Hier trafen wir
ihn mit den Seinen und mit Moja, und unter den Dienern des Flchtlings
erkannte ich einen, der sich whrend meiner letzten Fahrt von Schescheke
nach Impalera durch sein unverschmtes Auftreten hervorgethan hatte. Da
die ganze Gesellschaft seit dem Verlassen des Leschumo-Thales kein Wild
erlegt hatte, war die Ueberraschung, die uns Bradshaw von Panda ma Tenka
aus durch das Zusenden eines Ziegenbockes bereitete, recht erfreulich.

In der folgenden Nacht verlieen wir das Tsetsegebiet und gelangten,
nachdem wir noch stundenlang mit dem schwer beladenen Wagen an einem der
vielen Zuflsse des Panda ma Tenka-Flchens aufgehalten worden waren,
noch am selben Tage nach der gleichnamigen Niederlassung. Mein frherer
Diener Pit, sowie Bradshaw waren durch das Fieber frmlich zu Skeleten
abgemagert.

Am 23. theilte mir Westbeech die unangenehme Nachricht mit, da seine
Zugthiere durch die Tsetse decimirt und er nicht im Stande sei, der bei
dem Verkaufe meiner Zugthiere eingegangene Verpflichtung, meinen Wagen
nach dem Sden zu bringen, nachzukommen, er ersuchte mich, mein Gepck
auf einem der mit Elfenbein beladenen Wgen unterzubringen. Am 24. kam
der Elfenbeinhndler Saddler von Schoschong an, er berichtete von der
Strenge, mit welcher Knig Khama gegen die Einfuhr von Branntwein
auftrete und uerte sich, da die Leute in Schoschong sich sehr wundern
wrden, mich zu sehen, da man mich nicht wieder im Sden erwartete.

Am 27. war ich endlich mit dem Packen meiner Sammlungen fertig geworden
und so bentzte ich gleich den Nachmittag, um sie zu vermehren. Ich
erstand auch von Bradshaw eine Sammlung von 1300 Kfern fr 20  St.,
dann fr Elfenbein, zur Completirung der Sammlungen 40 Vogelblge von
demselben und 63 von Walsh. Am Nachmittage des 28. verlieen wir das
Thal, und obgleich mir Westbeech auch auf der Rckreise nach Schoschong
viele Geflligkeiten erwies, so wurde mir das Reisen in einem fremden
Wagen unangenehm, da meinem Sammeleifer durch den Raummangel bald Halt
geboten war. Ich konnte an Orten nur Stunden verweilen, wo ich eine
Woche hindurch die lohnendste Arbeit gefunden htte. Ich gewann dabei
die Ueberzeugung, da Westmatabele allein Jahre lang einen Forscher
ununterbrochen beschftigen knnte.

Als wir am 28. das Panda ma Tenka-Thal hinaufzogen, jagten unsere Hunde
zwei Exemplare der Vlakvark-Species auf. Es gab eine Hetzjagd, welche
zwanzig Minuten whrte und wobei Schwarze und Weie, die einen mit
Gewehren, die anderen mit Assagaien bewaffnet, dem Wilde nachjagten.
Obgleich das Vlakvark unter den Wildschweinen die drohendsten Hauer
besitzt, ist es doch unserem europischen Wildschwein gegenber eine
feige Creatur; es besitzt eine staunenswerth dnne Haut, sowie einen
weien Backenbart im Gesichte. Die folgende Nacht hatte ich abermals
wenig Rast, denn in Folge der Fahrt ber die steinigen Bodenerhebungen
zwischen dem Panda ma Tenka- und dem Dejkha-Flchen waren die gepackten
Sachen so hin- und hergeworfen worden, da ich Alles neu ordnen mute.
Auf der Fahrt des nchsten Tages, auf der letzten der groen
Graslichtungen, welche das sandige Lachenplateau vom Zambesi-Gebiete auf
der bereisten Strecke trennt, entdeckte ich, da alle Wildpfade von
zahlreichen wilden Strauenheerden zum Wechsel bentzt wurden. Wre
ich in meinem Wagen gereist, so htte ich mich fr die nchsten
achtundvierzig Stunden in eines der nahen Gehlze gelagert, um diese
Thiere nach Herzenslust beobachten zu knnen.

Am 3. gelangten wir zu Henry's Pan, jeden Augenblick, den der Wagen
hielt, bentzend, fand ich auf dieser, sowie auf der Gesammtstrecke bis
Schoschong hin so viel Sammelnswerthes, da ich nur tglich bei der
Arbeit sowie whrend der Fahrt und in der Nacht bei dem Recapituliren
des Erlebten stets ber den Zeitmangel und das rasche Reisen klagen
mute. Am 3. beobachtete ich Giraffenspuren im Geleise vor uns, es
mochten wenigstens zwanzig Thiere gewesen sein, welche hier ihren Weg
genommen hatten. Am nchsten Tage erreichten wir die Lachen von
Tamasetse und erstaunten nicht wenig, einen Reiter uns entgegenkommen zu
sehen; wir erkannten in ihm den Compagnon des dem Leser schon bekannten
Elfenbeinhndlers Anderson. Dieser hatte sich zurckgezogen, whrend der
Erstere mit seinen Dienern hier und um Tamasetse herum Straue jagte.
Dieser Mann, mir Namen Webster, theilte mir mit, da er mit noch zwei
Weien, Herrn Z. und Mayer, den ich dem Leser schon bei der Reise nach
Norden an der zweiten Klamaklenjana-Quelle vorgefhrt, in der Nhe
lagere. Herr Z., ein frherer Hndler, hatte diesmal aus einem ganz
besonderen Grunde diese Gegenden ausgesucht. Die zoologische
Gesellschaft in London hatte nmlich fr ein Junges der weien (grauen)
Rhinoceros-Art einen Preis von 500  St. loco Capstadt ausgeschrieben
und nach diesen gelstete es dem ehemaligen Hndler. Da dieser
Abenteurer sich womglich geringe Auslagen bereiten wollte, hatte er
solche Tauschartikel mitgenommen, die im Innern Afrika's mit geringer
Mhe 500 Percent Reingewinn abwarfen. Im Maschona-Lande wre es ihm am
ehesten gelungen, der gesuchten Species habhaft zu werden, doch eines
Vergehens wegen, dessen er sich bei einem frheren Besuche des Landes
schuldig gemacht, wagte er es nicht wieder, offen das Matabele-Land zu
betreten, um von dem Matabele-Knig den Durchzug nach dem Maschona-Lande
zu erbitten. Als er auf seiner Reise gegen den Zambesi nach Schoschong
kam, hatte der Knig Khama erfahren, da er Brantwein am Wagen als
Tauschartikel fhre und gebot ihm, sofort nach dem Sden zurckzukehren.
Z. wollte sein Ziel nicht so leichten Kaufes aufgeben, angesichts der
Haltung Khama's versprach er zu den am Limpopo weilenden
Damara-Emigranten zu gehen und hier das Feuerwasser abzusetzen, doch
dies war nur eine List. Er schlug die Richtung nach dem Limpopo, d. h.
nach Sdsdost ein, wandte sich jedoch bald nachher vom Wege ab, kehrte
in einem spitzen Winkel nach Norden zurck und verfolgte diese
eingeschlagene Richtung bis zur Hhe von Schoschong. Das bereiste Land
war hie und da bebuscht, was ihm wohl zu statten kam und als er diesen
Punkt erreicht, verbarg er hier seine Branntweinfsser und ging
denselben Weg zurck, bis er wieder nach Schoschong kam und dem Knige
seinen leeren Wagen zeigte. Dieser glaubte dem Manne, obgleich er sich
ber die rasche Erledigung der ganzen Angelegenheit wunderte.

Z. schlug eine stliche Richtung ein, bis er das erwhnte Versteck
erreicht hatte, lud hier die verbotene Fracht wieder auf und zog nach
Westmatabele, um nun nach Nordwest, in das sandige Lachenplateau
einzubiegen; da er jedoch in Westmatabele den ihm begegnenden Zulu's den
Grund seines Besuches mitzutheilen gezwungen war, so nannte er sich
Capitn Y., der die Victoriaflle des Zambesi zu sehen wnsche, und
hiezu La Bengula um Erlaubni bitte. Er suchte dies durch Boten, die er
nach Gubuluwajo zum Knige sandte, zu erreichen, durchzog dann
Westmatabele und das Makalaka-Land und gelangte nach dem sandigen
Lachenplateau, wo er mehrere Monate zubrachte, whrend welcher Zeit er
seine vier Pferde, die er der Jagd halber mitgenommen, verlor. Whrend
dieser Fahrten brachte er bis auf vier Flaschen Spiritus den ganzen
Inhalt seiner Fsser an den Mann. Inzwischen wurde Khama durch die
herumstreifenden Bamangwato's sowie die hie und da postirten Masarwa und
Madenassana das Thun des Z. berichtet, auch lie er nachforschen und der
Branntweinschmuggel des Letzteren lag klar zu Tage. Auch Z. blieb dies
nicht unbekannt, und er frchtete, da ihm der Weg nach dem Sden
abgeschnitten sei, und in die Hnde Khama's zu fallen, welcher ihm zur
Strafe das Gefhrt wegnehmen knnte. La Bengula, den Zulu-Knig,
frchtete er aber noch mehr. In dieser fr ihn ziemlich peinlichen Lage
-- es war ihm indessen auch klar geworden, da er ein weies Nashornkalb
nicht erwerben knne -- konnte ihm die Ankunft unserer Truppe in
Tamasetse nur sehr willkommen sein.

Niemand begrte denn auch unsere Ankunft freudiger als Z. Wie hatte
sich der arme Mayer verndert? Das bse Fieber hatte ihn in wenigen
Wochen siech und so elend gemacht, da ich ihn mit Noth wiedererkennen
konnte. Z. fragte mich um Rath fr seine fieberkranken Diener. Ich
erwiderte, da ich selbst am Fieber krank, nicht einen Gran von den
nthigen Medicamenten besitze. Das letzte was ich von Bradshaw gekauft,
hatte ich Pit, dem einen Wagentreiber und Sohn Jan Mahura's gereicht.
Doch rieth ich Z. an, um den Dienern das lstige Gefhl der Mdigkeit in
den Schenkeln zu beheben, Branntwein in die Muskulatur derselben
einreiben zu lassen. Ich habe keinen Branntwein mehr, doch es sind noch
vier Flaschen mit Spiritus im Wagen, ich werde diese verwenden. Doch Z.
hatte mit dem Samaritanerwerk keine Eile, er mischte den Inhalt der vier
Flaschen mit Wasser und verkaufte den so gebrauten Branntwein an die
Mitreisenden fr 33  St., und als mein armer Freund von dem furchtbaren
Genusse umnachtet, nicht mehr seiner Herr war, verkaufte er ihm Wagen
und Ochsen, um sie nicht an Knig Khama zu verlieren. Ich will die
unangenehmen Auftritte bergehen, die sich damals whrend des
Aufenthaltes an den Tamasetse-Lachen vor mir entrollten. Z. ging nun
nach dem Sden als Gast meines Freundes und in dem trstlichen
Bewutsein, wenn auch keinen Preis gewonnen, so doch keinen erheblichen
Verlust erlitten zu haben.

Am 7. verlieen wir Tamasetse und zogen ber die Wsser von Tamafopa und
Yoruah nach den nrdlichsten der Klamaklenjana-Quellen, von welchem sich
ein Geleise nach Sdost nach dem Makalaka-Lande abzweigt. Hatte ich
whrend unseres Aufenthaltes auf Tamasetse ber das Unheil zu klagen,
das Z. mit seinem Brantwein angerichtet, so war dies auf der Weiterreise
nur noch mehr der Fall. Westbeechs Wagenlenker (an dem Wagen, in dem ich
fuhr) war und blieb betrunken, was zur Folge hatte, da das Gefhrt
mehrmals daran war, umzuschlagen, zuweilen sah ich mich gezwungen,
selbst die Peitsche in die Hand zu nehmen, was meinen Zustand wieder
verschlimmerte.

Am 8. gelangten wir zu dem Yoruah-Weiher. Da Bradshaw hier einen
Rckfall erlitt, auch zwei andere Wagenlenker, namentlich Diamond, krank
wurden, blieben wir hier 1 Tage, die ich so gut es anging zur
Vermehrung meiner Blgesammlung bentzte. Z. erkrankte an Dysenterie,
mein Diener Elephant unter hnlichen Umstnden und zwei andere Diener
Westbeechs am Fieber. Am 12. gelangten wir zu den Klamaklenjana-Quellen
und fuhren von da noch am Abend ab. Ich fand diesmal das Lachenplateau
auffallend wildarm und erkannte auch bald den Grund dieser Erscheinung.
Die zahllosen weitab im Walde liegenden Lachen hatten sich mit
Regenwasser gefllt, und so war das Wild nicht an die wenigen
Quellenweiher gebunden, sondern konnte sich beliebig weit vom Geleise
zurckziehen. Am Nachmittage wurde ich vom Fieberschauer niedergeworfen
und hatte noch in der Nacht eine arge Beschdigung meiner Sammlungen zu
erfahren. Der betrunkene Wagenlenker war einem vorragenden Aste nicht
ausgewichen, der die senkrechten Sttzsulen der linken Dachseite
rasirte, dabei in den Wagen drang und hier die in den letzten fnf Tagen
gesammelten Coleoptera sowie einige ethnographische Objecte theils arg
beschdigte, theils vollkommen unbrauchbar machte.

Am 13. gelangten wir nach einer sehr beschwerlichen Tour durch einen
tiefsandigen, dichten Niederwald, und nachdem in der Nacht ein Trupp von
Nashorne und Elephanten unsere Route gekreuzt hatte, nach einer mit
Wassertmpeln versehenen Lichtung, Tamasanka genannt. Die Weiher von
Tamasanka trocknen nie aus, ihr Wasser ist rein und beginnt, zwei bis
drei Tage im Gef ruhig belassen, sich zu verdicken. Westbeech hatte
dies erprobt, whrend mir leider die nthige Zeit dazu fehlte, denn wir
verlieen den Ort schon am folgenden Tage. Auf der Nachmittagsfahrt
beobachtete ich zum ersten Mal eine Finkenart, die Paradieswitte (^Vidua
Paradisea^), die an der Westkste hufig anzutreffen ist. Auch fand ich
auf der Strecke vom Tamasetse Fliegenschnapper, Pirole, kleine
grnlich-gescheckte Spechte und die ^Vidua regia^. Im Allgemeinen
zeigten sich im sandigen Pool-Plateau alle die Strecken, welche grere
Lichtungen enthielten, reicher an Vertretern der Vogelwelt, als die
dicht bewaldeten Partien, in welchen man nur kleine, von Regenlachen
ausgefllte Lichtungen antrifft.

Die Weiterfahrt am 15. und 16. wurde etwas mhevoll, da die Wagenspur
von Gras vollkommen berwachsen war und wir uns den Weg erst suchen
muten. Unsere Diener fanden am ersten Tage den halb abgenagten Cadaver
einer Giraffe, die wohl von Lwen getdtet sein mute und delectirten
sich nicht wenig an der so leicht gewonnenen Beute. Am 16. betraten wir
eine von Mapanibumen bewachsene Ebene, ein Seitenstck zu jener von
Maque, welche von schnen und sehr fischreichen Weihern bedeckt war und
von den Eingebornen Sibanani-Lichtung genannt wird. Sie bildet den
sdstlichen Theil des sandigen Lacheplateaus und gehrt den stlichen
Bamangwato und den Matabele an. Der Landstrich war unter Moselikatze bis
in die Fnfziger Jahre im ausschlielichen Besitz der Matabele, es war
ihr westlichster Punkt nach dieser Richtung hin. Die Wachposten wurden
jedoch seither eingezogen, da sie steten Lwen-Anfllen ausgesetzt waren
und die ihrer Obsorge anvertrauten Viehheerden nicht mehr schtzen
konnten. Der Wald in der Sibanani-Lichtung ist nur am Rande der Weiher
dicht, welche mir in dem ursprnglichen Bette eines Flusses, dessen
Wasser schon vor mehreren Jahrhunderten versiegt sein mgen, zu liegen
schienen.

Der geringeren Dichte des Waldes halber ist die Sibanani-Lichtung fr
die Jger von besonderem Interesse; alle Wildarten, von der
Deukergazelle bis zum Elephanten, sind hier anzutreffen. Der Ornithologe
findet die Vgel des sandigen Lachenplateaus mit interessanten Formen
von Sumpf- und Schwimmvgeln in Menge vor. In Folge dessen sind auch
Tag- wie Nacht-Raubvgel in vielen Species vertreten, an den zahlreichen
feuchten Partien erstreckt sich ein wahrer Blumenteppich, der
Tummelplatz der zahlreichen Colibris und Bienenfnger, whrend man an
den das Wasser berhngenden Aesten bald den kleinen, oben azurblauen
und durch einen Schopf ausgezeichneten ^Alcedo Cristata^, bald
eine zweite Art, den ^Halcyon Swansonii^, doch auch den
weischwarz-gescheckten ^Ceryle Rudis^ erspht. Ich will noch des
Riesenreihers (^Ardea Goliath^), und des schnsten aller Gnschen, der
^Nettapus Madagascariensis^ gedenken, blos zwlf bis vierzehn Zoll lang
erscheint das Thierchen, oben glnzend schwarzgrn, unten weilich mit
Ausnahme der Brust und Seiten, welche sich rostfrbig prsentiren, die
Wangen, Stirn und die Kehle sind wei, der Kopf dunkelschwarzgrn,
welche Farbe sich bis nach dem Halse hinzieht und hier beiderseits einen
hellgrnen Fleck umsumt.

Zwei Umstnde machen inde den Aufenthalt an dem Sibanani-Weiher weniger
angenehm, als ihn der Forscher sonst unter den obgenannten Umstnden
finden wrde. Es ist erstlich gegen das Ende des Sommers die ungesunde
Ausdnstung einiger der seichteren Weiher und zweitens die gelbe
Mambaschlange, von der ich schon berichtete, da sie in der Regel in dem
dichten Geste zweier, einen Wildpfad berhngenden Bume auf der Lauer
liegt. Westbeech berichtete mir, da in trockenen Wintern die
fischreichen Weiher so wasserarm werden, da man die Fische, unter denen
ein Glanis am hufigsten vorkommt, mit den Hnden fangen knne. Hier
hrte ich auch zum ersten Mal wieder nach vielen Monaten den
Silberschakal (^Canis mesomelas^) und ich fand meine Vermuthung, da die
Sibanani-Lichtung eine der tiefsten Partien des sandigen Lachenplateaus
sei, auch dadurch besttigt, da ich zahlreiche Pflanzenspecies mit
denen des Salzseebeckens identisch fand. Ich konnte erst wieder hier,
seitdem ich die Zambesi-Zuflsse verlassen, schne Fcherpalmen-Gebsche
beobachten. Die Mitreisenden machten sich, von ihren Dienern begleitet,
an die nchst anliegenden Weiher, um unseren Tisch mit Wildgeflgel zu
versorgen, leider mit geringem Erfolge. Im Winter soll es hier noch
bedeutend mehr Wild geben, allein schon gegenwrtig fand ich zahlreiche
frische Wildspuren, welche unseren Weg kreuzten und unter welchen ich
auch jene des schwarzen Nashorns bemerkte.

Am 18. brachen wir wieder auf und gelangten nach einem lngeren Marsche
in das Thal des Nataflusses, zogen das Thal entlang, und berschritten
ihn sodann. Der Flu hat hier den Charakter eines sandigen, nur
stellenweise kleine Lachen enthaltenden Spruits. An seinen Ufern, welche
mit sechs bis sieben Fu hohem Grase dicht bewachsen waren, fanden sich
stellenweise tiefe, zur Zeit der Ueberschwemmungen gefllte Lachen, ein
Charakteristicon vieler sdafrikanischer Flsse, namentlich aber des
Limpopo-Systems. Am Nachmittage ging es weiter nach Sdost, dem
Makalaka-Lande zu; unser Weg fhrte durch einen dichten Mapaniwald. Da
Westbeech der erste war, der vor vier Jahren diese Route befuhr, die nun
vom Makalaka-Lande ber den Majtenque und Nata das Matabele-Land mit den
Tschobe-Zambesi-Gegenden verbindet, so erlaubte ich mir, das genannte
Geleise ^The Westbeech Road^ zu nennen. Am Abend gelangten wir auf
eine mehrseitig von Gehlzen begrenzte Grasebene, in der sich der aus
dem Makalaka-Lande flieende Majtenque-River im Boden verlieren soll.

Am 19. hatten wir sehr viele tiefe, wenn auch schmale, trockene
Regenmulden zu passiren, welche zu dem genannten Flusse fhren, der
gegen seine Mndung schmler und seichter erscheint und dessen Ufer von
Fanggruben frmlich durchwhlt sind. Der Majtenque ist ein sandiger
Flu, der hunderte von Bergflchen aufnimmt, die jedoch nur uerst
kurze Zeit hindurch flieen, so da nicht immer dieser Abflu seine
Mndung erreicht, sondern sich namentlich in dem letzten Drittel seines
breiten Inselbettes verliert. Der grte Theil seines Gebietes liegt in
dem schnen Gebirgslande, welches von den westlichen (Menons) Makalaka's
bewohnt wird. Da sich der Zustand Westbeechs nicht besserte, bernahm
ich ihn in meine Behandlung. Am 20. erkrankte auch Dr. Bradshaw an
Dysenterie. Wir zogen den ganzen Tag das Thal aufwrts am rechten Ufer
des Flusses dahin. Seitdem wir das Panda ma Tenka-Thal verlassen hatten,
gab es sehr warme Tage, namentlich die Spt-Nachmittage waren ungemein
schwl, dagegen waren die Nchte kalt. Am Vormittage des 21.
berschritten wir den Majtenque. Kurz zuvor zeigte man mir einen hohen
Mapanibaum, unter welchem einer der Makalaka-Huptlinge begraben liegt.
Der Baum war hohl und geno noch aus einem zweiten Grunde einen gewissen
Grad von Verehrung. Die Makalaka's glaubten, da in ihm, doch weniger
oft wie in einer der Felsenhhlen in ihrem Gebirge, ihr Morimo oder der
unsichtbare Gott wohne und whrend sie alljhrig in die Felsenhhle
Geschenke brachten, warfen Vorbergehende als Zeichen der Hochachtung
ihre Armspangen etc. in die Hhlung des genannten Baumes.

Je weiter wir zogen, desto merklicher erhob sich das Land. Kleine
Granithgel erhoben sich vor uns, ohne uns inde die Aussicht auf die
Kuppen der eigentlichen Makalaka-Hhen im Hintergrunde zu benehmen. Bei
dem ersten namhafteren Hgel trennte sich Westbeech, um mit Bradshaw,
Menon, den Makalaka-Huptling aufzusuchen und von diesem einige
Begleiter nach dem Matabele-Lande zu erhalten, in dessen westlichster
Provinz wir uns eben befanden. Westbeech ging seinen in der Residenz des
Matabele-Knigs wohnenden Compagnon Philips aufsuchen, um ihn, der
gemeinschaftlichen Abrechnung halber, zur Reise nach Schoschong zu
bewegen. Da Westbeech wegen seiner Gunst beim Knige unter den
Makalaka's geachtet war, entsprach man seinem Ansuchen sofort. Abends
erschien auch Menon, um den Elfenbeinhndler mit seinem Gegenbesuche zu
beehren. Seitdem wir im Majtenque-Thal nach aufwrts zu reisen begannen,
zeigte Z. eine auffallende Unruhe, sowohl whrend der Fahrt als auch
whrend der Raststunden war er stets wie auf der Wache, er lugte nach
allen Seiten aus und glaubte stets Makalaka's zu sehen. Oft stand er
neben mir mit verstrten Zgen am Bocke. Haben Sie den Schrei gehrt,
der eben durch den Wald drang? Sahen Sie nicht eben einen Makalaka
hinter jenen Dornenbumen verschwinden? Da ihm Westbeech seine
betrgerische Handlungsweise vorhielt, und man ihm berhaupt von Seite
meiner Reisegefhrten nicht freundlich entgegenkam, flchtete er sich zu
mir. Saen wir in der Nacht am Feuer, so war er in der Regel an meiner
Seite. Doch litt es ihn nicht lange an einer Stelle, wiederholt stand er
auf, und suchte mit seinem unsteten Blick das Dunkel zu durchdringen.
Der Zug in das Makalaka-Land schien Z. mit wahrer Furcht zu erfllen,
dies veranlate mich, nach dem Grunde seines Betragens zu fahnden. Ja,
meinte er, nachdem er mir lange genug, ausweichend geantwortet, so ein
kleiner Zufall hat sich whrend meines Besuches im Innern ereignet; als
wir von einer Elephantenjagd heimkehrten und auf einen Pfad im Walde
entlang gingen, einer hinter dem Andern folgend, entlud sich ganz
zufllig das Gewehr eines meiner Diener, und einer der Leute Menon's
wurde dabei getdtet; es kann nun leicht geschehen, da Menon denkt, ich
habe den Makalaka erschossen.

Als er nun hrte, da wir uns nahe an Menon's Dorfe befanden, erreichte
seine Unruhe den hchsten Grad. Er folgte den Wgen und war nicht eher
zu sehen, als bis Menon von seinem abendlichen Besuche wieder
heimgekehrt war. Menon ist von Mittelgre, etwa fnfzig Jahre alt,
hager, ein Tartffe ohne Gleichen, mit ihm fanden sich zugleich einige
Makalaka's ein, von denen keiner ein ehrliches Gesicht hatte. Diese von
mir -- um sie von den nrdlich vom Zambesi wohnenden Bruderstmmen zu
unterscheiden -- die Sd-Zambesi und westlichen, nach ihrem Huptlinge
Menon's genannten Makalaka sind mit ihren sdlichen Brdern seit dem
Jahre 1837 Unterthanen der Matabele-Zulu geworden. Sie waren friedliche
Ackerbauer und Viehzchter, sind gegenwrtig das erstere nur mehr in
einem geringen Grade geblieben und nebstbei die unzuverlssigsten Leute
und die grten Diebe in Sdafrika. All' dies haben ihre Herren, die
Zulu-Matabele auf ihrem Gewissen.

Whrend seine Begleiter sich an's Feuer niederhockten, blieb Menon in
eine schbige Gepardcarosse gehllt, stehen, um uns einen nach dem
andern zu mustern. Er schien von dieser Revue nicht befriedigt zu sein
und suchte nach Z., denn der Unfall war ihm von den Z. entlaufenen
Genossen des Erschossenen berichtet und er zugleich von der Anwesenheit
des weien Mannes, der uns am Nataflusse traf, durch einen seiner Spione
unterrichtet worden. Seinem Unmuthe darber machte er dadurch Luft, da
er von mir und Walsh, die wir zum erstenmale sein Land betraten, einen
Durchzugszoll begehrte. Da auer Westbeech Niemand die Makalaka-Sprache
verstand, und dieser uns ruhig zu bleiben bedeutete, ohne von Menon
Notiz zu nehmen, so lie dieser auch von seiner Bettelei ab, ja in
wenigen Minuten hatte sich das Blatt gewendet. Von Westbeech an die
Pflichten der Gastfreundschaft gemahnt, versprach Menon eine Ziege zu
senden. Er entschuldigte sich, da er kein Rind senden knne, da die
Matabele seine gesammten Rinder geraubt htten. Diese Geflligkeit
Menon's wurde von unserer Seite durch Geschenke an Blei und Schiepulver
erwidert, welche auch freundlichst entgegengenommen wurden. Als sich der
Huptling verabschiedet hatte, war nur noch einer seiner Leute
zurckgeblieben, anscheinend eine untergeordnete Creatur, die sich am
Feuer der Diener niederlie. Mir fiel der Mann durch sein scheues
Benehmen auf, und ich beobachtete ihn um so schrfer. Anscheinend sich
wrmend, warf der Mann oft den Kopf nach den einzelnen Wgen zurck. Bei
einer dieser Bewegungen hielt er den Kopf lngere Zeit vom Feuer
abgewandt, um darauf das letztere in auffallender Weise zu schren. Was
konnte er gesehen haben? Ich blicke mich um, einige Schritte hinter mir
stand Z.; nun war mir auch das ganze Benehmen des als Spion
zurckgelassenen Makalaka's klar. Z.'s Zge waren mehr denn je verstrt.
Nachdem ich mein Erstaunen ber sein Fernbleiben geuert, entschuldigte
er sich damit, da er sich in einen Busch niedergelegt und dabei
eingeschlafen und erst vor Kurzem erwacht sei. Menon war hier am Wagen,
hat wohl nach mir gefragt? Auf die Anspielung auf den ihm widerfahrenen
sogenannten Unfall brauste er auf und schalt Menon einen Lgner.

Der Makalaka am Feuer, der von Z. nicht beachtet worden war, da er fr
einen unserer Diener gehalten werden konnte, hatte das Gesprch
belauscht, erhob sich unauffllig und entfernte sich. Seht, das war
einer von Menon's Spionen! sagte ich. Z. sprang auf, ballte die Faust,
doch dem Manne nachzusetzen, fehlte ihm der Muth. Wir begaben uns zur
Ruhe, jeder in seinen Wagen. Nochmals nahm ich wahr, wie mein Nachbar
ngstlich nach dem Feuer auslugte, er mochte wohl einen Ueberfall
befrchten.

Whrend seines Besuches hatte Menon sechs Begleiter bei sich, von
welchen zwei mit Assagaien und vier mit Kiris bewaffnet waren, einzelne
Makalaka's trugen auch Musketen; unter den Frauen trugen einige kurze,
ber und ber mit weien und violetten Glasperlen geschmckte
Lederrckchen. Ich erstand von ihnen einige Handarbeiten, welche jedoch
weniger gut als die unbedeutenderen Produkte der Betschuana gearbeitet
waren. Die bereiste Strecke im Majtenque-Thale, scheint, fr die Zukunft
ein Eldorado versprechen zu wollen; die bewaldeten Hhen ein
vortreffliches Weideland zu liefern. Fr einen Botaniker und
Ornithologen ist die Reise durch das Makalaka-Land eine wahre
Herzensfreude; leider ist sein Forschen in Folge des Charakters des
Eingebornenstammes ununterbrochen behindert und in hohem Mae
beschrnkt.

Am 22. ging es weiter, nachdem Westbeech mit einem berittenen Diener und
einigen Makalaka's zu Fu die Reise nach Osten nach der Hauptstadt des
Landes Gubuluwajo angetreten. Wir anderen legten nur drei Meilen zurck
und hielten unter einem Morulabaume Rast, um hier Korn und Melonen zu
erhandeln, und womglich auch die versprochene Ziege von Menon zu
erwarten. Wir fanden unter dem Baume schon die Makalaka's versammelt.
Von den Aeltesten in einem Kreise umgeben, harrte bereits Menon unser.
Das Ganze sollte den Anstrich einer Feierlichkeit haben, thatschlich
aber war es eine Gerichtssitzung, wobei unserem Begleiter Z. die Rolle
des Angeklagten zufiel. Menon hatte Z. mit Mahura als Dolmetsch vorladen
lassen, und die Verhandlung wurde in der Setschuana gefhrt. Das
Interessanteste daran war wohl die Begrndung des Urtheils von Seite
Menon's. Er sagte: Ob er von den Weien erschossen wurde oder nicht, ob
Dein Gewehr, da Du hinter ihm schrittest, zufllig losging oder nicht --
das ist Alles gleichgiltig, Du mut seiner Frau und seinen Angehrigen
zahlen und mir auch, da ich dadurch einen meiner Arbeiter, d. h.
Unterthanen eingebt habe.

Z., dem es im Kreise der Makalaka etwas zu unheimlich wurde -- er
zitterte, da er kaum sprechen konnte, und sein Gesicht war glhendroth
-- betheuerte seine Unschuld in gelufiger Rede, Mahura fand kaum Zeit,
ihm zu antworten und sprach endlich, da er nur zu deutlich sah, da sich
sein Client selbst schadete, nach seinem Gutdnken und mit solchem
Erfolge, da Menon trotz des Wehklagens von Seite der Verwandten des
Getdteten die Zahlung respective Verabreichung eines frbigen
Wollhemdes, einer Wolldecke und sieben Sacktchern an Stelle der
ursprnglich bestimmten Muskete, Schiebedarf und Wolldecken festsetzte.
Der erstgenannte Gegenstand fiel ihm als Schiedsrichter zu. Nachdem
dieser erlauchte Gesetzgeber das Hemd empfangen, verabschiedete er sich,
doch kam er bald wieder, denn die Verwandten machten Z. die Hlle hei,
sie beschimpften ihn, nannten ihn Mrder und warfen ihm die Decke und
Sacktcher vor die Fe. Menon suchte zu schlichten, da trat jedoch
wieder Mahura als rettender Engel dazwischen, indem er Z. zuflsterte:
Reiche die zurckgewiesenen Artikel dem Huptling als Geschenk, er
nimmt sie an und Du hast Dir einen tchtigen Bundesgenossen geschaffen.
Z. folgte; Menon nahm die Sachen an, blies sich auf, um den Seinen noch
mehr zu imponiren und die Sache war beglichen.

So geschickt im Marutse-Reiche die Masupia als Gaukler sind, so sind es
die Makalaka als Langfinger. Mir ist ein Fall von einem Elfenbeinhndler
bekannt, der den Leser wohl interessiren knnte. Ein Hndler kaufte von
Makalaka's einen Elephantenzahn und legte diesen in seinen Wagen. Es
whrte nicht lange, und die Makalaka's brachten einen zweiten, doch
konnte der Mann diesen nicht mehr so leicht erstehen, der gefordert
Preis war so hoch, da er ihn nicht nehmen wollte, worauf die Verkufer
den Zahn zur Erde warfen und den Hndler einluden, sich von dem groen
Gewichte desselben zu berzeugen. Dieser that es und unterdessen wurde
ihm der erste Zahn aus dem rckwrtigen Theile des Wagens gestohlen.
Endlich gaben die Verkufer nach und dies um so mehr, weil sie den
Weien auf einen dritten Zahn aufmerksam machten, den eben einige von
der Seite herbeitrugen. Sie schienen es eilig zu haben und so kaufte der
Hndler auch den dritten. Nach dem Kaufe verschwanden die Makalaka's
auffallend rasch im Walde. Unser Mann, der mit dem Gewinne bei dem Kaufe
zufrieden war, wollte sich nun die Waare noch einmal besehen. Doch zu
seinem Schrecken war der Zahn verschwunden und auch die Makalaka's --
der Hndler hatte drei Stck Elfenbein gekauft und nur zwei erhalten.

Der Verkauf von Elfenbein geschieht jedoch nur im Geheimen, da die
Makalaka's alles Erbeutete an den Makalaka-Knig abliefern mssen. Die
Makalaka's nhern sich dem Reisenden gewhnlich in Haufen, whrend die
Einen ihn zu beschftigen suchen, trachten die Andern ihr diebisches
Handwerk auszufhren; man kann sagen, da alles, was nicht mit Ketten
und Schrauben an den Wagen befestigt ist, whrend der Reise durch dieses
Territorium von seinen sauberen Insassen gestohlen wird. Sie lernten
dies von den Matabele, oder wurden von denselben dazu angestiftet und
gezwungen. Es ist nthig, sich stets diese Langfinger einige Schritte
vom Leibe zu halten und auf jeder Wagenseite wenigstens einen Diener als
Wache aufzustellen, diesem auch wohl einzuschrfen, sich mit den
Makalaka's in kein Gesprch einzulassen. Wird in dieser Weise den Leuten
keine Gelegenheit zum Stehlen gegeben oder sie ^in flagranti^ ertappt
und zur Rede gestellt, so kann man sich fr einige Zeit vor weiteren
Angriffen und Belstigungen sicher fhlen, denn die verunglckten Diebe
gehen heim und berichten, da der Weie eine gute Medicin habe
(Beschwrungsmittel mit dem er den Diebstahl wahrnimmt), und da es
nichts ntze, etwas zu nehmen, er sehe Alles, auch wenn er beschftigt
sei.

Nebst dem genannten Laster sind die Sdzambesi-Makalaka's und namentlich
die sdlichen und westlichen (d. i. die unter dem Matabele-Scepter
stehenden), noch durch eine nicht zu beschreibende, beispiellose
Unreinlichkeit berchtigt. Ich glaube, da sich die meisten Leute im
Makalakalande, mit Ausnahme jener die als Diener unter den Weien
gelebt, Jahre lang nicht waschen; ich sah Frauen mit Glasperlenstrngen
im Gewichte von mehreren Pfunden behangen und belastet und ich mute
annehmen, da die untersten dieser Rosenkrnze am Leibe klebten. Seitdem
die Matabele die Herren der Makalaka's geworden, ist auch das Bauwesen
unter dem letztgenannten Stamme so in Verfall gekommen, da die meisten
ihrer kleinen Drfer ruinenartig aussehen. Die einzige Tugend der
Makalaka's ist neben der Arbeitsamkeit eines guten Theiles dieses mehr
denn decimirten Volkes dessen strenge Sittlichkeit, welche unter allen
anderen sdafrikanischen Stmmen nicht ihres Gleichen findet.

Nachmittags zogen wir weiter durch einen Niederwald, aus dem berall um
uns zwanzig bis siebzig Fu hohe, pyramidenfrmige, kegel- und
kegelstutzfrmige Granithgel, zuweilen aneinander gereiht emporstiegen.
Je weiter wir am Ufer des Majtenque nach aufwrts zogen, desto hher,
anmuthiger und groartiger gestaltete sich diese Scenerie, hie und da im
Walde machten sich die schon mehrmals erwhnten Morulabume bemerkbar,
welche mit einem Zaune, der etwa drei bis vier Meter von dem Stamme
abstand, umgeben waren, da sie eben reife Frchte trugen. Diese fielen
ab und um zu verhten, da sie nicht vom Wilde verzehrt wurden, hatte
man die Stmme umzunt. Jede Familie hatte je nach der Einwohnerzahl des
Dorfes einen oder mehrere Bume als ihr Eigenthum erklrt. Aus dem
Fruchtfleische wird ein Bier zubereitet, welches ciderartig schmeckt und
auch der in eine harte Schale eingeschlossene Kern wird bentzt (ich
glaube, da er zerstoen und das gewonnene Mehl zu Brei bereitet wird).

Auf unserem Marsche nherten wir uns mehrmals dem Majtenque, oft bot
sein Thal eine hchst anmuthige Scenerie. Whrend der Fahrt am 22. war
ich Zeuge eines Beweises rhrender Kindesliebe bei einem Schwarzen, der
seiner hochbetagten Mutter begegnete. Von Diamond erfuhr ich gleichfalls
eine Episode aus seinem bewegten Leben, die mir den Beweis lieferte, da
trotz des sonst verwilderten Zustandes der Eingebornen bessere Regungen
in der Brust manches unter ihnen leben und fr ihre Empfnglichkeit fr
Civilisation sprechen.[16] Nachmittags lagerten wir in der Nhe mehrerer
Drfer und hrten hier, da wenige Tage vor unserer Ankunft eine Truppe
von Matabele-Kriegern Menon und die westlichen Drfer am Majtenque
abgesucht hatte, um Knaben als Tribut zu fordern und mit ihnen das
jngste Regiment zu completiren. Menon hatte dies verweigert, und nun
glaubte man allgemein, da ihm diese Verweigerung das Leben kosten
werde, denn obgleich die Makalaka's viele Gewehre besaen, so reichte
doch ein Regiment der Zulu-Matabele hin, die in kleinen Drfern
zerstreut wohnenden Makalaka's zu vernichten. In dieser Weise war es
Moselikatze und seinen vierzig Kriegern mglich, seit dem Jahre 1837 ein
Reich zu grnden, das gegenwrtig ber 20000 Krieger zhlt, doch geschah
es zumeist unter Anwendung der rohesten Gewalt, nachdem die Vter
getdtet und die Mtter geraubt worden waren.

Auch am folgenden Tage fhrte der Weg zwischen zahllosen Granitkuppen
hindurch, jede tausend Schritte bot sich dem Auge ein neues anmuthiges
Bild dar. An unserem ersten Ausspannplatze trafen wir einen
Unterhuptling mit Namen Henry, einen alten Bekannten Westbeechs, von
dem Bradshaw fr letzteren und seine Diener Sorghum, Mais und Melonen
erstand. Henry hielt seine Leute in ziemlicher Ordnung, so da wir
wenigstens in seiner Gegenwart nicht erheblich belstigt wurden. Doch
wurde unser Aufenthalt durch das pltzliche Erscheinen eines jener
zahlreichen, die Makalaka's erstickenden Blutsauger, eines
Matabele-Kriegers gestrt. Halloh, Ihr Weien, Ihr habt Sepopo's Leute
mit Euch als Diener. Wenn Ihr nicht zahlt, tdte ich sie Alle, einen
nach dem Andern, rief er uns zu. Um seinen Worten den nthigen
Nachdruck zu geben, schwang er mit der Rechten einen mchtigen Kiri, mit
der Linken sein Gewehr. Trotzdem er mir einmal mit dem Kiri bis unter
die Nase kam und ich in mir das Blut kochen fhlte, blieb ich ruhig. Da
zog der tapfere Kmpe ab und die Makalaka ringsum belachten seine eitle
Prahlerei aus vollem Halse. Nun kam er an Walsh und Bradshaw, doch da
sich diese an ihren Gewehren zu schaffen machten, nahm er dies als eine
Herausforderung an und geberdete sich noch wthender, bis jene auf ihn
losgingen, worauf er sich von dem ununterbrochenen Gelchter der
Umsitzenden begleitet, zurckzog.

[Funote 16: Siehe Anhang 5.]

Auf der Nachmittagsfahrt erffneten sich uns neue Gebirgsscenerien, die
Hhen mit denselben schnen armleuchterfrmigen Wolfsmilchbaume
bewachsen, wie ich ihn an den Bamangwato-Bergen beobachtet. Die Felder,
die wir sahen, waren von betrchtlichem Umfange, ebenso die Gehfte,
welche umzunt waren und an deren hervorragenden Punkten die Wohnungen
des Besitzers standen. Die Umzunung zeigte von achtzig zu achtzig Meter
eine einfache hlzerne Schlagfalle und bildete im Ganzen noch ein
Ueberbleibsel dessen, was die zahllosen Makalaka-Drfer und Gehfte vor
dem Einzuge der Matabele in die Matopo-Gebirge gewesen waren.

Das am Morgen durchzogene Dorf Henry's hie Katheme; Abends langten wir
an einem zweiten Dorfe mit Namen Bosi-mapani an, und am folgenden Tage
erreichten wir eine andere der zahlreichen Niederlassungen der
Makalaka's. Hier waren wir, obgleich eine halbe Meile weit von der
Niederlassung im Walde ausspannend, bald von einigen kleinen Trupps,
zusammen an sechzig Kpfe zhlend, belagert. Man bot uns eine Ziege und
zwei Schafe zum Kaufe an. Bradshaw kaufte sie; leider waren in diesem
Momente die Diener bei den Wgen postirt und muten diese im Auge
behalten, damit uns nichts gestohlen werde. Einer seiner Diener hatte
Mhe, die im Walde etwa fnfzig Schritte vor uns gehenden Thiere
heranzuteiben. Bevor er sie noch erreicht hatte, stoben die drei Stcke
wie auf ein gegebenes Kommando auseinander. Die Thiere gehrten
verschiedenen Heerden an. Diese werden von Hirtenjungen gefhrt, welche
ihre Thiere mit Pfeifen lenken. Kaum waren die Thiere verkauft, als auch
schon der Plan der Verkufer fertig war, dieselben ebenso rasch wieder
an sich zu bringen. Sie hatten zu diesem Zwecke die drei Hirtenjungen
herbeigerufen, die auf ein gegebenes Zeichen jeder seine eigene Weise
anstimmte und die Ziegen weglockten. Der ausgesandte Junge lief einem
der Schafe nach und holte es ein, doch bevor er es zurckbrachte und
festknpfte, war das andere und die Ziege entlaufen. Nun wurden mit
Androhung La Bengula's die Makalaka's, nachdem sie noch Westbeech's
Taschenmesser mit sich genommen, zur Heimkehr gezwungen. Die Thiere aber
waren und blieben verschwunden.

Am 25. hatten wir uns vom Flusse Majtenque etwas entfernt, so da die
meisten Kuppen uns zur Linken zu liegen kamen. Grere und ganze
Hhenrcken erhoben sich jedoch am sdlichen Horizont in der Richtung
unserer Fahrt. Die fteren Besuche der Matabele-Krieger an unserem Wagen
schienen auf Z. einen unangenehmen Eindruck auszuben. Er scheute sie
noch mehr als die Makalaka und kroch gewhnlich in seinen Wagen, so wie
sich einer der Zulukrieger sehen lie. Ohne von den Matabele erkannt
worden zu sein, wre er doch whrend unserer diesmaligen Mittagsrast von
zwei Matabele erschlagen worden, wenn Bradshaw und ich ihm im rechten
Augenblicke nicht beigestanden wren und sich spter ein herzugekommener
alter Matabele in's Mittel gelegt htte. Die beiden Friedensstrer waren
zwei Matabele-Jnglinge, welche den Kopf mit dem bekannten Federschmucke
geziert, ihre Hften von Gnsterkatzen-Schwnzen umhllt, an den Wagen
um eine Lapiana (Lappen) zu betteln gekommen waren. Z. hatte einen
kleinen Hund, der dem einen der beiden Matabele bellend entgegensprang.
Dieser holte sogleich aus und htte auf ein Haar dem kleinen Thiere den
Kopf zerschmettert und fuhr auch sofort, als Z. die Hand schirmend ber
das Thier ausstreckte, denselben barsch an, womit der Streit begann. Dem
leicht erregbaren weien Manne stieg die Zornesrthe in's Gesicht und er
antwortete nicht allein im heftigen Tone, sondern lie sich zu einer
drohenden Handbewegung hinreien. Dies war aber eben, was die beiden
Strolche wnschten, denn im selben Momente hob der eine seinen Kiri zum
Schlage nach dem Kopfe des Hndlers und wurde nur durch unser
Dazwischentreten von der Ausfhrung seines Vorhabens abgehalten. Da wir
jedoch die mitgenommenen Gewehre wieder in den Wagen zurcklegten,
fingen jene wieder zu schimpfen an und schlugen ihre Kiris wuthschumend
gegen den Boden. Durch den Lrm angelockt, erschien bald darauf ein
alter Matabele-Krieger, dessen Kopf die bekannte Auszeichnung seines
Standes, der mit einem Haarkreise verwachsene Lederring, zierte. Von Z.
ber den Vorfall unterrichtet, ergriff er einen Zweig und schlug damit
auf die beiden Angreifer, hnlich wie man zwei kleine Jungen zchtigen
wrde, worauf sich die beiden Jnglinge grollend zurckzogen.

[Illustration: Ruinen von Tati.]

Am Nachmittage gelangten wir zu dem aus etwa fnfzehn Htten bestehenden
Makalaka-Dorfe Kambusa genannt. Es gehrte Jantschi an, den Westbeech
wohl kannte und von dem wir keine Belstigung zu frchten hatten. Sein
Gehft hatte eine doppelte Umzunung. Eine aus Pfhlen erbaute
Umfriedung der Wohnungen und eine aus Dornengebsch fr die das Gehfte
in einem Kreise umgebenden Felder. Mit Kambusa schieden wir von den
Makalaka-Drfern und hatten nur noch eine kurze Strecke durch die
gegenwrtige Makalaka-Provinz des Matabele-Landes zu reisen, whrend
sich noch vor fnfundvierzig Jahren das Makalakagebiet um hundert
englische Meilen sdlicher erstreckte. Gegen Abend berschritten wir die
gegenwrtige Grenze. Diamond machte mich auf ein etwa sechshundert
Schritte vom Wege, am Ufer des Flchens Aschangana stehendes Gebsch
aufmerksam, unter welchem ein Weier begraben lag. Es war Mr. Oats, ein
Englnder, welcher der Jagd halber in diese Gegend gekommen war, am
Fieber erkrankte und starb. Bradshaw und Diamond reisten mit ihm zu
gleicher Zeit nach dem Sden; da er jedoch im Makalaka-Lande starb, so
durfte er hier nicht beerdigt werden, sondern erst an der Grenze. Im
Jahre 1874 errichtete des Verstorbenen Bruder hier einen Grabstein.

Bevor wir Jantsche verlieen, versorgte ich mich auf einige Tage mit
Wassermelonen, die ich fr Glasperlen erstand. Zu den Feldfrchten,
welche die Makalaka's bauen, gehren zwei Species der Wassermelonen,
welche sehr zuckerhltig sind.

Am 26. Mrz berschritten wir zwei Flchen, bevor wir den ebenfalls
quer unsere Richtung schneidenden Matloutsi kreuzten. Whrend der Fahrt
der letzten Tage durch das Makalaka-Land hatten wir siebzehn
Regenflchen berschritten, welche Zuflsse des Majtenque waren und
nach meiner Meinung kaum den zehnten Theil der Zuflsse desselben
darstellten. Die durchreiste Strecke bot die schnsten Scenerien, die
ich auf meiner eiligen Reise durch das Makalaka-Land beobachten konnte.
Die Formation des Bodens bestand meist aus Granit mit starken Quarzadern
durchschossen, an vielen Stellen von einem dunkelschieferblauen
Glimmerschiefer in verticalen, horizontalen und schiefen Lagen bedeckt.
An der Spitze der Hhen waren diese Schichten meist in schiefen Lagen in
einem Winkel von siebzig Grad und sdwestlich streichend gelagert. Das
Interessanteste jedoch, was ich auf der durchreisten Strecke beobachten
konnte, waren die steil sich aus hochbegrasten stellenweise bebuschten
Auen erhebenden, oder kegelfrmige Hhen krnenden pittoresken
Granitmassen. Den Formen entsprechend, erlaubte ich mir, einzelne mit
folgenden Namen zu belegen: Eine am Matloutsi die Mtze, an dem
nchsten Spruit (nach Sden zu) die beiden Spatzen, eine jenseits des
folgenden Spruit die Keule und zwei zur Rechten vom Geleise den
Schweber und die Pyramide, wobei der letzteren die Palme gebhrt.
Diese Scenerie im Vorlande gaben mir eine annhernde Vorstellung der
landschaftlichen Reize des eigentlichen Berglandes vom Oberlaufe der
Limpopo-Zuflsse Matloutsi, Schascha, Tati und Rhamakoban. Da ich die
beiden Schaschaflsse erst am folgenden Tag berschritt, war es mir klar
geworden, da der Tschaneng in den Matloutsi oder einen seiner
Nebenflsse mnden msse. Die Gegend schien sehr wildreich zu sein, doch
bei weitem nicht mehr in dem Grade als vor wenigen Jahren. Das hufigste
Wild waren Pallah, Zuluhartebeeste, Harris-Antilopen und Tigerpferde.

Als wir Abends am rechten Ufer des wegen seines Bettes von den
Eingebornen die felsige Schascha genannten Flusses ausspannten, und ich
einen freien Augenblick bentzend, einen Ausflug gegen Osten unternahm,
fand ich an einem der vielen kuppenfrmig aufsteigenden Granithgel eine
Ruine, einen jener Anhaltspunkte fr die Geschichte der frheren
Bewohner des centralen Sd-Afrika. Der befestigte Felsenhgel war
isolirt und einer der niedrigsten ringsum, die Befestigung bestand aus
Granitziegeln, welche ohne jedes Bindemittel auf einander ruhten. Die
Ruine stellte eine etwa die Mitte der kleinen Felsenkuppe einschlieende
Mauer dar, welche jedoch theilweise von schroff aufsteigenden
Felsenblcken gebildet wurde, so zwar, da die knstliche Mauer an
manchen Stellen zwanzig Centimeter, an anderen bis zwei Meter hoch und
dreiig bis fnfzig Centimeter stark war. Der Eingang befand sich gegen
Norden, die Mauer trat hier beiderseits vor und bildete einen frmlichen
Gang. Die Granitziegel waren flach, zehn bis fnfundzwanzig Centimeter
lang, acht bis fnfzehn hoch und sechs bis fnfundzwanzig breit, ihre
obere und untere Flche trapezfrmig. Doch glaube ich sicher zu sein,
da von den frheren periodischen oder stabilen Bewohnern dieser
Miniaturfeste (der Umfang mochte etwa hundertdreiig Meter sein) auf der
Mauer eine Umwallung aus Holz oder Dornensten errichtet worden war. Da
ich mich gezwungen sah, schon nach zweieinhalbstndigem Aufenthalte
wieder aufzubrechen, konnte ich keine Nachgrabungen anstellen, welche
mir die nthigen Aufschlsse darber gegeben htten. Wir berschritten
noch an diesem Tage den felsigen Schascha, muten jedoch der
eingetretenen Dmmerung halber sehr bald am jenseitigen (linken) Ufer
unser Nachtlager aufschlagen.

Am 27. zogen wir, nachdem wir den sandigen Schascha berschritten, der
sich mit dem felsigen verbindet und nachdem wir zwlf Zuflsse des
ersteren gekreuzt, bis zu dem Punkte, wo wir den sandigen in seinem
Oberlaufe zum letzten Male berhrten. Namentlich an dieser Stelle bot
sich uns eine der schnsten Scenerien des Westmatabele-Landes dar. Der
Reichthum der Pflanzenformen in dieser Gegend war in jeder Beziehung
berraschend; da hier auch zahllose kleinere und grere, verschiedenen
Arten angehrende Euphorbiaceen-Stmme im vermoderten Zustande den Boden
der bewaldeten Hhenabhnge bedeckten, so fanden sich in ihren Hhlungen
zahlreiche Scolopender und zwei Scorpion-Arten, auch Eidechsen und
zahlreiche Insecten. Glcklicherweise hatte sich whrend meiner Reise
durch das Makalaka-Land kein Fieberrckfall einstellt, und obwohl immer
krnklich, konnte ich doch die meinen Sammeleifer anregenden
Gelegenheiten bentzen. Die kurzen fluauf- und abwrts unternommenen
Ausflge waren sehr lohnend. Hier war das Felsenbett sandig, dort wieder
eine einzige Ebene oder gewlbte Granitplatte, welche stellenweise ein
natrliches, tiefes oder seichtes Becken oder Rinnen einschlo, durch
welche sich ein dnner Strahl seinen Weg nach dem Sden bahnte, um sich
nach und nach in sumpfigen und sandigen Partien des Flubettes zu
verlieren. Wir berschritten nun den Tatiflu, dessen tiefsandiges
breites Bett und sehr steile Ufer uns nicht geringe Schwierigkeiten
bereitete.

Am 29. kamen wir in das Thal des Rhamakoban-Flusses, an dessen rechtem
Ufer wir dahinzogen, wir berschritten weiterhin drei Regenzuflsse des
Tatiflusses, sowie vierzehn, die nach heftigem Regen dem Rhamakoban
zueilten. Das Land am Rhamakoban-River ist seines Wildreichthums wegen
unter den Elephantenjgern wohl bekannt; Giraffen, Tigerpferde,
Roen-Antilopen, graue Pallah's, Harris-Antilopen, Gnu's, Lwen, Hynen
und Trappen gehren zu den hufigsten Wildorten und unter den greren
sind Nashorne und Straue keine Seltenheit. Auch am 30. reisten wir so
eilig wie am vorhergehenden Tage, da Bradshaw, der nach dem Abgange
Westbeech's die Leitung aller Wgen bernommen, ber Mangel an Korn,
Mehl, Thee, Zucker und Salz klagte und sich beeilte, die Handelsstation
am Tatiflusse so bald als mglich zu erreichen. Nach Ueberschreitung von
acht rechtsseitigen Zuflssen des Rhamakoban, verfolgten wir das Thal
desselben und verlieen es erst am Nachmittage, um das zwischen
demselben und dem Tatiflusse gelegene Hochland zu durchziehen. Auch auf
dieser Strecke konnte ich anziehende Felsenformationen beobachten,
welche ich der Reihe nach (von Norden nach Sden) den Altar, die
Gedenktafeln und die weien Marksteine nannte. In den letzten Tagen
war der Mapanibaum wieder hufiger aufgetreten, und die am Nachmittage
durchreiste Strecke bestand eigentlich aus einem einzigen, durch grere
und kleinere Lichtungen unterbrochenen Mapaniwalde. Nahe an den weien
Marksteinen mndete der nach dem centralen Matabele-Land fhrende Weg in
unser Geleise.

Am 31. langten wir an den Ufern des Tati an und erblickten am Abhange
der niederen Tatihhen einige im europischen Style ausgefhrte Gebude,
von welchen inde nur zwei bewohnt waren. Das eine hatte der
Elephantenjger Pit Jacobs, das zweite der schottische Elfenbeinhndler
Brown inne. Noch vor wenigen Jahren ging es hier sehr lebendig zu.
Goldsucher aus allen Welttheilen waren zusammengestrmt, um des edelsten
der Metalle habhaft zu werden, doch sie fanden statt Alluvial-,
Quarzgold, was ihre Erwartungen bedeutend herabstimmte und schon nach
kurzer Zeit ihre Reihen betrchtlich lichtete. Compagnien bernahmen nun
die Arbeit, doch auch sie lieen nach und nach vom Betriebe ab, als sich
ihre Maschinerien unzulnglich erwiesen. Die Hauptschuld am Mierfolge
war wohl die bedeutende Entfernung von der Kste, da selbst die
einfachste Maschine nur mit dem fnf- und sechsfachen Kostenaufwande
ihres Werthes hierhergebracht werden konnte.

Man fand sieben Unzen Gold auf eine Tonne Quarz, doch man theilte mir
auch mit, da stellenweise bis zu vierundzwanzig Unzen aus einer Tonne
gewonnen wurden. Herr Brown, der ein Tauschgeschft hatte, fungirte
zugleich als Agent der aufgelsten Kompagnie, da noch einiges von dem
Eigenthume derselben zurckgeblieben war. Im Thale des Tatiflusses, eine
kurze Strecke unterhalb der Besitzung, fand ich noch die Ueberreste der
Dampfmaschine, mit der man den Quarz zerkleinert hatte. Das goldhaltige
Gestein wurde von einer eine Gehstunde weit landeinwrts am linken Ufer
liegenden Stelle geholt, und als eben die seichten Goldgruben sich mit
Wasser zu fllen begannen, fehlte es an einer zweiten Dampfmaschine, um
sie zu entleeren, weshalb die Arbeit aufgegeben wurde. Bei unserer
Ankunft war Herr Brown nicht anwesend, sondern auf einem Besuch in
Gubuluwajo, um daselbst durch den Missionr Herrn Thompson mit Frulein
Jacobs getraut zu werden. Wir fanden jedoch bei seinem Geschftsfhrer
eine freundliche Aufnahme und hatten hier die Rckkehr Westbeech's zu
erwarten.

Auer den genannten Personen war ich nicht wenig erstaunt, die bei der
Reise nach Norden am Henryspan angetroffenen Lotriet-Familien in einigen
Grashtten wohnend, wiederzufinden. Alle aus dem Bamangwato-Lande im
Allgemeinen von Sden nach dem Matabele-Lande fahrenden Wgen haben in
Tati zu halten und sich mit einem neuen Gespann zu versehen. Die
Matabele-Hndler halten sich schon immer eines bereit, um nicht unntz
aufgehalten zu werden. Diese Maregel war von dem Knige erlassen
worden, um das Einschleppen der Roiwatter-Krankheit zu verhten. Die
Matabele besaen einst eine groe Anzahl von Viehheerden, welche
grtenteils den umwohnenden Vlkern geraubt waren, doch die vom Sden
eingeschleppte Lungenseuche hatte unter den Thieren schrecklich
aufgerumt.

In Tati liegt immer eine Truppe Matabele-Mnner, welche das Land nach
Sdosten zu bewachen haben; zur Zeit meiner Ankunft waren die Leute
darauf erpicht, zufllig eintreffende Weie nach Mglichkeit zu qulen
und den von den Diamantenfeldern mit Gewehren heimkehrenden Makalaka's,
nachdem sie die Ankommenden aufgefangen und durchgeprgelt hatten, die
Gewehre und den Schiebedarf in des Knigs Namen abzunehmen.

Das Matabele-Knigreich war zur Zeit meines ersten Besuches das
zweitmchtigste Eingebornenreich sdlich vom Zambesi, gegenwrtig nach
der Niederwerfung der sdlichen Zulu's ist das Reich der nrdlichen, d.
h. der Matabele als das mchtigste anzusehen. Es hat eine
Lngenausdehnung von etwa achtzig bis neunzig, eine Breite von fnfzig
bis sechzig geographische Meilen. Nach Mackenzie war der Grnder dieses
weitlufigen Reiches ein Sohn Matschobane's, eines Zulu-Huptlings in
Natal. Als Tschaka, der mchtigste der Zulu-Huptlinge, seine Nachbarn
unterjochte, wurde auch Moselikatze gefangen. Auf einem Raubzuge
begriffen, den er im Auftrage Tschaka's unternahm, welcher seinen Muth
kennen gelernt hatte, wandte er sich mit den geraubten Heerden nach dem
Herzen der jetzigen Transvaal-Colonie, unterjochte die Bakhatla-,
Baharutse- und andere Betschuana-Stmme und lie sich in dem am Marico
und seinen Zuflssen liegenden Hhenlande nieder. Hier wurde er von dem
Griquachef Berend-Berend angegriffen, der nicht nur abgewiesen, sondern
auf's Haupt geschlagen wurde. Damit war aber nur der Reigen der gegen
ihn gerichteten Angriffe erffnet, es tauchten immer wieder neue Feinde
auf. Zuerst waren es zwei Zulu-Heerhaufen, welche von Tschaka und einer
von dessen Nachfolger Dingan dem Flchtigen, doch erfolglos,
nachgesendet wurden. Dann waren es die dem Transvaal-Gebiete sich
nhernden Boers, welche, den gefhrlichen Nachbar wohl erkennend, seiner
los werden und das schne Land am Marico erobern wollten. Sie griffen im
Jahre 1836 unter Gert Maric Moselikatze am Fue einer Hhe in dem
genannten Territorium an; der Kampf endete mit einer vollstndigen
Niederlage des Zulu-Huptlings, worauf Moselikatze mit dem Reste seiner
Leute, unter denen sich nur vierzig Ringkpfe (eigentliche Krieger)
befanden, das Land verlie und die Lnder verwstend, gegen den Zambesi
zog, um jenseits dieses Stromes ein neues Reich zu grnden. Doch was
Menschenhand nicht vermocht hatte, that die kleine Tsetsefliege, sie
warf den Zuluwolf zurck. Dieser fiel nun erst ber ein, dann ber ein
zweites Makalaka-Dorf und nach und nach ber die einzelnen
Makalaka-Knigreiche, dann ber jene der Manansa etc. her. In der Stille
der Nacht berfiel er die Drfer der Ackerbauer, steckte sie in Brand,
tdtete die herausstrzenden Mnner und raubte die Frauen, Kinder und
Viehheerden; in dieser Weise wuchs seine Macht, und so schuf er ein
neues Zulu-Reich in Sd-Afrika. Die geraubten Knaben wurden den Kriegern
zum Unterrichte im Kriegsdienste anvertraut, jene, die schon Waffen zu
tragen vermochten, sofort eingereiht. Die Frauen wurden den Kriegern
geliehen, die Heerden wurden knigliches Eigenthum und diente zur
Erhaltung der anfangs in Rotten, spter in Regimenter eingereihten
Krieger. Als jedoch Moselikatze bemerkte, da seine Krieger die ihnen
zugewiesenen Makalaka-Frauen nicht als Beute behandelten, sondern milde
gegen sie auftraten, frchtete er ihre Verweichlichung und ordnete eine
Schlchterei der seinem Zwecke gefhrlich scheinenden Frauen an. Die
Krieger folgten auch den Befehlen und schlugen ohne Ausnahme ihre neuen
Frauen todt. Jhrlich unternahm der Knig Raubzge in die benachbarten
Lnder und Tausende von Unschuldigen wurden auf diese Weise
geschlachtet. Denn auer den Mnnern wurden auch die arbeitsunfhigen
Greise und die Frauen, Suglinge und berhaupt kleine Kinder getdtet.

Ich will es versuchen, im Folgenden das Regiment der Matabele-Zulu in
kurzen Zgen zu schildern; auer meinen eigenen Beobachtungen sttze ich
mich auf die eingehenden Forschungen meines Freundes Mackenzie, sowie
auf die mir von den beiden Elfenbeinhndlern Westbeech und Philipps
mitgeteilten Berichte. Das Regiment der Zulu-Matabele ist in jeder
Beziehung militrischer Despotismus, demselben unterliegt Alles, Mensch,
Thier und jedes Atom des Landes. Ueber die einzelnen Heeres-Abtheilungen
sind Huptlinge gestellt und diesen unterstehen abermals
Unterhuptlinge, welche Officiersrang einnehmen, whrend jener des
Induna etwa einem Regiments-Inhaber gleichkommt. Die Krieger fhren
blindlings die ihnen gegebenen Befehle aus, dagegen buhlen die
Unterhuptlinge und Huptlinge um die Gunst des Knigs und wenn dies
nicht durch hervorragende Thaten im Kampfe mglich ist, so suchen sie
sich durch Verleumdung gegenseitig beim Knige zu verschwrzen. Der
Knig hat mehrere Scharfrichter, welche im Dunkel der Nacht ihre blutige
Arbeit zu verrichten haben. Da die Matabele-Krieger allabendlich nebst
Fleisch auch Kafirkornbier erhalten und darauf in der Regel in einen
festen Schlummer fallen, wird es dem Scharfrichter oder dem sogenannten
Messer des Knigs leicht, an die Arbeit zu gehen.

[Illustration: Begegnung mit einem Lwen am Tatiflue.]

Ich will nur eines Beispiels aus Mackenzie's Erfahrung hier erwhnen.
Der Tapferste der Tapferen in Moselikatze's Heer war Monjebe, einer
seiner ersten Huptlinge, doch weil er seiner Tugenden halber oft vom
Knig mit Geschenken ausgezeichnet war, blickten die brigen Induna's
neiderfllt auf den Gnstling und lieen nicht ab, ihn fortwhrend beim
Knige der Zauberei und Verschwrung anzuklagen. Anstatt Monjebe zur
Verantwortung zu ziehen, hielt Moselikatze das Ganze geheim, lieh leider
endlich sein Ohr den Verleumdern und gab ihnen auch das Recht, Monjebe
zu tdten. Am folgenden Morgen waren von dem Gehfte des letzteren
nichts mehr als einige rauchende Pfhle zu erblicken. Als mein Freund
Mackenzie im Jahre 1863 das Matabele-Land besuchte, traf er nur einige
Zulukrieger. Die Mnner in der Blthe waren Betschuana,
welche Moselikatze als Knaben whrend seines Aufenthaltes im
Transvaal-Territorium und auf seinen Zgen geraubt oder als Abgabe
erpret hatte. Die jungen Regimenter bestanden meist aus Makalaka- und
Maschona-Jnglingen.

Im Frieden haben die Knaben die Heerden zu hten, kommen sie heim, so
mssen sie sich im Gebrauche der Waffen ben. Diese Leibesbewegung
sthlt und krftigt ihren Krper derart, da man einen Masarwa aus dem
Kalahari-Bushveldt und einen der unter den Matabele aufwuchs, nicht als
Mnner eines Stammes ansehen wrde. Die Matabele-Krieger leben in
Baraken, ein Bild der Huslichkeit ist nirgends zu sehen. Nur den
Huptlingen, und in Ausnahmsfllen einem Krieger ist es gestattet, das
ihm als Beute bergebene geraubte Mdchen als seine Frau, nicht als
seine Sklavin zu betrachten, obgleich beide wohl das gleiche Los tragen.
Der Knig hinderte die einzelnen Stmme nicht, den ihnen zukommenden
aberglubischen Gebruchen getreu zu bleiben, erlaubte aber auch nicht,
da einer seiner Leute Christ werde. Das Matabele-Land wurde zuerst von
Missionren aufgesucht, dann folgten Elfenbeinhndler; sie kauften von
diesen wohl Gewehre und Schiebedarf, aber keine Kleidung.

Jahr fr Jahr begehen die Matabele, bevor sie auf ihre Raubzge
ausziehen, den der Gottheit geweihten Tanz Pina ea Morimo. Zu diesem
finden sich die Krieger in voller Kleidung auf dem Paradeplatze ein,
Kopf, Brust und Hften mit einem aus schwarzen Straufedern verfertigten
Gewande geschmckt. Den versammelten Kriegern wird ein schwarzer Stier
vorgefhrt und dieser so lange gejagt und gehetzt, bis er von Schwei
und Schaum bedeckt, wie gelhmt, niederstrzt. Nun wird dem Thiere das
Schulterblatt mit einigen knstlich gefhrten Schnitten sammt der
Muskulatur ausgeschlt und an einem kleinen Feuerchen zwei bis drei
Minuten lang gerstet, das Fleisch in kleine Stckchen geschnitten und
in diesem halbrohen Zustande von den heranstrzenden Kriegern
verschlungen. Der Genu desselben soll sie besonders stark und tapfer
machen.

Rings um die Niederlassung der Weien am Tatiflusse erheben sich kleine
Hgel, welche theils aus Eisenglimmerschiefer, Quarz und Granit
bestehen und theils einzelne Hhenkuppen, theils den Abfall des
Rhamakoban-Tatiflusses bilden. Ich unternahm Ausflge nach allen
Richtungen hin, doch hie man mich die grte Vorsicht gebrauchen, da es
in der Umgebung von Lwen wimmeln sollte.

Am 30. besuchte ich zuerst die beiden von den Weien bewohnten
Wohnungen. Pit Jacobs, der hollndische Jger, war, von seinem Sohne
begleitet, auf Elephantenjagd ausgezogen. Gegen Abend suchte ich das
rechte Fluufer aus und erbeutete dabei einige ^Virivas colius^. Am
folgenden Tage besuchte ich die umliegenden Hhen und fand, da man
berall bis zu fnfzig Fu tief Minen gegraben hatte, um Goldadern auf
die Spur zu kommen. Auf dem nrdlichen Hgel, der mit dem Tati-Abhang in
Verbindung stand, fand ich Ruinen in Form einer Mauer, auf der hheren
Kuppe eine kleinere Umwallung, auf der niedrigeren eine dreimal
umfangreichere. Die erstere war 1 bis 1, die letztere 1 bis 2 Meter
hoch und beiderseits 1 bis 1 Meter breit und ohne jeglichen Cement aus
Eisenglimmerschieferziegeln errichtet. Whrend die Innenseite der Mauer
immer gleichfrmig aus drei bis zehn Centimeter starken, zehn bis
fnfzig Centimeter langen und zehn bis zwanzig Centimeter breiten
viereckigen Platten errichtet war, fand ich an der Auenseite der Mauer,
da hier wohl der Verzierung halber zwei Reihen kleinerer schief und
dachziegelfrmig gegen einander gelegte Platten einander unter einem
rechten Winkel deckten (siehe das vorstehende Bild). Beide Umwallungen
haben einen Eingang von Norden, bei der greren war dieser Eingang
dadurch geschtzt, da der rechte Mauerflgel nach auen vortrat und da
vom linken eine gerade Mauer nach Innen zu gegen die Mitte der Umwallung
lief. Im Allgemeinen waren diese Ruinen den am Schascha-River
vorgefundenen hnlich geformt und mochten wohl von einem Stamme der
Goldgewinnung halber errichtet worden sein. Auch hier hoffe ich auf der
nchsten Reise Nachgrabungen anzustellen und zu entscheiden, ob sie von
den im Osten lebenden Maschona's oder von den Bewohnern Monopotapa's
errichtet wurden. Abends besuchte ich den zurckgekehrten, zweitgrten
Elephantenjger Sd-Afrikas Pit Jacobs und hrte gespannt seinen
Mittheilungen aus seiner fnfundzwanzigjhrigen Jgerlaufbahn zu.

Am Vormittag des 2. April besuchte ich auch den Verweser des Herrn
Brown, um den Ankauf einiger Utensilien zu besorgen. Wir waren eben mit
den letzteren beschftigt, als ein Schwarzer mit dem Rufe hereinstrzte:
Lwen, Lwen unter der Heerde! Obgleich an mehreren Stellen im Innern
Lwen sehr zahlreich sind, so ist mir doch keine bekannt, an welcher
dieses gewaltige Raubthier so khn und verwegen auftreten wrde, als in
der Umgebung der Tati-Station. Als noch die Goldgrber hier arbeiteten,
hatten sie von den Thieren sehr viel zu leiden. Hier geschah es damals,
da die Lwen ber einen zwei Meter hohen und an seiner Basis ebenso
breiten aus Dornsten erbauten Kraalzaun setzten, um die Zugthiere darin
zu erwrgen. Sehr oft fanden Jacobs und Brown, da Lwen in der Nacht
zwischen ihren Wohnungen sich herumgetummelt hatten. Als der
Minenbetrieb hier noch im Gange war, wurde eines Morgens einer der
schwarzen Arbeiter, als er eben aus seiner Htte treten wollte, um
Brennholz fr die Dampfmaschine zu sammeln, von einem Lwen angegriffen,
und des Mannes Leben nur durch den Umstand gerettet, da der Angreifer
ein altes Thier mit stumpfen Zhnen war.

Whrend meines Aufenthaltes in der Tati-Station wurde eine Lwin in
meiner Gegenwart erlegt. Am Tage als wir abreisten, wurden sieben Lwen
am Wege vor uns gesehen. Acht Tage nach meiner Abreise scho Pit Jacobs
einen mnnlichen Lwen und wenige Tage darauf holte sich ein Lwe in der
Nacht Herrn Brown's Pferd aus dem Stalle, der, weil in einer
Pfahlumzunung erbaut, nach dem Wohngebude zu offen war. Diese Vorflle
mgen dem Leser eine Idee von der Dreistigkeit und Keckheit der Lwen in
Tati geben.

Nach der von dem Schwarzen erhaltenen Nachricht waren wir sofort bereit,
das in die Heerde eingebrochene Raubthier zu zchtigen. Ich lief zu
unserem etwa vierhundert Schritte vom Flusse abseits liegenden Lager, um
mich mit meinem Snyder und Patronen zu versorgen. Als Bradshaw von dem
Vorfalle hrte, schlo er sich mir mit seinem Vorderlader (einem
Doppelgewehre) an, mit dem er wahre Wunder wirkte. Den mit Ruinen
gekrnten Hgel zur Linken lassend, bewegten wir uns, das linke Ufer
entlang, thalaufwrts. Dieses war nur etwa zwei- bis dreihundert
Schritte breit, von bebuschten Hhen zur Rechten umsumt, stellenweise
bebuscht, dagegen unmittelbar am Flusse in einer Breite von etwa hundert
Meter ziemlich dicht mit Mimosen bestanden. Auer mir und Bradshaw und
einigen zwanzig mittelmig bewaffneten Schwarzen betheiligten sich noch
ein Sohn Pit Jacobs' und der ausgezeichnete Halbkastjger Africa, die
beiden letzteren zu Pferde, an der Verfolgung. Whrend des Marsches
berichtete uns der Diener, da der Angriff des Raubthieres auf die
Heerde an einem erst gestern im sandigen Bette des Flusses gegrabenen
Trnkloche geschah. Das Flubett war hier etwa hundert Schritte breit,
etwa dreiig Schritte von unserem Ufer erhob sich in demselben eine
kleine dichtbebuschte Insel, zwischen ihr und unserem Ufer die genannte
Lache. Als sich nun die Heerde zur Trnke versammelt hatte, strzte
pltzlich von jener Insel eine Lwin auf dieselbe, die Thiere flohen
an's Ufer und die Lwin zerbi, einer Kuh nachsetzend (ganz gegen die
sonstige Gewohnheit der Lwen), dieser die Fugelenke, so da sie ihr
Opfer zum Falle brachte. Dies geschah unter einem Mimosenbaume, auf
welchem bei dem ersten Erscheinen des Lwen der eine der beiden
unbewaffneten Hirten Zuflucht genommen hatte; sein Hund aber blieb in
der Nhe des Baumes und umkreiste laut bellend das Raubthier. Dem
Hundegebelle folgend, kamen wir auf eine kleine, unmittelbar am Flusse
gelegene Lichtung, und sahen den Kopf eines Rindes ber das Gras
herausragen. Africa hatte jedoch schon vom Pferde aus das Raubthier
erblickt, und bevor wir uns dessen versahen, donnerte seine
Elephantenbchse. Nun erst sah ich wie eben der Kopf der hinter der Kuh
in dem Grase hockenden Lwin in dasselbe zurcksank. Der Schtze hatte
dem Raubthiere die Wirbelsule am Epistropheus zerschmettert.
Unmittelbar nach dem Schusse war der die Lwin in ihrem Frae so
beunruhigende und schon durch andere Vorflle den Weien von Tati so
wohl bekannte Hund auf die Lwin losgesprungen und hatte ihr, sie an dem
einen Ohre fassend, den Kopf zurckgerissen. Dann strzten die Matabele
auf die Lwin und hieben auf das todte Thier los. Ohne die Kuh gettet
zu haben, hatte die Lwin derselben oben neben dem Kreuze ein Loch in
den Leib gebissen und verzehrte die mit ihren Klauen herausgerissenen
Eingeweide. Wir befreiten sofort das arme Thier von seinen Leiden und
Africa verehrte mir das Fell des Raubthieres.[17]

Seitdem ich Africa am Tschobe begegnet, war er seiner Strauen- und
Elephantenjagden halber von Khama des Landes verwiesen worden und nun
nach Tati gekommen, um gegen Bezahlung von La Bengula die Erlaubni zur
Strauenjagd zu erhalten. Meine Zeit bis zum 7. bentzte ich
hauptschlich zur geologischen Untersuchung der nchsten Umgebung, sowie
zur Aufzeichnung der interessantesten Jagderlebnisse von Pit Jacobs und
Bradshaws und eines dritten zugereisten Boerjgers. Am 6. besuchte der
Sohn Africa's seine Eltern, er brachte das Fleisch eines Kudu fr
dieselben mit, und hie uns alle sehr vorsichtig sein, da er an seinem
zwei Stunden entfernten Lager allnchtlich von Lwen beunruhigt wurde.
Am folgenden Tage kam von Sden her ber Schoschong ein
Elfenbeinhndler, der, in seinem Geschfte uerst tchtig, alles andere
nicht zu beachten schien. Er klagte ber Wassermangel zwischen
Schoschong und Tati und ber die Hufigkeit der Lwen auf dieser
Strecke.

Westbeech und sein Compagnon Philipp, sowie ein anderer Elfenbeinhndler
F. und Herr Brown mit seiner jungen Frau kamen am nchsten Tage von
Gubulowajo zurck. Der erstere brachte eine von La Bengula mit einem +
unterzeichnete Vollmacht, Elephantenjger gegen Begleichung eines
gesalzenen Pferdes in seinem westlichen Territorium jagen lassen zu
drfen. Herr Brown sowie der zugereiste Elfenbeinhndler theilten mir
sehr interessante Einzelheiten ber die Grausamkeiten der Matabele mit.
La Bengula besitzt eine Schwester, eine sehr wohlbeleibte Person, welche
einigen Einflu auf den Knig ausbt. Als ihr einst W. vorwarf, warum
sie sich keinen Gemahl whle, gab sie ihm den Bescheid, sie sei zu
corpulent, um gehen zu knnen, und da auer dem Knige Niemand im Lande
einen Wagen besitze, msse sie auf einen Ehegemahl verzichten. So oft
ich an diesen Hndler denke, mu ich stets bedauern, da er seine Gunst,
deren er sich von Seite La Bengula's erfreute, nicht zu allgemeinem
Nutzen geltend machte, da er sich Sepopo gegenber zu nachgiebig zeigte
und so dessen Gunst, und durch mancherlei andere Umstnde jene Khama's
verscherzte.

[Funote 17: Siehe Anhang 6.]

Sein zwlfjhriger Aufenthalt unter jenen Stmmen hatte ihn zum Meister
ihrer Sprachen gemacht. Whrend seines letzten Besuches besuchte er den
Knig La Bengula, als diesem eben sein Mahl auf einer Schssel, die
selten oder nie gescheuert wird, vorgelegt wurde. Ohne dazu aufgefordert
worden zu sein, half sich W. sofort und reichte einige Stcke seinen
Genossen, die mit ihm gekommen waren (mit Ausnahme zweier Missionre
wohnten stets einige Elfenbeinhndler im Umkreise der kniglichen
Stadt), worauf die umsitzenden Induna's zu murren begannen. Georg,
hie es, behandelt den Knig wie sein Kind. Wie kannst Du ihm das
Fleisch nehmen? W.'s Antwort. Habe ich nicht Moselikatzes Wagen
getrieben und so den Knig herumgefhrt? War er da nicht mir anvertraut?
War er nicht mein Kind? Ist nicht da La Bengula sein Sohn auch mein
Kind? schien die Murrenden sehr zu befriedigen, denn sie klatschten in
die Hnde. -- Ich fragte den Masupia-Diener, den Westbeech mit nach
Gubuluwajo genommen, ob die Matabele-Frauen schn seien. Nein, Herr,
sie haben kein hinteres Schurzfell, noch sind sie ttowirt. Auf die
wohlgeformten Gestalten und die angenehm sein sollenden Zge nahm der
seiner Heimat ungetreue Sohn keine Rcksicht.

Bevor ich von Tati scheide, will ich noch eines eigentmlichen
Abenteuers gedenken, welches sich im Februar des Jahres 1876 im Hause
des Jgers Pit Jacobs zutrug. Um diese Zeit war der alte Jger mit
seinen Shnen und einer seiner beiden Tchter auf der Elephantenjagd im
sdlichen Matabele-Lande beschftigt. Die Frau war nur mit der zweiten
an Herrn Brown verlobten Tochter, zwei kleinen Shnchen und einem
Masarwa-Diener zurckgeblieben.

Ueber die Hhen am Tatiflusse hatte sich bereits das Dunkel der Nacht
ausgebreitet, und die Bewohner der Station schliefen bereits, nur aus
der halboffenen Thr (aus einer unteren und oberen Hlfte bestehend) und
der dieser entgegenliegenden Fensterffnung der Wohnung Jacobs
schimmerte ein schwacher Lichtschein. Das Haus des hollndischen Jgers
bestand aus einem sogenannten Hartebeest-Bau, d. h. aus vier, aus dnnen
Baumpfhlen errichteten, mit rother Ziegelerde berschmierten, mit einem
aus Pfhlen und Gras gebildeten Giebeldache berdeckten, dnnen Wnden.
Eine aus dem ersteren Material verfertigte Scheidewand theilte den
inneren beschrnkten Raum in einen greren, das Wohn-, Empfangs-,
E-, Wasch- und Arbeitszimmer, und in einen kleineren, das
Familien-Schlafzimmer. In dem ersteren lief eine Holzbank der Mauer
entlang und nur an der sdlichen Wand nahe der Thre stand ein einfacher
Holztisch, und unter der Fensterffnung, welche man mit einem Brette zu
schlieen pflegte, eine Nhmaschine, ein Geschenk des Herrn Brown an
seine Braut. Da wo die Bnke nicht hinreichten, einen ganzen Wandsitz zu
bilden, fllten Kleiderkisten diese Lcke aus. Der zweite Raum hatte nur
zwei nennenswerthe Objecte, zwei rohgezimmerte Bettsttten, eine der
Eingangsffnung gegenber, welche die Scheidewand an der Fensterffnung
durchbrach und eine unmittelbar an der letzteren anliegend.

Um die Zeit des zu berichtenden Vorfalls war Herr B. bei seiner
Verlobten noch zu Besuch. Der Diener war lngst in seiner Htte
entschlummert, welche dem Hausthore gegenber stand, die Mutter war mit
den Kindern zur Ruhe gegangen. Sie lag mit dem kleineren, dreijhrigen
Knblein auf dem Lager dem Eingange gegenber, der zweite Knabe schlief
auf dem anderen Bettgestelle. Whrend die Kinder schliefen, mischte sich
die Mutter zeitweilig in das Gesprch ihrer in der vorderen Kammer
sitzenden, verlobten Tochter. Um das Bild noch zu vervollstndigen, mu
ich noch hinzufgen, da sich das Hausktzchen am offenen Fenster einen
auergewhnlichen Sitz gewhlt hatte. -- Zur selben Zeit wurde die
Niederlassung durch den Besuch eines hungrigen Leoparden beehrt, welcher
nach mehrtgiger erfolgloser Jagd in den Bschen die Niederlassung
aufgesucht hatte. Hier wurde Viehkraal nach Viehkraal umgangen, doch die
Dornzune schienen zu hoch fr seinen Muth und so wagte er sich an die
menschlichen Wohnungen heran, um doch wenigstens einige Hhner zu
erbeuten. Auf diesem stillen Umzuge hatte er auch die Sttte von Pit
Jacobs huslichem Glcke umkreist. Der Leopard erblickte die Katze und
den etwas mageren Bissen in der Noth immerhin des Angriffs werth
haltend, wagte er, sich nher schleichend, den Sprung. Ktzchen sind
jedoch kluge Thiere, und jenes hatte seinen Feind noch rechtzeitig
erspht, denn im selben Augenblicke als er aufsprang, setzte es herunter
und verbarg sich unter der Nhmaschine, das Raubthier jedoch war mit
einem Satze in der Mitte des Zimmers, zum nicht geringen Entsetzen der
beiden Verlobten, sowie zu seinem eigenen Schrecken. Von dem lauten
Aufschrei der beiden begrt, sowie von dem flackernden Lichte der in
einer Wagenlaterne ihr ephemeres Dasein fristenden Kerze geblendet,
gerth das Thier auer Fassung und sinnt auf Flucht und ein Versteck.
Der Leopard erhebt sich brummend, blickt sich um und wirft sich dann in
den dunklen Abgrund, der ihm als Eingang zu dem Schlafzimmer
entgegenghnt, worber die beiden so unangenehm Ueberraschten neuerdings
aufschrieen, denn da drinnen lag ja die wehrlose Mutter mit den beiden
Kindern. Frau Jacobs sah ein Thier in ihre Schlafkammer setzen und sich
unter ihr Bett verstecken; sie fragt, was es wre, jene wollen sie
beruhigen und sagen es sei blos ein Hund. Ja, wenn es nur ein Hund ist,
warum schreit Ihr denn so frchterlich. In der Meinung, da es
vielleicht eine Hyne sei, springt die Frau auf, ergreift das neben ihr
liegende Kind und eilt, das zweite vollkommen vergessend, in die vordere
Kammer. Als die Beiden sie ohne das zweite Kind in der Kammer erscheinen
sehen und die Mutter in sie dringt, den Namen des Thieres zu nennen,
gestehen diese ein, da es kein Hund oder Pantherkatze sondern ein
Leopard sei. Nun brach die Mutter in Wehklagen aus, sie wollte
hineinstrzen und ihr Kind holen. Mit aller Macht mute sie
zurckgehalten werden aber um so mehr drang sie hierauf auf die Tdtung
des Raubthieres.

[Illustration: Der Leopard im Hause Pit Jacobs.]

Nachdem die Aufregung Aller sich etwas gelegt hatte, sann man auf die
Mittel, das Thier zu bekmpfen. Auf der Schlafzimmerseite der
Scheidewand hingen einige geladene Elephantengewehre, doch in der
allgemeinen Angst und Bestrzung hatte man diese vollkommen auer Acht
gelassen. Ein groes Kchenmesser war die einzige Waffe, welche zur Hand
war, da fiel jedoch der Frau Jacobs der in der Htte schlafende Masarwa
ein, dessen, wenn auch hchst primitiver Assagai bessere Dienste leisten
konnte. Bald war auch der Gewnschte mit seiner Waffe zur Stelle und so
bewaffnet nahm Brown den Kampf mit dem Leoparden auf. B. sollte im
gebeugten Zustande mit der Waffe in der Hand und gefolgt von seiner
Braut dem Thiere den Garaus machen; um jedoch auch in der That dieses
Heldenstck auszufhren, war Licht nthig; hier half Mi Jacobs, indem
sie die Laterne hochhielt. Sowie der erste Lichtschimmer auf den
Leoparden gefallen war, fauchte dieser vernehmbar und sprang mit einem
Satze aus seinem Verstecke auf das gegenber stehende unbeleuchtete
Lager, auf welchem der fnfjhrige Jacobs trotz des Geschreies der
Frauen ruhig weiterschlief. Dies war die Ursache eines neuen Geschreies
von Seite der Frauen, denn alle whnten das Kind, wenn nicht schon todt,
so doch dem sicheren Verderben preisgegeben. Doch keines von beiden war
der Fall. Das Raubthier mute unmittelbar vor oder hinter den Knaben
gesprungen sein, ohne die geringste Notiz von ihm zu nehmen, denn der
Knabe schlief weiter und war erstaunt, am nchsten Morgen die aufregende
Scene erzhlen zu hren.

Der Leopard sa auf seinen Hinterfen und fauchte zhnefletschend die
Eindringlinge an. Abermals stellten sich die Angreifer in eine
Schlachtlinie und vorwrts ging es in die Schlafkammer. Um mit ihrem
Rathe ntigenfalls beizustehen und ihrem Verlobten den Schauplatz besser
zu beleuchten, lehnte sich Frulein Jacobs, die Laterne vor ihn
hinhaltend, ber Herrn Brown, und damit ihre Kinder im wichtigen Momente
nicht verzagen und sie das Ganze sehen knne, lehnte sich auch Frau
Jacobs an ihre Tochter, so da Brown unter der Last frmlich
zusammenbrach. Wie vermochte er unter diesen Verhltnissen mit
Sicherheit einen tdtlichen Sto gegen das Thier zu fhren. Es darf uns
daher nicht wundern, da er kaum die Haut des Thieres durchbohrt hatte.
Allein kaum war dies geschehen, als der Leopard auf seine Gegner
lossprang. Im nchsten Momente als sein Assagai abglitt, fhlte Herr B.
die Tatzen des Thieres auf seinem Kopfe und Nacken. Die nchste Wirkung
dieses Sprunges war, da Herr Brown von Tochter und Mutter und dem
neugierigen, sich gleichfalls an Frau Jacobs anlehnenden schwarzen
Diener beschwert, dem auf ihm lastenden Gesammtgewichte nachgeben mute
und mit dem Leoparden zu Boden strzte. Der Sttze beraubt, folgten auch
in der Gefahr getreu, Frulein und Frau Jacobs, sowie der Masarwa ihm
nach. Dies war wohl die glcklichste, wenn auch fr die Betheiligten in
jenem Momente unangenehme Lsung der Situation. Es wre nun vielleicht
Einem oder dem Andern schlecht ergangen, wenn das Raubthier nicht selbst
durch den Wechsel seines Standpunktes erschreckt worden wre. Der
Leopard fhlte sich pltzlich auf einem zuckenden, in hollndischer,
englischer sowie in der Sesarwa-Sprache schreienden Knuel und da mit
dem Falle des Herrn Brown auch die Laterne ausgelscht war, kam es
selbst dem Leoparden in der Dunkelheit unheimlich vor und anstatt zu
beien und zu kratzen, machte er einen Satz durch die Thre in das
Wohnzimmer und von da durch die Ausgangsthre, deren obere Hlfte nicht
geschlossen war, ins Freie. Nach und nach entwirrte sich auch der
Menschenknuel und nachdem Licht herbeigeschafft war, rief das ganze an
komischen Momenten reiche Erlebni, das unter Umstnden tragisch enden
konnte, allgemeine Heiterkeit hervor.

Am 10. April verlieen wir die Tati-Station und fuhren durch ein
bewaldetes Hgelland bis zum Schaschaflusse, einem Sand-River, der unter
anderen zahlreichen Nebenflssen gleichen Charakters auch den Tatiflu
aufnimmt. Nahe an der Stelle wo wir hielten, fand ich an der Mndung
eines trockenen Regenspruits in den trockenen Schaschaflu, eine kleine
aber tiefe Lache, welche Krokodile beherbergte.

Am Morgen des 12. berschritten wir den Matloutsi- und den Seribe-Flu,
sowie seit dem wir Tati verlassen, zehn Zuflsse des Schascha, Matloutsi
und Seribe, am folgenden Tage vier weitere Spruits. Der Weg war abermals
uerst beschwerlich und voller Felsblcke. Wir blieben den Tag ber am
Matloutsi-Flusse, welcher theilweise die stliche Grenze zwischen dem
Matabele- und Bamangwato-Reiche bildet. (Frher war es der Tatiflu.)
Groes Interesse bot eine doppelte Reihe von Hgeln, deren Form bald
kegelfrmig war, bald wieder frmlichen Hexadern glich. Wir
berschritten am nchsten, einem sehr heien Tage Morgens den
Kutse-Khani und den Lothlakhane-Flu und lagerten am Ufer eines dritten
mit Namen Goque. Da wir vor uns eine weite, wasserlose Strecke hatten,
wurden hier die Zugthiere mehrmals getrnkt. Der Weg fhrte nunmehr an
der Kette der Serule-Hhen vorber und ber drei Regenspruits und
spterhin an den Serule-River, den wir gegen Mittag berschritten, gegen
Sden und Sdosten erhob sich der Hhenzug der Tschopoberge, deren
hchste Kuppen am Nord- und Sdende liegen.

Am 16. erreichten wir das Thal des Palatschwe-Flusses und berschritten
am selben Tage auch das Thal des Lotsaneflusses. Ich glaube, da sich
beide Flsse am Fue der Tschopo-Hhen vereinigen und am nrdlichen
Abhange derselben ihren Lauf gemeinsam fortsetzen. Die Lotsane Furth,
eine der schwierigsten auf dem Wege von oder nach dem Matabele-Lande,
war einige Jahre zuvor bei den Elfenbeinhndlern und Elephantenjgern
durch zahlreiche und uerst kecke Lwen berchtigt.

Am 17. betraten wir ein Hochland, in welches zahlreiche Regenlachen
eingebettet waren, von denen jedoch nur drei im Winter wasserhaltig sind
und deren zweite Lemones-Pfanne genannt wurde. An den beiden letzteren
fanden wir Bamangwato-Viehposten. Ich mu noch erwhnen, da wir von
Tati ab eine Matabele-Begleitung erhalten hatten, welche Z. nicht
geringen Kummer und Sorgen einflte. An der letzten Lache, Tschakani
genannt, schlugen wir unser Nachtlager auf; hier erfuhren wir, da
Setschele die in seinem Lande wohnenden Bakhatla bekriege. Da wir kein
Wild erlegen konnten und unsere von Tati mitgenommenen Lebensmittel zur
Neige gegangen waren, wurde eines der Reserve-Zugthiere geschlachtet.
Wir berschritten hierauf den Tawani und kamen in der Nacht bis an das
Ufer des sandigen Mahalapsi-Flusses.

Am frhen Morgen hatten wir den stlichen Fu der Bamangwato-Hhen
erreicht und zogen nun nach Schoschong. Ein Theil des Trupps blieb
zurck, da es hie, da in Schoschong das Gras durch die anhaltende
Drre frmlich abgebrannt sei und die Quellen des Schoschon so wenig
Wasser lieferten, da sie kaum den Bedarf der Bewohner deckten. Nachdem
uns Z. verlassen, welcher aus Furcht vor Khama die Richtung nach dem
Limpopo zu den Damara-Emigranten einschlug, zogen wir das Franz
Josefsthal aufwrts und erreichten nach einigen Stunden Schoschong.




                                 XV.
                 Rckreise nach den Diamantenfeldern.


Ankunft in Schoschong. -- Khama lt Z. verfolgen und verurtheilt ihn.
-- Aufregende Nachrichten aus der Colonie. -- Aufbruch nach Sden. --
Mochuri. -- Der Krieg der Bakhatla's gegen die Bakwena. -- Ich erstehe
zwei junge Lwen. -- Ein Lwen-Abenteuer Van Viljoens. -- Eberwald
besucht mich. -- Jouberts See. -- Houmans Vley. -- Ankunft in Kimberley.

[Illustration: Rckreise nach den Diamantenfeldern.]

Von meinem guten Freunde Mackenzie auf das Herzlichste aufgenommen,
mute ich abermals sein Gast sein; um meine Erholung zu beschleunigen,
lud er mich ein, so lange bei ihm zu verweilen, als er selbst noch in
Schoschong verblieb. Seiner Gastfreundschaft, sowie der bei Herrn Jensen
in Linokana genossenen danke ich zum grten Theile meine Genesung. Als
ich wieder zum ersten Male ein Stck ordentlich zubereitetes Brod
genieen konnte, kam ich mir wie ein mchtiger Herrscher vor, der jede
seiner Launen zu befriedigen vermag.

Als ich am Tage meiner Ankunft mit Westbeech Khama besuchte, berraschte
er den letzteren mit der Frage nach Z. Khama war davon genau
unterrichtet, da er mit uns gereist war und da half Westbeech keine
Widerrede, er mute gestehen, da Z. Frh Morgens den Wagen verlassen
habe. Am selben Nachmittage noch sandte der Knig bewaffnete Mannschaft
aus, um Z. einzubringen, doch diese kehrten spt am Abend unverrichteter
Dinge zurck, worauf der Knig Berittene aussandte, um die Gegend bis
gegen den Khama-Salzsee durchforschen zu lassen.

Am Morgen des 22. kehrten sie mit dem Flchtigen zurck, beim
Durchstreifen des Bushveldts waren sie von dem Scheine eines kleinen
Feuers angezogen worden, sie lieen ihre Pferde zurck und nherten sich
so leise, da Z. ohne von seinem Revolver Gebrauch machen zu knnen
berwltigt wurde. Zum Knige gebracht, zeigte sich Z. ber seine
Gefangennehmung sehr aufgebracht. Der Knig aber hielt ihm sein Vergehen
vor und verurtheilte ihn zu einer Geldbue von 100  St. und als sich
der Verurtheilte entschuldigte, da er diese Summe nicht bese,
antwortete Khama, ich wei wohl, da Du Dein Gespann sammt Wagen an W.
verkauft hast, er mu fr Dich bezahlen, da er noch das Geld schuldet.

Die mitgekommenen Matabele brachten einen Brief La Bengula's an Khama,
welcher diesen einlud, gemeinschaftlich an den Prsidenten der
Transvaal-Republik und Sir Henry Bartle, den Gouverneur der Cap-Colonie,
die Bitte zu richten dem Vordringen der Damara-Emigranten Einhalt zu
gebieten. Am 22. wurden zwei Hndlergehilfen von dem Knige in
ffentlicher Sitzung zu je 10  St. Strafe verurtheilt, weil sie vor
ihren auerhalb der Stadt liegenden Gehften in betrunkenem Zustande
aufgefunden wurden. Wenn Ihr Euch schon nicht enthalten knnt, sagte
Khama, so thut es innerhalb Euerer Wohnungen oder Wgen, um nicht
meinen Leuten ein bses Beispiel zu geben.

Am 24. reisten meine Gefhrten nach dem Sden ab, whrend ich mit
Westbeech's Wagen, den er vor der Hand nicht benthigte, nachdem er das
Elfenbein daraus entnommen, in Schoschong im Hause meines Freundes
Mackenzie zurckblieb. Am 25. und 26. fhlte ich mich leidlich wohl und
hielt im Hofraume Revue ber meine Sammlungen, von welcher der von einem
Jagdzuge am Limpopo zurckkehrende Kapitn G. ganz entzckt zu sein
schien. Es freute mich, mit dem Knige bereits ohne Dolmetscher in der
Setschuana plaudern zu knnen. In den Abendstunden verzeichnete ich
meine Erlebnisse, whrend mir Rev. Mackenzie wieder Interessantes ber
die Gebruche der Bamangwato's mittheilte.

[Illustration: Koranna-Gehfte bei Mamusa.]

Am 4. kam der Elfenbeinhndler Shelten vom N'gami-See an und berichtete
von der Gefangennahme des Damara-Emigrantenfhrers Van Zyl durch die
Damara's, sowie da eine Horde der Makololo, die sich aus der frheren
Niedermetzelung des Stammes gerettet und heimlich am Tschobe aufhielt,
von den westlichen Bamangwato's vernichtet worden sei. Da ich mich am
10. etwas wohler fhlte, bestieg ich das Plateau auf welchem der
entscheidende Kampf zwischen Sekhomo und seinen Verbndeten, den
Makalaka's einerseits und Khama andererseits stattfand. Ich fand nur ein
einziges der vorgefundenen Skelete der Makalaka's fr meine Sammlungen
brauchbar.

Am 13. kam durch die eingebornen Postboten die Nachricht, da in der
Transvaal-Provinz zwischen den Boers und dem Eingebornen-Huptling
Sekokuni Krieg ausgebrochen sei. Von Khama aufgefordert, bernahm ich
bis zum Ende meines Aufenthaltes in Schoschong die Behandlung der sich
meldenden kranken Eingebornen, wobei mir die beiden Herrn Missionre
getreulich beistanden und auch die nthigen Medicamente lieferten.[18]
Am 15. sandte ich einen Bericht an Lord Derby, dem Minister fr
auswrtige Angelegenheiten Grobritanniens, ber die Sklaverei im
Marutse-Reiche. In den folgenden Tagen kamen hufige Nachrichten von den
Grausamkeiten, welche von den beiden im Lande Seschele's kriegfhrenden
Theilen, den Bakwena's und Bakhatla's, ausgebt worden waren. Anfangs
waren die Bakwena's, dann die Bakhatla's zum Angriff bergegangen.

Am 24. wurde in Schoschong die Boguera an den Mdchen vorgenommen, wie
Khama mir versicherte, zum letzten Male. In den ersten Tagen des Juni
begann Freund Mackenzie Vorbereitungen zu seiner Uebersiedlung nach
Kuruman, wohin er berufen worden war, um ein greres Seminar zu
grnden. So weit meine schwachen Krfte hinreichten, suchte ich ihm bei
seinen Arbeiten zu helfen. Doch die Krankenbesuche whrend der heien
Zeit verschlechterten meinen Zustand und ich sah mich gezwungen, Khama
zu ersuchen, mir ein Pferd zur Verfgung zu stellen, was er auch that.
Whrend dieses Aufenthaltes in Schoschong erfuhr ich, da Matscheng und
andere Betschuana-Huptlinge am rechten Limpopo-Ufer wohnten, ohne die
Oberhoheit der Transvaal-Republik anzuerkennen und der Limpopo deshalb
nicht als Nordgrenze dieses Landes angesehen werden knne. Am 13. kam
die Nachricht, da die Bakhatla bei ihrem Angriffe auf Molopolole, die
Hauptstadt der Bakwena's, geschlagen worden waren. Im Kampfe hatten die
Hinterlader der letzteren den Ausschlag gegeben.

[Funote 18: Von den achtzig Kranken waren mehr als siebzig mit Lues
behaftet.]

Am 21. verlieen wir Schoschong; unsere Karawane bestand aus sieben
Wgen. Auer mir und Herrn Makenzie reisten auch Herr Hephrun und die
beiden Missionre Thompson und Helm aus dem Matabele-Lande mit, denn die
Herren hatten in Molopolole eine Conferenz abzuhalten. An Khama's
Salzsee wurden wir noch durch einen Abschiedsbesuch des Knigs Khama
beehrt, er konnte nicht umhin, noch einmal meinem Freunde Mackenzie, dem
Manne, dem er so viel zu verdanken hatte, die Hand zu drcken. Bei
dieser Gelegenheit fand er mehrere Wgen eines Hndlers vor, der durch
sein Land nach dem Matabele-Lande ziehen wollte. Khama gestattete dies
jedoch nicht und zwang den Mann zur Rckkehr nach dem Sden, weil
derselbe ein Jahr zuvor gegen des Knigs Willen im Lande Branntwein
verkauft hatte.

Wegen Wassermangel war unser weiterer Zug bis an den Limpopo recht
beschwerlich, statt ihn wie gewhnlich zu kreuzen, umfuhren wir den
Sirorume, um dem erwhnten tiefsandigen Wald an diesem Flusse
auszuweichen. Kurze Zeit zuvor hatte im Fluthal ein Lwe in der Nacht
das Pferd des Jgers Dracke getdtet, wobei einer der schwarzen Diener
einen Ochsen fr das Raubthier ansah und diesen auch glcklich erlegte.
Abends am 23. kamen wir an der Notuany-Mndung an und blieben bis zum
26.; ich lernte hier auch den Afrikareisenden, Kapitn Grandy kennen,
der nach dem Matabele-Lande reiste und spter dem Fieber erlag.

Wir zogen nun das Limpopo-Thal aufwrts, die Geleise, welche nur einige
Male, das letzte Mal wohl vor Jahren, befahren worden sein mochten,
waren uerst schlecht, theilweise tiefsandig, meistens felsig. Am 1.
und 2. lagerten wir an einer jener Lachen, welche, wie schon erwhnt, am
Ufer des Notuany gelegen, von Quellen sowohl wie von dem ausgetretenen
Flusse gespeist werden und selbst dann noch wasserhaltig bleiben,
nachdem der Flu schon lngst ausgetrocknet ist. Die angetroffene Lache
war zwanzig Meter breit, hundertfnfzig lang und enthielt zahlreiche
Fische. Da an einem der Wgen des Herrn Mackenzie ein Rad gebrochen war,
begab sich Rev. Hephrun nach der nahen Stadt der westlichen Bakhatla,
Mochuri, um von zwei daselbst wohnenden Hndlern ein Rad zu entlehnen.
Als wir am 3. Mochuri erreichten, hrten wir, da die Bakhatla Tags
zuvor von ihrem Kriegszuge gegen die Bakwena's heimgekehrt waren. Sie
hatten sich unbemerkt der Hauptstadt Molopolole genhert und nachdem sie
sechzehn Makalahari-Hirten getdtet, sich der Heerden bemchtigt und
alle Angriffe der Bakwena's, die Heerden wieder zu gewinnen,
zurckgeschlagen. Da erst erstand der Knig der Bakwena's von den
Hndlern einige Hinterlader und mit Hilfe derselben war es endlich den
Bakwena's gelungen, so viele Bakhatla niederzuschieen, da diese die
geraubten Heerden aufgeben muten. Von den gefallenen Bakhatla's waren
nur zehn todt, die brigen verwundet, allein von den Verwundeten nur
vier heimgekehrt, die brigen waren nach Bakwena-Sitte, trotzdem sie
einen christlichen Knig hatten (Seschele), niedergemetzelt worden. Die
Bakhatla's klagten, da die Bakwena's einige ihrer Viehposten
berfallen, die Hirten getdtet und ihren Frauen Hnde und Fe
abgeschlagen hatten.

Die Stadt der Bakhatla's schien mir die reinlichste Betschuana-Stadt,
die ich bisher besucht hatte. Der Stamm der Bakhatla's war frher im
Transvaal-Gebiete ansssig, verlie jedoch das Land nach der Besitznahme
desselben durch die Boers zum groen Theile und siedelte sich nun unter
zwei Huptlingen als stliche und westliche Bakhatla im Lande Seschele's
an. Dieser forderte nun von ihnen wie von den Makhosi und den Batloka
Tribut, den sie verweigerten. Mochuri breitet sich an einer Sattelhhe
aus, der Ort ist von einem hohen Dornzaune umgeben, die Gehfte sind
uerst rein gehalten und gut cementirt. Bis zum Jahre 1876 waren die
Bakhatla unter den centralen Betschuana's der einzige Stamm, welcher
sich mit Tabakbau beschftigte und dessen Ertrgnisse in den Handel
brachte. Eine ihrer Hauptbeschftigungen auer dem Ackerbau ist die
Gerberei und Bearbeitung des Leders zu verschiedenen Artikeln. Die
Mehrzahl des Stammes spricht hollndisch.

Ich erstand hier von den Huptlingen durch Vermittlung Rev. Mackenzie's
zwei junge Lwen und verlie hierauf Mochuri, um weiter nach dem Sden,
gegen Tschuni-Tschuni, zu ziehen, whrend sich meine Freunde, die
Missionre, nach Molopolole wandten. Ich schied schweren Herzens von
ihnen, denn beide waren mir stets wahre Freunde gewesen. Von Mochuri
gelangt man nach einer zwlfstndigen Fahrt nach Molopolole (etwa
dreiig englische Meilen). Nachdem ich das bewaldete Thal des Notuany
verlassen, durchfuhr ich in sdstlicher Richtung eine groe Ebene,
welche in Folge ihres Salzgrundes nur sprlich mit Gras bewachsen war.
Am 4. meine Reise fortsetzend, langte ich Nachmittags in Tschuni-Tschuni
an. Hier herrschte solche Trockenheit, da man ber dreiig Fu tiefe
Lcher im Felsengrunde der Spruits graben mute, um auf Wasser zu
stoen. Ich hielt mich deshalb nicht lange auf und zog weiter. Whrend
einer Rast am nrdlichen Abhange der Dwarsberge entsprangen mir meine
jungen Lwen. Es whrte mehr als zwei Stunden, bis ich und meine Diener,
zerkratzt und mit zerbissenen Hnden die Thiere eingefangen hatten.

Am 6. erreichte ich das dem Leser schon bekannte Brackfontein und schlug
von hier statt der sdwestlichen ber Buysport eine sdliche Richtung
ein um nach Linokana zu gelangen, wobei ich auf die Farm Leuvfontein
zusteuernd, das Bushveldt von Norden nach Sden durchzog. Auf diesem
Marsche bemerkte ich, da das Morupa-Flchen von Buysport sich in
einigen seichten Einsenkungen verlor und nur nach sehr heftigen
Regengssen ber die Grasflchen strmend den groen Marico erreicht. In
diesem Thale nahe an der Farm Leuvfontein am Nordabhange des stlichen
Hhenzuges, ber welche der Buysport-Pa fhrt, trug sich vor einigen
Jahren ein Lwenabenteuer zu, welches ich noch wegen seiner Originalitt
und weil es dem schon mehrmals erwhnten Van Viljoen, einem der
berhmtesten Lwenjger zustie, im Folgenden wiedergeben will.

Im Jahre 1858 unternahm Mynheer Jan van Viljoen mit seinem ltesten
Sohne und einem Hollnder mit Namen Engelbrecht eine Reise in das
Bushveldt. Man hatte die Stelle, an der gegenwrtig Leuvfontein liegt,
verlassen, und war eben daran, das untere Morupa-Thal zu kreuzen. Die
drei Jger ritten voraus, denn die Wgen bewegten sich uerst langsam
vorwrts. Eine unmittelbar vor ihnen den Weg kreuzende Pallahheerde
verleitete Viljoen sein Jagdglck zu erproben und so verlie er seine
Gefhrten und wandte sich rechts in die Bsche. Sich auf hundertfnfzig
Schritte den Thieren behutsam nhernd, ersieht der Jger eine gute
Gelegenheit, einen tchtigen Pallahbock aufs Korn zu nehmen; whrend er
eben anlegt, scheint es ihm, als ob er von links her einen auftauchenden
Schatten wahrnehmen wrde. In dem Momente als er sich umsieht, fhlt er
sich von einem Lwen erfat und sein Gesicht in des Lwen Rachen. Tiefe
Narben im Gesichte zeugen noch heute fr das starke Gebi des Rubers.
Er war durch den Sprung des mchtigen Raubthieres vom Pferde
herabgerissen worden, allein kaum lag er auf dem Boden, als ihn der Lwe
loslie und bald den vor sich daliegenden und ihn anstierenden Menschen,
bald das ruhig stehende und an die vierfigen Ruber ziemlich gewhnte
Pferd betrachtete. In Folge des Falles Viljoen's, war der Sattelgurt
gerissen und der Sattel hing nun an den Hinterfen des Pferdes, das vom
gestrzten Reiter etwa vier Meter entfernt war. Nachdem sich der Lwe
eine Zeit lang Ro und Reiter betrachtet, schnappte er pltzlich nach
der Brust desselben, um ihn davonzutragen, doch Viljoen war eben so
rasch und versuchte mir seinem rechten Arme die Brust zu decken, whrend
er mit seiner linken Hand den Lwen an seinem linken Ohre festhielt. Das
Raubthier erfate nun mit seiner unteren Kinnlade den Arm, mit der
oberen die Brust. In diesem fr Viljoen so verhngnisvollen Momente
wurde das Pferd sein Lebensretter. Den Sattel an seinen Hinterfen als
unntze Last fhlend, schlug dasselbe aus, so da der Sattel aufflog und
die Bgel klingend aneinanderschlugen. Da lt der Lwe den Jger fahren
und stiert das Pferd an, das nun zum zweiten Male ausschlgt, wodurch
der Schwanzriemen reit und der Sattel gegen den Lwen und Jger
herabkollert. Dies schien selbst dem verwegenen Ruber zu viel. Mit
einigen Stzen sprang er zur Seite und stellte sich etwa zehn Meter weit
beobachtend auf. Viljoen erhebt sich sofort und ergreift sein nebenan
liegendes Gewehr. Doch beim Anlegen fhlt er einen heftigen Schmerz im
Munde. Der Jger denkt, der Lwe htte seine Kinnlade zerbissen, und da
er frchtet, da ihm in diesem Zustande das Abfeuern des geladenen
Vierpfnders eine nicht geringere Verwundung als des Lwen Bi eintragen
wrde, entschlo er sich, nur im uersten Nothfalle davon Gebrauch zu
machen. Von einer nahen Hhe herabkommende Baharutse, welche die
gefhrliche Situation leicht begriffen, zwangen indessen den Lwen durch
lautes Geschrei zur Flucht. Verwundert sahen Viljoen's Gefhrten diesen
ber und ber mit Blut besudelt sich ihnen nhern.

Sechsundzwanzig Tage lang lag der Jger in Folge seiner Brust- und
Armwunden darnieder, bevor er sein Lager verlassen konnte. In derselben
Nacht tdtete der Lwe einen von Moilo's Hirten, der in einem nahen
Gehlze wohnte. In Folge der letzteren Unthat wurde er am folgenden
Morgen von einem groen Haufen der Baharutse verfolgt, aufgesucht und
erschossen. Es war ein ausgewachsener Krachmanetje.

Am 8. erreichte ich Linokana und wurde hier von Herrn Jensen auf das
Freundlichste angenommen. Viel Freude bereitete mir der Besuch meines
werten Freundes Eberwald, der meinethalben von den fernen Leydenburger
Goldfeldern hierhergekommen war, um mich zu begren. Whrend meines
Aufenthaltes in Moilo, wo er Herrn Jensens freundliche Aufnahme mit der
Pflege, die er dessen Grten angedeihen lie, entgalt, war er mir sehr
behilflich, und reiste auch spter mit mir nach dem Sden. Der Huptling
Moilo war gestorben und sein Neffe Kopani von Moschaneng, der der
Transvaal-Regierung unterstehende Huptling der Baharutse, Chef von
Moilo geworden. Den Tag nach meiner Ankunft, als eben ein gerumiger
Kfig fr mein Lwenprchen fertigstellt war, verendete die Lwin.

Im Osten der Republik wthete der Kampf, wobei sich die Weien im
Nachtheile befanden. Allenthalben im Marico-District wie in der ganzen
Republik wurden Leute, Vieh und Wgen conscribirt, wogegen die
Ackerbauer sehr murrten.

Am 5. August langte Herr Mackenzie auf seinem Marsche nach Kuruman hier
an, auch Herr Williams kam von Molopolole, um mich wegen seiner
Gesundheit zu consultiren. Am 6. entlohnte ich meine vier Zambesi-Diener
To, Narri, Burilli und Tschukuru, damit sie nach dem Zambesi
zurckkehren konnten und um mich ihrer Hilfe auch auf dem nchsten Zuge
zu versichern, gab ich mehr als ihnen gebhrte. Durch Herrn Wehrmann,
einen unter den stlichen Bakhatla's wohnenden Missionr, erfuhr ich,
da ihre Stadt zwei Stunden westlich vom groen Marico am nrdlichen
Abhange gelegen, Melorane, und der Huptling der westlichen Bakhatla's
Linsch heie und ein Sohn Khamanani's sei. Bevor noch meine Diener nach
dem Norden abgingen, bentzte ich meine geringe Kenntni der Senansa und
der Sesuto-Serotse-Sprache, um einiges ber die Setonga (zwei meiner
Diener waren Matonga's) zu erfahren.

Um mir zur Rckreise nach den Diamantenfeldern einiges Geld zu erwerben,
bernahm ich die Behandlung von Kranken. Unter meinen Patienten befand
sich auch ein Hndler K., der durch Westbeech's eminente
Rosselenkerkunst aus dem Wagen geworfen worden war und sich arg
beschdigt hatte. Auch der hollndische, allgemein beliebte Prediger de
Vries befand sich unter meinen Kranken, dessen Heilung mir unter der
hollndischen Bevlkerung des Districtes viele Freunde erwarb. Am 19.
September erhielt ich von Lord Derby eine freundliche Antwort auf den
ihm von Schoschong aus gesendeten Bericht ber die Sklaverei im
Marutse-Reiche. Am 24. verlie ich Linokana, schlug von hier nach Mamusa
den krzesten Weg ein und berhrte Ooisthuizens erzreiche Farm sowie den
sdlichen Theil der westlichen Grenze des Marico-Districtes; der Weg auf
dieser Strecke bereitete uns ob seiner felsigen Beschaffenheit ungemeine
Schwierigkeiten.

[Illustration: Platberg bei Rietfontein.]

Bei meinen kleinen Ausflgen in der Umgegend der Farm Dornplace am
Molapo fand ich auch den vom Eigentmer desselben erwhnten Felsensee
(Joubert-See), wohl der kleinste in Sd-Afrika, der in einem tiefen,
etwa hundert Meter langen und etwa ber fnfzig Meter breiten
Felsenloche liegt; fnf Meter vom Ufer betrug die Wassertiefe circa
zweiundvierzig Meter. Laut Angabe des Farm-Eigenthmers stand das Wasser
in der Regenzeit bis zu 1 Meter hher; derselbe glaubte auch, da der
See mit dem nahe vorbeiflieenden, doch tiefer liegenden Molapo
communicire. Ich denke, da die unteren Felsen aus dem harten grauen
Kalkstein bestehen und der kleine Felsensee am Grunde zahlreiche Grotten
und Hhlen besitze und auch aus diesen gespeist wird. Die steilen
Felsenwnde waren von hellrostbraunen groen Klippschliefern,
Felsentauben, Staaren und zahlreichen Bienen bevlkert. Herr Joubert
bereicherte meine Jagdnotizen mit mehreren sehr interessanten
Jagdbegebenheiten, darunter drei Lwenjagden. In frheren Zeiten
schienen Lwen, namentlich die mhnenlose Art sich uerst zahlreich am
Molapo aufgehalten zu haben. Herr Joubert sowie andere Farmer des
Molapo-Thales klagten ber die Krebsschden der Transvaal-Republik und
gaben mir mit Joubert, dem Feldcornet an der Spitze, die Vollmacht, bei
der englischen Regierung die Annexion des Molapo-Thales zu beantragen.
Sie klagten namentlich ber die willkrliche Handhabung der Gesetze,
sowie, da die Republik sie gegen die Barolongen nicht zu schtzen
vermge, nachdem sie zuvor Concessionen zum Farmankauf und zum Ankauf
von Landgebieten ertheile, welche nicht ihr, sondern den Barolongen
angehren.

Am 30. aufbrechend, gelangte ich nach einer kurzen Fahrt zu der von
mehreren Familien bewohnten Farm Rietvley, spt Nachmittags nach
Poolfontein. Frher eine Farm, ist es jetzt eine Niederlassung von
Barolongen unter dem Huptling Matlabe; der Stamm wurde aus der Umgegend
von Potschefstroom hieher angesiedelt. Hier war auch Herr Hansen als
Mitglied der Hermannsburger Mission thtig, doch gehrte der grte
Theil der Bevlkerung dem wesleyanischen Bekenntni an. Eine in dieser
Gegend zu Tage kommende Quelle entspringt aus einem der tiefen Lcher
des harten grauen Kalksteines, in der Umgegend stie ich auch auf einen
tiefen kleinen Felsenweiher, der sich durch eine schwimmende Grasinsel
auszeichnete.

Noch am selben Abend verlie ich die Barolongen (Stamm der
Ba-Rapulanen), welche fleiig den Ackerbau betreiben. Die Reise in den
folgenden Tagen bis an den Harts-River, den wir eine Tagreise oberhalb
Mamusa berschritten, fhrte durch die wildreichen Quagga-Ebenen. Das
Gras war niedrig, die Gegend ziemlich trocken und in Folge dessen das
Wild, das sich in wasser- und grasreichere Gegenden zurckgezogen,
seltener. Die Quellen des Maretsane-Flusses berhrend, fand ich die
seichte Thalvertiefung ziemlich reich an Niederwald. Am 1. langte ich
bei einem groen Salzsee an, der hnlich wie der Moffat-See von
Wassergeflgel reichlich belebt war. Leider erkrankte ich hier abermals
am Fieber und so war ich hier sowohl am Kalverts- wie an einem nahen
zweiten, dem Helmor-Salzsee in der Jagd nicht besonders glcklich.

Am 4. November weiterziehend, besuchte ich den Harm-Salzsee, an dessen
Ufer einige Boers in uerst rmlichen Verhltnissen von der Jagd und
vom Salzgewinne lebten; an den folgenden Tagten passirte ich den
Mackenzie- und Livingstone-Salzsee und langte nach einer mehrstndigen
Fahrt ber sumpfartig aufgeweichtem Boden bei einem von hohen Binsen
umsumten Weiher an, in dessen Mitte ein tiefes Felsenloch zu liegen
schien. Als wir uns der Stelle nherten, wurden wir frmlich von dem
Geschrei betubt, das uns von seinen befiederten Bewohnern
tausendstimmig entgegenschallte. Ich glaube, es ist der einzige seiner
Art auf den Ebenen des Harts-River und Molapo. Wir schlugen in zwei
verlassenen hollndischen Jagdhtten, um welche ringsum ein wahres
Golgatha von Antilopen- und Gnu-Knochen errichtet war, unser Nachtlager
auf. Ich bedauerte, da mir zur grndlichen Untersuchung des Sumpfes ein
Kahn fehlte. Auer den mannigfachsten Sumpf- und Wasservgeln waren es
namentlich Finken, welche im Uferschilfe hausten; ein seltenes
Schauspiel brachte der Abend tausende und tausende von Schwalben kamen
von ihrer Tagesjagd von den unabsehbaren Ebenen herangeschwrmt, um
daselbst zu bernachten.

Am 9. berschritten wir zum ersten Mal den Harts-River, der durch Regen
angeschwollen, die Durchfahrt nicht wenig gefhrdete. Den Harts-River
entlang ziehend, erreichten wir am 10. Mamusa und am folgenden Tage
Houmans-Vley. Whrend des Marsches fing ich einen mchtigen Landleguan.
Ich wurde von dem Farmer S. F. Houman freundlich aufgenommen; derselbe
machte mich auf einige Pavian-Skelete aufmerksam, welche auf dem Abhange
zum Harts-River lagen und erzhlte mir folgende Jagdbegebenheit. Er war
vor einigen Wochen von vier Hunden gefolgt, ausgeritten, um einige
vermite Schafe aufzusuchen. Als er heimkehrend sich etwa auf zwei
Meilen seinem Hause genhert hatte, traf er eine dreiig Stck zhlende
Pavianheerde an. Trotz der Mdigkeit jagten die Hunde sofort auf
dieselben los, doch wurden sie von diesen bel zugerichtet. Whrend sich
die meisten Affen auf Bume flchteten und so die Hunde zerstreuten,
warfen sich einige der greren Thiere zu gleicher Zeit auf je einen
Hund. Der unbewaffnete Farmer sprengte nun mit dem Pferde auf die Affen
ein und trennte das strkste Mnnchen von der Truppe. Auf dieses hetzte
er seine muthigen vier Hunde, doch der Affe warf sich dem vordersten so
geschickt entgegen, da er ihm mit seinem furchtbaren Gebi die Kehle
ausri. Im nchsten Momente hatte der zweite Angreifer ein gleiches
Schicksal erlitten und beide Hunde waren wenige Augenblicke spter
verendet, die beiden anderen, noch jungen Hunde suchten unter dem Pferde
Schutz. Aufgebracht ber den Verlust der Hunde eilte der Farmer heim,
bewaffnete sich und erlegte sechs Paviane.

Bevor ich noch von meinem Gastfreunde schied, theilte er mir noch etwas
ber seine Abstammung mit. Sein Vater stammte aus Mecklenburg, wo er
durch Unvorsichtigkeit den Tod zweier seinem Vater angehrenden
Rennpferde verschuldete. Aus Furcht vor der Strafe verlie er mit einem
Kaufmannsschiffe die Heimat, kam in Capstadt an und siedelte sich spter
hier an.

Am 14. verlie ich die Farm und zog weiter sdlich und sdwestlich nach
der Hallwater-Farm, welche ich von zahlreichen Koranna's bevlkert fand.
Je nher ich den Diamantenfeldern kam, desto trber wurde meine
Stimmung. Ich hatte kaum 2  St. im Vermgen, dagegen eine Schuld von
120  St. an Herrn Jensen zu bezahlen, ohne da ich je hoffen konnte aus
dem Verkaufe von Wagen und Ochsen diesen Betrag herauszuschlagen, da
solche in Diamantenfeldern billiger als in der Transvaal-Republik
erstanden werden knnen.

Am 20. langte ich in Christiana an und machte hier die interessante
Bekanntschaft eines Hndlers mit Namen Sanders, der an der tropischen
Westkste Afrika's gereist war. Das Vaal-Riverthal nach abwrts ziehend,
stellte sich am 23. bei mir ein neuer heftiger Fieberanfall ein und
krank erreichte ich am 26. Kimberley.




                                 XVI.
           Mein letzter Aufenthalt in den Diamantenfeldern.


Wiederaufnahme der rztlichen Praxis. -- Mein neues Heim und kleiner
Thiergarten in Bultfontein. -- Ausstellung meiner Sammlung im
Varieties-Theater zu Kimberley. -- Ausflug nach der Farm Wessels. -- Die
Gravirungen der Buschmnner. -- Hynen- und Erdferkeljagden. -- Meine
Broschre ber die Eingebornenfrage. -- Irrige Auffassung derselben in
England. -- Ernste Zeiten fr die Colonie und Griqualand-West. -- Major
Lanyon und Colonel Warren. -- Aufbruch nach der Kste.

[Illustration: Fingoknabe.]

Von allen Mitteln entblt, traf ich zum vierten Male in den
Diamantenfeldern ein. Nach einundzwanzigmonatlicher Abwesenheit von
denselben konnte ich mir die Schwierigkeiten nicht verhehlen, welche
sich mir bei der Wiederaufnahme meiner rztlichen Praxis
entgegenstellten, ich war neuerdings fast fremd geworden und doch bot
mir die Praxis die einzige Gelegenheit, meinen Verpflichtungen
nachzukommen. Unwillkrlich regte sich in mir der Wunsch zur Herstellung
meiner erschtterten Gesundheit in die Heimat zurckzukehren. Der
Gedanke, das mir selbst gestellte Problem nicht gelst zu haben,
verbannte jedoch denselben vorlufig aus meiner Seele. In dieser
drckenden Lage entschlo ich mich schon einige Tage nach meiner Ankunft
eine Ausstellung der gesammelten naturhistorischen und ethnographischen
Objecte zu veranstalten, um mit dem Ertrage derselben spter die
Heimreise antreten zu knnen. Da ich Herrn Werner von meiner Ankunft in
Kenntni gesetzt hatte, fand sich dieser schon am ersten Tage auerhalb
Kimberley bei mir ein und lieh mir unaufgefordert eine Geldsumme, welche
es mir gestattete, die geplante Ausstellung in's Werk zu setzen. Ich zog
deshalb mit meinem Wagen nach Bultfontein, wo ich einfacher und
zurckgezogener leben konnte. Zudem fand sich gerade ein einsames
Huschen in der Nachbarschaft meines Freundes, der, obwohl jetzt
verarmt, mir doch in meiner Krankheit treue Pflege angedeihen lie. Die
gemiethete Wohnung bestand in einem aus Lehm ausgefhrten viereckigen
Zimmer, hatte einen einfachen Lehmboden und war mit Zinkblech gedeckt,
welche Bedachung den Aufenthalt namentlich im Sommer recht unertrglich
machte.

Hier hatte ich nun meine Sammlungen untergebracht und wohnte mit meinem
Freunde Eberwald, welcher mir die ganze Zeit treu zur Seite stand und
unter meiner Aufsicht die Medicamente fr meine Patienten bereitete. Das
Geschick war mir hold, schneller als ich es je zu hoffen gewagt,
vermehrte sich meine Praxis und hob meinen Muth; mit einiger Beruhigung
konnte ich in die nchste Zukunft blicken. Vor meinem Huschen standen
die Ruinen einer dachlosen Kche, in dieselbe stellte ich den mit Herrn
Eberwald zu Anfang des Jahres 1877 gearbeiteten groen Lwenbehlter,
whrend ich im Umkreise derselben die Hfchen, Behlter und Kfige fr
meine vierfigen Thiere und Vgel errichtete. Leute, die aus der
Colonie, aus dem Oranje-Freistaate aus dem Transvaal-Gebiete etc. nach
den Diamantenfeldern kamen, verfehlten nicht, meine zahmen Thiere (die
meisten waren vollkommen gezhmt) anzusehen und brachten mir bei
spteren Besuchen andere seltene Thiere mit.

[Illustration: Mein Haus in Bultfontein.]

Als sich im Jahre 1878 meine Praxis bedeutend vermehrt und Freund
Eberwald, mein Apotheker, alle Hnde vollauf zu thun hatte, wurde die
Pflege der Thiere zwei Schwarzen bergeben, welche es leider an Sorge
und Nahrung fehlen lieen. Durch die Einflsse der Witterung kamen
manche der Behlter, welche ich so gro wie mglich und der Lebensweise
der Thiere angemessen, construirt hatte, zu Schaden. Einzelne Thiere
entwichen und wurden von der umwohnenden, freien schwarzen Bevlkerung
erschlagen und verzehrt, andere wieder nicht richtig gepflegt und so
hatte ich, bevor ich die Diamantenfelder verlassen konnte, mehr als zwei
Drittel meiner Pfleglinge verloren. Um die groen, bald pyramiden-, bald
thurmhnlich geformten Kfige fr kleinere Vgel hatte ich Epheu und
Lianen gepflanzt, so da die armen Gefangenen im natrlichen
Laubschatten gegen die senkrechten Strahlen der afrikanischen Sonne
geschtzt, munter umhersprangen und sangen. Der beschrnkte Raum
gestattet es mir nicht, meine zweijhrigen Beobachtungen an meinen
Gefangenen hier mitzutheilen, ich mu mich mit der Specification
derselben begngen. Vor Allem mu ich meines Lwen erwhnen, der mir
ungewhnlich anhnglich war, obwohl ich ihn der Besuche halber im Kfige
halten mute. Oft steckte er seine Vorderpfoten aus dem Kfige, um mich
zu umarmen und gab mir seine Anhnglichkeit durch Liebkosungen zu
erkennen. Ich refusirte ein Offert von 100 . St., als er fnf Monate
alt war und verlor ihn spter, nachdem er mich das Doppelte gekostet.
Als ich vierzehn Tage behufs Gewinnung der Felsgravuren der Buschmnner
im Oranje-Freistaate weilte, wurde sein Kfig nicht gut gereinigt und
ich erkannte leider seine Todesursache zu spt. Er erlag einer
Amonimie. Wenn er whrend seiner Krankheit mich zufllig auf meinem
Mosco vom Krankenbesuche heimkehrend, erblickte, sprang er so pltzlich
und unerwartet auf, da die Besucher meines kleinen Thiergartens
auseinander stoben, whrend er sich schon an die weit von einander
abgehenden Gitterstbe schmiegte, um sich von mir streicheln zu lassen.

[Illustration: Felsen-Gravirungen der Buschmnner.]

Ich hatte Schakale, die wiederholt wegliefen und wiederum zurckkehrten,
Springhasen, die sich wie Suglinge htscheln lieen, doch sie alle
konnten mir nicht den Verlust meines jungen Lwen Prinz ersetzen. Als
es mit ihm schon stark bergab ging und er nicht mehr aufrecht stehen
konnte, schleppte er sich, sowie er nur meine Stimme hrte, gegen das
Gitter hin. Ich hatte in meinem Thiergarten weiters Meerkatzen und
Paviane, Igel, Rohrrler, einen Caracal, Mangusten, das schwarz-wei
gestreifte Wiesel, Schabrakenschakale, Wolfshynen, Springhasen,
Berghasen und Erdeichhrnchen, gestreifte und Blindmuse,
Schuppenthiere, Steenbock-, Deuker- und Springbockgazellen und einen
Klippschliefer etc., von Vgeln nenne ich drei braune sdafrikanische
Adler, einen Schopfadler, zwei Arten von Gabelweihen, Rothfalken, sowie
Sperberarten, ferner Schlangenadler, braune und schwarze Aasgeier (^Gyps
socialis^), zwei Arten Uhu's, Ohreulen, Papageien, Mandelkrhen,
schwarze und weigescheckte Krhen, Kernbeier und insectenfressende
Singvgel, einen Tukan, Fischreiher, verschiedene Wildgnse, einen
Pelikan, einen Schlangenhalsvogel u. a. m.

Im Jnner des Jahres 1877 war ich, wie schon erwhnt, im Stande, im
Varieties-Theater in Kimberley eine Ausstellung meiner Sammlungen zu
veranstalten. Ich mu gestehen, da mir diese Ausstellung, so viele
Freunde sie mir auch schuf, materiell keinen Nutzen brachte, im
Gegentheile mich in Schulden strzte und ich gezwungen war, um mir die
Mittel zur Rckkehr nach Europa zu verschaffen, neuerdings meine
rztliche Praxis aufzunehmen und die Gesammtersparnisse des Jahres 1877
auf Tilgung meiner Verpflichtungen zu verwenden.

Obgleich die Diamanten wieder im Preise gesunken, waren doch der
anhaltenden Drre halber Cerealien theurer wie je; daher war es mir
willkommen, ein tchtiges Ro als Reitthier zu erwerben, welches mir
dieselben Dienste leistete, als drei oder vier Pferde im Jahre 1873. Die
zunehmende Praxis im Jahre 1878 hatte meine Gesundheit -- denn ich bin
bis jetzt noch immer krnklich gewesen -- nicht gebessert, so da ich in
der Zeit, zu welcher sich alle meine Patienten bis auf zwei Kinder
bedeutend wohler fhlten, die Diamantenfelder verlie, und mich fr
kurze Zeit auf eine der Farmen in dem nahen Freistaate begab, wo ich von
dem Besitzer, Herrn Wessels, freundlich aufgenommen und mir ein Haus zur
Verfgung gestellt wurde. Auf dem Gebiete dieser Farm fand ich die schon
vor mir von dem Geologen Georg Stow und Kapitn Warren besichtigten
Gravirungen der Buschmnner, welche diese auf Bergeshhen anbrachten.

Im Aussterben begriffen, bewohnen die Reste dieses Stammes einzelne
Theile der Cap-Colonie und haben bis heutigen Tages den Einflssen der
Civilisation sich zu entziehen gewut. Einst bewohnten sie felsige Hhen
und die Hhlen an den schroffen Abhngen derselben in der Cap-Colonie
und im Oranje-Freistaat. Sie scheinen die ltesten Bewohner Sd-Afrika's
zu sein und ein Theil derselben sich mit den vom Norden andrngenden
Banthu-Familien zu den Masarwa's, ein anderer Theil mit den noch frher
aus Nordnordosten einwandernden Hottentoten verschmolzen zu haben.

Von ihren Felsenhhlen ersphen sie das Wild auf den Ebenen und jagen es
mit Bogen und Pfeil. Auf so tiefer intellectueller Stufe sie auch
standen, vermochten sie es, die Felswnde der von ihnen bewohnten Hhen
mit Ockermalereien -- Thiere, Schildkrten, Leguane, Schlangen und
Thierkmpfe, sowie Kmpfe mit den sie bedrngenden Banthu's, die
Gestirne und andere in die Augen fallende Objecte darstellend -- zu
verzieren. Als das Wild nach und nach von den eingewanderten Europern
erlegt worden war, stiegen die Buschmnner von ihren Hhen herab, um die
Heerden der Weien zu erbeuten, welches Vorgehen einen gegen sie
erffneten Vernichtungskampf zur Folge hatte. Der wahre Buschmann (es
gibt zu viele Mischlinge) liebt seine Felsenhhen leidenschaftlich, und
hat er sich auch als Diener vermiethet, oder ist er, wie in frheren
Zeiten, dazu gezwungen worden, so entflieht er bei der nchsten sich
bietenden Gelegenheit, stiehlt ein Schaf und eilt seinen Hhen zu. Flle
treuen Ausharrens bei ihren Dienstherren sind selten. War man bisher
gewohnt, dem Buschmann eine der tiefsten Stufen im Menschengeschlechte
einzurumen, so wird man diese Meinung aufgeben, sobald man seine
Arbeiten nher kennen gelernt hat.

Kein Stamm in Sd-Afrika bis tief nach Central-Afrika hat so viel und
wahre Kunstfertigkeit in der Bearbeitung des Gesteins entwickelt, als
der Buschmann. Seine Gerthe sind sowohl aus Holz, Bein und der Schale
des Strauenei's als auch aus Stein gearbeitet. Seine Langweile hat er
sich mit Steinausmeielungen vertrieben, die abermals mit
Steininstrumenten ausgefhrt wurden und mit diesen seine ureinfachsten
Wohnsitze verherrlicht, seinen Kunstsinn bewiesen und sich Denkmler
gesetzt, die Alles berdauern werden, was die brigen hier lebenden
Stmme der beiden anderen sdafrikanischen Vlkerfamilien, der
Hottentoten und Banthu, geleistet haben.

[Illustration: Grabstichel.]

Die Zeichnungen in ihren Hhlenwohnungen sind mit verschiedenfrbigem
Ocker, meist auf Sandstein ausgefhrt. Der Geologe Stow hat diesen
Arbeiten besondere Aufmerksamkeit gewidmet und zahlreiche Copien
derselben verfertigt. Ich hoffe auf meiner nchsten Forschungsreise nach
Afrika die grten Exemplare derselben zu erlangen, die von den Hhen
herabzubefrdern mir diesmal aus Mangel an nthigem Werkzeuge und
Arbeitskrften unmglich war.

Die gesammten Buschmann-Curiositten zerfallen in zwei Classen, und zwar
in Utensilien und Steinausmeielungen. Zu den ersteren gehren:
Dreieckige, pfeilspitzartige Kieselschiefer etc., mit denen die
Contourlinien der Zeichnungen eingravirt und sonstige Hausarbeiten
verfertigt wurden, ferner Beschwersteine, welche an das obere Ende eines
unten angekohlten, zugespitzten 1 bis 3 Fu langen Stockes angeheftet,
mit dessen Hilfe ebare Wurzeln ausgegraben oder wasserhaltige Stellen
aufgescharrt wurden. Oft findet man Steine mit nur theilweise
ausgefhrter Hhlung, welche mit Hilfe eines Sandschmirgels und eines
anderen Gesteinstckes herzustellen versucht wurde. Was die
Steingravirungen anbetrifft, so sind diese an vielen Hhen blos in
geradlinigen oder in unzusammenhngenden schiefen Strichen //////
dargestellte Objecte, an anderen jedoch vollkommen ausgemeielt. Solche
Stcke gehren zu den Besten ihrer Art und ich glaube, da die von mir
mitgebrachten achtzehn Gravirungen bis zum heutigen Tage Unica in Europa
sind.

Von den aus Herrn Wessel's Farm mitgebrachten Stcken sind namentlich
folgende als gute Arbeiten hervorzuheben: Oberkrper eines Buschmann's;
Buschmannsfrau eine Last tragend; Linke Sohle eines erwachsenen
Buschmann's; Strau mit Reiter; Strau von einem Nashorn gestoen;
Roibock-Gazellen; Eland-Antilopen; Buntbock-Antilope; Kopf einer
Gemsbock-Antilope; ein Gnu; ein Rind; ein Schakal eine Gazelle jagend.

Whrend meines Aufenthaltes auf dieser Farm im westlichen Gebirge des
Oranje-Freistaates gelang es mir, eine groe Anzahl von Insecten,
Vogelblgen und Pflanzen, zu erwerben und bevor ich noch die gastliche
Sttte verlie, nahm ich, von den umwohnenden Farmern dazu eingeladen,
an zwei interessanten Jagdausflgen Theil. Beide wurden von einer
greren Anzahl von Berittenen und Eingebornen zu Fu mit einer Meute
unternommen, und galten der Verfolgung der gestreiften Hynen und
Erdhhlen-Thiere. Mein Hauptzweck dabei war, womglich lebende
Stachelschweine, Springhasen und Erdferkel zu erjagen. Die erste dieser
Jagden wurde bei Tage unternommen; wir umstellten zu Pferde eine
Felsenhhe und sandten die Treiber mit den Hunden hinauf, leider
vergeblich, denn die Hynen hatten sich schon geflchtet.

Die Gegend, in welcher die zweite Jagd abgehalten werden sollte, wurde
von groen bebuschten und mit zahllosen brodlaibfrmigen Termitenhgeln
bedeckten Grasebenen gebildet, welche ringsum, namentlich aber von
Osten, von mit Gebsch bestandenen Felsenhhen umsumt waren. Jeder der
an der Jagd theilnehmenden Farmer hatte einige Hunde mitgebracht, welche
die Spur der ihre Hhlen verlassenden Nachtthiere aufnehmen sollten. Die
von meinen Freunden fr unseren Ausflug gewhlte Nacht war unstreitig
eine der reinsten und schnsten Mondscheinnchte, die ich in Afrika
erlebte. Da ich den Tag ber entferntere Hhen der Gravirungen der
Buschmnner halber besichtigt hatte und auch am folgenden Tage einen
lngeren Ausflug unternehmen wollte, lie ich meinen Rappen daheim und
ritt ein mir von meinem Gastfreunde geliehenes Pferd, das an die Gegend
gewhnt, mir bessere Dienste zu leisten versprach. Endlich wurde das
Zeichen zum Aufbruch gegeben und die Hundemeute zur Aufnahme der Spur
angefeuert. Wir mochten etwa sieben Minuten hingaloppirt haben, als zu
unserer Rechten am Fue der Hhe das Hundegeheul vernehmbar wurde. Mit
einem lauten Hurrah! spornten wir die Pferde an und aufwrts ging es
durch das niedere Gestrpp, wobei wir unseren Rennern die Zgel schlaff
anliegen lieen, da wir die vor uns im Grase zerstreut liegenden
Felsenblcke nicht sehen konnten und das Ausweichen ihnen berlassen
muten. Wir sahen vor uns einen sich wlzenden Hundeknuel, in dessen
Mitte zeitweilig etwas Weiliches aufglitzerte. Es war ein
Stachelschwein, das die Hunde frmlich zerrissen hatten. Unter den
Sugethieren hat die Natur, abgesehen von dem Stachelkleide, diese
Thierspecies mit einer so gebrechlichen Haut versehen, da ein Raubthier
beim Gebrauche seiner Fnge das Thier zu zerfleischen im Stande ist.
Kaum zur Stelle, waren wir herabgesprungen und hieben auf die Hunde los,
doch es war zu spt, und so fiel das Stachelschwein den eiligen Basuto's
als Beute zu. Ein hnliches Schicksal hatten zwei andere
Stachelschweine, ein Springhase und ein schwarzwei gestreifter
Musehund (das sdafrikanische Stinkthier).

Einer frischen Spur folgend, waren die Hunde nach der Attaque auf den
Musehund in einem Bogen nach der Hhe zurckgegangen und stieen auf
ein Erdferkel (^Orycteropus capensis^). Von den Hunden gehetzt,
trachtete sich dieses in ein Erdloch einzugraben und hatte dies schon
theilweise ausgefhrt, als wir zur Stelle gelangten. Trotz der vereinten
Anstrengungen unserer schwarzen Diener entkam das Erdferkel nach seinem
Baue, nachdem es die bei der Ausgrabung beschftigten Mnner wie Blle
bei Seite geworfen hatte. Unter den Zahnarmen ist unstreitig das
Erdferkel das strkste Thier. Seiner Gestalt nach lnglich,
walzenfrmig, besitzt es lange, mchtige Ngel an seinen Scharrhnden,
deren Muskulatur einzig in ihrer Art genannt werden darf. Dem
lnglichen, walzenfrmigen Krper ist der fleischige, keilfrmige
Schwanz eine besondere Sttze. Im Nothfalle gebraucht ihn das Thier zur
Vertheidigung, sonst meist auf der Flucht, wenn es in weiten Stzen
enteilt. Auch bedient es sich seiner, wenn es in hockender Stellung die
Termitenhaufen ausgrbt, denn es ist einer der grten sdafrikanischen
Termitenfresser. Es besitzt eine sehr dicke, beborstete Haut, welcher
Schakalfnge wenig anhaben knnen; auerdem ein Paar lange Lauscher,
welche ihm sehr zu statten kommen. In der Colonie bedient man sich der
Haut, um daraus die kurzen, gedrehten Doppelriemen (Strappen) zu
verfertigen, die man den Zugthieren anlegt. Auer ihm stellen unter den
Vierflern den Termiten namentlich das kurzschwnzige Schuppenthier,
die Wolfshyne, die Mangusten und unter den Vgeln besonders die
Kiebitze nach.

Nachdem wir so den eigentlichen Zweck unserer Jagd nicht erreicht
hatten, gaben wir jeden anderen Versuch auf und ritten langsam heim. Auf
diesen Mierfolg hin trachteten ich, sowie meine Freunde, einiger
lebender Thiere habhaft zu werden. Es gelang mir auch, zahlreiche Vgel
zu gewinnen, von denen jedoch die meisten, und darunter namentlich die
Siedelsperlinge, zu Grunde gingen. Auf einem von dieser Farm aus
unternommenen Ausfluge ersphte ich in einem Neste der letztgenannten
eine an fnf Fu lange Cobra. Es gelang mir jedoch nicht eher das Thier
zu erlegen, als bis es viele der auffliegenden alten Vgel getdtet, und
eine Menge der Jungen und Eier verschlungen hatte.

Die Zeit meines letzten Aufenthaltes in den Diamantenfeldern in den
Jahren 1877--78 war, namentlich aber das letztere, fr Sd-Afrika von
groer Bedeutung. Ich erinnere den Leser an den Krieg, den die Colonie
mit den an ihrer stlichen Grenze, sowie Griqualand-West mit den
westlich wohnenden Stmmen zu fhren hatten, Kriege, welche das Vorspiel
zu dem Kampfe mit den Zulu's bildeten. Auch erwhne ich der
Einverleibung der Transvaal-Republik in den Verband englischer Colonien.
Meine unmagebliche Meinung geht dahin, da diese Ereignisse fr den
ganzen sdlichen Theil Afrika's von grter Bedeutung waren, namentlich
rcksichtlich der Lsung der Eingebornenfrage.

[Illustration: Jagd auf Erdferkel.]

Ich erlaubte mir im April des Jahres 1877 meine Ansicht ber diesen
Gegenstand in einer kleinen, sechzehn Seiten zhlenden Broschre: ^A
few words on the Native Question^ niederzulegen, und da so manches, was
ich in derselben besprach, seither in Erfllung ging, will ich hier
einiges daraus dem Leser vorfhren. Die Behandlung und Lsung der
Eingebornen-Frage, welche einen Vergleich mit den Verhltnissen in
Sd-Afrika anzustellen mich angeregt, anderseits die ehrenvolle
Aufforderung hervorragender Mnner in Sd-Afrika gaben mir Veranlassung,
meine Ansichten in jener Broschre darzulegen. Die Ereignisse der
letzten Jahre bis zum Zulukriege zeigen uns wohl, da England in
Sdafrika, wenn auch in anderer Weise als in Nordamerika, grere
Erfolge als andere Colonisatoren auf dem Festlande Afrika's errungen
hat. Im Allgemeinen war die Behandlungsweise eine hnliche; allein das
Eingebornen-Element ist in seinem Charakter von jenem Nordamerika's
verschieden, weshalb eine gleiche Behandlung desselben unmglich Erfolg
versprechen konnte, umsomehr, da es namentlich zwei Vorurtheile gab,
welche die europischen Colonisten beherrschten. Das erste derselben sah
in den Eingebornen trotz ihrer angewohnten Laster die unschuldig
Bedrckten; das zweite im Gegensatze hiezu erblickte in den Schwarzen
den Weien inferiore, kaum menschlich zu nennende Creaturen. Jene,
welche eine gemigtere Ansicht hatten, waren sowohl der Zahl als ihrem
Einflusse nach die Schwchsten und meist praktisch denkende Menschen,
welche als jahrelange Nachbarn in das Leben der Eingebornen leicht
Einblick nehmen konnten.

Als ich im Jahre 1875 jene Broschre schrieb, war mir das Letztere nicht
bekannt, ich fand erst spter, da meine Idee mit jener vieler
erfahrener Colonisten bereinstimmte; sie gewann auch spter die
Oberhand und wurde zur Staatsraison. Es gibt in Sd-Afrika
Eingebornenstmme, welche gegenwrtig in ihrer geistigen Beziehung, in
ihrer Auffassung etc. einem gewhnlich entwickelten Kinde aus unserer
Mitte von etwa fnf bis sechs Jahren nicht unhnlich sind. Spezielle
Charakter-Eigenthmlichkeiten einzelner Eingebornenstmme erklren uns
ihre mindere oder hhere Culturstufe hnlich wie Geistes- und
Gemthsanlagen die Kinder einer europischen civilisirten Familie
untereinander unterscheiden. Gutmtigkeit als Charakterzug bei dem
einen, Sinn fr Industrie bei einem zweiten, Hang zum Diebstahle oder
Raubsucht bei anderen Stmmen finden wohl theilweise in der greren
oder geringeren Gehirnmasse ihre Erklrung. Die Hottentotten, Griqua's
und Koranna's knnen wir fglich mit Kindern vergleichen, welche sich
willenlos von ihren Gespielen leiten lassen und namentlich nach allem
Glitzernden haschen. Eben deshalb wre es verfehlt, den sdafrikanischen
Eingebornen ohneweiters die Rechte eines Gebildeten einzurumen, selbst
dann, wenn diese auf mechanischem Wege sich Lese- und Schreibkenntnisse
erworben haben. Von grtem Werthe scheint es mir, ihnen in einer leicht
verstndlichen, leicht ausfhrbaren Weise die richtigen Begriffe der
Arbeit, den Bau der Wohnung, die Pflege und Ernhrung des Krpers, den
Feldbau, die Viehzucht, beizubringen und sie dabei zu unterweisen, wie
sie ihren Nebenmenschen, ihren ungebildeten Stammesbrdern, andererseits
dem Weien gegenber sich betragen sollen.

Einer der furchtbarsten Feinde der Civilisation war bis jetzt noch der
Aberglaube. Ich bin der Ansicht, da wir denselben auf keine andere
Weise erfolgreich bekmpfen knnen, als indem wir die Eingebornen
Sd-Afrika's sich ihre Lebensbedrfnisse ohne Inanspruchnahme des
vermeintlichen Einflusses der Zauberer, Fetische und Regenbeschwrer
gewinnen lehren.

Ich erlaubte mir, die Regierung darauf aufmerksam zu machen, da den
sdafrikanischen Schwarzen eine andere Zukunft bevorstehe, als den
Indianern Nordamerikas und da man aus diesem Grunde gewisse
Krebsschden, welche jene decimirten, von ihnen fernhalten msse. Zu
solchen Maregeln gehrt die Beschrnkung oder die vollkommene Sistirung
des Branntwein-Verkaufes an die Schwarzen in den Kolonien, sowie das
strenge Verbot, das Feuerwasser nach den nachbarlichen, unabhngigen
Eingebornenlndern einzufhren. Einige der Stmme kamen uns schon jetzt
hilfreich entgegen, indem bei ihnen die Einfuhr sowie der Verkauf des
Feuerwassers nicht gestattet ist, und ich fhle mich glcklich, sagen zu
knnen, da gegenwrtig dieses Verbot wenigstens in einem Theile Afrikas
gewi zum Vortheile der dunklen Bevlkerung wie des weien Mannes selbst
zur Geltung gekommen ist. Ferner erlaubte ich mir, darauf hinzuweisen,
da sowohl die Regierung, als auch der einzelne Weie im Umgange mit den
verschiedenen Stmmen den Charakter derselben, sowie jenen der
Huptlinge wohl bercksichtigen msse, ferner, da die Ansuchen gewisser
Eingebornenherrscher um Einverleibung ihres Gebietes in den Verband
englischer Colonien uerst vorsichtig aufzunehmen sind.

Was ich darber in meiner Broschre erwhnte, hat sich spter in Bezug
auf den Batlapinen-Frsten Mankuruan, den Bakwena-Knig Seschele, ferner
an den Damara's und an Khama, dem Bamangwato-Frsten, als richtig
erwiesen; ich glaube auch da meine Schilderung des Zulu-Charakters eine
getreue war. Ich bin lngst von der Ansicht abgekommen, da, nachdem die
Zulu-Macht gebrochen worden, Grobritannien seinen Colonialbesitz in
Sd-Afrika weiter ausdehnen solle. Ich glaube, da der stabile
Aufenthalt eines oder mehrerer Vertreter (Commissaire) an den Hfen,
sowie Handels- und Colonisations-Vertrge mit den einzelnen und
mchtigeren Eingebornenknigen des centralen Sd-Afrika und des
sdlichen Central-Afrika fr die endliche Erschlieung des Erdtheils die
besten Erfolge versprechen, jedoch unter der Voraussetzung, da Gewehre
und Munition als Handelsartikel ausgeschlossen bleiben.

In Europa war bisher die irrige Ansicht verbreitet, da die Englnder in
Sd-Afrika alles Land gierig verschlingen, dessen sie nur habhaft werden
knnen. Die Gegner und Kritiker der englischen Colonialpolitik in
Sd-Afrika scheinen jedoch nicht zu wissen, da in den meisten Fllen
die betreffenden Landstriche den Englndern formell von den
verschiedenen Eingebornenherrschern angeboten wurden. Vor meiner dritten
Reise schwrmte ich sehr fr die rasche Erffnung einer Handelsstrae
nach Central-Afrika und dachte damals, es sei dies nicht anders
erreichbar, als indem das Gesammtgebiet zwischen dem Vaal und dem
Zambesi dem englischen Scepter unterworfen wrde. Seither haben sich
meine Ansichten ber diese englische Machtvergrerung gendert und ich
wei nun genau, da Grobritannien die Annexion mehrerer spontan
angebotener Eingebornengebiete ausschlug. Meine Broschre war damals,
eben am Vorabende mehrerer solcher Landabtretungs-Anbote von Seite
mehrerer Eingebornenfrsten, geschrieben worden, und darum glaubte ich
die Regierung darauf aufmerksam machen zu mssen, die grtmgliche
Vorsicht dabei zu beobachten.

So heit es in derselben: Da sehen wir Mankuruan, den Batlapinen-Knig
und einen der Batlapinen-Stmme, da den Barolongen-Knig Montsua u. A.
vor uns. Sie gestehen, da sie uns angehren wollen, bevor wir sie
jedoch in den Verband unserer Unterthanen aufnehmen, stellen wir einige
Fragen. Ist es Euer eigener Wille, Ihr Knige, oder seid Ihr die
Abgesandten Eures Volkes? Oder ist es die Ueberzeugung, zu der Ihr beide
gekommen seid? Warum wollt Ihr Unterthanen der Knigin werden? Beruht
dies auf innigen Freundschaftsgefhlen den Makoa's gegenber, die Ihr
Englishmans nennt? Oder ist dies weniger oder gar nicht der Fall und
geschieht es, weil Ihr Euch vor dem anderen Stamme der Weien, den
Boers, zurckgesetzt fhlt, oder sie hasset oder frchtet? Ihr sucht
vielleicht unsere Freundschaft, weil Ihr von einem Nachbarstamme
angefeindet werdet? Es mag jedoch auch sein, da es zwei Herrscher in
Eurem Reiche gibt und einer dadurch, da er der englischen Regierung
seinen Antheil, in Wirklichkeit jedoch das ganze Land anbietet, in
dieser Weise die Oberherrschaft ber seinen Nebenbuhler zu erringen
sucht?

Haben wir auf diese Weise die Wahrheit ber das Ebengesagte erfahren, so
ist es nthig, sich den Charakter des anbietenden Eingebornenfrsten und
die Kulturstufe seines Stammes in allen Details klar zu machen und
darnach zu handeln. So gestanden die vorerwhnten Damara zwei Jahre nach
der Annexion ihres Gebietes ein, da sie der letztgenannte der erwhnten
Grnde bewogen htte, die Oberherrschaft Grobritanniens
anzusuchen.[19]

Ich erwhnte, da zur Zeit meines letzten Aufenthaltes in den
Diamantenfeldern der Krieg mit den Colonial-Kaffern ausbrach, da
Griqualand-West, unsere Colonie, von hnlichen Unglcksfllen
heimgesucht wurde, da jedoch in beiden Kriegen das Recht bald den Sieg
davontrug. Wenn der Krieg in Griqualand-West, einem kleinen Lndchen mit
wenigen Weien, so rasch und mit so geringen Menschenverlusten und
Unkosten glorreich zu Ende gefhrt wurde, so ist dies den beiden
Umstnden zu verdanken, da der Colonie ein erprobter Militr als
Gouverneur vorstand und die Diamantenfelder von beherzten
unerschrockenen Mnnern bewohnt wurden. Ja, dies zeigte sich namentlich
in der Geschichte dieser Provinz. Die Ereignisse und ihr Verlauf in den
letzten drei Jahren mgen schlagende Beweise fr diese Behauptung sein.
Ich meine hier namentlich den Krieg, welchen diese Colonie mit den
Griqua's, Masarwa's und Batlapinen und ihren Huptlingen Mora,
Donker-Maglas etc. zu bestehen hatte. Diese Eingebornen-Elemente, die zu
denen gehren, welche gegen die Tugenden des weien Mannes taub
geblieben sind, waren durch andere unreine Elemente, aus dem
Colonialkriege entwichene Rebellen, weggelaufene farbige Diener etc.
verstrkt, von Westen her, von Kuruman und den Langbergen ber die ihnen
zunchst wohnenden Ansiedler pltzlich hergefallen, hatten sie getdtet
und ihre Huser geplndert, Unthaten, die eben zum Kriege fhrten. Die
schwarzen Ruber rechneten namentlich darauf, da Griqualand-West von
der in einen Kaffernkrieg verwickelten Colonie keine Hilfskrfte
erlangen und von Schutzmannschaft entblt sei, sowie da sich die
Tausende der in den Diamantenfeldern arbeitenden Eingebornen im
geeigneten Augenblicke erheben und so die Hauptader der Provinz in
Schach haltend, diese durch das Niederbrennen der Gebude und Ermordung
der Bewohner auf lange hin vernichten, sich selbst jedoch und die
Anstifter des Krieges mit der daselbst gewonnenen Beute
widerstandsfhiger machen knnten, whrend sie selbst, die wahren
Urheber, nach Gutdnken die ^Road-side hotels^ und ^stores^ (an den
Feldwegen liegende Einkehrhuser und Gehfte), sowie die Farmen plndern
wrden.

[Funote 19: Vgl. den englischen Originaltext Anhang 7.]

Die Lage von Griqualand-West war damals gewi eine kritische, ich selbst
Zeuge der hchst gefhrlichen Situation, in der sich damals die Weien
befanden. Zum Glck fr Alle waren es beherzte Mnner, welche nach dem
Suberungsprocesse in den Diamantenfeldern zurckgeblieben waren,
glcklicherweise stand an der Spitze der Regierung ein Mann, der rasch
die Situation berblickend, sich zurechtfand (der frhere Gouverneur
Major Lanyon) und der in Colonel Warren, seinem Nachfolger im Commando
und den gegenwrtigen Gouverneur der Provinz den richtigen Mann fand,
der sich von keiner Gefahr einschchtern lie und rasch die besten
Verfgungen traf. So hatten sie Alle, wahrhaft Uebermenschliches
leistend, Griqualand-West befestigt, hatten ihre Frauen und Kinder vor
einem schmhlichen Untergange bewahrt und dem Weien Achtung verschafft,
ohne welche es diesen unmglich wre, mit den Farbigen im Frieden und
Einklang zu leben.

Major Lanyon erlie einen Aufruf, in welchem er die Bewohner der
Central-Diggings zur Verteidigung ihres neuen Heimatlandes anspornte und
in wenigen Tagen waren ber sechshundert wehrfhige Mnner beisammen,
welche sich bereit erklrten, ihr Blut fr ihre Freunde und ihr neues
Heim zu opfern. Von diesen waren etwa zweihundert Volontrs, die brigen
junge Leute, die sich unter sie aufnehmen lieen, oder Diamantengrber,
die zu einem brgerlichen Freiwilligen-Corps zusammentraten. Rasch
wurden Pferde eingekauft und die Leute, ich mchte sagen Tag und Nacht
gedrillt (einexercirt), wobei meist von frheren, als Diamantengrber,
Diamantenkufer oder in anderer Lebensstellung situirten Offizieren die
nthige Unterweisung ertheilt wurde. Durch etwa vierhundert Basuto's
(Betschuana's vom Calcedon, reiche, Ackerbau treibende Eingeborne)
verstrkt, zogen sie gegen den gemeinschaftlichen Feind, der bei einem
Raubversuche berrascht, in seine Berge (Langberge und ihre Auslufer)
zurckgeworfen wurde. Es entspann sich nun ein Guerillakrieg. Hatte man
einen felsigen, schon von Natur aus befestigten, mit Steinwllen durch
die Eingebornen noch unzugnglicher gemachten Felsenberg erstrmt, so
zog sich der Feind auf einen zweiten, und so weiter -- Hgel auf Hgel
mute gestrmt und erobert werden und Colonel Warren bewies, da er
Feldherrntalent besitze und die Mnner der Diggings, da sie es
verstehen ^how to do their duty!^

Mit dem Ertrage meiner zunehmenden Praxis glaubte ich, etwa im December
desselben Jahres, die Diamantenfelder mit Europa vertauschen zu knnen,
doch konnte ich diesen meinen Vorsatz meines umfangreichen Gepckes und
der noch zahlreicheren lebenden Thiere halber nicht sobald ausfhren.
Die Fracht fr die ersten beiden Sendungen, d. h. die whrend der ersten
und zweiten Reise gesammelten naturhistorischen und ethnographischen
Objecte hatte gromthiger Weise Herr Naprstek in Prag beglichen. Auf
meiner Rckreise hatte mir derselbe gtige Freund 20, die geographische
Gesellschaft zu Wien 40  St. gesendet, welche Betrge jedoch kaum
hinreichten, um mir einen Wagen, dessen ich zum Transport meiner
lebenden Thiere nach der Seekste bedurfte, anzuschaffen. Es war meine
Absicht, nicht vor December die Rckreise durch die Kolonie anzutreten.
Ich hoffte mir bis dahin nicht allein den noch fehlenden Betrag, sondern
auch eine eventuell nthige Reservesumme zu verdienen, um den
Oranje-Freistaat und die Ostprovinz der Cap-Colonie zu einer Zeit zu
durchreisen, zu welcher ich mit Sicherheit auf gute Weide fr meine
Zugthiere rechnen durfte. Ich hatte einundzwanzig Kisten mit den
Sammlungen durch einen Transportrider (Miethswagen) nach Port Elizabeth
vorausgesendet, wo sie von dem sterreichischen Viceconsul, Herrn
Allenberg, in seinem Waarenhause bis zu meiner Ankunft in Port Elizabeth
aufbewahrt wurden. Ich selbst strubte mich aber, mit einem Miethwagen
zu reisen, weil ich die Rckreise durch den Oranje-Freistaat und die
Colonie womglich zu geognostischen und palontologischen Studien
bentzen und nicht ein Sklave des Kutschers sein wollte.

[Illustration: Colonel Warren.]

Ich gab meinen Vorsatz, im Dezember 1878 abzureisen, auf, da mich die
Zusendung von 220 Pfund St. -- 1000 fl. als hochherziges Geschenk Seiner
Majestt des Kaisers, 60 Pfund St. vom bhmischen Landesausschusse und
200 fl. vom Vereine Svatobor, sowie ein Darlehen von 1000 fl. welches
mir eine Gnnerin gewhrte, -- in den Stand setzten, sechs Monate frher
die Diamantenfelder zu verlassen. Leider trafen mich auf der Rckreise
von den Diamantenfeldern nach Port Elizabeth eine Reihe von Unfllen,
welche einen groen Theil meiner zur Reise bestimmten Mittel
verschlangen, so da ich mich genthigt sah, mich in Cradock
niederzulassen und von Neuem als Arzt zu prakticiren. Im Monate August
1878 verlie ich endlich die Diamantenfelder und miethete als
Wagenlenker einen frheren Diener eines mir bekannten Kaufmannes in
Kimberley, auerdem nahm ich noch drei Kinder auf die Reise nach dem
Sden mit mir.

Unter meinen Bekannten und Patienten in den Diamantenfeldern hatte sich
namentlich ein Freund, mein unmittelbarer Nachbar in Bultfontein, durch
seine Zuvorkommenheit hervorgethan. Ich dachte ihm nun meine
Erkenntlichkeit dadurch am besten zu beweisen, da ich einen seiner
Knaben mit mir nahm und ihm die Oberaufsicht ber die lebenden Thiere
berlie, wobei ihn anfangs der braune Wagenlenker, spter in der
Colonie ein Fingo, in der Verrichtung der grberen Arbeiten untersttzen
sollte. Dafr versprach ich seinen Eltern, wenn er sich gefgig und brav
verhalten wrde, ihn in meiner Heimat erziehen zu lassen. Damit er mir
jedoch whrend der Reise nicht zur Last falle und ich ungehindert meinen
Forschungen nachgehen knne, gaben ihm seine Eltern eine kleine
Betschuana-Dienerin, Bella, mit, welche ihm in seinen Arbeiten an die
Hand gehen sollte.

Das dritte Kind war der dreizehnjhrige Sohn eines Hollnders mit Namen
Schneemann, dessen Familie ich mehrere Wochen hindurch behandelt hatte
und welcher mir aus Dankbarkeit fter bei meinen Arbeiten half und mir
sein ltestes Kind unter der Bedingung, ihn zum gebildeten Menschen zu
erziehen, als Bedienten mitgab. Der arme Schneemann, ein biederer
Charakter, war einer jener vom Migeschick Heimgesuchten, welche statt
des erhofften Glckes und Reichthumes in den Diamantenfeldern Elend,
Kummer und Sorgen einheimsten. Philipp, so hie der Knabe, nahm es auf
sich, das Gespann zu fhren. Bevor ich noch die Meereskste erreichte,
sah ich mich in Cradock genthigt, den erstgenannten Knaben seiner
Nachlssigkeit halber heim zu senden. Auch Philipp Schneemann konnte dem
Heimweh nicht widerstehen und so wurde er in Cradock seinem inzwischen
in den Brgersdorfer District bersiedelten Vater bergeben.

Von den Diamantenfeldern scheidend, kann ich nicht umhin, mit dankbarem
Herzen meinen einstigen Patienten fr ihr stets freundliches
Entgegenkommen und ihre mir so vielfach erwiesenen Geflligkeiten zu
danken, sowie meinen besonderen Dank fr die rege Teilnahme, den
aufrichtigen Rath und die mir so oft erwiesenen Freundschaftsdienste den
Herren: J. Wernherr, Alfonse Loewy, Ch. Hartley, R. Murray, Anthony
Davison, Gebrder Peizer, Stransky und Durack, Wessels und Shne, R. M.
Scholz, McKay, Burkner, Rothschild, Vries, den Familien der Herren A.
Kerr, Pinkney, Proksch, Fuchs, Scholtz, Stow, Bult, Ch. Sonnenberg, Ch.
Roberts; den Redactionen des ^Independent^, der ^Diamond News^, des
^Diamondfield Advertisers^, sowie der nicht mehr bestehenden ^Mining
Gazette^ und des ^Diamondfield^ auszusprechen. Desgleichen fhle ich
mich veranlat, Frulein Mathilde Proksch, gegenwrtig Vorsteherin eines
^Young Ladies Institute^ in Leydenburg, fr ihre uneigenntzige
Frsorge bei Durchsicht der in den englischen sdafrikanischen Zeitungen
verffentlichten Artikel auf das Herzlichste zu danken.




                                XVII.
                     Durch die Colonie zur Kste.


Abreise von Bultfontein. -- Strauenzucht auf der Farm Ottersport. --
Strauenzucht im Allgemeinen. -- Meine erste Vorlesung in Colesberg. --
Cradock. -- Ein Unfall bei diesem Orte. -- Der Zulu-Krieg. -- Die
Ursachen der Mierfolge in der Behandlung der sdafrikanischen
Eingeborenen. -- Meine Artikel ber den Zulukrieg. -- Kampfweise der
Zulu. -- Grahamstown. -- Reiche palontologische Funde. -- Ankunft in
Port Elizabeth. -- Eine Lwenjagd. -- Ausflge in die Umgebung. -- Meine
marinen Sammlungen. -- Meine Sammlungen in Gefahr. -- Die letzten Tage
auf afrikanischem Boden. -- Heimfahrt nach Europa, Projecte fr die
Zukunft.

[Illustration: Bella.]

Meine Rckreise von den Diamantenfeldern nach der Meereskste erlitt
eine lngere Unterbrechung in Cradock, auch in Port Elizabeth und in der
Capstadt war ich zu lngerem Aufenthalt veranlat.

Mich nach Sden wendend, berschritt ich den Modder-River, dessen tiefes
Bett uns whrend der Durchfahrt viele Schwierigkeiten entgegensetzte.
Der Modder-River bildet tiefe, uerst fischreiche Lachen. Sein Thal ist
eigentlich eine tiefe, in den Laterit ausgewhlte Regenschlucht. Die
steilen, mit dichtem Gebsch und Bumen bewachsenen Abhnge bieten
zahlreichen Vgeln Schutz und Aufenthalt. Eine der wenigen anziehenden
Scenerien an diesem Flusse ist jene an seiner Vereinigung mit dem
Rietflusse. Stellenweise sind auch seine Uferwnde, wie die des
ebengenannten Zuflusses, schlammig (daher der Name Modder- oder
Schlammflu), Stellen wo so manch' ermdetes Zugthier der von den
Colonialhfen mit langen Gespannen nach den Diamantenfeldern ziehenden
Fuhrleute einsinkend, sein Ende fand.

Ich berhrte auf dieser Reise Jacobsdaal, welches seit meinem ersten
Besuche im Jahre 1872 ansehnlich zugenommen hatte, und wandte mich dann
gegen das Stdtchen Philippolis. Auf dem Wege dahin passirte ich auch
das Riet-River-Hotel. Die frhere Canwa- und Eisenblechconstruction war
nun zu einem massiven Steinhaus umgebaut worden und ich staunte nicht
wenig, als mich der Hotelier mit den Worten begrte: Waren Sie nicht
vor sechs Jahren mit den Herren Michaelis und Rabinowitz in einem Karren
hier eingekehrt?

[Illustration: Jacobsdaal im Jahre 1872.]

Auf der Farm Kalke fand ich einige Oolithgesteine und Fossilien,
letztere nach Sden hin an Hufigkeit stetig zunehmend. Das einfrmige,
trostlose Landschaftsbild bewies mir, da ich mich den Strichen nherte,
welche seit Jahr und Tag unter groer Drre zu leiden hatten. Die Gegend
ringsum konnte im wahren Sinne des Wortes verbrannt, verdorrt genannt
werden, man sah nicht einen grnen Halm; das Braun der Felsen und der
Erde war der berwiegende Farbenton, welchen das Auge gewahrte.[20] Mein
Aufenthalt in Philippolis gestaltete sich durch den Verkehr mit den
Grohndlern Schultze, den Gebrdern Liefmann, dem Postmeister
Frsterlein, Dr. Knobel und Dr. Igel zu einem sehr angenehmen. Sie
unternahmen mit mir mehrere Ausflge, deren naturhistorische und
ethnographische Ausbeute meinen Sammlungen sehr zu Statten kam. Unter
dem Erworbenen fanden sich mehrere lebende Vgel sowie eine
ausgewachsene Springbockgais und von Herrn Schultze erhielt ich eine
schne Quarzdruse zum Geschenk, die ich bei meiner Durchreise im Jahre
1872 in seinem Hotel im Drawing-Room bemerkt, allein damals aus Mangel
an Mitteln nicht erstehen konnte, sowie von Herrn Frsterlein ein
uerst interessantes, ethnographisches Specimen. Es war ein Talisman in
einem kleinen, vier Zentimeter langen, zwei Zentimeter breiten, acht
Millimeter starken, an einem Ende schmleren, schwarzen Holztfelchen
und einem in das breiteste Enddrittel eingesetzten Bergkrystallstckchen
bestehend und dem Geber von einem ihm zum Danke verpflichteten
Basuto-Doctor geschenkt worden. Als es von Herrn Frsterlein zufllig
einigen Basuto's gezeigt wurde, sprachen ihn diese darum an und machten
ihm verschiedene Kaufsofferte. Das bedeutendste davon bestand in zwei
feisten Rindern.

Auf dem Weitermarsche nach Sden war ich einige Tage auf der Farm
Ottersport des Herrn Schultze zu Gast, auf welcher ich die erste
Gelegenheit hatte, zahme Straue zu beobachten. Die letzteren werden
gegenwrtig in Sdafrika, namentlich in der Cap-Colonie und dem
Oranje-Freistaate in solcher Anzahl gezchtet, da man schon im Jahre
1879 ber hunderttausend Thiere zhlte. Der aus dieser Zucht gewonnene
Ertrag ersetzt weitaus den Verlust, der durch die stete Abnahme des
Handels mit Federn der wilden Straue entsteht. Dem Ei entschlpft, hat
das Kchlein einen Werth von 5  St., halb erwachsene Vgel werden mit
zwanzig bis fnfzig, Brtende bis zu 150  St. bezahlt. Die
Strauvogelzucht wird namentlich in jenen Gegenden betrieben, in welchen
die Schaf und Rinderzucht minder eintrglich ist.

[Funote 20: Siehe Anhang 8.]

Das grte Hinderni, mit dem die Strauenzchter zu kmpfen haben, sind
eigenthmlicher Weise Parasiten. Wohl an fnf bis zu fnfundzwanzig
Percent der gezchteten Thiere sterben in Folge von Band- und riesigen
Palisadenwrmern, von denen eine kleine Species der ersteren sich zu
tausenden und tausenden im Krper des Thieres vorfindet, die letzteren,
welche oft bis Meterlnge erreichen, die Musculatur des Vogels
durchfressen, ohne selbst das Herz zu verschonen. Uebrigens nehmen die
Parasiten oft schon von dem Ei des Straues Besitz, bevor die Verhrtung
der Auenhaut desselben stattgefunden hat; ich entnehme dies aus dem
Berichte einer englischen Zeitung aus Sd-Afrika, welcher mir vor
einigen Tagen zukam und erzhlte, da man Straueneier mit Wrmern
gefllt vorfand.[21]

Nachdem ich den Oranje-River an der Furth des Herrn Ro berschritten
hatte, erreichte ich Colesberg. Ich fand in demselben eine so
freundliche Aufnahme, da ich aus Dankbarkeit nicht umhin konnte, einer
Einladung zu einem Vortrage Folge zu leisten; es war der erste, zu dem
ich mich erkhnte. Der Erfolg desselben veranlat mich, auch in anderen
Stdten der Kolonie fr die Erffnung Central-Afrika's nach dem Sden zu
plaidiren. Namentlich verpflichteten mich hier die Herren Prediger
sowohl, als auch die Aerzte der Stadt und die Herren Abrahamson, Knobel,
Leviseur, Mader, Weekley. (Redacteur des Colesberg Advertisers) zu
lebhaftem Danke. Mit Herrn Knobel besuchte ich den Colesberg, der nicht
allein in geognostischer und palontologischer Beziehung interessant ist
sondern auch dem Botaniker durch seine reiche Flora, dem Zoologen durch
das Vorkommen zahlreicher Berghasen, Klipschliefer, etc., Tag und
Nacht-Raubvgel, Hhlenstaare und Tauben, zahlreicher Schlangen und
Eidechsen, Kerbthiere und auch Arachniden reichlich den Aufstieg lohnt.

Von hier wandte ich mich nach Cradock; doch whlte ich der
Unfruchtbarkeit der Gegend halber nicht die krzeste Route, sondern ging
westlich ber Middleburg, da ich hier wenigstens an einer Stelle Futter
fr die Zugthiere zu finden hoffte. Ich wandte mich zunchst nach
Kuilfontein, der Farm des Herrn Murray, wo Herr Knobel versteinerte
Rippen eines Thieres in einer Mauer gefunden hatte. Mit Erlaubni des
Besitzers ri ich die Mauer nieder und fand prachtvolle, in harten
Sandstein eingeschlossene Skelettheile von Sauriern vor und zwar waren
es hauptschlich die Dicynodon-Species, sowie Eidechsen und
krokodilartige Thiere, auerdem fand ich eine fossile Flora in
weilichem Sandstein, welche den, namentlich in der stlichen
Capcolonie-Provinz hufiger auftretenden Dicynodon-Schichten aufliegt.
Ich blieb hier neun Tage lang und wre wohl, mit Rcksicht auf das
gastliche Entgegenkommen von Seite des Besitzers und der reich
entlohnenden palontologischen Funde, noch lnger geblieben, wenn nicht
die Drre der Gegend, die selbst dem Besitzer zu der enormen Auslage des
Futterkaufens fr einen Theil seiner Hausthiere und das Absenden des
anderen in eine grasreiche Gegend des Oranje-Freistaates gezwungen
hatte, mich bewogen htte, den Colesberger District so bald wie thunlich
zu verlassen.

[Funote 21: Siehe Anhang 9.]

Ich machte in Begleitung meines freundlichen Wirthes mehrere Ausflge in
die Umgegend und traf stellenweise Thonschieferlagen mit kleinen
Muscheln und Schneckenschalen, sowie Spuren riesiger Eidechsen --
wahrscheinlich der Dicynodon-Art? An Wild trafen wir blos Springbcke,
Trappen, Knurrhhne, Rebhhner, Wildtauben und Wildenten. Ich erwarb in
Kuilfontein drei Fischreiher, welche, ziemlich zahm, alljhrig in den
Weiden an der Quelle zu nisten pflegen. Meine weitere Reise bis nach
Cradock war der herrschenden Drre halber ein wahrer Leidensweg.

Auf der Newport-Farm fand ich einige hbsche Fossilien, darunter
Abdrcke von eidechsenartigen Thieren. Auch hier wurde ich uerst
freundlich aufgenommen und bedaure nur, da ich der an mich ergangenen
Einladung, eine Jagd auf Berggazellen um die Thiere beobachten zu knnen
und eine reichlich lohnende Angelpartie mitzumachen, nicht Folge leisten
konnte. Die Newport-Farm-Scenerie ist unstreitig eine der anziehendsten
im Middleburger District und ich hoffe hier mit Erfolg auf meiner
nchsten Reise einen photographischen Apparat verwenden zu knnen.

[Illustration: Unfall bei Cradock.]

Auch in Middleburg hielt ich, hiezu aufgefordert, einen Vortrag ber
meine Reisen und fand die liebenswrdigste Aufnahme bei den Bewohnern
des Stdtchens. Ich bin namentlich den Herren Veidling, Heathcoth und
Dr. Moore, welch' letzterer spter auch meine Praxis in Cradock
bernahm, zu Dank verpflichtet. Auch in der nchsten Umgebung von
Middleburg fand ich ein reiches Dicynodon-Lager und bedaure nur, da die
graslose Strecke ringsum mir einen lngeren Aufenthalt nicht erlaubte.
Da ich seitdem aus den mitgebrachten Fossilien erkannt, da dieses Lager
auch Fischspecies aufweist, will ich auf meiner nchsten Forschungsreise
durch die sdafrikanischen Colonien dem Orte meine vollste
Aufmerksamkeit widmen.

In Cradock angekommen, war es meine Absicht, meinen erschpften
Zugthieren, von welchen leider einige in Folge des Futtermangels zu
Grunde gegangen waren, einige Tage Rast zu gnnen, doch sah ich mich
bald genthigt, daselbst einige Monate zu verweilen, um meine bisher
erlittenen Verluste durch den Ertrag der rztlichen Praxis zu decken. In
meiner milichen Lage war mir das herzliche Entgegenkommen der Bewohner
Cradocks ein wahrer Trost und ich fhle mich namentlich den Familien
Grey, Greaves, Green, Gillfillan, Smolmann, Armstrong, Turkington,
Leigh, Cawood, Woodland, Rice, Wolters, Rawstone und Gardener, sowie den
Herren Brown, Rudd, McLoud zu tiefem Danke verpflichtet. Auch den Herren
Mynheeren van Rensburg und Marais, sowie Mr. Forster von der
Gillfillan-Brcke gedenke ich hier in freundlicher Erinnerung.

Zur Zeit meines Aufenthaltes in Cradock war der Fish-River mehrmals
bser Laune. Ich war anfangs noch nicht dessen sicher, ob ich mich auf
einige Monate in der Stadt niederlassen und praktiziren sollte und
wohnte in meiner Arche etwa eine halbe Meile oberhalb der Stadt am
jenseitigen (rechten) Fluufer. Da ich jedoch schon ber zwanzig
Patienten zu behandeln hatte, so ritt ich tglich mehrmals mit meinem
Mosco nach der Stadt. Ich hatte auf meinem Wege zur Brcke zwei meist
trockene Rinnsale zu passiren. Diese zwei etwa vier Meter tiefen, vom
Wasser ausgesplten Mulden bildeten, wie man mir mittheilte, nur sehr
selten und dann hchstens nur auf einige Stunden, meist nach sehr
heftigen Platzregen im westlichen Gebirge (Cradock liegt in einem wahren
Bergnetze) flieende Gewsser. Etwa 1 Monate nach meiner Ankunft im
Weichbilde der Stadt fiel durch mehrere Tage (nach mehr denn
vierzehnmonatlicher schrecklicher Drre in der Cap-Colonie) unausgesetzt
Regen, in Folge dessen der Hauptflu anschwoll und auch jene Rinnsale
sich mit gelblicher, andere mit rthlicher, breiartiger flssiger Masse
fllten. Ich war schon frh zur Stadt gerufen worden, konnte jedoch des
zahlreichen Krankenbesuches am Wagen halber, erst Nachmittags dahineilen
und als ich zu dem zweiten, sonst immer trockenen Zuflusse des zu meiner
Rechten etwa dreiig Schritte ab brausenden und schumenden Fish-Rivers
kam, fand ich etwa dreiig Menschen am diesseitigen Ufer, die sich nicht
hinberwagten -- es waren meist Wscherinnen, welche Frh die Stadt
verlassen hatten, um ihrer Beschftigung an den etwa 1 englische Meilen
fluaufwrts liegenden schwefelhaltigen warmen Quellen nachzugehen, nun
aber nicht heimkehren konnten. Htte ich meinen Krankenbesuch in der
Stadt nicht fr sehr dringend gehalten, wre ich wieder zum Wagen
zurckgeritten, da ich jedoch nach dem frh mir vom Krankenbette
zugekommenen Bulletin eine Verschlimmerung befrchtete, entschlo ich
mich, den zischenden Strudel vor mir zu durchreiten. Der rthliche dicke
Schwall war etwa acht bis neun Meter breit und schien mir an der
gnstigsten Stelle 1 Meter tief, leider hatte das Wasser unmittelbar
unter dieser Stelle ein Loch ausgehhlt und bildete hier einen etwa drei
Meter hohen Katarakt, ber welchen es laut schumend sich mit den
tosenden Wellen des Fish-Rivers vereinigte. Ich kannte mein Pferd und
vertraute ihm meine Sicherheit an, selbst bestrebt, ihm seine
anscheinend schwere Arbeit zu erleichtern.

Bei den zwei ersten Schritten fhlte ich den Krper des Thieres
erzittern, ich munterte es auf, rasch bewegte es sich vorwrts; um es
von dem Loche zur Linken abzuhalten, hielt ich mehr nach der
entgegengesetzten Richtung, wo leider die Strmung zu stark war und das
Thier zum Falle brachte; doch waren noch unsere Kpfe ber Wasser. Bevor
wir uns noch dem Katarakte genhert, hatte Mosco sich von selbst
emporgerafft und suchte mit einem Satze das jenseitige Ufer zu gewinnen
-- seine Absicht milang, er fiel auf die Vorderknie -- doch zum zweiten
Male raffte er sich auf, sein Krper zitterte so sehr, da ich nicht
mehr mit ihm das Ufer lebend zu erreichen dachte, jeden Moment whnte
ich ihn mit mir in die schumende Tiefe zur Linken fortgesplt -- da,
ohne angespornt zu werden, noch ein Versuch -- ein zweiter Satz und die
Vorderhufe hatten sich in den Lehmboden des jenseitigen Ufers
eingegraben, nur einige Secunden verharrte Mosko in dieser Stellung, ein
anderer Satz brachte ihn vollends auf's Trockene. Wir waren gerettet!

Whrend meines Aufenthaltes in Cradock war ich so sehr durch meine
Praxis in Anspruch genommen, da ich meine seit dem Verlassen der
Diamantenfelder aufgenommenen palontologischen Forschungen aufgeben
mute. Ich hatte stets sechzig, zuweilen bis achtzig Personen auf der
Krankenliste und konnte nur selten aufs Land fahren, da mich meine
Stadt-Kranken zu sehr beschftigten; Herr Kidger sen., der Inhaber eines
Geschftes, war so gtig, mich mit einigen Dicynodon-Resten zu
beschenken.

In die Zeit meines Aufenthaltes in Cradock fllt auch die wichtigste
Episode, die sich in Sd-Afrika whrend der letzten fnfundzwanzig Jahre
abgespielt hatte -- der Zulu-Krieg. Fr den Culturfortschritt in
Sd-Afrika war der Zulu-Krieg eine Notwendigkeit, doch darf man sich
nicht der Ansicht hinneigen, da ihn Sir Bartle Frere eigenmchtig
hervorrief, und die englische Regierung in Sdafrika ohne die
trifrigsten Grnde zu den Waffen griff. Das Vorgehen Sir Bartle Frere's
war einer der weisesten Schritte, die er, sowie berhaupt ein
Staatsmann, auf dem afrikanischen Kontinente thun konnte. Er sah die
Gefahr, die den Kolonien von dem Zulu-Lande drohte, er wute von
Ketschwajo's Vorbereitungen und kannte die allgemeine Kampflust, mit
welcher die Zulu-Krieger Ketschwajo's nach einem Zusammenstoe mit den
Weien lechzten. Bald waren es die Colonisten in Natal, bald die
Grenzbewohner der sdstlichen Districte der Transvaal-Colonie, die ber
die Anmaungen der Zulu's zu klagen hatten. In den letztverflossenen
Decennien hatten in beiden Lndern zahllose Flchtlinge aus dem
Zulu-Lande Schutz vor den malosen Grausamkeiten ihres Knigs und der
Induna's gesucht und gefunden.

Htte die englische Regierung in Afrika nicht zuerst zu den Waffen
gegriffen, so wren die Zulu's wie eine blutgierige Meute Hunde ber
Natal hereingebrochen, und in einer Woche htten durch diesen Ueberfall
zwanzig- bis dreiigtausend Menschen ihr Leben eingebt. Ketschwajo
hatte es lngst darauf abgesehen. Der dem Zulu-Herrscher eigene Stolz,
das sichere Vertrauen, das er auf die Unerschrockenheit und Tapferkeit,
sowie die anderen Eingebornenstmmen gegenber verhltnimig groe
Anzahl seiner Krieger setzte, machten ihn siegesbewut, lullten den
Tyrannen, dessen Vorbereitungsmanver oft Hunderte von Menschenleben
kosteten, in den groen Traum ein, Herr von Natal zu werden. Dieser
Schlag htte aber einen furchtbareren noch im Gefolge gehabt: die
Erhebung der meisten sdafrikanischen Stmme gegen _alle Weien_.

Wenn es in Sd-Afrika einige, in England jedoch zahlreiche Menschen
gibt, welche den Zulu-Krieg ^pro ipso^ als eine der grten
Ungerechtigkeiten ansehen, deren sich die englische Regierung in
Sd-Afrika schuldig gemacht, so beruht diese irrige Ansicht auf einem
vollkommenen Miverstndni des Eingebornen-Charakters im Allgemeinen
und des Zulu-Charakters im Besonderen. Die Vertreter der ebenerwhnten
Ansicht sind meist Menschen, welche mit den Eingebornen nie in Berhrung
kamen oder nie Gelegenheit hatten, die ungeheuchelte, nackte
Handlungsweise der Zulu's kennen zu lernen, die schlielich von einem
Vorurtheil befangen, stets und in Vorhinein in jedem Schwarzen einen
armen, bedrckten, gequlten und von den Weien zurckgesetzten Menschen
sehen.

Als ich nach meiner Rckkehr von Afrika in England hochstehenden
Personen gegenber, welche in verschiedenen Welttheilen durch Jahrzehnte
beschftigt waren, den sdafrikanischen Eingebornen eine erfreuliche
Zukunft in Aussicht stellte, staunte man berall. Man war von der
allgemeinen, bisher geltenden Idee des Aussterbens der schwarzen Race
und ihres Verdrngtwerdens von Seite der Weien durchdrungen und glaubte
in dem Zulu-Kriege nur eine Besttigung dieser Ansicht zu finden. Wenn
die Behandlung der Schwarzen von Seite der Weien in vielen Weltgegenden
bisher zumeist Mierfolge aufwies, so beruhten dieselben erstlich auf
einer irrigen Auffassung der Natur und Stellung des Eingebornen. Er
wurde entweder als ein untergeordnetes, kaum menschliches Wesen
angesehen und dann bel behandelt, oder er, das ungebildete Kind, wurde
belehrt, da er seinem Lehrmeister und weien Herrn vollkommen gleich
stehe. Da der Schwarze diese Identitt nicht begreifen konnte, und er,
der ungebildete Unmndige, sich nun pltzlich als Gebildeter betragen,
das Kind den Erwachsenen spielen sollte, kam ein offener Widerspruch zu
Tage, dessen unmittelbare Folge ein schwerer Migriff des Weien war; in
Folge dieser irrigen Auffassung gab man dem Kinde ferner seine eigene
vorzgliche Waffe in die Hand, welches nun nichts Eiligeres zu thun
hatte, als die vermeintliche Ebenbrtigkeit dem weien Manne gegenber
geltend zu machen und gegen ihn die Waffe zu gebrauchen. Ein weiterer,
sich nur allzubald rchender Fehler war drittens die Einfuhr und der
Verkauf alkoholhltiger Getrnke, viertens die Einschleppung von
ansteckenden Krankheiten, und endlich fnftens, da sich die zu dem
Verkehr mit den Eingebornen von dieser oder jener Regierung bestimmten
Personen (Commissre etc.) als untauglich und ihres Amtes unwrdig
zeigten, und zwar dadurch, da sie namentlich vor Allem ihre
persnlichen und die Vortheile ihrer Nchsten und weniger das Wohl der
Eingebornen im Auge hatten.

Was die beiden ersteren Punkte mit Rcksicht auf Sd-Afrika betrifft, so
glaube ich schon im vorigen Capitel darauf hingewiesen zu haben, da man
gegenwrtig glcklicher Weise in das richtige Fahrwasser ^how to deal
with the natives^ eingelenkt habe. Der letzterwhnte Punkt kann in
Sd-Afrika gar nicht zur Sprache kommen. Die Berichte der Commissre ^of
the native-affairs^ knnen nur zu leicht einer Prfung unterzogen
werden. Fr den geringsten Mibrauch ihrer Amtsgewalt wrde eine
sofortige strenge Bestrafung auf dem Fue folgen. Bezglich des dritten
Punktes sehen wir das Unglaubliche in Sd-Afrika mglich geworden, da
Eingebornenfrsten dem Verkaufe des Feuerwassers steuern und da auch
einige der Colonial-Regierungen die Ausfuhr desselben nach den
unabhngigen Eingebornenreichen verboten oder eingeschrnkt haben.

Eine glckliche Lsung der Zulu-Frage, welche bei diesem kriegerischen
Volke nur mit Waffengewalt zu Stande kommen konnte, war fr Sd-Afrika
von derselben Bedeutung, als eine solche der orientalischen Frage fr
manche Staaten Europa's. Ein mehrjhriger Aufenthalt unter verschiedenen
Stmmen und mein Wirkungskreis als Arzt, bot mir hinreichende
Gelegenheit, so manche Ansicht derselben kennen zu lernen und ber die
wirklichen Verhltnisse der einzelnen Stmme unter einander, ihre
Beziehungen zu den Englndern und Hollndern Erfahrungen zu sammeln,
welche mich wenigstens theilweise zu der Verffentlichung der dem Leser
schon bekannten Broschre, sowie einer Reihe von Artikeln veranlaten

Auf der Heimreise durch die Kolonie begriffen, ersah ich (der Leser mge
dies Gestndni entschuldigen) da mir meine Zulubriefe, meine Reisen
wie auch meine Ausstellung in Kimberley zahlreiche Freunde erwarben. Der
erste dieser Artikel, welchen ich vor dem Ausbruche des Krieges schrieb
und in welchem ich unter Anderem die Kampfweise der Zulu's und die
Gefahr, welche fr Afrika von Seite dieser Barbaren bevorstand,
schilderte, versptete sich in Folge lebensgefhrlicher Erkrankung des
Redacteurs des ^Eastern Star^ und erschien, von mir telegraphisch
urgirt, zufllig am selben Tage, an welchem die Nachricht von der
Niederlage der englischen Truppen bei Isandula die Cap-Colonie
erreichte; derselbe war vor dem Ausbruche des Krieges am 16. Jnner
abgesendet worden. Ich erlaube mir im Folgenden einige Citate aus
demselben anzufhren:

Gibt es gegenwrtig etwas Wichtigeres, Gefahrdrohenderes auf dem
politischen Horizont Sd-Afrika's als jene dunkle Wolke im Osten, als
die Zulu-Frage? Schwarz, dicht geballt, blitzgeschwngert ist diese
Gewitterwolke, die ungebundene Masse eines der rohesten
Eingebornen-Elemente, welche unseren Blick in die Zukunft trbt und seit
Jahren den Frieden und die Wohlfahrt Sd-Afrika's bedroht.

Dort -- nrdlich vom Tugelaflusse hngt das Damokles-Schwert ber Deinem
Haupte, Sd-Afrika. Und dieses Schwert und jene Wolke? Ein blutdrstiger
Tyrann, dessen Macht auf Tausenden und abermals Tausenden entmenschter,
ihm wie eine Rotte wilder Wlfe in sklavischer Unterwrfigkeit
blindlings folgender Creaturen beruht. Doch wie ist es denn mglich, da
solch' ein Wtherich so viele Jahre und in einer solchen Weise die
Civilisation hier um uns beeintrchtigen konnte, da der Weie jeden
Moment die drohende Meute ber sich hereinzubrechen befrchten mute?
Hast du denn geschlummert, britischer Lwe, da du dir fr die
beispiellose Sanftmuth, die du so oft den Zulu's gegenber bewiesen, so
lange solch' eine schmhliche Stellung dem Zulutyrannen gegenber
gefallen lassen mutest? Ja, dort nrdlich von der Tugela, in dem
schrecklichsten durch einen Eingebornenfrsten geschaffenen Gefngnisse
harrt der gordische Knoten Sd-Afrika's seiner Lsung.

Bei der Betrachtung dieser von Osten her verderbendrohenden Wolke haben
wir jedoch nicht allein das Furchtbare des ihr entstrmenden Ungewitters
zu frchten, sondern noch einen zweiten Umstand. Es ist das Verhltni
zu den brigen Wolken und Wlkchen, die auf dem Horizonte ber uns
schweben. Obgleich Feinde des Zulustammes -- ja ihn hassend -- verbindet
doch den letzteren mit den meisten der sdafrikanischen
Eingebornenstmme _ein Gedanke_, der von der Natur eingeimpfte, aus
einem allseitigen Neid hervorgegangene, trotz der wohlwollenden
Behandlung unter dem Gouverneur Sir Henry Barkly durch ein Gefhl einer
irrthmlichen Zurcksetzung gestrkte Ha der dunklen Racen den Weien
gegenber.

Von der grten Wichtigkeit ist es nun fr uns, zu wissen, ob sich jene
kleinen Wolken, die meisten bedeutenden Stmme, beim Losbrechen jenes
Unwetters mit den Zulu's vereinigen werden oder nicht. Farbige, die sich
seit Jahren und Jahren zwischen den Weien bewegten, die als Diener,
Aufseher etc. seit Decennien in des weien Mannes Diensten standen,
Menschen, deren Drfer um unsere Ansiedelungen liegen, und friedliche
Nachbarn geworden waren, Farbige, die, ob Bastard-Buschmnner,
Hottentotten oder Banthu's, den Zulu als einen Erbfeind haten, welche
von demselben wiederholt bekriegt, von ihm Schreckliches erleiden muten
-- lchelten zufrieden in sich hinein, so oft sie von dem arroganten
Auftreten Ketschwajo's hrten, freuten sich im Stillen, da doch _ein
schwarzer_ Bruder (in Wirklichkeit ihr grter Feind) dem Weien Trotz
und Hohn bot und zu bieten im Stande war. Ja, die Zulumacht, die Macht
des blutdrstigen Ketschwajo, ist eine hohe Mauer, ist ein Felsen, ber
den das Bleichgesicht nicht klimmen, den es nicht bezwingen kann. Einen
weiteren Beweis der Zulumacht glaubten sie auch darin zu erblicken, da
die meisten der Wchter des Weien -- die schwarzen Policemen --
Zulumnner aus Natal, Flchtlinge aus Ketschwajo's Gebiete waren. In
keinem Eingebornenlande Sd-Afrika's ist eine solche Rohheit und
Unmenschlichkeit, ist eine solche Barbarei zu beobachten, solch
thierische Wuth manifestirt, wie in Ketschwajo's Land. Ja, wir sehen,
da selbst der regierende Stamm, die Zulu's selbst, auf die furchtbarste
Weise von ihrem Tyrannen mihandelt werden, ebenso barbarisch wie die
Eingebornen es sind, sich ebenso sklavisch den Befehlen des Tyrannen
unterwerfen und ihre Mitmenschen abschlachten, um vielleicht bald darauf
selbst abgewrgt zu werden. Muth und Unerschrockenheit sind die einzigen
Tugenden, die wir den Zulu's zuerkennen mssen, doch da dieser
Charakterzug nur zur Strkung der Macht eines Tyrannen und des Plnderns
halber zur Geltung kommt, bt er das Lobenswerte ein und wird zur
entfesselten thierischen Wuth, mit der sich der Tiger auf sein Opfer
wirft. Bald in dieser, bald in jener Weise haben sich unsere Brder in
Natal Drohungen und Erniedrigungen von Seite des Zulu-Frsten gefallen
lassen. Jede der ihnen angethanen Schmhungen war eine Schmhung fr uns
Alle, und es sind nun Tausende und Tausende, die gegenwrtig von der
sdlichen Meereskste bis zu dem nrdlichen Bogen des Limpopo, von der
Mndung des Oranje-Rivers bis zur Tugela-Mndung welche, -- die Einen
ein Ende dieser Anmaungen mit geballter Faust fordern, die Anderen aus
der Tiefe ihres Herzens darum flehen.

[Illustration: Kampfweise der Zulu.]

Jene von uns, die da glauben, da die vom Zululande drohende Gefahr in
der Cap-Colonie, Griqualand-West u. s. w. weniger zu frchten sei,
huldigen einer irrigen Auffassung. Das Zulu-Land ist ein Vulcan, von dem
ganz Sd-Afrika Verderben droht. Die Unzufriedenheit unter den
Eingebornenstmmen wird vom Zulu-Lande aus stets angefacht und genhrt,
nur wir, die wir seit Jahren unter diesen Stmmen wohnen und uns die
Mhe nehmen, uns in den Charakter dieser Eingebornen einen Einblick zu
verschaffen, fhlen es, da wir auf einem Vulcan stehen, dessen Ausbruch
nrdlich von der Tugela zu suchen ist und dessen Lava-Ergu das gesammte
Sd-Afrika zu berschwemmen droht. Die niedrigsten den sdafrikanischen
Eingebornen eigenen Laster finden im Zulu-Lande ihre Pflege. Haben die
Colonisten noch nicht das Zischen vernommen, mit dem die Lava aus dem
Zulu-Krater entstrmt? Fr jene, die es nicht vernommen, mag es in
Folgendem wieder klingen.

Ich hoffe, es gibt keinen unter uns, der dies nicht glaubt, aber wenn
einige dieser unglcklichen Mitbrder noch existiren sollten, lat sie
hingehen und sie, wenn auch nur kurze Zeit, am Ufer des Tugela wohnen.
Fragt sie bei ihrer Rckkehr! Ihr wrdet in den frheren Freunden Hasser
der Zulu wiederfinden.

Wem tnt nicht der bliche Spruch der Zulu's in den Ohren.
Blagesichter, Ihr whnt Euch Indunas (Huptlinge)? Glaubt Ihr dafr
geschaffen zu sein, zu befehlen, da wir Eure Gesetze befolgen, die wir
hassen, Gebote, die Ihr gut und schn nennt? Ihr wollt uns arbeiten
lehren? Wir haben diese Schmach (arbeiten zu mssen) nie ber uns
ergehen lassen, auer wenn uns des Knigs Gebot hie menschliche Schdel
zu brechen. Ha und Tod fr Euch. Wir verachten Alles, was Ihr fr uns
gethan, uns geschenkt habt. Schwachheit war es, nichts als elende
Schwachheit, Gromuth nennt Ihr es -- thut es nach Belieben, wir nicht!
Jene, welche sich zu Vertheidigern der Zulu's aufwerfen, mgen sich
diesen Gedanken, der alle Ketschwajo-Zulu's beseelt und von ihnen
ausging, einprgen.

Ist die Zulu-Frage mit den Waffen glcklich gelst, dann steht uns eine
frohe Zukunft bevor! Colonisten, ich bin kein Freund von Kriegen, nicht
vielleicht, weil es mir an persnlichem Muthe gebricht, sondern der
armen Opfer willen, die ein Krieg erheischt. Wenn sich mir nicht diese
aus Thatsachen durch mehrere Jahre geschpfte Ueberzeugung aufgedrungen
htte, ich wrde nie diesen Krieg als eine Nothwendigkeit angesehen
haben.

Auer Ketschwajo's Zulu-Reiche finden wir noch ein zweites, ein
nrdliches, das Matabele-Reich des La Bengula. Nur von vierzig wahren
Zulu-Kriegern und einigen ihrer Sklaven gegrndet, hat es sich seit 1837
zu einem groen Reiche emporgearbeitet, und seine ruberischen Horden
haben sich noch nicht mde gemordet, denn das Matabele-Reich ist im
steten Wachsen begriffen.

Wre das sdliche Zulu-Land seit Jahren und Decennien nicht von allen
Seiten eng und straff umspannt worden, ein Gleiches htte sich, und nur
noch in hherem Grade wie bei den Matabele, zugetragen; es htte sich
durch Raub und Mord nach drei Seiten ausgedehnt. Whrend das zweite
Zulu-Reich im friedlichen von arbeitsamen und friedliebenden Stmmen
bewohnten Makalaka-Reiche gegrndet wurde und sich so leicht im Sinne
eines Raubstaates ausdehnen konnte, wird Ketschwajo's sdliches
Zulu-Reich im Sden von Natal, im Westen vom Oranje-Freistaat und der
Transvaal-Republik, im Norden von den kriegerischen Amaswazies, sowie im
Osten vom Meere umsumt und dadurch noch eine zeitlang in Schach
gehalten. Mit dem Anwachsen der Bevlkerung jedoch regte und bumte sich
das Zulu-Element so zusehends, da es immer arroganter und drohender
erschien und schon seit Jahren an einen Kampf mit der weien Race
dachte. Die blutigen Manver Ketschwajo's beweisen hinlnglich, was das
Zulu-Volk und sein Herrscher vorhatten. Die Wirthschaft der Zulu sehen
wir nur zu deutlich an den Matabele, deren Geschichte klar vor unseren
Blicken daliegt.[22]

Diesem Artikel folgten andere, in welchen ich ber die Kampfweise der
Zulu's berichtete und deren Inhalt auch spter durch die Nachrichten vom
Schlachtfelde besttigt wurde. In unbegrenztem Stolze und
Selbstbewutsein hlt sich der Zulu nicht nur fr den tapfersten
Eingebornen Sd-Afrika's, sondern auch dem Weien, seinen Waffen und
seiner Kriegsfhrung berlegen. Seine Kampfbegierde kommt seiner
Tapferkeit gleich und erklrt die rasche und mchtige Ausbreitung der
Zulu-Herrschaft. Ich mchte sie beinahe als das kriegerischeste und
kampfmuthigste unter den uncivilisirten Vlkern bezeichnen. Wir
beobachten an ihnen nicht allein Muth und Tapferkeit, sondern auch einen
hervorragenden Sinn fr Strategie. Bei ihrem Angriffe ntzen sie alle
Vortheile des Terrains aus, hohe Grasfelder, Regenmulden, dichtes
Gestrppe etc., dichte Nebel, sowie die nchtliche Zeit, um dem Feinde
so nahe als mglich zu kommen. Doch thun sie dies nicht, wie die
Colonial-Kafferstmme, um sich zu decken, sondern einzig und allein, um
den Feind zu berraschen. Ist dies jedoch nicht mglich, so gehen sie
ber eine unbebuschte Grasebene auf den Feind los, ohne Rcksicht
darauf, ob sie sich dabei Stunden lang einem continuirlichen Gewehrfeuer
aussetzen mssen. Dadurch unterscheiden sie sich in ihrer Kampfweise im
Allgemeinen von den Colonial-Kaffern, Hottentotten und ihren Bastarden.
Die ersteren greifen in der Regel im offenen Kampfe an, doch ziehen sie
sich nach der ersten Niederlage sofort auf ihre bebuschten Hhen und den
Niederwald zurck und setzen von hier aus den Guerillakrieg fort. Die
Hottentotten etc. scheuen den offenen Kampf und ihnen ist im Allgemeinen
nur die letztere Kampfweise eigen. Die Zulu's hingegen zeigen eine
Todesverachtung, wie sie sonst bei keinen afrikanischen Farbigen
vorkommt.

Kopf, Brust und Fe mit thierischen Haaren, Hautstcken, Schwnzen oder
Federn phantastisch geschmckt, eilen die Zulu's unter gellendem
Jauchzen oder dem Absingen eines ihrer kriegerischen Lieder, ungeachtet
des Kugelregens und der ihnen entgegenblitzenden Bajonette gegen den
Feind vor. Whrend ihres Sturmlaufes trachten sie sich mit ihrem Schilde
zu decken, und indem die Linke, die den Schild hlt, zugleich einen
Wurf- und zwei kurze Assagaie festhlt, schwingt die Rechte einen
Wurfassagai, mit dem der Mann in der Regel auf eine Entfernung von
sechzig Schritten zu treffen wei. Auf dreiig Schritte dem Feinde
genhert, schleudert er den zweiten und ergreift, ununterbrochen
heranstrmend, seine kurzen Assagaie, um sie im Handgemenge als Waffen
zu bentzen. Dabei geschieht es oft, da die Zulu-Krieger, um freier
auslegen und arbeiten zu knnen, den Schaft des kurzen Assagai's
abbrechen, um mit dem Eisentheile wie mit einem Dolche weiter zu
kmpfen.

[Funote 22: Vergl. den Auszug aus dem englischen Originaltexte im
Anhange 10.]

Mit Vorliebe schieben sie die beiden Flgel ihrer Angriffscolonnen
armartig vor, welche sie die Hrner ihrer Armee nennen. Whrend nun das
Centrum den Feind direct angreift, suchen die beiden Flgel im weiten
Bogen die feindliche Armee zu umgehen und zuerst ihren Nachtrab, dann
ihre Flanken anzugreifen. Da dem Centrum die schwierigste Aufgabe
obliegt, so ist dieses nicht allein aus den Kerntruppen gebildet,
sondern es hat auch eine Reserve von gleicher Strke hinter sich. Siegt
das Centrum, so wird die Ausntzung des errungenen Erfolges dem
Reservecorps berlassen, dessen Aufgabe es ist, die Gefangenen
auszurauben und die Verwundeten niederzumetzeln. Sind es Weie, mit
denen die Zulu's kmpfen, so werden diese in der Regel entkleidet, und
nicht selten geschieht es, da dem Feinde der Unterleib aufgeschlitzt,
oder die Leichen verstmmelt werden.

Der mir zugemessene Raum gestattet es nicht, hier die Einzelheiten des
Zulu-Krieges vorzufhren. Dem Leser sind wohl die englischen Mierfolge
wie die Siege bekannt, und die ersteren unstreitig den Umstnden
zuzuschreiben, da man erstens die Zulu-Kampfweise irrthmlich mit jener
der Colonial-Kaffern fr identisch hielt, ferner da man die Zulu-Macht
unterschtzend, mit zu geringen Streitkrften in den Krieg zog (nicht
Sir Bartle Frere's Schuld, der um mehrere Regimenter Verstrkung
ansuchte), und da man endlich sowohl bei dem Auskundschaften einer
Gegend, wie bei dem Weitermarsche nicht die gehrige Vorsicht
gebrauchte. Der Mierfolg der englischen Waffen im Anfange des Krieges
wurde durch die folgenden glnzenden Siege rhmlichst wettgemacht und
der Feldherr wie die Befehlshaber der einzelnen selbststndig
operirenden Colonnen, die Officiere wie die Mannschaft, haben die
erlittenen Scharten nicht allein ausgewetzt, sondern auch im Kampfe mit
dem kriegerischsten der Eingebornenvlker Afrikas und auf einem hchst
ungnstigen, felsigen und hochbegrasten Terrain neuen Ruhm erfochten.
Der Sieg bei Ulundi und nicht Wolseley's Thaten hatten den Krieg zum
Abschlusse gebracht. Und ich halte es fr vorzeitig, da die britische
Regierung in London vor der Beendigung des Krieges Sir Bartle Frere den
Machtspruch in dieser Angelegenheit entzog und Lord Chelmsford abberief.
Denn ich denke, da in Folge dessen die Friedensvertrge mit den Zulu's
nicht in entsprechender Weise abgeschlossen worden sind, um einen
dauernden Frieden mit dem Eingebornen-Element in Sd-Afrika zu erzielen.

Die Richtigkeit dieser Behauptung knnen wir aus den allerletzten uns in
diesem Monate (October 1880), aus Sd-Afrika zugekommenen
Nachrichten ber die Erhebung eines Theiles der Basuto's gegen die
Cap-Colonial-Regierung bezglich des ^Disarmament^ (Waffenauslieferung)
beobachten. Wre der Friede mit den Zulu's im Sinne der in den
sdafrikanischen Kolonien bei weitem vorwiegenden Meinung abgeschlossen
worden, htten sich gegenwrtig die Basuto's aus dem oberwhnten Grunde
nicht aufgelehnt. Allein die wohlwollende Meinung von Seite der
englischen Colonial-Regierung in London, die sich in den
Vertragsschlssen mit den Zulu-Huptlingen nach der Beendigung des
Krieges kundgab, wurde von den brigen Eingebornenstmmen Sd-Afrika's
(den freilebenden, wie den unter der Oberhoheit der Weien stehenden)
nicht als eine wohlwollende Handlung, sondern als der Ausdruck von
Schwche angesehen.

Die Absicht, mit der das Ministerium Sprigg die Waffen-Auslieferung
begrndet, und bei einigen Stmmen schon erfolgreich durchgefhrt hat,
beruht hauptschlich: erstlich auf der Idee eines dauernden
sdafrikanischen Friedens, zweitens einer friedlichen Lsung der
Eingebornenfrage, und zwar sollen dadurch, da man den Eingebornen die
Feuerwaffen abkauft und ihnen keine weiteren verkauft, kriegerische
Stmme, sowie jene, welche trotz ihrer sonst friedlichen Gesinnungen
sich nach und nach durch den Erwerb der Feuerwaffen zu kriegerischen
heranbilden, zu friedlichen Ackerbauern und Viehzchtern erzogen werden.
Es sollte eine langsame doch wohlerwogene stufenfrmige Erziehung ganzer
Stmme durchgefhrt werden; hat man diese erreicht, so knnte die
Regierung spter gewi einzelnen Jagdfreunden unter den Eingebornen ohne
Gefahr Gewehr-Licenzen (Jagdkarten) ertheilen.

[Illustration: Masarwadorf.]

Auf meiner Heimfahrt nach Europa traf ich zufllig mit General Lord
Chelmsford und seinem Stabe zusammen. Bei dem ersten Zusammentreffen
dankte mir derselbe fr die Aufrichtigkeit, mit der ich meiner
Ueberzeugung im Verlaufe des Krieges Ausdruck gegeben hatte. In der
Begleitung Lord Chelmfords fand sich auch der ihm zugetheilte General
der Cavallerie Sir Elevyn Wood, der in der englischen Armee durch seine
persnliche Tapferkeit sich einen rhmlichen Namen erworben hat. Er
wunderte sich nicht wenig, als ich ihm Telegramme vorwies (unter anderen
jenes, in welchen mir sein Sieg ber die Zulu's bei Kambula berichtet
wurde) aus denen er entnehmen konnte, da ich whrend des Krieges in
direkter telegraphischer Verbindung mit Natal stand.

[Illustration: Fingodorf bei Port Elizabeth.]

Ich mu gestehen, da sich seit jener Zeit das Band, welches mich an
Sd-Afrika so innig fesselte, nicht gelockert hat, selbst nicht nach der
erfolgten Ankunft in Europa; trotz der Verleumdungen der
Elfenbeinhndler Westbeech und Andersen in einem afrikanischen Blatte,
die mich ebenso wie dieses Blatt selbst whrend meines Aufenthaltes in
Afrika nicht genug zu rhmen wuten. Hingegen freute es mich lebhaft,
meine Thtigkeit von den bedeutendsten Blttern Sd-Afrika's gerecht und
unparteiisch beurtheilt zu sehen. Ich werde immer das innigste Interesse
an dem Fortschritte der sdafrikanischen Colonie nehmen und stets des
mir von Seite der englischen wie hollndischen Colonisten bewiesenen
Entgegenkommens eingedenk sein.

Als ich mir die nthigen Mittel zur Weiterreise erworben hatte, verlie
ich noch vor der Beendigung des Zulu-Krieges Cradock, um mich ber
Grahamstown nach Port Elizabeth zu begeben. In der ersteren Stadt
angekommen, miethete ich mir eine Wohnung in Bathurstreet, in deren Hofe
ich mein Pferd sowie die meisten der lebenden Thiere frei herumlaufen
lassen konnte. Mein Aufenthalt in Grahamstown wurde mir namentlich durch
die Herren Redakteure des ^Easter Star^, Mr. Sheffield, Mr. Slater ^B.
A.^ und Mail Mr. Crocott, sowie dem Herrn Very Rev. Dean Williams,
^Med. Dr.^ Williamson und ^Dr.^ E. Atherstone zu einem sehr angenehmen
gemacht. Zu groem Danke bin ich aber auch dem Herrn Bischof Ricards,
Hon. Cawood, der Familie Francis, die ich in Schoschong im
Bamangwato-Lande getroffen, den Familien der Rev. Walton, Wood und
Barton, Herrn Tidmarsh, dem Herrn Glanville, Curator des Museums, und
Anderen verpflichtet. Hier erhielt ich auch manche interessante
naturhistorische Objecte, darunter einen lebenden Luchs von dem Very
Rev. Herrn Dean Williams und einige Trylobiten von Herrn Glanville zum
Geschenke. Auch sammelte ich Mineralien, eine Anzahl exotischer
Gewchse, wobei mir Herr Tidmarsh aus dem botanischen Garten uerst
zuvorkommend an die Hand ging. Auerdem gelang es mir auch, zahlreiche
lebende Vgel zu erwerben, von denen ich jedoch drei Viertheile am Tage
meiner Reise nach Port Elizabeth einbte. Wir hatten so eisigen Regen,
da die meisten Thiere trotz guter Verwahrung dem Unwetter erlagen,
bevor wir die nur wenige Stunden entfernte Eisenbahnstation erreicht
hatten.[23]

[Illustration: Mainstreet in Port Elizabeth.]

Am Abend desselben Tages langte ich in Port Elizabeth an. Mit Freuden
begrte ich nach so vielen Jahren wieder das Meer und nahm mir vor, ihm
whrend meines Aufenthaltes die grte Aufmerksamkeit zu widmen. Fast
tglich whrend meines sechswchentlichen Aufenthaltes ritt ich zeitig
frh nach dem Cap Recif oder weiter hinaus, zuweilen auch nach der
Mndung des Zwartkops-Rivers, um an seinem Gestade zu sammeln. Ich hielt
in Port Elizabeth einige Vorlesungen. Fr eine derselben wurden mir von
der ^Chamber of Commerce^ 60  St. verehrt. Ich fand hier allseitig eine
freundliche Aufnahme, besonders von Seite der Redactionen des ^Eastern
Telegraph^, und des ^Eastern Herald^. In meinem Sammeleifer standen
mir namentlich die Herren Vermold, Holland und Halok sowie der frhere
sterreichische Consul Allenberg bei. Herr Holland, dessen Frau Gemahlin
eine Knstlerin ist und mit Vorliebe das Studium der Botanik der
sdafrikanischen Flora betreibt, machte mich auf die Haufen von
thierischen Knochen und Conchilienschalen aufmerksam, welche an gewissen
Stellen am Meeresufer frmlich hgelweise von den frheren Bewohnern
dieses Gebietes bei ihrem Mahle angehuft worden waren. Da ich von
diesen Funden erst bei meinem Scheiden aus Sd-Afrika Kenntni erhielt,
konnte ich nicht entscheiden, ob sie etwa von den Buschmnnern
herrhren. Ist dies nicht der Fall, so mssen diese Mahlreste von einem
in Sd-Afrika ausgestorbenen Stamme aufgehuft worden sein. Ich fand in
Port Elizabeth meine schon vor einem Jahre dahin abgesandten Sammlungen
in vierundzwanzig Kisten in gutem Zustande vor und brachte neues
Material hinzu, welches mit dem in Port Elizabeth gewonnenen im Ganzen
siebenundvierzig Kisten fllte; in Capstadt wurden zwei weitere Kisten
hinzugefgt.

[Funote 23: Gegenwrtig ist die Eisenbahnstrecke bis Grahamstown
ausgebaut.]

Bevor ich von Sd-Afrika scheide, erlaube ich mir aus meinem Tagebuche
eine der interessantesten Lwenjagden Van Viljoens, eines der
bedeutendsten sdafrikanischen Elephantenjger den Lesern mitzutheilen.
Das an das Matabele-Reich grenzende Maschona-Land wurde seines
Wildreichthums halber, und da sie vom Matabele-Knige specielle
Erlaubni zu seinem Besuche erhielten, wiederholt von den beiden Jgern
Viljoen und Pit Jacobs der Elephantenjagd halber aufgesucht. Whrend
eines solchen weiten Jagdausfluges machten beide Jger mehrmals mit
Lwen nhere Bekanntschaft, eine dieser Begegnungen will ich im
Folgenden zu schildern versuchen.

Van Viljoen jagte diesmal in Gemeinschaft mit seinem Sohne Jan, beide
waren von ihren Frauen begleitet und jene Jan's hatte ihre beiden
Kinder, von welchen das jngere noch ein Sugling war, bei sich. Die
Jger hatten ihren Lagerplatz gewechselt und lagen mit ihren Wgen nahe
an einem von der giftigen Tsetse bewohnten und deshalb fr ihre Zug- und
Reitthiere unzugnglichem Territorium. Die Frauen im Lager
zurcklassend, pflegten die Jger dann von ihren Dienern begleitet, zu
Fu weit in das Tsetsegebiet zu dringen, um den sich mehr und mehr vor
dem Feuerrohr zurckziehenden Elephanten tagelang zu folgen. Die neue
Lagerstelle wurde fters, sowohl whrend ihrer Abwesenheit, als nach
ihrer Rckkehr -- wie es schien -- von einem und demselben uerst
dreisten Lwen heimgesucht. Das erste Mal geschah dies an einem Morgen.
Der werdende Tag hatte die Dmmerung weit nach Westen verdrngt. Im
Lager der Jger schien noch alles im tiefen Schlafe begraben. Man gnnte
sich eben etwas mehr Ruhe, wenn die Herren abwesend waren. In der aus
Mapanizweigen errichteten Umzunung standen die beiden Riesenwgen, in
denen die Weien ihre Vorrthe bargen, whrend sich ihre Familien in
zwei nothdrftig aus Schilfrohr und Geste errichteten, mit Gras
berdachten und mit Lehm bertnchten, an die Umzunung angebauten
Htten einquartirt hatten. Es ist ein Charakterzug des jagenden Boers,
da er auf seinen Jagdzgen in der Wildni stets ein solch' elendes
Hartebeest-Huschen dem Wagen, der selbst einer groen Familie
hinreichenden Raum bietet, vorzieht. Nahe an der ersten Umzunung befand
sich eine weniger umfangreiche aber hhere, aus Dornbschen errichtete,
welche als Viehkraal diente.

Endlich wird die Stille im Lager unterbrochen. Die kleine Matte, welche
die winzige Eingangsffnung einer der drei an den Kraal angebauten
kegelformigen, von den Matabele-Dienern bewohnten Grashtten schlo,
wird durch einen nackten schwarzen Arm von innen bei Seite geschoben,
und ein krftiger Zulu, dunkel wie die Kohle, zwngt sich durch, um sich
sofort zu dem vor der Htte im Erlschen begriffenen Feuer zu beugen und
es anfachend, neu auflodern zu machen. Bald folgen ihm zwei Gefhrten,
der erste aber holt sich aus der Htte zwei Assagaie, spiet auf den
einen ein Stck Fleisch, und nachdem er auch einen Feuerbrand erfat, um
sich dasselbe einige Stunden spter auf der Weide zu braten, ffnet er
den Viehkraal, um die Rinder an sich vorbeipassiren zu lassen. Diese die
gewohnte Richtung einschlagend, bewegen sich allmlig dem nahen
Dickichte zu. Der bewaffnete Hirte folgt, ein Lied seiner Heimat vor
sich hinsummend. Doch kaum zweihundert Meter vom Lager entfernt, werden
die Ochsen durch den pltzlichen Ueberfall von Seite eines Lwen aus
ihrer Lethargie gerissen und einer aus ihrer Mitte angegriffen; der auf
diese hchst unsanfte Weise in seinem Gesange unterbrochene Matabele
verlor inde keinen Augenblick die Fassung, denn kaum hatte der Lwe mit
seiner rechten Tatze den Ochsen am Maul erfat, um in der gewohnten
Manier beim Angriffe auf Rinder, diesem den Athem zu benehmen, die
andere in die linke Schulter eingeschlagen und sich in die Kehle
verbissen, sauste schon der Assagai des Hirten durch die Luft -- leider
war es ein zu leichter Speer, -- den rechten Vorderarmknochen des
Raubthieres treffend, prallte dieser hier wie von einer Steinplatte ab
und fiel in's Gras.

Der Wurf sowohl, wie das Geschrei des Mannes, das auch von den zu Hilfe
herbeieilenden Gefhrten krftig aufgenommen wurde, thaten das ihrige um
das Raubthier zu verscheuchen. Die Matabele brachten sofort die
Zugthiere zurck in den Kraal, einer lieh sich von der Frau Jan's ein
Gewehr, whrend die anderen ihre Speere und Schilde ergriffen und
machten sich hierauf ^in corpore^ an die Verfolgung des Lwen. Sie
nahmen die Spur auf, doch berzeugten sie sich bald, da er sich mit
gewaltigen Stzen weit in die Bsche zurckgezogen hatte. Heimgekehrt,
brachten sie die Zugthiere wieder auf die Weide um sie diesmal vereint,
den ganzen Tag ber zu bewachen. Man war auf eine Wiederkehr des
Raubthieres gefat, doch es verging ein Tag nach den anderen, ohne da
man den Lwen zu Gesicht bekommen htte, obwohl allnchtliches Brllen
seine Nhe verrieth.

Am zwanzigsten Tage nach jenem Zwischenfalle kehrten die weien Jger in
ihr Lager zurck. Ohne ihnen Zeit zu lassen, ihre eigenen Erlebnisse zu
berichten, wurden sie sofort von den Frauen von dem Gebahren des frechen
Eindringlings in Kenntni gesetzt, und genau der Handlungsweise des
hollndischen Jgers entsprechend, machten sich die Jger noch am selben
Tage an die Verfolgung des Raubthieres, inde ohne Erfolg, trotzdem sie
durch mehrere Tage mit dem ganzen Trosse ihrer Diener (fnfzehn
Matabele) die Bsche und Dickichte abprschten. Da man auch in der Nacht
sein Gebrll seltener vernahm, glaubte man, da sich das Thier gnzlich
aus der Gegend zurckgezogen hatte.

Acht Tage nach ihrer Rckkehr von der Elephantenjagd verlie der alte
Jger mit seiner Frau den Lagerplatz, um den Knig der Matabele, La
Bengula zu, besuchen. Zwei Tage spter verlie auch sein Sohn die
Stelle, um neuerdings eine Elephantenjagd im Tsetse-Distrikt zu
unternehmen. Genau sieben Tage spter machte sich der Lwe an dem
Lagerplatze wieder bemerkbar, in welchem diesmal nur die junge Frau mit
ihren beiden Kindern und abseits in der Grashtte ein Matabele
zurckgeblieben waren. Fr die Frau, die sich -- warum ist mir nicht
erklrlich -- in der Lehmhtte sicherer als in dem von einem
Gestrppzaune umgebenen Wagen hielt, schien diesmal das zeitiger als je
zuvor schon bei Sonnenuntergang hrbare Gebrll des Lwen eine schlechte
Vorbedeutung zu sein. Um sie noch trber zu stimmen, war die Nacht sehr
dunkel und fr einen etwaigen Ueberfall von Seite des Lwen wie
geschaffen. Nachdem ich mich, so berichtet Frau Van Viljoen,
vergewissert, da der Viehkraal wohl verwahrt sei, und der Diener die
Feuer um denselben angezndet hatte, begab ich mich etwas frher als
gewhnlich in das Hartebeest-Huschen. Das Lwengebrll war abermals und
bedeutend nher als das erstemal, hrbar geworden; denken Sie jedoch
nicht, da es mich in Angst versetzt htte, -- das Weib eines
hollndischen Jgers ist an die Wildni gewhnt und hat nicht einmal,
sondern oft reienden Thieren in das grimmige Auge zu schauen. Sie ist
nicht gewohnt zu fliehen, auch nicht, wenn diebische oder raubschtige
Schwarze sie bedrohen. Die Waffe in der Hand wei sie sich wohl zu
vertheidigen, und doch, ich wei es mir nicht zu erklren, -- in jener
Nacht fhlte ich mich erregt, fhlte etwas wie einen heftigen Schlag
unter meiner linken Brust, ich fhlte dies immer wieder, so oft ich auf
meine beiden auf der Erde in Carossen eingehllten und schlafenden
Kinder herabblickte; mehrmals erhob ich mich mit der Absicht Licht zu
machen, doch wie durfte ich dies thun. Der durch die zahllosen Ritzen
nach Auen dringende Schein mute ja den Ruber nur auf uns in der Htte
aufmerksam machen und ihm auch die geringe Widerstandsfhigkeit der
Htte vor den Angriffen seiner Tatzen verrathen. Ich fhlte mich derart
beengt, da ich mich erheben mute, die Luft schien mir drckend schwl,
so lange ich auf dem Boden sa. Ich stand auf, doch kaum hatte ich mich
erhoben, so zog es mich wieder herab zu den Kleinen, ich konnte sie in
dem Dunkel nicht sehen, und dies machte mich noch ngstlicher. Wie
befriedigt fhlte ich mich, als ich mich zu ihnen herabbeugend, -- sie
ruhig athmen hrte. Inzwischen hatte sich das Lwengebrlle wiederholt,
das Thier mute schon auf zweihundert Schritte nahe gekommen sein.

Dunkel, aber eben so ruhig wie schwarz war die Nacht, deutlich hrte ich
die Bewegungen der Zugthiere in der sie schtzenden Umzunung, auch das
Prasseln der an mehreren Stellen um dieselbe brennenden Feuer entging
mir nicht, manchmal duchte es mir, als wrde ich den Schlag meines
Herzens hren, so stille und ruhig war es um mich selbst. Leider war
kein einziges Gewehr am Lagerplatze zurckgelassen worden, und so hatte
ich im Nothfalle keine Waffe, um mich zu vertheidigen. Da sich mehr denn
eine Stunde kein Lwengebrll weiter hren lie, fhlte ich mich etwas
beruhigter; ich suchte rasch zu vergessen, was mich eben betrbt, und
lauschte mit um so grerer Befriedigung, ja mit ganzem Herzen den
Athemzgen der Kleinen. Doch, ich wei es mir nicht zu erklren, wie es
kam, eben dieser ruhige, glckliche Schlummer meiner Kinder, machte mich
von Neuem unruhig. Wie, wenn er doch gestrt werden sollte, gestrt und
mit Gefahr fr ihre Sicherheit? Ich fhlte mich unglcklicher denn je.
Sollten sich meine trben Ahnungen erfllen? Ich mochte mich mehr denn
eine Stunde mit diesem Gedanken abgeqult haben als dieselben nur zu
schnell in Erfllung zu gehen schienen.

Zuerst wurde ein deutlicher Lrm, ein Zusammenrennen der Rinder im
Kraale hrbar. Wenige Augenblicke spter ein schwerer Tritt. Sollte
wirklich das Thier uns gewittert haben und sich an uns heranmachen? Ich
lauschte an den Thrritzen, so wie ich jedoch, den schweren Tritt sich
wieder nhern hrte, flog ich zu den Kindern. Der Sugling athmet
rascher, hatte ich ihn unvorsichtiger Weise berhrt? Ich mute ihn in
die Arme nehmen, sein Kpfchen an meine Brust pressen, auf dem Lager
schien er mir weit, riesig weit entfernt zu sein. Ich suchte es mit
meinem Hauch, mit meinen Kssen zu beruhigen, bis sich der rasche,
schwere Athem zu meiner Beruhigung gelegt hatte. Da Trab, Trab, der
schwere Tritt des Lwen wieder hrbar, nher der Htte als zuvor. Dann,
Herr, bevor ich mich dessen versah hrte ich, das Raubthier an der
Httenwand, es hatte den Kopf gegen eine der breiten, tiefer liegenden
Ritzen gepret und zwar mit einer Kraft, da der lose Mrtel von der
Innenwand herabfiel. Mit lauten, schlrfenden Athemzgen, schnupperte es
durch die Fugen, vergewisserte es sich von unserer Anwesenheit.

Hatte ich in meiner Unruhe das Kind zu sehr an mich gepret, ich wei es
nicht, doch es fing an zu weinen. Werden Sie nicht unmuthig, Herr, warum
runzeln Sie die Stirn? Konnte ich dafr, da ich das Kind zu fest an
mich zog? Ich war wohl dasselbe hollndische Weib geblieben, allein ich
war wehrlos und in einer finsteren Nacht einem wthenden Feinde
preisgegeben, den ich nicht einmal sehen konnte. Ich beugte mich nieder
zu dem zweiten Kinde und hob es empor, und dieses durch das Weinen des
Suglings geweckt, fing nun nicht minder heftig zu weinen an. Was sollte
ich thun? Wie sollte ich die Kinder beruhigen? Verzweiflungsvoll warf
ich mich vorwrts, da die brennende Stirne das Grasdach berhrte, und
prete die beiden Kinder fest an mich. Ich konnte mich kaum der Thrnen
erwehren, aber bemeisterte mich mit fast bermenschlicher Gewalt, das
Weib eines Boerjgers durfte nicht schluchzen. Einige Tage spter als
sie das Erlebte ihrem Manne zu erzhlen begann, suchte das so lange
gefolterte mtterliche Gefhl in einem heftigen Schluchzen
Erleichterung.

Ich wollte an dem feuchten Grase meine brennende Stirne khlen, allein
um das Ma meines Schmerzes voll zu machen, dringt pltzlich durch all
die Fugen und Ritzen unserer gebrechlichen Nuschale ein sinn- und
ohrbetubendes Gebrll ein. Die dnnen, nichtigen Wnde, die Luft um uns
schienen zu zittern. Sie kennen es wohl, haben es doch vielmals in der
Wildni vernommen, dieses eigene Gebrll! Wie aus der heiseren Kehle
eines rachschtigen Riesen herausgestoen! Die dumpfen Brlllaute zuerst
rasch einander folgend, dann langsamer, in krzeren Pausen und weniger
deutlich, bis sie in einem dumpfen Sthnen ihren Abschlu finden. Jeden
Moment glaubte ich die Wand eingedrckt, und den grnlichen Schein der
furchtbaren Augen zu sehen. Ich konnte mich kaum mehr aufrecht halten
und fhlte meine Kraft schwinden. Doch Dank dem Herrn, er hielt Wache
ber uns; der Lwe versuchte noch mehrmals sein Manver, uns durch sein
Gebrll aus der Htte zu scheuchen. Doch es gelang ihm nicht. Um so
erfolgreicher war sein Versuch an dem Viehkraal, die Ochsen brachen
durch die Umzunung aus den Dornbschen, der Lwe griff eines der Thiere
an und tdtete es nahe an unserer Wohnung. Deutlich hrte ich das
Sthnen des armen Rindes und das zornige Brummen des Lwen, der mehrmals
whrend der Nacht den Cadaver verlie und unsere Wohnung umkreiste, ohne
jedoch wieder so nahe anzukommen, wie er es das erstemal gethan.

Nach seiner Rckkehr nahm Jan van Viljoen neuerdings die Verfolgung des
ruberischen Eindringlings auf, die des hohen Graswuchses auf den Ebenen
und in den Thlern des Maschona-Landes halber, bei weitem mehr Vorsicht
erfordert und gefhrlicher ist, als in den Betschuana-Lndern. Doch auch
diesmal war seine Mhe erfolglos. Fnf Tage spter kehrte der alte Herr
mit seiner Frau von dem am Matabele-Hofe abstatteten Besuche zurck. Er
war von einem andern hollndischen Jger Namens Grief begleitet.

Am selben Nachmittage als die Jger sich zu einem kleinen
Nachmittags-Schlfchen niedergelegt hatten, wurden sie durch die Diener
wach gerufen, welche die aus dem Matabele-Lande mitgebrachten Pferde,
deren Bewachung ihnen oblag, herantrieben und die Nachricht brachten,
da ein und wahrscheinlich der nmliche Lwe einen vergeblichen Versuch
gemacht habe sich eines der Reitthiere zu bemchtigen. Die Jger
sattelten sofort ihre Pferde, nahmen mehrere Matabele-Diener mit sich
und eilten der Stelle zu, an welcher man das Raubthier wahrgenommen
hatte. Der alte Herr van Viljoen nahm es auf sich, das Ufer des nahen
Umaweja-Flusses hinabzureiten, whrend sein Sohn und Grief das seichte
Flubett durchritten, um das jenseitige Ufer abzusuchen. Kaum hier
angelangt, wurden sie von einem der Matabele auf den unter einem Busche
liegenden Lwen aufmerksam gemacht.

Er lag etwa hundert Meter von dem Flusse entfernt. So wie er uns
erblickte machte er sich auf und davon. Nein -- so sagte ich zu mir,
berichtete mir Jan Viljoen, diesmal darfst du uns nicht entkommen, und
dem Pferde die Zgel lassend, holte ich aus, hatte auch bald meinen
Wunsch erreicht und das Raubthier, welches sich zeitweilig mit seinen
Stzen ber das Gras erhob berholt. Schon sechzig Schritte vor ihm
machte ich pltzlich gegen dasselbe Front und es gelang mir, es durch
einen lauten Schrei und eine drohende Handbewegung auf einen Moment zum
Stillstand zu bringen. Diesen Augenblick benutzte der uns
nachgaloppirende Grief um von seinem Pferde aus auf den Lwen zu feuern.
Die Kugel traf das Thier, das scheinbar todt zusammensank. Sofort eilten
unter lautem Geschrei die Matabele-Diener herbei, um der Gewohnheit
gem ihre Speere in den Cadaver zu tauchen. Doch -- im selben Momente
als sie demselben nahe kommen, springt der todtgeglaubte Lwe auf und
macht sich sprungbereit. Nur zwei der Schwarzen hielten Stand. Als sie
sich jedoch von ihren Genossen verlassen sahen, dachten auch sie an den
Rckzug, denn sie konnten in dem hohen Grase die Bewegungen des Lwen
nicht verfolgen.

Sobald jedoch der Lwe auch diese Beiden fliehen sah, sprang er ihnen
nach. Der Verfolgte wurde zum Verfolger. Die Reiter, die ihn todt
whnten, hatten ihre Pferde gewendet und ritten eben langsam dem
Lagerplatze zu, als ihnen durch das Hilfegeschrei der Matabele Halt
geboten wurde. Im selben Momente hatten sie die Pferde herumgeworfen und
eilten den beiden hart Bedrngten zu Hilfe. Doch sie kamen zu spt und
konnten es nicht mehr verhten, da der Lwe einen der beiden Letzten
ereilte, ihn zu Boden ri und Schenkel und Schultern zerfleischte. Jan
van Viljoen war der erste zur Stelle, er war unmittelbar an das
Raubthier herangeritten, sprang aus dem Sattel und sandte dem ihn
anstarrenden Lwen die Kugel in das Ohr, da er nach rechts berschlug
und neben seinem Opfer niederfiel. Dieses jedoch, im Glauben der Lwe
geberde sich scheintodt wie das erste Mal, sprang auf und suchte das
Weite, um jedoch schon zwanzig Schritte weiter in Folge des starken
Blutverlustes besinnungslos niederzustrzen. Drei Monate lag der Arme
krank, bevor seine vielen Wunden heilten. Der Lwe gehrte der
Krachmanetje-Art an und war der letzte, den Jan van Viljoen erlegte.

Mit Herrn Allenberg und Vermold machte ich mehrere Ausflge nach dem
Zwartkop- und Zondaags-River, auf welchen ich uerst zahlreiche, der
Juraformation angehrende Fossilien sammelte. Ich wollte meine
Sammlungen sowie die Kfige mit den lebenden Thieren[24] mit dem
Dampfschiff Arab der ^Union Steam Ship Company^ absenden und hatte auch
die Befrachtung des Kutters, welcher die Colli von den Waarenhusern bis
an das etwa eine halbe Meile von der Kste vor Anker liegende Schiff
bringen sollte, beaufsichtigt, und verlie den letzteren, als Alles
vorsichtig in demselben niedergelegt worden war. Ich begab mich dann in
die Stadt, um meine Abschiedsbesuche zu machen, denn ich wollte mit
demselben Dampfschiffe bis Capstadt fahren, hier vierzehn Tage
verbleiben, um mich dann auf dem Dampfer German einzuschiffen. Zur See
zurckgekehrt, fand ich meine Colli am Meeresufer aufgethrmt; als man
nmlich mittelst eines Taues den Kutter durch die Brandung zu ziehen
suchte, war das letztere gerissen und der Kutter an's Land
zurckgeworfen worden, wobei das Wasser in das Fahrzeug gedrungen war.
Es war ein Wunder, da es nicht an der hlzernen Landungsbrcke
zerschellte und ich so die Arbeit der letzten vier Jahre nicht eingebt
hatte. Da es nun nicht mehr mglich war, mein Gepck noch vor der am
selben Nachmittage zu erfolgenden Abfahrt des Arab an Bord desselben zu
bringen, berlie ich es der Obhut des neuernannten sterreichischen
Consuls fr Port Elizabeth, Herrn von Mosenthal, eines ebenso geflligen
als hochgebildeten Mannes, welcher mir auerdem whrend meines
Aufenthaltes in Port Elizabeth uerst zuvorkommend begegnete und einer
der wrmsten Vertheidiger der Interessen Oesterreichs im Auslande ist.

[Funote 24: Zu meinem grten Leidwesen gestatteten es mir die
Verhltnisse nicht, meinen treuen Mosco mit in die Heimat zu nehmen.]

Als ich mich vierzehn Tage spter in Capstadt einschiffte, fand ich
meine Gepckstcke in der besten Art und durch einen besonderen
Bretterverschlag geschtzt auf dem German untergebracht, wofr ich
besonders den Herren Mosenthal, Allenberg, Vermold und dem zweiten
Offizier des German zu danken habe. Am dritten Tage, nachdem wir Port
Elizabeth verlieen, landeten wir in Capstadt, wo ich ein nicht minder
herzliches Entgegenkommen als in Port Elizabeth fand. Ich hielt hier
mehrere Vorlesungen, darunter eine in der philosophischen Gesellschaft,
die mich ein Jahr zuvor zum correspondirenden Mitgliede gewhlt hatte.
Ich machte in Capstadt die ehrenwerthe Bekanntschaft Sr. Excellenz des
Statthalters der Cap-Colonie, Sir Bartle Frere, eines der hervorragenden
englischen Politiker und Geographen, ferner einiger Edelleute, welche
seinen Stab bilden, darunter des Sohnes des Lords Hathurton, Herrn
Litleton, ferner der Minister der Cap-Colonie, vieler der
hervorragendsten Mitglieder beider Huser des Cap-Parlaments, sowie des
berhmten Astronomen Prof. Gill, des Custos des sdafrikanischen
Museums, Herrn R. Trimen, des Landesgeologen Dunn, des Geologen Shaw,
des Botanikers Bolus, der Redacteure der Cape-Times, Argus Standard
Mail und der Lantern, sowie des Uitenhaager Blattes, Herrn Bidwell
-- smmtlich Herren, die sich mit Wrme meines Vorsatzes bezglich der
Erforschung des centralen Sd-Afrika und einer Erffnung
Central-Afrika's nach dem Sden angenommen hatten. Von den Mitgliedern
des Parlaments wurde mir die hohe Ehre erwiesen, da am Tage meiner
Abreise von Capstadt durch Hon. Brown im Hause der Antrag gestellt
wurde, da sich das Gouvernement der Cap-Colonie meine Dienste zum
Zwecke neuer Forschungen im Gebiete zwischen dem Vaal und Zambesi
sichern solle. Die Regierung jedoch ersuchte, wie ich spter erfuhr, den
geehrten Herrn Antragsteller, meiner Rckkehr nach Europa halber, den
Antrag zurckzuziehen.

In Capstadt wurden mir neuerdings 40  St. verehrt, welche mir sehr
willkommen waren, da ich durch den verlngerten Aufenthalt in
Grahamstown und in Port Elizabeth von der in Cradock erworbenen, zur
Heimkehr bestimmten Summe manches Pfund eingebt hatte. Die Hlfte der
in Capstadt verlebten Zeit brachte ich am Meeresufer zu und hier
bildeten Fische und Schwmme meine Ausbeute, whrend mich die Algoa-Bai
namentlich mit Cephalopoden, Muscheln, Schnecken, Seeraupen und Algen,
die Umgegend mit Pflanzen und Fossilien versehen hatte.

Das in Sd-Afrika, meist whrend meiner drei Reisen gesammelte
ethnographische und naturhistorische Material besteht in etwa 30900
Exemplaren, von denen ich ber 12500 Exemplare in dem mir von dem hohen
k. k. Handelsministerium gtigst berlassenen Pavillon des Amateurs in
Wien vom Beginne des Mai bis Ende October 1880 ausgestellt habe. In
dieser Sammlung befanden sich ber 1300 ethnographische Objecte, welche
ich unter den Buschmnnern, Hottentotten, den Fingo, Gaika, Galeka,
Pondo, den sdlichen und nrdlichen (Matabele) Zulu's, den Basuto's, den
Betschuana-Stmmen (Batlapinen, Barolongen, Banquaketse, Makhosi,
Manupi, Baharutse, Bakhatla, Bakwena, Ost- und West-Bamangwato), den
sdlichen und nrdlichen Makalaka, Maschona,[25] Manansa, Matonga,
Masupia, Marutse, Mabunda, Manko, einige Stcke von den Bewohnern von
St. Helena und Madeira erworben habe, sowie einige von den Colonisten
verfertigte Arbeiten. Die naturwissenschaftliche Abtheilung enthlt eine
Sammlung von Fellen, welche zum Ausstopfen bestimmt sind, zu welchem
Zwecke nach dem Tode der betreffenden Thiere, an deren Krper die
nthigen Messungen vorgenommen wurden und 41 Schdelskelete vorlagen.
Auerdem 14 kleinere Thiere in Spiritus aufbewahrt. Ferner 71 lose
Felle, 62 anatomische Prparate, 10 pathologische Objecte, 134
Hrnerpaare von Gazellen, Antilopen, Gnu's, Bffeln etc. Von Vogelblgen
wurden ausgestellt, und zwar von mir prparirt, 271 Blge; vom
Elephantenjger Bradshaw erstand ich 62; 69 waren von Mr. Walsh gegen
Elfenbein eingetauscht; 42 von Mr. X. aus der Transvaal-Colonie und 20
kaufte ich dem Taxidermist des sdafrikanischen Museums in Capstadt
ab.[26] Ferner von Vgeln 11 anatomische Prparate, 4 pathologische
Prparate, 23 Nester, 89 Eier und eine Gruppe von 57 in 8 Rahmen
geordnete Strauenfedern.

An Reptilien: 25 Schildkrten (2 anatomische Prparate); 256 Eidechsen,
(2 anatomische Prparate;)[27] 87 Schlangen (10 anatomische Prparate);
45 Lurche. Ferner: 69 Fische (4 anatomische Prparate); 35 Eier
verschiedener Haifischarten. An Gliederthieren waren 2256 ausgestellt.

An Insecten wurden vom Jahre 1872 bis 1878 ber 18000 gesammelt, 1300
von dem Elephantenjger Dr. Bradshaw gegen Elfenbein eingetauscht. In
der Ausstellung befanden sich 2056 Exemplare, und zwar 1744 Kfer, 4
Raupen, 25 Wespen, 1 Termitenknigin, 162 Heuschrecken, 62 Wanzen, 19
Schaben, 39 Insectenbauten.[28] An Zecken waren 8, Krustenthieren 33,
Spinnen 51, Spinnennestern 8, Scorpionen 36, Scolopendern 40, Julus 20,
Wrmern 4 Arten ausgestellt.

Von Weichthieren 782, darunter 9 Cephalopoden und 3 Cephalopodengehuse,
148 Schnecken, 26 Muscheln, 43 Patellae, 26 Seeraupen, zusammen 243
Exemplare, smmtlich in Spiritus aufbewahrt. Einsiedlerkrebse 10,
Gehuse von Schnecken 370; von Muscheln 100; von Patellae 70; zusammen
540 Exemplare.[29] Von den niederen Ordnungen der Seethiere befanden
sich in der Ausstellung 933, darunter 37 Seeigel, 15 Seesterne, 7
Quallen. Von Meeres-Polypen: 31 Corallenbildungen von St. Helena, 336
aus der Algoa-Bai, 3 aus der Tafel-Bai, 365 Schwmme aus der Algoa- und
Tafel-Bai, 59 Schwmme in Spiritus und 7 aus der Tafel-Bai, zusammen 801
Exemplare;[30] schlielich 73 verschiedene niedere Meeresthiere.

[Funote 25: Siehe Anhang 11.]

[Funote 26: Etwa 50 von den erstgenannten vier Sammlern und einige von
Herrn Brown in Tati gekaufte wurden theils verschenkt, theils nach der
Ausstellung in Kimberley mit anderen Gegenstnden verkauft, um das
Deficit der Ausstellung zu decken; etwa 60 Vogelblge wurden in Prag
zurckgelassen.]

[Funote 27: Eine gleiche Anzahl letzterer ging in Folge Mangels an
gengend starkem Weingeiste in Sd-Afrika zu Grunde.]

[Funote 28: Die Insecten sind von Herrn Dr. Rickerle in Prag gespiet
und zum groen Theile bestimmt worden.]

[Funote 29: Etwa 300 Duplicate nicht eingerechnet.]

[Funote 30: Etwa 500 Duplicate nicht eingerechnet. Davon sind 50
Exemplare gekauft, die brigen selbst gesammelt.]

Von den 1138 ausgestellten Versteinerungen habe ich etwa 60 Stck von
den Herren Dr. Reed in Colesberg, Murray in Kuilfontein, Kidger in
Cradock und Cook in Port Elizabeth zum Geschenk erhalten, die brigen
selbst gesammelt. Ferner befanden sich in der Ausstellung 1130
getrocknete Meeres-Algen, 364 Frchte und Samen, Holzarten, Schwmme
etc., 3328 getrocknete Pflanzen im Herbarium, wovon ich 64 Exemplare zum
Geschenk erhielt. An Mineralien waren 720 Handstcke ausgestellt.[31]

Nach siebenjhriger Abwesenheit von der Heimat konnte ich nicht lnger
die Sehnsucht bemeistern, meine Lieben und Freunde in Europa
wiederzusehen. Allmlig entschwand die Kste bei Green Point und spter
die Kuppe des Tafelberges meinen Blicken. Der Ocean, dessen Beute ich
vor sieben Jahren bald geworden wre, bot diesmal ein Bild beglckenden
Friedens und bewahrte mir auch seine Gunst, bis mein Fu wieder
europischen Boden betreten hatte.

Am 5. August 1879 nahm ich an Bord des Dampfers German von Sd-Afrika
Abschied. Meine Sammlungen wurden in einigen Partien heimgesendet. Die
grte Sendung, circa fnfzig Kisten, brachte ich selbst mit. Von den
mitgebrachten lebenden Thieren bergab ich den Caracal, zwei braune
Adler und den Schlangenadler der zoologischen Gesellschaft zu London.
Die brigen nahm ich mit nach Oesterreich. Seine kaiserliche Hoheit
Kronprinz Rudolph geruhte die Kronenkraniche huldvollst
entgegenzunehmen, den Pavian, ein uerst zahmes Exemplar, und einen der
grauen sdafrikanischen Kraniche bergab ich der Stadtvertretung von
Prag fr den Stadtpark, den dunkelbraunen Aasgeier und einen der
langarmigen Zanzibar-Affen der Physiokratischen Gesellschaft.

In London erhielt ich whrend meines mehrwchentlichen Aufenthaltes
abermals Beweise von Hochherzigkeit einiger englischen Familien, welche
es mir ermglichten, meine Sammlungen nach der Heimat befrdern zu
lassen. Namentlich fhle ich mich Herrn Littleton, Sohn des Lord
Hathurton, welcher mir 100  St. zur Verfgung stellte, und der
Direction der ^Union Steam Ship Company^, welche mir die ganzen
Frachtspesen von Capstadt bis Southampton nachlie, zu grtem Danke
verpflichtet.

[Funote 31: 400 Stck nicht mit eingerechnet, von denen ich viele in
letzter Zeit schleifen lie und welche sich als Onyxe von besonderer
Schnheit und an Nickelmetall reiche Jaspisgeschiebe erwiesen haben.]

In meiner Seele wurzelt der feste Vorsatz, so bald als thunlich wieder
zurckzukehren, um meine Forschungen fortzusetzen, erstens um gewisse
interessante Punkte, die ich nur vorbergehend besuchen konnte,[32]
einer nheren Besichtigung zu unterziehen, zweitens um auf die in den
letzten sieben Jahren gemachten Erfahrungen bauend, die Forschungen von
Sd-Afrika nach Central-Afrika auszudehnen.[33]

[Funote 32: Siehe den Hinweis in Anhange zum ersten und zweiten Bande]

[Funote 33: Siehe Anhang 12.]

                            [Illustration]




                                Anhang


1) Die Roiwater-siekte, welche die Zugthiere in Natal und den
angrenzenden Freistaat- und Transvaal-Partien in manchen Jahren
decimirt, tritt meist zur Zeit der Grasreife auf und besteht wohl in
einer acuten, doch auch chronischen Entzndung der inneren Harnorgane,
zuweilen auch mit Ruhr verbunden. Blutharnen ist eines der
gewhnlichsten Symptome. Die erkrankten Thiere scheinen groe Schmerzen
zu leiden, denn viele blken mit hoch emporgehobenem Kopfe, manche
drehen sich dabei im Kreise herum. Die Thiere erkranken am Orte selbst,
wo sie den Krankheitsstoff (gewisse Pflanzen) in sich aufgenommen, oder
auch acht bis zehn Tage spter, nachdem sie bereits die betreffenden
Gegenden verlassen haben. Bei manchen hat es den Anschein, als ob sie
das Uebel in einer gelinden Form berstanden htten und da soll man
sofort die Thiere von der Arbeit nehmen und sie womglich in gegen kalte
Winde geschtzten Partien bis zur vollen Genesung halten. Belt man sie
jedoch im Joche und hat man zur selben Zeit unter kaltem Regen zu
leiden, so erkranken die Thiere unter den gefhrlichsten Symptomen und
die Flle enden dann meist tdtlich. Als bestes Heilmittel bezeichnete
man mir fnfzehn bis zwanzig Tropfen mit Wasser verdnntes Chlorodyn,
welche den Thieren von fnf zu fnf Stunden eingeflt werden.

2) Bei der Untersuchung der Wunde des Kriegers in Schoschong fand ich
mehrere eiternde Wundkanle, welche dafr sprachen, da der Knochen oben
und unten abgefault war. Ich entschlo mich die losen Fragmente zu
entfernen und da der Kranke eine Erweiterung der Wundkanle mittelst
eines Messers nicht gestatten wollte, erreichte ich den beabsichtigten
Zweck durch ein mehrmaliges Abbrennen mit Lapis, da es jedoch nicht
mglich war, das untenliegende, ber acht Zoll lange Knochenstck auf
diesem Wege zu entfernen, lieh ich mir von Herrn Mackenzie eine
Blechscheere, fhrte ihre Spitzen in den Wundkanal ein, zwickte den
todten Knochen durch und extrahirte ihn wie alle brigen in Mangel eines
anderen Instrumentes mit einer Mahlzahnzange. Ich entfernte etwa
fnfundzwanzig Knochenstcke und fand dann mit der Sonde die Wundkanle,
welche durch Kugelsplitter entstanden waren. Nun war es mir mglich, an
der Hinterseite des Unterschenkels durch frische Einschnitte Fragmente
zu entfernen. Mittelst eines wohl noch nie zu einem solchen Zwecke
gebrauchten Meiels schabte ich die vordere, ebenfalls etwas caris
gewordene Flche der Fibula rein und reinigte die erkrankten Stellen mit
^adstringentia^. Als ich den Mann zwlf Monate spter wieder sah, hatten
sich die beiden Enden des Schienbeines durch neue Knochenmasse vereinigt
und der Mann, der sich zuweilen beim Gehen auf einen Stock sttzte,
hatte blos einen etwas verbreiterten Schienbeinknochen.

3 u. 4) Waren die Kopfschmerzen und der Blutandrang zum Kopfe zu heftig
geworden, so half ich mir durch das Auflegen von starkem Senfpflaster
auf den Hals, in Folge dessen der Kopf profus zu schwitzen begann und
die beklemmenden Zustnde nachlieen. Whrend der sechzehn Monate,
welche Zeit hindurch ich an Fieber litt, machte ich in verschiedenen
Perioden zusammengefat, nur ungefhr durch zwei Monate von kleinen, nie
zwei Gran bersteigenden (meist eingranigen) Chinindosen Gebrauch. Von
bestem Erfolge erwiesen sich starke Schweie, welche anfnglich wohl
schwchten, jedoch die Athembeschwerden, die Kopf- und Nackenschmerzen,
sowie das Gliederreien und das dumpfe Gefhl der Schwere in den
Oberschenkeln behoben.

5) Whrend der Fahrt durch das Makalaka-Land folgte ein Makalaka-Diener
Bradshaw's mit Namen Mapani unserem Wagen. In einer der dichteren
Partien des Waldes sah ich eines Tages einen alten und einen jungen Mann
im Grase liegen von welchen der Jngere Mapani pltzlich anrief. Dieser
hatte die Beiden kaum bemerkt, als er im nchsten Augenblicke zu ihnen
hinsprang, seinen Hut vom Kopfe ri und dem alten Manne (seinem Vater)
zu Fen lag und unter einem mehrmaligen Rumela zwei eiserne Hauen
aneinanderschlug. Als er sich wieder erhoben hatte, sah ich zum ersten
Male Thrnen in den Augen eines erwachsenen Schwarzen. Als wir spter
hielten suchte Mapani eine Greisin auf, welche mit vieler Mhe etwa
fnfzig Pfund Korn fr ihn gebracht hatte. Es war die Mutter des
Makalaka-Dieners.

Eine andere Episode erzhlte mir Diamond, der in den letzten zwlf
Jahren bald als Diener, Koch oder Wagenlenker, Hndler und Jger auf
ihren Zgen durch Sd-Afrika begleitete und spter Gelegenheit gefunden
hatte, selbststndig sein Glck als Jger zu versuchen. Er scho whrend
dieser seiner Laufbahn so viel Elephanten, da er sich fr den Erls
einen Farmbesitz im Griqualande htte kaufen knnen, wenn nicht das
Feuerwasser gewesen wre. Arm, siech und altersschwach, in Folge des
allzuhufigen Genusses, war er zuletzt nicht mehr fhig, Elephanten zu
jagen und so arm, da er nicht einmal das Gewehr, mit dem er scho, sein
nennen konnte. Doch gab es Momente in seinem Leben, wo ihm, einem Opfer
der Trunksucht, bei dem Anblicke der stillen Huslichkeit eines Andern
das Gewissen erwachte und sich hren lie. Mit dem Vorsatze sich zu
bessern, kam er einmal nach der Colonie und es fand sich auch ein
braunes Griquaweib, welches seine Frau wurde. Willig berlie er ihr die
Zgel der Regierung, ohne dabei den Krzeren zu ziehen, denn nie war mit
ihm ein Brodherr so zufrieden, wie jener, bei dem er als verheirateter
Mann diente. Dieser war ein Hndler und zog durch das Makalaka-Land nach
dem Zambesi. Bevor noch Diamond das letztere betreten hatte, war er
Vater geworden, was den gebesserten Charakter des Mannes nur noch
stetiger zu machen schien. Es gab um jene Zeit viel Regen im
Makalaka-Lande, der von dem Stamme hochbegrt, eine reiche Ernte
versprach, den Reisenden jedoch groe Schwierigkeiten bereitete und das
Fortkommen auf dem durchweichten Boden sehr erschwerte. Dieses
Regenwetter machte das braune Weib und ihr Kind krnklich und als sie an
einer kleinen Lichte, nahe an Menons Dorfe lagerten, hatte die Krankheit
des Suglings in bedenklicher Weise zugenommen. Wir passirten eben diese
Lichtung. Diamond sa neben mir am Bocke und wendete sich pltzlich mit
den Worten zu mir: Seht, Herr, und er wies mit der Peitsche nach der
Mitte der Lichte zu, wo ppiges Gras hochaufgesprossen war, dort liegt
mein Kind begraben! Als er whrend seines frheren Aufenthaltes auf
dieser Lichte gegen den Abend des zweiten Tages mit seinen Zugthieren
von der Weide heimkehrte, kam ihm seine Frau entgegen, Diamond, sagte
sie, unser Kind ist todt. Den Schmerzausbruch meines Weibes hinderte
ich mit einer raschen Handbewegung und mit den Worten: Weib, sei still
und zeige kein trbes Gesicht, merkt es einer der Makalaka's, so drfen
wir unser Kind nicht begraben, denn von irgend einem aberglubischen
Motiv beherrscht, gestatten es die Makalaka's nicht, da ein Fremder
weder schwarz noch wei, in dem von ihnen bewohnten Territorium
begraben werde. Stirbt einer unglcklicher Weise im Gebiete des
Majtenque-Flusses, so mu er bis an die Landesgrenze geschafft und hier
erst bestattet werden; dies wute Diamond wohl und da er in Folge der
schlechten Wege wohl nicht in den nchsten vierzehn Tagen so weit
gelangen konnte, mute auf jeden Fall der Tod des Kindes geheim gehalten
und dasselbe im Dunkel der Nacht bestattet werden. Diamond entschlo
sich, seinem Herrn den Todesfall geheim zu halten. Seinen Gefhrten
gegenber zwang sich Diamond, so wie es ihm nur thunlich war, vergngt
zu erscheinen, und um einigen Makalaka's, die eben bei ihm zu Gaste
waren, den bitteren Verlust nicht ahnen zu lassen. Als sich endlich die
Makalaka entfernt hatten, schlich sich Diamond in das nchste Gebsch,
um sich auch zu vergewissern, da sie gegangen waren, kehrte dann rasch
zu der neben ihrem todten Kinde anscheinend schlafenden Frau zurck.
Nimm das Kleine mit Dir in den Wagen und hlle es in ein Tuch, lasse es
im Wagen und ruhe etwas auf den Decken unter demselben aus. Das Weib
that wie ihr geheien, whrend sich Diamond mit dem Gespann zu schaffen
machte. Er brachte die am vorderen Ende befestigten Zugthiere an die
mittleren heran, um sie ganz gegen seine Gewohnheit hier zu befestigen
und als er dies gethan, legte er sich anscheinend zur Ruhe nieder, in
Wirklichkeit aber um zu wachen. So hatte er einige Stunden in dieser
Weise zugebracht, dann stand er auf und brachte die smmtlichen in der
Mitte befestigten Ochsen nach vorne, rief dann sein Weib und beide
machten sich daran, die reichlich angehuften thierischen Excremente an
einer Stelle, die ihnen fr ein Grab ihres Kindes hinreichend gro zu
sein schien, bei Seite zu schaffen, gruben ein seichtes Loch und legten
die Leiche hinein. Den letzten Liebesdienst erwies seinem Kinde Diamond
allein. Er konnte seiner Frau das Schluchzen nicht verwehren, und da er
sich frchtete, da dasselbe ihr Thun verrathen knnte, sandte er sie zu
ihrem Lager zurck, whrend er das kleine Grab schlo, mit den
Excrementen der Thiere die Stelle bedeckte und hierauf die Zugthiere
abermals dicht gedrngt um dieselbe befestigte und erst gegen Morgen auf
ihre gewhnlichen Posten zurckstellte. Die Makalaka's merkten nichts
von der Bestattung, doch der mehrtgige Aufenthalt auf der Stelle war
eine trbe Zeit fr das Hottentottenweib. Und seit jener Zeit, fuhr
Diamond fort, ging es wieder bergab mit mir, die Frau krnkelte mehr
und mehr und es dauerte nur wenige Wochen und ich hatte auch fr sie ein
Loch zu graben. Seit ihrem Tode kam der Brandy wieder ber mich und ich
bin der Diamond von frher geworden und werde auch so bleiben, bis man
auch mir irgendwo unter einem alten Dornbaum ein Loch grbt.

6) Ich erwhnte bereits, da Herr Cowley, der jugendliche Jger, mit
aller Macht ein Gordon Cumin zu werden bestrebt war und zu diesem
Ehrgeiz durch den Erfolg seiner ersten Lwenjagd, auf welcher er eine
ausgewachsene Lwin erlegte, angespornt wurde. Ein fernerer Grund dieses
Bestrebens mag wohl auch der Umstand gewesen sein, da seine ihm an
Erfahrung unstreitig berlegenen Jagdgefhrten, die beiden schon
erwhnten englischen Officiere, weder das Glck noch Gelegenheit hatten,
eines der kniglichen Thiere zu erlegen. Unter der groen Zahl von etwa
vierzig Lwen-, Elephanten- und Strauenjgern sowie Elfenbeinhndlern,
welche auf ihren Zgen zufllig mit Lwen zusammenkamen und sie zu
bekmpfen hatten, ist mir nur mein seliger Freund Cowley bekannt, der an
einen Eingebornenfrsten im sdlichen Afrika die Anfrage stellte:
Morena (Knig), bezeichne mir eine Stelle in Deinem Reiche, wo ich mit
Sicherheit Lwen antreffen und erlegen kann! Da Cowley auch, nachdem
der Frst seinem Begehren entsprochen, seine Absicht zur Ausfhrung
brachte, kann ihm Niemand Muth und Entschlossenheit absprechen, doch ihn
vielleicht mit selbem Rechte einer Tollkhnheit zeihen, und dies um so
mehr, als er auf diesem, seinem zweiten Jagdzuge beinahe sein Leben
eingebt htte.

Auf der Reise von Sden nach Norden wird der Reisende in den nrdlichen
Betschuanalndern und nrdlich am Zambesi so hufig -- er selbst sowohl
auf seinen Jagdausflgen, wie seine Diener beim Wasserholen und Hten
etc., die Zugthiere beim Grasen, oder sein Lagerplatz in der Nacht, oder
auch zuweilen das Eigenthum des Stammes, bei dem er sich zufllig
aufhlt -- von Lwen angegriffen, da es dann seine Ehre und Pflicht
fordert, ja da es oft die Nothwendigkeit erheischt, sein, oder das
Leben seiner Umgebung zu schirmen und mit dem strksten der
sdafrikanischen Raubthiere anzubinden. So ist ihm mehr denn
hinreichende Gelegenheit geboten, seinen eigenen Muth, sein sicheres
Auge und festen Arm zu erproben. So oft ich mich an Cowley erinnere,
kann ich mich eines wehmthigen Gefhles nicht erwehren. Noch immer sehe
ich den frischen Jngling vor mir mit dem blhenden Gesicht, sehe ihn,
wie mnnlich er alle Strapazen eines sdafrikanischen ^Interior-hunters^
ertrug und dann qult der Gedanke mich umsomehr, da dieser von
Gesundheit strotzende Organismus in wenigen Tagen dem Malaria-Fieber
erliegen mute. Am Abhange der bewaldeten Hhen, die sich am Oberlaufe
des Panda ma Tenka-Flchens zu dem wiesigen Thale des letzteren
herabneigen, einige hundert Schritte ber der Handelsstation gleichen
Namens, hat man den Lwenjger begraben. Ein Steinhaufen, mit dem man
das Grab beschwerte, um Hynen und Schakale davon abzuhalten, bezeichnet
die Ruhesttte des jungen Jgers.

Es war am 3. September des Jahres 1875, als Cowley whrend des
abendlichen Methgelages (womit tglich das Nachtmahl am Marutse-Hofe in
Schescheke schlo) an den Knig Sepopo die erwhnte Frage richtete und
sich von dem Knige das Geleit einiger Marutse- oder Masupia-Mnner
erbat, welche ihn an eine von Lwen hufig besuchte Stelle bringen
sollten. Auf diese Anfrage hin brach Sepopo in ein lautes Gelchter aus.
Ein Kind hat eben geredet, bist ja noch zu jung, um Lwen zu tdten!
Makoa (Weier), ich versichere Dich, die Lwen verstehen es zu beien.
Da jedoch Cowley durch den Dolmetscher Jan Mahura auf seinem Ansuchen
bestand, berief der Knig aus dem ringsum hockenden Halbkreise vier
Mnner zu sich, und bezeichnete ihnen das linke Ufer des stromabwrts
einige Meilen unterhalb Schescheke in den Zambesi von Norden her
einmndenden Kaschteja-Flusses als die Stelle, an welcher der weie
Jger zweifellos Lwen antreffen knnte. Am folgenden Vormittage stie
man von Schescheke in einem kleinen Kahne ab, steuerte fluabwrts und
gelangte nach drei Stunden an die Mndung des vom Knige genannten
Flusses. Dieser scheidet die schon mehrmals genannte, sich im Osten an
Schescheke anlehnende, Blockley's Kraal genannte Wildebene in eine
kleinere westliche und eine sehr ausgedehnte stliche Partie. Kaum
gelandet, scho Cowley, zur vollen Befriedigung seiner Geleitsmnner
eine aus dem hohen Ufergras aufspringende, feiste Rietbock-Gazelle. Da
sich durch den Schu jedoch das sichtbare, ringsum grasende Wild
zurckzog, bestimmte Cowley den folgenden Tag zur Jagd.

Am folgenden Morgen verlie die Jagdgesellschaft schon bei anbrechender
Dmmerung das Lager und ging das linke Kaschteja-Ufer entlang. Ein
dunkler in der Entfernung auftauchender Gegenstand, den die Eingebornen
fr einen Lwen hielten, entpuppte sich als ein gestreiftes Gnu. Als man
so fruchtlos mehrere Meilen weit gegangen war, kehrten die Jger in
einem weiten Bogen nach rechts ber die Wildebene zu ihrem Lagerplatze
an der Kaschteja-Mndung zurck; da jedoch die sonst drckende
Tageshitze durch die am Himmel hngenden, dichten Wolkenmassen gemildert
war, versuchte Cowley sein Glck zum zweiten Male, nachdem er einen
Imbi zu sich genommen. Man ging abermals das Kaschteja-Ufer entlang,
doch weiter landeinwrts als man es am Vormittage gethan und es hatte
den Anschein, als ob die Jger mehr Glck haben sollten, denn schon zu
Beginn ihres Streifzuges trafen sie zahlreiche Heerden von Zebra's und
gestreiften Gnu's, doch Cowley war entschlossen, seine Waffe nur an
einem Mitgliede der kniglichen Familie zu erproben. Man lie das Wild
zur Rechten und verwandte die vollste Aufmerksamkeit meist auf das hohe
Ufergras, in welchem man mit Sicherheit die Raubthiere vermuthen konnte.
Und abermals waren es die Schwarzen, welche den Weien auf einen etwa
vierhundert Schritte entfernten Gegenstand aufmerksam machten. Als man
nher herantrat, erhob sich eine Lwin. Nachdem sie einige Secunden die
herannahenden Menschen angeglotzt, machte sie kehrt und zog sich
langsamen Schrittes zurck. Cowley sandte einen der Schwarzen der Stelle
zu, wo das Raubthier gelegen und machte sich mit den zwei anderen (der
vierte war am Lagerplatze zurckgelassen worden) an die Verfolgung der
Lwin. Raschen Schrittes vorwrts eilend, hatte er sich derselben bis
auf zweihundert Schritte genhert, als sie sich gegen ihn umwendend,
stehen blieb. Der Jger bentzte diesen Augenblick zum Feuern und sandte
in rascher Aufeinanderfolge zwei Kugeln dem Raubthiere entgegen. Beide
Schsse gingen fehl. Der Lwin erschien jedoch das Pfeifen der Kugeln zu
mifallen und laut knurrend peitschte sie mit ihrem Schweife den Boden.
Fr einen Augenblick legte sie sich nieder und kam dann aufspringend in
gerader Richtung auf die Menschen los. Cowley kniete nieder und scho
auf eine Entfernung von hundertfnfzig Meter, fehlte aber wieder. Um so
rascher bewegte sich die Lwin vorwrts. Die beiden hinter dem Jger
stehenden Schwarzen berlieen diesen seinem Geschicke und liefen, laute
Verwnschungen dem sich nhernden Raubthier entgegenrufend, auf und
davon. Cowley warf sich vollends zur Erde, suchte sich hinter einem kaum
2 Fu hohen, brodlaibfrmigen Termitenhgel zu decken und feuerte von
hier aus seinen dritten Schu auf eine Entfernung von dreiig Meter. Die
Kugel traf das Thier mit einer solchen Wucht am vorderen
Schulterblattrand, da es zurckgeworfen, auf seine Hinterfe fiel.
Aufbrllend schnappte es nach der Wunde und sprang nun in groen Stzen
heran, glcklicher Weise jedoch nur die fliehenden Schwarzen beachtend,
wobei sie Cowley vollkommen bersehen haben mute. Um nun die
Aufmerksamkeit des Thieres nicht auf sich zu lenken, htete sich der
Jger, sein Gewehr zu laden, sondern verhielt sich ganz ruhig. Die
Lwin, die nun das Tempo ihrer Schritte etwas gemigt hatte, passirte
zu seiner Rechten in einer Entfernung von drei Schritten; erst als sie
etwa sieben weitere Schritte gethan hatte, lud er sein Gewehr wieder und
warf sich so behutsam wie mglich um den Termitenhgel herum, um mit dem
an dem Insectenbau fest angelegten Hinterlader einen fnften Schu zu
wagen. Er lag noch nicht vollkommen geschtzt, als die Lwin seine
Bewegung wahrnehmend, zurckschaut, ihn jedoch abermals bersieht. So
wie sich das Raubthier wieder den Dienern zuwendet, feuert Cowley. Die
Kugel traf die Lwin hinter und etwas unter das rechte Ohr, so da sie
auch im selben Momente zusammenbrach. Trotzdem gab ihr Cowley einen
zweiten Schu, um sich von ihrer Unschdlichkeit zu versichern. Es war
ein beinahe ausgewachsenes Thier, dessen Fell mir der werdende Cuming
zeigte, und auf welches er nicht wenig stolz war. Niemand war aber ber
den Erfolg Cowley's mehr erstaunt als Knig Sepopo.

7) We see before us Mankoroane and a part of the Batlapins and Montsiwe
the Barolongchief and others! They say they wish to be annexed. Our
first question, when accepting the offer, should be: Is it the wish of
the chiefs or their subjects? Do the people as well as the chiefs ask
for it? Our second question would then be: Why do you ask for
annexation? Is it because of your great attachment to the Makoa (white
men) called Englishmen, or is it because you are disregarded, or
imagine yourself to be so by the other white race called the Dutchmen
or perhaps because you are oppressed by one of the neighbouring
tribes?--or is it that the Chief is particularly annexious to gain the
title of Chief Paramount, if two dispute for it? When we hear impartial
judgment passed on this, then we already know something about the
character of the chief and his people. However, we must endeavour to
gain true information about the manner of life and the intellectual
abilities of the tribe.

8) Die Drre war leider fr einen Theil des Oranje-Freistaates und groe
Landstriche der Cap-Colonie so verderblich, da sehr viele Farmer
verarmten und die meisten derselben, auf deren Boden seit Jahr und Tag
kein Tropfen Regen gefallen war, sowie die den Transport von der Kste
nach dem Innern mit Ochsengespannen vermittelnden Fuhrleute sehr schwere
Verluste erlitten. Leider sind diese Drren in jenen Gegenden
Sd-Afrika's periodisch wiederkehrend und werden wohl erst in einigen
Decennien in gewissen Strichen durch den Aufbau von Riesendmmen behoben
werden knnen. Manche Strecken der Cap-Colonie wurden theilweise auch in
diesem wie im vorhergehenden Jahre von einer mehr denn zwlfmonatlichen
Regenlosigkeit heimgesucht, welche den Viehstand mancher Grundbesitzer
mehr als decimirte; so verlor ein Herr Ch. von viertausend Stck Vieh
ber dreitausend.

9) Wenn ich nicht irre, nahm die Strauenzucht im Oranje-Freistaate
ihren Anfang, wurde aber bald bis auf einzelne Versuche fallen gelassen.
Hingegen erfreute sie sich in der Cap-Colonie der besten Pflege, so
zwar, da sie hier beinahe zur Vollkommenheit gedieh und nunmehr aus
derselben zahme Straue in grerer Anzahl nach der Republik gebracht
wurden, um hier von Neuem, und wie ich hre mit Erfolg, gezchtet zu
werden. Manche der Zchter verlegen sich auf den Incubator (ein
hlzerner Kasten), in dem durch knstliche Wrme -- meist mit Hilfe
erwrmten Wassers -- den Straueneiern die nthige Brutwrme zugefhrt
wird; andere ziehen den natrlichen Brutproce vor. Einige stellen die
den Eiern entschlpften Kchlein unter die Obhut schwarzer Diener, ohne
sie weiter mit Brutvgeln in Berhrung zu bringen, whrend eine kleinere
Zahl die zur Welt gekommenen Jungen den Aeltern anvertraut. Im
Allgemeinen scheint das letztere System bessere Erfolge als das erstere
zu versprechen, doch ist es nicht fr Jeden durchfhrbar, da es in jeder
Beziehung hin kostspieliger ist. Whrend man sonst die Kchlein
verschiedenen Alters in beschrnkten, die halberwachsenen und
erwachsenen Vgel in mehr oder minder umfangreichen Umzunungen hlt und
weiden lt und man die letzteren (halberwachsenen und alten Vgel) in
aus Pfhlen und vier- bis sechsfachen starken, horizontal und in einem
Abstande von zwlf bis achtzehn Zoll gezogenen Drhten gebildeten
Umzunungen mit ziemlicher Sicherheit erhalten kann, mu man im ersteren
Falle ber groe und mit einer dichten und hohen Umzunung begrenzte
Rume gebieten knnen. Die Federn zahmer Straue werden nie so schn,
wie jene der wilden. Letztere werden immer werthvoller bleiben, sowie
sie gegenwrtig immer seltener in den Handel kommen. Darum wre die
schon mehrmals ausgesprochene Idee bezglich der Zhmung der Straue von
Seite jener Eingebornenstmme Sd-Afrika's, respective der Betschuana
und Matabele, in deren Lndern sich diese ntzlichen Vgel noch im
wilden Zustande vorfinden, einiger Beachtung werth, umsomehr als die von
ihnen bevlkerten Strecken meist mit Niederwald bedeckt sind, welcher
leicht auf mehrere Meilen hin umzunt werden knnte. In groen Rumen
sich selbst berlassen, und nur selten aufgesucht, werden sie sich an
den Anblick des Menschen gewhnen, werden solche Straue unstreitig ein
den wilden Vgeln vollkommen gleiches oder nahezu gleichkommendes
Gefieder erhalten. Je grer auch der Raum, in dem sich eine
Strauenheerde bewegen kann, desto weniger Gefahr droht ihr durch die
Entozoa-Parasiten, welche die hufigste Todesursache unter zahmen
Strauen bilden. In mehreren Stdten der Cap-Colonie, wie in Port
Elizabeth, Grahamstown und Cradock werden allwchentlich am Samstag
Strauenfedernmrkte abgehalten, auf welchen auch lebende Thiere zur
ffentlichen Versteigerung gelangen. Ich entnehme einem zu Anfang
October aus Sd-Afrika erhaltenen Briefe, da in Folge der starken
Vermehrung der Straue der Preis derselben seit kurzer Zeit sehr
gesunken ist. Brutvgel, von denen fnf Paar feilgeboten waren, wurden
mit 100 bis 125, ein erwachsenes aber nicht brtendes Paar (vier Paare)
mit 35 bis 50, zwei einzelne Hhne mit je 35 und zwlf junge Vgel mit
17 . St. 17 Sh. das Stck veruert. Ein interessanter Fall wird von
Herrn Johnsohn von Witteklip berichtet, er hatte ein paar Brutvgel,
welche, nachdem sie Eier gelegt, dieselben sofort im Stiche lieen. Herr
J. legte acht Eier davon in einen Incubator. Nach dreiundvierzig Tagen
kamen lebende Kchlein zur Welt, doch alle so schwach und elend, da sie
schon wenige Stunden darauf zu Grunde gingen. Die meisten waren
Migeburten, eines der Thiere hatte mit Ausnahme der Fuknochen keinen
Knochen im Krper. In der Zwischenzeit legten die alten Vgel abermals
zahlreiche Eier, ohne sich wieder um dieselben kmmern zu wollen. Bei
gleichem Vorgehen mit diesen Eiern wurde wieder kein Resultat erzielt.
Die Kchlein waren abermals Migestalten, es befand sich ein Cyclop
darunter und ein Thier, das nur einen Oberschnabel hatte.

10) Is there anything at present more treatening for us on our South
African horizon than the cloud of the Zulu question? Dark, thick,
bearing numerous most pernicious flashes, mercilless as they can only
be, bursting from an untamed savage element, this cloud darkens our
hopes of future peace and prosperity. It threatens daily and hourly,
more and more with its numerous layers, the thousands who blindly,
slavishly, and furiously, like a pack of wild dogs, listen to and follow
Cetyvayo's dread comands.

There, north of the Tugela, there is the sword of Damocles suspended
over thee, South Africa. But behold, not suspended by a mighty Sovereign
or a wise man, who thought to teach a King to give account of every
moment of his life, but by a blood-thirsty, savage king guilty of the
shedding of the innocent blood of thousands of human beings! Shocking!
How has such a creature ever dared to suspend a hanging peril over South
African men? Were thou slumbering, mighty Britannia's fearless symbol?
Could the British Lion so long endure such acts of offence? There, north
of the Tugela, in the horrid prison of native liberty, the Gordian knot
avails its solver.

But there was still another cause which made the already threatening
cloud to appear yet more dangerous. It was the juxtaposition of this
cloud to the remaining ones, here and there obscuring the horizon. Too
often driven by the same boisterus gale,--they are thrown together and
when united, they change the peaceful blue sky into a fire-spitting
volcano. A blue azure sheet the symbol of heavenly peace converted into
a volcano threatening peril and destruction.

The seat of the greatest insolence in our South African Continent, the
seat of the roughest savageness, an image of habitual, animal-like
expression of rage and fury, the seat of the lowest degradation of the
human race, where members of the governing tribe are misdealt with a
great deal worse than many of the species ^ingratae^ of our animals,
than the unclean animals of ancient ages--the Empire of lies and thefts,
the conglomeration of all the vices a savage can boast of--yes, our
South African viper nest lies there north of the Tugela! Courage is the
only virtue we could attribute to them (the Zulu's) if it would be
exhibited, and used for brave acts, but if it is exercised only to
strengthen the power of a tyrannical monster, for the sake of murdering
and plundering, the virtue is misused, and no more a virtue than the
expression of the animal fury of a tiger of trade, or by the cries of
his digestive organs! Year after year, insult after insult, has been
offered to, and commited on, the Natal colonists! Are they not our
brethren, united with us under Her Most Gracious Majesty's Sovereignty?
The insults are offerd, to us as well as to them. Every righteous man
who has the welfare of his fellow-subjects in view, every one from the
Cape of Good Hope up to the northern Transvaal boundary from the mouth
of the Oranje River to the Indian Ocean, must feel that degradation in
all the depths of his heart, must feel himself struck by every one of
those shamefull blows, and cannot retain one with a clenched fist, to
demand another with feelings of awe to pray for a stop to these odious
deeds.

A great mistake is made, if any one of us (may be of those to whom I
have referred above) thinks that the danger in store is only for those
living in Natal and the Transvaal colony. We must look upon the matter
just if we were insulted and attacked ourselves. The Zulu crater throws
its fire high over the whole of South Africa; the burning lava spreads
over all its countries, Zululand being the concentration of all the
possible dissatisfaction of South Africa! All those of our unfortunate
native tribes who seek and have sought their heathen welfare by
overthrowing, and overwhelming the race of the whites, look with true
desire towards this volcano in our north eastern corner; sigh in
thought, sigh in words, and most secretly through messengers they sent
into Cetywayo's laager. There the last outburst of all the lowest savage
vices seeks its protection, finds its nursery and hopes for its
salvation. Into the boiling mass of the volcano we see from all
directions, streams of sulphuric fluid flowing. There united with the
vaporous mass, the Zulu life burst forth in one gush of seeting,
destroying, hissing lava. And the hiss is repeated every moment, every
day by that native mind in Cetywajo Kingdom. etc. etc.

11) Die Maschona, welche einst mehrere Reiche in Sd-Afrika bildeten,
wurden zum groen Theile von den Matabele vernichtet, welche noch
alljhrig Raubzge in ihre Gebiete, die sich von Osten an das Zulu-Reich
anschlieen, unternehmen. In der Regel gelingen den Matabele diese
Raubzge und sie bringen auer Frauen, Knaben und Kindern auch
verschiedene Industrie-Erzeugnisse heim, welche deutlich die
Kunstfertigkeit des bedrckten Stammes zeigen.[34] Ihre Gebiete sind
sehr fruchtbar, leider aber auch sehr ungesund. Die Elfenbeinhndler
berichteten mir, da die Maschona's ihre Htten hoch ber dem Boden und
wo es mglich ist, an den Vorsprngen steil abfallender Felsen- und
Hhenwnde erbauen, und zwar einestheils aus Gesundheitsrcksichten,
andererseits um ihre Gehfte leichter in Vertheidigungszustand setzen zu
knnen.

Die Stmme bauen Reis an, der sich durch ein greres, rthlich
gefrbtes Korn auszeichnet. Sie bearbeiten mit Erfolg Metalle und machen
im Gegensatze zu anderen sdafrikanischen Stmmen mit Ausnahme der
Buschmnner und Masarwa's von Bogen und Pfeil Gebrauch. Vortrefflich
mssen ihre aus Baumbast und anderen vegetabilischen Flechtstoffen
bereiteten Gewebe, beachtenswerth ihre Waffen und Musik-Instrumente
genannt werden. Sie wurden in der Regel von Osten und Sdosten her von
den portugiesischen Hndlern von der Ostkste aufgesucht, whrend
Moselikatze sowohl wie La Bengula den englischen Elfenbeinhndlern, aus
Furcht, da diese den Maschona's zu Gewehren verhelfen wrden, den
Eingang in das Gebiet der letzteren erschwerten oder vollkommen zu
verbieten pflegten. -- Das Maschona-Land ist reich an Quarz,
Alluvial-Gold und sehr reich an Wild.

12) Meine nchste gegen Schlu dieses oder zu Beginn des kommenden
Jahres anzutretende Reise soll den Charakter einer wissenschaftlichen
Forschungsreise an sich tragen, auf welcher ich nicht nur den rein
geographischen, sondern auch allen verwandten Disziplinen meine
Thtigkeit und vollste Aufmerksamkeit widmen will. Das nchste Reiseziel
bilden die Cap-Colonie und die ihr im Osten angrenzenden Kafferngebiete,
deren partielle Durchforschung in palontologischer, botanischer und
ethnologischer Hinsicht whrend eines Zeitraumes von circa vier Monaten
ich mir zur Aufgabe stelle und deren Resultate (Sammlungen) von mir
sofort nach der Heimat gesendet werden sollen. Das gesammelte
naturhistorische und ethnographische Materiale soll gleich dem auf
meinen bisherigen Reisen zusammengebrachten von Fachgelehrten
wissenschaftlich bereitet, vaterlndischen Museen, Instituten, Schulen
etc. berwiesen werden.

[Funote 34: Im Laufe des Jahres 1880 kam mir die Nachricht zu, da
12000 Matabele-Krieger von den vereinigten Maschona's geschlagen
wurden.]

Indem ich noch vor meiner Reise durch einschlgige Studien und Uebungen
meine Kenntnisse in den einzelnen wissenschaftlichen Fchern nach besten
Krften vervollstndigen will, hoffe ich unter Hinweis auf die bereits
vorliegenden Resultate meiner ersten drei Reisen die mir erwachsende
Aufgabe zum Nutzen der Wissenschaft zu bewltigen.

Das Hauptziel meiner nchsten Reise ist in geographischer Hinsicht die
Durchquerung des afrikanischen Kontinents von Sd nach Nord. Nachdem ich
auf der Strecke zwischen dem Vaal und Zambesi die bisherigen unsicheren
Positionsbestimmungen durch verlliche und genaue ersetzt, ist es meine
Absicht, das Stammland der Marutse (die Barotse) mit besonderer
Bercksichtigung der dortigen Knigsgrber sodann das ganze Gebiet
zwischen diesem Lande und dem Kafueflusse in geographischer,
naturhistorischer und ethnographischer Hinsicht zu durchforschen und die
bis dahin erzielten Sammlungen von den Victoriafllen aus nach Sden zur
Weiterbefrderung nach der Heimat zu senden.

In rein nrdlicher Richtung meine Reise fortsetzend, will ich die
Wasserscheide zwischen dem Zambesi- und Congo-System (Bangweolo-See)
erforschen und den Lauf des Kongo bis zu seiner groen Biegung nach
Westen verfolgen. Gestatten es die Verhltnisse und Zustnde, so will
ich von hier ab in nordnordwestlicher Richtung weiter vordringen und bei
dieser Gelegenheit das letzte der groen hydrographischen Probleme
Afrika's, die Frage nach dem Unterlaufe des Ulle zu lsen und weiterhin
Darfur durchziehend, Aegypten zu erreichen suchen. Sollten
unberwindliche Hindernisse mir die volle Ausfhrung meines Reiseplanes
verwehren, so ist es meine Absicht, mich nach der Ostkste zu wenden.

Ich will schlielich besonders betonen, da es mir nicht um eine bloe
Durchquerung Afrikas zu thun ist, sondern da ich Schritt fr Schritt
das durchreiste Gebiet durchforschen und wenn mir dies gelingen sollte,
mit den mglichst vollstndigen Sammlungen bereichert, nach drei Jahren
heimzukehren gedenke.






                            [Illustration]

                            Special Karte
                               (No. 1.)
                     des von Dr. Holub bereisten
                          centralen Theiles
                                 von
                            Ost Bamangwato
                                 und
                            West Matabele.
      Nach Compass Aufnahmen. Juli 1875, u. Mrz u. April 1876.
                           Mastab 1:500000
                Kartog. lith. Inst. v. G. Freytag Wien
                Verlag v. Alfred Hlder, k. k. Hof- u.
                  Universitts-Buchhndler in Wien.
                   Druck v. Jos. Eberle & Co. Wien

                            [Illustration]

                         Special Karte No. 2.
                          Die Victoriaflle
                                 des
                               Zambesi
                      nach Compassaufnahmen von
                           Dr. Emil Holub.
                           Maastab 1:7000.
              Kartogr. lith. Anst. v. G. Freytag, Wien.
    Verlag v. Alfred Hlder k. k. Hof- u. Universitts-Buchhndler
                               in Wien.
                   Druck v. Jos. Eberle & Co. Wien.

                            [Illustration]

                            Special Karte
                               (No. 3)
                      Dr. Holub's Bootfahrten im
                           centralen Laufe
                                 des
                               Zambesi
                        von der Makumba Bucht
                       bis zum Nambwe Katarakt.
                            (Sd Barotse)
       Nach Compass-Aufnahmen vom August 1875 bis Februar 1876.
                          Mastab 1:180000.
              Kartogr. lith. Anst. v. G. Freytag, Wien.
                Verlag v. Alfred Hlder, k. k. Hof- u.
                  Universitts-Buchhndler in Wien.
                   Druck v. Jos. Eberle & Co. Wien.




Anmerkungen zur Transkription


Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im
Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_
gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind,
wurden ^so^ markiert.

Die variierende und inkonsistente Schreibweise des Originals wurde
weitgehend beibehalten. Lediglich die am Buchanfang aufgefhrten Errata
und offensichtliche Druckfehler wurden korigiert wie hier aufgefhrt
(vorher/nachher):

   [S. VII]:
   ... Marutse als Fischer. -- Maschoku, der Scharfrichter Sepopo's.
       -- Schneidwerkzeuge ...
   ... Marutse als Fischer. -- Maschoku, der Scharfrichter Sepopo's.
       -- Schmiedewerkzeuge ...

   [S. VIII]:
   ... der Marutse. -- Thongefe. -- Holzarbeiten. -- Calebassen.
       -- Flechtarbeiten. -- Schmiede-Werkzeuge. -- Jagd- ...
   ... der Marutse. -- Thongefe. -- Holzarbeiten. -- Calebassen.
       -- Flechtarbeiten. -- Schneide-Werkzeuge. -- Jagd- ...

   [S. 3]:
   ... Gerichtssitzung. -- Kalte Tage. -- Das Malmanithal. --
       Weltufrede-Farm. ...
   ... Gerichtssitzung. -- Kalte Tage. -- Das Malmanithal. --
       Weltevreeden-Farm. ...

   [S. 7]:
   ... Wir zogen an einer, eine kurz zuvor von den an den nahen
       Hhen ...
   ... Wir zogen an einer kurz zuvor von den an den nahen Hhen ...

   [S. 7]:
   ... Handelsstation. Mamusa, das noch vor wenigen Jahren eine der
       meist ...
   ... Handelsstation. Mamusa, das noch vor wenigen Jahren einer der
       meist ...

   [S. 27]:
   ... jenes des kleinen Maricoflusses und die Farm Weltufrede
       erreicht. Diese ...
   ... jenes des kleinen Maricoflusses und die Farm Weltevreeden
       erreicht. Diese ...

   [S. 28]:
   ... -- In Lebensgefahr. -- Das Buffaerthal. -- Ankunft in
       Schoschong. ...
   ... -- In Lebensgefahr. -- Das Buffadderthal. -- Ankunft in
       Schoschong. ...

   [S. 35]:
   ... ich den harabhngenden Aesten und den Baumstmmen
       auszuweichen. ...
   ... ich den herabhngenden Aesten und den Baumstmmen
       auszuweichen. ...

   [S. 39]:
   ... folgenden Tage Bekannntschaft. Mit Waschen am Ufer
       beschftigt, tauchte ...
   ... folgenden Tage Bekanntschaft. Mit Waschen am Ufer
       beschftigt, tauchte ...

   [S. 42]:
   ... Ich nahm mir damals, nach den Diamentenfeldern zurckgekehrt
       (im ...
   ... Ich nahm mir damals, nach den Diamantenfeldern zurckgekehrt
       (im ...

   [S. 62]:
   ... traf ich ziemlich hufig Lffelreiher und Enten unter dem
       brigen Wildgeflgel ...
   ... traf ich ziemlich hufig Lffelreiher und Enten. Unter dem
       brigen Wildgeflgel ...

   [S. 68]:
   ... War das ein Angriff auf den Wagen und seine Insassen. Sie
       schienen ...
   ... War das ein Angriff auf den Wagen und seine Insassen? Sie
       schienen ...

   [S. 81]:
   ... Vom Nataspruit nach Camasetse. ...
   ... Vom Nataspruit nach Tamasetse. ...

   [S. 86]:
   ... zwei gestreife Gnu's, einige Zebra's und Perlhhner, von
       denen ...
   ... zwei gestreifte Gnu's, einige Zebra's und Perlhhner, von
       denen ...

   [S. 91]:
   ... bis sieben Fu hohen Grase vortreffliche Schlupfwinkel. ...
   ... bis sieben Fu hohen Grase vortreffliche Schlupfwinkel. ...

   [S. 104]:
   ... zogen durch sehr tiefen Sand nach dem Tamatsetse- (d. h.
       sandiger Ort) ...
   ... zogen durch sehr tiefen Sand nach den Tamasetse- (d. h.
       sandiger Ort) ...

   [S. 110]:
   ... in welchen sich der Missionr Thompson aufhielt, um von ...
   ... in welchem sich der Missionr Thompson aufhielt, um von ...

   [S. 111]:
   ... unmittelbar ber der Erde 28 Fu 10 Zoll im Umfange hatte.
       Minder ...
   ... unmittelbar ber der Erde 98 Fu 10 Zoll im Umfange hatte.
       Minder ...

   [S. 120]:
   ... Bewegung mit der Hand oder irgend welche andere den Lwen im
       Allmeinen ...
   ... Bewegung mit der Hand oder irgend welche andere den Lwen im
       Allgemeinen ...

   [S. 123]:
   ... Rckkunft die Ochsen hten. Pit entscho ich mich als
       einzigen Diener ...
   ... Rckkunft die Ochsen hten. Pit entschlo ich mich als
       einzigen Diener ...

   [S. 127]:
   ... gewnschten Aufschlsse von einem Masarwa, der als Kind mit
       einem ...
   ... gewnschten Aufschlsse von einem Manansa, der als Kind mit
       einem ...

   [S. 132]:
   ... rthlichen Glanz der untergehenden Sonne in seinen tieferen
       Partien im ...
   ... rthlichen Glanz der untergehenden Sonne in seinen tieferen
       Partien in ...

   [S. 133]:
   ... in das Reich Sekelutu's. -- Ein Masupia-Grab. -- Thierleben
       am Tschobe. -- Makumba. -- Begegnung ...
   ... in das Reich Sekeletu's. -- Ein Masupia-Grab. -- Thierleben
       am Tschobe. -- Makumba. -- Begegnung ...

   [S. 141]:
   ... Masupia-Grab. ...
   ... Grab eines Masupia-Huptlings. ...

   [S. 150]:
   ... annehmen, bevor nicht der Knig eines empfangen. ...
   ... annehmen, bevor nicht der Knig eines empfangen. ...

   [S. 157]:
   ... zur Abwehr auszustrecken, hatte eine vllige Amputation
       desselben zur Folge. ...
   ... zur Abwehr auszustrecken, hatte eine vllige Amputation
       derselben zur Folge. ...

   [S. 168]:
   ... Herrscherr verschenkt. Seither finden wir unter den
       dunkelgefrbten ...
   ... Herrscher verschenkt. Seither finden wir unter den
       dunkelgefrbten ...

   [S. 202]:
   ... Knoten ihres wolligen Haares werden mit einem aus Fett und
       Braunstein ...
   ... Knoten ihres wolligen Haares werden mit einem aus Fett und
       Brauneisenstein ...

   [S. 216]:
   ... trafen Kudu's, Stein- und Wasserbcke, Buschvaarks und
       zahlreiche Elephantenspuren. ...
   ... trafen Kudu's, Stein- und Wasserbcke, Bushvaarks und
       zahlreiche Elephantenspuren. ...

   [S. 222]:
   ... Ketten quer ber den Flu sich hinziehender und grentheils
       aus dem ...
   ... Ketten quer ber den Flu sich hinziehender und grtentheils
       aus dem ...

   [S. 223]:
   ... und Prinzessinen mit deren Namen zu belegen. ...
   ... und Prinzessinnen mit deren Namen zu belegen. ...

   [S. 250]:
   ... Moquai, Knig Sepopo's Tochter. ...
   ... Kaka, Knig Sepopo's Tochter. ...

   [S. 253]:
   ... hier zum erstenmale den Bienenfnger (Herops Nubicus), einen
       grauen, ...
   ... hier zum erstenmale den Bienenfnger (Merops Nubicus), einen
       grauen, ...

   [S. 264]:
   ... dieser Fangvorrichtang ist sehr sinnreich ausgedacht und
       ausgefhrt. ...
   ... dieser Fangvorrichtung ist sehr sinnreich ausgedacht und
       ausgefhrt. ...

   [S. 286]:
   ... aorderste durch die Flucht der Lwin ermuthigte Schaar
       lautgellende ...
   ... vorderste durch die Flucht der Lwin ermuthigte Schaar
       lautgellende ...

   [S. 299]:
   ... Thierfellen bekleidet (meist Luchs- und grauen Fuchsfellen).
       Manche hatten ...
   ... Thierfellen bekleidet (meist Thari- und grauen Fuchsfellen).
       Manche hatten ...

   [S. 300]:
   ... Am 25. beraschte uns Sepopo und Moquai mit einer Serenade, ...
   ... Am 25. berraschte uns Sepopo und Moquai mit einer Serenade, ...

   [S. 317]:
   ... erichteten Grashtten untergebracht, stellte sich heftiges
       Erbrechen und ein ...
   ... errichteten Grashtten untergebracht, stellte sich heftiges
       Erbrechen und ein ...

   [S. 324]:
   ... Stunden in einer Kalabesse belassenen Honigwaben und dem
       unreinen ...
   ... Stunden in einer Kalebasse belassenen Honigwaben und dem
       unreinen ...

   [S. 340]:
   ... Abgaben. Mit Nilpferdspeck oder Fleisch gekocht, bietet di
       Li-tu- und die ...
   ... Abgaben. Mit Nilpferdspeck oder Fleisch gekocht, bietet die
       Li-tu- und die ...

   [S. 354]:
   ... einem solchen Falle war jedes Gesetz null und nichtig. Die
       Beschuldigung des des ...
   ... einem solchen Falle war jedes Gesetz null und nichtig. Die
       Beschuldigung des ...

   [S. 357]:
   ... folgte eine dritte schlielich wurde er so lange mit dem
       Vorderkrper in's ...
   ... folgte eine dritte, schlielich wurde er so lange mit dem
       Vorderkrper in's ...

   [S. 360]:
   ... Der Aberglaube ist einer der bedauernswerten Erscheinungen,
       welche ...
   ... Der Aberglaube ist eine der bedauernswerten Erscheinungen,
       welche ...

   [S. 362]:
   ... (aus Holz) versehene, Schnuptabakdosen hnliche Kalebassen,
       zugepfropfte ...
   ... (aus Holz) versehene, Schnupftabakdosen hnliche Kalebassen,
       zugepfropfte ...

   [S. 395]:
   ... der Mantichorae und Carabi venatores; diese leben paarweise ...
   ... der Mantichorae und Anthiae thoracicae; diese leben paarweise ...

   [S. 399]:
   ... fhlte sich durch denselben sehr geschmeichelt, lie so fort
       von Westbeech einen ...
   ... fhlte sich durch denselben sehr geschmeichelt, lie sofort
       von Westbeech einen ...

   [S. 406]:
   ... Ruinen am Rocky-Schascha. ...
   ... Ruinen von Rocky-Schascha. ...

   [S. 421]:
   ... Walde machten sich die schon mehrmals erwhnten Morulabume,
       bemerkbar, ...
   ... Walde machten sich die schon mehrmals erwhnten Morulabume
       bemerkbar, ...

   [S. 427]:
   ... anderen bis zwei Meter hoch und dreiig bis fnfzig Centimer
       stark war. ...
   ... anderen bis zwei Meter hoch und dreiig bis fnfzig
       Centimeter stark war. ...

   [S. 470]:
   ... Jeder der an der Jagd theilnehmenden Farmer hatte einige
       Hunde mitmitgebracht, ...
   ... Jeder der an der Jagd theilnehmenden Farmer hatte einige
       Hunde mitgebracht, ...

   [S. 483]:
   ... ihre uneigentzige Frsorge bei Durchsicht der in den
       englischen sdafrikanischen ...
   ... ihre uneigenntzige Frsorge bei Durchsicht der in den
       englischen sdafrikanischen ...

   [S. 504]:
   ... hat, beruht hauptschlich: erstlich auf der Idee eines
       dauernden sdafrinischen ...
   ... hat, beruht hauptschlich: erstlich auf der Idee eines
       dauernden sdafrikanischen ...

   [S. 509]:
   ... schon vor einem Jahre dahin abgesandten Sammlungen in
       vierunzwanzig ...
   ... schon vor einem Jahre dahin abgesandten Sammlungen in
       vierundzwanzig ...

   [S. 525]:
   ... Seit ihrem Tode kam der Brandy wieder ber mich und und ich
       bin der Diamond ...
   ... Seit ihrem Tode kam der Brandy wieder ber mich und ich bin
       der Diamond ...

   [S. 530]:
   ... but by a blood-thirsty, sawage king guilty of the shedding of
       the innocent blood ...
   ... but by a blood-thirsty, savage king guilty of the shedding of
       the innocent blood ...

   [S. 530]:
   ... of thousands of human beings! Schocking! How has such a
       creature ever dared ...
   ... of thousands of human beings! Shocking! How has such a
       creature ever dared ...

   [S. 530]:
   ... and fury, the seat of the lowest degradation of the human
       race, where membres ...
   ... and fury, the seat of the lowest degradation of the human
       race, where members ...

   [S. 530]:
   ... Courage is the only virtue we coud attribute to them (the
       Zulu's) if it would be ...
   ... Courage is the only virtue we could attribute to them (the
       Zulu's) if it would be ...

   [S. 531]:
   ... welfare by overthroving, and overwhelming the race of the
       whites, look with ...
   ... welfare by overthrowing, and overwhelming the race of the
       whites, look with ...

   [S. 531]:
   ... true desire towards this volcano in our north eastern corner;
       sigh in tought, sigh ...
   ... true desire towards this volcano in our north eastern corner;
       sigh in thought, sigh ...

   [S. 531]:
   ... in words, and most secretly troug messengers they sent into
       Cetywayo's laager. ...
   ... in words, and most secretly through messengers they sent into
       Cetywayo's laager. ...

   [S. 531]:
   ... There the last outburst of all the lowest savage vices seks
       its protection, finds ...
   ... There the last outburst of all the lowest savage vices seeks
       its protection, finds ...






End of the Project Gutenberg EBook of Sieben Jahre in Sd-Afrika. Zweiter
Band., by Emil Holub

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SIEBEN JAHRE IN SD-AFRIKA. ***

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